2004-giglio - Fachbereich Biologie

bio.tu.darmstadt.de

2004-giglio - Fachbereich Biologie

Meeresbiologisches Praktikum, Giglio, 8. - 19. Oktober, 2004


Neopren

Memory


Teilnehmer

Katja Domes; Verena Eißfeller; Svenja Gass; Manuela Gebhardt; Gunnar Henkes;

Gregor Kalinkat; Tanja König; Alex Milcu; Mareike Rietze; Dorothee Sandmann;

Katja Schneider; Marco Thomé; Olivera Vucic-Pestic; Kathrin Wagner; Daniela Weigand,

Claudia Maas, Christin Heinrich

Betreuer

Stefan Scheu, Mark Maraun, Christoph Beckers

Aufgaben

Tagesprotokolle

Fr./Sa. 8./9.10. - Gregor Kalinkat, So 10.10. - Katja Schneider; Mo 11.10. - Marco Thome; Di

12.10. - Mareike Rietze; Mi 13.10. - Tanja König; Do 14.10. - Dorothee Sandmann; Fr 15.10. -

Gunnar Henkes; Sa 16.10. - Katja Domes; So 17.10. - Alex Milcu; Mo 18.10. – Olivera Vucic-

Pestic; Di 19.10. – Mark Maraun

Tiergruppen und Bearbeiter

Algen: (Tanja König, MarcoThomé, Olivera Vucic-Pestic)

Schwämme: (Katja Schneider, Katja Domes)

Cnidaria: (Alex Milcu, Kathrin Wagner)

Mollusca: (Manuela Gebhardt, Daniela Weigand)

Annelida: (Verena Eißfeller, Svenja Gass)

Crustacea: (Claudia Maas, Christin Heinrich)

Echinodermata: (Tanja König, Olivera Vucic-Pestic)

Bryozoa: (Gunnar Henkes, Dorothee Sandmann)

Fische: (Gregor Kalinkat, Mareike Rietze)

Projekte

Litoralgradient:

Katja Schneider, Alex Milcu

Sekundäre Hartböden: Oberes u. unteres Litoral:

Katja Domes, Daniela Weigand

Posidonia Wiesen:

Tiefengradient Besiedlung alt – jung, basal – distal

Tanja König, Dorothee Sandmann, Olivera Vucic-Pestic, Gunnar Henkes

Sandfauna (Meiofauna, Makrofauna):

Claudia Maas, Christin Heinrich

Terrestrische Exkursion

Posidoniagrund (Sauger), Tiefengradient:

Svenja Gass, Kathrin Wagner

Felsgrus (Tiefe, Größe, Besiedlung, Wellenexposition):

Manuela Gebhardt, Gregor Kalinkat, Mareike Rietze


Inhaltsverzeichnis

Tagebuch

Anreise oder „Der längste Tag“ 5

Der erste Vormittag im Meer 8

Beprobung der Seegraswiese 10

Quallen, Rippenquallen und Salpen 12

Giglio-Südspitze, Stechginster und Pizza am Hafen 14

Napoleonische Erinnerungen 17

Blackout und Photosession am Strand 19

Laborarbeit und Vorträge 22

Staubsaugen unter Wasser und Neopren-Photos 23

Ganz sicher 26

Artenbeschreibungen & -Liste

Algen 27

Porifera 30

Cnidaria und Ctenophora 34

Annelida 37

Mollusca 44

Crustacea 48

Echinodermata und Ascidiacea 52

Bryozoa 56

Pisces 61

Projekte

Litoralgradient 68

Sekundärer Hartboden und Posidonia-Rhizom 74

Sandfauna (Meiofauna, Makrofauna) 78

Absaugen des Posidonia-Rhizoms 79

Felsgrus 81

Aufwuchs auf Posidonia Blättern 84

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Anreise oder „Der längste Tag“

Freitag, 08. & Samstag, 09.10.

Gregor Kalinkat

Oktober in Deutschland. Strömender Regen. Am Freitag, den 8. Oktober 2004 um 14.00 Uhr

treffen sich 19 Unverzagte mehr oder minder termingemäß in Darmstadt-Ost, um sich gen Süden

aufzumachen, wo die Luft noch warm und das Wasser besonders klar ist bzw. sein soll.

Nur 19? Richtig, da fehlt noch Verena, ERASMUS-Studentin im nicht ganz so fernen Innsbruck,

sie braucht ein bisschen länger, die Zugreise quer durch den Freistaat verzögert sich etwas. So

bleibt den Übrigen Zeit, die 3 VW-Transporter in Ruhe zu beladen, bis alles verstaut ist .

Um 16.10 Uhr kann es dann tatsächlich losgehen, zu meinem persönlichen Wohlergehen verteilen

sich die Teilnehmer der Anzahl nach sehr heterogen auf die Fahrzeuge und in unserem

Bus bleiben 4 Plätze unbesetzt. Allerdings merken wohl alle recht schnell, dass die von Herrn

Beckers ausgewiesen Marschroute nicht einzuhalten ist. Nach etwas über 4, statt der angepeilten

3 Autobahnstunden treffen wir uns in Basel und lassen den deutschen „Freitag-Abend-

Pendler-Stau“ fürs erste hinter uns.

Die Reise geht weiter, durch die 17 Kilometer lange Stahlbetonröhre des Gotthard kommen wir

unserem Fernziel einen weiteren großen Schritt näher. Es folgen lange Stunden Nachtfahrt mit

gemeinsamen Pausen in Bellinzona (CH) und

Parma (IT). Ab dort wird freie Fahrt in Kleingruppen

offen gestellt, und sich für ca. 9 Uhr in

Porto San Stefano verabredet, da die angepeilte

(erste) Fähre uns um 9.45 Uhr in den

Zielhafen überführen soll.

Über die Verkehrsführung auf italienischen

Autobahnbaustellen will ich mich nicht weiter

auslassen, ich würde sonst Gefahr laufen, unangemessene

Ausdrücke zu verwenden. Jedenfalls

haben wir auch das kurvige und unübersichtliche

Stück über den Apennin unbeschadet

überstanden, bevor wir kurz vor Morgengrauen

an diversen Raststätten Begegnung

mit martialisch gekleideten Italienern

machen, die anscheinend in Heerscharen zum

Beginn der Jagdsaison dieses Wochenende

so richtig auf den Putz hauen wollen; allerdings

erwecken die meisten von ihnen weniger

einen waidmännischen, als vielmehr einen

paramilitärischen Anschein...

Um ca. 7.40 Uhr läuft unser Bus als zweiter in

Porto S. Stefano ein (sollte dieser kleine verträumte

Hafenort absichtlich nach dem Leiter

dieser Exkursion benannt sein? Und wenn ja,

wie konnte es zur Heiligsprechung schon zu

Lebzeiten kommen?). Schnell finden wir den

Fährhafen und die andere Gruppe Darmstädter

Biologen unter der Leitung von M. Maraun.

In einer durchaus chaotischen Viertelstunde,

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die ich wegen meiner Schlaftrunkenheit nur noch schemenhaft nachskizzieren kann, erfahren

wir von einer Fährverbindung um 8.00 h, erwerben Tickets für all unsere drei Fahrzeuge und

fiebern anschließend, bis um 7.57 h der Bus Nr. 3 die Serpentinen zum Ort herunter geschossen

kommt. Tatsächlich sind wir allesamt um 8.00 Uhr Ortszeit auf dem Deck des Schiffes verstaut.

Die Freude darüber, das soll sich schnell zeigen, ist jedoch nicht allen Teilnehmern direkt

anzusehen (bzw. verschwindet erstaunlich schnell aus den Gesichtern, um einem grünlichen

Leidensblick Platz zu machen). Die „sachetti per il mal del mar“ werden von Christin und Daniela

in Anspruch genommen, weitere Teilnehmer wünschen sich so schnell wie möglich festen

Boden unter den Füßen, während mir Svenja freundlicherweise einige ihre Ravioli „Diavolo“

anbietet, die ich genüsslich verzehre, schließlich habe ich eine anstrengende Nacht hinter mir.

So ca. um 8.30 h schält sich dann das Ziel all unserer Träume – Isola de Giglio – aus dem

Dunst. Allerdings sehen wir nur die unteren Etagen der Insel rund um den Ort Giglio Porto, da

auch hier im Tyrrhenischen Meer das Wetter (noch) nicht besonders sonnig ist.

So kommt es, dass wir nach der kurvenreichen Fahrt über die Insel eigentlich viel zu früh an

unserem endgültigen Zielort in Campese ankommen. In Claus Valentins Institut für Meeresbiologie

sind zwar gegen 10.00 h morgens noch lange keine Zimmer bezugsfertig, aber für eine

lässige „Do’s and don’t’s“-Einweisung von Assistentin Iris bleibt allemal Zeit: So erfahren wir,

dass auf der Insel mit ihren ca. 3.000 Einwohnern so gut wie nirgends echtes Trinkwasser vorkommt

(außer in den Lebensmittelgeschäften abgepackt in Flaschenform) und dass man sich

somit durch die Verwendung des sauberen, aber brackigen Leitungswassers beim Pasta-Kochen

das Nachsalzen sparen kann. (Eigentlich hätte hier schon der Fehler, bzw. das Fehlen

bestimmter Einkäufe auffallen müssen, aber wahrscheinlich waren alle von der nächtlichen

Mammuttour dermaßen verstrahlt, dass die Sinne noch nicht ganz beieinander waren); auf

Giglio ist nur ein Typus WC-Tuch gesetzlich zugelassen und somit führen Verstöße gegen diese

Klopapier-, wie auch Ruhe- oder die Kassenzettelmitführungsverordnung jederzeit zur

Pauschalbestrafung über 300,-•. Soso. Zunächst untersucht die Gruppe ihr neues, recht überschaubares

Revier und nicht wenige machen Bekanntschaft mit den Köstlichkeiten, die der lokale

Bäcker im Angebot hat.

Inzwischen ist Daniela nicht unwesentlich weniger grün (im Gesicht, nicht hinter den Ohren)

und so überlassen wir ihr um ca. 12.30 h das erste freigewordene Appartement (zusammen mit

drei anderen Mädels). Der weitere Tag wird mit einer ‚Verfolgungsjagd’ hinter dem Bus, anschließenden

Suchbemühungen und Kursraumeinrichtung gestaltet. Außerdem haben dann so

gegen 13.30 auch alle Teilnehmer ein Appartement zugewiesen bekommen, was aber noch

lange nicht heißen soll, dass jetzt die Zeit für ein gemütliches Schläfchen gekommen ist.

Nachmittags gegen, 15.30, 16.00 h, der Kursraum ist inzwischen eingerichtet, begeben sich die

Teilnehmer hin zur ersten Kontaktaufnahme mit den 21°C warmen Fluten des Tyrrhenischen

Meeres. Auf Vollkontakt mit dem salzhaltigen H 2 O müssen die Teilnehmer vorerst jedoch verzichten,

schließlich sind sie in wissenschaftlicher Mission unterwegs und müssen zuerst die

Unterwasser Schutzausrüstung (sprich: 7mm-Neoprenanzug) testen. Einigen fällt es etwas

leichter, andere haben so ihre Müh und Not mit dem Material. Vor allem die Atemeinschränkung

und der extreme Eigenauftrieb des Anzugs sind doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Als sich die Wasserspiele dann langsam dem Ende zuneigen, und die ersten Kampftaucher

hungrig den Fluten entsteigen, wird es endlich bemerkt: ‚SÄMTLICHE ESSENSVORRÄTE

WURDEN IN DARMSTADT VERGESSEN!!!!’ Die Reaktionen der Teilnehmer reichen von unterdrücktem

Zorn über fassungsloses Schweigen bis hin zum hysterisch wahnsinnigen Gelächter.

Nun ja, sie haben um diese Tageszeit ja auch schon einiges hinter sich.

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Kurzerhand wird beschlossen, Tonys Pizzeria am anderen Ende der Campeser Bucht zu besuchen

anstatt, wie geplant, heute Abend selber zu kochen. Allerdings werden die verbleibenden

Stunden bis zum Abendessen sinnvoll genutzt, wir benutzen zum ersten Mal die Duschen in

unseren neuen Domizilen, die unseren Komfort-Ansprüchen nahezu vollauf genügen und kaufen

anschließend für Sonntag weitere Verpflegung.

Um circa 19.00 h geht es dann in besagtes Ristorante, wo wir unser leibliches Wohlbefinden

mithilfe einer frischen Pizza wieder herstellen.

Viele fallen anschließend erschöpft in die Betten, doch ein kleiner Kreis von besonders resistenten

Seelen feiert am Strand noch in den Geburtstag von Olivera hinein. So bis gegen drei Uhr

oder so…

Jetzt aber ins Bett! Buona notte

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Der erste Vormittag im Meer

Sonntag, 10.10.2004

Katja Schneider

8.00 Der Wecker klingelt, Gunnar dreht sich um und schläft weiter. Der Blick aus dem Fenster

erfüllt nicht ganz meine Erwartung, in den Bergen hängen dicke Wolken. Mich friert es schon

bei dem Gedanken an meinen, noch feuchten, Neopren und an das kalte Wasser. Es ist deutlich

zu früh um Nahrung aufzunehmen, aber die Vorstellung erst in vier Stunden etwas zu Essen

zu bekommen treibt dann doch einen kleinen Bissen rein. Bei einem Tee auf dem Balkon

stelle ich fest, dass es wenigstens nicht so kalt ist. So langsam gewinne ich dem Ganzen etwas

Positives ab, gestern beim Probeschnorcheln war das Wasser dank des Neoprens gar nicht so

kalt und auf die interessanten Tiere freue ich mich auch schon.

9.00 Treffpunkt Tauchstation. Nun heißt es, den Ekel zu überwinden und rein in die kalte, feuchte

und stinkende zweite Haut. Durch das Beobachten der anderen ist man etwas von seinen

eigenen Qualen abgelenkt. In diesem Ding fühlt und bewegt man sich wie ein

Michelinmännchen, was auch zu dem einen oder anderen lustigen Foto beiträgt.

9.15 - 9.30 Die Herde bewegt sich langsam Richtung Hafen von Campese. Ich lerne die Welt

aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen, 6 kg (gefühlt 60 kg) mehr auf den Hüften macht

einen zur Schnecke und schränkt einen in jeder Bewegung ein. Da Alex und ich heute das Projekt

’Litoralgradient’ leiten, darf ich zusätzlich noch eine Kiste mit Sammelgefäßen schleppen.

Endlich am Hafen angekommen, lassen wir uns total erschöpft auf den Felsen nieder. Ich habe

das Gefühl, dass ich direkt untergehe, wenn ich mich ins Wasser begebe. Sportliche Betätigung

am frühen Morgen war noch nie etwas für mich.

9.30 - 9.45 Stefan, die Ausdauer in Person, fängt mit der Erklärung des Projektes an. Es sollen

zwei Litoralgradienten untersucht werden, wobei ein Felsen sonnenexponiert und der andere

eher schattenexponiert ist. Die Proben werden jeden Meter von 0 - 5 m mit Hilfe eines Spaltes

(was ist das?, Spaten, Spatel ?) genommen. Wir beschriften die Gefäße für die Probenahme

und verstauen sie in Netzen.

9.45 – 10.15 Bewaffnung mit Schnorcheln, Brille, Flossen, Netzen und Gefäßen. Nun ist erst

mal freies Schnorcheln angesagt. Stefan checkt wie das mit dem Schnorcheln bei seinen

Schützlingen klappt und stellt zufrieden fest, dass keiner große Probleme hat. Er zeigt der

Gruppe die beiden zu untersuchenden Felsen und erklärt Alex und mir wie die Proben genommen

werden sollen. Zwischenzeitlich hat es leicht angefangen zu regnen, aber da man ja sowieso

von allen Seiten vom Wasser umgeben ist, macht das keinen großen Unterschied.

10.15 – 11.45 Stefan, Alex und ich machen uns an die Arbeit. Wir fangen mit der Beprobung

des Sonnen exponierten Felsens an. Die Probenahme stellt sich als nicht ganz einfach und vor

allem Kräfte zehrend heraus. Es ist gar nicht so einfach, ein Stück Fels abzuhacken und dabei

noch darauf zu achten, dass man kein Wasser schluckt und nicht von den Wellen auf einen

Seeigel gespült wird. Zum Glück hilft uns Stefan tatkräftig, er beprobt ab 2 m abwärts. Da mir

die Puste meist schon ausgeht, wenn ich bei 2 m angekommen bin (war ja erst der zweite Tag),

übernehme ich die Funktion der Probegefäßanreicherin. Die ursprüngliche Planung von zwei

Proben pro Tiefe erweist sich bald als unrealistisch und wir gehen dazu über, den Schattenfelsen

zu beproben. Mich verlassen langsam die Kräfte und ich beneide die anderen, die die

Bewohner des Meeres frei entdecken können, während ich mich mit dem Abhacken von Felsbrocken

und den Wellen herumschlage. Ziemlich fertig mache ich mich mit einigen Probegefäßen

auf den Weg zurück zu unserem Ein- bzw. Ausstieg am Hafen. Dort schaue ich mir

neidisch die Ausbeute der anderen an und entspanne mich in ’toter Mann’ Lage im Wasser.

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11.45 – 12.30 Die Rückkehr der Schnorchler. Da die Probegefäße mit Wasser gefüllt und daher

ziemlich schwer sind, beschließt Stefan einen Teil auf dem Wasserweg an unseren Strand zu

bringen. Ich bin ihm sehr dankbar, da ich es gerade noch schaffe, meinen sechs Kilo schwereren

Körper durch den Sand zur Tauchstation zu schleppen.

12.30 – 14.00 Mit letzten Kräften pellen wir uns aus der nassen Neoprenhaut. Jetzt erst mal

warm Duschen und dann was leckeres Essen. Pause!

14.00 – 19.00 Treffpunkt Labor. Alex, Stefan und ich richten die Aquarien für die Proben ein.

Jede Probe bekommt ein eigenes kleines Becken mit Pumpe, insgesamt 12 Stück. Jeder

schnappt sich ein Bino und/ oder Mikroskop, sowie Literatur und fängt an, den Felsbewuchs auf

die eigene Tiergruppe hin zu untersuchen. Wie sich herausstellt, ist die Bearbeitung der Proben

sehr umfangreich und wird noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

19.00 – 21.00 Da die für die Verpflegung zuständige Gruppe das Essen in Darmstadt vergessen

hatte und wir erst am Mittwoch damit rechnen können, geht die ganze Gruppe zu Toni essen.

Dort geschehen seltsame Dinge, eine in Geistergestalt erscheinende Bedienung serviert

Olivera und mir eine Crustacen-Platte unter dem Titel gegrillte Fischplatte. Dies veranlasst

Olivera und Gunnar einen Scherenkampf auszuführen, der mit der Niederlage des Krebses endet.

21.00 – open end: Etwas unmotiviert, weil müde und voll gegessen setze ich mich noch einige

Zeit ans Bino und versuche mit Katja dem Geheimnis der Schwammbestimmung auf die Spur

zu kommen.

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Beprobung der Seegraswiese

Dienstag, 12.10.2004

von Mareike Rietze

Ein Hahn kräht.

Nun am 3. Tag, weiß ich, dass dieses der Wecker von Christin ist und drehe mich gemütlich auf

die andere Seite – es ist ja erst 8 Uhr. Ruhe. Erneut ertönt ein Wecker – kein Hahn, sondern

Musik, der Wecker von Claudia. Jetzt regt sich im Zimmer nebenan etwas. Verschlafen bekomme

ich mit, dass es tatsächlich jemand geschafft hat, sich fertig zu machen und in der Küche

umherzuwerkeln.

Hm, noch ein paar Minuten liegen. Vom Bett aus sehe ich, wie der Tisch voller und voller wird.

So reich gedeckt war er hier noch nicht. Doch wir haben gestern “Großeinkauf“ gemacht. Begeistert

stehen wir dann doch alle auf und genießen das Frühstück, das uns so toll von Christin

bereitet wurde.

Das Wetter ist heute einfach herrlich!

9 Uhr stehen wir bereit um uns in die Neo´s zu zwängen. Die anderen trudeln von Tag zu Tag

später ein. Bevor es ins Wasser geht noch eine kleine Besprechung – heute werden Seegraswiesen

besammelt. Herr Scheu, Herr Beckers und Iris gehen mit Flaschen runter (in der Bucht).

Dort nehmen sie aus 5 m, 10 m und 20 m Tiefe je 4 Proben. Es sieht von oben nicht schlecht

aus, wie die drei dort im Seegras “umherrobben“. Eine Zeitlang gucken ihnen alle zu, doch interessanter

sind dann doch die Tintenfische, die Quallen und die Riesenschwärme von

Mönchsfischen.

Nachdem ich mehrere kräftige Schlucke Salzwasser genommen habe und langsam Krämpfe im

Rückenbereich bekomme, schnorchle ich mit den ersten anderen wieder an Land, wo wir dann

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geduscht und trocken den wundervollen Sonnenschein in der Mittagspause genießen.

14 Uhr – nicht alle sind pünktlich, es fiel wohl vielen schwer, den Strandplatz gegen den

Kursraum zu tauschen. Nun werden unsere Proben vom ersten Tag weiter untersucht. Später

fangen die Seegrasexperten mit ihrem Projekt an. Ihnen wurde von Herrn Scheu eine kleine

Einweisung gegeben und dann die Seegräser sortiert, geteilt und anschließend bearbeitet.

19 Uhr – der Abendbrothunger treibt alle in ihre Appartements. Bei uns gibt es „mal zu Abwechslung“

Nudeln mit Tomatensoße. Schmeckt aber trotzdem gut. Dazu gibt es Wein – der

aber zu wünschen übrig lässt, doch wenigstens etwas!

Kurz nach 21 Uhr komme ich am Kursraum an – doch finde ich ihn verschlossen vor, nur

Herr Beckers, Kathrin, Daniela, Manuela und Verena sind schon da. Bis schließlich alle da

sind ist es 21.30 Uhr. Na es wird jedes Mal später. Manuela hält uns einen Vortrag über die

Vegetation im mediterranen Raum. Danach beschäftigen sich alle wieder mit ihren Tiergruppen

und Projekten.

Olivera stellt dann noch einem Grüppchen die Echinodermaten vor. Da wir viele Tiere im

Aquarium haben, können wir sie auch anfassen. Da ich noch nie zuvor eine Seegurke oder

einen Seeigel angefasst habe, ist dass etwas besonderes für mich.

Langsam löste sich dann alles im Kursraum auf, entweder zum schlafen oder zum gemütlichen

Beisammensein. Ein weiterer schöner und erlebnisreicher Gigliotag ist vorüber.

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Quallen, Rippenquallen und Salpen

Mittwoch, 13.10.2004

Tanja König

Strömender Regen frühmorgens nicht zum ersten Mal seit unsrer Ankunft lies die Worte von Iris

bei der Eingangsbesprechung: „Auf dieser Insel regnet es eigentlich nie!“ irgendwie recht skurril

erscheinen. Nichtsdestotrotz fanden sich 14 unerschrockene Schnorchler/innen um die Proben

des Sandprojekts in 1 m und 5 m Tiefe in „unserer Bucht“ zu nehmen, um herum zu schnorcheln,

sich um zu schauen und um vielleicht mal einen Regentropfen von unten auf die Wasseroberfläche

fallen zu sehn. Unter Wasser war an diesem Tag wegen der vorangegangenen stürmischen

Nacht eine „Quallenwelt“ anzutreffen, in der als Höhepunkt eine Salpen-Kette schwebte,

die obwohl sie bereits gerissen war, wunderschön war. Die Sandproben wurden ebenfalls

erfolgreich eingeholt. Über Wasser genoss die „gemütliche Kaffeefraktion“ die letzten Schlücke

des leckeren italienischen „Quetsch“-Kaffees mit viel Milch und machte sich alsdann schleunigst

auf den Weg in den Kursraum, um die Tier- und Algengruppen, sowie die Projekte der

vorangegangenen Tage weiter zu bearbeiten.

Nach einem insgesamt wesentlich kürzeren Schnorchelgang als die Tage zuvor fanden sich die

„Unerschrockenen“ nicht wie sonst zur späten Mittags- bzw. frühen Nachmittagsstunde sondern

bereits um die frühe Mittagsstunde im Kursraum ein, der an diesem Tag im Vergleich zu draußen

doch recht „kuschelig“ und einladend wirkte. Im Laufe des Tages wurden der in Darmstadt

vergessene Exkursionsproviant und die Därmstädter „Urlauber“ erwartet, von denen Jens so

ca. gegen 14 h als erster und klatschnass gesichtet werden konnte. Klatschnass vom Dauerregen

beim Ausladen oder vom euphorischen Ankommensschwimmen? Oder beides?

Den ganzen Tag über wurde mit Ausnahme einer „Kaffeepause“ emsig bestimmt, gelesen, sowie

das Sandprojekt verarbeitet und begonnen auszuwerten.

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…und nebenbei wurde bemerkt, dass das Original Nutella Riesenglas sehr zum Leidwesen

einiger Liebhaber gegen zwei kleine Nutoka Gläser ausgetauscht worden war!!! Gegen Abend

konnte die Proviantaufteilung stattfinden, nach der sich die Wohnparteien zufrieden zurückzogen

um sich den ersten selbst gekochten kulinarischen Hochgenüssen hinzugeben. Nach dem

Essen wurden für den Weg zum Kursraum wahrhaftig die Regenschirme und K-ways ausgepackt,

da es übrigens immer noch, bzw. wieder (wer weiß, an so einem Tag im Keller bekommt

man ja nicht viel Wetter mit) regnete!

Wir hörten ein Referat zu Geschichte und Kultur der Toskana und Giglios, bei dem wir unter

anderem erfuhren, dass Giglio einst bei Piraten und als Strafkolonie sehr beliebt gewesen war.

Zudem wurde erwähnt, dass so ziemlich jede Großmacht versucht hatte den Mittelmeerraum zu

erobern, wir (die Deutschen) es glücklicherweise auch nicht geschafft haben und trotzdem hier

mitten im Mittelmeer auf Exkursion sind.

Die Besprechung der terrestrischen Exkursion des darauf folgenden Tages und der gemeinsam

gefasste Plan auch eine kurze Strecke unwegsameres, „Dschungel-ähnliches“ Gelände auf

dem Weg von der Südspitze der Insel zu einem Leuchtturm in Kauf zu nehmen beendete den

offiziellen Teil des Tages.

Auf dem Weg vom Kursraum zurück begrüßte uns pünktlich zum Feierabend eine sehr angenehme

Regenpause, die den einen oder anderen Feierabendgeist wieder ins Leben und somit

weg vom Bett rief. Zum Teil wurde mit den neu angekommenen Darmstädtern ausgiebig gechillt

(zusammen gesessen und getrunken oder auch nicht getrunken), zum Teil ohne „neue Darmstädter“,

bzw. gar nicht gechillt sondern früh geschlafen.

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Giglio-Südspitze, Stechginster und Pizza am Hafen

Donnerstag, 14.10.2004

Dorothee Sandmann

Treffpunkt 9 Uhr an der Tauchstation. Startpunkt für eine Wanderung zum südlichen Teil der

Isola del Giglio, bei schönem Wetter - wie bestellt! Nachdem wir das „akademische Viertel“ etwas

ausdehnten, ging es um 9:40 Uhr mit den Bussen los nach Castello. Von einer alten Müllhalde

am Rande von Castello sollte die Wanderung über die Südspitze gehen und dann an der

Westseite der Insel wieder zurück. In der Nähe dieser Müllhalde befindet sich der höchste Berg

der Insel mit 496 m NN.

Der erste Teil des Weges führte durch einen Pinienwald, der auf den alten Weinterrassen aufgeforstet

wurde. Dies ist die vorherrschende, durch menschlichen Einfluss geprägte Vegetation

besonders im mittleren Teil der Insel. Der weitere Weg führte dagegen durch kaum wirtschaftlich

genutzte Gebiete mit einer, für die Hartlaubzone, typischen Vegetation, der Macchie. Sie

besteht aus dichten Gebüschen aus dornigen Straucharten (was das bedeutet sollte uns später

klar werden!) mit harten, immergrünen Blättern, sowie wenige Baumarten. Dieser Lebensraum

ist geprägt durch Trockenheit, kurze Wachstumsperioden, nährstoffarme Böden und häufige

Brände, was dazu führt, dass sich kein Wald entwickelt, sondern eben diese Strauchvegetation.

Bei häufigen Bränden und intensiver Beweidung verschwinden allerdings die wenigen Baumarten

und größeren Sträucher, und es entsteht die niedrige, weithin offene Garique (Campell,

Biologie).

Gefundene Pflanzen:

Wissenschaftl. Namen Deutsche Namen Bemerkungen

Arbutus unedo Erdbeerbaum

Cistus monspelliensis Montpllier-Zistrose

Citus salvifolius Salbeiblättrige-Zistrose

Cyclamen spec Alpenveilchen

Daphne gnidium Herbst-Seidelbast

Dittrichia viscosa Klebriger Alant

Erica arborea Baumheide Pfeifenholz,

Myrtus communis Brautmyrte

Pistacia lentiscus Mastix

Quercus ilex Steineiche

Rosmarinus officinalis Rosmarin

Spartium junceum Pfriemenginster

Ulex parviflorus Stechginster

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Vor der Südspitze machten wir dann Station zum Tieresammeln. Gefunden und besprochen:

Einordnung Familie Wissenschaftl.. Name Bemerkung

Spinnentiere Euscorpius italicus

Araneidae Araneus spec.

Argiope lobata

Clubionidae Cheiracanththium spec. (Dornfinger), giftig

Gnaphosidae Poecilochroa conspicua

Thomisidae Xysticus spec.

Phalangiidae

Chilopoda Geophilomorpha

Zygentoma

Embioptera

Mantodea Ameles decolor

Phasmatodea Bacillus spec. parthenogenetisch

Caelifera Catantopidae Calliptamus italicus

Pezotettix giornai

Zikaden Cicadellidae

Cercopidae Philaenus spumarius

Wanzen Coreidae

Cydnidae Sehirus spec.

