s'Magazin usm Ländle, 26. November 2017

vorarlbergkrone

FRAU UND TIER MANN UND BALL BROT UND PARADIES

Die neue Tierschutzombudsfrau

Marlene Kirchner: Erst im Amt

und schon alle Hände voll zu tun

Adi Hütter: Wie man sich als

Ex-Altach-Spieler in der Schweiz

zum Publikumsliebling mausert

Pauline Burtscher lockt Besucher

mit frisch gebackenem Brot auf

den Ludescherberg


SONNTAG, 26. NOVEMBER 2017

HELL AUF DER PLATTE

DIE

ANALOGEN

Foto: lisamathis.at

Karl Müllner &Bernhard Jehle

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26. NOVEMBER 2017 | INHALT

Fotos: Bernd Hofmeister,wildbild, Maurice Shourot, MathisFotografie

44

Hütter in Bern:

Die Schweizer haben

ihn gern!

14

Spieltrieb:

Wie man ihn zu Weihnachten

am besten fördert

6

Keine Zeit!

Im Tierschutz ist immer was zu tun

4 AKTUELL

Mit Adi Hütter auf dem Fußballplatz

6 INTERVIEW

Die neue Tierschutzombudsfrau

rät von Tieren als Geschenken ab!

9 SCHNEIDERS BRILLE

Robert Schneider erzählt von

der Kunst des Vertrauens

10 BROT SELBST GEMACHT

Wie PaulineBurtscher ihr Wissen

vom Brot weitergibt

12 GSIBERGER Z’WIAN

Carola Purtscher trifft den

Fotografen Guggi Rusch

13 PORTRÄT

Zwei Männer und ihre Liebe zu Vinyl

14 WAS SCHENKEN?

Unsere Tippsfür Geschenkezu

Weihnachten für die Kleinsten

16 HISTORISCHES BILD

Hirschkuh Gretl in St. Gallenkirch

anno 1950

17 MUNDART

Hinkebein: Stefan Vögel und der

„Tschiagga“

18 AUSZEICHNUNG

Wortakrobat Lukas Wagnererhielt

den Salzburger Kulturpreis

20 EVENTS

Was Sie diese Woche auf keinen Fall

versäumen sollten!

21 KULINARIK

Kokosrollefür Genießer

22 WAS WURDE AUS ...

...Pia Mock?

18

Ein Mann, ein Wort:

Und nun auch noch ein Preis!

s’Magazin 3


REPORTAGE

„NehmtunsAdinichtweg!“

Seit gut zwei Jahren trainiert Adi Hütter die Young

Boys Bern. Und das mit enormem Erfolg: Derzeit führt

YB die Tabelle souverän an, der erste Meistertitel seit

32 Jahren ist greifbar nahe. Die „Krone“ zu Besuch

beim Erfolgscoach aus dem Ländle:

AdiHütter fühlt sich in Bern längst heimisch: „Eine

wunderschöne Stadt mit einer überragenden Lebensqualität!“

Schon bei der Ankunft

im Mannschaftshotel

der

Young Boys

wird klar, welch

enormen Stellenwert der

Klub hat –für die Kicker

sind ganze zwei Stockwerke

reserviert, damit sie sich in

aller Ruhe auf das Spiel vorbereiten

können. Dennoch

nimmt sich Adi Hütter vier

Stunden vor Anpfiff Zeit

für einen ausgiebigen

Plausch. Überaus freundlich

werden wir zum Tisch

geleitet, überaus freundlich

sollte auch der weitere Tag

verlaufen –ein Hoch auf die

Schweizer Gastfreundschaft!

Weitgehend ungestört

plaudern wir mit Hütter

über seineZeit in Bern, seine

Mannschaft, seine Ziele

und seine Zukunft. Der Erfolg

des Altachers wecktein

den vergangenen Wochen

ja wiederholt Begehrlichkeiten

– beim ÖFB, bei

Werder Bremen. Doch all

die Spekulationen kosten

Hütter nur ein mildes Lächeln,

viel lieber schwärmt

er von Bern und der überragenden

Lebensqualität der

130.000-Einwohner-Stadt.

Er lässt keinen Zweifel daran,

dass er sich hier überaus

wohlfühlt.

Der gefeierte Star

Natürlich erkennt man

Hütter mittlerweile auf der

Straße. Dass er dieserTage

mit Lob überschüttet wird,

wundert nicht. Weit erstaunlicherist

jedoch, „dass

selbst als es nicht sogut lief,

ich immer nur Aufmunterndes

zu hören bekam“.

Mittlerweile kommt auch

seineGattin häufig aus dem

heimatlichen Seekirchen

auf Besuch, nicht selten begleitet

von der Tochter.

Wann immer Zeit bleibt,

genießt Hütter mit seiner

Familiedas Flair der „wunderschönen

Stadt“.

Als er sich zur Besprechung

mit seinem Trainerteam

verabschiedet, schaut

noch kurz der Ex-Altacher

Nicolas Ngamaleu vorbei.

Auch der Kameruner ist

von Bern begeistert –nicht

zuletzt deshalb, weil viele

Menschen wie er französisch

sprechen. Seine Zeit

inAltach hälterdennoch in

Ehren: „Daswar meineerste

Fußballfamilie, ich habe

zu den meistenSpielern immer

nochKontakt!“

Als wir uns späterins Stadion

aufmachen, werden

wir von der schweizerischen

Freundlichkeit abermals

förmlich erschlagen: Hilfsbereite

Polizisten weisen

uns den Weg ins „Stade de

Suisse“, wowir als „Ländle-

Delegation“ mit offenen

Armen empfangen werden.

Bei aller Zuvorkommenheit

wird dann doch noch

ein Wunsch geäußert:

„Nehmt uns bloß den Adi

nicht weg!“ DieWertschätzung,

die Hütter inBern genießt,

grenzt geradezu an

Verehrung: Kaum dass wir

als Vorarlberger entlarvt

sind, bekommen wir schon

eine Laudatio auf unseren

Landsmann zu hören, die

Fans skandieren vor, während

und nach dem Spiel

minutenlangseinen Namen

–imansich gnadenlosen

Fußballgeschäft ist es weiß

Gott keine Selbstverständlichkeit,

dass ein Coach dermaßen

unumstritten ist.

Kein Wunder also, dass der

so Gefeierte seinen Vertrag

vor kurzem verlängerte.

