unternehmen Mai 2016

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unternehmen Mai 2016

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 50 | Mai 2016 | 3,00 €

4 197821 303000 5 0

Der Herr der

Lebensmittel

Er kam als „Rucksackdeutscher“. Heute ist er einer

der großen Edeka-Händler: Manfred Gebauer über

Qualität und die Unvernunft des Handels.

Breitband So kommt schnelles Internet zu Firmen auf den Dörfern SEITE 24

Finanzierung Stolperfallen für Kreditnehmer trotz niedriger Zinsen SEITE 34

Umfrage Wie Führungskräfte feiern und auf die Pauke hauen SEITE 52


Der Moment, in dem

Sie Raum für neue

Perspektiven entdecken.

Für diesen Moment arbeiten wir.

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unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[editorial]

Liebe Leserin,

lieber Leser,

am 30. November 2007 erschien die Nummer

1 des unternehmen [!], und heute halten

Sie die 50. Ausgabe in Ihren Händen. 50 Unternehmer

im Fokus, 50 Branchenübersichten,

50mal Überblick über die Leistungs- und

Wirtschaftskraft unserer Region. Wir haben

in dieser Zeit viel Zustimmung von Ihnen erfahren

und von Ihren Anregungen gelebt. Vielen

Dank für diese Unterstützung! Denn auch

dadurch sind wir gewachsen. Inhaltlich, im

Heftumfang und mit nun knapp 20.000 Exemplaren

auch in der Auflage. Nicht zuletzt dank

Ihres Zuspruchs fühlen wir uns in unserem

Ansinnen bestätigt, regionale Wirtschaft in

den Mittelpunkt eines eigenen Magazins zu

stellen. Anspruchsvoll und kompetent – für

ein Publikum, das liest, etwas von der Sache

versteht und neugierig auf Wissenswertes aus

seiner Region ist.

In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur

der Umfang des Heftes vergrößert, auch das

Verbreitungsgebiet ist stetig gewachsen.

Inzwischen erscheint unternehmen [!]

in den Regionen Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau,

Biberach/Ravensburg/Oberschwaben/Bodensee,

Neckar-Alb

und – mit

dieser Ausgabe – auch

in Göppingen. Was läge

da näher, als mit besonderer

Aufmerksamkeit

gerade auf Göppingen zu

blicken? Freuen Sie sich also

auf das große Interview mit

Manfred Gebauer. Er ist nicht nur

einer der großen Lebensmittel-Händler

im Südwesten, sondern auch einer

der erfolgreichsten Geschäftsleute der Stauferstadt.

Mit unternehmen [!] verbindet ihn

übrigens die 50 – er feiert gerade sein 50jähriges

Firmenjubiläum.

Und welche Themen bewegen uns sonst?

Seien Sie gespannt auf unser Schwerpunktthema

Digitalisierung. Denn ohne digitale

Strukturen geht in der Wirtschaft bald

nichts mehr – nicht einmal bei den gedruckten

Zeitungen.

Viel Freude beim Lesen

Ihr Thomas Brackvogel

Geschäftsführer

Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG

3


[inhalt] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

[titelthema]

12 Ein Mann, der alles hat

Der Lebensmittelhandel gleicht einem Haifischbecken.

Seit 50 Jahren behauptet sich Manfred Gebauer aus

Göppingen darin erfolgreich mit täglich 10.000 Kunden

in seinen Läden. Die sollen sich wohlfühlen. Ein

Gespräch über Qualität, Innovation, Kooperation mit

regionalen Erzeugern und Unvernunft.

08

46

28

22

[verantworten]

8 Komm FiFi, komm her! In der schönen neuen Welt „Industrie 4.0“ scheint wenig

unmöglich. Doch die Kommunikation in Echtzeit ist eine Herausforderung.

42 Und wann fangen Sie mit Sparen an? In Sachen Energieeffizienz nimmt die

Bundesregierung die Wirtschaft in die Pflicht. Experten begrüßen das, weil viele

Unternehmen nun das Thema mit System angehen.

[gründen]

22 Der Vermesser der Männerwelt Schlüsselanhänger und Deko-Figürchen als

Urlaubsmitbringsel sind was für Langweiler. Maßschneider Askhan Yosefi Darani hat

seine Geschäftsidee von einer USA-Reise mitgebracht.

[spezial]

24 Auf der Kriechspur Mittelständlern auf dem Land droht ohne Breitband-Ausbau der

Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Schnelles Internet wird zum Standortfaktor.

39 Die persönliche Seite des Lesens Bücher sind etwas Wunderbares. Das finden

immer noch Millionen Deutsche – und kaufen sie bei Amazon. Drei Buchhändler

zeigen, wie man gegen die übermächtige Internet-Konkurrenz besteht.

[machen]

28 Energiesparen im Paradies Mit klugen Konzepten für Strom und Wärme lässt sich

viel Geld sparen. Das kleine Unternehmen Enerquinn aus Weingarten setzt Projekte

weltweit um.

32 Da, da, da – und da Geiger und Schüle hat viele Referenzprojekte in der Region.

Firmenchef Rolf Mezger kann sie alle aufzählen.

46 Für die Zukunft geformt Allgaier-Geschäftsführer Helmar Aßfalg setzt sich hohe

Ziele, privat wie im Unternehmen. Dank eines patentierten Ver fahrens für Fahrzeug-

Leichtbau wächst der Autozulieferer.

[finanzieren]

34 Vorsicht, Stolperfalle! Hohe Liquidität, günstige Kredite: Bei der Finanzierung scheint

es für Unternehmen derzeit keine Hemmnisse zu geben. Doch der Eindruck täuscht.

4


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[inhalt]

34

24 52

[führen]

50 Lockruf für Bau-Ingenieure Peri ist ein spannendes und großes Unternehmen. Doch

viele Studenten nehmen den Gerüst- und Schalungstechnikspezialisten nicht wahr.

Verstärktes Personalmarketing an Hochschulen soll das ändern.

[leben]

52 Trommeln bis die Polizei kommt Ohne Gesang und Kuchen geht nichts. Für die 50.

Ausgabe von unternehmen [!] hat Stefan Loeffler Führungspersönlichkeiten gefragt,

wie sie mit runden Geburtstagen umgehen.

[team]

56 unternehmen [!] macht schlauer

Das Wirtschaftsmagazin der SÜDWEST PRESSE – diese Köpfe stecken dahinter.

[namen & nachrichten]

6 US-Investor KKR hat Ulm auf dem Radar

7 Baden-Württembergs größter Windpark

30 Schuler strafft sich für die Zukunft

31 Autozulieferer EBZ wächst rasant

58 Spezialröstung aus Kisslegg

58 Impressum

MONACO CALIBRE 11

AUTOMATIC CHRONOGRAPH

5


[namen & nachrichten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

US-Investor KKR hat Ulm auf dem Radar

Im ersten Moment hat die Nachricht

in Ulm erheblichen Wirbel

ausgelöst: Der US-Finanzinvestor

KKR kauft die Verteidigungselektronik-Sparte

des Flugzeugbauund

Rüstungskonzerns Airbus

für rund 1,1 Milliarden Euro. Auf

den zweiten Blick können die

weltweit rund 4000 Mitarbeiter

der ehemaligen Rüstungselektroniksparte

mit Hauptsitz in Ulm

aufatmen. Denn für sie gelten

umfangreiche Schutzmaßnahmen.

Dazu gehört eine Standortund

Beschäftigungssicherung bis

Juni 2019. Auch wird Airbus vorerst

25,1 Prozent an dem neuen

Unternehmen behalten. Es firmiert

übergangsweise unter dem

Namen Airbus DS Electronics

and Border Security GmbH (EBS).

Bis zum ersten Quartal 2017 sollen

alle in dem Vertragsentwurf

genannten Bedingungen umgesetzt

sein, erst dann wird auch der

Kaufpreis überwiesen.

Vorerst ändert sich damit an der

Arbeitssituation der 2500 Mitarbeiter

in Ulm und der 2500 Beschäftigten

am Bodensee wenig.

Intern eine der größten Maßnahmen

sei die Trennung der IT-Systeme,

sagt Lothar Belz, Pressesprecher

des Unternehmens.

Dabei gehe es um mehrere 100

IT-Werkzeuge und -Programme.

Das sei einer der Gründe für den

langen Übergangszeitraum.

In Ulm wechseln rund 2000 Mitarbeiter

der Einheiten Radar,

Flugzeugelektronik und elektronische

Schutzsysteme zur EBS.

Die 500 Mitarbeiter in den Bereichen

Führungssysteme, der ebenfalls

zum Verkauf stehende Digitalfunk

sowie die Lenkflugkörper

bleiben beim Konzern.

In Friedrichshafen/Immenstadt

wechseln 500 Beschäftigte zu

EBS, 2000 Mitarbeiter bleiben bei

Airbus. Eine Trennung der Büros,

so sagt Belz, sei aufgrund der Minderheitsbeteiligung

von Airbus

vorerst nicht nötig. Jedoch plant

Airbus in zwei bis drei Jahren

ganz auszusteigen. [!] KÖ/AMB

Die Mitarbeiter am Airbus-Standort Ulm sind Radarspezialisten und stellen

Anlagen wie diese her.

Von „Crash-Propheten“ zu Bestseller-Autoren

Einst wurden Marc Friedrich und

Matthias Weik als „Crash-Propheten“

belächelt. Ihren ersten

Vortrag hielten sie vor zehn Zuhörern.

Heute gehören sie zu den

erfolgreichsten Sachbuchautoren

des Landes. Mit ihrem ersten

Buch „Der größte Raubzug der

Geschichte“ landeten sie einen

Coup. Das Buch beschäftigt sich

mit den Machenschaften der Finanzindustrie

und wurde über

Nacht zum Bestseller. In ihrem

zweiten Sachbuch „Der Crash ist

die Lösung“ prophezeiten die

Ökonomen zwei Jahre später den

Untergang des Euro und den Kollaps

des Finanzsystems – auch

dieses Werk wurde ein Riesenerfolg

und sorgte für Aufsehen.

Foto: © Christian Staehle, Asperg

Nun bringen die beiden Finanzexperten

und Querdenker ihr

drittes Buch heraus: „Kapitalfehler

– Wie unser Wohlstand vernichtet

wird und warum wir ein

neues Wirtschaftsdenken brauchen“

lautet der Titel der 350 Seiten

starken Lektüre, die am 13.

Mai auf den Markt kommt. Die

Erstauflage umfasst 50.000 Exemplare.

In dem Sachbuch beschreiben

Weik und Friedrich,

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik stellen ihr drittes Buch vor.

wie „kriminelle

Spekulanten

und ahnungslose

Politiker

ein nachhaltiges

Wirtschaften

verdrängt“

haben. Auf

Einladung

der Neuen Württembergischen

Zeitung (NWZ) in

Göppingen, lesen die beiden am

Freitag, 13. Mai, um 19 Uhr in der

Eislinger Stadthalle aus ihrem

Buch vor und stehen den Zuhörern

Rede und Antwort.

Tickets gibt es online unter:

www.südwestpresse.de/ticketshop.

[!]

SU

6


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[namen & nachrichten]

Baden-Württembergs größter Windpark

Baustellen-Gucker sollten sich

die Gemeinde Lauterstein auf der

Karte markieren. An der Grenze

der Landkreise Göppingen und

Heidenheim verwirklicht derzeit

der Projektentwickler WPD ein

herausforderndes Projekt inmitten

der Schwäbischen Alb: den

größten Windpark Baden-Württembergs.

Kostenpunkt: 80 Millionen

Euro. Dieser umfasst 16 Anlagen,

die bis Oktober in Betrieb

gehen sollen. Der jährliche Gesamtertrag

von rund 120 Millionen

Kilowattstunden entspricht

dem Jahresverbrauch von rund

34.000 Haushalten bei einem

Durchschnittsverbrauch pro

Haushalt von 3500 kWh/Jahr.

Die Dimensionen auf der Baustelle

sind gigantisch. Derzeit haben

die Bauarbeiter die Betonteile der

Masten auf eine Höhe von 80 Meter

gestapelt, erzählt Projektleiter

Benjamin Boy (34). Darauf kommen

jeweils zwei 30 Meter hohe

Stahlsegemente. Den ersten Rotor

setzen die Arbeiter mit einem

Liebherr-Mobilkran wohl Mitte

bis Ende der zweiten Mai-Woche.

Mit Rotoren erreichen die Anlagen

eine Höhe von 200 Metern.

WPD weiß aufgrund von Messungen

über längere Zeit, wie

windstark der Standort ist. Während

der Bauarbeiten ist dies problematisch.

Schon ab Windstärke

2 können die Rotoren nicht

aufgesetzt werden, sagt Boy. Den

besten Blick hat man nach seinen

Worten vom Ahornparkplatz am

Eingang des Windparks. [!]AMB

Ähnliche Bilder können von Oktober an auch in Lauterstein entstehen.

Spende zum

Geburtstag

Ein solches Fest gibt es nicht alle

Tage: August Inhofer hat seinen

80. Geburtstag im Restaurant Culinariumin

seines Möbelhauses

in Senden gefeiert, mit Familie

und Freunden. Eingeladen waren

auch die 1200 Mitarbeiter. Um

etwas von seinem

Erfolgzurückzugeben

von

seinem Erfolg,

spendete

Inhofer je-

August Inhofer

feierte in seiner

Firma Geburtstag.

weils 40.000

Euro an die

Aktion

100.000 und

Ulmer helft

sowie an die Kartei der Not. Einen

runden Geburtstag hat auch das

Einrichtungshaus in Senden, das

es seit 40 Jahren gibt. Seit 1967 ist

Inhofer im Wohnbau und in der

Hausverwaltung aktiv. Die Firma

verwaltet 5000 Einheiten. [!]

Franz Borst

hat verkauft

Viele hat Franz Borst (65) mit der

Entscheidung überrascht, sein

Möbelhaus in Ehingen an das Familienunternehmen

Hofmeister

aus Bietigheim-Bissingen

zu verkaufen.

Doch

schon vor

zwei Jahren

hatte er in unternehmen

[!]

erklärt, dass Franz Borst hat

er nicht bis sein Möbelhaus

ins hohe Alter

seine Fir-

verkauft.

ma führen wolle. In 51 Jahren hat

er aus einem 5-Mann-Betrieb eines

der größten Einrichtunghäuser

in Süddeutschland mit 250

Mitarbeitern gemacht. Borst, der

keine Kinder hat, bleibt Inhaber

der Immobilie, die er an Hofmeister

verpachtet. Hofmeister beschäftigt

nun an fünf Standorten

1450 Mitarbeiter. [!]

Technologiezentrum

am Bodensee

Ein „Regionales Innovations- und

Technologiezentrum“ (Ritz

GmbH) haben die Stadt Friedrichshafen

und der Bodenseekreis

gegründet. Dafür gibt es EUund

Landesfördergelder in Höhe

von sieben Millionen Euro. Die

Ritz GmbH soll eine an der Dualen

Hochschule Ravensburg angesiedelte

überbetriebliche Forschungseinrichtung

auf den Weg

bringen, genannt „BodenseeInnnovativ“,

an der sich die regionale

Großindustrie beteiligen und

so Existenzgründungen förden

soll. Geplant sind insgesamt Investitionen

von 13,6 Millionen

Euro.. [!]

Auma Obama

besucht am 9. Juni Ulm

Auf Einladung der L-Bank kommt

Auma Obama, die Stiefschwester

des US Präsidenten Barrack Obama,

am 9. Juni zum Wirtschaftsforum

Ulm-Ostwürttemberg. Auf

dem Kongress bietet die L-Bank

als Förderbank des Landes mit

der Bürgschaftsbank Baden-

Württemberg, der Handwerkskammer

Ulm sowie der IHK Ulm

und der IHK Ostwürttemberg

den Mittelständlern eine auf sie

zugeschnittene Plattform zum

Thema Finanzierung. Zur Eröffnung

spricht die vielfach ausgezeichnete

Autorin über unternehmerische

Nachhaltigkeit und

Verantwortung. Anmeldung zu

der kostenlosen Veranstaltung

unter: www.l-bank.de/wifo.[!]

7


Fotos: © Bosch; Illustration: © hainichfoto / Fotolia.com

Die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine wird zunehmen, ob im Straßenverkehr, der Produktion oder dem Nachbestellen von Milch.

Komm FiFi, komm her!

Defekte Bauteile rufen den Service-Mechaniker, mobile Roboter helfen in der Produktion: In der schönen neuen

Welt „Industrie 4.0“ scheint wenig unmöglich. Doch die Kommunikation in Echtzeit ist eine Herausforderung.

Einmal kurz die Hand gehoben und

schon kommt „FiFi“ ums Eck. Dabei

handelt es sich nicht um ein treues

Hündchen, aber auf jeden Fall um einen folgsamen

Begleiter des Menschen. Genauer gesagt

des arbeitenden Menschen. Das batteriebetriebene

Transportfahrzeug mit dem

Kosenamen folgt zwar nicht aufs Wort, kann

jedoch Gesten erkennen. Denn „FiFi“ scannt

die Umgebung, vermeidet Zusammenstöße

mit Personen und Hindernissen und kann so

seinen Zweck als moderner Produktionsassistent

erfüllen.

„Obwohl das fahrerlose System oftmals ermüdende

Tätigkeiten einer zunehmend alternden

Belegschaft übernehmen kann, wird es

den Menschen nie komplett ersetzen“, sagt

Philip Kirmse, stellvertretender Vertriebsleiter

Logistik-Automation des Anlagenherstellers

Bär Automation aus Gemmingen im

Landkreis Heilbronn. Das Unternehmen hat

das intralogistische Assistenzsystem in Zusammenarbeit

mit dem Karlsruher Institut

für Technologie entwickelt. Mit Erfolg, denn

einen Preis hat „FiFi“ hat auch schon eingeheimst.

