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David Hockney (Leseprobe)

Monica Foggia / Giovanni Gastaldi David Hockney – Der letzte Maler 144 Seiten, Hardcover, Euro (D) 22 | Euro (A) 22.70 | CHF 28 ISBN 978-3-03876-278-2 (Midas Collection) David Hockneys Arbeit ist stark von seinem persönlichen Leben beeinflusst. Von diesem reichen und spannenden Leben wollte der Künstler aus seiner eigenen Perspektive, mit seinen eigenen Emotionen und mit seinen Bildern erzählen. David Hockneys Leben und Werk werden in dieser Graphic Novel von einem imaginären Museumswärter in der Tate Britain in London in den Tagen vor der Eröffnung seiner großen Retro­spektive erzählt. Eine farbenfroh illustrierte Graphic Novel, die auch für Kunsteinsteiger geeignet ist.

Monica Foggia / Giovanni Gastaldi
David Hockney – Der letzte Maler
144 Seiten, Hardcover, Euro (D) 22 | Euro (A) 22.70 | CHF 28
ISBN 978-3-03876-278-2 (Midas Collection)

David Hockneys Arbeit ist stark von seinem persönlichen Leben beeinflusst. Von diesem reichen und spannenden Leben wollte der Künstler aus seiner eigenen Perspektive, mit seinen eigenen Emotionen und mit seinen Bildern erzählen. David Hockneys Leben und Werk werden in dieser Graphic Novel von einem imaginären Museumswärter in der Tate Britain in London in den Tagen vor der Eröffnung seiner großen Retro­spektive erzählt. Eine farbenfroh illustrierte Graphic Novel, die auch für Kunsteinsteiger geeignet ist.

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Monica Foggia<br />

Giovanni Gastaldi<br />

PAVIP<br />

<br />

Der letzte Maler<br />

MIDAS


DAVID<br />

HOCKNEY


1. Auflage 2023<br />

ISBN 978-3-03876-278-2<br />

© 2023 Midas Collection<br />

© Texte: Monica Foggia<br />

© Illustrationen: Giovanni Gastaldi<br />

Übersetzung: Dr. Friederike Römhild<br />

Layout: Ulrich Borstelmann<br />

Lektorat/Projektleitung: Gregory C. Zäch<br />

Printed in Europe<br />

Die Originalausgabe »<strong>David</strong> <strong>Hockney</strong>« ist 2022 bei BesideBooks s.r.l. erschienen.<br />

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation<br />

in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische<br />

Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.<br />

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise,<br />

ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages urheberrechtswidrig und strafbar.<br />

Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in<br />

Seminar unterlagen und elektronischen Systemen.<br />

Midas Verlag AG, Dunantstrasse 3, CH 8044 Zürich<br />

kontakt@midas.ch, www.midas.ch, socialmedia: midasverlag


DAVID<br />

HOCKNEY<br />

Der letzte Maler<br />

Monica Foggia<br />

Giovanni Gastaldi<br />

MIDAS


<strong>David</strong> <strong>Hockney</strong>:<br />

Der letzte Maler<br />

Der englische Maler, Grafiker und Bühnenbildner <strong>David</strong> <strong>Hockney</strong> ist einer<br />

der einflussreichsten britischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Er wurde<br />

am 9. Juli 1937 in Bradford in der Grafschaft Yorkshire geboren. Seit Kinder tagen<br />

begeisterte er sich für Literatur und Kunst, und die Eltern förderten intensiv<br />

seine künstlerische Neigung. Den griechischen Dichter Kaváfis und die Künstler<br />

Picasso, Matisse und Fragonard begann er im Laufe der Zeit regelrecht zu<br />

bewundern. Von 1954 bis 1957 besuchte <strong>Hockney</strong> das Bradford College of Art.<br />