Lygaeidae Lygus equestris

Käfer Staphylinidae Ocypus spec.

Chrysomilidae Chrysomela populi

Halticinae Erdfloh Schädling

Lampyridae

Curculionidae Sitona spec.

Scarabidae (Larve)

Meloidae Meloe spec. Triungulinus-Larve in Nestern

von solitären Bienen

Tenebrionidae

Diptera Syrphidae Erystalis spec.

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Nach diesem Stopp ging es dann weiter bis zur Südspitze. Dort angekommen versuchten wir

vor atemberaubender Kulisse aus Sonne und Meer ein Gruppenbild mittels Selbstauslöser zu

schießen. Die Betonung liegt hier auf versuchen, denn nach mehreren fehlgeschlagenen Anläufen

und Absturz der Kamera gaben wir auf.

Der weitere „Weg“ sollte uns dann am Westrand der Insel zum Leuchtturm führen, es wurde

aber bald klar, dass der Weg kein Weg mehr war sondern mehr ein Pfad (wenn man das überhaupt

so bezeichnen konnte) direkt durch die Macchie. Das war wahrlich nichts für Zartbesaitete,

da die uns überragenden, stachelbewehrten Sträucher einige Spuren an Beinen und Armen

hinterließen. Als dann der Pfad vollends endete hatten wir ganz schön zu kämpfen, dass uns

die übrig gebliebene Motivation zum weitergehen nicht auch noch abhanden ging. Am Leuchtturm

angekommen (Juchuu!) entschädigte uns dann eine Pause mit Essen und Schwimmengehen

am Felsen zum Fuße des Leuchtturmes. Auf dem Rückweg nahmen wir dann die Asphaltstraße

und kamen dann schließlich um 18 Uhr wieder guter Dinge, aber doch etwas kaputt,

zu den Bussen zurück.

In Castello machten wir noch mal eine halbe Stunde Pause zur freien Verfügung, d.h. Besichtigen,

Bier oder Souvenirs kaufen (erwähnt werden sollten an dieser Stelle die Kalender und

Weinflaschen mit Mussolini-, Che Guevara- und Hitler-Aufdruck). Nach diesem ereignisreichen

Tag gab es dann noch die wohlverdiente, obligatorische Pizza – diesmal allerdings in einer Pizzeria

in Porto.

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Napoleonische Erinnerungen

Freitag, 15.10.2004

Gunnar Henkes

Er wachte schweißgebadet auf. Mit Verwunderung stellte er fest, dass er sich in einem ihm völlig

unbekannten Bett in einem ihm mindestens genauso unbekannten Raum befand. Das Zimmer in

dem er geschlafen hatte, war äußerst spärlich eingerichtet wie das von einfachen Bauern. Wo war

er? Mit einem Satz sprang er aus dem Bett, um sich Gewissheit zu verschaffen. Er verließ den

Raum durch die einzige Tür, schritt durch einen kleinen Flur und gelangte in eine armselig eingerichtete

Küche. Auf dem Tisch standen noch Reste von einem Mahl einfachster Art: Nudeln mit

Tomatensoße. Zwei Aasfliegen stritten sich wütend surrend um einen eingetrockneten Rest Thunfisch.

Ein leichter Schauder lief ihm über den Rücken.

Von der Küche führte eine Tür auf eine Veranda. Er öffnete diese, und wurde von der über den

Hügeln am Horizont aufgehenden Sonne geblendet. Das grelle Licht schmerzte in den Augen,

vertrieb aber auch schnell die letzte Müdigkeit, die noch seine Sinne benebelte. Er hob die Hand,

um nicht länger von der Sonne geblendet zu werden, und ließ seinen Blick über den Horizont

wandern.

„Dafür werden in Paris Köpfe rollen“ entfuhr es ihm. Sein Blick verweilte noch ein paar Sekunden

nach Norden auf der See Richtung Frankreich. Dann drehte er sich zügig auf den Hacken um und

marschierte zurück in sein Schlafgemach, um sich der Situation angemessen zu kleiden. Grundsätzlich

hatte er gegen eine Kombination aus Boxershort und Tennissocken nichts einzuwenden.

Jetzt fiel ihm alles wieder ein, der Putsch, die Gefangennahme, die Verschleppung auf dieses

elende Eiland, das wirklich passend nach gehörnten Wiederkäuern benannt war. „Diese bourgeoisen

Schurken“ zischte er. Elba hätte ja noch ein Zufall sein können, bei St. Helena wurde er

damals aber schon stutzig. Aber jetzt saß er schon wieder auf einer Insel fest! In beschlich der

Verdacht, dass hinter dem ganzen ein System steckte und gewisse Kreise in Paris wohl nicht zu

seinen größten Fans zählten.

Er hatte angeordnet, dass sich um 9 Uhr alle seine loyal gebliebenen Anhänger in dem Innenhof

vor seinem Exil zusammen finden sollten, um die Strategie für die weitere Vorgehensweise zu

erörtern. Es waren gerade mal 20 Mann, die sich auf dem Innenhof versammelten. Die Strapazen

der letzen Tage konnte man in den müden Gesichtern lesen. Die letzten Tage hatten gezeigt, dass

es nicht möglich war, über den Hafen an der Südküste von der Insel zu fliehen. Zum einen wurden

sämtliche Wege nach Porto streng bewacht, zum anderen lagen vor dem Hafen schwere Schiffe

der Kriegsmarine, die jeden Fluchtversuch zu Wasser mit Kanonenfeuer unter die Wasserlinie

vereiteln würden. Die Lage war ernst, eine echte Herausforderung!

Sein Chefstratege Stephane Timide, von vielen auch „Professor“ gerufen, hatte einen neuen Einfall,

wie man die Insel verlassen könnte. Der Plan war genauso genial wie verwegen und war in

wochenlanger Kleinarbeit in jeder Einzelheit von ihm geplant worden. Vereinfacht gesagt war die

Idee zur nächstgelegen Insel zu schwimmen. Um die beste Route zu finden, musste die Bucht

genauer inspiziert werden. Zur Tarnung sollte Interesse an den Kreaturen des Meeres vorgeheuchelt

werden. So paddelte man den ganzen Vormittag in der Bucht, um eine gute Nordostpassage

zu finden. Nebenbei wurde ab und zu nach einem Stein getaucht, um den Bewuchs mit Organismen

genauer zu betrachten. Die Wache, die am Strand das Treiben beobachtete, sollte nicht

misstrauisch werden. Mit der Zeit entwickelte sich das Ganze aber in einer völlig ungeplante

Richtung. Mehr und mehr kristallisierte sich aus dem Meer heraus, dass die geplante Flucht unmöglich

war. Vor der Bucht herrschte eine starke Strömung, gegen die man nicht anschwimmen

konnte. So geriet das Betrachten der Tiere und Pflanzen immer mehr in den Vordergrund. Besonders

eine Form von Leben hatte ihn sofort in ihren Bann gezogen. Es waren winzige Organismen,

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die bevorzugt auf der Unterseite von Steinen und auch an den Blättern von Seegräsern zu siedeln

schienen. Das Aussehen der einzelnen Individuen war nicht besonders spektakulär, aber die

militärische Disziplin, mit der sich die einzelnen Organismen zu einer kleinen Armee formierten,

ließ sein Herz höher schlagen. Schulter an Schulter saßen diese kleine Tierchen wie Soldaten in

einer Stellung und verteidigten ihre Territorium mit einer Phalanx von Dornen und anderen raffiniert

ausgeklügelten Abwehrwaffen bis auf den Tod. Genau diese Disziplin und bedingungslose

Solidarität hatte er zuletzt auf den Schlachtfeldern in Europa so schmerzlich vermisst. Obwohl er

unter Wasser getaucht war, spürte er wie eine dicke salzige Träne über sein Gesicht lief.

Er bemerkte, dass sich langsam Unmut unter den Männern breit machte. So wies er an, einige

Steine zur genauern Untersuchung vom Meeresboden zu bergen und erstmal an Land zu gehen,

um die unterkühlten Körper aufzuwärmen, Mittag zu essen und danach die Steine und Tiere genauer

zu betrachten.

Unter einer speziellen optischen Apparatur, die man bei den äußerst geschäftstüchtigen Insulanern

gegen Entgeld ausgeliehen hatte, konnte er sich am Nachmittag die sonderbaren Kreaturen

genauer ansehen. Bei der Betrachtung stellte er fest, dass es unterschiedliche Arten zu geben

schien. In den Kolonien hatte jedes Individuum seine genaue Position und alle verschmolzen zu

etwas Großem. Sein Interesse für diese kleinen Organismen wuchs ins Unermessliche, und er

merkte gar nicht, wie der Nachmittag verstrich. Zu Feier des Tages kaufte er etwas Brot und ein

Glas Oliven für die Männer, um der allabendlichen Pasta zumindest etwas die Eintönigkeit zu

rauben.

Den Abend über saßen die Leute in Gruppen zusammen und betrachteten fasziniert die skurrilen

Kreaturen, die sie im Laufe des Tages dem Meer entrungen hatten. „Wer interessierte sich noch

mal für diese komischen kleinen koloniebildenden Glibberviecher“? tönte es auf einmal durch den

Raum. Und da war er wieder, der Moment der Stärke der Macht. Betont langsam und dabei

extrem würdevoll stand er von seinem Schemel auf, rückte seinen Hut zurecht, steckte die rechte

(eventuell könnte es auch die linke gewesen sein, er ist sich im nachhinein nicht mehr zu 100%

sicher) Hand zwischen den dritten und vierten Knopf seines Jacketts und sprach mit fester, lauter

Stimme, bei der zweifelsfrei auch eine ordentliche Portion Pathos mitschwang: „Les Bryozoa,

c’est moi!“

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Blackout und Photosession am Strand

Samstag, 16.10.2004

Katja Domes

Durch lautes Getöse durch die Abreise der Schulklasse aus Pfungstadt viel zu früh aus dem

Schlaf gerissen, drehten sich viele, sonst eigentlich fleißige Biologen noch einmal in ihren Betten

um und schliefen noch ein Stündchen weiter. Dass gegen halb zehn nur fünf Studenten und

die Betreuer im Kursraum waren, rang Stefan nur den Kommentar: „Oh, viel Erschöpfung heute

morgen“ ab. Als sich dann nach und nach alle an ihren angestammten Arbeitsplatz begaben

und emsig zu arbeiten begannen, wurden sie jäh ausgebremst.

Der Kleine Bärenkrebs (Scyllarus arctus) beschloss gegen 10.45 h mit einem mutigen Sprung

aus einer kleinen Schale voll Meerwasser, in die er selbstverständlich nur zu Bestimmungszwecken

gelegt worden war, sein Leben zu retten. Darüber einigermaßen erschrocken, denn

diese marinen Tiere können im Trockenen nur selten überleben, warf Christin ihm das Wasser

ganz spontan hinterher, sogar bis in die Steckdose. Der Steckdose war die Bekanntschaft mit

dem Wasser allerdings weniger angenehm, so dass sie ihren Dienst quittierte und die Darmstädter

Biologen in dem fensterlosen Kursraum völlig im Dunkeln saßen. Nachdem sich die erste

Aufregung gelegt hatte, wurde das Wasser nebst Bärenkrebs wieder eingefangen und alle

bahnten sich im Dunkeln ihren Weg nach draußen in den Innenhof, der bei strahlendem Sonnenschein

dann genüsslich in Beschlag genommen wurde. Gregor schwärmte dabei immer

noch von dem Nachtschnorchelgang des vergangenen Abends und seinen hormonellen Gefühlen,

die ihn die ganze Nacht über dabei begleitet zu haben scheinen. Von einem Tauchlehrer

der Station hatte er sich sagen lassen, dass das Mittelmeer nachts absolut mit tropischen Gewässern

mithalten könne. Dabei kam er zu der Theorie, dass Tauchen ja nur was für Rentner

sei, Schnorcheln hingegen etwas für richtig aktive Männer. Gut, dass Stefan und Christoph gerade

beschäftigt waren ...

Nachdem der Strom von alleine nicht wiederkam und die Hilfe ein wenig auf sich warten ließ,

wurde Mark noch einmal ganz alleine in den dunklen, kalten Kursraum zurück geschickt, um

Bücher, Zettel und Papier zu holen. Stefans Sorgen („Mark, schaffst du das?“) waren aber natürlich

völlig unbegründet und so kam es, dass sich alle in dem sonnigen Innenhof um ihren

Prof scharten und die Pflanzen des gestrigen terrestrischen Ausflugs (die einen mögen ihn Spaziergang

nennen, die anderen strapaziösen Geländemarsch) besprachen:

Steineiche, Quercus ilex; Erdbeerbaum, Arbatus unedo; Baumheide, Erica aborea; Myrte,

Myrtus communis; Mastix, Pistacia lentiscus; Salbeiblättrige Zistrose, Cistus salvifolius;

Montpellier-Zistrose, Cistus monspeliensis; Rosmarin, Rosmarinus officinalis; Herbst-Seidelbast,

Daphne gnidium; Klebriger Alant, Dittrichia viscosa; Strandflieder, Limonium spec.;

Wermuth, Artemisia spec.

Und auf ewig unvergessen: STECHGINSTER, Ulex europaeus

Obwohl sich der Strom und auch das Licht bereits um kurz nach 11 h wieder einstellte, blieben

alle da wo sie waren und besprachen noch einmal die Eindrücke des Nachtschnorchelgangs.

Sandaale, Ariosoma balearicum; Marmorrochen, Torpedo marmorata; Eidechsenfisch, Cynodus

saurus; Schnauzenbrasse, Spicara smaris; Marmorbrasse, Lithognathus mormyrus;

Zweibindenbrasse, Diplodus vulgaris; Streifenbrasse, Spondyliosoma cantharus; Brauner

Drachenkopf, Scorpaena spp.; Weitaugen-Butt, Bothus podas; Barbenkönig, Apogon imberbis;

Großer Kammstern Astropecten aranciacus; Seeigel, Arbatia lixula; Seegurken, Holothuroidea;

Ctenophoren, Cestus veneris; Zylinderrose, Cerianthus membranaceus; Bärenkrebs, Scyllarus

arctus; Kraken, Octopus marcropus; Kalmare, Aloteutis spec., Loligo vulgaris; Sepien, Sepia

officinalis; Ährenfische, Atherina presbyter; Meeräschen, Mugilidae; Meeresleuchten durch den

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Dinoflagellat Noctiluca scintillans

Vor der Mittagspause begaben sich schließlich alle zum Strand um die schwierige Aufgabe eines

Gruppenfotos in Angriff zu nehmen. Die beiden Fotographen Alex und Doro gaben beide ihr

Bestes, schickten die Gruppen hin und her, mal vor den Turm, mal mitten ins Wasser und am

Schluss reichte es tatsächlich für nette Gruppenfotos mit lachenden Gesichtern.

Den Nachmittag verbrachten die Biologen ab 14 h wieder im Kursraum mit dem Betrachten und

Bestimmen ihrer gesammelten Utensilien. Manch einer, der bei der Bestimmung die begehrte

Hilfe von Mark Maraun genießen durfte, mag sich dabei gefragt haben, ob er auch dasselbe

Präparat wie besagte Hilfsperson betrachtet hat. Aber dank der detailgetreuen Zeichnungen

(die linke Abbildung ist eins der besten

Beispiele dafür!) wurde jeglicher

Zweifel zerstreut und man kam

schnell zur richtigen Art. Vor dem

Abendessen gab‘s um etwa 18 h (Anfangszeiten

wurden nie so genau

eingehalten) den Vortrag von Olivera

über die Echinodermata und den der

beiden Katjas über die Schwämme

(Porifera). Dass besonders ich dabei

für ein bisschen Verwirrung sorgte,

braucht dabei ja nicht näher ausgeschlachtet

zu werden. Es ist schon

günstig, wenn man an solchen sch...

Tagen das Protokoll selbst schreibt!

Die Gestaltung des Abendessens war schließlich jedem selbst überlassen, so dass man sich zu

unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Leuten traf um dann

wiederum unterschiedliche Sachen zu essen. Besonders anregend war in der Gruppe um Gre-

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gor und das Risotto auf der Terrasse des 6er-Apartements wohl das Gespräch über den „Fisch

im Arsch der Seegurke“....

Nach dem Abendessen stellte die Fisch-Gruppe, bestehend aus Gregor und Mareike, ihre Ergebnisse

vor und danach arbeitete man noch frisch und munter ein bis zwei Stündchen weiter.

Naja, die Arbeit dauerte ungefähr bis zu dem Moment, in dem Mark mit einigen Getränken und

viel zu wenigen Gläsern im Kursraum auftauchte. Aber auch mit wenigen Gläsern wurden die

Reserven bei „anspruchsvollen Gesprächen“ und sportlichen Armdrück-Aktivitäten vernichtet,

so dass eine kleine gutgelaunte Gruppe unermüdlicher Biologen zu später Stunde noch einmal

die Lokalität wechselte. Und was dann nach Mitternacht geschah, steht mit etwas Glück nicht

im Protokoll des nächsten Tages....

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Laborarbeit und Vorträge

Sonntag, 17.10.2004

Alexandru Milcu

Wir haben uns um 10 Uhr im Labor getroffen weil Stefan uns ausnahmsweise hat ausschlafen

lassen. Übrigens viele von uns sind trotzdem später gekommen und das hat unseren Chef ein

bisschen unzufrieden gemacht. Heute sollten wir alle für den ganzen Tag im Labor bleiben um

unsere Proben weiter zu analysieren. Christoph und Stefan hatten den ganzen Morgen die Steine

von dem Stein- Gradient-Projekt fotografiert. Inzwischen wurden die Proben von Posidonia,

Fels und Marine-Gradient-Projekt weiter bearbeitet.

Mittagessen wurde von 13 bis 15 Uhr genommen. Am Nachmittag haben uns die Sand-Boden-

Projekt Leute (Christin und Claudia) in ihrem Vortrag überzeugt, dass im Amphioxus Sand die

gefundenen Organismen 10-100 fach häufiger sind. Danach haben Verena und Svenia ihren

Vortrag über Anneliden gehalten. Wir haben sehr viele Bilder mit merkwürdigen Würmern gesehen.

Dann hatten Daniela und Manuela den Vortrag über Gastropoden-Arten des Mittelmeers

gehalten.

Ein bisschen gelangweilt nach einem ganzen Tag im Labor sind wir um ungefähr 19 Uhr in die

Richtung Castello gefahren, woi einen Abend vorher, Stefan, Mark and Christoph ein Restaurant

groß genug für 20 Personen entdeckt hatten. Da haben wir versucht auf der Speisekarte

ein neue und noch nicht probierte Art von Pizza zu finden. Aber unser wissenschaftlicher Unterricht

war für diesen Tag noch nicht fertig. Wir sollten um halb zehn ins Labor, und zwar nicht

beschwipst, weil Tanja und Marco einige Ergebnisse des Litoral-Gradient-Projektes vorstellen

wollten. Dass es wirklich sehr spät war, hat Stefans Versuch bewiesen, als er ohne viel Erfolg

versucht hat, mehr als 5 mal die Logik hinter der Ordinationsanalyse (CANOCO Software) zu

erklären.

Als Zusammenfassung wurde dieser Tag für die Analysierung der Proben und Vorstellung der

Ergebnisse benutzt. Aber ich glaube, dass ich nicht der einzige war, der einen Tauchgang

vermisst hat.

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Staubsaugen unter Wasser und Neopren-Photos

Montag, 18.10.2004

Olivera Vucic-Pestic

Um 9.00 Uhr treffen wir uns zum finalen Tauchgang. Vor dem Wasser kam jedoch erst noch die

Vorführung des „wissenschaftlichen Geräts“, ein selbst gebastelter Unterwasserstaubsauger

(dank der TU-Werkstatt nach Dr. Marhans Vorlage). Alex hatte heute mal die Kameramannfunktion,

Doro als dokumentierende Fotografin, mit dem Auftrag von allen Einzelbilder im

Neoprenanzug zu schießen. Außerdem wurden die letzen Souvenirtauchgänge unternommen.

Desweiteren ermöglichten uns Stefan Scheu und Christoph Beckers einen Schnuppertauchkurs.

Um 11.00 endeten die diversen Tauchaktionen. Unser Kameramann nutzte die Gelegenheit

sein Amt nieder zu legen und machte sich auf einen Solotauchgang. Mark Maraun war wegen

Ohrenschmerzen ausgefallen, die, nach eigenen Angaben, evtl. durch den Verlust seines Ohrrings

verursacht wurden.

12.10 Uhr Rückkehr des „lonely“-Tauchers. Gut, dass er wieder aufgetaucht ist!

12.30 Uhr So langsam haben sich die letzten Vortragsredner eingefunden und schreiben im

Eiltempo ihre Abschlussprojekte zusammen. Der erste Termin soll um 14.00 Uhr sein.

14.00 Uhr Beginn auf 14.15 verschoben (wir sind zu langsam...). Dank der Raucherfraktion verschiebt

sich der Beginn noch mal auf 14.25 Uhr und wir (Gunner, Doro, Tanja und ich) sind immer

noch nicht fertig mit der Vorbereitung...

... während der Vortrag über primäre und sekundäre Hartböden beginnt.

14.35 Uhr Vortrag über Felsgrus (erstaunlich pünktlich, die Nachbesprechungen fallen heute

doch deutlich kürzer aus).

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15.00 Uhr Plankton ist an der Reihe. Wir sind beeindruckt wie gut der Zeitplan funktioniert, außerdem

sind wir alle hungrig. Markos riesige Kekstüte leert sich in einem erstaunlichen Tempo.

Wie gut, dass er nicht in der Nähe ist, um uns daran zu hindern. Er und Verena stehen vorne

und halten den Vortrag. Marco, wir lieben dich! Du hast uns vor der sicheren Unterzuckerung

gerettet.

15.05 Planktonvortrag beendet. Ist das schnell oder was? GENAU!

Der Zeitgewinn macht sich sogleich bemerkbar. Es folgt eine kleine Vorlesung über die im

Plankton vertretenen Tiergruppen und deren Larvenformen.

15.15 Uhr Saugerprojekt.

15.20 Vortrag beendet. Wow sind die schnell! Woran das wohl liegt? Hier unsere Hypothesen:

1. Vorbereitungszeit zu kurz

2. Wir haben ALLE Hunger

15.30 Herr Scheu kann uns auch hierzu viel erzählen. Wir sind platt. Herr Scheu, gibt es eigentlich

auch ein Thema bei dem Sie sprachlos sind? Wo passt das ganze geballte Wissen eigentlich

hin? Nebenbei verrät ein Blick in die Runde die Müdigkeit und den Hunger der Zuhörerschaft.

16.15 Uhr Doro, Gunnar, Tanja und ich. Mit einer viertelstündigen Verspätung bilden wir die

Abschlussgruppe: Bryozoa (Doro und Gunnar) und das Seegraswiesenprojekt (Doro, Gunnar,

Tanja und ich).

16.45 Beginn der üblicherweise im Anschluss folgenden Diskussion. Der Anfang vom Ende unserer

Exkursion...

17.10 Uhr Wissenschaftliches Arbeiten offiziell beendet. Schade!

17.40 Uhr Aufräumen und spülen, spülen, spülen.

19.15 Uhr Arbeit erledigt und jetzt das wohlverdiente Essen. Zur Abwechslung mal Pizza bei

Toni (während unseres Besuchs das einzige noch tätige Restaurant in Campese). Ein weiteres

Highlight des Tages ist der frisch erworbene Tauchschein von Herrn Illig. Bravo.

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Erwähnenswertes zum Thema Nachbesprechung: Tanja über unsere Wanderung durch die

Maccia der Insel: „Ich fand es auch total schön, dass wir den Spaziergang gemacht haben“. Da

werden sich einige gefragt haben, ob sie mit der falschen Gruppe unterwegs war?

Zurück zum Essen. Etwas Unheimliches geht am Esstisch vor. Gunnar verschmäht die Reste.

Aber wie wir beim Prof. gelernt haben, werden freie Nischen schnell wieder besiedelt; Gregor

lässt sich nicht lange bitten. Und zum Abschluss noch 8 Ramazotti auf Christophs Rechnung.

Mann, wir wollten doch euch einladen! Also, das nächstemal bestellen wir auf deine Rechnung.

Mal sehen ob es dann klappt. Jetzt gieße ich mir gerade Cola ein. Mark, der Satz war für dich.

Und da kommt auch schon der Ramazotti. Mal schauen was der kann.

Christoph: „Halt, wer möchte noch einen Ramazotti auf meine Rechnung?“

Erst betroffenes Schweigen, dann gehen langsam, fast zögerlich die ersten Hände hoch, bis

klar ist, dass alle wollen. Vielen lieben Dank.

Nach dem ersten Schluck sind sich alle einig: Mmh. Tanjas Kommentar: „Die Gläser sind gut“.

Allgemeines Gelächter. Der Ramazotti nicht? Und während ich das schreibe, schmeißt Gunnar

seinen Rama um. So schlecht ist er doch gar nicht. Irgendetwas stimmt heute nicht mit Gunnar.

Will nichts essen, will nichts trinken. So ist es mit verliebten. Ach muss Liebe schön sein...

Gunnar bringt uns neue Sprichwörter bei: „Einem geschenkten Barsch schaut man nicht in

den...“ Tja, man lernt nie aus. So und jetzt fragt sich Gunnar, ob es hier auch Wehrmut oder

Absinth gibt. Also Gunnar, wer seine Getränke auf dem Tisch leert, bekommt nichts mehr. Antwort:

NEIN!

22.00 Prof: „Und was machen wir jetzt? Trinken wir hier noch was oder setzen wir uns an den

Strand?“ Super Idee, wir gehen. Scheu zu Beckers: „Ja, lass uns hier raus.“ Andiamo! Vor

Tonys am Strand. Christoph fragt Mark: „Wie geht’s eigentlich deinem Ohr? Sieht so aus als

wäre es besser. Warum hat das eigentlich so lange gebraucht?“

Mark: „Weil sich mein Gehirn erst darauf einstellen musste“. Das ist der perfekte Moment das

Amt als Protokollantin niederzulegen. Auf zur Party am Strand!

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Ganz sicher

Dienstag, 19.10.2004

Mark Maraun

Ich bin mir ganz sicher! So muss gewesen sein. Wir sind wieder zurückgefahren. Schließlich

sind wir wieder hier. Es muss auch geregnet haben; schließlich regnet es immer, wenn man aus

dem Urlaub - ups - von Exkursion zurückkommt. Vielleicht schien auch mal kurz die Sonne.

Oder auch die ganze Zeit. Ich bin mir nicht ganz sicher.

Und ich bin gefahren (ganz sicher) und habe neben der Olivera gesessen (noch sicherer). Und

sie hat viel erzählt. Oder ich habe viel erzählt. Ja, ich hab viel erzählt. Ich glaube schon. Nein,.

Ich bin mir ganz sicher. Es ging sicher um das Leben, die Biologie (was ja fast das Gleiche ist)

und um den ganzen Rest.

Und dann sind wir einkaufen gewesen. Glaub ich jedenfalls. Und das hat gedauert…kam mir

jedenfalls so vor. Und dann haben wir im Auto gegessen (alle!) und dann das Auto sah aus wie

die SAU (da bin ich mir auch ganz sicher).

Und dann sind wir gefahren und gefahren und gefahren und dann hat sich der Wagen in die

Kurven gelegt und hat sich langsam vom Boden abgehoben (ich bin mir da nicht ganz sicher);

wir haben die Alpen überflogen und hatten einen wunderschönen Blick auf die Berge; dann haben

wir noch ein Schleife gedreht und sind an der Normandie und England vorbei geflogen,

haben unsere letzten Vorräte aufgegessen und sind dann in der Nähe von Darmstadt gelandet.

Glaub ich jedenfalls.

Und dann sind wir wieder in Darmstadt angekommen (ganz sicher!). Es war schon dunkel; vielleicht

auch nicht. Ich bin mir nicht ganz sicher. Dann haben wir den Bus aufgeräumt und sind

alle nach hause gefahren. Ich bin mir aber nicht ganz sicher….

Es ist jedenfalls ne schöne Exkursion gewesen. Da bin ich mir ganz sicher!

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Algen

Tanja König

Bei Algen handelt es sich um photoautotrophe Organismen, die sowohl in einzelliger Form, als

auch in Form von verschiedenen Fadensystemen bis hin zu komplexen Gewebethalli auftreten.

Im Unterschied zu den“ höher organisierten“ Pflanzen sind die Algen nicht in Wurzel,

Sprossachse und Blatt differenziert, sondern weisen einfache Gewebethalli auf.

Darüber hinaus findet bei den Algen keine Embryobildung im Unterschied zu Moosen, Farnen,

Nackt- und Bedecktsamern statt. Die befruchtete Eizelle (Zygote) wächst meist ohne bleibenden

Kontakt zur Mutterpflanze zum neuen Individuum heran, weshalb die Algen nicht zu den

Embryophyten zu zählen sind. Eine Ausnahme bilden hier die meisten Rotalgen.

Bei den Embryophyten, oder „grünen Pflanzen“ besitzt der Photosynthese-apparat meist eine

einheitliche Pigmentausstattung an Chlorophyll a und b sowie an Carotinoiden. Diese Pigmentausstattung

findet sich lediglich bei den Grünalgen, die demnach als entwicklungsgeschichtliche

Vorgänger der höheren Landpflanzen zu sehen sind.

Rot- und Braunalgen sind jedoch nicht lediglich als Farbvarianten der Grünalgen, sondern als

eigenständige Organisationstypen aufzufassen, bei denen die Evolution versuchte, möglichst

erfolgreiche photoautotrophe Organismen hervorzubringen.

