WIRTSCHAFT+MARKT 06-2015

astrebe

26. Jahrgang 26. | Jahrgang Heft 6 | November/Dezember | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

DIE

WIRTSCHAFT

THÜRINGEN

GRÜNT

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

Bodo Ramelow

REPORT

Rivalität auf

der Ostsee

RATGEBER

Betriebliche

Altersvorsorge


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Dank Thüringen kommt jedes

Frachtgut sicher an. Selbst

416 Kilometer über der Erde.

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Als Logistikstandort spielt Thüringen im internationalen Warenverkehr eine wichtige Rolle. Als Technologiestandort

sogar weit darüber hinaus. So sorgen Sensoren der Jena-Optronik GmbH dafür, dass der unbemannte

Raumfrachter Cygnus seine Fracht zuverlässig zur Internationalen Raumstation ISS liefert.

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft

Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen

Orbital ATK


EDITORIAL | 3

Saubere Technologien und

Produkte – ein gigantischer

Zukunftsmarkt

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@WundM.info

Foto: Torsten George, Titelfoto: Anton Balazh/shutterstock.com

Die Begriffe Green Economy und

CleanTech dienen längst nicht

mehr dazu, exotische Nischen-

Geschäftsfelder zu betiteln. Nein, saubere

Technologien und Produkte – genau

dafür stehen Green Economy und Clean-

Tech – sind inzwischen weltweit gefragt.

Aktuell beläuft sich das Volumen dieses

Marktes auf geschätzte 2.000 Milliarden

Euro. Bis zum Ende des Jahrzehnts wird

es sich, so die Schätzung von Experten,

verdoppeln. Treiber des Wachstums sind

globale Megatrends: Die Weltbevölkerung

wird in den kommenden 20 Jahren

drastisch ansteigen, um weitere 1,5 Milliarden

Menschen. Dann streben 8,5 Milliarden

Menschen nach Wohlstand und

Konsum. Die natürlichen Ressourcen

der Erde werden immer schneller verbraucht,

so dass ein Umsteuern alternativlos

ist. Die Antwort darauf ist die Grüne

Wirtschaft, die auf einen schonenden

und effizienten Umgang mit Rohstoffen,

auf Erneuerbare Energien, nachhaltige

Wasserwirtschaft, auf Recycling und

Kreislaufwirtschaft setzt.

Am Wirtschaftsstandort Ostdeutschland

hat man schon früh die Chancen

erkannt, die der Grüne Markt bietet.

Vermutlich auch deshalb, weil Rohstoffknappheit

zu Vorwendezeiten ein akutes

volkswirtschaftliches Problem darstellte.

Heute engagieren sich rund 3.000 Unternehmen

in den neuen Ländern im Bereich

CleanTech. Sie beschäftigen gut

200.000 Mitarbeiter und erwirtschaften

einen Gesamtumsatz von mehr als

30 Milliarden Euro pro Jahr. Ein ernst

zu nehmender Wirtschaftsfaktor, den

WIRTSCHAFT+MARKT in der Titelgeschichte

beleuchtet. Dabei geht es nicht

nur um die Abbildung der einzelnen Leitmärkte

unter dem CleanTech-Dach, sondern

auch um die Darstellung bislang unerschlossener

Potenziale für eine noch

erfolgreichere Entwicklung.

Thüringen steht im Mittelpunkt unserer

Serie „Land der Wunder“. Wie alle

anderen ostdeutschen Bundesländer

auch, hatte es der Freistaat nach der

Deutschen Einheit zunächst schwer,

wirtschaftlich auf die Füße zu kommen.

Doch inzwischen ist ein solider Mittelstand

gewachsen, man besinnt sich auf

die ideale Lage und Anbindung mitten in

Deutschland und Europa. Mit 40 Industriebetrieben

auf 100.000 Einwohner hat

Thüringen im bundesweiten Vergleich einen

Spitzenplatz erreicht – noch vor Baden-Württemberg.

Zu den besonders

erfolgreichen Clustern zählen die Bereiche

Optik (mit dem Zentrum Jena), Automotive,

Life Sciences, Logistik und Maschinenbau.

Auch wenn die internationale

Ausrichtung noch ausbaufähig ist,

dürfen die Thüringer durchaus stolz auf

ihre Wirtschaft sein. Immerhin stellt das

Land heute 62 europäische und 32 internationale

Marktführer. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


4 | W+M INHALT

W+M TITELTHEMA

Die Wirtschaft grünt........................38

W+M AKTUELL

Köpfe......................................................................... 6

Nachrichten............................................................... 8

W+M LÄNDERREPORTS

Ostdeutschland: Industrie 4.0 –

Chance oder Risiko?.................................................10

Mecklenburg-Vorpommern:

Viel Bewegung auf dem Fährmarkt.........................12

Sachsen: Exklusive Buchkunst................................14

Brandenburg: Passgenaue Impfstoffe.....................15

Mecklenburg-Vorpommern:

Standort mit maritimer Kompetenz..........................16

Brandenburg: EWE baut Rolle als

regionaler Energiepartner aus..................................18

Sachsen-Anhalt: Exoten auf dem Acker..................19

W+M SERIE LAND DER WUNDER:

THÜRINGEN

Report: Thüringen stellt 94 Marktführer................. 20

Interview: Bodo Ramelow,

Ministerpräsident in Thüringen............................... 22

Aufstrebende Cluster: Automobil, Optik,

Logistik, Ernährung ................................................ 26

Die Helaba und der Aufschwung des Freistaates......30

EU-Förderung:

Wie Thüringen von Brüssel profitiert.........................32

Wirtschaftsanalyse von ifo-Chef Joachim Ragnitz....33

W+M POLITIK

Pro und Contra: Wird der Osten Deutschlands

wirtschaftlich jemals so stark wie der Westen?..... 34

ifo-Geschäftsklimaindex für Ostdeutschland.......... 36

38 Titel

Grüner Motor Ostdeutschland

22

Im Interview

Ministerpräsident Bodo Ramelow

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe 6/2015

Redaktionsschluss: 19.10.2015

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-0

Fax: 030 479071-20

www.WundM.info

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 479071-11

FN@WundM.info (Alleiniger Inhaber und

Gesellschafter, Wohnort Berlin)

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-21, KH@WundM.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 479071-21,

JP@WundM.info, Anja Strebe, Tel.: 030 479071-27,

AS@WundM.info

Autoren: Dr. Ulrich Conrad, Harald Lachmann,

Rudolf Miethig, Frieda Neurich, Matthias Salm,

Thomas Schwandt

Abo- und Anzeigenverwaltung, Vertrieb:

Tobias Meier, Tel.: 030 479071-28, TM@WundM.info

Marketing/Vertrieb: Kerstin Will, Tel.: 030 479071-24

KW@WundM.info

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler (VBIW)

erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Einzelpreis: 5 €, Jahresabonnement (Inland):

30 € inkl. MwSt. und Versand, Jahresabonnement

(Ausland): 30 € inkl. MwSt. zzgl. Versand.

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-medienagentur.de

Druck: Möller Druck und Verlag GmbH,

ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotos: Yevhen Vitte/shutterstock.com (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


W+M INHALT | 5

46

Exklusiv

DIHK-Präsident Eric Schweitzer

W+M TITELTHEMA

Report: Grüner Motor Ostdeutschland................... 38

Energieerzeugung: Die Vorreiter der Wende.......... 40

Energieeffizienz: Investitionen in die Sparsamkeit.... 42

Mobilität: Berlin macht elektromobil....................... 43

Kreislaufwirtschaft: Know-how mit Tradition......... 44

Interview mit DIHK-Präsident Eric Schweitzer

über die Perspektiven von GreenTech.................... 46

W+M RATGEBER

Finanzen:

KfW unterstützt Unternehmen

mit Energieeffizienzprogramm................................ 48

Michael Bormann erläutert

alternative Mittelstandsfinanzierungen................... 50

Betriebliche Altersvorsorge schließt Rentenlücke...51

Auto: Ergebnisse der großen

W+M-Firmenwagen-Umfrage................................ 52

Literatur: Die ostdeutsche Bestsellerliste

für Wirtschaftsliteratur............................................ 54

Serie Thüringen

Spitzen-Cluster Optik

27

W+M NETZWERK

W+M Lounge im Berlin Capital Club:

Die Finanzwelt im digitalen Wandel........................ 55

Ostdeutsches Energieforum:

Die Energiewende im Visier.................................... 56

9. enviaM-Energiekonvent in Leipzig...................... 57

VBKI-Sommerfest: Berlins schönste

und wichtigste Party............................................... 58

25-jähriges Verbandsjubiläum

des UV Brandenburg-Berlin.................................... 59

VBIW: Aktuelles aus dem Verein............................ 60

Neues aus den Unternehmerverbänden................. 62

Fotos: HC Plambeck (oben), Carl Zeiss Jena (Mitte), Thomas Schwandt (unten)

12 Länderreport

Rivalität der Fährlinien

W+M PORTRÄTS

Rolf Seelige-Steinhoff: Hotelier durch und durch... 64

Georg Prinz zur Lippe: Weit mehr als ein Winzer... 65

W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick und Personenregister............................... 66

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial...................................................................... 3

Impressum................................................................ 4

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt das Magazin W+M

Exklusiv Thüringen bei. Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


6 | W+M KÖPFE

Andreas Müller (39)

Aue. Für Andreas Müller ist Rasieren ein Genuss: Nass natürlich,

zehn Minuten lang und natürlich mit einem Mühle-Rasierpinsel.

Unter diesem Namen vertreibt das Familienunternehmen

seine exklusiven Produkte. Es wurde 1945

vom Großvater Otto-Johannes Müller in Stützengrün

im Erzgebirge gegründet und hat unter der Leitung

seines Vaters Hans-Jürgen Müller nach 1990 die

Marktführerschaft in der Branche erobert. Jetzt

wurde die Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG

mit dem großen Preis des Mittelstandes ausgezeichnet.

Friedrich E. Blutner (66)

Albrecht Pitschel (65)

Geyer. Wertigkeit lässt sich auch

hören, denn das Ohr kauft mit – so

lautet die Geschäftsidee des promovierten

Psychoakustikers, der

im erzgebirgischen Geyer als Inhaber

und Geschäftsführer eine einzigartige

Firma betreibt: Mit seiner Synotec

Psychoinformatik GmbH gibt er durch aufwändige Testreihen,

akustische Versuche und Lautexperimente Produkten aller Art

eine angenehme oder zumindest kaufanreizende „Stimme“.

Denn Design sei heute mehr als Optik und Haptik, sagt Friedrich

E. Blutner. Damit ist er in Deutschland Marktführer für psychoakustische

Testsysteme.

Thomas Möller (55)

Greifswald. Thomas Möller heißt

der neue Geschäftsstellenleiter

des Unternehmerverbandes Vorpommern.

Der gebürtige Greifswalder

ist 55 Jahre alt und ein erfahrener

Verbandsmanager. Dass hier ein

ehemaliger Gewerkschaftsmanager künftig

die Geschicke des Vorpommerschen Unternehmerverbands

gestalten soll, mutet nur auf den ersten Blick etwas speziell

an. Thomas Möller ist jedoch hoch motiviert; mehr Mitglieder,

mehr Öffentlichkeitsarbeit und vieles andere mehr stehen bei

ihm auf der Agenda. Das bewährte Team der Geschäftsstelle,

allen voran der langjährige Geschäftsstellenleiter Wolfgang Kastirr,

steht ihm dabei zur Seite.

Bad Köstritz. Albrecht Pitschel hat

die Köstritzer Brauerei zur Marktführerschaft

bei Schwarzbier in

Deutschland geführt. Im September

wurde er nach 42 Jahren im Unternehmen

in den Ruhestand verabschiedet.

Der studierte Chemiker arbeitete

als Direktor in der Brauerei, bevor ihn 1990 die Treuhand

zum Geschäftsführer bestimmte. Dies blieb er auch nach der

Übernahme durch die Bitburger-Gruppe. Sein Nachfolger ist

Prokurist Uwe Helmsdorf.

IN MEMORIAM

Horst Kugler (77)

Frankfurt (Oder). Horst Kugler,

Mitbegründer und Ehrenmitglied

des Vereins Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler

e. V. (VBIW), Gründer

des Ortsvereins Frankfurt (Oder) sowie

zweier Arbeitskreise, ist am 20. September 2015 verstorben.

Er trieb die Zusammenarbeit des Vereins mit der

Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), dem Leibniz-Institut

für innovative Mikroelektronik (IHP) und dem Gauß-

Gymnasium der Stadt sowie der Stadtverwaltung maßgeblich

voran. Mit letzterer organisierte er beispielsweise die

Ausstellung „50 Jahre Halbleitertechnologie am Standort

Frankfurt (Oder)“. WIRTSCHAFT+MARKT und der VBIW

trauern um einen geschätzten Menschen.

Fotos: Privat (oben), Harald Lachmann (Mitte links), Köstritzer (Mitte rechts), W+M (unten links), Privat (unten rechts)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


W+M KÖPFE | 7

Fotos: Torsten George (links), Harald Lachmann (rechts)

Peter-Michael Diestel (63)

Zislow. Pünktlich zum 25. Jahrestag

der Deutschen Einheit hat

sich der letzte DDR-Innenminister

und heutige Anwalt zu Wort gemeldet.

Der Verlag Das Neue Berlin

hat ein Streitgespräch zwischen Diestel

und dem ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten,

Bundesfinanzminister und späteren Linken-Chef Oskar

Lafontaine aufgezeichnet und als

Buch veröffentlicht. Unter dem Titel

„Sturzgeburt – vom geteilten

Land zur europäischen Vormacht“

debattieren der konservative

CDU-Mann Diestel und der Linke

Lafontaine emotional, aber nicht

unversöhnlich über das Zusammenwachsen

und den steinigen

Aufbruch der ostdeutschen Wirtschaft.

Diestels Fazit: „Eine Sturzgeburt

ist ein unvorhergesehenes

Ereignis. Aber, wie jede Geburt,

ist auch eine Sturzgeburt wieder

ein Beginn eines großen Anfangs

und eines großen Glücks.“

Anne Schulz (49)

Biesenthal. Vor kurzem feierte ihr Steinwerk im brandenburgischen

Biesenthal (Landkreis Barnim) zehnjähriges Firmenjubiläum.

Gegenwärtig arbeitet Anne Schulz hier mit ihren Mitstreitern

aufwändige Sandsteinarbeiten für die Rekonstruktion einer

Adlergruppe am Fortunaportal des Potsdamer Stadtschlosses.

Nebenher betreut sie Kinder in Biesenthal und

Bernau bei künstlerischen Schülerprojekten und

organisiert alle zwei Jahre die deutsch-polnischen

Bildhauersymposien. Und für

ein ungewöhnliches Grabdenkmal

in Form einer Zitronenschale

gab es kürzlich auch eine Silbermedaille

auf der Havel-Buga

2015.

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8 | W+M NACHRICHTEN

K+S FORSCHT

Erfurt. Sein neues Forschungszentrum

in Unterbreizbach hat der Kali-Produzent

K+S im September eröffnet. Der DAX-

Konzern hatte seinen Forschungs- und

Analytikbereich aus Hessen nach Thüringen

verlagert, 100 Wissenschaftler,

Techniker und Ingenieure werden sich

hier auch mit der Verringerung von Produktionsrückständen

beschäftigen, für

die K+S in der Kritik steht.

WERFT WIRD ERWEITERT

Rostock. Die Werft TAMSEN MARITIM

will ihre Produktionsstätte in Rostock

durch eine Wechselspuranlage erweitern,

um zeitgleich mehrere große Schiffe

bearbeiten zu können. In den Werkshallen

können Schiffe mit einer Länge

von bis zu siebzig Metern repariert oder

neu gebaut werden. Außerdem werden

Composite-Formbauteile für die Windindustrie

gefertigt.

HIGHTECH-FÖRDERUNG

Das abgebaute Rohsalz wird an den Standorten der K+S KALI GmbH zu hochwertigen

Düngemitteln und Industrieprodukten verarbeitet.

NEUES WERK

Rostock. Im Januar soll im neuen Werk

bei Rostock des Medizintechnikspezialisten

CLEARUM die Produktion aufgenommen

werden, im September wurde

im Industriegebiet Poppendorf Richtfest

gefeiert. CLEARUM entwickelt, produziert

und verkauft maßgeschneiderte Membranen

für Dialysatoren, die in der Dialyse

nierenkranker Patienten benötigt werden.

Zunächst sollen 80 Arbeitsplätze entstehen,

ein weiterer Ausbau ist geplant.

KLEINER MITTELSTAND

Leipzig. Sachsens Wirtschaft ist wesentlich

kleinteiliger als jene im Altbundesgebiet.

Nach einer Erhebung der Sachsen

Bank beschäftigt jede sächsische

Firma im Schnitt nur 86 Mitarbeiter. Unternehmen

in den alten Bundesländern

beschäftigen durchschnittlich 146 Mitarbeiter.

Bodo Finger, Präsident der Vereinigung

der sächsischen Wirtschaft,

spricht in diesem Zusammenhang von

einem „unerhört breiten Graben“. Einen

Ausweg sieht er darin, dass die Unternehmen

des größten ostdeutschen Landes

mit vermehrten Innovationen weltmarktfähige

Produkte kreieren und damit

letztlich an Größe gewinnen.

NACHFOLGER GESUCHT

Halle. Nach einer Erhebung des Instituts

für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn

suchen 2.700 Familienunternehmen in

Sachsen-Anhalt bis 2018 einen Nachfolger.

Sie beschäftigen insgesamt 37.000

Mitarbeiter. Einer Umfrage der IHK Halle-Dessau

zufolge, finden jedoch mit 55

Prozent mehr als die Hälfte der Firmenchefs

in der Region Halle keinen Nachfolger.

Die Gründe dafür sind laut IHK-

Geschäftsführerin Antje Bauer teils auch

selbstgemacht. So bereiteten sich Unternehmer

oft „zu spät auf die Nachfolge

vor“. Nach ihrer Erfahrung benötige die

Suche nach einem geeigneten externen

Kandidaten mindestens fünf Jahre. Viele

Betriebe unterschätzten diese Herausforderung.

Erschwert wird die Lage noch

dadurch, dass nach Angaben des Netzwerkes

Unternehmensnachfolge Sachsen-Anhalt

lediglich bei 40 Prozent der

Firmen der Stab in der eigenen Familie

weitergereicht wird.

Dresden. Sachsen will Unternehmen

des Landes stärker beim Aufbau von

Hightech-Fertigungsverfahren unterstützen.

Laut Wirtschaftsminister Martin

Dulig (SPD) stehen hierfür bis zu 70

Millionen Euro bereit. Mit diesem Geld

soll vor allem kleineren Firmen geholfen

werden, denen das Risiko bislang

zu groß ist. Dadurch jedoch, so Dulig,

blieben neue, technisch machbare Verfahren

noch zu oft im Versuchsstadium

hängen. Um die Wettbewerbsfähigkeit

Sachsens zu erhalten, müsse sich

das ändern.

LIZENZ ERTEILT

Berlin. Das junge Berliner Finanzunternehmen

BillPay hat als erster deutscher

Anbieter von abgesicherten Bezahlmethoden

eine Lizenz der Bundesanstalt für

Finanzdienstleistungsaufsicht nach dem

Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG)

erhalten. Mit BillPay können Verbraucher

und Handelsunternehmen die Bezahlmethoden

Rechnungskauf und Lastschrift

sowie PayLater-Teilzahlung abwickeln.

Mit über fünf Millionen Kunden und

mehr als 5.000 Handelspartnern ist das

Unternehmen deutscher Marktführer im

Segment der Zahlungsdienste. Insbesondere

bei Käufen im Internet werden aufgrund

des Ausfall- und Betrugsrisikos immer

weniger Gelder direkt vom Kunden

an den Händler gezahlt, sondern über

Dienstleister, die dann die Bonitätsprüfung

und die Zahlungsabwicklung übernehmen.

Foto: K+S Aktiengesellschaft

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


W+M NACHRICHTEN | 9

Foto: Wolfgang Wehl/pixelio.de

OSTDEUTSCHE SPARMEISTER

Die Frauenkirche in Dresden.

SEHENSWERTES

SACHSEN

Frankfurt/Main. Laut einer Online-

Umfrage der Deutschen Zentrale

für Tourismus (DZT) zählt auch eine

Reihe von Destinationen in Sachsen

zu den 100 beliebtesten Sehenswürdigkeiten

in Deutschland.

Hierzu gehören die Frauenkirche

in Dresden (Platz 15), der Nationalpark

Sächsische Schweiz (19),

die Altstadt von Dresden (22), die

Semperoper Dresden (Platz 51),

der Zwinger Dresden (53), die Altstadt

von Görlitz (80), das Völkerschlachtdenkmal

Leipzig (70) und

der Kanupark Markkleeberg (88).

Zu den Top 10 gehören aus dem

Osten Deutschlands nur das Brandenburger

Tor (5) und die Relikte

der Berliner Mauer (9).

www.WundM.info

Berlin. Trotz der belastenden Niedrigzinsphase

zeigen sich die Sparkassen

in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen und Sachsen-Anhalt zufrieden

mit der Geschäftsentwicklung

im ersten Halbjahr 2015. Wie der Ostdeutsche

Sparkassenverband bei der

Vorstellung der Halbjahres-Ergebnisse

mitteilte, erwiesen sich die Ostdeutschen

2015 als echte Sparmeister.

Das Geldvermögen der Privatkunden

wuchs in den ersten sechs Monaten

um 3,3 Milliarden Euro auf 116,7

Milliarden Euro. Auch die Kreditnachfrage,

insbesondere seitens der Unternehmen,

nahm zu. Die 45 OSV-Mitgliedssparkassen

vergaben an Unternehmen

und Selbstständige neue Kredite

in Höhe von 2,2 Milliarden Euro,

318 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.

Mittelfristig erwarten die

ostdeutschen Sparkassen allerdings bei

einer weiter anhaltenden Niedrigzinssituation

spürbare Ertragseinbrüche.

MEHR RISIKO BEI ANLAGEN

Frankfurt/Main. Das niedrige Zinsniveau

verändert das Anlageverhalten

deutscher Unternehmen. Dies belegt

eine Studie der Fachhochschule des

Mittelstands in Bielefeld (FHM) in Kooperation

mit der Commerzbank. Um

eine gewünschte Mindestverzinsung

zu erreichen, sind Mittelständler demnach

wieder bereit, mehr ins Risiko zu

gehen. So würde jeder zehnte Befragte

für eine Rendite von drei Prozent sogar

starke Kursschwankungen in Kauf

nehmen. Trotz ihrer hohen Sicherheitsaffinität

sind Mittelständler für eine höhere

Rendite oder zur Vermeidung von

Negativzinsen auch bereit, ihr Geld länger

anzulegen. So werden bei der Anlage

von Liquidität mittlerweile Laufzeiten

von sechs Monaten bis zu einem

Jahr bevorzugt. Die Mehrheit der

Mittelständler rechnet damit, dass die

Zeit der niedrigen Zinsen noch andauern

wird. 57 Prozent der Befragten halten

einen Zeitraum von drei Jahren für

denkbar.

VERBAND GEGRÜNDET

Annaberg-Buchholz. 18 Vertreter und

Förderer der Kultur- und Kreativwirtschaft

hoben Mitte September den

Branchenverband Kultur- und Kreativwirtschaft

Erzgebirge e. V. aus der Taufe.

Besonders Vertreter aus Werbung

und Designwirtschaft wollen damit den

Besonderheiten der Region Rechnung

tragen. Zugleich streben sie die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit mit

Branchenunternehmen in Tschechien

an. Eingebunden in die Arbeit des neuen

Verbandes wird auch das regionaltypische

Kunsthandwerk.

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10 | W+M LÄNDERREPORT

Industrie 4.0 –

Chance oder Risiko?

Experten nennen es die vierte industrielle Revolution: Mit Industrie

4.0., der Digitalisierung von Maschinen und Komponenten, steht dem

deutschen Maschinenbau ein bedeutender Innovationsschub, aber

auch ein härterer Wettbewerb bevor. Von Matthias Salm

„Dafür spricht sowohl ihre führende Rolle

im globalen Maschinenbau und in der Automatisierung

als auch die Spitzenstellung

der deutschen Industrie in der Sensor- und

Messtechnik.“

Noch scheint Industrie 4.0 für viele

mittelständische Unternehmen

eher eine mit vielen Fragezeichen

verbundene Zukunftsvision darzustellen

als eine konkret planbare unternehmerische

Realität. Eine aktuelle Umfrage der

Commerzbank unter Führungskräften der

mittelständischen Wirtschaft legt die vorhandene

Unsicherheit hinsichtlich der Bedeutung

von Industrie 4.0 offen. Mit dem

großen Schlagwort Industrie 4.0 verbinden

derzeit nur 19 Prozent der Unternehmen

Chancen, heißt es in der Studie. Dies

bestätigt auch Reinhard Pätz, Geschäftsführer

des Verbandes Deutscher Maschinen-

und Anlagenbau (VDMA) Ost: „Noch

nicht alle Unternehmen sehen einen konkreten

Nutzen oder Möglichkeiten der eigenen

Umsetzung.“

Dabei ist sicher: Die vierte industrielle

Revolution wird die Produktion nachhaltig

verändern. Maschinen und Produkte

werden künftig mit eigenen Internetadressen

ausgestattet und konsequent mittels

Informations- und Kommunikationstechnologien

vernetzt – von der Logistik

über Produktion und Marketing bis hin

zum Service.

Für den deutschen Maschinenbau eröffnet

die Digitalisierung neue Wachstumspotenziale.

Allerdings nur, wenn es ihm beispielsweise

zuvor gelingt, das Software-

Know-how auszubauen sowie die Produktion

stärker zu strukturieren. Zudem wird

Industrie 4.0 dem Maschinenbau Investitionen

abverlangen, die sich erst langfristig

amortisieren. „Dennoch fällt den deutschen

Maschinenbauern bei der Entwicklung

von Industrie 4.0 gemeinsam mit der

IT-Branche eine Schlüsselrolle zu“, erklärt

Thomas Enck, Co-Autor des Branchenreports

Maschinenbau der Commerzbank.

Die ersten Vorboten der neuen Produktionswelt

sind auch in Ostdeutschland

längst im Einsatz. „In Zusammenarbeit

mit den exzellenten Forschungseinrichtungen

in den ostdeutschen Bundesländern

und Berlin sind schon ganz konkrete

Lösungen für die industrielle Praxis entwickelt

worden“, weiß VDMA-Ost-Geschäftsführer

Pätz. Bereits heute bestehen

laut Verband deutsche Maschinenbauprodukte

zu 30 Prozent aus Software

und Automatisierungstechnik.

Hochentwickelte Fertigungsanlagen arbeiten

bereits nahezu vollautomatisch. „Noch

werden sie allerdings in der Regel über

Zentralrechner gesteuert und reagieren

relativ unflexibel auf Änderungsbedarf“,

so Commerzbank-Branchenexperte Enck.

Künftige 4.0-Systeme seien mit dezentraler

Intelligenz ausgestattet und werden

über Informationen in Echtzeit verfügen.

Sie können Korrekturbedarf eigenständig

Foto: Bosch

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


OSTDEUTSCHLAND | 11

Foto: W+M

erkennen und sich anpassen. Starre Produktionsprozesse

werden so flexibler. Die

vernetzte Maschine wird sich selbst dezentral

überwachen und ihre Wartung eigenständig

vorausschauend steuern.

„Für den Übergang zur Industrie 4.0 gilt es

für die Maschinenbauer gemeinsam mit

der Meß-, Sensorik- und IT-Branche, einen

neuen Industriestandard zu etablieren“,

fordert Enck. Daneben müssen maßgeschneiderte

Kundenlösungen und Unikate

künftig stärker durch standardisierte

und modularisierte Produktbaukästen

realisiert werden. ERP- und MES-Systeme

– also Unternehmens- und Produktionsplanungssysteme

– sind weiter zu integrieren.