1959 trat er in die Meisterklasse am Royal College of Art in London ein und experimentierte<br />

mit verschiedenen Formen, unter anderem dem abstrakten Expressionismus.<br />

Er verweigerte den Kriegsdienst und leistete Zivildienst als Pfleger in<br />

einem Krankenhaus. Auf Empfehlung des Malers und Freundes R. B. Kitaj ver-<br />

5


folgte er die abstrakte Malere nicht weiter und schuf seine ersten Werke, die<br />

der englischen Pop-Art zugeschrieben werden. Seine Leidenschaft für Literatur<br />

inspirierte <strong>Hockney</strong> immer wieder. In einigen seiner ersten Gemälde verwendete<br />

er Gedichtzeilen und Zitate des amerikanischen Schriftstellers Walt<br />

Whitman. Zudem fing <strong>Hockney</strong> an, in seinen Werken – wie zum Beispiel in Wir<br />

zwei Jungs, zusammenhaltend (1961) –, mit seiner Homosexualität offen umzugehen,<br />

obwohl diese im Vereinigten Königreich verboten war. Die Wahl der Farben,<br />

darunter Rosa, Violett, Gelb und Grün zeigt diesen offenen Umgang mit<br />

seiner Homosexualität.<br />

1963 reiste <strong>Hockney</strong> zum ersten Mal nach Kalifornien. Die Erfahrung war so<br />

bereichernd für ihn, dass er ab 1966 einige Zeit dort lebte. Die städtischen<br />

Schwimmbäder waren eines seiner bevorzugten Motive, vor allem, weil sie ihm<br />

erlaubten, mit einem leidenschaftslosen und distanzierten Blick die Welt der<br />

6


Reichen und des Vergnügens darzustellen. <strong>Hockney</strong> malte zudem kalifornische<br />

Häuser von innen und außen und erreichte bald eine gewisse Bekanntheit dank<br />

seiner zahlreichen Doppelporträts von Freunden und Familie. Mit ihnen fing er<br />

meisterhaft nicht nur die Charakterzüge seiner Modelle ein, sondern auch die<br />

Beziehung zwischen den abgebildeten Personen. Hauptmerkmale dieser Schaffensperiode<br />

sind zweifellos die Verwendung leuchtender Farben und die Darstellung<br />

von Sujets, die von Dekadenz und Sinnlichkeit geprägt sind. Unter den<br />

Doppelporträts ist Mr. und Mrs. Clark und Percy (1970-1971) das populärste. Es<br />

zeigt eines der berühmtesten Paare des »Swinging London«, den Modeschöpfer<br />

Ossie Clark und die Textildesignerin Celia Birtwell, zusammen mit ihrer Katze<br />

Percy in der minimalistischen und intimen Atmosphäre ihrer Wohnung. Dieses<br />

Doppelporträt markiert den Höhepunkt des Realismus in <strong>Hockney</strong>s künstlerischem<br />

Schaffen.<br />

<strong>David</strong> <strong>Hockney</strong> war auch ein begabter Fotograf. In den 1970er-Jahren begann<br />

er mit der Fotografie im weitesten Sinne zu arbeiten. 1970 schuf er seine ersten<br />

Polaroid-Collagen mit Fotografien, die er auf ein Gitter anbrachte. Mitte der<br />

1970er-Jahre hatte er sich fast ganz von der Malerei entfernt und beschäftigte<br />

sich am liebsten mit Fotografie, Lithografie, Bühnenbildern und Kostümen für<br />

Ballett, Oper und Theater.<br />

Ende 1980 kehrte der britische Künstler zurück zur Malerei, nun sind es vor allem<br />

Darstellungen von Meereslandschaften, Blumen und liebgewonnenen Menschen.<br />

In diese Zeit fallen auch seine ersten Schritte auf einem damals noch<br />

unerforschten Gebiet: die Verbindung von Kunst und Technologie. So entstanden<br />

1986 die ersten selbst erstellten Drucke auf einem Fotokopierer. <strong>Hockney</strong>s<br />

gesamtes künstlerisches Werk war bis dahin von figürlichen Elementen<br />

durchzogen, allerdings frei von einem allzu strengen Naturalismus. Die Stärke<br />

des Künstlers liegt in seiner besonderen Beobachtungsgabe – <strong>Hockney</strong> nannte<br />

sie »eyeballing« –, mit der er vermittelt, was er in seinem Umfeld erforscht. So<br />

7


entstanden Werke, denen es gelang, den langsamen Fluss der Zeit in Bilder zu<br />

übersetzen. Zu ihnen gehört eine seiner experimentellsten Arbeiten: Vier Jahreszeiten<br />

