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Markus Beier

Berit Edlich

Die Zusammenarbeit von

Hochschulen und Unternehmen

auf regionaler Ebene

am Beispiel Sachsens

DAS PROJEKT WIRD MITFINANZIERT

DURCH DIE EUROPÄISCHE UNION


Vorwort

Der hier vorliegende Bericht zur „Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf

regionaler Ebene am Beispiel Sachsens“ richtet sich besonders an sächsische Projektträger,

Projektpartner, Politiker sowie Mitarbeiter von Hochschulen und Universitäten, die an der

Schnittstelle Hochschule-Wirtschaft arbeiten. Er umfasst eine ausführliche Recherche und

Analyse zu Wissenschafts-Wirtschafts-Kooperationen im Freistaat Sachsen.

Die Veröffentlichung ist das Ergebnis des INTERREG IIIC-Projektes RUISNET, einem

Netzwerk zur Förderung der regionalen Zusammenarbeit im Bereich Hochschule -

Wirtschaft. Europäische Technologiezentren, Weiterbildungsinstitutionen und regionale

Fördereinrichtungen aus zehn europäischen Ländern erarbeiteten über drei Jahre

gemeinsam Strategien, Methoden und Kriterien zur Bewertung der Zusammenarbeit von

Akteuren, Projekten, Netzwerken und Initiativen.

Das LEONARDO-BÜRO PART SACHSEN war im Auftrag der Technischen Universität

Dresden Partner im europäischen Projekt RUISNET. In enger Zusammenarbeit mit

sächsischen Initiativen, Organisationen und Partnern war es unser Ziel, die Ergebnisse des

Projekts in der Region Sachsen zu verbreiten und umzusetzen.

Seit 1995 ist die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und

Unternehmen das Credo des LEONARDO-BÜRO PART SACHSEN. Mit Sitz an der

Technischen Universität Dresden ist unser Büro Servicestelle für 15 sächsische

Hochschulen und Universitäten. Durch die Koordination zahlreicher EU-Projekte haben wir

uns als Erfahrungsträger und Kooperationspartner für die Umsetzung von Pilot- und

Mobilitätsprojekten im Hochschul- und Unternehmensbereich in der Region und innerhalb

Europas etabliert. Gefördert und unterstützt werden wir dabei vom Sächsischen

Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und von den sächsischen Hochschulen.

Wir hoffen sehr, dass dieser Bericht ein hilfreiches Instrument sein wird, bestehende

Kooperationen zu unterstützen und auszubauen und weitere Initiativen in Sachsen

anzuregen.

Ausdrücklich bedanken möchten wir uns bei den beiden Autoren, Frau Berit Edlich und Herrn

Markus Beier sowie bei allen Mitarbeitern, Projektpartnern, Förderern und Organisationen,

die uns bei der erfolgreichen Umsetzung und Verbreitung der Inhalte und Ergebnisse des

RUISNET-Projektes unterstützt und geholfen haben.

Wir freuen uns bereits auf die weitere Zusammenarbeit.

Katharina Gabel-Stransky

Büroleiterin LEONARDO-BÜRO PART SACHSEN

René Danz

EU-Projektmanagement


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Inhaltsverzeichnis

1 Hintergrund und Ziel der Studie ........................................................................................4

1.1 Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation in den Regionalwissenschaften ...........................4

1.2 Ziel der Studie und methodisches Vorgehen ...................................................................5

2 Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation im Freistaat Sachsen ............................................7

2.1 Akteure der Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation ..........................................................8

2.1.1 Universitäten und Forschungseinrichtungen ......................................................8

2.1.2 Universitäten und Forschungseinrichtungen in benachbarten Regionen .........16

2.1.3 Regionale Wirtschaft in Sachsen und den benachbarten Regionen ................18

2.2 Technologiepolitik zur Förderung von Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen ............23

2.3 Öffentliche Programme zur Innovationsförderung .........................................................28

2.3.1 Bundesprogramme zur Innovationsförderung ..................................................28

2.3.2 Netzwerkstrategie der sächsischen Staatsregierung........................................31

2.3.3 KMU, Innovation, Territorium............................................................................35

2.3.4 Entrepreneurship und technologiebasierte Unternehmen ................................40

2.4 Technologietransfer in Sachsen: Instrumente, Strukturen und Maßnahmen.................47

2.4.1 Technologietransfer - Einrichtungen.................................................................47

2.4.2 Patentanmeldungen..........................................................................................48

2.4.3 Stiftungsprofessuren.........................................................................................49

3 Kooperationsanreize und –hemmnisse...........................................................................51

3.1 Einflussfaktoren auf den Erfolg von Wissenstransfer ....................................................51

3.2 Kooperationsanreize der Akteure ..................................................................................53

3.3 Kooperationshemmnisse der Akteure............................................................................55

4 Demographischer Wandel – Qualifizierung und Arbeitsmarkt ........................................58

4.1 Demographischer Wandel in der Region .......................................................................58

4.2 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt ..............................................................................64

4.3 Maßnahmen ..................................................................................................................68

Literatur

Internetquellen

3


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

1 Hintergrund und Ziel der Studie

1.1 Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation in den Regionalwissenschaften

In den Regionalwissenschaften herrscht seit einigen Jahren ein breiter Konsens, dass die

Wettbewerbsfähigkeit von Regionen in starkem Maße von ihrer Fähigkeit abhängt,

Innovationen zu generieren. Innovationen werden dabei als das Ergebnis kollektiver

Lernprozesse aufgefasst. Innovative Regionen zeichnen sich daher durch intensive

Kooperationen zwischen den regionalen Akteuren aus.

ASHEIM und ISAKSEN (2000) heben die Bedeutung des Wissenstransfers in regionalen

Innovationsnetzwerken hervor: Entscheidend für die Entstehung von Innovationen ist

demnach der Austausch zwischen privaten und öffentlichen Akteuren. Die Wettbewerbsfähigkeit

einer Region korreliert mit der Erzeugung von „neuem“ Wissen. In diesem

Zusammenhang kommt sowohl Hochschulen als auch Forschungs- und

Entwicklungseinrichtungen (FuE) eine große Bedeutung zu.

Hochschulen nehmen nach FRITSCH (2000) unterschiedliche Rollen im Innovationsprozess

ein. Als „Stätten der Forschung“ sind sie die Orte, in denen wissenschaftliche (Grundlagen-)

Forschung, überwiegend in Bereichen, die nicht durch private FuE-Einrichtungen abgedeckt

werden, betrieben wird. Sie stellen ein „Wissensreservoir“ bereit, das aus eigener

Forschungsleistung und durch die Zusammenarbeit mit anderen privaten und öffentlichen

Einrichtungen entsteht. Letztlich sind Hochschulen auch „Bildungseinrichtungen“, wobei die

Aus- und Weiterbildung einen wesentlichen Teil ihrer Transferaktivitäten ausmacht. FRITSCH

und SCHWIRTEN charakterisieren öffentliche Forschungseinrichtungen daher auch als

„Antennen“: „… by absorbing knowledge from research institutions and firms in other regions

and making it available to innovation processes in their region”. 1

Die Bedeutung der soziokulturellen Rahmenbedingungen einer Region für die Herausbildung

von Vertrauen und damit die Entstehung von Kooperation und Vernetzung wird durch die

Ergebnisse der Forschung zum innovativen Milieu (CAMAGNI 1991; MAILLAT 1991, 1998)

hervorgehoben. Intraregionale Kooperationen und soziokulturelle “embeddedness”

(GRANOVETTER) werden als die entscheidenden Faktoren für die Entstehung von

Innovationen angesehen. Darüber hinaus betonen wissenschaftliche Untersuchungen zu

“lernenden Regionen” (MORGAN 1997) und “Regionalen Innovationssystemen” (BRACZYK,

COOKE, HEIDENREICH 1998) die räumliche Nähe für kollektive Lernprozesse und

Wissenstransfer, besonders in Bezug auf räumlich immobiles “tacit knowledge”. Räumliche

Nähe trägt dazu bei, Unsicherheiten zu reduzieren und garantiert den Zugang zu innovativen

Impulsen.

Auf ihrem Gipfel in Lissabon im Jahr 2000 hat sich die Europäische Kommission das Ziel

gesetzt, die Europäische Union bis zum Jahr 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und

dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen“. Die entscheidende

Voraussetzung hierfür ist die Schaffung eines einzigartigen Innovations-, Bildungs- und

Forschungsraumes. Um diesen zu erreichen, sind gut funktionierende Wissenschaft-

Wirtschaft-Kooperationen essentiell.

1 FRITSCH, SCHWIRTEN 1999, S.81

4


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Im Jahr 2005 zog die Europäische Kommission Halbzeitbilanz zu ihrer so genannten

Lissabon-Strategie und kam zu einem uneinheitlichen Schluss. Viele Maßnahmen zur

Zielerreichung waren in den Mitgliedsstaaten noch nicht ansatzweise in der Umsetzung

begriffen. Wiederholt wurde betont, dass es Wissen und Innovationen zu fördern gilt und

deshalb verstärkt in den Bereich der Forschung und Entwicklung zu investieren sei. 2

Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des RUISNET-Projektes, die Zusammenarbeit im

Bereich Hochschule und Wirtschaft in den beteiligten Regionen zu stimulieren.

Zusammenarbeit in diesem Bereich findet bereits jetzt in jeder der Partnerregionen statt.

RUISNET möchte erfolgreiche Beispiele von Zusammenarbeit im Bereich Hochschule-

Wirtschaft identifizieren und mögliche Hindernisse einer intensiveren Zusammenarbeit

erfassen.

1.2 Ziel der Studie und methodisches Vorgehen

Ziel der Studie ist es, die regionale Dimension der Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft

und Wirtschaft im Freistaat Sachsen sowie den angrenzenden Regionen Mitteldeutschlands

(Halle und Jena) zu erfassen und zu beschreiben. Das übergreifende Ziel des RUISNET-

Projektes besteht darin, erfolgreiche Beispiele dieser Zusammenarbeit in den Regionen der

jeweiligen Partner zu identifizieren. Der Report möchte darüber hinaus die regionalen

Auswirkungen dieser Zusammenarbeit analysieren und auf die zukünftige

Bevölkerungsentwicklung und die damit einhergehende Fachkräftesituation in der Region

aufmerksam machen.

Die Beschreibung regionaler Auswirkungen von Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen ist

eine große Herausforderung. So ist es in den Regionalwissenschaften generell sehr

schwierig, kausale Zusammenhänge zwischen der Entwicklung einer Region (z. B.

Schaffung neuer Arbeitsplätze, sinkende Arbeitslosenquote) und einzelnen regionalpolitischen

Programmen und Maßnahmen herzustellen. Es ist praktisch ausgeschlossen,

einzelne beobachtbare Wirkungen auf ein spezielles Programm oder eine bestimmte

Maßnahme zurückzuführen. Ebenfalls ist es nicht möglich, zu sagen, was ohne diese

Programme bzw. diese Maßnahmen passiert wäre. Aus diesem Grund wird sich die

Beschreibung von Wirkungen auf vorliegende Studien sowie Programmdokumenten

konzentrieren und nicht versuchen, die beobachteten Auswirkungen mittels allgemeiner

statistischer Daten nachzuweisen.

Die erste überblicksartige Erfassung der vorhandenen Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperationen im Freistaat Sachsen brachte eine Vielzahl an unterschiedlichen Projekten,

Initiativen und Programmen auf diesem Gebiet hervor. Die Studie wird sich bei der

Auswertung auf einige wenige, aber viel versprechende Beispiele konzentrieren. Diese

Beispiele sollen zugleich einen Überblick über das breite Spektrum der Zusammenarbeit im

Bereich Hochschule-Wirtschaft in der Betrachtungsregion geben.

Die öffentlichen und weitläufigen Diskussionen um die Effekte des so genannten demographischen

Wandels in verschiedenen Lebensbereichen machen deutlich, dass dieses

Thema derzeit einen hohen Stellenwert besitzt. Die Studie will diesem nicht nachstehen und

thematisiert in ihrer Auflage von 2007 den regionalen Dialog um die Ausstattung der

Unternehmen mit Fachkräften, heute und in der Zukunft.

2 europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11325.htm, 13.09.2007

5


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Der vorliegende Report ist eine Aktualisierung des ersten State-of-the-Art Reports, der im

Rahmen des RUISNET-Projektes im März 2006 erstellt wurde. Die Struktur des Textes

wurde im Weitesten beibehalten und um die aktuellen Entwicklungen ergänzt. Zudem

wurden sämtliche Daten und Zahlen auf ihre Aktualität geprüft und gegebenenfalls

angepasst.

Die Studie beruht zu einem großen Teil auf Berichten, Auswertungen, Dokumentationen

usw., die im Internet/ in der Bibliothek recherchiert bzw. in direktem Kontakt mit den

eingebundenen Akteuren gewonnen wurden.

6


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2 Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation im Freistaat Sachsen

Sachsen hat eine lange industrielle Tradition. Es ist eine der „Wiegen“ der Industrialisierung

Deutschlands im 19. Jahrhundert und behielt seine wirtschaftliche Bedeutung auch nach

1945 bei. Die Transformation von der Plan- zur Markwirtschaft im Zuge der deutschen

Wiedervereinigung im Jahr 1990 führte zunächst zu einem Zusammenbruch der

bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Konkurs vieler Unternehmen und eine hohe

Arbeitslosenzahl waren die Folgen dieser Entwicklung. Nichtsdestotrotz: Die Wiedervereinigung

schuf zugleich neue Möglichkeiten zur strukturellen Veränderung und zu neuen

wirtschaftlichen Entwicklungen.

Wissenschaft und Forschung trugen stets zur erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung

Sachsens bei. Dies ist auch noch heute so: Sachsen beheimatet einige der ältesten

Hochschulen Deutschlands, zum Beispiel die TU Bergakademie Freiberg – die älteste

technische Universität Deutschlands. Traditionell bestehen enge Verbindungen zwischen

den sächsischen Hochschulen und der regionalen Wirtschaft.

In den letzten 15 Jahren fanden tief greifende Veränderungen in der sächsischen

Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft statt. Eine Folge dieses Prozesses ist die Aufteilung

der wissenschaftlichen Forschungen auf unterschiedliche Institutionen (Hochschulen sowie

private und öffentliche Institutionen). Darüber hinaus ist eine starke regionale Spezialisierung

sowohl in der Wissenschaft als auch der Wirtschaft für Sachsen charakteristisch. Dies ist bei

der Analyse der Zusammenarbeit im Bereich Hochschule-Wirtschaft zu bedenken.

Wissenschaft und Forschung sind die Grundsteine für die (wirtschaftliche) Entwicklung des

Freistaates Sachsen. Der Freistaat unterhält fünf Universitäten und fünf Fachhochschulen in

verschiedenen Städten (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Hochschulstandorte in Sachsen

Quelle: www.smwk.sachsen.de/de/bw/studieren/1186.htm, 15.11.2005

7


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Trotz umfangreicher Veränderungen in den letzten Jahren blieben stets enge Verbindungen

von Akteuren im Bereich Hochschule-Wirtschaft erhalten. Das folgende Kapitel beschreibt

die Zusammenarbeit in diesem Bereich in Sachsen.

Neben den sächsischen Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen soll der Blick auch auf die

Landesgrenzenüberschreitenden Kooperationen gerichtet werden. Dabei beschränken sich

die Autoren jedoch auf die – nur aus sächsischer Sicht – relevanten Kooperationen.

Zunächst folgt eine Beschreibung der wichtigsten Akteure von Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperation, gefolgt von einer Darstellung der Technologiepolitik in den Ländern des

Betrachtungsgebietes, als auch der öffentlichen Förderprogramme und -instrumente.

2.1 Akteure der Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation

Die Hauptakteure der Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation sind Universitäten und

Forschungseinrichtungen auf der einen Seite sowie die regionale Wirtschaft – vertreten

durch Unternehmen und Wirtschaftsverbände (Industrie- und Handelskammern,

Handwerkskammern, Unternehmerverbände) – auf der anderen Seite. Darüber hinaus

spielen Technologietransfer-Einrichtungen eine wichtige „Mittlerrolle“ für die Entstehung und

Dauerhaftigkeit der Zusammenarbeit. Schließlich beeinflussen Bundes- und Landesbehörden

(insbesondere Ministerien), als Rahmen gebende Einrichtungen, Wissenschaft-

Wirtschaft-Kooperationen, beispielsweise in Form von Gesetzen, Programmen und

Förderungen.

In diesem Kapitel werden ausschließlich die Hauptakteure, das heißt die Universitäten und

Forschungseinrichtungen sowie die regionale Wirtschaft behandelt. Die Rolle und die

Aufgaben von Transfereinrichtungen und Ministerien werden in Zusammenhang mit

einzelnen Programmen und Instrumenten in den nachfolgenden Unterkapiteln dargestellt.

2.1.1 Universitäten und Forschungseinrichtungen

Hochschulen und Forschungseinrichtungen kommt eine „Antennenfunktion“ in regionalen

Innovationsprozessen zu: Als Partner in regionalen Netzwerken stellen sie einerseits Wissen

für Lern- und Innovationsprozesse bereit, andererseits unterstützen sie den Know-How-

Transfer zwischen den beteiligten Partnern.

Mit der Vorstellung der wichtigsten Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Freistaat

Sachsen, Halle und Jena sollen deren Potenzial für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

der Region verdeutlicht werden. Im Mittelpunkt der Ausführungen stehen dabei die

Forschungsprofile der Einrichtungen, da diese als Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit

der Wirtschaft angesehen werden können. Da die Zusammenarbeit in erster Linie auf die

regionale Wirtschaft ausgerichtet ist, wird eine teilräumliche Darstellung gewählt.

Region Dresden

Die Region Dresden beschreibt das Gebiet der Stadt Dresden mit den umliegenden Städten

und Gemeinden. Sie ist sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht das

wissenschaftliche Zentrum Sachsens und beeinflusst ebenso andere Regionen. In Dresden

gibt es zehn Hochschulen mit knapp 40.000 Studenten 3 , so dass Dresden nach Berlin (16

3 vgl. Faktum Dresden, 31.12.2006

8


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Hochschulen, 140.000 Studenten) der zweitwichtigste Hochschulstandort Ostdeutschlands

ist 4 .

Abb. 2: Wichtige Wissenschaft- und Forschungseinrichtungen in der Region Dresden

- Technische Universität Dresden

- Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH)

- Fraunhofer Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik AVV

des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung ICC

- Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

- Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM Außenstelle

für Pulvermetallurgie und Verbundwerkstoffe EPW

- Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung IITB – Teilinstitut für Verkehrs- und

Infrastruktursysteme IITB-IVI

- Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Sinterwerkstoffe IKTS

- Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS

- Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

- Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP Außenstelle für Akustische

Diagnose und Qualitätssicherung EADQ

- Institut für Polymerforschung, Dresden

- Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung, Dresden

- Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Dresden

- Forschungszentrum Rossendorf, Dresden

- Max-Planck-Institut für chemische Physik fester Stoffe

- Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

- Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme

Quelle: REGIONOMICA 2005, S.132-144

Die Technische Universität Dresden (TU Dresden) ist mit 35.000 Studenten und knapp

4.200 Angestellten die größte Universität Sachsens. Nach der politischen Wende 1989/90

wurde sie zu einer „Volluniversität“ mit einem breiten Fächerspektrum ausgebaut, auch wenn

weiterhin natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer dominieren. Im Umfeld der TU

Dresden sind in den letzten Jahren zahlreiche öffentliche, halböffentliche und private

Forschungseinrichtungen entstanden. Die Zahl der Wissenschaftseinrichtungen in der

Region Dresden (vgl. Abb. 2) bietet ein großes Potenzial für Kooperationen mit der

Wirtschaft.

Dazu trägt insbesondere die TU Dresden mit ihrem Forschungsprofil bei, das durch folgende

Schwerpunkte gekennzeichnet ist:

− Regenerative Medizin und molekulares Bioengineering,

− Materialwissenschaft, Biomaterialien und Nanotechnologie,

− Informationssystemtechnik,

4 vgl. REGIONOMICA 2005, S.132

9


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

− Bevölkerung, Infrastruktur und Verkehr,

− Wasser, Energie, Umwelt. 5

Bei den Forschungsprofillinien ist eine hohe Übereinstimmung mit der regionalen

Branchenstruktur festzustellen, weshalb die TU Dresden in zahlreiche Kooperationen mit der

Wirtschaft eingebunden ist. Aufgrund der anhaltenden Konzentration der Halbleiterbranche

in der Region Dresden („Silicon Saxony“) besitzen insbesondere die Bereiche Elektrotechnik,

Elektronik und Informatik eine herausragende Bedeutung bei der Bereitstellung qualifizierter

Absolventen 6 .

Ein wichtiger Indikator für die Anwendungsorientierung der Forschungsleistung ist die

Auftragsforschung, die sich in der Akquisition von Drittmitteln ausdrückt. Im Jahr 2003 hat die

TU Dresden erstmals mehr als 100 Mio. Euro an Drittmitteln eingeworben; 2006 waren es

immerhin schon 113 Mio. Euro 7 . Die Mittel stammen in erster Linie von öffentlichen

Geldgebern, insbesondere dem Bundesforschungsministerium, der Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) und der Europäischen Union. Darüber hinaus gewinnen Fördermittel

von Seiten der Industrie zunehmend an Bedeutung.

Die engen Kontakte zwischen Unternehmen, Professoren und Studenten bilden eine

wichtige Voraussetzung für die Herausbildung von Kooperationen, ohne die zahlreiche der

erfolgreichen Unternehmensansiedlungen in Dresden in den letzten Jahren nicht denkbar

gewesen wären. Zu denken ist beispielsweise an die Ansiedlung von Unternehmen wie

Infineon, AMD und Volkswagen sowie zahlreicher Zuliefer- und Dienstleistungsunternehmen.

Die TU Dresden Aktiengesellschaft (TUDAG) wurde im Jahr 2000 von der Gesellschaft der

Freunde und Förderer der TU Dresden e.V. gegründet. Als universitätsnahe Firmengruppe

besteht ihre Aufgabe darin, den Transfer von Wissen aus Forschung und Bildung in den

kommerziellen Markt zu unterstützen. 8

Region Leipzig

In einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ist zu lesen, dass die Stadt

Leipzig insbesondere in der außeruniversitären Forschung gut positioniert ist. In den letzten

Jahren sind zahlreiche neue Forschungseinrichtungen in Leipzig gegründet worden. Eine der

jüngsten Gründungen ist das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI). Die

Max-Planck-Gesellschaft hat ihr Institut für Psychologie in Leipzig durch die Verlagerung von

Kapazitäten aus München deutlich erweitert. 9

Leipzig ist mit sieben Hochschulen und 36.000 Studenten der drittgrößte Hochschulstandort

in Ostdeutschland. Wichtige Hochschulen sind:

− Universität Leipzig,

− Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK),

5 http://tu-dresden.de/forschung, 13.09.2007

6 REGIONOMICA 2005, S.135

7 http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/portrait/zahlen_und_fakten/index_html#drittmittel, 13.09.2007

8 www.tudag.de, 15.12.2005

9 vgl. IWH, 2004

10


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

− Hochschule für Grafik und Buchkunst,

− Hochschule für Musik und Theater,

− Fachhochschule der Deutschen Telekom,

− Handelshochschule Leipzig.

Darüber hinaus ist Leipzig Sitz der Sächsischen Akademie für Wissenschaften und des

Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Leipzig-Halle GmbH, von drei Max-Planck-

Instituten (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Max-Planck-Institut

für Mathematik in den Naturwissenschaften, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie)

sowie von drei Instituten der Leibniz-Gemeinschaft (Leibniz-Institut für Länderkunde,

Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung).

An der Universität Leipzig dominieren geisteswissenschaftliche Fächer. Im Gegensatz zu

den anderen sächsischen Universitäten in Chemnitz, Dresden und Freiberg gibt es an der

Universität Leipzig keine ingenieurwissenschaftliche Ausbildung. Dies kann als Nachteil in

Bezug auf die Bildung von Kooperationen mit der Wirtschaft angesehen werden. Die

Universität Leipzig konzentriert sich weitestgehend auf die Grundlagenforschung.

Ausgelöst durch die BMBF-Initiative „Spitzenuniversitäten für Deutschland – Initiative für

Exzellenzwettbewerb“ begann die Universität Leipzig im Jahr 2002, ihr Forschungsprofil neu

auszurichten. Auf dem „Leipziger Forschungsgipfel“ im Februar 2004 wurden die fünf neuen

Kompetenzfelder vorgestellt. Mittlerweile weist die Universität Leipzig sechs Profil bildende

Forschungsbereiche auf, welche sich im Vergleich zu denen im Jahr 2004 definierten

teilweise unterscheiden:

- Von Molekülen und Nano-Objekten zu multifunktionalen Materialien und Prozessen,

- Mathematik und ihre Anwendungen in den Naturwissenschaften,

- Molekulare und zelluläre Kommunikation: Biotechnologie, Bioinformatik und Biomedizin

in Therapie und Diagnostik,

- Gehirn, Kognition und Sprache,

- Riskante Ordnungen

- Veränderte Umwelt und Krankheit 10 .

In diesen Bereichen arbeiten die Wissenschaftler der Universität Leipzig eng mit den

außeruniversitären Forschungsbereichen zusammen. Bei der Vorstellung der Kompetenzfelder

wurde hervorgehoben, dass die vollständige wissenschaftliche Exzellenz an der

Universität Leipzig nicht in fünf Clustern erfasst werden kann. Diese finden vielmehr ihre

Ergänzung in der die Universität Leipzig auszeichnenden wissenschaftlichen Vielfalt

kleinerer, international herausragender Disziplinen, vor allem in den Geistes- und

Sozialwissenschaften 11 .