Aktuell mangelt es dafür noch an einheitlichen

Standards für Kommunikation, Infrastruktur

und Smart-Devices. Zudem

sorgen sich Maschinenbauer und deren

Kunden, dass mit der zunehmenden Vernetzung

unberechtigte Dritte auf die Unternehmensdaten

zugreifen können. Auch

die Rahmenbedingungen müssen stimmen:

„Viele Grundlagen der Informationstechnologie

und Hardware sind bereits

vorhanden“, so Pätz. „Die Rahmenbedingungen

wie eine gut ausgebaute

Breitband-Infrastruktur oder die rechtlichen

Grundlagen für die Nutzung von ‚Big

Data‘ muss die Politik schaffen.“

Investitionen in Industrie 4.0 werden für

die Zukunft des deutschen Maschinenbaus

entscheidend sein. Sie müssen sowohl

Hightech- als auch Midtech-Produkte

entwickeln. Einerseits um ihre Position

in den Hauptmärkten zu sichern, andererseits

um an den stark wachsenden Emerging

Markets partizipieren zu können. „Unternehmen

des deutschen Maschinen- und

Anlagenbaus lassen die Vision Industrie 4.0

Wirklichkeit werden", ist sich Reinhard Pätz

sicher und denkt dabei an Unternehmen

wie die Trebing & Himstedt Prozessautomation

GmbH & Co. KG aus Schwerin oder

die N+P Informationssysteme GmbH aus

dem sächsischen Meerane.

Doch es drohen den Maschinenbauern

auch Gefahren für das eigene Geschäftsmodell.

Unternehmen, die das Thema Industrie

4.0 zu zögerlich angehen, werden

feststellen, dass ihre Produkte in einigen

Jahren nicht mehr den Ansprüchen

der sich vernetzenden Industrien gerecht

werden können, im schlimmsten Fall droht

gar das Aus am Markt. Die Digitalisierung

verschärft zudem den Wettbewerb durch

bisher Branchenfremde. Google zum Beispiel

investiert bereits vermehrt in industrielle

Bereiche wie autonome Fahrzeuge,

Robotik oder Gebäudetechnik. W+M

DIGITALISIERUNG UMFASSEND PLANEN

Holger Werner ist Bereichsvorstand Corporate Banking &

Mittelstandsbank Ost der Commerzbank AG. W+M sprach mit

ihm über die Finanzierung von Investitionen in die Industrie 4.0.

W+M: Herr Werner, welche Rolle spielt

der Stand der Digitalisierung bei der Bewertung

eines Unternehmens durch die

Commerzbank?

Holger Werner: Das ist abhängig von

der Branche. Wichtig ist es, dass das

Unternehmen ein nachhaltiges und stabiles

Geschäftsmodell hat, daher ist es

zwingend erforderlich, dass das Thema

Digitalisierung umfassend durch das Management

beleuchtet wurde und dies in

der strategischen Planung Einfluss findet,

um im Wettbewerb bestehen zu können.

W+M: Die Digitalisierung wird auch die

Geschäftsmodelle von Unternehmen beeinflussen.

Wie bewerten Sie diesen Einfluss?

Holger Werner: Grundsätzlich ist der

Punkt sehr inhaltsschwer, weil die

Bandbreite der Betroffenheit beziehungsweise

des Einflusses sehr groß

ist – von der Optimierung der Arbeitsabläufe

über neue Produkte und die Erweiterung

des Geschäftsmodells bis hin

zum Wegfall von Geschäftsmodellen.

W+M: Was bedeutet dies für das Rating

eines Unternehmens?

Holger Werner: Ein Teil der Ratingbewertung

befasst sich mit den finanzwirtschaftlichen

Zahlen; wenn also ein Unternehmen

auch erfolgreich die Digitalisierung

über die gesamte Wertschöpfungskette

umsetzt und es somit auch

seine Marktstellung nachhaltig und stabil

steuern kann.

Daneben betrachten wir auch die weichen

Faktoren, die sich mit dem Geschäftsmodell

des Unternehmens als

auch mit seiner strategischen Zukunftsplanung

beschäftigen, wie etwa Fragestellungen

über Markt und Wettbewerb,

Lieferanten und Abnehmer.

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12 | W+M LÄNDERREPORT

Zum dichten Routennetz von Finnlines auf

der Ostsee gehören auch Verbindungen

zwischen Rostock und Finnland.

Viel Bewegung

auf dem Fährmarkt Ostsee

Die deutschen Fährhäfen an der Ostseeküste besitzen eine

Scharnierfunktion für die Güterverkehre zwischen Nord- und

Mitteleuropa. Welchen Weg die Fracht über die Ostsee nimmt,

entscheiden Frachttarife, Service und Fahrzeit. Ein verschärfter

Wettbewerb und veränderte Rahmenbedingungen setzen dem

Fährgeschäft zu. Von Thomas Schwandt

Nach Skandinavien führen viele

Wege, die meisten übers Wasser.

Zahlreiche Ostsee-Fährlinien verbinden

als schwimmende Brücken den

Norden Europas mit dem kontinentalen

Festland. Seit mehr als 100 Jahren pendeln

zum Beispiel Fährschiffe zwischen

Rostock und dem süddänischen Gedser

sowie auf der „Königslinie“ zwischen

Sassnitz auf Rügen und Trelleborg (Südschweden).

Die regelmäßigen Linienverkehre

bilden seit jeher eine verlässliche

Konstante für den Güter- und Warenaustausch

über die Ostsee und für die Urlauber-

und Touristenströme auf der europäischen

Nord-Süd-Achse.

Mit dem Wegfall der Grenzen in Ostdeutschland

vor 25 Jahren geriet das etablierte

Fährgeschäft in unruhiges Fahrwasser.

In der südlichen Ostsee verschärfte

sich unter den marktoffenen Bedingungen

der Wettbewerb. Die traditionell von Lübeck

aus gen Schweden operierende Fährreederei

TT-Line expandierte zum Beispiel

1992 nach Osten, nahm zwischen Rostock

und Trelleborg einen zusätzlichen Liniendienst

auf. Sechs Jahre später fusionierten

die Fährreedereien Scandlines Danmark

A/S und Deutsche Fährgesellschaft Ostsee

(DFO). Das deutsch-dänische Unternehmen

Scandlines avancierte zu einer der

größten Fährreedereien in der Ostsee. Mit

innerdänischen Routen und Liniendiensten

im Länderdreieck Dänemark, Deutschland

und Schweden. In den folgenden Jahren

wurde das Routennetz nach Finnland und

dem Baltikum erweitert.

Eine starke konjunkturelle Entwicklung zu

Beginn des neuen Jahrtausends in den

Anrainerstaaten, vor allem in Skandinavien,

Russland und dem Baltikum, bescherte

den Reedereien ein hohes Frachtaufkommen.

Zu einer Zäsur kam es in der

schweren Wirtschafts- und Finanzkrise

2008/09. Im Seehafen Rostock etwa,

dem größten Universalhafen an der deutschen

Ostseeküste, der nahezu zwei Drittel

seines Güterumschlags über Fähr- und

Roll-on/Roll-off-Verkehre generiert, brach

binnen eines Jahres das Frachtaufkommen

um 20 Prozent ein. Das hatte zur

Folge, dass die Fährreedereien zwischenzeitlich

die Fahrpläne ausdünnten und die

Einsätze ihrer Fährschiffe miteinander koordinierten.

Bei jeder Überfahrt war die

Hoffnung mit an Bord, das wirtschaftliche

Umfeld möge sich alsbald wieder

aufhellen.

In den zurückliegenden Jahren konnten

die meisten deutschen Ostsee-Fährhäfen

zwischen Kiel und Sassnitz wieder

spürbare Zuwächse bei Fracht und Passagieren

verbuchen. Rostock verzeichnete

im ersten Halbjahr 2015 auf seinen drei

Foto: Thomas Schwandt

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 13

Fähr- und drei Roll-on/Roll-off-Verbindungen

nach Dänemark, Schweden und Finnland

einen Anstieg bei transportierter rollender

Fracht um 13 Prozent auf 7,4 Millionen

Tonnen.

Mitnichten aber haben sich die Wogen

im Fährgeschäft geglättet. Seit Jahresbeginn

2015 geltende verschärfte Umweltauflagen

für die Nord- und Ostsee,

wonach der Schiffstreibstoff nur noch

0,1 Prozent Schwefel enthalten darf.

Diese haben die Reedereien vor ein Kostenproblem

gestellt. Marinegasöl erfüllt

zwar im Gegensatz zum bisher verwendeten

Schweröl das strenge Schwefellimit,

doch es ist deutlich teurer. Um circa

200 US-Dollar pro Tonne. Das löste

eine hektische Suche nach technologischen

Alternativen aus. Scandlines beispielsweise

entschied sich für einen batteriegestützten

Hybrid-Antrieb und rüstete

die Fähren um. Stena Line betreibt

eine ihrer zwei Fähren auf der Route Kiel–

Göteborg seit diesem Jahr mit Methanol

und die Lübecker TT-Line experimentiert

auf einem Schiff ihrer Flotte mit einem

Scrubber, der den Schwefel aus den Abgasen

abscheidet. Befürchtungen kamen

auf, dass sich durch höhere Frachttarife

die Ladungsströme von See auf parallele

Lkw-Verkehre verlagern könnten. Wider

Erwarten drehte sich in diesem Jahr der

Wind auf dem Ölmarkt, das Marinegasöl

verbilligte sich und minderte den Kostendruck.

So geht Ron Gerlach, Routenmanager

bei Stena Line, davon aus, „dass

trotz des Schwefellimits das Frachtvolumen

in diesem Jahr ein gleichhohes Niveau

wie 2014 erreicht“. Im Vorjahr legte

Stena auf der Linie Rostock–Trelleborg

bei Cargo um sechs Prozent zu.

DEUTSCHE OSTSEE-FÄHRLINIEN

Rostock–Gedser (Dänemark)

Rostock–Trelleborg (Schweden)

Rostock–Hanko (Finnland)

Sassnitz–Trelleborg (Schweden)

Puttgarden–Rødby (Dänemark)

Kiel–Göteborg (Schweden)

Kiel–Klaipeda (Litauen)

Travemünde–Trelleborg (Schweden)

Travemünde–Malmö (Schweden)

Insgesamt nähert sich der Frachtverkehr

im Ostseeraum dem Vorkrisenniveau nur

langsam wieder an. Zuletzt wurde er heftig

gebremst durch die wirtschaftspolitischen

Sanktionen gegenüber Russland

und die anhaltende Krisensituation in einigen

südeuropäischen Ländern. Dadurch

geriet der Frachtmarkt extrem in Bewegung.

Güterströme suchen sich kurzfristig

den kostengünstigsten Weg über die

Ostsee. Elektronische Buchungssysteme,

durchgängige Logistikketten und

ein großes Angebot an modernen Fährschiffen

bieten den Befrachtern und

Speditionen vielfältige Transportlösungen.

Die Fährreedereien reagieren unter

anderem mit flexiblen Liniendiensten.

So hat die Reederei Finnlines ein dichtes

Netz von Routen aufgezogen, die je

nach Frachtaufkommen mit multifunktionalen

Schiffen bedient werden. TT-Line

offeriert den Kunden im Dreieck Travemünde–Rostock–Trelleborg

einen auf

präferierte Fahrzeiten und Transportbedarfe

zugeschnittenen Fahrplan. Stena

Line hingegen hat sich auf der „Königslinie“

zwischen Sassnitz und Trelleborg

der Marktlage gebeugt. Vor einem Jahr

nahm die schwedische Reederei mit der

„Trelleborg“ eines ihrer zwei Fährschiffe

auf der Destination dauerhaft aus

dem Dienst. Ein Grund dafür ist auch

die wachsende Konkurrenz des benachbarten

polnischen Hafens Świnoujście

(Swinemünde), von wo ebenfalls Fährlinien

nach Trelleborg abgehen. Diesem

Trend folgend hat TT-Line ein weiteres

Mal ihren Aktionsradius gen Osten ausgedehnt

und eröffnete zu Jahresbeginn

2014 von Świnoujście aus einen eigenen

Trelleborg-Dienst.

Das einst zu den größten Fährreedereien

zählende Schifffahrtsunternehmen Scandlines

passte sich in jüngster Vergangenheit

in seiner Firmenstruktur dem harten

Wettbewerb auf der Ostsee an. Etliche

Linien und Fährschiffe wurden verkauft.

Heutzutage beschränkt sich Scandlines

auf die Kurzstrecken Puttgarden–Rødby

(Dänemark), Rostock–Gedser (Dänemark)

und Helsingør (Dänemark)–Helsingborg

(Schweden). Als einzige Fährreederei hat

Scandlines zuletzt jedoch in den Neubau

von Fährschiffen investiert. Ab diesem

Herbst soll zunächst die neue „Berlin“

und zwei Monate später die typgleiche

„Copenhagen“ auf der Gedser-Linie eingesetzt

werden. Sie lösen die alten Schiffe

ab, mit den neuen verdoppelt sich die

bisherige Fracht- und Passagierkapazität

auf der Route von Rostock. W+M

Foto: Thomas Schwandt

Die Scandlines-Fähre „Kronprins Frederik“ verkehrt auf der Route Rostock–Gedser und soll demnächst durch einen Neubau ersetzt werden.

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14 | W+M LÄNDERREPORT SACHSEN

EXKLUSIVE BUCHKUNST

Robert Müller führt in Gerichshain bei Leipzig eine Buchbinderei,

die ihre handwerklich gearbeiteten Kleinodien selbst an den

Buckingham-Palast liefert. Von Harald Lachmann

Das sei schon „mehr als ein Buch“,

eher ein „außergewöhnliches und

ambitioniertes Projekt, was aber

schon zu uns passt“, schwärmte FC-Bayern-Chef

Karl-Heinz Rummenigge, als er

den Band in der Hand hielt. Gemeint war

die Chronik, die ihm eine sächsische Buchbinderei

zum 111-jährigem Vereinsjubiläum

fertigte: 70 Zentimeter hoch, 552 Seiten

stark, 30 Kilogramm schwer und stolze

2.999 Euro teuer. „Und jedes einzelne

der 4.111 Exemplare entstand per Hand,

ist ein Unikat“, betont Robert Müller, der

geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens

in Gerichshain.

Angesichts dieser Dimensionen steckten

hier auch zwei Jahre Entwicklungszeit drin,

so der 49-Jährige. Zugute kam ihm dabei,

dass er sein Fach noch zu DDR-Zeiten im

historischen Leipziger Handwerk erlernte.

So griff er für die FC-Bayern-Chronik

auf eine uralte Bibelbindetechnik zurück,

wie sie kaum noch einer beherrscht. Eine

Augenweide

bildet allein

der Einband:

Die Holzdecke

besteht

aus mahagonifarben gebeiztem Birkenholz,

der Buchrücken ist mit Rindsleder

verkleidet.

Natürlich sei solch ein Auftrag eine Sternstunde,

gesteht Müller. Doch solche gibt

es inzwischen einige für die Sachsen. Stolz

zeigt er etwa ein Muster eines ähnlich majestätischen

Wälzers, den die italienische

Nobelwagenschmiede Bugatti zum 75.

Geburtstag von VW-Manager Ferdinand

Piëch in Gerichshain fertigen ließ. Dabei

handelt es sich ebenso um ein erlesenes

Einzelexemplar wie bei einem dicken Brevier,

in dem inzwischen Britanniens Königin

Elisabeth II. blättert: Es vereint Fotos

der teuersten Diamanten der Welt.

Die Aufträge kämen meist über Agenturen,

teils auch anspruchsvolle Druckereien,

erzählt Müller. Mit ihrer hohen Qualität

hätten sie sich halt einen Namen gemacht

– zugleich aber auch mit ihrer Schlagkraft.

Denn handwerklich fitte Buchbinder gebe

es sicher hier und da noch einen, meist

wirkten diese aber in kleinen Manufakturen,

also ohne den Background einer potenten

Industriebinderei mit dutzenden Beschäftigten.

Geschäftsführer Robert Müller

Mithin bewältigen die Sachsen einen Spagat,

wie man ihn in ihrem Metier kaum

noch findet: hier atemberaubende Handwerkskunst,

dort Industriepower auf

6.500 Quadratmetern Hallenfläche. „Wir

können am Tag bis 200.000 Zeitschriften,

Kataloge oder Broschüren sowie 20.000

Bücher binden“, so der Geschäftsführer.

Aber selbst in diesem Volumengeschäft

beweist sich das Familienunternehmen –

Bruder Felix ist Technischer Leiter – noch

mit exklusivem Können. So fasst man

halt auch die weltweit kleinsten industriell

gebundenen Bücher zwischen zierliche

Buchdeckel – etwa die 50 mal 62 Millimeter

winzigen Miniaturbücher, die schon

lange vor 1990 in Leipzig entstanden. Quasi

unsterblich machte sich die Firma auch

durch die Minibibliothek des BuchVerlages

für die Frau: Deren pittoreske Back-, Garten-

oder Brauchtumsbüchlein im Format

62 mal 95 Millimeter binden Müllers ebenso

seit Jahrzehnten. „Alles was knifflig ist,

kommt bis heute zu uns“, schmunzelt der

Chef. Und so gründete man für fingerfertige

Exklusivsachen auch noch eine eigene

Müller Buchmanufaktur. W+M

Schon seit DDR-Zeiten

werden durch die

Leipziger Buchbinderei

Müller – damals noch im

Rahmen einer Produktionsgenossenschaft

des

Handwerks (PGH) – die

berühmten Mini bücher

gefertigt.

Fotos: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


LÄNDERREPORT BRANDENBURG | 15

PASSGENAUE IMPFSTOFFE

Dagmar Köhler-Repp gründete nach dem Biologiestudium 2003

das RIPAC-LABOR. Inzwischen ist aus der Einzelunternehmerin die

Chefin eines modernen Diagnostik-Unternehmens in Potsdam-Golm

geworden – und Unternehmerin des Jahres. Von Dr. Ulrich Conrad

Am Anfang stand – nein, keine Garage,

sondern ein Labor im Keller.

Dagmar Köhler-Repp ließ sich von

ihrem Vater für den Gang in die Selbstständigkeit

begeistern, das Elternhaus

wurde ihr erster Firmenstandort. Heute

arbeitet sie mit über 20 Mitarbeitern und

eigener Forschungsabteilung im Technologiezentrum

GO:IN. Dieses befindet

sich in Sichtweite der Universität Potsdam,

neben dem Fraunhoferinstitut für

Zelltherapie und Immunologie und gegenüber

dem Max-Planck-Campus. Der

wirtschaftliche Erfolg hält an, und auch

die gesellschaftliche Anerkennung blieb

nicht aus: 2014 wurde die 40-Jährige als

Unternehmerin des Jahres im Land Brandenburg

ausgezeichnet.

14.000 Liter Impfstoff verlassen pro Jahr

das RIPAC-LABOR, Tendenz steigend.

Geimpft werden Geflügel, Schweine,

Rinder – kleine Landwirtschaftsbetriebe

sind ebenso Kunden wie große Tierzuchtunternehmen.

Die Impfungen zur Anregung

der körpereigenen Abwehrstoffe

werden sowohl zur Prophylaxe als auch

bei notwendiger Therapie erkrankter Tiere

eingesetzt. Aus der Nische hat sich

das Potsdamer Biotechnologieunternehmen

herausgearbeitet, die Leidenschaft

für das Neue ist geblieben. „Wir waren

Vorreiter beim Einsatz eines hochmodernen

Massenspektrometrie-Gerätes in der

Diagnostik, mit dem wir innerhalb von Sekunden

wissen, welche Bakterien in der

Probe enthalten sind“, erläutert Dagmar

Köhler-Repp. „Die Tests dauerten vorher

zum Teil lange und erforderten zudem

jahrelange Erfahrung des Mikrobiologen.“

Die Mitarbeiter sind Fachleute auf

verschiedenen Gebieten – Veterinärmediziner,

Biologen, Biochemiker, Medizinische,

Veterinärmedizinische oder Biotechnologische

Assistenten, Agrarwissenschaftler,

sieben von ihnen promoviert.

Ein hochkarätiges Team, das den

Austausch mit Wissenschaftlern auf dem

Campus pflegt und die eigenen Kompetenzen

einbringt. „In diesem Klima entstehen

neue Ideen und Kontakte, die für

unsere Entwicklung wertvoll sind“, so

Dagmar Köhler-Repp.

Seit 2014 wird ein umfangreiches Forschungsprojekt

mit Fördermitteln des

Bundesforschungsministeriums umgesetzt.

Der Markt ist riesig, nicht nur in

Deutschland. Im Juni gründete die Unternehmerin

mit einem polnischen Partner

ein Tochter-Labor im polnischen Zielona

Góra, die Tierproduktion im Nachbarland

bietet interessante Perspektiven. W+M

Foto: RIPAC-LABOR

Die Geschäftsidee, von ihrem

Vater mitentwickelt,

der als Leiter der Bakteriologie

im Landeslabor

das Problem genau kannte,

ist aktueller denn je.

„Der Antibiotikaeinsatz in

der Tierhaltung muss gesenkt

werden, dazu leisten

wir mit bestandsspezifischen

Impfstoffen einen

wichtigen Beitrag“,

erklärt die Unternehmerin.

„Rund 300 Proben erhalten

wir im Monat aus

Betrieben, bei denen die

Tierärzte eine bakterielle

Infektion vermuten. Die

Analyse zeigt, ob und welche

pathogenen Bakterien

vorhanden sind. Auf dieser

Basis stellen wir dann

die jeweils passgenauen

Impfstoffe zur Immunisierung

der Tierbestände

her.“

Dagmar Köhler-Repp mit ihrem Mitarbeiter Dr. Martin Metzner im Labor.

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16 | W+M LÄNDERREPORT

Verladung von „Transition Pieces“ im

Industriehafen Lubmin.

INVESTITIONS- UND

PRODUKTIONSSTANDORT

MIT MARITIMER KOMPETENZ

Vorpommern, die nordöstliche und

sonnenreichste Region Deutschlands,

bietet nicht nur die Ostsee

vor der Haustür, sondern auch hervorragende

wirtschaftliche Bedingungen.

Nahe den Großräumen Hamburg

und Berlin gelegen, verfügt der Standort

mit seinen ausgebauten und modernisierten

Ostseehäfen, die über die Küstenautobahn

A20 und das Schienennetz

gut erreichbar sind, über ideale Standortvorteile.

Die zentrale Lage im Ostseeraum,

attraktive und günstige Industrieund

Gewerbeflächen, hohe Fördersätze

von bis zu 40 Prozent der Investitionskosten,

niedrige Gewerbesteuer-Hebesätze,

schnelle Genehmigungsverfahren sowie

einmalig schöne Wohn- und Lebensbedingungen

– das sind nur einige Faktoren

mit denen Vorpommern beeindruckt. Mit

diesen Argumenten wirbt Rolf Kammann,

Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern, für eine Ansiedlung

in der Region.

Durch vorausschauende Investitionen in

die Infrastruktur hat das Land Mecklenburg-Vorpommern

optimale Bedingungen

für die Ansiedlung von Unternehmen geschaffen.

Voll erschlossene Industrie- und

Gewerbeflächen in unmittelbarer Hafennähe

stehen Investoren zur Verfügung

und bieten Unternehmen hervorragende

Voraussetzungen, um sich als Logistik-,

Produktions- und Servicestützpunkte

zu etablieren. Vor allem der Energie- und

Technologiestandort Lubminer Heide bietet

ideale Bedingungen für großflächige

Ansiedlungen.

„Die EWN GmbH hat in den letzten Jahren

im Rahmen ihrer Aufgabe bei der

Realisierung der Demontage und Rückbauarbeiten

der Kernkraftwerksblöcke

in Lubmin größere Flächen beräumt und

entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen

aus dem atomrechtlichen Bereich

entwidmet. Diese Flächen wurden

gemeinsam mit den umliegenden Kommunen

für eine industrielle Nachnutzung

vorbereitet. In den letzten Jahren ist es

gelungen, eine Reihe von neuen Firmen

anzusiedeln und damit auch neue, dringend

benötigte industrielle Arbeitsplätze

zu schaffen. Der Energie- und Technologiestandort

Lubminer Heide bietet

mit dem Industriehafen und dem Bahnanschluss

sowie allen notwendigen infrastrukturellen

Voraussetzungen beste

Bedingungen für die Ansiedlung von

neuen Investoren“, so Jürgen Ramthun,

Geschäftsführer der Energiewerke Nord

GmbH (EWN).

Foto: Energiewerke Nord GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 17

Der Standort Lubmin ist vor allem durch

seine Trimodalität attraktiv. Investoren

steht die Wahl der Logistik- und Transportmöglichkeiten

zwischen Wasserstraße,

Schiene und Straße frei, weiß

der Zweckverband Energie- und Technologiestandort

Freesendorf. Die wasserseitige

Anbindung über den direkt angrenzenden

Industriehafen Lubmin öffnet

den Weg für Seeschiffe bis 6,10 Meter

Tiefgang in den Ostseeraum, bietet aber

gleichzeitig auch einen Anlaufpunkt für

den Binnenschiffsverkehr. Zusätzlich verfügt

der Standort über einen circa 2,8 Kilometer

langen Gleisanschluss, welcher

im Hafen und parallel zu fünf der vorhandenen

sechs Liegeplätze verläuft. Weiterhin

überzeugt der Industrie- und Technologiestandort

Lubminer Heide durch

mögliche Synergien mit bereits angesiedelten

Unternehmen, beispielsweise in

Produktion, Transport oder angewandter

Forschung. Mit der Gasanlandestation

der GASCADE Gastransport GmbH

INFOS FÜR INVESTOREN

Zentrale Anlaufstelle für Investoren in

Vorpommern ist die Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern mbH. Neben

der Informationsermittlung für das Ansiedlungsvorhaben,

der Objektrecherche

und Standortberatung vermittelt

die Gesellschaft Kontakte zu relevanten

Partnern und Akteuren in der Region

sowie Entscheidungsträgern.

Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern mbH

Karl Kuba

Brandteichstraße 20

17489 Greifswald

Tel.: 03834 550606

kuba@invest-in-vorpommern.de

www.invest-in-vorpommern.de

wird die Schnittstelle zwischen der Offshore-Pipeline

Nord Stream und den beiden

Anschlussleitungen OPAL und NEL

gebildet. Auch diese Station befindet sich

in unmittelbarer Nähe.

Diese Standortvorteile haben viele erfolgreich

agierende Unternehmen in Lubmin

für sich entdeckt. So nutzt Liebherr die

Turbinenhalle des ehemaligen Kraftwerkes,

um gewaltige Kranausleger für den

maritimen Einsatz zu produzieren. Die Firma

Lubminer Korrosionsschutz GmbH,

welche zur Krebs-Gruppe zählt, reinigt

und beschichtet am Standort große Stahlbauteile.

Die Deutsche Ölwerke Lubmin GmbH

ist ein international tätiges, mittelständisches

Unternehmen, das hochwertige

Schmierstoffe für die Industrie entwickelt,

produziert und vertreibt. Die Firma

hat im Jahr 2013 mit der Produktion

von Motorenölen am Standort begonnen

und erweitert sich ständig.


Karl Kuba

Energie, Technologie & Meer

auf Deutschlands Sonnendeck

Fotos: Janin Rieckert · EWN | made by WERK3.de

Energie- und Technologiestandort Lubminer Heide

Idealer Standort für energie- und flächenintensive Vorhaben

Hoher Anteil regenerativ erzeugter Energie

Schnelle Anbindung an A 20, Schiene und Wasserstraßennetz

Attraktive Förderkulisse für Investitionen

Lebensqualität eines beliebten Urlaubslandes

www.invest-in-vorpommern.de


18 | W+M LÄNDERREPORT BRANDENBURG

Das bislang größte Blockheizkraftwerk hat

EWE 2013 im Brandenburgischen Viertel in

Eberswalde installiert.

REGIONAL VERANKERT

Der klassische Gasversorger EWE mit seiner regionalen Ausrichtung

im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und Mecklenburg-

Vorpommern hat sich immer stärker zu einem innovativen

Dienstleister in den Geschäftsbereichen Energie, Telekommunikation

und Informationstechnologie entwickelt. Von Frank Nehring

Vorstandsvorsitzender der EWE Dr. Werner Brinker (l.) und

Dr. Ulrich Müller, Leiter der Geschäftsregion Brandenburg/Rügen.