GanzGentleman

Nach dem Spiel – die

Young Boys besiegten den

FC Zürich mit 2:1–werden

wir vom Vorstandsvorsitzenden

des Vereins, Albert

Staudenmann, höchstselbst

zu Hütters Tisch in der gediegenen

„Champions Lan-

AdiHütter beim Einmarsch

ins „Stade de Suisse“.

Fotos: Maurice Shourot

A

4

s’Magazin


REPORTAGE

NZEIGE

ge“ geleitet. Es folgt ein launiges

Gespräch über das

Spiel, den Verein, Gott und

die Welt – immer wieder

unterbrochen von VIP-

Gästen, die dem Erfolgscoach

zum Sieg gratulieren

wollen. Und Hütter, ganz

Gentleman, nimmt sich für

jeden Zeit und freut sich

sichtlich über die ehrliche

Begeisterung. Diese Begeisterung

nehmen wir

dann auch mit auf die

Heimreise – eine tolle

Stadt, ein toller Verein, tolle

Menschen und ein toller

Trainer! Elred Faisst

AdiHütter,der „König

vonBern“vor dem

Bundeshaus (Schweizer

Parlament).

Seinen Vertrag bei den Young Boys hat

Hütter unlängst verlängert.Der Verein

führt derzeit überlegen die Tabelle an.


m Herzen des Allgäus braut die Meckatzer Löwenbräu seit über 275 Jahren Bierspezialitäten

von einzigartiger Qualität. Das Meckatzer Fest-Märzen ist ein speziell zur Weihnachtszeit

eingebrautes Märzenbier. Durch einen Stammwürzegehalt von 13,5 % und die Zugabe feinster

Spezialmalze erhält es seine unverwechselbare, malzaromatische und vollmundige Note.

s’Magazin 5


TIERSCHUTZ

Wie sieht’simLändle mit

Tierschutz aus,FrauKirchner?

INTER

VIEW

Als neue Tierschutzombudsfraudes Landes Vorarlberg setzt sich die Veterinärmedizinerin

Dr. Marlene Kirchner in den kommenden fünf Jahren für Tierwohl und Tierrechte im Ländle

ein. Welche Aufgaben sie dabei hat und wie die Lage in Sachen Tierschutz in Vorarlberg

bewertet, verrät sie im Interview mit „Krone“-Redakteur Harald Küng.

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Die neue Tierschutzombudsfrau

des Landes

Vorarlberg steht

uns imAnschluss an

eine Pressekonferenz,

in der sie sich und ihre Arbeit

der Öffentlichkeit vorstellte, Rede

und Antwort. Viel Zeit bleibt nicht

fürs Gespräch, Frau Kirchner muss

gleichweiter: „Esgibt viel zu tun.“

Frau Dr. Kirchner, Sie haben vor rund

anderthalb Monaten die Leitung der

Vorarlberger Tierschutzombudsstelle

übernommen. Welche Aufgaben umfasst

Ihr Bereich?

Meine Arbeit umfasst drei Kernaufgaben.

Erstens: Parteistellung für

Tiere vor Gericht in Verwaltungsund

Verwaltungsstrafverfahren.

Daneben verrichten wir auch Gremiumsarbeit,

etwa im Tierschutzrat,

der unter anderem das Österreichische

Gesundheitsministerium in

Tierschutzfragen wissenschaftlich

berät. Und der dritte Bereich umfasst

Bildungsarbeit auf dem letzten

Stand von Wissenschaft und

Ethik.

Wie darf man sich eine derartige

Parteistellung für Tiere vor Gericht

vorstellen?

Zu Beginn steht immer eine Meldung,

dass es zu einem Zwischenfall

gekommen ist und dabei möglicherweise

eine Gesetzesübertretung

stattgefunden hat – etwa

wenn jemand berichtet, dass vorsätzlich

ein Tier getreten oder geschlagen

wurde. So etwas ist nach

dem Österreichischen Tierschutzgesetz

nicht erlaubt und sollte angezeigt

werden. Dann treten erst

einmal die Amtsärzteauf denPlan,

die vor Ort feststellen, welcher

Sachverhalt vorliegt. Oftmals können

die Dinge sehr rasch aufgeklärt

undbereinigt werden.

Und wenn nicht?

Dann tritt unsere Stelle inAktion,

die weitere Prüfungen und Untersuchungen

anstellt. Diese Arbeit

verlangt eine hohe Genauigkeit,

man darfsich da keinerlei Fehler erlauben.

Für den Beschuldigten folgt

zudem ein sogenannter Verbesserungsauftrag,

welcher mit einer

Frist verbunden ist. Die Tierschutzombudsstelle

hat dann die Möglichkeit,

eine Stellungnahme zum Fall

abzugeben. Handelt es sich um

einen schwerwiegenden Fall, bei

dem es zum Verfahren kommt, habe

ich Akteneinsicht, darf alle Aussagen

lesen etc.ImProzessselbsthabe

ich zudem die Möglichkeit, die Beschuldigten

zu befragen und Stellungzubeziehen.

Nachdem Verfahren

wird die TSO informiert, wie

der Prozess ausgegangen ist. Wir

benachrichtigen auch die Landesregierungüber

all unsere Tätigkeiten.

Wie schwierig ist es, Tierleid abzuschätzen

–nicht zuletzt aufgrund der

beschränkten Kommunikationsmöglichkeiten?

Es gibt heute zahlreiche wissenschaftliche

Verfahren, die wir

anwenden können, um die

6

s’Magazin


TIERSCHUTZ

s’Magazin 7


TIERSCHUTZ

FORTSETZUNG

Verständigung zwischenMenschund

Tier zuvereinfachen. Natürlich gibt

es noch keine gemeinsame Sprache,

keine direkte oder eindeutige Kommunikation.

Aber wir können –zumindest

auf wissenschaftlicherEbene

–bereits viele Dinge schon sehr gut

abschätzen.

In Vorarlberg wurden in den vergangenen

Jahren regelmäßig Übertretungen

nach dem Tierschutzgesetz aufgedeckt.

Haben Sie im Ländle buchstäblich

einen Saustall übernommen?

