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Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

Von der westeuropäischen Erinnerung an Auschwitz zur ...

© 2013 Egbert Jahn –

© 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 2 Zusammenfassung Zu den zahlreichen Motiven für die zwischenstaatliche Vereinigung Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte vor allem der friedens- und sicherheitspolitische Wunsch, unbedingt das Zeitalter der Kriege zwischen den Nationalstaaten in Europa und des aggressiven und intoleranten Nationalismus zu beenden und einen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Aus diesem Grunde sollte im demokratischen und marktwirtschaftlichen Westen Europas eine eng verbundene Europäische Staatengemeinschaft geschaffen werden. Sie sollte offen bleiben für alle europäischen Staaten, insbesondere auch die im Osten, sobald diese sich von der kommunistischen Herrschaft befreit hätten. Die staatlich-institutionelle Integration in Westeuropa sollte durch eine enge wirtschaftliche und gesellschaftliche Verflechtung und durch eine Erziehung zur Völkerversöhnung, anfangs vor allem zwischen Deutschen und Franzosen, und zum europäischen Gemeinbewußtsein untermauert werden. Im Kalten Krieg wurde das Kriegsvermeidungsmotiv durch das Motiv des Antitotalitarismus, insbesondere des Antinazismus, erweitert. Als besonderes Charakteristikum des Nationalsozialismus trat dann erst in den 1960er Jahren mehr und mehr die Massenmordpolitik gegenüber den Juden und anderen ins allgemeine Bewußtsein. Gleichzeitig erhielt Geschichts-, Erinnerungs-, Gedächtnis- und Gedenkpolitik einen immer größeren Stellenwert und wurde damit gelegentlich zu einem Streitgegenstand. Der Ermordung der Juden wird seit 1959 offiziell in Israel gedacht. In Deutschland wurde 1996 der 27. Januar zum nationalen Gedenktag „für die Opfer des Nationalsozialismus“. Die Verurteilung der Ermordung der Juden und generell von Gewaltpolitik wurde zu einem Kernelement der politischen Identität der Bundesrepublik Deutschland und auch der Europäischen Union. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag zum Holokaust-Gedenktag. Mit der Aufnahme von postkommunistischen Ländern in die EU kam das Verlangen auf, auch der Opfer der kommunistischen Massenmorde, gleichberechtigt mit denen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Schließlich legte das Europäische Parlament im April 2009 den 23. August als Gedenktag für die Opfer totalitärer und autoritärer Regime fest. Darüber entstand ein heftiger Streit über die Gleichsetzung von nationalsozialistischer und kommunistischer Herrschaft und von beiden Massenmorden. Es ist demgegenüber durchaus möglich, das Gedenken an den Völkermord an den Juden sowie Sinti und Roma als historisch singulärem, exterministischem Ereignis mit dem Gedenken an andere umfangreiche Völker- und Massenmorde zu verknüpfen, da auch das Gedenken an den Mord an den Juden jeglichem zukünftigen Völker- und Massenmord vorbeugen soll.

1 Das Bedürfnis nach und die Furcht vor einer Gleichsetzung nationalsozialistischer und kommunistischer Massenvernichtung © 2013 Egbert Jahn – Zitieren bitte nur unter Angabe der Quelle 3 In den letzten beiden Jahrzehnten hat Geschichts-, Erinnerungs-, Gedächtnis- oder Gedenkpolitik einen merkbar größeren Stellenwert in der deutschen wie in der internationalen Politik erlangt. Der Zusammenbruch der kommunistischen Parteiherrschaft im Osten Europas und vor allem die Aufnahme von zehn postkommunistischen Ländern in die EU in den Jahren 2004 und 2007 haben das offizielle und gesellschaftlich vorherrschende Bild von der kommunistischen Geschichte nicht nur im Osten Europas ausgewechselt, sondern auch im Westen erheblich verändert. Dabei spielten neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufgrund der Zugänglichkeit von Archivmaterialien eher eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die politischen Veränderungen, Regime- wie Regierungswechsel und die Erweiterung der Europäischen Union durch Nationen, die zwar oft auch unter nationalsozialistischer, aber viel länger unter kommunistischer Herrschaft gelitten haben. Geschichtspolitik ist vor allem Politik, also ein Ereignis der Gegenwart, das die Zukunft gestalten will. Die Geschichte und vor allem das der breiten Masse zu vermittelnde, notwendig recht pauschale Geschichtsbild ist lediglich ein Mittel zu diesem Zweck. Weit weniger wirksam sind das in der Geschichtswissenschaft selbst entwickelte und tradierte, höchst komplexe und differenzierte Geschichtswissen bzw. die in diesem Zusammenhang vermittelten wissenschaftlich begründeten Vermutungen, Hypothesen und Theorien. Bereits während der sowjetischen Perestrojka setzte das Verlangen nach einer Revision des in ganz Europa vorherrschenden Geschichtsbildes ein, vor allem im Baltikum, aber auch in anderen Sowjetrepubliken. Insbesondere sollte der Massenmord an den eigenen Bürgern unter der Herrschaft Stalins, aber auch zuvor und danach, ins allgemeine Bewußtsein gerückt, darüber hinaus aber auch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges neu geschrieben werden. Bei der Thematisierung des Geheimprotokolls zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939, der oft Hitler-Stalin- oder Molotow-Ribbentrop-Pakt genannt wird, ging es vor allem darum, die in der Sowjetunion herrschende Rechtfertigung für die Zugehörigkeit des Baltikums und Moldaus zur Union zu erschüttern, um das Verlangen nach eigener staatlicher Unabhängigkeit zu untermauern. Sekundär wurde damit aber auch die bisher in Ost wie West herrschende These von der alleinigen Schuld Hitler-Deutschlands am Krieg gegen Polen angegriffen und die sowjetische Mitschuld hervorgehoben. Nach der Auflösung der Sowjetunion erhielt die Totalitarismusthese, die während der Entspannungsperiode der 1970er und 1980er Jahre in den Hintergrund getreten war, und die die

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