Der Konzern verzeichnete ein operatives

EBIT (EBIT steht für earnings

before interest and taxes) von

425,4 Millionen Euro (Vorjahr: 497,9 Millionen

Euro) und einen Umsatz von 8,1 Milliarden

Euro (Vorjahr: 8,9 Milliarden Euro).

Mit Programmen zur Verbesserung der Ertragskraft

und Wettbewerbsfähigkeit ist es

dem Unternehmen nach eigenen Aussagen

gelungen, die negativen Ergebniseffekte

vor allem aufgrund der milden Witterung

im letzten Winter abzufedern. Zudem

trage der frühzeitige Einstieg in neue

Geschäftsfelder Früchte und damit ebenfalls

zur Stabilisierung bei. Man blicke daher

zuversichtlich auf die nächsten Jahre:

„EWE nutzt als erster Konzern in Deutschland

konsequent das gemeinsame Potenzial

von Energie, Telekommunikation und

Informationstechnologie und hat damit die

Basis für eine erfolgreiche Zukunft gelegt“,

so der scheidende Vorstandsvorsitzende

der EWE Dr. Werner Brinker. Nach seiner

Aussage erwirtschaften schon heute die

Dienstleistungen neben der reinen Gasund

Stromversorgung rund ein Drittel des

EBIT. In zehn Jahren sollen es fast 50 Prozent

sein. „Als regional verankertes Unternehmen

übernehmen wir aber auch weiterhin

Verantwortung für die Energiewende

vor Ort“, so Brinker.

Ein erstes Windparkprojekt, das gemeinsam

mit Landwirten und Kommune in

Brandenburg in der Gemeinde Breydin im

Brandenburger Landkreis Barnim entwickelt

wird, soll 2017 in

Betrieb gehen.

Da die Energiewende

aus EWE-Sicht nur im

Zusammenspiel von

Strom- und Wärmewende

funktionieren kann,

wird im Rahmen eines

Forschungsvorhabens

des Geoforschungszentrums

Potsdam gemeinsam

mit der Stadt

Eberswalde und drei

Brandenburger Hochschulen nach neuen

Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung

in Innenstädten gesucht.

Ein weiteres Beispiel für eine zukunftsfähige

Wärmeversorgung ist die Installation

von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, bei

denen gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt

werden. So ging im letzten Herbst im

Hotel Esplanade in Bad Saarow eine Anlage

ans Netz, die zudem noch Kälte erzeugt.

In Sellin auf der Insel Rügen hat EWE im

Juni eine weitere Anlage in den Probebetrieb

genommen.

Brinker unterstrich in diesem Zusammenhang

die Entwicklung des Unternehmens

in den ostdeutschen Bundesländern: „Seit

1990 haben wir die energetische Basis

Ostbrandenburgs und der Insel Rügen entscheidend

verbessert. Wir sind in 25 Jahren

einer der leistungsstärksten Energiedienstleister

und Gasnetzbetreiber in der Region

geworden.“ Der Konzern bringe Beschäftigung,

Wertschöpfung sowie Einkommen

und engagiere sich für die zukunftsfähige

Energieversorgung in der Region.

Für Dr. Ulrich Müller, den Leiter der EWE-

Geschäftsregion Brandenburg/Rügen,

heißt das konkret: „Zuverlässige Energieversorgung,

Entwicklung attraktiver und

moderner Dienstleistungen über die klassische

Versorgung mit Gas und Strom hinaus

und ein klares Bekenntnis zur Region.

Wir fühlen uns verantwortlich für die

Attraktivität der Region, hier liegen unsere

Netze, hier sind wir mit unserer Mannschaft

vor Ort und deshalb engagieren wir

uns auch in kulturellen und sportlichen Bereichen.

Nicht zuletzt sind wir alleiniger Organisator

von Jugend forscht in Ostbrandenburg.“

W+M

Fotos: EWE/Burkhardt (oben), W+M (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


LÄNDERREPORT SACHSEN-ANHALT | 19

EXOTEN AUF DEM ACKER

Biolandwirt Sven Gürth aus Thießen bei Wittenberg hat sich seltene

Nischen erschlossen: Er produziert historische Getreidesorten für

ökologische Müsli-Mischungen sowie glutenfreie Nahrungsmittel.

Doch hierzu muss er einen außergewöhnlichen technischen Aufwand

betreiben. Von Harald Lachmann

Selbst für erfahrene Agrarunternehmer

ist klar: Auf jedem Acker

wächst nur eine Feldfrucht:

Weizen, Raps, Kartoffeln, … Nicht

so jedoch bei Sven Gürth in Thießen.

Da stehen auf einen Schlag

gleich einmal zwei Pflanzenarten –

etwa Nackthafer und Goldlein. Und

auf einem anderen sogar drei: Leindotter,

Lupine und wieder Nackthafer.

Die verdutzten Blicke kennt

der 49-jährige Biolandwirt, klärt

aber gern auf: Das sei vor allem

eine Frage der Effizienz. Denn für

jene Vollkornmüsli-Mischung, die

er für ein Kreuzfahrtschiff produziert,

benötigt er im Grunde zu wenig

Nackthafer, um dafür die komplette

Feldbaukette in Gang zu setzen.

Also sät er jene zwei oder drei

Kulturen gleich in einem Arbeitsgang

– und er erntet sie auch in

einem Zug.

für Werkzeugmaschinenbau. Doch weil

seinerzeit keiner im Osten einen jungen

Foto: Harald Lachmann

Technisch sei das kein Problem,

versichert Gürth. Hans-Jörg Stolze,

ein befreundeter Lohnunternehmer

aus Brandenburg, der ihm den

Drusch besorgt, müsse dazu nur

eben den Mähdrescher entsprechend fein

einstellen, damit auch etwa die sehr kleinen

Körner des Leindotters nicht verloren

gehen. Die große Kunst beginnt für Gürth

jedoch nun in diesen Wochen, wenn er das

durcheinander gewürfelte Erntegut aufwändig

wieder trennen muss. Hierzu baute

er sich auf seinem Vierseithof neben einer

biologischen Schweinemast noch eine

hochleistungsfähige Getreidereinigung auf.

Sie bildet praktisch das Herzstück seiner

„Exotenproduktion“, wie er berichtet.

Zugute kam ihm dabei seine ursprüngliche

Ausbildung als diplomierter Ingenieur

Biolandwirt Sven Gürth (l.) mit Sohn Marlon und dem Lohnunternehmer Hans-Jörg Stolze.

Ingenieur brauchte, verdingte er sich 1992

bei einer Versicherung, spezialisierte sich

auf agrarische Bereiche – und landete so

schließlich ganz in dieser Branche.

Besonders augenscheinlich werden

Gürths maschinentechnische Fähigkeiten

dabei an einer raffiniert eingestellten

Siebreinigungsanlage. Laut ratternd puzzeln

hier nun diverse Gebläse, Siebe und

Trieure zunächst den Feldschmutz aus

dem Erntegut und danach die verschiedenen

Körner auseinander. In der Regel

sind pro Feldpflanze drei Trennvorgänge

nötig, ehe sie sortenrein sei, erläutert er.

Gleichwohl es erstaunt, wie sauber damit

etwa Lupine, Nackthafer und Leindotter

auseinanderklamüsert werden, räumt

der Agrarunternehmer ein: „Man kann

nur mischen, was sich auch wieder trennen

lässt – etwa Früchte mit langen und

kurzen beziehungsweise kleinen und großen

Körnern.“ Bei zwei Getreidesorten

mit ähnlich geformten Korngrößen stoße

man also an seine Grenzen. Zwar sei

auch da manches noch möglich, doch die

Investition in spezielle Technik übersteige

dann leicht den Gewinn. Gerade im Osten

müsse man als Bioproduzent genau

kalkulieren, was sich lohne.

Dennoch ist es eine beachtliche Vielfalt

an biologischen Getreide-, Öl- und Futterkulturen,

die sich in seinem Betrieb

versammelt. Manch eine hat man bisher

kaum gehört, etwa Schwarzen Emer, Einkorn

oder Johanniroggen. Doch all jene

historischen Getreidesorten erleben nun

wieder eine Renaissance, seit glutenfreie

Nahrungsmittel stärker nachgefragt werden.

So liefert sie der clevere Anhalter

etwa an spezialisierte Naturkornmühlen.


W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


20 | W+M SERIE

THÜRINGEN STELLT

94 MARKTFÜHRER

Nach dem Zusammenbruch der nicht wettbewerbsfähigen

Wirtschaftsstrukturen aus DDR-

Zeiten verlief der wirtschaftliche Entwicklungsprozess

in Thüringen – ähnlich wie in den

anderen ostdeutschen Ländern auch – ab

1990 in drei Phasen. Von Karsten Hintzmann

Auf den massiven Einbruch folgte

bis Mitte der 1990er Jahre ein dynamischer

Aufholprozess, der vor

allem durch starke Investitionen im Baubereich

getragen wurde. Durch den desolaten

Zustand der öffentlichen Infrastruktur

und der Wohngebäude gab es einen

erheblichen Investitionsbedarf. Stimuliert

wurde die Nachfrage nach Bauleistungen

neben den hohen öffentlichen Investitionen

durch umfangreiche staatliche Anreize

wie Investitionszulagen und Sonderabschreibungen.

Der Bausektor trug 1995 mit 16,2 Prozent

deutlich mehr zur gesamten Thüringer

Wertschöpfung bei als das verarbeitende

Gewerbe, das sich zunächst nur

langsam erholte. An diesen Bauboom

schloss sich eine rund zehn Jahre anhaltende

Phase an, die einerseits durch eine

stetige Schrumpfung des überdimensionierten

Bausektors und andererseits

durch das dynamische Wachstum des

verarbeitenden Gewerbes gekennzeichnet

war. Durch die gegenläufigen Entwicklungen

in den beiden Sektoren verlangsamte

sich der gesamtwirtschaftliche

Angleichungsprozess erheblich. Auch

die Arbeitslosigkeit stagnierte auf hohem

Niveau. Der Aufholprozess war zunächst

zum Erliegen gekommen. Im mittelfristigen

Vergleich zum Jahr 2005 blieb das

Wirtschaftswachstum in Thüringen und

ganz Ostdeutschland hinter dem in Westdeutschland

zurück. Kapitalintensität,

Produktivität und Löhne pendelten sich

in den neuen Ländern bei 70 bis 80 Prozent

des Bundesdurchschnitts ein.

Diese Werte haben

sich seither zwar nicht

grundsätzlich verändert,

jedoch sind inzwischen

auch in Thüringen

eine neue Dynamik

und ein spürbar

stärkeres wirtschaftliches

Engagement zu

verzeichnen. Der Freistaat

gehört heute zu

den Wachstumszentren

in Deutschland.

Die zahlreichen neuen

wirtschaftspolitischen Initiativen machen

sich zunehmend bemerkbar. So haben das

Thüringer Wirtschaftsministerium und die

Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen

(LEG) eine breite Angebotspalette in

den Bereichen Fachkräftesicherung, Energie,

Wirtschaftsförderung, Tourismus und

Infrastruktur entwickelt. Es wurden Kompetenzzentren

gegründet, klare Ziele formuliert

und passende Förderpfade aufgezeigt.

Die Zwischenbilanz kann sich sehen

lassen: Bei Wachstum und Beschäftigung

ist Thüringen der Primus unter den

ostdeutschen Bundesländern. Zwar hatte

auch die Thüringer Wirtschaft zuletzt mit

den anhaltenden Problemen in der Euro-

Zone, in der Solarbranche und beim Kfz-

Absatz zu kämpfen. Zuvor war sie jedoch

mit 3,1 Prozent überdurchschnittlich gewachsen.

Und auch die aktuellen Aussichten

sind erfolgversprechend.

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung

im Freistaat ist und bleibt die Industrie.

Mit einem Anteil von knapp 24

Im Eisenacher Opel-Werk läuft der Kleinwagen ADAM vom Band.

Prozent an der Bruttowertschöpfung hat

das verarbeitende Gewerbe für den Wohlstand

in Thüringen eine höhere Bedeutung,

als es im bundesdeutschen Durchschnitt

der Fall ist. Bei der Betriebsdichte

erreicht Thüringen mit rund 40 Industriebetrieben

je 100.000 Einwohner im

Ländervergleich den Spitzenplatz – noch

vor Baden-Württemberg, Bayern und

Sachsen.

Einen wesentlichen Anteil an der positiven

Entwicklung in den letzten Jahren haben

die Netzwerke und Cluster. Das neu gegründete

Thüringer Cluster-Management

leistet hier in puncto Organisation und Koordination

wichtige Unterstützung. Dies

gilt gerade mit Blick auf die Entwicklung

der insgesamt elf hochwertschöpfenden

Thüringer Wachstumsfelder, zu denen unter

anderem die Bereiche Optik, Automotive,

Life Sciences, Logistik und Maschinenbau

zählen. Um die vorhandenen Potenziale

in diesen Wachstumskernen so

auszuprägen, dass noch mehr Thüringer

Foto: Adam Opel AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


THÜRINGEN | 21

Firmen mit ihren Produkten auf internationalen

Märkten konkurrenzfähig werden,

gründeten das Wirtschaftsministerium

und die LEG Thüringen die Initiative

„Stark am Markt“. Inzwischen gelten laut

einer LEG-Studie 94 Thüringer Unternehmen

als Markt- und Technologieführer, darunter

32 Weltmarktführer und 62 Marktführer

in Europa.

pa und mitten in Deutschland gelegen, ist

der Freistaat eine der gefragtesten Anlaufstellen

für führende Logistiker geworden.

Einen gewichtigen Anteil am wirtschaftlichen

Aufschwung im Land hat die LEG

Thüringen, die als One-Stop-Agency sowohl

heimischen Firmen als auch ansiedlungswilligen

Investoren dienstleistend

zur Seite steht. Zwischen 1995 und

2015 begleitete sie 992 Unternehmen bei

Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekten.

Dadurch entstanden im Freistaat 50.400

neue Arbeitsplätze. Die Investitionen beliefen

sich auf insgesamt neun Milliarden

Euro.

W+M

Wenn von Thüringen die Rede ist, müssen

auch Handwerk und Handel Erwähnung

finden. Beide Branchen gehören

zu den größten Arbeitgebern

im Land. In den knapp 32.000

Handwerksbetrieben arbeiten

rund 148.000 Beschäftigte.

Im stark mittelständisch geprägten

Handel stehen mehr als

92.000 Mitarbeiter in Lohn und

Brot.

THÜRINGENS WIRTSCHAFTSMINISTER SEIT 1990

Name

Amtsantritt

Hans-Jürgen Schultz (FDP)

08.11.1990

Jürgen Bohn (FDP)

31.10.1991

Franz Schuster (CDU)

30.11.1994

Jürgen Reinholz (CDU)

05.06.2003

Matthias Machnig (SPD)

04.11.2009

Foto: W+M

Inzwischen nutzt Thüringen

konsequent die Chancen seiner

zentralen Lage. Mitten in Euro-

Wolfgang Tiefensee ist seit Dezember

2014 Wirtschaftsminister in Thüringen.

Uwe Höhn (SPD)

Wolfgang Tiefensee (SPD)

18.12.2013

seit 05.12.2014

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22 | W+M SERIE

„Einiges ist schon richtig

auf die Füße gestellt worden“

W+M-Interview mit Thüringens Ministerpäsident Bodo Ramelow (DIE LINKE)

W+M: Herr Ministerpräsident, Sie sind

jetzt seit rund elf Monaten im Amt. Wie

fühlt sich für Sie die Tatsache an, als erster

Politiker der Linken Ministerpräsident

eines deutschen Bundeslandes zu sein?

Ist es für Sie Reiz oder Last und Bürde?

Bodo Ramelow: Das werde ich häufig

von außen gefragt. Mich bewegt das innerlich

überhaupt nicht. Für mich war

es ein Reiz, dieses Amt anzunehmen,

da es mir die Chance eröffnet hat, Dinge

umsetzen zu können, die ich ausprobieren

wollte, seit ich 1999 erstmals für

den Thüringer Landtag kandidierte. Jetzt

habe ich die Möglichkeit, selbst die Dinge

gestaltend zu verbessern.

W+M: Sind Sie in dieser Hinsicht schon

vorangekommen?

Bodo Ramelow: Ich denke, dass einiges

schon richtig auf die Füße gestellt

worden ist. Das sind vielleicht nicht

die spektakulären Highlights und auch

nicht das große ideologische Paket,

sondern es sind viele ganz praktische

Dinge, die abgearbeitet werden.

Ein paar Beispiele: In Sachen

Energiepolitik haben

wir alle wesentlichen

Akteure an einen

Tisch geholt und über

eine andere Form der

energiewirtschaftlichen

Konzeption beraten.

Unter der Fragestellung:

Was heißt es

eigentlich, den größten

kommunalen Energieversorger

Deutschlands

zu haben? Es

geht darum, zu all den

Akteuren einen guten Draht zu haben und

sie immer wieder zu motivieren, dass wir

gemeinsam die Umgestaltung nach dem

Prinzip Dezentral – Regional – Regenerativ

vorantreiben. Oder es hat viel Freude

gemacht, Volksbanken mit Dörfern in Verbindung

zu bringen, die eine Energiegenossenschaft

gründen wollten. Ich konnte

die Kontakte herstellen und wir helfen bei

derartigen Projekten dann über die Thüringer

Aufbaubank. Für die Rennsteigentwicklung

habe ich eine Ideenskizze in

die zuständigen Ministerien und an viele

gesellschaftliche Akteure gegeben und

auf einmal bekomme ich Unterstützung

aus vielen Ecken, auch von Herrn Trautvetter,

einem CDU-Minister der Anfangsjahre,

der zehn weitere praktische Hinweise

zu meinem Papier

hatte. Wir haben jetzt

eine neue Arbeitsstruktur

im Wirtschaftsministerium

geschaffen,

um diese Ideen

alle zu bündeln

und zu verstärken.

W+M: Bereits als langjähriger Oppositionsführer

im Thüringer Landtag haben

Sie die Entwicklung im Land begleitet

und mitgeprägt. Wie steht es heute, im

25. Jahr der deutschen Einheit, um die

Wirtschaft des Freistaates?

Bodo Ramelow: Die Deindustrialisierung

war ein schwerer Fehler und bestimmte

industrielle Kerne hätten besser

stabilisiert werden müssen. Am Beispiel

Bischofferode wurde das besonders

deutlich. Das kann ich einschätzen,

weil ich die vergangenen 25 Jahre komplett

dabei war und in viele dieser Konflikte

direkt involviert war. In Bischofferode

war ich es, der letztlich den Arbeitskampf

geschlichtet hat. Aber: Heute

stehe ich bei K+S und eröffne mit dem

Vorstand des Unternehmens das neue

Forschungszentrum und bin richtig positiv

berührt davon, wie viel Geld K+S in

die Forschung hier vor Ort bereits investiert

hat.

Aus heutiger Sicht sind wir gut aufgestellt

was die Grundsubstanz angeht.

Bei der letzten großen Wirtschaftskrise

sind unsere Unternehmen weniger in die

Knie gegangen als Betriebe in anderen

Ländern. Dadurch waren auch die kommunalen

Steuereinbrüche geringer, als

es manche Städte im Westen aushalten

mussten. Wir müssen uns aber im Klaren

darüber sein, dass das Level bei uns wesentlich

niedriger ist. Wir reden über ein

schmuckes Bundesland, das aber eigentlich

doch Provinz ist

und keine Metropolen

hat. Die Metropole,

die wir

Thüringens Ministerpräsident

Bodo Ramelow.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


THÜRINGEN | 23

abbilden, ist Thüringen als Ganzes. Und

das muss man als Ganzes entwickeln.

Vom Arbeitsmarkt her sind wir zurzeit

sehr stabil. Wir haben aktuell 5.000 unbesetzte

Ausbildungsplätze. Das ist ein

Indiz dafür, wie robust wir sind.

W+M: Wo sehen Sie auf wirtschaftlichem

Gebiet derzeit die größten Probleme?

Foto: Veldemann Photo Brussels

Bodo Ramelow: Unsere größte Herausforderung

ist der demografische Wandel.

Wir brauchen in den nächsten zehn Jahren

280.000 gut ausgebildete Facharbeiter.

Ein zweites Problem sind die zu hohen

Energiekosten, die mit der Architektur

der Netzentgelte zusammenhängen.

Es ist nicht fair, dass die hohen Investitionskosten

bei uns jetzt zu einer Belastung

werden. Ungünstig ist auch, dass

die Betriebsstruktur vieler Unternehmen

zu kleinteilig ist. Nehmen wir den Automotive-Bereich,

unseren größten industriellen

Wirtschaftsträger. Der hat die Tücke,

dass er in einer Sandwich-Position

steckt, in der er zermahlen wird – zwischen

den großen Automobilherstellern,

die harte Vorgaben machen, und der eigenen

Kleinteiligkeit, die keine Spielräume

mehr bietet. Wir haben ausgesprochen

leistungsfähige Betriebe, etwa MDC von

Mercedes-Benz in Kölleda oder Opel in

Eisenach. Aber am Ende sind sie doch leider

nur verlängerte Werkbänke, die zum

Teil auch nicht nachhaltig zum kommunalen

Steueraufkommen beitragen.

W+M: In diversen Berichten über die wirtschaftliche

Entwicklung wird immer wieder

auf den erheblichen Produktivitätsund

Investitionsrückstand speziell im produzierenden

Gewerbe hingewiesen. Wo

sehen Sie die Ursachen dafür?

Bodo Ramelow (l.) mit Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments.

Bodo Ramelow: Es war ein völlig anderes

Wirtschaftssystem, das vor 25 Jahren

abgewickelt wurde und zuvor ganz andere

Prioritäten gesetzt hatte. Wer damals ein

großer Wirtschaftsplayer war, hatte gleichzeitig

ein riesiges Ferienzentrum, Kantinen,

Krankenhaus, Sportförderung zu betreiben.

Selbst ein Teil der Orchester- und

Theaterlandschaft wurde von den Kombinatsstrukturen

mitfinanziert. Darauf konnte

man 1990 schlecht aufsetzen. Aber dadurch,

dass vorhandene industrielle Zentren

nicht zu neuen Konzernsitzen geführt

haben, fehlten wichtige wirtschaftliche

Impulse. In Thüringen gibt es heute nur

einen DAX-notierten großen Player. Das

macht deutlich, welche Schwierigkeiten

wir haben. So sehr ich dankbar bin, dass

wir Schott und ZEISS haben und sich Jena

prächtig entwickelt, aber es hat natürlich

nicht die Ausstrahlung, die man mit einem

Konzernsitz von Daimler oder VW hätte.

W+M: Worauf setzen Sie in Sachen Wirtschaftsentwicklung

besondere Hoffnungen?

Bodo Ramelow: Wir haben in Thüringen

auch weltweit agierende Player. Das sind

keine Riesen, sondern sie sind in ihrer

Wirkungsweise eher kleinteilig. Das ist

Chance und Nachteil zugleich. Aber ich

glaube, wir müssen die Chance stärker

betonen. Mir wird zu wenig darüber geredet,

welche erfolgreichen Marktführer

wir haben. Die meisten Leute wissen gar

nicht, dass etwa einige der teuersten Autos

der Welt bei Dagro in Gera mit hochwertigem

Leder ausgestattet werden.

Oder: Die teuersten Flügel der Welt erhalten

ihr Innenleben aus Meuselwitz.

W+M: Das Land wurde vor Ihrem Amtsantritt

im Dezember 2014 fast ein Vierteljahrhundert

von der CDU gelenkt. Was

machen Sie in Sachen Wirtschaftsförderung

anders als die Christdemokraten?

Bodo Ramelow: Zunächst einmal sehen

wir eines genauso wie die vorherigen Regierungen:

Unsere mittelständischen Betriebe

sind unsere Konzernzentralen der

Zukunft und unser Handwerk ist die Wirtschaftsmacht

von nebenan. Wir haben

Forschung, wir haben Wissenschaft, wir

haben Ilmenau, wir haben Bauhaus, wir

haben Jena – das sind einige unserer Hotspots.

Und um diese Hotspots muss sich

der Mittelstand entwickeln. Das fördern

wir ganz gezielt.

Es gibt allerdings auch Dinge, die wir

nicht fortsetzen: Beispielsweise fördern

wir keine Spaßbäder mehr. Die Zeit, als

man goldene Löffel verteilen konnte, ist

vorbei. Und auch die Zeit, als man mit der

Gießkanne Politik machen konnte, ist vorbei.

Wir sind viel zu klein, als dass jede

Region ihre eigene Hochschule und eigene

Forschung und Entwicklung fördern

könnte. Das geht nicht. Wir müssen Thüringen

als Ganzes präsentieren.

W+M: Nachgefragt: Gibt es nach einem

Jahr rot-rot-grüner Regierungsverantwortung

schon Erfolge, auf die Sie verweisen

können und die über Thüringen hinaus

bekannt geworden sind?

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


24 | W+M SERIE THÜRINGEN

Bodo Ramelow: Ich weiß nicht, ob da

etwas über Thüringen hinaus bekannt geworden

ist. Rainald Grebe hat ja das berühmte

Lied über Brandenburg und Thüringen

gesungen. Bei Thüringen kommt

die Textzeile vor: ‚Das Land ohne Prominente.‘

Jetzt unterbricht er mittlerweile

sein Konzert an dieser Stelle und sagt:

‚Ach nee, stimmt nicht, Bodo Ramelow.‘

Und bekommt dafür jedes Mal Applaus.

Offenkundig hat sich zumindest etwas

geändert durch die Form der Regierung.

Mein Parteibuch und meine Art, wie ich

als Ministerpräsident arbeite, hat in anderen

Bundesländern offensichtlich Neugier

ausgelöst.

W+M: Im Zusammenhang mit ihrem

Wahlsieg gab es deutschlandweit Stimmen,

die vor negativen Folgen für die

wirtschaftliche Entwicklung Thüringens

unter einer von den Linken geführten

Landesregierung warnten. Sind Investitionen

ausgeblieben, weil Sie Ministerpräsident

sind?

Bodo Ramelow: Ich denke, die anfänglich

in Westdeutschland verbreitete

Angst, dass hier jetzt die große Ideologie

ausbricht, hat sich gelegt. In Thüringen

gab es diese Angst gar nicht, denn unsere

heimischen Unternehmer kannten mich

ja und die Kammern hielten mich schon

bei meinem Amtsantritt für einen verlässlichen

Partner, der ja in kritischen Situationen

bereits mehrfach geholfen hatte.

Ich habe mit vielen Investoren in den vergangenen

Monaten persönlich gesprochen

und deren Anliegen vorangebracht.

Die, die von außen kamen, haben sich alle

sehr positiv und optimistisch mir gegenüber

gezeigt.

W+M: Muss die Sonderförderung Ost

nach Ablauf des Solidarpaktes Ende 2019

fortgesetzt werden?

Ministerpräsident Bodo Ramelow empfing W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann (r.) zum Interview.

ZUR PERSON

Bodo Ramelow wurde am 16. Februar

1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren.

Nach dem Hauptschulabschluss

erlernte er den Beruf des Einzelhandelskaufmanns.

Von 1981 bis 1990

war er Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen,

von 1990 bis 1999 Landesvorsitzender

der Gewerkschaft HBV

in Thüringen. 1999 trat er der PDS bei

und zog im selben Jahr erstmals in den

Thüringer Landtag ein. 2004 und 2009

nominierte ihn seine Partei jeweils zum

Spitzenkandidaten für die Wahlen in

Thüringen. Seit Dezember 2014 steht

Ramelow als Ministerpräsident an der

Spitze der rot-rot-grünen Landesregierung

im Freistaat. Er ist in dritter Ehe

verheiratet und Vater zweier Söhne.

Bodo Ramelow: Im Moment ist es ja

schon so, dass die Hälfte dieser Mittel

an den Bund fließt. 16 Milliarden Euro

kassiert er in diesem Jahr, im Jahr 2019

wird er aus dieser Quelle 19 Milliarden

Euro einnehmen und sie ganz allein behalten.

Das ist das Gegenteil von Solidarfinanzierung.

Die Menschen denken,

das Geld ist für den Osten da, aber am

Ende ist es in Wirklichkeit eine Finanzierung

für den Bund. Deswegen schlage

ich vor, dass die Solidarpaktmittel, die

nicht für die neuen Länder gebunden

sind, in ganz Deutschland für die Integration

von Flüchtlingen genutzt werden.