Aus den zahlreichen Abteilungen der Algen sollen im Folgenden nur die Makroalgen behandelt

werden, von denen die größten als „Tange“ bezeichnet werden und davon ausschließlich die

Rhodophyta (Rotalgen), Phaeophyta (Braunalgen) und Chlorophyta (Grünalgen), die alle zum

Makrophytobenthos zählen. Vom Makrophytobenthos differenziert wird das Microphytobenthos,

zu dem die Diatomeen (Kieselalgen) und die Cyanobakterien (Blaualgen) zählen. Innerhalb des

Makrophytobenthos treten perennierende Arten auf, die eine komplexe Gewebestruktur ausbilden

und mehrere Jahre leben. Im Gegensatz dazu existieren ephemere Arten mit einfacher

Thallusstruktur, die mehrere Generationen pro Jahr entwickeln und semiperennierende Arten,

die nur teilweise überdauern, indem sie ihre Äste abwerfen und mit den basalen Teilen überdauern.

Bei der Hälfte der im Mittelmeer vertretenen Algenarten handelt es sich um atlantische

Arten. Die übrigen Arten sind zu 20% endemisch (palaeo-/ und neoendemisch), zu weiteren

20% kosmopolitisch und zu 10% indopazifisch (davon 3% tropisch).

Von den Rhodophyceen sind im Mittelmeer ca. 500 Arten beschrieben. Einige der Rotalgen

sind extreme Schwachlichtspezialisten und halten den Tiefenrekord der Algenverbreitung. In

der Karibik kommt eine krustenförmig wachsende Art in bis zu 200m Tiefe vor, wohin lediglich

0,1% des Oberflächenlichtes gelangt. Im Mittelmeer kommen die tiefsten Rotalgen bis 100 m

vor. Im Süßwasser finden sich die Rotalgen meist als einzellig organisierte Formen. Im Meer

handelt es sich meist um buschig verzweigte oder flächig ausgebreitete Thalli aus

Zellfadensystemen mit unterschiedlicher Komplexität. In den Kalkrotalgen sind die Zellwände

massiv mit CaCO 3 inkrustiert, welches massiv am Aufbau von Riffstrukturen beteiligt ist. In der

geologischen Vergangenheit wurden mächtige biogene Kalksteinschichten angehäuft, so dass

einige Gesteinspartien in den nördlichen und südlichen Kalkalpen auf das Wachstum mesozoischer

Rotalgen zurückzuführen sind.

Neben der von den Landpflanzen abweichenden Gestalt fällt die eigenartige Färbung der Rotalgen

auf. Chlorophyll a und die Carotinoide werden durch Pigmente aus der Gruppe der rötlichen

Phycobilline überdeckt. Nach ihrem molekularen Aufbau und ihren spektralen Absorptionseigenschaften

werden diese in Phycocyanine, Phycoerythrine und Allophycocyanine

differenziert. Die jeweiligen Mengenverhältnisse und Thallusstrukturen ergeben eine breite Palette

an Farbtönen, die von olivbraun über purpurn und violett zu hell- und dunkelrot variiert.

Tiefenalgen sind in der Regel kräftiger rot als Arten geringerer Wassertiefe. Bei den meisten

von uns bestimmten Rotalgen handelt es sich um Formen der Corallinales, die stark verkalkte

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Zellwände aufweisen. Man kann zwischen

2 gestaltlichen Grundformen differenzieren:

den flachen, z.T. sehr massiven

Krusten und den aufrechten, buschig

verzweigten Thalli mit gelenkig

verbundenen Achsengliedern.

Die Chlorophyceae sind im Mittelmeer

mit ca. 200 Arten beschrieben, wobei

diese dort eine eher untergeordnete

Rolle spielen. Sie dominieren lediglich

in stark eutrophierten Gebieten der Häfen,

wo Fucaceen und Rotalgen verschwunden

sind.

Die Phaeophyceae stellen eine sehr

augenfällige Komponente der Algenvegetation

dar, indem sie recht große

und komplexe Gestalten bilden. Ihr

Formenspektrum reicht von einfach

fädigen Formen zu flächigen oder zylindrischen

Gestalten. Es finden sich auch

derbe Makroalgen, die entweder strauchig

verzweigt sind oder breite ledrige

Bänder bilden. Innerhalb der

Phaeophyceen finden sich mit Ausnahme

der Vermehrungsstadien keine einzelligen

Arten. Ihre Färbung hebt sich

wie bei den Rhodophytceae von den

grünen Pflanzen ab. Chlorophyll a wird

begleitet von Chlorophyll c. Für ihre

charakteristische Färbung ist v.a. das

gelbbraune Pigment Fucoxanthin neben

den Carotinoiden verantwortlich.

Diatomeen haben eine ähnliche

Pigmentausstattung. Neben ihrer

Pigmentausstattung weisen die

Phaeophyceen ein weiteres bedeutendes

chemisches Merkmal auf. Ihre

Zellwand enthält neben Cellulose meist

das saure Polysaccharid Alginsäure.

Deren Salze bilden Kolloide von exakt

einstellbarer Viskosität und finden deshalb

Anwendung als Dickungs- und

Stabilisierungsmittel für Pudding, Speiseeis,

Joghurt, Gele, Pasten, Tablettensprengmittel

und zur Wirkungsverzögerung.


Die Gruppe der Dictyotales bestehen aus verzweigten, bandförmigen Thalli, die aus mehreren

Zellschichten aufgebaut sind. Die Gattung Cystoseiraceae weist jährlich eine bedeutende

Biomasse auf. Es wurden 300 verschiedene Arten beschrieben, von denen 2/3 endemisch sind.

Artenliste:

Abteilung CHLOROPHYTA

Acetabularia acetabulum: einzellig

Anadyomene stellata : tropisch Art

Chaetomorpha spec.

Codium bursa

Codium coralloides

Codium effusum

Dasycladus vermicularis

Halimeda tuna

Udotea petiolata

Valonia utricularis

Abteilung RHODOPHYTA

Ordnung Corallinaceae

Amphiroa rigida: auf Steinen oder epiphytisch auf anderen Makroalgen

Amphiroa cryptarthrodia

Corallina elongata

Corallina officinalis: auf Steinen oder Felsen, gelegentlich auf Muscheln, unteres Mediolitoral

bis oberes Infralitoral

Jania rubens: epiphytisch auf Makroalgen, auf Felsen und in Gezeitentümpeln;

Krustenrotalge (Lithophyllum/Lithothamnium)

Andere

Laurencia obtusa

Peysonnelia spec.

Pterocladia capillacea

Wrangelia penicillata: tropisch

Abteilung PHAEOPHYTA

Ordnung Dictyotales

Dictyota dichotoma: dichte Bestände im oberen Infralitoral, vereinzelt auch in größeren Tiefen,

ephemere Art

Dictyota linearis: auf Posidonia

Halopteris scoparia

Padina pavonica: tropische Art

Ordnung Fucales

Gattung Cystoseiraceae

Cystoseira compressa: mehrjährig, semiperennierend, Mediolitoral bis 20 m tief, am häufigsten

Infralitoral 1-3 m

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Porifera

Katja Domes und Katja Schneider

Schwämme sind aquatisch sessil lebende Metazoen, die sowohl in marinen als auch in limnischen

Lebensräumen vorkommen. Fossile Spiculafunde belegen, dass Schwämme schon vor

600-700 Mio. Jahren existierten. Weltweit sind etwa 8000 Arten beschrieben, von denen ca.

600 im Mittelmeer vorkommen. Schwämme werden in die drei monophyletischen Gruppen eingeteilt:

Kalk- (Calcarea), Kiesel- und Horn- (Demospongiae) sowie Glasschwämme

(Hexactinellida). Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse dieser Gruppen zueinander sind

jedoch nicht endgültig geklärt.

Gegenspieler der Schwämme sind andere sessile Lebewesen, wie z.B. andere Schwämme,

Algen und Hydrozoen, mit denen sie um Raum konkurrieren. Schwämme haben eine hohe

Regenerationsfähigkeit, was auch wirtschaftlich bei der Badeschwammproduktion genutzt wird.

Hierbei wird ein Badeschwamm in viele kleine Stücke zerlegt, welche auf eine Schnur aufgefädelt

und zum Wachsen ins Wasser gehängt werden, bis sie zu einem großen Schwamm herangewachsen

sind und geerntet werden können.

Aufbau

Schwämme haben eine vielfältige Erscheinungsform und hohe Plastizität. Grundsätzlich werden

drei Bauplantypen unterschieden:

Der Ascon-Typ mit einer dünnen Außenwand und einer großen, zentralen Geißelkammer mit

distalen Osculum;

der Sycon-Typ mit radiär um den zentralen Sammelraum angeordneten Geißelkammern;

Der Leucon-Typ (häufigster Typ) mit weit verzweigtem Geißelkammersystem. Der Schwammkörper

des Leucon-Typs ist aus drei epithelartige Zelllagen, Pinacoderm, Choanoderm und

Mesohyl aufgebaut. Das Pinacoderm grenzt den Schwamm zum äußeren Milieu ab, wohingegen

die Choanocyten (Kragengeißelzellen) des Choanoderms den aktiven Wasserstrom erzeugen.

Schwämme besitzen keine Organe, Gonaden, Blutgefäße und auch kein Nervensystem.

Je nach Großgruppe besteht das Stützskelett aus Sponginfasern (Festigungsfunktion) und/oder

aus mineralischen Elementen, wie Kalk- bzw. Kieselnadeln.

Nahrungsbiologie

Schwämme sind aktive Filtrierer, wobei ein 1 L großer Schwamm 100-2000 L pro Tag filtrieren

kann. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über Endocytose. Durch das aktive Schlagen der Kragengeißelzellen

strömt Wasser durch die Ostia in das Schwamminnere und sammelt sich dort in

den Kragengeißelkammern, dort bleiben Nahrungspartikel (Algen, Bakterien und Detritus) in

den Mikrovilli der Kragengeißelzellen hängen und werden mit dem Plasmastrom an die

Zelloberfläche befördert und phagocytär aufgenommen. Im Mesohyl werden sie dann über

amoeboide Archaecyten zu Speicherzellen transportiert. Das filtrierte Wasser wird über das

Osculum ausgeschieden. Der Wasserstrom dient jedoch nicht nur der Nahrungsaufnahme sondern

auch der Exkretion und der Sauerstoffaufnahme.

Fortpflanzung

Schwämme sind meist zwittrig, sie können sich aber auch asexuell fortpflanzen. Bei sexueller

Fortpflanzung erfolgt die Befruchtung der Eizelle im Innern des Schwammes oder im Freiwasser.

Sperma- bzw. Eizellen entstehen aus Choano- bzw. Archaeocyten im Mesohyl. Aus der

befruchteten Eizelle entwickelt sich zunächst eine Larve, wobei sich zwei Larventypen unterscheiden

lassen:

Die Amphiblastula-Larve der Kalkschwämme und einiger Hornschwämme;

- 30 -


die Parenchymula- bzw. Demospongea-Larve der Hornschwämme und einiger Kalkschwämme.

Die freischwimmende, einschichtige Amphiblastula-Larve besteht aus einem vorderen

begeißelten und einem hinteren, aus großen granulierten Zellen bestehenden Pol. Die zweischichtige

Parenchymula-Larve entsteht aus einer begeißelten Blastula und ist für höchstens

24 Stunden freischwimmend. Die Metamorphose erfolgt nach Festsetzen der Larven auf einem

Untergrund mit dem Vorderende. Dabei kommt es zu einer Schichtumkehr, wobei die äußeren

begeißelten Zellen nach Geißelverlust ins Innere gelangen. Dort bilden sie wieder Geißeln und

einen Plasmakragen (Choanoderm). Die inneren Larvenzellen wandern nach außen und bilden

das Pinacoderm. Am oberen Ende bricht das Osculum durch und im Bereich des Mesohyl bildet

sich das Wasserkanalsystem.

Nutzen und Nutzung

Schwämme sind nicht nur als Badeschwämme für die Hygieneindustrie interessant, sie werden

auch immer mehr wegen ihrer bioaktiven Substanzen von der pharmazeutischen Industrie geschätzt.

Etwa die Hälfte (400) der neu entdeckten Naturstoffe aus marinen Organismen stammt

aus Schwämmen. Schwammpulver wird aufgrund des hohen Jodgehaltes z.B. gegen Kropfbildung

eingesetzt. Schwämme produzieren außerdem Sekundärmetabolite, die aus unterschiedlichen

Substanzgruppen bestehen. Ihr Wirkspektrum reicht von entzündungshemmend,

fungizid über bakterizid und cytotoxisch (inhibieren Tumorwachstum: z.B. Halichondrin B und

Okadainsäure) bis zu antiviral (z.B. Avaron und Avarol gegen HIV). Dem Schwamm dienen diese

Stoffe als Fraßschutz. Es ist jedoch bei vielen Stoffen unklar, ob sie von den Schwammzellen

oder von Symbionten produziert werden. Zu den Symbionten zählen Bakterien,

Cyanobakterien, einzellige Grünalgen und Pilze. Die Biomasse der Mikrosymbionten kann im

Extremfall bis 50% und mehr des Schwammkörpers ausmachen.

Bestimmung:

Schwämme werden anhand ihres Vorkommens, des Habitus, der Färbung, der Konsistenz,

aber vor allem anhand ihrer Spicula bestimmt. Außerdem kann das Spongin-Skelett besonders

bei Hornschwämmen für die Artbestimmung herangezogen werden.

Viele Schwämme, besonders die roten krustenbildenden Arten (z.B. Crambe crambe und

Spirastrella cunctatrix), lassen sich ohne eine Spicula-Präparation nicht voneinander unterscheiden.

Für eine solche Präparation werden Stücke des Schwammkörpers in 12%

Natriumhypochchlorid-Lösung mazeriert und vollständig aufgelöst. Man sollte dabei Teile aus

mehreren Schwammgeweben verwenden, da sich die Spicula dort zum Teil erheblich unterscheiden

können. Nach der Mazeration wird das Präparat mehrmals mit destilliertem Wasser

gewaschen. Durch die Zugabe von verdünnter Salzsäure kann zwischen Kalk- und

Kieselspicula unterschieden werden: Kalkspicula lösen sich auf, während Kieselspicula nicht

angegriffen werden. Die Spicula werden unter dem Mikroskop analysiert.

Eine weitere, aggressivere Methode zur Präparation der Spicula ist das Aufkochen von

Gewebestücken in 37%iger Salpetersäure. Nach dem Aufkochen werden die Präparate mit destilliertem

Wasser gewaschen und unter dem Mikroskop betrachtet.

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Artenliste:

Demospongiae

Astrophorida

Cliona viridis (Schmidt, 1862); (Grüner Bohrschwamm)

bohrend in Kalkgestein; charakteristisches warzenähnliches Aussehen; in und auf kalkigen

Substrat, meist im Flachwasser, auf Rhizomen von Posidonia

Fundort: sek. Hartboden

Spirastrella cunctatrix Schmidt, 1868; (Rot-Oranger Strahlenschwamm)

dünne Krusten auf schattigen Felsen; sehr häufig an leichten Überhängen im Flachwasser

Fundort: Transekt 0 m (Schatten), 3-4 m (Sonne)

Stoeba plicatus (Schmidt, 1868); (Kryptenschwamm)

kleine, amorphe Schwämme; verborgene Lebensweise in kleinen Löchern und Vertiefungen im

Stein; weiß, pink, violett bis braun; hart, komprimierbar

auf Steinen und Felsen zwischen 10 und 20 m tief

Fundort: Felsgrus 2 m

Poecilosclerida

Crambe crambe (Schmidt, 1862); (Roter Krustenschwamm)

dünne, flachen Krusten auf schattigen Felsen; weit verbreitet auf vertikalen Felsen, Überhängen,

Höhlen u. sek. Hartböden

Fundort: Transekt 0 m (Schatten), 3-4 m (Sonne)

Ohne Spicula-Präparation keine sichere Artbestimmung möglich und nicht von Spirastrella

cunctatrix zu unterscheiden.

Eurypon major Sara und Siribelli, 1960; (Roter Stachelkrustenschwamm)

inkrustierend, Oberfläche stachelig, dünn; vertikale Felsflächen von Oberfläche bis 40 m tief;

leicht zu verwechseln, Spicula-Analyse notwendig.

Hadromerida

Terpios gelatinosa (Bowerbank, 1866); (Blauer Weichschwamm)

dünne Krusten bildend; weich; Farbe häufig durch Symbionten bedingt, eigentlich gelblich oder

leicht bräunlich; auf Felsen, Algen, Mosstierchen, Korallen oder anderen Schwämmen; Littoral

und Sublittoral bis 85 m tief

Fundort: Felsgrus

Agelasida

Agelas oroides (Schmidt, 1864); (Orangener Hornschwamm)

bis 30 cm, unregelmäßig massige Gestalt; extrem zäh, aber komprimierbar; große endständige

Ausströmöffnung (Oscula); mächtiges Sponginskelett; auf schattigen Hartgrund im Flachwasser

bis in größere Tiefen

Fundort: Transekt 5 m (Schatten)

Dictyoceratida

Sarcotragus spinulosus (Schmidt, 1862); (Stachel-Lederschwamm)

bis 100 cm, massige Gestalt, gleichmäßig, rundlich; Oberfläche mit kegelförmigen Erhebungen;

kleine, gleichmäßig verteilte Ausstromöffnungen; auf belichteten Hartböden ab dem Flachwasser

(bis 400 m tief)

Fundort: Transekt 1-2 m (Sonne)

Pleraplysilla spinifera (Schulze, 1878); (Weißer Stachelschwamm)

krustenförmig mit vielen Erhebungen, inkrustiert bis 2 mm dick; weich, Conuli spitz; Skelettfasern

lagern Sandkörnchen, Spicula anderer Schwämme oder Panzer von Kieselalgen ein; auf

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schattigen Hartböden zw. 5-50 m, oft an senkrechten Flächen

Fundort: Transekt 1-3 m & 5 m (Schatten)

Dysidea cf. avara (Schmidt, 1862); (Rosa-weißer Stachelschwamm)

bis 15 cm; krustenförmig mit spitzkegeligen Auswüchsen, dichtes Netzwerk; große Mengen eingelagerter

Fremdpartikel; produziert Avarol gegen HIV; auf schattigen Hartsubstrat ab 5 m, im

Rhizombereich von Posidonia

Fundort: Transekt 3 m (Schatten)

Ircinia oros (Schmidt, 1864); (Grauer Lederschwamm)

meist lappig, Oberfläche mit konischen Erhebungen; große Ausströmöffnungen; fest,

komprimierbar; auf leicht schattigen Hartböden zwischen 15 und 60 m tief

Fundort: Betonwand der Verladestation ca. 2 m

Chondrosia

Chondrosia reniformis (Nardo, 1847); (Nierenschwamm)

mehrere Zentimeter dick, bis 40 cm große Krusten; polster-, kissenartig, feigen- bis nierenförmig;

glatte Oberfläche, kaum sichtbare Poren; ohne Skelettelemente, Kollagencortex; charakteristische

Marmorierung; asexuelle Vermehrung (durch Abschnürung von Tropfen); meist auf

schattigen Hartsubstrat bis 30 m tief, auch auf Sandboden und in Höhlen

Fundort: Transekt 2 m (Schatten), 5 m (Sonne)

Calcarea

Clathrinida

Clathrina sp.; (Gitter-Kalkschwamm)

kissenförmige Gestalt; Oberfläche „haarig“, Schleim-Absonderung; fest, aber komprimierbar;

schattige Bereiche (Höhlen, Grotten)

Fundort: Felsgrus 2 m, Posidonia-Rhizom 7 & 12 m

Literatur

Bergbauer M, Humberg B (1999): Was lebt im Mittelmeer? Ein Bestimmungsführer für Taucher

und Schnorchler; Kosmos Naturführer, Stuttgart

Campbell AC (1983): Was lebt im Mittelmeer?; Kosmos-Gesellschaft der Naturfreunde,

Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart

Göthel H (1997): Farbatlas Mittelmeerfauna- Niedere Tiere und Fische; Ulmer-Verlag, Stuttgart

Hofrichter R (2003): Das Mittelmeer: Fauna, Flora, Ökologie, Bestimmungsführer; Spektrum

Akademischer Verlag, Stuttgart

Proll G (1998): Schwämme (Porifera) im Litoral des Westmediterrans: Bestimmungsschlüssel

und Kultivierung; Studienarbeit an der Universität Stuttgart

Riedl R (1983): Fauna und Flora des Mittelmeers: ein systematischer Meeresführer für Biologen

und Naturfreunde; Parey, Berlin

Weinberg S (1996): Erlebte Unterwasserwelt; Delius Klasing Edition Naglschmid, Stuttgart

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Cnidaria und Ctenophora

Alexandru Milcu und Katrin Wagner

Cnidaria (Nesseltiere)

Charakteristik

Cnidaria sind Metazoa mit Cniden (Nesselkapseln), mit sackförmiger und scheinbar

radialsymetricher Grundgestalt, solitär oder stockbildend, festsitzend oder freibeweglich, nackt

oder mit Ekto- oder Endoskelett versehen. Körper aus zwei aufeinander liegenden Epithelien

aufgebaut, der Epidermis und der Gastrodermis, dazwischen eine zellfreie oder zellarme

extrazeluläre Stützschicht, die Mesogloea, welche Kollagenfasern enthält.

Die Nesseltiere sind eine sehr erfolgreiche und artenreiche Gruppe, welche im marinen Bereich

regelmäßig und praktisch überall zu finden ist. Charakteristisch und gleichzeitig das wichtigste

Erkennungsmerkmal aller Cnidaria sind die Anwesenheit von Cniden oder Nesselkapseln. Es

gibt drei Haupttypen von Cniden: Nematocysten, Spirocysten und Ptychocysten. Für die

Nesselwirkung sind nur die Nematocysten verantwortlich.

Nesseltiere lassen sich generell in zwei verschiedene Organisationstypen einteilen: die

Polypenform und die Medusenform. Der Polyp leitet sich von einem festsitzenden bentischen

Individuum ab während die Meduse die typische freischwimmende Form ist. Der Bauplan der

Meduse ist nicht grundsätzlich verschieden vom Polyp, eigentlich ist sie ein umgekehrter Polyp.

Ursprünglich sind der Polyp wie auch die Meduse als zwei aufeinander folgende Lebensstadien

vorhanden, deren typischer Lebenszyklus mit dem befruchteten Ei beginnt, das sich zu

Planulalarve entwickelt. Diese besondere Larvenform kommt in allen vier Klassen der Cnidaria

vor. Die freibewegliche Planula wandelt sich dann in ein festsitzendes Polypenstadium um. Das

eigentliche Geschlechtstier ist die Meduse, welche aus dem Polypen hervorgeht.

Lebensweise

Nesseltiere sind ökologisch äußerst erfolgreich in allen marinen Lebensräumen anzutreffen. Sie

besiedeln mit der Meduseform das Pelagial, mit der Polypenform das Benthal, und mit spezialisierten

Formen auch den Grenzlebensraum von Luft und Meer, das Pleuston und den Sandlakunenraum.

Einige Arten haben sogar ihre Nische als Parasiten gefunden. Die Mehrzahl der

Arten leben in tiefen von weniger als 200 m, doch gibt es auch ausgesprochene Tiefseebewohner.

Einige wenige Arten der Hydrozoa haben zudem auch das Süßwasser erobert.

Die Cnidaria sind weitgehend Prädatoren und stehen etwa in der Mitte der Nahrungspyramide.

Obwohl den Nesseltieren im Mittelmeer keine dominierende Rolle wie in tropischen Korallenriffen

zukommt, sind sie doch oft äußerst wichtige und sehr auffällige Vertreter der Lebensgemeinschaften.

Systematik und Phylogenie

Die Cnidaria wird gegenwärtig in vier Großgruppen (Klassen) unterteilt: die Anthozoa,

Scyphozoa, Cubozoa und Hydrozoa.

Anthozoa bilden nur Polypen, welche meistens recht groß sind (5 mm und mehr) und charakteristische

Mesenterien im Inneren haben. Bei den Scyphozoa dominiert die Medusenphase und

die Tiere werden recht groß (mehr als 1 cm bis 1-2 m). Bei den Cubozoa dominiert ebenfalls

das Medusenstadium doch durch die hohe Glockenform und die vier Tentakel lassen sich diese

leicht von den Scyphozoa unterscheiden. Die vielfältigen Hydrozoa kommen sowohl als Polypen

wie auch als Medusen vor. Beide sind aber meist recht klein (Polypen 1mm , Medusen

meist unter 5 mm).

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Cnidaria von Giglio

Wir haben insgesamt 14 Arten gefunden: 6 Anthozoa, 6 Hydrozoa, 2 Scyphozoa und keine

Cubozoa. Wir haben die Dichte und Artenzahl der Cnidaria in drei Projekten untersucht.

Sonnen-, Schatten- und Tiefengradientprojekt:

Hier haben wir untersucht wie die unterschiedliche Sonneneinstrahlung in Abhängigkeit von der

Tiefe die Tiergemeinschaft beeinflusst.

Zwischen Schatten- und Sonnengradient haben wir keinen großen Unterschied gefunden, während

der Tiefengradient die Tiergemeinschaft viel stärker beeinflusst.

Posidonia Projekt:

In diesem Projekt haben wir untersucht, ob die Tierbesiedlung der Posidoniablätter abhängig ist

von der Tiefe (5 oder 20 m), Blattseite (konvex oder konkav) oder dem Blattteil.

Überraschenderweise haben wir wenige Tiere gefunden, die die Posidoniablätter besiedelt hatten,

und das nur in 5 m Tiefe. Wegen dieser geringen Dichte konnten wir auch keinen Unterschied

zwischen Blattseite (konvex oder konkav) und Blattteil feststellen.

Kalk- und Steinprojekt:

In diesem Projekt hatten wir die Tiergemeinschaft der Ober- und Unterseite von Steinen im Litoral

(2-4 m) verglichen (Tabelle 1).

Tabelle1

Stein Kalk

Sonne Schatten

0 1 2 3 4 5 1 2 3 4 5

Großgruppe Untergruppe Art

Hydroida Athecata Eudendrium ramosum 3 3 2 3

Thecata Laomedea angulata

Aglaophenia octodonta

Sertularia perpusilla

Clythia hemispherica

3 2 2 2 2 3 2

Dynamena disticha 1

Octocorallia Stolonifera Cornularia cornucopiae 2 2

Hexacorallia Scleractinia Cladocora caespitosa 2

Balanophyllia europaea 2

Actinaria Aiptasia diaphana

Anemonia viridis

2

Actinia equinq 2

Rhiszostomae Cotylorhiza tuberculata 1

Pelagia noctiluca 3

Tentaculata Lobata Leucothea multicornis 3

Cestida Cestum veneris 1

1 = wenig

2 =mittel

3 = viel

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Ctenophora (Rippenquallen)

Charakteristik

Solitäre, skelettlose Metazoa, rein marin, meist pelagisch, manchmal bentisch. Körper mit zwei

senkrecht aufeinander stehenden Symmetrieebenen. Mit acht Reihen von Wimpernplättchen;

Tentakel vorhanden, manchmal sekundär reduziert; meist mit charakteristischen Klebzellen

(Colloblasten). Ihr Gastrovaskularsystem ist ein komplexes Röhrensystem, die Hauptöffnung

dient als Mund und After. Die pelagischen Ctenophoren sind überaus zarte, meist wasserklare

Planktontiere, welche zu mehr als 99 % aus Wasser bestehen. Die meisten Ctenophoren können

stark leuchten und manchmal auch leuchtende Stoffe ausscheiden (Biolumineszenz)

Lebensweise

Die Ctenophoren sind Filtrierer und Prädatoren. Die Mehrzahl frisst kleine Zooplankter wie

Crustaceen-Larven, die mittels der weit ausspannbaren Tentakel oder bei den Lobata auch mittels

der Mundlappen gefangen werden. Zum Fang werden spezielle Klebezellen verwendet

(Colloblasten), die auch Gifte enthalten können.

Die Ctenophoren mit Ausnahme der Gattung Ocyropsis sind Zwitter und können sich selbst

befruchten. Viele Arten durchlaufen ein Jugendstadium, das der Morphologie der Vertreter der

Cydippida gleicht und daher Cydippid-Stadium genannt wird.

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Systematik und Phylogenie

Die Ctenophora und Cnidaria sind von früheren

Taxonomen oft in einem gemeinsamen

Taxon Coelenterata (Hohltiere) vereint

worden. Obwohl die neuesten Analysen

basierend auf DNS- Sequenzvergleichen

zu keinen schlüssigen Antworten kommen,

werden die Ctenophora heute als getrenntes

Phylum betrachtet.

Ctenophora von Giglio

Obwohl in Mittelmeer über 30

Ctenoporarten beschrieben worden sind,

haben wir nur zwei Arten getroffen:

Leucothea multicornis war häufig, Cestus

veneris sehr selten.


Annelida

Svenja Gass und Verena Eißfeller

Die marinbiologische Exkursion hatte nicht unbedingt zum Ziel, alle Tiere bis zur Art genau zu

bestimmen, viel mehr sollte sie einen Eindruck in die unglaubliche Vielfalt der Phyla im

ursprünglichsten Lebensraum, dem Meer geben. Deshalb haben wir uns entschlossen neben

der Beschreibung der Biologie und Ökologie bestimmter Tiere auch auf die Baupläne der Tierstämme,

die wir uns angesehen haben, einzugehen. Wir wollen zunächst auf die Sipunculida

eingehen, dann auf die Echiurida und die Nemertini und zu guter letzt stellen wir die Annelida

vor.

Sipunculida

Einleitung

Das Phylum Sipunculida stellt eine kleine Gruppe mit ca. 160 Arten weltweit dar. Sipunculiden

kommen ausschließlich marin vor. Im Meer leben sie aber von der Polarregion bis in die Tropen

und von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee.

Die Tiere leben „hemisessil“ und besiedeln von schlickigem bis zum steinigen Untergrund alle

Substrate. Einige Arten bewohnen Gastropoden- oder Scaphopodenschalen.