Ich befand mich die letzten dreieinhalbJahreimAusland

und muss deshalb

gestehen, dass ich nicht alles

mitbekommen habe, was sich in dieser

Zeit abgespielt hat. Ich möchte an

dieser Stelle auch nicht alles wieder

ausgraben. Denn ich bin der Meinung,

dass es viel wichtiger ist, nach

vorne zuschauen. Tierschutz findet

hier und jetzt –und auch in der Zukunft

–statt. Darum muss ich mich

kümmern. Als Bürgerin und Privatperson

seheich die Vorfälle im Ländle

aber durchaus mit Sorge. Und was

beispielsweise die zuletzt gemeldeten

skandalösen Transporte männlicher

Kälber anbelangt, werden mit SicherheitSchritteunternommen.

Wie schätzen Sie allgemein die Haltung

von Herrn und Frau Vorarlberger

zum Tierschutz ein?

Ich habe schon den Eindruck, dass

die breite Bevölkerungein sehr hohes

Bewusstsein für Tierrechte und Tierwohl

hat. Aber das ist nur mein erster

Eindruck nach einem MonatimAmt.

Grundsätzlich scheint es aber einen

hohen Standard für Tierethik im

Ländlezugeben.

In Vorarlberg ist vor allem der Verein

gegen Tierfabriken sehr aktiv und leistet

viel Aufdeckungs- und Informationsarbeit.

Was halten Sie von Vereinen

wie dem VGT?

Beim VGT handelt essich um eine

Tierrechtsbewegung, die ja nicht nur

STECK

BRIEF

Geboren 1977.Studium an der Vetmeduni

in Wien. Doktorat an der

BOKU Wien. Ab 2014 Assistenzprofessur

an der Uni Kopenhagen in

Dänemark. Spezialgebiete: Tierwohlergehen,

-ethik und -recht.

Seit Oktober 2017 Tierschutzombudsfrau

des Landes.

·········································································································································

in Vorarlberg, sondern inganz Österreichaktiv

ist. DieserVerein ist –wie

viele andere imLand auch –imBereich

des Tierschutzes angesiedelt

und arbeitet an vorderster Front.

Über die Arbeit des Vereins möchte

ich aber keineWertung abgeben.

Sollten Tierrechte in der Verfassung

festgeschrieben werden?

Es gibt diese Debatte schon sehr lange,

gerade bei Menschenaffen stellt

sich immer wieder die Frage, welche

Rechte ihnen zugesprochen werden

sollen. Auch in meiner Zeit ander

BOKU inWien oder als Assistenzprofessorin

an der Uni Kopenhagen

habe ich mich intensiv mit diesem

Thema auseinandergesetzt. Doch

meines Wissens ist „Tierrecht“ im

eigentlichen Sinne noch in keiner

einzigen europäischen Verfassung

verankert. Die Diskussion zur Thematik

ist aber eine sehr wichtige, um

das Wohl unserer Mitgeschöpfe zu

steigern. Es ist auch nichtimmer einfach,

sich damit auseinanderzusetzen:

In meinem Fach ist eine gute

Portion Empathie berufsimmanent,

aberdurchaus auch „Berufsrisiko“.

Wo sehen Sie in Vorarlberg bislang die

größten Baustellen?

Ich bin ja erst seit anderthalb Monaten

da, richtige Baustellen konnte ich

bislang noch keine ausmachen. Es

gibtaber einige wichtige Themen, die

mich sehr interessieren: Kleingeflügelhaltung

ist ein Bereich, mit dem

ich mich intensiver beschäftigen werde.

Auch Katze und Hund –die beliebtesten

Haustiere der Vorarlberger

–sind ein großerPunkt. AllesWeitere

kann ich jetzt noch nicht ganz abschätzen,

meine Zukunftspläne sind

nicht zur Gänze ausgeformt. Das

wird meine Aufgabe in den nächsten

Wochen undMonaten sein.

Weil Sie gerade von beliebten Tieren

gesprochen haben: Haben Sie selbst

auch ein Lieblingstier?

(Lacht.)Ach,dagibt es sehrviele. Ich

mag’s amliebsten exotisch. Chamäleonsfaszinieren

mich besonders.Sie

sind sehranpassungsfähig, verändern

je nach Gefühlslage ihre Muster –

8

s’Magazin


TIERSCHUTZ


Die neue Tierschutzombudsfrau Marlene

Kirchner des Landes Vorarlberghat im

vergangenen Oktober ihr Amt

angetreten. Im Ländle gibt es für sie

einiges zu tun.

·························································································

nicht ihre gesamte Farbe, wie viele

Menschen denken. Es sind wirklich

sehrbemerkenswerte Tiere.

Haben Sie selbst eines zu Hause?

Nein, ich habe keine Haustiere. Das

wäre in meinem Amt eine zugroße

Verantwortung.Ich reisesehrviel, da

wird es mit einem Haustier ganz

schwierig. Als Kind hatte ich zwei

Kaninchen – „Oscar“ und „Frederik“.

Vielleicht habe ich in der Pension

wieder Zeit für ein Haustier

(lacht). Aber dannwerden’s keineKaninchen

mehr. Die können nämlich

mit Streicheln und Kuscheln eigentlich

gar nichts anfangen. Zumindest

nicht mit uns Menschen. Mit Artgenossensiehtdas

wieder anders aus.

Letzte Frage: Weihnachten steht vor

der Tür. Was halten Sie von Tieren als

Geschenk?

Tiere sind keine Geschenke! Das ist

eine ganz wichtige Botschaft. Wer es

sich aber dennoch nicht nehmen lassen

kann, einTierzuschenken, sollte

sich zumindest ausreichend darüber

informieren.

Fotos: Mathis Fotografie

Kaspar

••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••

Meine Eltern hatten eine kleine Gemischtwarenhandlung.

Sie war der ganzeStolz meiner Mutter.In

mintgrün gestrichenen Holzregalen gab es alles zu

kaufen, was man zum Leben brauchte. Das war damals

nicht wirklich viel. Das Sortiment war mau,

aber es reichte. Wir waren gewissermaßen rund um

die Uhr geöffnet.Ladenschlusszeiten gab es damals

noch nicht.Jedenfalls kümmerten sie keinen. Meine

Mutter öffnete, wenn jemand vorder Tür,besser

gesagt,bereits schon in der Tür stand, denn bei uns

wurde nie abgeschlossen. Hochbetrieb war jedoch

immer am Sonntag,nach der Messe. Da kamen die

Meschacher und kauften ein.