– Landschaften im Dialog (2020). Dabei handelt es sich um eine Videoinstallation<br />

und Collage, die den jahreszeitlichen Wandel der Natur darstellt. Der<br />

Künstler zeigt den langsamen Übergang von Frühling, Sommer, Herbst und Winter,<br />

indem er Farbe und Empfindungen verschmelzen lässt. In einer Reihe von<br />

Bildern, die auf einem iPad entstanden und von der Poetik des Impressionismus<br />

inspiriert sind, macht er die Kraft der Natur sichtbar Die Abfolge ähnlicher,<br />

aber nicht identischer Bilder ergeben eine sich wiederholende Erzählung. Die<br />

Betrachte rinnen und Betrachter werden selbst Teil des Kunstwerkes, denn sie<br />

müssen in der Mitte des Raumes stehenbleiben und sich um sich selbst drehen,<br />

um das ganze Werk zu erfassen.<br />

Im Februar 2017 eröffnete das Londoner Museum Tate Britain in Zusammenarbeit<br />

mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Metropolitan Museum in<br />

New York eine Retrospektive zu <strong>David</strong> <strong>Hockney</strong>s Werk. Im Januar 2023 wurde<br />

im Londoner Lightroom nahe Kings Cross unter dem Namen Bigger & Closer eine<br />

große immersive Ausstellung eröffnet, in der <strong>Hockney</strong>s berühmteste Gemälde<br />

zusammen mit neueren Werken als digitale Show gezeigt wurden. Die Ausstellung<br />

macht deutlich, dass <strong>Hockney</strong> nie aufgehört hat, zu experimentieren und<br />

neue technologische Möglichkeiten ganz bewusst künstlerisch einsetzte.<br />

Das Privatleben <strong>David</strong> <strong>Hockney</strong>s wurde von vielen großen Erfolgen geprägt, aber<br />

auch von schmerzhaften Erfahrungen, die der Künstler dank seiner Liebe zur<br />

Kunst überstand, ohne sich selbst zu verlieren. Im unübersichtlichen Labyrinth<br />

des Lebens war ihm die Kunst ein Kompass. 2012 erschien <strong>Hockney</strong>s Autobiografie<br />

Die Welt in meinen Augen (A Bigger message). Ein fiktiver Erzähler berichtet<br />

über das Privatleben und die künstlerische Karriere des Künstlers und wird so<br />

zu einer Hommage an einen der bedeutendsten Repräsentanten des Kunstbetriebs<br />

an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert. Zusammen mit dem<br />

8


Kunstkritiker Martin Gayford veröffentlichte er 2016 das Buch Welt der Bilder<br />

(A History of Pictures), in dem die beiden die Geschichte der Malerei erforschen.<br />

In seiner Autobiografie blickt ein fiktiver Erzähler auf das Privatleben und die<br />

künstlerische Karriere <strong>Hockney</strong>s und wird so zu einer Hommage an einen der<br />

bedeutendsten Repräsentanten des Kunstbetriebs an der Wende vom 20. zum<br />

21. Jahrhundert. Dem britischen Künstler ging es stets darum, eine Kunst zu<br />

schaffen, die alle und alles einbezieht. Die Betrachterinnen und Betrachter sollten<br />

aktiv Teil seiner Werke sein. Die Vielseitigkeit seines künstlerischen Schaffens<br />