In den Korallenriffen der Tropen leben Sipunculiden als bohrende Organismen zwischen den

riffbildenden Korallen. Einige der größeren Sipunculidenarten werden in den tropischen Regionen

des Pazifiks und in Südostasien auch gegessen.

Viele Arten sind Detritusfresser, es können aber auch Organismen aus der Meiofauna, Bakterien

oder Diatomeen als Nahrung dienen. Die Arten, die im Weichboden leben, nehmen unselektiv

Substrat auf und resorbieren die Nahrung im Darm. Arten aus der Hartbodengesellschaft

sind meist Filtrierer, die mithilfe des Tentakelkranzes Nahrungspartikel aus dem Freiwasser gewinnen.

Fossilien dieser Gruppe wurden im Burghess Shale in British Columbia gefunden und somit

reicht ihre Geschichte bis ins mittlere Kambrium zurück.

Bauplan

Innerhalb dieses Tierstammes gibt es erhebliche Größenunterschiede zwischen den Arten.

Onchnesoma steenstrupii wird nur 3 mm lang, wohingegen Siphonomecus multicinictus bis zu

0,5 m lang werden kann. Die Arten, die auf Giglio gefunden werden können, sind ca. 4 – 5 cm

lang.

Der Körper der Tiere ist lang gestreckt und im Gegensatz zu den Annelida unsegmentiert. Man

kann einen zylindrischen Rumpf und einen schmaleren vorderen Abschnitt, den Introvert, unterscheiden.

Der Introvert kann ganz in den hinteren Teil zurückgezogen werden. Wir konnten beobachten,

dass die Bewegung, die dazu nötig ist, wie das „Nachinnendrehen“ eines Handschuhs

aussieht. Am vorderen Ende trägt der Introvert eine Gruppe von Tentakeln, die um die

Mundöffnung angeordnet sind und zum Filtrieren dienen. Die Tentakel dienen auch zur Respiration.

Auf dem Introvert befinden sich auch Pigmentbecherocellen, der Sehsinn spielt bei diesen

Tieren aber sicher eine untergeordnete Rolle.

Die Epidermis der Tiere zeigt einen ähnlichen Aufbau wie die der Annelida: Unter einer relativ

stabilen Cuticula liegen Kollagenfasern, die den gesamten Körper in parallelen Strängen spiralig

umgeben. Unter dieser Schicht liegt eine dünnere Matrix aus Kollagen, in der Nerven und

Muskelfasern eingebettet sind. Es schließt sich der Hautmuskelschlauch mit Längs- Ring- und

Quermuskulatur an. Das Körperinnere ist mit Coelomepithel ausgekleidet, die Tentakeln besitzen

ein so genanntes Tentakelcoelom. Der Darm ist U-förmig, als Exkretionsorgane finden sich

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zwei Metanephridien. Die Tiere sind „protostom“, besitzen also ein Oberschlundganglion und

einen ventralen, unpaaren Nervenstrang.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Tiere sind getrennt geschlechtlich und sexuelle Fortpflanzung wurde als einzige

Fortpflanzungsart gehandelt, bis bei Aspidosiphon elegans auch asexuelle Fortpflanzung beobachtet

werden konnte. Es kann sich um Vermehrung durch Querteilung oder durch Knospenbildung

am Rumpf handeln. Das Phänomen der ungeschlechtlichen Fortpflanzung steht sicher

mit der großen Regenerationsfähigkeit der Sipunculiden in Zusammenhang, es kann sogar die

ganze vordere Körperhälfte nachgebildet werden.

Zu Beginn der Entwicklung der Sipunculida steht eine Spiralfurchung, später kann eine direkte

Entwicklung stattfinden oder ein bis zwei Larvenstadien zwischengeschaltet werden. Wenn in

der Entwicklungsphase eine Lavenform ausgebildet wird, steht zu Anfang immer eine

lecitotrophe Trochophora- Larve. Später kann sich diese Larvenform zu einer sekundären

Larvenform entwickeln. z.B. eine lecitotrophe Pelagosphaera-Larve bei Golsphigia elongata.

Der Entwicklungszyklus mit einer Pelagosphaera-Larve ist sehr häufig. Das Jungtier lebt im

Boden. Es kann sich aus der Trochophora-Larve durch Metamorphose aber auch direkt ein

juveniles Tier entwickeln.

Systematik

Die Spritzwürmer sind eng mit den Anneliden und den Mollusken verwandt. Begründet ist dies

durch ihre Spiralfurchung und die Trochophora-Larve in der Entwicklung. Ein weiteres verbindendes

Merkmal ist die Schizocoelie. Für diese Verwandtschaften sprechen auch Analysen der

18S rRNA.

Über die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Sipunculida steht im Westheide/ Rieger

der gefürchtete Satz: „ ... sind bis heute ungeklärt und werden kontrovers diskutiert“.

Nach Gibbs und Cutler werden zwei Gruppen unterschieden: Sipunculida und Phascolosmida.

Am Vorderende umgeben die Tentakel eine Mundöffnung, die zentral auf der Mundscheibe

liegt. Die Introverthaken sind einfach aufgebaut. Dem gegenüber sind bei den Phascolosmida

die Introverthaken komplexer und die Tentakel in einem Bogen angeordnet, der das

Nuchalorgan einschließt.

Arten

Aspidosiphon mülleri

Die Tiere sind graugelb bis rötlichbraun, die Schilder dunkelbraun.

Gattung mit Schildchen am Vorder- und Hinterende, Introvert exzentrisch austretend. Art mit 16

bis 18 Furchen am Schwanzschild, Introvert mit 10 bis 12 kleinen Tentakeln erreicht dreimal die

Rumpflänge.

Echiura

Einleitung

Die Gruppe der Igelwürmer ist mit ca. 150 Arten weltweit kein großes Phylum. Die Tiere sind

ausschließlich marin und leben benthisch. In ihrem Lebensraum kommen sie aber weltweit vor

und sind außerdem vom Gezeitenbereich bis in die Tiefsee anzutreffen. Das Tier, das hier mit

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aufgenommen werden soll, wurde in 30 m Tiefe bei einem Tauchgang gefunden und für uns

mitgebracht.

Vorwiegend werden Weichböden besiedelt, aber in Hartsubstraten können Spalten und Höhlen

genutzt werden. In Felsspalten sind die hemisessilen Echiuriden am häufigsten anzutreffen. In

Chile und Korea sollen Igelwürmer auch gegessen werden und in Japan werden sie immerhin

als Fischköder genutzt. Die Tiere sind mikrophag, sie streichen mit der Proboscis vor ihrer

Wohnhöhle über den Untergrund und befördern die Nahrungspartikel mit Cilien zum Mund.

Bauplan

Der Körper dieser Tiere ist zweigliedrig mit einem sackförmigen Rumpf und einem Rüssel, der

als Proboscis bezeichnet wird. Im Rumpf befindet sich eine einheitliche Coelomhöhle. Als

Exkretionsorgane fungieren Analschläuche, die in den Enddarm münden. Der Darmkanal hat

sowohl eine Mund- als auch Afteröffnung. Das Nervensystem besteht aus einem Schlundring

und einem unpaaren ventralen Markstrang. Komplexe Sinnesorgane fehlen, aber auf dem

Prostomium finden sich Sinnespapillen. Aus diesem Bau des Nervensystems leitet sich die Idee

ab, dass die Echiurida nahe mit den Sipunculida verwandt sind.

Das Blutgefäßsystem ist ebenso einfach aufgebaut, aber als geschlossen zu bezeichnen. Es

besteht aus einem Ventralgefäß und einem dorsalem Gefäß. Daneben gibt es drei kleine

prostomiale Gefäße. Das Blut ist farblos und die Atmung erfolgt über die Körperoberfläche.

Als wichtige Autapomorphie der Gruppe sind paarige Borsten an der distalen Ventralseite des

Rumpfes zu nennen. Hieraus leitet sich eine These über die Verwandtschft der Gruppe zu den

Anneliden ab.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Tiere sind getrennt geschlechtlich und die Befruchtung erfolgt äußerlich im freien Wasser.

Die dann folgende Spiralfurchung führt zu einer Trochophora-Larve, die planktisch lebt. Die Larve

ist ursprünglich in zwei Teile gegliedert, die Episphäre und die Hyposphäre. In einer graduellen

Metamorphose entwickelt sich erstere zum Prostomium und die zweite zum Rumpf.

Besonders erwähnenswert bei einer Familie der Igelwürmern, den Bonellidae, ist der extrem

ausgeprägte Sexualdimorphismus. Die Weibchen können bis zu 1,5 m lang werden und haben

so auf jeden Fall die Regimentsführung, da die Männchen nicht größer als 1- 3 mm werden. In

Giglio wurde ein Weibchen Art Bonellia viridis gefunden: Das Tier war ca. 10 cm groß. Ob wir

auch ein Männchen gefunden haben?

Bonellia viridis ist das klassische Beispiel für phänotypische Geschlechtsbestimmung und das

extremste Beispiel für Zwergenmännchen im ganzen Tierreich. Der Mechanismus dieses Phänomens

ist noch nicht vollständig aufgeklärt, enthält aber auf jeden Fall eine genetische Komponente.

Larven, die in einem entscheidenden Alter ohne Kontakt zu Weibchen bleiben, werden

selbst feminin. Wenn eine Larve aber auf ein Weibchen trifft, muss es von diesem einen

„Maskulinierungsfaktor“ übertragen bekommen und wird dann zum Männchen. Was dieser

„Faktor“ ist, bleibt unbekannt. Genetisch bedingte Geschlechtsbestimmung ist dahingegen das

jeweilige Auftreten von Männchen und Weibchen unabhängig von der Anwesenheit eines Faktors.

Systematik

Die Stellung der Echiuriden im Tierreich ist nicht letztendlich geklärt. Es gibt auf Grund des

Baus des Nervensystems Anregungen, eine nähere Verwandtschaft zu den Sipunculida zu po-

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stulieren. Schon seit längerem wird diskutiert, ob diese Gruppe eine Teilgruppe der Anneliden

sein könnte. In diesem Falle würde sich das Chaos der Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb

der Anneliden nicht unbedingt besser strukturieren... Übereinstimmungen zwischen Echiuriden

und Anneliden sind unumstritten. Es handelt sich um folgende Merkmale: Spiralfurchung und

Trochophora- Larve; Feinstruktur der Cuticula; Ultrastruktur der Borsten; Entstehung des Mesoderms;

paarige Anlage des Nervensystems; Struktur und Lage des Blutgefäßsystems.

Echiuriden sind primär unsegmentierte Organismen. Sie könnten somit auch als Schwestergruppe

der Articulaten zählen. Wenn sie aber die Segmentierung sekundär verloren haben, ist

die Schwestergruppe innerhalb der Anneliden zu suchen. In der Ontogenie der Echiuriden gibt

es Paralellen in der Coelomentwicklung zu vielen Polychaetenarten.

Innerhalb der Echiura gibt es folgende Gruppen:

Echiuroinea, Xenopneusta, Heteromyota. Diese Gliederung ist nach Stephen und Edmons; es

liegt kein phylogenetisches System innerhalb der Echiura vor.

Arten

Bonellia viridis

Diese Gattung hat vorne einen rinnenförmigen und gegabelten Kopflappen. Es tritt ein Zwergmännchen

auf, welches in einer Hautfalte des Weibchens lebt. Diese Art ist sehr groß, der Körper

wird ca. 8 – 15 cm lang, der Kopflappen bis zu 150 cm.

Nemertini

Einleitung

Der deutsche Name dieser Gruppe heißt: „Fadenwürmer“ und sagt sehr viel über diese Tiere

aus. Sie können zwar außerordentliche Längen erreichen, werden aber nie breiter als wenige

Millimeter und haben stets „fadenförmige Gestalt“. Linneus longissimus kann beispielsweise bis

30 m lang werden. Viele Nemertini sind bunt gefärbt, oder haben schöne Farbmuster. Das auffälligste

Merkmal dieser Tiere ist der ausstülpbare Rüssel, mit dem die vorwiegend räuberischen

Tiere ihre Beute festhalten. Weltweit gibt es ca. 900 Arten.

Die Tiere leben vornehmlich als Epi- oder Endofauna in alen oder subalen Böden des Meeres.

Einige Arten sind Sandlückenbewohner und es gibt wenige Arten, die planktisch in der Tiefsee

leben. Auch im Süßwasser kommen Nemertinen vor und in den Tropen gibt es sogar terrestrische

Formen.

Bauplan

Der Körper der Tiere besteht aus einem kräftigen Hautmuskelschlauch mit äußerer Ring- und

innerer Längsmuskulatur. Sie besitzen einen ausstülpbaren Rüssel, ein Rhychocoel, und einen

schlauchförmigen Darmkanal mit Mund und After. Ihr Blutgefäßsystem besteht aus zwei lateralen

Gefäßen, die durch Schizocoelie entstehen. Sie haben mindestens zwei Protonephridien

und ein Nervensystem mit Cerebralganglion und zwei ventralen Nervensträngen, sowie

Pigmentbecherocellen und Statocysten. Ihr Habitus ist dünn und schnurartig, sie sind meist kleiner

als 10 cm, zum Teil bis 30 m lang.

Fortpflanzung und Entwicklung

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Die Tiere sind getrennt geschlechtlich, und haben paarige, sackförmige Gonaden, die Befruchtung

erfolgt äußerlich im freien Wasser. Sie entwickeln sich meist direkt. Die Spiralfurchung

führt von der Gastrulation, über das Jungtier, zum adulten Tier. Unter anderem geschieht dies

mit einer Metamorphose zum Adultus in einer Larvenhülle. Zum Teil vermehren sie sich auch

asexuell durch Fragmentierung.

Systematik

Oft wird eine enge Verwandtschaft mit den Plathelminthes angenommen (Protonephridien),

eventuell stellen sie jedoch auch eine Schwestergruppe der Mollusca und Articulata dar.

(Coelomderivate: Rhynchocoel, Blutgefäßsystem?)

Arten

Micrura purpurea

Der Körper dieser Tiere ist unsegmentiert und hat keine Körperanhänge. Diese Art hat einen

mittel- bis hellbraunen Rücken, die Bauchseite ist heller, das Kopfschild ist weiß mit einer gelben

Querbinde.

Annelida

Allgemeine Einleitung

Innerhalb dieser Gruppe ist das Bestimmen keine leichte Aufgabe und unsere Artenliste ist leider

nicht sehr lang geworden. Wie unsere Fotos aber zeigen, sind die Individuen v.a. aus der

Familie der Sabellidae optisch sehr ansprechend.

Diese Gruppe ist sehr interessant, da der Bauplan eine zentrale Rolle im Tierreich spielt. Der

Grundbauplan der Annelida ist Ausgangspunkt für viele Radiationen. Die systematische Stellung

der Gruppe im Gesamtbild ist nicht geklärt. Im klassischen System werden die Annelida

mit den Arthropoda als Schwestergruppe zu den Articulata zusammengefasst.

Dieser Einteilung liegen folgende Synapomorphien zugrunde: Metamerie, Strickleiternervensystem.

Metamerie bedeutet, dass der Körper ursprünglich in gleichartige (= homonome ) Segmente

gegliedert ist. Die Anatomie der Segmente ist identisch.

Die Articulata sind eine primär marine Gruppe mit Coeloblastula. Sie sind Spiralia und haben

einen biphasischen Lebenszyklus mit Trochophora-Larve. In der Trochophora-Larve gibt es

eine präanale Sprossungszone, aus der in der Ontogenese die Segmente sprossen. Hieraus

entsteht die Metamerie der der Articulata.

Heute gibt es aufgrund von molekularen Daten ein neues System, das die Anneliden in engere

Verwandtschaft mit den Nemathelminthes stellt. Die Gruppe der Nemathelminthes gilt nicht

mehr als monophyletisch. Ein Teil dieser Gruppe besitzt die Fähigkeit sich zu häuten und bildet

daher das Häutungs-hormon Ecdyson. Es wird daher eine neue Gruppe „Ecdysozoa“ postuliert.

Zu den Ecdysozoa gehören Teilgruppen der Nemathelminthes und die Arthropoda. Das bedeutet

also die Auflösung des Schwestergruppen-verhältnisses der Anneliden und der Arthropoda

innerhalb der Articulata. Den Ecdysozoa werden die Annelida zusammen mit den Tentaculata

und den Gastropoda gegenübergestellt.

Ein weiteres Problem bei der Einordnung der Anneliden in ein phylogenetisches System ist die

Evolution der Parapodien. Die Parapodien können an drei Stellen im Stammbaum entstanden

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sein: vor der Trennung der Annelida und den Arthropoda; vor der Trennung der Clitellata und

den „Polychaeta“; innerhalb der „Polychaeta“. Je nachdem, wann sich die Parapodien entwikkelt

haben, ändert sich die Stellung der „Polychaeta“ im System. Die Monophylie der Annelida

an sich gilt, wie oben gezeigt, nicht mehr als gesichert. Sichere Synapomorphien für die beiden

Subtaxa Clitellata und „Polychaeta“ sind nicht bekannt.

Bauplan

Meist drehrunde, wurmförmige Bilateria mit Blutgefäßsystem und sekundärer Leibeshöhle. Ihr

Körper ist in zahlreiche, bei ursprünglichen Formen gleichförmige Segmente gegliedert. In den

einzelnen Segmenten liegt eine echte, von einem Epithel ausgekleidete, Körperhöhle (Coelom)

vor. Die äußere Ringelung des Körpers sowie die zahlreichen und segmentweise auftretenden

Borsten sind meist deutlich sichtbar.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Entwicklung der Anneliden kann direkt oder aber auch indirekt sein. Indirekte Entwicklung

ist besonders häufig bei Arten mit kleinen Eiern. Aus ihnen schlüpfen oft Larven, die mehrere

Wochen im Plankton zubringen. Man unterscheidet als Entwicklungsstadien die Trochophora,

Metatrochophora I und II, die Nectochaeta und die Nectosoma. Arten mit verhältnismäßig wenigen,

großen Eiern heben meist direkte Entwicklung, die gelegentlich mit Brutpflege verbunden

ist.

Systematik

Das System der Anneliden lässt sich mit zwei Großgruppen beschreiben. Die erste Gruppe sind

die Polychaeta (Borstenwürmer), die zweite die Clitellata (Gürtelwürmer) mit den Oligochaeta

(Wenigborster) und den Hirudinea (Egel).

Die Monophylie der Polychaeta ist unklar, sie zeichnen sich nur durch plesiomorphe Merkmale

aus (evtl. Parapodien apomorph?).

Arten

Sabellidae

Diese Tiere haben einen zweigliedrigen Körper und haben kein Operculum im Siebapparat. Ihre

Röhre besteht niemals aus Kalk, sondern ist meist pergamentartig und kann inkrustiert sein.

Serpulidae

Diese Tiere haben eine stark gewundene Kalkröhre und besitzen ein Operculum im Siebapparat.

Der Körper ist meist symmetrisch. Die Tiere können farblich sehr auffallend sein.

Terebellidae

Diese Tiere leben in Röhren, die meist aus Schlamm bestehen. Ihre Tentakel können nicht zurückgezogen

werden. Sie sind Leimrutenjäger.

Myzostomidae

Diese Tiere sind marine Parasiten. Kennzeichnend für sie ist ein reduzierter scheibenförmiger

Habitus. Ihre Leibeshöhle ist ungegliedert, und die Kiemen und Gefäße fehlen vollständig.

Amphinamidae

Aphrodita aculeata -Seemaus

Ihre Ruder sind zweiästig, die Dorsalborsten gerade und glatt. Die Elythren sind filzartig überzogen

und nicht sichtbar, grau irisierend bis goldbraun.

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Nereidae

Autolytus prolifer

Große, gestreckte Errantia mit zwei Antennen, vier Paar Tentakelcirren, zwei dicken Palpen,

vier Augen und zusammengesetzten Borsten. In der Fortpflanzungszeit ist eine enorme Umgestaltung

des Körperbaus möglich.

Syllidae

Dies sind kleine Errantia mit zwei Palpen, drei Antennen, vier Augen und ein bis zwei

Tentakelcirren, sowie zusammengesetzten Borsten. Es kommen vielgestaltige Fortpflanzungsformen

mit Generationswechsel vor.

Eunicidae

Lysidice ninetta

Merkmale dieser Tiere sind Ventralcirren und kurze rundliche Palpen. Ihre Antennen und

Fühlcirren sind klein und ungegliedert. Jungtiere haben einen weißen Ring am vierten Segment.

Sie leben in pergamentartigen Röhren und kommen bis in großen Tiefen vor.

Artenliste

Spirographis spallanzani

Physcosoma granulatum

Syllidae

Nereidae

Sabellidae

Serpulidae

Serplua vermicularis

Schraubensabelle

Echiuridae, Hufeisenwurm: Bonellia viridis

Fabriciinae

Eunice torquata

Putamilla reniformis

Terebellidae

Myzostomatiae: Parasit auf Schlangenseestern

NEMERTINI: Heteronemertini: Micrura purpurea

SIPUNCULIDA:Aspidosiphon mülleri

Eunicidae: Lysidice ninetta

Typhlosyllis variegeta

Autolytus prolifer

Aphrodita aculeata ; Seemaus

Ditrupa arietina: Elefantenzahn

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Mollusca

Daniela Weigand, Manuela Gebhardt

Mollusken sind Weichtiere und äußerst vielfältig in ihrer Gestalt. Man gliedert den Körper in

Cephalopodium (Kopffuß) – Pallium (Mantel) – Visceralkomplex (Eingeweidesack). Es gibt sowohl

limnische, terrestrische als auch marine Formen, wobei alle eine Praeveliger-Larve besitzen.

Mollusken sind der artenreichste Tierstamm nach den Arthropoda. Man unterteilt ihn in:

Aplacophora - wurmförmig ohne Schale

Polyplacophora - Käferschnecken mit 8 beweglichen Schalenklappen

Monoplacophora - einheitliche Schale, im Palaeozoikum weit verbreitet

Gastropoda – Schnecken, unterteilbar in Prosobranchia (Vorderkiemer), Opisthobranchia

(Hinterkiemer), Pulmonata (Lungenschnecken)

Scaphopoda - Kahnfüßer, rein marin

Bivalvia – Muscheln, limnisch und marin

Cephalopoda – Kopffüßer, unterteilbar in Tetrabranchiata und Dibranchiata (diese sind unterteilbar

in Decabrachia (10-armig), Octobrachia (8-armig))

Aus allen Großgruppen wurden Exemplare gefunden. Die meiste Zeit haben wir dabei den

Gastropoda gewidmet, etwas weniger den Bivalvia. Auch einen Octopus haben wir am zweiten

Exkursionstag in einer Nische auf dem Felsboden beobachtet. Dieser wurde natürlich nicht mitgenommen.

Beim Nachttauchen begegneten wir zusätzlich einigen Sepien.

Käferschnecken fanden wir auf dem Felsgrus, Scaphopoden wurden uns von Iris (Betreuerin in

der Tauchbasis) zur Verfügung gestellt. In diesen Proben durften wir auch zwei wunderschöne

Fadenschnecken betrachten. Nicht alle gehäuselosen Schnecken, die sich in unseren Proben

von 30 m Meerestiefe befanden, waren so leicht einzuordnen. Manchmal war keine Beschreibung,

kein Foto treffend, trotz empfohlener Bestimmungsmappe.

Zur Bestimmung wurde in der Hauptsache die Fauna des Mittelmeers (Riedel) verwendet. Ergänzt

wurde das durch einige Bücher mit Abbildungen. Bestimmungsschlüssel wurden nicht

verwendet.

Scaphopoda (Grabfüßer)

Vorkommen auf Sedimentböden bis in große Tiefen, mehrjährig, Befruchtung findet im Wasser

statt. Schale gekrümmt und beidseitig offen. Ernährung von Bodenorganismen wie

Foraminiferen; Sammelprobe 30 m

Placophora (Käferschnecken)

Chiton canariensis: Felsgrus

Chiton olivaceus: gelblich-braune, gekielte Platten; Felsgrus

Cephalopoda

Octobrachidae (Kraken)

Octopus vulgaris (Gemeiner Krake): Saugnäpfe zweireihig versetzt zueinander, Arme verschieden

lang, hormongesteuertes Ableben des Weibchens nach ca. zwei monatiger Brutpflege; räuberisch

Sepiidae (Sepien)

Sepia officinalis (Gemeine Sepia): 8 Arme und 2 Tentakeln, 2-4 Reihen Saugnäpfe; beim Nachttauchen

im Freiwasser

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Bivalvia

Arcidae (Archenmuscheln)

Arca noa (Arche Noah): gegitterte Schale, Muschel mit rechteckiger Form; Rhizome 12 m,

Sammelprobe < 1 m

Arca tetragona: bis 60 cm, lang gestreckt, dunkelbraun mit rötlichen Zickzackstreifen, wird roh

gegessen; auf allen Hartböden, Rhizome 12 m

Striarca lactea: Schatten 3 m

Carditidae

Cardita antiquata: < 1 m

Cardita calyculata

Limoidae (Feilenmuscheln)

Lima lima (Schuppige Feilenmuschel): asymmetrische Schale, dickwandig, auch an Schwämmen

und Seescheiden; Hartboden

Mytilidae (Miesmuscheln)

Lithophaga lithophaga (Steindattel): essbar, lange Schale, bohrt sich in Felsen im Gestein

(muss zertrümmert werden)

Modiolus spec.: Sonne 0 m

Mytilus edulis (Miesmuschel) :Schatten 3 m, > 1 m, > 10 m

Pectinidae (Kammmuscheln)

Clamis varia (Bunte Kammmuschel): bräunlich mit Stacheln, besitzt Schwimmvermögen

Pecten jakobeus: ungleichklappige Schalen, rechte weißlich und tief gewölbt, linke flach und

dunkelbraun; Sandboden

Pinnidae (Steckmuscheln)

Pinna nobilis: bis 80 cm, unter Artenschutz, Byssusfäden werden zu Muschelseide verarbeitet

(sehr wertvoll); auf Sandboden, > 2 m

Veneridae (Venusmuscheln)

Callista chione: > 10m

Venus casina

Venus verrucosa (Warzige Venusmuschel): grobe Wachstumsstreifen, meist weißlich, innen

hell; Sammelproben, Sandboden

Weitere Arten:

Acme spec.; Barbatia nodulosa, 1766 erstmals von Müller in Europa beschrieben; Eastonia

rugosa; Pitar rudes; Tapes decussatus

Gastropoda

Opisthobranchia (Hinterkiemer)

Bewohnen Riffe, Seegraswiesen und Sandböden. Zum Teil tagsüber in Spalten, Nischen oder

Sand versteckt.

Elysia timida: weiß mit grünen und roten Punkten; Felsgrus

Dorididae

Doridacea phyllidiidae: Kiemenbüschel am Hinterende

Aelidaceae (Fadenschnecken)

Flabellina affinis (Violette Fadenschnecke):

violett mit weißen Spitzen; 30 m

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Aelidaceae (Fadenschnecken)

Cratena peregrina (Wanderfadenschnecke): weiß mit orangefarbigen Fäden, bis 70 mm; 30 m

Prosobranchia (Vorderkiemer)

Buccinidae (Hornschnecken)

Cantharus d‘orbigny: skulpturierte, braune Schale mit weißem Spiralband; Sonne, Schatten,

Rhizome, > 2 m

Cerithiidae (Seenadelschnecken)

Bittium reticulatum (Netzturmschnecke): Schale mit Netzstruktur; Sonne, Schatten, Seegras,

Sandboden, Rhizome, Felsgrus

Gourmya vulgate (gemeine Seenadelschnecke): knotige Spiralskulptur der Schale; Rhizome 12

m, Felsgrus, Sonne

Ceritiopsidae (Spitznadeln)

Cerithiopsis tubercularis: klein mit knotiger Schale; Sonne

Conidae (Kegelschnecken)

Conus mediterraneus (Mittelmeer-Kegelschnecke): dicke, konische Schale; Schatten

Conus ventricosus: Sammelprobe

Coralliophilidae

Colus spec.: < 1 m

Haliotidae (Meerohren)

Haliotis lammellosa (Seeohr): Ohrförmige Schale, innen Perlmutt; Sammelprobe

Muricidae (Leistenschnecken)

Muricopsis cristatus: stacheliges Gehäuse; Sonne, < 1 m

Thais haemastoma (Rotmundleistenschnecke): Mund rötlich, gezähnt; < 1 m, > 2 m,

Trunculariopsis trunculus (Purpurschnecke): offener Siphonalkanal, stark skulpturiert; Felsgrus,

Sand

Nassariidae

Nasarius cf. tinei

Nasarius limatus

Neritidae (Nixenschnecken)

Smaragdia viridis: smaragdgrün mit schwarzer Musterung; Rhizome 7 m

Patellidae (Napfschnecken)

Patella rustica: Felsen

Patella spec.: Felsen

Patella ulyssiponensis form aspera: > 10 m

Patella vulgata: > 10 m

Pyrenidae (Taubenschnecken)

Columbella rustica: eiförmig, gezähnte Mündung; Rhizome, Felsgrus, Sonne, Schatten

Rissoidae

Alvania cimex: Rhizome 12 m

Alvania lineata: Rhizome, Felsgrus, Sonne

Alvania montagui: Rhizome 12 m, Felsgrus

Rissoa auricalpium: Rhizome

Rissoa ventriculosa

Trochidae (Kreiselschnecken)

Calistoma cf. conulum

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Callistoma zizyphinum: Rhizome

Gibbula richardi: Felsgrus

Gibula spec.: Sonne, Felsgrus, > 10 m

Jujubinus exasperatus: Rhizome, Seegras 5 m,

Jujubinus stratius: Seegras 10 m

Jujubinus unidentatus: Seegras 10 m

Vermitidae (Wurmschnecken)

Vermitidae: mit festgewachsenen Röhren/Gehäusen auf hartem Substrat; Felsgrus, Sonne,

Schatten

Weitere Arten:

Astraea rugosa: Felsgrus, > 10 m; Cassidaria echinophora; Cellana radiata: > 10 m; Chrysallida

nanodae: Seegras 20 m; Cocculina corrugata: > 10 m; Fusinus rostratus: Rhizome 7 m;

Gibberula oryza: Rhizome 12 m; Littorina mariae; Luria lurida: > 10 m; Naticarius spec. : Rhizome

12 m; Nipponotrophon fabricii: Rhizome 7 m; Ocinebrina aciculata: Rhizome 7 m; Tricolia

pulla: Rhizome, Seegras 10 m

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Crustacea

Claudia Maas & Christin Heinrich

Bauplan

Körpergliederung sehr variabel, oft drei Abschnitte: Cephalothorax mit Antennen und Mundwerkzeugen

(= Kopf mit vorderen Segmenten des Thorax, dessen Extremitäten als Mundwerkzeuge

(Maxillipeden) ausgebildet sind), Peraeon mit Beinen für Fortbewegung und Pleon ohne

Beine oder mit Blattbeinen (==> Atmung); Beine zweiästig (Spaltbein) mit Endo- (==> Schreiten)

und Exopodit (==> Schwimmen) und basal an Coxa mit Exit (==> Atmung)

Sinne und Nerven

Zwei seitliche Facettenaugen und ein Medianauge (Naupliusauge); Oberschlundganglion mit

ventralem Strickleiternervensystem

Fortpflanzung und Entwicklung

Embryonalentwicklung über Spiralfurchung; Jugendstadium: Naupliuslarve (mit unpaarem

Auge); Spermaübertragung sehr unterschiedlich, gruppenspezifisch

Ernährung & Lebensweise

Meist Filtrierer oder Räuber, gruppenspezifisch; meist marin

System

Weltweit ca. 40 000 Arten. Insgesamt 10 Unterklassen, davon im Mittelmeer folgende vertreten

(vgl. Riedel):

Anostraca; Phyllopoda; Copepoda; Mystacocarida; Ostracoda; Ascothoracida; Cirripedia;

Malacostraca

Davon bei Giglio gefundene: Copepoda; Cirrpedia; Malacostraca

Cirripedia (1500 Arten)

Festsitzende Crustaceen mit mantelförmigem, kalkigem oder ledrigem Gehäuse und zu

Seihapparat entwickelten Beinen, oder sackförmige extremitätenlose Parasiten an Decapoden.

