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wd | Herbst 2020

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Wir müssen fast schon

Wir müssen fast schon in Konzernstrukturen denken. Das bedeutet: die Organisation und die Führungsriege mit Kompetenzen ausstatten, Vertrauensvorschüsse geben und gleichzeitig als ein weiterer Meilenstein neue Vertriebswege beschreiten. Gleichzeitig implementieren wir digitale Prozesse. Mit Webmeetings und Co. steht uns ein ganz anderer Werkzeugkasten als noch vor einigen Jahren zur Verfügung. Das muss genutzt werden. Martin Osterberger-Seitz, CEO und COO der Seitz Gruppe 76

wd YOUNG GENERATION YOUNG GENERATION Business bleibt Business. „Ich bin eigentlich kein typischer ‚Car-Guy‘, war auch nie ein Autofanatiker“ - Martin Osterberger-Seitz sagt diesen Satz aus voller Überzeugung. Als Sprecher der Geschäftsführung der Seitz Gruppe mag das auf den ersten Blick verwunderlich klingen. Osterberger-Seitz sieht das pragmatischer: „Business ist immer Business. Allerdings hilft es natürlich in meiner Position sehr, wenn man selbst eine Liebe und Leidenschaft zu Fahrzeugen entwickelt hat. Unsere Kunden kaufen die Fahrzeuge zu 70% aus Emotionalität. Diese Faszination im Hinblick zu unseren Modellen hat mich selbst damals nach den ersten Gehversuchen voll eingeholt. Das hat mich in der Entscheidungsfindung, in die Automobile Handelswelt einzutauchen, sofort befeuert. Trotzdem ist es manchmal nicht schlecht, wenn man die Dinge etwas losgelöst vom reinen Autohandel sieht. Gerade bei unserer Größe geht es darum, unternehmerisch richtige Entscheidungen zu treffen. Oftmals hat das mit dem eigentlichen Produkt nichts zu tun“. Man spürt es in diesen Zeilen bereits: Martin Osterberger-Seitz ist ein echter Geschäftsmann. Das rührt mit Sicherheit auch aus seinem beruflichen Werdegang. Nach Schreinerlehre, nachgeholter Realschule und Fachabitur fiel die Entscheidung zunächst gegen ein Studium und für seine erste Selbstständigkeit. Gemeinsam mit einem guten Freund starteten die beiden im tschechischen Pilzen in der Konfektionierungsbranche durch. Nebenbei absolvierte Osterberger-Seitz in Weiden in der Oberpfalz ein klassisches BWL-Studium auf Diplom. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, zumal er seine Firma weiterhin betreiben konnte. Der Eintritt Tschechiens in die EU erschwerte das Geschäftsmodell der Jungunternehmer dann aber deutlich. Just zu dieser Zeit lernte Osterberger-Seitz seine heutige Frau kennen. „Das Autohaus Seitz war zuvor für mich immer Seitz in der Immenstädter Straße. Dass da viel mehr dran hängt, habe ich erst im Laufe der Zeit mitbekommen. Da meine Frau mit meinem Schwiegervater eine Nachfolgeregelung besprochen hatte, wurde ich immer mehr mit in die Überlegungen einbezogen“, schildert Osterberger-Seitz die Schritte hinein ins Familienunternehmen Seitz. Seine ersten Wurzeln in der Seitz Gruppe schlug der Schwiegersohn dann im VW-Zentrum in Kempten. „Mir war klar: wenn du in diesem Unternehmen was machen und bewegen willst, musst du zuvor im Sales oder After Sales aktiv am Kunden gewesen sein. Mir hat diese Erfahrung und auch die klassische Verkäufer- Ausbildung sehr gut getan“, blickt Osterberger-Seitz zurück. Mit klarem Fokus auf ein späteres Engagement im Management verkaufte der Allgäuer über 1,5 Jahre Autos an der Front. Nach dem Erwerb der Niederlassung in Wangen leistete Osterberger-Seitz dann Pionierarbeit im Westallgäu beim Aufbau. „Das hat grundsätzlich sehr gut funktioniert, auch wenn ich einige Fehler aus dieser Zeit heute nicht mehr machen würde“, erzählt er mir. Welche Fehler er genau meint, verrät er mir nicht. Es dürften allerdings keine allzu großen Fauxpas gewesen sein, denn kurze Zeit später führte sein Weg in die größte Seitz-Niederlassung nach Memmingen. Dort hatte man für den in Ruhestand verabschiedeten Niederlassungsleiter keine Nachfolge – Zeit für Osterberger-Seitz, sich weitere Sporen zu verdienen. Keine einfache Aufgabe, die er da an sich riss. „Aus meiner Sicht war es eine Bewährungsprobe. Ich habe das auch zu meinem Schwiegervater gesagt. Wenn es gut geht, bin ich vielleicht für die Zukunft der Richtige. Ich wurde toll empfangen, gleichzeitig als Schwiegersohn aber auch kritisch beäugt. Heute bin ich froh, dass das Team mir damals persönlich die Chance gegeben hat, zueinander zu finden. Wir haben den ‚Tanker‘ dann auch schnell in positives Fahrwasser geführt“, erzählt mir Osterberger-Seitz, welcher dann auch familienintern gemeinsam mit seiner Frau die Entscheidung traf, dass das ‚Car- Business‘ eher ihm passt und er ins operative Management der Seitz Gruppe einsteigt. Seine Frau Stefanie betreibt heute in der Kemptener Innenstadt mit der Lucky Fabric Season einen Shop für ausgewählte Wohnaccessoires, Geschirr, Kinderspielzeug, Schmuck, Textilien und Geschenkideen. „Wir haben da eine verhältnismäßig gute Rollenverteilung gefunden“, beschreibt es Osterberger-Seitz, der seit der Übergabe vor zwei Jahren als CEO und COO der Seitz Gruppe agiert. >>> 77