und die autobiografischen Bezüge in seinen Werken unterscheiden ihn von<br />

seinen Zeitgenossen und machen ihn einzigartig.<br />

9


Prolog


13<br />

LONDON, TATE BRITAIN,<br />

JANUAR 2017


Hallo, sind<br />

Sie die<br />

Kuratorin?<br />

Hallo, ja,<br />

Uma Kumar.<br />

Wegen Umbau<br />

geschlossen<br />

Um Himmels willen,<br />

macht langsam!<br />

Keine<br />

Sorge!<br />

14


Guten<br />

Abend, Frau<br />

Kumar.<br />

Ah, Sie sind es!<br />

Guten<br />

Abend, Herr<br />

Jones!<br />

Morgen beginnen wir mit<br />

dem Aufbau der Ausstellung<br />

zu <strong>Hockney</strong>.<br />

Das freut<br />

mich sehr.<br />

Hallo, wir<br />

sind so weit!<br />

Sehr gut,<br />

für heute<br />

machen wir<br />

Schluss.<br />

Liam, bis morgen!<br />

Einen schönen<br />

Abend!<br />

15


Endlich, <strong>David</strong>!<br />

Deine Werke …<br />

… dein Leben …<br />

… auf einer einzigartigen<br />

Bühne präsentiert<br />

16


Hey, Liam, was machst<br />

du noch hier?<br />

Ich will sicher gehen, dass<br />

<strong>Hockney</strong> gut behandelt wird!<br />

Oh, Chanya,<br />

guten Abend!<br />

<strong>Hockney</strong>? Seine Werke,<br />

wolltest du sagen!<br />

Das ist dasselbe:<br />

Mit seiner Kunst<br />

hat er immer auch<br />

von seinem Leben<br />

erzählt.<br />

Na, in gewisser Weise … ja …<br />

Es ist, als würde ich ihn<br />

persönlich kennen!<br />

Du sprichst über<br />

ihn, als würdest<br />

du ihn persönlich<br />

kennen!<br />

17


Inwiefern? Kennst<br />

du ihn oder nicht?<br />

Unsere Leben haben sich berührt.<br />

<strong>Hockney</strong> hat zum Ausdruck<br />

gebracht, was für mich, als<br />

Jugendlicher, unsagbar war.<br />

Als ich mich in den Versen Kaváf is suchte, bin ich ihm begegnet.<br />

18<br />

Ich habe ihn am Beckenrand der Schwimmbäder in Kalifornien angetroffen.


Ich habe ihn verfolgt zwischen den versteckten Symbolen<br />

Ich habe ihn in den Details seiner Collagen gesucht, ihn schließlich wiedergefunden, mich wiedergefunden, in den Landschaften Yorkshires.<br />