10 www.uni-leipzig.de/profil/index.php, 13.09.2007

11 UNIVERSITÄT LEIPZIG 2004, S.15

11


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Region Chemnitz-Zwickau

Die Region Chemnitz-Zwickau ist traditionell durch die Textilindustrie – die Textilherstellung

ebenso wie den Textilmaschinenbau – gekennzeichnet. Aufgrund des wachsenden globalen

Wettbewerbs und des seit einigen Jahren stattfindenden Strukturwandels in der Branche,

setzt die Textilindustrie im Raum Chemnitz-Zwickau auf neue technische Textilien sowie die

Textilforschung. Weitere wichtige regionale Branchen sind die Kraftfahrzeugtechnik, das

Maschinenbauwesen, das Bauwesen und die Elektronik.

Die Technische Universität Chemnitz (TU Chemnitz) ist geprägt durch ihre technische und

ingenieurwissenschaftliche Ausrichtung, die enge Verbindungen zur regionalen Wirtschaft

ermöglicht. Es gibt zahlreiche Partnerschaften und Kooperationen zwischen der Universität

und lokalen Unternehmen. Die Zusammenführung von Technik und Sozialwissenschaften

wird auch als „Chemnitzer Modell“ bezeichnet.

Die TU Chemnitz hat ein zukunftsorientiertes Entwicklungskonzept erarbeitet, das auf den

Stärken aufbaut und ein unverwechselbares Profil hervorbringen soll. Kernpunkt ist die

fakultätsübergreifende Stärkung der Forschungsstrukturen. Sechs Forschungsprofile sind

Ausdruck der Interdisziplinarität der universitären Forschung:

− Neue Materialien und neue Werkstoffe,

− ganzheitliche Produktion,

− Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik,

− kundenorientierte Gestaltung von vernetzten Wertschöpfungsketten,

− Kommunikation, Medien, Technik,

− Modellierung, Simulation, Hochleistungsrechnen.

Neben der TU Chemnitz gibt es nur zwei weitere öffentliche Forschungseinrichtungen der

Fraunhofer-Gesellschaft: Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik

(IWU) und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM).

Allerdings gibt es im Raum Chemnitz zahlreiche private Forschungseinrichtungen (Unternehmen

oder Vereine), die aus ehemaligen Kombinaten entstanden sind (unter anderem):

Das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI), die Cetex Chemnitzer Textilmaschinenentwicklung

gGmbH, und die Elektrische Automatisierungs- und Antriebs-Technik EAAT

GmbH.

Darüber hinaus verfügt die TU Chemnitz über enge Kontakte mit den Hochschulen in

Freiberg und Zwickau. Die Westsächsische Hochschule in Zwickau ist eine

Fachhochschule mit Schwerpunkt auf technischen Studiengängen, Elektroingenieurwesen

und Wirtschaft.

Die TU Bergakademie Freiberg ist mit 4.600 Studenten die kleinste der Technischen

Universitäten im Freistaat Sachsen. Sie wurde 1765 gegründet und weist eine lange

wissenschaftliche Tradition auf.

Das Forschungsprofil der TU Bergakademie Freiberg umfasst die folgenden Bereiche:

− Rohstofferkundung, -gewinnung und Ressourcenökonomik,

− Energieträger und Energietechnik,

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Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

− Entwicklung, Erzeugung und Verarbeitung von Werkstoffen und Baumaterialien,

Werkstoffveredlung und -einsatz,

− Elektronikwerkstoffe, Sensorik und Automatisierungstechnik,

− Werkstoff- und Abfallrecycling, Stoffkreisläufe und Kreislaufwirtschaft,

− Partikeltechnologie, mechanische und thermische Verfahrenstechnik,

− Angewandte Mathematik, Stochastik und praktische Informatik,

− Innovationsforschung, wirtschaftliche Transformation, Projektmanagement 12 .

Hervorzuheben ist, dass die TU-Freiberg seit 2007 über eine mehrere Millionen Euro

umfassende Stiftung zur Förderung praxis- und anwendungsbezogener Wissenschaft und

Forschung verfügen kann und beauftragt ist „… solche Projekte umzusetzen, die auch der

regionalen Wirtschaft zu Gute kommen" 13 . Diese wurde ihr aus einem Privatvermögen zur

Verfügung gestellt und ermöglicht der TU Bergakademie Freiberg einen Mitteleinsatz, der die

Mittel der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern für die ausgewählten Hochschulen

übertrifft.

Region Lausitz

Als fünfte und jüngste sächsische Hochschule soll schließlich noch die Hochschule Zittau-

Görlitz (FH) – University of Applied Sciences erwähnt werden. Sie wurde erst im Jahr

1992 gegründet. Mit 3.800 Studenten ist sie zudem die kleinste sächsische Hochschule. Die

FH Zittau-Görlitz zeichnet sich durch ein breites Studienangebot aus, das sich auf sechs

Kompetenzfelder erstreckt:

− Information und Kommunikation,

− Energie- und Systemtechnik,

− Angewandte Lebenswissenschaften,

− Soziale Transformationsprozesse,

− Gebäude- und Infrastruktur,

− Unternehmerisches Handeln.

Die FH Zittau-Görlitz zeichnet sich durch ihre anwendungsorientierte Forschung aus. Mit vier

Millionen Euro Drittmittel-Förderung gehört sie nach eigener Aussage zu den erfolgreichsten

Fachhochschulen Deutschlands.

Ein weiterer Indikator für die Nähe zur regionalen Wirtschaft ist, dass die FH Zittau/Görlitz in

den Netzwerken Energie und Umwelt, Oberflächentechnologien sowie Information und

Kommunikation im Rahmen der InnoLausitz Initiative mitarbeitet (vgl. Exkurs), wodurch

zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. So gab es einige

Existenzgründungen aus der Universität heraus.

Es kann festgehalten werden, dass die sächsischen Hochschulen in den letzten Jahren ihre

Forschungsschwerpunkte neu definiert haben. In allen beschriebenen Fällen ist eine

12 www.tu-freiberg.de/zuv/forschung/forschungsprofil.html, 13.09.2007

13 www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/129759/, 13.09.2007

13


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Konzentration auf ausgewählte Schwerpunkte zu erkennen. Dies kann unter anderem auf die

zunehmende Knappheit der öffentlichen Mittel sowie den wachsenden Konkurrenzdruck

zwischen den Hochschulen (auch im europäischen Kontext) zurückgeführt werden.

Des Weiteren lassen die Forschungsschwerpunkte einen Bezug zur regionalen

Wirtschaftsstruktur erkennen. Dies ist gerade unter dem Aspekt der Zusammenarbeit mit der

regionalen Wirtschaft vorteilhaft, da sich auf diese Weise Kooperationen leichter

herbeiführen lassen.

Befragungen bei verschiedenen sächsischen Technologietransferstellen haben bestätigt,

dass sich die Wissenschaft- und Forschungseinrichtungen ihre Partner aus diesem Bereich

nach dem jeweiligen Forschungsgegenstand aussuchen. Jedoch spielt dabei die Entfernung

vom eigenen Standort nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig ist es für die Institutionen

ähnlicher Forschungsausrichtung, welche sich in enger räumlicher Nähe zueinander

befinden (selbes Gebäude, selber Campus), wichtig und förderlich, in Kooperationen

zusammen zu kommen.

14


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Exkurs: InnoLausitz-Initiative

Die Initiative „InnoLausitz“ ist eine Bundesländer übergreifende

Initiative zur Förderung innovativer KMU-Netzwerke, die das Ziel

hat, Arbeitsplätze in der Region zu erhalten und zu schaffen. Die

Initiative geht auf den BMBF-Wettbewerb „InnoRegio“ zurück, um

deren Teilnahme sie sich beworben hatte. Sie war zwar mit ihrem

Antrag nicht erfolgreich, hatte aber unter Zuhilfenahme anderer

Fördermittel des Bundes und der Länder eigenständig

weitergemacht. Neben KMU wirken auch Hochschulen (z.B. FH

Zittau-Görlitz), Gebietskörperschaften sowie weitere regionale

Akteure (Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern,

Wirtschaftsförderungsgesellschaften) mit.

Aktuell verbindet InnoLausitz 15 Wirtschaftsnetzwerke (Cluster),

die länderübergreifend in der brandenburgischen Niederlausitz

und in der sächsischen Oberlausitz lokalisiert sind.

Die Ziele der Netzwerke sind: Räumliche Abgrenzung „InnoLausitz“ 14

− Kooperationen in Vertrieb, Beschaffung und Service,

− Forschung und Entwicklung,

− Innovative Produktentwicklungen,

− Markteinführung,

− Euroregionale Zusammenarbeit,

− Innen- und Außenmarketing,

− Personalentwicklung sowie

− Bestandsentwicklung.

Die Ziele decken sich somit mit den Interessenschwerpunkten, die für Sachsen insgesamt identifiziert

wurden.

Die spezifischen Merkmale von InnoLausitz sind 15 :

− die Komplexität durch die länderübergreifende Zusammenarbeit Sachsen-Brandenburg (Region

Lausitz von Cottbus bis Zittau),

− der Verbund aller Hochschulen der Region und Vernetzung mit KMU und regionalen Partnern,

− Entwicklung der regionalen Branchenkompetenz,

− Einzelprojekte mit hohem Innovationsgehalt und Marktrelevanz,

− Innovatives Leitbild für die Zukunft der Region.

Die Strategie für die Lausitz besteht darin, einerseits traditionelle Industriezweige (z.B.

Energietechnik, Metall- und Elektroindustrie) zu stärken, andererseits neue Branchen wie die

Oberflächentechnik, die Luft- und Raumfahrttechnologie und die Biotechnologie zu etablieren. Dies

erfolgt durch zahlreiche durchgeführte Innovationsforen sowie Projekte im Bereich

Netzwerkmanagement Ost, Innovative Wachstumskerne BioResponse, InnoRegio-Wettbewerb.

14 www.nwp.fh-lausitz.de/cgi-bin/innolausitz_top.pl?rubrik=12, 18.12.2005

15 www.lausitz.de/Wirtschaft/de/Unternehmensnetzwerke.html, 13.09.2007

15


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.1.2 Universitäten und Forschungseinrichtungen in benachbarten Regionen

Hinsichtlich der Belange der Wissenschaftseinrichtungen und der Wirtschaft im Land

Sachsen zählen zu den weiteren wichtigen Wissenschaftsstandorten die Institutionen in der

Stadt Halle (Sachsen-Anhalt) sowie die in Jena (Thüringen). Dies wurde in mehreren

Expertengesprächen, welche im Rahmen einer Diplomarbeit an der TU-Dresden 16 geführt

wurden, eruiert. Angesichts dieser Tatsache sollen im Folgenden beide Standorte vorgestellt

werden:

Region Halle

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) dominiert die Forschungslandschaft in

der Stadt. An ihr sind ca. 18.700 Studierende (Stand Wintersemester 2005/06) eingeschrieben.

Aus ihrer Historie heraus liegen die Schwerpunkte der Universität im Bereich der

Naturwissenschaften und der Geisteswissenschaften. Verbunden mit den wirtschaftlichen

Entwicklungen im Umkreis der Stadt (chemische Industrie, Landwirtschaft) dominieren unter

den Naturwissenschaften die Forschungsbereiche der Chemie, Biotechnologie/ Biochemie

und Pharmazie. Im Umfeld der Universität haben sich in den letzten Jahren weitere

öffentliche Forschungseinrichtungen angesiedelt. Die Max-Plank-Gesellschaft knüpfte nach

1990 an die Forschungen der Hallenser Biochemiker an und gründete die Forschungsgruppe

„Enzymologie der Proteinfaltung“ und das Institut für Mikrostrukturphysik, welches aus dem

Institut für Festkörperphysik und Elektronenmikroskopie der Akademie der Wissenschaften

der DDR hervorging. Die Fraunhofer-Gesellschaft übernahm ebenfalls eine

Forschungsgruppe des Instituts für Festkörperphysik und Elektronenmikroskopie und

gliederte sie in das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik Freiburg ein, das hierdurch

einen Zweitsitz in Halle bekam.

Weitere Forschungseinrichtungen in Halle sind:

- Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

- Institut für Wirtschaftsforschung, Halle

- Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie, Halle

- Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

- Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik 17 .

Region Jena

Die Friedrich-Schiller-Universität in Jena sagt von sich selbst, dass sie sich und die Stadt

binnen weniger Jahre nach der politischen Wende in Ostdeutschland von einer kleinen

thüringischen Universitätsstadt Jena wieder zu einem Wissenschaftszentrum von

internationalem Rang gemausert hat. Heute machen die Studenten mit einer Anzahl von

25.000 bald ein Viertel der Einwohner Jenas aus. Im Lehrprofil knüpfte man an alte

Traditionen an: Etwa in der stark ausdifferenzierten Philosophischen Fakultät, in der auch

scheinbar ,exotische' Gebiete wie Rumänistik, Altorientalistik und Indogermanistik einen

16 Wissenschaft und Forschung am Beispiel der Metropolregion Sachsendreieck, Diplomarbeit der

Autorin an der TU-Dresden 2005

17 vgl. IWH 2004

16


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Platz haben. Daneben sind die Bereiche der Physik, Biowissenschaften sowie die

Psychologie auch für die Region prägend. Die Kompetenznetze der Region, Netzwerke der

Wissenschaft und Wirtschaft spiegeln dieses Bild wider:

- Das Kompetenznetz OPTONET, welches die Interessen von mehr als 60

Industrieunternehmen, Forschungs- und Bildungsinstitutionen sowie Einrichtungen des

Technologietransfers, Kapitalgebern und regionale Institutionen bündelt,

- "ultra optics" - Zentrum für Innovationskompetenz, welches sich auf optische

Forschungen konzentriert,

- Verbund Biomedizinische Forschung (VBMF) vereint biomedizinische Forschergruppen

in Jena sowie

- Das Jena Centre for Bioinformatics (JCB). An diesem sind zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen

der Region beteiligt: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fachhochschule

Jena, Institut für Molekulare Biotechnologie Jena, Leibniz-Institut für Naturstoff-

Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut, Max-Planck-Institut für

Chemische Ökologie, BioControl Jena GmbH, ClonDiag Chip Technologies GmbH,

Jenapharm GmbH & Co. KG.

Kurze Wege und ein eng geknüpftes Forschungsnetzwerk bieten optimale Voraussetzungen

für den Wissenstransfer in der Stadt. Über die Stadtgrenzen hinaus pflegt die Jenaer

Universität einen Hochschulverbund mit Halle und Leipzig und ist in zahlreichen

internationalen Kooperationen aktiv 18 .

Der Hochschulverbund „Die Drei“

Eine der bekanntesten Verbindung zwischen den Wissenschaftseinrichtungen ist der

Universitätsverbund Halle-Jena-Leipzig, den es seit 1994 gibt. Neben vielen Vereinfachungen

(etwa die Anerkennung aller Studienleistungen an den drei Universitäten) bietet

der Verbund eine Plattform für gemeinsame Forschungsprojekte. So gibt es einen

gemeinsamen Sonderforschungsbereich zwischen den Hochschulen Halle und Leipzig auf

dem Gebiet der Biotechnologie. Weiterhin konnten die Universitäten in Jena und Halle einen

Sonderforschungsbereich in der Transformationsforschung und Pharmazie gründen.

Zu seinem 10jährigem Bestehen zog der Verbund über seine Arbeit Bilanz. Es stellt sich

heraus, dass die Potenziale, welche diese Plattform für Mitteldeutschland bietet, noch nicht

in jeder Hinsicht optimal ausgenutzt werden. Zwar konnte man verschiedene Kooperationen

im Bereich der Forschung anstoßen und realisieren, jedoch im Bereich der studentischen

Zusammenarbeit die gesetzten Ziele nicht erreichen.

Dennoch arbeitet man weiter an der Verstetigung der Kooperation vor allem im Bereich der

Internationalisierung, bei der Drittmitteleinwerbung und –betreuung, beim Universitätsmanagement,

wie auch bei der engeren Abstimmung in der Lehre und Weiterbildung 19 .

18 www.uni-jena.de/Geschichte.html, 13.09.2007

19 www.univerbund.de/aktuelles/index.htm, 13.09.2007

17


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.1.3 Regionale Wirtschaft in Sachsen und den benachbarten Regionen

Für die Einordnung der Wissenschaftseinrichtungen in den regionalen Wirtschaftsstandorten

ist es zweckmäßig, einen Überblick über die Konzentration der Branchen zu geben. Dabei

soll sich zunächst auf die drei großen Stadt-Regionen in Sachsen konzentriert werden.

Zu den Kompetenzfeldern der Stadt-Region Dresden zählen:

- Die Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologie,

- Die Neuen Werkstoffe/ Nanotechnologie,

- Life Science/ Biotechnologie 20 .

Die Zweige der ansässigen Industrie sind sehr technologieintensiv. Insbesondere tritt die

Elektronik neben der Datenverarbeitungstechnik, dem Maschinenbau und der chemischen

Industrie hervor. Bereits während der Zeit der DDR wurde Dresden zu einem Standort der

Mikroelektronik ausgebaut und entwickelte sich zu einem führenden Forschungs-,

Entwicklungs- und Produktionszentrum, worauf die neuen Ansiedlungen (z. B. Infineon und

AMD) nach 1989 bauen konnten. Über das Netzwerk Silicon Saxony e.V. haben sich

effektive Kooperationen zwischen den Unternehmen der Region etabliert. Ein weiterer

wichtiger Wirtschaftszweig ist die Medizin- und Messtechnik. Hauptsächlich auf dem Gebiet

der Medizintechnik und der Biomedizin sind Potenziale für eine günstige Entwicklung

vorhanden. Im Zusammenhang mit den Möglichkeiten der chemischen Industrie, speziell der

Pharmaindustrie (als traditionelle Branche), kann sich die Region als Biotechnologiestandort

aufstellen. Im Rahmen der sächsischen Initiative „biosaxony“ forscht und arbeitet das

BioInnovationsZentrum Dresden an Molekular- und Zellbiologie und dessen Integration bzw.

Verknüpfung in anderen Wissenschaften. Als weiterer Schwerpunkt der Wirtschaft kann der

Maschinenbau genannt werden. Darunter zählen der Werkzeugmaschinenbau, Energie- und

Kältetechnikmaschinenbau sowie der Maschinen- und Anlagebau.

Die Wirtschaftsunternehmen der Stadt-Region Leipzig kooperieren im gesamten Raum

Halle/Leipzig miteinander und mit den darin ansässigen Wissenschaftseinrichtungen. Für die

Darstellung des komplexen Geflechts an Kooperationsmöglichkeiten in diesem Ländergrenzenüberschreitenden

Raum sollen neben den Leipziger Wirtschaftsschwerpunkten auch

die der Region Mitteldeutschland bzw. der Stadt Halle Erwähnung finden.

Die Stadt Leipzig hat für ihre Wirtschaftsförderpolitik folgenden Cluster ausgemacht:

- Automobil- und Zulieferindustrie,

- Medien- und Kommunikationstechnik (IT),

- Gesundheit, Biotechnologie und Medizintechnik, Life Science,

- Energie- und Umwelttechnik,

- Querschnittstechnologien und Dienstleistungen 21 .

Im Vergleich dazu sieht das Institut für Wirtschaftsforschung Halle für die Stadt Leipzig und

die Raumordungsregion Westsachsen folgende ökonomische Entwicklungskerne 22 : Druck-

20 www.dresden.de/de/07/c_021.php, 13.09.2007

21 www.leipzig.de, 13.09.2007

18


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

und Verlagsgewerbe, Medienwirtschaft, Unternehmensdienstleistungen, Datenverarbeitung,

Elektrotechnik und Maschinenbau sowie das Bauwesen Westsachsen-Leipzig und die

Medizintechnik-Biomedizin Leipzig-Halle 23 .

Laut eigenen Aussagen bringt die verwaltungseigen Wirtschaftsförderung Halle großes

Engagement auf, die Bedingungen für die dominierenden Wissenschaftszweige zu

begünstigen und somit auch Möglichkeiten für ein Gründerklima in der Stadt zu schaffen.

Neben dem Marketing der Saalestadt als Standort für Biotechnologie, Materialtechnologie,

Werkstoffwissenschaften und Nanotechnologie werden ganz praktische Voraussetzungen für

eine günstige Entwicklung geschaffen. Seit Beginn der 90er Jahre wurde in der Nähe des

naturwissenschaftlichen Campus der MLU, der sich am Rande der Innenstadt befindet, ein

Wissenschafts- und Innovationspark (wip) aufgebaut. Im Umkreis der universitären Institute

siedelten sich weitere Forschungseinrichtungen an, und es wurden Technologie- und

Gründerzentren (TGZ) errichtet. Zunächst stand das TGZ für jede Branche offen; mit dem

Neubau des TGZ II fokussierte man die Ansiedlung von Unternehmen der Bio- und

Medizintechnologie. Das neu entstandene TGZ III steht vornehmlich Gründern aus dem

Bereich der Bio- und Nanotechnologie zur Verfügung.

Vor den Toren der Stadt findet sich nach wie vor die Chemieindustrie. Dazu zählen heute

neben kleineren Unternehmen die Niederlassungen der Konzerne TotalElfFina am

Raffineriestandort Leuna und das amerikanische Unternehmen Dow Chemical. Dieses

konzentriert sich auf die Modernisierung der Chlorchemie, der Errichtung neuer

Produktionsanlagen für weitere Chemiezweige und der weiteren Betreibung verschiedener

etablierter Geschäftsfelder in Schkopau 24 . Laut Statistik werden durch das IWH weitere

Branchen der Region in und um Halle aufgezählt: Die Metallbranche, das Ernährungsgewerbe

und der Fahrzeugbau (z. B. die ansässigen Firma Bombardier Transportation und

das DWA Werk Ammendorf). Auf diesen Gebieten sind aber nur wenige Innovationen

auszumachen. Dem Bereich der Medienwirtschaft im Umfeld der Hörfunkzentrale des

Mitteldeutschen Rundfunks rechnet das IWH Chancen einer erfolgreichen Entwicklung aus.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum MDR-Sitz wurde ein Multi-Media-Zentrum errichtet, in

dem sich innovative Anbieter der Medienbranche ansiedeln sollen.

An dieser Stelle sollte die Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland 25 Erwähnung finden.

Durch die enge wirtschaftliche Verbindung der Region hat man sich in den 1990er Jahren

entschlossen, diese Initiative auf den Weg zu bringen. Mit gezielten Marketingmaßnahmen

und Clusterprozessen ist sie unter anderem beauftragt, die Wirtschaft und Wissenschaftseinrichtungen

zusammenzubringen und die Unternehmen zu unterstützen, für diese

und die Region Marketing zu betreiben. Zunächst fokussierte die Initiative ihre Arbeit auf den

Raum zwischen Halle, Dessau, Leipzig und Jena. Sie ist heute bestrebt im gesamten Gebiet

der drei Bundesländer aktiv zu sein, um die „kritische Masse“ an Unternehmensbestand und

den entsprechenden Wissenschaftseinrichtungen aufzuweisen. Im besagten Clusterprozess

22 Ökonomische Entwicklungskerne: setzen sich zusammen aus der Beurteilung von: regionalen

Branchenschwerpunkte, regionalen Netzwerkbeziehungen, regionale Innovationstätigkeit (gemessen

an Patentanmeldungen)

23 vgl. IWH 2004, S.206

24 vgl. OELKE 1998, S.398

25 www.mitteldeutschland.com, 13.09.2007

19


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

bemüht sich die Initiative Wirtschaftsunternehmen gleicher Branchen aus der Region

zusammenzubringen und dieses so entstehende Netzwerk mit den entsprechenden

Wissenschaftszweigen zu ergänzen. Ziel ist es, damit Innovationen in der Region zu fördern

und auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Bis heute wurden mit

Unterstützung der Wirtschaftsinitiative fünf Cluster für Mitteldeutschland auf den Weg

gebracht. Dabei handelt es sich um die Branchen Automotive, Biotechnologie – Life

Sciences, Chemie/ Kunststoffe sowie Ernährungswirtschaft. 26

Um die wirtschaftliche Entwicklung der Region Chemnitz und Zwickau zu begünstigen,

entschloss man sich zur Gründung einer gemeinsamen Wirtschaftsregion Chemnitz-

Zwickau. Die Region bietet Potentiale in den traditionellen und modernen Industrien. Zu den

besonders technologieintensiven Branchen zählen die Automobilindustrie und der

Maschinenbau. Eine Reihe von Automobilzulieferern hat ihren Sitz in der Region, angezogen

vom VW-Werk in Zwickau. Auf Initiative des Freistaats hat sich die Zulieferindustrie des

Automobilbaus in einer Verbundinitiative „Automobilzulieferer Sachsen“ (AMZ)

zusammengeschlossen und ist als Netzwerk auch über die Grenzen der Region hinaus

erfolgreich tätig. Traditionell sind die Bereiche des Textilgewerbes und der Bekleidungsindustrie.

Insbesondere im Umland von Chemnitz findet man die Standorte der Branche. Hier

konnten sich Textilmarken wie „bruno bannani“ und Unternehmen für die Produktion

technischer Textilien entwickeln 27 .

Die Stadt und die Region setzen für die zukünftige Entwicklung auf Wirtschaftzweige wie

Automobil-, Textil- und die Biotechnologie. Das IWH geht für die Region von folgenden

Ökonomischen Entwicklungskernen aus:

- Textilwirtschaft Mittelsachsen,

- Kraftfahrzeugtechnik Chemnitz-Erzgebirge,

- Maschinenbauwesen Chemnitz-Erzgebirge,

- Bauwesen Chemnitz-Erzgebirge,

- Elektronik Chemnitz-Freiberg 28 .

Prinzipiell sind alle Initiativen und Wirtschaftsförderungen darauf bedacht, die Kooperation

zwischen der Forschung und den Unternehmen zu fördern, um somit neues Wissen zu

generieren und damit Innovationen auf den Weg zu bringen. Für den Erfolg mit

verantwortlich sind auch die Forschungspotenziale der Wirtschaft selber. Laut der aktuellen

Veröffentlichung der Euronorm GmbH, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und

Technologie, erhöhte sich im Jahr 2006 die Anzahl des FuE Personals im Freistaat Sachsen

auf 9.110 Personen, was ein Zuwachs von 5,3 % bedeutet.