Wenn wir dieses Jahr schon die acht Milliarden

Euro nehmen und nach dem Königsteiner

Schlüssel verteilen würden,

hätten alle Länder die notwendigen Voraussetzungen,

um ihre Haushalte wieder

in Ordnung zu bringen. Und wenn

wir im Jahr 2019 die 19 Milliarden Euro

dafür ausgeben würden, die Flüchtlinge

tatsächlich in unserem Land zu integrieren,

wäre das nach knapp 30 Jahren deutscher

Einheit der größte Impuls, gesamtdeutsch

zu werden, weil es dann nicht

mehr um Ost und West ginge, sondern

um eine gemeinsame Aufgabe.

W+M: Eine persönliche Frage zum Abschluss:

Sie wurden in Osterholz-

Scharmbeck geboren, wuchsen später

im Rheinland auf. Was war der Grund für

Sie, Ihre politische Heimat in Thüringen

zu suchen?

Bodo Ramelow: Ganz einfach, die Städtepartnerschaft

zwischen Marburg und

Eisenach. Da ergaben sich die ersten

intensiven Kontakte. Dann erhielt ich

den ersten Dienstauftrag, zu einer Beratung

der Betriebsgewerkschaftsleitung

ins Centrum-Warenhaus nach Erfurt

zu fahren – am 28. Februar 1990.

Daran schloss sich die Überlegung meiner

Gewerkschaft an, in der DDR ein Beratungsbüro

einzurichten. Und da fragte

mich mein Dienstherr, ob ich das für drei

Monate übernehmen könnte. Zur Auswahl

standen Sachsen-Anhalt, wo ich

familiäre Wurzeln habe, oder Thüringen.

Da ich zu jener Zeit kleine Kinder hatte,

war mir das Pendeln nach Magdeburg zu

weit und so entschied ich mich spontan

für Erfurt. Das wurde die wichtigste Entscheidung

meines Lebens.

Interview: Karsten Hintzmann

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


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WIRTSCHAFT+MARKT 3/2014

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

25. Jahrgang | Heft 3 | Juni/Juli 2014 | e 3,50 | ZKZ 84618

Wirtschaft+

Markt

Das OstD eutsche u nternehM erM agazin

Tourismusboom

stärkt

Wirtschaft

im Osten

WIRTSCHAFT+MARKT 4/2014

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

25. Jahrgang | Heft 4 | August/September 2014 | e 3,50 | ZKZ 84618

W I rtsC haft+

Markt

Das OstDEutsC h E u ntE rnE h MEr M a G azI n

Energiewende

auf dem

Prüfstand

Gründerzeit

im Osten

WIRTSCHAFT+MARKT 5/2014

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

25. Jahrgang | Heft 5 | Oktober/November 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

Aufbruch

Wende

Im

Interview:

Christine

Lieberknecht

Blühende Landschaften?

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

26. Jahrgang | Heft 1-2 | März/April 2015 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

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DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

26. Jahrgang | Heft 3 | Mai/Juni 2015 | 5 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

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DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

SACHSEN-ANHALT

MECKLENBURG-VORPOMMERN

BERLIN

RÜCKKEHR ZUR

INDUSTRIE

BRAUNKOHLE

UNVERZICHTBAR

FÜR DEN OSTEN

RATGEBER

DAS BÜRO ZUM

MITNEHMEN

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

Erwin Sellering

UNTERNEHMEN

ORWO – eine

Tradition lebt auf

RATGEBER

Tagungen und

Geschäftsreisen

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

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26. Jahrgang | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

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26. Jahrgang 26. Jahrgang | Heft 5 | September/Oktober Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

WIRTSCHAFT+MARKT 1-2/2015

WIRTSCHAFT+

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26. Jahrgang 26. | Jahrgang Heft 6 | November/Dezember | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN

BRANDENBURG

ENERGIE

ELEKTRISIERT

DIE

WIRTSCHAFT

GRÜNT

THÜRINGEN

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

IM INTERVIEW

Bodo Ramelow

Ministerpräsident

Dietmar Woidke

STUDIE

SACHSEN

REPORT

Rivalität auf

der Ostsee

Mittelstand im

digitalen Wandel

UMFRAGE

Welches Auto

passt zu Ihnen?

Kraftakt

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EXKLUSIVE INTERVIEWS

Bundeswirtschaftsminister

Sigmar Gabriel

Ministerpräsident

Stanislaw Tillich

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Opel-Chef Karl-Thomas Neumann feierte mit

der Eisenacher Belegschaft den neuen Corsa.

Cluster Automotive

THÜRINGENS UMSATZSTÄRKSTE SPARTE

Jeder zehnte Industriebeschäftigte

des Freistaates arbeitet in der Automobil-

und Automobilzulieferindustrie.

Diese setzt über sieben Milliarden

Euro im Jahr um und befördert zugleich

die Prosperität anderer Branchen.

Mit vollen Auftragsbüchern und 60 Neueinstellungen

war der Eisenacher Automobilzulieferer

Mitec Automotive AG in

dieses Jahr gestartet. Was immer Firmengründer

und Vorstandschef Dr.-Ing.

Michael Militzer anpackt, scheint dem findigen

Ingenieur zu gelingen. Allein 2014

investierte sein familiengeführtes Unternehmen

zehn Millionen Euro am Hauptstandort

im heimatlichen Thüringen, wo

auch 2.100 der weltweit gut 2.900 Beschäftigten

der Mitec-Gruppe tätig sind.

Neu ist hier etwa eine Fertigungslinie für

Michael Militzer ist Vorstandsvorsitzender

der Mitec Automotive AG in Eisenach.

Stangendrehteile mit elf verketteten Maschinen,

dank der man „von Zukauf auf

Eigenfertigung“ umstellen und damit

die Wirtschaftlichkeit am Standort weiter

verbessern könne, so Militzer.

Inzwischen sieht er sich mit der 1991 aus

dem Getriebebau und der Härterei des Automobilwerkes

Eisenach hervorgegangenen

Unternehmensgruppe als einen weltweit

führenden Zulieferer für Automobilantriebstechnik.

Kein großer Konzern kommt

heute mehr an den Thüringern vorbei.

Kein Wunder, dass der 66-Jährige zugleich

als Vorstandsvorsitzender des Vereins

automotive thüringen e. V. (at) auch

das personifizierte Aushängeschild der

gesamten Thüringer Automobilzulieferbranche

ist. Im Sommer 2000 war diese

Vereinigung zunächst von neun Unternehmen

als Automobilzulieferer Thüringen

e. V. (AZT) gegründet worden. Heute

zählt sie 102 Mitglieder, die rund 30.000

Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz

von 4,19 Milliarden Euro generieren.

Allein das Exportvolumen beläuft sich auf

1,16 Milliarden Euro.

Doch bildet der at im Grunde nur eine

Art Speerspitze dieses expandierenden

Wirtschaftszweiges. Alles in allem sind

über 500 Unternehmen und gut 51.000

Mitarbeiter in Thüringens Automobil- und

Automobilzulieferindustrie tätig. Sie erzeugen

einen jährlichen Umsatz von über

7,2 Milliarden Euro und bilden damit die

beschäftigungsstärkste Industriesparte

des Landes. Jeder zehnte Thüringer Angestellte

des verarbeitenden Gewerbes

steht hier in Lohn und Brot. 21 Branchenfirmen

gehören zu den 100 größten Unternehmen

des Landes.

Bei alledem ist dieser Zweig wie viele andere

im Freistaat auch durch eine kleinteilige

Struktur geprägt. Innerhalb der Zulieferpyramiden

der großen Fahrzeugkonzerne

(OEM) rangieren sie gewissermaßen als

Zulieferer der Zulieferer, im Branchenjargon

als Tier-2- und Tier-3-Lieferanten bezeichnet.

Doch einige jener OEM schlugen

längst auch in Thüringen Wurzeln. Hierzu

gehören die BMW Fahrzeugtechnik

GmbH in Eisenach, Multicar Waltershausen

(heute Hako-Gruppe), die MDC Power

GmbH in Kölleda (Daimler AG) und nicht

zuletzt Opel in Eisenach. Und trotz der hohen

Konzentration im Raum Eisenach–Gotha

finden sich die Unternehmen der Branche

in allen Teilen Thüringens.

Die Zulieferer decken nicht nur sämtliche

Segmente des Automobilbaus als Modul-,

System-, Baugruppen- und Teilelieferanten

ab. Sie besitzen zugleich für

viele Querschnittsbranchen in Thüringen

auch Bedeutung als Abnehmer, etwa in

den Bereichen Kunststofftechnik und Maschinenbau.

Einen starken Forschungspartner

bildet zudem die Technische Universität

Ilmenau mit ihrem Fachgebiet

Fahrzeugtechnik.


Harald Lachmann

Fotos: obs/Adam Opel AG/Andreas Liebschner (oben), Mitec AG (unten)v

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


SERIE THÜRINGEN | 27

Cluster Optik

JENA BESTIMMT WELTSPITZE MIT

Fotos: Carl Zeiss Jena (oben), JENOPTIK (unten)

Kaum ein ostdeutscher Industriebereich

kann auf eine größere Zahl an

Erfolgsstories verweisen wie die

Optik/Optoelektronik in Thüringen. Hierzu

gehören etwa die acht Unternehmen

und zwei Forschungseinrichtungen der

Thüringer Photonikbranche, die sich beim

Projekt ƒo + an der Entwicklung und Vermarktung

innovativer freiformoptischer

Systeme engagieren: Sie werden künftig

wesentlich kleiner, leichter und funktionaler

sein. Oder auch die sich „Zwanzig20-Konsortium

3Dsensation“ nennende

Partnerschaft, die sich um das Jenaer

Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik

und Feinmechanik (IOF) gruppiert –

mit dem Ziel, die Interaktion von Mensch

und Maschine grundlegend zu verändern.

Nicht zu vergessen das Innovationscluster

„Green Photonics“, das in Thüringen

die Kräfte von Wirtschaft, Wissenschaft

und Politik bündelt, um unter anderem

Lichtlösungen für die energieeffiziente

Beleuchtung oder optische Systeme für

die Energietechnik zu entwickeln.

Optik-Fertigung bei JENOPTIK in Jena.

Fraglos gehört das Land zu den weltweit

führenden Zentren der Optik/Optoelektronik.

Im Grunde deckt die Branche in

Thüringen ein sehr breites Produktspektrum

über alle wichtigen Optiksegmente

ab. Die Kernkompetenzen der Unternehmen

liegen auf Glaswerkstoffen, Lasertechnik,

Mikroskopie, Optiksysteme-Design

und -Fertigung sowie Systemintegration.

Als Dach für rund hundert Akteure der

Thüringer Photonikbranche wurde 1999

der Verein OptoNet e. V. gegründet. Er

dient als lebendige Plattform für Vernetzung,

Austausch und Kooperation. Zu den

Mitgliedsunternehmen gehören neben

Zeiss Jena und JENOPTIK eine Vielzahl

kleiner und mittelständischer

Technologieunternehmen,

die mit ihren Produkten und

Dienstleistungen den Weltmarkt

anführen oder mitbestimmen.

Rund ein Zehntel

ihres jährlichen Umsatzes investieren

sie wieder in Forschung

und Entwicklung.

Insgesamt sind thüringenweit

sogar 175 Unternehmen in

der Optik/Optoelektronik beheimatet.

Seit Jahren befinden

sie sich stabil auf Wachstumskurs

und steigern ihre

Umsätze. Die gesamte Thüringer

Branche erlöst derzeit

jährlich rund 2,85 Milliarden

Euro und beschäftigt aktuell 15.200 Mitarbeiter.

Als besonders erfreulich gilt nach

einigen Jahren einer diesbezüglichen Stagnation,

dass sich nun auch im Gründerbereich

eine neue Dynamik spürbar macht.

Laut OptoNet-Geschäftsführer Klaus

Schindler ist vor allem bei den Herstellern

von Medizintechnik sowie in der Produktionstechnik

die Auftragslage sehr gut.

Der Exportanteil am Umsatz macht zudem

über die gesamte Branche hinweg rund

zwei Drittel aus. Er erreicht damit die doppelten

Werte der durchschnittlichen Ausfuhrrate

des verarbeitenden Gewerbes in

Thüringen.

Klarer Klassenprimus ist natürlich Jena.

Mit 99 Unternehmen und einer Vielzahl

von universitären und außeruniversitären

Forschungseinrichtungen sind in der

Saalestadt mehr als die Hälfte der Akteure

des OptoNet-Clusters angesiedelt.

Rund 8.000 Beschäftigte erwirtschaften

hier in Branchenunternehmen einen Umsatz

von 1,6 Millarden Euro. Damit hat die

Saalestadt ihre Stellung als Photonikzentrum

in den letzten Jahren weiter ausgebaut.

Wichtige Standorte sind darüber hinaus

Erfurt, Ilmenau und der Ilmkreis sowie

der Landkreis Schmalkalden-Meiningen.


Montage-Arbeiten an der Beleuchtung

einer Starlith®-Optik von Carl Zeiss.

Harald Lachmann

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


28 | W+M SERIE

Cluster Logistik

DIE MITTE EUROPAS

Steigende Kosten für Transport und

Lagerung stellen Logistiker vor immer

neue Herausforderungen. Ihre

Kunden verlangen zudem eine schnelle

und verlässliche Belieferung. Thüringen

punktet hier mit entscheidenden Standortvorteilen.

Mitarbeiterin von Redcoon in Erfurt.

Die zentrale Lage Thüringens in der Mitte

Deutschlands und Europas, ein modernes

Straßennetz mit fünf Autobahnen und das

mit 1.550 Kilometern dichteste Schienennetz

Europas waren und sind wichtige Argumente

für viele namhafte Logistik- und

Handelsunternehmen wie beispielsweise

Zalando oder DB Schenker, sich in Thüringen

anzusiedeln. Innerhalb von fünf Stunden

kann durch die mehr als 500 Logistikunternehmen

mit über 30.000 Beschäftigten

jeder Standort in Deutschland angefahren

werden.

Der Flughafen Erfurt-Weimar dient als

Drehkreuz für den internationalen Luftfrachtverkehr.

TNT Express schlägt hier

Sendungen für den Weitertransport per

Flugzeug oder Lkw aus ganz Deutschland

um und DB Schenker bietet eine tägliche

Anbindung für Luftfracht zu den wichtigsten

Zielflughäfen weltweit an. Zudem führt

eine der wichtigsten europäischen Verbindungslinien

für Personen- und Güterverkehr,

die Strecke Paris–Frankfurt/Main–

Berlin–Warschau–Moskau, durch Thüringen

und der Erfurter Hauptbahnhof soll ab

2017 zum Knotenpunkt für den ICE-Verkehr

in alle Himmelsrichtungen werden.

Thüringen punktet auch mit zahlreichen engagierten

und flexiblen Fachkräften in der

Branche. Hochschulen wie die Fachhochschule

Erfurt, die Adam-Ries-Fachhochschule

ebenfalls in Erfurt und die Berufsakademie

Thüringen in Gera und Eisenach

bieten mehrere auf Logistik und Intralogistik

spezialisierte Studiengänge an.

DB Schenker, der führende deutsche Anbieter

für integrierte Logistik, betreibt am

Erfurter Kreuz auf mehr als 38.500 Quadratmetern

ein großes Logistikterminal und

verteilt von hier aus Stückgut, Teil- und

Komplettladungen in alle Regionen Europas.

Nebenan in Erfurt-Mittelhausen hat

der Buchgroßhändler KNV Logistik für über

150 Millionen Euro eines der größten Medienlogistikzentren

Europas errichtet. Derzeit

beliefert das Unternehmen mehr als

7.000 Buchhändler in Deutschland, Österreich,

der Schweiz und Südtirol. Ebenfalls

in Erfurt hat Zalando 2012 den Bau eines

eigenen Logistikzentrums realisiert. Mit einer

Lagerfläche von 120.000 Quadratmetern

ist das Zentrum das größte Warenlager

für Schuhe und Mode in ganz Europa.

Und auch das 2003 gegründete Unternehmen

redcoon, einer der größten Fachdiscounter

für Elektronik im Onlinehandel, hat

2012 sein Logistikzentrum in Erfurt erbaut

– mit insgesamt über 50.000 Quadratmetern

und Baukosten von 58 Millionen Euro.

Janine Pirk-Schenker

LOGISTIK NETZWERK THÜRINGEN E. V.

Mit dem Logistik Netzwerk Thüringen

erwartet Unternehmen eine Kooperationsgemeinschaft

von Spezialisten aus

allen Bereichen der Branche. Neben

Speditionen, Verladern und Kontraktlogistikern

vereint das Netzwerk auch

Unternehmen beispielsweise aus den

Bereichen Beratung, IT, Forschung und

Entwicklung, Personaldienstleistungen

sowie logistiknahe Dienstleistungen,

Verbände und öffentliche Verwaltung.

Ziel des Vereins ist die Stärkung des

Standorts Thüringen als europäische

Distributions-Drehscheibe.

www.logistik-netzwerk-thueringen.de

Foto: Deutsche Bahn AG (oben), Redcoon (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


THÜRINGEN | 29

Cluster Ernährung

MEHR ALS THÜRINGER KLÖSSE

Foto: Pierre Kamin

Die Ernährungswirtschaft Thüringens

gilt vom Umsatz und von den Beschäftigtenzahlen

her als die zweitstärkste

Branche im Land. Über 200 Unternehmen

mit knapp 19.000 Beschäftigten

erwirtschaften einen Jahresumsatz von

mehr als vier Milliarden Euro. Dank der

zentralen Lage und moderner Verkehrsinfrastruktur

sind alle wichtigen deutschen

Handelszentren binnen fünf Stunden per

Lkw erreichbar. Bekannte Thüringer Marken

und Produkte sind beispielsweise die

Thüringer Rostbratwurst und die Thüringer

Klöße, das Mühlhäuser Pflaumenmus

oder der Nordhäuser Doppelkorn.

Durch sechs universitäre und private Forschungseinrichtungen

erhalten die Unternehmen

der Branche Unterstützung

bei Forschung und Entwicklung. Die großen

Universitäten in Jena und Erfurt bieten

Studiengänge für die Ernährungswirtschaft

an und zählen

derzeit fast 3.000 Studierende in einem

Studiengang mit Bezug zur Ernährungsbranche.

Um diese auch weiterhin wettbewerbsfähig

zu halten und ihr eine bis dato fehlende

Interessenvertretung zu gewährleisten,

haben sich vor vier Jahren 15 Unternehmen

– unterstützt durch das Thüringer

Wirtschafts- und das Landwirtschaftsministerium

– zum Thüringer Ernährungsnetzwerk

zusammengeschlossen. Mittlerweile

zählt das Netzwerk 26 Mitglieder,

bestehend aus Lebensmittel produzierenden

Unternehmen und privaten

Forschungseinrichtungen.

Große Namen haben sich seit der Wende

in Thüringen angesiedelt. So bereits 1993

Das Traditionsunternehmen Viba – bekannt für

seine Nougatstangen – ist deutscher Nougat-

Marktführer.

Griesson mit einem Werk in Kahla, die

Dr. Schär Deutschland GmbH als europäischer

Marktführer im Bereich glutenfreier

Produkte oder das aus Liechtenstein stammende

Unternehmen Ospelt food, welches

in Apolda Tiefkühlpizzen produziert.

Das Traditionsunternehmen Viba sweets

mit Sitz in Floh-Seligenthal stellt das bekannte

Nougat und andere Süßwaren her

und ist deutscher Nougat-Marktführer.


Janine Pirk-Schenker

© Stefan Militzer

© VNG Norge AS/Helge Hansen/Montag

© VNG Norge AS/Helge Hansen/Montag

© VNG Norge AS/Helge Hansen/Montag

Exploration & Produktion | Gashandel & Dienstleistung | Gastransport | Gasspeicherung

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konzentriert sich auf die vier Kerngeschäfts bereiche Exploration & Produktion, Gashandel

& Dienstleistung, Gastransport und Gasspeicherung. Mit dieser Expertise leisten

wir einen entscheidenden Beitrag für ein nachhaltiges Energiesystem.

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30 | W+M SERIE

„ALS ÖFFENTLICH-RECHTLICHE BANK FÜHLEN WIR UNS

AUCH FÜR UNSERE KERNREGIONEN VERANTWORTLICH“

W+M-Interview mit Klaus-Jörg Mulfinger, Mitglied des Vorstands der Helaba

Die Helaba hat bereits mit der Wiedervereinigung ihre

Geschäftstätigkeit in Thüringen aufgenommen. Seit Juli 1992

firmiert die Bank als Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

und hat einen zweiten Hauptsitz in Erfurt. Sie war damit die erste

über Ländergrenzen hinaus bestehende Landesbank. Von dieser

gemeinsamen Landesbank profitieren sowohl die Sparkassen in

Thüringen und die Wirtschaft der Region als auch die Helaba.

W+M: Die Helaba ist inzwischen Zentralbank

für 40 Prozent der Deutschen Sparkassen,

insgesamt mehr als 160 Institute.

Welche Rolle spielen für die

Helaba die Thüringer Sparkassen?

Klaus-Jörg Mulfinger: Die 16

Thüringer Sparkassen sind über

den Sparkassen- und Giroverband

Hessen-Thüringen Miteigentümer

der Helaba. Wir haben

eine gemeinsame Rechnungslegung,

Risikostrategie

und Reservefonds. Thüringen gehört

zu den erklärten Kernregionen

der Helaba. Nicht zuletzt haben

wir eine gemeinsame Geschäftsstrategie

und Marktauftritt mit den Thüringer

Sparkassen.

W+M: Gemeinsame Geschäftsstrategie

und gemeinsamer Marktauftritt –

was haben wir uns darunter vorzustellen?

Klaus-Jörg Mulfinger, Mitglied des Vorstands

der Helaba.

Klaus-Jörg Mulfinger: Die Helaba ist

wichtiger Produktlieferant und Dienstleister

für die Sparkassen, die sogenannte

Verbundquote liegt in vielen Geschäftsfeldern

bei mehr als 70 Prozent. Die Verankerung

im Sparkassengeschäft ist bei

keiner anderen Landesbank so ausgeprägt.

Ansonsten gib es eine klare Verteilung

der Zuständigkeiten. Die Helaba

fokussiert sich auf das Großkundengeschäft.

Mittelständische Firmenkunden

und Privatkunden werden nur gemeinsam

mit den Sparkassen betreut. So beteiligen

wir uns regelmäßig an Großkrediten

der Sparkassen und schaffen damit

den Freiraum, der es Sparkassen ermöglicht,

mit den wachsenden Finanzierungsbedürfnissen

ihrer Firmenkunden Schritt

zu halten. Eines ist uns dabei ganz wichtig:

Die Sparkasse bleibt Herr der Kundenverbindung

und in aller Regel auch

kontoführendes Institut.

W+M: Für die thüringische Wirtschaft

hat das Auslandsgeschäft über die Jahre

zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Wie unterstützt die Helaba Firmenkunden,

die sich im Ausland engagieren?

Klaus-Jörg Mulfinger: Aktuell richten

wir unseren Geschäftsbereich Außenhandelsfinanzierung

neu aus. Unser Ziel

ist es, die Leistungsfähigkeit der Helaba

für die Sparkassen und die Kunden der

Bank nochmals deutlich zu erhöhen und

alle relevanten Produkte der Außenhandelsfinanzierung

zur Verfügung zu stellen.

Mit Korrespondenzbankverbindungen

in 120 Ländern begleiten wir bereits

heute unsere Kunden und die Kunden

der Sparkassen in Regionen mit hohen

deutschen Außenhandelsvolumina.

Darüber hinaus haben wir ergänzend

zu unseren Auslandsstandorten

London, New York, Paris,

Madrid, Moskau und Shanghai im

Mai eine Repräsentanz in Singapur

eröffnet.

Im Übrigen begleiten wir bereits

seit 2007 die Kunden der thüringischen

Sparkassen über das Kompetenz-Center

„S-Thüringen International“

bei ihren Auslandsaktivitäten. Gemeinsam

mit den Firmenkundenbetreuern

der Sparkassen betreuen und beraten

die Mitarbeiter des Kompentenz-Centers

die Kunden in allen Fragen des Auslandsgeschäfts.

W+M: Die Thüringer Industrieunternehmen

sind investitionsfreudiger als der gesamtdeutsche

Durchschnitt. In den Jahren

2011 bis 2013 haben 83 Prozent der

Unternehmen investiert. Spüren Sie diesen

Trend auch bei den kommunalen und

kommunalnahen Unternehmen?

Klaus-Jörg Mulfinger: Durch die hohen

Anfangsinvestitionen in die öffentliche

und speziell die kommunale Infrastruktur

in den Jahren der Wiedervereinigung

ist es in den Jahren danach ruhiger

zugegangen. Jetzt stehen zunehmend

Foto: Helaba

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


THÜRINGEN | 31

Klaus-Jörg Mulfinger: Das Bausparen

fand bei den Thüringern von Anfang an

große Resonanz. Schon im ersten Geschäftsjahr

wurden mehr als 25.000 Verträge

abgeschlossen. 1995 überschritt die

Bausparsumme der thüringischen Verträge

im Bestand zwei Milliarden D-Mark.

Seitdem hat sich das Bauspargeschäft im

Freistaat weiterhin sehr gut entwickelt. Im

Geschäftsjahr 2014 gelangten in Thüringen

fast 27.000 Verträge über 638 Millionen

Euro Bausparsumme zur Unterschrift.

W+M: Und wie sieht die zukünftige Ausrichtung

der LBS Hessen-Thüringen aus?

Klaus-Jörg Mulfinger: Die LBS Hessen-

Thüringen wird mit einer konsequenten

Ausrichtung auf das Finanzierungsgeschäft

den Kernnutzen des Bausparens

als zinssichere Baufinanzierung weiter

stärken. Denn Planbarkeit ist für viele

Bauherren und Immobilienkäufer sehr

wichtig, gerade in Zeiten des aktuellen

Niedrigzinses. Aber auch Jugendliche

und junge Erwachsene bleiben im Fokus

der Aktivitäten. Denn die jungen Bausparer

sind die Finanzierer von morgen.

Foto: Helaba

Die Landesbank Hessen-Thüringen hat in Frankfurt ihren Hauptsitz im MAIN TOWER.

Ersatzinvestitionen an. Gerade die kommunalen

Unternehmen investieren in Zukunftstechnologien

wie zum Beispiel den

Ausbau von Breitbandnetzen. Dies ist unverzichtbar

für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit

des Thüringer Wirtschaftsraums.

Als Landesbank für Thüringen

begleiten wir die kommunalnahen

Unternehmen sehr eng, die als Stadtwerke

im Energiebereich vor den Herausforderungen

der Energiewende stehen. Wir

fördern und engagieren uns auch bei dezentralen

und bürgernahen Lösungen

und stehen im Rahmen des Verbundes

mit unserer umfassenden Erfahrung und

Kompetenz den kommunalen Unternehmen

zur Seite.

W+M: Rekommunalisierung ist derzeit

ein Schlagwort im Umfeld der kommunalen

Gebietskörperschaften. Wie sieht

die Helaba die Entwicklung und welche

Rolle strebt sie an?

Klaus-Jörg Mulfinger: Die Bemühungen

zahlreicher Städte und Gemeinden,

bei Neuausschreibung der jeweiligen Konzessionen

wieder Eigentümer der eigenen

Strom- und Gasnetznetze zu werden,

sind unverkennbar. Wir stehen dieser Entwicklung

offen gegenüber und begleiten

die Kommunen beziehungsweise deren

Gesellschaften im Rahmen der Prozesse

mit Beratungs- und Finanzierungs-Knowhow.

Im vergangenen Jahr haben wir auch

im Freistaat einige Finanzierungen als führende

Bank arrangiert und im Rahmen der

Verbundzusammenarbeit mehrere Sparkassen

an der Endfinanzierung beteiligt.

Hier sehen wir uns als Partner der Kommunen

gut aufgestellt.

W+M: Herr Mulfinger, Sie sind auch für

die Landesbausparkasse (LBS) Hessen-

Thüringen verantwortlich. Wie hat sich

das Bauspargeschäft im Freistaat nach

der Wiedervereinigung entwickelt?