Chthamalidae

Balanomorpha (Seepocken)

Chtamalus stellatus

Gattung mit stets 6 Platten und membranöser Basis. Art mit dicker, mäßig bis stark gerunzelter

Mauerkrone. Die Grenze zwischen Scutum und Terga ist geschweift und steht annähernd im

rechten Winkel zur Mittellinie. Mandibeln mit vier Hauptzähnen.

Malacostraca

Decapoda

Anomura

Decapoda mit ziemlich gedrungenem Körper, das Abdomen ist entweder ungegliedert, sackförmig

oder gegliedert, dann aber immer mehr oder minder reduziert und eingeschlagen getragen.

Diogenidae (Einsiedlerkrebse)

Gleichgroße oder links größere Scheren der 1. Peraeopoden. Die Basen der 3. Maxillipeden

berühren sich.

Calcinus tubularis (Bunter Einsiedler)

Bis 25 mm. Scheren annähernd gleich groß. Körper rot bis rotbraun. Scherenspitzen und 1.

Glied der Beine weiß mit roten Punkten, Rest der Scheren rot bis rot gepunktet. Restliche Glieder

der Beine rotbraun mit bläulicher bis weißer Zeichnung. Spitzen der Augenstiele weiß, Lebensraum:

auf Fels und Geröllböden. Vom Flachwasser bis in große Tiefen.

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Clibanarius erythropus (Felsenküsten-Einsiedler)

Größe bis 20 mm. Grundfarbe grünlich bis brauner Farbton, die Dactylen sind rot und blau-weiß

längs gestreift. Die Endklauen sind von schwarz-brauner Farbe, Augenstiele, Antennen und

zwei Längsbinden auf den Fingern sind kräftig rot gefärbt. Das Eulitoral felsiger Küsten bildet

seinen Lebensraum.

Dardanus calidus (Roter Felseneinsiedler)

Paguridae (Einsiedlerkrebse)

Ziemlich gedrungener Körper. Ungegliedertes, unsymmetrisches Abdomen, oft von spiraliger

Form. Oberfläche und Anhänge weichhäutig.

Lebensraum: Alle Seeböden

Pagurus anachoretus (Gestreifter Felseneinsiedler)

Bis 40 mm. Scheren ungefähr gleich groß. Färbung rotbraun, mit weißen gelblichen Querbändern

an Beinen und Scheren. Antennen und Augenstiele rotbraun und weiß geringelt, Augen

hellblau bis grünlich.

Lebensraum: Auf allen Hartböden vom Flachwasser bis in große Tiefen.

Pagurus prideauxi (Anemonen-Einsiedlerkrebs)

Art mit fast unbehaarter, nur manchmal spitze Höcker tragender Schere. Grundfarbe braunrot,

Antennen und Dactylen der Peraeopoden zwei und drei gelblich; deren übrige Glieder oft mit

stumpf violetten Binden nahe der Gelenke, Cornea dunkelgrau mit einem Stich violett. Sehr oft

ist das kleine Schneckenhaus von einer Anemone (Adamsia palliata) vollständig überzogen,

deren Tentakel an der Unterseite des Krebses, und hinter dessen Mundgliedmaßen zu finden

sind.

Pagurus excavatus var. meticolosus

Charakteristisch: braun weiße, längs gestreifte Augenstiele

Branchyura (Krabben)

Decapoda von sehr gedrungener Körperform mit kleinem, sehr reduziertem Abdomen ohne

Schwanzfächer. Das Abdomen wird unter die Brust geschlagen getragen und ermöglicht weder

Schwimm- noch Springbewegungen. Bewohner aller Böden.

Doripidae

Oxystomata mit kaum verbreitertem Cephalothorax, die hinteren Peraeopoden subchelat und

auf den Rücken verschoben, kleiner und als Klammerfüße dienend.

Ethusa mascarone (Gepäckträgerkrabbe)

Gattung mit gestrecktem Cephalothorax, Stirnrand vierzähnig, tief eingeschnitten, Körperumriss

hoch trapezförmig, Abdominalsegmente 3-5 beim Männchen verschmolzen. Art mit einheitlich

grau-brauner Färbung; Scheren papierfarben. Trägt regelmäßig über den Rücken gehaltene

Tarnobjekte, meist Muschelfragmente beträchtlicher Größe.

Grapsidae

Brachyrhyncha mit viereckigem Carapax, Stirnrand breit, zwei bis drei kleine Seitenrandzähne.

Pachygrapsus marmoratus (Felsenkrabbe)

Gattung mit ganz geradem Stirnrand, Rücken auffallend flach und glatt, etwas breiter als lang.

Art von variierend dunkler Färbung. Gesamteindruck der Rückenseite graugrün bis olivfarben.

Mit feiner marmorierter, vorwiegend querlaufender, schwarzgrüner Zeichnung. Unterseite

papierfarben.

Maiidae (Seespinnen)

Oxyrhyncha mit vorn gestrecktem Carapax und schnabelförmigem Rostrum, meist mit Angel-

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haaren und der Eigenschaft, sich durch Anheften von Algen und Schwämmen zu tarnen. Verschieden

große Arten, überwiegend in Algenbeständen des Litoralhanges.

Maja crispata (Kleine Seespinne)

Cephalothorax wenig gewölbt, unter den Seitenrandstacheln, keine Nebenstacheln. Fleischfarben,

bräunlich bis sandfarben mit kurzen, gelben Stacheln.

Inachinae (Gespensterkrabben)

Maiidae ohne Orbita, zweites Stielglied der zweiten Antenne lang, zarte Formen.

Achaeus cranchi

Gattung mit stark behaartem Rücken, Augenstiele lang, wenn rückschlagbar, Rostrum kurz.

Xanthidae

Brachyrhyncha mit herzförmig bis breit ovalem Carapax, Stirnrand quer abgestutzt oder stumpfzweiteilig,

mit normalen Paraeopoden. Kräftige Formen, überwiegend an Felsküsten.

Eriphia verrucosa (Italienischer Taschenkrebs)

Mehrere Reihen derber Zähne an der Stirn. Höcker der Scherenbeine mit dichten Büscheln

kurzer Borsten besetzt. Peraeopoden 2 bis 4 sind stärker behaart. Kräftig rotbrauner Rücken,

mit gelben Schecken und dunkleren, besonders auf den Scherenbeinen intensiv rotbraunen

Höckern. Scherenfinger und Endklauen der Dactylen schwarzbraun.

Pilumnus hirtellus

Gattung mit langen Borsten und eng gezähneltem Stirnrand. Art kräftig ziegelrot, die steifen

Borsten, die auch Rücken und Beine bedecken, strohgelb. Scherenfinger und Stacheln dunkelbraun.

Amphipoda

Caprellidae (Gespenstkrebse)

Amphipoda , deren Kopf mit dem 1. Mesoma-Segment verschmolzen ist. Abdomen zu Stummel

reduziert, Extremitäten stark reduziert oder fehlend. Augen klein, Seitenplatten fehlen.

Lebensart: Bodenbewohner und parasitisch auf der Haut von Walen.

Pantopoda (Asselspinnen)

Meist kleine Arthropoden (1 – 8 mm) mit kurzem Rumpf, mit 4 (seltener, im Mittelmeer nie 5-6)

Gangbeinpaaren. Hinterleib stummelförmig, Mundfortsatz rüsselförmig. Zart bis kräftig

chitinisiert, blass, kräftig grün, blau, rot oder tarnfarben. Bewegungen langsam, meist kletternd

oder klammernd, selten schwimmend.

Phoxichilidiidae

Lang gestielte Scheren oder adult ganz ohne Scheren. Eiträger des Männchens 5-9 gliedrig.

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Artenliste

Cirripedia

Chthamalidae Chtamalus stellatus

Malacostraca

Decapoda/Anomura

Diogenidae Calcinus tubularis

Clibanarius erythrophus

Dardanus calidus

Paguridae Pagurus anachoretus

Pagurus prideaux

Pagurus excavatus var. meticolosus

Branchyura

Doripidae Ethusa mascarone

Grapsidae Pachygrapsus marmoratus

Maiidae Maja crispata

Inachinae Achaeus cranchi

Xanthidae Eriphia verrucosa

Pilumnus hirtellus

Amphipoda Caprellidae

Pantopoda Phoxichilidiidae

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Echinodermata und Ascidiacea

Olivera Vucic-Pestic

Echinoidea

2 m Tiefe auf Hartboden:

Echinidae

Paracentrotus lividus

Morphologische Merkmale: grünliche Gehäusefarbe; Stacheln braun, violett, grünlich; Mundfeld

rötlich, klein; zahlreiche Ambulacralfüßchen à gutes Wendevermögen; wenig Stacheln mit blauem

Ring an der Stachelbasis

Vorkommen: bevorzugt auf Kalkfelsen, primären Hartböden, in Algenbeständen

Wissenswertes: Auch Steinseeigel genannt. „Versteckt“ sich tagsüber in Aushöhlungen des

Kalkfelsens, verlässt diese nachts zur Nahrungsaufnahme (weidet an Algen). Wird seit dem

Altertum zum Verzehr gesammelt. Die orangefarbenen, fünfreihig angeordneten Gonaden der

Weibchen gelten als Delikatesse. Diese Art wird seit einigen Jahren in der Entwicklungs- und

Molekularbiologie eingesetzt. Aufgrund der Durchsichtigkeit der Eier lassen sich Zellteilungsvorgänge

leicht unter dem Mikroskop beobachten. Die Nutzung führte an einigen Stellen zum

Rückgang der Population, an deren Stelle sich der Schwarze Seeigel (Arbacia lixula) ausbreiten

konnte.

Arbaciidae

Abracia lixula

Morphologische Merkmale: rosa Gehäuse mit dunkelroten Streifen; abgeflachte Form; Mundfeld

grünlich und große Mundöffnung; Stacheln schwarz-violett, ohne blauen Ring an der Basis und

sehr zahlreich; wenig Ambulacralfüßchen à schlechtes Wendevermögen

Vorkommen: vertikale, felsige Flächen, primäre Hartböden, in Algenbeständen

Wissenswertes: Weidet vor allem an vertikalen Flächen im Brandungsbereich Algenrasen ab.

Das abgeflachte Gehäuse bietet dem Wasser nur geringen Widerstand.

30 m sekundärer Hartboden:

Echinidae

Psammechinus microtuberculatus

Morphologische Merkmale: abgeflachtes Gehäuse mit einem Durchmesser von etwa 3,5 cm

(adult); Gehäusefarbe dunkelgrün bis braun mit weißen Porenfeldern; Primärstachel kaum größer

als Sekundärstachel, max. 1,5 cm lang; Stachelfärbung grünlich bis bräunlich mit weißen

Spitzen, manchmal auch gebändert Vorkommen: primäre und sekundäre Hartböden, in Algenbeständen

und vor allem in Seegraswiesen

Wissenswertes: Nachtaktiv wie die meisten Stachelhäuter. Tagsüber meist versteckt zwischen

Seegrasrhizomen oder unter Steinen à verlässt seine Verstecke zur Nahrungsaufnahme und

Fortpflanzung. Nahrungsgrundlage bilden Algen und kleine Wirbellose. Die Art ist ein wahrer

Kletterkünstler. Im Versuch wurde beobachtet wie diese Art sogar auf einer Violinenseite hochgeklettert

ist. Auch bei dieser Art sollen die Gonaden gut schmecken, weshalb er in einigen Regionen

auch gesammelt wird.

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Ophiruoidea

Ophicomidae

Ophioderma longicaudum

Morphologische Merkmale: Körperscheibe annähernd rund; Scheibendurchmesser max. 2-3

cm (adult); Arme werden bis zu 12 cm lang, erscheinen glatt, da die kurzen Stacheln eng anliegen;

Arme und Körperscheibe wirken lederartig

Vorkommen: Im Felslitoral, selten auf sekundären Hartböden, versteckt in Spalten oder unter

Steinen; auch auf Sandgründen, wo er unter Steinen Schutz finden kann; vom Flachwasser bis

in 70 m Tiefe

Wissenswertes: Kann sich mit seinen beweglichen Armen schnell vorwärts bewegen. Dazu

werden die Arme s-förmig gekrümmt und wieder ausgestreckt. Als sciaphile Art flüchtet er sofort,

wenn man ihn nachts anleuchtet oder tagsüber durch Umdrehen eines Steins freilegt.

Asteroidea

Asteriidae

Marthasterias glacialis

Morphologische Merkmale: stets mit fünf Armen; in der Regel 30-40 cm, manchmal sogar 80

cm groß; jede Dorsalplatte mit einem großen Stachel; Stacheln an der Basis von einem Büschel

Pedicellarien umgeben; Stacheln auf den Armen in drei Längsreihen; kleinere Exemplare eher

braun bis olivgrün, größere rötlich braun mit graugelber Zeichnung gefärbt

Vorkommen: Lebt auf Hartsubstraten, in Spalten und Höhlen sowie unter Steinen. In großen

Tiefen (ab 50 m) besiedelt er auch schlammige Sandböden. Bei der Verbreitung dieser arktischen

Art im Mittelmeer spielt die Wassertemperatur eine übergeordnete Rolle, wobei die Küsten

mit niedriger Durchschnittstemperatur bevorzugt werden.

Wissenswertes: Ist ein Top-Prädator in seinem Lebensraum. Neben Weichtieren (z.B. Mollusken)

werden Krebse, verletzte Fische und andere Stachelhäuter (z.B. Seeigel) gefressen. Dreht

die Seeigel mit Hilfe der Arme um und verdaut sie von ihrer Mundseite aus. Dazu stülpt er seinen

Magen nach außen.

Hacelia attenuata

Morphologische Merkmale: fünf drehrunde Arme setzten mit breiter Basis an der Scheibe an

und verjüngen sich kontinuierlich zur Spitze hin; bis zu 20 cm groß; Oberfläche fühlt sich glatt

an und ist durch deutlich sichtbare Reihen von Vertiefungen gekennzeichnet; rot oder orange

gefärbt

Vorkommen: auf felsigen und koralligenen Böden, in Tiefen zw. 1 und 150 m (hauptsächlich zw.

20 und 50 m); sciaphil, daher oft unter Überhängen und in Höhlen.

Wissenswertes: Heißt mit Trivialnamen auch glatter Seestern

Echinasteridae

Echinaster sepositus

Morphologische Merkmale: mit fünf, selten mit sechs oder sieben langen, runden Armen; bis zu

20 cm groß; Körperoberseite mit zahlreichen, kleinen, deutlich sichtbaren Papulae

(Ausstülpungen); drüsenreiche Haut mit darin versenkten Stacheln, diese max. 1,5 mm lang;

auffällige leuchtend rote Färbung

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Vorkommen: Häufiger Seestern im unteren Infralitoral, auf Hartsubstraten; unterhalb der

Sprungschicht bis in große Tiefen (250 m)

Wissenswertes: Ernährt sich hauptsächlich von organischer Materie, die er auf dem Meeresboden

findet, frisst aber auch an Schwämmen

Ophidiasteridae

Ophidiaster ophidianus

Morphologische Merkmale: wird bis zu 35 cm groß; kleine Scheibe; fünf drehrunde gleichmäßig

dicke Arme; Körperoberseite mit kaum sichtbaren Papulae in acht Längsreihen/Arm angeordnet;

Saugfüßchen gelb; Armwinkel spitz zulaufend; Färbung von purpurrot über ziegelrot bis

orangerot, manchmal mit purpur- oder orangeroten Flecken

Vorkommen: Besiedelt primäre und sekundäre Hartsubstrate von Flachwasser bis in große Tiefen.

Präferiert beschattete Zonen.

Wissenswertes: Lebt mit dem Eisseestern in Lebensgemeinschaft des Präkoralligens, ist aber

etwas wärmebedürftiger als dieser und deshalb in südlichen Mittelmeergebieten/-regionen deutlich

häufiger.

Asterinidae

Asterina gibbosa

Morphologische Merkmale: sternförmiger bis fünfeckiger Umriss; klein bis zu 6 cm; Arme sehr

kurz; flache Unterseite und gewölbte Oberseite

Vorkommen: v.a. in Seegraswiesen aber auch auf Hartböden besonders unter Steinen oder in

Spalten. Bevorzugt Flachwasserregionen.

Wissenswertes: Lebt tagsüber zw. den Rhizomen der Seegräser oder unter Steinen versteckt.

Geht nachts auf Nahrungssuche. Ernährt sich räuberisch von z.B. Bryozoen, häufig auf

Seegrasblättern (Posidonia oceanica). Im Unterschied zu den meisten anderen Seesternarten

entstehen aus den befruchteten Eiern dieser Art keine planktischen Larven. Die Eier werden an

das Substrat geheftet. Aus ihnen schlüpfen nach einiger Zeit viele, kleine, fertige Fünfecksterne.

Crinoidea

Antedon mediterranea

Morphologische Merkmale: wird 15 bis 20 cm groß; fünf verzweigte, gefiederte Arme, scheinbar

zehn; Ambulakralsystem auf der Bauchseite, nicht zu Fortbewegung sondern dient dem

Nahrungstransport; Rückencirren dienen der Befestigung am Untergrund; Färbung variiert von

grellem gelb über braun bis kaminrot

Vorkommen: Hauptsächlich in Tiefen von 30-40 m, aber auch im Flachwasser. Tagsüber unter

Steinen oder in Schwämmen versteckt.

Wissenswertes: Tier lebt auf dem Rücken. Klammert sich an Algen, Moostiere oder Hornkorallen

etc. fest. Fiederarme dienen als Netz zum Einfangen von Plankton oder kleiner organischer

Teilchen. Äußere Befruchtung, die Eier werden bis zum Ausschlüpfen auf den Fiedern

getragen. Planktisch lebende Larve heftet sich mit einem Stiel am Boden fest. Dieses Stadium

heißt Pentacrinus-Stadium, der Haarstern sieht hier fossilen Seelilien ähnlich. Trennung vom

Stiel nach einigen Monaten. Die Tiere beherbergen zahlreiche Parasiten, z.B. den Vielborster

Myzostomum cirriferum, Ruderfüßer und Asseln.

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Holothurioidea

Holothuria stellati

Morphologische Merkmale: 15-20 cm lang; Färbung oft braun, sehr variabel; keine Cuvierschen

Schläuche

Vorkommen: Auf sandigen, schlammigen Böden. Vor allem in Tiefen zwischen 5 und 40 m, aber

auch bis zu 100 m Tiefe.

Holothuria tubulosa

Morphologische Merkmale: zwischen 20 und 50 cm lang; Färbung sehr variabel von braun bis

rötlich

Vorkommen: Sehr häufig zwischen Algen und Seegraswiesen.

Ascidiacea

30 m sekundärer Hartboden

Ciona cf. intestinalis

Morphologie: durchsichtig mit gelblich- grünlichen Punkten an der Einstromöffnung; solitär

Vorkommen: in Felsspalten zwischen 5 und 500 m Tiefe; alle europäischen Küsten

Halocynthia papillosa

Morphologie: im Durchschnitt 6-10 cm hoch; Färbung rot und auf der Schattenseite des Tieres

geht sie in weiß über; körnige Tunica; Siphone mit Borsten ausgestattet; solitär

Vorkommen: In Vertiefungen und unter Überhängen (Art leicht sciaphil) auf harten Untergründen

(Felsgestein, Koralligen, Wracks...); in Tiefen bis zu 100 m

Außerdem im Pelagial gefunden:

Salpa maxima

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Bryozoa

Gunnar Henkes und Dorothee Sandmann

Bryozoa oder Moostierchen werden mit den Phoronida (Hufeisenwürmer) und den Brachiopoda

(Armfüßer) zur Gruppe der Tentaculata (Lophophorata) gezählt. Kennzeichnend für diese

Verwandschaftsgruppe ist eine sessile Lebensweise in ausschließlich aquatischen Lebensräumen,

ein Exoskelett aus Chitin / Kalk, ein Kranz bewimperter Tentakel um die Mundöffnung und

eine strudelnde Ernährungsweise.

Bryozoa sind mit ca. 4500 rezenten und ca. 15000 fossilen Arten die artenreichste Gruppe innerhalb

der Tentaculata. Die frühesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Kambrium.

Nur unter den Bryozoen gibt es Süßwasserformen (etwa 50 Arten), alle übrigen Bryozoen sind

weltweit verbreitete marine Organismen, die vor allem im Litoral vorkommen. Zu finden sind

Bryozoen jedoch von der Gezeitenzone bis zu einer Tiefe von 1000 m.

Bryozoen bilden Kolonien aus modularen Einheiten, den Zooiden (Einzelindividuen). Die

Grundeinheit (basic modules) sind die Autozooide, die mit Ihrem cilienbesetzten Tentakelkranz

Nahrungspartikel aus dem Wasser filtern. Desweitern gibt es besonders bei den Cheilostomata

Module, so genannte Heterozooide, die keine Nahrung mehr aufnehmen, sondern auf andere

Funktionen, z.B. Fortpflanzung (Gonozooide), Säuberung, Schutz (Vibracularien, Avicularien)

oder Anheftung (Kenozooide) spezialisiert sind (spezialized modules). Das heißt durch Knospung

entstehende Zooide einer Kolonie können sehr unterschiedlich aussehen

(Polymorphismus), da sie auf bestimmte Funktionen spezialisiert sind.

Die Zooide in einer Kolonie sind unter 1 mm groß und bilden jedes für sich ein gelatinöses oder

festes Gehäuse aus Chitin, z.T. zusätzlich mit Kalk. Die Verbindung mit dem Substrat ist meistens

fest, so dass die Kolonien einen dichten Überzug unter anderem auf Steinen, Molluskenschalen,

Seegras, Krebspanzern und anderen festen Substraten bilden. Es gibt aber daneben

auch Kolonien mit algen- oder korallenartiger Wuchsform, die sich über das Substrat erheben.

Da feste Substrate nur einen sehr geringen Teil des Untergrundes im Meer ausmachen müssen

Bryozooen einer starken Konkurrenz um ihren Lebensraum standhalten. Fraßfeinde sind vor

allem Nacktschnecken, Seeigel und kleine Krebstiere (Gespensterkrebse und Asselspinnen).

Körperbau

Der Grundbau des Körpers eines ursprünglichen Moostierchens ist funktionell in zwei Abschnitte

gegliedert: Dem vorderen Körperteil, der aus dem Gehäuse herausgestreckt werden kann

(Polypid) und dem hinteren Körperteil, der durch ein Gehäuse geschützt wird und der Fortpflanzung

dient. Die Einstülpöffnung (Orificium) wird unterschiedlich verschlossen. Bei den

Cyclostomata durch Sphinktermuskeln, bei den Ctenostomata durch einen membranösen Kragen

und bei den höheren Cheilostomata durch einen Deckel (Operculum). Die Ausstülpung des

Polypids erfolgt durch Erhöhung des hydrostatischen Körperdrucks. Bei den mit festem Gehäuse

ausgerüsteten Cheilostomata ohne Ascus wird der Druck dadurch erhöht, dass die

unverkalkt gebliebene, dem Substrat abgewandte Seite durch Muskeln nach innen eingezogen

wird und den Polypid austreibt. Völlig verkalkte Cheilostoma besitzen eine nach außen offene

schlauchartige Einbuchtung (Ascus, Kompensationssack), bei dessen Füllung mit Wasser sich

der Körperinnendruck erhöht, so dass der Polypid heraus kommt. Wieder eingezogen wird der

Polypid über einen Retraktormuskel. Blut- und Exkretionssysteme fehlen. Beides erfolgt über

die Körperepithelien.

Fortpflanzung und Entwicklung

Bryozooenkolonien sind meist zwittrig (Ausnahme: z.B. Crisia) und machen einen Wechsel zwischen

geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung durch. Es werden keine spezifi-

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schen Gonaden entwickelt, sondern die Geschlechtszellen entwickeln sich im Coelothel. Die

Eier verlassen den Körper durch einen Coelomporus der an einem röhrenförmigen Fortsatz der

Lophophorbasis liegt. Von außen kommende Spermatozooen werden durch denselben Porus

nach innen transportiert. Die weitere Entwicklung verläuft bei verschiedenen Gruppen unterschiedlich.

Einige Bryozooen, z.B. Elektra, geben die Eier direkt ins Wasser ab. Die meisten

betreiben jedoch Brutpflege. So entwickeln sich die Eier bei einigen Cyclostomata in speziellen

Gonozooiden deren Tentakel und Verdauungstrakt reduziert sind, viele Cheilostomata besitzen

äußere Brutkammern (Oecien, Ovicellen). Aus den Eiern entstehen Larven, die einen Wimperring

(Corona) und ein Haftorgan besitzen. Einige Arten bilden planktische Larven

(Cyphonautes), die Monate im freien Wasser schwimmen, andere Brut pflegende Arten bilden

Larven, dessen Larvenzeit oft nur wenige Stunden dauert. Gerät eine Larve auf geeignetes

Substrat heftet sie sich fest. Durch Metamorphose entsteht dann der erste Zooid, die

Ancestrula. Die Ausbildung einer Kolonie beginnt mit vegetativer Knospung, an der nur Ektound

Mesoderm teilnehmen. Die Zooide sind so alle physiologisch verbunden, besitzen jedoch

kein gemeinsames Darmsystem wie die Cnidarier.

Systematik

Phylactolaemata (Süßwasserbryozoen)

ursprünglichste Gruppe, Wachstum oralwärts, kein Polymorphismus, nur im Süsswasser

Stenolaemata (Cyclostomata)

Wachstum analwärts, kein Polymorphismus, nur marin

Gymnolaemata

Ausgeprägter Polymorphismus, überwiegend marin

Ctenostomata

Ohne Operculum, keine Avicularien, Zooide zylindrisch

Cheilostomata

Mit Operculum, starker Polymorphismus, Zooide schachtelförmig

Anasca: Mit flexibler Frontalmembran

Ascophora: Mit Kompensationssack

A) Felsen und sekundärer Hartboden

Lichenopora radiata gehört zu den Cyclostomata der Familie Lichenoporidae. Diese

Bryozoenart bildet bis zu 0,5 cm große, runde bis ovale, weiße Kolonien. Die Kolonien lassen

sich von vielen anderen durch die Kolonie umgebenden Randlamellen unterscheiden. Die einzelnen

Zooide der Kolonie sind in Radiärreihen angeordnet, die durch Zwischenräume getrennt

sind. Lichenopora radiata ist eine besoners schnell wachsende Art, die so auch in der Lage ist

nur temporäre Substrate zu besiedeln. Dazu passend wurde sie auf Giglio besonders auf losem

Felsgruß im Flachwasser (bis 5 m Tiefe) gefunden. Laut Literatur liegt Ihr Verbreitungsraum bis

zu einer Tiefe von 50 m.

Crisia eburnea gehört neben Lichenopora radiata zu den wenigen Arten aus der Gruppe der

Stenolaemata (Cyclostomata), die auf Fels, bzw. sekundärem Hartboden, gefunden wurden.

Kennzeichnend sind strauchförmige Zoarien, deren Äste durch ringförmige Chitingelenke voneinander

getrennt sind. Bei Crisia eburnea bestehen diese Äste nur aus 5-7 Zooiden. Die Kolonie

erreicht eine Höhe von 15-20 mm. Bestimmen lassen sich die Arten dieser Gattung nur an

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Hand der Gonozooide. Gefunden wurde Crisia eburnea nur wenige Male im Litoraltransekt auf

der Sonnenseite in 2 m Tiefe. Laut Literatur kommt die Art bis in eine Tiefe von 300 m vor. Verbreitungsgebiet

ist vom Mittelmeer über die Küsten vor Britannien bis in arktische Gewässer.

