Steinbruch - Deutscher Sprengverband eV

sprenginfo.com

Steinbruch - Deutscher Sprengverband eV

1/2009 /2009


Mitteilungsblatt des Deutschen Sprengverbandes e. V.

1/2009 /2009

ISSN 0941 - 4584 Band 31 (2009) Heft 1

Herausgeber

Deutscher Sprengverband e. V.

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Erscheinungsweise und Bezug

Die Zeitschrift erscheint dreimal pro Jahr.

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des Deutschen Sprengverbandes erhalten die Zeitschrift im Rahmen ihrer

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Redaktionsschluss für das Heft 2/2009 ist der 02.06.2009

Editorial

2 Der Vorsitzende hat das Wort ...

Umschau

3 Schornsteinsprengungen in Großräschen

3 Minentaucher erproben modernste Technologie

3 Hochdruck-Wassernebel-Feuerlöscher

5 Nationale und Internationale Tagungen

Gesetze/Verordnungen

6 Stellungnahme des Deutschen Sprengverbandes

zum Entwurf des 4. SprengÄndG

Steinbruch

7 Dr. Konrad Ziegler, Dr. Ulf Lichte

Argumentation und Maßnahmen zur Verbesserung

der Akzeptanz von Großbohrlochsprengungen

10 Gerd Vogel

Aspekte der aktuellen Steinbruchsituation im Focus

von Arbeitssicherheit und Bohr- und Sprengarbeit

Abbruch

18 Marcel Schröder

Wenn der konventionelle Abbruch an seine Grenzen

kommt - Lockerungssprengungen in 70 m Höhe

21 Horst Blachnitzky

Ein Koloss wird zu Fall gebracht - die Sprengung

des Agfa-Hochhauses in München

Pyrotechnik

26 Matthias Weickl

Sicherheitsmaßnahmen für das Abbrennen von

Feuerwerken

Felsbau

35 Joachim Milde

Neubau des Flusswasserkraftwerkes Rheinfelden,

ein neuer R(h)einfall?!

Mittel der Sprengtechnik

39 Dr. Ulf Lichte

Beurteilung kurzzeitiger Erschütterungseinwirkungen

mittels der frequenzbewerteten

Schwinggeschwindigkeit

44 Dr. Frank Hammelmann, Mathias Güttler,

Heinz Josef Niehues

Erste Erfahrungen bei der funkferngesteuerten

Auslösung übertägiger elektronischer i-kon-Zündanlagen

Verbandsnachrichten

49 Rückblick Regionaltagung 2009, Rockenhausen

51 Seniorenfahrt 2009

52 Die Jubilare des Jahres 2009

53 Lehrgänge

Titelbild: Ein Spektrum verschiedener Fachbereiche

aus der vorliegenden Ausgabe in einer

Fotocollage dargestellt.

Fotos: Dr. R. Melzer, F. Rommerskirchen,

J. Milde, M. Schröder, G. Vogel


Editorial

Der Vorsitzende hat das Wort ...

Liebe Fachkolleginnen und Fachkollegen, liebe Leser,

die ersten Wochen des neuen Jahres liegen bereits hinter uns und die Zeit scheint nach

wie vor im Fluge zu vergehen. Im Unterschied zu den beiden vergangenen Jahren meint

es der Winter mit uns in diesem Jahr sehr gut. Die weiße Pracht wird die Anhänger des

Wintersports sicherlich sehr erfreut haben und noch freuen. Der eine oder andere wird sich

sicherlich auch schon nach dem Frühjahr sehnen, die Tage werden schließlich bereits wieder

deutlich länger.

Trotz des Winters gestaltete sich die Anfahrt zu unserer diesjährigen Regionaltagung aus

witterungstechnischer Sicht sicherlich für nahezu alle Beteiligten problemlos. In diesem

Jahr lud der Deutsche Sprengverband am 17.01.2009 zu seiner nunmehr 12. Regionaltagung

in die Pfalz, genauer gesagt nach Rockenhausen, ein. Unserer Einladung folgten

auch in diesem Jahr ca. 90 Fachkolleginnen und Fachkollegen. Das wiederum rege Interesse

auch an dieser Tagung unterstreicht einmal mehr, dass diese Veranstaltungsreihe

zum festen Bestandteil der Verbandsaktivitäten gehört, wenn es darum geht, unsere Mitglieder

und alle interessierten Fachkollegen umfassend zu informieren. Wir würden uns

allerdings wünschen, dass in Zukunft noch mehr Praktiker aus den Regionen, in denen der Sprengverband die jährlichen

Regionaltagungen durchführt, die Gelegenheit dieses Erfahrungsaustausches nutzen. Als Verband werden wir überlegen, wie

es uns zukünftig noch besser gelingen kann, diese Fachkollegen zu erreichen. Weitere Einzelheiten zur diesjährigen Regionaltagung

entnehmen Sie bitte der vorliegenden Ausgabe unserer Zeitschrift.

Sicherlich stimmen Sie mit mir überein, dass wir gegenwärtig eine sehr turbulente Zeit mit vielen, zum Teil einschneidenden

Ereignissen und Veränderungen durchleben. Es bleibt zu hoffen, dass sich mit dem Verlauf des ersten Halbjahres die Wogen

langsam etwas glätten und das Schiff der Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt und die beschlossenen Konjunkturprogramme

auch eine positive Ausstrahlung auf unsere Branche mit sich bringen. Neben schmerzlichen Einschnitten, die häufig mit Krisen

verbunden sind, sollten und müssen diese auch positive Veränderungen bewirken und neue Entwicklungen ermöglichen.

Der Deutsche Sprengverband betrachtet es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, Sie, liebe Mitglieder, hierbei tatkräftig zu

unterstützen. So hat der Verband in Anbetracht des in diesem Jahr anstehenden 4. Sprengstoffänderungsgesetzes große Aktivitäten

entwickelt, um die bevorstehende Gesetzesnovelle praxisrelevant und handhabbar zu gestalten. Wir werden Sie hierzu

ständig weiter informieren.

Im Zuge der weiteren Gestaltung der Vorstandsarbeit unseres Verbandes haben wir in den letzten Monaten ein Konzept für die

Neuausrichtung und eine damit verbundene Profilschärfung der Arbeit unseres Verbandes entwickelt. Das vom Vorstand des

Verbandes erarbeitete Konzept möchten wir gern mit Ihnen, liebe Mitglieder, diskutieren und im Rahmen unserer in diesem

Jahr anstehenden Neuwahlen für den Vorstand des Deutschen Sprengverbandes in die Satzung des Verbandes aufnehmen.

Gemeinsam mit der Einladung zur in diesem Jahr am 18.04.2009 in Siegen stattfindenden Mitgliederversammlung übersenden

wir Ihnen alle Informationen und Vorschläge des Vorstandes für die weitere Gestaltung der Arbeit des Verbandes und unserer

Satzung.

Ich möchte an dieser Stelle alle Mitglieder unseres Verbandes dazu aufrufen, von Ihrem Mitbestimmungsrecht am 18.04.2009

im Rahmen der ab 10.30 Uhr stattfindenden Mitgliederversammlung rege Gebrauch zu machen und sich so aktiv in die Verbandsarbeit

einzubringen. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Vorschläge, Anregungen und Wünsche, die Mitarbeit in unserem

Verband betreffend. Wie in den vergangenen Jahren werden wir das Programm der Tagung in Siegen auch in diesem Jahr

durch ein im Vorfeld stattfindenden Workshop ergänzen. In diesem Jahr haben Sie die Möglichkeit, zwischen zwei Workshopveranstaltungen

zu wählen. Zur Auswahl steht das Thema „Der sprengtechnische Abbruch von Bauwerken und Bauwerksteilen“

sowie das Thema „Pyrotechnik - Abbrennen von Feuerwerken“. Wir denken, dass wir mit der diesjährigen Themenwahl

neben dem Fachbereich Abbruch auch dem Bereich Pyrotechnik eine noch breitere Plattform für den Erfahrungsaustausch

schaffen können, der insbesondere in Anbetracht der anstehenden gesetzlichen Veränderungen, aber auch fachlichen Entwicklungen

dazu beiträgt, alle interessierten Fachleute umfassend zu informieren. Das vollständige Programm und die Einladung

entnehmen Sie bitte der vorliegenden Ausgabe der SprengInfo.

Die Übermittlung von aktuellen Informationen ist eine der Hauptaufgaben unseres Verbandes. Unsere Fachzeitschrift Spreng

Info ist sicherlich eine gute Möglichkeit, sich umfassend über aktuelle Entwicklungen in den Fachbereich Spreng- und Pyrotechnik

zu informieren. Zukünftig wird Sie unsere Zeitschrift in einem neuen Gewand und einer weiterentwickelten inhaltlichen

Gestaltung begrüßen, die es Ihnen ermöglicht, noch schneller und gezielter Informationen zu erhalten. Lassen Sie sich überraschen.

Ich freue mich auf ein zahlreiches Wiedersehen mit vielen Fachkollegen in Siegen zu unseren diesjährigen Workshopveranstaltungen,

der sprengtechnischen Tagung, dessen Programm Sie bitte beiliegender Ausgabe entnehmen sowie der turnusmäßig

stattfindenden Mitgliederversammlung und verbleibe bis dahin mit herzlichen Grüßen

2 SprengInfo 31(2009)1


Schornsteinsprengungen in Großräschen

Am 30.05.2008 wurden in Großräschen, auf dem Gelände

des ehemaligen Glaswerkes, gleich 3 Schornsteine durch

die EUROVIA Beton GmbH gesprengt. Die beiden gleichzeitig

fallenden Schornsteine waren 50 m hoch, der einzelne

70 m hoch.

Quelle/Fotos: Stefan Jahns/EUROVIA Beton GmbH

Feuerwerksfabrik in Manila explodiert

Auf den Philippinen hat eine verheerende Explosion eine

Fabrik für Feuerwerkskörper zerstört und mindestens sechs

Menschen das Leben gekostet. 43 Mitarbeiter wurden zum

Teil schwer verletzt. Die Fabrik „Star Maker“ in Trece Martires,

rund 50 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila, wurde

dem Erdboden gleichgemacht. In ihr wurden seit 20 Jahren

Feuerwerkskörper produziert. Sie hatte einen guten Ruf und

exportierte ihre Artikel in alle Welt.

Quelle: www.bielertagblatt.ch 29.01.2009

Minentaucher erproben modernste Technologie

Beschrieben wird ein hochmodernes Gerät (VSW AUV) zur

Detektion von Seeminen und zur Untersuchung des Meeresbodens.

Es kann die Leistung eines Minentauchers bei

der Suche nach Minen, Munition und anderen Gegenständen

am Meeresgrund um ein Vielfaches steigern und die

hochwertige Ressource Minentaucher auf die wesentlichen

Aufgaben der Minenvernichtung bzw. Unschädlichmachen

von Minen und anderen Explosivstoffen begrenzen. Das

Gerät kann aufgrund seiner geringen Abmessungen und

Masse kurzfristig per LKW, Hubschrauber oder Schiff an

seinen Einsatzort verbracht werden.

Das AUV ist auch für Operationen mit geringer Sichtbarkeit

(verdeckte Operationen) geeignet. Genauer, als jeder Taucher

es kann, werden lokalisierte Objekte auf dem Meeresboden

kartografiert und können so in Datenbanken beim

Mine Warfare Data Center (MWDC) eingepflegt werden.

VSW AUVs, gerne als verlängerter Arm der Minentaucher

bezeichnet, liefern präzise und anders als bei Minentauchern

nachvollziehbare Dokumentationen. Diese AUVs eignen

sich zum Einsatz auf Reeden, in Strandnähe und in

Häfen oder anderen Offshore Installationen sowie in Binnengewässern.

Hier ist es endlich möglich, dass das Gesehene

durch andere, nicht beim Tauchgang Beteiligte mit

ausgewertet werden kann und anschließend die Daten in

einer Minenjagddatenbank abgelegt werden können. Bestechend

sind der Zeitvorteil gegenüber Minentauchern und

die um ein Vielfaches größere Flächensuchleistung.

Quelle: http://diveinside.de 31.01.2009

Umschau Umschau

Hochdruck-Wassernebel-Feuerlöscher

Im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten

wurden die Firmen Brandschutz Kehl GmbH und Sicherheits-Sprengtechnik

Damberg mit der Suche nach einer

Alternative für das in der EU verbotene HALON beauftragt.

Ziel der Entwicklung war die Konzeption eines neuen Löschgeräts

gegen Klein- und insbesondere Personenbrände.

Nach nur 18 Monaten Entwicklungszeit wurde das Konzept

EREP „Emergency Response Extinguishing Pack“, im deutschen

als EF-Einsatz Feuerlöscher bezeichnet, fertig gestellt.

Ende 2007 wurde nicht nur das beantragte Gebrauchsmuster

erteilt, sondern der TÜV-Süd erteilte auch die für die EU

erforderliche Baumusterzulassung. Damit ist für diesen

Feuerlöscher nach aktuellem EU-Recht keine weitere behördliche

Prüfung mehr erforderlich!

Abb. 1:

Tragbarer Hochdruck-Wassernebel-Feuerlöscher

mit textilem

Rückentragegestell

(NOMEX)

und optionalem

umluftunabhängigem

Atemschutz

Das Land Rheinland Pfalz honorierte die Entwicklungsleistungen

und verlieh den Innovationspreis Success 2008.

EREP steht für die optimale Ausnutzung der Leistungsfähigkeit

von Wasser als Löschmittel, in dem es zu feinsten

Tröpfchen vernebelt wird und damit eine sehr hohe Kühlund

Löschleistung erreicht.

SprengInfo 31(2009)1 3


Umschau Umschau

Dadurch ist es möglich, mit geringsten Wassermengen eine

besonders hohe Löschleistung zu erzielen. Wesentlich für

das Erreichen dieses Effekts ist der hohe Arbeitsdruck (200

bar) der erstmals in einem tragbaren Feuerlöschsystem

realisiert wurde. Damit das System ein möglichst geringes

Gewicht hat, wurde auf ein Zweikammerverfahren verzichtet

und Lösch- und Treibmittel in einem Behälter integriert.

Aus Gewichtsgründen werden nur Carbon Druckbehälter

mit einem Aluminium Liner verwendet. Ein extra für diesen

Anwendungszweck entwickelter Adapter erlaubt das problemlose

Wiederbefüllen durch den eingewiesenen Anwender.

Eine aufwändige Schulung oder Zertifizierung ist

nicht erforderlich.

Das neue an EREP sind folgende Merkmale:

Abb. 2: Löschen eines in Vollbrand befindlichen PKW: Brand war

nach 20 Sek. unter Kontrolle, nach 110 Sek. gelöscht.

• Geringes Gewicht und lange Löschzeit

Gemessen an der Löschzeit hat EREP eine bis zu 8 mal

höhere Leistung als marktübliche Pulver, Schaum oder

Wasserlöscher mit der gleichen Löschmittelmenge.

• Feinst-Wassernebel

EREP zerstäubt das Wasser durch hohen Druck zu feinstem

Wasser-Nebel und bietet die Möglichkeit, in unterschiedlichen

Distanzen zu arbeiten und Personen verletzungsfrei

zu löschen.

• EREP ist auch ein Schaum-Feuerlöscher

Der Anwender kann kurz vor Einsatzbeginn das Löschmittel

durch den einfachen Wechsel einer Düse wählen.

Mit der Wahl des Löschwasserzusatzes decken Sie die

Brandklassen A, B, C, D und F ab.

• EREP ist auch ein Dekontaminationsgerät

Durch die Verwendung von demineralisiertem Wasser

oder durch den einfachen Wechsel einer Düse, unter Verwendung

der Dekontaminationsmittel für die Gefährdungen

A, B oder C.

• EREP ist auch ein Reizstoffwerfer

Ebenfalls durch den einfachen Wechsel einer Düse und

dem Zusatz wasserlöslicher Reizstoffe.

Für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche können

unterschiedliche Systeme, bis hin zu stationären Anlagen

konzipiert werden. Die erste autonome Hydrantenersatzanlage

wird Anfang 2009 in einer öffentlichen Schule installiert.

Weitere Informationen erhalten Sie unter

www.feuerloescher.com

oder auf der Homepage der Hochschule der Polizei:

Literatur

[1] Kim, A. K.; Crampton, G. P.

Water Mist System for Explosion Protection of an

Armoured Vehicle Crew Compartment. 5 th International

Water Mist Conference, Berlin, 1. Sept. 2005, S. 1 - 8

[2] Hunsted, B. P.; Holmstedt, G.; Hertzberg, T.

The physics behind water mist systems. IWMA conference,

Rom, 6. - 8.10.2004

[3] Abbud-Madrid, A.; u. a.

Study of Water Mist Suppression of Electrical Fires for

Spacecraft Applications: Normal-Gravity Results. Center

for Commercial Applications of Combustion in

Space; Colorado School of Mines

___________________________

Anschrift der Autoren:

Felix Kehl

Brandschutz Kehl GmbH

Im Grohfuß 6

55276 Oppenheim

Rolf-R. Damberg

Sicherheits - Sprengtechnik

Ringelstraße 5

60385 Frankfurt

Abb. 3:

Kleinlöschanlage, fahrbar, 16

Liter Löschwasser, 1 Liter

Schaummittel (KAF 16). Die

Löschzeit beträgt 129 Sekunden,

das Gewicht liegt bei nur

51 kg.

http://www.pfa.nrw.de/PTI_Internet/pti-intern/

index8cc3.html?rubrik_id=11

4 SprengInfo 31(2009)1


Buchneuerscheinung

Schmatz/Nöthlichs

Sprengstoffgesetz

Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe

Ergänzbare Textsammlung und Kommentar

Berlin: Erich Schmidt-Verlag. 2008, ISBN 978 503 01546 7

Loseblatt-Kommentar einschließlich der 26. Lieferung,

1.714 Seiten in 1 Ordner, 49,80 EUR

Inhalt:

• Aktuelle Informationen und Materialien zum SprengG

• Relevante EU-rechtliche Vorschriften

• Unfallverhütungsrecht: BGV C 24 „Sprengarbeiten“ mit den

Durchführungsanweisungen, BGV B 5 „Explosivstoffe-Allgemeine

Vorschrift“ und BGR 114 „Regeln für Sicherheit

und Gesundheitsschutz beim Zerlegen von Gegenständen

mit Explosivstoff oder beim Vernichten von Explosivstoff

oder Gegenständen mit Explosivstoff“,

• aktuelles Verzeichnis der anerkannten Lehrgänge gemäß

§ 32 der 1. SprengV.

• Kostenverordnung für Nutzleistungen der BAM

• Richtlinie 2007/23/EG des Europäischen Parlaments und

des Rates vom 23. Mai 2007 über das Inverkehrbringen

von pyrotechnischer Gegenständen

• Richtlinie 2008/43/EG der Kommission vom 4. April 2008

zur Einführung eines Verfahrens zur Kennzeichnung und

Rückverfolgung von Explosivstoffen für zivile Zwecke

gemäß der Richtlinie 93/15/EWG des Rates.

Anzeige

Umschau Umschau

Veranstaltungskalender

Fachtagung „Abbruch“ 2009

20. - 21.03.2009, Berlin

Informationen: www.asco-abbruch.de

Workshopveranstaltungen

- „Der sprengtechnische Abbruch von Bauwerken

und Bauwerksteilen“

- „Pyrotechnik - Abbrennen von Feuerwerken“

16.04.2009, Siegen

Informationen: www.sprengverband.de

31. Informationstagung Sprengtechnik

17. - 18.04.2009, Siegen

Informationen: www.sprengverband.de

5. Weltkonferenz Sprengtechnik

26. - 28.04.2009, Budapest

Informationen: www.efee.eu

BAM-Erfahrungsaustausch über Sprengstoff

und Pyrotechnik; Transportrecht mit Vertretern

von Behörden und Industrie

04. - 05.05.2009, Berlin

Informationen: http://www.bam.de/de/microsites/erfapyro/

index.htm

Blasting Techniques 2009

28. - 29.05.2009, Slowakei, Stara Lesna

Informationen: www.blastmine.sk/blast/www/akcie.htm

40. Internationale Jahrestagung: Energetische

Materialien - Charakterisierung, Modellierung

und Validierung

23. - 26.06.2009, Karlsruhe

Informationen: www.ict.fraunhofer.de

36th International Pyrotechnics Seminar (IPS)

23. bis 26.08.2009, Rotterdam, Niederlande

Informationen: www.ips2009.nl

BAM - Testgelände Technische Sicherheit

Tag der offenen Tür

09.09.2009, Horstwalde/Baruth

Informationen: www.bam.de/365_orte.html

40. Internationale Tagung für Sprengtechnik

12. - 13.11.2009, Linz, Österreich

Informationen: e-mail: helga.dornfeld@wifi-ooe.at

SprengInfo 31(2009)1 5

DDEEU UTTSSCCHHEERR

SS PP R R EE NN GG -- VV EE RR BB AA NN DD e e .. VV..

DDEEU UTTSSCCHHEERR

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Gesetze/V

Gesetze/Ver

eror ordn dnung ungen en

Stellungnahme des Deutschen Sprengverbandes

e. V. zum Entwurf des Vierten Gesetzes

zur Änderung des Sprengstoffgesetzes

(4. SprengÄndG)

Das Bundesministerium des Inneren hat mit Schreiben vom

15. Dezember 2008 den Entwurf eines Vierten Gesetzes

zur Änderung des Sprengstoffgesetzes (4. SprengÄndG) an

die betroffenen Behörden und Verbände versandt und um

Stellungnahme bis zum 19. Januar 2009 gebeten. Das Gesetz

wird insbesondere die so genannte Kennzeichnungs-

Richtlinie 2008/43/EG für Explosivstoffe und die Pyrotechnik-Richtlinie

2007/23/EG in deutsches Recht umsetzen.

Aufgrund enger Zeitvorgaben der genannten Richtlinien war

in dem durch die Weihnachtsfeiertage relativ kurzen Zeitraum

eine entsprechende Stellungnahme zu dem mehr als

40-seitigen Gesetzentwurf mit Begründung zu erarbeiten.

Neben einer Fülle von Detailregelungen werden die

wichtigsten inhaltlichen Änderungen und die Position des

Deutschen Sprengverbands e. V. hierzu nachfolgend kurz

dargestellt:

1 Explosivstoffe

Die Kennzeichnungsrichtlinie fordert von den Herstellern

von Explosivstoffen, einschließlich Zündern, Sprengschnüren,

Zwei-Komponenten-Sprengstoffen u. ä., diese

mit einer unverwechselbaren Codierung zu versehen. Die

Codierung besteht aus dem Namen des Herstellers und

einem alphanumerischen Code, der im Klartext zunächst

ein zweistelliges Länderkürzel (z. B. DE für Deutschland)

aufweist, sodann eine dreistellige Nummer der Herstellungsstätte

und danach einen z. B. achtzehnstelligen

Zufallscode, anhand dessen der Hersteller den Gegenstand

(z. B. einen Zünder) eindeutig identifizieren kann. Dieser

Code wird als Strich- oder Matrixcode auf dem Gegenstand

wiederholt.

Anhand der Eindeutigkeit der Codierung soll der Gegenstand

innerhalb der Lieferkette jederzeit komplett bis zum

Hersteller zurückverfolgt werden können, insbesondere aufgrund

der Aufzeichnungspflicht (Lagerbuch) der Codierungen,

gleichsam von der Herstellungsmaschine bis zum

Bohrloch. Zwischenhändler und Endverbraucher haben

daher ebenfalls alle Codierungen aufzuzeichnen und zudem

einen Ansprechpartner zu benennen, der auch außerhalb

der Geschäftszeiten zum Verbleib der einzelnen Gegenstände

der zuständigen Behörde Auskunft geben kann.

Die daraus erwachsenden Schwierigkeiten entstehen - worauf

der Deutsche Sprengverband e. V. bereits seinerzeit im

Rahmen der ESETF-Tagungen hingewiesen hat - insbesondere

in der praktischen Umsetzung am Ende der Lieferkette.

Daher ist es nunmehr unumgänglich, die elektronische

Lagerbuchführung als Standard-Nachweis einzuführen

und nicht mehr nur als von der Behörde zuzulassende

Ausnahme.

Zudem sollten die erweiterten Auszeichnungs- und Auskunfts-Pflichten

erst ab dem Zeitpunkt (04.04.2012) gelten,

ab dem die oben beschriebene Kennzeichnung zwingend

erforderlich wird, da zuvor Auskünfte mangels entsprechender

Kennzeichnung nicht möglich sind und es derzeit

noch keine am Markt erprobte Software gibt, die eine fehlerfreie

und fälschungssichere Aufzeichnung der Codierungen

in Verbindung mit automatisierten Scannern gewährleisten

könnte.

2 Pyrotechnik

Durch die Richtlinie 2007/23/EG wird das System einer nationalen

Zulassung für Verbraucherfeuerwerk (Klasse I-III),

Bühnenpyrotechnik (T1/T2 und die Qualitätssicherung für

Großfeuerwerk dem von den Explosivstoffen her bekannten

System der Baumusterkonformität) angeglichen. Künftig wird

jeder pyrotechnische Artikel sowohl einer Baumusterprüfung

(Modul B) unterzogen und gleichzeitig die Qualität des Produkts

bzw. der Fertigung (Modul C, D oder E) einer Prüfung

unterzogen.

Im Wesentlichen bleibt das bekannte deutsche System der

Klassen I-IV (zukünftig Kategorie 1, 2, 3, 4) erhalten, ebenso

wie die Unterscheidung in T1 und T2. Wobei die

Bezeichnung T1 und T2 zukünftig ausschließlich für pyrotechnische

Gegenstände gilt, die in Theatern und vergleichbaren

Einrichtungen verwendet werden. Die sonstigen

pyrotechnischen Gegenstände (z. B. Airbags und Gurtstraffer)

werden ebenfalls in zwei Kategorien eingeteilt, den neu

geschaffenen Kategorien P1 und P2. Über die Vorgaben

der Richtlinie hinausgehend, werden nunmehr auch pyrotechnische

Sätze entsprechend dem bisherigen System der

Bühnenpyrotechnik in S1 und S2 unterteilt, wobei die Kategorie

S1 für die technische Anwendung ab 18 Jahren

bestimmt ist, was seitens des Deutschen Sprengverbandes

e. V. ausdrücklich begrüßt wird. Da die Kategorie 3 durch

die Richtlinie 2007/23/EG als Verbraucherkategorie vorgesehen

ist, hat der Deutsche Sprengverband e. V. angeregt,

die bisherige deutsche Erlaubnispflicht ohne Fachkunde für

diese Klasse aufzuheben, da dies faktisch zu deren Nicht-

Existenz am Markt geführt hat.

Ferner sieht der Gesetzentwurf vor, die für Explosivstoffe

geltende Aufzeichnungspflicht auch auf die Pyrotechnik

auszudehnen. Dies erscheint allerdings nicht als gerechtfertigt,

da diesen Produkten ein erheblich geringeres Missbrauchspotenzial

innewohnt, als den Explosivstoffen. Dem

hat die EU dahingehend Rechnung getragen, dass die

Kennzeichnungs-Richtlinie 2008/43/EG nur für Explosivstoffe

gilt. Zudem wäre die Aufzeichnungspflicht auch praktisch

undurchführbar, da im Bereich der Pyrotechnik eine

um mehrere Zehnerpotenzen größere Produktvielfalt als bei

den Explosivstoffen besteht, bei teilweise deutlich geringeren

Stückzahlen. Daher hat der Deutsche Sprengverband

e. V. angeregt, es bei der bisherigen Regelung zu belassen.

Dirk Wübbe

6 SprengInfo 31(2009)1


Steinbruch

Steinbruc

Argumentation und Maßnahmen zur Verbesserung der Akzeptanz von

Großbohrlochsprengungen

Reasoning and actions to improve the acceptance of large hole blasting

von Konrad Ziegler, Ulf Lichte

Großbohrlochsprengungen sind die häufigste Form für das Lösen des Rohstoffes aus einem Gebirgsverband bei gleichzeitiger

Primärzerkleinerung. Wesentlich kostenaufwendiger ist die mechanische Gewinnung von Festgesteins-Rohstoffen.

Dafür ist die Akzeptanz bei mechanischen Gewinnungstechniken meist größer, obwohl ebenfalls nicht unerhebliche Lärmpegel

auftreten. Soll die Akzeptanz von Großbohrlochsprengungen verbessert werden, ist es hilfreich, sich mit dem

grundsätzlichen Stressverarbeitungs-Konzept des Menschen zu befassen. Die Grundlagen werden im Einleitungsteil dargelegt.

An einem Fallbeispiel wird aufgezeigt, dass für Großbohrlochsprengungen eine Verbesserung der Akzeptanz

erreicht werden kann, wenn die Knallwirkung der Sprengungen reduziert wird.

Large hole blasting are the most common form to remove raw material out of the adjacent rock. It is also the first step of

primary crushing. Mechanical removing is much more expensive. On the other side the acceptance of mechanical removing

procedures is more common - in spite of considerable noise emissions. If the acceptance of large hole blasting should

be improved, it is helpful to deal with the fundamental stress-processing approach of people. The basics are described at

the introduction. With a case study it is explained that an improvement of acceptance of large hole blasting can be achieved

by reducing the shock wave of the detonation.

1 Einleitung

Großbohrlochsprengungen sind die häufigste Form für das

Lösen des Rohstoffes aus einem Gebirgsverband bei gleichzeitiger

Primärzerkleinerung. Oftmals ergibt sich aus der

Erschütterungswirkung der Gewinnungssprengungen eine

Ablehnung der Arbeiten im laufenden Betrieb und bei der

Genehmigung von Erweiterungsflächen. Dabei steht in der

Nachbarschaft die Befürchtung von Schäden am eigenen

Haus und Hof ganz oben auf der Liste der Einwendungen. Es

besteht nach allgemeiner Meinung ein Akzeptanzproblem.

Zur Verbesserung der Akzeptanz in der Nachbarschaft werden

seitens des Gewinnungsbetriebs Maßnahmen und Vereinbarungen

unterschiedlichster Form ergriffen. Diese sind

um so effektiver, je mehr eine für alle Seiten annehmbare

Lösung gefunden wird.

2 Ansatzpunkt für Maßnahmen

2.1 Grundlagen

Die Funktionsweise des Menschen ist in bezug auf seine

Nachbarschaft zweifelsohne komplexer Natur. Es gibt

unterschiedlichste Reaktionen auf Einflüsse aus der Nachbarschaft.

Nicht nur um fachgerecht diskutieren zu können,

sondern zum bessern Verständnis ist es vorteilhaft, einige

Begriffe und damit Handlungsweisen zu klären.

Was ist Akzeptanz? Akzeptanz (von lat. „accipere“ für

annehmen, billigen, gutheißen) ist eine Substantivierung

des Verbs akzeptieren. Akzeptanz drückt ein zustimmendes

Werturteil aus. (Wikipedia)

Woher kann fehlende Akzeptanz kommen? Auslöser

können z. B. die von den Sprengungen ausgehenden Erschütterungen

sein. Dabei ist entscheidend, ob die Einwirkungen

zu einem „Stressor“ werden.