seiner Doppelporträts von mir unbekannten Menschen.<br />

19


Kapitel 1


Also, das sind die Drucke<br />

aus dem Jahr 1967.<br />

1967 WAR ICH NOCH EIN JUNGE.<br />

VERWIRRT – GANZ KLAR – UND<br />

ZUGLEICH VERÄNGSTIGT.<br />

22


DIE ANGST, DIE SCHAM, DIESES NUR SCHWER<br />

ZU ERTRAGENDE MINDERWERTIGKEITSGEFÜHL<br />

LIESS LANGSAM NACH, ALS ICH DIE GEDICHTE<br />

VON KONSTANTINOS KAVÁFIS LAS UND, WENIG<br />

SPÄTER, HOCKNEYS ILLUSTRATIONEN FÜR<br />

VIERZEHN GEDICHTE VON K. P. KAVÁFIS SAH.<br />

DIE RADIERUNGEN ERSCHÜTTERTEN MICH TIEF. ICH<br />

VERSTAND, DASS MEINE PERSÖNLICHE GESCHICHTE IN JENER<br />

UNIVERSALEN AUFGING: DAS PERSÖNLICHE IST POLITISCH.<br />

1967 WAR EIN WICHTIGES JAHR FÜR DAS<br />

ZIVILRECHT IM VEREINIGTEN KÖNIGREICH,<br />

UND HOCKNEY FORDERTE, DASS SICH KUNST<br />

UND LITERATUR MIT HOMOSEXUELLEN THEMEN<br />

AUSEINANDERSETZTEN.<br />

HOCKNEY WÄHLTE EINEN HOMOSEXUELLEN<br />

DICHTER, DER ZU BEGINN DES 20. JAHRHUNDERTS<br />

SCHRIEB, ALS ES IN VIELEN LÄNDERN NOCH ILLE-<br />

GAL WAR, SEINE HOMOSEXUALITÄT AUSZULEBEN.<br />

23


ER WAR 23 JAHRE ALT, ALS ER SICH IN KAVÁFIS UND WHITMAN<br />

VERLIEBTE. OBWOHL HOMOSEXUALITÄT IN ENGLAND EINE STRAFTAT<br />

WAR, VERSTECKTE SICH HOCKNEY NICHT, IM GEGENTEIL!<br />

DIESER MUT<br />

SPIEGELTE SICH IN<br />

SEINER KUNST WIDER.<br />

IN DEN 1960ER-JAHREN<br />

SPRENGTE HOCKNEY DIE<br />

AKADEMISCHE STRENGE …<br />

… MIT SEINEM<br />

HUMOR.<br />

24


LONDON, RBA GALLERIES,<br />

YOUNG CONTEMPORARIES,<br />

FEBRUAR 1961<br />

ER WAR STUDENT DES ROYAL COLLEGE,<br />

ALS ER SICH AN DIESEM KUNSTEREIGNIS<br />

BETEILIGEN KONNTE.<br />

DIESE AUSSTELLUNG ÖFFNETE<br />

IHM DIE TÜR ZUM ERFOLG.<br />

<strong>David</strong>, alle<br />

sprechen von dieser<br />

Ausstellung!<br />

Ja, das<br />

scheint<br />

richtig gut<br />

zu laufen!<br />

Die Kritik<br />

nennt sie<br />

außergewöhnlich.<br />

Das glaub ich<br />

gern! Auch ich bin<br />

außergewöhnlich!<br />

Um Tea Painting in an<br />

Illusionistic Style noch<br />

illusionistischer zu machen,<br />

musste ich die Leinwand<br />

anpassen!<br />

25


26<br />

Ich habe ewig<br />

rumprobiert und mir<br />

den Kopf darüber<br />

zerbrochen!