Eines Tages stand ein kleiner,glatzköpfiger Mann

in MuttersLaden. Er redete fremdartig,und er hinkte.

Er kaufte Brot und Wurst.Daran erinnereich

mich noch genau. Der kleine, hinkende Mann hieß

Kaspar,und er ist mir deshalb so unvergesslich geblieben,

weil seine Augen außergewöhnlich blau

waren. Blau wie ein wolkenloser Himmel bei Föhn.

Kaspar arbeitete einige Saisonen lang als Holzfäller

bei einem Nachbarn. Sein fremder Dialekt –eswar

nur tirolerisch –faszinierte mich. Als Kind war mir

alles Neuartige im Dorf willkommen. Ich freundete

mich mit Kaspar an. Er strahlte eine große Milde

und Ruhe aus. Ich fühlte mich wohl in seiner Nähe.

Kaspar hatte ein Ohr für meine kindlichen Fantasien.

Bald gehörte er wie selbstverständlich zum

Dorf.Aneinem Morgen –ich war vorallen anderen

erwacht –, ging ich in die noch kalte Küche, und da

lag Kaspar auf dem Kanapee. Er schnarchte tief und

fest.Ich erschrak keineswegs. Es war irgendwie

selbstverständlich. Auch für meine Eltern, die kurz

darauf in die Küche kamen, war das nichts Beunruhigendes.

Sie weckten ihn sanft.Ertrank eine Schale

Malzkaffee, und dann hinkte er heimwärts. Er

schlief öftersauf dem Kanapee in der Küche. Es

wurde nicht zur Gewohnheit,aber wenn sein kaputtes

Bein nicht mehr trug,schlich er ins Haus und

ruhte sich aus. Mehr weiß ich nicht über Kaspar,als

dass wir ihm vertrauten und er uns.

s’Magazin 9


BROTBACKEN

Aufden Spuren Frau Holles

Dort, wo sich Fuchs und Hase

vermeintlich „Gute Nacht“ sagen,

hat Pauline Burtscherihr eigenes

Paradies gefunden. Sie wohnt am

Ludescherberg in einem alten

Walserhaus und bringt jenen

Menschen, die den Weg zu ihr

hinauf finden, das Brotbacken bei.

Ach bitte, zieh mich raus, zieh

mich raus, sonst verbrenn

ich! Ich bin schon längst fertiggebacken.“DasMärchen

von Frau Holle begleitet

Pauline Burtscher schon ihr Leben

lang. So wie auch die Begeisterung für

das Brotbacken selbst. Ihren Traum

vom eigenen Brotbackhäuschen im

Garten verwirklichte sie sich an einem

besonderen Platz. „Wir leben am Balkon

des Walgaus“, beschreibt die rüstige

Dame das schöne Walserhaus am

Ludescherberg. Und der Ausblick ist

wahrlich eine Besonderheit. Fast mystisch

wirkt es, wenn sich langsam der

Nebel über das Tal legt und das Dunkel

der Nacht hereinbricht. Fernab

vom Rummel und der Hektik unserer

Zeit wollten Pauline und ihr Mann

Reinhard ihr Leben verbringen, denn

sie begeistert das Alte, das Traditionelle.

Geprägt hat sie dabei das Leben

Das Paulinarium bietet eine kurze

Auszeit oder auch Anregungen,

sich in Zukunft ein wenig mehr

Zeit zu nehmen.

auf der Alpe, das sie viele Jahre gemeinsam

verbrachten, bevor sie ihr

Kleinod am Ludescherberg entdeckten.

„Elf Jahre waren wir auf der Albo-

na. Die Kinder waren damals

noch klein. Es gab

keine Straße, wir mussten

alles zu Fuß oder mit dem

Ross transportieren.“

Paulinarium

Frisches Brot, selbst gemachte

Marmelade und

würziger Käse. „Nimm

noch ein Stück, sei nicht so

gschamig“, fordert Pauline

zum Weiteressen auf.

Ihre preisgekrönten

Vinschgerle und das Saatensonne-Brot

sind auch

wahre Leckerbissen. Den

Genuss von Brot will Pauline

mit jedem teilen, der ihr einen Besuch

abstattet.„Hier geht keiner nach

Hause, ohne ein Brot probiert zu haben!“

Und wie man es macht, zeigt sie

in ihren Brotbackkursen. Ihr Seminarhaus

„Paulinarium“ bietet den

richtigen Rahmen dafür. „Manche

machen sich einen schönen Nachmittag

bei mir. Aber wenn nur einer aus

der Gruppe ein Ohr dafür hat und in

Zukunft weiter sein eigenes Brot

bäckt, habe ich meine Mission erfüllt.“

Das „tägliche Brot“ liefert die

58-Jährige aber auch für private Feiern,

die man bei ihr veranstalten kann.

„Werbung müssen wir keine machen,

es spricht sich herum, dass man sich

hier wohlfühlt“, schwärmt sie. An diesem

schönen Fleck solle sich

nämlich ein Kraftplatz befinden.

„Die Energie spüren die

Leute und können die Seele

baumeln lassen.“ Pauline hat

hier ihr Paradies gefunden,

dennoch lässt ihr der Wis-

A

10

s’Magazin


Fotos:Stiplovsek Dietmar

BROTBACKEN

NZEIGE

Pauline gibt ihreBegeisterung

leidenschaftlich gerne auch anderen mit.

sensdurst keine Ruhe. „Im Jänner,

Februar habe ich immer meine kreative

Phase.“ Besonders die Confiserie

hat es ihr angetan. Um mehr darüber

zu lernen, arbeitete sie schon im Theatercafé

in Bregenz oder bei renommierten

Betrieben in der Schweiz einige

Wochen mit. Denn „ich will immer

auf dem Laufenden bleiben und Neues

umsetzen!“ Sandra Nemetschke

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s’Magazin 11


GESELLSCHAFT



Guggi (Ludwig) Rusch

Fotograf

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„Teilweise tut man sich leichter mit den Wienern

als mit den Vorarlbergern“, erklärt mir Guggi (eigentlich

Ludwig) Rusch (68) mit einem verschmitzten

Lächeln, „weil wir hier den Status der Exoten

haben!“ Aufgewachsen ist Guggi in Feldkirch, besuchte

nach dem Gymnasium Feldkirch die HTL Bregenz

und schloss dann die Lehreals Feinmechaniker

in seiner Heimatstadt ab. Der kreative, aufmüpfige

junge Mann –lange Haare, modische Arbeitskleidung

–kam dann durch seinen Job in einem Produktionsbetrieb

in Liechtenstein zur Fotografie. Die

passende Ausbildung dazu absolvierte Guggi in

Deutschland. Über Köln kam er dann nach Wien,

um seinen Freunden und Freigeistern zu folgen. In

einem großen Fotostudio perfektionierte und erweiterte

er sein Wissen und wagte 1980 den Schritt

in die Selbständigkeit.Sein Fotostudio betrieb er bis

zu seiner Pensionierung vorvier Jahren und wickelte

Shootings für Modehäuser und internationale Markenab.