Das Land und die „Allianz Industrie

4.0 Baden-Württemberg“

wählten das Unternehmen zu den

„100 besten Orten für Industrie 4.0“.

In der Jurybegründung heißt es: „Die

kamerabasierte Gestensteuerung für

den mobilen Roboter erlaubt die intuitive

Bedienung und erleichtert den Umgang

8


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[verantworten]

Die Messe für Automation

in der Bodenseeregion

INTELLIGENTE VERNETZUNG

Für Birk ist die vierte industrielle Revolution

beileibe kein neuer Trend, sondern vielmehr

eine logische Entwicklung dessen, was die

Maschinenbauer in der Vergangenheit auf

den Weg gebracht haben: „Bereits heute verarbeiten

die meisten Firmen digitale Daten von

ihren Produkten oder Anlagen. Wirklich neu

ist die intelligente Vernetzung in Echtzeit.“

Dadurch, so Birk, müssten Organisations- und

Führungsstrukturen überdacht werden und

Anreize für eine neue Innovationskultur

geschaffen werden. Hierbei sei es extrem

wichtig, neben dem Aufbau eigener

Kompetenzen, viel stärker

als bisher mit Partnern aus anderen

Branchen zu kooperieren

und gemeinsam Neues zu

entwickeln.

Wer sich rechtzeitig passende

Partner sucht, kann, so der VD-

MA-Landesgeschäftsführer,

auch optimistisch in die Zukunft

blicken: „Eine zunehmende Verschmelzung

von IT und Produktion

erlaubt es Herstellern

beispielsweise, schneller

und flexibler auf Kunden-

VDMA-Landesgeschäftsführer

Dietrich Birk.

zwischen Mensch

und Maschine. Sie

stellt damit einen

wichtigen Baustein

auch für andere

kollaborative

Anwendungen im

Bereich Industrie

4.0 dar.“ Um die

zahlreicheren

Schnittstellen zwischen

Mensch und

Maschine, darum

geht es bei Industrie 4.0. Der Begriff steht für

die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung

der Anlagenproduktion.

Darin sieht auch Dr. Dietrich Birk vom Verband

Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

(VDMA) eine große Herausforderung für seine

Branche, die im Südwesten zum Jahresanfang

etwas geschwächelt hat. „Es sind vor allem

die nachlassende Nachfrage aus China,

eine ruhigere US-Konjunktur

sowie

ein rückläufiges

Europa- und

Inlandsgeschäft, die die derzeitige Auftragslage

bestimmen. Die politischen Spannungen

in vielen Ländern bremsen das Vertrauen in

Investitionen und belasten den Außenhandel“,

erklärt der Geschäftsführer des badenwürttembergischen

VDMA-Landesverbandes.

Er bescheinigt dem Maschinenbau im

Südwesten dennoch ein sehr gutes Beschäftigungsniveau

und stabile Umsätze.

Um diese Position zu halten und auszubauen

müssen sich die Maschinenbauer nach seinen

Worten zentralen Herausforderungen stellen.

„Das bedeutet für uns als Industriebranche

zum einen, ein Megathema wie Industrie 4.0

technisch und personell bestmöglich umzusetzen“,

sagt Birk und schiebt eindringlich

nach: „Zum anderen ist das aber auch ein Auftrag

an die Politik, den Ausbau der digitalen

Infrastruktur in Deutschland und Baden-

Württemberg endlich voranzutreiben. Nur

dann können wir die Chancen voll ausschöpfen,

die uns die Digitalisierung der Produktion

bietet.“

Das fahrerlose System „FiFi“

scannt seine Umgebung und geht Zusammenstößen

aus dem Weg.

07. 08.06.2016

07.–08.06.2016

Messe Friedrichshafen

Die all about automation bringt regionale

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[verantworten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

wünsche zu reagieren oder Produktion mit

Logistik zu verzahnen. Die zu erntenden

Früchte hängen in vielen Unternehmen tief.

Weiterhin sorgen die neuen Technologien für

eine bisher nicht gekannte Flexibilität.“

Darüber hinaus ergibt sich für Produktanbieter

die Chance, Kunden deutlich umfassendere

Leistungen jenseits des physischen Produkts

anbieten zu können. „Die

Transformation vom reinen Lieferanten eines

Produktes hin zum Lösungsanbieter ist hochgradig

wettbewerbsrelevant, das haben viele

Maschinenbauer erkannt“, sagt Birk.

DER AIRBAG KOMMUNIZIERZT

Für Franz Böhm ist das Thema Industrie 4.0

noch sehr „unspezifisch“.

„Meines

Wissens gibt es

bislang keine saubere

Definition des

Themas“, so der

Dekan der Fakultät

für Produktionstechnik

und

Foto: © Philipp Niemöller/Hochschule Ulm

Prof. Franz Böhm,

Universität Ulm.

Produktionswirtschaft

der Hochschule

Ulm. Er

sieht in Industrie

4.0 eine große Herausforderung

und auch Chance für den Aufund

Ausbau neuer Geschäftsbereiche. „Fakt

ist, dass sich die gesamte Arbeitswelt verändern

wird. Bauteile werden künftig nicht

mehr rein mechanisch funktionieren, sondern

zusätzlich mit ihrer Umgebung, mit anderen

Komponenten oder mit dem Hersteller

kommunizieren,“ sagt Böhm. Maschinenstraßen,

die zum Beispiel in China im Einsatz

sind, melden dem deutschen Hersteller automatisch,

wenn ein Bauteil defekt ist, so dass

der Service-Mechaniker mit den entsprechenden

Ersatzteilen rechtzeitig verständigt werden

kann. Auch Fernwartungen über das Internet

sind längst keine Zukunftsmusik mehr.

Doch die bereitgestellten Datenmengen werden

wachsen, so dass über mehrere tausend

Kilometer hinweg der komplette Betriebszustand

der Maschinen per Knopfdruck erkennbar

sein wird. „Damit einher geht natürlich

auch die Notwendigkeit, diese Daten sinnvoll

auszuwerten“, betont Böhm.

Nichts scheint mehr unmöglich. Es gibt Kühlschränke,

die automatisch melden, wenn die

Milch zu Ende geht und Airbags, die Leitstellen

mitteilen, dass ein Unfall passiert ist. Fast

Regionaler Branchentreff am Bodensee

Mehr als 100 Aussteller zeigen auf der Messe „all about automation“ neue Lösungen.

möchte man sagen, dass diese Errungenschaften

Schnee von gestern sind. Fast, denn der

Aufbau einer zunehmend digitalen Maschinenwelt

stößt noch immer an Grenzen. „Informatiker

und Maschinenbauer sprechen

nicht immer dieselbe Sprache. Deshalb besteht

die große Aufgabe darin, beide Berufe im

Arbeitsalltag zusammenzubringen“, erläutert

der Produktionsexperte Böhm. Für den Wissenschaftler

empfiehlt sich hier eine noch

engere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen

und Hochschulen: „Industrie 4.0 ist nicht

gleich Industrie 4.0. Es ist wichtig, dass die

Betriebe technologische Betrachtungen anstellen,

um zu klären, wie stark ihre Produkte

von der Digitalisierung betroffen sind. Wer

den Dialog mit den Forschungseinrichtungen

führt, kann eine bedarfsgerechte Ausbildung

rechtzeitig sicherstellen.“

Hersteller, Händler, Distributoren und

Dienstleister industrieller Automatisierungstechnik

haben am Dienstag, 7. und

Mittwoch, 8. Juni, ein gemeinsames Ziel:

Friedrichshafen. Dort am Bodensee findet

zum dritten Mal die Fachmesse „all about

automation“ statt. Über 120 Unternehmen

werden als Aussteller vertreten sein.

„Die internationale Bodenseeregion ist

wirtschaftsstark und innovativ. Die Aussteller

nutzen die regional ausgerichtete

Schau, um mit bestehenden Kunden Projekte

zu besprechen und um neue Kontakte

zu knüpfen“, sagt Tanja Waglöhner vom

Veranstalter „untitled exhibitions“. Im Fokus

der Fachmesse stehen erfolgreiche

Produkte, einsatzbereite Lösungen und

leistungsfähige Konzepte rund um die

Themen Antriebstechnik, Steuerungstechnik,

Industrieelektronik, sicherheitsgerichtete

Automation, industrielle Kommunikation,

Montagetechnik, Visualisierung

und Sensorik sowie Komponenten,

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So sieht das auch Dietrich Birk. Es gebe nicht

die „eine“ Industrie 4.0-Fabrik, sondern eine

Vielzahl unterschiedlicher Technologien und

Lösungen „Ich bin zuversichtlich, dass der

baden-württembergische Maschinenbau sehr

gute Ausgangsbedingungen hat, um die

Chancen der Digitalisierung erfolgreich zu

nutzen. Unsere Firmen wurden im Gegensatz

zu anderen Ländern von der Digitalisierungswelle

nicht kalt erwischt, sondern sie sind

selbst Innovationstreiber“, sagt Birk.

Im Ausland werde Deutschland und vor allem

Baden-Württemberg mit seinem Tüftler- und

Unternehmergeist als wegweisend wahrgenommen.

Auch FiFi ist ja das Ergebnis eines

Forschungsprojektes und wohl auch schon

auf dem richtigen Weg. Denn das selbstfahrende

Transportsystem steht kurz vor der

Serienreife. [!]

STEFAN LOEFFLER

10


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11


12


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[titelthema]

Ein Mann,

der alles hat

Der Lebensmittelhandel gleicht einem Haifischbecken. Seit 50 Jahren behauptet

sich Manfred Gebauer aus Göppingen darin erfolgreich mit täglich 10.000

Kunden in seinen Läden. Die sollen sich wohlfühlen. Ein Gespräch über

Qualität, Innovation, Kooperation mit regionalen Erzeugern und Unvernunft.

Sie sind quasi der Herr der Lebensmittel. Wissen

Sie auch, wie sich Hunger anfühlt?

Das weiß ich nur zu gut. Ich bin in Schlesien geboren;

zwei Jahre war ich alt, als ich mit meiner Mutter, meiner

Großmutter und meiner Tante nach Göppingen

kam, wo mein Vater in amerikanischer Kriegsgefangenschaft

war. Wir hatten nichts als das, was wir tragen

konnten. Man hat uns vier damals ein Zimmer zur Verfügung

gestellt, nannte uns „Rucksackdeutsche“. Als

Flüchtlinge waren wir alles andere als beliebt. Als ich

zehn war, bin ich wegen Unterernährung eine Zeit lang

in ein Programm auf der Insel Sylt gekommen.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie die aktuellen

Flüchtlingsbilder sehen?

Es ist schlimm, was da passiert. Viele der Menschen

sind in ihrer Heimat von Krieg bedroht. Andere entfliehen

elenden Verhältnissen, um sich in unserer Wohlstandsgesellschaft

ein besseres Leben zu erarbeiten. Ich

versuche zu helfen, wo es mir möglich ist. In Salach

zum Beispiel sind 33 Jugendliche untergebracht. Wir

unterstützen sie mit Obst und Gemüse. Aus meiner

persönlichen Geschichte heraus spüre ich eine besondere

Verbindung oder vielleicht sogar ein gewisses

Schuldgefühl: Ich war auch Flüchtling – und mir geht

es heute sehr gut. 2004, nach dem Tsunami, hat unsere

Firma 25.000 Euro für den Wiederaufbau gespendet.

Aber so etwas kann man nicht immer machen.

In Deutschland werden abertausende Tonnen Lebensmittel

weggeworfen. Wie gehen sie als Lebensmittelhändler

damit um?

Deutschland hat strenge Vorschriften rund um das

Thema Mindesthaltbarkeitsdatum, also MHD. Nehmen

wir Salz als Extrembeispiel: Es ist Millionen Jahre

alt, das MHD muss mit drei Jahren angegeben werden.

Ist das sinnvoll? Sicherlich braucht man bei problematischer

Ware Verfallsdaten, etwa bei Fleisch oder Fisch.

Aber einen Joghurt kann man in der Regel vier Wochen

nach Ablauf des MHD essen. Wenn er nicht verschimmelt

ist oder seltsam riecht, ist das kein Problem.

Was machen Sie mit Obst, das übrig ist oder das

Sie nicht mehr verkaufen können?

Das holen die Tafeln ab. Wir geben ihnen auch Produkte,

die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum stehen.

Als einer der wenigen Lebensmittelhändler kontrollieren

wir alle zwei Monate unser gesamtes Sortiment

und sortieren aus, was bald abläuft. Diese Produkte bieten

wir zum halben Preis an oder geben sie den Tafeln.

Wie hoch ist die Wegwerfquote?

Das hängt von den Warengruppen ab. Insgesamt beträgt

sie weniger als 1 Prozent unseres Umsatzes.

Was ärgert Sie am meisten?

Laut Gesetz müssen wir Händler Lebensmittel entsorgen,

bei denen die Kühlkette unterbrochen worden ist.

Was ist falsch daran?

In unserem Markt in Süßen hatten wir einmal einen

Stromausfall: Ein Baggerfahrer hatte Haupt- und Reserveleitung

erwischt. Wir bemühten uns, einen Kühlwagen

herzubekommen. Vergeblich! In unserer

Kühltheke lag die Temperatur bei 14 Grad. Um nicht

gegen die Vorschriften zu verstoßen, mussten wir alles

in den Abfall werfen, auch Joghurt und Butter. In so einem

Fall dürfen wir die Ware nicht mal verschenken.

Die französische Nationalversammlung hat Super­

Zur Person

Kaum zu zählen sind

die Ehrenämter von

Manfred Gebauer. Er

war jahrzehntelang

Aufsichtsratsmitglied

der Edeka-Regionalgesellschaften

im

Südwesten, davon

viele Jahre als Aufsichtsratschef

der

Edeka-Handelsgesellschaft

Staufen-Hohenlohe-Neckar

in

Mögglingen (bei

Aalen), nach den Fusionen

zur Edeka-Baden-Württembergund

Edeka Südwest

war er stellvertretender

Vorsitzender. Er

engagierte sich viele

Jahre im Präsidium

des Handelsverbandes

Baden-Württemberg,

wurde für sein

Engagement vielfach

ausgezeichnet. Geboren

ist er in Nimptsch,

nahe Breslau. Er ist

verheiratet, hat zwei

Kinder (41, 36). Für

seine Hobbys, dazu

zählt Angeln, hatte

der Mallorca-Fan zuletzt

nur wenig Zeit.

Einst Flüchtling, heute erfolgreicher Unternehmer: Manfred Gebauer am Eingang seines neuen Marktes in Salach.

13


[titelthema] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Sein Interesse für Technik hat

er bis heute nicht verloren.

Manfred Gebauer lernte Maschinenschlosser,

wollte Ingenieur

werden. Doch sein Vater

bestimmte: „Nein, Du

wirst Kaufmann!“, erzählt

der Göppinger Unternehmer.

märkte per Gesetz dazu verpflichtet, nicht verkaufte

Waren billiger zu verkaufen oder zu spenden.

Das machen wir ja schon. Für das Geschäft ist es allerdings

nicht förderlich, wenn überall Körbe mit um 50

Prozent reduzierter Ware herumstehen. Bei uns kommt

das selten vor, am ehesten im höherwertigen Feinkostbereich.

Das ist auch unserem großen Sortiment geschuldet.

Ich verstehe die gesetzlichen Vorgaben nicht:

Warum dürfen Tafeln abgelaufene Ware – wie etwa

Konserven – nicht in den Verkehr bringen?!

Themenwechsel. Wie sind Sie als gelernter Maschinenschlosser

im Handel gelandet?

Mein Vater hat 1955 einen Lebensmittelladen eröffnet,

in dem ich nach der Schule helfen musste. Wir führten

fast alles, von Einweggläsern aller Art über Nähseide,

Wolle, Stricknadeln bis zu Sammeltassen. Die Inventuren

dauerten drei Tage: Die Ware musste abgestaubt

werden, die Bewertung des Bestandes mit den Einkaufspreisen

dauerte eineinhalb Monate. Was für ein

Graus! Diesen Beruf will ich um alles in der Welt nicht

machen, dachte ich. Weil ich schon damals sehr

technik interessiert war, lernte ich bei Boehringer in

Göppingen Maschinenschlosser. Eigentlich wollte ich

Ingenieur werden. Aber mein strenger Vater hat sich

durchgesetzt; seine Worte: „Nein, du wirst Kaufmann!“

Was passierte dann?

Ich arbeitete eine Zeit lang im Geschäft, leistete meinen

Wehrdienst ab, übernahm einen Milchladen in der Hohenstaufenstraße

in Göppingen mit 35 Quadratmetern.

Den hatte der Vorgänger innerhalb kürzester Zeit

von 25 000 D-Mark Umsatz auf 6000 D-Mark heruntergewirtschaftet.

Nach dessen Pleite übernahm ich das

Geschäft – am 1. Juli 1966.

Gab es damals das elterliche Geschäft noch?

Anfangs lief das parallel. Mein Vater baute 1967 in der

Rembrandtstraße in Göppingen einen 180 Quadratmeter

großen Markt. Auf den konzentrierten wir uns. Alles

andere wäre nicht tragbar gewesen. Die Zeit war

anders: kürzere Öffnungszeiten, längere Arbeitszeiten.

Heute ist es andersherum.

Stimmt es, dass die Kunden teilweise abends bei

Ihnen geklingelt haben, um noch einzukaufen?

Das war in den 70er Jahren, als ich 50 Meter hinter dem

Laden gewohnt habe … In aller Regel habe ich die Herrschaften

noch bedient.

Heute gehören Sie zu den umsatzstärksten Edeka-

Händlern im Südwesten.