LONDON, ROYAL COLLEGE OF ART, 1961<br />

DIE AUSSTELLUNG RÜCKTE<br />

DAS ROYAL COLLEGE INS<br />

RAMPENLICHT …<br />

Ich bin<br />

gespannt, diese<br />

Jungs bei der<br />

Arbeit zu sehen!<br />

… DAS SCHLIESSLICH SEINE TÜREN<br />

FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT ÖFFNETE.<br />

Sie sind <strong>David</strong><br />

<strong>Hockney</strong>?<br />

Hallo! Äh, ich<br />

würde sagen, ja!<br />

Wer ist Ihre<br />

Muse?<br />

Ich bevorzuge<br />

männliche Musen,<br />

aber im Moment<br />

habe ich keine!<br />

Entschuldigen<br />

Sie die Unverschämtheit,<br />

ich<br />

wollte Sie nicht<br />

schockieren!<br />

<strong>David</strong>,<br />

entschuldige, ich<br />

brauche dich!<br />

Aber … aber …<br />

27


Hast du John<br />

Kasmin auf dem<br />

Schirm?<br />

Ja, ich kenne<br />

ihn, warum?<br />

Er möchte<br />

eines deiner<br />

Werke<br />

kaufen!<br />

Waaaas?!?<br />

JOHN KASMIN, AUCH ALS KAS<br />

BEKANNT, WAR EIN JUNGER<br />

BRITISCHER SAMMLER UND<br />

KUNSTHÄNDLER, TÄTIG FÜR<br />

DIE MARLBOROUGH GALLERY<br />

IN LONDON.<br />

Er möchte dich außerdem kennenlernen!<br />

Ich hoffe, er macht sich<br />

nichts aus dem Rechtschreibfehler<br />

auf Tea Painting!<br />

NACHDEM ER DIE YOUNG<br />

CONTEMPORARIES ANGESEHEN<br />

HATTE, ERWARB ER PRIVAT DOLL<br />

BOY FÜR 40 PFUND VON EINEM<br />

SPRACHLOSEN HOCKNEY, DER NICHT<br />

GLAUBEN KONNTE, DASS JEMAND<br />

FÜR EINES SEINER WERKE SO VIEL<br />

GELD ZAHLEN WÜRDE!<br />

Ich hab mich vertan, weil<br />

die Schachtel vielleicht flach<br />

ausgesehen hätte!<br />

28


VON DA AN WAR HOCKNEY NICHT MEHR<br />

AUFZUHALTEN: ER VERSUCHTE SICH IN<br />

RADIERUNGEN UND GEWANN DEN GUINNESS<br />

AWARD; ZUSAMMEN MIT ANDEREN KÜNSTLERN<br />

VOM ROYAL COLLEGE STAFFIERTE ER DAS<br />

SCHIFF S. S. CANBERRA AUS.<br />

MIT DEM GELD, DAS ER FÜR DIESE ARBEIT<br />

ERHIELT, DANK DES VERKAUFS VON EINIGEN<br />

BILDERN UND EINES VERGÜNSTIGTEN<br />

FLUGTICKETS REISTE ER DAS ERSTE MAL NACH<br />

NEW YORK UND WAR BEGEISTERT.<br />

BLONDINEN<br />

HABEN MEHR<br />

SPASS<br />

IM DEZEMBER MACHTE ER SEINE ERSTE REISE NACH ITALIEN.<br />

IN FLORENZ BESICHTIGTE ER DIE UFFIZIEN UND WAR VON<br />

DUCCIO DI BUONINSEGNAS KREUZIGUNG SEHR BEEINDRUCKT.<br />

WEIL ER NUR NOCH WENIG GELD HATTE, REISTE ER AUF DEM<br />

RÜCKSITZ EINES LIEFERWAGENS ZURÜCK.<br />

29


LONDON, 1962<br />

New York ist<br />

wunderbar, es ist wie<br />

im Luna Park!<br />

Stimmt, es ist eine<br />

sehr anregende<br />

Stadt …<br />

Nur<br />

anregend?<br />

Sie ist viel mehr! Ich konnte<br />

bis spät in die Nacht faulenzen<br />

und mich dann auf den Weg in<br />

angesagte Bars machen.<br />

Und keine<br />

gewöhnlichen<br />

Bars …<br />

… aber<br />

Schwulenbars,<br />

versteht ihr?<br />

Verstehe, du willst dich<br />

nicht mehr verstecken<br />

müssen, stimmt’s?<br />

Ich verstecke mich nicht!<br />

Ich möchte, dass jeder seine<br />

wirkliche Sexualität frei<br />

leben kann!<br />

30


Um dich nicht zu verstecken,<br />

hast du dir die Haare blondiert?<br />

Was ist das für<br />

eine Frage?<br />

Anfangs war<br />

das nur ein<br />

Scherz!<br />

Meine Freunde Mark und<br />

Ferril haben mir das schwule<br />

New York gezeigt.<br />

Jetzt aber<br />

bist du in<br />

London, hast<br />

du keine<br />

Angst?<br />

Die Angst ist nur eine<br />

Wand, die wir einreißen<br />

können, um mehr Licht<br />

im Haus zu haben!<br />

Eines Tages<br />

haben wir im Fernsehen<br />

die Werbung für ein<br />

Produkt zum Blondieren<br />