Seine innovativeEntwicklung der virtuellen

Dunkelkammer-Technik wirdkommendes Jahr bei

der Jubiläums-AusstellunginFeldkirch zu bewundern

sein. Der zweifache Vater fotografiert noch immer

leidenschaftlich

gerne und ist begeisterter

Großvater.

„Hoam zur Mama“

fährt Guggi regelmäßig

–und sitzt dann

mit ihr „am Bänkle

voremHus!“

Die Vorarlberger Kommunikationsberaterin

Carola

Purtscher (PR-Agentur

Purtscher Relations) lebt

seit über 30 Jahren in Wien.

Als Netzwerkerin lädt sie

regelmäßig zu ihrer exklusiven

„Tafelrunde“.

twitter.com/

CarolaPurtscher

SeinSelfie:DerFotografGuggi

(Ludwig)Rusch ausnahmsweise

selbst im Bild.

Die Vinyl-

Veteranen

Sie sind die Letzten ihrer Art: Karl

Müllner und Bernhard Jehle betreiben

mit dem „Musikladen“ in Feldkirch das

letzte Tonträger-Fachgeschäft des

Landes. Und haben sich inmitten

Tausender Schallplatten, CDs und DVDs

zu absoluten Musikexperten entwickelt,

denen man eine Melodie auch schon

einfach mal vorsummen kann, um dann

den gewünschten Titel zu bekommen.

Manchmal kommen

sich die beiden vor

wie in einem Zoo:

„Kürzlich kamen

deutsche Touristen

in den Laden und jubelten, dass es

so etwas überhauptnoch gibt. Vor allem

die Kinder machten große Augen

–sie hatten noch nie eine Schallplatte

gesehen“, staunt selbst der an viel

gewohnte Karl, der seit 1989 im

„Musikladen“ arbeitet. Dieser war

damals einer von vier Plattenläden

des Rankweiler Konzert-Zampanos

Josef Ess. Nach dessen Konkurs

übernahmen Karl und der ein Jahr

zuvor eingestiegene Bernhard 2003

das Feldkircher Geschäft. Es ist das

einzige, das überlebte, was vor allem

den beiden Eigentümern anzurechnen

ist. „Wir hören uns jeden Tonträger

an, unabhängig vom Genre. Die

einzige Chance gegen die Konkurrenten

Internet und Elektro-Märkte ist

unser Know-how.“ Manchmal nimmt

dies bizarre Formen an: „Unlängst

kam jemand zu uns und wollte ein

Lied erwerben, dessen Text mit ,Assi‘

beginnt. Es hat zwar ein wenig gedauert,

aber schließlich kam mir die Erleuchtung,

und ich sang ihm den

CCR-Song: ,I see the bad moon ri-

12

s’Magazin


PORTRÄT

sing!‘ vor. Den Mann haben wir wirklich

glücklich gemacht!“, so Bernhard

amüsiert. Spaß haben die beiden

auch nach vielen gemeinsamen

Jahren noch, schließlich ist die Welt

der Musik und Filme eine schier unendliche,

und es gibt fast täglich neue

Kostbarkeiten zu entdecken. „Wir

versuchen so gut es geht, auch neueste

Trends aufzunehmen – bis zu

Dubstep und Drill’n’Bass haben wir

es zumindest geschafft!“ Eine offene

Haltung für 56- (Karl) bzw. 47-jährige

(Bernhard) Familienväter.

Ist nicht alles Musik?

Dass sie auch bei Platten der Amigos

oder Hansi Hinterseer („Auch

das ist Musik –und was sind etwa

Bon Jovi anderes als die US-Version

der Klostertaler?“), bei Klassik und

Jazz keine Berührungsängste haben,

spricht für die Professionalität der

beiden, denn privat herrscht ein anderer

Ton. Während Karl bei der

Blues-Legende Never do Well Bass

spielt und mit den experimentellen

Mose gerade seinen achten Tonträger

aufnimmt, wandelt auch Bernhard

mit Via Matto und der Post-

Rock-Formation Woodman eher auf

düster-avantgardistischen musikalischen

Pfaden. „Die Proben am

Abend kann man nicht mit der musikalischen

Auseinandersetzung im

Geschäft vergleichen –das sind zwei

Welten“, sind sich die beiden Dauer-

Musikausgesetzten einig. Auch darüber,

dass sie den „Musikladen“ weitermachen

wollen, so sie können.

„Schon jetzt laufen 50 Prozent der

Einnahmen über den Ticket-Verkauf.

Seit da auch die heimischen Banken

eingestiegen sind, wird die Luft für

uns recht dünn“, zeigen sich Karl

(Ausgleich: Ziegen und Hühner beim

Haus) und Bernhard (Ausgleich:

Tennis) besorgt. Aber mit ihrem

Durchhaltevermögen kommt wohl

die nächste Bankenkrise vor einer

„Musikladen“-Krise. So ist zu hoffen

... Raimund Jäger

Foto: lisamathis.at

s’Magazin 13


GESCHENK-TIPPS

Wasliegt heuer

Weihnachten rückt in großen Schritten näher und die Frage nach

dem passenden Geschenk ist oft noch nicht beantwortet. Bei

Behmann in Egg gibt’s alles, was Kinderherzen höher schlagen

lässt –und die glitzernde Adventdeko obendrein.