Ja. Wir sind seit Jahren unter den zehn umsatzstärksten.

Ein paar Kollegen in Konstanz, Südbaden und dem

Schwarzwald sind noch größer als wir. In unserem

Stammgebiet, dem Filstal, zu expandieren, ist schwierig.

Hier herrscht intensiver Wettbewerb.

Woran liegt das?

Im Großraum Stuttgart sind Kaufkraft und Bevölkerungsdichte

hoch. Wir sind hier noch im Dunstkreis

von Norma (Nürnberg) und im Hauptabsatzgebiet von

Lidl (Neckarsulm) und Aldi Süd. Netto geht auch in die

Dörfer. Das alles schränkt den Spielraum ein.

Sie haben derzeit sieben Märkte. Wollen Sie noch

expandieren?

Wir würden gerne Richtung Stuttgart oder Kirchheim/

Teck gehen. Jedoch sind die Stadtverwaltungen sehr

restriktiv, was die Ausweisung von Handelsflächen angeht.

Den einen oder anderen Markt bekommen wir

übrigens auch von der Edeka angeboten. Das freut uns.

Aber wir bauen unsere Standorte lieber selber auf.

14


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[titelthema]

Wie halten Sie sich in diesem harten Wettbewerb?

Wir heben uns durch unser Sortiment von bis zu 35.000

Artikeln ab, durch Frische, Qualität, Freundlichkeit.

Mit unserem Konzept, im Supermarkt höhere Qualität

anzubieten, waren wir Vorreiter. Etwas Neues war und

ist das für mich aber nicht. Seit Beginn meiner Selbstständigkeit

handle ich bevorzugt mit Erzeugnissen aus

unserer Region. Das hat im Jahr der Firmengründung

1966 mit tagesfrischen Erdbeeren und Himbeeren aus

dem Remstal angefangen und entwickelte sich zu einer

engen Partnerschaft mit heimischen Erzeugern: von

der landwirtschaftlichen Gärtnerei über Rinder- und

Schweinezuchtbetriebe bis hin zur engen Kooperation

mit dem privaten Schlachthof. Mit unserem Fleischprogramm

bieten wir seit Jahrzehnten Metzgerqualität

in unseren Märkten.

Wie funktioniert das?

Für unsere Fleischprogramme schließen wir Verträge

mit Erzeugern über Aufzucht nach dem Qualitätszeichen

Baden-Württemberg. Die Schweine stehen vier

bis sechs Wochen länger im Stall als üblich, die Tiere

werden langsamer gemästet. Das erhöht die Qualität.

Wie viele Produkte kommen aus der Region?

Schwer zu sagen. Es hängt von der Warengruppe ab. Bei

Fleisch und Wurst sind es rund 70 Prozent, aber natürlich

haben wir auch Schinken aus Spanien und Italien.

Bei Äpfeln arbeiten wir seit 20 Jahren mit einem bäuerlichen

Betrieb in Schlat zusammen. Unser Erdbeer- und

Spargelexpress in der Saison kommt zu 100 Prozent aus

der Region beziehungsweise Baden-Württemberg.

Welche Grundgedanken stecken hinter Ihrer Unternehmensphilosophie

der Nähe?

Frische, Sicherheit, Qualität. Sie werden keinen Super-

Mit tagesfrischen Erdbeeren

und Himbeeren aus dem

Remstal fing es 1966 an. Heute

pflegt Manfred Gebauer enge

Partnerschaften mit mehr

als 100 regionalen Erzeugern

– von Gärtnereien bis zu

Schweinezuchtbetrieben.

WAS ZÄHLT SIND

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UND SIE.

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15


[titelthema] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Von Dosenwurst über Ketchup

und Ziegenkäse bis hin zu

edlen Bränden: Manfred

Gebauer lässt für seine Märkte

von Partnern hochwertige

Eigenmarken herstellen.

markt in der Region finden, der mehr Artikel aus der

Region hat, da sind wir mit Abstand führend. Regionales

Denken und lokales Handeln bringen Vorteile für

die Natur, den Konsumenten, die Produzenten und

letztendlich auch für uns.

Was gehört noch zu Ihrem Konzept?

Natürlich gehen wir zusätzlich auf den Großmarkt und

holen uns da Obst, Gemüse und andere Artikel. Wir

haben eine Eigenmarke entwickelt, die weit über dem

Durchschnitt steht. Wir punkten durch unser Sortiment,

frische Produkte – und unsere

Schulungen für Mitarbeiter in

Kompetenz und Freundlichkeit. In

den vergangenen Jahren haben wir

immer wieder Zeichen gesetzt, sei

es in der Ladengestaltung, dem Sortiment

oder der Kundenorientierung.

Auch deshalb hat sich die

Konkurrenz unseren neuen Markt

in Salach schon angeschaut.

Wie funktioniert das mit Ihrer Eigenmarke?

Wir suchen uns gute Lieferanten aus. Das kann eine

Metzgerei aus dem Schurwald sein, die für uns Dosenwurst

herstellt. Destillerien, die uns Schnaps brennen.

Die Lebenshilfe packt für uns spezielle Gewürze und

Salze ab. Wir haben ein eigenes Ketchup mit höherem

Tomatenanteil. Wir arbeiten mit kleinen Käsereien zusammen

...

Man muss

Einkaufen

für Männer

zum Erlebnis

machen

Ihre Märkte haben das Siegel generationenfreundliches

Einkaufen. Was heißt das konkret?

Die Vorgaben für dieses Siegel sind für uns eine Selbstverständlichkeit.

Dazu gehören: Niedrige Regale, Lupe

am Einkaufswagen, keine Stolperfallen und Treppen –

und der gesamte Markt samt Toiletten ist barrierefrei.

Sie sind mehrfach für Ihre Kundenorientierung

ausgezeichnet worden. Was tun Sie dafür?

Das Betreiben eines Marktes ist immer die Summe von

sehr vielen Komponenten. Wir legen großen Wert darauf,

dass sich die Kunden in unseren

Märkten wohlfühlen. In Salach

haben wir eine Verweilzone,

sozusagen unsere „Ruheoase“, mit

einem von einem Künstler gestalteten

Baum, einer Sitzbank, einem

Kaffeeautomaten und einem Gratis-Wasserspender.

Was gehört noch zu Ihrer Philosophie?

Die Kunden müssen in dem Markt alles in einer guten

Qualität bekommen; keiner soll noch ein anderes Geschäft

brauchen. Sie müssen gut bedient werden,

sprich: zufrieden aus dem Markt gehen. Unsere Bausteine

der Kundenorientierung sind obendrein: freundliches

und kompetentes Personal, flotter Service an den

Theken, breite Gänge, ordentliche Toiletten, ausreichend

Parkplätze und vieles mehr. Wichtig ist, dass

16


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[titelthema]

man das Einkaufen zum Erlebnis macht – auch für

Männer.

Wie geht das?

Indem wir Artikel führen, die für Männer interessant

sind, etwa eine große Auswahl an Whiskey oder Rum.

Wir organisieren auch viele Kundenevents, zum Beispiel

Kochevents mit Sterneköchen wie Rolf Straubinger

von der Burg Staufeneck, regelmäßig auch Weinabende,

Whiskey- oder Rum-Proben, das kommt gut

an.

Die Deutschen geben vergleichsweise wenig Geld

für Lebensmittel aus.

Das ist richtig. Ich bin Mitglied bei den mittelständischen

Lebensmittelfilialisten, da hat man Kontakt zu

Kollegen aus dem Ausland. Ein holländischer Händler

sagte vor etlichen Jahren zu mir: „Euch Deutschen

kann man alles verkaufen, es muss nur billig sein.“ Das

ärgerte mich – spornt mich aber an, unser Frische- und

Qualitätskonzept voranzutreiben. Damals fingen wir

damit an, atypische, teurere Artikel in höherer Qualität

zu bewerben. Was prompt Nachahmer in der Branche

fand.

Warum kaufen die Deutschen so gerne billiges Essen,

obwohl sie vergleichsweise gut verdienen?

Da tragen Hersteller und Handel eine Mitschuld. Wir

haben die Kunden über Jahrzehnte mit unserer Sonderangebots-Werbung

so erzogen. Im Qualitätsanspruch

haben uns andere Länder lange überholt.

Wie meinen Sie das?

Ich mache das mal an einem Beispiel deutlich. In unserer

Fleischtheke bieten wir auch Milchkalbfleisch aus

Tirol an, ein hochwertiges und teures Produkt. Aber

mittlerweile bieten selbst polnische Händler den Erzeugern

höhere Preise als deutsche. Daran erkennt

man: Ein Land wie Polen überholt uns im Qualitätsanspruch.

Eine bedauerliche Entwicklung!

Wie lässt sich das ändern?

Die Kunden müssen dem Händler vertrauen; ihm glauben,

dass bei ihrem Einkauf das Preis-Leistungs-Verhältnis

stimmt; dass sie eine gute Qualität bekommen

und dafür einen höheren Preis bezahlen, also kurzum:

preis-wert einkaufen – das ist der Unterschied zu billig.

In Ihren großen Märkten spielt Technik eine große

Rolle. Kommt da der Ingenieur in Ihnen durch?

Ja, wir probieren viele Dinge aus und werden oft von

der Edeka-Gruppe unterstützt.

Worauf sind Sie in ihrem neuen Markt in Salach besonders

stolz?

„Hersteller und Handel tragen

eine Mitschuld, dass Verbraucher

in Deutschland so

gerne billige Lebensmittel

kaufen. Mit Sonderangebotswerbung

haben wir die Kunden

über Jahrzehnte so erzogen“,

sagt Manfred Gebauer.

17


[titelthema] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Ob Eisspeicher oder Online-

Shop – einer von Manfred Gebauers

Grundsätzen lautet:

„Man muss Neues testen, um

es beurteilen zu können.“

Auf den Eisspeicher. Er fasst 230.000 Liter. Mit dessen

Hilfe können wir Energie speichern oder entziehen

und so den Markt – mit einer Betonkernaktivierung –

im Winter heizen und im Sommer kühlen.

An dem Eisspeicher in Salach hat sich die Edeka

aber nicht beteiligt. Warum haben Sie ihn dennoch

verwirklicht?

Es gibt auch andere funktionierende Systeme mit Wärmepumpen

oder mit Abwärme. Daher sagte Edeka:

Wir brauchen das nicht. Aber ich wollte es ausprobieren.

Man muss Neues testen, um es beurteilen zu können.

Der Eisspeicher dient übrigens nicht nur dem Thema

Energieversorgung, er soll auch einen sehr positiven

Einfluss auf das Raumklima im Markt haben. Da sind

wir wieder beim Kernthema: Der Kunde soll sich in einem

Markt wohlfühlen.

Sie sind auch im Internet aktiv. Wie viele Kunden

nutzen Ihren Online-Shop?

Da läuft noch die Testphase. Pro Woche holen 30 bis 50

Kunden zuvor bestellte Waren in unseren Abholstationen

in Göppingen und Filderstadt-Bonlanden ab.

Wie beurteilen Sie diese Zahlen?

Das Projekt betreut mein Sohn Jens. Mit unserem Onlineshop

wollen wir vorrangig Erfahrung sammeln.

Für kleine Unternehmen ist das auf Dauer allerdings zu

kostspielig. Das geht nur, wenn es in der Edeka-Gruppe

zu einer Lösung kommt.

Wie sehen Ihre Supermärkte in 20 Jahren aus?

(lacht) In 20 Jahren kann ich mich wohl nicht mehr

persönlich um das Aussehen unserer Supermärkte

kümmern. Natürlich wird sich einiges verändert haben.

Vermutlich gibt es mehr Kassen, an denen der

Kunde seine Produkte selbst scannt und bezahlt. In

Bonlanden und Salach haben wir solche Scan-Systeme

bzw. -stationen bereits eingeführt. Erstaunlich ist, wie

viele ältere Kunden das Angebot nutzen.

Wie läuft der Bezahlvorgang?

Die Kunden können mit Karte bezahlen oder mit Bargeld.

Der Automat spuckt das Restgeld aus, auch Scheine.

Warum geben Sie dafür jeweils 20.000 Euro aus?

Wenn Sie als Kunde nur wenige Artikel kaufen und in

einer langen Schlange stehen, ärgert sie das. Wir sehen

die Stationen wegen der Zeitersparnis als Kundenservice.

Da zwischen 20 und 25 Prozent der Kunden dieses

System nutzen, rechnet sich für uns die Investition

langfristig.

18


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[titelthema]

Metzgerqualität an der Fleischtheke und Selbstzahler-Kassen für die Kunden.

450 Mitarbeiter

an sieben Standorten

Mit wenigen Quadratmetern Verkaufsfläche

fing Lebensmittelhändler Manfred

Gebauer vor 50 Jahren an, heute verfügt

er über sieben Standorte, sechs davon im

Fils tal, mit insgesamt 15.000 Quadratmetern.

Damit gehört das Familienunternehmen

zu den größten selbstständigen Edeka-Einzelhändlern

in Baden-Württemberg.

Die größte Filiale ist jene in Filderstadt-

Bonlanden, die neueste und modernste

wurde vor wenigen Wochen in Salach eröffnet.

Täglich kommen rund 10.000 Kunden

in die Märkte. Deren Bandbreite reicht

von E-Centern mit bis zu 5000 Quadratmetern

bis hin zum Edeka-Markttyp „Nah

und gut“ an zwei der sieben Standorte mit

280 bzw. 1140 Quadratmetern. In den großen

Märkten bietet Gebauer rund 35.000

Artikel an. Diese große Zahl ist wesentlicher

Teil der Unternehmensstrategie: Die

Fachabteilungen in den Märkten haben

Fachgeschäftscharakter. Zudem arbeitet

das Göppinger Familienunternehmen mit

rund 400 regionalen Erzeugern und Direktlieferanten

zusammen. Das Unternehmen

hat viele Auszeichnungen erhalten,

unter anderem den Zukunftspreis des

Handels, und beschäftigt rund 450 Mitarbeiter,

die meisten davon in Vollzeit.

Die Edeka ist ein genossenschaftlich organi

sierter Unternehmensverbund. Ein

Groß teil der Filialen wird von selbstständigen

Kaufleuten betrieben. In der Edeka-

Südwest-Gruppe (Offenburg) erwirtschafteten

zuletzt 24.000 Mitarbeiter in 1300

Läden einen Umsatz rund 6 Milliarden

Euro.

AMB

Wie kommt man als Lebensmittelhändler an gute

Mitarbeiter?

Das ist schwerer geworden. Früher hatten wir bei den

Auszubildenden eine tolle Auswahl, das hat abgenommen.

Wir versuchen, unseren Fachkräftenachwuchs

selbst zu ziehen. Unsere Marktleiterin in Filderstadt-

Bonlanden war eine unserer ersten Auszubildenden,

sie ist schon 35 Jahre bei uns im Betrieb. Leider schrecken

die Arbeitszeiten im Handel viele ab. Aber der

Einzelhandel bietet durchaus auch Vorteile: Die Branche

wird immer gebraucht, und die Arbeitsplätze sind

relativ sicher.

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.

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19


[titelthema] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Manfred Gebauer im Gespräch

mit Susann Schönfelder,

Wirtschaftsredakteurin

bei der Neuen

Württembergischen Zeitung

(NWZ), und Alexander Bögelein,

dem Redaktionsleiter

unternehmen [!].

DAS INTERVIEW FÜHRTEN

SUSANN SCHÖNFELDER,

WIRTSCHAFTS-

REDAKTEURIN DER NWZ,

UND ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

FOTOS: GIACINTO CARLUCCI

Worauf legen Sie Wert bei Mitarbeitern?

Sie müssen gut ausgebildet sein und mit Menschen

umgehen können. Wir haben kürzlich eine Unterweiserin

eingestellt, die speziell in den Frische-Abteilungen

unsere Verkäuferinnen schult. Es ist ein riesiger

Unterschied, ob Sie in einer kleinen Metzgerei arbeiten

oder an einer Theke, vor der 30 Leute

stehen, die schnell bedient werden

wollen. Und sie müssen das

Gebauer-Denken verinnerlichen …

Wie sieht das aus?

Wir müssen für den Kunden da

sein, ihn ehrlich bedienen. Der

Kunde muss spüren, dass man ihn

gut bedienen möchte – aber ohne

aufgesetzte Freundlichkeit.

Ihre Mitarbeiter leisten gute Arbeit, Sie haben eine

Vielzahl an Preisen erhalten …

… beste Fleischtheke, beste Käsetheke, beste Wursttheke,

bester Getränkemarkt, beste Weinabteilung. Darüber

freuen wir uns auch, aber …

Aber?

Keinen Menschen interessiert es, ob wir irgendwann in

der Vergangenheit mal der Beste waren. Wir müssen

jeden Tag am besten sein, jeden Tag dafür sorgen, dass

die Fleischtheke auch abends noch ansehnlich aussieht.

Wir können den Kunden ja nicht sagen: Wären

Sie heute Morgen gekommen, hätte unsere Fleischtheke

toll ausgesehen.

Den Preis

für billige

Lebensmittel

bezahlen

andere

Sie sprühen vor Tatendrang, wie lange wollen Sie

noch an der Spitze des Unternehmens stehen?

Ich möchte mich im Laufe des Jahres ein wenig zurückziehen.

Mein Sohn Jens ist schon länger Geschäftsführer.

Wir haben ein gutes Team in der Führungsebene.

Vieles ist eingetaktet. Ich werde noch den Bau unseres

Marktes in Salach abwickeln und

meine Akten in Ordnung bringen.

Ich befürchte, das wird noch länger

dauern.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung

der Branche im Rückblick?