Was ist ein Stressor? Als Stressoren, zu deutsch Stressfaktoren,

werden alle inneren und äußeren Reizereignisse

bezeichnet, die eine adaptive Reaktion erfordern. (Wikipedia)

Was ist eine adaptive Reaktion? Als Adaptativität, auch

Anpassungsfähigkeit oder Flexibilität, wird die Fähigkeit u. a.

des Menschen bezeichnet, dank derer er auf äußere Umstände

im Sinne einer veränderten Wechselwirkung reagieren

kann. (gekürzt Wikipedia)

Diese adaptive Reaktion, d. h. Anpassung, kann auf unterschiedliche

Weise erfolgen. Jeder Mensch reagiert mit einem

individuellen Stress-Verarbeitungskonzept. Allgemein wird zunächst

versucht, den von ihm ausgemachten „Stressor“ zu beseitigen:

Wird nachts der Straßenlärm zu laut, wird das Fenster

geschlossen. Wenn dem Stressor mit vertretbaren Mitteln

nicht entgangen werden kann oder dessen Ende nicht absehbar

ist, bildet sich eine emotionale Zurückweisung der stressinduzierenden

Situation. Infolge dieser Emotionen wird nunmehr

zusätzliche Energie in die Ausschaltung des „Stressors“

gesteckt oder es kommt zur Resignation oder Tolerierung.

Was ist Resignation? Resignation (von lat. re-signare: seine

Unterschrift zurückziehen), bezeichnet (etwa seit Mitte des

19. Jahrhunderts) die menschliche Haltung des Sichfügens

z. B. aus gefühlter Aussichtslosigkeit. (gekürzt Wikipedia)

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30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

SprengInfo 31(2009)1 7


Steinbruch

Steinbruc

Was ist Tolerierung? Tolerierung kommt vom lateinischen

Verb tolerare, das ertragen, durchstehen, aushalten oder

erdulden, aber auch zulassen bedeutet. (gekürzt Wikipedia)

Wie schon mehrfach bemerkt wurde, werden Sprengerschütterungen

eines Gewinnungsbetriebes oftmals zu einem

Stressor, da keine Möglichkeit besteht, diese durch einfache

Maßnahmen zu verhindern. Was bei Baustellen z. B. durch

den Verweis auf die temporäre Ausnahmesituation mit

absehbarem Ende zur Akzeptanz bzw. Tolerierung führen

kann, ist bei Gewinnungsbetrieben so nicht erfolgreich.

2.2 Stress-Verarbeitungskonzept

Das beste Ergebnis der Bemühungen zur Verbesserung der

Beziehungen zur Nachbarschaft wäre das Erreichen der

Akzeptanz, der Zustimmung in der Nachbarschaft. Ein vertretbares

Ergebnis könnte dann erreicht sein, wenn die

Arbeiten toleriert würden. Prinzipiell sind die Sprengarbeiten

auch möglich, wenn die Nachbarschaft resigniert, aber

diese Reaktion kann nicht als erstrebenswert angesehen

werden.

Es ist nach den bisherigen Ausführungen zu erwarten, dass

in der Nachbarschaft von Großbohrlochsprengungen die

Akzeptanz oder Tolerierung nicht dadurch erreicht werden

kann, dass eine einzige Einflussgröße, wie z. B. die Größe

der Sprengerschütterung, optimiert wird. Folgerichtig wird

ein Maßnahmepaket erfolgreicher sein, wenn es die grundlegenden

Wahrnehmungs- und Handlungsmechanismen

des Menschen berücksichtigt.

Zuallermeist stellt der in Abbildung 2 genannte Punkt der

Schadensbefürchtung am eigenen Haus das größte Konfliktproblem

dar. Eine rationale, ausschließlich vernunftbasierte

Risikoeinschätzung erfolgt dabei nicht. Die Befürchtungen

werden befeuert von den mehr oder minder stark

wahrnehmbaren Sprengerschütterungen. Eines muss man

sich bewusst sein: Sprengerschütterungen, die den normengemäßen

Rahmen nach DIN 4150-2 und DIN 4150-3

ausnutzen, sind durchaus sehr stark spürbar! Die weit bekannte

Größe 5 mm/s bei 10 Hz ergibt einen KB-Wert von

rund 1,9 welcher für den Menschen als stark spürbar einzustufen

ist. Erst Erschütterungen unter � 0,25 mm/s liegen an

der Grenze der Fühlschwelle.

Diese Einzelereignisse überlagern oftmals weitere Immissionen

wie z. B. den Tagebau- und Durchgangsstraßenverkehr

mit seiner Lärm- und manchmal auch seiner Erschütterungswirkung

(Abb. 1).

Es zeigt sich auch, dass die Akzeptierung der einen oder

anderen Umwelteinwirkung nicht in erster Linie von physikalischen

Messgrößen abhängt. Messwerte können allenfalls

einen wichtigen Maßstab für die Wahrnehmbarkeit von

Lärm oder Erschütterungen bilden.

Beim Straßenverkehr z. B. erfolgt oftmals die Adaption in

Richtung der Akzeptanz bzw. Tolerierung.

Abb. 1: Einwirkungen auf den Menschen und Maßnahmen

Der zunächst als ungewöhnlich laut wahrgenommene Verkehr

wird so nicht mehr vernommen. Gleiches gilt auch für

Verkehrserschütterungen. Eine Schadenwirkung wird nur in

den allerwenigsten Fällen angenommen (Abb. 2).

Abb. 2: Erschütterungseinwirkungen als Stressor, Komponenten

der Wahrnehmung

2.3 Spürbarkeit Lärm und Erschütterungen

Wie schon erwähnt, ist für unser Thema das oberste Ziel,

dass die Nachbarschaft den Sprengbetrieb akzeptiert. Dazu

sind die im folgenden beschriebenen Maßnahmen hilfreich.

• Es ist erforderlich, dass der Sprengbetrieb die Nachbarschaft

akzeptiert. Nur dadurch kann es zu einem offenen

Verhältnis mit der Nachbarschaft kommen.

• Es ist erforderlich, die Spürbarkeit der Erschütterungen

zu vermindern. Eine Reduzierung der Erschütterungswirkung

gelingt aber schon aus technologischen Gründen

immer nur in sehr engen Grenzen.

• Es ist erforderlich, die Spürbarkeit verstärkende Faktoren

zu vermeiden. Die Spürbarkeit von Gewinnungssprengungen

basiert auf den wesentlichen Komponenten

Bauwerkserschütterung, sekundärer Luftschall und

Sprengknall. Diese bilden einen Gesamteindruck, der

zumeist komplett den Sprengerschütterungen zugeordnet

wird. Dies deckt sich mit der so genannten Kontrasthypothese.

Sie besagt, dass der jeweils dominante

Stressor überbewertet wird - nicht der objektiv stärkste

Einfluss. Als Stressor wirken jedoch meist nicht der

Sprengknall oder der sekundäre Luftschall, denen keine

Schadenwirkung zugeordnet wird, sondern die Erschütterungen.

8 SprengInfo 31(2009)1


• Es ist hilfreich, sich objektive Aussagen zu verschaffen,

auch wenn die Menschen oft rein emotional urteilen. Hierzu

dienen Erschütterungs- und ggf. auch Lärmmessungen.

Oftmals gehört dazu, dass dies auch unter behördlicher

Auflage erfolgt oder von unabhängiger Seite überwacht

wird, da dem Verursacher misstraut wird. Für das

Stress-Verarbeitungskonzept des einzelnen Betroffenen

ist dies ein Beitrag zur Beseitigung seines Stressempfindens.

• Es ist hilfreich, über die Arbeitsweise des Sprengbetriebes,

die regelmäßigen Kontrollen und das tatsächliche

Schadensrisiko z. B. in Anwohnerversammlungen aufzuklären.

3 Fallbeispiel

In einem Festgesteinstagebau nähert sich der sprengtechnische

Rohstoffabbau bis zu einer minimalen Entfernung

von 200 m Luftlinie einem Wohngebiet an. Für die Erschütterungswirkungen

auf das Wohngebiet existiert neben diesem

Verursacher A ein zweiter Verursacher B in Abständen

über 500 m. Die Sprengtechnologie orientiert sich im

Betrieb A am Schwerpunkt der Erschütterungsminderung,

Betrieb B kann seinen Abbau ausschließlich am Produktionserfordernis

orientieren.

Für Betrieb A wurde eine mechanische Gewinnung untersucht,

aber verworfen. Der eigentlich notwendige Einsatz

eines Großbaggers für mechanisches Lösen in unmittelbarer

Nähe der Wohnbebauung wäre problematischer als es

die Ladearbeit mit Radladern gewesen ist. So blieb es beim

Sprengabbau (Abb. 3).

Abb. 3: Abbaugebiet, Wohngebiet, Bundesstraße, Messpunkte

In dem Betrieb A war es durch gezielte Maßnahmen wie

Reduzierung der Lademengen, Pufferung der Bohrlochsohle,

künstliche Kluft in Richtung Wohnbebauung gelungen,

ein Absinken der Erschütterungswerte unter den Grenzwert

für besonders erschütterungsempfindliche Gebäude zu erreichen.

Die gemessenen Fundamentschwinggeschwindigkeiten

an dem Kontrollmesspunkt MP1 in 200 m bis 400 m

Abstand von den Sprengstellen lagen zwischen 0,6 mm/s

und 2,4 mm/s. Die Frequenzen wiesen Werte zwischen 7 Hz

und 40 Hz auf.

Steinbruch

Steinbruc

Die erzielten Ergebnisse haben bei den Anwohnern trotz

dieser Maßnahme keine nachhaltige Akzeptanz bewirkt.

Direkt neben dem Wohngebiet verläuft eine viel befahrene

Bundesstraße. Der Einfluss der Verkehrsbelastungen auf

die Anwohner blieb zunächst unbeachtet.

Zur Gesamtbewertung der Belastung des Wohngebietes

und als Argumentationshilfe wurde deshalb zusätzlich zu

dem ständigen Messpunkt (MP 1) ein zweiter ständiger

Messpunkt (MP 2) an der Hauptverkehrsstraße eingerichtet.

Er sollte auch die ständige Auswertung der Verkehrserschütterungen

auf das Wohngebiet ermöglichen. MP 2 lag

ca. 150 m bis 200 m weiter vom Abbau entfernt als MP 1.

An diesem Punkt des Wohngebietes gab es durch die Anwohner

bisher keinerlei Beschwerden wegen der Erschütterungen.

Die Messungen am Messpunkt MP 2 sollten dem

Vergleich der Sprengerschütterungen mit den Verkehrserschütterungen

dienen. Es zeigte sich zuvor aber ein anderes

Phänomen. Die Schwinggeschwindigkeiten am Messpunkt

MP 2 waren mit 1,5 mm/s bis 4,1 mm/s deutlich

größer als am Messpunkt MP 1.

Auch die KBF max -Werte waren mit maximal 1,95 größer als

am Messpunkt MP 1. Es wären also ebenfalls Beschwerden

zu erwarten gewesen. Durch die günstige Lage der Gebäude

im Bereich der Messstelle MP 2 war dort allerdings im

Gegensatz zu MP 1 kaum der Sprengknall zu vernehmen.

Damit ist erwiesen, dass der geringere Lärm die sog.

Stressreaktion bei an sich größeren Erschütterungen senkt.

Der Vergleich der Verkehrserschütterungen mit den

Sprengerschütterungen zeigt, dass die maximalen Werte

KBF max beim Straßenverkehr etwa 25 % der Größe der

Sprengerschütterungen aufwiesen.

Die DIN 4150-2 ermöglicht mit dem KB FTr -Wert eine Mittelung

der Einwirkungen. Sie stellt die rechnerische Gesamtbelastung

aus den Erschütterungseinwirkungen dar. Diese

Mittelung führte am Messpunkt MP 2 für den Straßenverkehr

und die Sprengungen zu etwa gleichen Werten. Sie

betrugen KB FTr = 0,011 für die Straßenverkehrserschütterungen

bei 7 bis 8 erschütterungsrelevanten Lkw pro Tag

(KB Fmax > 0,1) und KB FTr = 0,012 für die Sprengerschütterungen

bei 10 bis 11 Sprengungen pro Monat.

Das Beispiel zeigt, dass es sich lohnen kann, den Sprengknall

zu verringern, um die individuelle Empfindung für die

Sprengerschütterungen zu senken. Außerdem erhält man

Argumente hinsichtlich der Erschütterungseinwirkungen,

wenn die Verkehrserschütterungen an stark befahrenen

Straßen mit den Sprengerschütterungen verglichen werden.

______________________________

Anschrift der Autoren

Dr.-Ing. Ulf Lichte

Sachverständigen- und Ingenieurbüro Dr. Ulf und

Peter Lichte GbR, Käthe-Bauer-Weg 11, 80686 München

Dr. Konrad Ziegler

Ing.-Büro Dr. Ziegler, Platanenring 24, 06406 Bernburg

SprengInfo 31(2009)1 9


Steinbruch

Steinbruc

Aspekte der aktuellen Steinbruchsituation im Focus von Arbeitssicher-

heit und Bohr- und Sprengarbeit

Risiken und Chancen bei der Durchführung von Gewinnungssprengungen

Aspects of the actual situation of quarries in concern of labour safety of drilling and blasting

work

Risks and chances of the execution of production blasts

von Gerd Vogel

Kritischer Erfahrungsbericht über die Arbeitssicherheit bei Bohr- und Sprengarbeiten in deutschen Steinbrüchen. Bewertet

werden insbesondere die Anforderungen an Großbohrlochsprengungen. Anschließend werden 5 Schwerpunkte der Steinbruchsicherheit

an ausgewählten Beispielen kritisch bewertet. Weiterhin wird das Problem der Sprengausführung bei

Eigenleistung und Dienstleistung erörtert.

Critical report about work safety of drilling and blasting operations in German quarries. Evaluated are the special demands

at large-hole blasts. Afterwards five main focuses of safety in quarries are evaluated critically at selected examples. Furthermore

the problem of carrying out blasts in autonomy or as service is discussed.

Vorbemerkungen

Der Verfasser sammelte über 15 Jahre Erfahrungen beim

Bohren und Sprengen im Steinbruch. Die marktwirtschaftlichen

Entwicklungen in der globalisierten Welt bringen positive

wie leider auch zahlreiche negative Erscheinungen mit

sich. Die negativ zu bewertenden Probleme resultieren oft

aus subjektiven Einflüssen. Häufen sich ähnliche subjektive

Effekte, so ergeben sich in unserer Wahrnehmung bald sehr

objektiv anmutende Erscheinungen. Problematisch ist es,

wenn diese Erscheinungen gar sehr kritisch einzustufen sind.

Unter diesem Betrachtungswinkel soll die Steinbruchsicherheit

eine Bewertung finden. Dabei sollen erkennbare Risiken

den durchaus gegebenen Chancen gegenübergestellt werden.

Der Aufsatz weicht dabei absichtlich vom Vortrag etwas

ab, weil es keinen Sinn macht, die zahlreichen „Beweisfotos“

zu veröffentlichen, die wegen meist negativer Aussage einer

gewissen Anonymisierung unterzogen wurden (max. Beschneidung

etc.) und deshalb bildtechnisch nicht zur Publikation

taugen. Auch geht es nicht darum, bestimmte Betriebe

an den Pranger zu stellen. Vielmehr sollte im Vortrag die Anschaulichkeit

zur Vertiefung der aufgezeigten Probleme hergestellt

werden.

Der Verfasser will nicht anprangern, sondern wachrütteln im

Kampf gegen wirtschaftlichen Druck und Betriebsblindheit

und für die Sicherheit in unseren Steinbrüchen.

1 Anforderungen an eine Gewinnungssprengung,

insbesondere Großbohrlochsprengung

Die Steinbrüche sind weiterhin jene übertägigen Objekte, die

den entscheidenden Umsatzfaktor für den Verbrauch an

Sprengmitteln ausmachen.

Längst haben sich moderne Verfahren der Sprengstoff- und

Ladetechnologie durchgesetzt.

Es soll nur kurz daran erinnert sein, dass ein Steinbruch nur

unter bestimmten Voraussetzungen betrieben werden kann.

Gebirge, Technik, Umwelt (Staub, Lärm, Erschütterungen,

Wasser u. a.) sind mit den Menschen und der Umgebung

weitgehend in Einklang zu bringen. Das erfordert in der

modernen Gesellschaft zur Klärung gegenläufiger Interessenslagen

auch Reglementierungen, also Vorschriften als

Rahmenbedingungen.

Ein Schwerpunkt in den deutschen Steinbrüchen ist seit den

1990er Jahren die Frage nach der eigenverantwortlichen

Durchführung von Großbohrlochsprengungen oder nach der

Vergabe der Bohr- und Sprengarbeiten als Dienstleistung an

einen externen Auftragnehmer - i.d.R. aus den Reihen der

Sprengmittellieferanten. Dieser globale Zusammenhang

wurde in einer Grafik veranschaulicht (Abb. 1). Dieser

wesentliche Komplex kann hier nur im Überblick angedeutet

werden.

Im weiteren Kapitel 1 werden dabei die Rahmenbedingungen

mit den rechtlichen Prämissen diskutiert und es wird die aktuelle

Steinbruchsprengtechnik umrissen.

Im Kapitel 2 werden anschließend 5 Schwerpunkte der Steinbruchsicherheit

an kritischen Beispielen erörtert. Dabei wird

auf Gefahren hingewiesen, werden kausale Zusammenhänge

betrachtet und dabei die Problematik der Sprengausführung

in Eigenleistung oder Dienstleistung einbezogen.

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30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

10 SprengInfo 31(2009)1


Abb. 1: Globale Aspekte der Bohr- und Sprengarbeit

1.1 Rechtliche Prämissen für eine Gewinnungssprengung/GBS

1.1.1 Unternehmensvoraussetzungen

Um überhaupt Sprengarbeiten im Steinbruch durchführen

zu dürfen, sind rechtliche Forderungen zu beachten, wobei

das Bundesberggesetz bedeutsam ist. Der Unternehmer

muss wissen, ob sein Betrieb unter Bergrecht fällt oder

nicht. In jedem Falle müssen die Gewinnungsrechte

(Erlaubnis, Bewilligung, Bergwerkseigentum, ...) geklärt

sein und für Sprengarbeiten muss eine gültige Erlaubnis

nach § 7 SprengG vorliegen.

Die erforderlichen Rahmendokumente, die zur sprengtechnischen

Gewinnung berechtigen sind:

- unter Bergaufsicht: zugelassener Betriebsplan, Sonderbetriebsplan

Sprengwesen mit grundsätzlicher Sprenggenehmigung

unter best. Rahmenbedingungen,

- außerhalb Bergaufsicht (StGAA, AfAS ...): z. B. bestätigte

Rahmentechnologie zur sprengtechnischen Gewinnung

(Bezeichnung der Dokumente unterschiedlich), Sprengung

auf Basis von Sprenganzeigen nach 3. SprengV.

Resultierend sind weitere Dokumente erforderlich wie beispielsweise

zur Abstimmung im Territorium bezüglich

Sprengzeiten, Meldepflichten, Absperrplan, Sprengerschütterungsmessungen.

1.1.2 Personelle Voraussetzungen

Wenn die unternehmensseitigen Voraussetzungen für

Sprengarbeiten in einem Steinbruch gegeben sind, bedarf

es geeigneten Personals. Es müssen zum Einen Verantwortungsträger

für den Gewinnungsbetrieb bestellt sein:

- Verantwortliche Personen nach BBergG (1980) § 58, 59

§ 59 (1) sagt: "Als verantwortliche Personen ... dürfen nur

Personen beschäftigt werden, die die zur Erfüllung ihrer

Aufgaben und Befugnisse erforderliche Zuverlässigkeit,

Fachkunde und körperliche Eignung besitzen." bzw.

- Verantwortliche Personen nach Arbeitsschutzgesetz

(1996) § 13 i.V.m. ASiG (1973) §§ 5, 6

Steinbruch

Steinbruc

Zum Anderen verlangt das Sprengstoffgesetz für Sprengarbeit:

- den Einsatz einer Verantwortlichen Person nach SprengG

(2002, i.d.F. 2005) § 19 i.V.m. mit einer Bestellung gemäß

§ 21 in Unternehmen, in denen mit Sprengmitteln verkehrt

wird, sowie

- Befähigungsscheininhaber gemäß § 20 SprengG (BSI) für

den direkten Umgang mit Sprengmitteln.

In Zeiten ernstzunehmender Gefahren durch terroristische

Anschläge auch mit Sprengmitteln steht die personelle Auswahl

im internationalen Fokus, was durch das Sicherheitsüberprüfungsgesetz

jüngst belegt wurde.

1.1.3 Dokumentation der Sprengarbeit

Das Sprengstoffrecht legt Regeln für Umgang und Verkehr

mit Explosivstoffen fest. Darüber hinaus ergeben sich aus

bergrechtlichen Vorschriften und arbeitsschutzrechtlichen

Bestimmungen indirekt weitere Nachweispflichten.

Grundsätzlich sollte folgendes dokumentiert werden:

- Sprengmittelbereitstellung und -nachweisführung:

Dazu gehört die Existenz eines Lieferanten, der Hersteller

oder Händler sein kann und der die Sprengmittelbestellung

realisiert, wobei eine lückenlose Nachweisführung

(Aufzeichnungspflicht nach § 16 SprengG) dazu gehört,

die in einem Verzeichnis gemäß 1. SprengV § 41, 42 zu

erfolgen hat.

- Zur Glaubhaftmachung der verwendeten Sprengmittelmengen

sind technologische Unterlagen unerlässlich, die

auch über diverse Vorschriften als gefordert abzuleiten

sind, so verlangen Bergamts-Richtlinien sowie die letzte

Unfallverhütungsvorschrift Sprengarbeiten (BGV C 24)

wenigstens für Großbohrlochsprengungen bestimmte

technologische Unterlagen.

- Bohrplan, Ladungsbemessung, Zündplan und Absperrplan

müssen eigentlich Gegenstand einer jeden Sprengung

sein.

- Bewertung von Sprengergebnis (Haufwerksparameter) und

Nachweis von Nebenwirkungen (Sprengerschütterungen)

- Erfassung von Unplanmäßigkeiten (Steinflug, verstreute

SM, Versager)

- Nachweis und Regulierung von Vorkommnissen (Unfall,

Sprengschaden)

- Kartierung der Sprengungen im Steinbruch

1.1.4 Probleme, Risiken aber auch Chancen der aktuellen

Entwicklung

Die ersten Probleme der gegenwärtigen Steinbruchsicherheit

treten im rechtlichen Umfeld bereits zutage. Bei der

Bestellung von verantwortlichen Personen werden häufig

Facharbeiter (z. T. mit artfremden Berufen) als Leiter von

Steinbrüchen eingesetzt. Während es beim Rückgang des

Steinkohlen- und Braunkohlen-Bergbaus sowie anderer Bereiche

in Deutschland, an Ingenieuren des Berg- oder

Baufachs so sehr nicht gefehlt haben dürfte, wurden jedoch

SprengInfo 31(2009)1 11


Steinbruch

Steinbruc

meist aus Gründen der Entlohnung immer mehr gering,

falsch oder gar nicht Qualifizierte in die Verantwortung genommen.

Dazu kommen noch häufig unklare Bestellungen.

Teilweise sind Personen für Steinbrüche verantwortlich, die

300 km entfernt tätig sind und nur seltene Momentaufnahmen

von ihrem Verantwortungsbereich erleben. So ist nicht verwunderlich,

dass manche verantwortliche Personen diese

Pflichten in hoher Unkenntnis der Sachlage übernehmen und

mit der Steinbruchführung schlicht überfordert sind.

Diese personelle Fehlentwicklung hat in vielerlei Hinsicht

Auswirkungen auf den Betrieb der Steinbrüche. So gibt es

kaum mehr fundierte Abbauplanungen, wofür allerdings

noch andere Gründe stehen (Kap. 2).

Der Sonderbetriebsplan Sprengwesen ist ein entscheidendes

Rechts- und Arbeitsmittel für Steinbrüche unter

Bergaufsicht. Diese Dokumente werden häufig im Anhängeverfahren

zu den Haupt- und Rahmenbetriebsplänen von

den gleichen Ingenieurbüros mitbearbeitet. Viele Verfasser

dieser Sonderbetriebspläne Sprengwesen sind mit geringem

sprengtechnischen Know how ausgerüstet, was ja an

sich keinen Makel darstellt. Erst wenn beispielsweise aus

Gründen falscher Einschätzung der Spezifik oder aus wirtschaftlichen

Erwägungen heraus dennoch gehandelt wird,

kann es problematisch werden. So kommt es gelegentlich

zu Sonderbetriebsplänen, die falsche, überalterte und

widersprüchliche Inhalte aufweisen und gleichzeitig die

moderne, weil im Dokument unbekannte Sprengtechnik verhindern.

Teilweise werden andere sprengtechnische Dokumente

einfach abgeschrieben.

Nun werden ja Sonderbetriebspläne behördlich zugelassen,

womit eine Kontrollfunktion gegeben sein könnte. Meist sind

die bergamtlichen Mitarbeiter auch keine Sprengexperten,

was aber auch keine Kritik bedeuten soll. Dazu kommen die

staatlichen - häufig personellen - Einsparungen, von ständigen

Umstrukturierungen ganz zu schweigen, was erhebliche

Lauf- und Liegezeiten zwischen Erarbeiten und Zulassen

zur Folge hat und den Gesamtprozess eher stört als

befördert. So gibt es 2007 einen gültigen Sonderbetriebsplan

Sprengwesen, der 1996 erarbeitet, 2000 beantragt und

2004 zugelassen wurde! Dieser Prozess wird aber auch von

der Globalisierung unternehmerseitig beeinflusst. Steinbrüche,

die in 10 Jahren drei oder mehr verschiedenen Betreibern

unterstehen, sind leider keine Seltenheit. Behörden

sind oft mit Formfragen (z. B. Namensänderungen der

Erlaubnisinhaber) beschäftigt, wodurch inhaltliche und kontrollierende

Tätigkeiten eher ausgehebelt werden. So muss

einfach festgestellt werden, dass es Steinbruchpraxis mit

rechtlichem und sprengtechnischem Nebeneinander gibt,

über deren juristische Konsequenzen sich die echten wie

vermeintlichen Verantwortungsträger oft nicht im Klaren

sind.

Diese beiden Beispiele beschreiben quasi objektive Probleme

der gegenwärtigen Steinbrüche in Deutschland. Andere

parallele Entwicklungen bieten jedoch auch Chancen an,

manchem Dilemma zu begegnen.

Als eine Chance für die Steinbrüche kann dabei der Trend

hin zur Dienstleistung bei Bohr- und Sprengarbeiten gesehen

werden. Bei den aufgezeigten personellen und strukturellen

Mängeln kann durch Dienstleistungen eine Art Ersatz-Knowhow

auf dem Spezialgebiet Bohren/Sprengen eingefahren

werden. Schließlich kommen dann „Profis“ zum Bohren

und/oder Sprengen in den Steinbruch, die dieses Geschäft

täglich betreiben und es deshalb beherrschen sollten.

Mögliche Vor- und Nachteile von Dienstleistungen bei Steinbruchsprengarbeiten

werden im folgenden permanent einbezogen;

eine umfassende Antwort auf diese komplexe

Frage kann an dieser Stelle jedoch nicht erwartet werden.

1.2 Sprengpraktische Aspekte einer Gewinnungssprengung/GBS

Die wesentlichen, immer wiederkehrenden Elemente einer

Großbohrlochsprengung oder anderen Gewinnungssprengung

sind:

• Im Vorfeld einer Sprengung:

1 Sprengstelle (Auswahl und Beräumung der Bohr- und

Sprengsohle, Festlegen der Sprenggröße)

• Vermessung/Bohrarbeit:

2 Vermessung der Bohranlage (Aufwand von Sprengstelle

abhängig, Bruchwandvermessung, ...)

3 Bohrplanerarbeitung

4 Herstellen der Bohranlage (Bereitstellung Bohrtechnik,

bohrplangerechte Bohrlöcher, Bohrlochkontrolle/Bohrlochvermessung,

Bohrlochsicherung)

• Sprengarbeit (Abb. 2, 3):

5 Sprengplanung (Sprengstoffart, Ladungsbemessung,

Zündplan, Sprengtermin)

6 Sprengmittelbeschaffung (Bestellung, Lieferant, Termin,

Zufahrt)

7 Sprengdurchführung (Laden, Besetzen, Absperren,

Zünden, Sprengmittelabrechnung und Nachweisführung)

8 Sprengerschütterungsmessung

(verbindlich oder fakultativ)

• Im Nachgang einer Sprengung:

9 Auswertung der Sprengung (Sprengergebnis, Vorkommnisse,

Restgefährdungen, weitere Besonderheiten).

Nachdem die aktuelle Sprengtechnik umrissen wurde, kann

davon ausgegangen werden, dass die Sprengmittellieferanten

und Sprengtechniker ihre Werkzeuge (Sprengmittel) so

beherrschen, dass von deren Sprengungen keine bedeutsamen

Gefahren für die Steinbrüche ausgehen.

Deshalb soll hier die Frage konträr stehen: Welche Gefährdungen

erwarten die Sprengausführenden von den aktuellen

Situationen in unseren Steinbrüchen? Dabei sollen permanent

Wechselbeziehungen zwischen den Eigenschaften der

Steinbrüche und der Sprengtechnik hergestellt werden.

12 SprengInfo 31(2009)1


Abb. 2: Aktuelles Steinbruchsortiment an Sprengmitteln für GBS

Abb. 3: Modernes

Sprengstoff

Steinbruchmanagement mit gepumptem

2 Aktuelle und sprengtechnisch bedeutsame

Bergbauprobleme in deutschen Steinbrüchen

Wunsch aller Sprengtechniker ist es, klar strukturierte Steinbrüche

mit langen und geraden Bruchwänden vorzufinden,

deren Sohlen trocken und beräumt sind (Abb. 4).

Immer seltener ist genau dieses in unseren Steinbrüchen

anzutreffen. Dafür gibt es objektive, aber auch subjektive

Gründe.

Steinbruch

Steinbruc

Effekte, wie

• nicht erkennbare wirtschaftliche Perspektive für den Steinbruch,

• wechselnde Eigentümer,

• kostenminimierter Abbau,

• personelle Unterbesetzung

tragen dazu bei, dass mancherorts in Steinbrüchen nahezu

„Raubbau“ betrieben wird.

Das zeigt sich vor allem in folgenden Erscheinungen:

• wenig koordinierter, häufig planloser Abbau,

• selektiver Gesteinsabbau statt geordneten Aufschlusses,

• Versplittung von Werksteinbereichen,

• Verkaufszusagen gegen die reale Lagerstättenbeschaffenheit,

• Opfern der Steinbruchsicherheit wegen Kostenminimierung.