Peter und Xaver probieren

die Tonieboxaus. Vielleicht

bringt das Christkind eine?

gungen bekommen Sie von Behmann

Idee+SpielinEgg. Dort sindnämlich

Profis in Sachen Geschenke am

Werk. „Viele Eltern kommen schon

mit konkreten Vorstellungen zu

uns“, verrät das Verkaufsteam. Für

die anderen gibts fachkundige Beratung

und Service. Schon Anfang No-

Wenn der erste

Schnee gefallen

ist, machen sich

die Wichtel und

Gehilfen vom

Christkind auf, um die Wunschzettel

der Kinder im Ländle abzuholen.

Große Unterstützung bei den Besorvember

steige die Nachfrage nach

Weihnachtsgeschenken erheblich.

Die Eltern von heute sind offensichtlich

gut organisiert und planen inSachen

Geschenke für ihre Kleinen gerne

alles durch. Klassiker wie Lego

oder Barbie-Puppen sind immer noch

sehr beliebt.

Aber auch schon in den Nikolaussack

wandern hübsche Kleinigkeiten.

„Büchlein über die Weihnachtsgeschichte,

Perlen-Sets zum Basteln

oder Fimo eignen sich dafür hervorragend.“

Selbst gebastelt wird zudem

oft der Adventkalender. Wer das den

Profis überlässt, aber kein Schokoladenfan

ist, kann sich für Weihnachten

einen Countdown von Playmobil,

Lego &Co. holen. „In jedem Türchen

versteckt sich eine neue Figur,

und am24. hat man eine komplette

Spielewelt zusammen.“

A

Sorgen-Fresser und Toniebox

Dass in Zeiten der Digitalisierung

auch Spielsachen mithalten müssen,

zeigen Lerncomputer, Tablets für

Kinder oder auch die Toniebox.

Wow! Lisanne und ihreBrüder

sind im Spielzeughimmel –hier

gibt’s Vieles zu entdecken!

Fotos:Bernd Hofmeister

54

s’Magazin


GESCHENK-TIPPS

untermBaum?

„Diese Box spielt je nach Figürchen,

das auf ihr platziert wird,

eine andere Geschichte.“

Auch die trendigen

Einhörner sind mittlerweile

im Kinderzimmer angekommen,

und gegen

Albträume gibt’s die niedlichen

Sorgen-Fresser: Reißverschluss

auf, Sorgenrein und

alles ist wieder gut! Das Weihnachtsfest

kann also getrost kommen –

Groß und Klein sind bestens vorbereitet!

Sandra Nemetschke

Zum Advent gehört auch eine

festliche Deko–erst dann kommt

echte Weihnachtsstimmung auf.

Alles für deine Wunschliste!

TONIES

Mit Tonies und der Toniebox bringen wir

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s’Magazin 55


Hirschkuh„Gretl“ anno 1950

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Völlig unaufgeregt beschnuppert

die Hirschkuh

„Gretl“ einen Wintergast in

St. Gallenkirch. Die Hirschkuh

war im ganzen Ort bekannt

und eine gern gesehene

„Persönlichkeit“ inder Montafoner

Gemeinde. Es war

wohl eine besondere Freundschaft,

die das handzahme

Tier zu seinem Besitzer in der

Ortschaft pflegte.

Die Artgenossen von

„Gretl“ gelten gemeinhin ja

eher als scheue Gesellen, die

dem Menschen eher fernbleiben,

als sich ihm zu nähern.

Heute wird das Wild immer

weiter zurückgedrängt: Die

rasant voranschreitende

Landschaftserschließung –

nicht zuletzt auch zur Erholung

des Menschen –schränkt

die Rückzugsorte der Tiere

mehr und mehr ein. Spezielle

Wildruhezonen sollen dieser

Entwicklung entgegenwirken.

Zuletzt wurde Rotwild in

einigen Vorarlberger Regionen

verstärkt bejagt, umdie

Ausbreitung von Tuberkulose

auf andere Wild- sowie auf

16

s’Magazin


MUNDART















Nutztiere zu verhindern –

mit Erfolg, wie sich zeigt.

Haben Sie auch historische Fotoschätze

zuhause, dann schicken

Sie sie uns per E-Mail an vorarlberg@kronenzeitung.at.

Die besten

Bilder werden veröffentlicht.

Foto: Sammlung Risch-Lau,Vorarlberger Landesbibliothek


tschiagga,Tschiagge,Tschiagger

Zeit-und Hauptwort

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Das mittelhochdeutsche schiegen bedeutete einst

schlurfen oder krumm gehen,und der modern hinkend

oder schleppend laufende Alemanne hat dasVerb in Form

von tschiagga über all die Jahrhunderte nicht nur formal

einbalsamiert,sondern es im Gegensatz zu ägyptischen

Mumien sogar sprachlich am Leben erhalten. DasTschiagga

beschreibt eine meist dauerhafteTrittunsicherheit des

Voradelbergers, welche vomAlter oder

einer Verletzung herrührt,sie kann

durchaus aber auch bei Betrunkenen

verwendet werden. („Am Morga

„Luag, wian’r

tschiaggat!“

am füfesimmer hoam tschiaggat –

frog net.“)Wer dauerhaft tschiaggt,ist

ein Tschiagge,wobei der

alemannische Sprecher bei dauerhaft

Betrunkenen vondieser Bezeichnung

absehen würde, selbst

wenn der schleppende Gang deren einzige

Form der Fortbewegung darstellt.Fast unmerklich verschieden

vom Tschiagge ist der Tschiagger,dessen finales

r den hinkenden Gang selbst definiert und nicht seinen

Gänger.(Merksatz für alle drei: Der Tschiagge tschiaggt,

welerhot an Tschiagger.) Da wir es mit phonetischen Minimalunterschieden

zu tun haben, seien weiteredrei

klangähnlicheVokabeln erwähnt,die in diesem Zusammenhang

zusätzlichVerwirrung stiften,obschon sie nichts

mit Humpelfüßenzutun haben: derTschick (= die Zigarette),

tschick si (= müde sein) und tschicka (=Kautabak kauen).

Woher dagegen der alemannische Ausruf der Überraschung

„Mol duTschiagg!“ stammt oder was man generell

untereinemTschiagg zuverstehen hat,bleibt unerforscht.

s’Magazin 17


KULTURPREIS

Ein ausgezeichneter Poet

Sein Ziel sei es immer gewesen, „Sprachkunst zu

einem Erlebnis zu machen“, sagt Lukas Wagner. Vor

wenigen Tagen wurde der 24-jährige Dornbirner für

sein „Slam Labor“ mit dem Salzburger Kulturpreis

ausgezeichnet. Ziel erreicht!