Ehrlich gesagt, habe ich lange gehofft,

im Handel würde etwas

mehr Vernunft eintreten, das ist

nicht passiert. Der populäre „Fair

Trade“-Gedanke ist sinnvoll. Menschen sollen mit ihrer

Arbeit mindestens so viel verdienen, dass sie davon leben

können. Aber das gilt nicht nur für Kaffee, Kakao

und Bananen.

Sondern?

Auch unsere Bauern und Erzeuger müssen faire Preise

bekommen, damit sie nicht am Hungertuch nagen. Sie

arbeiten sehr viel und verdienen relativ wenig. Egal ob

das der Eierlieferant oder der Schweinezüchter ist – als

Unternehmen bezahlen wir ihnen höhere Preise. Auch

ein Erzeuger muss Freude an seinem Job haben. Leider

denken heute viele Verbraucher nicht mehr über den

Wert eines Lebensmittels nach, sondern nur noch über

den Preis. Den Preis dafür zahlen andere.

20


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21


[rubrik] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Geboren ist Ashkan Yosefi Darani als Kind iranischer

Eltern in Iserlohn, im Jahr 2000 zog die Familie

nach Stuttgart um. Vor seiner Existenzgründung

hatte er nur wenig Berührungspunkte

mit Mode.

Foto: Marc Schäfer

Der Vermesser

der Männerwelt

Schlüsselanhänger und Deko-Figürchen als Urlaubsmitbringsel sind was für

Langweiler. Askhan Yosefi Darani bringt seine Geschäftsidee von einer USA-

Reise mit und betreibt nun in Stuttgart einen Laden für Maßanfertigungen.

22


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[gründen]

Der Geistesblitz zu seiner Geschäftsidee

kommt dem 29-Jährigen bei einem Auslandsaufenthalt

im US-Bundestaat Atlanta.

Zwölf Monate arbeitet Ashkan Yosefi

Darani dort in einer Werbeagentur. Mit 15 Kilos

mehr auf den Rippen als zuvor passen ihm

weder die eigenen Hemden, noch die von der

amerikanischen Stange. Ärmel zu kurz, Schultern

zu schmal, Halsausschnitt zu eng.

Schließlich landet der Modebegeisterte bei

zwei Maßschneidern, die „so gar nicht spießig“

sind. „Ich wusste: Das ist es, was zu Hause

fehlt“, erinnert sich Darani. Ein junger, lockerer

Zugang zu exquisiter Herrenmode. Zurück

in Stuttgart entwirft er einen Businessplan.

Mit diesem und einer detaillierten Vermarktungsstrategie

überzeugt der Jungunternehmer

beim Banktermin. Gründerkredit und

Ersparnisse summieren sich zu 125.000 Euro

Startkapital. Nach nur zwei Monaten Gründerphase

steht im April 2015 die Mr. Ash

Tailor GmbH. Der Name Mr. Ash ist ebenfalls

ein Souvenir aus Atlanta. Kinder eines Arbeitskollegen

nannten den Schwaben aufgrund

seines Vornamens so.

oder totenkopfförmige Manschettenknöpfe

auf rotem Stoff „zu viel“ sind. „Ich muss einen

Schritt voraus sein“, weiß er und bestellt direkt

ein dezentes Paar Knöpfe mit.

Auf der Suche nach dem passenden Produzenten

besichtigt der Stuttgarter Unternehmen

in Rumänien und China. Seine Wahl fällt auf

HERRENZIMMER-CHARME

Einmal durch die Tür finden sich Besucher in

einer Art Wohnzimmer mit Vintage-Atmosphäre

wieder. Vollgestopfte Kleiderstangen

sucht das Auge vergebens. Stattdessen versprühen

knautschige Ledersofas, selbstgebaute

Regale sowie ein Billardtisch, der früher

zum Interieur einer Militärbasis gehörte, den

Charme eines Herrenzimmers der 20er Jahre.

„Beim Innenausbau gab’s einige Komplikationen“,

erzählt Darani. Beispielsweise hingen

Glühbirnen aus den USA am Zoll fest, weil sie

nicht nach deutschen Richtlinien gekennzeichnet

sind.

Als Mr. Ash im August 2015, einen Monat später

als geplant, eröffnet, passiert nichts. Sechs

Wochen lang verirrt sich kaum ein Kunde zu

Mr. Ash. Der studierte Medienmanager befeuert

das Marketing. Konsequentes Füttern verschiedener

Social-Media-Kanäle verbunden

mit Presseartikeln bringen den Durchbruch.

Schon im Oktober schreibt der Herrenausstatter

schwarze Zahlen. Heute, acht Monate nach

Startschuss, warten Interessenten bis zu vier

Wochen auf Termine.

„Endlich ein Anzug, der passt“, beschreibt der

Stuttgarter das Herzstück seines Konzepts.

Keine Schulter, kein Hals, kein Bauch sei wie

der andere. „Deshalb sitzt Massenware bei den

Wenigsten“, meint Darani. Jedes Detail erfülle

Die Inneneinrichtung seines Ladens ist angelehnt an Daranis Lieblingsbar in Atlanta, vieles hat er selbst

gebaut. Der alte Billardtisch stammt aus dem Militärstützpunkt in Rammstein. Fotos: Martin Lorenz

seinen Zweck und könne Problemzonen kaschieren.

An 24 Körperstellen nimmt der Experte

Maß. Das hat er als Praktikant bei einem

Schneider in Istanbul gelernt. Mittlerweile

arbeiten drei Angestellte für Mr. Ash: eine

Schneidermeisterin, ein Controller und eine

Verwaltungsangestellte. Trotzdem führt Darani

jedes Kundengespräch selbst. Die persönliche

Bindung hebe ihn von anderen ab, sagt

er. Den typischen Mr. Ash-Kunden gebe es

nicht. Vom Studenten, über den Bankvorstand

bis hin zu Starfußballer Jérôme Boateng

war schon alles dabei. Der Großteil kommt

durch Empfehlungen von Freunden. Nach

dem ersten Gespräch am Espressotisch stehen

2000 Stoffe zur Wahl. Kunden suchen Knöpfe,

Taschenformen und sogar den Nähfäden aus.

JÉRÔME BOATENG ALS KUNDE

„Unter eineinhalb Stunden geht niemand

raus“, berichtet Darani. Denn Mr. Ash will

Schwung in Stuttgarter Schränke bringen. Er

ermutigt zu Karos, knalligem Blau oder groben

Webstrukturen abseits vom 08/15-Anthrazitsakko.

Dabei passen Stilgefühl des Jungunternehmers

und Kundenwünsche nicht

immer zusammen. Dann klärt Darani auf,

warum Tuchhosen nicht eng wie Jeans sitzen

einen Maßkonfektionierer in Shanghai, bei

dem Arbeitsbedingungen genauso wie Qualität

stimmen. Dort wird jeder Mr. Ash-Anzug

genäht. Accessoires wie Einstecktücher produziert

das Team inzwischen selbst. „Ursprünglich

lag mein Schwerpunkt auf Business-Bekleidung“,

erzählt Darani. Die Praxis

weiß es besser. Schon kurz nach der Gründung

verschiebt er seinen Fokus auf Hochzeiten.

Immer mehr Bräute schicken heimlich

Fotos ihrer Kleider, um sicherzugehen, dass

beide Outfits harmonieren. Darani schmunzelt:

„An diesem großen Tag wollen Frauen

wie Männer perfekt aussehen.“ Expandieren

will der Existenzgründer vorerst nicht. Neue

Produktlinien sind allerdings in Planung. In

Kooperation mit einem schwäbischen Hersteller

will Darani auch Hüte nach Maß vertreiben.

Und so nicht nur in, sondern auch auf

den Köpfen seiner Kunden einen bleibenden

Eindruck hinterlassen. [!] RONJA GYSIN

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[spezial] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Auf der Kriechspur

Mittelständlern auf dem Land droht ohne Breitband-Ausbau der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Schnelles Internet

wird zum Standortfaktor. Die Landkreise Göppingen und Alb-Donau haben das erkannt und ergreifen die Initiative.

Foto: © Deutsche Telekom

Die Telekom baut ihr Glasfasernetz aus. Doch viele Firmen auf dem Land sind noch nicht eingebunden.

Die Digitalisierung der industriellen Fertigung

ist eines der großen Zauberwörter.

Damit Industrie 4.0 gelingt und

Mittelständler auch im ländlichen Raum

wettbewerbsfähig bleiben, kommt dem Ausbau

der digitalen Infrastruktur entscheidende

Bedeutung zu. Der Grund: „Heute fallen in

Unternehmen große Mengen von Daten an,

gleichzeitig ist hohe Rechenleistung zu immer

günstigeren Preisen verfügbar“, erklärt

Nikolaus Hertle, IT-Experte der IHK Ulm. In

einer zunehmend digital vernetzten Wirtschaft

wird die Übertragungsgeschwindigkeit

von Daten zum kritischen Faktor.

Die Folgen sind absehbar, Geschäftsmodelle

werden sich ändern. Hertle hält es für denkbar,

dass beispielsweise die Wartung von Maschinen

stark digitalisiert wird. Neben einer

vollständigen Wartung via Internet ist es

denkbar, dass Servicetechniker die Baupläne

und wichtigen Informationen zum Gerät

über eine Datenbrille mit dem Wartungsbetrieb

austauschen. Voraussetzung dafür ist jedoch

eine schnelle Daten-Verbindung. Denn

zum Wesen von Datenbrillen gehört es, dass

Videodateien und dreidimensionale Grafiken

ausgetauscht werden. Diese Datenfülle überfordert

langsame Internetverbindungen.

AUS DER KAISERZEIT

Aber was heißt langsam, was ist schnell? Der

von Netzanbietern und kommunalen Stellen

momentan angestrebte Standard sind 50 Megabit

(Mbit) pro Sekunde im Download. Das

stellt eine halbwegs schnelle und verlässliche

Übertragung größerer Datenmengen sicher.

Für aufwändigere Anwendungen, wie etwa

ausgelagerte Cloudspeicher oder die angeführte

Datenbrille empfehlen Experten Geschwindigkeiten

von bis zu 300 Mbit pro

Sekunde.

Der überwiegende Teil deutscher Haushalte

und Unternehmen ist momentan noch an ein

Kupferkabelnetz angeschlossen. Dessen älteste

Teile stammen aus der Zeit des Kaiserreiches.

Für diese Kabel, die meist mit der (V-)

DSL Technik funktionieren, sind 50Mbit pro

Sekunde eine sehr hohe, meist unerreichte

Geschwindigkeit. Das Tempo der Datenübertragung

hängt im Einzelfall von vielen Faktoren

ab. Etwa von Länge, Durchmesser und

Zustand der Leitung, vor allem aber auch davon,

ob es elektromagnetische Störfaktoren

gibt. Oftmals muss der Kunde froh sein, wenn

er auf dem Land überhaupt ein Mbit pro Sekunde

erreicht. Das verlässliche Ausführen

datenaufwendiger Internetanwendungen ist

mit dieser Technik unmöglich.

Die jüngste Entwicklung im Bereich der Kupferkabel

ist das sogenannte „Vectoring“. Diese

Technik kann elektromagnetische Störungen

verringern, indem sie die Signale zwischen

dem Kabelverzweiger (das sind die grauen

Kasten am Straßenrand mit hohem Zierwert)

und dem Modem beim Kunden besonders kodiert.

Theoretisch

ermöglicht diese

Technologie mindestens

100 Mbit

pro Sekunde. In

der Praxis ist dieses

Aufmöbeln der

Kupferleitungen

nur begrenzt möglich.

Einerseits

Nikolaus Hertle,

IT-Experte der IHK Ulm

nimmt der Effekt

sehr schnell ab,

wenn die Leitung

zwischen Verzweiger

und Modem etwas länger wird, andererseits

ist die physikalisch mögliche Übertragungsgeschwindigkeit

bald wieder erreicht.

Nach Ansicht von Experten wird die Grenze

24


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[spezial]

Debatte um Netzneutralität

Foto: © Gina Sanders / Fotolia.com

Das Tempo des Netzausbaus und die Netzneutralität werden derzeit intensiv diskutiert.

Karin Welz

Inhaberin

Ein in der Diskussion um den Breitbandausbau

häufig wiederkehrendes Thema

ist die Diskussion um die Netzneutralität.

Darunter versteht man, dass alle

Daten-Pakete mit der gleichen Priorität

und Geschwindigkeit befördert werden.

Das ist bisher gesetzlich geschützt. Die

Frage ist: Kann nach einer möglichen Abschaffung

der Netzneutralität ein attraktiveres

Netz geschaffen werden? Dabei wird

davon ausgegangen, dass Unternehmen

einen schnelleren Transport ihrer Daten

entsprechend bezahlen. So könnte der

Netzausbau für Anbieter attraktiver werden.

Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter

des Alb-Donau-Kreises, lehnt dies

ab: „Die Netzneutralität ist der Garant für

Wettbewerb auf dem Markt, gleichzeitig

verhindert sie Benachteiligung von kleineren

Betrieben.“ Auch der Göppinger Wirtschaftsförderer

Alexander Fromm unterstützt

diese Position nachdrücklich. Und

selbst der Netzanbieter Telekom ist nicht

der Ansicht, dass die Abschaffung der

Netzneutralität den Ausbau des Breitbandes

beschleunigen würde.

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wohl bei etwa einem Gbit pro Sekunde auf

einer Länge von maximal 70 Metern liegen.

Damit kann diese Lösung eine kurzfristige

Verbesserung für Kunden in Ballungsgebieten

sein, für den Breitbandausbau in der Fläche

ist sie ungeeignet.

RÜCKGRAT AUS GLASFASERN

Die langfristig beste Lösung ist das Verlegen

von Glasfaserkabeln, da ist sich Hertle mit anderen

Experten einig. Man spricht in diesem

Fall vom Ausbaustandard FTTH/B (engl. Fibre

to the home/building). Mit dieser Technik

können Daten auf ihrem Weg durch die Fasern

Lichtgeschwindigkeit erreichen, die

Übertragungsrate wird hauptsächlich

von der Dicke

des Kabels und der

Anzahl der darin

enthaltenen einzelnen

Fasern

bestimmt.

Der Haken

daran: Die

Glasfaserleitung

muss von der Vermittlungsstelle über

die Knotenpunkte bis ins Gebäude des Kunden

führen. Für die Hauptkabel, auch „backbone“

(Rückgrat) genannt, „haben wir leistungsfähige

Höchstgeschwindigkeitsnetze

aus Glasfaser mit Bandbreiten im Gigabit-pro-

Sekunde-Bereich“, sagt Telekom-Sprecher Hubertus

Kischkewitz. Die Verbindung zwischen

Vermittlungsstelle und Verteiler erfolge

im Ausbaustandard FTTC (Fibre to the Curb).

Für Kommunen stellt dieses FTTC-Netz wiederum

das lokale Glasfaser-Rückgrat .

Wie aber kann ein Betrieb oder Haushalt an

den FTTH/B-Standard kommen, wenn er

schnelles Internet benötigt? Laut dem deutschen

Telekommunikationsgesetz sind für

den Ausbau der Netze zunächst die privaten

Netzanbieter zuständig. Im Südwesten sind

das vor allem die Telekom und Unitymedia.

Schwierig und teuer ist der Ausbau im ländlichen

Raum. Der Tüv hat für das Land Rheinland-Pfalz

diese Kosten berechnet: In Ballungsräumen

fallen bis zu 2500 Euro pro

Haushalt an, in dünn besiedelten Regionen

bis zu 5345 Euro je Haushalt. Diese Thematik

25

im gesamten Prozess von der Abstimmung

des Positionsprofils bis zum erfolgreichen

Abschluss

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[spezial] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

kennen die Kreise Göppingen und Alb-Donau

nur zu gut. Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter

und stellvertretender Landrat im Alb-

Donau-Kreis, hat früher die Breitbandversorgung

für die

Landesregierung

Baden-Württembergs

geplant und

ausgearbeitet. Er

sagt: „Tendenziell

nimmt die Geschwindigkeit

des

Internets im Alb-

Donau-Kreis ab, je

weiter man sich

Wirtschaftsförderer von der Stadt Ulm

Alexander Fromm. entfernt. Doch

schwankt sie teilweise

sogar von Straßenzug zu Straßenzug

stark. Warum gerade Unternehmen das Nachsehen

haben, erklärt der Göppinger Wirtschaftsförderer

Alexander Fromm. Er berät

Gemeinden und plädiert für das Verlegen von

Glasfaserleitungen. „Sorgen machen mir unsere

Gewerbegebiete, die nicht nur im Landkreis

Göppingen, sondern auch in Baden-

Württemberg vielfach zu den am

schlechtesten versorgten fünf Prozent gehören,“

sagt Fromm. Der Grund: Aus wirtschaftlichen

Gründen hätten die Netzbetreiber

beim bisherigen Breitbandausbau diese Gebiete

regelrecht „gemieden“. Denn ob der Telekommunikationsanbieter

einen Vertrag mit

100 Haushalten oder zehn Betrieben auf der

gleichen Fläche abschließt, ist ein großer wirtschaftlicher

Unterschied.

FIRMEN IM NACHTEIL

Die beiden Landkreise werden dann tätig,

wenn der Markt versagt und sich kein Anbieter

für den Breitbandausbau findet. Sie haben

daher Planungsverfahren angestoßen, um das

Tempo in Sachen digitale Infrastruktur zu erhöhen.

Die ersten Baumaßnahmen laufen bereits.