der Haare gesehen.<br />

Es hieß: »Blonde<br />

haben mehr Spaß«,<br />

in Anlehnung an den<br />

Film Manche mögenʼs<br />

heiß – ich liebe ihn!<br />

31


Habt ihr Lust,<br />

auszugehen?<br />

<strong>David</strong>, bitte erzähl<br />

weiter!<br />

Ja,<br />

unbedingt!<br />

Sicher?<br />

Und wie!<br />

Also, wo war<br />

ich stehengeblieben?<br />

Ah ja …<br />

… irgendwann<br />

sind wir losgegangen<br />

und haben<br />

es gekauft, und<br />

siehe da!<br />

Vergnügst<br />

du dich jetzt<br />

mehr?<br />

Ich bin<br />

nicht sicher,<br />

ob sich Blonde<br />

generell<br />

mehr amüsieren<br />

…<br />

… aber ich auf<br />

jeden Fall!<br />

Ich habe mich<br />

neu erfunden,<br />

ich glaube, mein<br />

neuer Look zeigt<br />

deutlich, dass ich<br />

schwul bin.<br />

32


LOS ANGELES, 1964<br />

1964 KEHRTE ER NACH NEW YORK ZURÜCK<br />

UND ZOG DANN NACH KALIFORNIEN.<br />

NACH DEM DIPLOM AM<br />

ROYAL COLLEGE GING<br />

HOCKNEY NACH ROM,<br />

BERLIN, KAIRO UND<br />

ALEXANDRIA IN ÄGYPTEN.<br />

Das kann ich später<br />

aufräumen …<br />

DOCH DER BEGINN SEINER LIEBESGESCHICHTE<br />

MIT KALIFORNIEN WAR NICHT OPTIMAL!<br />

... besser, ich<br />

gehe jetzt mal<br />

raus!<br />

Die Stadt<br />

ist nicht<br />

weit!<br />

DIE ENTFERNUNGEN WAREN<br />

GRÖSSER, ALS ER DACHTE.<br />

ER SUCHTE DAS WILDE LEBEN AM<br />

PERSHING SQUARE, VON DEM ER IN<br />

JOHN RECHYS ROMAN CITY OF NIGHT<br />

GELESEN HATTE, ABER …<br />

Meine<br />

Raumwahrnehmung<br />

hat<br />

mich getäuscht:<br />

Ich schaffe es<br />

nicht!<br />

Das ist wohl ein<br />

Scherz?! Sind das<br />

etwa die Lichter der<br />

Stadt?!?<br />

33


… DIE STADT WAR ZU<br />

WEIT ENTFERNT VON<br />

SEINEM MOTEL …<br />

… UND PERSHING SQUARE<br />

ENTSPRACH NICHT GANZ<br />

SEINEN ERWARTUNGEN …<br />

Das ist nicht<br />

möglich!!! Wo ist<br />

das von Rechy<br />

beschriebene Leben!<br />

SANTA MONICA<br />

HOCKNEY IST TROTZDEM<br />

NICHT AUFZUHALTEN!<br />

Es war leicht, den<br />

Führerschein zu<br />

machen! Hier bin ich,<br />

Stadt der Engel!<br />

34


ER HÄTTE SICH IN DAS ANREGENDE NEW YORK VERLIEBEN<br />

KÖNNEN, IN DAS EXPERIMENTELLE BERLIN ODER DAS EWIGE<br />

ROM, ABER NEIN, ER VERGUCKTE SICH IN LOS ANGELES!<br />

Ich hätte mir ein Atelier<br />

zu Hause ansparen<br />

und einrichten sollen …<br />

Nein, besser so!<br />

… und vielleicht den<br />

ganzen Tag im Schlafanzug<br />

verbringen?<br />

35


HOCKNEY WAR VON JEDER EINZELNEN BESONDERHEIT<br />

IN LOS ANGELES UND KALIFORNIEN VERZAUBERT:<br />

VON DER WEITE DER LANDSCHAFT UND DES MEERES,<br />

VOM FEHLEN SOZIALER KLASSEN, VON DER FREIHEIT,<br />

SEIN ZU KÖNNEN, DER ER SEIN WOLLTE.<br />

Hey, <strong>David</strong>!<br />

Oh, hallo,<br />

Christopher!<br />

Du siehst müde aus, wo<br />

bist du gewesen?<br />

In dem Lokal, das<br />

du mir gestern<br />

empfohlen hast!<br />

36


CHRISTOPHER ISHERWOOD,<br />

ENGLISCHER SCHRIFTSTELLER,<br />

AMERIKANISCHER STAATS-<br />

BÜRGER, ZOG 1929 NACH<br />

BERLIN, DAMALS ALS BABEL AN<br />

DER SPREE BEKANNT WEGEN<br />

SEINES RUFS ALS STADT<br />

DER FREIEN SEXUALITÄT, IN<br />

DER MAN UNGEHEMMT SEINE<br />

HOMO SEXUALITÄT AUS LEBEN<br />

KONNTE. DORT SCHRIEB ER<br />

SEINE BERÜHMTEN ERZÄH-<br />

LUNGEN, GESAMMELT IM BAND<br />

LEB WOHL, BERLIN.<br />

1939 LIESS ER SICH IN<br />

KALIFORNIEN NIEDER<br />

UND ERHIELT 1946<br />

DIE AMERIKANISCHE<br />

STAATSANGEHÖRIGKEIT. 1953<br />

TRAF ER DON BACHARDY,<br />

EIN MALER, MIT DEM ER<br />

BIS ZU SEINEM TOD 1986<br />