Insbesondere der letzte Gedanke soll Gegenstand dieser

Ausführungen sein. Dabei wurde die Steinbruchbeschaffenheit

unter 5 Schwerpunkten betrachtet:

1. Abbauplanung und -prämissen

2. Böschungs- und Bermengestaltung

3. Wasserhaltung

4. Bohrsohlenbeschaffenheit und Sohlenbefahrbarkeit

5. Bruchwandfreiheit im Sprengbereich.

2.1 Problem: Abbauplanung - Abbauprämissen

Der gelegentlich anzutreffende parallele Abbau von Werksteinen

und Haufwerk führt meist zu gegenseitigen Beeinflussungen,

die in der Rissbildung im Werkstein durch brisante

benachbarte Gewinnungssprengungen bestehen.

Auch darüber brisant abgebaute Bereiche können zum „Zerschießen“

darunter liegender Formationen führen.

Anderenorts wird versucht, Wasserbausteine zu verkaufen,

obwohl das Gebirge mit so kleinen Kluftkörpern ansteht, die

Wasserbausteine eigentlich nicht zulassen. Auch Restabbau

auf engstem Raum bringt häufig Gefährdungen für alle Beteiligten.

Ein Betreiberwechsel kann ein Grund dafür sein, d. h.,

der Steinbruch wird an Stellen restlich „ausgeschlachtet“, an

denen der Vorgänger bereits schon einmal den Abbau eingestellt

hatte.

Abb. 4: Großbohrlochsprengung im Steinbruch an der langen geraden Wand (vor und während der Sprengung)

Die Abbauprämissen können auch deshalb ungünstig sein,

weil aus Kostengründen mit maximalen Bohrrastern

gesprengt wird.

SprengInfo 31(2009)1 13


Steinbruch

Steinbruc

Das Haufwerk ähnelt dann eher ungesprengtem Gebirge

und der gewünschte selbständige Zulauf des gesprengten

Gutes zum Bagger ist dann oft nicht gegeben (Abb. 5).

Abb. 5: Energiearm gesprengtes Haufwerk: Grauwacke - als wär

sie nie gesprengt

Die Blockierung der Lagerstätte durch mangelhafte Freilegung

der Gewinnungsbereiche kann durch Unvermögen im

Steinbruch organisiert sein, aber häufiger werden die Kosten

durch die Gesellschafter gescheut. Für die Steinbruchsicherheit

ist es dabei unerheblich, weshalb der Abbraum nicht

rechtzeitig abgeräumt wurde - die gelegentlich daraus resultierenden

Gefährdungen stehen dem Bagger-, Lader- und Kipperfahrer

sowie dem Bohr- und Sprengpersonal gegenüber.

Naturgemäß gibt es auch Fehlentscheidungen oder gar nur

fehlende Entscheidungen durch personelle Fehlbesetzung

oder Überforderung ohne ursächliche Kostenproblematik.

Hier kann festgestellt werden, dass die Bohr- und Sprengdienstleistungen

in Steinbrüchen nicht selten mit Aspekten

der Abbauplanung - meist zwangsläufig - konfrontiert werden.

So bekommt der häufig als Einzelkämpfer im Steinbruch

agierende „Vorortmann“ externe Hilfestellung.

Soviel zu einigen Momentaufnahmen von der grundsätzlichen

Abbauführung.

2.2 Böschungs- und Bermengestaltung

Nicht zuletzt können Probleme bei der Abbauführung auch

Ursache für Defizite im Böschungssystem sein.

Die Beräumung der Bruchwände, die früher durch manuelles

Einsteigen in die Wand erfolgte, ist lange Geschichte.

Durch die wesentlich verbesserte Bohr- und Sprengtechnik

ist dies auch vertretbar. Allein die Gefährdungen sind damit

nicht vollständig kompensiert. So ist bei Arbeiten im Fußbereich

von Bruchwänden (Heber, Sohllöcher) nach wie vor

ein hohes Gefahrenpotenzial gegeben.

Die Steinschlaggefahr unter Bruchwänden wächst vor allem

auch bei Bermen, deren Wartung vernachlässigt wurde. Es

gibt Bermen, die keinerlei Zugang mehr besitzen. Teilweise

werden Bermen planmäßig übersprengt, um Haufwerk an

ladefähige Stellen zu bringen.

Wenn dabei nicht mehr zugängliche Bermen beteiligt sind,

ist deren Schutzfunktion verloren. Die Möglichkeit, dass

eine Sohle noch einmal ausgeräumt wird, bevor sie zur

nicht mehr befahrbaren Berme wird, wird selten wahrgenommen.

Auch sprengtechnische Gewinnung, bei der ganz

auf das Gestalten von Bermen verzichtet wird, findet man

vor. Unter Umständen kann dies auch mal durch geologisch

bedingte Mehrausbrüche passieren. Wenn nun die technische

Sicherheit - z. B. durch fehlende Bermen - nicht mehr

gegeben ist, muss das wenigstens beachtet werden, bis hin

zur Belehrung und Regelung des Verbots von bestimmten

Arbeiten übereinander.

Die Gestaltung von Endböschungen (Aussehen und Neigung)

zeigt unter Umständen Mängel, weil der Steinbruch

sich oft nicht im Klaren darüber ist, welche Bruchwand die

letzte in einer Abbaurichtung ist. Wenn Dienstleister sprengen,

kann die Qualität der Kommunikation Schuld tragen,

wenn Endböschungswinkel und Wandgestaltung nach der

letzten Sprengung nicht befriedigen. Ein Bild soll beispielhaft

diesen Komplex belegen (Abb. 6).

Abb. 6: Gewinnungsabschluss ohne ordentliche Endböschung

und Berme

Nicht als Endböschung gesprengte Wände gefährden mit

Nachbruch gelegentlich die als Bruchfahrstraße benutzte

Berme darunter. Wichtig ist zu begreifen, dass viele Menschen

unter den oft sehr kritischen Bruchwänden arbeiten

müssen. Neben dem Steinbruchpersonal sind es Bohrgerätefahrer,

Vermesser, Sprengpersonal, Reparaturkräfte - von

letzteren bewegen sich manche ohne schützende Dächer

vor der Bruchwand.

Die Unfallquote ist nicht höher, weil glücklicherweise das

gesamte Personal in unseren Steinbrüchen doch recht aufmerksam

ist!

2.3 Wasserhaltung

Die Wasserhaltung ist ein objektiv wachsendes Steinbruchproblem.

Unsere Vorväter waren klug oder gut beraten, die

Steingewinnung auf dem Berg zu beginnen. Nicht nur, weil

dann der schwere Stein eher bergab zu transportieren war,

sondern auch, weil das Wasser wegfloss. Deshalb haben

viele unserer Steinbrüche den „...berg“ im Namen.

14 SprengInfo 31(2009)1


Heute müssten viele Steinbrüche umbenannt werden in

„...loch“. Wasserhaltung ist ein großes Problem in vielen

Gewinnungsbetrieben, insbesondere im so genannten

„Hartgestein“ geworden.

Wasserhaltung erfordert aber zwei wichtige Voraussetzungen:

materielle und finanzielle Sicherstellung sowie eine

abbauplanerische Komponente. Manchmal fehlt beides. Die

Wasserhaltung im Steinbruch hat allerdings hohe Priorität

für den Bohr- und Sprengprozess. Wenngleich die technische

Entwicklung gut vorangekommen ist, bleibt es immer

noch schwierig, Bohrlöcher mit Gesteinsbohrgräten im

Wasser anzubohren. Günstiger sieht es unterdessen beim

Sprengen aus, da die gepumpten Emulsionssprengstoffe

mit ihrer höheren Dichte und wasserabweisenden Konsistenz

durchaus Wasser verdrängen können.

Das Sammeln von Wasser - meist auf den Tiefsohlen -

erfordert meist noch gesprengte Wasserlöcher, die schließlich

jede ordentliche Bruchsohle zergliedern, was besonders

beim nächsten Bohrprozess auf dieser Sohle zum Problem

werden kann.

Als Gretchenfrage entwickelt, sich bezogen auf die Wasserhaltung,

zunehmend die Diskrepanz, dass bei Bohr- und

Sprengarbeiten als Dienstleistung diese immer weniger

kosten sollten - objektiv aber insbesondere der Bohrprozess

vorrechenbar teurer wird.

Nicht zuletzt behindern die für eine Wasserhaltung unentbehrlichen

Pumpen während der Sprengung, weshalb ein

aufwändiger Aus-/Einbau durch den Steinbruch notwendig

wird. Auch hier soll nur ein Bild für die Vielfalt des Wasserproblems

im Steinbruch stehen (Abb. 7).

Abb. 7: Verschlammte Bruchstraße - ein Beispiel für nicht funktionierende

Wasserhaltung

Es zeigt, dass auch die Kunst des Bruchstraßenbaus wie

die Art der Produktablage die Entwässerung behindern können.

Die Wasserhaltung ist auch unter dem Blickwinkel zu sehen,

dass alle Dienstleister mit Straßenfahrzeugen in die übertägigen

Gewinnungsbetriebe fahren. So leitet die Abb. 7 zum

nächsten Schwerpunkt über.

Steinbruch

Steinbruc

2.4 Bohrsohlenbeschaffenheit und Sohlenbefahrbarkeit

Ob ein Steinbruch selber bohrt und sprengt oder ob er

Dienstleistungsaufträge an Subunternehmer dafür vergibt,

ist ein interessantes Merkmal der Steinbruchbewirtschaftung,

das in diesem Beitrag peripherisch mit diskutiert wird.

Beides kann gut gehen, beides birgt Risiken.

Ein Beispiel für die Vor-/Nachteilbetrachtung in diesem Prozedere

steht bei der Bohrsohlen-beschaffenheit an. Wenn

der Steinbruch selbst bohrt, sorgt der Bohrgerätefahrer, der

manchmal gleichzeitig der handelnde Baggerfahrer ist, für

eine angemessen ebene Bohrsohle. Hat man dagegen die

Bohrarbeiten als Dienstleistung vergeben, herrscht nicht

selten die Meinung vor, dass der „Bohrer“ sich doch kümmern

möge - er bekommt es ja bezahlt.

Im letzten Fall sind durchaus Mondlandschaften im Bohrsohlenangebot

(Abb. 8). Solche Situationen entstehen

naturgemäß auch beim Aufschluss eines Steinbruches, wo

es in Grenzen hingenommen werden muss.

Abb. 8: Mondlandschaftliche Bohrsohlen nach Oberflächenberäumung

Schlechte Bohrsohlen, ggf. auch in Verbindung mit einem

Wasserproblem, können zur Ursache für ungünstige, ungewollt

kleinere Sprengabschläge werden. Dadurch wird meist

der Abbau gestört (Zerreißen von Abbauwänden u. a.). Der

Tieflöffelbagger hat unterdessen die Steinbrüche mehrheitlich

erobert. Die Art des Baggerns und die ständig gewachsenen

Kräfte erfordern großes Können des Baggerfahrers

zur Sohlenhaltung, die häufig nicht gegeben ist, evtl.

weil mal schnell ein Leiharbeiter baggert.

Fairerweise muss gesagt werden, dass auch der Bohr- und

Sprengbetrieb selbst für eine schlechte darunter befindliche

Bruchsohle verantwortlich sein kann, beispielsweise, wenn

die Bohrparameter - warum auch immer - nicht stimmig

waren.

Große Überlagerungen von Bruchsohlen machen diese

schwer bohrbar, andererseits beeinflussen nicht ordentlich

ausgeräumte Gewinnungssohlen die Haufwerksbilanzen,

was wiederum gerade bei Dienstleistungssprengungen eine

Rolle spielt, da ja dabei gesprengtes Haufwerksvolumen

verkauft wird.

SprengInfo 31(2009)1 15


Steinbruch

Steinbruc

Nicht vergessen werden darf, dass die Qualität der Bohrsohlen

während des Ladens der Sprengungen auch als

Zufahrt für die Sprengstoffladefahrzeuge geeignet sein

muss. Diese Anlieferfahrzeuge für Sprengmittel sind ausschließlich

Straßenfahrzeuge, was es zu beachten gilt. Der

Steinbruch kann etwas für die Sohlenbefahrbarkeit tun. Hier

zeigt sich auch das Niveau der Zusammenarbeit zwischen

Steinbruch und Lieferant oder Dienstleister - zwei Varianten

des Bruchstraßenbaus zeigt die Abbildung (Abb. 9).

Abb. 9: Sprengfeldzufahrt mit Bruchstraßenbau unterschiedlicher Qualitäten

Schlechte Bruchstraßen können wiederum die Folge ungenügender

Abbauplanung sein. Wenn hektisch immer wieder

schnell mal eine Zufahrt gebaut werden muss, die nur

kurzen Bestand hat, leistet man sich verständlicherweise

keinen Luxus im Ausbau dieser Bruchstraße...

Auch organisatorischer Art kann ein Problem mit der Bohrsohle

sein. Nämlich dann, wenn der Dienstleistungspartner

zur Vorbereitung einer nächsten GBS eingeladen wird und

er bei Ankunft feststellen muss, dass die Bohrsohle nicht

beräumt ist, sondern mit vielen Tonnen Zwischenprodukt

belegt ist. Ein Dienstleistungsvertrag ist deshalb unerlässlich,

in dem diese und andere Fragen der Zusammenarbeit

geregelt sind.

2.5 Bruchwandfreiheit im Sprengbereich

Die unfreie Bruchwand ist wohl einer der bekanntesten Problemfälle.

Sie kann das Ergebnis schlechter Planung, aber

auch das hinzunehmende Resultat der realen Abbauführung

sein. Letzteres trifft zu, wenn der Steinbruch nur eine

einzige Abbauwand zur Verfügung hat, an der zeitnah

immer wieder Bohren-Sprengen-Laden erfolgt. Schwierig ist

in diesen Fällen, dass praktisch zeitlich wie räumlich kein

Platz für eine ordnungsgemäße Bruchwandvermessung

gegeben ist.

Die unfreie Bruchwand ist somit über die fehlende oder unvollständige

Vermessung oft der Ausgangspunkt für eine

Problemsprengung.

Eine mit Haufwerk belegte Bruchwand zur Sprengung ist

ebenfalls abzulehnen, da jede Auswurfbehinderung einer

Sprengung zu erhöhten Erschütterungen führen kann.

Die Vermessung von Bruchwänden durch das Scannen der

Ausbruchsfläche einer Großbohrlochsprengung mit der

dreidimensionale Vermessung (3D) ist unterdessen als

Stand der Technik zu betrachten. Aber genau diese Komplettvermessung

einer Bruchwand setzt deren Zugänglichkeit

voraus. Sind nur bestimmte Wandbereiche frei, ist die

zweidimensionale Bruchwandvermessung (2D) ein durchaus

probates Mittel im Kompromissbereich.

Über die Wirkungskette freie Bruchwand - Vermessung der

Bruchwand - Sprengerfolg ohne Steinflug ist der Bezug zur

Steinbruchsicherheit hergestellt.

Bei der komplexen Dienstleistungssprengung mit Vermessen,

Bohren und Sprengen sind kleine Problemfälle aktuelle

Praxis. Der Dienstleister wird zur Vermessung gerufen

und findet eine nicht zugängliche Bruchwand vor, wie es die

Abbildung zeigt (Abb. 10) - im Allgemeinen weiß sich der

Sprengpraktiker meist noch zu helfen.

Auch werden gelegentlich Vermessungen ohne freie Bohrsohle

beauftragt, was keine korrekte Übertragung der Vermessungsdaten

für die Bohransatzpunkte erlaubt.

Baggerpodeste vom Tieflöffeleinsatz mit Vorbrecher vor der

Bruchwand liegen manchmal direkt an der Bruchwand an,

was ebenfalls ungünstig wirkt.

Abb. 10: Angeforderte Bruchwandvermessung mit geringer Realisierungschance

16 SprengInfo 31(2009)1


2.6 Zusammenfassung der Steinbruchprobleme

Nach Beendigung der Problemschau kann festgestellt werden,

dass es Mängel gibt, die ursächlich mit der Steinbruchsicherheit

verwoben sind, wie insbesondere die

Standsicherheitsfragen bei Mehrsohlenabbau. Viele Unzulänglichkeiten

werden durch entsprechendes Kostendenken

ausgelöst oder begünstigt. Auch mangelnde Fachkompetenz

in unseren Steinbrüchen ist spürbar. Viele Betriebe

kommen ohne jeden Bergingenieur aus. Manche Mängel

werden auch erst über Kausalketten als Sicherheitsrisiko

wirksam. Viele Probleme scheinen in fehlenden Konzepten

auf Grund unklarer Perspektiven begründet. Abbauplanung

wird allzu oft durch Tagesentscheidungen von extrem „flexiblen

Managern“ ersetzt.

Während Andere gern über die größte Sprengung, das billigste

Haufwerk, den besten Sprengstoff und die geringsten

Erschütterungen berichten, wollte der Verfasser daran erinnern,

dass jeder, der einen Steinbruch betritt, das legitime

Recht hat, ihn gesund wieder zu verlassen. Das sollten wir

nicht zu sehr aus den Augen verlieren.

3 Fazit

Die Darstellungen der Steinbruchsicherheit lassen den Eindruck

entstehen, dass es überall so problematisch - wie

beschrieben - aussieht. Dem ist nicht so - es gibt natürlich

Steinbrüche, die als positives Beispiel zitiert werden könnten.

Deshalb sollen abschließend ein paar Bilder mit positiven

Aussagen stehen (Abb. 11 bis 13).

Abb. 11: Ordentlich abgeräumte Bohrsohle

Abb. 12: Sohle mit angemessener Überdeckung

Es wurde versucht, die gegenwärtige Steinbruchpraxis mit

der Sprengtechnik zu konfrontieren. Dabei stand diesmal

nicht die Gefährdung durch Sprengmittel im Vordergrund.

Vielmehr wurden reale Aspekte der Steinbrüche auf ihr

Gefahrenpotenzial gegenüber Beschäftigten bewertet und

untersucht, inwieweit bestimmte Steinbrucheigenschaften auf

die Effektivität und Sicherheit von Sprengprozessen Einfluss

haben. Die Vermessung und die Bohrarbeit wurden dabei

einbezogen.

Ansatzweise wurden Aspekte eingespielt, die den Einfluss

der als Dienstleistung vergebenen Bohr- und Sprengarbeiten

erkennen lassen. Eigenleistung wie Dienstleistung können

die Steinbruchsicherheit positiv beeinflussen. Die angeführten

kritischen Aussagen sind zwar aus realen Erlebnissen in

vielen Jahren Steinbruchtätigkeit gesammelt und auch dokumentiert

worden, dennoch handelt es sich um keine repräsentative

Analyse. Die Bewertungen sind subjektive Einschätzungen

des Verfassers.

Dem Verfasser ist auch klar, dass die zur Verbesserung der

Steinbruchsicherheit anzusprechenden Personen - Gesellschafter,

Geschäftsführer - mit der SprengInfo nicht unbedingt

erreicht werden. Doch gerade dieser Personenkreis

sollte für sich manch zutreffende Aussage überdenken.

Wenn das Unternehmen gar nach ISO 9000 zertifiziert ist -

und das ist gar nicht so selten - sollte die eine oder andere

Alarmglocke von diesem Beitrag angeschlagen werden. Am

Ende geht es nicht darum, etwas schlechthin anzuprangern,

vielmehr geht es um die Sicherheit von Menschen, die im

Steinbruch tätig sein müssen und unversehrt bleiben sollen.

In diesem Sinne geht es natürlich um Veränderung einiger

besonders kritisch zu bewertender Steinbruchgegebenheiten.

Wachrütteln und Sensibilisieren für diese Themen, die

in dieser Form wohl noch nicht angesprochen wurden, wäre

schon ein erster Erfolg.

____________________________

Anschrift des Autors:

Gerd Vogel, Sprenging.

ehem. Orica Germany GmbH

Pulvermühlenweg

09599 Freiberg

Steinbruch

Steinbruc

Abb. 13: Kantensicherung nach einer Großbohrlochsprengung

SprengInfo 31(2009)1 17


Abbruch Abbruc

Wenn der konventionelle Abbruch an seine Grenzen kommt -

Lockerungssprengungen in 70 m Höhe

When conventional demolition is reaching its limits - desintegration blasting in a height of 70 m

von Marcel Schröder

Beschrieben wird ein außergewöhnlich großes Abbruchprojekt, bestehend aus einem Kesselhaus von 72 m Höhe mit Kamin

und 2 Kraftwerkskesseln. Das Vorhaben sollte wegen Sicherheitsbedenken des Auftraggebers grundsätzlich ohne Einsatz

der Sprengtechnik realisiert werden. Nach Abbruch von Kamin und Kesseln stellte sich heraus, dass das Projekt ohne Einsatz

der Sprengtechnik nicht realisierbar war. Die anschließenden Lockerungssprengungen waren problemlos und sehr

erfolgreich. Bei einem Abbruch mit Hilfe der Sprengtechnik von Anfang an hätte man erhebliche Kosten sparen können.

It was an unusual demolition project, consisting of a boiler building with 72 m height and a smokestack and two power station

boilers. The demolition should be executed without use of explosives because of objections concerning safety. But

after the demolition of the smokestack and the boilers it turned out that the project could not be realised without blasting.

The desintegration blasts have been carried out successfully without any problems. If blast techniques would have been

used from the beginning a lot of costs could have been saved.

1 Einleitung

Das Projekt Rückbau des Rheinenergie-Kraftwerkes in Köln-

Niehl (Ausschreibung Anfang 2007) wird vielen ein Begriff

sein.

Abbruchobjekte

Die Ausschreibung gehörte sicher zu den „anspruchsvollen“

Großprojekten und definierte sich durch folgende Eckdaten:

- Rückbau von zwei Kraftwerkskesseln mit einer Höhe von

65 m einschl. Luftvorwärmer mit jeweils ca. 2.500 t Stahl,

ca. 250 t (!) Isolierung.

- Abbruch des Kesselhauses mit 105.000 m 3

umbautem

Raum bei einer Höhe von 72 m und einem darauf befindlichen

Stahlbetonschornstein von 110 m (also Gesamthöhe

von rund 180 m).

Kernstück und Knackpunkt des Projektes war der Schwerbau/Mitteltrakt

des Kesselhauses, der sich durch den 13 m

hohen Kaminstuhl in den Abmessungen von 9 x 12 m mit

einer 3 m starken Stahlbetonplatte in 70 m Höhe und

Außenwänden mit 1,50 m bis 2 m dicken Wandscheiben

auszeichnete.

- Daneben waren ebenso das Maschinenhaus samt Turbinen

und das Schalthaus abzubrechen.

Damit nicht genug. Als Rahmenbedingungen wurden gefordert:

- Erschütterungsarmer Abbruch ohne Abbruchsprengung, da

in etwa 60 m Entfernung das neue Kraftwerk samt Turbine

in Betrieb war. Es bestanden drei Erschütterungsmesspunkte,

die bei Erreichen entsprechender Schwellenwerte

Sicherungsprogramme bis hin zum Abfahren der Anlage

auslösten. Die Geologie des Hafengeländes war ebenso

erschütterungsfördernd;

- Minimierte Staubemission, da die Luftansaugung des

neuen Kraftwerkes genau in Hauptwindrichtung des

Abbruchs lag;

- die Nähe zum Heizöltank und zum Kühlturm des neuen

Kraftwerkes.

Den Zuschlag erhielt die Fa. Becker Umwelttechnik GmbH

aus Bottrop.

2 Abbruch ohne Einsatz von Sprengtechnik

Nachdem der Kaminabbruch, der Kesselrückbau und der

Abbruch der Nebengebäude nahezu problemlos erfolgten,

stand im März 08 mit dem Kesselhaus noch immer das Kernstück

des Auftrages aus.

Das Konzept sah zunächst vor, den Schwerbau mittels 200 t

Seilbagger Liebherr HS895 mit 86 m Rüsthöhe mit Birne herunterzuschlagen.

Anzumerken ist, dass in Europa derzeit

lediglich vier Geräte solcher Größe im Einsatz sind. Bei den

50 cm starken Wänden der Kesselhäuser funktionierte dieses

Konzept recht gut. Zu Beginn der Arbeiten am Schwerbau

stand der Seilbagger jedoch nicht mehr zur Verfügung.

Der Versuch, die Arbeiten mit einem kleineren HS 883 (120 t

und 72 m Rüsthöhe) fortzuführen, hatte jedoch bei den massiven

Bauteilen wenig Erfolg. Erschwerend kam hinzu, dass

zu diesem Zeitpunkt bereits beide Treppenhäuser abgebrochen

_______________________

waren.

veröffentlicht in der Zeitschrift „Abbruch aktuell“, Ausgabe 4/2008

18 SprengInfo 31(2009)1


Ein weiteres Konzept, der Einsatz eines 25 t Hydraulikbaggers,

hängend an einem 500 t Telekran, führte ebenso nicht

zum gewünschten Erfolg.

Im Juni 2008 wandte sich Fa. Becker an einige Verbandsunternehmen

des Deutschen Abbruchverbandes und bat um

technische Unterstützung.

Die örtliche Situation stellte sich wie folgt dar: Die Kesselhauswände

waren bis zu einer Höhe von etwa 40 m abgebrochen.

Der Schwerbau stand noch in voller Höhe von 70 m,

jedoch war die 3 m starke Platte des Kaminstuhls instabil eingestemmt.

Moniereisen standen kreuz und quer. Die bis 2 m

dicken Wandscheiben des Kaminstuhls waren unberührt.

Das Rauchgasrohr in der Plattendurchführung einschließlich

Anschlussstück zu den ehemaligen Rauchgaskanälen des

Kesselhauses war vorhanden, jedoch autogen instabil vorgeschnitten.

3 Was tun?

Durch den Verbandskontakt stellte die Richard Liesegang

GmbH & Co. KG aus Hürth ihr ursprüngliches Konzept

(Liesegang war ebenso im Wettbewerb der ursprünglichen

Vergabe) als Lösungsmöglichkeit vor: Schwächung der

Betonkonstruktionen des Kaminstuhls durch Lockerungssprengungen.

Der nachfolgend erleichterte Abbruch konnte dann mit einem

verfügbaren Seilbagger HS 883 fortgeführt werden.

Jedoch: Wie bohrt man Löcher in 70 m Höhe ohne festen

Untergrund und ohne Zugang? Hierzu wurden zwei Tamrockbohrgeräte

mit 2,7 t Eigengewicht auf die Montagebühnen

von Liesegang (mit 10 t Traglast) gestellt und mit

Hilfe zweier 250 t Telekräne zu den Arbeitsbereichen, am

Kran hängend, in Stellung gebracht. Zur Befestigung der

Bühne am Bauwerk wurde diese mit zusätzlichen Stützkonstruktionen

versehen, entsprechende Anschlagpunkte am

Baukörper mittels Klebeanker hergestellt und die Bühne mit

Spanngurten am Bau verzurrt. Insgesamt wurden ca. 360

Löcher auf diese nicht alltägliche Verfahrensweise gebohrt.

Abbruch Abbruc

Zunächst wurde eine Probesprengung mit ca. 6 kg Eurodyn2000

an einem Restfragment der Platte an einer Ecke

durchgeführt. Die Sprengstelle wurde mit Vlies, Maschendraht,

leichter Schutzmatte und 4 cm dicken Gummivorhängen

abgedeckt und zusätzlich mit Stahlseilen am Bau verspannt.

SprengInfo 31(2009)1 19


Abbruch Abbruc

Das Sprengergebnis der Probesprengung:

Durch die durchweg positiven Ergebnisse (keine messbaren

Erschütterungen, kein Streuflug und gutes Sprengergebnis)

wurden die Sprengparameter optimiert und die nächsten beiden

Sprengungen mit jeweils 18 bzw. 25 kg Sprengstoff

durchgeführt.

Durch Optimierung von Zündzeitstufen, Ladungsmengen und

-anordnung konnte das Ergebnis derart verbessert werden,

dass bei der letzten Sprengung das Ziel einer Zerstörungssprengung

trotz Erschütterungsproblematik möglich wurde.

Die Erschütterungen blieben bei beiden Sprengungen deutlich

unterhalb der für die Turbine tolerierbaren Messwerte.

Der Streuflug bei der Zerstörungssprengung konnte auf

Grund der chaotischen Form der Restfragmente am Kopf

nicht vollständig unterbunden werden, blieb jedoch innerhalb

der Baustellenabsperrung.

Der weitere Abbruch erfolgte mit dem HS 883 mit 72 m

Rusthöhe, der auf einer ca. 6 m hohen Rampe platziert

wurde.

4 Fazit

Bei Abbruchprojekten mit Arbeiten an der Leistungsgrenze

sollte man sich nicht auf ein Konzept festlegen.

Die Möglichkeiten der Sprengtechnik zur Optimierung einer

Abbruchleistung sind vielfältig, sicher und lassen sich kontrollieren.

Das Herstellen der Bohrlöcher hätte schon früher problemlos

und entsprechend preiswert von oben in den Kaminstuhl eingebracht

werden können, so dass dieses zu einem kaum

merklichen Zeitmehraufwand geführt hätte.

Dem anschaulich erzielten Erfolg waren 4 Wochen Arbeit

(Montag bis Samstag) mit Großkränen vorangegangen. Der

notwendige Kostenaufwand wäre sicherlich ein Bruchteil von

dem gewesen.

_____________________________

Anschrift des Autors:

Marcel Schröder

Richard Liesegang GmbH & Co. KG

Kirchstr. 3

50354 Hürth

20 SprengInfo 31(2009)1


Abbruch Abbruc

Ein Koloss wird zu Fall gebracht - die Sprengung des Agfa-Hochhauses

in München

A colossus is brought down - the blast of the Agfa-building at Munich

von Horst Blachnitzky

Beschrieben wird die Sprengung des 52 m hohen Agfa-Hochhauses im München aus der Sicht der bayerischen Gewerbeaufsicht.

Die umfangreichen und intensiven Vorbereitungsarbeiten sowie die Sicherungsmaßnahmen werden ausführlich

erläutert. Das Sprengergebnis entsprach voll und ganz den Erwartungen. Es gab keinerlei Schäden.

The blast operation of the 52 m tall skyscraper - the former Agfa-building at Munich - is described from the point of view of

the Bavarian health & safety authorities. The wide and intensive preparations are described in details as well as the safety

measurements. The result of the blast fulfilled the expectations totally. No damages occurred.

1 Einleitung

Das Agfa-Hochhaus am Giesinger Isar-Hochufer war fast

50 Jahre lang mit seinen 52 m Höhe ein markanter Punkt

der Münchener Stadtsilhouette. Es fiel besonders ins Auge,

wenn man von Südosten her über die Autobahn und durch

den McGraw-Graben in die Stadt fuhr, da es in einer Kurve

direkt vor einem aufragte. Bis 2005 war es das Bürogebäude

des Kamerawerkes, dessen zahlreiche Gebäude seit

Herbst 2007 abgerissen werden.