Eine sehr häufige und beim Schnorcheln auffällige Art ist Reptadeonella violacea.

Reptadeonella violacea gehört zu den Ascophora, d.h. den Cheilostomata mit Kompensationssack

und Ascoporus. Sie bilden bis zu mehreren Zentimeter große unregelmäßig geformte dunkelbraune

Kolonien, wobei die Zooide an den Rändern oft hell sind. Die Avicularien liegen unterhalb

des Orificiums und sind deutlich zu erkennen. Wir fanden die krustig wachsenden Kolonien

sowohl auf der Sonnenseite des Litoraltransektes, auf Felsgrus, als auch häufig an Felsen,

an denen vorher Seeigel die Algen abgeweidet hatten.

Eine weitere auffällige Art, die am Litoraltransekt gefunden wurde, ist Myriapora truncata (Trugkoralle).

Sie erreicht eine Wuchshöhe von 12 cm selten auch mehr und ist korallenrot gefärbt.

Sie gehört ebenfalls zur Gruppe der Ascophora. Die Familie der Myriozoidae, zu der sie gehört,

zeichnet sich durch besonderes Zoarienwachstum aus. Die Kolonien wachsen aufrecht, sind

dichotom verzweigt und am Ende abgestutzt. Die Zooidgrenzen sind nicht sichtbar, die Oberfläche

hat viele Poren in die Aperturen eingesenkt sind. Die Kolonien wachsen in Schattengebieten

der Felsküsten, auf Böden und Höhleneingängen oder auf sekundären Hartböden ab

20 m Tiefe. Wir haben die Art in 5 m Tiefe in einer Höhle gefunden. Verzeichnet ist diese Art im

gesamten Mittelmeer und in Teilen des Ostatlantiks.

Schizobrachiella sanguinea gehört zu den Ascophora und hier zu der Familie Escharellidae; sie

besitzt also Kompensationssack und Ascoporus. Die Art bildet unregelmäßig geformte, bis zu

mehreren Zentimeter große, stark rot bis schwach rosa gefärbte Kolonien. Die Zooide sind oval

bis rechteckig, in Reihen angeordnet und besitzen keine Dornen. Stellenweise lassen sich,

meist am Rand der Kolonie, Avicularien erkennen. Auffällig ist der ausgeprägte

Polymorphismus. Im bewegten Wasser bilden sich nur sehr flache, krustenförmige Kolonien,

während sich im stillen Wasser Kolonien mit aufrechten Trichtern und Röhren bilden können.

Gefunden wurde die Art auf den Sonnenseite des Lithoraltransektes in 3 m Tiefe. Laut Literatur

sind diese Bryozooen auch auf Schiffsrümpfen, Seetonnen und deren Ketten zu finden, wo sie,

auf Grund ihres schnellen Wachstums, Schaden anrichten können.

Haplopoma impressum gehört zu den vielen Arten aus der Gruppe der Ascophora, die auf Fels,

bzw. auf sekundärem Hartboden gefunden wurden. Die Kolonien bilden gleichmäßige Krusten,

die durchsichtige, länglich ovale Zooide mit einem D-förmigen Orificien bilden. Gefunden wurde

die Art auf sekundärem Hartboden in 30 m Tiefe und auf den Blättern von Posidoania oceanica.

Micropora cf. normani aus der Gruppe der Anasca und Cellepora pumicosa aus der Gruppe der

Ascophora wurden beide in 5 m Tiefe auf der Sonnenseite des Lithoraltransektes gefunden.

Beide wuchsen nicht direkt auf dem Fels, sondern auf einer Rotalgenart. Bei Micropora cf.

normanii waren die Brutkammern (Ovizellen) über dem Orificium gut zu erkennen.

B) Seegras (Posidonia ozeanica)

Crisia klugei ist gekennzeichnet durch strauchförmige Zoarien, deren Äste durch ringförmige

Chitingelenke voneinander getrennt sind. Bei Crisia eburnea bestehen diese Äste nur aus 12

bis über 20 Zooiden. Bestimmen lassen sich die Arten dieser Gattung nur an Hand der

Gonozooide. Gefunden wurde die Art in 12 m Tiefe im Rhizom von Posidonia. Laut Literatur

wurde sie bis jetzt nur in Tiefen von 40-150 m vorgefunden.

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Filicrisia geniculata gehört in die Gruppe der Stenolaemata (Cyclostomata). Die Kolonie steht

aufrecht und wird nur einige Millimeter hoch. Kennzeichnend sind wie bei Crisia strauchförmige

Zoarien, deren Äste durch ringförmige Chitingelenke voneinander getrennt sind. .Bei Filicrisia

geniculata bestehen diese Äste nur aus einem selten mehr Zooiden. Verbreitet ist die Art vom

Mittelmeer bis in arktische Gewässer.

Disporella hispida gehört zu den Cyclostomata. Die Art gehört wie Lichenopora radiata zur Familie

der Lichenoporidae und ist dieser auch sehr ähnlich in Größe und Farbe. Beide Gattungen

bilden runde weiße Kolonien mit Randlamellen, deren Zooide radiär angeordnet und durch Zwischenräume

getrennt sind, jedoch wachsen die Zooide von Disporella stärker in den Raum hinein,

und es lassen sich Dornen am Rand des Peristoms erkennen. Außerdem sind die Zwischenräume

der Zooide bei Disporella dickwandiger. Im Gegensatz zu Lichenopora wurde

Disporella auf Giglio nur auf Posidonia Blättern und Posidonia Rhizomen gefunden, nicht auf

Fels.

Idmidronea atlantica ist eine weitere Art aus der Gruppe der Cyclostomata, die auf den Blättern

von Posidonia oceanica gefunden wurde. Die Kolonien stehen aufrecht und sind dichotom verzweigt.

Diese Art ist nahezu weltweit verbreitet.

Mimosella verticillata ist neben Alcyonidium gelatinosum und Mimosella gracilis die dritte Art

aus der Gruppe der Ctenostomata. Vertreter dieser Gruppe wurden ausschließlich auf den Blättern

des Seegrases gefunden. Die Ctenostomata besitzen stets unverkalkte und röhrenförmige

Zooide. Die Apertur ist terminal und durch einen Kragen verschließbar. Weder Avicularien,

Vibracularien noch Ooecien sind vorhanden. Mimosella verticillata und Mimosella gracilis gehören

zur Familie der Mimosellidae. Erkennungsmerkmal dieser Familie ist der pflanzenähnliche

Wuchs der Zoarien, bei dem stärkere Stämme in regelmäßigen Abständen kleinere Äste tragen.

Aus den Stolonen wachsen in unterschiedlichen Abständen Ansammlungen von Autozooiden,

die in der Lage sind, sich durch Muskelbewegung unabhängig voneinander einzeln aufzurichten.

Die aufgerichteten Autozooide stülpen dann ihren Tentakelkranz aus, filtern kurze Zeit Nahrung

aus dem Wasser und legen sich dann wieder auf das Substrat.

Aetea truncata wurde ebenfalls häufig auf Seegras gefunden, vornehmlich auf den Innenseiten

der Blätter. Die stärkere Strömung auf der konvexen Blattseite könnte eine Erklärung dafür sein,

dass die Kolonien fast ausschließlich auf der konkaven Blattseite zu finden waren. Die Art bildet

ein kriechendes, einreihiges Zooarium, deren distale Teile stets einzeln aufrecht wachsen. Diese

aufrechten Teile würden der stärkeren Strömung auf der konvexen Blattseite kaum standhalten.

Die distalen Teile besitzen einen deutlich membranösen Wandteil, gehören also zur Gruppe

der Anasca, sind unten konisch und oben glatt und gerade. Ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal

sind die zwischen den Zooiden laufenden Stolone. Aetea truncata ist im Mittelmeer

weit verbreitet und häufig. Ihr bevorzugtes Substrat sind Tange und Posidonia-Rhizome und

diverse Evertebraten, vor allem andere Bryozooen, in seichten bis tiefen Küstengewässern.

Eine weitere Art aus der Gruppe der Anasca ist Cabarea boryi. Sie bildete ebenfalls aufrecht

auf den Posidonia-Blättern stehende Kolonien vonehmlich auf der konkaven Blattseite.

. Calpensia nobilis gehört zur Gruppe der Anasca und bildet dünne, sich häufig selbst überwachsende

Kolonien, die als Überzüge an den Sprossansätzen von Posidonia oceanica in 7 m

und 12 m Tiefe relativ häufig zu finden waren. Die Art ist im gesamten Mittelmeer verbreitet,

aber auch in Teilen des Ostatlantiks.

Electra posidoniae wurde ausschließlich auf den Posionia-Blättern gefunden. Sie gehört zur

Gruppe der Anasca, sie besitzen also keinen Kompensationssack und Ascoporus. Sie bilden

bandförmig krustierende Zoarien, deren Zooide eine deutlich unverkalkte membranöse Frontal-

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wand besitzen. Die Zooide sind in zwei bis mehrreihigen krusstierenden Längsreihen angeordnet,

von denen zum Teil auch Querreihen abgehen. Das Aperturfeld ist stets von 1-3 Dornen

umgeben, von denen der median-proximale am deutlichsten ausgebildet ist. Electra posidoniae

ist eine der am weitesten verbreiteten Bryozoenarten im Mittelmeer und ein typischer Bewohner

von Posidonia oceanica. Auf den Blättern von Posidonia oceanica konnten die weißlichen

Längsreihen schon mit bloßem Auge erkannt werden.

Sertella septentrionalis (Neptunschleier) gehört zur Gruppe der Ascophora und ist eine Schatten

liebende Bryozoenart. Sie wächst von flachen Bereichen bis zu Tiefen von 50 m. Lebende

Kolonien sind lachsrosa bis blassgelblich und erreichen eine Größe bis 10 cm. Sie meiden turbulente

Wasserbewegungen. Wir haben diese Art den Rhizomen von Posidonia oceanica in 12

m Tiefe gefunden, was gut zu den Literaturangaben passt, denn in den dichten Rhizomen ist

die Wasserbewegung und die Lichteinstrahlung gering.

Artenliste

Taxanomie Art Vorkommen

Stenolaemata Crisia eburnea Litoraltransekt Sonne 5mTiefe

(Cyclostomata) Crisia klugei Posidonia Rhizom 12m Tiefe

Disporella hispida Posidonia Blatt und Rhizom

Filicrisia geniculata Posidonia Blatt

Idmoidea atlantica Posidonia Rhizom 7m Tiefe

Tubulipora phalangea Posidonia Blatt

Lichenopora radiata Sek. Hartboden

Gymnolaemata

Ctenostomata Alcyonidium gelatinosum Posidonia Blatt

Mimosella verticillata Posidonia Blatt

Mimosella gracilis Posidonia Blatt

Cheilostomata

Anasca Aetea truncata Posidonia Blatt

Cabarea boryi Posidonia Blatt

Calpensia nobilis Posidonia Sprossansatz 7m/12m Tiefe

Electra posidoniae Posidonia Blatt

Micropora normani cf. Litoraltransekt Sonne 5m Tiefe auf Rotalge

Scrupocellaria reptans Posidonia Sprossansatz 12m Tiefe

Ascophora Cellepora pumicosa Litoraltransekt Sonne 5m Tiefe auf Rotalge

Escheroides mamillata Posidonia Blatt

Fenestrulina malusii Posidonia Blatt

Haplopoma impressum sek. Hartboden 30m Tiefe, Posidonia Blatt

Microporella ciliata Posidonia Blatt

Myriapora truncata Litoraltransekt schatten 5m Tiefe in einer Höhle

Reptadeonella violacea Litoraltransekt Sonne 2m Tiefe

Schizobrachiella sanguinea Litoraltransekt Sonne 3m Tiefe

Schizomavella discoidea Posidonia Sprossansatz 12m Tiefe

Sertella septentrionalis Posidonia Sprossansatz 12m Tiefe

Stomachetosella sinuosa sek. Hartboden, Posidonia Rhizom 12m Tiefe

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Pisces

Gregor Kalinkat, Mareike Rietze

Allgemeiner Teil

Es gibt insgesamt ca. 30.000 Fischarten, die sich auf 3 monophyletische Großgruppen verteilen:

Cyclostomata, Chondrichthyes und Osteichthyes (wobei letztere auch die Tetrapoden umfassen!).

Fische selbst sind damit keine monophyletische Gruppe!! Bei den Fischen handelt

sich allgemein um wechselwarme, im Wasser lebende Wirbeltiere mit Kiemenatmung. Die

Körperoberfläche ist nackt bzw. mit Knochenschildern oder mit Schuppen bedeckt.

Cyclostomata

Zu den Rundmäulern gehören die Neunaugen, die mit ca. 50 Arten vertreten sind. Ihr Skelett ist

knorpelig, die Haut ist ohne Schuppen, die Nasenöffnungen sind unpaar, und der Mund ist ohne

Kiefer mit einer Saugscheibe ausgebildet. Im Mittelmeer sind sie jedoch sehr selten.

Chondrichthyes (Knorpelfische)

Zu den Knorpelfischen gehören die Selachii (Haie) und Batei (Rochen). Sie umfassen ca. 630

Arten. Merkmale der Knorpelfische: knorpliges, stellenweise verkalktes Skelett; Haut ist meist

mit zahllosen Hautzähnchen (Placoidschuppen) besetzt; es findet eine innere Befruchtung statt,

wobei der hintere Teil der männlichen Bauchflossen zu Begattungsorganen umgebildet ist.

Osteichthyes (Knochenfische im weiteren Sinn, einschl. der Tetrapoda)

Die artenreichste Fischgruppe der Osteichthyes sind die Actinopterygii (Strahlenflosser) und

hierin die Teleostei (Knochenfische im engeren Sinn) mit 25.000- 30.000 Arten. Davon kommen

ca. 450 Arten im Mittelmeer vor. Neben den Actinopterygii umfassen die Osteichthyes noch die

Teilgruppen Actinista (Hohlstachler), Dipnoi (Lungenfische) und Tetrapoda. Wichtigstes Merkmal

der Knochenfische ist ein mehr oder weniger stark verknöchertes Skelett, das neben der Wirbelsäule

auch den Schädel umfasst. Man unterscheidet bei den Knochenfischen zwei verschiedene

Schuppentypen: Rund – oder Cycloidschuppen und die Kamm- oder Ctenoidschuppen.

Sie sind in der unteren Hautschicht verankert und von einer dünnen, durchsichtigen Haut, die

mit zahllosen Schleimdrüsen ausgestattet ist, bedeckt. Die Mehrzahl der Knochenfische besitzt

eine Schwimmblase. Diese stellt eine Ausstülpung des Vorderdarmes dar. Die Schwimmblase

dient den Fischen dazu, sich in jeder Wassertiefe exakt auszutarieren. So können sie schwerelos

in jeder Tiefe und Stellung schweben.

Zur Bestimmung der Fische muss man mehrere Merkmale beachten. So ist die Körperform entscheidend,

die Färbung, die Größe, die Maulstellung, die Schuppenart und die Flossen. Die

Flossen unterscheiden sich sowohl in Anzahl, Lage und Form. Man unterscheidet dann noch in

Art und Anzahl der Flossenstrahlen (Hart-, Weich- und Stachelstrahlen).

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Artenliste:

CHONDRICHTHYES

Torpedinidae

Torpedo marmorata (Marmor-Zitterrochen)

Merkmale: Körperscheibe stark abgerundet u. dick, 2 Rückenflossen und eine ausgeprägte

Schwanzflosse, unterschiedl. marmoriert,

Größe 60-80 cm; Habitat: sandig-schlammiger Untergrund in Küstennähe, auch Pflanzenböden

und Felsen, Tiefe 10-100 m

OSTEICHTHYES: TELEOSTEI

Anguilliformes, Aalartige

Muraenidae:

Muraena helena (Mittelmeer-Muräne)

Merkmale : Kopf schmal, Maulspalt bis weit hinter das Auge, weder Brust-noch Bauchflossen,

Größe 1,2-1,3 m; Habitat: lebt in Felsspalten und Rissen,

Tiefe 5-50m

Congridae:

Arioma balearicum (Azoren-Meeraal oder Goldener Balearen-Meeraal)

Merkmale: Schnauze konisch, stumpf, recht lang, große dicht beieinander liegende Augen, keine

Bauchflossen, Färbung graubraun,

Größe 40-50 cm; Habitat: in sandigen o. sandig-schlammigen Untergrund tagsüber versteckt,

nachtaktiv, Tiefe 20-100 m

Aulopiformes (Cyclosquamata)

Synodontidae:

Synodus saurus (Atlantischer Eidechsenfisch)

Merkmale: großer Maulspalt bis weit hinter die Augen, Fettflosse, Bauchflosse nach hinten versetzt,

Färbung sandfarben bis bräunlich, unregelmäßige leuchtend blaue o. weiße Längsstreifen,

Größe 25-30 cm; Habitat: auf Sandgrund u. in Nähe von Pflanzen, versteckt sich im

Sand, Tiefe 5-50 m

Mugiliformes

Mugilidae:

verschiedene Arten, nicht eindeutig bestimmbar - wahrscheinlich: Chelon labrosus (Dicklippige

Meeräsche) oder Liza ramada (Dünnlippige Meeräsche)

Atheriniformes

Atherinidae:

Atherina boyeri (Kleiner Ährenfisch)

Merkmale: schmaler Körper, große Augen, dunkler Längsstreifen von einer glänzenden Linie

umrahmt, grün bis goldfarben, Größe 8-10 cm

Habitat: im Mittelmeer auf sandigen und felsigen Untergründen, oft auch in Flussmündungen

und Küstenlagunen, Tiefe 0-3 m

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Beloniformes

Belonidae:

Belone belone (Europäischer Hornhecht)

Merkmale: sehr schlanker Körper mit ovalem Querschnitt, zwei schmale zu einem „Schnabel“

verlängerten Kiefer mit spitzen Zähnen,

Größe 70-80 cm; Habitat: dicht an der Wasseroberfläche, in Sommer in Küstennähe,

Tiefe: 0-1m

Scorpaeniformes, Drachenkopfartige

Scorpaenidae:

Scorpaena porcus (Brauner Drachenkopf)

Merkmale: großer Hautfetzen über jedem Auge u. am Körper weitere, zahlreiche kleine Schuppen,

massiver Kopf mit Stacheln, Färbung braun marmoriert, Stachel der Rückenflosse giftig,

Größe 10-12 cm

Habitat: oft auf Licht durchflutetem Untergrund zwischen Algen u. Pflanzen, oft auf mit Korallen

bewachsenem Untergrund u. in Höhlen, Tiefe 3-20 m

Perciformes, Barschfische

Mullidae:

Mullus surmuletus (Streifenmeerbarbe)

Merkmale: 2 Bartfäden unter dem Kinn, 1. Rückenflosse mit auffälligen Bändern, Farbe variiert

je nach Umgebung, Alter, Stimmung,

Größe 25-30 cm; Habitat: küstennah, auf Sand, Felsen und zwischen Algen, Tiefe 3-80 m

Serranidae:

Serranus cabrilla (Sägebarsch)

Merkmale: heller Längsstreifen unterhalb der Körpermitte, stark gespaltenes Maul, Größe 25-30

cm; Habitat: felsige Lebensräume in Küstennähe, Einzelgänger mit Territorialverhalten,

Tiefe 5-90 m

Apogonidae:

Apogon imberbis (Meerbarbenkönig)

Merkmale: schwarzes Auge mit 2 weißen Streifen, Körper rötlich, 2 relativ kurze Rückenflossen,

Größe 10-12 cm; Habitat: felsiger Untergrund, tagsüber in Höhlen oder unter Felsvorsprüngen,

nachtaktiv im freien Wasser, Tiefe 5-50 m

Sparidae:

Diplodus vulgaris (Zweibindenbrasse)

Merkmale: schwarzen Balken am Nacken und schwarzer Balken am Ansatz am Schwanzstiel,

Körper hochrückig und platt, Färbung silbrig, Größe 20-30 cm

Habitat: in Schwärmen über felsigem, pflanzenbewachsenem Untergrund, auch sandig,

Tiefe 2-50 m

Diplodus sargus (Geiß-Brasse)

Merkmale: meist 9 dunkle, vertikal verlaufende Steifen, schwarzen Fleck am Schwanzstiel, Größe

20-30 cm; Habitat: auf felsigen, Pflanzen bewachsenem Untergrund, in Schwärmen,

Tiefe 1-40 m

Sarpa sarpa (Goldstrieme)

Merkmale: feine gelbe oder goldene Längsstreifen, Größe 30-35cm

Habitat: meist in niedrigem, gut belichteten Wasser mit Pflanzenbewuchs, adulte Tiere in

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Schwärmen im freien Wasser, Tiefe 1-15 m

Oblada melanura (Brand-Brasse)

Merkmale: Schwarzer Fleck am Schwanzstiel mit weißer Umrandung, Größe: 15-20 cm;

Habitat: In Verbänden küstennah über felsigem und bewachsenem Untergrund, Tiefe: 0-10 m

Mainidae (Centracanthidae):

Spicara maena (Laxierfisch)

Merkmale: spitzes, röhrenförmiges Maul, rechteckiger, schwarzer Fleck an der Seite, der

nachts verschwindet, silberfarben, Rücken graublau, Größe 20-23 cm

Habitat: im Schwarm auf felsigem, sandigem o. pflanzenbewachsenem Untergrund,

Tiefe 5-50 m

Labridae:

Thalassamo pavo (Meerpfau)

Merkmale: blaue, netzartige Muster auf dem Kopf; Grundfarbe goldgelb; an den Flanken blaugrüne

Streifen; schwarzer Fleck auf dem Rücken, Jungtiere grün mit schwarzem Fleck auf dem

Rücken, Größe 15-20 cm; Habitat: bevorzugt helle, flache Gewässer, Tiefe 0-30 m

Coris julis (Meerjunker)

Merkmale: deutlich sichtbare weiße Linie trennt den dunklen Rücken vom hellen Bauch,

Rückenpartie braun, Bauch gelb-orange, manchmal weiß, glänzend schwarzer Fleck an der

Spitze des Kiemendeckels, Größe 20-25 cm

Habitat: felsiger Untergrund in Küstennähe, Tiefe 1-60 m

Symphodus doderleini (Doderleins Lippfisch)

Merkmale: weißer Längsstreifen, Bauch dunkel, kleiner schwarzer Fleck an der Oberkante des

Schwanzstiels, Größe 8-10 cm; Habitat: Posidonia-Wiesen, auch auf steinigen Untergrund,

Tiefe 5-30 m

Symphodus roissali (Fünffleckiger Lippfisch)

Merkmale: Grundfärbung beige bis hellbraun, wenn auf steinigen Untergrund lebend, kräftig

grün, wenn zwischen Pflanzenbewuchs lebend, schwarzer Fleck in der Mitte des Schwanzstiels,

Größe 12-15 cm; Habitat: lebt auf algenbedecktem Fels oder zwischen Pflanzen,

Tiefe 1-10 m

Xyrichthys novacula (Mittelmeer-Scherfisch, Sandtaucher)

Merkmale: vertikale, „rasiermesserscharfe“ Stirn, über den Wangen vertikale blaue Streifen,

Körper hochrückig, stark abgeflacht, bei Gefahr taucht er kopfüber in den Sand, Größe 25-30

cm; Habitat: meist auf feinem Sandboden, zwischen spärlich wachsenden Pflanzen,

Tiefe 5-20 m

Pomacentridae:

Chromis chromis (Mönchsfisch)

Merkmale: dunkler scherenförmiger Schwanz, Mitte der Schwanzflosse transparent, Körper

dunkelbraun, Jungfische mit leuchtend blauen Streifen, Größe 8-10 cm; Habitat: standorttreue

Schwärme im freien Wasser über felsigen oder Pflanzen bewachsenem Untergrund,

Tiefe 5-15 m

Blenniidae

Parablennius gattorugine (Gestreifter Schleimfisch)

Merkmale: verästelte, „tannenförmige“ Augententakel, bräunliche Färbung mit länglichen Balken,

Größe: 20-25 cm; Habitat: lebt auf unebenem Felsgrund mit vielen Rissen und Spalten,

Tiefe 3-20 m

Parablennius tentacularis (Gehörnter Schleimfisch)

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Merkmale: Augententakel v. a. beim Männchen sehr lang und fleischig, Grundfarbe hellbeige

bis bräunlich, 8-9 dunkle, abgesetzte Flecken,

Größe: 9-12 cm; Habitat: auf fast ebenen Felsgrund, Sand und zwischen Posidonia,

Tiefe 5-15 m

Tripterygiidae:

Tripterygion melanurus (Zwerg-Spitzkopfschleimfisch)

Merkmale: 3 Rückenflossen, Körper rot (intensivrot bis blassorangerot) bei Mänchen u. Weibchen,

Größe 4-4,5 cm; Habitat: bewohnt dunkle Lebensräume wie enge Spalten u. Höhlen,

Tiefe 0-15 m

Tripterygion tripteronotus (Dreiflossen-Schleimfisch)

Merkmale: 3 Rückenflossen, Grundfarbe meist beige bis graubraun, Männchen hat während

der Fortpflanzungszeit roten Körper, schwarzen Kopf,

Größe 6-7 cm; Habitat: bewohnt helle, Algen bedeckte Lebensräume,

Tiefe 0-3 m

Gobiesocidae:

Opeatogenys gracilis (Seegras-Schildbauch)

Merkmale: ventrale Saugscheibe, Kopf dreieckig u. Schlanker Körper, sehr kurze Rückenflosse,

Größe 2-3 cm; Habitat: zwischen Wasserpflanzen zu finden (Posidonia), Tiefe 3-20 m

Apletodon incognitus (Seeigel-Schildbauch) [1997]

Merkmale: kräftige Saugscheibe auf dem bauch, meist helle dreieckige Fläche unter dem Auge,

kurze Rückenflosse, Färbung variabel, meist beige bis rosaviolett mit Flecken u.

Marmorierungen, Größe 3-3,5 cm;

Habitat: zurückgezogen in Felsspalten, Jungtiere auf Posidonia-Pflanzen

Callionymidae:

Callionymus pusillus (Festroben-Leierfisch)

Merkmale: kurze Schnauze, Flanken beim Männchen mit hellen vertikalen Streifen, beim Weibchen

mit weißen u. gelblichen Balken, Größe 8-12 cm

Habitat: auf feinem Sand, in dem er sich schnell verstecken kann,

Tiefe 1-5 m

Gobiidae:

Gobius paganellus (Felsengrundel)

Merkmale: Büschel filamentöser Flossenstrahlen über der Brustflosse, 1. Rückenflosse mit

gelblichem bis orangefarbenem Band, Färbung beige-bräunlich, oft weißer Balken unter dem

Auge, Größe 8-10 cm

Habitat: felsiger, algenbedeckter Lebensraum, Felsen,

Tiefe 0-3 m

Gobius buchichii (Anemonen-Grundel)

Merkmale: dunkle Linie durchzieht beide Augen, braunschwarze Punkte zu Längsstreifen angeordnet,

Grundfarbe hellbeige, filamentöse Flossenstrahlen, Größe 8-9 cm; Habitat: an Oberfläche

lebend, wo Sand und Fels sich mischen, meist in Symbiose mit Wachsrose,

Tiefe 0,5-3 m

Pleuronectiformes

Bothidae:

Bothus podas (Weitaugenbutt)

Merkmale: linksäugig, Augen beim Männchen sehr weit auseinander liegend, Färbung oft hell

- 65 -


sandfarben mit undeutlichen Flecken,

Größe 23-28 cm; Habitat: im Litoral, vor allem auf feinem Sand

Tiefe 3-50 m

LITERATURANGABEN:

Westheide/ Rieger, Spezielle Zoologie II - Wirbeltiere, 2004

Rupert Riedl, Fauna und Flora des Mittelmeeres, Verlag Parey,

Hamburg, 1983

P. Louisy, Meeresfische Westeuropas – Mittelmeer, 2002

H. Debelius, Fischführer Mittelmeer und Atlantik, Jahr Verlag,

Hamburg, 1998

A. Vilcinskas, Meeresfische Europas, 1996

Humberg/ Bergbauer, Was lebt im Mittelmeer?, 1999

Schaefer, Brohmer - Fauna von Deutschland, Quelle und Meyer, Wiebelsheim, 2002

- 66 -


Projekte:

Litoralgradient:

Licht-Dunkel, Granit Proben 0, 1, 2, 3, 4, 5 m

Katja Schneider, Alex Milcu

Sekundäre Hartböden

Oberes u. unteres Litoral (40 m)

Katja Domes, Daniela Weigand

Posidonia Wiesen

Tiefengradient Besiedlung alt – jung, basal – distal

Tanja König, Dorothee Sandmann, Olivera Vucic-Pestic, Gunnar Henkes

Sandfauna (Meiofauna, Makrofauna)

Claudia Maas, Christin Heinrich

Posidoniagrund (Sauger), Tiefengradient

Svenja Gass, Kathrin Wagner

Felsgrus (Tiefe, Größe, Besiedlung, Wellenexposition)

Manuela Gebhardt, Gregor Kalinkat, Mareike Rietze

- 67 -


Projekt: Litoralgradient

Alex Milcu und Katja Schneider

Das Litoral

Definition: Als Litoral bezeichnet man die Grenze zwischen Wasser und Land (Gezeiten- oder

Brandungszone; der Tidenhub beträgt im Mittelmeer ca. 40 cm). Das Litoral stellt einen extremen,

dynamischen und vielgestaltigen Lebensraum dar. Durch Gezeitenrhythmik und Wellenamplitude

befindet er sich in ständigem Wandel.

Zonierung des Litorals (von oben):

Supralitoral: Dieser Bereich des Litorals ist durch gelegentlichen Wellenschlag, Spritz- und

Sprühwasser gekennzeichnet. Das Supralitoral ist aufgrund der extremen Lebensbedingungen

artenarm. Vertikal erstreckt es sich über

ca. 3-4 m. Medio- oder Eulitoral: Als Mediolitoral bezeichnet man die Zone zwischen den Tiden.