Dabei haben Fromm und Scheffold das

gleiche Ziel: flächendeckend möglichst viele

Glasfaseranschlüsse. Laut Scheffold wird das

aber mindestens 15 Jahre dauern. Im Ausbau

des Kupfernetzes sehen die beiden Landkreise

keine nachhaltige Alternative. Scheffold: „Im

Jahr 2007 musste ich bei der EU für den Standard

von einem Mbit pro Sekunde kämpfen,

heute reden wir von Mindeststandards von 50

Mbit pro Sekunde. Diese rasante Entwicklung

macht es aus Nachhaltigkeitsgründen notwendig,

auf Glasfaser zu setzen. Nur so ist die

Infrastruktur für kommenden Geschwindigkeitszuwachs

gewappnet.“

In Göppingen bietet Wirtschaftsförderer

Fromm den Kommunen zwei unterschiedliche

Modelle an, um Netzbetreiber anzulocken:

„Das Deckungslückenmodell sieht vor,

den Ausbau durch einen privaten Betreiber

soweit zu subventionieren, bis er für den diesen

wirtschaftlich ist. Dabei erhält der Anbieter

den Zuschlag, der die geringsten Zuschüsse

benötigt. Beim Betreibermodell hingegen

baut die Kommune das Netz und verpachtet

es später an den Betreiber, der so weniger Risi-

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26


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[spezial]

Foto: © Sander / Fotolia.com

ko trägt.“ Im Alb-Donau-Kreis kommt nur das

Betreibermodell zum Einsatz. Heiner Scheffold

erklärt warum: „Beim Deckungslückenmodell

muss man in die Struktur eines privaten

Anbieters investieren und macht sich so

von diesem abhängig. Das wollen wir nicht.“

Fromm sieht sich beim zweiten Modell allerdings

auch einem Problem gegenüber: „Häufig

ist es so, dass dort wo die Kommunen mit

Planungen oder Maßnahmen beginnen, die

Telekommunikationsbetreiber rasch ein eigenes

Netz auf die Beine stellen und die Pläne

der Kommune schnell obsolet werden. Das

Deckungslückenmodell ist eine vom Bund

geförderte Alternative, die solchen Dopplungen

vorbeugen kann. Zudem liegen die lokalen

Glasfaser-Backbones privater Anbieter im

Landkreis Göppingen oft nahe am Ort, so dass

hier der Weiterbau eines privaten Glasfasernetzes

zu den einzelnen Häusern oder Gewerbebetrieben

viel einfacher realisiert werden

kann. Wir legen den Gemeinden dann nahe

zu prüfen, ob sie mit dem Deckungslückenmodell

eine vielleicht wirtschaftlichere und

schnellere Ausbauoption haben.“

Beide Landkreise setzen auf Kooperation mit

anderen Landkreisen. Ein Beispiel ist der Verbund

Komm.Pakt.Net, in dem sich der Alb-

Donau-Kreis mit sieben anderen Landkreisen

organisiert hat. Laut Scheffold ist es Ziel des

Verbundes, Fixkosten zu teilen, Knowhow zu

sammeln und anzubieten sowie Netze größer

und damit wirtschaftlicher zu machen.

Der Weg zum schnelleren Internet führt also

über die Landkreise und Kommunen. Den

Hintergrund des deutlichen Engagements

dieser Akteure erklärt der Göppinger Fromm

so: „Ich sehe in einer funktionierenden Glasfaserversorgung

eine unabdingbare Voraussetzung,

um den bei uns ansässigen Firmen

und Gewerbetreibenden eine zeitgemäße,

schnelle Kommunikation gewährleisten zu

können.“ Scheffold ergänzt: „Für junge Leute

ist eine langsame Internetverbindung heute

ein Ausschlusskriterium für einen Wohnort.“

Trotz des Engagements der Gemeinden wird

es aber bei den meisten noch eine ganze Weile

dauern, bis das Glasfaserkabel in die Steckdose

im Betrieb mündet.

Flächendeckenden

Ausbau

erwartet die Telekom

erst in den

späten 2030er Jahren.

Wer nicht

warten will oder

kann, wird wohl

nicht umhinkommen

und den Faserstrang

selbst bis

zum nächsten Verteilerkasten

mit

Heiner Scheffold, Erster

Landesbeamter.

Glasfaseranschluss legen müssen. [!]


GABRIEL BOCK

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27


[rubrik] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen: Enerquinn optimiert auch die Stromversorgung einer der vielen tausend Malediven-Inseln optimieren.

Energiesparen im Paradies

Mit klugen Konzepten für Strom und Wärme lässt sich viel Geld sparen. Das kleine Unternehmen Enerquinn aus

Weingarten setzt Projekte weltweit um – von den bayerischen Alpen bis zu den Malediven.

Die Pleitewelle der Solarunternehmen

ist an Enerquinn vorbeigegangen. Sein

besonderes Geschäftskonzept hat den

Mittelständler aus dem oberschwäbischen

Weingarten gerettet. Und nicht nur das: Das

Unternehmen expandiert, sucht Fachkräfte.

Enerquinn ist eben nicht nur eine Firma, die

Solardächer plant und installiert. Vielmehr

verstehen sich die gefragten Spezialisten als

führende Experten für die Full-Service-Planung

und – Umsetzung von Blockheizkraftwerken

und Photovoltaik-Speicheranlagen.

Sie kennen sich mit Wärme und Strom aus

und kombinieren beides so erfolgreich, dass

sie mittlerweile rund 1000 dezentrale Energieerzeugungssysteme

warten, hauptsächlich

im süddeutschen Raum. Die Hälfte davon haben

sie selbst geplant und installiert, zwischen

100 und 120 Anlagen verkaufen sie pro

Jahr. Zu ihren Kunden gehören vor allem Hotels,

aber auch Gewerbe, Kommunen, Gesundheitseinrichtungen,

Wohnungsbaugesellschaften

und private Häuslebauer.

1000 DEZENTRALE PROJEKTE

Weil so gut wie kein Gebäude dem anderen

gleicht, gibt es auch keine hundertprozentigen

Standardlösungen, wie Stefan Oexle-

Ewert, einer der beiden Geschäftsführer, betont.

„Überall werden die Rohre anders

gebogen“ – will heißen: Die Planung und Installation

muss mit Architekten, Handwerkern

und dem Auftraggeber individuell abgesprochen

werden. Dennoch gibt es

Abstufungen in der Planungsintensität. Es

geht vom „richtigen Projektgeschäft“ bis zum

„Beinahe-Standard-Geschäft“,

sagt Oexle-Ewert.

So ist es ein Unterschied,

ob Enerquinn

ein 250-kW-

Blockheizkraftwerk

für die 2013

eröffnete „Carthago-City“

des oberschwäbischen

Reisemobilherstellers

Oexle-Ewert.

Geschäftsführer Stefan

Carthago in Aulendorf

realisiert oder eines für ein Vier-Familien-

Haus. Doch die „Leuchtturmprojekte“ sind

wichtig für das Unternehmen. Sie machen

Enerquinn bekannt und zeigen die große Vielfalt

der realisierten Lösungen.

28


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[machen]

Wichtig ist das in

der Hotellerie.

„Die Branche ist

hervorragend vernetzt.

Gute Lösungen

sprechen sich

schnell herum“,

weiß der Diplom-

Ingenieur. Eine Solaranlage

auf dem

Geschäftsführer

Dach und ein

Mark Lehnertz.

BHKW sei auch

gut fürs Image. Es

gebe immer mehr „grüne Hotels“, die mit Umweltfreundlichkeit

und sanftem Tourismus

ihre Gäste finden. „Aber vor allem ist Energie

der nächstgrößte Kostenblock nach dem Personal

in einem Hotel.“

Enerquinn kann Zahlen vorweisen, die auch

den Laien beeindrucken. In einem der gefragtesten

Wellness-Hotels in Bayern, dem 4-Sterne-Hotel

Prinz-Luitpold-Bad in Bad Hindelang,

war die Firma beim Einbau von drei

BHKWs dabei. Ergebnis: etwa 160 Tonnen

CO2-Reduktion pro Jahr und 66.000 Liter weniger

Heizöl. Eine Auszeichnung durch das

Klimaschutzprojekt Allgäu gab’s obendrauf.

Bald zehn Jahre hat die Firma nun Know-how

und Erfahrung im Bereich der dezentralen

und effizienten Strom- und Wärmeversorgung

angesammelt. Da lag es für die Enerquinn-Leute

nahe, den Fokus noch etwas zu

erweitern und das Thema „Energiemanagement“

insgesamt in den Blick zu nehmen. Es

geht nicht mehr nur darum, Energie zu erzeugen,

es geht darum, sie zu messen, sie sichtbar

zu machen, sie möglichst sinnvoll einzusetzen.

Das kann ein Thema für ein Einfamilien-

Haus sein, in dem Waschmaschine und Spülmaschine

per App oder automatisch in dem

Moment gestartet werden, wenn die Solaranlage

auf dem Dach genügend Strom liefert.

„Energiemanagement“ umfassend gesehen ist

aber natürlich auch für große Produktionshallen

wichtig, in denen beispielsweise Maschinen

arbeiten, die viel Strom verbrauchen.

Wurde im Rahmen des Klimaschutzprojektes Allgäu ausgezeichnet: Das Hotel Prinz-Luitpold-Bad in

Hindelang.

Aufwändige Messungen und Analysen können

da zu einfachen Ratschlägen führen.

„Wenn morgens um halb sieben die Leute

kommen und nicht mehr alle gleichzeitig den

Hebel an ihrer Maschine umlegen, können

wir Spitzenlasten kappen“, sagt Oexle-Ewert.

SOLAR-HYBRID STATT DIESEL

Jetzt aber zieht es ihn erst einmal wieder hinaus

in die weite Welt. Enerquinn hat an einer

Ausschreibung der Asiatischen Entwicklungsbank

teilgenommen und den Auftrag

erhalten, die Stromversorgung eines der vielen

tausend Inselchen der Malediven neu zu

gestalten – mit dem Ziel, Kosten zu sparen

und den CO2-Ausstoß zu senken. Bisher wird

die Insel von einem Diesel-Generator mit

Strom versorgt, der rund um die Uhr läuft, ob

Strom gebraucht wird oder nicht. Oexle-Ewert

hat eine Solar-Hybrid-Anlage installiert, die

mit Lithium-Ionen-Stromspeichern gekoppelt

ist. Der Dieselgenerator fährt nur noch

bei Spitzenlasten hoch. Der CO2-Ausstoß soll

dabei von 110.000 auf 50.000 Tonnen im Jahr

sinken. Jetzt wird er die Anlage mit einheimischen

Technikern vollends in Betrieb nehmen.

Und dann geht’s gleich noch zur Nachbarinsel.

Alle benötigten Teile sind bereits per

Schiff geliefert. Auch dort sorgt Enerquinn für

saubere Energie. [!] CHRISTOF SCHRADE

Auf vier

Kontinenten aktiv

Im Jahr 2007 gründeten die beiden

ehemaligen Absolventen der Hochschule

Ravensburg-Weingarten, die Diplom-Ingenieure

Stefan Oexle-Ewert

und Mark Lehnertz, die Enerquinn

Energiesystemtechnik GmbH. Sie fungieren

seither beide als Geschäftsführer.

Während Oexle-Ewert vor allem

Know-how aus dem Photovoltaik-Bereich

mitbrachte, hatte sich Lehnertz

auf Blockheizkraftwerke spezialisiert.

Die Kombination dieser beider Welten

ermöglichte dem Unternehmen mit

Sitz in Weingarten, sich als Spezialist

für dezentrale Envergieversorgungssysteme

zu etablieren. 18 Mitarbeiter sind

hauptsächlich in Süddeutschland aktiv

und erwirtschaften einen Umsatz von

rund fünf Millionen Euro. Enerquinn hat

aber auch Projekte in ganz Europa, Afrika,

Asien und der Karibik realisiert. CRI

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[namen & nachrichten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Schuler strafft sich für die Zukunft

So sozialverträglich wie möglich

will der Göppinger Pressenbauer

Schuler den geplanten Stellenabbau

gestalten. Das verspricht Vorstandschef

Stefan Klebert. Der

Grund für die Neuausrichtung:

Der Pressenhersteller will noch

effizienter werden.

Deutschland soll der zentrale

Standort für Forschung, Entwicklung

und Hightech bleiben, in

der Produktion wird hingegen

gespart. Bis Ende 2017 wird die

Fertigung von sieben auf vier

Standorte konzentriert. Davon

betroffen sind rund 450 Mitarbeiter

in Weingarten, Waghäusel

und Netphen. Der Stammsitz

Göppingen bleibt unberührt.

Im vergangenen Jahr lief es für

Schuler gut. Der Umsatz stieg

leicht auf 1,2 Milliarden Euro –

das ist der zweithöchste Stand in

der 176-jährigen Firmengeschichte.

Das Betriebsergebnis,

ohne die Einmal-Belastungen des

neuen Produktionskonzepts gerechnet,

liegt mit rund 139 Millionen

Euro auf Rekordniveau.

Künftig Parkhäuser

in Gewerbegebieten?

Die Stadt Ravensburg und ihre

Nachbarn Weingarten, Baindt

und Baienfurt haben kaum noch

freie Gewerbeflächen. Ein 24 Hektar

großes Gewerbegebiet im Westen

von Ravensburg hätte den Bedarf

bis 2020 decken sollen, ist

aber schon so gut wie ausverkauft.

16.000 Kilo-Newton sind für Laien ein nicht vorstellbarer Wert. Mit dieser

Kraft formt diese Schuler-Presse Teile für einen Hausgerätehersteller.

Allein die Stadt Ravensburg

benötigt bis 2030 bis zu 68

Hektar an Gewerbeflächen.

Um den Flächenverbrauch

gering zu halten,

denkt die Stadt über

Parkhäuser in ihren Gewerbegebieten

nach. [!]

„Wir sind so gut aufgestellt wie

seit Jahrzehnten nicht mehr“,

fasste Vorstandschef Stefan Klebert

zusammen, goss aber zugleich

Wasser in den Wein: Die

Schuler AG, die knapp 5200 Mitarbeiter

beschäftigt, müsse sich

auf schlechtere Zeiten gefasst machen.

Klebert blickt nur noch „begrenzt

optimistisch“ in die Zukunft

und rechnet mit einer

Abschwächung der Konjunktur.

Weltweite politische Unsicherheiten

dämpften die Investitionsfreude,

zudem normalisierten

sich die

Wachstumsraten in China

– was den Vorstandschef

jedoch nicht davon abhält, weiter

auf diesen Markt zu setzen.

Nach einem „spürbaren Rückgang“

von Umsatz und Ergebnis

glaubt Klebert langfristig an ein

Wachstum und will den Pressenbauer

zu einem Zwei-Milliarden-

Umsatz führen.

Die Schuler AG, die mehrheitlich

zum österreichischen Andritz-

Konzern gehört, kaufte zudem

den sächsischen Werkzeugbauer

Aweba. Dieser kam 2015 mit 600

Mitarbeitern auf 60 Millionen

Euro Umsatz. Das 1882 gegründete

Unternehmen aus Aue beliefert

unter anderem Automobilzulieferer

und Maschinenbauer.

Aweba ist der zweite größere Firmenkauf

seit Sommer 2015, als

Schuler die Mehrheit am chinesischen

Pressenbauer Yadon übernahm.

[!] SU

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unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[namen & nachrichten]

Autozulieferer EBZ wächst rasant

Der weltweit tätige Zulieferer der

Autoindustrie EBZ mit Stammsitz

in Ravensburg will in diesem

Jahr die Marke von 1000 Beschäftigten

erstmals überspringen.

EBZ hatte zum Ende des vergangenen

Jahres dem Heidenheimer

Voith-Konzern an dessen Standort

in Ravensburg ein knapp

neun Hektar großes Industrie-

Areal abgekauft. Während Voith

am Standort Ravensburg in den

vergangenen Jahren Stellen abgebaut

hatte, suchte EBZ dringend

Flächen für Montage, Fertigung

und Büros. Mittlerweile hat der

Karosseriebau-Spezialist auf dem

bisherigen Voith-Gelände 15.000

Quadratmeter Hallenfläche belegt.

Bald kommen 5000 Quadratmeter

Bürofläche hinzu. EBZ ist

Blick in die Produktion des Karosseriebau-Spezialisten EBZ.

1995 durch die Fusion der Ziege

& Wolf Konstruktionen GmbH

mit der Bausch & Lotze GmbH

entstanden. 2008 übernahm EBZ

das Ravensburger Werk von

Thyssen-Krupp Drauz Nothelfer.

EBZ hat unter anderem Standorte

in Polen, China, Indien und den

USA. 2014 erwirtschafteten 900

Mitarbeiter, 700 davon am Firmensitz,

einen Umsatz von 370

Millionen Euro. [!]

CRI

Vetter baut, wächst

und schafft neue Stellen

Der Ravensburger Pharma-

Dienstleister Vetter baut

für 70 Millionen Euro ein

neues Produktionsgebäude

am Firmensitz. Anfang

2019 soll das Gebäude

in Betrieb

genommen werden.

Auf 8000 Quadratmetern

werden dort

Spritzen abgefüllt,

außerdem entstehen

Büroflächen

und eine Kantine.

Auch zwei weitere

Standorte in Ravensburg

sollen im Rahmen

eines „Investitionspakets“ in den

nächsten Jahren ausgebaut werden.

Vetter ist weiter auf Wachstumskurs:

Der Umsatz stieg 2015

im Vergleich zum Vorjahr um

knapp 10 Prozent auf rund 460

Millionen Euro. 2016 plant das

Familienunternehmen außerdem,

300 zusätzliche Arbeitskräfte

einzustellen. Derzeit zählt Vetter

3600 Mitarbeiter. Das 1950 als

Apotheke gegründete Unternehmen

ist einer der weltweit führenden

Pharmadienstleister für

die keimfreie Abfüllung und Verpackung

von Spritzen und anderen

Injektionssystemen. [!]