Über die zahlenmäßig stärksten Forschungspotenziale verfügen der Maschinenbau, die

Dienstleistungsbranche, Forschung und Entwicklung, die Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik

sowie der Fahrzeugbau. Zwei Drittel der Forscher sind in Unternehmen mit

weniger als 250 Mitarbeitern tätig, was in erster Linie mit der Unternehmensstruktur in

26 www.mitteldeutschland.com/cluster_netzwerke_cluster.html#ziele, 13.09.2007

27 vgl. IWH 2004, S.220

28 vgl. IWH 2004, S. 220 f

20


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Sachsen zusammenhängt. Drei Viertel der Forschung und Entwicklung betreibenden

Unternehmen pflegen im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten Kooperationsbeziehungen zu

Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und weiteren Partnern. Fast ein Drittel ihrer

Umsätze erwirtschaften die FuE-betreibenden Unternehmen durch Exporte 29 . Für die

Forschung und Entwicklung gaben die Unternehmer in Sachsen im Jahr 2006 etwa 1.001

Mio. Euro aus. Das entspricht 23,2 % der ostdeutschen Gesamtausgaben an FuE. 30

Industrieforschungseinrichtungen

Die Statistik Sachsens weist 32 externe Industrieforschungseinrichtungen, darunter 12

gemeinnützige und 20 gewerbliche Einrichtungen, zumeist in Form einer Forschungs-GmbH

auf. 31 Diese arbeiten an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und industrieller

Anwendung. Mit Unterstützung des sächsischen Wirtschaftsministeriums haben sich diese

Einrichtungen zu Kompetenzzentren entwickelt, sind FuE-Unterstützer und innovative Unternehmen

für unterschiedliche wirtschaftliche Sektoren. Zu den wichtigsten Einrichtungen

zählen im Regierungsbezirk Dresden:

- FER-Mont Produktionssysteme GmbH, Dresden

- Gesellschaft für Verpackungstechnik und -logistik mbH, Dresden

- IBN GmbH Gesellschaft für industrielle Forschung und Entwicklung, Dresden

- IMA Dresden Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH, Dresden

- Ingenieurbüro für Verpackung, Dresden

- Institut für Holztechnologie Dresden gGmbH

- Institut für Luft- und Kältetechnik gGmbH, Dresden

- Institut für Medizintechnik Dresden im Förderverein IMT Dresden e.V., Radebeul

- KI Keramik-Institut GmbH, Meißen

- Papiertechnische Stiftung Institut für Zellstoff und Papier, Heidenau

- VAD Video-Audio-Design GmbH, Dresden

- Von Ardenne Anlagentechnik GmbH, Dresden

- Von Ardenne Institut für Angewandte Medizinische Forschung GmbH, Dresden

Im Regierungsbezirk Leipzig:

- Egenolf Prüftechnik Leipzig GmbH

- HFB Engineering GmbH, Leipzig

- IFF Engineering & Consulting GmbH, Leipzig

29

vgl. EURONORM GMBH 2003

30

vgl. EURONORM GMBH 2007

31

www.smwa.sachsen.de/de/Technologie__Forschung/Infrastruktur/17512.html, 14.09.2007

21


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

- IFG Institut für Gebirgsmechanik GmbH Untersuchung-Prüfung-Beratung-Begutachtung,

Leipzig

- IGT emus GmbH Forschung Entwicklung Automatisierung Fertigung, Leipzig

- Institut für Energetik und Umwelt gGmbH, Leipzig

- Institut für Stahlbau Leipzig GmbH

- Kunststoff-Zentrum in Leipzig gGmbH

- SID Sächsisches Institut für die Druckindustrie GmbH Institut des Vereins POLYGRAPH

e.V., Leipzig

- SINUS Messtechnik GmbH, Leipzig

- TZO Technologie-Zentrum Oberflächentechnik und Umweltschutz Leipzig GmbH

Im Regierungsbezirk Chemnitz:

- CETEX Chemnitzer Textilmaschinenentwicklung gGmbH

- Forschungsinstitut für Leder- und Kunststofftechnologie - FILK, Freiberg

- CeWOTec Chemnitzer Werkstoff- und Oberflächentechnik gGmbH

- IBExU Institut für Sicherheitstechnik GmbH, An-Institut an der TU Bergakademie Freiberg

- ifm Institut für Musikinstrumentenbau Vogtländischer Förderverein für

Musikinstrumentenbau und Innovation e.V.

- SLG mbH-Ingenieurtechnik, Chemnitz

- stfi Sächsisches Textilforschungsinstitut e.V., Chemnitz

- H&T Produktionstechnologie, Crimmitschau

- Zentrum für Material- und Umwelttechnik GmbH, Gemeinnütziges Unternehmen im FNE

- Forschungsinstitut für Nichteisen-Metalle Freiberg

Anhand der Aufzählung wird ersichtlich, dass über die Hochschulen hinaus ein spezialisiertes

Angebot an unternehmensbezogenen Forschungseinrichtungen in Sachsen besteht.

22


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.2 Technologiepolitik zur Förderung von Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen

Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen können grundsätzlich auf zwei Arten entstehen:

Entweder „von unten“ durch direkte Kontakte zwischen Akteuren beider Bereiche oder durch

Initiierung und Förderung von administrativen übergeordneten Ebenen (EU, Bund, Land). Je

nach Ursprung können die Inhalte der Zusammenarbeit variieren. So werden „von unten“

gewachsene Kooperationen maßgeblich von den individuellen Interessen der beteiligten

Akteure bestimmt. Durch übergeordnete Ebenen initiierte Kooperationen dienen hingegen

primär der Verwirklichung politischer Ziele.

Im Hinblick auf die Beschäftigung mit Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen und ihrer

Bedeutung für die Regionalentwicklung ist insbesondere der zweite Fall von Interesse. In

diesem können Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen einen Ansatz zur Verbesserung der

regionalen Wettbewerbsfähigkeit und zur Schaffung von Arbeitsplätzen darstellen. Es ist

darauf hinzuweisen, dass bei der Initiierung von Kooperationen durch Dritte diesen eine

große Schubkraft zu Teil wird, jedoch die Langfristigkeit der Verbindungen vom Engagement

und den Möglichkeiten der Kooperationspartner abhängt.

Im Folgenden wird eine kurze Darstellung der staatlichen Technologiepolitik eingeschoben,

bevor anschließend die inhaltlichen Schwerpunkte von Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperationen im Freistaat Sachsen und dem angrenzenden Betrachtungsgebiet beschrieben

werden.

Staatliche Technologiepolitik

Aufgabe der staatlichen Technologiepolitik 32 ist es, Forschung und Entwicklung zu fördern

und die Anwendung neuer Techniken in der Wirtschaft zu unterstützen, vor allem dann,

wenn Neuerungen für den Markt weniger rentabel erscheinen. Technologiepolitik ist somit

eine Querschnittsaufgabe, in der traditionelle Politikbereiche wie die Wirtschafts-, Industrie-

und Forschungspolitik verschmelzen. Neben dem eigentlichen Entstehungsprozess neuer

Techniken, ergänzt durch Technologietransfer und die Unterstützung der Diffusion dieser

Techniken hat sich seit einigen Jahren der Blick auf das Innovationsumfeld erweitert. 33

Dieses schließt unter anderem die Organisation der Produktion, die Qualifikation der

Beschäftigten, Aus- und Weiterbildung, Wagniskapital, aber auch die enge Verbindung von

gesellschaftlichen Problemen (z. B. Verkehr, Gesundheit, Umwelt) sowie technische,

organisatorische und soziale Innovationen ein.

Trotz der europäischen Förderung hat in Deutschland immer noch die nationalstaatliche

Innovationspolitik den größten Einfluss. Die Bundesländer ergänzen die Maßnahmen der

Bundesregierung und passen ihre Fördermaßnahmen den Innovationsengpässen an. 34

32 Die Begriffe „Technologiepolitik“, „Forschungspolitik“ und „Innovationspolitik“ werden teilweise

synonym verwendet.

33 vgl. MEYER-KRAHMER 2005, S.13

34 vgl. KOSCHATZKY 2001, S.310

23


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Abb. 3: Innovationsförderung des Bundes und der Länder

Quelle: KOSCHATZKY und LO 2005 in: SCHMALHOLZ 2005, S.20

Die Innovations- bzw. Technologieförderung des Bundes zielt auf drei Schwerpunkte: Die

Stärkung der industriellen Forschungsleistung, die Vernetzung von Wirtschaft und

Wissenschaft sowie die Unterstützung innovativer Unternehmen, von Existenzgründungen

und des Zugangs zum Kapitalmarkt (vgl. Abb. 3). Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen

stehen somit im Fokus der staatlichen Innovationspolitik. Dies wird durch die Anzahl der

entsprechenden Förderprogramme unterstrichen. Die Unterstützung von regionalen

Netzwerken in Ostdeutschland besitzt dabei einen besonderen Stellenwert. In diesem

Zusammenhang ist insbesondere die Innovationsinitiative „Unternehmen Region“ des BMBF

hervorzuheben, zu der bis 2006 auch das Einzelprogramm „InnoRegio“ gehörte. Derzeit

weißt das Programm fünf unterschiedliche Einzelförderungen aus, denen allen gemein ist:

Regionen mit wettbewerbsfähigen Profilen für Wirtschaft und Wissenschaft zu entwickeln,

attraktive Entwicklungschancen für einen talentierten wissenschaftlichen Nachwuchs zu

24


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

schaffen, die Abwanderung junger Fachkräfte stoppen und erfolgreiche Gründungen

innovativer Unternehmen zu forcieren. 35

Die Grundzüge der sächsischen Technologiepolitik sind in den „Leitlinien zur

Technologiepolitik“ (SMWA 1992) festgelegt. Abgesehen von graduellen Anpassungen sind

die aus dem Jahr 1992 stammenden Leitlinien bis heute gültig.

Anfang der 1990er Jahre stand das technologiepolitische Handeln der sächsischen

Staatsregierung im Zeichen einer Erneuerung der Hochschulen und des Wissenschaftssystems.

Diese Modernisierung wurde in relativ kurzer Zeit vollzogen. Da es jedoch nicht

gelang, eine breite sich selbst tragende Wirtschaftsstruktur aufzubauen, verschob sich in den

folgenden Jahren der Schwerpunkt auf die Unternehmensförderung. Dennoch bestand von

Anfang an die enge Verknüpfung zwischen der Forschung in zukunftsrelevanten

Forschungsschwerpunkten, dem Technologietransfer und der offensiven Nutzung neuer

Technologien durch kleine und mittlere Unternehmen.

Dieser Paradigmenwechsel kommt in der Neuausrichtung des Förderschwerpunktes zum

Ausdruck: Während Anfang der 1990er Jahre die Unterstützung von Forschungs-GmbH im

Mittelpunkt stand, sind in der Zwischenzeit einzelbetriebliche Projekte und die Verbundförderung

in den Vordergrund getreten. Ihre Finanzierungsanteile betrugen 2004 zusammen

62 % gegenüber 27 % im Jahr 1992. 36

Die Leitlinien (siehe Abb. 4) definieren die technologiepolitischen Ziele für den Freistaat

Sachsen. Das übergeordnete Ziel der sächsischen Technologiepolitik ist die Steigerung der

Wachstumsdynamik im Freistaat. Hierzu sollen die Leistungsfähigkeit und Wettbewerbskraft

der Wirtschaftsunternehmen gestärkt, zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen und die

Anziehungskraft Sachsens als Wirtschaftsstandort für in- und ausländische Investoren

erhöht werden.

Die Umsetzung dieses Zielsystems erfolgt durch ein Strategiebündel, bestehend aus der

Festlegung primärer Schlüsseltechnologien, der effizienten Gestaltung der FuE-Infrastruktur

sowie der Erschließung bzw. Steigerung der Innovationsfähigkeit kleiner und mittlerer

Unternehmen.

Von der Konzentration der Förderung auf die Schlüsseltechnologien erhofft sich das

sächsische Wirtschaftsministerium eine größere Effizienz. Gleichzeitig sollen daraus

Impulswirkungen auf die sächsische Wirtschaft insgesamt entstehen. Mit Hilfe von

Förderprogrammen wird die Umsetzung von einzelnen Maßnahmen unterstützt. Hierbei

gelten das Subsidiaritätsprinzip und der Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe.

Insbesondere die Branchen der Biotechnologie, der Nanotechnologie und der Informations-,

Kommunikations- und Medientechnologie (IKM) 37 werden als Technologiebereiche mit

besonderem Entwicklungsbedarf ausgewiesen. Hier betreibt der Freistaat gezielte

Förderung.

35 www.unternehmen-region.de/de/54.php, 14.09.2007

36 vgl. SCHMALHOLZ 2005, S.23

37 www.smwa.sachsen.de/de/Technologie__Forschung, 14.09.2007

25


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Abb. 4: Ziellogik der Leitlinien sächsischer Technologiepolitik

Quelle: RIEDEL 2003, S.148 in: SCHMALHOLZ 2005, S.21

Am Beispiel der Biotechnologiebranche soll die sächsische Technologiepolitik im Kapitel

2.3.3 erläutert werden. Dieser Bereich eignet sich zudem für die Beschäftigung mit Kooperationen

zwischen Wissenschafts- und Wirtschaftseinrichtungen.

Ebenfalls wie in den Kapiteln zuvor, geht an dieser Stelle der Blick über die Landesgrenzen,

da die Verbindungen der Wissenschaft als auch der Wirtschaft von Sachsen nach Sachsen-

Anhalt und nach Thüringen von Bedeutung sind.

Das Land Sachsen-Anhalt beteiligt sich finanziell an einzelnen Technologieprojekten,

unterstützt aber auch den Technologietransfer durch die Bereitstellung von Infrastrukturen,

wie Technologiezentren oder auch den Aufbau von Datenbanken. Mit der Unterstützung im

Aufbau so genannter Innovationsnetze, welche sich nach eigenen Angaben immer mehr zu

Kompetenzzentren entwickeln, hat die Landespolitik einen Weg gefunden, die typischen

Nachteile der kleinen und mittleren Unternehmen auszugleichen und gleichzeitig die

26


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Möglichkeit zu schaffen, unterschiedliche Kapazitäten in einem Innovationsfeld zu bündeln. 38

Daneben spielen die Netzwerkinitiativen des Bundes eine wichtige Rolle. So konnten mit

dem Bundeswettbewerb InnoRegio fünf Netzwerke/ Initiativen unterstützt werden. Darunter

waren die Branchen der:

- Pflanzenbiotechnologie,

- Phytopharmaka/ Nahrungsmittelergänzungsmittel,

- Naturstoff Innovationsnetzwerk,

- Automotive - Automobilzulieferer,

- Neuromedizintechnik. 39

Die Thüringer Forschungs- und Technologiepolitik konzentriert sich auf die Schlüsseltechnologien

der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik, Informations- und Kommunikationstechnik,

neue Werkstoffe so wie Optik und Optoelektronik. Die Politik weist zudem Wachstumsfelder

der Produktions- und Verfahrenstechnik, Mikrosystemtechnik, Biotechnologie und

Softwaretechnologie auf. Der Freistaat Thüringen begleitet den Technologietransfer insofern,

als dass er die Schaffung und Sicherung einer international konkurrenzfähigen Hochschul-

und Forschungsinfrastruktur unterstützt, die Zusammenarbeit von KMU und

wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen im Rahmen von Verbundvorhaben fördert und

– ebenfalls wie es in Sachsen-Anhalt üblich ist – einzelbetriebliche Förderung von Forschung

und Entwicklung vorsieht.

Großes Gewicht misst die Landesregierung auch der gezielten Unterstützung technologieorientierter

und wissensbasierter Unternehmensgründungen bei. So wurde 2002 die aus der

EXIST-Initiative des BMBF erfolgreich hervorgegangene thüringer Existenzgründerinitiative

GET UP mit der thüringer Existenzgründerinitiative THEI zur „GET UP Thüringer Existenzgründer

Initiative“ zusammengeführt. Damit wird eine umfassende und nachhaltige Existenzgründerbetreuung

an allen Hochschulstandorten Thüringens aus einer Hand angeboten. Das

Existenzgründungsklima in Thüringen soll somit weiter verbessert und an den thüringer

Hochschulen eine „Kultur der unternehmerischen Selbstständigkeit“ etabliert werden. 40

38 www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=582, 14.09.2007

39 www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=pggo0ebi393j, 14.09.2007

40 www.thueringen.de/imperia/md/content/tkm/forschung, 14.09.2007

27


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.3 Öffentliche Programme zur Innovationsförderung

Anhand der bisherigen Ausführungen wurde bereits ersichtlich, dass zahlreiche Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen

durch externe Anreize bzw. Impulsgeber entstanden sind. In

diesem Kapitel wird daher die Bedeutung von öffentlichen Programmen für die Innovationsförderung

behandelt. Hierzu wird zunächst der Einfluss von Bundesprogrammen am Beispiel

der bereits zuvor erwähnten Initiative „Unternehmen Region“ verdeutlicht, bevor der Bezug

zur sächsischen Technologiepolitik vorgenommen wird.

2.3.1 Bundesprogramme zur Innovationsförderung

Das InnoRegio-Programm des Bundesforschungsministeriums spielt in Bezug auf die

Verknüpfung von technologiepolitischen und regionalpolitischen Zielen eine herausragende

Rolle. So ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln die

Bildung von regionalen Netzwerken.

Mit der InnoRegio-Initiative leitete das Bundesforschungsministerium Ende der 1990er Jahre

eine neue Phase der Innovationspolitik in Ostdeutschland ein. Über die Förderung von

regionalen Netzwerken sollen die vorhandenen Potenziale genutzt und für eine positive

wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt werden. Dieses Konzept konnte schnell erste Erfolge

vorweisen, so dass in der Zwischenzeit eine Reihe von Folgeprogrammen (auch durch

andere Bundesministerien) aufgelegt wurde, die die Grundidee von InnoRegio aufgegriffen

und weitergeführt haben. InnoRegio selbst wurde mit weiteren BMBF-Initiativen zur

Programmfamilie „Unternehmen Region“ zusammengefasst (BMBF 2004b) 41

„Unternehmen Region“ besteht aus den Programmlinien (vgl. Abb. 5):

− InnoRegio (1999-2006),

− Innovative regionale Wachstumskerne (seit 2001), mit Modul WK Potenzial (seit 2007),

− Zentren für Innovationskompetenz (seit 2002),

− Innovationsforen (seit 2001),

− ForMaT (seit 2007)

− InnoProfile (seit 2005).

Die Programme haben die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die Profilierung von

Regionen, die Gründung innovativer Unternehmen, die Reduzierung der Abwanderung

junger Arbeitskräfte und die Schaffung von attraktiven Entwicklungsmöglichkeiten für

Nachwuchswissenschaftler zum Ziel. Hierfür standen im Zeitraum 1999 bis 2007 über 500

Mio. Euro zur Verfügung.

41 www.unternehmen-region.de/en, 14.09.2007

28


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Abb. 5: Unternehmen Region – InnoRegio

Quelle: www.unternehmen-region.de, 14.09.2007

Alle Programme vertreten die Grundsätze der BMBF-Innovationsförderung und damit von

"Unternehmen Region": Querdenken, kooperieren, strategisch planen und unternehmerisch

handeln. Der Anspruch der Programme basiert auf der Erkenntnis, dass die innovativsten

Produkte und Verfahren fast ausnahmslos das Ergebnis hoch spezialisierten und sich

ergänzenden Wissens sind, das aus vielen Quellen, Köpfen und Organisationen

unterschiedlichster Herkunft und Ausrichtung stammt. Diese Erkenntnis ist bei "Unternehmen

Region" eng mit einem unternehmerischen Ansatz verknüpft. 42

InnoRegio-Programm

Am Beispiel der InnoRegio-Initiative werden im Folgenden die Programmstruktur und die

Arbeitsweise dieser Netzwerkprogramme erläutert.

InnoRegio zielt auf die Erschließung von Innovationspotenzialen, um auf diesem Wege die

Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland nachhaltig zu

verbessern. Die Grundlage hierfür bilden regionale Innovationsnetzwerke („InnoRegios“), in

denen die wichtigsten regionalen Akteure vereint sind. 43

42 www.unternehmen-region.de/de/36.php, 14.09.2007

43 vgl. BMBF 1999

29


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Die Förderrichtlinie des Wettbewerbs wurde bewusst offen gehalten. Weder wurden spezielle

Akteursgruppen angesprochen noch Vorgaben hinsichtlich der räumlichen Abgrenzung oder

Organisation der Region gemacht. Die Regionsabgrenzung sollte anhand räumlicher und

funktionaler Zusammenhänge erfolgen; ganze Bundesländer waren ausdrücklich keine

Region im Sinne von InnoRegio.

Angestrebt wurden somit Netzwerke, in denen sich unterschiedliche Personen und

Einrichtungen (vgl. beispielsweise die Darstellung des BioMeT-Netzwerks in Kap. 2.3.3) mit

dem Ziel zusammenschließen, technische, wirtschaftliche und soziale Neuerungen zu

entwickeln. Hierzu wurden zunächst die bestehenden Innovationshemmnisse ergründet, um

Ansätze für deren Abbau zu identifizieren.

Voraussetzung für die Förderung war die Selbstorganisation der Regionen. Die Hauptanreize

für die Teilnehmer waren dabei:

− der Imagegewinn als innovative Region,

− die Bildung strategischer Allianzen in regional bedeutsamen Wirtschaftsbereichen und

− ein Gesamtfördervolumen von ca. 250 Mio. Euro.

InnoRegio ist kein Programm, das auf eine dauerhafte Förderung angelegt ist; es setzt

vielmehr auf die Unterstützung selbsttragender Eigeninitiativen „vor Ort“ (BMBF 2000). Dies

bedeutet, dass InnoRegio als Impuls verstanden wird, die in den Regionen vorhandenen

Potenziale für innovative Ideen und Konzepte zu nutzen, um auf diesem Wege eine positive

regionale Entwicklung einzuleiten und zu befördern.

Im Rahmen des InnoRegio-Programms wurden bis Ende 2006 insgesamt 23 InnoRegio-

Netzwerke gefördert, die in einem zweistufigen Verfahren ausgewählt wurden (vgl. Abb.10).

In der „Qualifizierungsphase“ (April bis Oktober 1999) konnten sich interessierte Regionen

für eine Teilnahme im Wettbewerb bewerben. Von den eingereichten 444 Anträgen wurden

durch eine Jury 25 Initiativen (InnoRegios) ausgewählt. Diese 25 InnoRegios hatten in der

von November 1999 bis Oktober 2000 dauernden „Entwicklungsphase“ die Möglichkeit, die

regionalen Netzwerkstrukturen zu erweitern und zu stabilisieren sowie ihre Konzepte zu

konkretisieren. Dabei mussten sie sich mit ihren weiter entwickelten Förderkonzepten erneut

der Jury stellen. 23 InnoRegios konnten die Jury mit ihren Konzepten überzeugen. Für die

Umsetzung ihrer Konzepte und Projekte erhalten sie finanzielle Unterstützungen in Höhe von

vier bis zwanzig Mio. Euro. Es handelte sich um ein breites Spektrum regionaler Netzwerke

von privat getragenen Unternehmensnetzwerken bis hin zu öffentlich getragenen

Politiknetzwerken.

Abb. 6: Phasen der Umsetzung des Programms InnoRegio

Quelle: BMBF 2005, S.12

30


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Hervorzuheben ist, dass im Rahmen von InnoRegio ausschließlich die Umsetzung von

vorwettbewerblichen Maßnahmen und Projekten unterstützt wird (vgl. Förderrichtlinie Punkt

2 Abs. 4), das heißt Vorhaben

− zum Informationsaustausch über Innovationsmöglichkeiten und die Profilierung der

Region,

− zum Auf- und Ausbau regionaler Innovationsnetzwerke und Kommunikationsplattformen,

− zur Begleitung von Innovationsprozessen in der Region,

− zur vorwettbewerblichen Forschung und Entwicklung für neue Produkte,

Fertigungsverfahren und Dienstleistungen,

− zur Adaption der Aus- und Weiterbildung sowie des Forschungsprofils an die speziellen

Bedürfnisse der Region,

− zur Erstellung von Konzepten für die Entwicklung einer Innovationsprozesse

begünstigenden Personalstruktur in den Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen

der Region,

− zur Entwicklung und Umsetzung einer Strategie für das Regionalmarketing sowie

− zur Entwicklung innovativer Kooperations-, Transfer- und Kommunikationsmodelle

zwischen Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Region.

Nicht förderungsfähig waren somit investive Maßnahmen; hier mussten die InnoRegios auf

alternative Fördermöglichkeiten zurückgreifen.

Der überwiegende Teil der Vorhaben (63 %) wurde von Unternehmen getragen. Institute an

Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen bearbeiteten 15 % bzw. 8 % der

Vorhaben, sonstige Einrichtungen (Vereine, andere gemeinnützige Einrichtungen usw.)

13 %. 44

2.3.2 Netzwerkstrategie der sächsischen Staatsregierung

Die Verwirklichung der technologiepolitischen Ziele (siehe oben) wird auf der Maßnahmenebene

durch institutionelle und Projektförderungen unterstützt. Gefördert werden sowohl

Einzel- als auch Verbundprojekte. Die Unterstützung von Netzwerken – einerseits zwischen

Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette, andererseits zwischen Akteuren

unterschiedlicher Bereiche (z. B. zwischen Unternehmen und Hochschulen) – ist ein

wesentliches Element der sächsischen Technologiepolitik.

Die Netzwerkförderung ist ein grundlegendes Merkmal verschiedener Politikfelder im

Freistaat. Innerhalb der Staatsregierung bedienen sich unterschiedliche Referate des

Netzwerkinstruments, um ihre spezifischen Ziele und Zielgruppen zu erreichen. So unter

anderem: die Industrie-, die Mittelstands- und die Technologiepolitik, aber auch die Aus- und

Weiterbildung. Zudem werden Netzwerke zu regionalpolitischen Zwecken eingesetzt. Eine

übergreifende Zielstellung für die Netzwerkförderung in Sachsen liegt jedoch nicht vor. Jedes

Politikfeld definiert spezifische Schwerpunkte, so dass sich auch das zugrunde liegende

44 BMBF 2005, S. 6

31


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Netzwerk-Verständnis unterscheidet und die Instrumente der Netzwerkförderung variieren.

