unternehmen März 2015

suedwest.presse

unternehmen März 2015

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 43 | März 2015 | 3,00 €

4 197821 303000 4 3

Aufgestellt für

die Zukunft

Jammern ist Mario Trunzers Sache nicht. In die

Zukunft blickt der Chef von Südwestmetall Ulm

vorsichtig optimistisch. Nur die Politik stört.

Banken Warum es gut ist, nicht nur eine am Start zu haben Seite 20

IT-Sicherheit Wo Daten gut aufgehoben sind Seite 24

Umfrage Als Führungskräfte noch Studenten waren Seite 48


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unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[inhalt]

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer in diesen Tagen die Zeitung liest, gewinnt

anhand der vielen Krisen und Kriege

den Eindruck: Die Welt ist in Aufruhr und

am Zerfließen. Da mutet die Lage der Wirtschaft

in Deutschland fast surreal an. Der

niedrige Ölpreis und der schwache Euro bescheren

ihr ein Konjunkturprogramm der

besonderen Güte. Ohnehin sind viele Firmen

im Südwesten gut aufgestellt. Woran

das liegt, zeigen unser Interview mit Mario

Trunzer, Bezirkschef von Südwestmetall

Ulm (Seite 10), die Personalarbeit des Prüfmaschinherstellers

Zwick Roell (Seite 38)

und das Beispiel des Werkzeugmachers

Webo (Seite 40). Sie alle eint die lang fristige

Ausrichtung und Wertschätzung ihrer Mitarbeiter.

Potenzial um besser zu werden,

gibt‘s aber immer, wie unsere Artikel zu Unternehmensfinanzierung

(Seite 48) und

Wertstoffmanagement (Seite 6) zeigen. Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[machen]

6 Müll mit Mehrwert Das Geld liegt im

Abfallcontainer

40 Der kreative Werkzeugmacher

Ausgezeichnet: Webo aus Amtszell

42 Hilfe für den Berufsstart Junge Bosse

helfen Schülern bei der Bewerbung

[titelthema]

10 Wir denken hier in Jahrzehnten

Mario Trunzer im Gespräch

[finanzieren]

20 Monogamie adieu Finanzierungsbasis

möglichst breit aufstellen

[sichern]

24 Wohin mit den verdammten Daten?

Tipps zu Server- und Speicherlösungen

26 Mein Passwort sei …

Der kleine Anti-Knack-Leitfaden

[spezial]

28 Bewegen Sie sich! So bringen Sie Ihre

Mitarbeiter auf Trab

44 Hier bin ich 16. Unternehmertag in Ulm

[verantworten]

30 So baut man heute Effiziente und

zukunftsfähige Großbauten

[gründen]

37 Junge Geschäftskonzepte Exis tenzgründer

– so wollen sie erfolgreich sein

[führen]

38 Kopf frei für die Arbeit

Wolfgang Bierer von Zwick Roell

[leben]

48 Zeitreise und Stinkesocken Umfrage

unter Führungskräften über ihre

Studentenzeit

52 Winterleuchten Die große Gala der

Südwest Presse

[namen & nachrichten]

4 Konsumtempel in Neu-Ulms Mitte

5 Radikaler Jobabbau: IG Metall sagt

Voith den Kampf an

36 Kässbohrer: Umsatz sanft nach oben

54 Wohnpark statt Alter Chirurgie

54 Impressum

28

06 48

30

24

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Konsumtempel in Neu-Ulms Mitte

Die Glacis-Galerie: Der Bau des Einkaufscenters in Neu-Ulms Stadtmitte hat 130 Millionen Euro gekostet.

Es kommt nicht oft vor, dass Neu-

Ulm der großen Schwesterstadt

Ulm den Rang abläuft. In Sachen

Einkaufscenter ist dies der Fall.

Während in Ulm statt des geplanten

Konsumtempel-Projekts Sedelhöfe

seit Monaten eine 9000

Quadratmeter große Brachfläche

die Innenstadt verunstaltet und

die Stadtpolitik herzhaft über die

Notwendigkeit von Parkplätzen

diskutiert, ist Neu-Ulm etliche

Schritte voraus. Am 19. März,

wird dort die Glacis-Galerie eröffnet.

Kostenpunkt: 130 Millionen

Euro. Dort präsentieren sich rund

100 Läden auf einer Verkaufsfläche

von 27.800 Quadratmetern.

Offiziell gilt striktes Stillschweigen

über die Namen der Mieter,

doch ist durchgesickert, dass dort

unter anderem die spanische Bekleidungskette

Zara einzieht.

Diese ist in der Region noch nicht

vertreten und dürfte auch junge

Leute aus Ulm anlocken.

Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg

freut sich mit Blick auf die innenstadttypischen

Sortimente wie

Bekleidung, Schuhe oder Elektronik

über die Aufwertung der Handelslandschaft

des Oberzentrums

Ulm/Neu-Ulm. „Dies ist für die

Innenstadt der lange ersehnte

Quantensprung.“ Nachdem in

der Vergangenheit viele Läden

geschlossen wurden, „gibt es in

der Innenstadt wieder eine sehr

gute Nahversorgungsqualität“.

Das sei auch mit Blick auf die vielen

Neubauwohnungen im Stadtkern

wichtig. Die Glacis-Verkaufsfläche

sei für eine Stadt mit

60.000 Einwohnern angemessen.

Auch die IHK Ulm begrüßt das

Projekt. Handelsexperte Josef

Roell kritisiert aber, dass die ursprünglich

geplante Verkaufsfläche

erweitert wurde. Das werde

vor allem der Modehandel in den

Innenstädten von Weißenhorn,

Illertissen und Laupheim spüren.

Und in Ulm? Nachdem dort der

Projektentwickler MAB ausgestiegen

ist, soll nun DC Commercial

aus Hamburg das 130-Millionen-

Projekt verwirklichen. [!] amb

Logistiker Honold wächst – und schützt Eidechsen

Mitte April soll der neueste Hallenstandort

der Neu-Ulmer Spedition

Honold einsatzbereit sein.

Der 10 Millionen teure Bau in

Vöhringen war in der Kommunapolitik

umstritten. Honold übernimmt

dort auf 10.000 Quadratmetern

für die Wieland-Werke

die so genannte Schwergutlogistik.

Die Wieland-Gruppe stellt

Halbfabrikate und Sondererzeugnisse

aus Kupfer her. Von den insgesamt

6800 Mitarbeitern arbeiten

2400 im Werk in Vöhringen.

Damit ist Wieland der mit weitem

Abstand wichtigste Arbeitgeber

in der Stadt. Derzeit verhandelt

Firmenchef Heiner

Matthias Honold mit weiteren

potenziellen Kunden. Denn nach

seinen Worten lassen sich Hallen

unter einer Größe von 20.000

Honold bietet Logistiklösungen an 22 Standorten, auch im Ausland.

Quadratmetern nicht wirtschaftlich

betreiben.

Im vergangenen Jahr wuchs das

Unternehmen, das 1200 Mitarbeiter

an 22 Standorten beschäftigt,

kräftig. Der Umsatz stieg um 6

Prozent auf 200 Millionen Euro.

Zudem investierte Honold 50 Millionen

Euro in neue Hallen. Die

Nutzfläche erhöhte sich um

100.000 auf 750.000 Quadratmeter.

Das Ergebnis sei gestiegen und

zufriedenstellend, sagte Honold,

ohne Details zu nennen. Nach der

Firmenphilosophie „Logistik ist

grün“ plant Honold erstmalig, einen

Umweltbericht in der Bilanz

2014 aufzunehmen. Das Unternehmen

legte Zaun eidechsenund

Biber-Biotope mit einer Fläche

von 20.000 Quadratmeter in

Süddeutschland an. [!] amb

4


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[namen & nachrichten]

Radikaler Jobabbau: IG Metall sagt Voith den Kampf an

Nach dem Schock wegen des angekündigten

massiven Stellenabbaus

der Heidenheimer Voith-AG

will die IG Metall in die Offensive

gehen. „Wir werden die Pläne, so

wie sie jetzt auf dem Tisch liegen,

nicht kampflos hinnehmen“, sagte

Ralf Willeck von der IG Metall.

Statt Geld in den Personalabbau

zu stecken, müsse der Konzern

Strukturen verbessern und die

Fertigung optimieren.

Der Abbau von 1600 Stellen in

der Papiersparte und der Verwaltung,

davon 870 in Deutschland,

hatte bundesweit Schlagzeilen

ausgelöst, auch weil der Familienkonzern

mit dieser Entscheidung

von seiner bisherigen Unternehmenspolitik

abgerückt ist.

Besonders hart trifft es die Sparte,

die Voith groß gemacht hat: den

Papiermaschinenbau. Weil die

Digitalisierung der Gesellschaft

und der Trend weg von gedruckten

Medien voranschreitet, sind

weniger Papiermaschinen gefragt.

Wegen dieser Flaute bei Papiermaschinen

sind seit 2012 bei

Voith bereits rund 1200 Stellen

weggefallen. Dem neuerlichen

Einschnitt fällt unter anderem

die Fertigung im Werk Ravensburg

zum Opfer. Zudem will

Voith seine Sparte Industrielle

Dienstleistung mit 18.000 Mitarbeitern

verkaufen. Künftig soll

der Schwerpunkt auf den Themen

„vernetzte Industrie“, Wasserturbinen,

Turbomotoren und

kleinere Maschinen für Verpackungen

liegen. [!] amb

Der geplante Stellenabbau empört die Voith-Mitarbeiter.

Wechsel bei

Uzin Utz

Der Ulmer Unternehmer Werner

Utz (67) gilt seit Jahren als Verfechter

der Nachhaltigkeit. Utz führt

das 1911 gegründete Spezialchemie-Unternehmen

in dritter Generation

und hat es 1987 an die

Börse gebracht. Nach 36 Jahren an

der Firmenspitze

wechselt

er zum

Jahresende in

den Aufsichtsrat.

Thomas

Müllerschön,

Mitglied des

Werner Utz steht

seit 36 Jahren an

Vorstands

( Finanzen, Vertrieb,

der Firmenspitze.

Perso-

nal), wird Vorstands

chef. Die langjährigen Uzin-

Manager Beat Ludin und Heinz

Leibundgut rücken in das Gremium

auf. Der Spezialist für Bodenbearbeitung

erzielte 2013 mit 940

Mitarbeitern einen Umsatz von

217 Millionen Euro.[!] amb

Teure Miete,

Thalia raus

Schnäppchenjäger werden der

Buchhandlung Thalia Gondrom

in der Ulmer Fußgängerzone im

Juni noch einen Ansturm bescheren.

Die profitabel arbeitende

Buchhandlung, die es dort

seit 28 Jahren gibt und die für

ihre Autorenlesungen bekannt

ist, schließt zum 30. Juni. 30 Mitarbeiter

verlieren ihren Job, die

Auszubildenden sollen an anderen

Standorten unterkommen.

Der Grund für die Schließung:

Der Mietvertrag für den 1560

Quadratmeter großen Laden

läuft aus. Die Miete sollte kräftig

steigen. In Ulmer 1a-Lagen sind

im Erdgeschoss zwischen 80

und 100 Euro pro Quadratmeter

fällig. Nach einer Faustregel verringert

sich die Miete in jedem

weiteren Geschoss um 50 Prozent.

Die Thalia-Gruppe ist mit

knapp 300 Buchhandlungen

Marktführer im deutschsprachigen

Raum. [!]

amb

Tierseuche im Kreis

Biberach ausgebrochen

Zum ersten Mal nach Jahren ist

die Tierseuche Brucellose in Baden-Württemberg

ausgebrochen.

Zwei Betriebe im Kreis Biberach

wurden geschlossen und mehr

als 50 Tiere getötet. Schweine aus

Betrieben in Berkheim und Wain

hatten sich mit der bakteriellen

Krankheit infiziert. Wahrscheinlich

wurde die Seuche von Ferkeln

aus Mecklenburg-Vorpommern

eingeschleppt. Weil kein

Tier verkauft wurde, ist laut Behörden

die Gefahr der Ausbreitung

gering. Brucellose wird von

Schwein zu Schwein übertragen,

die Übertragung auf Menschen

ist äußerst selten, eine Ansteckung

über Fleischverzehr nahezu

ausgeschlossen. [!] amb

Handwerkspräsident

erwartet gutes Jahr

Joachim Krimmer (58), Präsident

der Handwerkskammer Ulm, ist

zuversichtlich für 2015: „Die Auftragslage

ist gut. Die meisten Betriebe

sind ausgelastet und schätzen

die Aussichten positiv ein.

Ich bin seit 40 Jahren dabei und

habe selten so eine gute Konjunktur

erlebt“, sagte der Unternehmer

aus Leutkirch im Interview

mit der SÜDWEST PRESSE. Er

führt die Kammer seit Oktober.

Ihr Gebiet reicht von der Jagst bis

zum Bodensee. Sie vertritt 18.000

Betriebe mit 100.000 Mitarbeitern.

Derzeit stehen 800 Betriebe

altersbedingt zur Übergabe an.

Diesen Übergang zu begleiten,

sei eine große Herausforderung

für die Kammer. [!] amb

5


Des einen Abfall ist des anderen Rohstoff. Seda Erkus (links) und Nadine Antic bringen Produzenten und Abnehmer zusammen.

Müll mit Mehrwert

Es ist keine Neuigkeit, dass Müll richtig teuer sein kann. Die Entsorgungskosten sind für viele Firmen ein dicker Brocken

in der Budgetplanung. Dass es auch anders geht, zeigt die Beratungsfirma für Wertstoffmanagement Global Flow.

Wir sind froh um jedes Kilo, das wir

recyceln können und so nicht bezahlen

müssen“, sagt Hilke Patzwall,

die CSR-Beauftragte bei Vaude. CSR steht

für Corporate Social Responsibility. Hilke

Patzwall ist verantwortlich für die Nachhaltigkeit

bei Vaude. Sie ist direkt der Geschäftsleitung

unterstellt. Mit der Aussage spielt sie

auf den Restmüll des Outdoor-Artikel-Herstellers

an. Der Restmüll ist bei Vaude ein das

„Sorgenkind“. In den anderen Bereichen ist

das Einsparpotential beim Sportartikelhersteller

nicht riesig. Vaude gilt vielen in der

Branche als Musterbeispiel für Nachhaltigkeit,

was viele Auszeichnungen belegen.

Restmüll zu entsorgen,

ist richtig

teuer. Seit das Unternehmen

mit der

Beratungsfirma

für Wertstoffmanagement

Global

Flow zusammen

arbeitet, verdienen

die Tettnanger teilweise

sogar an ihrem

Restmüll.

Denn nicht jeder

Hier wird nichts verbrannt

An diesem kurzen Beispiel wird deutlich, wie

Global Flow arbeitet. Nicht nur in diesem Fall

schlägt das Reutlinger Unternehmen zwei

Fliegen mit einer Klappe. Eine Maxime von

Global Flow: „Es geht darum, nichts zu ver-

Nachhaltigkeits-Beauftragte

Hilke Patzwall.

Müll ist wirklich Müll. Was die einen als Abfallprodukt

teuer entsorgen, können andere

Firmen für ihre Produktion nutzen und zahlen

dafür sogar noch Bares. In der Produktion

von Vaude fallen sogenannte Kunststofffraktionen

an. Die sind teuer zu entsorgen. Global

Flow vermittelte den Kontakt zu einem

Kunststoff-Recycling-Unternehmen, das die

Fraktionen zu unterschiedlichen Sekundärrohstoffen

weiterverarbeitet.

6


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[machen]

brennen“, sagt Nadine Antic, eine der Geschäftsführerinnen.

Ein Beispiel eines anderen Kunden von Global

Flow: Das Unternehmen stellt Siebe für die

Papierindustrie her. Kunststoff bleibt bei der

Produktion übrig und landet schließlich im

Verbrennungsofen. Die Lösung: Aus dem

Kunststoffmüll lassen sich Filter herstellen.

Mit deren Verkauf verdient das Unternehmen

heute mittlerweile an seinem „Müll“.

Individuelle Lösungen zur Abfallentsorgung

bieten die Gründerinnen von Global Flow vielen

Firmen an. Nadine Antic und Seda Erkus

sind noch nicht einmal 30 Jahre alt und schon

erfolgreiche Unternehmerinnen mit einem

ganz eigenen Firmenkonzept.

Familienunternehmen setzt auf Nachhaltigkeit

Der Sitz des Outdoor-Artikel-Herstellers in Obereisenbach/Tettnang.

Wer hört auf Praktikanten?

2011 gründeten Antic und Erkus ihre Beratungsfirma

in Reutlingen. Antic ist Wirtschaftsingenieurin,

Erkus Umweltingenieurin.

Während des Studiums absolvierten sie

Praktika in großen Unternehmen in Stuttgart.

Da fiel ihnen die Sache mit dem Müll auf. „Wir

haben uns gewundert“, sagt Antic. Die Firmen

erkannten das Potenzial des Abfalls nicht. Antic

und Erkus hatten Vorschläge – aber auf

zwei Praktikantinnen habe man nicht gehört.

Die Lösung der beiden jungen Frauen: Sie

gründeten ihre eigene Firma für Wertstoffmanagement,

noch während ihres Masterstudiums.

Leicht sei das nicht gewesen, aber sie

sind unterstützt worden. Die Stadt Reutlingen,

damals ihr Studienort, die Sparkasse, die

Technologieförderung Reutlingen-Tübingen

und die IHK griffen ihnen unter die Arme.

Nach einem halben Jahr waren die Einstiegskosten

ausgeglichen.

Ambitionierte Ziele Vaude ist 1974 von

Albrecht von Drewitz gegründet worden.

Das Unternehmen ist heute auch in zweiter

Generation zu hundert Prozent in Familienbesitz.

Der Outdoor-Artikel-Hersteller

mit Sitz in Obereisenbach/

Tettnang will bis 2015 Europas nachhaltigster

Outdoor-Ausrüster werden. Zwei

Umweltzertifikate (EMAS und ISO14001)

sowie etliche Preise im Bereich von

Nachhaltigkeit und Umweltschutz unterstreichen

dieses Ziel.

mk

Das junge Unternehmen hat sich gut entwickelt.

Global Flow hat mittlerweile außer in

Reutlingen auch eine Niederlassung in Korntal

bei Stuttgart – und schon zwei Mitarbeiter

und zwei Masterstudenten eingestellt.

Auf einer Messe in Stuttgart haben die Jungunternehmerinnen

Vaude kennengelernt, berichtet

Nadine Antic. Das war 2012. Beide

Geschäftsführerinnen waren vom Outdoor-

Artikel-Hersteller, der auf Nachhaltigkeit

setzt, begeistert, und so kam es zur ersten Kontaktaufnahme.

Vaude hat sich Umweltschutz und Nachhaltigkeit

schon lange auf die Fahnen geschrieben.

Im Unternehmen „gibt es an sich gravierendere

Baustellen“ als die Müllentsorgung,

sagt Hilke Patzwall, zum Beispiel die Verbesserung

der Produktentwicklung und der Lieferkette.

Dennoch, es kommt zur Zusammenarbeit.

„Pragmatisch – und sie haben die Ärmel hochgekrempelt,

im positiven Sinn“, so seien Erkus

und Antic bei der ersten Begegnung mit Patzwall

aufgetreten. Und deshalb entschied sich

die Verantwortliche für Nachhaltigkeit, eine

sogenannte Potenzialanalyse von den Gründerinnen

anfertigen zu lassen. Diese ist immer

der erste Schritt in der Arbeit der Entsor-

Ressourcen sind

endlich, wir sorgen

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7


[machen] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Global Flow und ihre

stattliche Kundenliste

Jungunternehmerinnen Nadine Antic

und Seda Erkus haben sich im Jahr

2011 selbstständig gemacht. Sie beraten

Firmen im Bereich der Abfallentsorgung:

So vermeiden sie Müll und helfen

ihren Auftraggebern, jede Menge Geld

zu sparen. Die Liste ihrer Kunden kann

sich sehen lassen. Neben Vaude nehmen

zum Beispiel die Universität Tübingen,

das Deutsche Rote Kreuz, der

Anlagenbauer Eisenmann und König

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gungsberaterinnen. Auf dem Programm steht

dabei ein ausführlicher Firmenrundgang. Dabei

lassen sich Erkus und Antic alle Abläufe

erklären und dokumentieren alles mit Bildern,

erzählt Patzwall. Auch die Mitarbeiter

von Vaude seien bei diesem Rundgang befragt

worden. Wichtiger Aspekt dabei: Kennen sich

die Mitarbeiter mit dem hausinternen Müllsystem

aus?

Treue zum Entsorger

Schließlich warfen die Abfallberaterinnen

noch einen Blick in die Verträge mit Entsorgungsunternehmern.

Patzwall stellt klar, dass

Vaude keinesfalls die Entsorgungsunternehmer

wechseln wollte, aber der geschulte Blick

von außen auf die bestehenden Verträge sei

sehr hilfreich gewesen. Fragen wie „Haben

wir das richtige Abholintervall?“ und „Ist alles

noch auf dem neuesten Stand?“ konnten so

geklärt werden.

Aus all diesen Eindrücken fertigt Global Flow

eine Dokumentation des Ist-Zustands an und

erarbeitet daraus Vorschläge für das Unternehmen.

Patzwall beschreibt die Vorschläge

als umweltfreundlich und kostensparend.

Die Sache mit den Kunststofffraktionen habe

man schon umgesetzt, und auch einen Abfallbeauftragten

habe man ernannt, sagt Patzwall.

Weitere Punkte, vor allem die, die den

Restmüll betreffen, wolle man nach und nach

umsetzen. Das ehrgeizige Ziel der Firma: Bis

2015 soll das Restmüll-Aufkommen um

10 Prozent pro Mitarbeiter reduziert werden.

Ausgangswert ist das Jahr 2010 mit 119,5 Kilogramm

pro Mitarbeiter. Und schon 2013 hat

Vaude das Ziel mit 103,7 Kilogramm pro Mitarbeiter

unterboten, trotz größerer Umbauten

auf dem Firmengelände.