Mit16Jahren

stand

Lukas

Wagner

erstmals

bei einem Poetry Slam –

oder Dichterwettbewerb –

auf der Bühne. Ein prägendes

Erlebnis für den heute

24-Jährigen, der zu jener

Zeit als jüngster Poetry

Slammer der Alpenrepublik

galt. „Das war eine sehr

coole Erfahrung“, erinnert

sich der gelernte Grafiker,

„ich konnte meine Gedanken

in Worte fassen und

hatte eine Plattform, über

die ich sie einem breiten

Publikum näherbringen

konnte. Das hat mich nicht

mehrlosgelassen.“ Zahlrei-

Fotos: wildbild

che weitere Auftritte folgten,

mittlerweile bringt es

der in Salzburg lebende

Wortakrobat auf rund 400

PoetrySlams.

Slam Labor

Doch auf der Bühne zu

stehen war dem sprachgewandten

Kreativen zu wenig

–erwollte selbst Events

veranstalten. Was er vor

vier Jahren dann

auch erstmals

tat: „Meinen

ersten Slam

veranstaltete

ich im

Spielboden.

Es war gerammelt

voll

und hat unglaublich

viel

Spaß gemacht.“ Was er

damit lostreten würde, war

ihm damals allerdingsnoch

nicht bewusst. Vor drei Jahren

ließ er dasLändle hinter

sichund zog indie Mozartstadt.

Er absolvierte seinen

Zivildienst und begann, in

Salzburg Poetry Slams zu

veranstalten. „Allesfing am

17. September 2015 mit der

Zum Glückwunsch

gibt’s ein Bussi für den

Gewinner.

,Schattenschlacht‘ an, ein

Slam, bei dem die Poeten

hinter einer Wand saßen

und nur ihreSchattenzusehen

waren. Das kam sehr

gutan, ich erhielt zahlreiche

Anfragen. Daraufhin gründete

ich die Agentur Slam

Labor, mit der wir bereits71

Slams in Salzburg, Vorarlbergund

Bayern organisiert

haben.“

„Große Ehre“

Vor zwei

Monaten klingelte

schließlich

das Telefon.

„Sehr geehrter

Herr

Wagner, wir

dürfen Ihnen

zum Gewinn

desSalzburgerKulturpreises

gratulieren, sagte die

fremde Stimme zu mir. Ich

antwortete etwas verwirrt:

Ja,danke,cool“, erzähltder

Sprachkünstler lachend

und fügt nicht ohne Stolz

hinzu: „AlsVorarlbergerist

es eine großeEhre, indieser

Stadt ausgezeichnet zu werden.Salzburgist

als Kultur-

A

Der 24-jährige Dornbirner

Lukas Wagner

wurde für sein Engagement

in der Poetry-

Slam-Szene mit dem

Salzburger Kulturpreis

ausgezeichnet.

18

s’Magazin


stadt schließlich in ganz

Europa bekannt.“

DerPreis,derWagneram

Dienstag verliehen wurde,

ist mit 6000 Euro dotiert.

Was er damit vorhat? „Das

Geld wirdinweitere Projekte

investiert, wir haben noch

eine ganze Menge vor. Die

Freude ist riesig, der Preis

eine tolle Motivation. Ich

hatte oft Zweifel, ob ich das

Richtige tu. Wie sich nun

aber zeigt: Bleibt man beharrlich

an seinen Träumen

dran, werden sie irgendwannRealität.“

H. Küng

Foto: Mathis Fotografie

Wir trafen Lukas Wagner

einige Tage vorder

Preisverleihung in

Dornbirn.

KULTURPREIS

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s’Magazin 19


Foto: anja koehler

Konzertmit

MaxRaabe &

PalastOrchester

in Friedrichshafen

„Das hat mir

noch gefehlt,

dass du jetzt

einen andren

liebst“ –diese

Zeilen entstanden

Ende

der 20er-Jahre

des letzten

Jahrhunderts

EVENTS

und werden

von Max

Raabe &Palast Orchester

mit auf die Tournee 2017 genommen.

Dieses und andere

Lieder sind am Montag, dem

27. November, um20Uhr im

Graf Zeppelin Haus in Friedrichshafen

zu hören. Infos und

Tickets: www.gzh.de

„Anton, das Mäusemusical“

PremiereimLandestheater

Das Familienstück „Anton, das Mäusemusical“ von

Gertrud und Thomas Pigor feiert am Sonntag, dem 26.

November, um15Uhr, Premiere imLandestheater in

Bregenz.Gertrud und Thomas Pigor erzählen eine berührende

Geschichte von kleinen Mäusen, die in der Not zu

großen Helden werden. Tickets: Bregenz Tourismus

Foto: Gregor Hohenberg

Benefizkonzert

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Irish Christmas

in AmBach in Götzis

Unter dem Motto „Songs of Love

&Hate“steht das Krebshilfe-Benefizkonzert

im Alten Kino in Rankweil.

Am Freitag, dem 15. Dezember,

und am Samstag, dem 16. Dezember,

spielt das Krebshilfe Musikensemble

bereits zum 18. Mal

zum Tänzchen auf. Hinter dem Ensemble

verbirgt sich die singende

Weihnachtsfamilie rund um Martina

Breznik, Reinhold Bilgeri, Harry

Marte, Bernie Weber, Michael

Köhlmeier und George Nussbaumer.

Tickets: Ländle Ticket, Expert

Tschann in Ranweil.