W+M: Wir haben jetzt ausführlich über

die geschäftlichen Aktivitäten der Helaba

in Thüringen gesprochen. Das Helaba-Engagement

in der Region geht aber

darüber hinaus.

Klaus-Jörg Mulfinger: Als öffentlichrechtliche

Bank fühlen wir uns auch für

unsere Kernregionen verantwortlich. Diese

regionale Verankerung gehört ganz

wesentlich zur Identität unseres Hauses.

Dementsprechend engagieren wir

uns für kulturelle, sportliche und wissenschaftliche

Projekte – in Hessen, Thüringen,

Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Unsere Aktivitäten sind – wie unsere

Geschäfte und unsere Kundenbeziehungen

auch – auf Qualität, Kontinuität

und dauerhafte Partnerschaften ausgerichtet.

So unterstützen wir in Thüringen

zum Beispiel die Domstufen-Festspiele

in Erfurt bereits seit 1994 als Generalsponsor

gemeinsam mit anderen Partnern

der Sparkassen-Finanzgruppe.

Interview: Frieda Neurich

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


32 | W+M SERIE

EU-Hilfen für Thüringen

Eine Milliarde Euro

für den Aufschwung

Glänzende Fassaden: Erfurts Fischmarkt

wurde mit EU-Mitteln saniert.

Wer durch Thüringens Kapitale

Erfurt flaniert, begegnet der

Europäischen Union praktisch

auf Schritt und Tritt, wenn auch vielfach

unbewusst. Denn der historische Altstadtkern,

ein Anziehungspunkt für Touristen

aus aller Welt, verdankt seine glänzenden

Fassaden nicht zuletzt zahlreicher

Finanzspritzen aus Brüssel.

Der Willy-Brandt-Platz mit der Tiefgarage

am Hauptbahnhof, der Anger, die alte Synagoge,

der Hirschgarten oder der Fischmarkt

– viele zentrale Plätze und Altstadtviertel

wurden seit 1994 mit Fördergeldern

des Europäischen Fonds für regionale

Entwicklung (EFRE) aufwendig saniert.

Mehr als die Hälfte der Kosten trug

Brüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung

in der größten Stadt Thüringens bei.

Immerhin 35 Millionen Euro an EFRE-

Mitteln konnten Erfurts Stadtväter für

die Aufwertung der Altstadt und innenstadtnaher

Quartiere einsetzen. Investitionen,

von denen nicht nur die Bürger,

sondern auch die Tourismuswirtschaft

und der Einzelhandel in der Blumenstadt

profitieren.

Erfurt ist aber nur eines von vielen Beispielen,

in denen Thüringens Kommunen

durch gezielte städtebauliche Maßnahmen

mit EU-Geldern ein Plus an Lebensqualität

erhielten. Ilmenau etwa erfuhr

finanzielle Unterstützung für den

Neubau einer mittlerweile für ihre Architektur

preisgekrönten Fußgängerbrücke,

die die Altstadt, den Campus

der Technischen Universität sowie ein

Naherholungsgebiet miteinander verbindet.

In Weimar wurde beispielsweise

der historische Herderplatz mit

neuen Kanal-, Gas- und Elektronetzen

ausgestattet.

Bis 2020 unterstützt Brüssel den Freistaat

mit EFRE-Mitteln in Höhe von rund

1,17 Milliarden Euro. 333 Millionen Euro

fließen in Projekte der Forschung und der

technologischen Entwicklung. Bereits in

den vergangenen Förderperioden konnten

Innovationen made in Thüringen mit

Brüsseler Hilfe verwirklicht werden. So

zum Beispiel das multifunktionale Sicherheitsglas

PYRANOVA® secure der

Schott AG. Die Spezialgläser aus Jena

schützen optimal vor Feuer und Rauch

und verhindern im Objekt- und Personenschutz

beispielsweise das Durchdringen

von Projektilen. Diese innovative Verbindung

zweier Sicherheitsfunktionen gilt

weltweit als Novum.

Auch der universitären Forschung kam

EFRE zugute. So entstand an der Friedrich-

Schiller-Universität in Jena ein Forschungszentrum

für angewandte Forschung in den

Bereichen Innovative Materialien & Technologien

sowie Photonik. Rund 20 Millionen

Euro umfasste die Investition, rund 13 Millionen

Euro davon stammten aus dem Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung.

Für die Umsetzung der Energiewende

kann Thüringen über rund 230 Millionen

Euro aus dem EFRE-Topf verfügen, die in

eine verbesserte Energieeffizienz in Unternehmen

und öffentlichen Gebäuden

fließen sollen. Auch die unternehmerische

Wettbewerbsfähigkeit des thüringischen

Mittelstands steht im Fokus der

EFRE-Förderung. Dies soll über die Außenwirtschaftsförderung

wie auch über

die Investitionsförderung für kleine und

mittelständische Unternehmen geschehen.

Rund 283 Millionen Euro können bis

2020 dafür aufgewendet werden. Die

Zielsetzung: Private Ausgaben für Forschung

und Entwicklung sollen auf zwei

Prozent des Bruttoinlandsprodukts und

die Exportquote der Thüringer Industrie

auf 37,5 Prozent gesteigert werden.

Matthias Salm

Foto: Stadtverwaltung Erfurt

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


THÜRINGEN | 33

Ragnitz

analysiert

THÜRINGEN – AUCH EIN MUSTERLAND!

Foto: Torsten George

Lange stand Thüringen im Schatten

des Nachbarlands Sachsen, dem vermeintlichen

„Musterland“ unter den

ostdeutschen Bundesländern. Tatsächlich

aber weist auch Thüringen bei vielen

wirtschaftlichen Grunddaten gute bis sehr

gute Werte auf: Ein sogar im gesamtdeutschen

Vergleich überdurchschnittlicher Industrialisierungsgrad,

eine hohe Exportquote,

ein verhältnismäßig hohes Forschungspotenzial

auch in der Wirtschaft.

Zudem ist Arbeitslosigkeit in Thüringen

kaum ein Thema, nicht zuletzt weil viele

Erwerbspersonen in den benachbarten

Bundesländern Bayern und Hessen

eine Arbeitsstelle gefunden haben. Sicherlich

gibt es regionale Differenzierungen

– so stehen die zentralen Standorte

entlang der Bundesautobahn A4 besser

da als die eher peripher gelegenen Regionen

im Harzvorland und im Thüringer

Wald –, doch im Ganzen hat sich der Freistaat

in den vergangenen 25 Jahren gut

entwickelt.

Dies kann nicht nur oder auch primär einer

erfolgreichen Wirtschaftspolitik zugeschrieben

werden; hier gab es – wie anderswo

auch – in den vergangenen Jahrzehnten

so manche Irrwege. Thüringen

profitiert vor allem von seiner günstigen

Lage „im Herzen Deutschlands“, was das

Land attraktiv für Unternehmen gemacht

hat, die von hier aus Märkte im Süden und

Norden, im Osten und im Westen beliefern

wollen. So manch eine Ansiedlungsentscheidung

zugunsten Thüringens ist

hierauf zurückzuführen. Günstig wirkte

sich aber auch aus, dass es unmittelbar

nach der Vereinigung gelungen ist, wichtige

industrielle Kerne – zu nennen ist der

Automobilbau in Thüringen oder die optoelektronische

Industrie in Jena – zu erhalten

und zu neuer Blüte zu erwecken. Gerade

Jena hat sich auf dieser Grundlage zu

einem der wenigen echten Wachstumspole

in Ostdeutschland entwickeln können.

Hinzu kommt schließlich, dass sich

im Umfeld der Thüringer Hochschulen und

der vielen industrienahen Forschungseinrichtungen

eine enorme Dynamik herausbilden

konnte – mit technologischen

Schwerpunkten gerade auch in Feldern,

die gemeinhin als zukunftsträchtig angesehen

werden.

Die im Ganzen positive Entwicklung im

Freistaat wäre zudem nicht möglich gewesen

ohne die ausgeprägte unternehmerische

Initiative, die auch in 40 Jahren Sozialismus

nicht unterdrückt wurde. Thüringen

ist deswegen heute ein stark mittelständisch

geprägtes Land, mit allen Vorteilen

hinsichtlich Flexibilität und Einsatzbereitschaft,

die typisch für inhabergeführte

kleinere und mittlere Unternehmen sind.

Allerdings fehlt es wie anderswo auch an

Großunternehmen mit Hauptsitz im Land

(lediglich der Standort Jena ist auch hier

eine Ausnahme), was sich negativ auf das

Niveau der wirtschaftlichen Leistung auswirkt

– der Abstand bei Indikatoren wie

der gesamtwirtschaftlichen Produktivität

gegenüber den wirtschaftlich führenden

westdeutschen Ländern ist daher nach

wie vor groß. Das ist nicht anders als in

den übrigen ostdeutschen Ländern, bedingt

aber niedrige Löhne, eine niedrige

Steuerkraft und nicht zuletzt auch ungünstige

Arbeitsmarktchancen gerade für gut

ausgebildete junge Menschen, die eine

Karriere in der Wirtschaft machen wollen.

Gleichwohl: Angesichts der auch objektiv

vorhandenen Standortvorteile bestehen

jedoch gute Chancen, dass Thüringen

sich auch künftig weiterhin gut entwickeln

wird. Hierfür ist jedoch erforderlich,

dass auch die neue Landesregierung

– seit 2014 wird Thüringen als erstes und

bisher einziges Bundesland von einer rotrot-grünen

Koalition unter einem Ministerpräsidenten

der Partei DIE LINKE regiert

– an der bisherigen Linie einer liberalen,

wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik

festhält. Bislang gibt es entgegen mancherlei

im Vorfeld geäußerter Bedenken

hieran auch keine Zweifel. Nicht nur Sachsen

– auch Thüringen hat insoweit das Potenzial,

zu einem ostdeutschen „Musterland“

zu werden.

Prof. Dr. Joachim Ragnitz,

Stellvertretender Leiter der ifo

Niederlassung Dresden

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


34 | W+M POLITIK

Wird der Osten Deutschlands wirtschaftlich

jemals so stark wie der Westen?

Iris Gleicke, Staatssekretärin beim

Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie

Beauftragte der Bundesregierung für die neuen

Bundesländer, für Mittelstand und Tourismus

Prof. Dr. Joachim Ragnitz, Stellvertretender Leiter der

ifo Niederlassung Dresden

Ostdeutschland kann in Zukunft so stark

werden wie der Westen – wenn dieses

Ziel konsequent weiterverfolgt wird! Natürlich

verläuft der wirtschaftliche Aufholprozess

schon seit Jahren trotz eines durchaus beachtlichen

Wirtschaftswachstums nur noch äußerst langsam.

Die West-Wirtschaft wächst ebenso schnell wie die

im Osten, wir verfolgen ein Ziel, das sich so schnell

bewegt wie wir selbst, und können deshalb die Distanz

derzeit nicht verringern. Der Osten hinkt bei der

Wirtschaftskraft und bei den Steuereinnahmen klar

hinterher, die Arbeitslosigkeit ist höher als im Westen

und die Löhne niedriger. Zum anderen haben wir im

Osten eine kleinteilige Wirtschaftsstruktur, es fehlen

die Großunternehmen und Konzerne mit ihren Forschungs-

und Entwicklungsabteilungen. Aber auch

dank einer intelligenten Förderpolitik, die auf Investitionen,

Innovationen und Internationalisierung setzt,

zeigen sich heute in allen neuen Ländern Ansätze

für künftige Wachstumskerne, die dem Wachstum

neuen Schub verleihen können. Wem angesichts

dessen nicht mehr einfällt als die Feststellung, der

Osten könne sowieso nie aufholen, betreibt nolens

volens das Geschäft derer, die aus der Förderung

der flächendeckend strukturschwachen

Region Ostdeutschland aussteigen wollen. Das

würde bedeuten, einen Motor abzuwürgen, den

man gerade mit viel Aufwand zum Laufen gebracht

hat. Wir brauchen keine Schwanengesänge,

sondern einen langen Atem und eine zuverlässige

Förderung der strukturschwachen Regionen

in Ost und West.

Die Vorstellung, dass „der Osten“ wirtschaftlich

„zum Westen“ aufholen könne und solle,

war von Anfang an eine Illusion. Dabei

wird nämlich übersehen, dass die wirtschaftliche

Entwicklung von wirtschafts- und siedlungsstrukturellen

Rahmenbedingungen abhängig ist, die eben

nicht überall gleich sind. Auch in Westdeutschland

gibt es deshalb enorme wirtschaftliche Unterschiede,

beispielsweise zwischen ländlichen und städtischen

Regionen.

Natürlich gibt es eine Reihe von Standorten in

Ostdeutschland, die auf mittlere Sicht gute Chancen

haben, ein ähnliches Niveau zu erreichen wie

die wirtschaftlich starken Regionen im Westen.

Aber es gibt auch viele, vor allem ländlich geprägte

Räume, die nach aller Erfahrung auch dauerhaft

eine unterdurchschnittliche Wirtschaftskraft aufweisen

werden. Man sollte daher darauf verzichten,

das „Konvergenzziel“ weiterhin zum alleinigen

Maßstab für den Erfolg oder auch Misserfolg

der deutschen Einheit zu machen: Für die Qualität

der Lebensbedingungen in Ostdeutschland ist es

ohnehin zweitrangig, ob es zu einer Angleichung

der Wirtschaftskraft kommt oder nicht.

Dies heißt nicht, dass nicht weitere wirtschaftspolitische

Anstrengungen notwendig sind, Ostdeutschland

weiter voranzubringen. Die Förderung

von Innovationen, Maßnahmen zur Vermeidung

von Fachkräftemangel, die Stärkung regionaler

Eigeninitiative bleiben weiterhin notwendig. Bleibt

man auf einem solchen Weg, dann wird es auch weiter

aufwärts gehen. Und nur darauf kommt es an.

Foto: Büro Gleicke/Sandra Ludewig (links), ifo Dresden (rechts)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


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36 | W+M POLITIK

INDEX

ifo Geschäftsklima Ostdeutschland im September 2015

TROTZ INTERNATIONALER TURBULENZEN

WÄCHST OSTDEUTSCHE WIRTSCHAFT

Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft*

Ostdeutschlands ist im September merklich gestiegen.

Maßgeblich für die erneute Verbesserung sind die Geschäftserwartungen

für die kommenden sechs Monate, welche

insgesamt günstiger durch die befragten Unternehmen eingestuft

werden. Zudem sind die ostdeutschen Befragungsteilnehmer zufriedener

mit ihren laufenden Geschäften. Damit blickt die Wirtschaft

der ostdeutschen Bundesländer insgesamt auf ein starkes

drittes Quartal zurück. Im Einklang mit dem Geschäftsklima

ist das ifo Beschäftigungsbarometer ebenfalls spürbar gestiegen.

Besonders die hiesigen Handelsfirmen wollen ihre Mitarbeiterzahl

in den kommenden Monaten erhöhen. Die Industrie- und

Baufirmen hingegen erwarten einen kräftigeren Rückgang ihres

Personalbestandes in der nahen Zukunft.

Mit Ausnahme des ostdeutschen Großhandels sind die Klimaindikatoren

in allen Wirtschaftsbereichen nach oben gerichtet,

jedoch mit unterschiedlicher Intensität. Während sich die Stimmung

im ostdeutschen Einzelhandel und Bauhauptgewerbe

merklich verbesserte, ist der Geschäftsklimaindex im Verarbeitenden

Gewerbe Ostdeutschlands nur geringfügig gestiegen.

ifo Geschäftsklima

Robert Lehmann und

Prof. Joachim Ragnitz

VOR-

MONAT

8,01

9,83

Verarbeitendes Gewerbe

VORMONAT 14,3

SEPTEMBER 14,8

ifo Beschäftigungsbarometer

Bauhauptgewerbe

VORMONAT - 5,7

SEPTEMBER - 1,3

Groß- und Einzelhandel

VORMONAT 5,0

SEPTEMBER 8,3

VOR-

MONAT

- 2,93

- 1,04

* Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel verstanden.

Foto: industrieblick/Fotolia.com

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26. Jahrgang 26. | Jahrgang Heft 6 | November/Dezember | Heft 4 | Juli/August 2015 | 5 | ZKZ 84618

THÜRINGEN

W+M

WIRTSCHAFT+MARKT

okt feb

2015

2015

MAGAZIN

W+M

WIRTSCHAFT+MARKT-SONDERHEFT

IM INTERVIEW

Ministerpräsident

Bodo Ramelow

REPORT

Rivalität auf

der Ostsee

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38 | W+M TITEL

Grüner Motor

Ostdeutschland

Weltweit nimmt die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen

der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz zu. 2013 lag der

deutsche Weltmarktanteil bereits bei 14 Prozent. Eine Chance auch

für die ostdeutschen Mittelständler der Branche. Von Matthias Salm

Die Berliner Pflanze blüht – oder korrekt

formuliert: Dank der Berliner

Pflanze blüht und grünt es. Denn

die Berliner Pflanze ist nichts weniger als

ein hochwertiger mineralischer Pflanzendünger.

Produziert wird er aber nicht, wie

zu erwarten wäre, von einem Chemiekonzern,

sondern in einem anspruchsvollen

Projekt zur Gewinnung von Magnesium-

Ammonium-Phosphat aus Klärschlamm

von den Berliner Wasserbetrieben. Dabei

gewinnt das Unternehmen in einem

chemisch-physikalischen Prozess im Klärwerk

Waßmannsdorf den wertvollen Rohstoff

Phosphor.

Die zur Neige gehenden weltweiten

Phosphorressourcen belasten zunehmend

die Agrar- und Lebensmittelindustrie.

Als Ende Mai in Berlin der GreenTec-

Award, Europas größter Umwelttechnologiepreis,

verliehen wurde, stand der Wasserver-

und -entsorger aus der Hauptstadt

in der Kategorie Recycling & Ressourcen

deshalb nicht zu Unrecht auf dem Siegerpodium.

Preiswürdige GreenTech-Innovationen

aus Ostdeutschland wie der Berliner

GREENTECH LOCKT JUNGE

UNTERNEHMEN

Anteil grüner Gründungen an allen

Gründungen 2006–2013

Mecklenburg-Vorpommern

Brandenburg

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Thüringen

Berlin

12 %

14 %

19 %

18 %

22 %

21 %

Pflanzendünger sind längst keine Seltenheit

mehr. Im Gegenteil: Der Osten der

Republik gilt vielen Experten längst als

Labor der Energiewende. Das birgt Risiken,

wie etwa die hohen Energiepreise

zwischen Ostsee und Erzgebirge belegen,

viel mehr noch aber Chancen, an

einem der wichtigsten globalen Wachstumsmärkte

überdurchschnittlich partizipieren

zu können.

Denn GreenTech boomt: Nicht nur global,

sondern auch auf den heimischen

Märkten prophezeien verschiedene Studien

den Produzenten von Umwelttechnik

eine rosige Zukunft.

Hierzulande beflügelt das ehrgeizige Ziel

der Energiewende die Wachstumsfantasien.

Dazu füllen weltweite Megatrends

wie der Klimawandel, der Ressourcenmangel

oder die Urbanisierung die Auftragsbücher

der heimischen Produzenten

von Umwelttechnik. Aber auch die in

vielen ostdeutschen Regionen spürbaren

Folgen des demografischen Wandels erfordern

innovative Lösungsansätze im

Energiesektor, in der Wasserwirtschaft

oder im Verkehrswesen.

Der vom Bundesministerium für Umwelt,

Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

herausgegebene Umwelttechnologie-At-

Foto: Yevhen Vitte/shutterstock.com, Quelle Schaubild: Green Economy Gründungsmonitor 2014

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


GREENTECH | 39

Illustration: Alexandr III/shutterstock.com, Quelle Schaubild: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

las zeigt sich in seiner Marktanalyse deshalb

uneingeschränkt optimistisch: Summierte

sich das GreenTech-Marktvolumen

in Deutschland 2013 noch auf 344

Milliarden Euro, so sollen im Jahr 2025

bereits Produkte und Dienstleistungen

im Wert von 740 Milliarden Euro in den

Markt gebracht werden.

Das schillernde Schlagwort GreenTech –

zum Teil auch als CleanTech bezeichnet –

vereint sechs unterschiedliche Leitmärkte:

Zu diesen zählen die Steigerung der

Energieeffizienz von Geräten, Gebäuden

und in der Produktion, die umweltfreundliche

Erzeugung, Speicherung und Verteilung

von Energie sowie die Rohstoff- und

Materialeffizienz. Darüber hinaus firmieren

auch die Kreislaufwirtschaft sowie die

nachhaltige Wasserwirtschaft unter dem

Sammelbegriff GreenTech.

Schließlich gelten alternative Antriebstechnologien

gepaart mit neuen Verkehrskonzepten

für eine nachhaltige Mobilität

als ein weiterer grüner Zukunftsmarkt.

In all diesen Leitmärkten nehmen ostdeutsche

Hersteller ebenso wie Forschungseinrichtungen

längst Spitzenplätze

ein. Ein Standortgutachten im Auftrag

der Bundesregierung über die Potenziale

der GreenTech-Industrie in Ostdeutschland

errechnete bereits 2013 für die ostdeutschen

Produzenten von Umwelttechnik

einen Anteil von 10,3 Prozent am gesamtdeutschen

GreenTech-Umsatz. Getrieben

wird das Wachstum vor allem

durch kleine und mittelständische Unternehmen.

So wurden laut Standortgutachten

42 Prozent des Umsatzes durch Unternehmen

mit einem maximalen Umsatz

von 50 Millionen Euro bestritten.

Die umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung

und Verteilung von Energie ist

mit mehr als der Hälfte der GreenTech-

Beschäftigten der mit Abstand größte

Leitmarkt für grüne Technologien im Osten

Deutschlands. Knapp ein weiteres

Drittel der Arbeitnehmer stand 2012 in

der Kreislaufwirtschaft und der nachhaltigen

Wasserwirtschaft in Lohn und Brot.

MARKTVOLUMEN GREENTECH

Das Marktvolumen der einzelnen GreenTech-Märkte 2013 in Deutschland

Markt

Milliarden

Euro

Weltmarktanteil

in %

Energieeffizienz 100 12

Umweltfreundliche Erzeugung,

Speicherung und Verteilung von Energien

73 17

Nachhaltige Mobilität 53 17

Nachhaltige Wasserwirtschaft 53 11

Rohstoff- und Materialeffizienz 48 13

Kreislaufwirtschaft 17 17

Als Wachstumskern gilt aber auch die

Produktion und Forschung im Bereich der

Brennstoffzellen. Unternehmen wie die

Riesaer Brennstoffzellentechnik GmbH

oder die Dresdner FuelCell Energy Solutions

sind am Markt etabliert, geforscht

wird am Hydrogen and Informatics Institute

of Applied Technologies (HIAT) in

Schwerin, dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung

und Technologie in Greifswald

oder an der Technischen Universität

Freiberg.

Berlin als Ballungsraum mit hohem Pendleraufkommen

bietet laut Standortgutachten

alle Voraussetzungen für Lösungen

rund um die nachhaltige Mobilität und

eine intelligente Verkehrssteuerung. In

der energieeffizienten Produktion profiliert

sich Sachsen rund um die neue „E³-

Forschungsfabrik Ressourceneffiziente

Produktion“ in Chemnitz. Die mittelständische

Wirtschaft in Sachsen und Thüringens

verfügt darüber hinaus über besonderes

Know-how im Bereich des Maschinenbaus

in der Kreislaufwirtschaft.

Die ostdeutschen GreenTech-Branchen

werden auch von einer forcierten Gründungsdynamik

getrieben. Dies belegt

der vom Borderstep Institut in Zusammenarbeit

mit der EXIST-Gründerhochschule

Universität Oldenburg berechnete

Green Economy Gründungsmonitor, der

das bundesweite Gründungsgeschehen

in den Bereichen GreenTech, Erneuerbare

Energien, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft

und Klimaschutz analysiert.

Demnach gingen in der Green Economy

im Zeitraum von 2006 bis 2013 in

Deutschland rund 170.000 neue Unternehmen

mit nahezu 1,1 Millionen Arbeitsplätzen

an den Start. Mit rund 85.000 Unternehmensgründungen

sind die Erneuerbaren

Energien das größte Feld für grüne

Start-ups (50 Prozent). Fast 73.000 Gründungen

(43 Prozent) entfallen auf den Bereich

Energieeffizienz.

In 2013, dem letzten aktuellen Erhebungsjahr,

entstanden in Deutschlands

grüner Wirtschaft rund 16.700 neue Unternehmen,

dies entspricht einem Anteil

von 14 Prozent an allen Gründungen bundesweit.

Besonders in Mecklenburg-Vorpommern

und Brandenburg belebt Green-

Tech der Studie zu Folge das gesamte

Gründungsgeschehen. Hier beträgt der

Anteil der grünen Start-ups über 20 Prozent

am gesamten Gründungsgeschehen.

Auf überdurchschnittliche Anteile

kommen GreenTech-Gründungen auch

in Sachsen und Sachsen-Anhalt. W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


40 | W+M TITEL GREENTECH

Der Windpark Baltic 1 der EnBW produziert

Strom auf hoher See.

Leitmarkt Umweltfreundliche Erzeugung und Speicherung von Energie

DIE VORREITER DER WENDE

Wind, Sonne, Biomasse – die ostdeutschen

Bundesländer gelten

als treibende Kraft sowohl

beim Ausbau der Erneuerbaren Energien

als auch bei der Forschung zu neuen Speichertechnologien.

Nach zwei Jahren Bauzeit war es Mitte

September endlich soweit: Vor Rügens

Küste nahm der Ostsee-Windpark Baltic

2 des Energiekonzerns EnBW seinen Betrieb

auf. Strom für 340.000 Haushalte soll

der größte Windpark im Ostseeraum künftig

auf hoher See erzeugen. Und dies ist

nur der Anfang, denn in der Ostsee stehen

noch vier weitere Offshore-Projekte in den

Startlöchern. Ein Konjunkturprogramm

nicht nur für die Betreiber der Windparks,

sondern auch für die traditionelle maritime

Industrie des Landes ebenso wie für die

Zuliefererindustrie, die Dienstleister und

die Häfen Mecklenburg-Vorpommerns.

Auch an Land ist die Erneuerbare-Energien-Branche

zum Hoffnungsträger für

Deutschlands Nordosten aufgestiegen.

Schon heute resultiert mehr als jeder 40.

Arbeitsplatz in Mecklenburg-Vorpommern

aus dem Ausbau der Erneuerbaren Energien,

mehr als in jedem anderen deutschen

Bundesland.

Ein Ende des Booms ist nicht absehbar: Die

Ökostrom-Erzeugung in Mecklenburg-Vorpommern

wuchs allein 2014 um weitere

14 Prozent. Zwei Drittel des gesamten im

Nordosten produzierten Stroms stammen

mittlerweile aus Windkraft, Sonnenenergie

oder Biogasanlagen, meldete im September

das Statistische Landesamt Mecklenburg-Vorpommerns.

1.707 Windturbinen,

rund 14.000 Photovoltaik-Anlagen und 540

Biogasanlagen sorgen zwischen Müritz und

Ostseestrand mittlerweile für den bundesweit

höchsten Anteil Erneuerbarer Energien

am Primärenergieverbrauch.

Die Energiewende mutiert so zum Jobmotor

für das weitenteils eher strukturschwache

Land. Der Jahresreport 2014/2015 der

Agentur für Erneuerbare Energien bezifferte

die Zahl der durch den Betrieb und die

Wartung der bisher gebauten Anlagen neu

geschaffenen Jobs im Jahr 2013 in Mecklenburg-Vorpommern

auf 3.000.

Aber nicht nur an der Ostsee weht ein frischer

Wind: Bei der installierten Windenergie-Leistung

– so ermittelten jüngst das

Deutsche Windenergie Institut und die

Deutsche WindGuard GmbH – nehmen

auch Brandenburg (zweite Position) und

Sachsen-Anhalt (vierte Position) Führungspositionen

im bundesweiten Ländervergleich

ein. Bei der neu installierten Leistung

2014 lag Brandenburg auf dem dritten

Platz.