Wird Nadine Antic gefragt, welche Maßnahme

ihr zu Vaude außer der oben genannten

Kunststofffraktion noch einfällt, nennt sie eine

Kunststoffbeschichtung als Beispiel. Der

Schaum dieses Abfallprodukts wird in der Zementindustrie

als Kohleersatzprodukt weiterverwendet.

Die Kartonagen bei Vaude sollten zu Ballen

gepresst werden, ginge es nach Global Flow.

Ballen bringen größere Erlöse am Markt. Patzwall

kann dem nur zustimmen, trotzdem

kann Vaude den Vorschlag nicht umsetzen. Es

gibt schlichtweg keinen Platz für diese Methode.

Bisher presst Vaude Kartonagen in Container,

das ist platzsparender zu lagern. Und dabei

wird es wohl auch bleiben.

Das Angebot von Global Flow sei für Unternehmen

ab 50 Mitarbeitern interessant, sagt

Antic. Vaude mit seinen mehr als 400 Mitarbeitern

am Standort Tettnang fällt da genau in

die Zielgruppe. Automobilzulieferer und

Kunststoffverarbeiter könnten zum Beispiel

von der Arbeit der beiden Frauen profitieren,

erklärt Antic.

Bio-Müll macht Boden gut

Auch im Lebensmittelbereich sieht die Geschäftsführerin

ein großes Potenzial. In diesem

Bereich wollen sich die Unternehmerinnen

mit einem eigenen Produkt auch selbst

engagieren. Aus Bio-Abfällen der Lebensmittelindustrie

soll ein Dünger gewonnen werden,

der den Boden verbessern und Wasser

speichern kann. Die Gründerinnen haben

jüngst eine Halle in Engstingen bei Reutlingen

für die Produktion gefunden.

Hilke Patzwall hat zwar keinen regelmäßigen

Kontakt zu Global Flow, sie wisse aber, dass sie

jederzeit anrufen könne. Die Arbeit von Antic

und Erkus wirke sich aus, sagt Patzwall, selbst

bei einem Unternehmen, das weder große

Müllberge produziert noch gefährliche Abfälle.

[!]

Miriam kammerer

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[titelthema] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[titelthema]

Wir denken hier

in Jahrzehnten

Klar ist Gewinn wichtig, sagt Mario Trunzer, Vorsitzender von Südwestmetall

Ulm und Chef des Liebherr-Werks Ehingen. Aber nicht, um möglichst viel aus

dem Geschäft herauszuquetschen. Sondern um es weiterzubringen, um in Forschung,

Produkte und Mitarbeiter zu investieren – Jahre und Jahrzehnte.

Wie würden Sie die Stimmung in der Branche beschreiben?

Vorsichtig optimistisch, wobei die Betonung auf vorsichtig

liegt.

Umfragen zufolge ist die Metall- und Elektrobranche

aber doch zuversichtlich für dieses Jahr.

Das ist richtig. Fast Dreiviertel der Unternehmen erwarten,

dass das Geschäft nicht zurückgeht. 44 Prozent

sagen, es wird mehr – und 40 Prozent sagen, es bleibt,

wie es 2014 war. Allerdings wird es in unserer Branche

immer schwieriger, Entwicklungen abzuschätzen. Die

Unsicherheit nimmt zu. Allein die Wechselkurse

schwanken viel stärker als früher. Das macht die Unternehmen

auch nervös.

Weil sie nicht wissen, wie sie Vorsorge treffen

sollen …

Nehmen Sie den Rubel: Der geht mal von 60 Rubel für

einen Euro auf 100 hoch, dann geht er wieder auf 65

runter. Der Ölpreis war bei 80 US-Dollar pro Barrel (159

Liter), fiel auf unter 50 Dollar. Solche extremen Ausschläge

gab es in der Vergangenheit nicht.

Wie ist die Auftragslage der Mitgliedsunternehmen?

Passabel – auf einem relativ stabilen Niveau.

Was sind die drei größten Sorgen der Südwestmetall-Firmen?

Viele Kollegen treiben die Entwicklungen in der EU

um. Wie geht es weiter mit den Staatsschulden und der

Bankenkrise, gerade mit Blick auf Griechenland? Das

zweite Thema sind die konjunkturellen Belastungen in

wichtigen Märkten, etwa in Russland, in Brasilien oder

anderen Schwellenländern – und die damit verbundenen

stark schwankenden Wechselkurse.

Und die dritte Sorge?

Das ist die Wirtschafts-, Sozial- und Rentenpolitik der

Regierung. Die Themen des Koalitionsvertrags sind

hoffentlich bald erledigt. Jetzt boxt die CSU noch die

unsinnige Maut durch. Viele Unternehmen vermissen

einen mittel- bis langfristigen Ansatz.

Thema Fachkräftemangel: Spüren ihn denn die Mitgliedsunternehmen

von Südwestmetall bereits?

Die Metall- und Elektroindustrie hat es vergleichsweise

gut. Das Gehalts- und Lohnniveau ist relativ auskömmlich,

es sind attraktive Berufe, interessante Produkte.

Wenn wir jammern, sag ich immer: „Was soll dann der

Handwerksbereich sagen?!“ Für uns in Ehingen mit diesem

eindrucksvollen Produkt gilt das schon zweimal.

Die Kräne wirken wie ein Magnet. Generell müssen wir

aufpassen, dass eine gesunde Struktur erhalten bleibt.

Wie meinen Sie das?

Die Metall- und Elektrofirmen sind auch auf gute

Hand werksbetriebe und Zulieferer angewiesen. Beim

Thema Fachkräfte muss sich jedes Unternehmen Gedanken

machen über Ausbildung, Weiterbildung und

darüber, ob es Sinn ergibt, Arbeitskräfte aus dem EU-

Raum zu holen. In Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit

hoch, in Italien auch, da läuft die Konjunktur nicht

gut. Möglicherweise gibt es dort gute, ausbildungswillige

oder sogar ausgebildete Leute.

Mit einer solchen Aufgabe, die neben der Ausbildung

ja auch das soziale Umfeld der Menschen be-

Zur Person

Als Kind wollte Mario

Trunzer (56) Pilot

werden. „Doch Gott

sei Dank war ich kurzsichtig.

Sonst hätte

ich nicht diese tolle

Aufgabe und die Begeisterung

für das

Produkt Mobilkrane

miterleben dürfen“,

erzählt er. Der Diplomkaufmann

arbeitet

seit 25 Jahren für

Liebherr, seit 2002

ist er Geschäftsführer

der Liebherr-Werk

Ehingen GmbH, seit

Herbst 2014 Ulmer

Bezirkschef von Südwestmetall.

Zeit fürs

Privatleben nimmt

sich der leidenschaftliche

Radler dennoch.

Dazu gehören für ihn

Familie (er ist verheiratet

und hat zwei

erwachsene Söhne),

Freunde, Natur,

Sport, Kultur und

Bücher. amb

Der Fachkräftemangel schlägt in der Metall- und Elektroindustrie noch nicht sehr durch, sagt Mario Trunzer, Vorsitzender

von Südwest Metall und Chef von Liebherr Ehingen und. Das Foto hinter ihm zeigt ein Teil eines Krans in der Lackiererei.

11


[titelthema] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Die Rente mit 63 ist durch –

sie mag positive Seiten haben,

räumt Mario Trunzer ein,

dennoch sei sie „das falsche

Signal“. Die Leute, wie jetzt

diskutiert, erst mit 70 in den

Ruhestand zu lassen, ist für

ihn unrealistischer „Quatsch“.

inhaltet, ist ein kleiner Betrieb doch maßlos überfordert.

Wir hatten über die Vermittlung der IHK bei Liebherr

versucht, spanische Azubis zu gewinnen. Das scheiterte

daran, dass die jungen Leute ihren Kulturkreis verlassen

und in ein komplett fremdes Umfeld kommen

– weit weg von Familie und Freunden. Selbst wenn die

jungen Leute einen Intensivsprachkurs erhalten, müssen

sie das wollen und können.

Das hört sich nicht nach großer Lösung an. Kann

die Südwestmetall-Gruppe eine Struktur schaffen,

um gemeinsam solche Menschen hier zu integrieren?

Gemeinsame Struktur klingt natürlich immer gut. Die

IHK hat das auch schon versucht. Es ist aber nicht einfach,

die unterschiedlichen Interessen zusammenzubringen.

Zielführender ist es, wenn die Unternehmen

den direkten Kontakt suchen. Speziell für ihr Thema,

mit einem Partner in dem betreffenden Land. Aber

ganz ehrlich. In der Metall- und Elektroindustrie ist der

Bedarf und der Druck, etwas zu tun, nicht so groß wie

in anderen Branchen.

Versuchen Sie, Flüchtlinge als Mitarbeiter zu gewinnen?

Nein. Die Hürden in Deutschland stecken im Arbeitsrecht.

Wir versuchten zum Beispiel, einen sehr qualifizierten

jungen Mann, der für unsere Tochtergesellschaft

in Brasilien arbeitet, als technischen Trainer in

Deutschland zu beschäftigen. Weil der Mann nicht studiert

hat und damit nicht unter die EU-Blue-Card-Regelung

fällt, haben wir im Moment keine Möglichkeit,

ihn hier zu beschäftigen. Obwohl wir ihn sehr gerne für

unser Schulungszentrum einstellen möchten und er es

auch will. Wenn es selbst für so einen offensichtlichen

Fall keine Lösung gibt, muss man sich über schwierigere

Fälle keine Gedanken machen.

Wie beurteilen Sie die Rente mit 63?

Mit dem Thema muss jetzt jede Firma klarkommen.

Am Ende ist es so, dass die Leute ungeplant etwas früher

gehen. Jeder Betrieb muss sich über die Nachbesetzung

der Stelle Gedanken machen, entweder mit eigenen

Leuten oder über eine Ausschreibung. Wir haben

bei Liebherr in Ehingen 26 Mitarbeiter, die das Thema

gekoppelt mit dem Thema Altersteilzeit umsetzen wollen.

Gesamtzahlen für den Bezirk habe ich jetzt nicht.

Es ist nicht nur negativ, wenn eine Stelle frei wird, vielmehr

haben dadurch jüngere Mitarbeiter die Chance,

sich zu entwickeln. Und auf die Stelle des Jungen ziehen

wir dann jemanden nach. Generell ist die Rente mit

63 aber das falsche Signal.

Im Gegensatz steht die Rente mit 70 im Raum. Für

wie realistisch halten Sie das?

Ich persönlich halte das für Quatsch. Es mag im Einzelfall

Menschen geben, die noch im Alter von 67 oder 68

arbeiten – dann vielleicht mit 20 oder 30 Prozent. Aber

wenn Sie schweißen, wenn Sie in der Logistik arbeiten,

wenn Sie Krane montieren, wenn Sie die technische

Abnahme bei Wind und Wetter machen und als Monteur

in allen Ländern draußen sind, dann ist das unrealistisch.

Ich halte es für richtig, dass solche Leute etwas

früher gehen können. Darum bin ich gar nicht gegen

Altersteilzeit und auch nicht gegen Rente mit 63. Vorausgesetzt,

sie haben die nötigen Versicherungsjahre.

Ich frage mich, warum die Diskussion nicht ein biss-

12


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[titelthema]

chen ehrlicher geführt wird: Im Prinzip dreht sich das

Thema doch nur um die Rentenhöhe.

Welche Lösung würden Sie besser finden?

Warum überlegt man sich nicht ein Modell, in dem

Menschen zwischen 65 und 70 in Rente gehen? Man

ändert die Hinzuverdienstgrenzen

ein bisschen und sagt: „Ja, du kannst

noch 20 bis 30 Prozent arbeiten und

das mindert deine Rente nicht.“

Man bleibt beim Umlageverfahren,

macht ein Minimum von 40 Jahren.

Aber eines ist klar: Jemand, der mit

62 oder 63 in Ruhestand geht, hat

dann deutlich weniger Rente als jemand,

der später geht.

Das könnte man ja mit dem richtigen Betriebsrentensystem

auffangen …

Einmal das – oder die Menschen sagen: „Ich gestalte

mein Leben so: Ich weiß, dass ich diese Basisrente habe,

möchte aber noch 20 bis 30 Prozent irgendwo arbeiten,

weil ich hinzuverdienen darf.“ Aber dann müsste man

Ehrlich

gesagt, geht

es doch

nur um die

Rentenhöhe

das ganze Thema neu strukturieren. Es ist ja nicht damit

getan, dass die einen sagen, Menschen müssen bis

70 arbeiten und andere, Menschen sollen mit 63 in die

Rente gehen.

Ist das für Unternehmen nicht schwer planbar?

Nein. Die Betriebe müssen heute

schon ständig reagieren und planen.

Wenn die Politik kommt und

ein Gesetz macht und sagt: „Auf

geht‘s mit 63“, dann kommen bei

Liebherr in Ehingen auf einen

Schlag 26 Leute. Das ist schwieriger

zu planen, als wenn klar ist,

dass man zwischen 60 und 70 gehen

kann. Dann machen sich die

Menschen frühzeitig Gedanken

über ihren Lebensentwurf, und es kommt etwas Gescheites

heraus.

Sind die Firmen auf die Überalterung der Belegschaft

vorbereitet?

Ich glaube nicht, dass die Belegschaften überaltern. Ich

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13


[titelthema] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Sei es die Pkw-Maut oder die

Rente mit 63: Von politischem

Aktivismus hält Mario Trunzer

wenig. Die Nachfolgeplanungen

in vielen Betrieben

könnten gut funktionieren –

würde nur die Politik nicht so

reinfuhrwerken, sagt er.

bin ja froh, dass der Jugendwahn vorbei ist. Jede Firma

profitiert von einem guten Mix aus jungen Leuten und

aus Leuten mit Erfahrung. Unser Altersdurchschnitt in

der Firma beträgt 40 Jahre, die Zugehörigkeit im Schnitt

17 Jahre. Das ist gut, das passt. Das wird in der Branche

ähnlich sein. Für mich ist der Mix das Erfolgsrezept, das

höre ich auch aus dem Kollegenkreis.

Umfragen zufolge droht Firmen

Knowhow-Verlust, weil die Belegschaften

immer älter werden.

Wie kann man dem begegnen?

Die Erfahrungen der Älteren kann

man nicht in einer Datenbank

doku mentieren. Das ist Knowhow

über Abläufe und über das Wissen

der Mitarbeiter. Vieles ist aufgeschrieben, aber eben

nicht alles. Im Grunde ist es die Aufgabe der Unternehmen,

die jungen Leute heranzuführen, mit den Älteren

rechtzeitig zu koppeln, damit das Wissen und die Erfahrung

erhalten bleibt. Da helfen solche politischen

Aktionen wie die Rente mit 63 nicht.

Ich bin

ja froh,

dass der

Jugendwahn

vorbei ist

Wie sieht das in der Praxis aus?

Viele unserer Betriebe haben eine Nachfolgeplanung.

Man beginnt idealerweise nachzudenken, wenn der

Mitarbeiter 56 bis 58 Jahre alt ist: Wer wird diese Arbeit

künftig machen? Wen könnten wir dafür aufbauen?

Wen brauchen wir, wen ziehen wir nach? Diese Sachen

machen die Betriebe schon immer.

Wenn die Politik nicht immer so

reinfuhrwerkt, würde das auch

ganz gut funktionieren.

Industrie 4.0 ist in aller Munde.

Was bedeutet es für den Alltag

in den Werkshallen, wenn nicht

mehr nur der Mensch die Maschine

bedient, sondern die Maschinen

untereinander kommunizieren?

Das klingt ja so wie der Stein der Weisen, diese Industrie

4.0 oder „Schöne neue Welt“. Unternehmen haben

sich doch schon immer Gedanken gemacht, wie sie ihren

Prozess der industriellen Leistungserstellung gestalten.

Da gab es das Thema „Lean Production“, den

14


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[titelthema]

kontinuierlichen Verbesserungsprozess, das Toyota-

Produktionssystem, Kaizen und viele unterschiedliche

Ausprägungen mehr. Doch all diese Vorgehensweisen

sind nichts anderes als Werkzeuge. Ich brauche immer

noch Menschen, die das gestalten und das bedienen.

Industrie 4.0 scheint mir auch so ein Werkzeug zu sein.

Industrie 4.0 ist also kein Heilsbringer?

Sicher nicht. Betriebe dürfen sich ohnehin nicht von so

einem System total abhängig machen. Ansonsten verlieren

sie ihre Flexibilität. Und ohne gute Leute geht

gar nichts.

Wie sieht ihre Lösung aus?

Hier in Ehingen haben wir das passgenau gemacht. Wir

brauchen schließlich ein System, das dem Produkt,

dem Markt und den Kunden gerecht wird. Wir haben

eine Idee, wie das aussehen soll: eine Produktionsplanung

und ein Steuerungssystem, die an EDV-Systeme

andocken. Aus der Idee der Standardisierung, der Strukturierung

machen wir aber kein starres System.

Schließlich müssen wir jeden Tag darauf reagieren, was

sich am Markt tut. Natürlich arbeiten wir mit Elementen

von Industrie 4.0, mit Barcodes, visueller Materiallogistik,

Gabelstaplern, die kommunizieren – aber in

Teilbereichen und genau so, wie es hier passt.

Ist die Sorge vor Arbeitsplatzabbau durch Industrie

4.0 unbegründet?

Die gab es schon in früheren Stufen der industriellen

Entwicklung. Doch wie ist die aktuelle Lage? Wir haben

in Deutschland noch nie so wenig Arbeitslose gehabt

wie derzeit. Und der Automatisierungs- und Integrationsgrad

der industriellen Produktion ist auf einem

hohen Level.

Die Tarifrunde 2015 dürfte eine harte Nuss werden.

Der IG Metall geht es nicht nur um Lohnprozente,

sondern unter anderem auch um Fortbildung und

neue Regeln für die Altersteilzeit. Wie steht Südwestmetall

dazu?

Die Forderung nach einem Lohnplus kann ich nachvollziehen.

Die Altersteilzeit im Grunde auch. Die Forderung

nach Bildungsteilzeit halte ich dagegen nicht

für zielführend. Denn die Unternehmen in der Metallindustrie

schenken dem viel Beachtung. Schon jetzt

findet in Unternehmen sehr viel fachliche und persönliche

Weiterbildung statt. Jedes Unternehmen ist gut

beraten, das zu tun. Das ist eine Investition in die Zukunft.

Einer Studie des Instituts der deutschen Wirt-

Industrie 4.0? In Mario Trunzers

Augen ist sie ein Werkzeug.

Entscheidend sind die

Menschen: „Ohne gute Leute

geht gar nichts.“ So hält er

denn auch die aktuelle Forderung

nach einem Lohnplus

für nachvollziehbar.

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[titelthema] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Im Liebherr-Werk Ehingen arbeiten 3200 Mitarbeiter. 2014 lieferte das Unternehmen 1451 neue Krane aus.

Sozialpartner und

Sprachrohr für Betriebe

Der Arbeitgeberverband Südwestmetall

vertritt in Baden-Württemberg rund 990

Unternehmen mit 471.000 Beschäftigten

der Metall- und Elektroindustrie. Er ist Ansprechpartner

für Arbeitgeber in arbeitsund

sozialrechtlichen, tarifvertraglichen

und sozialpolitischen Fragen, Sprachrohr

für seine Mitgliedsbetriebe gegenüber

Gewerkschaft, Staat und Öffentlichkeit.

Zusammen mit dem Sozialpartner vereinbart

Südwestmetall in Tarifverträgen die

Bedingungen der Arbeitsverhältnisse.

Die Bezirksgruppe Ulm, deren Vorsitzender

Mario Trunzer ist, betreut in der Region

Ulm, Biberach, Alb-Donau und dem

südöstlichen Teil Sigmaringens 64 Betriebe

mit 34.500 Mitarbeitern. Von den

13 Bezirksgruppen im Südwesten ist

Stuttgart mit knapp 107.000 Beschäftigten

in 81 Unternehmen die größte.

Im Hauptberuf ist Mario Trunzer Geschäftsführer

der Liebherr-Werke Ehingen

GmbH. Sie ist Teil der dezentral organisierten

Firmengruppe Liebherr, die elf Geschäftsfelder

umfasst. Spartenobergesellschaft

für Fahrzeugkrane ist das Liebherr-

Werk Ehingen GmbH. Im Jahr 2014

erwirtschaftete sie mit 3200 Mitarbeitern

einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro (Exportanteil

82 Prozent) und lieferte 1451

neue und 177 gebrauchte Krane aus. amb

schaft in Köln zufolge haben die Unternehmen 33 Milliarden

Euro für die Weiterbildung ausgegeben. Das

sind 1100 Euro pro Mitarbeiter. Das kommt bei uns in

Ehingen auch ganz gut hin.

Was stört Sie konkret an der Bildungszeit?

Entscheidet sich ein Mitarbeiter, den Meister über Bildungsteilzeit

zu machen, hat das Unternehmen einen

doppelten Nachteil: Erst geht er auf Kosten des Betriebs

in Bildungsteilzeit, und weil ihm das Unternehmen

keine entsprechende Stelle anbieten kann, sucht er

sich eine neue Stelle. Wenn heute ein Betrieb Bedarf

hat, bietet er ja demjenigen intern eine Chance zur Weiterbildung,

der sich dafür eignet – zum Beispiel eben

zum Meister.

Wenn Sie einen Tag Berufsberatung in einer Abschlussklasse

machen müssten, was würden Sie

den jungen Leuten raten?

Viele wissen nicht so recht, was sie wollen. Es gibt zig

Möglichkeiten, sich fachkundig zu machen – bloß

weiß man dann immer noch nicht genau, was man

will. Mein Rat: Macht Euch keine Sorgen, wenn Ihr

nicht wisst, was Ihr werden wollt. Die Wege in der Bildung

und in den Beruf sind heute so vielfältig, dass man

nicht auf eine bestimmte Spur festgelegt bleibt. Wenn

einer überhaupt nicht weiß, was er machen will, würde

ich ihm empfehlen, eine Berufsausbildung zu machen.

Das muss nicht der Traumberuf sein, aber einer, der

ihm oder ihr liegen könnte. Diese Ausbildung sollte

man durchziehen. Danach sieht man klarer: Man hat

einen Abschluss in der Hand und kann immer noch

studieren. Oder sich im Unternehmen entwickeln. Was

helfen uns – Entschuldigung – endlos viele Betriebswirte,

die die Arbeit von Industriekaufleuten machen?