Investition

in Kliniken

Die Waldburg-Zeil-Kliniken wollen

bis 2019 rund 20 Millionen

Euro in Wangen im Allgäu investieren.

Hintergrund sind die hohe

Auslastung und die starke Nachfrage.

Die Fachkliniken Wangen

gehören zu den führenden Spezialeinrichtungen

für Atemwegsund

Lungenerkrankungen. Der

Großteil der Investitionen fließt

ins Haupthaus. 2016 wollen die

Fachkliniken Wangen mehr als

40 Millionen Euro umsetzen. 700

Beschäftigte hat der Standort, der

zu den privaten Waldburg-Zeil-

Kliniken gehört. Diese erzielten

2014 an 12 Standorten mit mehr

als 3000 Mitarbeitern 170 Millionen

Euro Umsatz. [!]

Weiße Flotte

im Plus

Die Unternehmen der „Weißen

Flotte“ am Bodensee haben zum

Saisonstart 2016 die Vorjahreszahlen

bekannt gegeben. Danach

stiegen die Fahrgastzahlen um

1,4 Prozent gegenüber dem Jahr

2014 auf mehr als 3,6 Millionen

Ausflügler. Allerdings konnten

nicht alle Betriebe zulegen: Die

Kursschifffahrt auf dem Rhein

war wegen des heißen Sommers

und des niedrigen Wasserstands

an 52 Tagen unterbrochen. „Die

Weiße Flotte“ am Bodensee vereint

deutsche, österreichische

und schweizerische Schifffahrtsbetriebe.

[!]

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Kraftstoffverbrauch kombiniert von 7,2 l/100 km – 4,4 l/100 km.

CO2-Emissionen kombiniert von 165 g/km – 116 g/km (gem. vorgeschriebenem Messverfahren).


[rubrik] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Für solche kleinen Flickstellen ist schweres Gerät zu groß, daher bringen die Mitarbeiter die Asphaltschicht von Hand auf.

Fotos: Marc Hörger

Da, da, da – und da

Geiger und Schüle hat viele Referenzprojekte in der Region. Firmenchef Rolf Mezger kann sie alle aufzählen. Das

Geschäft läuft gut, auch weil sich das traditionsreiche Ulmer Tiefbauunternehmen immer wieder neu ausgerichtet hat.

Rolf Mezger verkneift sich beim Autofahren

Kommentare. „Da, da, da und da

waren wir auch dabei“, zählte der Geschäftsführer

von Geiger + Schüle Bau früher

laut auf, wenn er an den Projekten der Tiefbaufirma

vorbeifuhr. Darauf verzichtet er

nun. „Meine Frau will das nicht mehr immer

hören“, begründet er das und schmunzelt.

Dass er stolz auf die Arbeiten seines Unternehmens

ist, kann man verstehen. Für Außenstehende

sind sie allerdings nicht zu erkennen.

Sie stecken vollständig oder zumindest

zum größten Teil in der Erde. Mit ästhetischen

Qualitäten lässt sich dabei nur selten punkten,

dann etwa, wenn öffentlicher Raum mit

einer „Oberflächenbefestigung“ zu versehen

ist und der Anspruch über die reine Asphaltierung

hinausreicht. Hochbauer haben es da

einfacher, Vorzeigeprojekte zu präsentieren.

Andererseits haben Tiefbauer wie „Geiger +

Schüle Bau Ulm“ (G+S) die weitaus längeren

Baustellen. Mitunter sind sie zig Kilometer

lang wie im Falle der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm,

an der man mit von der Partie ist. .

MIT VON PARTIE BEI LINIE 2

Oder sie gehen quer durchs Stadtgebiet wie im

Falle der künftigen Straßenbahnlinie 2 in

Ulm. An solchen Aufgaben beteiligt zu sein,

„macht uns sehr stolz“. Und sie machen sich

im Leistungsportfolio natürlich auch gut.

Aber sind Leuchtturmprojekte bei G+S wirklich

noch vonnöten? Die Wurzeln des Unternehmens

reichen ins Jahr 1904 zurück, und

zudem gibt es viele „Da-da-da-und-da“-Projekte.

Mezger will sich aber nicht auf den Lorbeeren

von einst ausruhen und sagt: „Wer sich als

Unternehmen nicht ändert, ist tot.“ G+S beherzigt

diese Devise und überstand dadurch

tiefe Konjunkturtäler, die andere Ulmer Baubetriebe

vor 10, 20 Jahren im Ruin enden ließen.

Zu etwa 80 Prozent sei seine Firma von

öffentlichen Aufträgen abhängig, erläutert

Mezger. Das Ausweichen auf neue Märkte im

Falle von Einbrüchen? Im Gleisbau ist das

kaum möglich. Schon jetzt belaufe sich der

Aktionsradius auf den süddeutschen Raum.

Im klassischen Tiefbau ist dies auch schwie-

32


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[machen]

Traditionsreiches Familienunternehmen

Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Rolf (links) und Johannes Mezger.

Geiger + Schüle Bau entstand 1990 im

Zuge der Fusion der beiden Ulmer Baufirmen

Franz Geiger (seit 1923) und Andreas

Schüle (seit 1904). Geschäftsführende

Gesellschafter sind die beiden Cousins

Rolf und Johannes Mezger, die „dritte Generation“

der Mezgers – gerechnet ab ihrem

Großvater, der die Firma Geiger übernommen

hatte. Zur Firmengruppe, die

zuletzt einen Jahresumsatz von 30 Millionen

Euro erzielte, gehören die Firma Bühler

(Erdbau, Entsorgung, Container) und

die Firma Scheffler (Rohrleitungsbau,

Heizung, Klima, Sanitär), die als selbstständige

Einheiten geführt werden. Hinzu

kommt die Firma Soiltec, Spezialist für

Flüssigboden. Bei Großaufträgen ist es

bei G+S ein eingespieltes Verfahren, sich

mit anderen Firmen zu einer Arbeitsgemeinschaft

zusammenzuschließen. THV

rig. Würden die Entfernungen zu den Baustellen

zu groß, bliebe der Deckungsbeitrag buchstäblich

auf der Strecke. Zu normalen Zeiten

bewege man sich hier in einem Radius von 40

Kilometer um Ulm herum.

Lösen Deutsche Bahn und Öffentliche Hand

– wie angekündigt – ihre Investitionsstaus

auf, stehen G+S goldene Jahre bevor, oder

nicht? Mezger verfällt nicht in Euphorie, aber

er rühmt die Wirtschaftsstärke der Region.

Was sich im investitionsfreudigen Ulm und

entlang der A 7 und der A 8 abspiele, sei unglaublich.

Entsprechend ist die Zahl der Mitarbeiter

in den vergangenen Jahren stetig auf

jetzt 170 Beschäftigte gewachsen.

Wer Gleisanlagen baut, Bahnsteige, Straßen,

Betriebshöfe und Lärmschutzwände, wer Versorgungsnetze

legt, Kanäle und Leitungen,

wer Erschließungen vornimmt und in der

Bauwerksanierung tätig ist, muss heute eine

hohe Zahl von Qualitätsstandards einhalten.

Zeugnis davon ist die „Bilderwand“ im Besprechungszimmer

mit all den Zertifikaten, ohne

die bei vielen Auftraggebern heute gar nichts

mehr geht. Aber G+S geht auch proaktiv vor.

Angebote würden selten ohne Nebenangebot

abgegeben. Mezger sieht darin einen weiteren

Beleg, „dass wir uns im Vorfeld Gedanken machen,

wenn wir uns einer Aufgabe stellen“.

Auch Innovation spielt ein wichtige Rolle. Als

Beispiel führt der G+S-Geschäftsführer die Bereiche

Vermessung, Maschinensteuerung und

Schnellwechseleinrichtungen an. In diesen

werden dank GPS-Daten und einem Set an Anbaugeräten

Arbeiten schneller und präziser

erledigt. Weiterentwickelt hat G+S auch das

Flüssigboden-Verfahren, bei dem Leitungen

oder Rohre in ein Gemisch aus Aushub, Wasser,

Zement und Zusatzstoffen eingebettet

werden, das G+S jetzt auch außerhalb des Kanalbaus

einsetzt .

„Als Mittelständler den Markt verteidigen

und den Personalbedarf sicherstellen“, nennt

Mezger als Ziele. „Nur mit guten und motivierten

Mitarbeitern kann man die Aufgaben,

welche uns gestellt werden bewältigen.“ Damit

der Betrieb ebenso in seiner technischen

Ausstattung auf der Höhe der Zeit bleibt, fließen

bis zu einer Million Euro pro Jahr in den

Maschinenpark. [!] THOMAS VOGEL

33


[finanzieren] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Vorsicht, Stolperfalle!

Hohe Liquidität, günstige Kredite: Bei der Finanzierung scheint es für Unternehmen derzeit keine Hemmnisse zu geben.

Doch der Eindruck täuscht. Die neuen Kapitalregeln Basel III verändern den Markt.

Mit seiner Hausbank hat Klaus-Peter

Bürckle lange Zeit gut zusammengearbeitet.

Das Geldhaus finanzierte

den kleinen Betrieb des Ulmers quasi von Beginn

an, wickelte den Zahlungsverkehr ab

und half auch bei den ersten Auslandsgeschäften.

Bei der Betriebsmittelfinanzierung hielt

sich das Geldhaus allerdings zurück. Obwohl

Bürckles Firma langsam, aber stetig wuchs

und vor drei Jahren einen Jahresumsatz von

knapp einer Millionen Euro machte, zögerte

das Institut, den Kontokorrentkredit von

10.000 Euro auf dem Geschäftsgirokonto heraufzusetzen.

Weil diese Linie hinten und vorne

nicht reichte, finanzierte der Unternehmer

sein operatives Geschäft notgedrungen über

Lieferantenkredite.

Erst nach einen

Runden-Tisch-Gespräch

auf Vermittlung

der IHK

Ulm setzte die

Bank das Limit auf

80.000 Euro, drei

Viertel davon als

feste Linie, 20.000

Euro als geduldete

Überziehung. Joachim Rupp, Finanzexperte

der IHK Ulm.

Angesichts des

Umsatzvolumens

seines Betriebes war das zwar weiter knapp

bemessen, aber immerhin eine Verbesserung.

Was Bürckle allerdings nicht wusste: Durch

die regelmäßige Inanspruchnahme der Überziehung

verschlechterte er langsam, aber stetig

sein verhaltensorientiertes Rating, das viele

Banken mit den neuen Eigenkapitalregeln

Basel III vor allem für ihre kleinen Unternehmenskunden,

die sogenannten Gewerbekunden,

eingeführt haben.

Um herauszufinden, wie solvent eine Firma

ist, verzichten viele Geldhäuser bei ihren Ge-

Augen auf bei der Wahl der Kreditform. Die

falsche kann fatale Folgen haben.

34


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[finanzieren]

werbekunden auf ein eigentlich notwendiges,

aber aufwendiges quantitatives Rating, bei

dem die Bilanzen unter die Lupe genommen

werden. Auch ein quantitatives Rating, in dessen

Rahmen potentielle Risikofaktoren für

das Unternehmen wie etwa die Abhängigkeit

von einzelnen Kunden identifiziert oder die

Managementqualität und die Unternehmensstrategie

analysiert werden, ist bei kleineren

und mittleren Unternehmen (KMU) eher die

Ausnahme als die Regel. Stattdessen erstellt

die Hausbank häufig zunächst nur ein Verhaltensrating

auf Basis der Kontoführung. Dauerhafte

oder häufige Überziehungen sind für die

Bank unweigerlich ein Risikosignal.

Welche Konsequenzen das hat, bekam Bürckle

unerwartet schnell zu spüren. Als nämlich

seine Firma über ein paar Monate hinweg in

die Verlustzone rutschte, kassierte die Hausbank

die stillschweigende Überziehungslinie

von heute auf morgen ein und gab eine Lastschrift

des Hauptlieferanten zurück statt sie

wie bisher anstandslos einzulösen, auch

wenn dadurch der Kontostand über das Limit

von 60.000 Euro gerutscht wäre. Folge: Die

Factoringgesellschaft des Lieferanten gab die

Information über die nicht eingelöste Lastschrift

unmittelbar an die großen Wirtschaftsauskunfteien

weiter. Automatisch sank dadurch

– für jeden sichtbar – die Bonitätsnote

von Bürckles Unternehmen und seine Kreditwürdigkeit

war von einem auf den anderen

Tag ruiniert. Nur mit viel Mühe konnte er zusammen

mit der IHK die Kreditlinie bei der

Hausbank retten und damit das Allerschlimmste

verhindern. Zu dem Zeitpunkt

lag seine Kreditakte schon in der Sanierungsabteilung,

obwohl sein Betrieb längst wieder

schwarze Zahlen schrieb.

KAUM ZEIT FÜR BERATUNG

Noch mögen solche Fälle die Ausnahme sein.

Doch deren Zahl könnte sich nach Einschätzung

von Joachim Rupp, Referent Unternehmensfinanzierung

der IHK Ulm, mit der Einführung

der neuen Eigenkapitalregeln für

Banken (Basel III)

häufen. Denn die

Auswirkungen

der neuen Regeln

sind gerade im

Gewerbekundengeschäft

gravierend.

Heute muss

sich nach den

Worten Rupps

der Kundenberater

einer Bank aus

Kostengründen

Prof. Tyrell Marcel,

Zeppelin-Universität.

um 200 bis 600 Kunden kümmern. Darunter

leide die Betreuung. „Dabei sind gerade die

kleinen Unternehmen angewiesen auf eine

fundierte Beratung durch ihre Hausbank“, betont

Rupp. Ganz nebenbei verzichte die Bank

auf ein lukratives, weil margenstarkes Geschäft.

Den Beratern fehle in vielen Fällen

schlicht die Zeit, Unternehmenskunden mit

hoffnungsvoller Perspektive zu identifizieren.

Skeptiker fürchten zudem, dass die Banken

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[finanzieren] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Hans-Peter Burghof, Prof.

an der Uni Hohenheim.

aufgrund von Basel III die Hürden bei der Vergabe

neuer Kredite heraufsetzen werden.

Doch Experten geben Entwarnung „Nach

meinen Beobachtungen haben die neuen Eigenkapitalregeln

den Markt für Unternehmensfinanzierungen

bislang nicht beeinträchtigt“,

sagt Marcel Tyrell, Professor für

Unternehmer- und Finanzwissenschaften an

der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

„Das liegt daran, dass in Deutschland ein

Großteil der Kreditvergabe über genossenschaftliche

Kreditinstitute und die Sparkassen

erfolgt – beides Bankengruppen, die von

der Verschärfung der Eigenkapitalregel nicht

besonders stark betroffen

sind, da die

Institute vor Ort

kaum internationales

Geschäft machen.

Zudem ist

die Kreditnachfrage

der Unternehmen

zurzeit nicht

besonders hoch.“

Sein Kollege Hans-

Peter Burghof, Inhaber

des Lehrstuhls

für

Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen

an der Universität Hohenheim ergänzt: „Natürlich

wird es immer wieder vorkommen,

dass ein Banker einen bestimmten Kredit

nicht vergeben will. Häufig wird er dies mit

Hinweis auf die Regulierung tun. Das hört

sich besser an als zu sagen, dass ihn das Projekt

nicht überzeugt. Das nenne ich dann eine

gefühlte Kreditklemme.“

Viele Unternehmen sind zudem nach Beobachtungen

von Experten in den vergangenen

Jahren unabhängiger geworden von den Banken,

weil sie hohe Eigenkapitalpolster aufgebaut

haben. Dadurch können sie einen Großteil

ihrer Investitionen aus dem Cash-flow

finanzieren. Nicht zuletzt überlagert die lockere

Geldpolitik der Europäische Zentralbank

(EZB) derzeit die Folgen von Basel III. Die

Geschäftsbanken schwimmen in billigem

Geld, nachdem die EZB ihre Leitzinsen vor einigen

Wochen auf null gesenkt und ihr Anleihenkaufprogramm

erneut aufgestockt hat.

KEIN KREDIT AUF VORRAT

Dennoch sollten Unternehmen nicht voreilig

handeln und Kredit quasi auf Vorrat aufnehmen

– aus Sorge, die Zeit der niedrigen Zinsen

könnte schon bald wieder zu Ende gehen und

Was Basel III für Banken bedeutet

Regulierungsvorgaben und Basel III erschweren vor allem kleineren Banken die Kreditvergabe.

Die neuen Eigenkapitalrichtlinien für

das Kreditgewerbe haben einen Kernpunkt:

Die Banken müssen vor allem ihre

Unternehmenskredite stärker als bisher

mit Eigenkapital unterlegen, um bei einem

Kreditausfall besser abgesichert zu sein.

Das Prinzip dabei: Je besser das Rating

eines Unternehmenskunden und je höher

die Sicherheiten, die er für den Kredit

stellt, desto weniger Eigenmittel muss

das Institut für den Kredit vorhalten.

Umge kehrt gilt: Je größer das Kreditrisiko,

desto stärker muss die Bank das Darlehen

abpolstern. Unternehmenskunden

mit schlechter Bonität müssen daher oftmals

einen Zinsaufschlag in Kauf nehmen.

die neuen Regeln die Aufnahme neuer Kredite

erschweren. „Auf mittlere Sicht bleibt uns die

Situation des billigen Geld wahrscheinlich

noch einige Zeit erhalten, auch wenn keiner

weiß, wie lange noch“, ist Burghof überzeugt.

Allein das macht eine Absicherung grundsätzlich

schwierig, denn der Mittelständler

weiß nicht, auf welche Sicht er plant. „Zudem

ist fraglich, ob sich die Banken für so lange

Zeiträume vertraglich binden wollen“, sagt

Burghof. Schon jetzt sind viele Unternehmen

außerdem überkapitalisiert. „Im Moment haben

viele Unternehmen hohe Liquidität und

die Investitionsneigung ist nicht besonders

ausgeprägt. Wenn sie sich nun weitere Liquidität

besorgen, die sie nicht benötigen, also

allein, um zu antizipieren, dass die EZB die

Zinsen irgendwann anheben wird, halte ich

das für eine Ressourcenverschwendung“, sagt

Finanzexperte Tyrell.