Abb. 1: Agfa-Hochhaus München

Möglichst rasch sollen auf diesem weiträumigen Gelände

an der Tegernseer Landstraße zeitgemäße Neubauten für

Büros, Geschäfte und das „Wohnen im Agfa-Park“ entstehen.

Jeder Gebäudeabbruch hat heutzutage als geplante, abgestufte

Rückbaumaßnahme zu erfolgen: Das Objekt muss

analysiert werden, ob es gefährliche Stoffe enthält; teerund

asbesthaltige Bauteile und Isolierungen aus Mineralwolle

sind mit umfangreichen Schutzvorkehrungen für Beschäftigte

und Nachbarschaft zu entfernen. Dann beißen

tonnenschwere Hydraulikscheren an langen Baggerarmen

zu und zerkleinern Beton, Mauerwerk, Holz und Stahl. Die

Schuttmassen werden maschinell sortiert und möglichst

einer Wiederverwertung zugeführt. So können jedoch nur

Gebäude bis zu ca. 25 m Höhe rückgebaut werden. Das

doppelt so hohe Agfa-Haus hätte deswegen von oben her

„von Hand“ abgetragen werden müssen, mit wochenlangem

Lärm und Staub und dem Risiko, dass Teile auf die Straßen

nebenan fallen. Dies war vor allem für die unmittelbar daran

vorbei führende Hauptverkehrsader „Mittlerer Ring“ nicht

hinnehmbar. Als Lösung wählte die Abbruchfirma Wilhelm

Geiger aus Oberstdorf, das 14-stöckige Bauwerk durch eine

fachgerechte Sprengung umzukippen und es dann „bodennah“

zu entsorgen.

2 Sprengungen aus Sicht der bayerischen

Gewerbeaufsicht

Die Gewerbeaufsicht ist in Bayern seit 2005 Teil der jeweiligen

Bezirksregierung; sie überwacht auch gewerbliche

Tätigkeiten mit explosionsgefährlichen Stoffen.

Beim Gewerbeaufsichtsamt (GAA) der Regierung von Oberbayern

ist das Dezernat 2B für diese Fachaufgabe zuständig.

Sie umfasst u. a.:

• Sprengungen von Bauwerken, beim Baugrubenaushub

und in Steinbrüchen

• das Abbrennen von Feuerwerken,

• pyrotechnische Effekte in Theatern, bei Open-Air-Veranstaltungen

und Filmaufnahmen,

• das Lagern und Montieren von Airbagmodulen,

• den Verkauf von Silvesterfeuerwerk,

• das Herstellen und den Vertrieb von Sprengstoffen, pyrotechnischen

Sätzen und Gegenständen.

SprengInfo 31(2009)1 21


Abbruch Abbruc

Diese Vorhaben sind dem GAA rechtzeitig vorher anzuzeigen,

als Frist gibt das Sprengstoffrecht den Verantwortlichen

je nach Art (z. B. 1 Feuerwerk, 1 Sprengung oder

viele ähnliche Sprengungen an einem Objekt) ein, zwei oder

vier Wochen vor. Das GAA prüft die Angaben aus Sicht des

Sprengstoffrechts zu den Personen, zur Örtlichkeit und zum

vorgesehenen Ablauf. Falls dies als notwendig erachtet

wird, fordert es vom anzeigenden Unternehmen Unterlagen

wie die Stellungnahme eines Sachverständigen nach, z. B.

Gutachten zum Sprengplan, statische Nachweise zu

Zwischenzuständen der Sprengvorbereitung mit teilausgebrochenen

Wänden und Stützen oder eine Erschütterungsprognose.

3 Anzeige der Sprengung = garantierter

Termin?

Die Gewerbeaufsicht beteiligt dann weitere Stellen wie Polizei,

Ordnungsamt, Brand- und Umweltschutz, damit diese

die Anzeige aus ihrer Sicht beurteilen können. Dies geschieht

in Oberbayern seit mehreren Jahren durchwegs auf

digitalem Weg - auf freiwilliger Basis; wir verzichten dabei

auf die zweifache Briefzusendung nach der einschlägigen

Anzeigevorschrift „3.SprengV“. So kann eine knappe Zeitvorgabe

nicht mehr zum Problem werden, wenn ein Schreiben

auf dem Postweg dort womöglich erst nach dem geplanten

Sprengtermin eintrifft. Anzeigen werden von uns

auch nicht mehr bestätigt (Beitrag zur Verwaltungsvereinfachung);

der/die Anzeigende erhält die E-Mail mit der Weiterleitung

zur Information „cc“.

Einwendungen anderer Behörden gegen das angezeigte

Vorhaben können zu einer Untersagung führen. Dies kann

es z. B. deshalb geben, weil

• in der Nähe eines vorgesehenen Feuerwerks vom Aussterben

bedrohte Vögel brüten oder ihr Winterruhequartier

haben,

• von Nachbarn wegen einer Kaminsprengung die Verseuchung

der Umgebung mit giftigem Staub befürchtet wird,

• Felssprengungen für ein Gebäudefundament eine nahe

vorbeiführende Gaspipeline gefährden oder

• eine Bauwerksprengung historisch wertvolle Bausubstanz

bedroht, etwa ein bereits angerissenes Kirchengewölbe.

Wer einen explosionsgefährlichen Stoff zündet, um Gestein,

Ziegel oder Beton zu zerkleinern oder Lichteffekte am Nachthimmel

zu erzielen, erzeugt dabei Nebenwirkungen wie Lärm

durch die notwendigen Bohrarbeiten, Knall, Funken, Gase,

Staub, Steinflug und Erschütterungen im Boden. Gefahren

für Leben und Gesundheit der Beschäftigten und Dritter sind

nach dem Sprengstoffrecht zu minimieren, die Nachbarschaft

darf so wenig wie möglich darunter leiden. Für den zulässigen

Umfang gibt es Regeln der Technik, Richtlinien und Normen;

jedoch steht das tatsächliche Ausmaß erst hinterher als

Messergebnis fest und kann dann einer gerichtlichen Klärung

im Streitfall dienen.

Trotz aller Vorsorgemaßnahmen besteht ein erhebliches

Risiko, dass es zu Beschwerden, Ärger oder Problemen ge-

rade mit Nachbarn kommt, die dem Vorhaben skeptisch

oder ablehnend gegenüber stehen. Außer einschlägiger Berufserfahrung

des „Sprengmeisters“ oder „Feuerwerkers“ ist

heute Fingerspitzengefühl immer wichtiger, um das Vorhaben

zum gewünschten Abschluss zu bringen. Hier sehen

wir es als wichtige Aufgabe an, dass das GAA als „Dienstleister“

versucht, den Disput zwischen den Interessengruppen

zu moderieren. Noch schwieriger zu begründen und zu

beurteilen ist die gelegentlich diskutierte Minimierungsvariante

„... so wenig wie nötig …“, also: warum muss überhaupt

gesprengt oder ein Feuerwerk abgebrannt werden?

Immer häufiger kommt es zum Konflikt zwischen dem Recht

auf Berufsausübung und einer daraus resultierenden Einschränkung

von Grundrechten der Nachbarn.

4 Vorbereitung der Sprengung

Anfang Oktober 2007 erhielt unser GAA die Anzeige über die

Anfang 2008 beabsichtigte Sprengung des Agfa-Hochhauses

vom Sprengunternehmen Reisch, Frieding. Es war schnell

klar, dass diese Sprengung wegen der möglichen Auswirkungen

auf die dicht besiedelte Nachbarschaft außergewöhnlich

sein würde. Da konnte es nicht bei routinemäßiger

Schreibtischarbeit bleiben.

Auf unsere Initiative hin wurde unverzüglich ein „Runder

Tisch“ mit Vertretern der absehbar beteiligten Firmen, Behörden

und der Bürgerschaft ins Leben gerufen. Dieser traf sich

erstmals am 19.10. auf der Baustelle; es kamen u. a. Bauund

Sprengunternehmer, Vertreter der Bauherrnschaft, des

Polizeipräsidiums, vom Kreisverwaltungsreferat, der Branddirektion

und der Verkehrsbetriebe der Landeshauptstadt München

und des Stadtteil-Bürgerbüros. Dabei stellte Herr

Eduard Reisch die von ihm gemeinsam mit dem bekannten

Abbruchstatiker Herrn Dr.-Ing. Rainer Melzer aus Dresden

erarbeitete grobe Sprengplanung vor. Es wurden potentielle

Gefahren und notwendige Informations- und Schutzmaßnahmen

beraten für

• die zahlreiche ringsum wohnende Bevölkerung,

• zwei benachbarte Tankstellen,

• direkt vorbeiführende Sparten wie Gas-, Wasser-, Abwasser-,

Strom-, Telefon- und Glasfaserleitungen,

• die nahe im Tunnel vorbeiführende U-Bahn,

• das Ausmaß von Straßensperrungen,

• Räumung von angrenzenden Wohngebäuden,

• die Umleitung von MVV-Buslinien und sogar

• eine temporäre Tiefflugverbotszone über Giesing.

Als Novum sollte erstmals in Deutschland eine umfangreiche

Gebäudesprengung drahtlos ausgelöst werden. Fremde

Funkimpulse durften keinesfalls zu einer vorzeitigen Zündung

führen. Außerdem war wenige Monate vorher die einschlägige

Vorschrift zum Einfluss von Hochfrequenzenergien auf

elektrische Zündanlagen (Durchführungsanweisung zu § 28

der UVV Sprengarbeiten BGV C24) neu erlassen worden. Sie

enthält umfangreiche Berechnungsverfahren bezüglich der

wirksamen Strahlungsleistung naher Sender - besonders aufwändig

bei Mehrfacheinflüssen. In Giesing stehen zahlreiche

Antennen von Amateur-, Betriebs- und Polizeifunkanlagen

22 SprengInfo 31(2009)1


sowie mehrerer Handynetzbetreiber, teils nur wenige 100 m

vom Agfa-Hochhaus entfernt. Erfahrungen damit konnte niemand

der Beteiligten beisteuern.

Abb. 2: Zahlreiche Antennen von Amateur-, Betriebs- und Polizeifunkanlagen

wenige 100 m vom Agfa-Hochhaus entfernt

Eine Hilfe kann die Standortdatenbank der Bundesnetzagentur

(www.regtp.de) bieten. Auf die konkreten Informationen

der Senderleistungen hat ein Unternehmer jedoch keinen

Zugriff; hier konnte das GAA als Behörde die einschlägigen

Daten ermitteln und zur Verfügung stellen. Nach der neuen

DA kann man bei HU-Zündern erst ab 1.815 m „ein ruhiges

Gewissen“ wegen einer potentiellen Frühzündung durch HF-

Einstrahlungen haben. Bezüglich der immer häufiger verwendeten

elektronischen Zünder finden sich darin aber gar keine

Angaben (Erst im März 2008 kam dann die „Handlungshilfe

für den Sprengberechtigten“ vom Deutschen Sprengverband

e. V. mit spezifischen Erläuterungen heraus). Deshalb mussten

Messungen Klarheit schaffen über die vor Ort vorhandenen

Frequenzen, Sendeleistungen und Feldstärken. Dazu

wurden Spezialisten des Zünderherstellers ORICA Germany

eingebunden.

Bei einer gezielten Sprengung wird ein Gebäude keinesfalls

„in die Luft gejagt“, auch soll es nicht einfach in sich zusammenfallen,

da der entstehende Trümmerberg zu hoch würde;

vielmehr soll der Baukörper umgelegt werden. Das ist bei

einer Schornsteinsprengung relativ leicht zu erreichen und

auch bei einem Quader wie diesem Hochhaus machbar.

Jedoch konnte das hier nicht durch einfaches seitliches Kippen

erfolgen. Die Schuttmassen hätten die Fahrbahnen des

Mittleren Rings begraben können, der aber nur so kurz wie

eben nötig gesperrt werden durfte. Weiterhin durften keine

Teile des ca. 15.500 t schweren Stahlbetonskelettbaues mit

Mauerwerksausfachung auf die ca. 50 m entfernte Werkskantine

stürzen, weil sie noch länger zu benutzen sein sollte.

Es musste vielmehr schräg von zwei Straßen weg auf

einen frei geräumten und von aufgeschütteten Kieswällen

umgebenen Teil des Firmengeländes zu liegen kommen,

quasi über das Eck umgelegt werden durch eine Folge von

zwei Fallrichtungen. Insgesamt sollten 716 meist nicht elektrische

und etliche elektronische Zünder den als Patronen

oder Sprengschnur in Bohrlöcher in die Wände und Stützen

gesteckten ca. 110 kg Sprengstoff auslösen.

Abbruch Abbruc

Zunächst war an der Schmalseite ein „Sprengmaul“ aus den

unteren fünf Stockwerken herauszusprengen, um ein Kippen

nach Osten einzuleiten. Einige Zehntelsekunden später

sollten Sprengladungen an der Nordseite zünden und das

Bauwerk in einer Kipp-Dreh-Bewegung nach Nordosten

umlegen. Wegen dieser komplizierten Randbedingungen

hatte das Gewerbeaufsichtsamt darauf bestanden, dass

zwei anerkannte Sachverständige unabhängig voneinander

das Vorhaben begutachteten.

Außerdem wurden

im zweiten Kellergeschoß

einige

Probesprengungen

durchgeführt,

um die Effizienz

der errechneten

spezifischen Lademenge

und -anordnung

sowie die

Tauglichkeit der

vorgesehenen Abdeckmaßnahmen

zu testen.

Abb. 3: Vorbereitungen

für Probesprengungen

im 2. Kellergeschoss

In monatlichen Zusammenkünften beriet der „Runde Tisch“

unter unserer Federführung den Stand der Vorbereitungen

und weitere Detailschritte. So war z. B. der Sprengtermin

festzulegen und dabei das übliche Verkehrsaufkommen am

Mittleren Ring, das zu erwartende Interesse von Bevölkerung

und Medien sowie die Gottesdienstzeiten der umliegenden

Kirchen abzuwägen. „High noon“ an einem Sonntag

ergab sich als geeigneter Zeitpunkt. Der Wunschtermin

10. Februar erwies sich aber als unmöglich, da wegen der

Münchener Sicherheitskonferenz keine Polizeikräfte zur

Verfügung standen, um die Sprengung von außen herum

anzusichern. Eine Woche später war das möglich.

5 Der Tag der Sprengung naht = 17.02.2008

Zum Schutz der Umgebung gegen Trümmer, Steinsplitter

und die trotz Wässerung unvermeidliche Staubwolke wurde

ein 200-m-Sicherheitsbereich um das Sprengobjekt festgelegt.

Um zu gewährleisten, dass es darüber hinaus zu keinen

gefährlichen Auswirkungen kommt, bedurfte es besonders

aufwändiger Abdeckmaßnahmen, insbesondere an den mit

Sprengladungen versehenen Außenpfeilern.

Der „Sperrbezirk“ war durch Bauzäune abgeriegelt; innerhalb

durfte sich wegen der unvermeidbaren Gefahren für Leib und

Leben während der Sprengung niemand aufhalten.

SprengInfo 31(2009)1 23


Abbruch Abbruc

Auch in den benachbarten Gebäuden mit Blickkontakt direkt

zum Agfa-Hochhaus konnte niemand bleiben; kleine wegspritzende

Betonbrocken hätten ein Fenster durchschlagen

und durch Glassplitter jemanden verletzen können.

Abb. 4: Absperrungen um das Agfa-Hochhaus

Deshalb mussten fast tausend Anwohner ihre Wohnungen

verlassen und waren damit in ihrem Grundrecht beeinträchtigt

(„Unverletzlichkeit der Wohnung“, Art. 13 GG). Ihnen

wurde angeboten, zwei benachbarte Schulturnhallen aufzusuchen

oder zu versuchen, aus sicherer Entfernung einen

Blick auf das Ereignis zu werfen. Die Landeshauptstadt München

erließ dazu eine Allgemeinverfügung mit Sofortvollzug.

Um gegen Klagen bis „zur letzten Minute“ gewappnet zu sein,

waren Juristen der Verwaltung und Justiz in Bereitschaft.

Räumung und Absperrung wurden von ca. 200 Polizisten und

Angehörigen von Freiwilliger und Berufsfeuerwehr sowie vom

THW unterstützt und gesichert. Ein Schlüsseldienst stand vor

Ort bereit, in kritischen Fällen „unter dem Auge der Gesetzeshüter“

eine Wohnungstür zu öffnen - dies war auch zweimal

nötig.

Abb. 5: Agfa-Hochhaus zwei Tage vor der Sprengung

Die städtischen Verkehrsbetriebe stellten Omnibusse zum

Transport der Anwohner zur Verfügung, in den Turnhallen

warteten Betreuungspersonal und Teeküchen der karitativen

Organisationen.

Abb. 6: Tegernseer Landstraße zwei Stunden vor der Sprengung

Angehörige des Gasversorgers warteten mit Messgeräten

auf ihren Einsatz nach der Sprengung längs der Gasleitungen;

Straßenreinigungsmaschinen waren hinter den Absperrungen

postiert, um die zu erwartenden Staubmassen rasch

von den Straßen zu entfernen.

Dass all dies umfangreiche Kosten verursachen würde, war

jedem klar, durchaus aber nicht, wer dafür aufzukommen

hätte. Erst nach wochenlangem Hin und Her war juristisch

abgesichert, dass in diesem besonderen Fall ein erhebliches

öffentliches Interesse am schnellen und erfolgreichen

Abschluss der Abbrucharbeiten durch die Sprengung vorliegt.

Somit konnten Polizei, Feuerwehr, Straßenbauamt,

etc. ihren Kostenaufwand nicht nach dem Verursacherprinzip

an die Abbruchfirma verrechnen.

Abb. 7: Kurz vor der Fernzündung

24 SprengInfo 31(2009)1


Abb. 8: Agfa-Hochhaus kurz vor der Sprengung

Abb. 9: Sprengung

GAA und Polizei hatten außerdem einen „Plan G“ entwickelt.

Dieser enthielt Notfallmaßnahmen bei aufziehendem Gewitter,

z. B. kurzfristige Straßensperrungen und Evakuierungen

ab dem Zeitpunkt, wo Sprengladungen mit Zündern versehen

waren. Ein Blitzschlag in einen Zünderdraht hätte eine vorzeitige

(Teil-)Sprengung und einen nicht absehbaren Umsturzverlauf

auslösen können. Um dieses Risiko zeitlich zu

begrenzen durften Lade- und vor allem Verkabelungsarbeiten

erst so spät wie möglich begonnen werden. Das

bedeutete, dass die Sprenghelfer während der letzten zwei

Tage schichtweise rund um die Uhr arbeiten mussten.

Abbruch Abbruc

Außerdem hat das GAA die Geophysiker der Ludwig-Maximilians-Universität

München eingebunden. Deren Erdbebenforscher

haben die Bodenschwingungen gemessen, welche

durch die Detonationswellen und das umkippende Gebäude

erzeugt wurden. Sie werten sie im Rahmen eines wissenschaftlichen

Projektes aus, insbesondere wegen der Scherschwingungen

durch das drehende Kollabieren. Nicht

zuletzt galt es für den „Runden Tisch“, trotz der dichten

Bebauung geeignete Möglichkeiten für Medienvertreter und

Interessierte zu finden, die aufsehenerregende Sprengung

so nah wie möglich aber ohne Gefahr erleben zu können.

Dazu dienten vor allem die Fahrbahnflächen hinter den

Absperrungen des Mittleren Rings.

6 Resümee

Der Aufwand für die intensive Vorbereitung hat sich gelohnt;

die Sprengung erfolgte wie geplant, ohne jeden Kollateralschaden.

Die eindrucksvollen Wasserfontänen auf dem

Schutzwall rings um das Hochhaus beeindruckten die gewaltige

Staubwolke nicht wirklich, aber diese zog kaum über

den Sprengkreis hinaus.

Statt befürchteter

Widerstände und

Proteste wurde es

zu einem Stadtevent.

Bei sonnigem

Wetter gab es einen

Ansturm von ca.

15.000 Schaulustigen;

einige Zuschauer

forderten

lautstark eine „Zugabe“

und das umfangreicheMedienecho

war ohne

Missklang.

Zum erfolgreichen Gelingen dieser spektakulären Sprengung

hat der vom GAA initiierte und koordinierte „Runde

Tisch“ maßgeblich beigetragen. Deshalb möchte ich allen

daran Beteiligten für die konstruktive Zusammenarbeit danken.

___________________________

Anschrift des Autors:

Abb. 10: Sprengevent

Dipl.-Ing. Horst Blachnitzky

Gewerbeaufsichtsamt der Regierung von Oberbayern

Dezernat 2B „Sprengwesen“

Fotos:

H. Blachnitzky; Fa. Wilhelm Geiger, Oberstdorf; Dr. R. Melzer

SprengInfo 31(2009)1 25


Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Sicherheitsmaßnahmen für das Abbrennen von Feuerwerken

Safety measurements for setting off fireworks

von Matthias Weickl

Im Auftrag des Bundesinnenministeriums hat die BAM den Entwurf einer Neufassung der Anlage 1 zur SprengVwV (Allgemeine

Verwaltungsvorschrift zum Sprengstoffgesetz) erarbeitet. Diese Neufassung soll in Zukunft als Technische Regel

in Kraft gesetzt werden. Im vorliegenden Aufsatz wird die Textfassung erläutert. Der Entwurf der Textfassung wurde von

der BAM gemeinsam mit dem Deutschen Sprengverband e. V. und anderen Verbänden, sowie mit der BG Chemie und

den beteiligten Behörden beraten. Deren Anregungen und Vorschläge sind im Text berücksichtigt worden.

By order of the ministry of Interior the BAM (Federal Institute of Material testing) has worked out the draft of a new version

of the enclosure 1 to the General rule of administration of the regulations relating to explosives). This new version is

planned to be set into force as a „Technical rule”. The essay will explain the text. The draft of the text has been discussed

by BAM together with the German blaster’s Association and other associations as well as with Health and Safety Executive

of the chemical industry and other authorities. Suggestions have been taken into consideration.

Die Sicherheitsmaßnahmen für das Abbrennen von pyrotechnischen

Gegenständen der Klassen III und IV sind bisher

in der Anlage 1 zur SprengVwV (BAnz. Nr. 60a vom 27. März

1987) ausgeführt.

Im Juni 2007 erhielt die BAM durch das Bundesinnenministerium

den Auftrag, den Entwurf der Anlage zu überprüfen

und neu zu fassen. Die Neufassung sollte die Überführung in

eine Technische Regel gewährleisten. In die Überarbeitung

flossen ebenfalls die Ergebnisse der Analyse der Prüfprotokolle

der Prüfstellen, die Ergebnisse neuerer Untersuchungen,

die Beobachtungen auf Abbrennplätzen und die Analyse

der Anforderungen in anderen Ländern sowie praktische

Versuche der BAM mit mehr als 50 verschiedenen Gruppen

von Großfeuerwerksartikeln ein. Die verwendeten Gegenstände

kamen aus Deutschland, Italien, China, Portugal,

Spanien und Taiwan. [1] Die BAM hat den daraus resultierenden

Entwurf gemeinsam mit den Verbänden (Sprengverband

e.V., VPI, etc.), Vertretern der BG Chemie und der

beteiligten Behörden beraten und Anregungen entsprechend

eingearbeitet. Die hieraus resultierende Textfassung dieser

künftigen technischen Regel wird nachfolgend erläutert,

wobei vereinfachend von der technischen Regel gesprochen

wird, obwohl es sich hier rechtlich gesehen um einen Vorgriff

auf die künftige technische Regel handelt. [2]

Der Originaltext der technischen Regel wird kursiv dargestellt.

1. Geltungsbereich

Diese Technische Regel gilt für das Abbrennen von pyrotechnischen

Gegenständen der Kategorie 4 im Sinne des

Artikel 3 Abs. 1 a der Richtlinie 2007/23/EG.

Erläuterung:

Die Technische Regel besitzt Gültigkeit für pyrotechnische

Gegenstände der derzeitigen Klasse IV und der Kategorie 4

im Sinne der Pyrotechnik-Richtlinie 2007/23/EG.

Die Gegenstände der Kategorie 4 entsprechen im Wesentlichen

der derzeitigen Klasse IV. Die Technische Regel gilt

damit nicht für Gegenstände der Kategorien 1, 2, 3, T oder P.

Aufgrund weiterer Vorgaben der Richtlinie werden künftig

auch Großfeuerwerksartikel der Kategorie 4 einer Baumusterprüfung

unterzogen, welche - verkürzt gesagt - im Wesentlichen

der heutigen Zulassung von Verbraucherfeuerwerk der

Klassen I und II entspricht. Dies ist in Modul B der Richtlinie

geregelt. Die bekannte QualitätsSicherung (QS) für Großfeuerwerk

wird daneben im Wesentlichen erhalten bleiben und

künftig durch Modul E der Richtlinie abgedeckt werden, wobei

dem Hersteller oder Importeur auch die Module C oder D

zur Verfügung stehen. Zusätzlich ist noch eine Einzelprüfung

nach Modul G durch die benannten Stellen (z. B. BAM) oder

ein besonderes Verfahren der Qualitätssicherung nach

Modul H vorgesehen.

Daneben wird natürlich weiterhin die Zuordnung zu den

Lager- und Verträglichkeitsgruppen erforderlich sein.

2. Begriffsbestimmungen

Abbrennplatz ist eine Fläche, die für das Aufstellen der Hilfsund

Abschussgeräte zum Abbrennen eines Feuerwerkes

benötigt wird (Platz zum Aufbau und Laden des Feuerwerkes).

Nahbereich (Absperrbereich) ist der einzuhaltende Abstand,

der durch den zur Allgemeinheit oder Nachbarschaft für die

Zeit der Bereitstellung und des Aufbaues des Feuerwerkes

zum Abbrennplatz gebildet wird.

Bodenfeuerwerk sind pyrotechnische Gegenstände, die sich

beim Abbrennen nicht von ihrer Halterung ablösen. Dies sind

z. B. Fontänen/Wasserfälle, Vulkane, bengalische Lichter,

Knallketten, Sonnen.

______________________________________

30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

26 SprengInfo 31(2009)1


Steighöhe ist der senkrechte Abstand zwischen der Abschussstelle

und der Horizontalen durch den Gipfelpunkt (Maximum)

der Flugbahn bzw. den Ort der Zerlegung von pyrotechnischen

Gegenständen.

Effekthöhe ist der senkrechte Abstand zwischen der Abschussstelle

und der Horizontalen durch den Gipfelpunkt

(Maximum) der Flugbahn von brennenden pyrotechnischen

Effekten. Zutreffend für alle Gegenstände außer Gegenstände

der Nr. 4.3.2 und 4.3.3.

Effektradius ist der wagerechte Abstand zwischen der

Abschuss- oder Zerlegungsstelle und der Vertikalen durch

den rechten oder linken Rand (Maximum) der Flugbahn von

brennenden pyrotechnischen Effekten.

Brandempfindliche Objekte sind z. B. Häuser mit Reet- oder

Strohdächern, Erntevorräte, erntereife Felder, trockene Wälder

(Waldbrandwarnstufen beachten), Lager brennbarer

Flüssigkeiten sowie Gastanks.

Schutzabstand (Fernbereich) ist der zwischen Abschussmittel

bzw. pyrotechnischem Gegenstand und Publikum, unbeteiligten

Dritten und brandempfindlichen Objekten einzuhaltende

horizontale Abstand.

Erläuterungen:

Bei den Begriffsbestimmungen wurden die Formulierungen

der Anlage 1 der SprengVwV wesentlich ergänzt und erweitert.

Mit Abbrennplatz ist der Platz gemeint, welcher tatsächlich

für den Aufbau des Feuerwerks benötigt wird, bzw. innerhalb

dessen Aufbauarbeiten stattfinden können. Dies können

auch Arbeiten sein, welche nicht unmittelbar einen Umgang

mit pyrotechnischen Gegenständen erfordern, wie etwa das

Erstellen von Haltekonstruktionen, wie z. B. für Lichterbilder

oder Wasserfälle etc.

Unter Nahbereich ist der Bereich zu verstehen, der für die

Dauer des Aufbaus auf dem Abbrennplatz gegenüber Dritten

(Passanten etc.) abzusperren ist, insbesondere sobald auf

dem Abbrennplatz pyrotechnische Gegenstände vorhanden

sind. Durch diese Absperrung soll erreicht werden, dass

Gefährdungen, die aus dem Aufbau selbst resultieren, vermieden

werden, wie z. B., dass Passanten mutwillig brennende

Zigaretten in ein geladenes Rohr schnippen oder dass

ein noch nicht endgültig befestigtes Lichterbild umkippt und

einem vorbeikommenden Spaziergänger auf den Kopf fällt.

Steighöhe meint die maximale Höhe von pyrotechnischen

Gegenständen, die aufsteigen bis zum Punkt der Zerlegung,

im Gegensatz zu Bodenfeuerwerk,.

Die Effekthöhe beschreibt im Gegensatz dazu die maximale

Höhe des Effektes von pyrotechnischen Gegenständen. Die

Effekthöhe ist für die Schutzabstandsberechnung nicht heranzuziehen.

Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Der Effektradius beschreibt die Hälfte der maximal möglichen

Ausdehnung des brennenden Effektes während seiner Verwendung.

Die tatsächliche Verteilung der Sterne einer

Bombe beträgt daher das Doppelte dieses Radius.

Bsp.: Die Sterne einer Kugelbombe 100 mm werden vom Ort

der Zerlegung 40 m weit in eine Richtung geschleudert. Dies

wäre der Effektradius. Der Effektdurchmesser der Bombe

wäre aber das Doppelte, nämlich 80 m.

Brandempfindliche Objekte sind nur solche Objekte, welche

relativ leicht durch Hitzewirkung oder Funkenflug zur Entzündung

gebracht werden können. Generell sind hierbei

auch entsprechende Umwelteinflüsse wie Temperatur oder

anhaltende Trockenheit zu berücksichtigen. So ist etwa ein

abgeerntetes Feld oder ein Wald nach anhaltenden Regenfällen

nicht als brandempfindliches Objekt anzusehen. Einen

direkten Zusammenhang mit den Waldbrandwarnstufen stellt

die technische Regel nicht her. In der Praxis wird ein Wald bei

Waldbrandwarnstufe III und IV auf der vierteiligen Skala der

Waldbrandwarnstufen in der Planung eines Feuerwerks zu

berücksichtigen sein, was z. B. durch Wässerung gefährdeter

Flächen oder Überwachung durch Brandwachen geschehen

kann.

Unter Schutzabstand ist der Abstand zu verstehen, der beim

Abbrennen des Feuerwerks insbesondere zum Publikum hin

einzuhalten ist und der sich aus den Berechnungen unter Nr.

4 der technischen Regel ergibt.