Damit ist niemandem groß gedient.

Der jungen Generation wird nachgesagt, sie sei weniger

an Geld, dafür mehr an Spaß im Job und flexiblen

Arbeitszeiten interessiert. Wie sehen Sie

das?

Ich weiß ja nicht, wer das den jungen Leuten nachsagt,

wer ihnen den Stempel „Generation Y“ aufdrückt. In

meinem Umfeld beobachte ich meine Söhne und auch

unsere Azubis – und stelle fest: Sie wollen eine interessante

Aufgabe im Beruf haben, ein berechenbares Umfeld,

eine klare Ansage, einen fairen Umgang und im

Team arbeiten. Das ist alles nicht fremd. Ich habe auch

16


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[titelthema]

gelesen, dass denen Geld nicht mehr so wichtig ist.

Aber Geld brauchen sie schon. Das Leben ist ja nicht

billig.

Im Fokus ist nicht mehr das Geld, sondern die Aufgabe.

Das war früher auch nicht anders. Man sucht sich eine

Aufgabe, die Frage ist: Ist das Unternehmen

wichtiger oder die Aufgabe?

Selbst in guten Unternehmen

gibt es weniger gute Abteilungen

und Chefs. Der Chef prägt ja auch

das Umfeld der Arbeit. Wir versuchen,

unsere Führungskräfte zu

schulen und so zu unterstützen,

dass sie ein gutes Arbeitsumfeld

schaffen.

Es bringt

nichts, von

einem Thema

zum anderen

zu hetzen

Fördern Sie auch gezielt Junge?

Wir versuchen das natürlich sehr stark. Das kommt bei

Liebherr schon aus unserer Unternehmenskultur. Sie

ist darauf angelegt, die Leute so früh wie möglich eigenverantwortlich

und selbstständig arbeiten zu lassen –

und ihnen Vertrauen entgegenzubringen. Da darf jemand

relativ früh relativ viel. Das macht die Arbeit

dann auch interessant.

Wie sieht es bei Ihnen mit der Work-Life-Balance

aus?

Der Begriff ist eigentlich falsch – Arbeit gehört ja zum

Leben und nimmt bei vielen einen großen Raum ein,

als Geschäftsführer noch ein bisschen

mehr. Für mich persönlich

ist die Arbeit sehr wichtig. Aber

auch das andere: Familie, Freunde,

Natur, Sport, Kultur, Bücher …

Haben Sie Zeit fürs Privatleben?

Ich nehme sie mir. Es bringt nichts,

von einem Thema zum anderen zu

hetzen.

Es kommt nicht darauf an,

möglichst lange im Büro zu

sitzen, sagt der Geschäftsführer.

Wichtig ist, was hinten

rauskommt.

Ist das auch ein Signal an die Mitarbeiter?

Ja. Natürlich arbeiten wir auch mal am Wochenende.

Aber bei Liebherr kommt es nicht darauf an, möglichst

lange im Büro zu sitzen. Entscheidend ist, was hinten

rauskommt. Es ist wichtig, dass die Leute ihren Ausgleich

haben, abschalten, etwas anderes machen und

17


[titelthema] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Kranfahren kann der Chef

des Werks auch – und räumt

gleich ein, dass er dabei nur

an der Oberfläche kratzt.

den Kopf wieder frei kriegen. Wenn das nicht gelingt,

ist die Gefahr der Betriebsblindheit oder der Unproduktivität

groß.

Lesen Sie im Urlaub Ihre Geschäftsmails?

Es gibt da keine Regelung. Ich selbst bin nicht immer

erreichbar, und ich würde das auch nicht von den Führungskräften

erwarten. Urlaub ist Urlaub. Aber es gibt

Ausnahmen. Ich höre meine Mailbox auch im Urlaub

alle zwei bis drei Tage ab. Falls etwas ganz Wichtiges

wäre, kann man mir auf der Mailbox eine Nachricht

hinterlassen – und ich rufe zurück. Das ist aber so gut

wie nie passiert.

Das heißt, dass der Laden wirklich gut strukturiert

ist …

Ja, das halte ich für wesentlich. Meine Aufgabe als Geschäftsführer

und auch als Vorgesetzter ist es, dafür zu

sorgen, dass das Unternehmen weiter funktioniert,

wenn ich morgen – aus welchen Gründen auch immer

– nicht mehr da bin. Und es muss auch laufen, wenn

ich zwei oder drei Wochen im Urlaub bin. Wenn ich das

nicht hinkriege, mache ich etwas falsch.

Liebherr ist ein weit verzweigtes Firmengeflecht

mit familiärem Hintergrund. Wie würden Sie die

Kultur beschreiben?

Die Familie hat den Grundsatz, dass Verantwortung

nach unten abgegeben wird. Daraus erwächst ein hohes

Maß an Eigenverantwortung. Die Firmengruppe

möchte unabhängig sein, auch die Werke, die Sparten

arbeiten dezentral und unabhängig. Es ist eine Unternehmenspolitik

der kurzen Wege, schnellen Entscheidungen

und offenen Türen. Diesen Geist und diese

Unternehmenskultur lebt die Familie vor. Und das finden

Sie auch bei uns in Ehingen wieder.

Wie lautet der unternehmerische Grundsatz?

Nachhaltigkeit. Wir denken hier nicht in Quartalen,

sondern in Jahren. Vielleicht Jahrzehnten. Es gibt keine

Vorgaben für jährliches Wachstum oder eine bestimmte

Umsatzrendite und Eigenkapitalrendite. Gleichwohl

ist Gewinn nötig. Wir brauchen das Geld, um in

unsere Forschung und Entwicklung zu investieren, in

Produktionsanlagen, in die Weiterbildung der Mitarbeiter,

in unsere Absatzmärkte. Die Firmengruppe will

durch die Eigenfinanzierung auch unabhängig von

den Finanzmärkten werden. Das funktioniert mit der

Eigenkapitalquote der Liebherr-Gruppe auch ganz gut.

Die Gewinne bleiben im Unternehmen, um das Geschäft

zu finanzieren.

Können Sie die Krane, die Sie herstellen, selbst bedienen?

Mich ärgert es manchmal, dass ich zu wenig fahre. Ich

habe den Führerschein Klasse 2. Für mich ist es schon

ein Wunder, wie komfortabel so ein Acht-Achser zu

lenken ist. Da zeigt sich, wie viel Knowhow und Technik

dahinterstecken. Aber ganz ehrlich, wenn ich auf

so einem Kran sitze, dann kratze ich nur an der Oberfläche.

Die Leute, die die Krane fahren und bedienen, die

Kranfahrer unserer Kunden, das sind sehr gute und

kenntnisreiche Fachkräfte. [!]

Das Interview führten

Karen Emler, Leiterin der

Wirtschaftsredaktion der Südwest Presse,

und Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter Unternehmen [!]

Fotos: Marc Hörger

Dokumentation: Isabella Burk

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[finanzieren] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Monogamie adieu

Klassische Bankkredite sind günstig wie nie zuvor. Doch über kurz oder lang wird sich das wieder ändern. Strategisch

denkende Unternehmen verbreitern daher schon jetzt ihre Finanzierungsbasis.

Die Ökonomen fast aller deutschen

Wirtschaftsforschungsinstitute sind

sich einig: Die Konjunktur in Deutschland

kommt nicht recht in Schwung – weil

deutsche Unternehmen zu wenig investieren,

allen voran der Mittelstand. An den Zinskonditionen

kann es kaum liegen. Kredite der

staatlichen Förderbank KfW und der badenwürttembergischen

L-Bank sind teils für weniger

als 1,5 Prozent zu haben.

Auch die meisten Geschäftsbanken zeigen

sich offen gegenüber neuen Kreditanfragen

ihrer Unternehmenskunden. Das jedenfalls

legen die Ergebnisse von Stimmungstests in

der Wirtschaft nahe – wie etwa eine im November

veröffentlichte Umfrage unter Mittelständlern,

die die Stuttgarter Finanzberatung

Wolff & Häcker (whf) zusammen mit der Unternehmensberatung

Ebner Stolz gemacht

hat. Demnach gaben etwa zwei Drittel der 103

befragten Geschäftsführer mittelständischer

Firmen an, dass sich ihre Finanzierungsbedingungen

in den vergangenen beiden Jahren

verbessert haben. Auch die KfW Research verzeichnete

Ende 2014 ein „nach wie vor sehr

gutes Kreditangebot“ der Banken mit relativ

freiem Kreditzugang für Unternehmen. Allerdings

haben viele Firmen in den vergangenen

Jahren gut verdient und dieses Geld im Unternehmen

behalten. Entsprechend solide ist in

vielen Fällen die Eigenkapitalbasis – was Kreditverhandlungen

mit der Hausbank meist

deutlich einfacher macht.

Fatale Treue zur Hausbank

Hapert es hingegen an der Bonität und fehlt es

an Vermögenswerten, die gewerbliche Kreditnehmer

ihrer Bank als Sicherheit anbieten

können, wendet sich das Blatt. Wer weder das

eine noch das andere vorweisen kann, zahlt

für ein Darlehen schnell sechs bis sieben Pro-

Viele Banken haben spannende Angebote:

Wer klug ist, schaut sich um.

20


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[finanzieren]

zent – wenn denn der Kreditantrag überhaupt

genehmigt wird. Erstaunlicherweise suchen

der whf-Umfrage zufolge nur wenige Unternehmen

neue Finanzierungsquellen, um sich

breiter aufzustellen – zum Beispiel, indem sie

intensiver Leasing oder Factoring nutzen, also

den Verkauf von Forderungen. Die meisten

halten stattdessen ihrer Hausbank die Treue

und setzen bei langfristigen Investitionen

weiter auf den klassischen Bankkredit und

zur Finanzierung des Umlaufvermögens auf

ihre Kontokorrent-Linien.

Das jedoch könnte sich mit der Einführung

der strengeren Eigenkapitalregeln für Banken,

kurz Basel III genannt, schnell ändern.

Schon jetzt fahren viele Banken die Laufzeiten

neuer Kredite zurück. Das macht es für

Unternehmen schwieriger, ihre Investitionen

langfristig zu planen. „Kredite mit einer Laufzeit

von mehr als fünf Jahren sind praktisch

nur über die Förderbanken zu bekommen“,

weiß Kurt Straubinger, CFO und Mitglied der

Geschäftsleitung der Joma-Polytec GmbH in

Bodelshausen, aus eigener Erfahrung. Nach

einer starken Wachstumsphase hat das Management

des Kunststoffspezialisten mit

mehr als 400 Mitarbeitern die Finanzierungsbasis

auf ein breiteres Fundament gestellt.

„Wir sind stets offen für alle Finanzierungsthemen“,

sagt Straubinger, „dadurch sind wir

mittlerweile nicht mehr nur auf eine Partnerbank

oder Finanzierungsmöglichkeit angewiesen,

sondern haben immer auch alternative

Vergleichsangebote zur Verfügung.“

Kurz vor der Insolvenz

Im Fall des Falles kann sich eine solche Strategie

als Lebensversicherung für ein Unternehmen

erweisen. Denn mitunter sind es die Banken

selbst, die ihre Unternehmenskunden in

eine finanzielle Krisensituation stürzen – etwa,

weil sie zögern, die laufenden Kreditlinien

parallel zum Umsatzwachstum nach oben

anzupassen. So berichtet Joachim Rupp, Referent

Unternehmensfinanzierung der IHK

Ulm, von einem Unternehmen, das trotz

Kurt Straubinger,

Joma-Polytec GmbH

schwarzer Zahlen

und eines Jahresumsatzes

von zwei

Millionen Euro

kurz vor der Insolvenz

stand, weil

die Hausbank die

Kontokorrent-Linie

von 45.000 Euro

nicht heraufsetzen

wollte.

In anderen Fällen

verlangen Geldhäuser

neben den unternehmerischen Sicherheiten

nicht selten auch eine Grundschuld

von der privaten Immobilie oder die – steuerschädliche

– Abtretung einer bestehenden

Lebensversicherung. Rupp rät daher jedem

Unternehmen, bei der Konzeption eines Finanzierungsvorhabens

auch die Förderbanken

mit ins Boot zu holen – nicht allein wegen

der günstigen Konditionen, sondern auch,

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[finanzieren] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Besonders reizvoll: die Finanzierungsmodelle der Förderbanken.

tung ergibt. Das sieht auch Manfred Schmitz-

Kaiser, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes

der L-Bank, so: „Prinzipiell gilt: Wenn

ein Mittelständler Kredit braucht, lohnt es

sich für ihn immer, zu prüfen, ob er sein Vorhaben

mit Hilfe eines Förderkredits finanzieren

kann oder eine Förderung als Teil der Gesamtfinanzierung

einbezogen werden kann.“

Doch welches Förderinstitut – KfW,

L-Bank, Bürgschaftsbank Baden-Württemberg

und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft

– bietet eigentlich was an? Und was

sind die konkreten Vorteile für Unternehmer?

Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie beantrage ich eine Bürgschaft?

Bürgschaften vergeben sowohl die L-Bank als

auch die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg

– letztere jedoch nur für Gründer und

Unternehmen in der Gründungsphase und

nur bis zu einem Betrag von 1,25 Millionen

Euro. Es muss es sich grundsätzlich um ein

Neuvorhaben und nicht etwa um eine Umschuldung

handeln. Der Unternehmer selbst

kann eine Bürgschaft nicht beantragen. Es gilt

das Hausbank-Prinzip, das auch für die Fördermittel

der L-Bank oder der KfW angewendet

wird. Das heißt: Der Antrag muss grundsätzlich

über die Hausbank gestellt werden.

Wozu nutzt mir eine Bürgschaft?

„Eine Bürgschaft für einen Haus- oder Förderbankkredit

ist ein ‚Finanzierungsermöglicher‘.

Das heißt, ein Gründer oder Unternehmer

kann eine Finanzierung bekommen,

obwohl seine Sicherheiten

nicht

ausreichen“, erläutert

Dirk Buddensiek,

Vorstand der

Bürgschaftsbank

Baden-Württemberg.

Dabei prüft

die Hausbank das

Vorhaben. Wenn

Dirk Buddensiek, Bürgschaftsbank.

Persönlichkeit des

sie aufgrund der

Unternehmers

und aufgrund der wirtschaftlichen Erfolgsaussichten

des Vorhabens davon ausgeht, dass

der Unternehmer seinen Kreditverpflichtungen

nachkommen kann, holt sie entweder die

Bürgschaftsbank oder die L-Bank ins Boot,

wenn die Sicherheiten nicht ausreichen. Das

Förderinstitut übernimmt das Risiko für

80 Prozent der Kreditsumme. Der Vorteil dabei:

Die Bürgschaftsbank selbst verlangt keine

zusätzlichen Sicherheiten. Und im Unterschied

zu einer lupenreinen Bankfinanzierung

kann die Hausbank alleine im Fall des

Falles nicht einseitig und allein den Kredit

kündigen und die Sicherheiten verwerten.

Dafür müssen alle Kreditgeber zustimmen.

Was kostet eine Bürgschaft – und wie lange

kann ich sie in Anspruch nehmen?

Die Kosten setzen sich aus der einmaligen Bearbeitungsgebühr

– in der Regel ein Prozent

der Bürgschaftssumme – und der jährlichen

Bürgschaftsprovision zusammen. Sie wird

Guter Rat ist nicht

immer teuer

Wer in Finanzierungsfragen nicht allein

auf seine Hausbank hören will, sondern

unabhängigen, auf das eigene Unternehmen

fokussierten Rat haben will,

kann einen Kreditberater hinzuziehen

– auch, weil das Thema Finanzierung

sehr komplex geworden ist. „Ein Berater

ist in der Lage, den Ausgleich zu

schaffen zwischen dem, was für das

Unternehmen gut ist und dem, was es

am Markt gibt“, sagt Britta Becker,

Part nerin des Wirtschaftsprüfungsund

Beratungsunternehmens EY und

Leiterin des Bereichs Capital & Debt

Advisory. „Er kann auch beurteilen, ob

es angemessen ist, wenn die Bank zusätzliche

Sicherheiten verlangt oder

sinnvollerweise eine zweite Bank mit

ins Boot geholt werden sollte, um die

Finanzierung zu diversifizieren.“

Nicht zuletzt kann der Berater beurteilen,

ob die gebotenen Kreditkonditionen

marktgerecht und dem Rating des

Unternehmens angemessen sind. Allein

deshalb spielen gute Kreditberater

ihre Kosten wieder mehr als ein. Externe

Expertise lohnt sich für Unternehmer

auch in Sachen Förderkredite. „Die

Anträge sind mitunter schon sehr umfangreich“,

weiß Joma-Polytec-Vorstand

Straubinger, „ein Dienstleister

lohnt sich da nicht nur wegen der Bearbeitung.

Auch die Wahrscheinlichkeit

einer Genehmigung verbessert sich unserer

Erfahrung nach deutlich.“ tl

einmal im Jahr fällig. Berechnungsgrundlage

ist der noch ausstehende Kreditbetrag. Die

Laufzeit der Bürgschaft ist an den Kreditvertrag

gekoppelt. Ist der Kredit zurückbezahlt,

endet auch die Bürgschaft.

Welche Förderkredite bieten die L-Bank

und die KfW an?

Die L-Bank unterstützt kleine und mittlere

Unternehmen bei Neugründungen, Übernahmen,

Investitionsvorhaben, Energiesparmaßnahmen

und bei Maßnahmen zur Steigerung

von material- und energieeffizienten Produktionsverfahren.

Die L-Bank vergibt nicht nur

die Fördermittel des Landes Baden-Württemberg,

sondern leitet in einigen Programmen

die Fördermittel der bundeseigenen KfW an

die Unternehmen weiter. Dadurch haben baden-württembergische

Unternehmen den

Vorteil, dass die bereits günstigen KfW-För-

22


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[finanzieren]

derkonditionen durch die L-Bank noch einmal

verbessert werden. Außerdem vergeben

die Förderbanken anders als die Geschäftsbanken

auch Kredite mit Laufzeiten von 10 oder

sogar 15 Jahren.

Welche Voraussetzungen gelten für die

Förderkredite?

„Die wichtigste Voraussetzung ist, dass es sich

um ein kleines oder mittleres Unternehmen

handelt“, erläutert L-Bank-Vize-Vorstand

Schmitz-Kaiser. Zugrunde gelegt wird hierbei

die KMU-Definition der EU: Der Betrieb darf

nicht mehr als 249 Mitarbeiter beschäftigen

und der Jahresumsatz höchstens 50 Millionen

Euro oder die Jahresbilanzsumme höchstens

43 Millionen betragen.

Was kosten die Förderkredite?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Die

L-Bank und die KfW arbeiten genauso wie die

Geschäftsbanken mit einem risikogerechten

Zinssystem. Soll heißen: Je besser das Rating

eines Unternehmens,

desto günstiger

der Zinssatz.

„Aber auch hier

gilt: Die Bürgschaft

der Bürgschaftsbank

kann

das Rating positiv

beeinflussen und

damit den Kreditzins

senken“, sagt

Bürgschaftsbank-

Vorstand Buddensiek.

Manfred Schmitz-Kaiser,

L-Bank.

Wie viel Papierkram ist mit dem Antrag

verbunden?

Banken wollen alles schriftlich. Dabei gilt: Je

besser ein Vorhaben dargestellt ist, desto größer

die Chancen für einen Unternehmer, Kredit

zu bekommen. Wichtig ist immer, das Vorhaben

gut zu beschreiben, denn der Banker

kennt das Unternehmen ja nicht unbedingt

und auch nicht das Vorhaben. „Durch vereinfachte

Verfahren und den elektronischen Austausch

mit den Hausbanken werden heute

rund 80 Prozent der Anträge innerhalb von

zehn Tagen entschieden“, betont Schmitz-

Kaiser. Die schnelle Bearbeitungszeit soll den

Unternehmen bei allem Aufwand Planungssicherheit

geben.

Wann kommt eine Beteiligung der mittelständischen

Beteiligungsgesellschaft ins

Spiel?

In der Regel dann, wenn ein Unternehmen zu

wenig Eigenkapital hat. In diesem Fall bietet

sich eine stille Beteiligung an. Dadurch verbessert

sich die Eigenkapitalquote und damit

das Rating. So kann das Unternehmen neue

Kredite beantragen und bekommt weiteren

Finanzierungsspielraum. Beteiligungen beginnen

ab 10.000 Euro – sowohl für Gründer

wie für etablierte Unternehmen – und reichen

bei größeren Vorhaben bis maximal 2,5 Millionen

Euro. [!]

Thomas Luther

Ökonomisch

Ökologisch

Verena Paul,

Inhaberin ECHT BIO Markt, Riedlingen

Gutes Geld – gutes Gewissen.

Die Kreissparkasse Biberach finanziert den Mittelstand in ihrer Region. Wir sind ein bedeutender

Wirtschaftsfaktor in der Region. Ob Existenzgründung oder Traditionsunternehmen – wir begleiten

zahlreiche Mittelstandsunternehmen auf ihrem Weg zum Erfolg. Durch die flächendeckende

Vergabe von Krediten tragen wir wesentlich zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei. Das ist gut für die

Menschen und gut für die Wirtschaft. www.gut-fuer-deutschland.de

Kreissparkasse Biberach. Gut für die Region.

23


Wohin mit den verdammten Daten?

Wenn Unternehmen wachsen, muss ihre IT mitwachsen. Doch was schafft man sich an? Wo sind die Daten sicher – und

für die richtigen Leute verfügbar? Was muss man bedenken? Expertentipps zu Server- und Speicher-Lösungen.

Für welches Modell auch immer man sich entscheidet: Die Daten müssen verfügbar sein, unveränderbar und vertraulich.

Die schnelllebige digitale Welt erfordert

von Unternehmen ständiges technisches

Nachrüsten. Vor dieser Herausforderung

stand auch Rainer Bahr (Name geändert).

Der 54-Jährige betreibt seit acht

Jahren einen Onlineshop. Seinen richtigen

Namen möchte er, aus Datenschutzgründen,

nicht im Magazin lesen.