Im Folgenden wird die Netzwerkstrategie in einigen Politikfeldern vorgestellt.

Die sächsische Mittelstandspolitik bedient sich der Netzwerkförderung, um größenbedingte

Nachteile insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen auszugleichen. Die

Unternehmensstruktur in Sachsen wird zu 99 % von KMU bestimmt, die aufgrund ihrer

Kapazitäten Wettbewerbsnachteile aufweisen. Diese Nachteile sollen durch Netzwerke und

Kooperationen überwunden werden.

Neben dem Einstieg in bestehende Märkte sollen KMU-Netzwerken dazu beitragen,

„Zukunftsmärkte und -technologien von hervorgehobener Bedeutung“ zu erschließen. Denn

in kleinen Unternehmen fehlt es zumeist sowohl an personellen als auch an finanziellen

Möglichkeiten für eigene Forschung und Entwicklung. KMU sind daher in besonderem Maße

auf einen „funktionierenden Technologietransfer und die Zusammenarbeit mit leistungsfähigen

externen Forschungseinrichtungen“ angewiesen. 45

Der Ansatz der Verbundinitiativen (siehe oben) in der Industriepolitik (z. B. Automobilzulieferer

Sachsen AMZ) unterstützt in erster Linie die Gründungs- und Entwicklungsphase

von Netzwerken. Die beteiligten Unternehmen erhalten durch den Projektträger der

Verbundinitiative zunächst auf strategischer Ebene Unterstützung bei der Netzwerkbildung

und -entwicklung. Sobald sich die Kooperationspartner gefunden und zusammengeschlossen

haben, und es um operationelle Kooperations- und Netzwerkarbeit geht, zieht

sich der Projektträger zurück. Die weitere Unterstützung erfolgt im Rahmen der

Mittelstandsrichtlinie, der Verbundprojektförderung oder anderer Förderprogramme.

Die öffentliche Förderung zielt somit auf branchenspezifische Verbünde. Im Vordergrund

stehen insbesondere Netzwerke, die durch ihre strategische Ausrichtung (insbesondere

Zukunftsbranchen) und Langfristigkeit gekennzeichnet sind. Dennoch gibt es entsprechend

der unterschiedlichen Ausrichtung spezifische Zielsetzungen, die mit der Netzwerkförderung

von den jeweiligen Referaten im SMWA verfolgt werden.

Während in der Mittelstands- und Industriepolitik in erster Linie branchenspezifische

Netzwerke gefördert werden, spielt die Kooperation von FuE-Verbundvorhaben mit

Forschungseinrichtungen in der technologiepolitischen Förderung eine zentrale Rolle.

Aufgrund der sächsischen Situation mit dem hohen Besatz an kleinen Unternehmen wird seit

1992 auf Verbundprojekte von Unternehmen mit Forschungseinrichtungen zum Technologietransfer

gesetzt (vgl. Abb. 7). Entsprechend der Förderrichtlinie des SMWA zur FuE-

Verbundförderung 46 soll damit ein Anreiz zur Entwicklung neuer oder neuartiger Produkte

und Verfahren geschaffen werden, indem das häufig überdurchschnittlich hohe wirtschaftliche

und technische Risiko der Entwicklung gemindert wird. Diese Verbünde sollen zielgerichtetes

und arbeitsteiliges Zusammenwirken der Partner ermöglichen, damit verfügbares

Forschungs- und Entwicklungspotenzial effektiv ausgeschöpft werden kann, der Technologietransfer

verbessert und eine problemorientierte Forschung und Entwicklung sichergestellt

wird.

45 SMWA 2003

46 Förderrichtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Gewährung

von Zuwendungen für innovative technologieorientierte Verbundprojekte auf dem Gebiet der

Zukunftstechnologien im Freistaat Sachsen (FuE-Verbundprojektförderung) vom 7. Februar 2001.

32


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Die Netzwerkförderung zielt auf die Herausbildung langfristig orientierter Netzwerke. Es

werden daher auch FuE-Vorhaben größerer, als Kristallisationskerne in der

Forschungsinfrastruktur fungierender Unternehmen gefördert. Seit Beginn der FuE-

Förderung wurden für 1.043 Einzelprojekte insgesamt 439 Mio. Euro und für 579 Verbundprojekte

insgesamt 316 Mio. Euro bereitgestellt (BMBF 2004a).

Abb. 7: Art der Netzwerkmitglieder

Quelle: ISI, TOP 2004, S.97

Das Konzept der branchenbezogenen Schlüsseltechnologien wird zunehmend durch die

projektspezifische Bündelung von Technologien und unternehmerischen Funktionsbereichen

ersetzt. Das sächsische Wirtschaftsministerium fungiert dabei als Initiator, Finanzier und

Moderator der Prozesse. Es übernimmt damit nicht selten eine Steuerungsfunktion, auch

wenn es diese (teilweise oder später) an nachgelagerte Einrichtungen überträgt. Beispiele

hierfür sind die Biotechnologie-Offensive Sachsen, das Netzwerk BioMeT Dresden, die

BioPolis Dresden, Silicon Saxony oder das Innovationsnetzwerk Textil e.V. 47

Die Förderung von Netzwerken gehört mittlerweile zu den zentralen Elementen der

Technologieförderung im Freistaat Sachsen. Dieser liegen Erkenntnisse der neueren

wirtschaftsgeographischen Forschung zugrunde. Demnach besteht der große Vorteil von

Netzwerken darin, Akteure aus unterschiedlichen Bereichen (Wirtschaft, Wissenschaft,

Forschung, Verwaltung, Politik) vergleichsweise einfach zusammenzuführen, um

gemeinsame Ziele zu erreichen. Ein Kennzeichen von Netzwerken ist, dass die beteiligten

Akteure ihr spezifisches Know-How einbringen, aus denen Innovationen entstehen können.

Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist eine Vertrauensbasis zwischen den Akteuren.

Vertrauen entsteht nicht von Heute auf Morgen, sondern benötigt Zeit. Deshalb sollte die

Entstehung von Netzwerken als ein längerer Prozess aufgefasst werden. Hat sich ein

Vertrauensverhältnis erst einmal herausgebildet, bieten Netzwerke weitere Potenziale, aus

denen sich neue zusätzliche Ideen entwickeln können.

Die politischen Verantwortlichen sollten sich dies bewusst machen. Häufig werden

Netzwerke als „Allheilmittel“ für die Regionalentwicklung angesehen. Netzwerke lassen sich

jedoch nicht aus dem „Nichts“ fördern. Sie müssen aus sich selbst heraus entstehen. Die

47 vgl. SCHMALHOLZ 2005, S.25

33


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Rolle staatlicher Akteure besteht in diesem Prozess darin, die geeigneten Rahmenbedingungen

und Anreize für die Entstehung von Netzwerken zu schaffen.

Eine Studie der TU Chemnitz zu KMU-Netzwerken in Sachsen hat als Erfolgspotenziale

identifiziert:

− Gemeinsame Interessenvertretung und neue Kontakte durch Aufbau von Beziehungen

und Verbindungen zu neuen Geschäftspartnern, Kunden, sonstigen Persönlichkeiten,

− Kapazitäts- und Kompetenzerweiterung durch die Anzahl und das Know-How der

Netzwerkpartner, damit unmittelbare positive Auswirkungen auf die betriebswirtschaftlichen

Ergebnisse der Netzwerkpartner,

− Nutzung der Vorzüge durch Arbeitsteilung und Spezialisierung, indem sich auf jeweils

betriebswirtschaftlich attraktive Kerngeschäfte konzentriert wird,

− Vergrößerung des unternehmerischen Wirkungsbereiches durch regionale, Bundesland

übergreifende und transnationale sowie branchenübergreifende Netzwerke, damit

unmittelbar positive Auswirkungen auf die Erweiterung von Markt und Absatz,

− Einbeziehung von Forschungseinrichtungen in KMU-Netzwerke zur Stärkung der

Innovationskraft, unter anderem bei der Personal-, Produkt-, Technologie- und

Organisationsentwicklung der Netzwerkpartner,

− Erhöhung der Marketingpräsenz durch Nutzung moderner Informations-,

Kommunikations- und Multimediatechnologien,

− Anwendung neuer Formen des Wissensmanagements im Netzwerk. 48

Insbesondere die Bedeutung der Einbeziehung von Forschungs- sowie von Aus- und

Weiterbildungseinrichtungen und Schulen in die Netzwerke wird hervorgehoben. Dadurch

wird ein enger Bezug zum Forschungsbereich und zur beruflichen Weiterbildung hergestellt.

Sowohl für die Netzwerkstrategie im Freistaat Sachsen als auch die Bundesprogramme zur

Innovationsförderung kann zusammenfassend festgehalten werden, dass seit einigen Jahren

ein Paradigmenwechsel in der Förderpolitik stattgefunden hat. Im Fokus der Förderpolitik

stehen der Aufbau und die Entwicklung von (regionalen) Netzwerken. In diesen Netzwerken

sollen sich Akteure aus Unternehmen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Politik,

Verwaltung, Vereinen und Verbänden sowie der Sozialpartner zusammenschließen und

gemeinsam innovative Entwicklungskonzepte entwickeln. Die für die Generierung von

Innovationen wichtigen Voraussetzungen wie Motivation, Kreativität und Kompetenz können

sich in enger Zusammenarbeit unterschiedlichster Akteure besonders gut entfalten. Vor

allem die regionale Ebene ist für solche Zusammenschlüsse von Akteuren geeignet, da hier

ein schneller und effektiver Informationsaustausch sowie gemeinsames Lernen möglich sind.

Ein weiteres Novum der Innovationsförderung auf Bundesebene ist, dass die Auswahl der zu

fördernden Regionen in einem mehrstufigen Verfahren erfolgt. Dies gilt im Übrigen für

sämtliche fünf Subprogramme des Programms „Unternehmen Region“, - wird darüber hinaus

auch in Programmen anderer Bundesministerien ähnlich angewendet. Regionen, die eine

Förderung erhalten möchten, müssen sich mit ihren Konzepten „bewerben“ und eine Jury

überzeugen.

48 TU CHEMNITZ 2002, S.7f

34


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Dieses Wettbewerbsverfahren hat zu einem Paradigmenwechsel in der bundesdeutschen

Innovationsförderung geführt. Es wird nicht mehr jede Region, jede Initiative gefördert.

Vielmehr erfolgt eine Konzentration auf die überzeugendsten Konzepte und erfolgreichsten

Regionen. Auch wenn dieses Vorgehen durchaus Erfolge zeigt, und von Experten

befürwortet wird, so besteht aus regionalpolitischer Hinsicht die Gefahr, dass dadurch ein

weiteres Auseinanderdriften einzelner Regionen zu befürchten ist. Es zeigt sich, dass einige

Regionen erfolgreicher im Hinblick auf die Teilnahme in diesen Wettbewerben sind als

andere. Dies hängt nicht zuletzt vom Vorhandensein qualifizierter Akteure ab, die die

Wettbewerbsanforderungen am besten bewältigen können.

2.3.3 KMU, Innovation, Territorium

Die Unternehmensstruktur Sachsens ist durch kleine und mittelständische Unternehmen

(KMU) 49 geprägt. So sind 99,7 % der 145.561 sächsischen Unternehmen dieser Kategorie

zuzurechnen, wovon wiederum 128.471 Kleinstunternehmen weniger als zehn Beschäftigten

besitzen. 14.019 Unternehmen haben 10 bis 49, 2.651 Unternehmen 50 bis 249

Mitarbeiter. 50

KMU bilden somit das „Rückgrat“ der sächsischen Wirtschaft. Ökonomisches Wachstum und

Beschäftigung beruhen zu einem Großteil auf diesen Unternehmen. Gleichzeitig besitzen

diese Unternehmen, insbesondere jene mit weniger als zehn Mitarbeitern, aufgrund ihrer

beschränkten personellen und finanziellen Ressourcen einen strategischen Nachteil auf dem

Markt. Dies bezieht sich vor allem auf den Zugang zu FuE-Ergebnissen.

Von Seiten des SMWA wurde die Bedeutung der Einbindung von KMU in Netzwerken

erkannt: „[…] Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) müssen deshalb ihre Kräfte in

Kooperationen und Netzwerken bündeln. Dem einzelnen Unternehmen eröffnen sich durch

unternehmensübergreifende Zusammenarbeit interessante Perspektiven, wie Ressourcenbündelung

sowie daraus resultierende stärkere Marktmacht bis hin zur Erschließung neuer

Märkte. […]“ 51 . Zielgruppe der Netzwerkförderung sind daher vor allem kleine und mittlere

produzierende Unternehmen und Dienstleister, die mit der industriellen Produktion

verbunden sind, sowie relevante Forschungseinrichtungen. Ziel ist es, die FuE-Förderung

auf KMU zu konzentrieren, da Großunternehmen mit ausgeprägter FuE – von wenigen

Ausnahmen abgesehen – fehlen.

Neben der „Masse“ der KMU gibt es aber auch so genannte „Leuchttürme“ wie

beispielsweise AMD, Infineon, VW oder BMW, die den Ruf Sachsens als dynamische und

erfolgreiche Wirtschaftsregion im nationalen und internationalen Kontext begründen. Von

diesen großen Unternehmen geht eine „Sogwirkung“ auf die regionale Wirtschaft aus. Sie

bilden die Kristallisationskerne für zahlreiche Zulieferbetriebe.

Am Beispiel der Automobilindustrie in Sachsen lässt sich dies verdeutlichen (vgl. Abb. 5): Die

Automobil- und KfZ-Zulieferindustrie beschäftigt in Sachsen ca. 60.000 Personen in rund 450

49 According to the classification of the EU Commission companies with up to 250 employees and a

maximum annual turnover of about 50 million euros are considered small and medium-sized

enterprises.

50 vgl. SMWA 2004, S.61-62

51 www.sachsen.de/de/wu/smwa/wirtschaft/industrie/netzwerke/index.html, 14.12.2005

35


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Unternehmen. Allein die Volkswagen AG zählt an ihren Standorten Zwickau, Chemnitz und

Dresden heute rund 7.300 Mitarbeiter, die direkt für den Konzern tätig sind. In dem neuen

Werk von BMW in Leipzig sind rund 5.500 Arbeitsplätze entstanden, in etwa dieselbe Zahl

soll noch einmal durch Zulieferer im Umfeld entstanden sein. 52

Das Sächsische Wirtschaftsministerium unterstützt seit 1999 die Verbundinitiative Automobilzulieferer

Sachsen, die die Entstehung und Weiterentwicklung von Netzwerken in der

Automobilindustrie zum Ziel hat. AMZ soll dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der

sächsischen Automobilindustrie zu erhöhen und die zahlreichen Dienstleister zu stärken.

Aufgabe der ersten Phase bis Ende 2002 war es, durch die Bildung von Netzwerken

Innovationen in Produkt und Prozess zu erzielen. Im Zeitraum 1999 bis 2002 wurden

insgesamt 87 Projekte mit 307 beteiligten Unternehmen initiiert und begleitet. Dadurch

gelang es, die Zahl der Beschäftigten auf mehr als 60.000 zu erhöhen und ein Umsatzplus

von 1,9 Mrd. Euro bei den Zulieferern zu erzielen. Die zweite Phase bis 2006 sollte dazu

beitragen, die vorhandenen Kompetenzen in strategischen Entwicklungsfeldern zu

verknüpfen. Als Schwerpunkte der weiteren Netzwerkentwicklung werden Innovation,

Prozess- und Lieferfähigkeit sowie der Aufbau grenzüberschreitender Kooperationen,

insbesondere nach Polen gesehen. 53

Abb. 8: Autoland Sachsen

Quelle: www.amz-sachsen.de, 13.3.2006

Im Jahr 2003 folgte die zweite Verbundinitiative: Maschinenbau Sachsen (VEMAS). VEMAS

richtet sich an sächsische Maschinen- und Anlagenbauer sowie deren Zulieferer und

produktionsnahe Dienstleister. Zu den Aufgaben von VEMAS zählen die Intensivierung und

der Ausbau von Kooperationen innerhalb der Branche sowie mit wichtigen Kunden, die

52 www.sachsen.de/de/wu/wirtschaftsfoerderung/netzwerke/autoland/index.html, 13.3.2006

53 www.amz-sachsen.de, 13.3.2006, 18.09.2007

36


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Unterstützung der Unternehmen bei der Erschließung neuer Geschäftsfelder sowie beim

Innovationsmanagement und der Technologieentwicklung. 54

Mit den Zielen:

- Die Größennachteile der sächsischen Unternehmen – also die kleinbetrieblichen

Strukturen – zu überwinden,

- Die Entwicklung kompletter Wertschöpfungsketten mit Entwicklungskompetenz in den

Kernbranchen der sächsischen Industrie nachhaltig zu unterstützen und

- Durch eine länderübergreifende Vernetzung der Unternehmen und der Netzwerke,

besonders mit den Staaten Mittel- und Osteuropas, Impulse zu geben." 55

wurden zum Jahresbeginn 2006 zwei weitere Verbundinitiativen ins Leben gerufen:

„Bahntechnik Sachsen“ und „Technische Textilien“. Der Freistaat Sachsen fördert im

Rahmen der vier Verbundinitiativen somit den Aufbau von strategischen Netzwerken in

ausgewählten Branchen.

Die Netzwerkförderung im Freistaat Sachsen beruht auf Erkenntnissen der neueren

wirtschaftsgeographischen und regionalökonomischen Forschung. Kooperation und

Kommunikation der im Netzwerk beteiligten Akteure sollen die Entstehung von Innovationen

voran bringen. Die räumliche Nähe (territoriale Dimension) zwischen den Akteuren

begünstigt den Austausch zwischen ihnen und damit die Entstehung von Innovationen.

Das Beispiel der Biotechnologie

Die Biotechnologiebranche gehört zu den Schlüsseltechnologien in Sachsen (s. o.). Der

Ausgangspunkt für die Entwicklung der Biotechnologiebranche in den letzten Jahren war die

BioRegio-Initiative des Bundesforschungsministeriums. Zwar war ein Antrag aus Leipzig

nicht in die Förderung durch die BioRegio-Initiative gelangt, die Antragsteller und Partner,

Institute der Materialwissenschaften der TU Dresden und der Umwelttechnik in Leipzig,

stellten ihre Ideen jedoch dem sächsischen Wirtschaftsminister vor. Ein Positionspapier

führte 1998 zur Biotechnologieinitiative biosaxony. Durch einen Kabinettsbeschluss wurde

die Bereitstellung von 210 Mio. Euro Anschubfinanzierung bewilligt. 56 Der Umfang der bereit

gestellten Mittel macht biosaxony zu einem der größten Programme dieser Art in

Deutschland.

Im Rahmen von biosaxony werden der Aufbau der Biotechnologie-Infrastruktur sowie

forschungs- und anwendungsorientierte Entwicklung unterstützt. So wurden beispielsweise

40 Mio. Euro für die Gründung von zwölf Biotechnologie-Lehrstühlen in Dresden und Leipzig

bereitgestellt; weitere 60 Mio. Euro stehen für Forschungsvorhaben zur Verfügung.

biosaxony ist Bestandteil der übergreifenden „Biotechnologie-Offensive Sachsen“, mit der

Sachsen mittelfristig eine international wettbewerbsfähige und längerfristig sogar führende

Position in dieser Schlüsseltechnologie einnehmen will. Dazu sollen insbesondere

vorhandene Stärken in den Bereichen Biomedizin, molekulare Biotechnologie, Biomaterialwissenschaften

und Umweltbiotechnologie ausgebaut werden. In den Bioinnovations-

54 www.vemas-sachsen.de, 13.3.2006

55 www.smwa.sachsen.de, 14.09.2007

56 vgl. SCHMALHOLZ 2005, S.23

37


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

zentren in Dresden und Leipzig, die mit staatlicher Förderung errichtet wurden, sind derzeit

insgesamt mehr als 50 Biotechnologie-Firmen und jeweils sechs wissenschaftliche

Arbeitsgruppen der Technischen Universität Dresden bzw. der Universität Leipzig

angesiedelt. Im Jahr 2006 gab es in Sachsen 62 Kernunternehmen der Biotechnologie. 57

Mehr als die Hälfte der Unternehmen wurde in den vergangenen vier Jahren gegründet, was

wiederum Ausdruck der Dynamik der Biotechnologiebranche in Sachsen ist.

Am Beispiel des BioInnovationsZentrums (BIOZ) Dresden soll die Arbeits- und

Wirkungsweise dieser Einrichtungen verdeutlicht werden: Das BIOZ wirbt mit dem Motto

„Forschung und Wirtschaft unter einem Dach“. Es ist ein Gründerzentrum, das die

Vernetzung von Einrichtungen der Wirtschaft, der Hochschulen und außeruniversitärer

Forschungseinrichtungen zum Ziel hat. Das BioInnovationsZentrum der TU Dresden

(BIOTEC) 58 betreibt Forschung auf den Feldern Nanotechnologie, Biotechnologie und an der

Schnittstelle zu den Ingenieurwissenschaften. Die Wissenschaftler sind in interdisziplinären

Forschergruppen zusammengeschlossen.

Des Weiteren bietet es einen internationalen Masterstudiengang im Fach Molekulare

Bioingenieurwissenschaften an.

Im BIOTEC-Zentrum arbeiten mehr als 80 Wissenschaftler aus einem Dutzend Ländern

Europas, Asiens, Amerikas und Australien. Die Interdisziplinarität der Forschenden zeigt sich

darin, dass die Forscher aus der Biologie, Medizin, Physik, Chemie, Computer- und

Ingenieurwissenschaften stammen.

BIOTEC hat mehr als fünf Mio. Euro Forschungsgelder in den letzten zwei Jahren eingeworben,

unter anderem von BMBF, DFG, EFRE, EU, HFSP und der Volkswagen Stiftung.

BIOZ Dresden bietet Unternehmen und Unternehmensgründern der Biotechnologiebranche

Räumlichkeiten und Labors an. Darüber hinaus stehen den BIOZ-Unternehmen Serviceeinrichtungen

zur Verfügung. Neben einem umfassenden Pool an Geräten ermöglichen

zentral angebotene Dienstleistungen wie eine DNA-Sequencing-Einheit, Protein Expression,

Massenspektrometrie, Bioinformatik oder Licht- und Elektronenmikroskopie den Unternehmensgründern,

erhebliche zeitliche und finanzielle Einsparmöglichkeiten. 59

Ein weiterer Standortvorteil des BioInnovationsZentrums ist die räumliche Nähe zum Max-

Planck-Institut für Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) sowie zu weiteren Universitätseinrichtungen.

Die engen Kontakte zwischen Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären

Forschungseinrichtungen im Raum Dresden hat zu weiteren Kooperationen

und Netzwerken geführt. So wurde eine erfolgreiche Initiative im Rahmen der InnoRegio-

Initiative des BMBF gestartet, das Netzwerk BioMeT Dresden.

Das Netzwerk BioMeT Dresden 60 gehörte zu den erfolgreichen Teilnehmern im Wettbewerb

InnoRegio. BioMeT entstand in Zusammenhang mit der BMBF-Initiative. Gleichwohl gab es

bereits vorher Kooperationen und Kontakte zwischen den beteiligten Akteuren, welche die

relativ rasche Bildung des Netzwerkes erst ermöglicht haben.

57 www.biosaxony.com/, 14.09.2007

58 www.biotec.tu-dresden.de, 6.1.2006

59 www.bioz-dresden.de, 6.1.2006

60 www.biomet-netzwerk.de, 13.3.2006

38


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Im Jahr 2007 vereint das BioMeT-Netzwerk 212 Partner aus unterschiedlichen Bereichen.

Den größten Anteil stellt mit 93 Mitgliedern die Unternehmensseite; fünf Universitäten und

Hochschulen sowie 24 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen stehen für die

Wissenschafts- und Forschungspartner. Mit insgesamt 47 Partnern stellt die Gruppe der

Finanzdienstleister (17) und der Rechts-, Steuer- und Wirtschaftsberater (30) eine

vergleichsweise große Gruppe. In Zusammenhang mit neuen Produkten, Verfahren und den

damit zusammenhängenden Patent- und Rechtsfragen wird diese relativ große Anzahl

jedoch verständlich. Schließlich sind auch öffentliche Akteure (Bund, Freistaat, Kommunen)

sowie Stiftungen, Verbände und Vereine Mitglieder des BioMeT-Netzwerks.

An den 36 Fördervorhaben mit 76 Teilvorhaben sind beteiligt: 39 Unternehmen, 17 Institute

der TU Dresden und der TU Bergakademie Freiberg, sechs außeruniversitäre Forschungseinrichtungen,

das MPI-CBG sowie zwei Stiftungen.

Das übergeordnete Ziel des BioMet-Netzwerks ist es, die Biotechnologie in der Region

Dresden zum zweiten Standbein neben der Mikroelektronik zu etablieren. Im Einzelnen geht

es um die:

− Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen,

− Verknüpfung zwischen Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Informatik und

Medizin,

− Entwicklung zu einem weltweit führenden Ausbildungs-, Forschungs- und

Wirtschaftsstandort in den zukunftsträchtigen Biotechnologiebereichen (Nano-

Biotechnologie, Engineering und funktionelle Pharmagenomik).

Die Strategie des BioMeT-Netzwerkes sieht vor, vorhandene Innovationspotenziale durch die

Zusammenarbeit von Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen auszuschöpfen,

Existenzgründungen aus den Reihen der Wissenschaft gezielt zu fördern sowie die

Ansiedlung von Unternehmen zu unterstützen. 61 Die Vision des BioMeT-Netzwerkes sah vor,

bis zum Ende des Förderzeitraumes im Jahr 2006 25 Unternehmensgründungen, zehn

Unternehmensansiedlungen sowie die Schaffung von 2.500 Arbeitsplätzen zu erreichen.