ZUSAMMENLEBTE.<br />

Und, wie war’s?<br />

Sagen wir, meine<br />

Erwartungen wurden<br />

nicht enttäuscht!<br />

Du wirkst<br />

nachdenklich.<br />

Es ist das<br />

Wasser: Es<br />

zieht mich an!<br />

Don, <strong>David</strong> ist fasziniert vom Wasser!<br />

Ja, ich möchte es<br />

darstellen, aber es gibt<br />

da etwas …<br />

Hallo!<br />

Geduld, du wirst<br />

herausfnden wie, du<br />

hast Talent!<br />

37


Wasser abzubilden<br />

ist ein echtes<br />

Problem, ein<br />

formales Problem,<br />

ich meine …<br />

… abgesehen von<br />

dem Thema, das<br />

es abbildet, zeigt<br />

sich Wasser immer<br />

in einer anderen<br />

Weise:<br />

Andere Farben,<br />

beweglich oder<br />

unbeweglich, eine<br />

immer andere<br />

Komposition. Aber<br />

faszinierend, ohne<br />

Zweifel!<br />

38


Und – wie wirst<br />

du es darstellen?<br />

Hmm, erstmal<br />

werde ich umsetzen,<br />

was ich<br />

gelernt habe …<br />

… von Piero della Francesca<br />

und Fra Angelico!<br />

HOCKNEY LEBTE SICH SCHNELL IN KALIFORNIEN EIN:<br />

NEBEN ISHERWOOD UND BACHARDY LERNTE ER AUCH DEN<br />

SCHAUSPIELER UND SCHRIFTSTELLER JACK LARSON, DEN<br />

REGISSEUR UND DREHBUCHAUTOR JAMES BRIDGES UND DEN<br />

KUNSTHÄNDLER NICHOLAS WILDER KENNEN.<br />

Vorerst male ich Landschaften<br />

mit Acrylfarben:<br />

Ich mag sie!<br />

39


In gewisser Weise sind<br />

auch die Reflexionen<br />

fgürlich.<br />

Das Wasser in<br />

diesem Pool sagt mir<br />

irgendetwas.<br />

Was bist du?<br />

Reflektiert das<br />

Licht genau wie<br />

das Meer, aber …<br />

Ein Spiegel, das ist es!<br />

Ein Spiegel mit Wellen<br />

in Bewegung!<br />

40


FLUGHAFEN LOS ANGELES,<br />

SOMMER 1964<br />

HOCKNEY HAT DIE GABE, LANGJÄHRIGE<br />

BEZIEHUNGEN ZU MENSCHEN AUFZUBAUEN.<br />

ALS OSSIE CLARK UND DEREK BOSHIER,<br />

SEINE ALTEN FREUNDE AUS DEM ROYAL<br />

COLLEGE, ANKÜNDIGTEN, IHN IN DEN<br />

VEREINIGTEN STAATEN ZU BESUCHEN …<br />

… WAR DAVID AUSSER<br />

SICH VOR FREUDE!<br />

Hey, ihr blassen<br />

Engländer!<br />

<strong>David</strong>!<br />

Bist du hier,<br />

um zu arbeiten<br />

oder in der<br />

Sonne zu liegen?<br />

41


Was macht man<br />

hier Schönes?<br />

Man lebt<br />

Los Angeles!<br />

Ich würde<br />

gern diese<br />

fantastische<br />

Landschaft<br />

sehen …<br />

… sie ist so exotisch!<br />

Und das Licht, wow!<br />

Ich dachte, ich<br />

zeig euch den<br />

Grand Canyon!<br />

Ja, daran dachte<br />

ich auch!<br />

42


GRAND CANYON,<br />

SOMMER 1964<br />

Pass auf, wo du<br />

hintrittst, Derek!<br />

Er ist wie<br />

in Trance!<br />

Es ist<br />

grandios!<br />

Wann kommst du zurück? Swinging<br />

London braucht dich!!<br />

Du<br />

übertreibst!<br />

43


Erzähl, wie geht es dir?<br />

Du bist inzwischen ein<br />

anerkannter Designer!<br />

Ich bin dir<br />

gefolgt …<br />

Hä?<br />

Ja, wirklich, jede<br />

Idee, jedes Bild<br />

inspiriert ein anderes!<br />

Ich interpretiere die<br />

Mode der Zukunft …<br />

Mmh …<br />

… mich inspiriert die<br />

Vergangenheit, Crêpe-<br />

Stoffe und Chiffon!<br />

44


Wie läuft es<br />

mit Celia?<br />

Gut!<br />

… und ich bin völlig<br />

verblüfft!<br />

Keine Ahnung,<br />

was ich ohne<br />

sie machen<br />

würde …<br />

Ich habe ihre<br />

Stoffe gesehen …<br />

sie ist meine<br />

Gefährtin fürs Leben<br />

und für die Kunst!<br />

Weißt du was,<br />

irgendwann möchte ich<br />

euch porträtieren!<br />

45

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