Bahr verkauft Outdoorbedarf, hauptsächlich

Messer und funktionelle Kleidung. Eine Branche,

die in den vergangenen Jahren viel Zuwachs

hatte. Das schlägt sich auch in Bahrs

Auftragsbuch nieder, berichtet er: „Als die

Konjunktur wieder nach oben ging, konnte

ich mich vor Aufträgen kaum retten, gerade

Outdoorkleidung ging weg wie nichts. Bin an

meine Grenzen gestoßen.“ Bahr hat expandiert,

er hat vier Mitarbeiter eingestellt, von

E-Bay auf eine eigene Website umgestellt und

neue Computer gekauft.

Genau darin lag aber das Problem. „Wir haben

die Computer über ein Heimnetzwerk verbunden

und die Website über einen externen

Anbieter gemietet. Das gab ständig technische

Schwierigkeiten und hat überhaupt

nicht funktioniert“, erinnert sich der Händler.

„Wir mussten immer suchen, auf welchem

Rechner die Dateien gerade liegen, und wenn

ein Rechner einmal nicht funktionierte, stand

der ganze Betrieb still.“ Stillstand bedeutete

Verzögerungen beim Versand der Ware und

Fehlermeldungen im Onlineshop. Zwei Dinge,

auf die Onlinekunden heute absolut allergisch

reagieren. So etwas macht sich schnell

im Absatz bemerkbar. Rainer Bahr brauchte

unbedingt eine bessere Lösung.

Alles schön vernetzt

Solche Probleme kennt auch Alfred Schmalberger.

Er ist IT-Experte bei Feha Büro-Technik.

Die Firma berät Unternehmen, vor allem

mittelständische Betriebe, wenn es um das

Thema Server- und Speicherlösungen geht.

„Eigentlich kann heute keine mittelständisches

Firma mehr ohne eine entsprechende

Speicherlösung

existieren. Unser

typischer Kunde

Alfred Schmalberger, IT-

Experte, Feha-Bürotechnik.

hat 5 bis 150 Computerarbeitsplätze

und muss diese

vernetzen.“

Die Vorteile der

Speicherlösungen

liegen in der Zentralisierung

der Datenspeicherung:

„Auf ein zentrales

Speichergerät können alle Mitarbeiter zugreifen

und so zum Beispiel gleichzeitig an derselben

Sache arbeiten. Und wenn einer der Mitarbeiter-PCs

mal ausfällt, sind trotzdem noch

alle Daten verfügbar.“

Die meisten dieser Speichergeräte sind Server.

Ein Server funktioniert als zentrale Rechenund

Speichereinheit, die mehrere Computer

miteinander vernetzt und verschiedene Funktionen

für sie bereitstellt. Nutzen kann man

die Server zum Beispiel als Datenarchiv, für

ERP-Systeme oder für die Finanzbuchhaltung.

Ein mit dem Internet verbundener Server

kann zusätzlich auch als Plattform für Website

und Onlineshop dienen.

Aber ist es nicht leichtsinnig, die gesamte IT

einem einzigen Gerät anzuvertrauen, und wie

sicher ist so ein Server überhaupt? Mit solchen

Fragen kennt sich auch Gerd Schramm

bestens aus. Der Inhaber der Ulmer Firma

Data-S ist Experte auf dem Gebiet der IT-Sicherheit

und berät seine Kunden, wie sie ihre

Systeme sichern sollten. „Grundsätzlich gibt

es drei Blickwinkel auf die Sicherheit von

Speicherlösungen: die Verfügbarkeit der Daten,

die Unveränderbarkeit der Daten und die

Vertraulichkeit der Daten“, sagt Schramm.

Bei der Verfügbarkeit von Daten liegt der Fokus

darauf, Ausfälle der Speichersysteme

24


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[sichern]

möglichst zu vermeiden. Schramm: „Die einfachste

Lösung ist, zu jedem System ein redundantes

Zweitsystem zu haben. Das heißt

im Prinzip, alles doppelt zu kaufen und dann

beide Server parallel zu betreiben. Allerdings

seien zwei parallele Systeme für viele Mittelständler

viel zu teuer, berichtet Schramm, deshalb

gebe es verschiedene Abstufungen für

jeden Geldbeutel. Auch IT-Experte Schmalberger

hat Lösungen parat: „Sehr effizient sind

zum Beispiel die Cluster-Lösungen von Fujitsu,

die es in verschiedenen Ausführungen

gibt. Der Kunde kann sich entscheiden, ob

ihm zwei parallele Festplatten und doppelte

Stromversorgung genügen oder ob er alle

Komponenten redundant haben möchte.“

Der Faktor Mitarbeiter

Blickwinkel Datensicherheit: Wie können

Daten gegen unerwünschte Veränderung

oder Verlust geschützt werden – und wie ist

gleichzeitig nachvollziehbar, wer die Daten

wo und wann gespeichert hat? Schramm:

„Hier ist sowohl technischer Schutz in Form

von Firewalls und Virenscannern als auch die

Erstellung von Backups wichtig.“ Die beste

Verfügbarkeit bieten wiederum redundante

Systeme; mittlerweile muss auch nicht mehr

für jede Anforderung ein eigenes Serversystem

gekauft werden, erklärt Schmalberger:

„Einen physischen Server kann man in mehrere

virtuelle Server teilen. Man erstellt einfach

verschiedene Partitionen, die dann entweder

als Parallelsystem, Aufteilung der

Dienste oder für eine völlig andere Aufgabe

dienen können.“ Der Vorteil solcher getrennter

virtueller Server ist, dass sich verschiedene

Abteilungen nicht ins Gehege kommen. Ein

Fehler in der Auftragsbearbeitung ist so beispielsweise

entkoppelt von der Buchhaltung.

Die meisten Server sind heute virtuell.

Blickwinkel Vertraulichkeit.

Schramm rät zur

Kategorisierung

der gespeicherten

Daten „in frei verfügbare

Daten und

streng vertrauliche

Daten“. Das

müsse dann auch

Auswirkungen auf Gerd Schramm, Inhaber

den Umgang mit der Ulmer Firma Data-S.

den Daten haben.

Es genüge nicht, die vertraulichen Daten nur

besonders gesichert zu speichern: „Der Faktor

,Mitarbeiter‘ muss hier einfach berücksichtigt

werden, schon ein kleiner Fehler hat oft gravierende

Folgen.“ Deshalb sei es wichtig, an

die Kategorien auch besondere Regeln im Umgang

mit den Daten zu binden: Wer darf die

Daten einsehen? Wie dürfen sie transportiert

werden? Wofür dürfen sie verwendet werden?

Gerade in Bezug auf Mitarbeiter und Kundendaten

spielt hier auch der gesetzliche Datenschutz

eine große Rolle. Das gilt fürs Onlinegeschäft

in besonderem Maße. Die Händler

müssen darüber hinaus zahlreiche Informationspflichten

befolgen und fangen sich schnell

eine Abmahnung ein, wenn etwas nicht passt.

Rainer Bahr hat sich schlussendlich dafür entschieden,

ein System mit zwei Servern in

einem Gehäuse zu kaufen. Er meint: „Mein

Internethandel muss einfach immer funktionieren,

Ausfall kann ich mir nicht leisten.“ Er

hat jetzt vier virtuelle Server – für Buchhaltung,

Lagerverwaltung, Datenspeicher und

Shopbetrieb. Und dank einer auf seine Belange

zugeschnittenen Datenschutzerklärung,

ist er auch rechtlich auf der sicheren Seite. [!]



Gabriel Bock

Sonderfall: Auslagerung in die Cloud

Die Vorteile von Cloudcomputing liegen,

wie in diesem Magazin schon berichtet,

auf der Hand. Wer mit einer Auslagerung

in eine Cloud – zumal im Ausland – liebäugelt,

muss aber darauf achten, dass die

vertraglichen Regelungen auch deutschem

Recht entsprechen. Die Sicherheit

der deu tschen Rechenzentren ist auf sehr

hohem Niveau. Bestens gerüstet ist zum

Beispiel das Rechenzentrum der Ulmer

Wilken GmbH mit Notstromgenerator, Sicherheitsschleuse

und einem vor Katastro

phen geschützten Gebäude. Jedoch

setzen momentan nur sehr wenige Mittelständler

auf diese Möglichkeit, An schaffungs-

und Wartungskosten zu spa ren.

„Das Problem der meisten potenziellen

Kunden ist eben die Inter netan bin dung“,

sagt Harald Varel, der Geschäftsführer

des Rechenzentrums. Das sehen auch

Schramm und Schmalberger so. Gerade

für Unternehmer aus ländlichen Gebieten

stelle eine schlechte Breitbandverbindung

ein großes Hindernis dar. gb

25


[sichern] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Mein Passwort sei ~$krX6lmRrx#L78*§~

Da kann der Mensch noch so viel in fabelhafte Sicherheitssysteme seiner IT investieren. Vergebene Liebesmüh, wenn er

mit leicht zu knackenden Passwörtern arbeitet. Lesen Sie, wie es richtig geht.

Im Durchschnitt nutzt jeder deutsche Internetuser 20 bis 30 Seiten, für die er Passwörter braucht.

Sicherheit im IT-Bereich ist eines der

haarigsten Themen der heutigen Zeit.

Entweder man bemüht sich um einen

ausreichenden Schutz für die eigenen Geräte

und betreibt einen großen Aufwand, um alles

sicher zu halten, oder man macht es sich bequem

und lässt die Gefahren eben Gefahren

sein. Eben das machen viele, wenn es um Passwörter

geht.

Dabei werden Passwörter überall benötigt.

Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

(BSI) nutzt jeder deutsche

Internetuser etwa 20 bis 30 Webseiten mit

Passworteingabe, egal ob für E-Mails, Onlineshops

oder Social-Media. Hinzu kommen oft

Anwendungen in privaten Netzwerken und

am eigenen Rechner. Oft sichern sie den Zugang

zu persönlichen Daten oder zu hochsensiblen

Bereichen wie Kontoführung, Mailkorrespondenz

oder Finanzbuchhaltung. Gerade

Unternehmen können sich Sorglosigkeit im

Umgang mit Passwörtern eigentlich nicht

leisten. Sichere Passwörter aber sind lang,

Foto: © 2014 Igor Stevanovic/Fotolia.com

kompliziert, schwer zu merken – und extrem

wichtig. Wie wichtig, lässt sich mit ein wenig

Mathematik zeigen.

Eine gängige Methode, um Passwörter zu knacken,

ist die sogenannte „Brute-Force-Methode“.

„Brute Force“ steht für „brutale Gewalt“

und bedeutet, einen Zugang solange mit Passwort-Eingaben

zu bombardieren, bis durch

Zufall das richtige gefunden wird. Dieses Ausprobieren

von Möglichkeiten wird von einer

Software in schneller Abfolge durchgeführt.

Das Programmieren des dafür notwendigen

Algorithmus ist simpel; mit Hilfe eines Trojaners

kann das „Brute-Force“-Programm auf

fremden Computern installiert werden. Nun

also zum Rechenbeispiel.

Ein guter Einzelrechner kann etwa zwei Milliarden

Passwörter pro Minute ausprobieren.

Verwendet ein sorgloser Nutzer das Wort

„Passwort“ als Zugangscode, so braucht der

Rechner theoretisch etwa acht Stunden, um

das Passwort zu erraten. Denn die Anzahl

möglicher Kombinationen lässt sich durch

die Formel „mögliche Zeichenzahl hoch

Kennwortlänge“ ausdrücken. Das Beispiel

„Passwort“ enthält weder Zahlen noch Sonderzeichen,

sondern nur Groß- und Kleinbuchstaben;

davon gibt es jeweils 26, also 52.

Das Wort hat 8 Zeichen. Also lautet die Rechnung

„52 hoch 8“ – und damit gute 5 Billionen

an Möglichkeiten. Fügt man dem Beispiel nur

zwei Zahlen hinzu, zum Beispiel „Passwort78“,

ergeben sich bereits 839 Billiarden Möglichkeiten

(62 hoch 10) und damit eine theoretische

Rechenzeit von etwa 13 Jahren. Ein sicheres

Passwort sollte also möglichst lang sein

und viele verschiedene Zeichen enthalten.

Ein Altmodischer Zettel

Dass das allein nicht genügt, sollte aber jedem

klar sein. Ein Passwort wie „Passwort123“

dürfte zu den ersten gehören, die ein Hacker

ausprobiert. Sogenannte „Wörterbuchangriffe“

können dann in atemberaubender Geschwindigkeit

alle weiteren wahrscheinlichen

Kombinationen ausprobieren. Es genügt

also auch nicht, den Vornamen des Ehepartners

mit zwei Ausrufezeichen und dem Geburtsdatum

zu versehen.

Am sichersten ist es, eine möglichst lange und

zufällige Kombination auszusuchen. Die

kann sich kein Mensch merken!

Abhilfe schafft ein Passwortmanager. Das ist

ein kleines Programm, das sich sogar von USB-

Sticks aus ausführen lässt. Es beinhaltet eine

verschlüsselte Archivdatei mit allen vom Nutzer

gespeicherten Passwörtern. Der Nutzer

öffnet das Archiv mit einem Master-Passwort

und kann die einzelnen Passwörter dann aus

dem Archiv kopieren und einfügen, wenn er

sie braucht. Die Passwörter im Archiv können

vom Passwortmanager beliebig lang und

komplex nach Zufall generiert werden und

sind damit sehr schwer zu knacken. Bleibt nur

noch das Master-Passwort. Das schreibt man

am besten auf einen Zettel oder lernt es auswendig,

ganz altmodisch und nicht zu

knacken. [!] Gabriel Bock

26


2av ist ein Büro für Mediale Raumgestaltung

sowie für die Gestaltung von klassischen

und neuen Medien. Seit 2005 realisieren wir

interdisziplinäre Projekte, von der inhaltlichen

Konzeption über die Gestaltung bis hin zur

technischen Umsetzung.

2av GmbH

Keltergasse 3, 89073 Ulm

T + 49 (0) 731 – 708 99 00

www.2av.de | mail@2av.de

Neue Pressegesellschaft, Corporate Design Manual, 2014

27


[spezial] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Bewegen

Sie sich!

Gemeinsam nach der Arbeit laufen, in der

Mittagspause zum Yoga oder ins Fitnessstudio: Immer

mehr Unternehmen fördern sportliche Aktivitäten

ihrer Mitarbeiter. Nicht allein aus Herzensgüte

heraus. All das erhält die Arbeitskraft.

Foto: © magdal3na/Fotolia.com

Mit einem neuen Lauf-Angebot wollen die Organisatoren

des Einstein-Marathons speziell auf Unternehmen zukommen:

Am 11. Juni wird in Ulm der erste Firmenlauf

ausgetragen – mit Start und Ziel in der Ratiopharm-Arena

in Neu-Ulm. „Firmenläufe gibt es schon in vielen deutschen Städten.

Sie sind die Läufe, die sich momentan am meisten entwickeln“, berichtet

Markus Ebner, Geschäftsführer des Veranstalters Sun Sportmanagement.

Ziel des Firmenlaufs – Donnerstagabend nach der Arbeit

um 19 Uhr – ist nicht die Jagd nach Bestzeiten auf der rund fünf Kilometer

langen Strecke, sondern „das gemeinsame Laufen, das gemeinsame

Erleben“, sagt Ebner.

Laufen, schwitzen – und Probleme lösen

Betriebssport nutzt nicht allein der Gesundheit, erklärt Hannelore

Moser, Betriebsärztin des Arzneimittelherstellers Teva (Ratiopharm):

„Viele aus unterschiedlichen Bereichen der Firma lernen sich kennen,

die Identifikation mit der Firma steigt.“ Reinhard Levyn, im gleichen

Unternehmen für die Sport-Koordination zuständig: „Wenn man zusammen

läuft, über was unterhält man sich? Den Betrieb!“ So hätten

sich schon zahlreiche Netzwerke gebildet, von denen nicht zuletzt die

Firma profitiere. „Man kann auch während des Laufens Probleme lösen.“

Für wichtig hält er, dass das sportliche Angebot möglichst unmittelbar

nach der Arbeit oder in der Pause gemacht wird und auch möglichst

vor Ort. „Jeder Kilometer weiter weg kostet Teilnehmer“, ist

seine Erfahrung.

Sport im Unternehmen wird bei Teva groß geschrieben. Da bleibt es

nicht nur bei von qualifizierten Übungsleitern begleiteten Laufgruppen

für Anfänger und Fortgeschrittene im Sommerhalbjahr, die für

den Einstein-Marathon trainieren und private Lauftreffs, die sich daraus

gebildet haben. Die Firma unterhält eine eigene Sporthalle. Tagsüber

nutzt sie der eigene Kindergarten, abends ist sie mit Kursen für

Mitarbeiter belegt – genauso wie weitere Kursräume auf dem Firmengelände.

Kostenlos sind die von Übungsleitern geleiteten Kurse, genau

wie bei anderen Unternehmen, allerdings nicht. Das Angebot reicht

von Rückenschule, Gymnastik, Deep-Work oder Tae-Bo über Pilates

und Yoga bis zu Zumba. Auch eine Firmenmeisterschaft im Alpin-Ski

gibt es. Zurückzuführen ist das langjährige Engagement des Unterneh-

28


SWUnews

Informationen für Geschäftskunden

1/2015

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

„endlich wieder ruhigeres

Fahrwasser“

mag sich mancher

gedacht haben, als

das reformierte

EEG vor Anker

ging. Doch die

See bleibt rauh und der Wind der

Energiewende wird sich so schnell

nicht legen. Wir sind gerade auf einem

Ozean voller Veränderungen

unterwegs. Gut beraten ist daher,

wer der alten Weisheit folgt: „Es gibt

kein schlechtes Wetter, es gibt nur

falsche Kleidung.“ Mit unserem Wissen

und unserer Marktkenntnis tragen

wir gern dazu bei, dass Sie jederzeit

gut ausgestattet sind.

Herzliche Grüße,

Karl Kräutle

Berater Geschäftskunden

der SWU Energie GmbH

Neue Regeln im Strommarkt?

Welcher Richtung der Strommarkt künftig auch folgt: Firmen haben Gestaltungsraum

Die Energiewende geht in eine zweite Phase. Nach den

intensiven Impulsen und Veränderungen der Anfangsphase

wendet sich die Politik nun einem differenzierten

Vollzug und einer planvollen Strukturierung zu. Das beste

Beispiel für diesen Übergang bietet das Erneuerbare

Energien Gesetz (EEG), das sich mit jeder Fortschreibung

näher an die Realitäten des Marktes heranbewegt. Das

„Grünbuch“ zum Strommarkt aus dem Bundeswirtschaftsministerium

vom Herbst 2014 zeigt nun auch, wie

groß der Handlungsbedarf ist, wenn insbesondere Windund

Solarstrom die Hauptlast der deutschen Versorgung

tragen sollen.

„Noch sind sich die Fachleute uneins, welche Marktform

besser geeignet ist, um ein zukunftsfähiges Marktdesign

zu bestimmen, durch das die bestehende Versorgungssicherheit

erhalten wird“, analysiert Hannes Rösch, Leiter

Geschäftskundenvertrieb der SWU, den Stand der Diskussion.

Die Kernfrage dreht sich darum, ob das Vorhalten

von Reserve-Kraftwerken zum Ausgleich von Lieferschwankungen

über einmalige hohe Kosten in Zeiten mit

Strommangel fi nanziert werden soll („Strommarkt 2.0“)

– oder über eine Art kontinuierliches Sicherheits-Abo,

dessen Preis über eine eigene Strombörse gehandelt wird

(„Kapazitätsmarkt“).

„Noch ist die Entscheidung offen“, so Rösch: „Sicher ist

aber: Das Thema Vorsorge gewinnt an Bedeutung. Das

gilt für die Liefersicherheit und bei den Kosten. Wer beim

Verbrauch auf Effi zienz achtet, ist klar im Vorteil.“ Aus

seiner Sicht bedeutet dies auch, dass die bezogene Leistung

für Kunden wieder an Bedeutung gewinnt – und

damit auch die intelligente und bewusste Steuerung des

Leistungsbedarfs.

Hier bestehen Optionen, die Möglichkeiten eines veränderten

Marktdesigns dem eigenen Bedarf entsprechend zu

gestalten. „Je besser die Leistung gesteuert und kontrolliert

wird, desto geringer ist das Risiko höherer Kosten im

Spitzen-Bedarfsfall“, fasst Rösch zusammen.

„Kunden, die zum Beispiel el

eine Lastganganalyse vornehmen n

lassen, verfügen

hier über

eine wertvolle

Entscheidungshilfe.“

Hannes Rösch

Telefon 0731 166-2623 ihannes.roesch@swu.de

SWUnews 1/2015


Kundenporträt

Mit eingebauter Effizienz

Mit zwei Standbeinen steht sudhoff technik

auf der Erfolgsleiter: Zulieferteile aus Gummi

und Kunststoff für die Industrie sowie moderne

Ausrüstungen für den Arbeitsschutz.

2014 sind sie verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit

getreten: 3D-Drucker. Während Laien noch spielerisch

erkunden, welche Möglichkeiten sich bieten,

ist entsprechende Technik bei sudhoff technik in Ulm

schon professionell im Einsatz. Das Leistungsspektrum

des Unternehmens ist groß.

Als Zulieferbetrieb für kundenspezifische Artikel

aus Gummi und Kunststoff ist es bestens am Markt

positioniert. Spritzgussteile, Tiefziehteile, Dreh- und

Frästeile, Profile, technische Schläuche, Gummi-

Formteile, Dichtungen und Fertigteile gehören zum

Portfolio, das mit technischen Standardartikeln wie

technischen Klebstoffen und Gummi-Metall-Teilen

abgerundet wird. Die Beratungs- und Konstruktionskompetenz

wird dabei vor allem durch den eigenen

Werkzeugbau in Laichingen unterstrichen. Die Kunden

kommen vor allem aus Agrar- und Nutzfahr-

zeugindustrie, Medizintechnik, Maschinenbau, Haushaltgerätebau

und Automobilindustrie.