Die Zwischenbilanz im November 2004 brachte folgendes Ergebnis hervor: sechzehn

Unternehmen wurden gegründet, vier weitere angesiedelt. Knapp 1.100 Arbeitsplätze

konnten geschaffen werden, darunter 583 in Unternehmen und 512 in Forschungseinrichtungen.

Hinzu kommen weitere – wenn auch nur schwer zu erfassende – sekundär

entstandene bzw. gesicherte Arbeitsplätze. Die Bilanz des BioMeT-Netzwerkes kann sich

somit – trotz der sehr ambitionierten Ziele – sehen lassen. Darüber hinaus wurde ein

Biotechnologie-Netzwerk mit mehr als 200 Partnern in der Region Dresden etabliert. Die

Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen konnte mit Hilfe der InnoRegio-Förderung und damit

die Gesamtentwicklung der Region deutlich gesteigert werden. 62

61 vgl. BMBF 2000, S.77

62 vgl. GWT 2005

39


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.3.4 Entrepreneurship und technologiebasierte Unternehmen

Regionalpolitisches Handeln umfasst neben der Bestandspflege vorhandener Unternehmen

die Ansiedlung und die Gründung neuer Unternehmen. Dabei kommt der Unterstützung von

Unternehmensgründungen eine immer größere Bedeutung zu.

Der Unternehmensbestand in Sachsen ist durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet: Täglich

werden neue Unternehmen gegründet, während bestehende aufgegeben werden müssen.

Im Jahr 2003 verzeichnete die sächsische Gewerbestatistik 41.952 Gewerbeanmeldungen,

davon 37.543 Neuerrichtungen, und 32.600 Gewerbeabmeldungen, davon 27.999

Aufgaben. 63 Die meisten Gewerbeanmeldungen (10.809) gab es im Handel, allerdings

fanden dort auch die meisten Abmeldungen (9.765) statt.

Im Vergleich zu den Vorjahren war im Jahr 2003 ein deutlich höherer Zuwachs im

Gewerbebestand zu verzeichnen. Der Saldo aus An- und Abmeldungen von 9.347 übertraf

das Ergebnis des Jahres 2002 (+750) um mehr als das Zehnfache. Ein ähnlich kräftiger

Zuwachs wie 2003 war in Sachsen zuletzt 1996 zu verzeichnen. Seither näherte sich die

Zahl der Gewerbean- und -abmeldungen immer weiter an. 64

In Zusammenhang mit der Gründung von neuen Unternehmen gewinnen die Hochschulen,

aber auch Wissenschaftseinrichtungen im Allgemeinen eine zunehmend wichtige Rolle. Im

Folgenden werden daher Initiativen zur Unterstützung von Gründungen aus diesen

Institutionen vorgestellt.

Dresden exists

Eine Untersuchung der Universität Köln hat ergeben, dass die Gründungsdynamik in der

Region Oberes Elbtal/ Osterzgebirge unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Im bundesweiten

Vergleich belegt die Region nur Platz 89 unter den 97 Raumordnungsregionen. 65 An diesem

Defizit setzt die Initiative „Dresden exists“ im Rahmen des Programms EXIST an.

Die Initiative „EXIST – Existenzgründer aus Hochschulen“ des Bundesforschungsministeriums

wurde im Dezember 1997 gestartet. Heute wird die Gründungsinitiative durch

das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), den Freistaat Sachsen und

den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. 66 EXIST möchte das Gründungsklima an

deutschen Hochschulen verbessern und das Thema „Unternehmerische Selbständigkeit“ in

der akademischen Ausbildung verankern. Ziel ist es, die Zahl von Unternehmensgründungen

aus akademischen Einrichtungen zu steigern. Hierzu sollen regionale Kooperationen

zwischen Universitäten, Hochschulen, der Wirtschaft und weiteren Partnern geschaffen

werden. 67 Mit Hilfe von EXIST werden vier Teilziele verfolgt:

63 SMWA 2004, S. 63

64 SMWA 2004, S. 64; Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass auch statistische Effekte zu

diesem erheblich höheren Saldo bei den Gewerbean- und -abmeldungen beigetragen haben.

65 vgl. UNIVERSITÄT KÖLN 2005

66 www.dresden-exists.de, 15.09.2007

67 BMBF 2002; KOSCHATZKY 2001

40


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

− The permanent creation of a „Culture of Entrepreneurship“ in teaching, research and

administration at higher-education institutions targeting at students, university personnel

and graduates;

− increasing knowledge spill over into economic value added;

the goal-directed promotion of the large potential for business ideas and entrepreneurs at

higher-education institutions and research establishments;

− a significant increase in the number of innovative start-ups and the resulting creation of

new and secure jobs. 68

Im August 1998 wurden aus der Gesamtzahl der 109 eingereichten Konzepte fünf EXIST-

Netzwerke ausgewählt, die seit Ende 1998 an der Umsetzung ihrer Konzepte arbeiten. In der

ersten Förderperiode bis Anfang 2002 wurde die Umsetzung mit gut 15 Mio. Euro

unterstützt. Nach Ablauf der ersten Förderperiode erhielten die Netzwerke eine

Anschlussfinanzierung für weitere drei Jahre, um die aufgebauten Netzwerkstrukturen zu

stabilisieren und ihre Erfahrungen in andere Gründungsnetzwerke zu transferieren.

Im Jahr 2006 ist vom BMWi das dritte Förderprogramm „EXIST III - Förderung der

unternehmerischen Selbstständigkeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ in Kraft

getreten. Es soll Lücken im Qualifizierungs- und Unterstützungsangebot schließen. Neben

Hochschulen werden nun auch außeruniversitäre öffentliche Forschungseinrichtungen

gefördert. EXIST III konzentriert sich auf klar definierte und abgegrenzte Projekte, die

gemeinsam mit Partnern durchgeführt werden. 69

Diese Entwicklung erlaubt den Schluss, dass sich dieser Weg der Förderung im

Bundesgebiet bewährt hat und auch in Dresden, durch „Dresden exists“ etabliert ist.

Entsprechend den Programmvorgaben wurde „Dresden exists“ relativ stark von der TU

Dresden geprägt. In der laufenden Förderperiode ist man angehalten, in das Netzwerk

verstärkt weitere regionale Partner einzubinden, die gemeinsam Gründungen aus der

Hochschule/ Wissenschaftseinrichtungen fördern wollen. In einzelnen Elementen von

„Dresden exists“ spielen Wirtschaftsakteure eine wichtige Rolle, beispielsweise in

Zusammenhang mit Finanzierungs- und Organisationsfragen.

Ausgewählte Maßnahmen von „Dresden exists“ sind (vgl. BMBF 2002):

− Gründerfoyer: In Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern bietet das Gründerfoyer als

öffentliches Forum eine Plattform für alle an Gründungen Interessierte aus der Region.

Im vierteljährlichen Rhythmus treffen sich gründungswillige Hochschulangehörige,

Jungunternehmer und Netzwerkpartner zum Erfahrungsaustausch und zum Knüpfen von

Kontakten. Ähnlich einer Messe haben die Teilnehmer die Gelegenheit, auf ihre Ideen,

Produkte und Leistungen aufmerksam zu machen. Über Finanzierungs- und

Beratungsangebote informieren verschiedene Aussteller; Dresdner Wissenschaftler

präsentieren innovative Produkte und Dienstleistungen, die in Forschungsprojekten

entwickelt wurden.

68 KOSCHATZKY 2001,S.8

69 www.exist.de/exist/1998_2006, 15.09.2007

41


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

− Dreiphasiges Ausbildungsprogramm: Die Ausbildung vom Studenten zum Unternehmer

ist kein Sofortprogramm, sondern ein sich über einen längeren Zeitraum erstreckender

Prozess. „Dresden exists“ hat sich bewusst dem gesamten Prozess verschrieben und

gewährt damit eine umfassende Betreuung und Unterstützung der Gründer. In der ersten

Phase werden Studenten auf die Unternehmensgründung neugierig gemacht. In der

zweiten Phase beginnt die Unternehmerausbildung, indem in Lehrveranstaltungen

spezielle Kenntnisse (z. B. Entwicklung einer Geschäftsidee) vermittelt werden. In der

letzten Phase startet der Gründungsprozess. Die Gründer erhalten durch „Dresden

exists“ Unterstützung bei organisatorischen und planerischen Aufgaben.

− Gründertreff an der TU Dresden: Der Gründertreff ist als Kommunikationsplattform und

Treffpunkt für potenzielle Gründer gedacht. Neben fachspezifischen Vorträgen von

Praktikern besteht die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und individuelle Beratung zu

erhalten.

− Fakultätsübergreifende Businessplanseminare an der TU Dresden: Hier erarbeiten die

Teilnehmer Businesspläne für konkrete Innovations-/ Gründungsideen in gemischten

Teams aus den Wirtschaftswissenschaften und Ingenieur-/ Naturwissenschaften. Das

Seminar wird von Instituten der TU Dresden in Kooperation mit Partnern aus der Praxis

(Regionale Beteiligungsgesellschaft) getragen und gesponsert.

− Zum Thema Unternehmensnachfolge als eine Alternative zur Neugründung bietet das

Team von „Dresden exists“ in der neuen Förderperiode Informationsveranstaltungen und

Unterstützung an.

Es gibt keine exakten Zahlen zu Gründungen von Absolventen der TU Dresden. Allerdings

lassen sich aus dem Gründungsgeschehen im Rahmen von „Dresden exists“ erste

Anhaltspunkte abschätzen: Zwischen 1998 und 2003 sind aus dem Projekt ca. 100

Gründungen mit 150 Gründern hervorgegangen. Im Vergleich zu den anderen vier EXIST-

Regionen weist Dresden damit das höchste Gründergeschehen auf. 70 Gleichwohl schätzt

„Dresden exists“ die Zahl potenzieller Gründer im Raum Dresden auf rund 3.900.

Gründungsinteressiert sollen sogar 17.000 Personen sein.

UGB Leipzig

Das Unternehmensgründerbüro ugb Leipzig unterstützt Existenzgründungen in der

Vorbereitungs-, Gründungs- und Einführungsphase. Die Schwerpunkte von ugb Leipzig sind:

− Das Bereitstellen individueller Informationsmaterialien,

− Die Beratung zum betriebswirtschaftlichen Konzept,

− Ein Angebot von Seminaren und fachspezifischer Beratungen,

− Die Beratung für eine richtige Absicherung,

− Die Vermittlung von Gewerbeflächen,

− Lotsendienste durch die Verwaltung,

− Netzwerktätigkeiten mit den Hochschulen Leipzigs, als Verbindung zwischen

Wissenschaft und Praxis.

70 vgl. REGIONOMICA 2005,S.161-162

42


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Das ugb Leipzig ist eine Gemeinschaftsinitiative folgender Partner:

− Sparkasse Leipzig: Die Sparkasse Leipzig unterstützt Unternehmensgründer in allen

Fragen der Finanzierung von der Planung bis zur Umsetzung. Die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft

GmbH der Sparkasse Leipzig bietet direkte und stille

Beteiligungen an innovativen und arbeitsplatzschaffenden Unternehmen in der Region

an.

− Die Stadt Leipzig bekennt sich zur Innovationsförderung; Unternehmensgründungen

werden in Leipzig intensiv und vielfältig unterstützt.

− Landkreis Leipziger Land: Der Landkreis Leipzig unterstützt junge Gründer in der Region.

Mit dem Technologiezentrum Campus Espenhain wurde ein Innovationsstandort

geschaffen, der Gründern Know-How und Büroflächen bietet.

− IHK Leipzig: Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig bietet regelmäßige

Existenzgründungsseminare an. Sie berät umfassend bei den ersten Gründungsschritten

und hilft, „Stolpersteine“ zu überwinden.

− HWK Leipzig: Die Handwerkskammer zu Leipzig bietet ein breitgefächertes

Beratungsangebot für Existenzgründer im Handwerk.

− BIC Leipzig: Das Business & Innovation Centre Leipzig (BIC) dient als zentrale

Anlaufstelle für alle Belange rund um die Existenzgründung und Innovationen.

− Bio-City Leipzig: Mit der Bio-City Leipzig wird das bislang bedeutendste Biotechnologievorhaben

Leipzigs realisiert und geht im Jahr 2007 mit Erfolg in eine, auch bauliche,

Erweiterung. 71

Anhand der Liste der beteiligten Partner wird deutlich, dass die Förderung von

Unternehmensgründungen eine gemeinschaftliche Initiative von kommunalen und

wirtschaftlichen Partnern ist. Dies trägt wesentlich zum Erfolg der Initiative und bei den

Existenzgründungen bei.

SAXEED

In der Region Südwestsachsen stehen interessierten Gründern umfassende Beratungsangebote

zur Verfügung, beispielsweise zu Fragen der Rechtsformwahl, Gründungsformalitäten,

Finanzierung/ finanzielle Förderung, Schlüsseltechnologien oder Marketing für

Existenzgründer.

Gleichzeitig stehen etablierte Unternehmen den Existenzgründern mit Rat und Tat zur Seite.

Zur Unterstützung der Jungunternehmer aus eben dieser Unternehmer-Perspektive bietet

SAXEED sein Know-How und sein Handwerkszeug an.

SAXEED ist das Gründernetzwerk der vier südwestsächsischen Hochschulen: der TU

Chemnitz, der TU Bergakademie Freiberg, der Hochschule Mittweida und der Westsächsischen

Hochschule Zwickau. Es wurde Ende 2002 an der TU Chemnitz gemeinsam mit

Hochschullehrern der Fachhochschulen Mittweida und Zwickau ins Leben gerufen.

Bis Anfang 2006 wurde das Gründernetzwerk mit Mitteln des Bundesministeriums für

Bildung und Forschung aus dem Förderprogramm EXIST Transfer finanziert. Mit Auslaufen

71 www.ugb-leipzig.de, 15.09.2007

43


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

der Förderung gelang es, Fördermittel der Europäischen Union aus dem Europäischen

Sozialfonds und des Freistaates Sachsen einzuwerben. Damit war auch eine Erweiterung

des Netzwerks auf den Standort Freiberg möglich.

Die beteiligten Hochschulen und Forschungseinrichtungen können auf eine langjährige

Tätigkeit und auf Know-How im ingenieurwissenschaftlichen Bereich insbesondere im

Maschinenbau und der Elektrotechnik für die Automobil-, Automobilzulieferer- und die

Elektronikindustrie zurückblicken.

Die regionale Wirtschaft ist ebenfalls durch diese Branchen geprägt. Die in den letzten zehn

Jahren verstärkt getätigten Investitionen schufen eine moderne und auch international

konkurrenzfähige FuE-Infrastruktur. Stetig wachsende Studentenzahlen bestätigen die hohe

Attraktivität der Hochschulen.

Seit Projektstart im September 2002 erfüllt SAXEED die folgenden Aufgaben:

− Begleitung und Coaching konkreter Gründungs- und Wachstumsvorhaben,

− Sensibilisierung und Motivierung mittels vielseitiger Öffentlichkeitsarbeit,

− Unterstützung bei der Generierung von Geschäftsideen mittels Veranstaltungen,

Workshops und Zusammenarbeit/ Austausch mit ARGE-Patent,

− Aus- und Weiterbildung von Gründungsinteressierten mittels organisierter Gründerkollegs,

regelmäßigen Lehrveranstaltungen und Vermittlung vorhandener Bildungsangebote,

− Gewinnung und Qualifizierung von Lehrpersonal aus Forschung und Praxis,

− Projektmanagement.

Aus der Sicht der Initiative, können sich die Ergebnisse der Arbeit des Netzwerkes sehen

lassen. Aus ca. 100 Gründungsideen entstanden 56 – bis Ende 2005 noch aktive –

Unternehmen, die bis dahin schon über 110 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen hatten. 72

Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung und Gründungsaktivität der Region, so sollte

der Blick abermals zu den angrenzenden Universitätstandorten in Halle wie auch in Jena

gehen. In beiden Ländern Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich die Hochschulen an

der Initiative EXIST beteiligt und sind in verschiedenen Phasen des Förderprogramms

erfolgreich gewesen.

In der gegenwärtigen Phase III der Förderung versteht sich die Initiative „Scidea – Innovative

Gründungen aus der Wissenschaft“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

darauf, die Lücke in der schnellen Verwertung von innovativen und wachstumsorientierten

Forschungsergebnissen zu schließen. Anders als in den vorgestellten Gründerbüros in

Sachsen wird hier zunächst an einer Datenbank gearbeitet, welche die Arbeitsschwerpunkte

und Patente der Forschung an den Hochschulen und außeruniversitären

Forschungseinrichtungen sammelt. Auf der anderen Seite wird eine ähnliche Datenerhebung

durch die Unternehmen durchgeführt, um dann gezielt deren Probleme diskutieren und

72 www.saxeed.net, 15.09.2007

44


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Lösungsansätze finden zu können, für welche Kompetenzfelder in der Universitäten

existieren. 73

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die benachbarte Bauhaus-Universität Weimar

verbindet durch die III. Phase der EXIST Förderung der Gründer- und Innovationscampus

Jena – Weimar. Da beide Universitäten bereits Strukturen der Gründerunterstützung in der

Vergangenheit geschaffen haben, kann mit dem Gründer- und Innovationscampus das

Angebotsspektrum im Bereich Existenzgründung für beide Hochschulen erweitert und die

Betreuung der Gründer intensiviert werden. Die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte

und Studienangebote der beiden Universitäten sind dabei das Besondere der

ungewöhnlichen Arbeitsgemeinschaft: Während an der Bauhaus-Universität Weimar die

Studiengänge Medien und Gestaltung sowie Architektur und Bauingenieurwesen dominieren,

steht die Friedrich-Schiller-Universität Jena für Naturwissenschaften, Mathematik und

Informatik, Medizin und Wirtschaftswissenschaften. Im Urteil der Macher ist das die beste

Mischung (Kreativität trifft Rationalität) für erfolgreiche Gründungen. 74

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass den Hochschulen und

Wissenschaftseinrichtungen eine große Bedeutung bei der Unterstützung von Gründungen

zukommt. Viele neue Unternehmensideen (Produkte, Prozesse) haben ihren Ursprung in der

anwendungsorientierten Forschung. Um diese Ideen zur Marktreife zu bringen bzw. in

konkrete Geschäftsideen zu überführen, sind zwei Wege denkbar: Zum einen über die

Zusammenarbeit mit Unternehmen in regionalen Netzwerken, indem die wissenschaftlichen

Ergebnisse Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen in Form von

Gründungen aus den Hochschulen heraus. Beide Wege sind in Sachsen verbreitet, auch

wenn die Hochschulen erst in den letzten Jahren ihre Rolle und Aufgaben verstärkt

wahrnehmen. Dies wird daran ersichtlich, dass die vorgestellten Initiativen erst in den letzten

Jahren entstanden sind.

Die Rolle und Aufgaben der Hochschulen sind dabei unterschiedlich. Eine wesentliche

Aufgabe besteht darin, dass sie den Kontakt zu relevanten Unternehmen aber auch

Experten für Rechts- und Finanzfragen herstellen und somit quasi eine Vermittlerrolle

einnehmen. Darüber hinaus bilden sie aber auch eine Plattform für die Gründungswilligen,

indem sie Räumlichkeiten und Ausstattung (z.B. Labors, DV-Verarbeitung), Know-how (über

die angestellten Wissenschaftler und Mitarbeiter) und gegebenenfalls finanzielle

Unterstützung bereitstellen. Im Fall des ugb Leipzig wird deutlich, dass auch die Kommunen

diese Vermittlungsaufgabe als wichtig erachten und Kapazitäten zur Verfügung stellen,

letztlich auch, um gut ausgebildeten Absolventen nach ihrem Abschluss am Ort zu halten

und eine Perspektive zu geben.

Als regionale Akteure verfügen die Hochschulen zudem über Kontakte zu anderen wichtigen

Akteuren (Kommunen, Sparkassen, Kammern), die ebenfalls für Gründungen bedeutsam

sind. Hierzu gehört unter anderem, dass sie bereits während der Ausbildung von Studenten

Kontakte zu Unternehmen herstellen können, so dass sich ein langjähriger Kontakt zwischen

Unternehmen und Hochschulen / Studenten entwickeln kann, aus dem später eine fachliche

Zusammenarbeit möglich wird. Gleichzeitig können die Studenten zum Beispiel durch

73 www.exist.de/exist3/projekte, 15.07.2007

74 www.exist.de/exist3/projekte, 15.07.2007

45


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Praktika während ihres Studiums Know-how aus den Unternehmen in die Hochschulen

transferieren.

46


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

2.4 Technologietransfer in Sachsen: Instrumente, Strukturen und Maßnahmen

Unter dem Begriff Technologietransfer wird überwiegend der Weg verstanden, Technologien

und Entwicklung aus der Forschung in wirtschaftliche Anwendung zu bringen. Dies wird wie

bereits bei den oben beschriebenen Gründungsinitiativen von Politik auf Bundes- wie auch

Landesebene, insbesondere der kommunalen Ebene unterstützt. Zur Verdeutlichung dieses

Spektrums werden weitere Instrumente und Maßnahmen vorgestellt:

Technologietransfereinrichtungen, Patentmeldungen sowie Stiftungsprofessuren.

2.4.1 Technologietransfer - Einrichtungen

Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hängt zu einem großen Teil von ihrer Fähigkeit

zur Generierung von Innovationen ab, das heißt, der Fähigkeit, neues Wissen für

Innovationsprozesse zu nutzen (siehe oben). Insbesondere KMU verfügen häufig nicht über

ausreichend eigene FuE-Kapazitäten (personeller und finanzieller Art) und sind daher auf

externes Wissen angewiesen. Um den Technologietransfer zwischen Forschungseinrichtungen

und Anwendern zu beschleunigen, hat der Freistaat Sachsen in den zurück

liegenden Jahren den Aufbau und die Profilierung eines landesweiten Netzes von

Transfereinrichtungen unterstützt.

Aufgabe dieser Einrichtungen ist es, durch Beratung, Moderation und aktive Kontakt- und

Informationsvermittlung vor allem kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu

technologischem Know-how zu erleichtern. 75 Das Sächsische Wirtschaftsministerium fördert

die Tätigkeit dieser Einrichtungen über bedarfs- und ergebnisorientierte Projekte, die eine

Aktivierung, Beschleunigung oder Verbesserung des Technologietransfers und des

technologieorientierten Gründungsgeschehens zum Ziel haben.

Das Netzwerk umfasst 42 Technologiezentren, die für Technologieberatung, Technologievermittlung

und technologieorientierte Existenzgründungsbetreuung zuständig sind. Zum

Technologietransfer-Netzwerk in Sachsen gehören:

− Zwei Patentinformationszentren an den Universitäten Chemnitz und Dresden,

− Vier Technologieberatungszentren (Technologieagenturen) mit Sitz in Chemnitz,

Dresden, Görlitz und Leipzig,

− Fünfzehn Technologietransferzentren mit spezifischen Ausrichtungen,

− Einundzwanzig Technologie- und Gründerzentren (TGZ).

Die Technologie- und Gründerzentren bieten neben Beratung und Serviceleistungen vor

allem Räumlichkeiten für die Gründung von jungen, innovativen Unternehmen. Ende des

Jahres 2006 waren 744 Firmen mit mehr als 4.500 Beschäftigten in den TGZ angesiedelt. In

den vergangenen 15 Jahren wurden an den Standorten über 2.030 neue Unternehmen

gegründet, in denen ca. 17.400 zukunftsfähige Arbeitsplätze entstanden sind. Hinzu kommen

etwa 4.800 Folgearbeitsplätze im Umfeld dieser jungen Technologieunternehmen. Nach

Angaben der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Technologie- und Gründerzentren (AG TZ-S)

liegt die Erfolgsquote der Gründungen bei über 90 %.

75 vgl. SMWA 2004, S.77

47


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Für die folgenden Jahre nehmen sich die Gründerzenten vor, das Gründungsgeschehen

durch neue, attraktive Angebote zu forcieren und den Technologietransfer noch intensiver zu

organisieren. 76 Die Bereitstellung von branchenspezifizierter Infrastruktur, wie beispielsweise

bereits in den Biotechnologiezentren Leipzig und Dresden geschehen, wird für die Zukunft

als erfolgsversprechend angesehen.

Konform zu den Entwicklungsideen im ADT (Bundesverband Deutscher Innovations-,

Technologie- und Gründerzentren e.V.), priorisiert auch das sächsische Netzwerk, die aktive

Zusammenarbeit mit Schulen und die Qualitätsbewertung von Innovationszentren. 77

Die TU Dresden verfügt über eine eigene Technologietransfer-Einrichtung, die Gesellschaft

für Wissens- und Technologietransfer der TU Dresden mbH (GWT). Die GWT führt im

Auftrag von Unternehmen und der öffentlichen Hand Forschungsvorhaben durch, entwickelt

neue Produkte und Technologien und bietet einen umfangreichen Innovationsservice an.

Eine Hauptaufgabe des Unternehmens ist es, die sächsischen Hochschulen und

Universitäten bei der Bearbeitung ihrer Patente zu unterstützen. Damit ist sie als sächsische

Patentverwertungsagentur etabliert. Die GWT wurde 1996 gegründet und beschäftigt im

Jubiläumsjahr 2006 rund 1.920 Mitarbeiter sowie 240 Wissenschaftler und Ingenieure

verschiedenster Fachgebiete in freier Mitarbeit. Die Gesamtleistung betrug im Jahr 2006

16,6 Mio. Euro. 78

2.4.2 Patentanmeldungen

Innovationen bedürfen insbesondere in der Anfangsphase des rechtlichen Schutzes

gegenüber Mitkonkurrenten, um eine erfolgreiche Markteinführung zu gewährleisten. Aus

diesem Grund können die Patentinformationszentren an den Universitäten Chemnitz und

Dresden als weitere Bausteine in Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen angesehen

werden. Die Patentinformationszentren sind erste Ansprechpartner in Fragen des

gewerblichen Rechtsschutzes gegenüber der Öffentlichkeit. Sie unterstützen Forscher mit

Informationen zum „Stand der Technik“, zu Schutzrechtsverletzungen, Designschutz,

eingetragenen Marken und Dienstleistungen sowie Klassifikationen. Weiterhin sind sie

behilflich, Recherchestrategien zu erarbeiten und nehmen Schutzrechtsanmeldungen

entgegen. 79 Im Hinblick auf den rechtlichen Schutz von „Erfindungen“ sowie den Transfer

von universitärem Wissen in die unternehmerische Umsetzung kommt den

Patentinformationszentren daher eine wichtige Rolle zu.