Zusätzlich zur Risikoanpassung der ausgegebenen

Kredite begrenzt das sogenannte

Leverage-Ratio das Volumen der

ausgegebenen Kredite im Verhältnis zum

vorhandenen Eigenkapital einer Bank. Der

Anteil des „harten“ Eigenkapitals an der

Bilanzsumme muss zudem eine bestimmte

Höhe erreichen. Dazu drohten die Banken

von den Aufsehern lange Zeit zu

einem zusätzlichen Kapitalpuffer verpflichtet

zu werden. Doch diese Idee ist

mittlerweile gelockert worden. Der individuelle

Kapitalpuffer, den die Europäische

Zentralbank jeder Bank vorschreiben

wollte, soll in einen Pflicht- und in einen

empfohlenen Teil aufgesplittet werden. TL

Dennoch sollten sich Firmen darauf einstellen,

dass Unternehmenskredite auf lange

Sicht teurer werden. „Die Regulierung macht

das Kreditgeschäft zunehmend umständlicher

für die Banken. Die Institute müssen

mittlerweile zu jedem noch so kleinen Kredit

detaillierte Informationen an die Aufsicht liefern“,

sagt Bankexperte Burghof. Er rechnet

vor diesem Hintergrund damit, dass der Bankensektor

vor einer weiteren Konsolidierung

steht, weil es für die Geldhäuser im Zuge der

Regulierung schwierig ist, „klein“ zu bleiben.

Dazu trägt bei, dass ein anonym – zum Beispiel

über eine Online-Plattform – vergebener

Kredit in puncto Risikobewertung und Eigenkapitalunterlegung

genauso behandelt wie

ein Kredit im Zuge einer langjährigen Hausbankbeziehung.

Dadurch fällt für viele mittelständische

Banken der Vorteil der Regionalität

und der Dezentralität weg. „Die Banken

36


Weltweit

ist einfach.

Wenn man für Investitionen

einen Partner mit internationalem

Netzwerk hat.

sparkasse.de


[finanzieren] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

werden auf der anderen Seite durch die sehr

massiven Regulierungsvorgaben belastet, die

eine erhebliche Fixkostenkomponente beinhalten.

Damit wird die Kreditvergabe relativ

teurer für kleinere und mittlere Institute“,

weiß Burghof. Gut möglich also, dass auf lange

Sicht der Mittelstand im Bankensektor

wegbricht und der Markt von zu vielen großen

Banken dominiert wird. Das kann für den

Mittelstand zum Problem werden. Denn gerade

für einen kleinen Betrieb ist es wichtig, sich

eine Bank zu suchen, die zu ihm passt – also

eher ein kleineres Institut oder eine Bank, die

dezentral ist in ihrer Entscheidungsstruktur,

damit es in schwierigen Situationen

auch einen adäquaten Ansprechpartner

vor Ort gibt.

Sorgen über eine

mangelnde Wettbewerbssituation

hält Uni-Professor

Tyrell jedoch

für unbegründet.

„Sparkassen und genossenschaftliche

Institute stehen in hoher Konkurrenz

vor Ort. Das wird sich nicht ändern

durch Basel III“, prognostiziert er. Vielleicht

werde es noch weitere Zusammenschlüsse

auf lokaler Ebene geben, aber das

wird nach seiner Einschätzung nicht dazu

führen, dass es in einzelnen Regionen zu einer

Monopolsituation kommen wird. „Wo es eine

Sparkasse gibt, gibt es meist auch eine Volksoder

Raiffeisenbank – und die beiden stehen

in sehr gesundem Wettbewerb zueinander“,

sagt Tyrell.

REPUTATION NICHT GEFÄHRDEN

Von diesem Wettbewerb können Unternehmen

vor Ort immer noch profitieren – etwa,

indem sie zunächst verschiedene Finanzierungsquellen

abfragen und der Hausbank andeuten,

gegebenenfalls zu wechseln. „Aber

damit sollte der Unternehmer vorsichtig sein,

da er in der Hausbankbeziehung sehr viel Reputation

aufgebaut hat.

In schwierigen

Situationen

kann sich dann

schnell zeigen,

dass die neue

Bank häufig

eben doch nicht

auf dem Stand

wie das langjährige

Hausinstitut

ist“, warnt Tyrell.

Und sein Kollege Burghof

ergänzt: „Offenheit gegenüber anderen

Finanzierungsquellen ist nicht

schlecht. Für größere Unternehmen ist es

zudem eine überlegenswerte Alternative, den

Weg an den Kapitalmarkt zu suchen.“ [!]


THOMAS LUTHER

„Nähe,Kompetenz,

Vertrauen.“

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Wir machen den Weg frei.

38


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[rubrik]

Samy Wiltschek birgt für seine Kunden Perlen jenseits des literarischen Mainstreams. Sein Geschäft läuft.

Foto: Andreas Clasen

Die persönliche Seite des Lesens

Bücher sind etwas Wunderbares. Das finden immer noch Millionen Deutsche – und kaufen sie bei Amazon. Wie besteht

man gegen die übermächtige Internet-Konkurrenz. Drei Buchhändler erklären, wie es ihnen gelingt.

Der ärgste Konkurrent hat sich rasant

entwickelt. Im Juli 1995 verkaufte der

US-Amerikaner Jeff Bezos das erste

Buch über sein Online-Portal Amazon, heute

bietet die Internet-Plattform eine riesige Produktpalette

an – und ist der größte Mitbewerber

für jeden Buchhändler in Deutschland.

Der Internet-Umsatz fehlt stationären Geschäften,

und das hat Folgen. Jahr für Jahr

schrumpft die Zahl der Buchläden. Haben die

Händler vor Ort überhaupt eine Chance, gegen

diesen Weltkonzern zu bestehen?

Michael Riethmüller und seine Frau Margarete

sind optimistisch. Gerade haben sie den

Mietvertrag für ihren Laden in Ravensburg

um 25 Jahre verlängert. 1992 hatten die ausgebildeten

Buchhändler „Ravensbuch“ im Zentrum

der oberschwäbischen 50.000-Einwohner-Stadt

eröffnet. Das Geschäft soll in einigen

Jahren nach und nach an den Sohn und einen

Mitarbeiter übergeben werden.

„GRÜSS DICH, MICHAEL“

Offensichtlich läuft es: „Kommen Sie am

Samstag gleich um 10 Uhr, wenn wir öffnen;

dann ist noch nicht so viel los“, hatte Michael

Riethmüller am Telefon gesagt, aber schon

wenige Minuten nach dem zehnten Glockenschlag

sind viele Kunden da. Sie stöbern, blättern

in Büchern des 50.000 Titel umfassenden

Sortiments. Einige kommen mit ihren Anliegen

zum 62-jährigen Riethmüller ins Untergeschoss:

„Die Ernährungs- und Kochbücher

sind wo?“ „Über uns.“ – Eine Frau will ein paar

Titel bestellen: „Kein Problem, die sind am

Montag um 10 Uhr da.“ –„Grüß Dich, Michael.

Ich würde 20 Schülerkarten nehmen für die

Lesung mit Peter Stamm.“ „Okay, sag oben Bescheid,

Du bekommst 20 für 5 Euro das Stück.“

„Könnten meine Schüler dem Autor ein paar

Fragen stellen?“ „Ja, schau dir mal den ,Rabentalk‘

auf unserer Internetseite an; deine Schüler

können ihn vor der Kamera befragen, und

wir nehmen das auf.“ Die beiden diskutieren

noch über eine Neuerscheinung, dann geht

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[spezial] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Der Buchmarkt in Zahlen

Foto: © Andreas Clasen

Sehen, stöbern, beraten werden: In Deutschland gibt es 6000 stationäre Buchhandlungen.

In Deutschland gab es im Jahr 2014

rund 6000 stationäre Buchhandlungen,

berichtet der Börsenverein des Deutschen

Buchhandels: davon 3800 kleine,

unabhängige Buchhandlungen, 1200 gehören

zu einer Kette, 1000 weitere sind

so genannte Verkaufsstellen, in denen

Bücher nur nebenher vertrieben werden.

Insgesamt ist die Zahl der Buchhandlungen

und der Beschäftigten rückläufig:

2006 hatte der Buch-Einzelhandel rund

35.000 Mitarbeiter, 2014 etwa 30.000.

der Lehrer. „Er ist ganz anderer Meinung als

ich. Aber es geht um gute Bücher – über die

man streiten kann.“

Mit solchen Begegnungen punktet Ravensbuch

gegenüber Amazon – hier wie auch in

Friedrichshafen, wo das Ehepaar 2006 eine

800-Quadratmeter-Filiale direkt am Bodensee

Ungefähr 10 Prozent der Buchhandlungen

erwirtschaften zwei Drittel des Umsatzes.

Der Umsatzanteil des stationären

Handels stieg auf 4,6 Milliarden Euro, das

sind 49 Prozent des gesamten Buchhandelsumsatzes.

Der Online-Versandbuchhandel verbuchte

2014 ein Plus von 150 Millionen Euro.

Deutschland ist der umsatzstärkste Auslandsmarkt

von Amazon. Der US-Konzern

setzte 10,5 Milliarden Euro um, davon etwa

ein Fünftel mit Büchern.

AC

eröffnet hat. Mal müssen Fragen beantwortet

werden, mal entwickeln sich Gespräche – und

engere Bindungen zwischen Verkäufer und

Kunden. Die Bestellung zum nächsten Werktag

ist nicht immer, aber oft möglich. Zudem

sind regelmäßig renommierte Schriftsteller,

Debütanten und auch Autoren mit regionalen

Themen für Lesungen zu Gast. Davon profitiert

die ganze Stadt. „Eine Buchhandlung ist

auch ein kultureller Ort“, sagt Riethmüller,

„ein Ort der Begegnung.“

DAS EICHHÖRNCHEN

Seine 38 Mitarbeiter werten den eigenen Online-Auftritt

mit Videos, einem Blog und eigenen

Buchempfehlungen auf. „Ich bin wirklich

froh, dass wir kontinuierlich ausbilden und

die jungen Leute neue Ideen einbringen.“ Mit

E-Books kann er selbst nicht viel anfangen,

bietet sie aber natürlich an. „Das gehört heute

zum Standard. E-Books haben ihre Position im

Markt, und diese wird vielleicht noch ein bisschen

wachsen, aber bei weitem nicht so wie

vorhergesagt.“ Vier bis fünf Prozent ihres Umsatzes

generieren die Riethmüllers insgesamt

über das Internet.

Im Laden fällt ein Eichhörnchen auf – das Logo

der „Buy Local“-Initiative, die Riethmüller

2012 mitgegründet hat. Zurzeit bündeln rund

600 Mitglieder aus ganz Deutschland ihre

Kräfte darin, um die Bedeutung inhabergeführter

Einzelhandels- und Handwerksbetriebe

herauszustellen. „Wer vor Ort einkauft,

unterstützt damit auch die eigene Region.

Und damit die eigene Lebensqualität“ steht

auf einem Transparent vor dem Laden. Damit

wollen sich die Mitglieder vom Internethandel

abheben und von großen Filialisten wie

etwa Thalia.

Diese Regel führt freilich zu familiären Konflikten.

Michael Riethmüller entstammt jener

Familie Riethmüller, die in vierter Generation

die Geschicke der Osianderschen Buchhandlung

lenkt, eines Tübinger Unternehmens mit

mehr als 500 Mitarbeitern, dessen Geschichte

Ihre Veranstaltung mit

unvergesslichen Erinnerungsfotos.

Perfekt für Messen und andere Firmenevents.

40


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[spezial]

bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Bruder

Heinrich und Neffe Christian Riethmüller

führen dort die Geschäfte. Sie verfolgen eine

Wachstumsstrategie mit einem stetig größer

werdenden Netz an Filialen, „weil wir uns in

einem stagnierenden Markt bewegen“, sagt

Heinrich Riethmüller. „So sehr ich die ,Buy

local‘-Initiative gut finde, so sehr halte ich es

doch für einen Fehler, dass man die Filialisten

draußen hält. Zu einer lebendigen Innenstadt

gehören doch auch H&M, Marco Polo oder

Osiander. Sie können eine Innenstadt nicht

nur, wenn man es negativ ausdrücken will,

mit ,Kleinkrämer‘-Geschäften lebendig halten.

Uns wurde gesagt, einzelne Osiander-

Buchhandlungen dürften bei ,Buy local‘ mitmachen,

aber da sagen wir, wenn überhaupt,

dann sind wir nur mit allen Filialen dabei.“

LIEFERUNG PER RADKURIER

Das sind inzwischen 36 an 29 Standorten –

vornehmlich in kleineren Städten mit 20.000

bis 60.000 Einwohnern, aber auch in Frankfurt,

Stuttgart und Reutlingen gibt es Läden.

Mehr als ein Drittel der Filialen habe man

übernommen, weil sie keinen Nachfolger gefunden

hätten. Der Schwerpunkt liegt auf

kleinen Städten, die in Baden-Württemberg

ein stabiles Umfeld böten. Auch die Geschäfte

seien übersichtlich, meist 300 bis 700 Quadratmeter.

„Wir haben auch nie den Fehler gemacht,

übergroße Flächen zu kaufen.“

Heinrich Riethmüller steht dem Börsenverein

des Deutschen Buchhandels vor. Die Strategie,

gegen Amazon zu bestehen, skizziert er

ähnlich wie sein Bruder: attraktive

Geschäfte mit Veranstaltungsprogramm,

eigenständiger, moderner Online-Auftritt

und exzellenter Service mit gut ausgebildetem

Personal, das sich mit dem Unternehmen

identifiziert. In Stuttgart, Tübingen, Heilbronn,

Reutlingen und Frankfurt bietet Osiander

noch einen besonderen Service: Fahrradkuriere

bringen am Vortag georderte

Bücher direkt zum Kunden. Mit so etwas

kann Samy Wiltschek nicht dienen. Trotzdem

erzielt er mit seiner 100 Quadratmeter

kleinen „Kulturbuchhandlung Jastram“ und

fünf Mitarbeitern in der Ulmer Innenstadt

steigende Umsätze. Sein Ansatz: Lesen, Aussortieren,

Beraten und Vernetzen. Mehrere

hundert Leute haben seinen Blog abonniert,

um die 250 Beiträge veröffentlicht er im Jahr.

Die Spiegel-Bestsellerliste oder massiv vermarktete

Bücher interessieren ihn herzlich

wenig. Seine Angestellten und er lesen,

um „Perlen“ aus der zweiten

Reihe und in Programmen

Foto: © Steffen Sixt|BLIND21.DE

Schmökern bei Osiander: Das Unternehmen ist mit 36 Läden an 29 Standorten vertreten.

kleinerer Verlage zu finden. Das Sortiment

umfasst 15.000 Titel. Was nicht da ist, kann

auch Wiltschek meist zum nächsten Werktag

bestellen. „Diese Überschaubarkeit trägt auch

dazu bei, dass das Verhältnis zu den Kunden

ein sehr persönliches ist, was vielen vielleicht

zu persönlich ist, die eher im Internet klicken

wollen“, sagt er. „Das verstehe ich auch, ich

will auch nicht, dass man mich im jeden Laden

mit Namen kennt, weiß wie die Kinder

heißen und wann man Geburtstag hat, aber so

funktioniert es hier halt.“ Vor ein paar Jahren

noch hatte Wiltschek Angst, dass seine Kunden

ihm wegsterben. „Doch plötzlich merke

ich, dass richtig viele Junge – Studenten, Mütter

mit 30 … – hier ein- und ausgehen.“ Warum?

Das weiß er auch nicht so recht. Aber,

vermutet er, womöglich habe ihm Amazon

dabei geholfen: durch all die Negativschlagzeilen

etwa bezüglich seiner Löhne in den vergangenen

Jahren. [!] ANDREAS CLASEN

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[verantworten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Und wann fangen Sie mit Sparen an?

In Sachen Energieeffizienz nimmt die Bundesregierung die Wirtschaft in die Pflicht. Experten begrüßen das, weil viele

Unternehmen nun das Thema mit System angehen. Die Kosten lassen sich so deutlich verringern.

Lange Jahre hat ein Großteil der Unternehmen

das Thema Energiesparen nicht

ernst genommen. Viele Betriebe zierten

sich regelrecht. Zum einen weil Energie vergleichsweise

billig ist, zum anderen, weil das

Thema Energieeffizienz in der Regel mit anfänglichen

Kosten und Mühe verbunden ist.

Mit der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie

der EU im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung

die deutsche Wirtschaft jedoch

in die Pflicht genommen.

Das Ziel: Bis 2020

soll der Primärenergieverbrauch

um 20 Prozent sinken.

Großunternehmen

mussten

bereits bis Dezember

ein Energieaudit

ablegen. Aber

auch kleine Unternehmen

müssen Energiemanagement.

Armin Schreijäg, BPEsich

Gedanken

über ihren Energieverbrauch machen. „Die

EU-Richtlinie hat dazu geführt, dass auch Geschäftsführer

auf das Thema aufmerksam geworden

sind“, sagt Armin Schreijäg von der

ENBW Sales & Solution GmbH in Ravensburg.

Der größte Vorteil der Richtlinie ist nach

seiner Einschätzung, dass die Betriebe Energieeffizienz

nun mit erheblich mehr Systematik

angehen.