Anwendungstechniker und qualifizierte Fachberater

unterstützen den Kunden bei der Bauteilumsetzung,

moderne Tools wie Füllsimulation und Angussberechnung

sorgen für höchste Präzision. „Entscheidend

für den optimalen Nutzen unserer Produkte“,

so Geschäftsführer Roland Sudhoff, „ist die frühzeitige

Einbindung bereits in der Entwicklung, um Fertigungsaspekte

und Kundenanforderungen schon zu

Beginn aufeinander abzustimmen. So lassen sich z. B.

bei Formteilen durch die Bauteilkonstruktion schon

im Werkzeug Einsparungseffekte generieren.“

Einen Namen hat sich sudhoff auch als Komplettanbieter

für persönliche Schutzausrüstung gemacht

– vom Kopfschutz über Bekleidung und Handschutzpflege

bis zu Gehör-, Atem- und Augenschutz. Eigene

speziell geschulte Fachberater unterstützen und

beraten die Kunden bei der Herleitung kundenspezifischer

Produktsortimente. Ein eigener Webshop

verschlankt für die Kunden die interne Beschaffungslogistik

und senkt somit die Prozesskosten.

Im Profil

Was uns verbindet

1936 gegründet als technisches

Handelshaus ist sudhoff technik

heute führender Anbieter für Bauteile

aus Gummi und Kunststoff sowie

Arbeitsschutzausrüstung. Der

Systemanbieter mit ganzheitlichem

Leistungsanspruch beschäftigt

85 Mitarbeiter im Stammbetrieb

sowie acht weitere in der Tochterfirma

SWUnews sudhoff 1/2015

werkzeugbau. 15

sudhoff technik bezieht das Produkt SWU Strom, Variante Fix von

den SWU. Ein garantierter Preis über die gesamte Vertragslaufzeit

gibt dem Kunden Planungssicherheit. Gerade bei konstanter, intensiver

Stromabnahme verfügt sudhoff technik damit über eine effiziente

Kostenkontrolle.

Über diesen Quicklink fi nden Sie unsere

bisher vorgestellten Unternehmen und

deren Referenzen für die SWU.

Sven Hoffmann

Telefon 0731 166-2635 isven.hoffmann@swu.de

www.swu.de

1465


Strommarktdesign: Was ist hier die Frage?

Das von Sigmar Gabriel vorgelegte Grünbuch sorgt seit Ende vergangenen Jahres für Wirbel auf dem

Energiemarkt. Dreh- und Angelpunkt ist die Diskussion, wie der Strommarkt künftig aussehen soll.

Das Grünbuch stellt unterschiedliche Möglichkeiten

für ein künftiges Strommarktdesign vor und bezweckt

eine nachhaltige Versorgungssicherheit

im Zuge der Energiewende. Dazu zählen eine

optimierte Bilanzkreisbewirtschaftung (Verbrauchsprognose),

Netzausbau, verbesserte Regelleistungsmärkte

u.v.m. Die Hauptfrage hinter dem Grünbuch

ist jedoch die nach einem künftigen System hinter

der Stromversorgung.

Bis 2050 werden die Erneuerbaren Energien voraussichtlich

einen Anteil von 80 Prozent am Gesamtstrom

erreichen. Aufgrund der hohen Schwankungen,

die bei Wind- oder Solarenergie auftreten können,

muss am Energiemarkt Vorsorge zum Schwankungsausgleich

geschaffen werden. Denn auch wenn kein

Wind weht oder die Sonne nicht scheint, muss eine

zuverlässige Stromversorgung sichergestellt sein.

Daher sind zusätzliche Optionen für die Vorhaltung

von Energiereserven (Kapazitäten/Leistungsreserve)

unentbehrlich. Die Organisation dieser Kapazitäten

wird im Grünbuch thematisiert und unterscheidet die

beiden Möglichkeiten Strommarkt 2.0 und Kapazitätsmarkt.

Strommarkt 2.0

Optimierung der aktuellen Situation auf

dem Strommarkt inklusive Regelungen

für Reserve-Vorhaltung

Folge: Preisanstieg in Zeiten

von Stromknappheit zur Finanzierung

der Reservekraftwerke

„Das Grünbuch ist ein wichtiger Zwischenschritt auf

dem Weg zu einem langfristig tragfähigen Strommarktdesign.

Hiermit präsentieren wir Optionen für eine

sichere, kosteneffi ziente und umweltverträgliche Energieversorgung.

Zugleich ermöglichen wir mit der nun

folgenden öffentlichen Konsultation eine breite, transparente

und lösungsorientierte Diskussion über die

Ausgestaltung des künftigen Strommarktdesigns“, betont

Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und

Energie. Im März will die Regierung einen Vorschlag

vorlegen, der auf den Ergebnissen der öffentlichen Diskussionen

um das Grünbuch basiert und in einer anschließenden

Gesetzgebung mündet. Ihr SWU-Berater

informiert Sie gerne über den jeweils aktuellen Stand.

Leistungs-/Kapazitätsmarkt

Vorsorgeleistung wird dauerhaft handelbar:

Neben dem Strommarkt Schaffung eines

zweiten Marktes für die Vorhaltung der Reserveenergie

Folge: Planbare Versorgungssicherheit bei

konstanten Preisen

Frank Färber

Telefon 0731 166-2620 ifrank.faerber@swu.de

Woraus wird der Strom erzeugt?

Ihren „Strommix“ öffentlich zu machen ist für

deutsche Energieversorger genauso Pflicht

wie die Zutatenangabe für Lebensmittelhersteller.

Kunden erkennen so auf den ersten

Blick, aus welchen Erzeugungsquellen sich ihr

Strom zusammensetzt.

Der „Strommix“ bzw. die „Stromkennzeichnung“

bildet ab, aus welchen Energieträgern die Stromprodukte

bzw. die Gesamtlieferung des Stroms eines

Versorgers wie der SWU erzeugt werden. Kunden

können daraus verlässlich die Anteile unterschiedlicher

Erzeugungsquellen an ihren Lieferungen sowie

deren ökologische Konsequenzen ablesen. Zusätzlich

zu den beschriebenen Informationen müssen

Lieferanten die jeweiligen Durchschnittswerte als

Vergleichsgrundlage visualisiert darstellen. Folgende

Informationen sind anzugeben:

■ Die prozentuale Zusammensetzung des Gesamtstrommixes

aus den einzelnen Energieträgern, d. h.

Kernkraft, Kohle, Erdgas, sonstige fossile Energieträger

(Mineralöle, nicht biogener Müllanteil), nach

dem EEG geförderte Erneuerbare Energien (Wasserkraft,

Biomasse, Windenergie, etc.), sonstige nicht

EEG-geförderte Erneuerbare Energien

■ Umweltauswirkungen der Stromerzeugung des genannten

Gesamtenergieträgermixes, mindestens

in Bezug auf CO 2-Emissionen sowie radioaktiven

Abfall

Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem zunächst

höheren Anteil an Kohleenergie wird sich die

Menge an radioaktiven Abfällen zwar verringern, der

CO 2-Anteil in der Bilanz allerdings eher ansteigen.

Dieser Entwicklung lässt sich mit dem Ausbau Erneuerbarer

Energien entgegenwirken.

Nina Beier

Telefon 0731 166-2632 inina.beier@swu.de

SWUnews 1/2015


Ausschnitt des

SWU-Strommixes

SWU NaturStrom

SWU Strom als Naturstrom

100 % CO 2 -Emissionen

0 g/kWh

Radioaktiver Abfall

0 g/kWh

Gesamt - Stromlieferung der SWU

0,79 %

Verbesserte CO 2 -Bilanz dank

SWU NaturStrom

Der Strommix der SWU schneidet im deutschlandweiten Vergleich mit einem

rund zehn Prozent höheren Anteil an Erneuerbaren Energien gut ab. Unternehmen,

die komplett CO 2 -Emissionen einsparen möchten, setzen auf Naturstrom.

Durchschnittswerte

Deutschland

3,00 %

8,10

%

8,12

%

24,64 %

49,85 % 9,95 % CO 2 -Emissionen

488 g/kWh

6,65

% Radioaktiver Abfall

0,0002 g/kWh

21,90 %

Stellt man den Gesamtstrommix der SWU den deutschen

Durchschnittswerten gegenüber, ergibt sich

ein signifi kant höherer Anteil an EEG-Mengen und

weiteren erneuerbaren Energieträgern auf Seiten der

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. Mit dieser ökologischen

Ausrichtung trägt der regionale Energieversorger zum

Fortschreiten der Energiewende bei. Besonders bemerkbar

macht sich diese in niedrigeren CO 2-Emissionen

und weniger atomarem Abfall (vgl. Grafi k links).

So können Unternehmen

leicht CO2 sparen

„Mit dem Tarif SWU NaturStrom lässt sich die CO 2-Bilanz

beim Strombezug auf Null senken“, so Karl Kräutle, Berater

Geschäftskunden der SWU. „Für die eigene Öko-

Bilanz und die Umwelt ist grün daher defi nitiv die bessere

Wahl. Unternehmer können so zusätzlich ihr Image aufwerten

und erhalten für ihren Betrieb mehr Strahlkraft.“

46,40 %

4,00 %

16,60 %

EEG-Mengen

Sonstige erneuerbare

Energieträger

Kernkraft

CO 2 -Emissionen

511 g/kWh

Radioaktiver Abfall

0,0004 g/kWh

Kohle

Erdgas

Sonstige fossile

Energieträger

Die gesamte Darstellung mit allen

Erklärungen finden Sie auf www.swu.de.

Karl Kräutle

Telefon 0731 166-2637 ikarl.kraeutle@swu.de

Datenbasis: 2013

iMarcus Deutenberg

Leiter Vertrieb

Telefon 0731 166-2670

marcus.deutenberg@swu.de

IMPRESSUM

SWU Energie GmbH

ein Unternehmen der SWU

Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm GmbH

Karlstraße 1–3, 89073 Ulm

Telefon 0731 166-0, Telefax 0731 166-4900

www.swu.de

Verantwortlich i.S.d.P:

Marcus Deutenberg

Redaktion:

Iris Korn

Verlag: vmm wirtschaftsverlag gmbh & co. kg

www.vmm-wirtschaftsverlag.de

Redaktion: Ulrich Pfaffenberger, Kathrin Hansel

Layout: Iris Cvetkovic

Bilder: SWU, sudhoff technik, thinkstockphotos.de:

iStock: Karens Photography/Nastia11/

shansekala/tibu, Fotolia: Pakhnyushchyy

SWUnews 1/2015

Aus dem Notizbuch von Marcus Deutenberg

Höhere Förderung für

Energieberatung

■ Seit Januar 2015 erhalten Klein- und

Mittelständler (KMU) mit dem Programm

„Energieberatung Mittelstand“ noch

mehr Unterstützung von BMWi und KfW.

Neben der qualifizierten Beratung steht

nun auch fachmännische Hilfe bei der

Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen

zur Verfügung. So sollen die

Investitionen in effiziente Technologien

in KMU weiter vorangebracht werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf

der Webseite der KfW und bei Ihrem

SWU-Energieberater.

SWU beim UnternehmerTag

■ Treffen Sie Ihre SWU-Berater beim UnternehmerTag

zu Themen rund um Energie

(12. März 2015 in der Donauhalle Ulm).

Aufschlussreich ist auch der Vortrag

„Anschluss Zukunft: Aktuelles zur Straßenbahnlinie

2“ von Ralf Gummersbach

(SWU Verkehr).

Neues zu Energie-Effizienz

■ Die aktuelle Ausgabe der „Ulmer Energie-Effi

zienz-Offensive“ zeigt, durch welche

Projekte, Konzepte und Kooperationen

die SWU ihrem Slogan zum grünen

Schuh gerecht wird.


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[spezial]

Teva/Ratiopharm hat eine firmeneigene Sporthalle. Morgens toben sich die Kleinen aus dem Betriebskindergarten aus, danach gibt es Kurse für die Großen.

mens auf die frühere Eigentümer-Familie Merckle, die sehr sportbegeistert

ist. Kurse und Läufe waren vergangenes Jahr mit insgesamt

800 Teilnehmern sehr gut belegt. Zur Einordnung: Etwa 2400 Mitarbeitern

gibt es an den Standorten Ulm und Blaubeuren.

Auch in den Wieland-Werken wird betriebliches Gesundheitsmanagement

groß geschrieben. „Unser Anspruch ist es, nicht irgendetwas

zu machen, sondern Qualität zu bieten“, sagt der dortige Gesundheitsmanager

Florian Schoof. Neben der seit Jahrzehnten bestehenden

Betriebssportgruppe bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern an

den Standorten Ulm und Vöhringen einen „bunten Blumenstrauß“ an

Kursen und Seminaren an. Seit etwa drei Jahren sind die Bereiche „Bewegung

– Entspannung – Ernährung“ bei Wieland im „Vitalprogramm“

zusammengefasst, wozu dann beispielsweise auch ein Vital-

Essen in der Kantine gehört.

Ein Olympiasieger ist für die Sportler da

Nicht nur Lauftraining für die „Wieland in Form“-Gruppe beim Einstein-Marathon

wird mit qualifizierten Übungsleitern betrieben, auch

das weitere Sportangebot. Wieland setzt nicht auf starre Kurse, sondern

auf Flexibilität. „Man kann auch mal eine Woche fehlen oder

dazwischen einsteigen“, erläutert Schoof. Wichtig in einem Betrieb, in

dem viele Beschäftigte Schicht arbeiten. Für die Umsetzung sucht

Wieland sich Partner von außerhalb, in Vöhringen etwa den dortigen

Sportclub, der eine eigene Kletterwand und ein Fitnessstudio besitzt.

Monatlich werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, vom Klettern

bis zum Schwimmkurs. Diesen Monat sind es Yoga und Rumpfkoordination.

Mit im Boot ist die eigene BKK. „Wir halten das Angebot

bewusst rar“, sagt Schoof. Manchmal müsse man sich mit dem Anmelden

beeilen, um einen Platz zu bekommen. Damit wolle man signalisieren:

„Ihr seid in der Eigenverantwortung.“

Auch nicht ganz so große Unternehmen setzen betriebliches Gesundheitsmanagement

um. Die Firma Bantleon mit rund 120 Beschäftigten

am Standort Ulm, deren Chef Heribert Großmann begeisterter Läufer

ist, will dieses Jahr beim Einstein-Marathon für jeden von Mitarbeitern

gelaufenen Kilometer eine Spende für einen guten Zweck geben.

„Vielleicht können wir damit Leute, die bisher gar nicht gelaufen sind,

kitzeln“, sagt Rainer Janz, Bereichsleiter Produkt- und Qualitätsmanagement.

Professionell betreut werden die Bantleon-Läufer dieses

Jahr von Triathlon-Olympiasieger Daniel Unger. Auch Bantleon bietet

jährlich unterschiedliche sportliche Schwerpunkte an. „Wir wollen

Impulse setzen, auch mal mit etwas aussetzen, neue Reize setzen“, sagt

Janz. Schulungen und mehr gibt es an der eigenen Akademie, etwa mit

einem Coach zum Thema „Stressbewältigung“. Nicht der Körper allein

steht im Fokus, auch Arbeitsklima und Firmenkultur sind für

Bantleon wichtige Größen: „Lob und Anerkennung tragen enorm zum

Erhalt der Gesundheit bei. Ebenso die Gewissheit, dass der Arbeitgeber

Rückhalt in schwierigen Lebenssituationen gibt“, sagt Janz.

Vom neuen Firmenlauf im frühsommerlichen Ulm glaubt Janz, „dass

das eine ganz gute Geschichte wird“. Sein Unternehmen werde den

Lauf auf jeden Fall ins Jahresprogramm einbauen. „Am Donnerstag

nach der Arbeit zu rennen, tut ganz gut.“

Genauso sieht Organisator Ebner den Firmenlauf: als ergänzendes Angebot,

ein Event und als eine Standortbestimmung für die Sportler, die

das Ziel Einstein-Marathon haben, der wie immer im September ist.

Dazu spielt nach dem Lauf in der Arena eine Live-Band, später kommt

ein DJ dazu. „Gegen 23 Uhr ist dann aber auch Feierabend“, sagt Ebner.

Schließlich ist Freitag ein Arbeitstag. [!] WERNER GALLBRONNER

Laufen mit dem großen Ziel

Einstein-Marathon

Der Ulmer Einstein-Marathon hat ein Erfolgskonzept. We sentlicher

Baustein ist die Teamwertung für die Mannschaften mit

den meisten absolvierten Kilometern auf den verschiedenen

angebotenen Strecken. Die haben nicht nur Vereine, sondern

vor allem die Unternehmen für sich entdeckt, um ihre Mitarbeiter

zum Laufen zu motivieren. Ein Beispiel dafür, wie sich das

entwickeln kann, ist die Sparkasse Ulm: Vergangenes Jahr, als

beim Einstein-Lauf zugleich die Sparkassen-Meisterschaft ausgetragen

wurde, schickte sie 129 Läufer in die Rennen, die

2222 Kilometer absolvierten. Im Jahr zuvor waren es noch

75 Läufer (1517 km) für die BSG Sparkasse Ulm gewesen. gal

29


[verantworten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Die Hochschule Neu-Ulm wurde im Zeichen höchster Energieeffizienz geplant und gebaut. Ihr Speichersee ist gleichzeitig eine Oase der Entspannung.

So baut man heute

Nachhaltig. Bei dem Wort gähnen viele – so inflationär wird es heute gebraucht. Doch was dahintersteckt, ist

hochspannend. Beispiele, wie Unternehmen ihre Industrie- und Verwaltungsbauten zukunftsfähig machen.

Bei der Planung ihrer Industrie- und Verwaltungsgebäude

setzen immer mehr

Unternehmen auf nachhaltige Aspekte

– mit zum Teil ausgezeichneten Ideen.

Einmal im Leben Gold erringen. Welcher Läufer

träumt nicht davon? Für die begehrte Edelmedaille

legt er lange Strecken zurück. Im

Ulmer Bürokomplex K3 in der Karlstraße ist

das allerdings anders. Die Planung des Gebäudes

wurde von der Deutschen Gesellschaft für

Nachhaltiges Bauen (DGNB) mit einer Auszeichnung

in Gold gekrönt – und das unter

anderem eben, weil die Arbeiter und Angestellten

darin nur kurze Wege zurücklegen

müssen. Denn bei der Prämierung für vorbildliches

Bauen im nachhaltigen Sinne wurden

nicht nur die Eigenschaften und die Zusammensetzung

der verwendeten Baustoffe, deren

Recyclingfähigkeit und Funktionalität

berücksichtigt, sondern eben auch die sozialen

Aspekte.

„Mit dem Begriff Nachhaltigkeit verbinden

viele Menschen in erster Linie die Themen

Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit.

Erfolg braucht Raum - wir bauen für Ihre Zukunft!


F. K.SYSTEMBAU

Fotos (v.l.): Taufik Kenan, FRICON, Oliver Starke

Verwaltungsgebäude und Ärztezentrum (Mitte)


30


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[verantworten]

Wir verknüpfen in unseren Kriterienkatalogen

für Industriebauten und Industriestandorte

auch alle relevanten Aspekte rund um

das Komfortgefühl

der hier arbeitenden

Menschen“,

erklärt Dr. Christine

Lemaitre, die

geschäftsführende

Vorsitzende der

Dr. Christine Lemaitre,

DGNB-Vorsitzende.

DGNB.

Wertvolle Punkte

vergab die Gesellschaft,

die ihren

Sitz in Stuttgart

hat, zum Beispiel

für die windgeschützten

und bepflanzten Innenhöfe, die

von den Menschen, die im K3 arbeiten, für ku-

Erholungspausen genutzt werden können

– und die eben schnell zu erreichen sind: „Neben

einer solchen Außenraumgestaltung

fließt genauso die Anbindung des Standortes

in die städtische Umgebung in die Bewertung

mit ein. Entscheidend ist zudem die ökonomische

Betrachtung der Lebenszykluskosten eines

Gebäudes, die alle in Zukunft anfallenden

Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung

miteinschließt und so für mehr Planungssicherheit

sorgt.“

Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm als Generalmieter

des viergeschossigen Bürocenters setzen

mit ihrer Gold-Zertifizierung des DGNB

ein schillerndes Zeichen in Ulm und um Ulm

herum. Und sind damit nicht allein. Denn es

gibt in der Stadt und in der Region weitere, im

wahrsten Sinne des Wortes herausragende

Beispiele, bei denen Bauherren und Bauträger

Umwelt und Mensch gleichermaßen im Auge

hatten.

Blick nach vorne und unten

Dazu zählt auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum

der Uzin Utz AG. Der

Komplettanbieter für Bodensysteme hat bei

der Planung dieses Neubaus auf dem Firmengelände

im Donautal die Blicke nicht nur

nach vorne, sondern auch nach unten gerichtet

und auf ökologische Baustoffe gesetzt. So

ist zum Beispiel das Parkett in den Büros und

Mehrzweckräumen aus nachhaltigem Anbau

und trägt das Siegel des Forest Stewardship

Council, einer Organisation, die Standards für

eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung

festlegt. Beim Verlegen verwendeten die

Bauarbeiter ausschließlich emissionsarme

und lösemittelfreie Klebstoffe.

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31


[verantworten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Schlicht, einfach, nachhaltig: das Treppenhaus im Forschungsgebäude der Uzin Utz AG im Donautal (rechts). Links ein Blick in die Hochschule Neu-Ulm.

Ökologische Oase der Ruhe

Bei der Planung der Hochschule in Neu-Ulm

schufen die Architekten sozusagen eine ökologische

Oase der Ruhe. Der Weg vom Hörsaal

zum idyllisch gelegenen Wiley-See ist nicht

weit. Doch der 4500 Quadratmeter große

künstliche Teich ist viel mehr als lediglich ein

Ort der Entspannung. Er dient zur Speicherung

des Regenwassers, das sich bei Niederschlägen

auf dem versiegelten Flachdach des

Gebäudes ansammelt. Über ein spezielles Rinnensystem

fließt es in das Rückhaltebecken,

wo es auf sehr sparsame Art als Grauwasser

für die Toilettenspülungen, die Außenbewässerung

des Campus sowie als Löschwasservorrat

verwendet werden kann. Der Teich ist Teil

eines nachhaltig geprägten Gesamtkonzepts,

denn der Neubau der Hochschule Neu-Ulm

stand ganz im Zeichen der Energieeffizienz.