Um die anwendungsorientierte Forschung in den Ingenieurwissenschaften abzubilden, führt

das CENTRUM FÜR HOCHSCHULENTWICKLUNG (CHE), mit Sitz in Hannover, im Rahmen seines

Forschungsrankings auch eine Patentanalyse in diesen Fächern durch. Dazu wird ermittelt,

wie viele Patente jeder Professor in den letzten drei Jahren angemeldet hat. Dies erfolgt über

eine namentliche Abfrage in der Patentdatenbank des Deutschen Patentamtes (PATDPA) in

München.

76 tzsdbs.sachsen.de/tzs/, 15.09.2007

77 ebenda

78 www.gwtonline.de, 15.09.2007

79 www.bibliothek.tu-chemnitz.de, 17.12.2005

48


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Entsprechend der neuesten Erhebung des CHE wurden in der Elektro- und

Informationstechnik von Professoren der TU Dresden zehn und von Professoren der TU

Chemnitz sechs Patente pro Jahr angemeldet. Dies sind 1,6 bzw. 1,4 Patente je Professor

über einen Vierjahres-Zeitraum. 80 Die beiden Universitäten liegen damit im Mittelfeld der

Technischen Universitäten in Deutschland.

2.4.3 Stiftungsprofessuren

Schließlich können auch Stiftungsprofessuren als eine Form von Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperation aufgefasst werden. Eine Stiftung kann unterschiedliche Ursprünge haben, als

Stifter tritt jedoch häufig die regionale Wirtschaft auf. Mit ihrer Stiftung erkennen die Stifter

die jeweilige Hochschule als kompetenten Partner an. Gleichzeitig erhofft sich der Stifter mit

seiner Stiftung einen direkten Nutzen, insbesondere den unmittelbaren Zugang zu neuem

Forschungswissen. Die Stiftungsprofessur wird über ein reguläres Berufungsverfahren

dauerhaft besetzt. In der Regel umfasst die Stiftungsdauer fünf Jahre, danach wird die

Stiftungsprofessur aus Landesmitteln weiter finanziert.

Beispiele für Stiftungsprofessuren an der TU Dresden sind:

− Mobile Nachrichtensysteme,

− Halbleiterphysik,

− Systems Engineering,

− Jean Monnet Lehrstuhl für das Recht der Europäischen Integration und

Rechtsvergleichung unter besonderer Berücksichtigung Mittel- und Osteuropas,

− SAP-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation,

− Stadtumbau und Stadtforschung,

− Energiewirtschaft,

− Klinisch-therapeutische Grundlagen der tagklinischen Behandlung von Ess-Störungen,

− Stammzellentransplantation,

− Dresdner Chamisso-Poetikdozentur,

− Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Diabetologie und Endokrinologie.

Stiftungsprofessuren sind ein relativ kleines Element im Zusammenhang mit Wissenschaft-

Wirtschaft-Kooperationen. Im Hinblick auf eine umfassende Wirkung auf die regionalen

Effekte kommt ihnen für sich genommen, keine große Bedeutung zu. Jedoch eröffnen sie der

Universität im „gestifteten“ Fachbereich einen weiten Zugang zu Netzwerken außerhalb

Universität, welchen das eingesetzte Personal im besten Fall mitbringen sollte. Die Wissens-

und Technologietransferstellen der sächsischen Universitäten schätzen diese Art der

Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft als besonders effektiv ein. In

Zusammenhang mit anderen Instrumenten und Initiativen können sie Baustein einer

umfassenden Zusammenarbeit sein.

80 vgl.CHE 2005, S G-9

49


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Fazit

Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen finden in vielfältiger Art und Weise statt. Im Rahmen

der vorliegenden Studie konnte nur ein kleiner Ausschnitt der Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperationen im Freistaat Sachsen sowie der benachbarten Regionen in Sachsen-Anhalt

und Thüringen behandelt werden. Dennoch wurde versucht, einen Eindruck der

unterschiedlichen Formen und Inhalte der Zusammenarbeit zu vermitteln. Der Transfer

zwischen Wissenschaft und Unternehmen kann im Einzelfall vergleichsweise überschaubar

sein bzw. lässt sich auch nicht jede Art der Kooperation, vor allem der nicht informalisierten,

erfassen. Im Hinblick auf die Bedeutung für die regionale Entwicklung sind jedoch die

größeren Kooperationen von Interesse, da von diesen eine ausgeprägtere Wirkung auf die

regionale Entwicklung zu erwarten ist.

Der Anlass zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Wissenschaft- und

Forschungseinrichtungen kann im Einzelfall spezielle Gründe haben. In regionalpolitischer

Sicht werden Netzwerke seit einigen Jahren verstärkt als Instrument eingesetzt und von

staatlicher Seite unterstützt. Hierzu werden Anreize zur Kooperation gesetzt. Diese Anreize

können materieller oder immaterieller (z.B. organisatorische Unterstützung von

Kooperationen) Natur sein. Am Beispiel der BMBF-Initiative „Unternehmen Region“ wird

deutlich, dass mit Hilfe eines vergleichsweise großen finanziellen Aufwandes (über 500 Mio.

Euro) Aufbau und Entwicklung von regionalen Netzwerken gefördert wird. Gleichwohl wird

diese Unterstützung nur als Anschubfinanzierung angesehen, aus der selbsttragende

Strukturen und Kooperationen entstehen sollen, die über den Förderzeitraum hinaus

Bestand haben und im besten Fall Investitionen nach sich ziehen. Dabei lässt eine III.

Auflage des Programms mutmaßen, dass man mit den bisher erzielten Ergebnissen der

Netzwerkarbeit auf Bundesebene durchaus zufrieden ist.

Aus dem Resümee der jahrelangen Erfahrungen staatlicher Kooperationsunterstützungen

auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene lässt sich für erfolgreiche Aktivitäten in der

Zukunft festhalten, dass diese sehr spezifisch auf die Anforderungen der Branche

zugeschnitten sein müssen, und die „Netzwerker“ aktiv auf die Akteure in der Wissenschaft

und in der Wirtschaft zugehen müssen. An dieser Stelle ist weiterhin öffentliches

Engagement gefragt, dem z.B. das aktuelle Programm Mitteleuropa 2007-2013 der Ziel 3

Initiative (auch INTERREG IV) der Europäischen Union in seinen Zielstellungen zur

Förderung von Einzelprojekten entspricht.

50


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

3 Kooperationsanreize und –hemmnisse

3.1 Einflussfaktoren auf den Erfolg von Wissenstransfer

Der Erfolg von Wissenstransferprozessen ist von verschiedenen Einflussfaktoren abhängig.

Einige der möglichen Faktoren sollen kurz beschrieben werden, um dann konkreter auf

Anreize und Hemmnisse zu Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperation einzugehen. Allgemein

können diese Faktoren jedoch nicht unabhängig voneinander betrachtet werden; sie stehen

vielmehr in Beziehung zueinander.

Motivation der am Wissenstransfer Beteiligten

Sind alle beteiligten Personen an einem Transfer von Wissen hinreichend interessiert, ist

dieser unproblematisch realisierbar. Ist jemand nicht gewillt, Wissen mit anderen zu teilen

bzw. aufzunehmen, kommt es zu Behinderungen und schließlich zum Stillstand des

Prozesses. Gründe für die Motivationslosigkeit seitens der Wissensquelle können darin

liegen, dass diejenigen Personen Angst haben, durch Weitergabe ihres Wissens ihre

privilegierte Stellung aufs Spiel zu setzen o.ä.. Mangelnde Motivation auf Seiten des

Wissensempfängers kann eventuell darauf zurückgeführt werden, dass die Person nicht

bereit ist, Wissen von Personen, die nicht aus ihrem unmittelbaren Umfeld stammen, zu

akzeptieren. Die Motivation auf beiden Seiten ist natürlich auch immer durch Vorerfahrungen

geprägt, die mit der Weitergabe bzw. der Aufnahme von Wissen gemacht worden sind. 81

Vertrauen

Verrauen zwischen den beteiligten Personen ist eine wesentliche Grundlage des

Transferprozesses. Mangelndes Vertrauen kann dazu führen, dass die Wissensgeber

Informationen zurückhalten, oder dass die Wissensempfänger den Wahrheitsgehalt des

transferierten Wissens anzweifeln. Wissen wird nur dann gern geteilt, wenn Vertrauen

besteht, dass der Empfänger es bestmöglich einsetzt. Vertrauen wird nur langsam

aufgebaut, durch Interaktion mit anderen Personen. Durch negative Erfahrungen kann es

schnell wieder zerstört werden. 82

Organisationskultur

Im Allgemeinen sollte Wissenstransfer immer in einem sozialen und physischen Kontext

stattfinden, da sich ein organisationeller Kontext auf den Transfer auswirkt. Ist die

Organisationskultur allerdings stark individualistisch geprägt, kann sie den Transfer von

Wissen behindern. In einer Organisationskultur, in der persönliches Wissen als die Basis von

Macht angesehen wird, kann Wissenstransfer nur schwerlich durchgeführt werden. Nur wenn

sie von guter Zusammenarbeit geprägt ist, kann effektiver Wissenstransfer stattfinden. Die

Organisationskultur wirkt darüber hinaus auch auf andere Faktoren wie z.B. die Motivation

der am Wissenstransfer beteiligten Personen und das Vertrauen. Sie ist aber immer im

kulturellen Kontext zu betrachten. 83

81 Hagen, M., S.130

82 ebenda

83 Hagen, M., S.131f

51


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Wissensbasis des Wissensempfängers

Die Aufnahme von neuem Wissen ist immer von der Wissensbasis des Empfängers

abhängig. Das neu aufzunehmende Wissen muss mit einem Teil der Wissensbasis

kompatibel sein, um wirklich aufgenommen und verstanden werden zu können. Je breiter die

vorhandene Wissensbasis ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass das neu aufgenommene

Wissen zu einem Teil des schon bestehenden Wissens passt und daran angeknüpft werden

kann. 84

Die Wahl des „Interaktionskanals“

Wissenstransfer kann durch unterschiedliche Methoden bzw. „Interaktionskanäle“ erfolgen,

z.B. durch ein persönliches Gespräch, über Telefon oder das Internet. Jede dieser Methoden

hat Vor- und Nachteile und muss daher situationsabhängig ausgewählt werden. So zeichnen

sich die Methoden durch eine unterschiedliche Reichhaltigkeit und Informationsbandbreite

aus, was Einfluss auf die Quantität und Geschwindigkeit des Wissenstransfers hat. 85

Organisationsstruktur

Traditionelle Organisationsstrukturen sind für den Transfer von Wissen oft eher hinderlich, da

sie meist hierarchisch geprägt und damit starr und unflexibel sind. Im Gegensatz dazu üben

teamorientierte Organisationsstrukturen einen fördernden Einfluss auf die Generierung und

den Transfer von Wissen aus. 86

Wissenstransferkultur

Es gibt zahlreiche kulturelle Faktoren, die den Wissenstransfer behindern. Friktionen

verzögern oder verhindern den Transfer von Wissen und haben meist zur Folge, dass ein

Teil des Wissens bei der Weiterleitung durch die Organisation abhanden kommt. In der

folgenden Tabelle werden Friktionen und mögliche Lösungen gegenübergestellt. Der direkte,

persönliche Kontakt ist von außerordentlicher Bedeutung, um eine gute Beziehung

aufzubauen und einer als grundlegend erkannten Friktion vorzubeugen. Ein Mangel an

Vertrauen behindert effektiven Wissenstransfer. 87

84 ebenda

85 ebenda

86 ebenda

87 ebenda

52


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Abb. 9: Gegenüberstellung von Friktionen und möglichen Lösungen

Friktion Lösungsmöglichkeiten

Mangel an Vertrauen Aufbau von Beziehungen und Vertrauen

durch persönliche Begegnungen

Unterschiedliche Kultur,

Sprachgewohnheiten, Bezugsrahmen

Zeitmangel und Fehlen von

Begegnungsstätten; enge Auffassung von

produktiver Arbeit

Statusgewinn und Belohnung für

Wissensträger

Mangel an Aufnahmefähigkeit seitens der

Empfänger

Einstellung, dass Wissen bestimmten

Gruppen vorbehalten ist; Syndrom „ist nicht

von uns“

Intoleranz gegenüber Fehlern und

Hilfsbedürftigkeit

Quelle: Hagen, M., S.132

3.2 Kooperationsanreize der Akteure

53

Schaffung einer gemeinsamen Grundlage

durch Ausbildung, Diskussionen,

Veröffentlichungen, Teambildung,

systematischer Arbeitswechsel

Bereitstellung zeitlicher und räumlicher

Möglichkeiten für den Wissenstransfer:

Messen, „Talk Rooms“, Konferenzberichte

Leistungsbeurteilung und Schaffung von

Anreizen auf Basis der Weitergabe von

Wissen

Schulung der Mitarbeiter zur Flexibilität;

Bereitstellung zeitlicher Möglichkeiten zum

Lernen; Einstellung von Kandidaten, die sich

für neue Ideen aufgeschlossen zeigen

Förderung eines nicht hierarchischen

Umgangs mit Wissen; Qualität der Idee

wichtiger als Status der Wissensquelle

Akzeptanz und Belohnung kreativer Irrtümer;

Kooperationsprojekte; kein Statusverlust,

wenn man nicht alles weiß

Für die Unternehmen erfüllen die Wissenschaftler eine Art „Antennenfunktion“, indem sie

auf globaler Ebene den wissenschaftlich technischen Forschritt und die Weiterentwicklung

der Technologiegrenze beobachten und den aktuellen Stand weitergeben können. 88 Damit

können diese einige Vorteile aus einer Kooperation mit der Wissenschaft ziehen:

- Überwindung von FuE-Engpässen,

- Suchen und Finden von potentiellen Mitarbeitern,

- Kostenersparnis auf Grund niedriger Personalkosten an Forschungseinrichtungen,

- direkte Vorteile im (FuE) Wettbewerb,

- Ausnutzung von Verbundvorteilen in den Forschungseinrichtungen.

88 vgl. SCHWIRTEN 2003, S. 58


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Ein besonderer Anreiz einer Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern liegt für

Unternehmen darin, direkten Zugang zu neuen wissenschaftlichen und Forschungsergebnissen

zu erhalten. Auf der einen Seite können Unternehmen darauf hinwirken, dass

für sie relevante Themen beforscht werden, auf der anderen Seite haben sie direkten

Zugang zu den neuesten Ergebnissen, die sie in neue Produkte bzw. Prozesse einfließen

lassen können. Dieser unmittelbare Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen kann bei

den beteiligten Unternehmen zu einem Wissensvorsprung führen, und damit die

Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verbessern helfen.

Innerhalb eines Forschungsauftrags können Wissenschaftseinrichtungen das Wissen häufig

zu einem günstigeren Preis anbieten, als ein am Markt tätiges Unternehmen. 89 Diese

Tatsache kann natürlich in der Praxis wiederum Konflikte verursachen, da öffentliche

Einrichtungen darauf bedacht sein sollten, keinem privaten Anbieter die Aufträge zu

entziehen. So wird laut Angaben der Technologietransferstellen sächsischer Hochschulen

nach einer Anfrage eines Unternehmens zunächst erst einmal geprüft, ob nicht private

Anbieter in der Region den Auftrag ebenfalls ausführen können (z. B., wenn es sich um die

Bereitstellung von Messtechnik handelt).

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat im Rahmen der Studie „Die Vernetzung

zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“ eine Unternehmensbefragung in Sachsen-Anhalt

durchgeführt, um u.a. Ausstrahlungseffekte von Forschungseinrichtungen auf

wissensbasierte Unternehmen unterschiedlicher Branchen zu ermitteln. Im Ergebnis besitzen

lediglich zwei Variablen signifikanten Einfluss auf das Vorhandensein von

Wissenschaftskontakten.

1. Der Standort des Unternehmens: Befinden sich die Unternehmen in Ballungsräumen, also

in Regionen mit einer hohen Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen, so steigt

die Wahrscheinlichkeit, dass Kontakte zu Wissenschaftseinrichtungen bestehen.

2. Die Herkunft der Unternehmer: War der Unternehmer vor seiner Tätigkeit im Unternehmen

an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung tätig, steigt die Wahrscheinlichkeit von

Wissenschaftskontakten sogar um das 3,6fache. Die Unternehmensgröße verliert ihren

signifikanten Einfluss auf das Vorhandensein von Wissenschaftskontakten. Die räumliche

Nähe kann in Abhängigkeit von der Art des Kooperationspartners und der

Kooperationsinhalte jedoch von unterschiedlicher Bedeutung sein. Bei den Fachhochschulen

ist die räumliche Nähe besonders wichtig. Mehr als 70 Prozent aller genannten

Einrichtungen liegen weniger als 50 km entfernt. Eine Kooperation mit Fachhochschulen in

einer Entfernung von mehr als 150 km gilt als Ausnahmefall. 90

Kooperationsanreize für Hochschulen: Anwendungsforschungen können um ihrer selbst

Willen betrieben werden. Sie können aber zusätzlich auch von außen motiviert sein. Die

Forschungs- und Lehrtätigkeit dient zum Beispiel dem Aufbau von Reputation und der

sozialen Anerkennung der erbrachten Leistungen durch andere Personen. Daran gebunden

ist letztlich die persönliche Karriere im Wissenschaftssystem. SCHWIRTEN bezeichnet gerade

diesen Umstand als eine wesentliche Motivation auch zur Kooperation mit Unternehmen

89 ebenda, S.57f

90 vgl. Infodienst der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft 10/2006, S.7

54


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

oder Forschungspartnern. Die so genannte intrinsische Motivation eines Akteurs im

Wissenschaftssystem kann auch in alle folgenden Gründe für eine Kooperation einfließen. 91

Anwendungsorientierte Forschung ist aber auch auf einen engen Kontakt zu den Nutzern der

Forschungsergebnisse angewiesen. Dies gilt insbesondere für natur- und

ingenieurwissenschaftliche Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen. Das Renommee

einer Hochschule bzw. Forschungseinrichtung hängt unter anderem vom Innovationsgehalt

der Forschungsergebnisse ab. Aus diesem Grund besteht durchaus ein großer Anreiz darin,

eng mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, damit die Forschungsergebnisse auch

nachgefragt werden. Dies hat wiederum Relevanz für die Einwerbung von Drittmitteln.

Forschergruppen werden von öffentlicher als auch privater Seite finanziell unterstützt, sofern

die zu erwartenden Ergebnisse auch nachgefragt werden. Nicht zuletzt stellt die Einwerbung

von Drittmitteln einen wichtigen Indikator bei der Bewertung von Hochschulen, Instituten und

einzelnen Lehrstühlen dar. Gerade in Zeiten knapper werdender öffentlicher Haushalte

werden sich engagierte und innovative Wissenschaftler behaupten können.

Durch den Blick über die Hochschule hinaus eröffnen Kooperationen die Möglichkeit der

Orientierung an der Praxis und die Anpassung der Lehrthemen an dieser. Weitere

Kooperationsmotive können die Durchführung industrieller Referenzobjekte für die

Einwerbung öffentlicher Mittel, die Steigerung der Zahl der Publikationen und Innovationen

oder der Aufbau von Netzwerken sein.

Untersuchungen haben, auch in Sachsen, gezeigt, dass Kooperationen von Wissenschaftseinrichtungen

hautsächlich zusätzliche Forschungsgelder der öffentlichen Haushalte (z. B. in

Form von Projektförderungen) den Wissenschaftseinrichtungen einen Anreiz für die

Zusammenarbeit bieten. Da diese Mittel aktuell vor allem in technologieintensive

Forschungen investiert werden, steht allen anderen Wissenschaftsbereichen nur ein

geringes Budget zur Verfügung. Somit sind es hauptsächlich intrinsische Motive der

Forscher, die eine Kooperation ermöglichen.

3.3 Kooperationshemmnisse der Akteure

Wie bereits unter Kapitel 3.1 allgemein beschrieben wurde, stehen Wissenschaft-Wirtschaft-

Kooperationen auch Hemmnisse entgegen. Diese liegen in erster Linie in der Knappheit der

vorhandenen Kapazitäten, und zwar sowohl in personeller als auch finanzieller Hinsicht.

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die sächsische Unternehmensstruktur

maßgeblich durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt ist, die nur über eingeschränkte

Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen verfügen. Sie sind somit grundsätzlich auf

externes Know-how angewiesen. Allerdings verfügen gerade die kleinen Unternehmen

praktisch nicht über ausreichend Möglichkeiten, sich in umfangreichen Wissenschaft-

Wirtschaft-Kooperationen zu engagieren.

Für den Aufbau einer FuE-Abteilung fehlt es den Betrieben wiederum an Eigenkapital. Da es

für eine Kooperation zwischen der Wissenschaft und den einzelnen Unternehmen auf beiden

Seiten kompetenter Ansprechpartner bedarf, sind Transferprozesse nur selten möglich,

wenn einer der Partner diese Bedingung nicht erfüllt.

91 vgl. SCHWIRTEN 2003, S. 57

55


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Vergleichbares gilt auch für Lehrstühle an Universitäten. Einige Lehrstühle sind personell

nicht umfangreich ausgestattet. Gegenüber größeren Forschungseinrichtungen – öffentlich

wie privat – besitzen sie den Nachteil, dass sie über geringere personelle Kapazitäten

verfügen. Im Verbund mit anderen Hochschulinstituten und Forschungseinrichtungen können

sie jedoch ihr Know-how einbringen.

Die Technologietransferverantwortlichen an den Hochschulen in Sachsen schätzen ein, dass

das Potential für weitere Kooperation zwischen den Wissenschaftseinrichtungen noch nicht

erschöpft ist. 92 Als Gründe für die ungenutzten Möglichkeiten werden vor allem Hindernisse

im internen Aufbau und den damit verbundenen (meist langsamen) Abläufen in den

Hochschulen gesehen.

Zusätzlich beziehen sich die Vorbehalte der Zusammenarbeit der Unternehmen mit

Wissenschaftseinrichtungen auf ein unterschiedliches Verständnis in der Herangehensweise

und Bearbeitungsdauer angetragener Forschungsfragen.

Ein Nachteil der den Unternehmen bei einer Kooperation immer bleibt, ist die Angst vor

ungewolltem und unkontrolliertem Abfluss von Wissen. 93

Ein Hinderungsgrund der Wissenschaftseinrichtungen zur Kooperation wären

Einschränkungen der Publikationsmöglichkeiten zu nennen. Wegen des erwünschten

Konkurrenzvorsprungs im Produktwettbewerb der Unternehmen ist es möglicherweise

untersagt, betriebsinternes Wissen zu veröffentlichen. 94

Fazit

Einerseits gilt: Je intensiver und stabiler sich Beziehungen zu Institutionen in der Region

entwickeln, um so eher werden die Voraussetzungen für die Entstehung innovativer Cluster

bzw. Netzwerke geschaffen. Eine regional konzentrierte Zusammenarbeit bzw. räumliche

Nähe der Partner ermöglicht face-to-face-Kontakte, welche letztendlich den Austausch von

Wissen ermöglichen. Auf der anderen Seite ist vor allem die Zusammenarbeit mit

Wissenschaftseinrichtungen so speziell, dass nicht räumliche sondern inhaltliche Kriterien

die Wahl des Kooperationspartners bestimmen. Der Grund für diese Tatsache ist, dass sich

die Unternehmen wegen der hohen Spezifität bei forschungsorientierter Zusammenarbeit

den fachlich geeignetsten Partner suchen, wobei die räumliche Entfernung in den

Hintergrund rückt. Für die Unternehmer ist weniger die Nähe zu den Bildungs-, Technologie-

und Forschungseinrichtungen wichtig als vielmehr deren Qualität. 95

Eine Einschätzung der GWT verdeutlicht die derzeitige Situation des Technologietransfers,

speziell auch der Verwertung von Wissen, in Sachsen:

Die GWT geht davon aus, dass für die Vermarktung von Forschungsleistungen ein

Forschungspotential in entsprechender Größe verfügbar sein muss. Weiterhin ist es einer

kommerziellen Gesellschaft im Vergleich zu einer öffentlichen Einrichtung eher möglich,

Wissens- und Technologietransfer zu betreiben. Für die praktische Umsetzung dieser

Erkenntnisse wäre es nötig, die Verantwortung aller Technologietransferfragen des

92 Interviews in 2005

93 vgl. SCHWIRTEN 2003, S.58

94 Ebenda, S..58f

95 vgl. Infodienst der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft 10/2006, S.7f

56


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

gesamten mitteldeutschen Raumes – dieser umfasst dabei nahezu die drei Bundesländer

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – einer Gesellschaft zu übergeben. Nur mit dieser

räumlichen Ausdehnung stände das nötige Forschungspotential für eine erfolgreiche

Vermarktung zur Verfügung. Die GWT ist bestrebt, ihre Arbeit auf den beschriebenen Raum

auszudehnen und orientiert sich dabei an erfolgreichen deutschen Beispielen wie der

„Steinbeis-Gesellschaft“ in Baden- Württemberg und dem Modell in Hamburg-Harburg.

Außerdem würde eine Konzentration einzelner Forschungsbereiche innerhalb der drei

Mitteldeutschen Bundesländer die Arbeitsweise derer effektiver werden lassen und ihnen

eine gute Position im Wettbewerb zu anderen Regionen verschaffen. Dies gilt z. B. für die

Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie.