Irish Christmas

bringt die

Alan Kelly Gang,

das junge Ensemble

Connla

und der Seannós-Tänzer

Liam

Scanlon nach

Götzis. Am Montag,

dem 27. November,

um 20

Uhr, wird es in

der Kulturbühne AmBach weihnachtlich. Alan Kellyzählt

zu den wichtigsten Musikern der jungen irischen Szene

und tourt mit verschiedenen Formationen rund um den

Globus. Infos und Tickets unter: www.musikladen.at

Foto: Altes Kino

Foto: Musikladen

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Impressum

Medieninhaber: KRONE-Verlag GmbH &Co. KG .Herausgeber und Chefredakteur: Dr.Christoph Dichand

Verleger: Mediaprint Zeitungs- und Zeitschriftenverlag GmbH &CoKG, Alle: 1190 Wien, Muthgasse 2

Redaktionsleitung: EmanuelWalser, Redaktion: Harald Küng, Sandra Nemetschke, Angelika Drnek, Sekretariat: Nicole Kinzel, Quellenstr.16, 6900 Bregenz, Tel. 057060-59300

vorarlberg@kronenzeitung.at, emanuel.walser@kronenzeitung.at, harald.kueng@kronenzeitung.at, sandra.nemetschke@kronenzeitung.at, angelika.drnek@kronenzeitung.at

Herstellung:Druckzentrum Salzburg Betriebsges. m. b. H. ,5020 Salzburg; Offenlegung gem. §25 MedienG online unter www.krone.at/krone-offenlegung

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s’Magazin


KULINARIK



Noch mehr Rezepte findet man

in Danielas Kochbüchern

„Einfach Vegan Backen“und

„Vegane Lunchbox“.


Eine Kokosrolle,

die einfach

zubereitet werdenkann und

Groß undKlein

gleichermaßenerfreut!

Ganzviel Kokosfüllung, ein ungebackener, schokoladiger

Teig und attraktiv im Anschnitt –sopräsentiert sich

diese Kokosrolle. Sie ist nicht nur als Dessert, sondern

auch als Kuchen für die Kaffeetafel bestens geeignet.

Perfekt auch, wenn sich Gäste angemeldet haben, denn

die Kokosrolle sollte mindestens einen Tag vor dem Servieren zubereitet

werden. Die Kombination aus Kokos und Schokolade ist einfach

unschlagbar und schmeckt Großund Klein gleichermaßengut!

www.facebook.com/laisdaniela

Kokosrolle

Zubereitung:

1 Für die Kakaomasse zunächst die Kekse fein

mahlen.Werkeinen Mixeraufsatz hat,kann

auch in Handarbeit die Kekse im Gefrierbeutel

mit demTeigroller zerbröseln.

2 Wasserund Zucker aufkochen, vomHerd

nehmen, die Margarineunterrühren und auflösen.

Das Kakaopulver unterdie Kekskrümel mischen

und alles in die Flüssigkeit geben. Es

muss ein festerTeig entstehen.

3 Die Masse auf ein mit Backpapier belegtes

Blech drücken. Es sollte ein Rechteck von22x

33 cm entstehen, in Form drücken oder auch

ausrollen, damit es gleichmäßigerwird.

4 Für die Kokosmasse die Margarine auflösen

und mit den Kokosraspeln,dem Puderzucker

und dem Rum zu einer homogenen Masse verrühren.

5 Die Masse mittig auf dieTeigflächegeben

und mit dem Backpapier aufrollen und fest andrücken.

6 Die Rolle gut zusammenpressenund so in

den Kühlschrank geben. Für mindestenseinen

TagimKühlschrank fest werden lassen. Dann

in Scheiben schneiden.

Zutaten (für eine Rolle):

Für die Kakao-Masse:

160 mlWasser

100 g Zucker,fein

2½ElKakaopulver(Backkakao)

1TlMargarine

400 g vegane Kekse,gemahlen

Für die Kokos-Masse:

150 g Kokosraspel

100 g Puderzucker

160 g Margarine

etwas Rum

s’Magazin 21


WAS WURDE EIGENTLICH AUS ...

...Pia Mock?

Die Frastanzerin widmete sich jahrelang gemeinsam mit ihrem

Vater der Unterhaltungsmusik und gehörte mit ihrer Handorgel zur

Schattenburg wie das Schnitzel! Als sie sich vom Feldkircher

Wahrzeichen verabschiedete, vertrieb sie sich die Zeit mit ihren

Sonntagsreimen oder mit Gabi Fleisch auf der Kabarettbühne!

2003: Über 30 Jahrelang sorgte Pia

Mock, früher noch gemeinsam mit

ihrem Vater und anderen Musikern, für

Unterhaltung auf der Schattenburg–

immer mit dabei: ihreHandorgel.

macht,und mit 15 wollte ich auch mitspielen.“

NachsiebenJahren Klavierunterrichtdurftesie

dann mit zum ersten

Kaffeekränzchen in Liechtenstein.

Im VaduzerHof oder in der Post

in Schaan unterhielten sie und ihr Vater

das Publikum. Plötzlich sollte sie

aber auch noch die Handorgel spielen

lernen. „Ich hatte keine Stunde Unterricht

und der damalige Bürgermeister

von Feldkirch lieh mir sein Akkordeon.“Nach

den ersten eher ohrenbetäubenden

Versuchen erlernte sie innerhalb

einer Woche, untertags in

einem Keller und am Abendbeim Auftritt,

das Instrument. Und das alles

neben ihrem Hauptberuf bei der Bezirkshauptmannschaft

Feldkirch,den

sie 40 Jahre lang ausübte. „Jeden

Montagnachmittag nahm ich für

einen Ausflug mit meiner Mamafrei,

sonst hatte ich keinen Urlaub.“ Viele

Jahre lang spielte das Trio Mock auf

der Schattenburg in Feldkirch und

ging singend und spielend von Tisch

zu Tisch. „Erst war Herr Tschann

skeptisch, aber wir sind so gut angekommen,

dass wir jedenAbend ausgebucht

waren.“

Erst imJahre 2006 hängte sie das

Akkordeon an den Nagel. Von daan

suchte sie sich neue Herausforderungen.

Erstwarenesdie Sonntagsreime,

dann das Kabarettprogramm „Duo 3

Schwestern“ mit GabiFleisch, und sogar

bei „Vier Frauen und ein Todesfall“

stand sie bereits vor der Kamera:

„Wenn es mir zufliegt,kann es nur gut

sein!“

Sandra Nemetschke

Mir wird so schnell

nicht langweilig“,

beschreibt die 83-

Jährige ihre stete

Umtriebigkeit. Am

Morgen wirderstdas Tablet aktiviert

und „die tägliche Herausforderung“

im Solitär gemeistert. Aber etwas

mehrRuheals zu ihren Musikerzeiten

gönnt sich Pia Mock natürlichschon.

„Mein Vater hat immer Musik ge-

2017: Die 83-Jährige ist immer

noch umtriebig.Abund zu setzt sie

sich Zuhause noch ans Klavier –

denn wer rastet,der rostet!

22

s’Magazin


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