Infra- und Sublitoral: Dieser Bereich des Litorals ist immer von Wasser bedeckt und wird von

Tageslicht durchflutet.

Circalitoral: Diese Zone beginnt dort, wo die photophilen Makrophyten (Algen und Seegräser)

nicht mehr ausreichend Licht bekommen.

Das Leben im Litoral wird durch folgende Schlüsselfaktoren beeinflusst:

variierender Wasserstand; Intensität der Wasserbewegung; Lichtangebot; Substrat. Diese Faktoren

bilden einen vertikalen Gradienten, der das Leben im Litoral prägt, dabei nimmt die

Wellenwirkung, die Wassertemperatur und die Lichtintensität mit der Tiefe ab, Druck und

Feuchtigkeit nehmen hingegen zu. Außerdem sinkt das Risiko des Trockenfallens mit der Tiefe.

Weitere Gradienten bilden die spektrale Zusammensetzung des Lichtes, die Vertikal- und

Horizontalkomponente der Wasserbewegung und die durchschnittliche Körnung des Untergrundes

(mit der Tiefe nimmt die Korngröße ab).

Der durch abiotische Faktoren geprägte Litoralgradient hat eine Zonierung der Lebewesen zur

Folge. Die Zonen verlaufen parallel zur Wasseroberfläche. Die vertikale Ausdehnung der Zone

hängt stark von der Exposition ab. Je exponierter eine Küste, desto höher liegen die

Verbreitungsobergrenzen der charakteristischen Arten, desto breiter sind die Zonen.

Im Mediolitoral herrschen extreme Umweltbedingungen, die hier siedelnden Tiere müssen Austrocknung,

Wellenkraft, hohe Lichtintensität und extreme Temperaturen tolerieren können. In

diesem Bereich überschneiden sich daher primär terrestrische und primär marine Formen. Die

Lebensgemeinschaft besteht aus sessilen und vagilen Organismen (benthische Organismen).

Für die sessilen Benthosorganismen ist die Beschaffenheit und damit die Stabilität des Untergrundes

essenziell; man unterscheidet stabilere Hartböden von mobilen Sedimentbödent. Des

Weiteren unterscheidet man zwischen Licht exponierten und Schatten exponierten Arten des

Mediolitorals.

Ein weiterer Faktor, der die Artengemeinschaft prägt, ist die Zweidimensionalität des Lebensraumes.

Aus ihr ergibt sich eine starke Raumkonkurrenz. Die Zugänglichkeit der Nahrung ist

ebenfalls ein limitierender Faktor.

Die Tiere des Supra- und Mediolitorals sind an die extremen Umweltbedingungen sowohl morphologisch

als auch in ihrer Lebensstrategie angepasst. Schnecken und Seepocken besitzen

beispielsweise als Verdunstungsschutz eine besonders dicke Schale, zusätzlich schützen sich

Napfschnecken vor Verdunstung, indem sie nachts oder während der Flut weiden. Den starken

Druck- und Zugkräften entgegnen Seepocken indem sie sich am Felsen festzementieren.

- 68 -


Das Projekt

Einleitung

Das Litoral ist ein durch abiotische Faktoren

geprägter Lebensraum. Faktoren

wie Lichtintensität, Wasserstand, sowie

Wasserbewegung und Substrat, die alle

mit der Tiefe korrelieren, haben einen

starken Einfluss auf die Artenzusammensetzung.

Daher wurde im

Rahmen dieses Projektes die Lebensgemeinschaft

eines Licht exponierten

und eines Schatten exponierten Litoralgradienten

in der Bucht von Campese

untersucht.

Folgende Hypothesen wurden aufgestellt:

Die Lichtintensität prägt die

Gemeinschaftsstruktur stark, daher unterscheiden

sich Schatten- und Sonnengradient

in ihrer Artenzusammensetzung.

In tieferen Lagen, sowie im Schatten

exponierten Gradienten nimmt der

Grünalgenbewuchs ab, da die Lichtintensität

abnimmt. Die Anzahl bzw.

Dichte der Rotalgen steigt hingegen in

schattigeren Bereichen.

Material und Methoden

Untersuchungsgebiet und Probenahme

Als Untersuchungsflächen diente ein

Schatten exponierter und ein Sonnen

exponierter Granitfelsen nahe des Hafens

von Campese. Entlang eines

Tiefengradienten (0, 1, 2, 3, 4, 5 m) wurde

eine Felsprobe mit Hilfe eines Messer

bzw. Spatels genommen. Die Proben

wurden in Wasser gefüllten Plastikgefäßen

auf dem Land- bzw. Seeweg

zum Labor transportiert. Dort wurde der

Bewuchs der Felsstücke durch die jeweiligen

Gruppenbearbeiter untersucht,

wobei die Abundanz des untersuchten

Taxons für jede Tiefenstufe abgeschätzt

wurde (0: Art ist nicht vorhanden; 1: vor-

- 69 -


handen; 2: häufig vorhanden; 3: sehr häufig vorhanden). Das Vorkommen der freilebenden Tiere

(Fische und Echinodermen) entlang des Transekts wurde von den Gruppenbearbeitern vor

Ort aufgenommen.

Statistische Auswertung

Eine Korrespondenzanalyse wurde durchgeführt, um herauszufinden, welche Taxa von den

untersuchten Faktoren (‘Tiefe’: 0-5 m; ‘Exposition’: Sonne, Schatten) beeinflusst wurden.

Die Abundanzen einzelner Taxa wurden mittels des Computerprogramms CANOCO (TER BRAAK

& SMILAUER 1998) einer kanonischen Korrespondenzanalyse (CCA: canonical correspondence

analysis) unterzogen, die auf einem nicht-linearen Model beruht. Der Faktor ‘Exposition’ wurde

als ’echte’ Umweltvariable, der Faktor ’Tiefe’ als nominal skalierte Umweltvariable (‘Dummy’) mit

in die Analyse einbezogen. In die Analyse wurde nur Taxa aufgenommen, die in mindestens

drei Proben vorkamen. Das Ergebnis wurde in einem Ordinationsdiagramm (Biplot) dargestellt,

um einen graphischen Eindruck des Einflusses der Lichtexposition und der Tiefe auf die Struktur

der Lebensgemeinschaft im Litoralgradienten zu bekommen.

Ergebnisse

Im Sonnen exponierten Litoralgradienten wurden insgesamt 84 Taxa gefunden, die sich wie

folgt in die untersuchten Gruppen einteilen ließen (siehe Tabelle):

Algen (21); Porifera (7); Cnidaria (5); Mollusca (15); Annelida (13); Bryozoa (5); Crustacea (8);

Echinodermata (2); Pisces (8).

Im Schatten exponierten Litoralgradienten wurden dagegen nur insgesamt 74 Taxa gefunden,

die sich wie folgt in die untersuchten Gruppen einteilen ließen (siehe Tabelle):

- 70 -

Schatten

Parablennius gattorugine

Pleraplysilla spirifera Syllidae

Dict line

Erantia

Nereidae

Udot peti

Corallina officinalis

2

Chon reni

Serpulidae

Phyllophora sp.

Peyssonnelia sp. Hali tuna Jania rubens

3 Chro chrArbacia

lixula Valonia utricularis Laurencia obtusa

Sarpa salpa Clio Cram cra Tryp mel

Sabe Thal pav 1

5

Amph rig Cora Padi pav

0

Oblada melanura Clyt hem

Laom ang

Acetabularia acetabulum

Cora elo

Bittium reticulatum Fabriciinae Columbella rustica

Vermetidae Serpula vermicularisTripterygion

tripteronotus

4 Diplodus vulgaris Eudendrium ramosus

Pagurus excavatus

Sonne

Calcinus tubularis

Sipunculidae

Echinodermata

Porifera

Cnidaria

Pices

Annelida & andere

grün unterstrichen = Grünalgen

rot unterstrichen = Rotalgen

Crustacea

Algen

Mollusca


Algen (20); Porifera (8); Cnidaria (8); Mollusca (9); Annelida (13); Bryozoa (1); Crustacea (3);

Echinodermata (2); Pisces (10).

Kanonische Korrespondenzanalyse (CCA)

Die extrahierten Eigenwerte der ersten und zweiten Achse, die ein Maß für die Güte der Ordination

darstellen, lagen bei 0.20 für die erste Achse und bei 0.10 für die zweite Achse. Die

Varianzaufklärung der Ordination durch den Faktor ‘Tiefe’ (erste Achse) betrug 20%. Die zweite

Achse erklärte 10% der Verteilung der Arten und wurde von dem Faktor ’Lichtintensität’ (Sonne

und Schatten) gebildet. Der Schattengradient war mit der Verteilung von Parablennius

gattorugine (Pisces) und Pleraplysilla spirifera (Porifera) korreliert, wohingegen der Schattengradient

mit dem Vorkommen von Sipunculida korrelierte (siehe Abbildung). Der Zusammenhang

der Tiefe mit der Verteilung der Taxa war dagegen signifikant (F = 2.5, p = 0.005). Tiefere

Bereiche (3-5 m) korrelierten mit der Abundanz von z.B. Diplodus vulgaris (Pices), Oblada

melanura (Pisces) und Sarpa sarpa (Pisces), in höheren Bereichen (0-2 m) traten dagegen Arten

wie z.B. Tripterygion tripteronotus (Pisces), Laurencia obtusa (Rotalge) und Acetabularia

acetabulum (Grünalge) auf (siehe Abbildung).

Das Vorkommen vieler Taxa war jedoch nicht oder nur gering durch die oben genannten Faktoren

beeinflusst, so dass nur wenige Arten als Charakterarten für einen der beiden Standorttypen

(tief oder hoch bzw. schattig oder sonnig) angesehen werden können.

Diskussion

Die beiden Litoralgradienten unterschieden sich in der Anzahl der gefundenen Taxa (Diversität),

dennoch war der Einfluss der Lichtintensität auf die Gemeinschaftsstruktur nicht groß (10%). Im

Gegensatz zu unserer Hypothese, dass Grünalgen im Schattengradient und in tieferen Bereichen

durch Rotalgen abgelöst werden, kamen beide Algengruppen in beiden Gradienten und

auch in allen Tiefen, außer in fünf Meter Tiefe, vor. Die mit dem Schattengradienten korrelierten

Arten, weißer Stachelschwamm (Pleraphysilla spinifera) und gestreifter Schleimfisch

(Parablemius gattorugine) sind in der Literatur als Bewohner von Spalten und Rissen bzw. von

Stellen, die vor direktem Licht geschützt sind, beschrieben. Auch das Vorkommen dieser beiden

Arten stimmt mit den Literaturangaben überein: weißer Stachelschwamm im Sublitoral (5-50 m),

gestreifter Schleimfisch in 3-20 m. Die Tiefe hatte deutlichen Einfluss auf die Verteilung einiger

Gruppen. So korrelierte z.B. das Vorkommen einige Fischarten mit der Tiefe, der Dreiflossen-

Schleimfisch (Tripterygion tripteronotus) wurde in ein Meter Tiefe gefunden und bewohnt laut

Literatur ausschließlich helle, meist algenbedeckte Lebensräume in Oberflächennähe; die Goldstrieme

(Sarpa sarpa), sowie die Band-Brasse (Oblada melanura) und die Zweibinden-Brasse

(Diplodus vulgaris) wurden in drei bis vier Meter Tiefe gesichtet, laut Literatur leben sie auf felsigem,

Pflanzen bewachsenem Untergrund in der Nähe des Meeresbodens.

- 71 -


Tabelle1

Sonne Schatten

Gruppen Arten Abkürzung 0 1 2 3 4 5 0 1 2 3 4 5

Algen Acetabularia acetabulum Acet acet 1 1 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Algen Amphiroa cryptarthrodia Amph cryp 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1

Algen Amphiroa rigida Amph rigi 0 1 1 1 1 1 1 0 0 1 1 1

Algen Anadyomene stellata Anad stel 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Algen Chaetomorpha sp. Chae sp. 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Algen Codium bursa Codi burs 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Algen Codium coralloides Codi cora 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 1

Algen Corallina elongata Cora elon 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0 0

Algen Corallina officinalis Cora offi 0 0 1 0 0 0 1 1 0 0 1 0

Algen Corallinaceen (krustenförmig) Cora 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 1

Algen Cystoseira compressa Cyst comp 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Algen Dascycladus vermicularis Dasc vern 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Algen Dictyota dichotoma Dict dich 0 1 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0

Algen Dictyota linearis Dict line 0 0 0 0 0 1 0 0 1 1 1 1

Algen Halimeda tuna Hali tuna 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0 1 0

Algen Halopteris scoparia Halo scop 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Algen Jania rubens Jani rube 1 1 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1

Algen Laurencia obtusa Laur obtu 1 1 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Algen Padina pavonica Padi pavo 0 1 1 0 1 1 1 1 0 1 0 0

Algen Peyssonnelia sp. Peys sp. 0 0 0 0 1 1 0 0 1 1 1 1

Algen Phyllophora sp. Phyl sp. 0 0 1 0 0 0 0 0 0 1 1 0

Algen Pterocladia capillacea Pter capi 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 1

Algen Udotea petiolata Udot peti 0 0 0 1 0 1 0 1 1 1 1 1

Algen Valonia utricularis Valo utri 1 1 0 0 0 0 0 1 0 0 1 0

Algen Wrangelia pennicillata Wran penn 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Proifera Agelas oroides Agel oroi 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1

Proifera Chondrosia reniformis Chon reni 0 0 0 0 1 1 0 0 2 1 1 0

Proifera Cliona sp. Clio sp 0 2 0 0 0 2 0 0 2 2 0 0

Proifera Cliona viridis Clio viri 2 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Proifera Crambe crambe/ Spirastella cunctatrix Cram cram 0 0 0 3 3 0 2 0 2 2 0 0

Proifera Dysidea avara/fragilis Dysi avar 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0

Proifera Eurypon major Eury majo 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Proifera Irciria oros Irci oros 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0

Proifera Phorbas tenacior Para cons 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1

Proifera Pleraplysilla spirifera Pler spin 0 0 0 2 0 0 0 1 2 2 0 2

Proifera Sarcotragus spinulosus Sarc spin 0 3 3 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Cnidaria Actinia equina Acti equi 1 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Cnidaria Aiptasia mutabilis Aipt mutb 0 0 0 0 0 0 2 0 0 0 0 0

Cnidaria Ballanophyllia europaea Balla euro 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Cnidaria Cladocora caespitosa Clado caes 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3

Cnidaria Clytia hemisphera Clyt hemi 0 1 2 0 0 0 0 0 0 0 0 2

Cnidaria Cornularia cornucopiae Corn corn 0 0 0 0 0 0 0 0 0 2 0 2

Cnidaria Dynamena disticha Dyna dist 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0

Cnidaria Eudendrium ramosus Eude ramo 0 2 0 1 2 0 0 0 2 0 0 0

Cnidaria Laomedea angulata Laom angu 2 0 0 2 2 2 2 0 2 0 2 0

Annelida Aspidosiphon mülleri Aspi muel 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0

Annelida Autolytus prolifec Auto prol 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Annelida Erantia Eran 1 3 0 0 0 0 0 3 3 3 1 3

Annelida Eunicidae Euni 0 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 0

Annelida Fabriciinae Fabr 0 0 1 1 0 0 0 0 0 1 0 0

Annelida Lysidice ninetta Lysi nine 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0

Annelida Nereidae Nere 0 1 1 1 0 0 3 3 3 0 0 0

Annelida Physcosoma granulatum Phys gran 0 2 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Annelida Putamilla reniformis Puta renif 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Annelida Sabellidae Sabe 1 1 0 3 3 0 0 1 1 1 3 1

Annelida Sedentaria Sede 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Annelida Serpula fermicularis Serp ferm 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Annelida Serpula vermicularis Serp verm 1 1 0 0 0 1 0 0 1 0 0 0

Annelida Serpulidae Serp 0 1 0 0 0 0 0 0 1 1 0 0

Annelida Sipunculidae Sipu 1 1 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0

Annelida Syllidae Syll 0 1 0 0 0 0 1 0 1 1 0 0

Annelida Terebellidae Tere 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 0 0

Mollusca Alvania lineata Alva line 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Alvania montagui Alva mont 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Mollusca Bittium reticulatum Bitt reti 0 0 0 1 1 1 0 0 0 1 1 0

Mollusca Cantharus d’orbigny Cant dorb 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1

Mollusca Cardita calyculata Card caly 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Cerithiopsis tubercularis Ceri tube 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Columbella rustica Colu rust 0 1 1 1 1 0 0 1 0 0 1 0

Mollusca Conus mediterraneus Conu medi 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0

Mollusca Eastonia rugosa East rugo 0 1 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Gibula sp. Gibu sp. 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

- 72 -


Sonne Schatten

Gruppen Arten Abkürzung 0 1 2 3 4 5 0 1 2 3 4 5

Mollusca Gourmya cf. spurca Gour cf.sp 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Lithophaga lithophaga Lith lith 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0

Mollusca Modiolus sp. Modi sp 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Muricopsis cristatus Muri cris 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Mollusca Mytilus edulis Myti edul 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0

Mollusca Patella sp. Pate sp. 1 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Mollusca Striarca lactea Stri lact 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 0 0

Mollusca Vermetidae Verm 1 1 1 1 1 1 0 1 0 0 1 1

Crustacea Calcinus tubularis Calc tubu 0 3 0 1 1 0 0 1 0 0 0 0

Crustacea Caprella sp. Capr sp. 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0

Crustacea Chtamalus stellatus Chta stel 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Crustacea Cirripedia Cirr 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Crustacea Clibanarius erythropus Clib eryt 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0

Crustacea Eriphia verrucosa Erip verr 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0

Crustacea Pagurus anachoretus Pagu anac 0 1 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Crustacea Pagurus excavatus var. meticolosus Pagu exca 0 0 0 0 1 3 0 0 0 0 0 1

Crustacea Phoxichilidiidae Phox 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0

Echinoderma Arbacia lixula Arab lixu 1 3 3 3 3 2 1 3 3 3 3 2

Echinoderma Ophiopsila aranea Ophi aran 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Echinoderma Paracentrotus lividus Para livi 0 0 0 0 0 0 0 0 2 0 0 0

Bryozoa Cellepora pumicosa Cell pumi 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Bryozoa Crisia eburnea Cris ebur 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0

Bryozoa Micropora cf. normani Micr norm 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0 0

Bryozoa Myriapora truncata Myria trun 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1

Bryozoa Reptadeonella violacea Rept viol 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Bryozoa Schizobrachiella sanguinea Schi sang 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0

Pices Apogon imberbis Apog imbe 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 0

Pices Belone belone Belo belo 1 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0

Pices Chromis chromis Chro chro 1 3 3 3 3 3 3 1 3 3 3 3

Pices Diplodus vulgaris Dipl vulg 0 0 1 3 3 2 0 0 1 1 2 0

Pices Oblada melanura Obla mela 0 0 2 3 2 2 0 0 1 2 2 1

Pices Parablennius gattorugine Para gatt 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1 1

Pices Sarpa salpa Sarp sapl 0 0 1 2 2 2 0 0 1 2 2 2

Pices Thalassoma pavo Thal pavo 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3

Pices Tripterygion tripteronotus Tryp trip 2 2 2 1 0 0 1 0 0 0 0 0

Pices Trypterygion melanurus Tryp mela 1 1 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1

- 73 -


Projekt: Sekundärer Hartboden und Posidonia-Rhizom

Daniela Weigand und Katja Domes

Einleitung

Substrate kann man entsprechend ihres Ursprungs u.a. in primäre und sekundäre Hartböden

unterteilen. Das Hauptmerkmal primärer Hartböden wie z.B. Granitgestein ist ihre Stabilität. Sekundäre

Hartböden hingegen sind biogenen Ursprungs. Im Flachwasserbereich werden sie

überwiegend von Kalk abscheidenden Rotalgen aus der Gruppe der Corallinacaea gebildet und

werden bis zu 20 cm dick. In tieferen Bereichen werden sekundäre Hartböden mehr durch tierische

Organismen wie Röhrenwürmer gebildet und können bis zu einem halben Meter dick werden.

Sekundäre Hartböden sind im Vergleich zu den primären poröser und feinporiger und

durch den häufigen Wechsel der Besiedler einem ständigen Wandel unterlegen.

In diesem Projekt wurde untersucht, wie sich die Besiedlung in Bezug auf Quantität und Qualität

der Arten in sekundären Hartböden aus unterschiedlichen Tiefen unterscheidet. Dieses

Habitat wurde gleichzeitig mit der Besiedlung von Posidonia-Rhizomen verglichen, bei denen

es sich ebenfalls um biogene Substrate handelt.

Durchführung

Bei der Durchführung des Projekts wurden Proben von sekundärem Hartboden aus 5 und 30 m

entnommen. Die 5 m Proben wurden am Montag, den 11.10.04, von Stefan Scheu entnommen,

die 30 m Proben wurden uns von der Mannschaft der Meeresbiologischen Station gestellt. In

jeder Tiefe wurden drei Replikate erstellt und der Aufwuchs von Algen entfernt. Posidonia-Rhizome

wurden aus 7 und 12 m ebenfalls von den Leuten der Tauchstation entnommen. Aus beiden

Tiefen wurde hier nur ein Replikat untersucht.

Zur Gewinnung der in den Substraten vorhandenen Tiere wurden die Proben mit Hammer, Nagel,

Schere und Pinzette fein zerlegt und die Fauna gesammelt. Zur Bestimmung wurden die

jeweiligen Tiere den Spezialisten-Gruppen übergeben. Die Ergebnisse wurden zusammengetragen,

tabellarisch festgehalten und statistisch in einem Diagramm mittels einer

Korrespondenzanalyse ausgewertet.

Ergebnisse

Nach einigen Tagen wurden uns aus den einzelnen Gruppen die Ergebnisse ihrer Bestimmungen

mitgeteilt. Die jeweiligen Arten und ihrer Häufigkeiten sind in einer Tab.1 aufgeführt.

Die Annelida sind in beiden Tiefen des sekundären Hartbodens die dominierende Gruppe. Bei

30 m sind die Crustacea und die Mollusca wesentlich stärker vertreten als bei 5 m. Gleiches gilt

für die Tunicata. Die Häufigkeit der anderen Gruppen ist in beiden Tiefen in etwa gleich. In den

Rhizom-Proben sind die Porifera und die Bryozoa am häufigsten.

Für jede Tiefenstufe wurden die Vertreter der Tiergruppen zusammengefasst und quantitativ

miteinander verglichen (Tab. 2 und 3, Diagramm 1 und 2). Mit den Daten wurde mittels des

Computerprogramm CANOCO (Ter Braak & Smilauer 1998) eine Hauptkompentenanalyse

(PCA= principle components analysis) durchgeführt. Die jeweiligen Meerestiefen wurden dabei

als Umweltvariablen (Dummies) eingesetzt. Die Ergebnisse wurden in einem Ordinationsdiagramm

dargestellt (Grafik 1 und 2). Wie aus Grafik 1 ersichtlich ist, sind sich die drei Replikate

aus 5 m Tiefe untereinander ähnlicher als die Replikate aus 30 m. Weiterhin fällt auf, dass

sogar zwei Replikate aus 30 m zu den 5 m-Replikaten eine höhere Übereinstimmung zeigen als

zu dem dritten Replikat (Grafik 1). Die einzelnen Tiergruppen beschränken sich jeweils nicht auf

einen einzigen Standort, sondern sind in unterschiedlicher Häufigkeit überall vertreten.

Ähnliches gilt für das Posidonia-Rhizom. Hier wurde im Vorfeld nur ein Replikat untersucht, wodurch

in der Korrespondenzanalyse nur wenige Daten verglichen werden konnten. Die einzel-

- 74 -


nen Taxa ordnen sich daher linear entlang der Tiefenachse (Grafik 2)

Vergleicht man die Tiergruppen zwischen sekundärem Hartboden und Posidonia-Rhizom, findet

man bei Porifera, Mollusca und Bryozoa andere Arten. Außerdem befinden sich im Rhizom unabhängig

von der Tiefe deutlich weniger Annelida.

Tabelle 1 Kalkgestein Rhizom

5 m/1 5 m/2 5 m/3 30 m/1 30 m/2 30 m/3 7 m 12 m

Porifera

??Myxilla rosacea?? 1 1

Pleraplysilla spinifera 1

Sarcotragus spinulosus 1 1 1 1

Clathrina cf. cerebrum 1 1

Clathria (Microciona) armata 1

Cliona viridis

Mollusca

1

Alvania montagui 1

Arca tetragona 10

Patella sp. 1

Barbatia nodulosa 1 4

Acmea sp. 1

Nassarius cf. binei 1

Lithophaga lithophaga 1

Rissoa cf. guerinii 1

Doridacea, UO Porodoridacea

Annelida

1

Nereidae 1 1 1 1 4

Fabriciinae 1

Sabellidae 1 1 1 1 1 2 1

Tabellaria 1 2

Errantia 10 9 5 1 5 3

Polychaeta 2

Eunice aphroditis 1

Serpula vermiculatis 1

Terrebillidae

Nemertini

1

Micrura puspurea 1

Sipunculida

Bryozoa

2 1 1 1 1

Haploma impressum 1

Idmoidea atlantica 1 1

Crisia klugei 1

Scrupocellaria reptans 1 1

Disporella hispida 1 1

Sertella septentrionalis 1 1

Schizomavella discoidea 1

Stomachetosella sinuosa 1

Schizoporella sp. 1 1

Calpensia nobilis 1 1 1

Alcyonidium albidum

Crustacea

1 1

Maera inaequipes 3

Leptocheirus cf. hirustimarus 6

Microdeutopus stationis 1

Alpheus dentipes 1 1

Pagurus sp. 1

Pliumnus hirtellus 1

Alpheus glaber

Echinodermata

4

Amphiura cf. chiagei 1

Psamechinus cf. microtuberculatus

Tunicata

1

Ciona intestinalis 1

Halocynthia papillosa

Echiura

7 1 1

Bonellia sp. 1

- 75 -


Tab. 2 (sek. Hartboden) Tab. 3 (Posidoniarhizom)

5 m 30 m 7 m 12 m

Annelida 30 24 Annelida 4 0

Bryozoa 4 3 Bryozoa 4 8

Crustacea 2 15 Crustacea 1 2

Echinodermata 1 1 Mollusca 12 1

Echirua 0 1 Porifera 3 4

Mollusca 2 10 Sipunculida 1 0

Porifera 3 1 Tunicata 1 1

Sipunculida 3 2

Tunicata 0 8

Diskussion

Die Replikate des sekundären Hartbodens aus 5 m Tiefe waren sehr homogen, die aus 30 m

Tiefe zeigten hingegen größere Unterschiede. Insgesamt war die Besiedlung beider Habitate

sehr ähnlich, obwohl wir größere Unterschiede aufgrund anderer Lebensbedingungen (z.B.

Lichtverhältnisse, Strömung, Sauerstoffgehalt etc.) erwartet hätten.

Die Ergebnisse aus der Betrachtung der beiden Rhizom-Proben sind sehr schwer zu interpretieren

und mit dem sekundären Hartboden zu vergleichen, da hier nur jeweils ein Replikat untersucht

wurde. Dies ist sowohl für eine quantitative als auch für eine qualitative Aussage deutlich

zu wenig.

Die Besiedlung von sekundärem Hartboden und Posidonia-Rhizom unterscheidet sich hinsichtlich

der Artenzusammensetzung besonders bei den Gruppen Porifera, Mollusca und Bryozoa.

Dies unterstützt die Erwartung, dass in unterschiedlichen Habitaten unterschiedliche Besiedler

gefunden werden können.

Die Ergebnisse bestätigen aber nur teilweise die Erwartungen. Es wurde angenommen, dass in

unterschiedlichen Habitaten auch unterschiedliche Arten zu finden sind. Dies traf zu, wobei die

Artenvielfalt als auch die Anzahl der Individuen nicht üppig war. Eine Fehlerquelle die zur Reduktion

der Organismen sicher beigetragen hat, war die verzögerte Bearbeitung der Proben.

Zudem hätte man noch mehr Organismen nachweisen können, wenn deutlich gewesen wäre,

dass eine völlige Zertrümmerung bis zu sandartigen Korngröße sinnvoll ist. Wenn schon beim

Auseinandernehmen die Spezialisten einer Tiergruppe anwesend sind, würden sicherlich einige

zusätzliche Organismen erkannt.

Bei dem Posidonia-Rhizom waren die uns gestellten Proben von Anfang an nicht nach

Replikaten getrennt, daher war eine Analyse der Varianz innerhalb der Stichproben ausgeschlossen.

Hier tritt eine breitere Ansiedlung der Organismen auf; einige Arten sind in beiden

Tiefen ähnlich stark präsent.