Die Landesgrenze zwischen Halle und Leipzig wirkt sich hinderlich auf grenzübergreifende

Kooperationen, in Fragen der Zuständigkeiten und der finanziellen Förderung aus.

Landesmittel werden für gewöhnlich nicht über die Landesgrenzen hinaus ausgegeben.

Mittel des Bundes hingegen bieten sich zur Unterstützung einer länderübergreifenden

Zusammenarbeit an und werden zunehmend genutzt. Eine Abstimmung der

Fördermittelprogramme auf Länderebene wäre den Kooperationen von Wirtschaft und

Wissenschaft förderlich. Weiterer Verbesserungsbedarf wird sowohl auf der Seite der

Wirtschaft wie der Wissenschaft in der Förderungsdauer und -abwicklung gesehen.

Gewöhnlich wird die anwendungsorientierte Forschung (in Form einer Zusammenarbeit von

Unternehmen und Forschungseinrichtungen) finanziell unterstützt. Die darauf folgende

Pilotphase erhält dagegen keine bzw. keine ausreichende Förderung, die allerdings für die

Unternehmen zwingend notwendig ist. Die Finanzierungslücke birgt für die Betriebe große

Unsicherheiten, die sie von Innovationen absehen lassen.

Insgesamt fordern beide Seiten bessere Rahmenbedingungen für betriebliche Forschung

und Entwicklung. Damit würden auch die nicht-monetären Unterstützungsleistungen der

Kommunen und Länder (z. B. Vortragsreihen, Diskussionsrunden, Datenbanken) einen

größeren Zuspruch bei den Unternehmern finden.

Die Bedeutsamkeit von Forschung und Entwicklung für das wirtschaftliche Fortkommen des

Landes und somit auch für die Gesellschaft des Landes wird durch die Bevölkerung nicht

entsprechend wahrgenommen, so Vertreter der Sächsischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Damit fehlt die nötige Akzeptanz der Forschung insgesamt; einer höheren finanziellen

Unterstützung steht man in Politik und Gesellschaft wenig aufgeschlossen gegenüber.

Veranstaltungen, die einen breiten öffentlichen Zugang zu Themen der Wissenschaft

ermöglichen (z. B. die Lange Nacht der Wissenschaften in Dresden), sollten deshalb in der

Zukunft verstärkt für Aufmerksamkeit in der Bevölkerung sorgen.

57


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

4 Demographischer Wandel – Qualifizierung und Arbeitsmarkt

Der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen – und damit letztlich auch von Regionen – hängt

unter anderem von der Verfügbarkeit qualifizierten Fachkräften ab. Die Diskussion über den

Mangel an qualifizierten Fachkräften wird seit einigen Jahren im Freistaat Sachsen mit

zunehmender Intensität geführt. 96 Das Thema des Demographischen Wandels, der

zurückgehenden Anzahl von Personen im erwerbsfähigen Alter, beherrscht 2007 nicht mehr

nur die Fachpublikationen, sondern ist auf einer breiten Basis in Politik und Gesellschaft

angekommen. So wird mittel- bis langfristig für immer mehr Branchen eine Lücke zwischen

Fachkräfteangebot und -nachfrage vorhergesagt, wobei diese Lücke vor allem qualitativer

Art ist. 97 In einige Branchen und Regionen ist bereits heute ein Defizit an qualifizierten

Fachkräften festzustellen: Es fehlen beispielsweise der IT-Branche Fachkräfte und in der

Automobilindustrie fehlen Dreher und Fräser. Aufgrund der anhaltenden Abwanderung und

der alterstrukturellen Veränderungen wird in den kommenden Jahren für weitere Branchen

und Regionen ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften erwartet. Es gilt nun, mit dem

Bewusstsein über die Problematik, Wege zu finden und Maßnahmen zu kreieren, die

gewünschte Anzahl an ausgebildeten Arbeitskräften zur Verfügung zu stellen.

In den folgenden drei Unterkapiteln wird zunächst auf die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung

im Betrachtungsgebiet eingegangen, um dann Schlüsse auf die Entwicklung am

Arbeitsmarkt zu ziehen. Abschließend werden Maßnahmen vorgestellt, wie den

Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt aktuell begegnet wird.

4.1 Demographischer Wandel in der Region

Die Bertelmann Stiftung hat in ihrem „Wegweiser Demographie“ 98 den deutschen Kommunen

ein Internetportal bereitgestellt, mit dessen Hilfe sie die zukünftigen

Bevölkerungsentwicklungen und deren Auswirkungen auf die Gemeinde ablesen können.

Hier sind die Statistiken jeder Kommune ab 5000 Einwohner einzeln abrufbar und es stehen

darüber hinaus Analysen sowie Empfehlungen, wie unterschiedlichen Entwicklungen

begegnet werden kann, zur Verfügung.

Die Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, einberufen durch die

Staatskanzlei des Freistaats Sachsen, hat im Jahr 2004, eine Bericht über die zukünftige

Entwicklung der Bevölkerung im Freistaat veröffentlicht. Hierin werden zum einen die

Herausforderungen aufgezeigt und ebenfalls Handlungsempfehlungen, in den unterschiedlichen

Politikfeldern, bezogen auf das Land Sachsens gegeben. Beide Quellen sind für die

folgenden Ausführungen Datengrundalge.

Das Statistische Landesamt des Freistaates prognostiziert für die Bevölkerungsentwicklung

Sachsens zwischen 2005 und 2020 einen Rückgang in verschiedenen Größenordnungen,

die sich in der Abbildung 10 je Kreis ablesen lassen:

Abb. 10 Bevölkerungsentwicklung im Freistaat Sachsen nach Kreisen, 2005-2020.

96 vgl. z.B. KRALINSKI, NOLLE 2002

97 REGIONOMICA 2004

98 www.wegweiserdemographie.de, 20.09.2007

58


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Quelle: Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.3

Die Schrumpfung an Bevölkerung wird weiterhin nicht homogen, für alle Kreise gleich,

vorhergesagt, sondern es lassen sich deutliche Unterschiede, vor allem zu den Städten

Dresden und Leipzig, erkennen.

Abb. 11 Entwicklung der Altersstruktur in Sachsen, 1990-2020

Quelle: Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.4

Abbildung 11 zeigt, dass die sächsische Bevölkerung nicht nur schrumpft, sondern auch

altert. Der Anteil der Bevölkerung bis unter 20 Jahre nimmt von heute 16,9 % auf 14,9 % im

Jahr 2020 ab. Spiegelbildlich nimmt der Anteil der Bevölkerung über 60 Jahre von

59


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

gegenwärtig 28,9 % auf 36,3 % zu. Das Durchschnittsalter ist seit 1990 bereits von 39,4

Jahren auf 44,4 Jahre gestiegen und wird sich bis 2020 auf 48,8 Jahre erhöhen.

Ganz ähnlich sind die Analysen der Bertelsmann Stiftung, auf Gemeindeebene. Ausgehend

von ihren Erkenntnissen clustert die Stiftung, unterschieden nach Kommunen und

Großstädte (ab 100.000 Einwohner), in unterschiedliche charakteristische Demographietypen.

Im Betrachtungsgebiet (bis Halle und Jena) lassen sich demzufolge sechs

unterschiedliche Demographietypen identifizieren:

1. Aufstrebende ostdeutsche Großstädte mit Wachstumspotenzial. Dazu zählen, die

Städte Dresden, Leipzig, Jena. (Sie sein in Abb.11 mit „stabil“ gekennzeichnet.)

2. Schrumpfende und alternde ostdeutsche Großstädte. Hierzu werden Chemnitz und

Halle auf Grund ihrer prognostizierten Bevölkerungsentwicklung gerechnet. (Abb.11:

„sehr stark abnehmend“)

3. Schrumpfende und alternde Städte und Gemeinden mit hoher Abwanderung. (Von 473

Kommunen in Ostdeutschland, liegen in dieser Kategorie 332. Auch die überwiegende

Anzahl der Kommunen im Betrachtungsraum ordnet sich dem Cluster zu. In Abb.11

ebenfalls gekennzeichnet als „sehr stark abnehmend“)

4. Suburbane Wohnorte mit hohen Wachstumserwartungen. Kommunen, welche

unmittelbar in Nachbarschaft zu den Großstädten liegen, können zumeist von

Abwanderungen aus diesen profitieren. Sie gelten daher als Kommunen mit leicht oder

stark zunehmender Bevölkerung.

5. Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit geringer Dynamik. Dies betrifft einige

Gemeinden im Betrachtungsgebiet, welche in der Abb.11 als „stark abnehmend“

gekennzeichnet sind.

6. Prosperierende Städte und Gemeinden im ländlichen Raum. Im Betrachtungsgebiet

treffen diese Aspekte auf nur wenige Kommunen zu.

Die Mehrzahl der Kommunen (inklusive der Großstädte) gehört, nach den Ausführungen der

Bertelsmannstiftung, den, unter Punkt 1 bis 3, beschrieben Clustern an. Für alle drei soll eine

detaillierte Situations- und Entwicklungsbeschreibung folgen. Zusätzlich werden

Ausführungen zur Bevölkerungsentwicklung in dem Bevölkerungscluster: Suburbane

Wohnorte mit hohen Wachstumserwartungen, aufgeführt unter Punkt 4, getätigt. Die

Entwicklungen, erläutert unter diesem Cluster, sind vor allem für die Umlandkommunen der

Städte Leipzig, Dresden und Halle charakteristisch.

60


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Abb. 12 Bevölkerungsentwicklung 2003 bis 2020 in den Landkreisen und Kreisfreien Städten (in %)

Quelle: www.wegweiserdemographie.de/handlungskonz/demotypen/jsp/demotypen.jsp, 20.09.2007

Die Städte Dresden, Leipzig und Jena konnten in den vergangen Jahren ihre

Bevölkerungszahlen stabilisieren. In den beiden sächsischen Städten kann bereits die

Umkehr der demographische Entwicklung von der Schrumpfung zu geringfügigem

Wachstum – trotz einer sehr niedrigen Geburtenrate und einem geringen Anteil von Kindern

und Jugendlichen – beobachtet werden, was für Jena ebenfalls prognostiziert wird. Die

zunehmende Stabilisierung bzw. die wachsende Dynamik in der Entwicklung, ist auf die

Zuwanderung junger Erwachsener und die weitgehend moderate Abwanderung der

Erwachsenen mittleren Alters bzw. von Familien in den suburbanen Raum, zurückzuführen.

Natürliche Bevölkerungsentwicklungen (insbesondere Geburten- und Sterberaten) spielen in

den letzten Jahren eine eher untergeordnete Rolle für die gesamte Entwicklung, werden

allerdings in Zukunft wichtiger. In den letzten Jahren konnten bereits hohe Wanderungsgewinne

bei den 18- bis 24-Jährigen ausgemacht werden. Die Städte demonstrieren damit

ihre Attraktivität für Bildungswanderer und Berufseinsteiger. 99

In der Analyse der Bertelsmann Stiftung heißt es weiterhin, dass die Geburtenrate in den

genannten Städten sehr gering ist (im Vergleich zu anderen Großstädten Deutschlands) und

der Anteil an Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sich auf niedrigem Niveau verhält.

Vergleichsweise werden die Großstädte dieser Kategorie jung bleiben. Bis zum Jahr 2020

wird der Anteil der 80-Jährigen etwa acht Prozent betragen. 100

Der zweite aufgeführte Demographietyp, schrumpfender und alternder ostdeutscher

Großstädte, trifft für die Städte Halle und Chemnitz zu. Charakteristisch sind in diesen

Kommunen die stark rückläufigen Bevölkerungszahlen, bestimmt durch hohe Wanderungsverluste

in allen Altersgruppen. Ein hoher und weiter stark wachsender Anteil älterer

Menschen geht dabei einher mit sehr hohen Arbeitslosenquoten und einem geringen

99 vgl. NEUMANN,I; WIECHMANN, TH. (2006), Demographietyp G6, S.2f

100 vgl. NEUMANN,I; WIECHMANN, TH. (2006), Demographietyp G6, S.2f

61


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Einkommensniveau in der Bevölkerung sowie sehr kleinen finanziellen Spielräumen der

Kommune. Die beiden Städte haben bereits Bevölkerungsverluste zwischen 10 und 14

Prozent in der Vergangenheit in Kauf nehmen müssen. Dennoch rechnet man für den

Zeitraum zwischen 2003 und 2020 wird mit einem weiteren Rückgang um durchschnittlich 17

Prozent. In erster Linie handelt es sich um Abwanderungsverlust. Ausnahme bildet die Stadt

Halle, sie konnte in den letzten Jahren bei der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen

hinzugewinnen, sicherlich ein Resultat einer attraktiven Ausbildungslandschaft. 101

Ein weiteres Merkmal der beiden Großstädte sind die stattfindenden Alterungsprozesse. Der

Anteil an Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wird bis zum Jahr 2020 nur leicht

zurückgehen (von 13,8 auf 13,2 Prozent). Hingegen wächst der Anteil der über 60-Jährigen

Menschen deutlich um zehn auf 38 Prozent an. Familienhaushalte mit Kindern werden dann

leicht unterrepräsentiert sein. Dieses Muster korrespondiert mit einer niedrigen Geburtenrate

und einem geringen Anteil junger Frauen. 102

Der überwiegende Anteil der Kommunen im Betrachtungsgebiet sind solche mit

schrumpfender und alternder Bevölkerung. Die Entwicklung ergibt sich aus den Effekten

heraus, dass es zu einer selektiven Abwanderung der jungen Bevölkerung kommt bzw.

bereits gekommen ist (vor allem betrifft das die Gruppe der Frauen im gebärfähigen Alter).

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der geringen wirtschaftlichen Potentiale werden der

Alterungs- und der Abwanderungsprozess der besonders gut ausgebildeten Fachkräfte und

Akademiker anhalten. Die Kommunen der Betrachtungsregion werden sich aber nur in den

seltensten Fällen ähnlich entwickeln. Wachstum und Schrumpfung liegen hier sehr dicht

beieinander. Verbunden mit der Schrumpfung sind Prozesse der Alterung. Bis 2020 altert die

Gesellschaft in den betreffenden Kommunen, um durchschnittlich weitere 10 Jahre und

erreicht damit ein Durchschnittsalter von 53 Jahren. Die Schere zwischen Jung und Alt wird

auch in Zukunft überproportional auseinander gehen. Der Anteil der über 60-Jährigen wächst

bis 2020 auf knapp 40 Prozent. Während dann jede/r Zehnte älter als 80 Jahre alt ist, wird

jede/r Achte noch nicht volljährig sein. 103

Eine wichtige Ursache für den Alterungsprozess ist abermals die selektive Abwanderung von

vor allem der 18-bis 24-Jährigen. Auch die Abwanderung der 20- bis 34-Jährigen ist

überdurchschnittlich hoch. Dass Frauen im gebärfähigen Alter die Region verlassen – dies

begann bereits in den 1990er Jahren -, hat nicht nur zur Folge, dass ihre Kinder nun in

anderen Gebieten zur Welt kommen; es zeichnet sich auch eine sprunghafte

Geburtenabnahme um das Jahr 2010 ab. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die

Bevölkerungsentwicklung der Kommunen äußerst heterogen ist und sich auch im Zeitraum

bis 2020 ändert kann. Einige schrumpfende Kommunen liegen sogar unmittelbar neben

Städten und Gemeinden mit hohen Wachstumserwartungen. 104

Die suburbanen Wohnorten mit hohen Wachstumserwartungen, aufgeführt unter Punkt

4, sind insbesondere für Familien attraktiv, während die 18- bis 24- Jährigen größtenteils

abwandern. Die heutigen Wanderungsgewinne von Familien können allerdings in Zukunft

101 vgl. NEUMANN,I; WIECHMANN, TH. (2006), Demographietyp G3, S.2f

102 ebenda

103 ebenda

104 vgl. WIECHMANN, TH. (2005), Demographietyp 4, S.2f

62


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

den Alterungsprozess beschleunigen. Diese suburbanen Gemeinden profitieren stark von

ihrer räumlichen Nähe zu den Wirtschafszentren der Großstädte. Dabei wird davon

ausgegangen, dass insbesondere die aufstrebenden Großstädte Dresden und Leipzig, hohe

Wachstumspotentiale besitzen. Der Wanderungsgewinn bei den Familien – d.h. bei den

unter 18-Jährigen und den 30- bis 49-Jährigen – liegt in diesen Gemeinden deutlich über

allen anderen Clustern. Er ist auf die starke Nachfrage nach Wohnraum insbesondere bei

Ein- und Zweifamilienhäusern Anfang der 1990er Jahre zurückzuführen. So attraktiv diese

Gemeinden für Familien sind, so uninteressant sind sie tendenziell für die potenziellen

Ersthaushaltsgründer (18- bis 24-Jährige). Nahezu 80 Prozent der Gemeinden verloren

Bewohner in dieser Altersgruppe durch Abwanderung. Auffallend ist, dass der Anteil von

Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ebenso wie der Anteil der über 60-Jährigen

jeweils relativ klein ist, während die 35- bis 60-Jährigen aufgrund der homogenen

Zuwanderung der Familien überproportional stark vertreten sind. Dies geht konform mit der

niedrige Geburtenrate in den Gemeinden. Bei anhaltend niedrigen Geburtenraten und auch

künftig niedrigen Anteilen an Kindern und Jugendlichen hätte dies zur Folge, dass sich der

aktuell abgeschwächte Alterungsprozess beschleunigen würde. Bis 2020 wird dann nämlich

die homogene Gruppe der zugewanderten Familien in die Gruppe der „jungen Alten“

hineingewachsen sein. 105

105 vgl. WIECHMANN, TH. (2005), Demographietyp 2, S.1f

63


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

4.2 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Expertenkommission „Demographischer Wandel Sachsen“ tituliert unter dem Thema

Wirtschaft und Arbeit: Das Angebot an Arbeitskräften geht dramatisch zurück! Nach

Angaben des statistischen Landesamtes Sachsens und diese Angaben können für das

gesamte Betrachtungsgebiet angenommen werden, wird das Erwerbspotential in Sachsen

zwischen 2004 und 2020 um rund 22 Prozent und damit deutlich stärker als die Bevölkerung

insgesamt (-12 Prozent) zurückgehen. Die Folge ist nicht nur eine Schrumpfung des

Arbeitsangebots, sondern auch eine Verschlechterung des Verhältnisses von Erwerbstätigen

zu Nichterwerbstätigen. Unter ansonsten gleichen Bedingungen führt dies wegen der

zusätzlichen Belastung der öffentlichen Haushalte zu einer ungünstigeren Bilanz für das

Wirtschaftswachstum. Wenn sich die altersspezifische Erwerbsbeteiligung (vgl. Abb.13) nicht

ändert, sinkt das Arbeitsangebot prozentual sogar stärker als die erwerbsfähige

Bevölkerung. Denn ein immer größerer Teil der Bevölkerung erreicht ein Alter, bei dem –

unter anderem wegen Frühverrentungen – die Erwerbsquoten absinken. Dennoch findet kein

„automatischer“ Abbau der hohen Arbeitslosigkeit statt. Bei den Geringqualifizierten wird sich

durch den Bevölkerungsrückgang die hohe Arbeitslosigkeit nicht wesentlich reduzieren,

während es in Teilarbeitsmärkten zu einem Arbeitskräftemangel kommen wird. Bereits jetzt

sind Hochqualifizierte in vielen Bereichen knapp.

Abb. 13 Erwerbspersonenpotential, 1990-2020

Quelle: Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.21

Die Anzahl 18- bis 25-Jähriger wird sich bis 2020 nahezu halbieren, ohne Gegenmaßnahmen

gehen die Absolventenzahlen in der Berufsausbildung und an den Hochschulen

drastisch zurück. Mittel- bis langfristig kann auch die derzeit noch zu verzeichnende

Zuwanderung von Studienanfängern aus anderen Ländern keinen Ausgleich schaffen, da ein

großer Teil von ihnen aus Ländern mit ähnlichen demografischen Problemen stammen wird.

Bereits ab 2010 wird die Zahl der Berufseinsteiger die Zahl der Berufsaustritte nicht mehr

kompensieren können. Die Folge ist, dass verfügbare Qualifikationen knapper und damit

vermutlich auch teurer werden, was sich ohne gegensteuernde Maßnahmen negativ auf die

Attraktivität der Standorte auswirken kann. 106

106

vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.21f

64


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Von Ausnahmen abgesehen verfügen die Unternehmen derzeit noch nicht über ein

demografiebewusstes, langfristiges Kompetenzmanagement. Dies ist jedoch insbesondere

für die Unternehmen unabdingbar, da sie einen erheblichen „Altersbuckel“ im Bereich der

mittleren und höheren Qualifikationen aufweisen. So konzentrieren sich beispielsweise

Ingenieursqualifikationen zunehmend auf die Altersgruppen 50+. Die Unternehmen stehen

damit in wenigen Jahren genau dann vor einem erheblichen personal- und

qualifikationsbezogenen Erneuerungsbedarf, wenn ihn die Arbeitsmärkte in Sachsen und

den entsprechenden Einpendlerregionen (Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen) am

wenigsten decken können. 107

Der fehlende Nachwuchs ist insbesondere für jene Wirtschaftszweige und Unternehmen eine

Gefahr, die ihre Innovationskompetenzen vor allem durch Fluktuation sichern. Das betrifft vor

allem weite Teile des Handwerks und der kleinen und mittleren Unternehmen, in denen

ältere, in Ruhestand gehende Mitarbeiter durch jüngere mit „frischem“ Technologie- und

Anwendungswissen ersetzt werden. Diese Unternehmen sehen sich einem wachsenden

regionalen Wettbewerb um junge Fach- und Führungskräfte ausgesetzt, der auch Auswirkungen

auf die Lohn- und Arbeitskosten haben wird. Tangiert wird hiervon auch die Frage,

ob in Zukunft eine ausreichende Zahl von Betriebsnachfolgern für die Betriebe vorhanden ist,

deren Eigentümer altersbedingt ausscheiden. Altersstrukturbedingt dürfte auch die Zahl der

Existenzgründungen deutlich stärker zurückgehen als die Bevölkerung insgesamt, denn das

Gründungsgeschehen konzentriert sich bisher auf die Altersgruppen bis zu 40 Jahren. Mit

einem überproportionalen Rückgang der Existenzgründungen muss also gerechnet werden,

wenn sich das Gründungsgeschehen nicht stärker auf die Über-40-Jährigen verlagert. Da

Existenzgründungen ein zentraler Innovationsträger sind, kann auch das

Innovationsgeschehen von diesem Altersstruktureffekt negativ beeinflusst werden. 108

Folge des Rückgangs des Erwerbspersonenpotenzials und des Alterungseffekts könnte

insgesamt eine Abschwächung der Wachstumskräfte sein, wenn es der Politik nicht gelingt,

rechtzeitig Weichenstellungen hin zu einer Erhöhung des qualifizierten Arbeitsangebotes

vorzunehmen. Hierzu zählen auch die Fragen der Zuwanderung qualifizierter bzw.

qualifikationsfähiger Personen aus dem Ausland sowie die Förderung des lebenslangen

Lernens. 109

Für die Städte Dresden, Leipzig und Jena wird, seitens der Bertelsmann Stiftung, ein

dynamischer wirtschaftlicher Strukturwandel mit hohem Wachstumspotenzial prognostiziert.

Derzeit stecken diese Städte noch immer in einem sehr dynamischen wirtschaftlichen

Umstrukturierungsprozess und weisen deutliche strukturelle Schwächen auf. Die drückt sich

auch in der Arbeitslosenstatistik aus. Die Arbeitsplatzentwicklung der letzten Jahre verlief für

die Stadt Leipzig wenig positiv, als das für Dresden und Jena der Fall war, wo die Zahlen

zwischen 1998 und 2003 weitgehende stabil blieben. Gekennzeichnet sind alle drei Städte

durch einen hohen Anteil des Dienstleistungssektors von 80 Prozent (zurückzuführen auf

den massiven Verlust an Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe). In den letzten Jahren

konnten die Großstädte ihre negativen ökonomischen Strukturdaten vielfach verbessern und

deutlich an wirtschaftlicher Leistungskraft aufholen. Die drei aufstrebenden Städte des

107 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.22f

108 ebenda

109 ebenda

65


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Betrachtungsgebietes gelten mit ihrem Wachstumspotenzial als Entwicklungszentren und

Wachstumsmotoren, wo auch in der Zukunft hohe Wachstumsraten möglich scheinen.

Unterstützt wird diese Behauptung durch die Tatsache, dass ein überdurchschnittlicher

Anteil (17 zu durchschnittlich 11 Prozent) an hoch qualifizierten Beschäftigten in diesen

Städten lebt.

Im weiteren Verlauf der aktuellen Entwicklung wird es in der Zukunft für die Kommunen

wichtig sein, neue Arbeitsplätze zu schaffen und insbesondere die wissensbasierten

produzierenden Zukunftsbranchen auszubauen. Es wird empfohlen vor allem die

bestehenden Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen zu intensivieren und neue zu

generieren. 110

Handlungsempfehlungen für die Städte Dresden, Leipzig, Jena:

- Regionale Branchenschwerpunkte als Wachstumsmotoren fördern,

- Regionale Vernetzungen unterstützen (Kommunen agieren als Impulsgeber und Moderator,

Förderung der Bewusstseinsbildung, Anreize und Unterstützung für Kooperationen,

Organisation von Plattformen),

- Aktivierung endogener Potenziale durch die lose institutionelle Verkopplung von

Wissenschaft, Politik und Wirtschaft,

- Weiterentwicklung und Diversifizierung der Netzwerkstruktur. 111

Chemnitz sowie Halle sind, trotz ihrer beträchtlichen Arbeitsplatzverluste, nach wie vor

regionale Arbeitsplatzzentren mit einem hohen Einpendlerüberschuss von Berufstätigen.

Ebenfalls wie die Städte Leipzig, Dresden, Jena halten sie einen hohen Anteil an

Arbeitsplätzen in den Dienstleistungsbranchen vor. Der Anteil des produzierenden Gewerbes

ist ebenfalls mit 17 Prozent sehr gering, verglichen mit dem Durchschnittswert aller Städte

über 100.000 Einwohner.