So erzeugt zum Beispiel eine Photovoltaik-

Anlage auf dem Flachdach mit einer Modulfläche

von 200 Quadratmetern aus Sonnenkraft

eigenen Strom, der in das öffentliche

Netz eingespeist wird.

Modernste Technologie steht auch im

Ingenieurs- und Verwaltungsgebäude der

Julius Gaiser GmbH & Co. KG in der Blaubeurer

Straße in Ulm für ökologische Verantwortung.

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Gebäude spürbar, sorgt ein intelligent agie-

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32


endes Management-System dafür, dass alle

Steuervorgänge der Gebäudetechnik zentral

erfasst werden und der komplette Energiehaushalt

via Fernsteuerung überwacht werden

kann. Beheizt wird der viergeschossige

Bau zu hundert Prozent mit regenerativer

Energie über eine Holzpellet-Heizkesselanlage,

gekühlt wird der Gebäudetrakt über

eine Brunnenwasserkühlung.

GroSSe Glasfassaden und

üppige Begrünung

Wenn die DGNB-Vorsitzende Christine Lemaitre

nach vorne blickt, hat sie eine klare

Vorstellung vor Augen: „Am besten ist es natürlich,

wenn die Industriebauten der Zukunft

gar nicht mehr wie Industriebauten

aussehen, sondern sich zum Beispiel durch

große Glasfassaden und üppige Dachbegrünungen

auszeichnen.“

Damit kann das Logistik-Center der EvoBus

GmbH im Neu-Ulmer Stadtteil Schwaighofen

Ausgezeichnet für eine mitarbeiterfreundliche Raumaufteilung: das Bürogebäude K3 in Ulm.

noch nicht ganz dienen, dennoch ist es von

der DGNB als erster nachhaltiger Industriestandort

in Deutschland mit dem Silber-Zertifikat

ausgezeichnet worden. Bei der Prüfung

durch die Stuttgarter Spezialisten überzeugte

der Standort zum Beispiel mit heimischen

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33


[verantworten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Der beste Klimaschutz

unw

Ulmer Initiativkreis

nachhaltige

Wirtschaftsentwicklung e.V.

Für die

Zukunft

gebaut

Beispielhafte Objekte

und Projekte aus Ulm,

Neu-Ulm und der Region

Dämmen oder nicht? Mit welchem Material?

Welches Heizsystems ist am sinnvollsten?

Unternehmen, die im Sinne der

Nachhaltigkeit bauen oder sanieren

möchten, müssen sich gut informieren.

Es lohnt sich, sagt Dr. Tobias Mehlich,

Hauptgeschäftsführer der Ulmer Handwerkskammer:

„Ich kann Firmen nur raten,

auf eine energetische Sanierung zu

setzen, denn Energieeinsparung ist immer

noch der beste Klimaschutz und der

wichtigste Bestandteil in der Energiewende

und natürlich auch, um Betriebskosten

gering zu halten. Deshalb sollten

auch bei Neubauten die energetischen

Eigenschaften eines Firmengebäudes

nicht unterschätzt und für die kommenden

Jahre ausgestaltet werden.“

Beispielhafte Objekte findet man in der

Broschüre „Für die Zukunft gebaut“, die

der Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

(unw) e.V. in Zusammenarbeit

mit der Süddeutschen Verlagsgesellschaft

(ISBN

978-3-88294-453-2) herausgegeben hat.

Sie ist für 9,95 Euro im Handel oder direkt

beim Verlag erhältlich.

loe

Pflanzen und Wildblumenwiesen auf dem

Werksgelände – obendrein mit einer hohen

Energieeffizienz. Im Verwaltungsgebäude

herrscht im Sommer wie im Winter ein behagliches

Raumklima. Entscheidend hierfür

sind unter anderem ein außenliegender Sonnenschutz,

die Nutzung von Erdwärme und

eine luftdichte Gebäudehülle.

Für Lemaitre steht dem Bestreben vieler Firmen

nach nachhaltig geprägten Industrieund

Gewerbebauten weiterhin eine blühende

Zukunft bevor: „Was heute noch zum Trend

gehört, zählt schon bald zum Standard, denn

viele Unternehmen beziehen Mensch und

Energie immer mehr in ihre planerischen

Überlegungen mit ein. Hierbei spielen multifunktionale

Baustoffe eine immer größere

Rolle.“ Dazu zählen für die DGNB-Geschäftsführerin

zum Beispiel neuartige Beton-Komponenten.

Die tragenden Baustoffe mit integrierten

Hohlkörpern dienen gleichzeitig zur

Wärmedämmung. Zudem gebe es, so Christine

Lemaitre, mittlerweile Photovoltaik-Module,

die bereits in die Gebäudefassade eingelassen

sind – das ist Wetterschutz und

Energieeinsparung in einem.

Holz ist fast unschlagbar

Auch für Dr. Tobias Mehlich ist eine eindeutige

Entwicklung im Bereich des nachhaltigen

Bauens erkennbar: „Der Trend geht klar zum

Holz. In Sachen Umweltverträglichkeit im

Hinblick auf den Klimawandel ist der nachwachsende

Rohstoff fast unschlagbar. Zudem

besitzt Holz noch besonders günstige Verarbeitungseigenschaften

und bindet bei der Verwendung

als Baustoff das klimaschädliche

Kohlenstoffdioxid.“

Für den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Ulm ist Nachhaltigkeit ein gesellschaftliches

Thema, sei es im

Hinblick auf die

Auswahl der nachwachsenden

Rohstoffe

und Materialien

beim Bau, sei

es bei der Schaffung

erneuerbarer

Energieträger:

„Das Handwerk

per se ist nachhaltig.

Hier werden

Dr. Tobias Mehlich,

Handwerkskammer Ulm

Zeigen, was man kann: das hocheffiziente Dach

der Galaxy Energy GmbH in Berghülen.

34


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[verantworten]

Produkte nicht nur für den einmaligen kurzfristigen

Gebrauch hergestellt, sondern mit

entsprechender Qualität auf einen langlebigen

Einsatz ausgerichtet.“ Für Mehlich

verkörpert der moderne Industriebau vor

allem zwei Dinge: „Er ist energieautark und

verursacht somit keine Kosten für das Unternehmen.

Das kann durch den Einsatz hocheffizienter

Gebäudetechnik, gepaart mit Anlagen

aus erneuerbaren Energien, und einem

ressourcenschonenden Einsatz von Nutzflächen

und Anlagentechnik gelingen.“

kEine Schraube zu sehen

Dies hat auch die Galaxy Energy GmbH in

Berghülen auf der Schwäbischen Alb umgesetzt.

Der Hersteller von Photovoltaik-Elementen

hat ein regendichtes Dachsystem mit

integrierten PV-Modulen entwickelt, das

gänzlich ohne zusätzliche Dachhaut und Eindeckungen,

wie Trapezbleche oder Ziegel,

auskommt. Zudem findet man in dem gewölbten

Dachhimmel, den das Unternehmen

zu Anschauungszwecken auf das eigene Firmengebäude

gesetzt hat, keine hervorstehenden

Schrauben, an denen sich zum Beispiel

Schnee verfangen könnte. Fast 1500 Module

mit einer Leistung von über 270 Kilowatt sind

in das Dach integriert. Durch die Transparenz

der Hochleistungsmodule fällt zusätzliches

Licht in die Halle, ohne dass das Gebäude weiter

aufgeheizt wird.

Die Idee, ein komplettes sogenanntes Indachsystem

zu konzipieren, kam Firmengründer

Georg Schöll quasi vor der Haustüre, als er mit

der Sanierung alter Scheunendächern beauftragt

wurde, die teils noch mit asbesthaltigem

Material eingedeckt waren. Zur Installation

einer PV-Anlage hätte man die Dächer komplett

abtragen und durch neue Konstruktionen

ersetzen müssen. Nicht so mit dem neuen

System. Manchmal sind es eben die kurzen

Wege, die zu einem langanhaltenden Erfolg

führen können. [!] STEFAN LOEFFLER

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[namen & nachrichten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Umweltpreis

des Landes

für Elobau

Die Elobau GmbH (Leutkirch)

ist mit dem Umweltpreis des

Landes Baden-Württemberg für

Energieexzellenz ausgezeichnet

worden. Das Unternehmen

setzt seit Jahren bei der Stromversorgung

auf regenerative

Energiequellen, bei der Wärmeerzeugung

auf Biogas und

Geothermie. Die Abwärme aus

der Produktion wird im Betrieb

genutzt. Erweiterungsbauten

sind nach dem Energie-Plus-

Prinzip konstruiert; damit erzeugt

Elobau mehr Energie, als

es verbraucht. Der Mittelständler

mit 560 Mitarbeitern stellt

Bauelemente und elektronische

Geräte für berührungslose Sensortechnik

her.

Lärm zwingt

zu Wechsel

des Standorts

Die Firma Klaus Kunststofftechnik

in Memmingen gibt ihren

Standort in einem gemischten

Wohn- und Gewerbegebiet auf

und siedelt sich im zehn Kilometer

entfernten Aitrach an der

Iller an. Grund: Ein Anwohner

hatte sich seit Jahren über den

Lärm des 24-Stunden-Betriebs

beklagt. Auch eine drei Meter

hohe Schallschutzwand, die im

Zuge einer Erweiterung vor

fünf Jahren an der Grenze des

Firmengeländes errichtet worden

war, brachte keinen Frieden.

Den Nachbarn störte „der

Anblick des Gesamtareals“.

Oberland fährt

in Osteuropa

Verluste ein

Die wirtschaftlichen Folgen aus

dem Konflikt zwischen der

Ukraine und Russland machen

der Saint-Gobain Oberland AG

Umsatz sanft nach oben

in Bad Wurzach zu schaffen.

Dem Hersteller von Glasbehältern

für Getränke und Lebensmittel

gehören mehrheitlich

zwei Glashütten im russischen

Kamyshin an der Wolga und

ein Werk in der Westukraine.

Durch den Verfall der beiden

Währungen gerieten die Werke

in Schwierigkeiten. Daher

rutschte Saint-Gobain Oberland

2014 in die Verlustzone. Dennoch

hält das Unternehmen an

dem Engagement in Osteuropa

fest. Ein Viertel des Umsatzes

von Oberland, der in den vergangenen

Jahren jeweils rund

500 Millionen Euro betrug,

wird in den Werken in Russland

und der Ukraine erwirtschaftet.

Der Pistenbully-Hersteller

Kässbohrer Geländefahrzeug

AG (Laupheim) hat im Geschäftsjahr

2013/14 den Umsatz

um 1,4 Prozent auf den

Rekordwert von 214 Millionen

Euro gesteigert. Das Ergebnis

vor Steuern und Zinsen sank

um 4,3 Prozent auf 22,1 Millionen

Euro. Damit das Ergebnis

im laufenden, von Absatzproblemen

geprägten Geschäfts

jahr nicht stärker

sinke, habe man Vorsorge getroffen,

sagte Finanzvorstand

Alexander Schöllhorn. Mehrheitsaktionär

Ludwig Merckle

erhält für 2013/14 eine Ausschüttung

von 20,5 Millionen

Euro, da ihm auch Dividendenzahlungen

von Auslandstöchtern

zugutekommen. ref

Anlagenbau

von Zeppelin

überwindet Krise

Die Sparte Anlagenbau der Zeppelin

GmbH in Friedrichshafen,

Teil der Zeppelin Stiftung in

Garching bei München, kommt

nach hartem Sparprogramm

und einer radikalen Neuausrichtung

früher aus der Verlustzone

als angenommen. 2013

hatte der Hersteller von Schüttgutanlagen

für die Chemie- und

Lebensmittelindustrie den Umsatz

rasant auf 300 Millionen

Euro gesteigert, aber gleichzeitig

ein Minus von fast 6 Millionen

Euro ausgewiesen. Interimschef

Dieter Brücher stellte

den Bereich neu auf, verbesserte

die Strukturen. Unter anderem

werden bis Ende 2015 rund 50

Stellen abgebaut, 22 davon in

Friedrichshafen. Am 1. April

übernimmt Axel Kiefer (52) die

Führung der Zeppelin Systems

GmbH. Er hat bisher für den

Konkurrenten Coperion (Stuttgart)

gearbeitet hat.

Russische

Landmaschinen

mit MTU-Motoren

MTU in Friedrichshafen, das zu

Rolls-Royce Power Systems (früher

Tognum) gehört, liefert

trotz der Sanktionen gegen

Russland 400 Motoren an den

russischen Landmaschinenhersteller

Rostselmash. Rostselmash

in Rostow am Don ist der

größte Landmaschinenhersteller

in Osteuropa. Die Unternehmen

haben 2014 eine Partnerschaft

geschlossen. Sie umfasst

die Lieferung von Motoren für

weitere 3000 Landmaschinen.

Preis für

verbesserte

Energiebilanz

Den EnBW Energieeffizienz-Innovationspreis

2014 für effiziente

Nutzung des Energieeinsatzes

bei betrieblichen

Produktionsabläufen haben die

Omira (Ravensburg) und die

Uhlmann Pac-Systeme GmbH

(Laupheim) gewonnen. Die

Großmolkerei Omira hat ihr

Gesamtkonzept zur Herstellung

von Milchpulver energiesparend

umgestellt. Uhlmann, Hersteller

von Verpackungsmaschinen

für die Pharmaindustrie,

hat die Strom- und Wärmeerzeugung

auf nachwachsende

Rohstoffe ausgerichtet. Beide

Maßnahmen wurden vom

ENBW-Netzwerk Energieeffizienz

Alb-Schwarzwald-Bodensee

entwickelt und kontrolliert. [!]

36


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[gründen]

Junge Geschäftskonzepte

Eine tolle Idee reicht nicht, um erfolgreich zu sein. Existenzgründer benötigen eine gute Vorbereitung, einen soliden

Businessplan und die Fähigkeit, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Wir stellen Gründer vor.

Mirjam Heubach, Freudenfeuer

Hochzeiten, Neu-ULM

Von ihrem guten Start in die Selbstständigkeit seit Jahresbeginn

ist Mirjam Heubach „total überrascht“.

20 feste Aufträge verbucht die Hochzeitsplanerin. Das

ist für die Dienstleisterin um so wichtiger, weil ein „zufriedenes

Paar das beste Marketing darstellt“. Bis Ende

2014 hatte sie in einem Autohaus das Marketing verantwortet,

berufsbegleitend Betriebswirtschaft/Eventmanagement

studiert. Dabei hat sie viel gelernt, von

der Organisation von Veranstaltungen bis zum zielgruppenorientierten

Marketing. Zudem hat sie Geld

zurückgelegt für den lang gehegten Wunsch, Hochzeitsplanerin

zu werden. „Hochzeiten sind etwas so

Positives und Fröhliches und werden auch zunehmend

größer und aufwendiger gestaltet“, sagt die 27-Jährige.

Als Eventmanagerin vermittelt sie Paaren einzelne

Dienstleistungen oder das Rundum-Sorglos-Paket samt

Koordination am Hochzeitstag. Neben ihrem Home-

Office ist sie mit dem Schmuckatelier TU EGO in Ulms

Neuer Mitte eine Bürogemeinschaft eingegangen.

Hochzeitsplanerin Mirjam

Heubach. Vorlaufzeit der

Gründung: ein Jahr

Startkapital: 20.000 Euro

Die Eventmanagerin erhält

für sechs Monate den Existenzgründerzuschuss

der

Agentur für Arbeit.

www.freudenfeuerhochzeiten.de

Foto: Marc Hörger

Simone und Chris Demberger

www.lieferladen.de, Ulm

Frische, qualitativ gute Produkte aus regionaler Erzeugung,

von ortsbekannten Lieferanten und alle Dinge

des täglichen Bedarfs nach Hause liefern mit persönlichem

Service: Das ist das Konzept der Geschwister Simone

(30) und Chris Demberger (28). Seit Juni 2014

betreiben sie ihre Firma und nutzen das Franchisekonzept

von lieferladen.de. Die Kundenbestellungen, die

bis Mitternacht im EDV-System eingehen, kaufen sie

am nächsten Tag ein und liefern sie ab 15 Uhr aus, zum

Wunschtermin – sei es an Senioren, an Menschen mit

Handicap, Berufstätige oder Firmen, die ihren Mitarbeitern

mit Früchtekörben etwas Gutes tun. Die Kunden

bezahlen dafür eine Liefergebühr. Auf die Idee kamen

die zwei durch einen Freund, der als Pfleger in Haushalten

Älterer erlebte, wie schwierig für viele die Versorgung

ist. Unterschätzt haben sie, wie viel Arbeit in Aufbau

und Pflege eines Online-Shops steckt. Demnächst

bringen sie einen Produktkatalog heraus. „Viele unserer

Kunden wollen etwas zum In-die-Hand-nehmen.“

Simone (gelernte Verlagskauffrau)

und Chris Demberger

(gelernter Offsetdrucker)

bereiten einen Früchtekorb für

einen Firmenkunden vor.

Vorlaufzeit der Gründung:

neun Monate

Startkapital: 100.000 Euro

Größter Ausgabebrocken:

Marketing und Werbung

Foto: Marc Hörger

37


[führen] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Kopf frei für die Arbeit

Erfahrung zahlt sich aus. Je länger Mitarbeiter im Unternehmen arbeiten, desto besser, findet der

Prüfmaschinenhersteller Zwick Roell. Was die Firma aus Ulm dafür tut, berichtet Personalleiter Wolfgang Bierer.

„Zwick Roell stellt spannende Produkte her

und ist ein offenes Haus – aus Überzeugung“,

betont der Personalchef. „Das lebt auch Firmenchef

Stefan Roell vor.“ Offenheit, Verlässlichkeit

und Transparenz sind die Grundwerte

des Unternehmens. Seine Mitarbeiter will

Zwick Roell möglichst lange halten. „Je länger

sie im Unternehmen sind, desto mehr Erfahrung

haben sie und desto besser ist der Service

und die Dienstleistung für die Kunden“, sagt

Bierer. Davon profitiert das Unternehmen.

Zu der Vielzahl an Maßnahmen gehört neben

einem erfolgsorientierten Entlohnungssystem

und umfangreichen sozialen Leistungen

vor allem ein vertrauensvoller Umgang mit

den Mitarbeitern, zudem eine umfassende Informationspolitik,

der familiäre Charakter,

flache Hierarchien und die besagte Politik der

offenen Tür. Bei Zwick Roell nimmt auch der

Betriebsratschef an den Sitzungen der Geschäftsführung

teil. Außer in den vorgeschriebenen

Betriebsversammlungen informiert

der Firmenchef die Mitarbeiter auch aktuell

,unterm Jahr über aktuelle Entwicklungen:

kurz, prägnant und ohne Powerpoint.

Personalleiter Wolfgang Bierer: „Wir versuchen, alles so zu machen, dass wir unsere Mitarbeiter bei

ihrer Arbeit bestmöglich unterstützen.“

Foto: Marc Hörger

Langeweile ist für Wolfgang Bierer ein

Fremdwort. Der Personalchef von Zwick

Roell und sein Team sind gerade dabei zu

überlegen, ob und wie bewährte Personalkonzepte

auf die ausländischen Tochtergesellschaften

übertragen werden können. Hintergrund

ist die Wachstumsstrategie des Ulmer

Prüfmaschinenherstellers. Der will in den

nächsten Jahren verstärkt im Ausland, beispielsweise

in Nordamerika und Asien, zulegen.

Das fordert auch die Personalabteilung.

Dennoch nimmt sich Bierer ab und an Zeit,

betreut und führt Studenten und Schüler

durch das Unternehmen – und selbst Gruppen

wie die Seniorenunion, die kaum auf die

Idee kommen würden, eine Prüfmaschine zu

kaufen. Mit diesen individuell hergestellten

High-Tech-Geräten biegen, dehnen und drücken

Hersteller ihre Produkte – von ganzen

Fahrzeugen bis hin zu Kartoffelchips – und

prüfen deren Eigenschaften.

250 Arbeitszeitmodelle

„In unseren Mitarbeiterbefragungen bekommen

wir zurückgespielt, dass die Arbeitsbedingungen

in Ordnung sind“, berichtet Bierer.

Dafür investiert das Unternehmen einiges in

moderne Gebäude. Auch Maschinen, Software,

Ergonomie, Hilfsmittel wie Hebezeug

und der Lärmschutz sind auf dem aktuellen

Stand. „Wir versuchen, alles so zu machen,

dass wir unsere Mitarbeiter bei ihrer Arbeit

bestmöglich unterstützen“, sagt Bierer.

Ein wichtiger Punkt in den Personal-Bausteinen

sind flexible Arbeitszeiten. Von den mehr

als 250 möglichen Arbeitszeitmodellen nutzen

die Mitarbeiter derzeit rund 80. Die Bandbreite

reicht von fünf bis sechs Stunden pro

Woche für Rückkehrer aus der Elternzeit bis

Vollzeit. „Wichtig ist, dass die Mitarbeiter Beruf

und Familie gut unter einen Hut bringen.

Nur so haben sie den Kopf frei und können

sich im Unternehmen auf ihren Job konzentrieren.“

Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung

runden das Angebot ab: Sie reichen

von Impfungen, Sehtest, Haut- und Darmkrebs-Screening,

Zuschüssen zu Gesundheits-

Studios bis hin zu Gymnastikkursen und

Nordic-Walking.

Probleme, offene Stellen zu besetzen, hat das

Unternehmen nicht. Mit dem Altersdurchschnitt

von 40 ist Bierer zufrieden, die durch-

Zur Person

Wolfgang Bierer (48) arbeitet seit

1986 für Zwick Roell, seit 1996 ist er

Personalleiter. In die Berufswelt startete

er mit einer kaufmännischen Lehre,

später studierte er berufsbegleitend.

Er ist verheiratet und hat zwei Kindern.

38


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[führen]

schnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt

mehr als zwölf Jahre, die Fluktuation liegt

nach den Worten Bierers bei gut einem Prozent.

In den Leitlinien des Familienunternehmens

stehen nicht nur hehre Worte, sondern

auch konkrete Vorgaben, beispielsweise dass

die Fluk tuation nicht mehr als zwei Prozent

betragen darf.