Und in Brandenburg drehen sich nicht nur

die Windränder in immer größerer Zahl.

Das Land treibt auch den Bau großer Batteriekraftwerke

und die Aufnahme von Pilotprojekten

zu neuen Speichertechnologien

voran. Sie gelten schließlich als unverzichtbarer

Baustein für das Gelingen

der Energiewende, weil sie helfen, Netzschwankungen

zu stabilisieren.

So ging beispielsweise im September im

energieautarken Dorf Feldheim bei Treuenbrietzen

Europas größter Energiespeicher

ans Netz. Die Lithium-Ionen-Batterieanlage

soll bei einer Kapazität von zehn

Megawatt die im benachbarten Windpark

Feldheim erzeugte Energie speichern. Bei

einem Stromüberangebot dient das Regelkraftwerk

dazu, innerhalb kurzer Zeit das

Netz zu entlasten. Bei erhöhter Nachfrage

wird dagegen in Sekundenschnelle Leistung

abgegeben. Für das Projekt steuerte

Brandenburg fünf Millionen Euro aus Mitteln

der EU zur Förderung Erneuerbarer

Energien bei.

Matthias Salm

Foto: EnBW

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


42 | W+M TITEL

Leitmarkt Energieeffizienz

INVESTITIONEN IN DIE SPARSAMKEIT

Thüringens Umwelt- und Energieministerin

Anja Siegesmund (Bündnis

90/Die Grünen) ist sich sicher:

„Energieeinsparung, Effizienz und Green-

Tech – das sind Treiber des Wachstums.“

Und ließ im Namen der thüringischen

Landesregierung den Worten Taten folgen.

Denn die Erfurter Koalitionäre haben

die bisherige Energieeffizienzförderung

des Landes sowohl vom Fördervolumen

als auch inhaltlich massiv ausgeweitet.

Mit einem Gesamtvolumen von

fast 59 Millionen Euro im Rahmen des

Programms „GREEN invest“ will der Freistaat

bis zum Jahr 2020 Energieeffizienzmaßnahmen

und innovative Pilotprojekte

zur Nutzung Erneuerbarer Energien in

Thüringer Unternehmen fördern.

Die forcierte Unterstützung beim Thema

Energieeffizienz dürfte beim Mittelstand

des Landes auf offene Ohren stoßen.

In einer Mittelstandsbefragung der

Commerzbank AG erkannten jüngst 56

Prozent der Thüringer Unternehmen Einsparpotenziale

beim betrieblichen Energieverbrauch.

Im benachbarten Sachsen-

Anhalt waren es gar 62 Prozent, in Sachsen

setzen 55 Prozent der befragten mittelständischen

Firmen das Thema auf die

Agenda.

Denn längst haben auch die kleinen und

mittleren Unternehmen in Ostdeutschland

erkannt, dass sich mittels Energieeinsparungen

die eigene Wettbewerbsfähigkeit

steigern lässt. Wie beispielsweise

die KTB Transformatorenbau

GmbH aus dem thüringischen Dingelstädt.

Das Unternehmen analysierte seine

gesamten Energieverbrauchsdaten

und konnte durch die konsequente Umsetzung

von einzelnen Effizienzprojekten

ein beachtliches Einsparpotenzial

verwirklichen.

Wie ostdeutsche Betriebe künftig mit

erheblich reduziertem Energie- und Materialeinsatz

produzieren können, ohne

bei der Wertschöpfung Abstriche machen

zu müssen, wird aber nicht nur in

den Unternehmen selbst erprobt. Denn

in der Forschung zu energieeffizienteren

Produkten und ressourcenschonenden

Produktionsverfahren sind ostdeutsche

Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

führend.

So eröffnete 2014 in Chemnitz die neue

„E³-Forschungsfabrik Ressourceneffiziente

Produktion“. Die drei E stehen

für die Entwicklung neuer Maschinen,

Technologien und Prozesse mit dem

Ziel, Energie und Ressourcen einzusparen

und eine emissionsneutrale Fabrik zu

konzipieren. Das Chemnitzer Fraunhofer-

Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik

IWU arbeitet bereits seit fast

20 Jahren mit der Technischen Universität

(TU) Chemnitz und der regionalen

Wirtschaft gemeinsam an Lösungen für

die energie- und ressourcenschonende

Produktion.

Die neue Chemnitzer Modellfabrik baut

dabei auf vorherige Forschungsprojekte in

Sachsen auf. So startete das Fraunhofer

IWU 2009 gemeinsam mit der TU Chemnitz

bereits das sächsische Spitzentechnologiecluster

„Energieeffiziente Produktund

Prozessinnovationen in der Produktionstechnik“.

Von 2010 bis 2012 forschte

zudem die Innovationsallianz Green Carbody

Technologies zu der Frage, wie der

Energieeinsatz im Karosseriebau um 50

Prozent reduziert werden kann.

Die „E³-Forschungsfabrik Ressourceneffiziente Produktion" in Chemnitz.

Und ebenfalls 2009 wurde im benachbarten

Dresden das „Dresdner Innovationszentrum

Energieeffizienz“ gegründet.

Hier arbeiten Wissenschaftler der

TU Dresden und der Dresdner Fraunhofer-Institute

unter anderem zu den Themen

Leichtbau und energieeffiziente Fertigung

sowie energiesparende Displays.

Matthias Salm

Foto: Fraunhofer IWU

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


GREENTECH | 43

Leitmarkt Nachhaltige Mobilität

Noch ist es Wunschdenken und daran

scheint sich in allzu naher Zukunft

auch nichts zu ändern: eine

Million Elektroautos auf deutschen Straßen

im Jahr 2020. Dieses hehre Ziel hatte

die Bundesregierung vor zwei Jahren

im Rahmen der Energiewende ausgerufen.

Inzwischen gibt man sich angesichts

schleppender Zulassungszahlen zurückhaltender.

Einen entscheidenden Schub für die nachhaltige

Mobilität erhofft man sich dabei

auch aus der Hauptstadt. Schließlich wird

in der Region Berlin–Brandenburg im

Rahmen des Bundesförderprogramms

„Schaufenster Elektromobilität“ in mehr

als 130 Projekten an zukunftsweisenden

Antriebstechnologien gearbeitet. Rund 83

Millionen Euro stehen für die Schaufensterprojekte

bereit.

Im Einsatz: Der E-Bus der BVG.

BERLIN MACHT ELEKTROMOBIL

Elektromobilität beschränkt sich aber keineswegs

auf private Pkw. So unterhalten

die Berliner Verkehrsbetriebe etwa zwischen

den Haltepunkten Bahnhof Zoo und

Südkreuz die E-Bus-Linie 204, und die Berliner

Stadtreinigung verfügt über ein elektrisch

betriebenes Sperrmüllfahrzeug im

Fuhrpark. Auch Großunternehmen nutzen

die Hauptstadt als Testlabor. Wie der Paketzustelldienst

Hermes, der im Rahmen des

Schaufensters Elektromobilität erstmals

ein elektrifiziertes Lieferfahrzeug einsetzt.

Projekte wie diese befeuern auch die

Hoffnung, die nachhaltige Mobilität könne

sich in Berlin als zukunftsfähiger Wirtschaftszweig

etablieren. Allein in 2014 haben

Berliner Unternehmen nach Angaben

von Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia

Yzer (CDU) mehr als 20 Millionen Euro in

den Bereich E-Mobilität investiert.

Nachhaltige Mobilitätslösungen umfassen

aber mehr als nur den erhofften Siegeszug

der Elektromobilität. Gefragt ist das Miteinander

verschiedenster nachhaltiger Verkehrsmittel.

Das treibt vor allem die Berliner

Start-up-Szene um, wie etwa das

2008 gegründete Unternehmen ubitricity.

Eine seiner Ideen: Straßenlaternen im

Zuge ihrer Modernisierung als Ladepunkte

für Elektrofahrzeuge aufzurüsten. Dabei

kommen mobile intelligente Stromzähler

im Ladekabel zum Einsatz, mittels derer

die Nutzer den Ladepunkt freischalten, laden

und den Strom mit einem Stromlieferanten

ihrer Wahl abrechnen können.

Neue Wege gehen junge Berliner Unternehmen

auch beim Car-Sharing. So vereint

das jüngst von einem Investor übernommene

Start-up CarJump, alle Carsharing-Angebote

in einer App. Die CarJump-

App ermöglicht das Finden, Reservieren

und Buchen von Autos der meistgenutzten

Carsharing-Anbieter in Deutschland,

wie beispielsweise DriveNow, car2go

oder multicity.

Auch das Start-up-Projekt eMio versucht,

eine Lücke im Markt zukünftiger Mobilität

zu finden: Statt auf Car- oder Bike-Sharing

setzen die eMio-Gründer auf Elektroroller.

150 Fahrzeuge sind bereits in Berlin unterwegs.

Die Handy-App verrät, wo das

nächste Fahrzeug steht, die Freischaltung

erfolgt über das Smartphone. Die Akkus

reichen für eine Strecke von 120 Kilometern.

Mit dieser Idee gewann eMio 2015

den Innovationswettbewerb der Hauptstadtkonferenz

Elektromobilität.

Matthias Salm

Fotos: BVG, Oliver Lang (oben), Matthias Salm (unten)

2.000 E-Autos rollten Mitte 2015 auf den

Straßen der Hauptstadt, die meisten davon

allerdings im gewerblichen Bereich,

bei Mietwagenfirmen und im Bestand der

Car-Sharing-Anbieter. Zu wenig, monieren

die Kritiker, deren Blick vor allem den privaten

Nutzerzahlen gilt.

E-Roller des Start-ups eMio.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


44 | W+M TITEL GREENTECH

Leitmarkt Kreislaufwirtschaft

KNOW-HOW MIT TRADITION

Prozent aller Firmen Dienstleister sind, lediglich

zwei Prozent sind Hersteller von

Maschinen und Anlagen.

Laut CleanTech-Standortgutachten liegt

der jährliche Gesamtumsatz aller Unternehmen

im Leitmarkt Kreislaufwirtschaft

bei rund 5,2 Milliarden Euro. Die Branche

ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen

sowie einigen wenigen Großunternehmen,

die einen vergleichsweise

großen Anteil am Gesamtumsatz tragen.

So entfallen etwa 27 Prozent des Umsatzes

auf Unternehmen mit bis zu zehn

Millionen Euro Jahresumsatz. 29 Prozent

des Umsatzes erarbeiten Firmen, die pro

Jahr Umsätze zwischen elf und 50 Millionen

Euro erzielen. Großunternehmen

verbuchen 44 Prozent der Umsätze für

sich. Ganz klar dominiert wird der Leitmarkt

Kreislaufwirtschaft in den neuen

Ländern von den Bereichen Abfallsammlung

und -transport sowie Abfallverwertung,

in denen insgesamt 4,3 Milliarden

Euro bilanziert werden.

In ihrer modernen Sortieranlage in Berlin bereitet die ALBA Group Wertstoffe auf.

Dem Leitmarkt Kreislaufwirtschaft

kommt wegen der weltweit knapper

werdenden Primärrohstoffe

perspektivisch eine zentrale Rolle im

CleanTech-Bereich zu. Da Rohstoffengpässe

schon zu DDR-Zeiten ein ständiges

volkswirtschaftliches Problem waren

und daher frühzeitig flächendeckend

Sekundärrohstofferfassungssysteme für

Papier, Glas und Altmetalle eingeführt

wurden, können die neuen Bundesländer

heute auf erhebliches Know-how und

eine in Teilen führende Forschungslandschaft

zurückgreifen.

Speziell in Thüringen und Sachsen agieren

Unternehmen, die sich auf den Maschinenbau

für Anwendungen in der Entsorgungs-

und Kreislaufwirtschaft spezialisiert

haben. Da die Menschen zwischen

Ostsee und Thüringer Wald seit

Jahrzehnten aktiv Mülltrennung praktizieren,

werden hier oft höhere Wertstoffsammelquoten

erreicht als in den

alten Bundesländern. Berlin gilt heute

als Hochburg für innovative Recyclinglösungen.

Vor allem, weil hier die Nummer

zwei der deutschen Recyclingunternehmen,

die ALBA Group, ihren Hauptsitz

hat und sich darüber hinaus die kommunale

Berliner Stadtreinigung (BSR) und

Recycling-Marktführer Remondis stark

engagieren.

In einem CleanTech-Standortgutachten

für das Jahr 2013, das die Wirtschaftsprüfergesellschaft

KPMG, das Deutsche

CleanTech Institut sowie das Forschungsinstitut

EuPD Research im Auftrag der

Bundesregierung erarbeiteten, wurden

in Ostdeutschland knapp 700 Unternehmen

identifiziert, die in der Kreislaufwirtschaftsbranche

aktiv sind. 29 Prozent dieser

Firmen sind in Sachsen ansässig, je

18 Prozent in Brandenburg und Sachsen-

Anhalt, 16 Prozent in Thüringen, 13 Prozent

in Berlin und sechs Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.

Bei der Betrachtung

der Unternehmensstruktur nach

Wertschöpfungsstufen fällt auf, dass 98

In der ostdeutschen Kreislaufwirtschaft

stehen rund 28.700 Arbeitnehmer in

Lohn und Brot, 72 Prozent davon in kleinen

und mittleren Betrieben.

Die Forschungslandschaft ist nach Einschätzung

der von der Bundesregierung

beauftragten Gutachter „insgesamt sehr

klein und verstreut auf viele Regionen“.

Forschungsschwerpunkte liegen in Berlin,

Mittelsachsen, Nordthüringen und

Vorpommern. Etwa 1.400 Beschäftigte

sind in ostdeutschen Forschungseinrichtungen

für den Leitmarkt Kreislaufwirtschaft

tätig. Allerdings gibt es durchaus

wissenschaftliche Leuchttürme, die

für Innovationen sorgen. So forschen die

Technischen Universitäten Dresden und

Ilmenau sowie die Universität Magdeburg

an modernen Maschinenbaulösungen

für die Kreislaufwirtschaft. Die Bergakademie

Freiberg, das Helmholtz-Institut

Freiberg für Ressourcentechnologie

sowie das Thüringische Institut für Textil-

und Kunststoffforschung engagieren

sich erfolgreich bei der Entwicklung von

neuartigen Recyclingverfahren.

Karsten Hintzmann

Foto: ALBA Group

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


Partnerschaft verbindet.

Die Helaba ist Sparkassenzentralbank in Hessen, Thüringen,

Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Als Partner von 40 %

aller deutschen Sparkassen sind wir die Verbundbank der

deutschen Sparkassenorganisation. Mit unserem bundesweiten

Dienstleistungsangebot stehen wir nicht nur für Kompetenz und

Professionalität, sondern auch für individuelle Lösungen und

nachhaltige Strategien.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.helaba.de

Banking auf dem Boden der Tatsachen.


46 | W+M TITEL

„GREENTECH IST UND BLEIBT

EIN DYNAMISCHER MARKT“

W+M-Interview mit DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer

W+M: Herr Dr. Schweitzer, wie ist es

um den Bereich GreenTech aktuell in

Deutschland bestellt?

Eric Schweitzer: GreenTech ist und

bleibt ein dynamischer Markt mit zukunftsfähigen

Produkten und Arbeitsplätzen.

Aktuelle Zahlen verdeutlichen dies:

In Deutschland lag das Marktvolumen für

Umwelttechnik und Ressourceneffizienz

vor zwei Jahren bei fast 350 Milliarden

Euro – und es wird sich bis 2025 voraussichtlich

verdoppeln. Schon 2012 hatten

wir rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze auf

diesem Gebiet.

W+M: Warum hat GreenTech aus Ihrer

Sicht eine strategisch hohe Bedeutung

für unser Land?

Eric Schweitzer: Deutschland ist ein

rohstoffarmes Land. GreenTech bietet

die Chance, diesen Standortnachteil

auszugleichen. Aber auch international

ist GreenTech ein Wachstumsmarkt. Experten

schätzen, dass der globale Markt

im Jahr 2025 bei über fünf Billionen Euro

liegen wird.

W+M: Kommen wir zu den neuen Bundesländern.

Wo gibt es regionale Hochburgen

in Sachen GreenTech?

Eric Schweitzer: GreenTech-Hochburgen

gibt es in allen neuen Bundesländern.

In Sachsen zum Beispiel sind

rund 650 Unternehmen mit mehr als

12.000 Mitarbeitern in der Umwelttechnikbranche

aktiv. Der Exportanteil

liegt mit 35 Prozent deutlich

über dem Bundesdurchschnitt.

In Brandenburg boomt der

Markt mit der Erzeugung,

Speicherung und Verteilung

der Energie. In

Mecklenburg-Vorpommern

wurde das führende Unternehmensnetzwerk

für Windenergie gegründet.

In Thüringen wird viel in die Energieforschung

investiert.

W+M: Auf welchen der sechs Green-

Tech-Leitmärkten kommen Unternehmen

aus Ostdeutschland besonders gut

voran?

Eric Schweitzer: Die Erfolgsgeschichten

ziehen sich durch alle Bereiche. In

Sachsen-Anhalt hat einer der führenden

Windkraftanlagenhersteller Deutschlands

seinen größten Produktionsstandort

mit 4.500 Mitarbeitern. In Mecklenburg-Vorpommern

ist insbesondere

die On- und Offshore-Windenergieerzeugung,

in Thüringen der Energiebereich

insgesamt stark ausgeprägt.

In Sachsen dominiert neben der

Energietechnik die Kreislaufwirtschaft

sowie die Wasser- und

Abwassertechnik.

W+M: Wo sehen Sie die Ursachen

dafür?

Eric Schweitzer:

Familienunter nehmer und

DIHK-Präsident.

Eric Schweitzer: Als die Unternehmen

in den neuen Bundesländern sich nach

der Wiedervereinigung eine Nische im

Markt suchten, lag es nahe, auf sparsame

Energie- und Rohstoffnutzung zu setzen.

Sachsen und Thüringen haben eine

lange Tradition als Industriestandort, auf

der aufgebaut werden konnte. Die relativ

niedrige Einwohnerdichte in manchen Regionen

Ostdeutschlands ist in diesem Fall

ein Vorteil, weil für die Entwicklung und

Nutzung von Erneuerbaren Energien viel

Raum vorhanden ist.

W+M: Was sollte die Politik zusätzlich

tun, um die Entwicklung von GreenTech

in unserem Land noch stärker nach vorn

zu bringen?

Eric Schweitzer: Auch Green Economy

ist Economy! Nur leistungsstarke Unternehmen

können im globalen Markt erfolgreich

sein. Deshalb brauchen wir einen

Rahmen, der Innovationen und neue

Produkte fördert. Gut finde ich, dass die

Bundesregierung auf dem Gebiet der Umweltforschung

gerade anwendungsbezogene

Projekte fördert. Die geplante

Exportinitiative

für Umwelttechnologie

kann wichtige

Impulse schaffen.

W+M: Ist die politische

Fokussierung

auf Erneuerbare

Energien

aufgrund der damit

verbundenen

höheren Stromkosten

ein Wettbewerbsnachteil

für die heimische

Wirtschaft?

Foto: HC Plambeck

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


GREENTECH | 47

Gemeinsam mit seinem Bruder Axel führt Eric Schweitzer die auf Recycling spezialisierte ALBA Group.

Foto: ALBA Group

Eric Schweitzer: Eindeutig ja. Ziel

des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

war es, Innovationen anzuregen. Daraus

wurde die Finanzierung eines breiten

Rollouts längst etablierter Technologien

wie Windkraft und Photovoltaik,

den die Stromabnehmer teuer bezahlen.

Das wirkt sich nachteilig auf die Wettbewerbsfähigkeit

der Unternehmen in

Deutschland aus: Die Stromkosten sind

hierzulande höher als die der Mitbewerber

im Ausland.

W+M: Als Inhaber der auf Recycling und

Kreislaufwirtschaft spezialisierten ALBA

Group engagieren Sie sich auch persönlich

in Sachen GreenTech. Verraten Sie

uns, wie Ihr Unternehmen ganz konkret

GreenTech lebt?

Eric Schweitzer: Modernste Umwelttechnologien

kommen bei uns in vielen

Bereichen zum Einsatz, zum Beispiel in

der Wertstoffsortierung. Bundesweit betreiben

wir mehrere hocheffiziente Anlagen

zur Sortierung von Leichtverpackungen

und anderen Wertstofffraktionen

aus dem System Gelbe Tonne/Gelber

Sack. Diese Anlagen, unter anderem

in Leipzig und Berlin, bieten technisch innovativste

Verfahren unter Einsatz von

Optoelektronik und Nah-Infrarot-Kameras.

Wir erreichen dadurch eine präzise

Trennung in zwölf verschiedene Fraktionen

und Sortierquoten von 95 Prozent.

W+M: Im Bereich Recycling hat ALBA

etliche Verfahren entwickelt, mit denen

die Kreislaufkette bei bestimmten Stoffen

tatsächlich geschlossen wird. Worauf

sind Sie besonders stolz?

ZUR PERSON

Eric Schweitzer wurde 1965 in Ipoh

(Malaysia) geboren. Gemeinsam mit

seinem Bruder Axel führt er die ALBA

Group. Das Recyclingunternehmen beschäftigt

etwa 9.000 Mitarbeiter und

erwirtschaftet einen Jahresumsatz von

rund drei Milliarden Euro. Seit 2004 ist

Schweitzer Präsident der Berliner IHK.

Im März 2013 wurde er zum Präsidenten

des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

(DIHK) gewählt.

Eric Schweitzer: Beim Kunststoffrecycling

bilden wir heute die gesamte Kette ab:

Wir sammeln Altkunststoffe, sortieren sie

und schenken ihnen schließlich als qualitativ

hochwertige Sekundärrohstoffe ein

zweites Leben. Das geschieht zum Beispiel

in Eisenhüttenstadt, wo wir eine Anlage

zur Kunststoffaufbereitung betreiben.

Altkunststoffe werden hier mit Hilfe ausgereifter

Technologien zu unserem Recyclingkunststoff

Procyclen verarbeitet. Procyclen

ist ein vollwertiges Neuwaresubstitut, das

in Qualität und Eigenschaften neuen Kunststoffen

ebenbürtig ist. Dafür wurde es bereits

mehrfach ausgezeichnet. Es gibt keinen

Grund mehr, warum Kunststoffe heute

noch auf Rohöl basieren müssen.

W+M: Ihr Unternehmen ist in ganz

Deutschland sowie international aktiv.

Gibt es unter dem Blickwinkel GreenTech

einen ALBA-Leuchtturm zwischen Warnemünde

und dem Fichtelberg, den Sie

hier erwähnen möchten?

Eric Schweitzer: Dazu zählen sicher die

beiden MPS-Anlagen in Berlin, die wir

gemeinsam mit den Berliner Stadtreinigungsbetrieben

(BSR) betreiben. Mit einem

speziell entwickelten Verfahren werden

dort aus Haushaltrestabfällen Wertstoffe

wie Metalle und Inerte gewonnen

und ein klimafreundlicher Ersatzbrennstoff

– Grüne Kohle – produziert, der anschließend

zum Beispiel in Kraftwerken

eingesetzt wird. Derzeit erlebt die Grüne-

Kohle-Technologie eine enorme internationale

Nachfrage, vor allem aus Ländern

wie China, die eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

auf technisch hohem Niveau

aufbauen wollen.

Interview: Karsten Hintzmann

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


48 | W+M RATGEBER

MUT ZUR RENDITE

Durch die Umstellung auf Erneuerbare Energien allein kann die

Energiewende nicht gelingen. Eine Steigerung der Energieeffizienz

ist nötig, um den Energieverbrauch zu senken. Deshalb hat die

Förderbank KfW ihre Kredite noch einmal verbilligt. Die Zinssätze

starten bei nur einem Prozent – auch für sehr langfristige Kredite.

Von Axel Mörer-Funk

Um Geld zu sparen, hat Wolfgang

Deiß erstmal ordentlich investiert.

800.000 Euro KfW-Kredit steckte

der Chef der Berliner Möbelfabrik Artis in

Gebäude- und Heiztechnik, um die Heizkosten

auf null zu bringen. „Wir hätten

nie gedacht, dass sich die Abfallprodukte

unserer Arbeit nutzen lassen, um damit

ein Gebäude von diesem Ausmaß zu

beheizen“, so Deiß.

Sämtliche Holzabfälle werden in dem

Berliner Unternehmen aufgefangen, zerkleinert

und gelagert. Damit wird der

Heizkessel befeuert. Im Sommer entstehen

so große Mengen Holzschnipsel,

dass das Unternehmen nicht nur bequem

über den Winter kommt. Es ist sogar

noch genug Heizenergie übrig, um

eine benachbarte Bürofläche von 500

Quadratmetern mitzuheizen. „Als wir

unseren Nachbarn, ebenfalls Gewerbetreibenden,

angeboten haben, etwas

von unserer überschüssigen Wärme abzugeben,

waren sie sofort begeistert.“

„Die Energieeffizienzpotenziale in den

Unternehmen in Deutschland sind

enorm“, sagt Katrin Leonhardt, Direktorin

der KfW Mittelstandsbank. Das ist

auch der Grund, warum die Bundesregierung

im Rahmen der Energiewende weitere

Mittel zur Verfügung stellt. Denn allein

durch Abschalten der Atomkraftwerke

und die Umstellung der Energieerzeugung

auf Erneuerbare Energie kann die

Energiewende nicht gelingen. Die zweite

Säule ist die Steigerung der Energieeffizienz,

um den Energieverbrauch zu senken.

Dabei sind Industrie und Handwerk ein

wesentlicher Faktor. „Die Unternehmen

spielen eine sehr große Rolle, weil ei-

Einsparpotenzial durch energetische Sanierung

Um bis zu 80 % kann der Endenergieverbrauch durch eine energetische Sanierung reduziert werden.

Davon rund 40 % durch Dämmung. Die reale Einsparung ist vom Nutzerverhalten und dem

Ausgangszustand abhängig. Die Grafik zeigt Einsparungen am Beispiel eines Zweifamilienhauses

aus dem Baujahr 1972.

Endenergiebedarf vor Sanierung: 78.000 kWh (290 kWh/m²)

Endenergiebedarf nach Sanierung: 18.000 kWh (67 kWh/m²)

Dämmung Dach:

13 % Einsparung

Dreischeibenverglasung:

10 % Einsparung

Fassadendämmung:

22 % Einsparung

Modernisierung Heizungsanlage:

15 % Einsparung

Erneuerung der Warmwasserbereitung

und Dämmung der Leitung:

12 % Einsparung

Dämmung Keller:

5 % Einsparung

Quelle Schaubild: KfW 2015

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


FINANZEN | 49

nerseits etwa 30 Prozent des Energieverbrauchs

auf die Produktion der Unternehmen

und weitere 15 Prozent auf

Gewerbe, Handel und Dienstleistungen

entfallen“, so Leonhardt. „Andererseits

benötigen Nichtwohngebäude wie Produktionshallen

und Bürohäuser ein Drittel

der gesamten Energie, die überhaupt

in Gebäuden verbraucht wird.“ Das heißt:

Investitionen in Produktionsanlagen und

Gebäude haben enorme Hebelkraft. Leonhardt:

„Energie, die nicht produziert

werden muss, hilft nicht nur der Energiewende,

sie steigert auch die Wettbewerbsfähigkeit

unserer Unternehmen,

die dadurch günstiger produzieren können.“

Nun hat auch die Staatsbank KfW ihr

Energieeffizienzprogramm für Unternehmen

verbessert. Obwohl Baugeld im Moment

auch bei den Hausbanken günstig

zu haben ist, bieten die KfW-Mittel den

Unternehmen einen weiteren Vorteil: Der

günstige Zinssatz von im niedrigsten Fall

nur einem Prozent gilt nicht nur für kurzfristige

Kredite, sondern auch bei Laufzeiten

von bis zu 20 Jahren. Dabei ist der

Zinssatz umso günstiger, je mehr die eingesetzten

Mittel zur Effizienzsteigerung

beitragen. Gleichzeitig bietet die KfW Tilgungszuschüsse

von bis zu 17,5 Prozent

der Investitionssumme für energieeffiziente

Gebäude. „So lukrativ wie jetzt

war es noch nie, Maschinen und Gebäude

energetisch zu verbessern“, so KfW-

Expertin Leonhardt.

bauten oder die Sanierung vorhandener

Produktions- und Bürogebäude nutzen“,

so Leonhardt. Damit kann praktisch jedes

energieeffiziente Gebäude in Deutschland

von der KfW gefördert werden.