In der Regel wird sich aus der Berechnung der Schutzabstände

nach Nr. 4 ein zumindest annähernd kreisförmiger

Schutzabstand ergeben, der sich durch den Effekt mit dem

höchsten individuellen Schutzabstand ergibt. Innerhalb dieses

Maximal-Schutzabstandes werden dann die Gegenstände

mit geringerem Schutzabstand platziert sein.

Es ist nicht erforderlich, den Abstand für jeden Gegenstand

separat zu ermitteln, wenn Gegenstände den gleichen

Schutzabstand erfordern. So ist z. B. bei einem Kasten mit

fünf 100 mm-Kugelbomben mit einer Steighöhe von je 100 m

gemäß Nr. 4.3.2 ein Schutzabstand von 80 m erforderlich,

d. h., wenn das erste Rohr des Kastens mindestens 80 m von

der Absperrung entfernt ist, hinter der sich das Publikum befindet,

dann ist für die anderen Rohre bzw. die dahinter aufgestellten

weiteren 100er-Kästen keine separate Einzelberechnung

erforderlich.

3. Allgemeines

3.1. Die Feuerwerkskörper dürfen nur unter Leitung einer

Person aufgebaut und abgebrannt werden, die nach dem

Sprengstoffgesetz zum Abbrennen von pyrotechnischen

Gegenständen dieser Art berechtigt ist (verantwortliche Person

nach § 19 SprengG).

Beim Aufbau und beim Abbrennen des Feuerwerks müssen

mindestens zwei Personen anwesend sein; eine Person kann

auch eine geeignete Hilfsperson sein.

SprengInfo 31(2009)1 27


Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Bei vorübergehender Abwesenheit der verantwortlichen Person

ist der Aufbau zu unterbrechen und die Aufsicht und

Bewachung einer geeigneten Person über 18 Jahre zu übertragen.

Erläuterungen:

Während des Aufbaus und Abbrennens des Feuerwerks

müssen mindestens zwei Personen anwesend sein, davon

muss eine im Besitz der Fachkunde in Form eines Befähigungsscheins

oder einer Erlaubnis mit Fachkunde für Kategorie

4 sein. Generell muss das Feuerwerk stets für oder

durch einen Erlaubnisinhaber durchgeführt werden.

Da die Hilfsperson ohne Fachkunde während einer vorübergehenden

Abwesenheit der verantwortlichen Person lediglich

den Abbrennplatz überwacht - insbesondere um ein Abhandenkommen

von pyrotechnischen Artikeln zu verhindern -

benötigt sie keinen eigenen Befähigungsschein, da sie keinen

Umgang mit den pyrotechnischen Gegenständen hat

und die verantwortliche Person weiterhin die Kontrolle über

den Abbrennplatz behält.

3.2. Die Windgeschwindigkeit ist am Abbrennplatz vor Beginn

des Feuerwerks in einer Höhe von 2 Metern zu messen und

zu protokollieren.

Erläuterung:

Im Zuge der Erarbeitung der technischen Regel ist berücksichtigt

worden, dass die Messung der Windgeschwindigkeit

in 2 m Höhe über dem Boden nur einen Anhaltspunkt für die

Windverhältnisse in größeren Höhen ergeben. Die Ergebnisse

der Messung sind jedoch ausreichend, um ggf. die Erhöhung

der Schutzabstände nach Nr. 4.5 der technischen

Regel vorzunehmen.

Es ist kein Zeitpunkt für die Messung vorgeschrieben. Dem

Schutzziel der Nr. 3.2 entsprechend, die Windverhältnisse

während des Feuerwerks bei den Schutzabständen zu berücksichtigen,

ist aber ein enger zeitlicher Zusammenhang

mit dem Feuerwerk erforderlich. In der Praxis wird daher die

Messung innerhalb der letzten 30 Minuten vor Beginn des

Feuerwerks zu erfolgen haben. Aufgrund dieses engen zeitlichen

Zusammenhangs verbietet sich denknotwendig eine

Angabe der Windgeschwindigkeit in der Anzeige des Feuerwerks.

Für das Protokollieren ist keine besondere Form vorgegeben.

Geeignet ist jede Form, welche dem Schutzziel der Technischen

Regel entspricht, einen späteren Nachweis des Messergebnisses

zu gewährleisten. Dies kann z. B. durch ein

selbstgefertigtes, schriftliches Messprotokoll mit Eintrag der

Windgeschwindigkeit, Datum und Uhrzeit der Messung und

evtl. Unterschrift erfüllt werden. In der Praxis wird dies sinnvollerweise

mit der Protokollierungspflicht gemäß Nr. 5.5 verbunden

werden.

3.3. Das Feuerwerk soll in den Monaten September bis

einschließlich April um 23:00 Uhr, im Mai bis einschließlich

August um 24:00 Uhr beendet sein.

Erläuterung:

Nr. 3.3 konkretisiert den immissionsrechtlichen Grundsatz,

dass Beeinträchtigungen von Nachbarn und Dritten so gering

wie möglich zu bleiben haben dahingehend, dass eine Verwendung

von Großfeuerwerk bis spätestens 23 Uhr bzw.

24 Uhr beendet sein soll. Die bisherige sperrige Formulierung

in Abhängigkeit von der Mitteleuropäischen Sommerzeit

wurde aufgegeben, da die Uhrzeit sich jeweils auf die gültige

Zeit bezieht, also zwischen März und Oktober Sommerzeit,

ansonsten die normale mitteleuropäische Zeit.

3.4. Bei Feuerwerken mit starker Knallwirkung ist ein ausreichender

Abstand von besonderen Gebäuden (z. B. Krankenhäusern,

Kliniken, Sanatorien) einzuhalten. Davon kann

abgesehen werden, wenn die Zustimmung der Anlieger vorliegt.

§ 23 Abs. 1 der 1. SprengV bleibt unberührt.

Erläuterung:

Nr. 3.4 konkretisiert die immissionsrechtlichen Vorgaben des

§ 23 Abs. 1 der 1. SprengV. Bei Feuerwerken mit „starker

Knallwirkung“ erfasst die technische Regel Krankenhäuser,

Kliniken und Sanatorien als besonders schützenswerte

Objekte. Bei Feuerwerken ohne pyrotechnische Gegenstände

mit ausschließlicher Knallwirkung (Blitzknall) ist diese Forderung

durch die Einhaltung der normalen Sicherheitsabstände

als erfüllt anzusehen.

3.5. Für die Planung des Feuerwerks sind die am Abbrenntag

vorhandenen nicht ortsfesten Einrichtungen (z. B. Fliegende

Bauten) zu berücksichtigen.

Erläuterung:

In der Praxis kam es in der Vergangenheit insbesondere bei

Feuerwerken im Rahmen von Volksfesten zu Problemen mit

„fliegenden Bauten“, welche ohne vorherige Absprache - insbesondere

von Schaustellerbetrieben - innerhalb des Schutzabstands

aufgestellt wurden. Die technische Regel fordert

daher, diese bei der Planung (soweit bekannt) zu berücksichtigen.

Nicht gemeint ist, dass der Betrieb solcher „nicht

ortsfesten Einrichtungen“ innerhalb des Schutzabstandes

generell unzulässig ist, sondern nur, dass deren Berücksichtigung

bei der Planung erforderlich ist. So ist die Errichtung

von fliegenden Bauten auch innerhalb des Schutzabstands

unproblematisch, sofern sich während der Dauer des Feuerwerks

darin niemand aufhält, sofern von den fliegenden Bauten

nicht selbst eine erhöhte Gefahr ausgeht, z. B. weil diese

ein brandempfindliches Objekt darstellen.

3.6. Rohre für den Abschuss von Bomben, Bombetten und

Feuertöpfen müssen aus Werkstoffen bestehen, die die erforderliche

Festigkeit und Splittersicherheit besitzen.

Geeignete Werkstoffe sind z. B. Pappe, Polyethylen, Polypropylen

oder glasfaserverstärkte Kunststoffe.

Metallrohre dürfen nur für solche Bomben verwendet werden,

für deren Abschuss die Festigkeit der vorstehend genannten

Werkstoffe nicht ausreicht. Für Bomben und Bombetten bis

Kaliber 60 mm ohne Blitzladung dürfen stets auch Metall-

28 SprengInfo 31(2009)1


ohre verwendet werden. Metallrohre sind unabhängig von

den erforderlichen Schutzabständen durch geeignete Mittel

so abzuschirmen, dass bei Rohrkrepierern keine Personen

durch Splitter gefährdet werden. Dies gilt nicht für Bomben

und Bombetten bis Kaliber 60 mm ohne Blitzladung.

Erläuterung:

Die Technische Regel schreibt „geeignete Werkstoffe“ für

Abschussrohre vor. Die Eignung wird durch die Eigenschaften

„erforderliche Festigkeit“ und „Splittersicherheit“ definiert.

Dies ermöglicht im Sinne des Schutzzieles der Technischen

Regel auch die Verwendung anderer als der genannten

Werkstoffe, sofern diese die Anforderungen nach Punkt 3.6

erfüllen. Aus dem Bersten eines Rohres durch einen „Rohrkrepierer“

folgt nicht die Ungeeignetheit des Werkstoffs, vielmehr

ist die Eignung für die normale, bestimmungsgemäße

Verwendung gemeint.

Metallrohre dürfen nur dort verwendet werden, wo besondere

Festigkeit erforderlich ist, z. B. für Zylinderbomben. Die

Beurteilung der Notwendigkeit von Metallrohren erfolgt durch

die fachkundige Person. Metallrohre bis Kaliber 60 mm sind

privilegiert (insb. Selbstlade-Bombetten), da ihre Verwendung

aufgrund der geringeren Splittergefahr generell zulässig

ist, sofern keine Blitzladung verwendet wird.

3.7. Es dürfen nur solche Feuerwerkskörper geplant und nur

solche Abschussgeräte vorgesehen werden, die für die vorliegende

Bodenbeschaffenheit geeignet sind.

Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Erläuterung:

In seltenen Fällen ist es denkbar, das sehr weiche Untergründe

Teile der Rückstoßenergie aufnehmen und so zu

einem Verlust an Steighöhe des Gegenstandes führen können.

Dem kann in der Praxis durch Unterlegen von Brettern,

bzw. Verwendung von geschlossenen Bombenkästen etc.

begegnet werden. Die Beurteilung der notwendigen Maßnahmen

erfolgt durch die verantwortliche Person.

Bei normalen Untergründen wie etwa Wiesen-, Gras-, Betonoder

Kiesböden stellt Nr. 3.7 keine zusätzlichen Anforderungen

an die Planung des Feuerwerks. Gesonderte Betrachtung

bedarf eher die Verwendung großkalibriger Gegenstände

(> 75 mm) von Dachkonstruktionen aus, da hier die Tragfähigkeit

und das Schwingverhalten des Daches berücksichtigt

werden muss.

4. Schutzabstände

4.1. Der Schutzabstand eines Gegenstandes wird aus den

Leistungsparametern Steig- bzw. Effekthöhe bestimmt. Für

die Anpassung des Schutzabstandes durch Windeinfluss

oder Neigungswinkel gelten 4.4 und 4.5.

4.2. Wenn Schutzabstände im Rahmen eines Konformitätsbewertungsverfahrens

(Angabe auf dem Gegenstand bzw. Verpackung)

bzw. im Rahmen des Verfahrens der Vergabe einer

Identifikationsnummer in der Gebrauchsanweisung festgelegt

wurden, sind diese anzuwenden. Für den Fall, dass dies nicht

erfolgt, sind nachfolgende Schutzabstände vorzusehen.

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SprengInfo 31(2009)1 29


Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Für die Anpassung des Schutzabstandes durch Windeinfluss

oder Neigungswinkel gelten 4.4 und 4.5.

Erläuterung:

Für den Fall, dass pyrotechnische Gegenstände der Kategorie

4 einen festen Schutzabstand seitens des Herstellers oder

Importeurs zugewiesen erhalten - was durch die Richtlinie

ermöglicht wird - so ist nach Nr. 4.2 dieser feste Schutzabstand

anzuwenden, wobei die Regelungen für Wind und Neigungswinkel

zu berücksichtigen sind. Sofern kein konkreter

Schutzabstand vorgegeben wird, gelten die Schutzabstände

der technischen Regel.

4.3. Der Schutzabstand beim Abschuss der Feuerwerkskörper

am Boden und einer Windgeschwindigkeit bis zu 9 m/s

ohne Berücksichtigung des Neigungswinkels beträgt:

Erläuterung:

Nr. 4.3 regelt die Grundfälle der Schutzabstände, es handelt

sich dabei um Mindestabstände. Diese sind gemäß Nr. 4.4

bei Neigungswinkeln (gekippte Rohre) oder gemäß Nr. 4.5

bei Wind (Windgeschwindigkeiten ab 9 m/s) entsprechend zu

modifizieren.

4.3.1. bei Bodenfeuerwerk 20 Meter - bei Lichterbildern kann

der Abstand verringert werden,

Erläuterung:

Grundsätzlich beträgt der Schutzabstand für Bodenfeuerwerk

mindestens 20 Meter. Dies gilt nicht, wie bereits in der Erläuterung

zu Nr. 1 beschrieben, sofern Artikel der Kategorien 1

bis 3, P oder T eingesetzt werden. Die Entscheidung über die

Verringerung des Schutzabstands bei Lichterbildern trifft die

verantwortliche Person.

Titelfotos für „SprengInfo“ gesucht

Der Deutsche Sprengverband sucht für die Titelgestaltung seiner Verbandszeitschrift

„SprengInfo“ laufend gute und interessante Fotos aus allen Bereichen der

Sprengtechnik und Pyrotechnik.

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4.3.2. bei Bomben und Bombetten mit Kaliber � 50 mm (auch

aus Feuertöpfen, Batterien und Römischen Lichtern), 80 %

der Steighöhe, jedoch mindestens 800 x Kaliber in mm.

4.3.3. bei Bomben und Bombetten zur Erzeugung eines

Knalls - Haupteffekt (auch aus Feuertöpfen, Batterien und

Römischen Lichtern), 100 % der Steighöhe, jedoch mindestens

1000 x Kaliber in mm.

Erläuterung:

Nr. 4.3.2 und 4.3.3 definieren die Regelfälle für die Schutzabstände

insbesondere von Bomben. Die Erläuterung erfolgt

anhand eines Beispiels:

• Eine Bombe mit Kaliber 100mm ohne Blitzknall als Haupteffekt

(Nr. 4.3.2) hat eine Steighöhe von 70 Metern.

- 70 Meter Steighöhe x 80 % = 56 Meter

- 800 x Kaliber 100 mm = 80.000 mm oder 80 Meter

Schutzabstand: 80 Meter, da die Kaliberbegrenzung die

Untergrenze für den Schutzabstand darstellt.

• Dieselbe Bombe hat nun eine Steighöhe von 130 Metern.

- 130 Meter Steighöhe x 80 % = 104 Meter

- 800 x Kaliber 100 mm = 80.000 mm oder 80 Meter

Schutzabstand: 104 Meter, da die Steighöhe den größeren

Wert erfordert.

Entsprechendes gilt für die Blitzknallbomben der Nr. 4.3.3,

hier ist der Faktor 100 % bzw. 1000 mm.

Sofern pyrotechnische Gegenstände mit unterschiedlichen

Kalibern aus Kombinationen (z.B. Batterie mit mehreren Kalibern)

verschossen werden, ist eine Berechnung des Schutzabstands

jedes einzelnen Kalibers entbehrlich, sofern der

Schutzabstand anhand des größten Kalibers bestimmt wird.

30 SprengInfo 31(2009)1


Bsp.: Auf einer Batterie mit unterschiedlichen Kalibern finden

sich die folgenden Angaben: Kaliber von 0,5 bis 2,5 Zoll,

Steighöhe 85 Meter, Blue Peonies and crackling willows with

report.

2,5 Zoll entsprechen (1 Zoll = 2,54 cm) Kaliber 63,5 mm. Das

verwendete Kaliber ist daher teilweise größer als 50 mm. Der

Report stellt nicht den Haupteffekt dar, sondern die Weiden

und die Pfingstrosen. Daher ist der Schutzabstand nach Nr.

4.3.2 für Bomben und Bombetten ohne Knalleffekt zu bestimmen:

- 85 Meter Steighöhe x 80 % = 68 Meter

- 800 x Kaliber 63,5 mm = 50.800 mm oder 50,8 Meter

Schutzabstand: 68 Meter, da die Steighöhe den größeren

Wert erfordert.

4.3.4. bei Raketen und steigenden Kronen in der Abschussrichtung

200 Meter, in den anderen Richtungen mindestens

125 m.

Erläuterung:

Die Schutzabstände bei Raketen und steigenden Kronen

betragen in Schussrichtung 200 Meter, in den anderen Richtungen

125 Meter. Bei Abschuss senkrecht nach oben ergibt

sich daher ein Schutzabstand von 125 Meter für diese

Gegenstände im Umkreis zur Abschussstelle. Die Regelung

entspricht der bisherigen Anlage 1 zur SprengVwV.

4.3.5. bei nicht in Ziffer 4.3.2 - 4.3.4 genannten Feuerwerkskörpern

30 m, wenn die maximale Steig-/Effekthöhe 30 m

nicht übersteigt,

4.3.6. bei nicht in Ziffer 4.3.2 - 4.3.4 genannten Feuerwerkskörpern

50 m, wenn die maximale Steig-/Effekthöhe 30 m

übersteigt,

Erläuterung:

Die Nr. 4.3.5 und 4.3.6 betreffen alle aufsteigenden pyrotechnischen

Gegenstände mit einem Kaliber unter 50 mm.

Alle Gegenstände mit einem Kaliber kleiner als 50 mm und

weniger als 30 Meter Steighöhe haben nach Nr. 4.3.5 einen

festen Schutzabstand von 30 Metern. Typischerweise sind

dies kleinkalibrige Römische Lichter, Feuertöpfe, etc.

Alle Gegenstände mit einem Kaliber kleiner als 50 mm und

mehr als 30 Meter Steighöhe werden - unabhängig von der

Steighöhe - auf einen Schutzabstand von 50 Meter festgelegt.

Damit trägt die technische Regel der niedrigen Gefährdung

von Dritten durch diese Gegenstände Rechnung und

vereinfacht die Anwendung der Schutzabstände wesentlich.

4.3.7. Bei Wasserbomben in Abschussrichtung das 1,5fachen

der maximalen Reichweite zuzüglich dem 2-fachen

des Effektradiusses.

Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Erläuterung:

Der Versuch, von einer Einzelfallbetrachtung zu einem einheitlichen

Berechnungsmodell für Wasserbomben zu kommen,

ist - aufgrund der Komplexität des Themas - nicht ohne

Schwierigkeiten.

Die Technische Regel benennt als wichtigsten Parameter die

maximale Reichweite und den Effektradius. Die maximale

Reichweite entspricht dem „ballistischen Schuss“ und sollte

vom Hersteller als Reichweite bei Abschuss unter einem definierten

ballistischen Winkel angegeben werden. Da der

Effektradius (deutsch: Halbmesser) nur dem halben Durchmesser

der Bombe entspricht, erfordert Nr. 4.3.7 den doppelten

Effektradius, der weitere Effektradius in Richung Publikum

ist als zusätzlicher Schutzabstand zu verstehen. Die

Berechnung nach Nr. 4.3.7 entbindet die verantwortliche Person

nicht in jedem Fall von einer individuellen Effektbeurteilung.

Insbesondere bei sehr geringen Schusswinkeln (Flachschuß),

ist die Gefahr zu berücksichtigen, dass die Bombe

gleich einem Kieselstein über das Wasser „hüpfen“ kann.

Bsp.: Auf einer Wasserbombe Kaliber 75 mm finden sich folgende

Angaben:

- Reichweite bei Abschusswinkel 38,5°: 75 Meter

- Effektradius: 45 Meter

Schutzabstand in Abschussrichtung: 75 Meter + 2 x 45 Meter

= 165 Meter

4.3.8. Bei Tagesbomben ohne brennbare Effekte, 80 % der

Steighöhe, unabhängig vom Kaliber.

Erläuterung:

Im Gegensatz zu normalen Bomben mit erheblichen Mengen

pyrotechnischer Satzmasse, stellen Tagesbomben mit nur

sehr geringen Mengen pyrotechnischem Satz zur Trennung

der Halbschalen und in der Regel nicht brennbarer Füllung

(z.B. Konfetti oder Fahnen) eine deutlich geringere Gefahr für

Zuschauer und Dritte dar. Die technische Regel trägt dem in

Nr. 4.3.8 dahingehend Rechnung, dass bei Tagesbomben

die Steighöhe als Hauptgefährdungsmerkmal von Tagesbomben

angesehen wird, unabhängig vom Kaliber der

Gegenstände.

4.4. Beim Abschuss der Feuerwerkskörper unter einem Neigungswinkel

von der Senkrechten ist der Schutzabstand

nach Nr. 4.3.2 – 4.3.4 und 4.3.8 in Abhängigkeit des Neigungswinkels

in Neigungsrichtung folgendermaßen zu vergrößern:

Neigungswinkel in °

Erhöhung des Schutz-

(von der Senkrechten) abstandes in %

5 bis 10 40

11 bis 15 60

16 bis 20 80

In der entgegensetzten Richtung kann der Schutzabstand

entsprechend, jedoch maximal um 40 % verringert werden.

SprengInfo 31(2009)1 31


Pyrotec Pyrotechnik

hnik

Bei größeren Neigungswinkeln ist eine Einzelfallbeurteilung

erforderlich.

Erläuterung:

Die Erhöhung der Schutzabstände bei Neigungswinkeln

(Winkelung der Rohre) nach Nr. 4.4 sind nur anzuwenden auf

aufsteigendes Feuerwerk mit einem Kaliber ab 50 mm. Die

Technische Regel schreibt keine Methode für die Messung

des Winkels vor. In der Praxis genügt eine Messung mit

einem handelsüblichen Winkelmesser, bei dem durch Anlegen

an den Abschusskasten der Winkel im Verhältnis zum

Grund gemessen wird.

Nr. 4.4 gilt nur für den Fall des absichtlichen Neigens der

Abschussgestelle zum Zwecke der Fächerung, nicht für

zufällige geländetypischen Unebenheiten, die unbeabsichtigt

auftreten. Kontrollen des Neigungswinkels sind daher

grundsätzlich erst erforderlich bei einem optisch erfassbaren

Schiefstand der Abschussgestelle. Insbesondere wurde die

Toleranzschwelle von bis zu 5° so gewählt, dass Abweichungen

auch bei unebenem Untergrund optisch leicht zu erfassen

sind. Da es sich bei den Modifikationen der Nr. 4.4 um

eine solche handelt, die erst vor Ort durch die verantwortliche

Person vorgenommen werden kann, können sie denknotwendig

nicht in der Anzeige mit angegeben werden.

4.5. Schutzabstand beim Abschuss von Feuerwerk vom

Boden und Windgeschwindigkeiten von mehr als 9 m/s ohne

Berücksichtigung des Neigungswinkels:

4.5.1. Bei Windgeschwindigkeiten größer 9 m/s bis 13 m/s

sind die für Gegenstände nach Nr. 4.3.2 - 4.3.4, 4.3.7, 4.3.8

bzw. nach Nr. 4.4 ermittelten Schutzabstände in Windrichtung

um 100 % zu vergrößern. Reichen danach die Schutzabstände

für einzelne Gegenstände nicht mehr aus, so sind

die entsprechenden Gegenstände aus der Zündkette zu entfernen

(nicht abzubrennen).

4.5.2. Bei Windgeschwindigkeiten größer 13 m/s dürfen nur

noch Gegenstände nach Nr. 4.3.1 abgebrannt werden, es sei

denn, der Schutzabstand kann um mindestens 200 % in

Windrichtung vergrößert werden.

4.5.3. In der der Windrichtung entgegen gesetzter Richtung

kann der Schutzabstand entsprechend, jedoch maximal um

40 % verringert werden.

Erläuterung:

Nr. 4.5 regelt die Erhöhung des Schutzabstandes, bei Windgeschwindigkeiten

von mehr als 9 m/s. Da es sich bei Nr. 4.5

um Modifikationen handelt, die erst vor Ort durch die verantwortliche

Person vorgenommen werden können, können sie

denknotwendig nicht in der Anzeige mit angegeben werden.

Gegenüber dem Entwurf der Anlage 1.3 der SprengVwV stellt

Nr. 4.5 eine deutliche Vereinfachung dar.

Bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 9 m/s ist der

Schutzabstand gegenüber dem normalen Abstand zu verdoppeln,

bei mehr als 13 m/s zu verdreifachen.

Ist dies nicht möglich, darf nur noch Bodenfeuerwerk gemäß

Nr. 4.3.1 abgebrannt werden.

Punkt 4.5.3 erlaubt es zudem, den Schutzabstand bei Windgeschwindigkeiten

über 9 m/s um bis zu 40 % in der dem

Wind entgegen gesetzten Richtung zu verringern, da der

Wind in dieser Richtung für eine Gefahrverringerung sorgt.

4.6. Befindet sich der Abbrennplatz auf einem Bauwerk, ist

die Höhe des Bauwerks zu der Effekt- oder Steighöhe bei

Gegenständen nach 4.3.2 - 4.3.4 und 4.3.8 zu addieren.

Danach ist der Schutzabstand gemäß Nr. 4.3.2 - 4.3.4, 4.4

und 4.5.1 zu berechnen.

Erläuterung:

Nach Nr. 4.6 ist es erforderlich, bei der Berechnung des

Schutzabstands für pyrotechnische Gegenstände ab einem

Kaliber von 50 mm auf Bauwerken die Höhe des Bauwerks

einzubeziehen. Dies gilt (natürlich) nicht für Bodenfeuerwerk,

da bei diesem durch die zusätzliche Höhe keine Gefahrerhöhung

eintritt.

Beispiel:

• Eine Bombe mit Kaliber 100 mm ohne Blitzknall als Haupteffekt

(Nr. 4.3.2) hat eine Steighöhe von 70 Metern und wird

von einem Parkhausdach (25 m Gebäudehöhe) geschossen:

- (70 Meter Steighöhe + 25 Meter Gebäudehöhe) x 80 % =

76 Meter

- 800 x Kaliber 100 mm = 80.000 mm oder 80 Meter

Schutzabstand: 80 Meter, da die Kaliberbegrenzung die

Untergrenze für den Schutzabstand darstellt.

• Dieselbe Bombe hat nun eine Steighöhe von 130 Metern

und wird von einem Parkhausdach (25 m Gebäudehöhe)

geschossen:

- (130 Meter Steighöhe + 25 Meter Gebäudehöhe) x 80 %

= 124 Meter

- 800 x Kaliber 100 mm = 80.000 mm oder 80 Meter

Schutzabstand: 124 Meter, da die Steighöhe den größeren

Wert erfordert.

4.7. Befindet sich der Abbrennplatz auf einer Geländeerhebung

von � 20 % Steigung, so ist der Schutzabstand für

Gegenstände der Nummern 4.3.2 bis 4.3.4 um 20 % zu vergrößern.

Bei Geländeerhebungen, deren Steigung mit denen

von Gebäuden zu vergleichen ist (nahezu senkrecht), gilt für

die Bestimmung des Schutzabstandes die Nr. 4.6.

Erläuterung:

Bei Abbrennplätzen auf Geländeerhebungen (Hügeln) mit

mehr als 20 % Steigung, ist der Schutzabstand für pyrotechnische

Gegenstände mit einem Kaliber ab 50 mm um

20 % zu erhöhen. Dies gilt (natürlich) nicht für Bodenfeuerwerk.

Bei nahezu senkrechter Steigung ist die Erhebung

mehr mit der Situation auf einem Gebäude zu vergleichen

und daher auch die Regelung für Gebäude in Nr. 4.6 anzuwenden.

32 SprengInfo 31(2009)1


Die Feststellung der Steigung und ob es sich um eine nahezu

senkrechte Geländeerhebung handelt, ist von der verantwortlichen

Person zu treffen.

5. Sicherheitsmaßnahmen zum Aufbau und Abbrennen

5.1. Der Nahbereich (Absperrbereich) ist ab dem Beginn des

Aufbauens nach allen Seiten so deutlich abzusperren oder zu

kennzeichnen, dass Unbeteiligte die Begrenzung ohne weiteres

erkennen können.

Während der Vorbereitungs- und Aufbauzeit des Feuerwerks

ist in der Regel eine Absperrung von 20 m ausreichend. Die

Absperrung kann verringert werden, wenn ausreichende

Sicherheitsmassnahmen (z. B. Absperrposten, Gitter) vorgenommen

werden.

Erläuterung:

Der Forderung von 20 m Absperrung des Nabereich in Nr.

5.1 liegt die regelmäßig in der Praxis anzutreffende relativ

„schwache“ Absperrung mit Flatterband zugrunde. Bei Verwendung

stärkerer Absperrmittel, die auch ein physisches

Zurückhalten von Dritten gewährleisten können, wie z. B. ein

Gitterzaun oder Absperrposten, kann der Regelabstand von

20 Metern durch Anordnung der verantwortlichen Person

unterschritten werden.

5.2. Ab dem Beginn der Aufbauarbeiten müssen geeignete

Feuerlöschmittel für die Brandklassen A, B und C mit einem

Gesamtfassungsvermögen von mindestens 8 kg oder gleich-

Pyrotec Pyrotechnik

hnik

wertige Löschmittel mit einer entsprechenden Anzahl von

Löscheinheiten verwendungsbereit sein. Alternativ können

auch 4 Wassereimer mit einem Mindestvolumen von je 10

Liter bereitgehalten werden.

Erläuterung:

Der vorbeugende Brandschutz in Nr. 5.2 ist hinsichtlich der

Löschmittel an die Vorgabe des ADR Nr. 8.1.4.1 für die Ausrüstung

von EX-Fahrzeugen angenähert, wo für Fahrzeuge

bis 7,5 t zulässiges Gesamtgewicht mindestens 8 kg Feuerlöschmittel

vorgeschrieben sind.

(2 kg-Löscher und 6 kg-Löscher).

Die Entwicklung im Bereich der Feuerlöscher geht mittlerweile

von einer reinen Betrachtung der Menge des Löschmittels

weg zur Wirkung des Löschmittels hin; welche in Löscheinheiten

gemessen wird.

Durch Steigerung der Löschwirkung des Löschmittels kann

durch die Hersteller somit eine Verkleinerung der Bauform

bei gleich bleibender Löschwirkung erzielt werden. Dies wird

in Nr. 5.2 berücksichtigt.

Alternativ ist die in der Praxis bewährte Möglichkeit erhalten

geblieben, vier Wassereimer mit einem Mindestvolumen von

jeweils 10 Litern Wasser bereit zu halten.

Anzeige

SprengInfo 31(2009)1 33


Pyrotec Pyrotechnik

hnik

5.3. Von dem Beginn der Aufbauarbeiten an bis zum Abbrennen

darf auf dem Abbrennplatz nicht mit offenem Licht oder

Feuer umgegangen werden.