Literatur:

Hofrichter R (2003): Das Mittelmeer: Fauna, Flora, Ökologie; Bestimmungsführer, Band I. Spektrum

Akademischer Verlag, Stuttgart

Ter Braak CJF, Smilauer P (1998): CANOCO reference manual and users guide to Canoco for

Windows: Software for canonical community ordination (version 4). Microcomputer Power,

Ithaca, New York

- 76 -


Alpheus

Alpheus

Halocynthia Fabriciinae

Cliona 30m Doridacea

CionaPsamechinus

Nassarius

Porifera

Crustaceae

Mollusca

Annelida

Echinodermata

Tunicata

Echiura

Sipunculida

Tabellaria

tief

Sabellidae

Nereidae

Lithophaga

Sarcotragus

Rissoa

Errantia Eunice Serpula

Pagurus

Amphiura

5m

hoch

5m

5m

Sipunculida

30m

Microdeutopus

Terrebillidae Leptocheirus

Acmea Maera

30m Barbatia

Heteronematini

Polychaeta

Bonellia

Sipunculida

Sarcotragus

Alvania

Arca

Sabellidae

Disporel

Sertella

Halocynthia

Crisia

Stomachetosella

Pliumnus

7 m Tiefe

Patella

Errantia

Clathrina

Scrupocellaria

Idmoidea

12 m Tiefe

Calpensia

Schizoma

Clathria

Porifera

Crustaceae

Mollusca

Annelida

Sipunculida

Tunicata

Bryozoa

Graphik 1

Graphik 2

- 77 -


Sandfauna (Meiofauna, Makrofauna)

Claudia Maas, Christin Heinrich

Methode:

In Cautex-Bechern wurden entlang eines Tiefengradienten (1, 5, 10, 20, u. 30 m, sowie

Amphioxussand 10 m) pro Tiefe je 3 Proben à 500 ml Sand entnommen. Jede der Proben wurde

mit Magnesiumchlorid-Hexahydrat versetzt. Dies sollte die im Substrat enthaltenen Tiere

lähmen, so dass man sie besser vom Sand trennen kann. Nach einer halben Stunde wurde der

Sand nochmals aufgewirbelt, nun befinden sich die Organismen in der wässrigen Phase, die

durch ein 100 mm Sieb abgegossen wurde, so dass alle Organismen die größer als 100 mm

waren, im Sieb zurückblieben. Dieser Vorgang wurde dreimal wiederholt. Die ausgesiebten Organismen

wurden mit Hilfe einer Spritzflasche aus dem Sieb gespült und jeweils in

Petrischälchen gesammelt. Bei dieser Methode ist es möglich, Organismen lebend zu isolieren.

Erwartung:

Durch die abnehmende Wasserbewegung in zunehmender Tiefe, nahmen wir an, dass die

Organismenzahl im Sand mit dem Tiefengradienten ansteigt.

Auswertung:

Die Petrischalen mit den isolierten Organismen wurden unter dem Mikroskop einzeln ausgezählt.

Bei den Proben des Amphioxus Sandes wurde aufgrund der hohen Anzahl von Organismen

je drei mal 1 cm ² ausgezählt und die Anzahl der Organismen hochgerechnet.

Ergebnisse:

Tiefe (m) 1 5 10 20 30 10A

MW StA MW StA MW StA MW StA MW StA MW StA

Copepoda 21 12,1 10 4,4 10,7 1,5 9 1 4,7 1,5 688,3 466

Amphipoda 4,3 2,3 5 1 6,7 2,5 6,7 1,2 3 1 324,3 253,6

Turbellaria 3,7 2,1 10,7 5,1 6,7 5,7 6 4,6 2,3 0,6 120,3 28,3

Nematoda 2,3 0,6 6,7 2,5 4 2 5,3 2,1 5,7 0,6 90 25,9

Isopoda 3,5 3,5

Polychaeta 2 1 4 1 8,7 2,5 2,3 1,5 4,7 1,5 99,7 20,7

Foramenifera 14,3 5,8 4,7 1,2 4,7 1,5 4,3 1,5 2,3 0,6 1421,7 1851,8

Amphioxus 3,3 2,5

Diskussion:

Entgegen unseren Erwartungen stieg die Organismenzahl nicht mit der Tiefe an. Die Annahme,

dass durch die geringere Strömung in größeren Tiefen mehr Organismen im Sand auftreten,

konnte damit nicht bestätigt werden. Wie man anhand der Graphiken erkennen kann, wurden in

10 m Tiefe die meisten Organismen gefunden. Allgemein traten in den Sandproben überwiegend

Copepoden und Turbellaria auf. Desweiteren kann man den Unterschied zwischen ‚normalem’

Sand und ‚Amphioxus Sand’ deutlich erkennen. Hier befanden sich im Vergleich zu den

anderen Sandproben 10-100 mal mehr Organismen. Auffallend war, dass die Korngröße des

Amphioxus-Sandes größer war als die aller anderen Proben. Der Amphioxus-Sand tritt bei

Giglio nur in einer bestimmten Bucht auf, die sich allerdings nicht auffällig von den anderen unterscheidet.

Mögliche Gründe für die hohe Organismenzahl im Amphioxus-Sand sind die größere

Korngröße des Sandes und die damit verbundenen größeren Zwischenräume, in denen sich

Organismen ansiedeln können. Auch eine andersartige Strömung in der Bucht und damit verbundene

Erhöhung der Plantonsedimantation könnten zu der hohen Siedlungsdichte der Tiere

in dem Amphioxus-Sand beigetragen haben.

- 78 -


Posidonia-Sauger Projekt

Svenja Gass und Katrin Wagner

Intention des Projektes

Mit dem Posidonia-Sauger Projekt sollte ein Lebensraum, in diesem Falle der Boden einer

Posidonia Seegraswiese, erschlossen werden. Es sollte untersucht werden, welche Tiere und

wie viele davon auf ca. 1 m 2 Posidonia Boden leben, und ob sich die Artenvielfalt in 7 und 12 m

Tiefe unterscheiden.

Durchführung

Mit einem selbst gebauten Sauger wurden jeweils zwei Proben aus 7 und 12 m Tiefe vom Boden

einer Posidonia Seegraswiese abgesaugt. Es wurde jeweils eine Fläche von ca. 1 m 2 abgesaugt.

Die Proben aus den jeweiligen Tiefen wurden hinterher fälschlicherweise vereinigt.

Deswegen konnten wir die Aussagekraft der Probeninhalte aus gleichen Tiefen nicht miteinander

vergleichen und sehen, ob die Tiere, die wir dort gefunden haben, auch wirklich typisch für

diese Tiefe und den Standort waren. Die Inhalte der Proben wurden teilweise selbst bestimmt

und teilweise den jeweiligen Gruppenspezialisten zum Bestimmen gegeben. Die Ergebnisse

wurden soweit möglich qualitativ sowie quantitativ erfasst.

Ergebnisse:

Gefundene Organismen

7m 12m

Mollusca Bittium reticulata 82 35

Smaragdia viridis 2 0

Jujubinus exasperaus fasn tricolor 5 8

Rissoa auriscalpium 8 2

Tricolia spec. 1 1 2

Tricolia spec. 2 5 4

Columbella rustica 2 1

Callistoma zyzyphinum 1 8

Alvania montagui 15 0

Alvania lineata 14 5

Venus casina 1 0

Alvania spec. 6 0

Arca tetragona 5 9

Cantharus d’orbigny 4 9

Alvania orinica 3 0

Naticarius spec. 1 0

Callistoma conulum 0 5

Fusinus rostratus 0 1

Muricopsis cristratus 0 1

Gourmya vulgata 0 6

Ocinebrina aciculata 0 4

Conus ventricosus 0 1

Arca noa 0 1

Gibberla oryza 0 1

Alvania cimex 0 5

Tapes decussatus 0 1

Pantopoda 1 0

Crustacea Hippolyte internis 2 0

Idothea hectica 0 1

Garnelen 2 5

Einsiedlerkrebse 0 17

Pagurus anachoretus 0 1

Pagurus excavatus var. meticolosus 19 1

Pagurus spec. 0 15

Caprellide - Gespensterkrebs 0 1

Sphaerominae - Kugelassel 0 1

Echinoderma „Irregularia“ 1 1

Asterina gibbosa 0 1

Ophiopsila aranea 0 2

Fische Opteatogenys gracilis 1 0

Apledoton incognitus 0 2

Summe 181 157

- 79 -


Es wurden sehr viele verschiedene Arten, vor allem Mollusca, Crustacea, Pisces,

Echinodermata und Pantopoda (7m) gefunden. Die Summe der gefundenen Tiere betrug in 7 m

Tiefe 150, und in 12 m Tiefe 109.

Vor allem wurden bestimmt: Bittum reticulata, 82 mal (7 m) und 35 mal (12 m), Alvania

montagui (15/0) und Alvania lineata (15/5).

Einige Arten waren nur in 12 m Tiefe zu finden, z. B. Callistoma conulum, Alvania cimex und

Gourmya vulgata

Besonderheiten waren Hippolyte inernis, die Seegrasgarnele, die zweimal in

7 m Tiefe gefunden wurde, Idothea hectica, eine Assel, sowie ein Caprellide, ein Gespensterkrebs,

der jeweils einmal in 12 m gefunden wurde. Außerdem wurde Apledoton incognitus, ein

ca. 2 cm großer Fisch, zweimal in 12 m gefunden. Dieser Fisch kann seine Körperfarbe der

Umgebungsfarbe anpassen. Des weiteren wurde der erst 1996 entdeckte Opteatogenys

gracilis, ein ebenfalls nur ca. 2 cm langer Fisch, einmal in 7 m gefunden.

Außerdem war auffällig, dass viele Einsiedelerkrebse in beiden Tiefen zu finden waren (19/33).

- 80 -


Projekt: Felsgrus

Manuela Gebhardt, Mareike Rietze und Gregor Kalinkat

Einleitung:

Geröllhalden am Fuß von Felshängen sind ein typisches Habitat des Felslitorals. Auf den Felsblöcken,

die zu den primären Hartböden gezählt werden, siedeln auf der dem Licht zugewandten

Seite vor allem (Grün-)Algen. In den Hohlräumen der Blockunterseiten findet man die typische

marine Höhlenfauna (Porifera, Bryozoa, etc.), die sich zu großen Teilen aus Arten zusammensetzt,

die auch dem Benthos zugerechnet werden können.

Mit diesem Projekt sollte untersucht werden, wie sich Störungen auf die Besiedelungsmuster

von Felsblöcken in litoralen Geröllfeldern auswirken. Störungen stellen im untersuchten Komplex

vor allem Bewegungen der Blöcke dar, die von den Turbulenzen des Wassers verursacht

werden. In Abhängigkeit von Liegetiefe und Größe eines Blockes wird dieser entsprechend oft

bzw. selten gedreht (siehe Tabelle), und entsprechend findet sich ein Besiedelungsmuster

sessiler Tiere und Algen. Zu erwarten ist, dass bei längerer Liegezeit eine deutlichere

Zonierung im Besiedelungsmuster auftreten wird.

Untersucht wurde ein Geröllfeld am westlichen Rand der Bucht von Giglio Campese, auf halbem

Weg zwischen der Meeresbiologischen Station und der ‚Punta del Faraglione’ (siehe Karte).

Dort handelt es sich um den kleinen Teil der Insel mit Kalkfelsen, der wesentlich geröllreicher

verwittert, als der auf Giglio vorherrschende Gneis/ Granit.

Methodik:

Es wurden jeweils zwei ähnlich große Blöcke aus 1 - 2 m Tiefe und aus 3 - 4 m Tiefe gesammelt

und anschließend in mit Meerwasser gefüllten Kanistern zum Labor gebracht, um ein Austrocknen

der Proben zu verhindern. Im Labor wurden dann die Arten bestimmt und Deckungsgrade

der besiedelnden Organismen ermittelt. Algen, Schwämme und Tunicaten wurden soweit

möglich bis zur Art bestimmt, bei den weiteren Organismengruppen wurde mit übergeordneten

Taxa gearbeitet (siehe Diskussion). Bezüglich der Zonierung erfolgte eine Unterteilung in Oberund

Unterseite.

Charakterisierung der untersuchten Blöcke (Größenangaben in cm):

F1 (Flachwasser I): 23 x 15 x 11

F2 (Flachwasser II): 26 x 12 x 9

T1 (Tiefwasser I): 27 x 14 x 8

T2 (Tiefwasser II): 20 x 15 x 10

Ergebnisse:

Es wurde eine Ordination mit CANOCO durchgeführt (siehe Abbildung), wobei nur sessile Organismen

in die Auswertung einbezogen wurden. In der Abbildung kann man die zwei Hauptachsen

erkennen. Dabei gliedert die X-Achse anscheinend nach Pflanzen und tierische Organismen

bzw. Ober- und Unterseite der Steine auf, die Y-Achse nach der Tiefe.

Man kann erkennen, dass fast alle pflanzlichen Organismen auf der linken Seite der X-Achse

stehen, mit Ausnahme der Kalkrotalge. Die tierischen Organismen stehen dagegen rechts. Auf

der Y-Achse liegen die Proben aus dem flachen Wasser eher oben, die Proben aus dem tiefen

Wasser eher unten. Diese Trennung erfolgte bei der Unterseite der Steine klarer als bei der

Oberseite. Diese Trennungen kommen durch verschieden Faktoren zu Stande.

Die Steine aus 2 m Tiefe sind einer stärkeren Strömung ausgesetzt und werden somit öfter umgewälzt.

Daher können sich hier keine tierischen sessilen Organismen ansiedeln, denn diese

brauchen eine gewisse Zeit, um Röhren etc. aufzubauen. Durch das häufige Umwälzen ist dies

- 81 -


Tabelle I: Artenvorkommen und Deckung sessiler Organismen auf den Felsblöcken (Deckungsgrade in %)

F1o F2o F1u F2u T1o T2o T1u T2u

Algae

Padonia pavonica 7 2 0 0 10 35 0 0

Dictyota linearis 13 0 0 0 1 12 0 0

Dictyota dichotoma 10 12 0 0 2 6 0 0

Chaetomorpha aerea 12 29 0 0 0 0 0 0

Dascycladus vernicularis 0,5 0 0 0 49 21 1 1

Jania rubens 2 25 0 0 0 5 0 0

Corallina officinalis 0 0 0 0 0 0,1 0 0

Anadyomene stellata 0 0 0 0 0 2,5 0 0

Udotea petiolata 0 0 0 0 0 0 0 0,1

Kalkrotalge 3 4 9 10 5 6 18 15

Gesamtdeckung 47,5 72 9 10 67 87,6 19 16,1

Porifera

Cliona cilata 0 0 0 3 0 0 0 2

Pleraplysilla psinifera 0 0 0 1 0 0 0 0

Terpios gelatosa 0 0 1,5 0 0 0 0 0

Polychaeta

Sabellidae 0 0 1 1 0 2 16 6

Bryozoa 0 0 2 4 0 0 20 15

Tunicata

Didemnum maculosum 0 0 0,5 1,5 0 0 2 4

Gesamtdeckung 0 0 5 10,5 0 2 38 27

aber nicht möglich. Des Weiteren sind Algen überlegen, da sie sich schnell ansiedeln können

und durch die guten Lichtverhältnisse besser wachsen.

Die Steine aus 4 m Tiefe dagegen sind an der Unterseite stark von tierischen Organismen besiedelt,

da diese hier genügend Zeit haben sich anzusiedeln. Man konnte aber eine klare

Trennlinie zwischen Ober- und Unterseite erkennen. Es kamen keine Algen auf der Unterseite

vor, da hier die Lichtverhältnisse zu schwach sind. Die Algen stehen also mit den tierischen Organismen

in Konkurrenz. (Eine der wenigen gefundenen Ausnahmen: Rotalge Udotea

petiolata).

- 82 -

Dascycla

Jania rubens

Chaetomorpha

Tief1oben

Flach2oben

Flach1oben

Dict dich

Padonia

Tief2oben

Anadyome

Corallin

Dicty lin

Felsgrus verschiedene Tiefen

Pleraplysia

Cliona c

Udotea p

Didemnum

Kalkrotalge Flach2unten

Flach1unten Terpios

Tief2unten

Tief1unten Bryozoa

Sabellida


Theoretisch sollten die Steine aus 2 m Tiefe stärkeren Algenbewuchs aufweisen, als Steine aus

4 m Tiefe. Das war nicht der Fall. Der eine Stein aus 4 m Tiefe war sehr stark mit Algen bewachsen,

was man sehr gut in der Tabelle ablesen kann.

Auch in der CANOCO-Analyse wird dies sichtbar, z.B. liegt Tief-1-oben oberhalb von Flach-2oben.

Der Grund dafür kann sein, dass die Steine nicht aus genügend großer Tiefe geholt wurden.

Somit waren die Lichtverhältnisse für die Algen noch sehr günstig und diese damit den

tierischen Organismen überlegen.

Aus diesem Grund konnten sich auf diesem Stein (Tief-1-oben) auf der Oberseite keine

sessilen tierischen Organismen ansiedeln, wie dies bei Tief-2-oben der Fall war. Auch in der

Abbildung „Gesamtdeckung sessiler Tiere“ ist dies abzulesen.

Ebenso kommen tierische Organismen hauptsächlich auf der Unterseite vor und dabei eher im

tiefen als im flachen Wasser.

Zum Schluss wurden die fünf auf den Blöcken häufigsten Algen separat betrachtet (siehe Tabelle).

Man kann erkennen, dass es Algen gibt, die hauptsächlich im Flachwasser vorkommen

aber kaum im Tiefen (Dictyota dichotoma, Chaetomorpha aerea); genau umgekehrt (Padonia

pavonica, Dascycladus vermicularis) oder auf Blöcken aus beiden Tiefen annähernd gleich

verteilt sind (Dictyota linearis).

Dies lässt vermuten, dass es zu einer Algensukzession kommt. Arten die auf Blöcken im turbulenteren

Flachwasserbereich vorkommen, gehören damit zu den frühen Stadien bzw. zu den

Erstbesiedlern. Die Arten der Blöcke aus tieferem Wasser gehören zu den späten Sukzessionsstadien.

Diskussion:

Am Ende der Exkursion war noch wenig Bearbeitungszeit vorhanden und so konnte die Auswertung

deshalb nur grob vorgenommen werden. Die Grundzüge konnten aber trotzdem erarbeitet

werden.

Des weiteren erschien das ausgewählte Untersuchungsgebiet als nicht tief bzw. nicht steil genug,

so dass vor allem die Ergebnisse der Blöcke aus den tieferen Zonen weniger deutlich als

erwartet ausfielen (z.B. vertikale Zonierung). Vagile Organismen wurden zwar teilweise bestimmt

(Mollusca), flossen aber nicht in die Auswertung mit ein. Vor allem aufgrund der hohen

Auslastung der Bryozoen- und Porifera-Gruppen konnte bei diesen Taxa keine differenzierte

Betrachtung durchgeführt werden, was sicherlich in Bezug auf deren Sukzessionsmuster interessant

gewesen wäre.

LITERATUR:

Ina Schäfer, Christina La Bonvois: Felsgrus in St. Andrea; Exkursionsprotokoll Marine Ökologie

Elba 2001, FB Biologie TU Darmstadt

Rupert Riedl: Biologie der Meereshöhlen; Verlag Paul Parey, Hamburg & Berlin, 1966

- 83 -


Posidonia Wiesen: Tiefengradient Besiedlung

Tanja König, Dorothee Sandmann, Olivera Vucic-Pestic, Gunnar Henkes

Ziel dieses Projektes war es, den Einfluss der Wassertiefe und des Blattalters auf die Kolonisierung

durch Algen und Bryozoen in Beständen von Posidonia oceanica zu untersuchen. Dafür

wurden in drei verschiedenen Tiefen (5, 10 und 20 m) in Posidoniawiesen auf einer Fläche von

ca. 100 cm 2 sämtliche Posidoniablätter direkt am Rhizom abgeschnitten. Pro Tiefe wurden an

vier verschiedenen Stellen Proben entnommen und in Behältern mit Seewasser gelagert. Im

Kursraum wurden aus jeder der 12 Proben 5 Posidoniablätter ausgewählt und in drei Abschnitte

zerteilt. Der erste Abschnitt, welcher den jüngsten Teil des Blattes repräsentiert, ging von der

Basis bis dorthin, wo das Blatt makroskopisch sichtbar mit Organismen besiedelt war. Der mittlere

Abschnitt wurde von dieser Besiedlungsschwelle bis zu der Stelle definiert, an der das Blatt

noch grün, und somit lebendig war. Der dritte und älteste Abschnitt war der braune, schon in

Zersetzung befindliche Rest des Blattes. Da Posidoniablätter gebogen sind, d.h. es eine konkave

und eine konvexe Seite gibt, unterscheiden sich die Strömungsverhältnisse an Innen- und

Außenseite deutlich. Da die Strömung vermutlich einen wichtigen Einfluss auf Kolonisierung

hat, wurde bei jedem der 180 ausgewählten Blätter Innen- und Außenseiten getrennt ausgewertet.

Die Algen Dictyota linearis und Fosliella sp. wurden auf Artniveau, die restlichen Algen auf

Gruppenniveau bestimmt und der jeweils anteilige Bewuchs abgeschätzt. Die Bryozoen wurden

soweit wie möglich bis auf Artniveau bestimmt und die Anzahl der Kolonien pro Blattabschnitt

gezählt. Die ermittelten Bryozoen-Daten wurden mit Hilfe einer MANOVA (SAS 9.13) statistisch

ausgewertet, um fest zu stellen, ob die drei untersuchten Faktoren (Wassertiefe, Blattalter,

Blattseite) einen Einfluss auf die Bryozoen-Gemeinschaft hatten.

Ergebnisse Algen:

Einfluss der Wassertiefe

Mit zunehmender Wassertiefe nahm vor allem die Siedlungsdichte von Dictyota sehr stark zu.

Ähnliches gilt für Rotalgen, deren Siedlungsdichte allerdings vor allem zwischen 5 und 10 m

zunahm, wogegen die Zunahme bei Dictyota vor allem zwischen 10 und 20 m erfolgte.

Einfluss der Blattabschnitte und der Blattseite

Die Besiedlung mit Algen nahm mit dem Alter der Posidoniablätter stark zu. Dies traf vor allem

für Fosliella zu, die oberen Blattabschnitte waren teilweise weitgehend mit Kolonien dieser Rotalge

bewachsen. Insgesamt erfolgte die Besiedlung der Posidoniablätter verstärkt auf der stärker

strömungsexponierten Blattaußenseite. Offensichtlich sind Rotalgen für die Besiedlung der

Blätter nicht auf strömungsarme Zonen angewiesen, wie dies bei Bryozoen der Fall ist.

Anzahl Kolonien

10

8

6

4

2

0

- 84 -

Dictyota

Kugelig

Rotalge

Tiefeneffekt

tiefe 5m 10m 20m


Ergebnisse Bryozoen:

Einfluss der Wassertiefe

Die statistische Analyse ergab, dass die unterschiedlichen Tiefen einen signifikanten Einfluss

auf die Besiedlung durch Bryozoen hatten (Abb.1). Der Einfluss der Tiefe auf die Kolonisierung

wirkte sich aber unterschiedlich auf die gefundenen Arten aus. Bei den meisten untersuchen

Arten (Aetea truncata, Tubulipora phalangea, Mimosella gracilis, Micropora truncata und

Filicrisia geniculata (Abb. 1a+b) nahm die Anzahl der Kolonien mit Zunehmender Tiefe zu. Im

Gegensatz dazu, fanden sich Kolonien der Art Alcyonidium albidum häufiger in 5 als in 10 oder

20 m (Abb. 1d). Eine dritte Gruppen von Bryozoen (Disporella hispida und Haplopoma

impressum) wurden in ihrer Häufigkeit durch den Faktor Tiefe nicht beeinflusst, sie kamen in

allen drei Tiefen in gleicher Anzahl vor (Abb. 1c).

2. Einfluss der Blattseite

Bei den Bryozoenarten Aetea truncata, Tubulipora phalangea und Micropora cf. normani konnte

ein starker Einfluss der Blattseite auf die Kolonisierung festgestellt werden. Diese drei Arten

wurden an der Blattaußenseite signifikant häufiger gefunden (Abb.2a). Bei den Arten Disporella

hispida, Mimosella gracilis, Filicrisia geniculata, Alcyonidium albidum und Haplopoma

a Aetea truncata b

Kolonienzahl

4

2

0

A

A

5 m 10 m 20 m

c Disporella hispida d

Kolonienzahl

B

4 A A A

2

0

5 m 10 m 20 m

impressum konnte kein Effekt der Blattseite fest gestellt werden. Kolonien dieser vier Arten fanden

sich auf Innen- und Außenseite in etwa gleicher Anzahl (Abb. 2b). Keine der gefundenen

Arten hatte eine Präferenz für die Blattaußenseite.

3. Einfluss des Blattabschnittes

Auch die drei unterschiedlichen Abschnitte,

welche drei unterschiedlichen Blattalter darstellen,

unterschieden sich ebenfalls in ihrem

Bewuchs durch Bryozoen. Die Arten Aetea

truncata und Tubulipora phalangea und wurden

mit zunehmendem Blattalter häufiger

(Abb. 3a). Bei Mimosella gracilis war ähnliches

zu finden, allerdings unterschieden sich bei

dieser Art die Blattabschnitte II und III nicht

von voneinander (abb. 3b). Als einzige Art wur-

Kolonienzahl

Kolonienzahl

30

20

10

0

Tubulipora phalangea

A

B

C

5 m 10 m 20 m

Alcyonidium albidum

5 m 10 m 20 m

Abb. 1. Einfluss der Wassertiefe auf die Kolonisierung des Seegrases

Posidonia oceanica durch verschiedene Arten von Bryozoen. Balken mit

verschiedenen Buchstaben unterscheiden sich signifikant von einander.

6

4

2

0

A

B

B

a b

Kolonienzahl

a Aetea truncata b

5

C

4

3

2

B

1

0

A

I II III

Kolonienzahl

c Alcyonidium albidum d

Kolonienzahl

5

4

3

2

1

0

8

6

4

2

0

A

Aetea truncata

A

B

B

i a

B

I II III

Kolonienzahl

Kolonienzahl

4

3

2

1

0

Mimosella gracilis

Disporella hispida

Abb. 3. Einfluss des Blattalters (Abschnitt I,II,III) auf die Kolonisierung des

Seegrases Posidonia. oceanica durch verschiedene Arten von Bryozoen.

Balken mit verschiedenen Buchstaben unterscheiden sich signifikant von einander.

4

3

2

1

0

6

4

2

0

A

B

B

I II III

AB

A

i a

Abb. 2. Einfluss der Blattseite ( i= Innenseite, a = Außenseite) auf die

Kolonisierung des Seegrases Posidonia oceanica durch die Bryozoen

Aetea truncata und Diporella hispida. Balken mit verschiedenen Buchstaben

unterscheiden sich signifikant von einander.

Kolonienzahl

Disporella hispida

A

A

B

I II III

- 85 -


de Alcyonidium albidum am häufigsten in dem jüngsten Teil (Abschnitt I) der Posidoniablätter

gefunden.

Diskussion

Wenn man die Besiedlung von Posidoniablättern durch Bryozoen in dieser Studie betrachtet,

lassen sich ein paar Gesetzmäßigkeiten feststellen. So sind ältere Blätter in der Regel mehr

besiedelt als junge Blätter, mit der Wassertiefe nimmt die Kolonisierung durch Bryozoen zu und

die konkave Blattinnenseite von Posidonia oceanica wird bevorzugt besiedelt. Dass die älteren

Blätter stärker kolonisiert werden, liegt sicher an der längeren Besiedlungszeit und an der beginnenden

Zersetzung der Blätter und der damit verbundenen raueren Blattoberfläche, welche

das Festsetzen von planktischen Bryozoenlaven begünstigt. Dass die Besiedlung mit zunehmender

Wassertiefe zunimmt, könnte an der dort verringerten Wasserströmung liegen. Die Besiedlung

wird für Bryozoen bei weniger Strömung einfacher und die Gefahr, dass Kolonien von

der Strömung abgerissen werden, sinkt. Unterschiedliche Strömungsverhältnisse könnten auch

die Präferenz der Bryozoen für die Blattinnenseite erklären. Neben diesen abiotischen Faktoren

könnte aber auch die Konkurrenz um Siedlungsraum mit anderen Organismen, wie Algen, die

gefundenen Muster erklären. So siedelten z.B. Rotalgen in dieser Untersuchung bevorzugt auf

der Blattaußenseite.

Schaut man sich die Besiedlung der Blätter auf Artniveau der Bryozoen an, so ergibt sich allerdings

ein etwas differenzierteres Bild. Die unterschiedlichen Bryozoenarten konkurrieren wahrscheinlich

auch untereinander um die Ressource Siedlungsraum, und jede Art hat andere Strategien

entwickelt um sich au Dauer durchsetzen zu können.

Alcyonidium albidum scheint sich darauf spezialisiert zu haben Posidoniablätter extrem früh zu

besiedeln. Diese Art wurde am häufigsten an den sehr jungen Abschnitten der Posidoniablätter

gefunden (Abb.3). Sobald andere Arten auftauchen, verschwindet A. albidum von der Blattfläche,

was auf geringe Konkurrenzkraft hindeutet. Die Zooide von A. albidum haben weder

Spiculae noch Avicularien und keine festen Gehäuse, sondern nur eine gallertige Schutzhülle,

was sie möglicherweise besonders anfällig für Konkurrenten macht.

Disporella hispida scheint dagegen sehr gut in der Besiedlung von Blättern auch bei starken

Strömungen zu sein. Diese Art kam in allen Tiefen und auf beiden Blattseiten in gleicher Häufigkeit

vor.

Aetea truncata und Tubulipora phalangea sind weder so schnell wie Alcyonidiumim in der Besiedlung

der Blätter, noch so strömungsresistent wie Disporella hispida. Sie kamen mehr in

strömungsarmen Bereichen vor. Ihr Vorteil könnte in einer größeren Konkurrenzkraft gegenüber

anderen Besiedlern von Posidonia liegen. Die Siedlungsdichte beider Arten nahm mit der Tiefe

zu und sie besiedelte vor allem die Innenseite der Posidoniablätter. Auch erreichten sie ihre

größten Kolonienzahlen auf dem ältesten Abschnitt der Posidoniablätter. Morphologisch unterscheiden

sich die beiden Arten aber sehr stark. Während Tubulipora phalangea sehr kompakte

stark verkalkte Kolonien bildet, breitet sich Aetea tuncata geflechtartig mit langen Stolonen über

große Blattbereiche aus.

Die räumlich und zeitlich variierenden Bedingungen in einer Posidonia-Wiese scheinen eine

Koexistens von vielen, ökologisch unterschiedlich eingenischten Bryozoenarten zu ermöglichen.

- 86 -


TUD

Fachbereich Biologie

c. beckers

@ 2005

- 87 -

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