Die Berliner Möbelschreinerei Artis ist

ein gutes Beispiel dafür, dass die Investition

sich lohnt. Der Betrieb wollte

in ein altes Fabrikgebäude mit fast

2.000 Quadratmetern Fläche umziehen.

Die acht Meter hohe Fabrikhalle

im Winter auf Betriebstemperatur

zu bringen, hätte

Unsummen verschlungen.

Doch Deiß und Mitinhaber

Holger Meyer zogen alle

Register.

Die Wände wurden mit

Cellulose gedämmt,

das Dach zur Wärmeisolierung

begrünt,

eine Solaranlage erzeugt

den Strom,

den die Möbelbauer

für Beleuchtung,

EDV, Pumpen und

Belüftung brauchen.

Die größte Ersparnis

stellt sich mit dem Wintereinbruch

ein, wenn die

gelagerten Holzschnipsel

zum Einsatz kommen: Deiß

braucht keinen einzigen Euro

zusätzlich, um die Produktionshalle

und Büros zu heizen.

Foto: 29mokara/fotolia.com

INFORMATIONEN ZUM

KFW-EFFIZIENZPROGRAMM

Die wichtigsten Informationen bietet

die KfW im Internet unter

www.kfw.de/energieeffizienz oder

telefonisch unter 0800 5399001.

Zusätzlich hat die KfW ihr Programm

„Energieeffizient Bauen und Sanieren“,

das sich bislang allein auf Wohngebäude

konzentrierte, auch für gewerblich genutzte

Gebäude geöffnet. „Jetzt können

auch Unternehmen günstige Kredite und

Tilgungszuschüsse der KfW für ihre Neu-

Allerdings gehört das Berliner Unternehmen

zu den wenigen, die ihre Energieeffizienz

verbessert haben. Wie groß

das Potenzial ist, zeigt auch das Mittelstandspanel

der KfW, für das die Aussagen

von 2.000 mittelständischen Unternehmen

berücksichtig wurden. Danach

halten 43 Prozent der kleinen Unternehmen

mit weniger als zehn Beschäftigten

Energieeinsparung für wichtig, aber

nur jedes dritte kleine Unternehmen

hat bislang in Effizienzmaßnahmen investiert.

Bei den mittleren Unternehmen

mit bis zu 50 Beschäftigten haben

in den vergangenen drei Jahren 48

Prozent investiert, obwohl 61 Prozent

Energieeinsparung für relevant halten.

Immerhin

ist die Bereitschaft der

Unternehmen da, mehr für den effizienteren

Einsatz von Energie zu tun. Das ergab

eine aktuelle Umfrage der DZ Bank

unter 1.000 Mittelständlern. Demnach

will gut die Hälfte der Mittelständler in

den nächsten zwei Jahren in Energieeffizienz

investieren. „Wir hoffen, dass wir

mit dem verbesserten Energieeffizienzprogramm

der KfW die Zahl dieser Unternehmen

steigern können“, so KfW-

Direktorin Leonhardt.

W+M

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


50 | W+M RATGEBER

ALTERNATIVE MITTEL-

STANDSFINANZIERUNG

Vier Fragen an …

Dr. Michael Bormann

Warum sollten sich Unternehmer mit

alternativen Finanzierungen beschäftigen?

Unter alternativer Unternehmensfinanzierung

versteht man Finanzierungsformen

abseits des klassischen Bankkredites.

Die Zeiten, in denen ein Unternehmer

zu seiner Hausbank ging, um sich

für sein Unternehmen die notwendige Liquidität

für Wachstum oder Konsolidierung

zu beschaffen, sind längst vorüber.

Heute müssen die Unternehmer alternativ

denken und neue Wege bei der Finanzierung

gehen.

Was gibt es für Alternativen zum klassischen

Bankkredit?

Das Spektrum ist vielfältig. So sollte man

zunächst die Möglichkeiten betrachten,

die die Förderbanken und der öffentliche

Sektor anbieten. Dies sind beispielsweise

Förderkredite der staatlichen KfW-Bank.

Daneben gibt es die Bürgschaftsbanken,

die Kredite verbürgen und damit Sicherheiten

bereitstellen. Die mittelständischen

Beteiligungsgesellschaften in den einzelnen

Bundesländern investieren zumeist in

Minderheitsbeteiligungen in die Unternehmen

und erhöhen so die Eigenkapitalquote.

Daneben gibt es länderspezifische Programme

etwa bei Mezzaninen, die zur Zwischenfinanzierung

genutzt werden können.

Das ist die eine Seite. Darüber hinaus

gibt es die Möglichkeit, privates Kapital zu

akquirieren. Dies kann beispielsweise dadurch

geschehen, dass das Unternehmen

ZUR PERSON

Dr. Michael Bormann ist Gründungspartner

der Sozietät bdp Bormann, Demant

& Partner mit Büros unter anderem

in Berlin, Dresden, Rostock sowie

in Tianjin (China). Er berät Unternehmer

in Fragen der Finanzierung, Restrukturierung,

M&A und Unternehmensnachfolge

sowie beim Aufbau von Produktionsstätten

in China. Den Lesern von

W+M wird er in diesem Jahr als Experte

für Finanzierungsfragen zur Verfügung

stehen. www.bdp-team.de

eine Anleihe auflegt, einen Risikokapitalgeber

mit ins Boot nimmt oder einen Börsengang

plant. Für Start-ups gibt es die Möglichkeit,

auf Crowdfunding-Plattformen im

Internet Geld für ihre Ideen zu generieren.

Weitere Möglichkeiten, die Liquidität im

Unternehmen zu stärken, sind beispielsweise

Lieferantenkredite oder veränderte

Zahlungsziele mit den Kunden. Auch das

sollte im Zuge von alternativen Finanzierungen

betrachtet werden.

Wie findet der Unternehmer heraus,

welche Finanzierungsform für ihn geeignet

ist?

Anknüpfend an seine Unternehmensstrategie

sollte der Unternehmer über die dazugehörige

Finanzierungsstrategie nachdenken

und dabei die Hilfe von Beratern

in Anspruch nehmen, um diese professionell

umzusetzen. Dabei geht es um solche

Fragen wie: Wozu brauche ich die

Liquidität? Will ich im In- oder Ausland

weiter wachsen? Suche ich einen strategischen

Investor? Muss das Unternehmen

restrukturiert werden? Oder steht

eine Nachfolgeregelung an?

Ab welcher Unternehmensgröße

lohnt es sich, über alternative Finanzierungen

nachzudenken?

Je größer das mittelständische Unternehmen,

desto mehr muss dieses Thema

auf die Agenda gesetzt werden. Entscheidend

ist aber nicht die Größe, sondern

der Zeitpunkt, wo man anfängt, darüber

intensiv nachzudenken. Hier gilt: je

eher, desto besser. Geld zur Finanzierung

von Unternehmen ist genug da. W+M

Foto: bdp

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


FINANZEN | 51

Foto: Kirsten Mittelsteiner

BETRIEBLICHE ALTERSVORSORGE

SCHLIESST RENTENLÜCKE

Über drohende Altersarmut wird in Deutschland häufig diskutiert.

Aktuell liegt das durchschnittliche Rentenniveau bei rund 50 Prozent

zum letzten Nettogehalt. Experten rechnen damit, dass es bis zum

Jahr 2030 auf 43 Prozent absinken wird. Allein von der staatlichen

Rente kann in Zukunft also kaum noch jemand leben. Jeder Einzelne

sollte daher rechtzeitig beginnen, privat für das Alter vorzusorgen.

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer

in Deutschland Anspruch

auf eine betriebliche

Altersvorsorge. Gut jeder

zweite Beschäftigte nutzt

dieses Renten-Instrument inzwischen.

Michael Reizel,

Geschäftsführer der auf betriebliche

Vergütungs- und

Versorgungssysteme für Unternehmen

und Kommunen spezialisierten

BVUK.Gruppe, erläutert,

warum es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

gleichermaßen Sinn macht,

die betriebliche Altersvorsorge in Anspruch

zu nehmen.

W+M: Worin besteht der Vorteil der betrieblichen

Altersvorsorge?

Michael Reizel: Bei diesem System

werden Kollektivverträge abgeschlossen.

Und da in Kollektivverträgen größere

Menschengruppen aufgenommen

werden können, lässt sich schon durch

die Anzahl der Personen ein viel besseres

Preis-Leistungs-Verhältnis für die Arbeitnehmer

erreichen. Ein weiterer wichtiger

Pluspunkt ist, dass bei der betrieblichen

Altersvorsorge das Prinzip der Entgeltumwandlung

zur Anwendung kommt.

Das heißt, der Arbeitnehmer entscheidet

sich dafür, einen Teil seines Bruttogehaltes

über den Arbeitgeber in das Versorgungssystem

einzuzahlen. Ein Beispiel:

Ein Arbeitnehmer zahlt 100 Euro von seinem

Bruttogehalt in das Versorgungssystem

ein. Das Nettogehalt reduziert sich

Michael Reizel, Geschäftsführer der

BVUK.Gruppe, erläutert die Vorteile der

betrieblichen Altersvorsorge.

dadurch jedoch nur um rund 50 Euro.

Der Arbeitnehmer hat quasi 50 Euro an

Steuer- und Sozialversicherungsersparnis.

Das ist – nicht nur in Zeiten geringer

Zinsen – eine höchst rentable Möglichkeit

der Vorsorge.

W+M: Hat auch der Arbeitgeber einen

Nutzen?

Michael Reizel: Beide Seiten profitieren.

Der Arbeitnehmer durch den gerade

erläuterten Brutto-Netto-Effekt und die

günstigen Kollektivrahmenbedingungen.

Der Arbeitgeber spart bei diesem Modell

Sozialversicherungsbeiträge sowie weitere

Lohnnebenkosten. Und er gewinnt

an Attraktivität. Das ist gerade in Zeiten

des Fach- und Führungskräftemangels ein

nicht zu unterschätzender Aspekt.

W+M: Aber viele Unternehmen haben

doch schon Altersvorsorgesysteme,

oder nicht?

Michael Reizel: Das stimmt. Aber im

Regelfall wurden dort in der Vergangenheit

entweder Direktversicherungen

oder vereinzelt Pensionskassen angeboten.

Ein wirklich attraktives betriebliches

Versorgungsmodell geht über eine simple

Versicherung weit hinaus. Es gehört

zu den Stärken der BVUK.Gruppe, dass

wir bestehende Systeme nicht auflösen,

sondern wir integrieren und optimieren

diese Systeme und machen

sie so passgenau für jedes

einzelne Unternehmen.

W+M: Was geschieht mit den

erworbenen Ansprüchen aus

der betrieblichen Altersvorsorge,

wenn der Arbeitnehmer

das Unternehmen wechselt?

Michael Reizel: In unseren Kollektivverträgen

achten wir darauf,

dass der Arbeitnehmer die betriebliche

Altersvorsorge zu unveränderten

Konditionen weiterführen kann. Er büßt

also keine Ansprüche ein. Das ist insbesondere

dann von Bedeutung, wenn –

wie bei den von uns gestalteten Verträgen

– die Berufsunfähigkeit mit abgesichert

ist.

Interview:

Karsten Hintzmann

BVUK.GRUPPE

Hauptgeschäftsstelle

Ebertsklinge 2a

97074 Würzburg

Tel. 0931 359096–0

Fax. 0931 359096–93

info@bvuk.de

www.bvuk.de

Die BVUK.Gruppe unterhält darüber hinaus

Büros in Berlin, Dresden, Hamburg,

Nürnberg und Baden-Baden.

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52 | W+M RATGEBER

„DES UNTERNEHMERS LIEBLINGSAUTO“

… IST EIN AUDI AVANT!

In der Juli-Ausgabe von WIRTSCHAFT+MARKT hatten wir Sie nach Ihren Nutzungsgewohnheiten für

Pkw befragt. Erfreulich viele Leser haben sich an unserer Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse wollen wir

Ihnen nun vorstellen. Wie also tickt der ostdeutsche Unternehmer, wenn es um seinen Firmenwagen

geht? Worauf legt er Wert und worauf nicht? Wie beurteilt er die einzelnen Marken und wie steht es mit

der Akzeptanz von E-Mobilen? Von Frank Nehring

Favorisiert von Unternehmern:

der Audi S6 Avant.

Ich entscheide selbst

Ostdeutsche Unternehmer kaufen mit

55,5 Prozent häufiger einen Firmenwagen

als sie ihn leasen. Dabei nutzen fast

zwei Drittel die Möglichkeit der Finanzierung

und rund 72 Prozent der Befragten

bevorzugen einen Neuwagen. Die Mehrheit

der Umfrageteilnehmer verzichtet zudem

auf Anregungen beim Fahrzeugkauf

und recherchiert selbst; knapp die Hälfte

der Befragten lässt sich für die Wahl des

Fahrzeugs beim Händler seines Vertrauens

inspirieren (43,2 Prozent). Aber nur

zehn Prozent der Unternehmer gaben an,

dass sie sich von Werbung beeinflussen

ließen. Die vorliegenden Antworten spiegeln

die charakteristischen Züge des ostdeutschen

Unternehmers wider, die es

auch in anderen Bereichen zu erfahren

gilt: Konservativ im Agieren, vornehmlich

den eigenen Erfahrungen und Recherchen

vertrauend, werden Entscheidungen

getroffen.

Keine Unterschiede

Bei unserer Befragung war das tatsächliche

Markenbewusstsein, das in

der Regel gerade im Pkw-Marken-Segment

besonders stark ausgeprägt ist,

von zentraler Bedeutung. Die Ergebnisse

der Fragen nach Marken-Image und

persönlicher Bevorzugung waren dabei

nicht sonderlich überraschend. Die bekannten

deutschen Marken führen die

jeweiligen Rankings an. Gesamtsieger

unserer Umfrage ist Audi. Diese Marke

führt nicht nur vor Porsche, BMW und

Mercedes das Image-Ranking an, sondern

auch das Ranking der persönlich

bevorzugten Marken der befragten Unternehmer.

Beim Markengeschmack für

Firmenwagen gibt es in der Spitze daher

keine Unterschiede zwischen Ost und

West. Die Ergebnisse widerlegen zudem

die Mainstream-Einschätzung, wonach

im Osten mehr auf Škoda als auf BMW

geschaut wird.

Lediglich die Tatsache, dass Porsche

zwar ein hohes Marken-Image zugestanden

wird, aber bei den persönlichen Bevorzugungen

als Firmenwagen nur noch

Foto: Audi AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


AUTO | 53

WOHER NEHMEN SIE ANREGUNGEN

FÜR DIE AUSWAHL DES FAHRZEUGS?

AUDI

[Bei dieser Frage waren

Mehrfachnennungen möglich.]

Händler meines Vertrauens

Bekannte

17,5 %

Werbung

9,4 %

Eigenrecherche

43,2 %

62,3 %

WELCHE MARKE HAT

IHRER MEINUNG NACH

DAS BESTE IMAGE ?

1

PORSCHE

Sonstiges

14,9 %

WERDEN SIE INNERHALB DER

NÄCHSTEN FÜNF JAHRE AUF EIN

E-MOBIL UMSTEIGEN?

40,7 %

3,7 %

Sicher

Sicher nicht

Die gute Ausstattung, der absolute Kaufpreis,

gefolgt von einem guten Preis-

Leistungs-Verhältnis sind die Favoriten

der Befragten. Hervorzuheben ist, dass

dem Service der Werkstatt eine hohe Bedeutung

beigemessen wird, aber nicht

so sehr der Nähe zur Werkstatt oder

der Größe des Werkstattnetzes. Wenn

die PS-Zahl und die Umweltverträglichkeit

nur nachgeordnete Auswahlkriterien

sind, stehen doch die Pferdestärken

vor der Liebe zur Natur.

2

BMW

3

Fotos: Audi, Porsche, BMW, Daimler, Volkswagen (von oben nach unten)

Vielleicht

55,6 %

oder immerhin noch auf Platz sieben landet,

sei hervorzuheben. Eine weitere Differenz

in den Rankings findet sich beim

Dacia. Beim Marken-Image auf Platz 22

steht er bei der persönlichen Bevorzugung

als Firmenwagen auf Platz neun

– noch vor Toyata, Mitsubishi, Peugeot,

Opel und Renault.

Preis-Leistung schlägt Marke

Bei den konkreten Auswahlkriterien kam

das Image der Marke nur auf Platz fünf.

E-Mobil. Wieso nicht?

Verwundert hat uns die Antwort zur Nutzung

von E-Mobilen. Fast 60 Prozent können

sich einen Umstieg auf ein E-Mobil

innerhalb der nächsten fünf Jahre vorstellen.

Bei einigen Kommentaren wurde allerdings

darauf verwiesen, dass ein E-

Mobil vermutlich auch als Zweitwagen

genutzt werden würde.

Carsharing hingegen ist unter ostdeutschen

Unternehmern noch nicht weit verbreitet.

Lediglich etwas mehr als zehn

Prozent nutzen für sich selbst oder für

ihre Mitarbeiter Angebote wie Flinkster,

DriveNow oder Car2go. Dies mag vermutlich

auch dadurch bedingt sein, dass

diese Angebote derzeit lediglich in Großstädten

und vor allem im Westen der Republik

zu finden sind.

W+M

MERCEDES-BENZ

4

VOLKSWAGEN

5

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


54 | W+M RATGEBER LITERATUR

W+M präsentiert:

DIE OSTDEUTSCHE BESTSELLERLISTE

FÜR WIRTSCHAFTSLITERATUR

1

2

3

5

4

Die ostdeutsche Bestsellerliste für Wirtschaftsliteratur

wird aus den Verkaufszahlen

großer Buchhandlungen in Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern,

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

erstellt. Beteiligt haben sich:

7

6

Dirk Müller

CASHKURS

So machen Sie das Beste aus Ihrem Geld:

Aktien, Versicherungen, Immobilien

8

9

10

• Hugendubel Cottbus,

Mauerstraße 8, 03046 Cottbus

• Hugendubel Erfurt,

Anger 62, 99084 Erfurt

• Hugendubel Greifswald,

Markt 20–21, 17489 Greifswald

• Hugendubel Leipzig,

Petersstraße 12–14, 04109 Leipzig

• Hugendubel Potsdam,

Stern-Center 1, 14480 Potsdam

• Hugendubel Schwerin,

Marienplatz 3, 19053 Schwerin

• Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung,

Logenstraße 8, 15230 Frankfurt/Oder

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen

jederzeit offen. Schreiben Sie bei

Interesse eine E-Mail an JP@WundM.info.

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


NETZWERK GESELLSCHAFT | 55

W+M Lounge im Berlin Capital Club

VALUE OF SPEED – DIE FINANZWELT

IM DIGITALEN WANDEL

WIRTSCHAFT+MARKT lud am 1. Oktober Leser und Partner

in den renommierten Berlin Capital Club ein. Holger Werner,

Bereichsvorstand Corporate Banking & Mittelstandsbank

Ost, brachte den knapp 50 Teilnehmern auf anschauliche Art nahe, wie

die Digitalisierung in alle Lebensbereiche eingreift und die Prozesse beschleunigt.

Das stellt auch die Banken vor enorme Herausforderungen.

Wie Moderator Frank Nehring betonte, sind auch die Großbanken gefordert

umzudenken, da die Fintechs mit ihren speziellen Diensten ein

neues Tempo vorgeben. Die Commerzbank stellt sich dieser Herausforderung.

Dafür hatte Holger Werner zahlreiche Beispiele mitgebracht.

Fazit des Vortrags: Chancen erkennen und nutzen – was allerdings

auch bedeutet, nicht auf jeden Zug aufzuspringen. W+M

Stefan Streil, Markus Georg Lukasson und Robert Mallison (v. l.)

Holger Werner, Bereichsvorstand der Commerzbank, referierte

über die Finanzwelt im digitalen Wandel.

Moritz Claussen, Oliver Neumann, Jörg Drischmann und Matthias Salm (v. l.).

Bettina Frenzel (l.) und Ramona Becker.

Fotos: W+M, Berlin Capital Club (oben rechts)

Christian Quilitz und Andrea Grandjean.

Christiane Kvarics mit Bernd Herrmann.

Götz-Albrecht von Förster (l.) mit

Anton Voglmaier.

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56 | W+M NETZWERK

4. Ostdeutsches Energieforum

DIE ENERGIEWENDE IM VISIER

Mehr als 300 Vertreter ostdeutscher

Unternehmen trafen sich am 16. und

17. September in Leipzig mit Experten

aus der Energiewirtschaft zum 4. Ostdeutschen

Energieforum. Eingeladen hatten die

Unternehmerverbände Ostdeutschlands und

die IHK Leipzig. Diskutiert wurden die Themen

der Energiewende mit all den damit einhergehenden

Veränderungen. In einem Abschlusskommuniqué

wandten sich die Veranstalter mit

konkreten Forderungen und Erwartungen an

die Politik. Das Kommuniqué finden Sie unter

www.WundM.info/Kommunique.pdf W+M

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner

Haseloff referierte zur Energiewende.

Zwischen den Referaten blieb Zeit für

Netzwerkarbeit. Politik und Wirtschaft trafen sich auf dem Energieforum.

Bodo Rodestock, Tim Hartmann, Ministerpräsident Dietmar Woidke und Hartmut Bunsen (v. l.).

Fotos: Andreas Koslowski

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


GESELLSCHAFT | 57

9. enviaM-Energiekonvent in Leipzig

NETZE DER ZUKUNFT

Netze der Zukunft – Erfolgsfaktor oder

Engpass? Unter dieser Überschrift

stand der 9. Energiekonvent von enviaM

Ende September in Leipzig. Mehr als

300 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

nuzten das Angebot, um über die

Entscheidungen in der Energiepolitik zu diskutieren.

Welche Netzstruktur wird benötigt,

um eine sichere und wirtschaftliche Versorgung

auch in Zukunft garantieren zu können?

Welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig?

Brauchen wir überhaupt so viel

Netzausbau? Wie muss sich die Netztechnik

weiterentwickeln und welchen technischen

Fortschritt gibt es schon heute? Diesen und

weiteren Fragen stellten sich namhafte Experten

der Energiewirtschaft wie Thomas

Benz (Leiter Energiepolitik ABB AG und Mitglied

des Vorstands VDE/ETG), Jens Büchner

(Geschäftsführer der E-Bridge Consulting

GmbH), Andreas Kuhlmann (Vorsitzender der

Geschäftsführung der dena), Harry Lehmann

(Leiter Fachbereich I – Umweltplanung und

Nachhaltigkeitsstrategien des Umweltbundesamtes)

sowie Tim Hartmann (Vorsitzender

des Vorstands der enviaM) in einer Podiumsdiskussion.

Die Moderation übernahm Wirtschaftsjournalistin

Dr. Ursula Weidenfeld.

Während der Veranstaltung wurden auch

die Teilnehmer zum Thema Netze befragt. Die

Ergebnisse der von enviaM gemeinsam mit

WIRTSCHAFT+MARKT durchgeführten Befragung

werden in W+M Kompakt November

veröffentlicht und sind zudem zu finden auf:

www.WundM.info/Energiekonvent.pdf W+M

Gastgeber Tim Hartmann begrüßte die

mehr als 300 Gäste.

Jens Büchner, Geschäftsführer der E-Bridge

Consulting GmbH, während seines Vortrags.

Das Publikum sparte nicht mit Beifall.

enviaM-Vorstandschef Tim Hartmann mit

W+M-Verleger Frank Nehring und Jörg Winkler,

W+M Sachsen, (v. l.).

Foto: XXX Michael Setzpfandt

Das Podium des Energiekonvents.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


58 | W+M NETZWERK

VBKI-Sommerfest der Wirtschaft 2015

BERLINS SCHÖNSTE UND

WICHTIGSTE PARTY

Beim diesjährigen Sommerfest der Wirtschaft feierten mehr als

1.000 Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

im Kronprinzenpalais eine ausgelassene Party und

nutzten die Gelegenheit, um in entspannter Atmosphäre miteinander

ins Gespräch zu kommen.

Neben dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller konnte der

VBKI unter anderem Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft und Technologie,

Andreas Geisel, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt,

Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, und Ramona

Pop, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus,

begrüßen.

Die Auktion des Abends brachte einen Erlös von über 40.000 Euro,

welche dem VBKI-Projekt „Sport macht Schule“ zugutekommen.


W+M

VBKI-Präsident Markus Voigt (r.) eröffnete das Sommerfest im

Beisein des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (l.).

Im Blitzlichtgewitter:

Innensenator

Frank Henkel und

Lebensgefährtin

Kathrin Bernikas.

Gute Unterhaltung

für die

Gäste: Fotoshooting

ohne

Fotografen.

Wiedersehen unter Freunden: Der Regierende Bürgermeister

Michael Müller (l.) traf seinen Amtsvorgänger Klaus Wowereit (r.).

Wurde für sein langjähriges Engagement für den VBKI geehrt:

Geschäftsführer Udo Marin.

Fotos: Eva Ortwig (oben rechts, oben links), Dominic Blewett

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


GESELLSCHAFT XXX | 59

25-jähriges Verbandsjubiläum

UV Brandenburg-Berlin

BIOTOP FÜR FEIERNDE

UNTERNEHMER

Starke Frauen: Die Unternehmerinnen des UV Brandenburg-Berlin.

Unter dem Motto „WillkommenWirtschaftsWunder“ beging der

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V. am 25. September

sein 25-jähriges Bestehen. Der Unternehmerverband hatte

in die Biosphäre Potsdam geladen, um auf erfolgreiche Jahre zurückzuschauen

und dieses Ereignis gebührend zu feiern. Zu den zahlreichen

Gästen des Abends gehörten unter anderem Brandenburgs Wirtschaftsminister

Albrecht Gerber (SPD) und Finanzminister Christian

Görke (DIE LINKE). Zwischen Kabarett- und Tanzeinlagen war für die

etwa 150 Gäste ausreichend Gelegenheit, selbst das Parkett zu erobern

und nebenbei die tropische Vielfalt der Biosphäre Potsdam zu erkunden.


W+M

Für Show und

Unterhaltung war

bestens gesort.

UV-Präsident

Burkhardt

Greiff begrüßte

die Gäste.

Stimmungsvolles

Ambiente in der

Biosphäre

Potsdam.

Fotos: Stefan Specht

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (2. v. r.) im Gespräch.

Wirtschaftsminister

Albrecht

Gerber hielt eine

launige Rede.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


60 | W+M NETZWERK

VIERTE TECHNISCHE

REVOLUTION?

Das Interesse der VBIW-Mitglieder war so groß,

dass die Demonstration eines 3D-Druckers an der

Technischen Hochschule Wildau ein zweites Mal

durchgeführt werden musste. Markus Lahr vom

Kreativlabor der Hochschule erläuterte das Wesen

des 3D-Drucks und demonstrierte das Drucken aus

einem Kunststoffdraht. Aber auch Metalle werden

zunehmend als Ausgangsmaterial verwendet.

Von Rudolf Miethig (VBIW)

3D-gedruckter

gefäßartiger Körper und

kleine siebartige Objekte

mit verschiedenen

Füllgraden.

Hier wurde zur

Anschauung das

Stützmaterial

sukzessive entfernt.

Eigentlich ist es kein Drucken im klassischen

Sinn, resümierte Dr. Bernd

Thomas vom VBIW nach der Veranstaltung.

Vielmehr handelt es sich um

ein additives Fertigungsverfahren. In

der Literatur wird es Schmelzschichten

oder Sprühkompaktieren und international

FDM (Fused Deposition Modeling)

genannt. Hauptsächlich werden Kunststoffe

als Draht zugeführt, aufgeschmolzen

und durch eine Düse schichtweise

aufgetragen. Die Düse kehrt numerisch

gesteuert zyklisch an dieselbe Stelle zurück,

nur etwas höher, um zu dem bereits

aufgetragenen Material noch etwas

hinzuzufügen. Es überraschte, dass die

folgende Naht auch – wie im Bild zu sehen

– bis zu einem gewissen Grad versetzt

aufgetragen werden kann, um so

hinterschnittene Partien oder Hohlräume

zu erzeugen, jedoch sind bei größerem

Versatz der Naht Stützkörper erforderlich,

die später abgetrennt oder mit einer

Lauge abgelöst werden. Die Stützkörper

muss der 3D-Drucker vor dem

eigentlichen 3D-Druck aufbauen. Dabei

können Sollbruchstellen zwischen dem

Supportmaterial und dem 3D-Objekt vorgesehen

werden, damit dieses nach erfolgreichem

3D-Druck leicht weggebrochen

werden kann. Es ist dann Abfall, der

aber vergleichsweise minimal ist.