5.4. Vor dem Aufbau sind Hilfsgeräte, Abschussmittel und

pyrotechnische Gegenstände auf ihren ordnungsgemäßen

Zustand hin zu überprüfen. Beschädigte Geräte oder pyrotechnische

Gegenstände dürfen nicht verwendet werden.

5.5. Vor dem Abbrennen des Feuerwerkes hat die verantwortliche

Person den sachgemäßen Aufbau des geplanten

Feuerwerkes und die Sicherheitsmaßnahmen zu kontrollieren

und zu protokollieren.

Erläuterung:

Nr. 5.3 erfasst auch das Rauchen auf dem Abbrennplatz

und im Nahbereich.

Nr. 5.4 und 5.5 fordern eine Sichtkontrolle der pyrotechnischen

Gegenstände, Hilfsgeräte und Abschussmittel, sowie

der Sicherheitsmaßnahmen, also insbesondere der Absperrung

bzw. Sicherung des Schutzabstands (Fernbereich).

Für das Protokollieren ist keine besondere Form vorgegeben.

Geeignet ist jede Form, welche dem Schutzziel der

Technischen Regel entspricht, einen späteren Nachweis zu

gewährleisten. Dies kann z. B. durch ein selbstgefertigtes,

schriftliches Protokoll mit Abhak-Kästchen für die zu prüfenden

Fragen und evtl. Unterschrift erfüllt werden. In der Praxis

wird dies sinnvollerweise mit der Protokollierungspflicht

gemäß Nr. 3.2 zu verbinden sein.

5.6. Nach dem Feuerwerk sind die Abschussgeräte und das

Gelände nach Versagern abzusuchen. Eine zweite Suche

ist am nächsten Morgen durchzuführen. Sie ist nicht notwendig,

wenn festgestellt wird, dass keine Versager aufgetreten

sind.

5.7. Beschädigte pyrotechnische Gegenstände und Versager

dürfen nicht wiederverwendet werden. Sie sind unter

Beachtung der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen durch

dazu Berechtigte zu vernichten oder dem Herstellers/Lieferanten

zurückzugeben.

Erläuterung:

Hinsichtlich der Nachsuche wird in Nr. 5.6 an der bewährten

Regelung der Anlage 1 zur SprengVwV festgehalten, dass

eine zweite Nachsuche bei Tageslicht nicht erforderlich ist,

wenn keine Versager festgestellt wurden.

Nach Nr. 5.7 sind beschädigte pyrotechnische Gegenstände

und Versager nicht wiederverwendbar. Eine eigene Definition

dieser Begriffe ergibt sich aus der technischen Regel nicht.

Es wird daher wie bisher in der Praxis davon auszugehen

sein, dass unter beschädigten pyrotechnischen Gegenständen

nur solche zu verstehen sind, deren Funktionalität

beeinträchtigt ist, z. B. eingedrückte Batterierohre oder

Bombenschalen etc.

Versager sind Gegenstände, die ordnungsgemäß angezündet

wurden und trotzdem nicht funktioniert haben (z. B.

Black Shells etc.). Eine Unterbrechung der Anzündkette, die

zu einer Nichtanzündung eines Gegenstands geführt hat,

macht diesen nicht zum Versager (Bombe nicht gezündet

infolge Abreißens der Stoppine). Beschädigte pyrotechnische

Gegenstände und Versager sollen entweder dem Vertreiber

zurückgegeben, oder durch fachkundige Personen

vernichtet werden. Da in der Regel der Lehrgang für Großfeuerwerk

auch das Vernichten einschließt, kann eine Vernichtung

auch durch den Pyrotechniker selbst erfolgen,

sofern dazu geeignete Einrichtungen vorhanden sind.

[1] Vgl. den Originaltext unter: http://www.bam.de/de/service/

amtl_mitteilungen/sprengstoffrecht/sprengstoffrecht_medien/tr

_abbrennen_von_feuerwerken_30_07_2008.pdf

[2] Die Erläuterungen stellen die Ansicht des Autors dar und sind

nicht als offizielle Stellungnahme seitens der BAM oder anderer

Stellen zu verstehen.

______________________

Anschrift des Autors:

Matthias Weickl

Jahnstr. 4

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34 SprengInfo 31(2009)1


Felsbau

Neubau des Flusswasserkraftwerkes Rheinfelden, ein neuer R(h)einfall?!

Reconstruction of the hydroelectric power station at Rheinfelden - a new Rhinefall (flop)?

von Joachim Milde

In Rheinfelden wird seit 2003 ein neues Flusswasserkraftwerk gebaut. Die Fertigstellung soll im Jahr 2011 erfolgen.

Dazu sind umfangreiche Lockerungssprengungen erforderlich. Bereits fertig gestellt wurde die Baugrube für das Maschinenhaus.

Beginnend am Maschinenhaus wird ein 2 km langer und 90 m breiter Abflusskanal errichtet. Die Vorbereitung

und Durchführung der bisherigen Sprengarbeiten wird erläutert. Ausführlich wird auf die Erschütterungsproblematik eingegangen.

At Rheinfelden (Southwest Germany) a new hydroelectric power station at the Rhine river is under construction. The completion

is planned for the year 2011. Extended blast operations are necessary. The excavation for the machine room is

already completed. Beginning at the machine room now there is excavated and dug out a 2 km long and 90 m wide flood

channel. The preparations and the execution are explained. The problematic with vibrations is dealt in details.

1 Ursprüngliches

Das älteste und noch immer in Betrieb befindliche Wasserkraftwerk

am Hochrhein wurde nach nur 4 Jahren Bauzeit im

Jahre 1898 in Betrieb genommen. Es ist eines von 10 weiteren

Wasserkraftwerken auf der 145 km langen Strecke zwischen

Basel und dem Bodensee. Das nutzbare Gefälle des

Hochrheins beträgt rund einen Meter je Kilometer. Mit einer

installierten Leistung von 26 MW und einer mittleren Jahresproduktion

von 185 Mio kWh nutzt das Kanalkraftwerk mit

600 m 3 /s Durchflussmenge derzeit nur etwa knapp die die

Hälfte der verfügbaren Wassermenge der Rheins. Die mittlere

Jahresabflussmenge beträgt rund 1.100 m 3 /s. (Abb. 1

Ausgangslage von 2001)

Abb. 1

Für den Neubau des Flusskraftwerkes Rheinfelden ist eine

Bauzeit von 8 Jahren vorgesehen. Bereits im Jahre 2003

begonnen, soll 2011 der erste Strom fließen. Eigentümer ist

eine Aktiengesellschaft mit einer Mehrheitsbeteiligung der

EnBW Baden Württemberg AG. Die Betreibergesellschaft

ist die Energiedienst Holding AG mit Sitz im Schweizerischen

Laufenburg. Als Produzent von ausschließlich erneuerbarer

Energie sieht sich die Energiedienst AG als

Nischenplayer auf dem Öko-Strommarkt.

Das neue Flusskraftwerk ist mit einer Ausbauwassermenge

von 1.500 m 3 /s geplant. 7 Wehrfelder stauen den Fluss auf

und regeln den Zulauf für 5 Turbinen mit einer Gesamtleistung

von 102 MW. Das Kraftwerk Rheinfelden wird ab 2012

jährlich rund 600 Mio kWh ökologischen Strom erzeugen.

2 Investitionen

In Geld ausgedrückt, wird der Neubau rund 380 Mio EUR

verschlingen. Für die Fertigstellung des Maschinenhauses

sind 280 Mio EUR vorgesehen. Das Kraftwerk wird auf

Schweizer Seite errichtet, um die hydraulischen Verhältnisse

optimal auszunutzen. Es entsteht in einer Kurve. Durch

die Zentrifugalkraft des Wassers ergibt sich bei hohen

Durchflussmengen ein bis zu 30 cm höherer Pegelstand am

Schweizer Ufer. 30 Mio EUR fließen in insgesamt 65 Umweltauflagen,

wie zwei Fischtreppen oder eine zusätzliche

Dotierturbine, welche die Gwild-Landschaft ständig mit

Wasser versorgt. (Abb. 2)

Abb. 2

______________________________________

30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

SprengInfo 31(2009)1 35


Felsbau

3 Arge

Für den Neubau des Flusskraftwerkes wurden Arbeitsgemeinschaften

gegründet. Arge-Partner sind Züblin, Schleith

GmbH, Implenia und Rothpletz/Lienhard. Für die Durchführung

der Sprengarbeiten wurde die Arge SFR gegründet.

(Stauwehr Flusskraftwerk Rheinfelden). Arge-Partner sind die

Dexplo Sprengtechnik GmbH und die Lutscher Sprengtechnik

GmbH, beides Tochtergesellschaften der Dexplo GmbH.

Hauptaufgabe der Arge SFR sind Lockerungssprengungen

im Maschinenhaus, den Gruben Oben-Mitte-Unten (O-M-U)

und der Rheinaustiefung. Die Baugrube für das Maschinenhaus

wurde innerhalb eines halben Jahres (Aug. 06 - Jan.

07) bis zu einer Endtiefe von 36 m unter dem Wasserspiegel

des Rheins gebohrt, gesprengt und ausgebaggert. Dazu

wurden 268.000 m 3 Platten und Trochitienkalk bewegt.

Die Gruben O-M-U und die Rheinaustiefung sind als eine

Einheit zu betrachten. Am Turbinenausgang beginnend,

entsteht ein 2 km langer, 90 m breiter und 9,50 m tiefer

Abflusskanal. Länge und Querschnitt des Kanals haben entscheidenden

Einfluss auf den künftigen Wirkungsgrad der

Anlage (zu sprengende Masse: 880.000 m 3 ).

4 Vorbereitungen

Bevor mit den Sprengarbeiten begonnen werden konnte,

bedurfte es umfangreicher Vorbereitungen. In der Mitte der

Rheins endet die Gültigkeit des deutschen Befähigungsscheins

nach § 20. Zwei Sprengmeister der Arge SFR wurden

von der SAFAS (Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die

Ausbildung von Sprengberechtigten) ausgebildet und erhielten

einen Schweizer Sprengausweis mit einem C-Eintrag.

Abb. 4

Dieser berechtigt

a) Allgemeine Sprengarbeiten mit erhöhtem Schadensrisiko

zu planen, auszuführen oder ausführen zu lassen;

b) Allgemeine Sprengarbeiten mit hohem Schadensrisiko

nach den schriftlichen Anweisungen (Projektunterlagen

usw.) ausgewiesener Fachpersonen zu planen und

deren projektbezogenen Überwachung auszuführen.

Des Weiteren waren Einfuhrgenehmigungen für die einzusetzenden

Sprengstoffe einzuholen, die Verkehrswege wie

die Lagerung der Sprengstoffe zu klären und ein Zeitmanagement

für die Einhaltung der Fertigstellungstermine zu

organisieren.

5 Maschinenhaus

Die Sprengarbeiten im Maschinenhaus erfolgten in Strossen

mit einer jeweiligen Abtragshöhe von 4 m. Um Einlaufwinkel,

Gebäudekanten und Trennflächen in der Baugrube

möglichst zielgenau zu sprengen, wurde ein GPS-Vermessungssystem

eingesetzt. Über Satelliten wird die aktuelle

Oberfläche des Geländes an eine Basisfunkstation am Ufer

und von dort über die Bagger-Antennen auf einen Vermessungs-PC

in der Baggerkabine gesendet.

Auf dem PC wird dann der so eruierte Ist-Zustand mit der

programmierten Solltiefe verglichen und die auszugrabende

Tiefe und Fläche errechnet. Mit Hilfe des Baggerzahns werden

die Messpunkte (Bohrlochansatzpunkte) mit einer

Genauigkeit von +/- 15 cm auf das Gelände übertragen

(Abb. 3).

36 SprengInfo 31(2009)1


Abb. 3

Während der gesamten Bauphase führten unkontrollierte

Wasserzuflüsse immer wieder zu größeren Problemen

beim Bohren und Laden der Bohrlöcher. Abhilfe schaffte ein

konsequentes Abtäufen der Pumpensümpfe und deren

Ausstattung mit leistungsstarken Pumpensystemen.

Im täglichen Rhythmus wurden bis zu 150 Bohrlöcher gesprengt.

Neben patronierten gelatinösen Sprengstoffen wurde

in der Hauptsache Emulsionssprengstoff Blendex 80 verpumpt.

Gezündet wurde nichtelektrisch mit dem System

Daveynel 2. - Spez. Sprengstoffaufwand 300g/m 3 . (Abb. 4, 5)

Abb. 5

6 Gruben O-M-U

Für die Lockerungssprengungen in den Gruben O-M-U

kommt ein gesondertes Sprengverfahren zum Einsatz, welches

zum Zeitpunkt der Niederschrift noch keine nachweisliche

Reife erzielt hatte, um es zu publizieren. Darum beschränken

sich die Ausführungen auf die Aufgabenstellung

und deren generelle Durchführung:

1. Nach Aufschüttung des Flusses bis zur Gewässeroberkante

erfolgt die Vermessung der Bohrlochpunkte mittels

GPS

2. Bohrlochherstellung durch Überlagerungsbohren (2 - 7 m

durch Lockergestein bis zur Endtiefe von ca. 12 m im

Plattenkalk des Rheins)

3. Einbringen von gepumpter Emulsion durch das Bohrrohr

mittels einem gesonderten Ladeverfahren

Felsbau

4. Nichtelektrische Zündung von max. 4 - 6 Bohrlöchern

(Lademenge /Zündzeitstufe 60 kg, spez. Sprengstoffaufwand

500 - 700 g/m 3 )

(Abb. 6 und 7)

Abb. 6

Abb. 7

7 Erschütterungen

Schwerpunkt der Betrachtungen ist das angrenzende

Wohngebiet „Alte Saline“ (600 Bewohner) auf der Schweizer

Rheinseite. Die mehrgeschossigen Wohngebäude

befinden sich parallel zu den Gruben O-M-U und wurden

auf dem Gelände einer ehemaligen, mit Aushub aufgefüllten

Kiesgrube errichtet. Die Anwohner sind größtenteils

Eigentümer der Wohnungen (max. Entfernung zur Sprengstelle

500 m, min. Entfernung 30 m).

Auf deutscher Seite befinden sich Industrieanlagen der

Degussa.

Vor Aufnahme der Sprengarbeiten wurde eine umfangreiche

Beweissicherung durch den Auftraggeber durchgeführt.

Mit der Überwachung der Sprengerschütterungen wurde

die Uni Karlsruhe beauftragt. Sie führt permanente Kontrollmessungen

in der Degussa, der Alten Saline und in einem

direkt am Rhein gelegenen Hotel durch.

SprengInfo 31(2009)1 37


Felsbau

Abb. 8

Die Messgeräte befinden sich jeweils im obersten Vollgeschoss

der Gebäude.

Die Arge SFR misst im Rahmen der Eigenkontrolle an dem

zur Sprengstelle nächst gelegenen zu schützenden Objekt.

Während der Lockerungssprengungen im Maschinenhaus

traten auf Grund der geringen Abtragstiefen (4 m), den kleinen

Lademengen je Zündzeitstufe und der relativ großen

Entfernung zur Alten Saline keine oder nur geringe Erschütterungen

auf.

Die Lockerungssprengungen in den Gruben O-M-U, führen

ab 300 m Entfernung zur Sprengstelle in der Alten Saline zu

deutlich spürbaren Erschütterungen.

1/2009 /2009

Redaktionsschluss: 19.01.2009

Anzeigenschluss: 26.01.2009

Drucktermin: 02.03.2009

Die durchschnittlichen Schwinggeschwindigkeiten im vierten

Obergeschoss bewegen sich zwischen 4 - 10 mm/s bei

6 - 10 Hz. Gesprengt wird in den Gruben O-M-U 2 - 3 mal

am Tag für die Dauer von ca. 1,5 Jahren. Diese teils kräftigen

Erschütterungen erfordern den behutsamen und offenen

Umgang, die Betreuung und die Auseinandersetzung

mit den Anwohnern (Abb. 8).

__________________________

Anschrift des Autors:

Joachim Milde

Lutscher Sprengtechnik GmbH

Sindlinger Str. 11

71083 Herrenberg

2/2009 /2009

Redaktionsschluss: 02.06.2009

Anzeigenschluss: 05.06.2009

Redaktion und Anzeigenverwaltung: megaDOK Informationsservice, Breitscheidstr. 51, 39114 Magdeburg

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Abbildungen und Diagramme müssen hinsichtlich Strichstärke und Schriftgröße so beschaffen sein, dass sie nach der Reproduktion

noch deutlich erkennbar sind (siehe auch DIN 108 1956).

Fachausdrücke, Formeln, Kurzzeichen und Dimensionen sollten nach DIN 1304 (allgemeine Formelzeichen) und dem SI-System

geschrieben sein. Formeln im Text sollten deutlich geschrieben und durchlaufend numeriert sein.

Wenn die Manuskripte auf einem PC erstellt werden, sollte möglichst eine Diskette oder CD eingereicht werden. Alternativ ist auch

eine Übermittlung über e-mail möglich (e-mail: info@megadok.de).

Bevorzugte Textsysteme: Word für Windows oder QuarkXPress für Macintosh.

38 SprengInfo 31(2009)1


1 Einleitung

Da Sprengerschütterungen das Potenzial haben, Schäden

an Gebäuden zu verursachen, müssen diese begrenzt werden.

Zur Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen auf

Bauwerke wird in Deutschland die DIN 4150-3 herangezogen,

welche Anhaltswerte für die Stärke von Erschütterungen

enthält, unterhalb derer nicht mit Schäden zu rechnen

ist. Beurteilungsgrundlage sind sowohl die am Fundamentbereich

eines Gebäudes auftretenden Sprengerschütterungen

als auch die Erschütterungen in den Obergeschossen.

Die Anhaltswerte für den Fundamentbereich sind abhängig

von der Vorzugsfrequenz der Sprengerschütterungen.

Gebäude reagieren aufgrund ihrer Masseträgheit verschieden

stark auf Ereignisse gleicher Schwinggeschwindigkeit,

aber unterschiedlicher Frequenz.

Bei der Ermittlung eben dieser Vorzugsfrequenz aus Messergebnissen

liefern die geläufigen Verfahren zuweilen abweichende

Ergebnisse, was bei ein und demselben Ereignis

und oberflächlicher Betrachtung der Messergebnisse zu

unterschiedlichen Einschätzungen führen kann, inwieweit die

Anhaltswerte ausgenutzt oder sogar überschritten wurden.

Deshalb entstand die Nachfrage nach einem weiteren Verfahren,

welches die Unzulänglichkeiten beseitigt bzw. kompensiert.

Im Zuge der Erneuerung der DIN 45669 wird im

Teil 1 normativ die frequenzbewertete Schwinggeschwindigkeit

v B eingeführt.

2 Beurteilungsgrundlage

Da Sprengerschütterungen kurzzeitige Ereignisse sind, sind

die Anhaltswerte nach Tabelle 1 der DIN 4150-3 anzuwenden.

Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

Beurteilung kurzzeitiger Erschütterungseinwirkungen mittels der frequenz-

bewerteten Schwinggeschwindigkeit

Assessing short-term shock effects by means of the frequency-weighted vibration velocity

von Ulf Lichte

In der künftigen Messgerätenorm DIN 45669 wird eine weitere Verfahrenstechnik eingeführt, welche für die Bewertung von

kurzzeitigen Erschütterungen, und damit auch Sprengerschütterungen, angewendet werden kann. Sie soll bestehende

Unsicherheiten bei der Bestimmung der maßgebenden Frequenz beseitigen, die zu unterschiedlichen Bewertungen führen

können. Dies wird für alle Anwender von Schwingungsmessgeräten im Bereich der Sprengtechnik eine Verbesserung sein.

Dieser Beitrag stellt das neue Verfahren vor und betrachtet verschiedene Aspekte hinsichtlich Nutzen und praktische

Anwendung.

The future standard for vibration measurement equipment DIN 45669 will introduce another measuring process. The new

process can be used for the assessment of short-term vibrations like blast vibrations. The process shall eliminate existing

uncertainties concerning the determination of the decisive frequency in order to get unambiguous results. This will be an

improvement for all users of vibration measurement devices in the blasting technology. The new process is described and

explained from different aspects in respect of application and use and benefit.

Darin sind Anhaltswerte der Fundamentschwinggeschwindigkeit

und der einzuhaltenden horizontalen Obergeschossschwingungen

angegeben.

Aus verschiedenen Gründen, wie z. B. der Masseträgheit

der Bauwerke, verursachen niederfrequente und hochfrequente

Erschütterungen unterschiedlich starke Bauwerksreaktionen.

Berücksichtigt wird dies in der DIN 4150-3 durch

ansteigende Anhaltswerte mit zunehmender Anregungsfrequenz.

Die Tabelle in Abbildung 1 wird dem interessierten

Leser bekannt sein.

Abb. 1: Anhaltswerte für kurzzeitige Erschütterungseinwirkungen,

Tabelle 1 DIN 4150-3

______________________________________

30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

SprengInfo 31(2009)1 39


Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

3 Auswertung von Messergebnissen

In der Regel werden bei Sprengarbeiten begleitende

Schwingungsmessungen durchgeführt. Für den Nachweis

auf Einhaltung der Anhaltswerte nach DIN 4150-3 werden

hierzu die gemessenen maximalen Schwinggeschwindigkeiten

und die (oftmals direkt vom Messgerät ausgewertete)

Vorzugsfrequenz mit dem zugehörigen Anhaltswert verglichen.

Und zwar für jede Raumrichtung x, y und z. Sind die

Sprengerschütterungen kleiner als der Fundamentanhaltswert,

so ist der Nachweis formal erfüllt.

Der Anwender eines Schwingungsmessgerätes mit direkter

Ergebnisanzeige bzw. Protokollausdruck wird sich auf die

Richtigkeit der Auswertung verlassen. Die korrekte Messpunktwahl

und der ordnungsgemäße Gerätebetrieb sei an

dieser Stelle vorausgesetzt.

4 Ausgewertete Vorzugsfrequenz zuweilen

nicht richtig

Es ist eine durchaus plakative Behauptung, dass die zur Bewertung

der Fundamenterschütterung verwendete Vorzugsfrequenz

nicht richtig ist. Im Regelfall sind die Ergebnisse

korrekt, es gibt jedoch eine nicht geringe Anzahl von Messungen,

bei denen vorrangig automatisierte Verfahren zur

Bestimmung der maßgebenden Frequenz untreffende

Ergebnisse liefern.

Die Folge ist im ungünstigsten Fall, dass die Messergebnisse

eine Überschreitung der Anhaltswerte anzeigen, obwohl

dies nicht der Fall ist - oder eben umgekehrt.

Aus diesem Grunde wird in der Messgerätenorm DIN 45669

normativ ein weiteres Verfahren zur Beurteilung der Fundamenterschütterungen

eingeführt werden. Es reiht sich neben

die bestehenden Verfahren der Frequenzermittlung, basiert

ebenfalls auf den Vorgaben der DIN 4150-3 Tabelle 1, stellt

jedoch hinsichtlich der Zuverlässigkeit eine deutliche Verbesserung

dar.

Es mündet in die Einführung einer frequenzbewerteten

Schwinggeschwindigkeit v B als neue Größe. Diese Größe

wird direkt mit Fundamentanhaltswert 3 mm/s, 5 mm/s bzw.

20 mm/s entsprechend der Gebäudeart verglichen. Die Bestimmung

der Vorzugsfrequenz entfällt.

5 Ein Beispiel

An Hand eines ausgesuchten Beispiels sollen die im Zusammenhang

mit der Frequenzermittlung bestehenden Probleme

vergegenwärtigt werden.

Ausgangspunkt ist ein bei einer Gewinnungssprengung registrierter

Verlauf der Schwinggeschwindigkeit. In Abbildung 2

ist eine der beiden Horizontalkomponenten graphisch wiedergegeben.

Der Maximalwert der Schwinggeschwindigkeit

liegt bei 5,1 mm/s. Abbildung 3 richtet den Blick auf den Detailausschnitt

mit dem gemessenen Maximalwert 5,1 mm/s.

Nach dem klassischen Nulldurchgangsverfahren, welches

zu Zeiten ohne Taschenrechner und PC gängig war, heute

bei einer Detailbetrachtung auch noch Anwendung findet

und in manchem Messgerät implementiert ist, ergibt sich für

eine halbe Vollschwingung eine Zeitspanne von 0,007 s.

Dies entspricht einer Frequenz von 71,4 Hz. Der zugehörige

Fundamentanhaltswert für ein Wohngebäude (Zeile 2

Tab. 1 DIN 4150-3) beträgt 17,1 mm/s. Damit ist der Anhaltswert

zu 30 % ausgenutzt.

Abb. 2: Gemessener Schwinggeschwindigkeits-Zeit-Verlauf

Abb. 3: Detailausschnitt, Frequenzauswertung mittels Nulldurchgangsverfahren

(AW = Anhaltswert)

Abb. 4: Frequenzauswertung über das Amplitudenspektrum

Wird hingegen eine automatische Frequenzanalyse des

Amplitudenspektrums eingesetzt, so beträgt gemäß Abbildung

4 die Vorzugsfrequenz 14,7 Hz statt 71,4 Hz. Hier

beträgt der Fundamentanhaltswert 6,2 mm/s, womit der

Anhaltswert zu 81 % ausgenutzt ist.

40 SprengInfo 31(2009)1


Handelte es sich bei dem Beispiel um ein besonders erschütterungsempfindliches

und erhaltenswertes Gebäude,

welches in Zeile 3 einzustufen ist, so ergäbe sich sogar folgendes

Bild:

Nulldurchgangsverfahren:

AW Zeile 3 (71,4 Hz) = 8,8 mm/s > 5,1 mm/s OK

Auswertung Frequenzspektrum:

AW Zeile 3 (14,7 Hz) = 3,6 mm/s < 5,1 mm/s !

Aus sachlicher Sicht liefert im vorliegenden Fall das Nulldurchgangsverfahren

das für die Beurteilung heranzuziehende

Ergebnis.

Das Beispiel verdeutlicht, welche Sorgfalt bei der Bestimmung

der Vorzugsfrequenz notwendig ist, um eine zutreffende

Einschätzung des Messergebnisses vorzunehmen.

Werden diese Verfahren automatisiert eingesetzt, sei es in

Messgeräten oder in einer Auswertesoftware, kennt man

nur das Ergebnis, welches ausgegeben wird.

6 Lösungsansatz

Bei der Suche nach einer Vorgehensweise, welche die bestehende

Fehleranfälligkeit einer automatisierten Bewertung

beseitigt oder zumindest reduziert, hat sich die frequenzabhängige

Filterung des Schwinggeschwindigkeits-Signals als

am geeignetsten herausgestellt. Andere Ansätze, z. B. ein

Weg über das Stoßspektrum oder Terzschnellespektrum,

konnten keine überzeugende Verbesserung bzw. Eignung

nachweisen.

Die frequenzabhängige Filterung bedeutet, dass alle im

Schwinggeschwindigkeits-Zeit-Verlauf enthaltenen Frequenzanteile

in einer definierten Weise gedämpft werden.

Und zwar jeweils um das Verhältnis aus dem Anhaltswert

bei 10 Hz und dem Anhaltswert bei der betreffenden Frequenz

F. Kurz ausgedrückt: Die Übertragungsfunktion des

Filters wird aus dem Quotienten AW(10 Hz) / AW(F) gebildet.

Beispiel: Bei einem Gebäude der Zeile 2 beträgt bei der

Frequenz F = 50 Hz der Fundamentanhaltswert 15 mm/s.

Die Signalanteile bei 50 Hz werden um den Faktor 0,333 (=

5,0/ 15,0) verkleinert.

Im Ergebnis wird der gesamte Schwinggeschwindigkeit-

Zeit-Verlauf v(t) in eine frequenzbewertete Schwinggeschwindigkeit

v B (t) überführt. Bleibt v B (t) unter dem

Anhaltswert 5 mm/s, so ist der Nachweis erbracht und die

Fundamenterschütterungen liegen unterhalb der Anhaltswerte

der Zeile 2. Werden die 5 mm/s überschritten, so

kann ohne Kenntnis der Frequenz die Anhaltswertüberschreitung

erkannt werden.

Ohne zu sehr ins Theoretische einsteigen zu wollen, muss

Folgendes dennoch erwähnt werden: Für die Filterung sind

nichtrekursive Filter (FIR) und bedingt auch rekursive Filter

(IIR) verwendbar.

Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

FIR-Filter sind wegen der unbedingten Stabilität und dem

linearen Phasengang allerdings geeigneter, was sich auch

im Normenentwurf der DIN 45669 niederschlägt.

7 Die frequenzbewertete Schwinggeschwindigkeit

v B

Der oben kurz umrissene Lösungsansatz führt zu einer

neuen Größe: der frequenzbewerteten Schwinggeschwindigkeit

v B . Der gemessene Schwinggeschwindigkeits-Zeit-

Verlauf v(t) wird nummerisch verarbeitet und ergibt einen

frequenzbewerteten Zeitverlauf v B (t), wie in Abbildung 6

dargestellt ist.

Abb. 5: Neue Größe:

frequenzbewertete Schwinggeschwindigkeit vB Abb. 6: Gemessener und frequenzbewerteter Schwinggeschwindigkeits-Zeit-Verlauf,

vgl. Abb. 2)

Abb. 7: Detailausschnitt, Originalsignal und frequenzbewertetes

Signal, vgl. Abb. 3

SprengInfo 31(2009)1 41


Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

In der Tabelle in Abbildung 5 sind diese zusätzlichen, neuen

Größen der DIN 45669-1 zusammengestellt. Diese werden

direkt den Anhaltswerten der Tabelle 1 DIN 4150-3 für 10 Hz

gegenübergestellt.

Bedeutsam ist, dass dieses Ergebnis keine physikalische

Größe einer Geschwindigkeit mehr darstellt, sondern allein

der Bewertung nach DIN 4150-3 dient - dafür aber ohne

zusätzliche Angabe eines Frequenzwertes. Vergleichbar ist

sie mit dem KB-Wert für die Bewertung nach DIN 4150-2

bezüglich der Erschütterungswirkung auf den Menschen.

In den Abbildungen 6 und 7 sind die aus dem obigen Beispiel

verwendeten Sprengerschütterungen mit dem frequenzbewerteten

Signal gegenübergestellt. Abbildung 6

zeigt, wie die großen Ausschläge mit höheren Frequenzen

„gedrosselt“ werden und das niederfrequente Ausschwingen

am Ende nahezu unverändert bleibt (14,7 Hz, vgl.

Abb. 4).

8 Vorauswertungen

Anhand zahlreicher Registrierungen wurde das Verfahren

untersucht und den klassischen, bekannten Verfahren

gegenübergestellt. Aus dem vorhandenen Fundus an Messdaten

wurde eine größere Zahl an Signalen ausgewählt und

nach den verschiedenen Frequenzanalyseverfahren ausgewertet

- einschließlich der Frequenzbewertung.

Abbildung 8 stellt einen Teil der Auswertungsergebnisse dar.