Auch für Kinder und junge Leute will Zwick

Roell interessant sein. Das Unternehmen unterstützt

Kindergärten und Schulen, unterhält

Schulpartnerschaften und kooperiert mit

Hochschulen. Das einwöchige Ferienprogramm

„Technik macht Spaß“ für Jugendliche

aus der Region ist stets rasch ausgebucht. Dankes-Mails

wie die von einer Mutter, deren

Sohn sich vom Couch-Potato zum Technikfan

verwandelt hat, freuen Wolfgang Bierer. „Wir

wollen auch junge Leute für das Thema Technik

sensibilisieren und uns als modernes Unternehmen

präsentieren.“ [!]


Alexander Bögelein

Spezialist für Prüfmaschinen

Blick auf das Betriebsrestaurant samt Biergarten.

Zwick Roell gehört zu den „Hidden

Champions“. Das Familienunternehmen

aus Ulm-Einsingen ist einer der weltweit

führenden Anbieter von Prüfmaschinen

für die Werkstoff- und Materialprüfung.

Damit legt das Unternehmen die Basis

für Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung

in mehr als 20 Branchen.

Der Auftragseingang der Unternehmensgruppe,

die in 56 Ländern vertreten ist

und an sieben Standorten produziert, lag

Ende des Jahres 2014 bei 210 Millionen

Euro. Von den insgesamt 1261 Mitarbeitern

arbeiten 907 am Stammsitz, darunter

sind auch 80 Auszubildende und Studenten

der Dualen Hochschule. amb

Schaffen,

was wirklich zählt

Arbeit will erledigt werden. So gut und so effektiv wie möglich.

Und Arbeit soll zufrieden machen. Und Gewinn abwerfen.

Damit all das klappt, vereinen wir die Interessen von Arbeitnehmern

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Daher können wir zeitnah zusammen bringen, was zusammen

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Mehr als 70 Mitarbeiter beschäftigt Axel Wittig in Amtzell – und die sollen „Spaß an der Arbeit haben und wissen, dass neue Ideen willkommen sind“.

Der kreative Werkzeugmacher

Ein Unternehmen kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 zu gründen, das hätte gehörig schiefgehen können. Ist es für

den Werkzeugmacher Webo aber nicht – dank guter Kontakte und noch besserer Ideen.

Keine Ahnung zu haben, ist manchmal

ganz gut. „Wenn ich Anfang 2008 geahnt

hätte, was einige Monate später

passiert“, sagt Axel Wittig, „ich weiß nicht, ob

ich dieses Wagnis eingegangen wäre.“ Das wäre

schade. Das Land hätte einen starken Mittelständler

weniger: den Werkzeugmacher

Webo – Werkzeugbau Oberschwaben GmbH

–, dessen Geschäftsführer Wittig ist. Wer heute

einen Neuwagen mit Automatikgetriebe

kauft, etwa einen Daimler, Toyota oder VW,

kann sicher sein, dass Webos Ingenieurskunst

am Bau des Fahrzeugs beteiligt war. Die vor

sieben Jahren gegründete Firma arbeitet für

Autohersteller und Zulieferer weltweit.

Was Wittig damals, Anfang 2008, nicht ahnen

konnte, war der Ausbruch der globalen Finanz-

und Wirtschaftskrise, die mit dem Untergang

der US-Investmentbank Lehman

Brothers im September des Jahres begann.

Wittig baute zu der Zeit gerade auf einer Wiese

bei Amtzell im Landkreis Ravensburg die

Werkzeugbaufirma auf. Bereits gewonnene

Kunden stornierten auf einmal Aufträge. Wittig

überstand die Krise mit seinem damals

zehnköpfigen Team vor allem deshalb gut,

weil er schon einen Ruf in der Branche hatte.

In seiner Heimatstadt Kassel hatte er Maschinenbau

mit Schwerpunkt Umformtechnik

studiert; danach prüfte er für ein Institut große

Pressen und ging 1995 zur Müller Weingarten

AG nach Oberschwaben „– weil die Firma

top war, ich die Berge mag und Ski fahre“. Er

machte Karriere, konstruierte erst Maschinenpressen

und vertrieb sie später weltweit,

besonders an Kunden im Automobilsektor.

Nach einem kurzen Intermezzo bei einer anderen

Firma kam er zu Müller Weingarten

zurück und leitete unter anderem den etwas

„stiefmütterlich“ behandelten Werkzeugbau.

Mit fünf Kollegen entwickelte Wittig ein Konzept,

um den Bereich neu aufzustellen.

Alles schnell geschwätzt

Dazu kam es nicht. 2007 wurde bekannt, dass

die Schuler AG bei Müller Weingarten einsteigt.

Für den langjährigen Mitbewerber zu

arbeiten, darauf hatte Wittig keine Lust. Stattdessen

gründete er 2008 ein Unternehmen für

Umformtechnik, die FormTechnology GmbH.

Zu der Zeit signalisierten die einstigen Kollegen,

mit ihm etwas auf die Beine stellen zu

wollen. „Das war alles schnell geschwätzt,

und dann haben wir Mitte des Jahres Webo als

40


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[machen]

Tochter der Form Technology GmbH auf die

grüne Wiese gesetzt“, sagt der 47-Jährige.

„Noch bevor die erste Halle stand, haben wir

im Keller des Konstruktionsleiters Werkzeuge

konstruiert.“ Der entscheidende Schub für

Webo kam 2009. „Daimler-Mitarbeiter sprachen

uns an: ,Wir kennen euch, wir wissen,

dass ihr es könnt, wollt ihr nicht die vier Lamellenträgerwerkzeugsätze

herstellen für die

Doppelkupplung der A- und B-Klasse?‘“

Das war die Chance! Rasant produzierte Webo

se rientaugliche Prototypen – und erhielt den

Großauftrag. Für das Unternehmen war damit

– Mitte 2009 – die Krise vorbei.

Heute arbeiten mehr als 70 Angestellte in drei

Gebäuden in Amtzell. Webos Umsatz betrug

2014 rund 13 Millionen Euro. Für 2015 rechnet

Wittig mit einer moderaten Steigerung.

Kernkompetenz des Unternehmens sind sogenannte

Roll- und Pleuel-Formwerkzeuge

für Lamellenträger, die in fast allen Automatik-

und Hybridgetrieben stecken. Sieben Patente

hat die Firma in diesem Bereich. Laut

Wittig können die Prozesskosten mit dieser

Technik um 30 bis 50 Prozent gesenkt werden.

„Ein Kunde von uns hat früher in der gesamten

Prozesskette, also vom Blechstreifen, der

in die Presse geht, bis zum Endprodukt 0,7 Teile

pro Minute für ein Achtgang-Getriebe produziert.

Mit unseren neuen Werkzeugen, der

Pleueltechnik, stellt das Unternehmen nun

um die 10 bis 15 Teile pro Minute her.“

Geld für gute Vorschläge

In den kommenden Jahren will Wittig in Asien

stärker Fuß fassen und obendrein den technischen

Vorsprung halten. „Deshalb ist mir

wichtig, dass auch in unserem straff organisierten

Betrieb Raum für Kreativität bleibt, die

Leute Spaß an der Arbeit haben und wissen,

dass neue Ideen willkommen sind.“ Jährlich

gibt es Kulturtage in einer der Hallen. Verbesserungsvorschläge

werden belohnt. Das kann

ein Gutschein sein oder zehn Prozent des Betrags,

den Webo dank eines Vorschlags einspart.

„Da hat es schon richtig ordentliche Beträge

gegeben“, sagt Wittig und lächelt.

Axel Wittig hat Spaß an seiner Arbeit. „Als

16-Jähriger bin ich mal durch ein VW-Werk

gegangen“, erzählt der Vater von zwei Kindern.

„Diese großen Anlagen, Lackierstraßen,

Maschinenpressen, dass man da vorne

einen Streifen Blech zuführt, und hinten

kommt ein einbaufertiges Bauteil raus, das

alles hat mich schon damals begeistert und

tut es bis heute.“ [!] Andreas Clasen

Zu Webos wichtigsten Entwicklungen zählen sogenannte Roll- und Pleuel-Formwerkzeuge: Damit

können ihre Kunden schneller als bisher Lamellenträger herstellen, die in fast allen Automatik- und Hybridgetrieben

stecken.

1. Platz beim Landespreis für junge Unternehmen

Die Hallen sind nicht nur zum Schaffen da: Einmal jährlich gibt es Kulturtage.

Ausgezeichnet „Die Preisträger des Landespreises

für junge Unternehmen verkörpern

in vorbildlicher Weise einen Unternehmergeist,

der wirtschaftlichen

Erfolg mit sozialer Kompetenz und ökologischer

Verantwortung verbindet“, sagte

Winfried Kretschmann (Grüne), Baden-

Württembergs Ministerpräsident und

Schirmherr des Wettbewerbs, bei der

Preisverleihung 2014. Die Werkzeugbau

Oberschwaben GmbH wurde mit dem 1.

Preis ausgezeichnet und erhielt 40.000

Euro. Der Preis wird alle zwei Jahre vom

Land und von der L-Bank vergeben. ac

41


[machen] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Hilfe für den Berufsstart

Junge Bosse an Schulen: So heißt das Projekt, mit dem die Wirtschaftsjunioren Ulm/Neu-Ulm seit 15 Jahren

Jugendlichen Einblicke ins Wirtschaftsleben geben – und ganz konkrete Tipps für deren Bewerbung.

IT-Unternehmerin

Silvia Lauer.

Einen Wandel der Fähigkeiten von Schülern

hat es nach Einschätzung von Silvia

Lauer in den vergangenen Jahren gegeben.

Die IT-Unternehmerin aus Neu-Ulm engagiert

sich seit 1999 bei den Wirtschaftsjunioren.

Diese geben unter dem Namen „Junge

Bosse an Schulen“ Schulklassen Einblicke ins

Wirtschaftsleben oder Tipps für die Bewerbung.

„Zu Beginn meiner Zeit ging es viel darum,

welche Voraussetzungen die Jugendlichen

für eine

Lehre benötigen,

sei es in Mathematik,

Deutsch oder

Englisch“, erinnert

sich Lauer. Heute

sind nach ihren

Worten Schüler in

fachlichen Themen

besser. „Da

haben die Schulen

gute Arbeit geleistet.“

Doch seien

früher die persönlichen

und sozialen Kompetenzen, Werte wie

Höflichkeit, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit

ausgeprägter gewesen. Ihrer Erfahrung

nach gibt es auch mehr Jugendliche als früher,

die Grenzen schlecht akzeptierten und mit

entsprechenden Konsequenzen schlecht umgehen

könnten. Mit solchen Verhaltensweisen

seien Konflikte in der Arbeitswelt programmiert.

„Mit den Besuchen in den Schulklassen wollen

wir die Jugendlichen dafür sensibilisieren,

welche Themen in der Ausbildung und der

Berufswelt auf sie zukommen“, sagt Unternehmer

Alexander Kulitz, der Kreis- und Landesvorsitzender

der Wirtschaftsjunioren ist.

„Viele Schüler haben wenig Ahnung vom

wirklichen Leben“, sagt Kulitz und erinnert an

das große Medienecho auf die Kölner Abiturientin

Naina. Die 18-Jährige hatte mit einer

Twitter-Nachricht, wonach die Schule nicht

genug auf das wirkliche Leben vorbereite,

eine Diskussion in Internet und Politik angestoßen.

Bundesweit organisieren die Wirtschaftsjunioren

mit dem Bundesfamilienministerium

die Aktion „Jugend stärken: 1000 Chancen“.

Das Projekt soll benachteiligten Jugendlichen

beim Übergang von der Schule in den Beruf

helfen. Dazu gehört die Aktion „Azubi für einen

Tag“, die für September geplant ist, bei der

Schüler einen Auszubildenden einen Tag in

der Firma begleiten. In der Region Ulm/Neu-

Ulm haben sich die Wirtschaftsjunioren zuletzt

auf das Projekt „Bosse an Schulen“ und

das Bewerbertraining konzentriert.

„Bei den Besuchen in den Klassen hat jeder

seine eigene Herangehensweise“, sagt Lauer.

Für junge Führungskräfte, die das zum ersten

Mal machen, gibt es einen Leitfaden. Sie selbst

geht gerne an Mittel- und Gemeinschaftsschulen.

Dass sie das mit Herzblut macht,

müsste die gelernte Kinderpflegerin und Mutter

dreier Söhne gar nicht sagen. Das strahlt

sie aus. Neben dem Bewerbertraining korrigiert

sie auch Anschreiben oder bereitet die

Jugendlichen mit Rollenspielen auf das Bewerbungsgespräch

vor.

Ihre wichtigsten Empfehlungen lauten:

Achtet darauf, dass Ihr den korrekten Firmennamen

verwendet, also beispielsweise

Glöckler & Lauer GmbH & Co. Systemhaus

KG. Das zeigt: Ihr habt recherchiert.

Schreibt an einen Ansprechpartner, mit dem

Ihr vorher telefoniert habt. Das zeigt, dass

Ihr euch mit der Firma auseinandergesetzt

habt.

Schreibt ein individuelles Anschreiben, verwendet

keine Textbausteine aus dem Internet.

Unternehmer und Personaler wollen

wissen, warum Ihr für genau diese Firma

arbeiten wollt. Lauer erinnert sich an einen

Fall: Da schilderte ein Junge im Anschreiben,

wie er einen PC selbst zusammengebaut

und welche Probleme er noch nicht

gelöst hat. Trotz zweier Vieren in den Hauptfächern

bekam er die Lehrstelle, weil er Leidenschaft

für den Beruf zeigte.

Fügt Eurer Bewerbung Praktikumsbestätigungen

bei: je mehr, desto besser. Das zeigt

Euer Engagement. Schaut Euch die Internetseiten

an und schreibt Euch fürs Vorstellungsgespräch

Fragen

auf einen Block. Das

zeigt: Ihr habt

Euch mit der Firma

beschäftigt.

Die

Wirtschaftsjunioren

Ulm/

Neu-Ulm sind

ein Netzwerk

aus rund 115

aktiven und

mehr als 100

fördernden Mitgliedern.

Im Vordergrund

stehen Er fahrungsaustausch,

ge gen seitige

Unterstützung sowie

soziales und gesellschaftliches

Engagement.

Kontakt: pflueger@ulm.ihk.de

[!]

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42


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[spezial] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Hier bin ich

Im Veranstaltungskalender der regionalen Wirtschaft ist der alljährliche Unternehmertag in Ulm eine feste Größe. Der

Kopf dahinter, der die anfangs vage Idee zur anziehenden Marke entwickelt hat, ist ein begnadeter Netzwerker.

Alles begann, wie so oft: mit einem

Klagelied. Mit dem Befund, dass endlich

mal etwas getan werden müsste.

Da agiere man in einem der vitalsten Wirtschaftsräume

des Landes, kenne aber nicht

einmal den Nachbarn eins weiter. Und überhaupt:

Wer wisse schon „da draußen, was wir

selbst so können?“ In Sachen Vernetzung, so

ließe sich das Klagelied ins Neudeutsch übersetzen,

war demnach noch ziemlich viel „Luft

nach oben“.

Die Frage, warum die kleine Runde nicht einfach

so auseinandergelaufen ist, wie so oft in

solchen Situationen – mit einem ratlosen

Schulterzucken –, führt automatisch zu Karl-

Heinz Raguse. Zu einem, der solche Unverbindlichkeiten

gar nicht schätzt. Aus einem

„Man müsste ...“ wurde binnen kurzer Zeit ein

„Wir machen!“: Die Idee des „Unternehmertags“

war geboren – und erlebte wenig später

ihre Premiere. Die erste Auflage dieser Mittelstandsmesse

fand noch im Ulmer Audi-Zentrum

statt. Schon im Jahr darauf: der Umzug

ins Ulmer Roxy und nach einer weiteren Zwischenetappe

schließlich aufs Ulmer Messegelände.

Der Unternehmertag in seiner mittlerweile

16. Auflage hat sich im regionalen

Wirtschaftskalender längst als feste Größe

etabliert.

inspirierender Marktplatz

Aus der Idee wurde ein Konzept, und dieses

Konzept ist nachweisbar aufgegangen. Der

„Unternehmertag“ ist eintägig, er kostet keinen

Eintritt und fußt auf vier Säulen, genannt

„Aktionsbereiche“, „Vortragsforum“, „Networking“,

„Expertengespräch“, und natürlich der

Messe selbst mit der Präsentation der teilnehmenden

Firmen und Unternehmen. Ein

Marktplatz also. Dazu kommt jedoch noch

mehr, „die bunte Mischung“, verrät Raguse,

sowie die besondere Atmosphäre

Aus einem „Man müsste ...“ hat Heinz Raguse

vor Jahren den „Unternehmertag“ gemacht.

44


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[spezial]

in der Ulmer Donauhalle und dem Donausaal

selbst. „Inspirierend“ empfänden sie die Teilnehmer.

Die überschaubare Größe der Veranstaltung

habe damit einiges zu tun. Die zur Verfügung

stehende Ausstellungsfläche dort sei ausreichend

für 120 bis 130 Stände. Mehr sollten es

auch nicht werden, weil sonst zusätzliche

Hallenkapazitäten benötigt würden. Eine solche

Expansion aber würde unweigerlich das

bewährte Format sprengen. Gerade, dass die

„Speaker’s Corner“ für Impuls-Vorträge oder

die große Podiumsdiskussion mittendrin im

Geschehen stattfinden und „alles auf einer

Fläche“ abläuft, komme sehr gut an. Fürs vertrauliche

und unbeobachtete Gespräch steht

zusätzlich ein Lounge-Bereich zur Verfügung.

Erst mal analog rangehen

„Wachstum braucht Energie“ lautet das Motto

für den kommenden „Unternehmertag“ Nummer

16. Doch wie viel Energie braucht Raguse

für die Veranstaltung? Etwa 60 Prozent der

Standplätze seien bei jeder Neuauflage bereits

vorab fest gebucht. Bleiben rund 50, für die

Raguse von Jahr zu Jahr neue Interessenten

akquirieren muss. Obwohl nach Eigenauskunft

„Digital-Freak“, geht er dabei im ersten

Schritt völlig analog vor: Raguse aktiviert sein

eigenes Unternehmens-Netzwerk und versendet

Einladungen zur Teilnahme, was dann

bereits einen Gutteil der Lücken fülle. Dabei

Bogenschießen hilft auch im Job

Auch Prominenz gibt sich gern die Ehre: 2014 die bayerische Europaministerin Beate Merk.

Der nunmehr 16. „Unternehmertag“

wird wie die vorangehenden von der Raguse

& Partner GmbH organisiert. Hauptgesellschafter

Karl-Heinz Raguse ist

zugleich die Verbindung zum Bundesverband

mittelständische Wirtschaft

(BVMW). Mitte der 1990er Jahre von ihm

ins Leben gerufen, leitet er seither dessen

regionale Geschäftsstelle von Neu-

Ulm aus auf freiberuflicher Basis. Raguse,

Jahrgang 1955, Maschinenbauer, war

für mehrere Firmen und Konzerne, darunter

Liebherr, Vollmer und Siemens, im

Vertrieb tätig. Verheiratet und Vater zweier

Töchter, pflegt er ein außergewöhnliches

Hobby: Bogenschießen. Gefordert

dabei seien „Ruhe, Kraft, Ausdauer und

Geduld“ – Eigenschaften, wie sie in seinem

beruflichen Alltag gewiss nicht von

Nachteil sind. Als er begann, die Region

für den 1975 gegründeten BVMW zu beackern,

war seine Geschäftsstelle die erste

im gesamten süddeutschen Raum. Die

Zahl der von hier aus betreuten Mitgliedsfirmen

belaufe sich derzeit auf rund

200, mit steigender Tendenz. „Und das

bei einer völlig freiwilligen Mitgliedschaft“,

sagt Raguse mit Seitenhieb auf

die IHK und ihre per Gesetz festgeschriebene

Pflichtmitgliedschaft.

Der Verband, der sich als die größte, freiwillig

organisierte Mittelstandsvereinigung

sieht, vertritt nach eigenen Angaben

rund 50.000 Mitgliedsfirmen. Die

Zahl der Veranstaltungen belaufe sich

übers Jahr verteilt auf rund 2000. tv

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[spezial] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

„Unternehmertag“ als Börse der Ideen – hier eine „Brille“, mit der man virtuelle Räume beschreitet.

hat er eine interessante Feststellung gemacht:

„In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ist der

Druck eindeutig größer, in die Außendarstellung

zu gehen.“ Demnach bedarf es derzeit

etwas mehr an Raguse’schen Überzeugungskünsten.

Einer, bei dem das längst nicht mehr

nötig ist, ist der Ulmer Oberbürgermeister. Ivo

Gönner, freut sich Raguse über dessen anhaltendes

Interesse, habe noch keinen der

„Unternehmertag“-Termine ausgelassen.

Viele Unternehmer hätten Hemmungen in

Sachen direkter Kommunikation, berichtet

Raguse. Oder einfach ausgedrückt: vor großer

Runde zu sagen: „Hier bin ich!“ Er selbst steht

eher für das Gegenteil von Scheu – Raguse ist

Kommunikationstalent, bestens vernetzt. Als

„Informations-Broker“ sieht er sich und sein

Büro als „Kontaktdrehkreuz“, was die Spur zu

seiner weiteren Tätigkeit als freiberuflichem

Mitarbeiter des Bundesverbandes mittelständische

Wirtschaft (BVMW) legt. Sein Büro in

Neu-Ulm ist gleichzeitig die Geschäftsstelle

des BVMW, zuständig fürs Oberzentrum Ulm/

Neu-Ulm und die umgrenzende Großregion.

In dieser Funktion ist Raguse ständig auf Achse

und in persönlichem Kontakt mit den Mitgliedsfirmen

und deren Inhabern und Entscheidern.

Der „Unternehmertag“ ist eine Marke, sagt er

nicht ohne Stolz. Und er ist es ebenfalls, wäre

hinzuzufügen. Ist gerade kein „Unternehmertag“,

steht bestimmt schon die nächste für

Unternehmen ausgerichtete Veranstaltung

an, die Raguse als BVMW-Vertreter aufs Gleis

bringt, vom Business-Frühstück bis zum Fachmeeting.