Die anhaltende Abwanderung erodiert die ökonomische Basis der Kommunen. Aufgrund der

Abwanderungsverluste der Hochqualifizierten und der Bildungswanderer und

Berufseinsteiger müssen sich die Großstädte auf einen deutlichen Fachkräftemangel

einstellen. Ein erfolgreicher Umstrukturierungsprozess und die Schaffung neuer Arbeitsplätze

werden somit grundlegend davon abhängen, ob es gelingt, die Abwanderung junger

und qualifizierter Arbeitskräfte zu stoppen und umzukehren. Hierfür bedarf es eines

attraktiven Lebensumfeldes für junge Erwachsene welches auch zu Existenzgründungen

ermutigt und dem Ausbildungsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig sollten auch junge

Senioren qualifiziert und länger in den Arbeitsmarkt einbezogen werden. 112

Handlungsempfehlungen für die Städte Chemnitz und Halle:

- Regionale Branchenschwerpunkte und endogene Potenziale des Mittelstandes fördern

110 vgl. NEUMANN,I; WIECHMANN, TH. (2006), Demographietyp G6, S.6f

111 ebenda

112 vgl. NEUMANN,I; WIECHMANN, TH. (2006), Demographietyp G3, S.4f

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Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

- Regionale Vernetzungen unterstützen (Kommunen agieren als Impulsgeber und Moderator,

Förderung der Bewusstseinsbildung, Anreize und Unterstützung für Kooperationen,

Organisation von Plattformen),

- Aktivierung endogener Potenziale durch die lose institutionelle Verkopplung von

Wissenschaft, Politik und Wirtschaft,

- Netzwerkstrukturen weiterentwickeln und diversifizieren,

- Bildungsmöglichkeiten im Alter fördern (Bildungsberatung älterer Menschen, Qualifizierungsangebote

für Senioren). 113

Kommunen mit hoher Abwanderung und somit schrumpfender und alternder

Bevölkerung weisen in Folge dessen ein äußerst schwaches wirtschaftliches Potential aus.

Das betrifft in jedem Fall die kommunalen Finanzen, ist aber auch in ihrer Ausstattung an

Unternehmen sichtbar. Die Arbeitsplätze sind zu über 60 Prozent im Dienstleistungssektor

angesiedelt; das verarbeitende Gewerbe ist mit einem Anteil von 34 Prozent schwach

vertreten, während der Primärsektor (Landwirtschaft, Forsten, Bergbau, Energie) mit 3,5

Prozent der Arbeitsplätze relativ ausgeprägt ist. Erhebliche Arbeitsplatzverluste

kennzeichnen die Entwicklung der letzten Jahre. In über 80 Prozent der Kommunen ging die

Zahl der Arbeitsplätze zwischen 1998 und 203 zurück, meist um mehr als 10 Prozent. Die

Arbeitslosenquote in diesen Kommunen ist vergleichsweise hoch und kann im

Betrachtungsgebiet zwischen 25 und 35 Prozent liegen. Mit dem negativen Wanderungssaldo

junger Bevölkerungsschichten wird es in einigen Städten und Gemeinden zu einem

dramatischen Fachkräftemangel kommen. Dieser Umstand ist bereits heute vielerorts

spürbar und wird weiterhin anhalten. 114

113 ebenda

114 vgl. WIECHMANN, TH. (2005), Demographietyp 4, S.8f

67


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Handlungsempfehlungen für die Kommunen mit schrumpfender und alternder Bevölkerung:

Bei den Kommunen mit diesen Herausforderungen besteht größter Handlungsbedarf. Als

oberstes Ziel aller kommunalen Anpassungsstrategien gilt es hier Lösungen für tragfähige

Strukturen der kommunalen Entwicklung zu finden. Mittel bis langfristiges Ziel sollte es sein eine

Optimierung der Situation zu erreichen und eine Stabilisierung der Bevölkerungszahlen

anzustreben. Schrumpfungsprozesse sind in aller Regel Ausdruck einer krisenhaften

ökonomischen Entwicklung, wie sie nach 1990 zu beobachten war. Für die Kommunen ist es

wichtig ihre Rolle in der regionalen Wirtschaft neu zu definieren, dabei auf vorhandene Stärken

zu setzen und gezielt Nischen zu suchen. Es muss darum gehen, Prioritäten zu setzen und diese

dann konsequent zu verfolgen.

Gerade in weiten Teilen des Betrachtungsraums (Verdichtungsraum in Sachsen) finden sich

vergleichsweise günstige Standortfaktoren für die Ansiedlung von Unternehmen: gut ausgebildete

Fachkräfte, relativ niedrige Löhne, eine gut ausgebaute Infrastruktur und hohe staatliche

Beihilfen. Letztlich ist für eine Entwicklung in den Regionen die Zusammenarbeit aller

Verwaltungs- und Politikbereiche sowie Kreativität und Mut zu Visionen gefragt. 115

Die Erwerbstätigen aus den suburbanen Wohnorten mit hohen Wachstumserwartungen

pendeln überwiegend in die Großstadt oder in andere Arbeitszentren innerhalb des

Verdichtungsraums. Typisch für suburbane Räume ist die dominierende Wohnfunktion. Nur

wenige Kommunen haben deutliche Einpendler-Überschüsse und damit eine regionale

Bedeutung als Wirtschaftszentrum. Die Arbeitsplätze sind zu zwei Dritteln im

Dienstleistungssektor und zu knapp 30 Prozent im verarbeitenden Gewerbe angesiedelt. Der

primäre Sektor deckt mit insgesamt 4 Prozent relativ viele Arbeitsplätze ab. 116

4.3 Maßnahmen

Die Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“ gibt in ihrem Bericht unter

der Rubrik „Wirtschaft und Arbeit“ und „Bildung“ Empfehlungen an die Regierung und die

Bürger des Freistaates Sachsen aus, mit denen die Auswirkungen des demographischen

Wandels auf die regionale Wirtschaft kompensiert werden können. Die empfohlenen

Maßnahmen haben nicht nur bis zur sächsischen Landesgrenzen ihre Gültigkeit sondern

können genau so gut auf die erweiterte Region (Betrachtungsgebiet) bezogen werden.

Politik auf Steigerung der Produktivität ausrichten

Als Faustformel kann gelten, dass die demografische Entwicklung in Deutschland etwa ein

Drittel des langjährigen durchschnittlichen Produktivitätszuwachses von etwa 1,5 % kostet.

Daraus folgt als grundlegender Ansatzpunkt, dass die Politik auf die Steigerung der

Produktivität je Erwerbstätigem auszurichten ist. Wenn der Anteil der Erwerbspersonen an

der Gesamtbevölkerung abnimmt, müssen diese Erwerbspersonen umso produktiver sein,

um den Lebensstandard aller abzusichern. Aus der empirischen Wachstumsforschung

lassen sich die Treiber von Wachstumsprozessen gut identifizieren: Danach kann

wirtschaftliches Wachstum durch zunehmende staatliche und private Investitionen, eine

verbesserte Humankapitalbildung und durch eine verringerte Abgabenbelastung, ein

geringeres staatliches Defizit sowie eine verminderte strukturelle Arbeitslosigkeit gesteigert

werden. Auch wenn es sich bei der Produktivitätssteigerung um langfristig wirkende

115 vgl. WIECHMANN, TH. (2005), Demographietyp 4, S.8f

116 vgl. WIECHMANN, TH. (2005), Demographietyp 2, S.4f

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Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Maßnahmen handelt, sollten die genannten Wachstumsfaktoren systematisch als Kompass

für eine demografische Vorsorgepolitik angesehen werden. Die Ausrichtung an

Humankapitalbildung und Produktivitätssteigerung entspricht der europäischen Lissabon-

Strategie und sollte bei der Ausgestaltung der Ziele und Maßnahmen der operationellen

Programme der Strukturfonds stark berücksichtigt und konsequent durchgesetzt werden. 117

Lücke bei qualifizierten Arbeitskräften schließen

Um eine demografiebedingte Belastung des sächsischen Wirtschafts- und Innovationssystems

zu verhindern, muss durch die weitere Verbesserung des sächsischen Bildungssystems

den drohenden Lücken beim Angebot qualifizierter Arbeitskräfte entgegengewirkt

und Sachsen als Magnet für junge Fach- und Führungskräfte und deren Familien etabliert

werden. Dieser Magneteffekt wird sich aufgrund der notwendigen internationalen

Wahrnehmbarkeit und Reputation nicht generell, sondern nur bezogen auf Kernkompetenzen

ausgewählter Regionen entwickeln lassen. Deshalb ist eine Konzentration der

Mittel der Struktur- und Technologiepolitik auf einige wenige Kompetenzfelder sinnvoll, für

die der Freistaat günstige Voraussetzungen schaffen kann.

Voraussetzung für eine auf die Stärken der Regionen bezogene Fachkräftepolitik ist eine

belastbare, sektoral und regional differenzierte Prognose des zukünftigen Bedarfes an

Facharbeitern, Experten und Führungskräften (Frühwarnsystem). Sie muss in Beziehung

gesetzt werden zu den staatlichen und privaten Bildungs- und Ausbildungskapazitäten. Ein

regelmäßiges Monitoring ist sinnvoll. Es werden zudem Informationen über das Verhältnis

von Bildungsinvestitionen in Sachsen und die Abwanderung von qualifizierten Menschen

gebraucht (Wissensinvestitionsbilanz): Welcher Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung bleibt

künftig produktivitätswirksam im Land und wie kann er gehalten werden?

Sachsen muss sich in jedem Fall noch stärker auf eine „Brain Gain“- Politik (Zuzug und

Bleiben von ausgebildeten Arbeitskräften) konzentrieren. Dies umfasst im Kern die

Schaffung günstiger Lern- und Lebensbedingungen für junge Menschen. Eine eigenständige

Migrationspolitik ist einem Bundesland zwar nicht möglich, aber durch die Freizügigkeit im

Rahmen der EU-Osterweiterung ergeben sich neue Chancen zur Gewinnung hoch

qualifizierter Arbeitskräfte aus den Beitrittsländern im Rahmen kleinräumiger Migration.

Insbesondere hoch qualifizierte Zuwanderer weisen eine günstige Fiskalbilanz für das

Zuwanderungsland auf.

Die Anwerbung von Fachkräften muss daher als wirtschaftspolitische Querschnittsaufgabe

angegangen werden. Voraussetzung für eine Anwerbungsoffensive insbesondere für

technisch-naturwissenschaftlichen Nachwuchs, ist ein entsprechendes Anwerbungskonzept,

das kurzfristig erstellt und in Kooperation mit Hochschulen und Unternehmen umgesetzt

werden sollte. Dieses Konzept muss mit Bezug auf das Fachkräfte-Monitoring Informationen

darüber liefern, wo die benötigten Nachwuchstalente zu finden sind, welche

Bildungsinstitutionen in Nachbarländern entsprechend ausbilden, wie Zielgruppen

angesprochen werden können – und vor allem welche Anreize (z.B. Stipendien) in

Kooperation mit den Hochschulen, Kommunen und Unternehmen angeboten werden

müssen, um vorbeugend erkennbare Lücken zu schließen. Dazu gehört auch eine

dauerhafte Bleibe-Perspektive verbunden mit entsprechenden beruflichen Übernahmeangeboten

(z. B. Betriebsstipendien plus Anschlussvertrag). Unter anderem kann und muss

117 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.49f

69


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

im Verwaltungsvollzug beispielsweise ausländischen Studenten der Verbleib erleichtert

werden.

Augenmerk verdient in diesem Zusammenhang auch das Thema Unternehmensnachfolge,

die bisher vielfach an fehlendem Nachwuchs scheitert und im Vergleich zur

Existenzgründung – einer Daueraufgabe der Wirtschaftspolitik – weniger anspruchsvoll ist.

Prinzipiell kommt der Verkauf von Unternehmen als Ganzes oder in Teilen an ein anderes

Unternehmen, an Investmentgesellschaften, an bisherige Führungskräfte, an Unternehmerpersönlichkeiten,

die eine Selbstständigkeit anstreben oder an potenzielle Nachfolger aus

den neuen EU-Staaten in Frage. Die Landerregierungen können hier zusammen mit den

Kammern vor allem eine werbende und informierende Funktion übernehmen.

Der Verlängerung der Lebensarbeitszeiten ist Priorität einzuräumen, auch wenn der direkte

Einfluss der Landespolitik auf diese Größen begrenzt ist. Für alle anderen Beschäftigten

unterliegt die Arbeitszeitpolitik im Wesentlichen der Aushandlung der Tarifparteien, doch

kann die Landespolitik direkt oder indirekt Anreize zur Vergrößerung des Arbeitsvolumens

bieten, etwa durch die Förderung von Lebensarbeitszeitkonten. 118

Regionale Stärken fördern

Bei der Förderung neuer Cluster muss auf regionale Stärken geachtet werden. Wichtig mit

Blick auf die Steigerung der Produktivität sind vor allem Forschungseinrichtungen und

Hochschulen, die mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Die Technologieauswahl muss

jedoch den Unternehmen überlassen bleiben. In peripheren Regionen ohne entsprechende

Voraussetzungen (Unternehmen, FuE-Institute, qualifizierte Kräfte) sind die Chancen gering,

durch Innovations- und Investitionsförderung künstlich Cluster zu schaffen. Die geforderte

Clusterförderung wird jedoch auf Akzeptanzprobleme stoßen und ist höchst

abstimmungsbedürftig (Kommunen, Land, Bund, EU), wenn sie wirksam werden soll.

Die Pionierfunktion, die Sachsen im demografischen Wandel einnimmt, könnte der

sächsischen Wirtschaft auch helfen, den demografischen Wandel selbst als neues

Kompetenzfeld zu entdecken. Unternehmen werden in Sachsen viel früher als in den

meisten anderen Regionen mit den Fragen der Alterung und des Bevölkerungsrückgangs

konfrontiert. Viele Produkte müssen altersgerecht gestaltet werden und die Leistungen der

Firmen (z. B. Filialnetz der Banken) müssen in immer dünner besiedelten Regionen an den

Kunden gebracht werden. Bei intensiver Auseinandersetzung mit der Thematik werden sie

daher auch eher in der Lage sein, maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Der

demografische Wandel bietet hier also durchaus die Chance, eine neue und eigenständige

regionale Stärke zu entwickeln. 119

Lebenszyklusorientierte Personalpolitik fördern

Zur Abmilderung des demografisch bedingten drohenden Fachkräftemangels wird es für

Unternehmen unerlässlich sein, das Potenzial aller Altersgruppen auszuschöpfen. Das

bedeutet zum einen, die Älteren länger zu beschäftigen, in ihre Weiterbildung zu investieren

und vor ihrem Ausstieg für einen geeigneten Wissenstransfer zu sorgen. Zum anderen muss

das Potenzial des zahlenmäßig drastisch sinkenden Angebots an jungen Arbeitskräften

besser genutzt werden.

118 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.50f

70


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Dazu ist es erforderlich, im Dialog mit den Kammern die Chancen einer Modularisierung von

Ausbildungsgängen auszuschöpfen. Die Länder der Betrachtungsregion sollten ihre

Anstrengungen verstärken, junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche

Berufe zu gewinnen. Notwendig ist insgesamt eine lebenszyklusorientierte Personalarbeit,

die flexible und längere Arbeitszeiten, lebenslanges Lernen und Maßnahmen zur besseren

Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert. Die Länder sollten Unternehmen, die ihre

Demografiefestigkeit prüfen und entwickeln wollen, gezielt fördern, um die öffentliche

Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen.

Im Bereich der Weiterbildung herrschen komplexe Anbieter- und Anreizstrukturen, während

die Länder selbst nur begrenzte Steuerungsmöglichkeiten haben. Die Landesregierungen

können aber diesen Prozess, der in erster Linie in der Verantwortung der Betriebe,

Arbeitnehmer und Sozialpartner liegt, durch geeignete Maßnahmen flankieren. Es gibt

inzwischen eine ganze Reihe von erprobten Werkzeugen und guten Praktiken, die im

Rahmen einer breiten Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht werden können. In diesem

Zusammenhang sollte eine Strukturanalyse durchgeführt und eine Neuausrichtung des

Weiterbildungssystems in Kooperation mit Anbietern, Unternehmen, Kammern und

Verbänden vorangetrieben werden. Alle Maßnahmen, die geeignet sind, die

lebenszyklusorientierte Personalpolitik zu fördern, tragen auch dazu bei, qualifizierte

Arbeitskräfte länger im Erwerbsleben zu halten und so die Lebensarbeitszeit zu erhöhen.

Geringqualifizierte beschäftigen

Besonderes Augenmerk verdienen bildungsbedingte Problemgruppen. Geringqualifizierte

und Langzeitarbeitslose werden trotz der demografischen Entwicklung eine besondere

Problemgruppe des Arbeitsmarktes bleiben. Eine Erhöhung ihrer Erwerbstätigenquote ist mit

Blick auf die ungünstiger werdenden Belastungsrelationen vordringlich. Deshalb ist ein neuer

Anlauf zu einem tragfähigen Kombi-Einkommens-Modell wünschenswert. Ein

ordnungspolitisch korrekter und praktikabler Weg wäre die Aufstockung niedriger

Einkommen im Rahmen des Steuersystems. Um das Existenzminimum zu sichern, wird das

Arbeitseinkommen von Geringverdienern durch eine Steuergutschrift aufgestockt.

International sind solche Modelle bereits bekannt und positiv evaluiert. Sie bieten zudem

einen Anreiz für längere Arbeitszeiten, weil sie einen gleitenden Übergang in die

Vollzeitbeschäftigung ermöglichen. 120

Ausbildungsschwache fordern und fördern

Das Problem mangelnder Ausbildungsreife von Schulabgängern ist kurzfristig nicht zu

beheben. Das System der beruflichen Bildung übernimmt häufig eine kurative Funktion,

indem es in der dualen Berufsausbildung auch lernschwächere Schüler aufnimmt und zu

einem qualifizierten Abschluss zu führen versucht. Zur Unterstützung dieser Funktion ist die

Ausbildungsschwelle für Unternehmen durch flexiblere Ausbildungsvergütungen zu senken.

Zur Unterstützung sind auch die Ausbildungsberufe zu modernisieren, zu differenzieren und

zu individualisieren, damit die Belange von leistungsschwächeren Jugendlichen stärker

berücksichtigt werden können. Die Ausbildungsabbrecherquote ist durch erhöhte

Anforderungen an die Ausbildungsbereitschaft von jugendlichen ALG II-Beziehern zu

119 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.51ff

120 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.53f

71


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

vermindern. Der internationale Vergleich zeigt, dass bisher ausschließlich solche Modelle

aktiver Arbeitsmarktintegration erfolgreich waren, die die Ausweichtaktik unmotivierter

Jugendlicher nicht tolerierten. Insbesondere wird die Umsetzung und Förderung

produktionsschulorientierter Modelle empfohlen. 121

Weiterbildung national und international ausbauen

Die Bildungspolitik muss zusätzlich zu ihren originären Aufgaben zukünftig auch die

berufliche und allgemeine Weiterbildung umfassen. Die Entwicklung von Kreativität und

Innovation ist in allen Bildungseinrichtungen als Schlüsselqualifikation zu fördern. Der Export

und die internationale Kooperation auf dem Gebiet der Weiterbildung sind auszubauen.

Die Bürger, insbesondere ältere Arbeitnehmer, als Nachfrager von Weiterbildungsangeboten

müssen deutlicher erkennen, welche Vorteile sich ihnen aus der Beteiligung am

lebenslangen Lernen bieten. Die persönliche Bereitschaft, Motivation und Eigenverantwortung

für das lebenslange Lernen können durch ideelle und materielle Anreize

stimuliert werden. Für finanziell schwache Bevölkerungsschichten können z.B.

personenbezogene „Bildungsgutscheine“ vergeben werden. Darüber hinaus müssen die

deutschen Unternehmen als die zentralen Akteure beruflicher Weiterbildung in Zukunft

wesentlich stärker angesprochen und eingebunden werden. So können z.B. Unternehmen,

die ihre Mitarbeitenden weiterbilden, mit öffentlichen Preisen gewürdigt werden. Das

lebenslange Lernen könnte auch durch eine ressort- und bildungsebenenübergreifende

Zusammenarbeit gefördert und weiterentwickelt werden, z.B. durch Bildungsberatung,

selbstorganisiertes Lernen mit Medienunterstützung sowie durch die Gestaltung von

Bildungsevents („Lernfeste“) für jedermann. Jenseits der Auszeichnung von „Best Practice“-

Beispielen und des Appells an alle Beteiligten ist der Einfluss der Landespolitik auf die

Nachfrageseite jedoch beschränkt.

Auf der Anbieterseite können die Landerregierungen dagegen direkt in die qualitative und

quantitative Verbesserung des Weiterbildungsangebotes eingreifen. Dazu müssen die

Anreize für Hochschulen und andere öffentlichrechtliche Bildungseinrichtungen erhöht

werden, sich im Bereich der Weiterbildung zu engagieren. So sollten beispielsweise die

Einnahmen aus modularisierten Angeboten der Weiterbildung bei den Hochschulen

verbleiben oder Weiterbildungsleistungen an den Hochschulen den Leistungen im

grundständigen Studium gleichgestellt werden.

Eine stärkere Bedeutung kommt in Zukunft der Entwicklung praktikabler Lern- und

Bildungskonzepte, der Gestaltung der Übergänge zwischen den Bildungsebenen (bzw.

Lernphasen) und der Abstimmung der Weiterbildungseinrichtungen untereinander zu. Eine

Anpassung an die Bedürfnisse derjenigen, die von den Bildungsangeboten profitieren sollen

und wollen, ist dazu unerlässlich. Es muss gewährleistet sein, dass die Bildungsinhalte den

sich ständig ändernden Rahmenbedingungen angeglichen werden. 122

Für einige der erläuterten Maßnahmen und Empfehlungen gibt es bereits einige Beispiele,

die an dieser Stelle Erwähnung finden sollen und das Kapitel damit auch schließen:

121 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.54f

122 vgl. Expertenkommission „Demographischer Wandel in Sachsen“, S.47ff

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Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

Zum eine handelt es sich um das Programm „Lernende Regionen – Förderung von

Netzwerken“, das durch das Bundesforschungsministerium in Kooperation mit den

Bundesländern und unterstützt durch den Europäischen Sozialfonds durchgeführt wird. Es

geht darum, die Bildung von regionalen Lernnetzwerken zu fördern. Im Einzelnen verfolgt

das Programm folgende Ziele: 123

− Strengthening the learner’s personal responsibility and self-management

− Motivating disadvantaged groups that are currently less involved in education

− Strengthening relations between all educational sectors

− Co-operation of educational providers and users

− Improving the quality, quantity, and structure of offers, in order to promote userorientation

in particular.

Bundesweit gibt es 72 Netzwerke, die durch die BMBF-Initiative gefördert werden, darunter

fünf im Freistaat Sachsen: Bildungsmanagement in der Lernenden Region Zwickau,

Lernende Region „Bildungsforum Südwestsachsen“, Leipzig lernt – eine Region im Umbruch,

Regionales Lernforum im Wirtschaftsraum zwischen Elbe und Elster sowie PONTES –

Lernen in und für Europa. Brücken bauen in der Euregio Neiße. Für den erweiterten

Betrachtungsraum – bis Halle und Jena – werden die Initiativen durch zwei weitere ergänzt:

die MIA - Mitteldeutsche Industrieregion im Aufbruch - Lernende Region Sachsen-Anhalt und

JenRegioNet- Lernende Region Jena/Saale-Holzland-Kreis 124

Die Förderdauer der Netzwerke und Initiativen ist im Jahr 2007 ausgelaufen. Einige, wie das

„Bildungsforum Südwestsachsen“, sind in andere Trägerschaften und Finanzierungsmodelle

übergegangen und werden trotz dem Ende der Förderperiode weitergeführt, was als Erfolg

verstanden werden kann.

LEONARDO-BÜRO PART SACHSEN

In die Prozesse des lebenslangen Lernens sind auch die Aktivitäten der sächsischen

Hochschulen bei der Umsetzung des europäischen Berufsbildungsprogramms LEONARDO

DA VINCI einzuordnen. Seit 1995 hat sich das LEONARDO-BÜRO PART SACHSEN als

Servicebüro für inzwischen 13 sächsische Universitäten und Hochschulen für die

gemeinsame Umsetzung dieses Programms an der Schnittstelle Hochschule-Wirtschaft

etabliert. Durch das Büro wurden seit dem zwölf Mobilitätsprojekte zur Vermittlung von

Studierenden oder Hochschulpersonal zu Praktika in die Wirtschaft und fünf Pilotprojekte im

Bereich der Aus- und Weiterbildung koordiniert. Darüber hinaus hat das Büro an

drei europäischen Pilotprojekten als Partner teilgenommen. Ziel aller Projekte ist es, dass

sächsische und europäische Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten, um einen

Beitrag zur Steigerung der Qualität der Aus- und Weiterbildung junger Menschen zu leisten

123 vgl. BMBF 2004c, S.6

124 www.lernende-regionen.info, 29.09.2007

73


Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen auf regionaler Ebene am Beispiel Sachsens

und damit die Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt bzw. die Weiterentwicklung im Beruf

nachhaltig zu verbessern. 125

Mit unterschiedlichen Initiativen versuchen, auch die Kammern und Verbände, aktuellen und

zukünftigen Entwicklungen auf dem Arbeitskräftemarkt zu begegnen. So hat die IHK

Sachsen zusammen mit der Agentur für Arbeit, den staatlichen Verwaltungen und den

Kreisen / Kommunen eine Homepage geschaltet, über die sich Fachkräfte als Neu-Sachsen

oder Rückkehrer vornehmlich über ihrer beruflichen Möglichkeiten und das Leben in der

Oberlausitz informieren können. 126

125 www.leo.tu-dresden.de/, 27.09.2007

126 www.sachsekommzurueck.de, 27.09.2007

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