Nebeneinander sind die Ergebnisse von 17 Ereignissen dargestellt,

die nach dem Nulldurchgangsverfahren, der Fast-

Fourier-Transformation (FFT) und der Frequenzfilterung ausgewertet

wurden. In der Größenachse ist die relative

Schwinggeschwindigkeit bezüglich 5 mm/s aufgetragen.

Abb. 8: Auswertung von Sprengerschütterungsereignissen mit

verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Vorzugsfrequenz

Das Ergebnis zeigt, dass im Allgemeinen vergleichbare

Ergebnisse erzielt werden.

Bei den meisten Ereignissen liefern alle drei Verfahren

annähernd gleiche Aussagen. Es gibt aber auch Ereignisse

wie z. B. Nr. 16. Hier beurteilt die FFT die Sachlage zu konservativ.

Bei Ereignis 14 trifft dies auf das Nulldurchgangsverfahren

zu.

Bei der Auswertung zeigte sich ein Vorteil der Frequenzbewertung:

subjektive Einflüsse wie die Wahl der Ausschnittlänge

des Signals bei der FFT unterbleiben. Insofern ist das

Ergebnis reproduzierbar.

9 Pro und Contra

Eine neues Verfahren muss praxistauglich sein, um allseits

akzeptiert zu werden. Es muss zuverlässige Ergebnisse liefern,

Vorteile gegenüber alten Verfahren bieten und für den

„Endanwender“ möglichst ohne großen Zusatzaufwand

sein. Daher sind im Folgenden verschiedene Aspekte zum

Einsatz des in diesem Beitrag vorgestellten Verfahrens zusammengestellt:

• Es gibt drei zusätzliche neue Größen v B1 , v B2 , v B3 , die

von künftigen Geräten ausgegeben werden.

• Der Nachweis auf Einhaltung der Fundamentanhaltswerte

für Sprengerschütterungen wird vereinfacht, da eine

direkte Ergebnisgegenüberstellung mit dem Anhaltswert

bei 10 Hz erfolgt.

• Die Angabe der richtigen Schwinggeschwindigkeit v, wie

sie normal gemessen und verwendet wird, bleibt weiterhin

notwendig, ebenso die Angabe der Frequenz.

(→ Beurteilung der Erschütterungen im Obergeschoss)

• Vorgenannter Punkt gilt auch für die Prognose von

Erschütterungen, die ja nicht von der Tabelle 1 der DIN

4150-3 abhängt.

• Bei Protokollen muss klar ausgewiesen werden, ob es

sich um die Schwinggeschwindigkeit v oder um eine frequenzbewertete

Schwinggeschwindigkeit v B handelt

(deshalb vielleicht besser VB1 statt v B1 )

• Die bisherigen Verfahren der Frequenzbewertung bleiben

uneingeschränkt gültig.

• Die Unzulänglichkeiten der bisherigen Verfahren werden

durch das Verfahren der Frequenzbewertung beseitigt.

• In Sonderfällen müssen von der DIN 4150-3 Tabelle 1 abweichende

Anhaltswerte festgelegt werden. Um diese

der frequenzbewerteten Schwinggeschwindigkeit gegenüberstellen

zu können, müssen sie proportional zur Zeile

1, 2 oder 3 sein.

• Mit dem Verfahren der Signalfilterung ergeben sich neue

Möglichkeiten für eine Triggerung in den Messgeräten.

Wird bislang für die Erfassung von Sprengerschütterungen

eine Schwinggeschwindigkeit als Triggerwert eingestellt

(z. B. 0,5 mm/s), so könnte nunmehr bei einem Ereignis

z. B. „>40 % des Anhaltswertes“ getriggert werden.

• Das Auswerteverfahren bleibt nicht nur Messgeräten vorbehalten,

sondern ist auch in Auswerteprogrammen implementierbar.

• Die Beurteilung kurzzeitiger Erschütterungen mittels der

frequenzbewerteten Schwinggeschwindigkeit stellt eine

gute Ergänzung der bekannten klassischen Frequenzermittlungsverfahren

dar.

42 SprengInfo 31(2009)1


10 Zusammenfassung und Ausblick

Zur Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen auf Bauwerke

wird in Deutschland die DIN 4150-3 herangezogen,

welche Anhaltswerte für die Stärke von Erschütterungen

enthält, unterhalb derer nicht mit Schäden zu rechnen ist.

Für den Nachweis der Anhaltswerte im Fundamentbereich

müssen die maximale Schwinggeschwindigkeit und die Vorzugsfrequenz

bekannt sein. Die gegenwärtig eingesetzten

Verfahren der Frequenzbestimmung haben Unsicherheiten,

die mit einem neuen Verfahren der frequenzabhängigen Filterung

der Schwinggeschwindigkeits-Zeit-Verläufe nicht

mehr auftreten.

Im Zuge der Erneuerung der Messgerätenorm DIN 45669,

deren Entwurf September 2008 bis Ende Februar 2009 zur

Diskussion stand, wird daher eine neue Größe eingeführt

werden: Die frequenzbewertete Schwinggeschwindigkeit

v B . Diese wird direkt mit dem jeweiligen Fundamentanhaltswert

nach Tabelle 1 DIN 4150-3 für Frequenzen


Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

Erste Erfahrungen bei der funkferngesteuerten Auslösung übertägiger

elektronischer i-kon-Zündanlagen

First experiences with the remote controlled initiation of electronic i-kon detonators

von Frank Hammelmann, Mathias Güttler, Heinz Josef Niehues

Das in Deutschland seit 2007 zugelassene funkfernausgelöste Zündsystem i-kon SURBS (Surface Remote Blasting

System) wird vorgestellt. Es hat eine Systemkapazität von 2.400 Zündern bei einer einzelnen Sprengung. Die Geräte kommunizieren

über eine gesicherte Funkverbindung. Erläutert werden die Systemkomponenten und das Funktionsprinzip der

Funkfernsteuerung. Ausführlich erläutert werden die Grundsätze bei der Anwendung des Systems. Der effektive Einsatz

des Systems wird am Beispiel einer Hochhaussprengung in München und bei Gewinnungssprengungen beschrieben.

The application of the of the remote controlled electronic initiation system i-kon SURBS (Surface Remote Blasting

Systems) is approved in Germany since 2007. This proposal introduces its design and application. System capacity is up

to 2400 i-kon detonators in a single blast. The devices communicate wireless via secured radio transmission. Elements

and operating principal of the SURBS system are introduced. Finally the application of the system is demonstrated in

demolition and quarry blasting operations.

1 Einleitung

Im August 2000 wurde das elektronische i-kon-Zündsystem

vorgestellt und in den deutschen und internationalen

Markt eingeführt. Seitdem wird das System in

den verschiedensten Anwendungen - über und unter Tage -

erfolgreich eingesetzt und trägt dort u. a. zur sichereren,

wirtschaftlicheren und umweltverträglicheren Gewinnung

von Rohstoffen bei. Mit zunehmendem Einsatz des i-kon-

Zündsystems wurden schnell die Wünsche nach einer über

Funk kontrollierten Auslösung der Sprengung laut. International

befindet sich das funkfernausgelöste i-kon-Zündsystem

bereits seit einigen Jahren im Einsatz. In Deutschland

wurde das i-kon SURBS (Surface Remote Blasting System)

Zündsystem 2007 zugelassen.

2 Systemkomponenten

2.1 i-kon-Zünder und Logger

Der eigentliche elektronische Zündkreis wird mit i-kon-Zündern

hergestellt und unabhängig von der besonderen Art

der Zündauslösung über den i-kon Logger und Blaster programmiert.

(Abb. 1).

Abb. 1:

Standard-Systemkomponenten: i-kon

Logger und i-kon Zünder

Die Anwendung und Funktion dieser Komponenten wurde

anderweitig bereits ausführlich beschrieben. [1,2,3]

Während die Zünder und Logger des Standard-i-kon-

Systems für eine Fern-Funk-Zündung Verwendung finden,

muss die Zündtechnik speziell sein. Der besondere Blaster,

der entwickelt wurde, wird deshalb auch als Funk-Blaster

bezeichnet.

2.2 i-kon-Blaster zur Fern-Funk-Übertragung

Die ferngesteuerte Zündauslösung erfordert zwei Zündapparate.

Dies sind ein ferngesteuertes Zündgerät und ein

Funk-Blaster (Blaster2400R).

Der Funk-Blaster (Abb. 2) ist der Master des Systems, der

sich an der Zündstelle befindet. Von diesem „Surface Remote

Blaster2400R“ aus wird über die 6-feldige Standard-Tastatur

der Zündablauf realisiert.

Abb. 2: Funk-Blaster (Blaser2400R)

______________________________________

30. Informationstagung Sprengtechnik, Siegen 28. - 29. März 2008

44 SprengInfo 31(2009)1


Die wesentlichen Bedienelemente sind:

- Dongleschacht,

- 7-polige Steckverbindung zum Laden und zur Synchronisation,

- Bedientastatur,

- Display,

- Antennenanschluss und Antenne,

- Smart Dongle (Zündschlüssel mit zusätzlicher Sicherheitsfunktion).

Das ferngesteuerte Zündgerät (Abb. 3) versorgt die angeschlossenen

Zünder und Logger mit der notwendigen Zündenergie.

Es befindet sich in der Nähe zur Sprenganlage und

löst nach „Fernauftrag“ vom Funk-Blaster (Blaster2400R) die

eigentliche Zündung als ferngesteuertes Zündgerät aus.

Diese „Surface Remote Blasting Box“ (SURBB) wie auch

die Logger sind - geschützt vor Steinflug - in der Nähe der

Sprenganlage zu positionieren.

Abb. 3: Ferngesteuertes Zündgerät (SURBB)

Die wesentlichen Bedienelemente sind:

- Dongleschacht,

- 7-polige Steckverbindung (Laden und Synchronisation),

- Ein- / Aus- / Testschalter,

- Antennenanschluss und Antenne,

- Logger-Anschlussklemmen (Rückseite),

- Smart Dongle (Zündschlüssel),

- Status LEDs.

Beide Zündgeräte sind handlich, tragbar und robust. Die

maximale Systemkapazität beträgt 2400 Zünder in einer

einzelnen Sprengung. Die Betriebszeit bei voller Akku-

Ladung beträgt ca. 6 Stunden.

Beide Geräte kommunizieren überüber eine gesicherte

Funkverbindung.

Für die Funkdatenübertragung werden im außereuropäischen

Raum verschiedene lizenzierte Frequenzbänder verwendet.

Im europäischen Raum ist im Gegensatz dazu die

Nutzung eines lizenzfreien Bandes möglich.

Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

3 Funktionsprinzip der Funk-Fern-Zündung

von SURBS

Mit dem i-kon SURBS-Zündsystem kann jede i-kon-Sprenganlage

mit der gewohnten Präzision und Flexibilität aus

sicherer Entfernung über Funk ausgelöst werden. Die Funktion

des Blasters bei drahtgebundener Zündauslösung

(Blaster400, Blaster1600S oder Blaster2400S) wird von den

zwei über Funk miteinander kommunizierenden Geräten

übernommen.

Das Prinzip wird in Abb. 4 veranschaulicht.

Abb. 4: Systemkomponenten und prinzipieller Aufbau der SURBS-

Zündanlage

Die Kommunikation zwischen dem ferngesteuerten Zündgerät

und dem Funk-Blaster (Blaser2400R) ist mit einem

nur einmal gültigen digitalen Code verschlüsselt. Der Verschlüsselungscode

wird auf dem Zündschlüssel, dem so

genannten Smart Dongle, gespeichert. Als weiteres Sicherheitselement

beinhalten alle Funkbefehle die individuelle

Seriennummer des Zündgerätes. Wenn das System in

Betrieb ist, müssen alle Befehle empfangen, bestätigt und

ausgeführt werden, bevor der Blaster2400R in der Zündsequenz

fortschreiten kann. Bei massiven Störungen wird die

Sequenz abgebrochen. Das Zünden der Sprenganlage ist

dann nicht möglich. Jeder Neustart des Systems führt dazu,

dass das Zündgerät einen neuen, verschlüsselten, digitalen

Code auf den Smart Dongle schreibt.

Die Reichweite der Funkverbindung zwischen beiden Geräten

beträgt bei Sichtverbindung bis 2.500 m.

Die Geräte verfügen auch über einen Testbetrieb-Modus,

der dazu dient die Qualität der Funkverbindung vor dem

Starten der Zündung von verschiedenen Positionen des

Steinbruchs oder Tagebaus zu überprüfen.

4 Grundsätze bei der Anwendung der

SURBS-Funk-Fern-Zündung

Zur Sprengung müssen die geloggten und getesteten Zünder

über die Logger parallel an das über Funk kontrollierte

Zündgerät angeschlossen werden. An ein ferngesteuertes

Zündgerät können bis zu zwölf Logger mit jeweils bis zu 200

Zündern angeschlossen werden, d. h. insgesamt bis zu

2.400 Zünder.

Das ferngesteuerte Zündgerät versorgt die Zünder mit der

notwendigen Zündenergie.

SprengInfo 31(2009)1 45


Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

Dabei wird es über eine verschlüsselte Funkverbindung

durch den Blaster2400R kontrolliert.

Zur Aktivierung des ferngesteuerten Zündgeräts muss der

Sprengberechtigte über den Smart Dongle verfügen und

diesen vor dem Einschalten in den Dongleschacht stecken.

Zu diesem Zeitpunkt darf die Zündleitung mit den daran

parallel angeschlossenen Loggern aus Sicherheitsgründen

noch nicht mit dem ferngesteuerten Zündgerät (SURBB)

über die Ausgangsklemmen verbunden sein. Wenn alle

Selbsttests erfolgreich waren, wird am Ende der Aktivierungssequenz

ein neuer Zufallscode generiert, der auf den

Smart Dongle geschrieben wird. Dem Sprengberechtigten

wird über ein akustisches Signal angezeigt, wann der Zündschlüssel

entnommen werden kann. Das Zündgerät schaltet

dann in den Standby-Modus (Bereitschaft).

Die Standby-Zeit kann vom Sprengberechtigten zwischen

0,5 und 4 Stunden eingestellt werden. Die Zündung der

Sprenganlage muss innerhalb der Standby-Zeit erfolgen.

Falls die Standby-Zeit überschritten wird, schaltet sich das

Zündgerät aus und der Verschlüsselungscode auf dem

Smart Dongle wird ungültig.

Im Standby-Mode ist keine Energie auf den Ausgangsklemmen.

Erst, wenn die verschlüsselte Funkverbindung zwischen

dem ferngesteuerten Zündgerät (SURBB) und dem

Blaster2400R aufgebaut ist, kann Energie auf die Ausgangsklemmen

geschaltet werden. Mit dem Start der Programmier-

und Zündsequenz wird die Funkverbindung zwischen

den beiden Geräten kontinuierlich überwacht. Dabei

wird ein Zähler „keep alive“ gestartet, der anhand von

Befehlen vom Blaster2400R während der Zündsequenz

kontinuierlich zurückgesetzt werden muss. Kann das Zündgerät

die Befehle zum Zurücksetzen des Zählerstandes aus

irgendeinem Grund nicht empfangen, z. B. durch ein gestörtes

Funksignal, dann schaltet das Zündgerät automatisch in

den Bereitschafts-Modus (Standby) zurück.

Nach Aktivierung des ferngesteuerten Zündgerätes muss der

Sprengberechtigte den Zündschlüssel, auf dem der digitale

Verschlüsselungscode gespeichert wird, mit zur Zündposition

nehmen. Zum Start der Programmier- und Zündsequenz

muss der Zündschlüssel in den entsprechenden Schacht auf

dem Funk-Blaster gesteckt werden. Zu Beginn der Sequenz

liest der Funk-Blaster zunächst den digitalen Code vom

Smart Dongle, damit die Funkverbindung mit dem ferngesteuerten

Zündgerät aufgebaut werden kann. Die gesendeten

Befehle werden auf Datenfehler hin überprüft. Während

der gesamten Programmier- und Zündsequenz wird der

Sprengberechtigte mittels der bidirektionalen Funkverbindung

über den Fortschritt der Programmierung informiert.

Wie beim zündleitungsgebundenen Blaster400, Blaster1600S

oder Blaster2400S werden alle wichtigen Informationen

auf dem Display des Funk-Blasters angezeigt und

müssen vom Sprengberechtigten bestätigt werden.

Der Sprengberechtigte weiß so zu jedem Zeitpunkt bis zur

Zündung über den Zustand der Zündanlage Bescheid.

Vor dem Einsatz des i-kon-SURBS sollte mit dem Funktest-

Modus zunächst die Funkstrecke von der Sprengstelle zur

gewählten Zündstelle getestet werden. Hierbei werden Signalstärke

und die Qualität des Datentransfers geprüft und

der Sprengberechtigte bekommt bei positivem Test eine

Bestätigung.

Sollte es bereits beim Funktest Probleme mit der Übertragung

geben, kann schon vorab reagiert werden, z. B. durch

Verlegung der Zündstelle oder eine andere Stationierung

des Zündgerätes. Für den Fall, dass die Funkprobleme dadurch

nicht abgestellt werden können oder z. B. ein Defekt

an den Außenantennen vorliegt, ist optional auch eine

drahtgebundene Zündung möglich. Hierbei werden Funk-

Blaster und ferngesteuertes Zündgerät mit einem Kabel verbunden

und das Funkmodem abgeschaltet.

Nachdem die Sicherung des Absperrbereiches erfolgt ist,

wird das Zündgerät aktiviert und anschließend die Zündleitung

angeschlossen.

Der Sprengberechtigte kann jetzt mit dem codierten Smart

Dongle von der Sprengstelle an die Zündposition gehen und

am Blaster die Zündung aktivieren. Die Zündposition sollte

einen guten Überblick über die Sprenganlage und die Umgebung

bieten und sich in einem ausreichenden Sicherheitsabstand

befinden. Dabei kann er jetzt frei wählen, ohne

dass Rücksicht auf ein zu verlegendes Zündkabel genommen

werden muss. Durch den Wegfall der Zündleitung lassen

sich Produktionsunterbrechungen, ausgelöst durch die

Sperrung, verkürzen.

Nach dem Einschalten des Blasters und erfolgreichem

Selbsttest wird automatisch das Zündmenü ausgewählt. Mit

Einsetzen des Smart Dongles wird nun die Zündsequenz

aktiviert. Über das Display wird der Sprengberechtigte über

den Fortschritt der Programmierung informiert. Die benötigte

Zeit zur Programmierung wird als Countdown angegeben

und ist abhängig von der Anzahl der Zünder und der Qualität

der Funkverbindung zwischen Zündgerät und Funk-Blaster.

Die Programmierung und Zündung kann zu jeder Zeit durch

das Abziehen des Dongles unterbrochen werden. Dann

springt der Blaster zurück ins Hauptmenü und das Zündgerät

schaltet wieder in den Bereitschafts-Modus (Standby).

Solange die Standby-Zeit nicht abgelaufen ist, kann durch

erneutes Einsetzen des Dongles die Zündung wieder aktiviert

werden.

Ist die Programmierung abgeschlossen, läuft ein 10 Minuten

Countdown. In dieser Zeit kann nun durch gleichzeitiges

Drücken der beiden Fire-Tasten die Zündung ausgelöst

werden. Dabei wird nochmals die Verbindung zu den Loggern

und den jeweils ersten und letzten Zündern an den

Bus-Leitungen geprüft. Ist die Prüfung erfolgreich, wird die

Zündung automatisch ausgelöst. Die dadurch entstehende

Verzögerung ist abhängig von der Anzahl der angeschlossenen

Logger. Anschließend schalten sich beide Geräte

selbst aus.

46 SprengInfo 31(2009)1


5 Entwicklung des Einsatzes von SURBS-

Zündungen

Das Fernzündsystem SURBS hat sich bereits einen großen

Anwenderkreis weltweit erschlossen. Insbesondere bei

übertägigen Gewinnungssprengungen, bei denen auf

Grund der Ausmaße der Sprengungen mit enormen Gesteinsmengen

zu rechnen ist, bewährt sich die weite Entfernung

aller Personen vom Bereich der Sprengwirkungen.

Natürlich macht sich auch der Wegfall großer Zündleitungslängen

positiv bemerkbar.

Aber auch für die zünderintensiven Bauwerkssprengungen

werden bei exponierten Objekten durchaus über 1000 elektronische

Zünder und somit mehrere Logger erforderlich.

Mit SURBS lässt sich auch dabei der Verdrahtungsaufwand

senken und die leidvolle Verlegung von Zündleitungen über

Verkehrswege kann weitgehend entfallen. Wegen der extremen

Zünderzahlen bei Abbruchsprengungen, wird es

sich aber häufig um kombinierte elektronisch-nichtelektrische

Zündverfahren handeln.

Ein Beispiel von 2008 soll die Funkfernzündung für die elektronische

i-kon-Zündung belegen.

5.1 Anwendungsbeispiel einer Hochhaussprengung in

München mit SURBS

In München-Giesing wurde mit Hilfe eines kombinierten

elektronisch-nichtelektrischen Zündsystems das 52 m hohe

Agfa-Hochhaus gesprengt [4]. Sprengingenieure von Orica

Germany GmbH betreuten die Sprengung am 17. Februar

2008, nicht zuletzt, weil das Fernzündsystem SURBS zum

Einsatz kam.

Die Sprengung sollte Platz für den Bau öffentlich zugänglicher

Grünanlagen sowie eines Wohn- und Gewerbeparks

im Rahmen des neuen AGFA-Parks schaffen. Das Sprengprojekt

wurde von unseren Kunden Reisch Sprengtechnik

GmbH und Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG geleitet. Eine

Schwierigkeit bestand in der Notwendigkeit strengster

Sicherheitsvorkehrungen aufgrund einer Gasleitung in nur

drei Metern Entfernung vom Gebäude und der Nähe der

Hauptstraße Tegernseer Landstraße. Es gab also mehrere

Gründe, das Gebäude mit einer sog. Dreh-Kipp-Sprengung

niederzubringen.

200 Wohnungen und Gebäude in der Umgebung des Agfa-

Hochhauses wurden evakuiert, ein großer Abschnitt der

Tegernseer Landstraße wurde von der Polizei gesperrt. Die

Sprengung verlief nach Plan (Abb. 5) mit einer perfekten

Explosion und keinen Schäden in der Umgebung.

Einige Fakten und Zahlen zur Sprengung in München, es

kamen zum Einsatz:

- 150 St. i-kon Zünder,

- 650 St. nichtelektrische EXEL Zünder,

- 125 kg Eurodyn-Sprengstoff und

- 25 kg Sprengschnüre.

Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

Abb. 5: Sprengphasen der Hochhaussprengung von München im

Februar 2008

Um die Zeit der Absperrmaßnahmen

zu

minimieren, erfolgte die

Sprengung per Funkfernzündung

(Abb. 6)

mit dem i-kon Surface

Remote Blasting System

(SURBS). Das aufwändige

Verlegen der

Zünd- und Busleitungen

beschränkte sich somit

ausschließlich auf das

Sprengobjekt selbst.

Abb. 6:

Anspannung beim Auslösen

der SURBS-Zündung

Ein weiteres Sprengbeispiel belegt damit die hohe Nützlichkeit

der Fernzündung.

Unterdessen fand 2008 auch eine Sprengung zweier Kühltürme

in Scholven (NRW) mit i-kon-Rahmenzündung statt,

die ebenfalls mit der SURBS-Zündungsmethode realisiert

wurde. Dieses weitere Beispiel belegt die hohe Nützlichkeit

der Funkfernzündung.

SprengInfo 31(2009)1 47


Mittel der Sprengtechnik

Sprengtechnik

5.2 Anwendungsbeispiele von Gewinnungssprengungen

mit SURBS

Sprenganlagen mit Lademengen von einigen 100 t waren

zunächst die Zielgruppe dieser Funkfernzündung. Viele

Gewinnungssprengungen mit dem elektronischen Zündsystem

i-kon in Nord-Amerika und Australien werden unterdessen

funkferngezündet. Die folgenden Abbildungen zeigen

zwei Gewinnungssprengungen, die mit der Fern-Funk-Zündung

SURBS im Ausland ausgelöst wurden (Abb. 7, 8).

Doch auch in Deutschland sind seit Zulassung der SURBS-

Zündtechnik zahlreiche elektronisch gezündete Großbohrlochsprengungen

funkferngezündet worden. Es kann von

mehr als 50 solcher SURBS-Zündungen seit 2006 ausgegangen

werden. Eine Sprengung aus der Erprobungsphase,

bei der ca. 12 t gepumpter Emulsionssprengstoff verwendet

wurden, soll die Ausführungen abschließen (Abb. 9).

Abb. 7: SURBS-Zündung einer Sprengung

Abb. 8: Zwei Phasen einer SURBS-Zündung

Abb. 9: SURBS-Zündung einer GBS in Sachsen 2006

Die Zuverlässigkeit des Fern-Funk-Zündsystems SURBS zur

Auslösung elektronischer i-kon-Zünder war jederzeit gegeben.

Die Vorteile der Anwendung des über Funk kontrollierten

Systems sind, dass die Zündung der Sprenganlage

immer aus sicherer Entfernung mit einem guten Überblick auf

die Sprenganlage gezündet werden kann, fernab von Gefahren

durch Steinflug oder instabilen Bruchwänden. Das aufwändige

Verlegen der Zündleitung entfällt, wodurch auch die

Zeit der Produktionsstillstände reduziert wird.

6 Literatur

[1] Petzold, J., Hammelmann, F.: The second generation

of electronic blasting systems; Proceedings of the 1 st

World Conference on Explosives & Blasting Technique,

2000, pp. 159

[2] Hummel, D., Reinders, P.: A Digital Surface Remote

Blasting System, Proceedings of the ISEE, 2005, Volume

1, pp. 299

[3] Grothe, Hummel, Reinders: Das i-kon Zündsystem mit

verschlüsselter Funkdatenübertragung, SprengInfo,

Heft 27(2005)2, S. 42

[4] Blachnitzky, H.: Ein Koloss wird zu Fall gebracht - Die

Sprengung des Agfa-Hochhauses in München, Spreng-

Info 31(2009)1, S. 21

________________________________

Anschrift der Autoren:

Frank Hammelmann

Mathias Güttler

Heinz-Josef Niehues

Orica Germany GmbH, 53821 Troisdorf

48 SprengInfo 31(2009)1


Regionaltagung 2009 in Rockenhausen

Zu einer guten Tradition haben sich nun bereits seit vielen

Jahren die jährlichen Regionaltagungen unseres Verbandes

entwickelt. In diesem Jahr führte uns die Regionaltagung des

Deutschen Sprengverbandes in die schöne Pfalz und damit

in eine bisher vom Sprengverband wenig „eroberte“ Region.

Nahezu 90 interessierte Fachkollegen nutzten die Gelegenheit

und folgten der Einladung unseres Verbandes am

17.01.2009 in den Donnersbergkreis, genauer gesagt nach

Rockenhausen, zur nunmehr 12. Regionaltagung. Mit dem

von Herrn Venske gehaltenen Vortrag über Rockenhausen,

den Donnersberg und das Nordpfälzer Bergland wurden die

Teilnehmer unserer Regionaltagung auf eine sehr kompetente,

informative und anschauliche Art und Weise mit der schönen

Pfälzer Gegend vertraut gemacht. In diesem Zusammenhang

möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich noch einmal

ausdrücklich bei Herrn Venske und Herrn Dautermann

sowie der Stadtverwaltung Rockenhausen für die hervorragende

Unterstützung in Vorbereitung und während unserer

12. Regionaltagung recht herzlich zu bedanken. Die Runde

der Fachvorträge eröffnete Herr Manfred Krämer von der

DEXPLO Sprengtechnik GmbH mit seinem Vortrag über die

regionalen Besonderheiten bei Sprengarbeiten in der Region

Saar-Pfalz. Die Teilnehmer der Veranstaltung erhielten so, in

Ergänzung zum Vortrag zu Herrn Venske, einen umfassenden

Einblick in die geologischen und sprengtechnischen

Besonderheiten der Region Saar-Pfalz. Die Variantenvielfalt

und die damit verbundenen Möglichkeiten nichtelektrischer

Zündanlagen standen im Mittelpunkt des Vortrages von

Herrn Dirk Eilers der Firma MAXAM Deutschland GmbH. Aus

Fehlern kann und sollte man bekanntlich lernen. Ausgehend

von dieser Überlegung berichtete Herr Konrad Fink, Fink

Sprengtechnik, in einem sehr unterhaltsamen und zugleich

fachlich hochkarätigen Vortrag über vermeidbare Schäden

bei der Durchführung von Sprengarbeiten. An dieser Stelle

sei angemerkt, dass es sich bei den Beispielen des Vortrages

von Herrn Fink in vielen Fällen um Untersuchungen handelte,

die er im Rahmen von gutachterlichen Tätigkeiten bearbeitete.

Verbandsnac

erbandsnachric hrichten hten

Über zwei Fälle von Steinflug und deren Hintergründe berichtete

Herr Wendt, Sachverständiger für übertägige und untertägige

Felssprengungen, Zündtechnik und Sprengerschütterungen

in seinem Vortrag. Gerade in Anbetracht der Tatsache,

dass sich die Abbaugrenzen zwischen Gewinnungsbetrieben

und Wohnbebauung aus den verschiedensten Gründen

immer weiter aufeinander zu bewegen, kommt dieser

Thematik eine immer größere Bedeutung zu. Es wurde einmal

mehr deutlich, dass es zur Vermeidung derartiger Vorfälle

der gemeinsamen Verantwortung aller an der Sprengung

beteiligten Personen im Betrieb bedarf. Die Sprengung von

Gebäuden übt nicht selten einen besonderen Reiz auf die

unterschiedlichsten Bevölkerungskreise aus. Die Sprengung

eines Hochhauses in Dortmund in unmittelbarer Nachbarschaft

zur U-Bahn, über die Herr Martin Hopfe von der

Thüringer Spreng GmbH berichtete, zählt zweifellos dazu.

Die innerstädtische Lage des abzubrechenden Objektes

und die Nähe zur vorhandenen U-Bahn Anlage erforderten

ein besonders sorgfältiges und umfassendes Vorgehen bei

der Vorbereitung und Realisierung dieser Sprengaufgabe.

Unter dem Titel „Ein deutscher Feuerwerker in Kanada“ vermittelte

Herr Helmut Reuter, Firma Steffes-Ollig, einen beeindruckenden

Einblick in die Vorbereitung, Durchführung und

Nachbereitung eines Feuerwerkes der besonderen Art. Die

Tatsache, dass ein deutscher Feuerwerker zu einem Feuerwerksfestival

nach Kanada eingeladen wird, spricht sicherlich

für die Qualität des Pyrotechnikers und seiner Firma. Umso

eindrucksvoller und interessanter war es für die Teilnehmer

unserer Regionaltagung zu erfahren, welchen Anstrengungen

und Mühen es bedarf, ein solches Ereignis vorzubereiten

und zu realisieren.

Wir freuen uns, dass die Tagung aus Sicht der Tagungsteilnehmer

als gelungen, abwechslungsreich und informativ eingeschätzt

wurde.