Gefangen im Aufgaben-wust

Wenn der anstehende „Unternehmertag“ nun

die Risiken und Chancen der Energiewende in

den Mittelpunkt stellt, spiegelt sich darin die

brennende Sorge der Mitglieder. Den anhaltenden

Erfolg der Eintagesmesse erklärt solche

Themen-Aktualität allerdings nicht al-

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unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[spezial]

lein. Der typische Mittelständler sei gefangen

in einem Wust immer neuer Anforderungen

und Aufgaben. Fürs Kontakteknüpfen und

den fachlichen Gedankenaustausch bleibe daher

immer weniger Raum. „Das könnte man

zwar das ganze Jahr über, bringt es aber nicht

fertig“, bestätigt Joachim Braun. Der Inhaber

und Geschäftsführer von Braun-Digitaldruck

hat daher noch keinen einzigen „Unternehmertag“

verpasst.

So mancher Aussteller hat nach Raguses Beobachtung

bei der Messe auch schon neue Mitarbeiter

gefunden. Es habe sich nämlich unter

Jobwechselwilligen oder Hochschulabsolventen

herumgesprochen, dass sich beim einen

oder anderen Aussteller berufliche Chancen

auftun, räumt Raguse frank und frei ein: „Allein

über Online-Aktivitäten funktionieren

echter Austausch und wirkliches Kennenlernen

nicht.“ Die beste Art zu kommunizieren,

sei immer noch das persönliche Gespräch,

Face-to-Face in bewährter und sehr traditioneller

Form. [!]

Thomas Vogel

Ein kleiner Blick ins Programm

Was wäre der „Unternehmertag“ ohne Vorträge?

Das komplette Programm gibt es im Internet:

www.unternehmertag.de/programm.

Hier ein kleiner Auszug:

Podiumsdiskussion „Wachstum braucht

Energie!“ (13.30 bis 14.30 Uhr)

Teilnehmer: Ulrich Altstetter, (Wieland Werke),

Matthias Berz, (SWU Stadtwerke Ulm/

Neu-Ulm), Ralph P. Blankenberg, (Volksbank

Ulm-Biberach), Arthur J. Zimmermann (Ernst

Klett), Prof. Dr. Brigitte Zürn, (Dr. Horn Unternehmensberatung).

Moderation: Ulf Schlüter, stellvertretender

Chefredakteur der Südwest Presse;

Speakers‘ Corner

Business Apps – Spielerei oder Wettbewerbsvorteil?

Wie Sie Unternehmensprozesse sicher mobil

abbilden können (10.30 Uhr).

RPO – Recruitment Process Outsourcing:

Über den Mut und die Notwendigkeit, Rekrutierungsprozesse

im Mittelstand auszulagern

(11.05 Uhr).

Wenn Daten auf die Reise gehen!

Abhörsichere elektronische Kommunikation

(14.45 Uhr).

Ein Inhalt + viele Kanäle = erfolgreichere

Kommunikation.

Chancen der Integration von PR, Blogs, facebook

& Co (15.20 Uhr).

Industrie 4.0 – auf dem Weg zur Smart

Factory.

Der Mittelstand stellt die Weichen für die Zukunft

(12.15 Uhr).

Erfinderpunkte.

Wie Sie mit einer maßgeschneiderten Strategie

aus Ihrer Erfindung ein Produkt machen

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47


[rubrik] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Das wäre in vielen Lebenslagen großartig: eine „Zeitmaschine“ – Rod Taylor hat sie wirklich erfunden, zumindest im gleichnamigen Film von 1960.

Zeitreise und Stinkesocken

Der eine wollte schon als Schüler Professor werden, der andere hätte gerne eine Zeitmaschine erfunden. Doch

nicht ausschließlich Strebsamkeit und Erfindergeist prägen ein Studentenleben. Für Stefan Loeffler blicken fünf

Führungskräfte zurück.

Die Erfindung einer Zeitmaschine

wäre sein Traum gewesen –

und ist es auch heute noch.

Der 40-jährige Unternehmer

Andreas Oettel hat drei Kinder

und ist seit 2001 geschäftsführender

Gesellschafter der Basketball

Ulm GmbH.

1) Betriebswirtschaft an der HNU Hochschule Neu-Ulm.

2) Physik, denn ich hatte in meiner Abiturzeit den Traum, einmal eine

Zeitmaschine zu bauen. Irgendwie hab ich mich dann doch ent-

schieden, vorerst in der Gegenwart zu verweilen – und was liegt

dann näher als Betriebswirtschaft ...

3) In einer überschaubaren Zweiraum-Wohnung am Ulmer Eselsberg.

Das Schönste daran war der Blick auf das Ulmer Münster.

4) Ich hatte bereits während meiner Abiturzeit mein erstes kleines Unternehmen

gegründet, eine „IT-Klitsche“, was damals total im Trend

lag. Finanziell hatte ich deshalb während des Studiums keine wirklichen

Sorgen. Arbeitstechnisch war es allerdings manchmal nicht

einfach, beide Welten unter einen Hut zu bekommen.

5) Ob Monatsanfang oder Monatsende, meine Ernährung bestand im

Wesentlichen aus Tiefkühl-Pizza oder Tiefkühl-Lasagne. Ich darf

gar nicht mehr daran denken.

6) Selbst hab ich nie in einer WG gewohnt. Die meisten meiner Studien-Kollegen

allerdings schon. Ich war bei einigen wirklich schrägen

WG-Partys, bei denen der dringliche Wunsch nach einer Zeitmaschine

erneut aufkam. Und ein Mitbewohner einer Bekannten

einer Bekannten hatte die Angewohnheit, seine Socken und Schuhe

immer im Backofen zu trocknen. Kein Scherz. Zumindest dort habe

ich nie eine Tiefkühl-Pizza gegessen.

48


unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[leben]

1) Wo und was haben Sie studiert?

2) Was hätten Sie beinahe studiert?

3) Wie haben Sie gewohnt?

4) Wieviel Geld hatten Sie als Student zur Verfügung?

Mussten Sie jobben?

5) Was gab es am Monatsende zu essen?

6) Stichwort – schrägstes WG-Erlebnis …

Prof. Dr. Thomas Spägele

hatte ein klares Ziel vor Augen.

Er wollte schon als Schüler

Professor werden. Seit 2008 ist

der Vater von drei Kindern

Rektor der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Mona Steigauf wollte eigentlich

Touristik studieren – und

wurde dann erfolgreiche Leichtathletik-Mehrkämpferin.

Die

45-Jährige ist seit Oktober 2014

Geschäftsführerin beim SSV

1846 Ulm – und so dem Sport

treu geblieben.

1) Ich habe in Mainz Betriebswirtschaftslehre studiert.

2) Eigentlich Touristik, denn als ich ein Kind war, hatten meine Eltern

ein Reisebüro. Ich bin jedoch am Numerus clausus gescheitert.

3) In einer typischen Studentenbude, zumindest in den ersten Semestern.

4) Gefühlt gar keins, am Anfang. Mein „Jobben“ bestand aus dem

Lei stungssport – zu Studienbeginn mussten mich die Eltern noch

unterstützen, dann habe ich mich über den Sport finanziert.

5) Da gab es keinen Unterschied zum Monatsbeginn.

6) Da muss ich passen, in einer typischen Studenten-WG habe ich nie

gewohnt.

1) Maschinenbau an der Universität Stuttgart.

2) Mathematik und Physik waren meine Fächer. Und da ich schon als

Schüler Professor werden wollte, gab es nie ernstzunehmende

Alternativüberlegungen.

3) Zur Miete in einer Drei-Zimmer-Altbau-Wohnung in einem Mehrparteien-Haus

im Stuttgarter Westen, zusammen mit meiner Freundin.

Es war ein Traum! Nur die Heizkosten waren problematisch.

4) Zusammen verfügten wir mit Nebenjobs als Hilfswissenschaftler

über 1500 DM im Monat. Für uns war das damals ausreichend. Unsere

Hiwi-Jobs waren daher weitgehend nicht finanziell bedingt.

5) Das Gleiche wie am Monatsanfang: selbstzubereitetes Gemüse und

fast kein Fleisch.

6) Die Wohnung lag zwischen Parteien unterschiedlicher europäischer

Herkunft, zu denen wir teilweise engen, freundschaftlichen

Kontakt pflegten. Als „Fast-Familienmitglieder“ in unbekannte Erfahrungswelten

und Traditionen eintauchen zu können, waren –

neben selten vorkommenden transnationalen Streitigkeiten im

Treppenhaus – aufregende interkulturelle Erlebnisse. Auch wenn

uns manche Gerichte, zum Beispiel Hammelhack in Weinblättern,

und fremdländische Gepflogenheiten, wie zum Beispiel nach Geschlechtern

getrennter Gruppentanz bei Familienfesten, zu Beginn

etwas herausforderten.

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Einzelkarte: 59,–€ bzw. 49,– €* | Doppelticket (2 Personen je Vortragsabend): 69,– €

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49


[leben] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

1) Wo und was haben Sie studiert?

2) Was hätten Sie beinahe studiert?

3) Wie haben Sie gewohnt?

4) Wieviel Geld hatten Sie als Student

zur Verfügung? Mussten Sie jobben?

5) Was gab es am Monatsende zu essen?

6) Stichwort – schrägstes WG-Erlebnis …

Foto: © Focus Pocus LTD/Fotolia.com

Ernährung nahm für

Dagmar Gard in der Studienzeit

eine eher untergeordnete

Rolle ein.

Kaffee allerdings durfte

bei der heute 37-jährigen

Mutter einer Tochter

nicht fehlen. Die leidenschaftliche

Sportlerin ist Geschäftsführerin

der FFI Werbeagentur

in Wangen.

1) Ich habe in Wuppertal BWL studiert. Allerdings war es ein dualer

Studiengang an einer Berufsakademie, in der ich zeitgleich eine

Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte. Das bedeutete konkret

eine Sieben-Tage-Woche, bestehend aus Studium, Lernen, Berufsschule

und Ausbildung in einem mittelständischen Betrieb.

Also ein eher untypisches Studentendasein.

2) Es waren sehr strenge Auswahlkriterien für das oben genannte Programm.

Wäre ich nicht dafür genommen worden, wäre meine Wahl

auf Germanistik oder Philosophie gefallen.

3) Da ich vom Partner-Unternehmen von Anfang an Gehalt bekam,

konnte ich mir eine kleine Wohnung leisten, in der ich die meiste

Zeit an meinem Schreibtisch saß.

4) Ich weiß es nicht mehr genau. Aber ich hatte eher einen Zeit- als

einen Geldengpass. Zum Jobben wäre definitiv keine Zeit gewesen.

5) Hmm, da in dieser Zeit emsiges Lernen im Vordergrund stand, nahm

das Thema Ernährung eine eher untergeordnete Rolle ein. In meiner

Erinnerung bestand meine Nahrung aus Kaffee und Zigaretten

– grauenhaft.

6) Zum Glück hatte ich viele Freunde mit „normalen“ Studiengängen,

interessanten WG-Konstellationen und noch „interessanteren“ Festen.

Da gab es einige Partys, die ohne Zweifel die Vorlage zu dem

Film „Hangover“ geliefert haben.

Werner Glocker

war schon als Auszubildender

zum

Mechaniker überzeugt,

dass er ein guter

Gewerbelehrer werden

kann. Er sollte Recht behalten.

Seit 2002 ist der 62-jährige ehemalige

Referent am Kultusministerium

in Stuttgart

Schulleiter der Gewerblichen

Schule in Ehingen.

1) Ich habe Gewerbelehrer mit den Fächern Maschinenbau und Physik

studiert.

2) Es gab keine Alternative für mich, da ich bereits als Auszubildender

überzeugt war, dass aus mir ein guter Gewerbelehrer werden könnte.

3) Während des Studiums in einem Studentenapartment und am Wochenende

zuhause.

4) Ich hatte vor dem Studium eine Lehre absolviert und auch als Facharbeiter

gearbeitet und lebte vom ersparten Geld sowie von Bafög-

Beiträgen, die ich in Teilen nach dem Studium wieder zurückzahlen

musste. Zudem habe ich während dieser Zeit geheiratet und wurde

von meiner Frau unterstützt. Ich habe einfach so gelebt, dass es finanziell

reichte.

5) Immer etwas Schwäbisches.

6) Ich wohnte nicht direkt in einer WG, sondern in einem Apartment.

Mein Ziel war es, das Studium schnell abzuschließen – und das gelang

mir auch in acht Semestern. Ich wohnte aber auf dem Gelände

für Studierende. Zentraler Mittelpunkt war dort die Studentenkneipe

„Boddschamber“, in der wir uns sehr oft trafen. Dies war für

mich aus kameradschaftlicher Sicht viel wert, da uns diese Treffen

zusammenschweißten.

50


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Wahrgewordene Zelt(t)räume

Die Firma Pscheidl Veranstaltungsservice

und Zeltverleih hat sich in knapp zehn

Jahren einen herausragenden Namen für

Zuverlässigkeit, Kreativität und Leistungsstärke

gemacht.

Das Familienunternehmen mit Zeltmeister

Marcus Pscheidl an der Spitze ist unter dem

Stichwort „klein, aber fein“ hauptsächlich

auf hochwertige Veranstaltungen spezialisiert.

So ist es möglich, flexibel individuelle

Bedürfnisse zu realisieren und mit einer exquisiten

Ausstattung auch kurzfristig gezielt

auf Kundenwünsche einzugehen.

Der Pscheidl Veranstaltungsservice und

Zeltverleih füllt eine Nische im Partyzelt-

Bereich abseits der riesigen Bierzelte.

Für die unterschiedlichsten Veranstaltungen

werden zusammen mit dem Kunden

„Rundum-sorglos-Pakete“ geschnürt, die

beispielsweise auch Biertisch-Garnituren,

Stehtische, Geschirr, Gläser, Ausschank-

anlagen bis hin zu Kühlanhängern umfassen.

Durch ein zuverlässiges Netzwerk ist es

möglich, entsprechendes Sound-Equipment

zu stellen und alles ins richtige Licht zu setzen.

Marcus Pscheidl und sein Dutzend geübter

Helfer betreuen ein Event vom Anfang

bis zum Ende und sind jederzeit greifbar,

falls wider Erwarten doch mal etwas klemmen

sollte. Und wer partout keinen Platz für

ein Zelt hat oder sich schwertut, die richtige

Location zu finden – auch dafür hat die

Pscheidl GbR eine Lösung parat.

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Telefon: 0179 219 13 72

www.pscheidl-service.de

49 51


Thomas Brackvogel, Geschäftsführer der Neuen Pressegesellschaft, hat zum vierten Mal eingeladen.

[leben] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Ein entspannter

Gala-Abend

Vierte Auflage des Winterleuchten: 230 Gäste feiern den Neujahrsempfang der

SÜDWEST PRESSE im historischen Zeughaus in Ulm und freuen sich

über das gute Spendenergebnis der 44. Aktion 100.000 und Ulmer helft.

Amelie-Jane Daiber und Joe Fessele von den „Loungecats“.

Stimmungsvoll und entspannt: In dieser

Atmosphäre haben rund 230 Gäste im

historischen und kunstvoll illuminierten

Zeughaus in Ulm das „Winterleuchten“

der SÜDWEST PRESSE gefeiert. Zu dem Gala-

Abend hatte Thomas Brackvogel, der Geschäftsführer

der Neuen Pressegesellschaft,

zum vierten Mal eingeladen. Brackvogel wie

auch der Chefredakteur der SÜDWEST

PRESSE, Ulrich Becker, gingen in ihren Reden

auf die Anschläge in Paris auf die Redaktion

des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und die

Plakatkampagne der SÜDWEST PRESSE ein.

„Der spitze Bleistift steht für die Macht der

Sprache im Kampf gegen Terror und Willkür“,

sagte Brackvogel. SWP-Chefredakteur Becker

machte deutlich, dass die rasch voranschreitende

Digitalisierung auch die Tageszeitungen

vor Herausforderungen stelle. Als Gastredner

analysierte der frühere Außenminister

Klaus Kinkel (FDP) die Vielzahl der politischen

Krisen in der Welt. Anschließend genossen

die Gäste bei guten Gesprächen und

der jazzigen Musik von Amelie-Jane Daiber

und Joe Fessele von den „Loungecats“ den

Abend.

Der Neujahrsempfang stellt gleichzeitig den

Abschluss der Aktion 100.000 und Ulmer

helft dar. Eine Vielzahl von Initiativen und

Spendern unterstützen die Hilfsaktion mit

Schirmherr der Aktion, Ulrich Becker, Aktionsleiter

Karl Bacherle und Ulms Bürgermeister Gunter

Zisch (von links) präsentieren das Ergebnis.

insgesamt 825.050 Euro. Die Bandbreite reicht

von der Bastelaktion von Schülern bis hin zu

Firmenspenden. Mit dem Geld werden mehr

als 2000 bedürftige Menschen unterstützt,

500.000 Euro gehen an soziale Einrichtungen.

[!] amb

52


Der stellvertretende SWP-Chefredakteur Ulf Schlüter mit Gastredner und Außenminister a.D. Klaus Kinkel.

Der Ulmer CDU-Stadtrat Hans-Walter Roth, Anita Krinke von der Werbeagentur Hörger.

Der zukünftige Radio-7-Geschäftsführer Volker Schwarzenberg und Elif Canbulat.

Ulmer Uni-Professoren unter sich: Franz Josef Radermacher und Manfred Spitzer.

unternehmen [!] Ausgabe 43 | März 2015

[leben]

Wolfgang Dieterich, Geschäftsführer Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH und Foto-Fachhändler Wolf Dieter Frenzel.

CDU-Landtagsabgeordnete Monika Stolz und Rainer Holthuis, Geschäftsführer ASB Heilbronn, der den ASB Ulm saniert.

Theaterintendant Andreas von Studnitz mit Dramaturgin Nilufar K. Münzing

Unternehmer Werner Utz mit Ehefrau Sabine Gumm.

53


[namen & nachrichten] Ausgabe 43 | März 2015 unternehmen [!]

Verbund Plus:

Fusion und

Rekordhaushalt

Die Krankenkasse Verbund Plus

hat einen Rekordhaushalt von

203 Millionen Euro verabschiedet.

Darin enthalten sind Leistungsausgaben

von 191 Millionen

Euro. Davon verbleiben 90

Millionen. Euro im Großraum

Ulm/Biberach, wo etwa 35.000

der 80.000 Verbund-Plus-Versicherten

leben oder arbeiten.

Zum 1. Januar fusionierte sie

mit der BKK Kassana. Firmensitz

ist nun München, die

Hauptverwaltung ist in Biberach.

Ihr Beitragssatz von 15,2

Prozent liegt 0,3 Prozentpunkte

unter dem Durchschnitt aller

Krankenkassen.

Zeppelin-Uni

unter neuer

Führung

Folgt auf

Stephan Jansen:

Insa Sjurts.

Wohnpark statt Alter Chirurgie

Die Situation auf dem Ulmer Wohnungsmarkt

ist angespannt. Die Kaufpreise für bestehende

Eigentumswohnungen mit gutem Wohnwert

legten von 2009 bis 2014 um 35 Prozent auf

2388 Euro pro Quadratmeter zu, für neue

Wohnungen um 28 Prozent auf 3125 Euro. In

Zur neuen Präsidentin der Zeppelin-Universität

in Friedrichshafen

ist die Ökonomie-Professorin

Insa

Sjurts (52)

berufen worden.

Sie

kommt von

der Universität

Hamburg,

wo sie

den Lehrstuhl

für Allgemeine

Betriebswirtschaftslehre

innehat.

Außerdem ist sie Akademische

Direktorin und Geschäftsführerin

der Hamburg Media School.

Sie wird ihr Amt in Friedrichshafen

im Frühjahr antreten.

Fertighaus Weiss

verstärkt

Präsenz in Ulm

Der Fertighaushersteller Weiss

aus Oberrot (Kreis Schwäbisch

Hall) hat seinen Umsatz 2014

um 10 Prozent auf 66 Millionen

Euro gesteigert und will weiterwachsen.

In der Musterhaussiedlung

in Ulm hat das Unternehmen

400.000 Euro in ein

Energieplushaus investiert, das

mit seiner Photovoltaik-Anlage

mehr Energie produziert, als es

jährlich verbraucht. Angesichts

der niedrigen Zinsen investieren

laut Firmenchef Hans Noller

immer mehr Käufer in moderne

Haustechniksysteme.

Zwischen Ulm und dem Bodensee

seien die Wirtschaftskraft

und die Aufgeschlossenheit gegenüber

neuen Techniken groß.

Ravensburg liegen diese Werte bei 2450 Euro

(Bestand) und 2850 Euro (neu). In Ulm sollen

nun auf dem 9,3 Hektar großen, zentrumsnahen

Gelände der Alten Chirurgie 420 Wohnungen

entstehen, davon 20 Prozent zur Miete,

die bis zum Jahr 2017 bezugsfertig sein sollen.

Medizinsysteme

Zimmer wächst

stürmisch

Das Medizintechnik-Unternehmen

Zimmer (Neu-Ulm) hat

den Umsatz im vergangenen

Jahr um mehr als 20 Prozent auf

den Rekordwert von 40 Millionen

Euro gesteigert. Die Zahl

der Mitarbeiter am Stammsitz

stieg um 19 auf 235. Zimmer

entwickelt medizintechnische

Lösungen für Diagnose, Therapie

und ästhetische Medizin.[!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.),

Irmgard Städele,

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Bozena Demski (Bild)

Fotos

Marc Hörger (Titel + Interview),

Getty Images, SWP-Archiv, Uzin

Utz AG, Bildwerk 89, Firmenfotos

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 15 000 Exemplare

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515, Fax 481

unternehmen@swp.de

Mediaberatung

Stefan Kulbe

Telefon 0731 156-137

E-Mail s.kulbe@swp.de

Nächste Ausgabe

6. Mai 2015

Die Themen

Tagungen & Konferenzen

„Büro, Büro“ –

Einrichtungstrends

Energie & Umwelt

(Abwärme + Solar)

Kleines 1x1 für gutes

Online-Marketing

u. v. m.

Anzeigenschluss

10. April 2015

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54


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