Seit der Antike werden Metalle gegossen,

aber jetzt gibt es zum ersten Mal ein

Urformverfahren, das ohne aufwändige

Gießformen auskommt. Spritzguss- oder

Druckgussformen sind

sehr teuer; ihre Kosten

liegen im fünfstelligen Bereich. Daher

kommen sie für einmalige Anwendungen

oder kleine Stückzahlen nicht in Betracht.

Mit der neuen Technologie ist es

jetzt möglich, Ersatzteile leicht herzustellen,

die beispielsweise für die Restaurierung

eines Oldtimers nur einmal gebraucht

werden.

Gesteuert werden die Drucker mittels

CAD*-erzeugter Dateien. Dafür ist ein

CAD-Volumenmodell erforderlich. Im

Internet werden solche Modelle angeboten,

aber das Kreativlabor der Hochschule

bietet Bastlern, Erfindern, Künstlern

und allen Interessierten seine Unterstützung

für eigene Kreationen an.

Eine vierte technische Revolution? Wohl

nicht. Eher ein sich neu herausgebildeter

Zweig der zweiten technischen Revolution.

Rasant breitet sich das Anwendungsspektrum

des 3D-Drucks

aus. Schon werden Prototypen und Modelle,

Anschauungsobjekte, Lehrmittel,

funktionstüchtige Maschinenteile, Souvenirs,

Spielzeug, Prothesen und vieles

mehr gedruckt. Inzwischen werden

kleinere Stückzahlen schon in Serienproduktionen

hergestellt. Und wer weiß, ob

die Entwicklung nicht noch zu größeren

Stückzahlen führen wird, in dem Maße,

wie das Drucken schneller und günstiger

wird.

* CAD ist ein Programm zur rechnerunterstützten

Konstruktion.

Fotos: Rudolf Miethig (VBIW, oben), Rollis Igel/Wikimedia Commons (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


VBIW | 61

TECHNIK AUF DER BUGA

Das spektakulärste Bauwerk der

BUGA im Havelland ist zweifellos

die leicht und schwungvoll wirkende

Weinbergbrücke in Rathenow. Auf ihr

lässt es sich genussvoll vom Weinberg aus

über zwei Havelarme hinweg zum Optikpark

spazieren. Dort steht unter anderem

das elf Meter hohe Brachymedial-Fernrohr.

Das Technikdenkmal wurde 1949–

1953 vom Rathenower Ingenieur Edwin

Rolf konstruiert und gebaut, ist funktionstüchtig

und das größte seiner Art weltweit.

Daneben steht ein Cassegrain-Spiegelteleskop,

in den 30er Jahren vom Astro-Optiker

Alfred Wilke in Falkensee erbaut – auch

ein sehenswertes Exponat.

Am nächsten BUGA-Standort, der Gemeinde

Stölln, überragt das Gedenken

an einen Flugpionier beinahe die Gartenschau.

Am Gollenberg führte Otto Lilienthal

seine Flugversuche mit

dem von ihm konstruierten

Gleiter durch, und hier stürzte

er auch 1896 ab, woraufhin

er seinen Verletzungen

in Berlin erlag. Im Ort selbst

Lilienthals Gleiter mit

Seiten- und Höhenleitwerk,

einer Stange als Rumpf und

Tragflächen.

Größtes Bauwerk der BUGA:

die Weinbergbrücke.

werden im Lilienthal-Centrum Modelle

von Flugapparaten, Versuchseinrichtungen,

historische Fotos und Literatur ausgestellt.

Die Gebrüder Wright bekannten,

dass sie auf Lilienthals Auftriebmessungen

mit verschiedenen Flügelformen aufbauten,

als sie nur sieben Jahre später

einen Motor mit Propeller in einen Gleiter

einbauten.

Rudolf Miethig (VBIW)

TECHNIK IM URLAUB: MEILENSTEINE DER MOBILITÄT

Fotos: Rudolf Miethig (VBIW) (oben), FAHRTRAUM GmbH (unten)

Heute werden Porsche-Fahrzeuge

in Stuttgart und Leipzig produziert.

Ernst Piëch, ein Enkel des Autopioniers

Ferdinand Porsche, stellt in Mattsee

bei Salzburg deren Vorläufer aus, die noch

gar nicht Porsche hießen. Piëch nennt seine

Privatsammlung nicht Museum, sondern

„fahr(T)raum“. „Ein Museum ist tot,

aber meine Oldtimer fahren alle“, argumentiert

er. Und die ersten, oft bahnbrechenden

Konstruktionen seines Großvaters

nennt er „Meilensteine der Mobilität“.

Sie fuhren unter den Namen Lohner, Austro-Daimler,

Steyr und Volkswagen und

schrieben Automobilgeschichte.

Die Exponate führen zurück bis ins Jahr

1901. Ferdinand Porsche war 24 Jahre

alt, als er bei den Lohner-Werken in

Wien Elektromotoren in die Vorderräder

einbaute, wodurch erstmals ein fahrstabiler

Vorderradantrieb und zusätzlich ein

Vierrad-Bremssystem entstand, da sich

der Wagen mit den Nabenmotoren auch

vorn abbremsen ließ. Hinten hatten die

Autos Bremsriemen aus Leder. Bald baute

Porsche Nabenmotoren auch in die

Hinterräder ein – der erste Allradantrieb

war geboren.

Um die Reichweite von Elektroautos zu

verlängern, konstruierte Porsche um

1901 den Lohner-Porsche Mixte, bei

dem ein Benzinmotor den Stromgenerator

antrieb. Anstatt „Mixte“ (französisch

für „gemischt“) sagen wir heute „Hybrid“.

Insofern ist die Besinnung auf Porsches

Konstruktionen der Zeit um 1900

hochaktuell.

Jutta Scheer (VBIW) und

Rudolf Miethig (VBIW)

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder),

Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

Ferdinand Porsche konstruierte für Austro-

Daimler den Prinz-Heinrich-Rennwagen.

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62 | W+M NETZWERK

UV Brandenburg-Berlin/UV Sachsen

STRUKTURWANDEL GEFORDERT

Termine

UV Brandenburg-Berlin

02.11.2015, 18:00 Uhr

Potsdamer Gespräche

VCAT Consulting GmbH, August-Bebel-

Str. 26–53, 14482 Potsdam

UV Rostock

12.11.2015, 19:00 Uhr

„Warnemünder Gespräche“ mit

Stephan Gustke (Spedition Gustke)

Ringelnatz, Alexandrinenstraße 60,

18119 Rostock-Warnemünde

Die Präsidenten Dr. Burkhardt Greiff und Hartmut Bunsen (Mitte) unterzeichneten die Erklärung.

UV Vorpommern

UV Vorpommern

BRANCHENTAG TOURISMUS

Der Spreewald ist bei Touristen beliebt.

Die Qualifizierung des Strukturwandels ist

die aktuelle Herausforderung für die Wirtschaftsregion

Lausitz. Dies betonen die

Unternehmerverbände Brandenburg-Berlin

und Sachsen in einer gemeinsamen Erklärung

und verdeutlichen darin, dass dieser

mittelfristig nur mit der Braunkohle erfolgreich

sein könne. „Die Lausitz war und

ist durch Braunkohlegewinnung und -verstromung

geprägt. Einen erneuten Strukturbruch

darf es nicht geben“, heißt es in

dem vom 27. August unterzeichneten Papier.

Beide Unternehmerverbände unterstützen

die Bildung einer von der Wirtschaft

getragenen „Plattform Lausitz“

und wollen diese tragen und mitgestalten.

Die Lausitz brauche eine kompetente,

leistungsfähige, politisch neutrale und

verwaltungsunabhängige Struktur, in der

sich alle Akteure wiederfinden.

Beim dritten Branchentag der regionalen

Unternehmerverbände Mecklenburg-Vorpommerns

dreht sich in diesem Jahr alles

um das Thema „Tourismuswirtschaft“.

Dabei richtet sich der Fokus nicht nur

auf Hotels und Gaststätten, sondern

auch auf deren Zulieferer, Reiseveranstalter,

Event- und Festspieldienstleister,

Verkehrsbetriebe und Anbieter aus

dem touristischen Hinterland. Ziel des

Branchentages am 12. November ist es,

Unternehmer der Tourismusbranche zusammenzubringen,

nützliche Inputs fürs

Geschäft zu geben und Handlungsempfehlungen

für Politik und Wirtschaftsförderung

abzuleiten.

12.11.2015, 10:00 Uhr

Branchentag Tourismuswirtschaft

Wirtschaftsakademie Nord,

Puschkinring 22a, 17491 Greifswald

UV Sachsen

10.11.2015, 19:00 Uhr

Traditionelles Gespräch mit dem

Oberbürgermeister von Leipzig

Historischer Sitzungssaal der

Deutschen Bank, Martin-Luther-Ring 2,

04109 Leipzig

11.11.2015, 9:00 Uhr

Leipziger Personalforum

ZAW Leipzig, Am Ritterschlößchen 22,

04179 Leipzig

14.11.2015, 19:00 Uhr

25. Sächsischer Unternehmerball

Hotel The Westin Leipzig,

Gerberstraße 15, 04105 Leipzig

Veränderungen von Themen, Terminen

und Veranstaltungsorten können nicht

ausgeschlossen werden.

Foto: UV Mecklenburg-Schwerin (oben), Joujou/pixelio.de (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


UNTERNEHMERVERBÄNDE | 63

Fotos: Koslowski (oben), David Müller (unten)

UV Ostdeutschland

POLITIK MUSS HANDELN

Präsidenten der Unternehmerverbände unterzeichnen den Aufruf.

UV Sachsen

ENERGIEMANAGEMENT

Mit einem eigens verfassten Aufruf wenden

sich die Präsidenten der Unternehmerverbände

Ostdeutschlands und Berlins

an alle verbändeangehörenden Unternehmen

sowie die Wirtschaft im Osten

Deutschlands. Darin lehnen sie Gewalt,

Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit konsequent

ab. Gleichzeitig fordern die Verbandsrepräsentanten

ein zügiges und angemessenes

Handeln der Politik auf nationaler

und internationaler Ebene. Aus Sicht

der Wirtschaft brauche es ein deutliches

Bekenntnis zur gezielten Zuwanderung,

schnelle und wirksam zu vollziehende Anerkennungsverfahren

mit der darin enthaltenen

Abschiebung bei Ablehnung und

die Schaffung von Voraussetzungen zur

zügigen Integration Bleibeberechtigter.

UV-Präsident Hartmut Bunsen mit Tanja Listner, Dirk Huth und Sebastian Roß (v. l.) von den

Stadtwerken Leipzig.

Das Thema Energiemanagement stand auf

der jüngsten Veranstaltung des UV Sachsen

mit den Stadtwerken Leipzig im Fokus.

Vorgestellt wurde das webbasierte Energiemanagement-Portal,

das es Unternehmen

ermöglicht, ihren Energieverbrauch genau

einzelnen Anlagen, Einrichtungen und Prozessen

zuzuordnen. Die Leistungen reichen

von der reinen Lastgang-Visualisierung bis

hin zu detaillierten Reports und Verbrauchsanalysen

und befähigen den Nutzer, Energiekosten

vor allem durch die Optimierung

von Prozessen zu senken. Abgerundet wurde

der Abend mit einer Führung durch die

im Mai neu eröffnete Kongresshalle. André

Kaldenhoff, Geschäftsbereichsleiter Congress

Center Leipzig, stellte die vielfältigen

Möglichkeiten für Veranstaltungen vor und

erläuterte architektonische Besonderheiten

wie den Mix aus Historie und Moderne.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: N. N.

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Jägerstraße 18, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Französische Str. 12, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Geschäftsstelle Fürstenwalde

Tränkeweg 13, 15517 Fürstenwalde

Tel.: +49 3361 55630

Fax: +49 3361 556311

E-Mail: fuerstenwalde@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Wolfgang Schröder

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Repräsentantin: Gabriele Hofmann-Hunger

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Repräsentant: Klaus-Dieter Lindeck

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: Thomas Möller

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

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64 | W+M PORTRÄTS

Rolf Seelige-Steinhoff

HOTELIER DURCH UND DURCH

VISIONÄRE

Rolf Seelige-Steinhoff, der sich aus

pragmatischen Gründen am Telefon

mit Steinhoff meldet und intern

RSSt genannt wird, entstammt einer Unternehmerfamilie

mit umtriebigem Vater,

der gefühlt 180 Tage im Jahr nicht zu Hause

war. RSSt glaubt, dass dies nicht seine

Kindheit, sondern auch den Unternehmer

in ihm prägte. Selbst mit anzupacken

bei symbolischer Bezahlung war von früh

an gang und gäbe, Ehrgeiz schon immer

eine Eigenschaft. Sein Vater und er gründeten

nach der Wende die Seetel Hotels.

Formal schon von Beginn an in alleiniger

Verantwortung, war der Vater stets an seiner

Seite. Im gemeinsamen Arbeitszimmer

wurden die Entscheidungen zu zweit

beraten und gefällt.

STECKBRIEF

Geboren 1963 in Beckum (Westfalen)

studierte Rolf Seelige-Steinhoff in Aachen

Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften.

Statt klassischer Karriere

kam die Wende und der umtriebige

Vater mit einer neuen Idee, die sein

künftiges Leben bestimmen sollte.

Heute ist er ein bekannter Hotelier und

Unternehmer, geschäftsführender Gesellschafter

der Seetel-Hotelgruppe, zu

der 15 Hotels, Residenzen und Villen

auf Usedom sowie das Bahia de Sol

auf Mallorca gehören. Jüngstes und

aktuellstes Projekt ist das Kaiserstrand

Beachhotel Bansin Mitte, das Ende des

Jahres eröffnet werden soll. Neben

zahlreichen Auszeichnungen erhielt Rolf

Seelige-Steinhoff 2015 den renommierten

Branchenpreis Hotelier des Jahres

und wurde bereits zum zweiten Mal Unternehmer

des Jahres in Mecklenburg-

Vorpommern.

Erst nach dem Tod seines

Vaters 2010 fühlte er sich

bewusst als Unternehmer

gefordert, weil er nun allein

für die tausend Fragen

des unternehmerischen

Alltags Antworten

finden und vermitteln musste.

Das war zwar ungewohnt,

aber er war gut vorbereitet. Heute

sagt er, dass er alles richtig gemacht

hat. Selbstbewusstsein ist aus jedem

Satz herauszuhören.

RSSt ist einer, der immer gewinnen will,

Letzter zu sein, kommt für ihn nicht infrage.

Dazu bekennt er sich ebenso freimütig,

wie zu dem inneren Paradoxon, ein Einzelkämpfer

zu sein, der seine Familie für den

Mittelpunkt und den eigentlichen Rückhalt

für sein Tun empfindet. Er ist ein Vollblutunternehmer,

der für seine Themen brennt

und scheinbar durch nichts aufzuhalten ist.

Gerade ringt er noch mit seinem Neubau

in Bansin, der sich nicht so entwickelt, wie

er es will. Genervt, aber nicht unterzukriegen,

wechselt er Leute aus und motiviert

die Crew zu neuen Leistungen.

Seine Maxime ist klar: „Wenn du nicht von

einer Sache begeistert bist, kannst du es

nicht gut machen. Man darf nie aufgeben,

Unternehmer sind nicht Unterlasser, sondern

unternehmen etwas, auch wenn es

manchmal unmöglich anmutet. Die solide

Ausbildung ist hier wichtig, um richtige

Entscheidungen für richtige Wege zu

finden. Die richtige Reihenfolge lautet: Sei

überzeugt, kämpfe und nutze deine Ausbildung!“

RSSt wird bescheinigt, dass er seinem

Sternbild Skorpion in vielen Facetten genau

entspricht. Auch dazu steht er.

Die Seetel

Hotels haben klare

Unternehmenswerte. „Meine Mutter,

meine Schwester, meine Ehefrau und

ich haben uns dazu ein Wochenende zurückgezogen

und das Thema Werte diskutiert.

Im Ergebnis hatten wir gefühlte 98

Prozent Übereinstimmung und nennen unsere

Werte nun Liebe, Respekt und Sinn.

Liebe und Respekt meinen sowohl den

liebevollen wie respektvollen Umgang mit

unseren Gästen, Mitarbeitern, aber auch

mit den Dingen, die uns umgeben. Das

Thema Sinn ist für uns nicht nur die Sinngebung

unseres Tuns, sondern auch der

Umgang mit den Sinnen. Das passt natürlich

für uns als Dienstleister und Gastronomen

in besonderer Weise. Das Wertedreieck

ist auch Maßstab für die Bewertung

unserer Mitarbeiter. Wir haben aber auch

Mitarbeiter, die als Wertebotschafter tätig

sind und in besonderer Weise auf die

Umsetzung unserer Firmenkultur achten.“

Zusammenfassend betont RSSt: „Ich habe

das Unternehmergen in mir, vielleicht habe

ich es geerbt oder es wurde mir anerzogen,

jedenfalls brenne ich für das, was ich

tue. Das ist mein Erfolgsrezept.“

Frank Nehring

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


MACHER

W+M PORTRÄTS | 65

Professor Dr. Georg Prinz zur Lippe

WINZER UND MEHR

Foto: Weingut Schloss Proschwitz/Christoph Busse

Der Prinz hatte eigentlich seinen Weg

gefunden. Aus gutem Hause kommend,

exzellent ausgebildet, als

Unternehmensberater von Roland Berger

zusätzlich geadelt, mit respektablem

Einkommen, der teuren Penthouse-Wohnung

in München und vielen Perspektiven

für eine klassische Karriere, stand ihm

die ganze Welt offen. Doch dann kam die

Wende und die Familie überlegte nicht lange,

das Weingut „Schloss Proschwitz“

wieder in den Familienbesitz zurückzuholen.

Das ging nur über einen Rückkauf und

viele bürokratische Hürden, die gemeistert

werden mussten. Prinz Georg war dafür

der richtige Mann, auch wenn das so eigentlich

nicht in seiner Lebensplanung vorgesehen

war. Der umtriebige Prinz legte

mit dem ihm eigenen Elan los und startete

1990 das Projekt Rückkauf. Das war

dem Tausendsassa aber nicht genug. Die

Promotion musste noch beendet werden

und ein einfacher Rückkauf ohne Strategie

wäre weder klug noch typisch für den einstigen

Roland-Berger-Mann. Das heruntergekommene

Weingut sollte etwas Besonderes

werden. Und das wurde es auch.

Heute ist es der größte Weinbaubetrieb in

Ostdeutschland. Parallel dazu wurde auch

das zu DDR-Zeiten als Kinderheim genutz-

te Schloss Proschwitz zurückerworben

und kräftig

saniert.

Professor Dr. Georg Prinz

zur Lippe ist ein angenehmer

Gesprächspartner, der

zuhören kann und trotz seines

komplizierten Titelgebildes

in der Lage ist, einem schnell mögliche

Hemmungen zu nehmen. „Sagen

Sie einfach Prinz Georg zu mir.“ Nur Georg

ist zu nah, die offizielle Langform zu

distanziert. Der Prinz ist ein Menschenfänger,

er gewinnt schnell die Sympathien

seiner Gegenüber. Man sieht ihm sein

Interesse an Menschen regelrecht an und

glaubt es ihm auch. Die Weinbauern aus

Proschwitz, die zumeist schon zu DDR-Zeiten

dort arbeiteten, wissen das sehr wohl

zu schätzen. Als Diplom-Agraringenieur ist

er der Richtige für den Weinbau und als

Wirtschaftswissenschaftler weiß er auch,

dass dies nicht alles ist, um erfolgreich zu

sein. Und außerdem ist er neugierig, interessiert

sich für alle möglichen Themen mit

wirtschaftlichen Perspektiven. Deshalb ist

er auch permanent unterwegs. Er ist immer

noch beratend tätig, mal als Unterstützer

für neue Ideen, mal als Vermögensverwalter.

Da bleiben fürs Weingut maximal 50

Prozent, aber das muss genügen.

Was treibt so einen Unternehmer wie ihn,

was prägt ihn? Sicher die Herkunft und

die Erziehung. So gab es von der Familie

20.258 D-Mark mit den besten Wünschen,

damit Studium und Leben und Zukunft

zu bestreiten. Und schon wurde noch

während des Studiums ein erstes Unternehmen

gegründet. Sehr wahrscheinlich

prägte ihn auch seine Tätigkeit als Unternehmensberater,

die er allerdings diffe-

renziert betrachtet. „Unternehmensberater

kennen keine Demut“, das konnte der

Prinz nicht mit sich vereinbaren. Demut,

Achtung und Respekt gegenüber anderen

Menschen und ihren Leistungen, das sind

wichtige Anker in seiner Wertewelt. Zu seinen

Maximen gehört es, kreativ zu sein,

keine Angst vor Neuem zu haben und doch

etwas Nachhaltiges zu tun. So ein Weingut

braucht kreative Ideen, um heute im Markt

zu bestehen. Nur vergangenen Zeiten hinterherzuschauen,

bringt keinen wirtschaftlichen

Erfolg. Und was gibt es Nachhaltigeres

als einen Weinstock zu setzen und sich

auf das Glas Wein zu freuen.

Frank Nehring

STECKBRIEF

Georg Prinz zur Lippe wurde 1957 in

Schweinfurt als jüngstes von sieben

Kindern geboren. Die Familie stammt

ursprünglich aus dem Fürstentum Lippe

und siedelte sich vor 250 Jahren in

Sachsen an. Der Vater besaß landwirtschaftliche

Unternehmen und Industriebeteiligungen

in Sachsen, darunter

auch das Weingut Schloss Proschwitz.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die

Familie entschädigungslos enteignet.

Der Prinz studierte Agrar- und Betriebswirtschaft

in Bonn und Weihenstephan.

Fast parallel zum anschließenden Aufbaustudium

zum Wirtschaftsingenieur

begann seine Tätigkeit als Unternehmensberater

für die Münchener Unternehmensberatung

Roland Berger.

Drei Jahre später im Jahr 1989 wurde

er Deutschland-Chef einer japanischen

Personalagentur. Dann kam die Wende

und ein neuer Lebensabschnitt.

www.WundM.info WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die nächste Ausgabe

GESUNDHEIT – EIN GESCHÄFT

FÜR VIELE BRANCHEN

Die Gesundheitswirtschaft erlebt

in den neuen Ländern einen ungekannten

Aufschwung. Das liegt

unter anderem an einem gewachsenen

Gesundheitsbewusstsein der heutigen

Generationen, der deutlich gestiegenen

Lebenserwartung der Bevölkerung und

der daraus resultierenden Tatsache, dass

wesentlich mehr Menschen als noch vor

15 oder 20 Jahren im Alter gepflegt werden

müssen. Darüber hinaus ist der Osten

ein beliebtes Ziel für Gesundheitstouristen

und betuchte Patienten aus Russland

oder der arabischen Welt. Von diesem

Boom profitieren bei weitem nicht

nur Krankenhäuser und Reha-Kliniken.

Auch die Pharma- und Heilmittelindustrie,

die Medizintechnik-Branche,

Logistik- und Krankentransportunternehmen

sowie Krankenkassen

und -versicherungen. In unserem

Titelthema zeigen wir auf,

wie stark die Gesundheitswirtschaft

in den neuen Bundesländern aktuell ist.

Im abschließenden Teil unserer Serie

„Land der Wunder“ beleuchten wir den

wirtschaftlichen Aufbruch, den Berlin in

den vergangenen 25 Jahren vollzogen

hat. Die Stadt an der Spree zählt heute

zu den populärsten europäischen und

internationalen Metropolen. Doch neben

dem Tourismus machen auch Industrie

und Handwerk sowie die vitale Startup-Szene

von sich reden. Im exklusiven


W+M-Interview: Berlins Regierender

Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Darüber hinaus lesen Sie wie gewohnt

interessante Beiträge aus den Ländern

und der Politik sowie einen ausführlichen

Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am

10. Dezember 2015.

PERSONENREGISTER

Bauer, Antje 8

Becker, Ramona 55

Benz, Thomas 57

Berger, Roland 65

Bernikas, Kathrin 58

Blutner, Friedrich E. 6

Bohn, Jürgen 21

Bormann, Michael 50

Brinker, Werner 18

Büchner, Jens 57

Buchter, Heike 54

Bunsen, Hartmut 56, 62, 63

Claussen, Moritz 55

Deiß, Wolfgang 48/49

Diestel, Peter-Michael 7

Drischmann, Jörg 55

Dulig, Martin 8

Elisabeth II. 14

Enck, Thomas 10/11

Ferriss, Timothy 54

Finger, Bodo 8

Frenzel, Bettina 55

Geisel, Andreas 58

Gerber, Albrecht 59

Gerlach, Ron 13

Gleicke, Iris 34

Görke, Christian 59

Grandjean, Andrea 55

Grebe, Rainald 24

Greiff, Burkhardt 59, 62

Gürth, Marlon 19

Gürth, Sven 19

Gustke, Stephan 62

Hartmann, Tim 56, 57

Haseloff, Reiner 56

Helmsdorf, Uwe 6

Henkel, Frank 58

Herrmann, Bernd 55

Höhn, Uwe 21

Howe, Michael 54

Huth, Dirk 63

Kahnemann, Daniel 54

Kaldenhoff, André 63

Kammann, Rolf 16

Kastirr, Wolfgang 6

Köhler-Repp, Dagmar 15

Kolat, Dilek 58

Kuba, Karl 16/17

Kugler, Horst 6

Kuhlmann, Andreas 57

Kvarics, Christiane 55

Lafontaine, Oskar 7

Lahr, Markus 60

Lehmann, Harry 57

Lehmann, Robert 36

Leonhardt, Katrin 48/49

Listner, Tanja 63

Lukasson, Markus Georg 55

Machnig, Matthias 21

Mallison, Robert 55

Marin, Udo 58

Metzner, Martin 15

Meyer, Holger 49

Miedaner, Talane 54

Militzer, Michael 26

Möller, Thomas 6

Mörer-Funk, Axel 48/49

Mulfinger, Klaus-Jörg 30/31

Müller, Andreas 6

Müller, Dirk 54

Müller, Felix 14

Müller, Hans-Jürgen 6

Müller, Michael 58, 66

Müller, Otto-Johannes 6

Müller, Robert 14

Müller, Ulrich 18

Neumann, Karl-Thomas 26

Neumann, Oliver 55

Pätz, Reinhard 10/11

Piëch, Ernst 61

Piëch, Ferdinand 14

Pitschel, Albrecht 6

Pop, Ramona 58

Prinz zur Lippe, Georg 65

Quilitz, Christian 55

Ragnitz, Joachim 33, 34, 36

Ramelow, Bodo 22-24

Ramthun, Jürgen 16

Reinholz, Jürgen 21

Reizel, Michael 51

Rodestock, Bodo 56

Roß, Sebastian 63

Rummenigge, Karl-Heinz 14

Schindler, Klaus 27

Schultz, Hans-Jürgen 21

Schulz, Anne 7

Schulz, Martin 23

Schuster, Franz 21

Schweitzer, Axel 47

Schweitzer, Eric 46/47

Seelige-Steinhoff, Rolf 64

Seidel, Horst 54

Siegesmund, Anja 42

Stolze, Hans-Jörg 19

Streil, Stefan 55

Thomas, Bernd 60

Tiefensee, Wolfgang 21

Trautvetter, Andreas 22

Vance, Ashlee 54

Varoufakis, Yanis 54

Voglmaier, Anton 55

Voigt, Markus 58

von Förster, Götz-Albrecht 55

Weidenfeld, Ursula 57

Werner, Holger 11, 55

Woidke, Dietmar 56

Wowereit, Klaus 58

Yzer, Cornelia 43, 58

Foto: Valentina R/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 6/2015


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