Wir wären froh, wenn wir viele interessierte Fachkollegen

auch im nächsten Jahr - also Anfang Januar 2010 - zu

unserer dann 13. Regionaltagung diesmal im Süden

Deutschlands begrüßen könnten. (JR)

SprengInfo 31(2009)1 49


Verbandsnac

erbandsnachric hrichten hten

Karl-Heinz Böcking wurde 65 Jahre alt

Am 06.12.2008 konnte Karl-Heinz Böcking bei bester

Gesundheit seinen 65. Geburtstag feiern. Er wurde am

06.12.1943 in Mörlen (Oberwesterwald) geboren. 1950 zog

seine Familie in das Siegerland. Dort besuchte er auch bis

zum Abschluss die Volksschule. Am 03.04.1958 begann er

eine Lehre als Starkstrom-Elektriker, die er nach 3 1/2 Jahren

mit der Gesellenprüfung abschloss. Bis 1970 arbeitete

er in diesem Beruf auf Montage. Dann wechselte er in den

Tiefbau, wo er auch dann zur Sprengarbeit fand. Im Jahre

1975 wurde er selbstständiger Sprengunternehmer mit

Schwerpunkt Großbohrloch-Sprengungen und Sprengungen

in heißen Massen. Mit der Schließung der Hüttenwerke

im Siegerland entfiel dieser Geschäftszweig. Er konzentrierte

sich nunmehr auf Gewinnungssprengungen. Sein

Hang zum Perfektionismus führte dazu, dass er schon

1983 das erste reflektorlose Entfernungsmessgerät (Urtyp

der heutigen Vermessungssysteme) im Steinbruch einsetzte.

Seit 1991 ist Karl-Heinz Böcking öffentlich bestellter

Sachverständiger für Gewinnungssprengungen. Selbstverständlich

hat er im Laufe seiner Tätigkeiten auch die verschiedenartigsten

Sprengungen erfolgreich durchgeführt

und die dazu erforderlichen Befähigungsscheine erworben.

Als Höhepunkte in den letzten Jahren seiner „Sprenglaufbahn“

bezeichnet er selbst die Mitwirkung bei der Sprengung

des Hochhauses in Hamburg durch die Firma Werner

(1994) sowie die Abbauplanung eines großen Granitvorkommens

in Nigeria, die er für ein deutsches Unternehmen

im Jahre 2006 durchgeführt hat. Am 01. April des Gründungsjahres

1978 trat Karl-Heinz Böcking mit der Mitgliedsnummer

21 dem Deutschen Sprengverband e. V. bei

und ist seitdem ununterbrochen Mitglied des Vorstandes.

Seit vielen Jahren wacht er als Schatzmeister über die

Finanzen des Verbandes.

Sparsamen Umgang mit dem Geld des Verbandes hat er

immer wieder angemahnt. Ein wichtiges Ziel war ihm, den

Mitgliedsbeitrag so niedrig zu halten, dass er für Jedermann

problemlos bezahlbar ist.

Mit Erreichung des Rentenalters will er nun erst mal kürzer

treten, hat er doch seit vielen Jahren keinen Urlaub gemacht.

Aus diesem Grunde hat er schon bei seiner letzten Wiederwahl

(2007) erklärt, dass er bei den Vorstandsneuwahlen

2009 nicht mehr kandidieren wird, was wir alle sehr bedauern.

Wir wünschen Karl-Heinz Böcking alles Gute und noch viele

Lebensjahre bei bester Gesundheit.

G. Moseler

Nachruf Friedrich-Wilhelm Sobbe

Nur wenige Tage nach

seinem 74. Geburtstag

verstarb in Dortmund

nach kurzer Krankheit

Diplom-Kaufmann

Friedrich-Wilhelm

Sobbe.

Sein ganzes Leben

galt der erfolgreichen

Fortführung des mehr

als 100-jährigen Familienunternehmens,

das

sich mit der Fertigung

von Spezialzündern

und Ohmmetern einen ausgezeichneten Ruf in der Branche

erworben hat.

Friedrich-Wilhelm Sobbe hat den Deutschen Sprengverband

von Beginn an unterstützt. Er war ein regelmäßiger Teilnehmer

unserer Tagungen. Sein höfliches Auftreten wird vielen

noch in Erinnerung sein. Er war auf eine liebenswürdige Art

altmodisch, stand aber dennoch in der Realität des Lebens.

Das Unternehmen wird fortgeführt.

Unsere Anteilnahme gilt auch seiner Lebensgefährtin Frau

Uschi Geiss.

W. Werner

Besuchen Sie den

Deutschen Sprengverband e. V.

im Internet unter:

DDEEU UTTSSCCHHEERR

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www.sprengverband.de

50 SprengInfo 31(2009)1

®


Seniorentreffen 2009

Mitglieder des Deutschen Sprengverbandes e. V., die

mindestens 60 Jahre alt sind, haben Glück: Sie können am

Seniorentreff des Verbandes teilnehmen, selbstverständlich

auch mit Partner oder Partnerin. Der Kostenbeitrag pro Person

wird nach vorläufiger Kalkulation ca. 400 EUR betragen.

Darin enthalten sind 7 Tage Halbpension und die geplanten

Ausflüge.

Das Treffen findet vom 23. bis 30. August 2009 in der

schönen Vulkaneifel im Hotel Fünfmädelhaus in 54649

Lambertsberg, Hauptstraße 41 statt.

Walter Werner

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger

für das Sprengen von Bauwerken und

Bauwerksteilen (Abbruchsprengungen)

Beratung - Gutachten -

Erschütterungsmessungen

Stolberger Heck 1, 52223 Stolberg/Rhld.

Tel.: (0 24 02) 2 34 77, Fax: (0 24 02) 8 52 47

Mobil: (01 71) 7 90 92 50

e-mail: Sprengtechnik-Werner@arcor.de

Verbandsnac

erbandsnachric hrichten hten

Das liegt an der Ferienstraße Südeifel, ca. 50 km nordöstlich

von Trier zwischen Bitburg und Prüm.

Für die Zeit unseres Aufenthaltes sorge ich dafür, dass kein

Vulkanausbruch stattfindet!!!

Von da aus werden wir mit dem Bus unterhaltsame Ausflüge

in die Umgebung machen. Dabei werden wir, wie in den

vergangenen Jahren auch, interessante Sehenswürdigkeiten

besuchen.

Interessenten melden sich bitte bis spätestens Sonntag,

den 21. Mai 2009 bei dem Vorsitzenden des Ältestenrates:

Günther Moseler

Bahnhofsallee 29

53919 Weilerswist

Tel.: (0 22 54) 12 24

Fax: (0 22 54) 62 26

E-Mail: gmoseler@online.de

unter Angabe von:

- Name und Anschrift des Anmelders und

der begleitenden Personen

- Anzahl der benötigten Zimmer

(Einzel oder Doppelzimmer)

- Telefon, Handy, Fax, E-Mail.

G. Moseler

Die sprewa GmbH produziert und vertreibt seit über 20 Jahren Sprengstoffe

für den Einsatz in der Stein- und Salzgewinnung. Als mittelständisches

Unternehmen mit rund 25 engagierten Mitarbeitern sind für uns Flexibilität

und Zuverlässikgeit Voraussetzung für den Erfolg bei unseren Kunden.

Neben unseren Eigenprodukten vertreiben wir die komplette Palette

von gelatinösen und Emulsionssprengstoffen, Sprengschnüren, Zündern

und Sprengzubehör. In unserem Werk im Nördlinger Ries haben wir uns

auf pulverförmige und ANFO-Sprengstoffe spezialisiert:

Walonit W

• pulverförmiger, wasserfester Ammoniumnitrat-Sprengstoff mit TNT-Zusatz

• mittlere Detonationsgeschwindigkeit und hohes Schwadenvolumen

sorgen insbesondere im Kalk für optimale Stückigkeit des Haufwerks

• preisgünstige Alternative zu gelatinösen Sprengstoffen

Wandex P

• patronierter ANFO-Sprengstoff

• schiebende Wirkung durch sehr hohes Schwadenvolumen

• insbesondere bei klüftigem Stein genaue Kontrolle der Lademenge

Wandex 1

• loser ANFO-Sprengstoff mit sehr hohem Schwadenvolumen

• lieferbar in 25 kg Kartons oder Papiersäcken sowie in Big Bags

Zu weiteren Informationen über unserer Produkte können Sie uns gerne

anrufen oder Prospektunterlagen anfordern. Unsere Produkte erhalten Sie

auch über den Sprengstoffhandel.

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SprengInfo 31(2009)1 51


Verbandsnac

erbandsnachric hrichten hten

Die Jubilare des Jahres 2009

50. Geburtstag

12.02.1959 Hans-Joachim Grelak, Unna

23.02.1959 Berthold Keil, Fürth-Steinbach

06.03.1959 Ulrich Mann, Ehrenfriedersdorf

30.03.1959 Friedolin Jakobs, Kordel

30.03.1959 Petra Löwe, Braunschweig

24.04.1959 Ulrich Matz, Riesbürg

03.07.1959 Hartmut Essing, Hagen a. T. W.

08.07.1959 Uwe Radzuweit, Gutenswegen

04.08.1959 Sylvio Lehmann, Lugau

06.08.1959 Thomas Bräutigam, Stuttgart

25.10.1959 Michael Wimmer, Swisttal

25.10.1959 Ludger Rattmann, Aachen

30.10.1959 Johann Kasperski,

Erfurt-Windischholzhausen

09.11.1959 Horst Winter, Echzell/Bingenheim

20.11.1959 Joachim Goldhahn, Gera

02.12.1959 Ortrud Blatt, Wächtersbach

05.12.1959 Andreas Wallat, Gornsdorf

18.12.1959 Richard Bauhuber,

Howald-Oberottendorf

21.12.1959 Lutz Grau, Berlin

60. Geburtstag

05.01.1949 Peter Petrusic, Wellen

23.01.1949 Hans-Joachim Krannich, Selm

29.01.1949 Udo Neu, Lennestadt

22.03.1949 Heinz Loosen, Wintrich

03.04.1949 Hans-Peter Krumbholz, Berlin-Lankwitz

03.04.1949 Lothar Becker, Merzig

08.04.1949 Klaus Hain, Eschenburg-Wissenbach

25.04.1949 Karl-Heinz Hans, Nottuln

16.05.1949 Mats Börnesson, Nora, S

06.06.1949 Hans-Peter Müller, Hagen

03.07.1949 Hilmar Tuschhoff, Hanau

24.07.1949 Heinz-Arthur Zwirz, Dortmund

08.09.1949 Otto Ringgenberg, Leissingen, CH

27.09.1949 Manfred Trapp, Drolshagen

27.10.1949 Harald Leib, Bottrop

27.10.1949 Wolfgang Hilger, Königswinter

01.11.1949 Karl-Heinz Weber, Grünberg

10.11.1949 Werner Figgen, Medebach-

Wissinghausen

14.11.1949 Hans-Joachim Krausch, Lemgo-Brake

07.12.1949 Jürgen Schwaab, Hüffenhardt

08.12.1949 Stephan Küchler, Hamburg

10.12.1949 Gerold Schipper, Nordhorn

21.12.1949 Frans P. J. Brewel, HM Sint-Oedenrode, NL

23.12.1949 Bruno Reifenstahl, Meinhard

DDEEU UTTSSCCHHEERR

SS PP R R EE NN GG -- VV EE RR BB AA NN DD e e .. VV..

65. Geburtstag

18.01.1944 Karl-Heinz Dambrich, Gotha

12.02.1944 Karl-Heinz Mädel, Schellerten/Dingelbe

17.03.1944 Hans-Peter Weiss, Wuppertal

08.04.1944 Wilhelm Ritzer, Türkenfeld

12.05.1944 Hans van Meurs, KA Zaandam, NL

04.06.1944 Wilfried Vogt-Sasse, Siegen

15.06.1944 Jakob Mauderer, Oberndorf-Eggelstetten

25.06.1944 Konrad Ziegler, Bernburg

07.07.1944 Helmut Schlösser, Moosinning

31.07.1944 Hans Czeschik, Bottrop

23.08.1944 Dieter Schaal, Göppingen

24.08.1944 Gerhard Profus, Bad Harzburg

13.09.1944 Manfred Küchler, Pirna

19.11.1944 Brigitte Manhart, Hülsede

12.12.1944 Gerd Vogel, Dresden

70. Geburtstag

19.03.1939 Klaus D. J. Schrenk, Rheinfelden

27.03.1939 Hans Vieth, Bielefeld

22.04.1939 Peter Lichte, Leipzig

10.07.1939 Horst Rohr, Grafschaft-Gelsdorf

17.07.1939 Winfried Ex, Meinerzhagen

29.08.1939 Johannes Luckey, Brilon-Thülen

10.09.1939 Dieter Schol, Haiger

10.12.1939 Günter Hennecke, Balve

31.12.1939 Albert Jüngst, Bad Berleburg-Arfeld

75. Geburtstag

20.03.1934 Hermann Gelsdorf, Wuppertal

24.04.1934 Willi Czotscher, Heilgenkreuzsteinach

03.07.1934 Eduard Hippenstiel, Bad Laasphe

05.08.1934 Jan Klusacek, Praha, CZ

80. Geburtstag

05.08.1929 Konrad Fink, Pfullingen

die Ältesten

03.02.1923 Kurt Becker, Gießen

12.02.1923 Otto Ströher, Bad Marienberg

02.03.1925 Hellmut Heinze, Weimar

12.06.1928 Werner Wildt, Innsbruck, A

24.06.1923 Hans Ingold, Oetwil a. d. L., CH

30.06.1926 Joachim Prinz, Dortmund

29.10.1924 Karl Getsberger, München

05.11.1924 Alois Breyer, Hergensweiler

08.11.1922 Charles Russel, Herzogenrath

52 SprengInfo 31(2009)1

®


SVW

2009

DRESDNER SPRENGSCHULE GMBH

Seminare und Lehrgänge - 2. Halbjahr (Auszug)

Dresdner Seminare für Mitarbeiter von Behörden und Institutionen

Dresdner Seminare Sprengtechnik

SGA

SGU

Wiederholungslehrgang Verbringung von Explosivstoffen

SVW 3 - 09 02.07.2009

SVW 4 - 09 17.09.2009

SVW 5 - 09 17.12.2009

Lehrgäng Lehrgänge

DSS 3 - 09 20.11. - 21.11.2009 Gestaltung von Zündanlagen durch den kombinierten Einsatz

verschiedener Zündverfahren

DSS 4 - 09 11.12. - 12.12.2009 Optimierung der Abbautechnologie bei Gewinnungsarbeiten im

Steinbruch

Lehrgänge Sprengtechnik

SGL

SGV

SSB

SSG

SW

PBSF 1 - 09 22.09. - 24.09.2009 Umgang mit Pyrotechnik aus Sicht der Brand- und

Aufsichtsbehörde

Grundlehrgang für allgemeine Sprengarbeiten und Kultursprengungen

SGA 3 - 09 02.11. - 13.11.2009

Grundlehrgang für Sprengarbeiten unter Tage/Tunnelbau

SGU 3 - 09 02.11. - 10.11.2009

Grundlehrgang für den Umgang - ausgenommen das Herstellen, Bearbeiten, Verarbeiten, Wiedergewinnen

und Verwenden - mit Explosivstoffen im Rahmen der Ausbildung von Diensthunden

SGL 3 - 09 02.11. - 05.11.2009

Sonderlehrgang zur Verbringung explosionsgefährlicher Stoffe auf der Straße zur Erlangung

einer Erlaubnis/eines Befähigungsscheines nach § 7/§ 20 SprengG

SGV 3 - 09 02.07.2009

SGV 4 - 09 17.09.2009

SGV 5 - 09 17.12.2009

Sonderlehrgang für Sprengungen von Bauwerken und Bauwerksteilen

SSB 2 - 09 07.12. - 18.12.2009

Sonderlehrgang für Großbohrlochsprengungen

SSG 2 - 09 23.11. - 27.11.2009

Wiederholungslehrgang Sprengtechnik

(incl. Wiederholungslehrgang Verbringung von Explosivstoffen)

SW 4 - 09 07.09. - 08.09.2009

SW 5 - 09 16.11. - 17.11.2009

SprengInfo 31(2009)1 53


Lehrgäng Lehrgänge

Lehrgänge Pyrotechnik

PGF

PGT

PSF

PW

PT 1/2

KEM

Grundlehrgang für das Verwenden von pyrotechnischen Gegenständen

(Abbrennen von Feuerwerken - Großfeuerwerker)

PGF 2 - 09 30.11. - 04.12.2009

Grundlehrgang für den Umgang - ausgenommen Herstellen und Wiedergewinnen - mit pyrotechnischen

Gegenständen und pyrotechnischen Sätzen in Theatern und vergleichbaren Einrichtungen

(Bühnenfeuerwerker)

PGT 2 - 09 24.08. - 28.08.2009

Wiederholungslehrgang Pyrotechnik (Bühnenfeuerwerker, Großfeuerwerker und SFX) (incl.

Wiederholungslehrgang Verbringung von Explosivstoffen)

PW 3 - 09 31.08. - 01.09.2009

PW 4 - 09 07.12. - 08.12.2009

Grundlehrgang für den Umgang - ausgenommen das Herstellen und Wiedergewinnen - mit

pyrotechnischen Gegenständen für technische Zwecke (Trenn- und Auslöseeinrichtungen)

PT 1/2 3 - 09 29.06. - 30.06.2009

PT 1/2 4 - 09 26.10. - 27.10.2009

Lehrgänge Kampfmittelbeseitigung

KGF

KAF

KFW

KWK

KSU

Grundlehrgang für den Umgang - ausgenommen das Herstellen und Wiedergewinnen - mit

explosionsgefährlichen Stoffen in Film- und Fernsehproduktionsstätten (SFX-Man)

PSF 1 - 09 05.10. - 10.10.2009

Grundlehrgang für fachtechnisches Aufsichtspersonal in der KMB

KGF 1 - 09 26.01. - 27.02.2009 1. Teil

04.01. - 22.01.2010 2. Teil

Anpassungslehrgang für fachtechnisches Aufsichtspersonal in der KMB

KAF 2 - 09 24.08. - 25.09.2009

Einführungslehrgang für Munitionsräumarbeiter/Sondierer

KEM 2 - 09 12.10. - 23.10.2009

Wiederholungslehrgang für Verfahren der KMB für fachtechn. Aufsichtspersonal in der KMB

KFW 3 - 09 14.12. - 18.12.2009

Weiterbildungslehrgang zur chemischen Munition und Kampfsportmunition

KWK 1 - 09 05.10. - 09.10.2009

Sonderlehrgang zum Aufsuchen und Erkennen von unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen

(USBV)

KSU 2 - 09 26.10. - 29.10.2009

54 SprengInfo 31(2009)1


Lehrgänge Transport

TGF

TGS/

SGV

TW

TGB

TWB

Dresdner Seminar Abbruchtechnik

DSA

Lehrgänge Bautechnik

BAB

DSA 2 - 09 06.11. - 07.11.2009 Schadstoffe erkennen und richtig bewerten

Lehrgäng Lehrgänge

Wiederholungslehrgang für Gefahrgutfahrer (alle ADR-Klassen und Tankfahrzeuge)

(inkl. Wiederholungslehrgang Verbringung von Explosivstoffen)

TW 4 - 09 02.09. - 03.09.2009

TW 5 - 09 12.10. - 13.10.2009

TW 6 - 09 09.12. - 10.02.2009

Grundlehrgang für Gefahrgutbeauftragte - Allg. Teil und Verkehrsträger Straße

TGB 2 - 09 21.09. - 24.09.2009

Wiederholungslehrgang für Gefahrgutbeauftragte

TWB 2 - 09 19.10. - 20.10.2009

Lehrgänge Maschinentechnik

MTB

BAZ

Grundlehrgang für Gefahrgutfahrer (Stück- und Schüttgut) gem. GGVSE-ADR/RID

(Basiskurs)

TGF 3 - 09 29.06. - 01.07.2009

TGF 4 - 09 14.09. - 16.09.2009

TGF 5 - 09 14.12. - 16.12.2009

Aufbaulehrgang für Gefahrgutfahrer Klasse 1 in Verbindung mit dem Grundlehrgang zur Verbringung

explosionsgefährl. Stoffe auf der Straße zur Erlangung einer Erlaubnis/eines Befähigungsscheines

nach § 7/§ 20 SprengG

TGS/SGV 3 - 09 01.07. - 02.07.2009

TGS/SGV 4 - 09 16.09. - 17.09.2009

TGS/SGV 5 - 09 16.12. - 17.12.2009

Lehrgang für den fachgerechten Einsatz von Bohrgeräten in Gewinnungsbetrieben

MTB 2 - 09 22.10. - 24.10.2009

Lehrgang zum Erwerb der Fachkunde zur Vorbereitung und Durchführung von Abbrucharbeiten

Schwerpunkt: Durchfühung

BAB 2 - 09 29.09. - 01.10.2009

Lehrgang zum Erwerb der Sachkunde für ASI-Arbeiten von Asbestzementprodukten

gemäß TRGS 519 Anlage 4

BAZ 3 - 09 10.09. - 11.09.2009

BAZ 4 - 09 23.11. - 24.11.2009

Anfragen zu Lehrgängen (z. B. Zulassungsvoraussetzungen) bzw. Anmeldungen richten Sie bitte an die

Dresdner Sprengschule GmbH

Heidenschanze 6 - 8, D - 01189 Dresden

Telefon: (03 51) 4 30 59 - 0, Telefax: (03 51) 4 30 59 - 59, e-mail: Info@Sprengschule-Dresden.de

www.Sprengschule-Dresden.de

SprengInfo 31(2009)1 55


Lehrgäng Lehrgänge

Termin Thema

Sprengtechnische Lehrgänge des Kreises Siegen-Wittgenstein im Technologiezentrum Siegen

Sprengtechnische Lehrgänge 2009 - 2. Halbjahr

Lehrgänge für allgemeine Sprengarbeiten (einschließlich Verbringen)

17.08.2009 - 21.08.2009 Grundlehrgang

02.11.2009 - 06.11.2009 Grundlehrgang

14.10.2009 Wiederholungslehrgang

03.12.2009 Wiederholungslehrgang

17.08.2009 - 21.08.2009 Aufsichtsbeamte der Bundesländer - Grundlehrgang

Sonderlehrgänge

auf Anfrage Großbohrlochsprengung

auf Anfrage Sprengen von Bauwerken und Bauwerksteilen

Lehrgänge für das Verbringen, Empfangnahme, Überlassen von explosionsgefährlichen Stoffen für Personen, die

nach dem Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter zur Beförderung von Gütern der Klasse 1 berechtigt

sind

14.10.2009 Sonderlehrgang und Wiederholungslehrgang zusammen

Pyrotechnische Lehrgänge

Lehrgänge für das Verwenden von pyrotechnischen Gegenständen - Abbrennen von Feuerwerken - (einschließlich Verbringen)

20.10.2009 - 23.10.2009 Grundlehrgang

19.10.2009 Wiederholungslehrgang

Lehrgänge für den Umgang - ausgenommen das Herstellen und das Wiedergewinnen - mit pyrotechnischen Gegenständen

und pyrotechnischen Sätzen bei Theatern oder vergleichbaren Einrichtungen (einschließlich Verbringen)

auf Anfrage Grundlehrgang Theater

Lehrgang für den Umgang (Aufbewahren, Aus- und Einbau, Verbringen und Vernichten) von sprengkräftigen und pyrotechnischen

Trennelementen

06.10.2009 Grundlehrgang außer Rückhaltesysteme

07.10.2009 Grundlehrgang speziell Rückhaltesysteme

Lehrgänge für den Umgang - ausgenommen das Herstellen - mit Treibladungspulver zum Vorderladerschießen

und Lehrgänge für den nichtgewerbsmäßigen Umgang - ausgenommen das Herstellen - mit Treibladungspulver

zum Laden und Wiederladen von Patronenhülsen und Lehrgänge für den Umgang - ausgenommen das Herstellen

- mit Böllerpulver zum Böllerschießen

02.09.2009 Grundlehrgang Vorderlader

03.09.2009 Grundlehrgang Wiederlader

02.09.2009 - 03.09.2009 beide Lehrgänge zusammen

04.09.2009 Grundlehrgang Böller

Kontaktadresse: Sprengtechnische Lehrgänge des Kreises Siegen-Wittgenstein im Technologiezentrum Siegen, Birlenbacher

Straße 18, 57078 Siegen-Geisweid, Tel.: (02 71) 30 39 00, Fax: (02 71) 30 39 05 15, gottschalk@sprengtechnik-siegen.de,

http://www.sprengtechnik-siegen.de/

SPRENGVEREIN IN BAYERN E. V. - Staatlich anerkannte Sprenglehrgänge 2009, 2. Halbjahr

16.09.2009 Garmisch-Partenkirchen Wiederholungslehrgang Sprengarbeiten

Kontaktadresse: Dipl.-Ing. Jürgen Brodka, Belastr. 5, 81377 München, Tel.: (0 89) 71 01 93 88, Fax: (0 89) 71 01 94 16,

e-mail: info@sprengverein-in-bayern.de

56 SprengInfo 31(2009)1


1. MAXAM Deutschland GmbH

OT Schlungwitz

Gnaschwitzer Straße 4

02692 Doberschau-Gaußig

Tel.: 0 35 91 3 57-0

Fax: 0 35 91 3 57-4 44

Region West

Ihre Ansprechpartner:

Dipl.-Ing. Joachim Goldhahn

Mobil: 01 71 9 30 56 54

Klaus Hain

Mobil: 01 73 2 94 46 41

2. Vertriebszentrum und Produktion

Finnentrop Fretter

Kalkwerkstraße 75-77

57413 Finnentrop-Fretter

Tel.: 0 27 24 94 40-0

Fax: 0 27 24 94 40-70

3. Lager und Produktion Haltern

Werkstraße 111

45721 Haltern am See

Tel.: 0 23 64 6 89-0

Fax: 0 23 64 6 89-2 93

4. Lager Bad Sobernheim

Breitler Straße 72

55566 Bad Sobernheim

Tel.: 0 67 51 61 27

Fax: 0 67 51 49 01

5. Lager Wissenbach

Scheidstraße 31

35713 Eschenburg-Wissenbach

Tel.: 0 27 74 15 36

Fax: 0 27 74 65 64

6. Lager Steinheim

Lemgoer Straße 11

32657 Lemgo/Brake

Tel.: 0 52 61 8 81 81

Fax: 0 52 61 8 83 77

7. Lager Lengerich

Essing Sprengtechnik GmbH

Brückenwaage 8

49124 Georgsmarienhütte

Tel.: 0 54 01 20 26

Fax: 0 54 01 24 49

8. Lager Hermeskeil

54411 Hermeskeil

Tel.: 0 65 03 9 53 36 34

Fax: 0 65 03 9 53 36 36

Region Ost

Ihr Ansprechpartner:

Dipl.-Betriebswirt (FH) Johannes Düro

Mobil: 01 71 3 45 52 57

9. Vertriebszentrum und Produktion Schellroda

Riechheimer Weg 1

99102 Klettbach OT Schellroda

Tel.: 03 62 09 42 6-0

Fax: 03 62 09 4 26-70

10. Lager Goes

01796 Dohma, OT Goes

Tel.: 0 35 01 76 22 78

Fax: 0 35 01 78 09 73

11. Lager Bösenbrunn

08606 Bösenbrunn

Tel.: 0 3 74 21 2 49 81

Fax: 0 3 74 21 2 49 96

Bad Sobernheim

Mainz

4

Hamburg

Flechtingen

13

Berlin

Lengerich

Hannover

7

Haltern

3

6

Steinheim

Niemetal

Magdeburg

14

Tarthun

Röcknitz

Cottbus

19

12

Anröchte

Düsseldorf

Finnentrop

2

Kassel

Erfurt

9 24

Leipzig

Würschnitz

15

Dresden 1

Schlungwitz

Köln

Schellroda Pölzig

10

23

Grafschaft

Müllenbach

5

Wissenbach

Goes

Bösenbrunn Chemnitz

11

18

Frankfurt

Rottweil

22

MAXAM Deutschland GmbH

Expert Solutions for Blasting Technology

Sprengmittel · Sprengzünder · Sprengzubehör · Planung und Ausführung von Bohr- und Sprengarbeiten

Stuttgart

Gunzendorf

Nürnberg

16

Neumarkt/

Oberpfalz

Regensburg

München

MAXAM Deutschland GmbH · OT Schlungwitz · Gnaschwitzer Straße 4 · 02692 Doberschau-Gaußig

Tel.: 0 35 91 3 57-0 · Fax: 0 35 91 3 57-4 44 · www.maxam-corp.com

8

Hermeskeil

Ulm

20

Rothenburg

o. d. Tauber

21

17

12. Lager und Produktion Röcknitz

Am Löttigberg

04808 Röcknitz

Tel.: 03 42 63 7 61-0

Fax: 03 42 63 7 61-70

13. Lager Flechtingen

Büschen 90

39356 Hörsingen

Tel.: 03 90 55 9 28 74

Fax: 03 90 55 9 28 72

14. Lager Tarthun

39435 Tarthun

Tel.: 03 92 68 22 53

Fax: 03 92 68 22 83

15. Lager Würschnitz

01936 Laußnitz

Region Süd

Ihr Ansprechpartner:

Bergbautechniker Zenon Kattirs

Mobil: 01 71 3 30 20 34

16. Vertriebszentrum Neumarkt

Postfach 16 06

92306 Neumarkt/Oberpfalz

Tel.: 0 91 81 14 42

Fax: 0 91 81 88 06

17. Lager Gunzendorf

Schafgasse 17

96155 Buttenheim-Gunzendorf

Tel.: 01 71 6 97 34 73

Fax: 0 95 45 82 38

Vertriebspartner

18. Steffes-Ollig GmbH & Co. KG

19. Schmidtmann GmbH

20. SMV Süd Sprengmittelvertrieb GmbH

21. G. Holstein GmbH

22. Emil Dimmler GmbH & Co KG

23. Leo Werner GmbH

1. MAXAM

Bohr- und Sprengtechnik GmbH

OT Schlungwitz

Gnaschwitzer Straße 4

02692 Doberschau-Gaußig

Tel.: 0 35 91 3 57-0

Fax: 0 35 91 3 57-4 44

Region West

4. Standort Bad Sobernheim

Breitler Straße 72

55566 Bad Sobernheim

Tel.: 0 67 51 61 27

Fax: 0 67 51 49 01

Region Ost

24. Standort Pölzig

Gartenweg 4b

07554 Pölzig

Tel.: 03 66 95 8 33-0

Fax: 03 66 95 / 8 33-4

Region Süd

16. Standort Neumarkt

Postfach 16 06

92306 Neumarkt/Oberpfalz

Tel.: 0 91 81 14 42

Fax: 0 91 81 88 06

Rev. 03.09

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