20 PROZENT MEHR EFFIZIENZ

Die Energie Baden-Württemberg (Karlsruhe)

war vor zehn Jahren der erste Energieversorger,

der sich an dem Netzwerkkonzept beteiligte.

Schreijäg war von diesem Zeitpunkt an

dabei, heute betreut er von seinem Büro im

Schussental mittlerweile drei dieser Netzwerke.

Zu den Unternehmen, die sich schon früh

Dünne Solar-Panele verwandeln Betonfassaden

in kleine Kraftwerke .

42


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[verantworten]

sich mit anderen Unternehmen austauschten,

gehört der Sensorhersteller IFM. Dieser hat

seinen Sitz für Produktion und Entwicklung

am Bodensee. Das Unternehmen investierte

zuletzt in Maßnahmen, mit denen es die Energieeffizienz

am Standort Tettnang um 20 Prozent

steigern konnte. IFM nutzt unter anderem

Erdsonden und Wärmepumpen und

optimierte seine Prozesskälteversorgung.

Solche Potentiale erkennt auch die KEA, die

Klimaschutz- und Energieagentur Baden-

Württemberg. „Die intensive Beschäftigung

mit den Energieverbräuchen zeigt nach unserer

Erfahrung oft große Einsparpotentiale“,

sagt KEA-Geschäftsführer Volker Kienzlen.

Großes Sparpotenzial steckt nach seinen Worten

in den Themen Strom und Heizwärme.

STROMFRESSER DRUCKLUFT

Industriebetriebe haben noch viele Möglichkeiten,

die in der Produktion entstehende

Wärme besser zu nutzen, das zeigt eine Untersuchung

der staatlichen Förderbank KfW. In

Gewerbe, Handel und Dienstleistungen liegt

das größte Sparpotenzial in der energetischen

Gebäudesanierung und im Neubau hocheffizienter

Gebäude. Über alle Branchen hinweg

lassen sich laut dem KfW-Bericht stromverbrauchende

Querschnittstechnologien wie

Elektromotoren, Druckluft, Pumpen und Beleuchtung

optimieren.

„Ein Energiemanagement einzuführen ist eine

Herausforderung, die sich auf lange Sicht

auszahlen kann“, sagt KEA-Energieexperte

Volker Kienzlen. Er rät daher: „Vor allem solche

Unternehmen, bei denen Energie ein entscheidender

Kostenfaktor ist, sollten sich mit

dem Thema Energiemanagementsystem auseinandersetzen.“

Aber auch Unternehmen, in

denen die Energiekosten eher eine untergeordnete

Rolle spielen, bietet ein solches System

nach seinen Worten die Möglichkeit, die

eigene Ökobilanz und den CO2-Ausstoß zu

verringern.

Wie ein solches Energiemanagementsystem

aussehen muss, beschreibt die DIN EN ISO

50001. Die Zertifizierung nach dieser Norm

bietet laut Kienzlen mehrere Vorteile: Zum

einen erfüllen die Unternehmen die Audit-

Pflicht nach dem Energiedienstleistungsgesetz.

Das betrifft alle Unternehmen, die mehr

als 250 Mitarbeiter beschäftigen oder einen

Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro

haben. Zum anderen kann sich für Unternehmen

auch ein steuerlicher Vorteil ergeben.

Vor allem energieintensive

Betriebe

können hier

einen Teil der

Strom- und Energiesteuer

erstattet

bekommen. Unternehmen,

für die

diese beiden unmittelbaren

Vorteile

nicht gelten,

beschäftigen sich

durch den Managementprozess

KEA-Experte

Volker Kienzlen.

der Zertifizierung mindestens einmal im Jahr

mit Energiebezug und Energieverbrauch, sagt

Kienzlen. Dabei entdecken sie Sparpotenziale

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43


[verantworten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

und können abwägen, ob sie diese heben wollen.

Die jährliche Überprüfung durch eine

akkreditierte Stelle gewährleiste, dass das

Thema Energie nicht in Vergessenheit gerät.

Für kleine und mittlere Unternehmen, die ohne

Energiemanagementsystem auskommen

müssen, bietet eine kostenlose Software des

Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz,

Bau und Reaktorsicherheit die Möglichkeit,

Einsparpotentiale beim Energieverbrauch

zu erkennen. Um das „Energiesparkonto

für Unternehmen“ nutzen zu können,

ist eine Registrierung notwendig. Danach

verspricht die Software, den Energieverbrauch

des Unternehmens sichtbar zu machen.

Das Energiesparkonto vergleicht den

Energieverbrauch mit individuellen Kennzahlen

und zeigt wo gespart werden kann.

INVESTITIONSNEIGUNG LEGT ZU

Doch hierfür sind Investitionen nötig. Das

Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung (IPA) in Stuttgart erhebt

mit dem Institut für Energieeffizienz in

der Produktion, EEP, der Universität Stuttgart

und weiteren Partnern den Energieeffizienz-

Index. Der Index ermittelt halbjährlich die

Einstellung sowie aktuelle und geplante Aktivitäten

der deutschen

Industrie

zum Thema Energieeffizienz.

Diana Wang, Projektleiterin

am

EEP, freut sich

über eine klare

Tendenz aus der

Erhebung: „Das

Diana Wang von der

Universität Stuttgart.

Ansatzpunkte zum Energiesparen

Foto: © OMIRA GmbH, Ingo Rack/EnBW

Bei der Molkerei Omira werden Milch und Stromkosten eingedampft.

Stimmungsbild

für das Jahr 2016

ist positiv. Alle befragten

Unternehmen

wollen investieren.“ Dabei steigt der geplante

prozentuale Investitionsanteil mit der

Unternehmensgröße. Fast 90 Prozent der antwortenden

Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen

verfolgen nach ihren Angaben

einen systematischen Ansatz in Sachen

Energieeffizienz.“

Den Hauptgrund für Investitionen kennt die

Expertin aufgrund der Erhebung. „Fast 45 Prozent

der befragten Unternehmen sehen den

Faktor Investitionszuschuss/-prämie als Anreiz

zur Investition“, sagt Diana Wang. Die

Befragung erfasste auch die Investitionshemmnisse.

Laut Wang sind dies: Andere strategische

Prioritäten, die Rendite anderer Maßnahmen

ist höher, die Firmen möchte

attraktivere Anreizmechanismen abwarten

oder es gibt kein geschultes Personal für die

Planung und Durchführung.

Eine Möglichkeit zu netzwerken, bietet die

KEA mit den Energieeffizienztischen. „Das

Ziel von Energieeffizienztischen ist es, den

Austausch der teilnehmenden Firmen zu fördern

und damit zu erreichen, dass die Teilnehmer

voneinander lernen und erfolgreiche

Maßnahmen anderer bei sich umsetzen,“ erläutert

Volker Kienzlen.

UHLMANN NUTZT ROHBIOGAS

Mit den Zielen Energie effizienter zu nutzen,

Kosten zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten,

ging beispielsweise das Netzwerk

„Energieeffizienz Alb-Schwarzwald-Bodensee“

2010 mit 15 Industrieunternehmen an

den Start. Gemeinsam mit der in Karlsruhe

ansässigen Energie Baden-Württemberg AG

und den regionalen Industrie- und Handelskammern

setzten sie mehrere Maßnahmen

um. Der Verpackungsspezialist Uhlmann war

Die staatliche Förderbank KfW hat in

einem Bericht unter dem Titel „Energieeffizienz

in Industrie und Gewerbe: Wo

liegen die größten Potenziale?“ aufgelistet,

an welchen Punkten Unternehmen

ansetzen können. Dazu gehören: Lüftung

und Ventilatoren anpassen, Kälteerzeugung

optimieren, Beleuchtung durch

Sensoren oder Dimmer effizienter machen,

auf eine nicht-elektrische Heizungstechnologie

umsteigen, Energie effizient

beschaffen, Blockheizkraftwerke

nutzen, je nach Dachkonstruktion Photovoltaik-

oder Solarthermieanlagen installieren,

den Fuhrpark modernisieren, die

Belegschaft für das Thema Energie sensibilisieren.

Auch beim Umgang mit

Druckluft, der teuersten Energieform,

lässt sich viel Geld sparen.

www.kfw.de.

SAV

Teil des Netzwerks und setzt unter anderem

auf eine neuartige Technologie mit Rohbiogas

aus der unmittelbaren Umgebung für die

Strom- und Wärmegewinnung ein. Dadurch

spart das Laupheimer Unternehmen pro Jahr

fast 4,5 Millionen Kilowattstunden im Jahr

ein. Die Ravensburger Großmolkerei Omira

optimierte den Energieverbrauch bei der

Milchpulverherstellung. Mit dem Ergebnis

einer internen Verzinsung von mehr als 75

Prozent kann die Genossenschaft sehr zufrieden

sein.

Aktuell versuchen die Netzwerke „Energieeffizienz

Schwäbische Alb“, „Energieeffizienz

Ravensburg 2016“ und „Energieeffizienz

Karlsruhe-Stuttgart“ in einem Zeitraum von

zweieinhalb bis drei Jahren ihre Energieziele

zu erreichen. Erfahrungen von älteren Netzwerken

und Branchenteilnehmern spielen in

diesem Prozess eine große Rolle. Während der

dreijährigen Laufzeit ist ein Einsparpotential

von fünf bis acht Prozent realistisch. Oder anders

ausgedrückt: von rund 25 Mio. Kilowattstunden

pro Jahr und Netzwerk. [!]


SABINE VOITH

44


Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

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Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

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dar. Ist der Darlehnsnehmer Verbraucher, besteht ein

Widerrufsrecht nach § 495 BGB. 2 Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford

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45


[machen] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Für die Zukunft geformt

Allgaier-Geschäftsführer Helmar Aßfalg setzt sich hohe Ziele, privat wie im Unternehmen. Dank eines patentierten

Ver fahrens für Fahrzeug-Leichtbau wächst der Autozulieferer und wandelt den Firmensitz zum Technologie-Standort um.

Helmar Aßfalg ist ein Gipfelstürmer. Er

hat an Achttausender-Expeditionen

auf den Manaslu und den Nanga Parbat

teilgenommen. Das ist zwar schon eine Weile

her, die Berge liebt der 55-Jährige aber immer

noch. Beim Skifahren in den Alpen bekommt

er den Kopf frei – und neue Ideen, wie es mit

der Allgaier-Group weiter aufwärts gehen

kann. Aßfalg ist seit acht Jahren Vorsitzender

der Geschäftsführung bei dem Automobilzulieferer

mit Stammsitz in Uhingen (Kreis Göppingen)

und hat ehrgeizige Pläne für die

nächsten acht bis zehn Jahre: Er will den Umsatz

„deutlich über eine halbe Milliarde Euro

pro Jahr“ steigern (2015 waren es knapp 377

Millionen Euro). Und er hat die Vision, dass

Allgaier bis dahin noch stärker als Technologie-Unternehmen

unterwegs ist und „seine

Kompetenzen im Automobilbau deutlich

ausgebaut hat“. Beim zweiten Standbein, dem

Maschinen- und Anlagenbau, der 25 Prozent

der Geschäftstätigkeit ausmacht, will der Firmenchef

das Unternehmen international

noch besser aufstellen. In der sogenannten

Process Technology wird eine breite Palette

von Systemen gefertigt, die zum Waschen,

Trocknen, Kühlen, Sieben und Sortieren im

Bereich der Schüttgut verarbeitenden Industrie

benötigt werden.

IM STILLEN KÄMMERLEIN

Helmar Aßfalg ist zuversichtlich, dass Allgaier

dieser Höhenflug gelingen kann. Eher

im stillen Kämmerlein und weniger im Fokus

der Öffentlichkeit. Denn seit Dieter Hundt,

langjähriger Arbeitgeberpräsident und Geschäftsführer

bei Allgaier, sich aus dem operativen

Geschäft zurückgezogen hat, steht auch

das Unternehmen nicht mehr so sehr im

Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Aßfalg

stört das nicht – im Gegenteil. Und wie ist

das mit einem Dieter Hundt, dessen Familie

Helmar Aßfalg führt seit acht Jahren den Automobilzulieferer

Allgaier. Fotos: Giacinto Carlucci

46


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[machen]

nun alleiniger Besitzer

des Unternehmens

ist und

der seinerzeit angekündigt

hatte,

ein „aktiver Aufsichtsratsvorsitzender“

zu sein?

„Wir haben einen

guten Weg gefunden“,

sagt Helmar

Aßfalg. „Als Gesellschafter

schaut

Aufsichtsratsvorsitzender

Dieter Hundt.

er natürlich, was wir tun. Operativ mischt er

sich allerdings nicht ein.“

TANKS FÜR DIE S-KLASSE

Mehr will der Manager zu diesem Thema gar

nicht sagen. Der 55-Jährige spricht beim

Rundgang durch die Halle 6 lieber über die

Tanks für die S-Klasse von Daimler, die hier

gefertigt und lackiert werden. Oder zeigt einbaufertige

Kotflügel für Porsche.

In Reih und Glied: ein Transportgestell mit Kotflügeln für den Porsche 911.

Aßfalg wirkt zufrieden und zuversichtlich:

„Den deutschen Premium-Herstellern geht es

sehr gut“, sagt er. Gut für Allgaier, zu deren

Hauptkunden Daimler, Porsche, VW und

BMW gehören. Der Geschäftsführer macht

sich über die Zukunft des Automobilgeschäfts

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47


[machen] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Vom kleinen Handwerksbetrieb zum weltweit agierenden Unternehmen

Ein Roboter bewegt die Halbschale eines S-Klasse-Tanks, bevor Ober- und Unterschale an der „Marriage-Station“ zusammenfinden.

Den Grundstein für die heutige Allgaier-

Group legte der gelernte Werkzeugmacher

Georg Allgaier im Jahr 1906. Damals gründete

er im kleinen Ort Hattenhofen im

Kreis Göppingen einen Handwerksbetrieb,

der Schnitt- und Stanzwerkzeuge fertigte.

Die Entwicklung im Automobilbau bescherte

ihm in den Folgejahren zunehmend

gut gefüllte Auftragsbücher. Ein

Jahrzehnt später verlagerte Georg Allgaier

seinen Betrieb ins nahe gelegene Uhingen.

Dort hat das Unternehmen bis heute seinen

Stammsitz. Ende der 1920er Jahre begann

Allgaier mit der Produktion von

Pressteilen für die Automobilindustrie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg das Unternehmen

in die Herstellung von Traktoren

im Rahmen eines Lizenzvertrags ein

und kooperierte mit Porsche. Das Geschäft

florierte zunächst. Allgaier musste

sich in den 50er Jahren jedoch der Konkurrenz

beugen, verkaufte diesen Geschäftszweig

und widmete sich der Entwicklung

von Siebmaschinen. Bis heute

sind die Automobilzulieferung sowie der

Maschinen- und Anlagenbau (Process

Technology) die beiden Standbeine.

Die Internationalisierung des Unternehmens

begann mit dem Eintritt von Dieter

Hundt, der 1975 als erster familienfremder

Manager an der Spitze der Allgaier-Group

und lange Jahre als Arbeitgeberpräsident

besonders im Fokus der Öffentlichkeit

stand. Unter seiner Ägide als alleiniger geschäftsführender

Gesellschafter baute Allgaier

seine Position als weltweit aktives

Unternehmen aus. 2008 übernahm Helmar

Aßfalg den Vorsitz der Geschäftsführung,

Hundts Familie ist mittlerweile alleiniger

Inhaber des Unternehmens. Der Umsatz

hat sich in den vergangenen 40

Jahren von umgerechnet 25 Millionen Euro

auf rund 380 Millionen Euro erhöht. Allgaier

beschäftigt heute 1650 Mitarbeiter,

davon 1100 am Stammsitz in Uhingen. SU

keine Sorgen – nicht zuletzt deshalb, weil Allgaier

mit dem vor einigen Jahren entwickelten

und inzwischen weltweit patentierten

Verfahren „Variotempo“ einen wichtigen

Schritt in Richtung Zukunft gemacht habe.

Das Verfahren zur Kaltumformung hochfester

Stähle mache die Autos leichter. Damit

wird bei Bauteilen eine Gewichtseinsparung

von bis zu 60 Prozent möglich, der Spritverbrauch

dadurch erheblich gesenkt.

NEUES WERK IN SACHSEN

Mitte des Jahres kommt „Variotempo“ im

neuen Werk im sächsischen Oelsnitz serienmäßig

zum Einsatz, den Produktionsstandort

hat Allgaier im November vergangenen Jahres

eröffnet. Aßfalg sieht großes Potenzial in

dem neuen Standort im Osten: Die Werke großer

deutscher Autobauer liegen nur einen

Steinwurf entfernt – in den neuen Bundesländern,

aber auch die Skoda-Fertigung in Tschechien

ist nicht weit weg. Dahin will Allgaier

künftig liefern.

Auch wenn es sich beinahe so anhört, auf

Wolke sieben schwebt Allgaier nicht. Aufgrund

der Sanktionen sei beispielsweise der

russische Markt für Process Technology, also

für Verfahrenstechnik, komplett weggebrochen.

„Dorthin haben wir richtig gute Geschäftsbeziehungen.

Die Projekte sind noch

da, Aufträge werden aber derzeit nicht vergeben“,

bedauert Aßfalg. Zudem schwächle der

Maschinenbau in China, Lateinamerika stecke

flächendeckend in einer Wirtschaftskrise,

Europa stagniere. Da bleiben als Wachstumsmärkte

die USA und der Iran.

Gibt es denn Überlegungen, die Fühler weiter

in Richtung Ausland auszustrecken? Das

heißt, eine weitere Produktionsstätte neben

Frankreich, Mexiko, Schweden und Spanien

sowie dem Gemeinschaftsunternehmen in

Indien zu eröffnen? „Es gibt unterschiedliche

Ideen“, meint der Manager und schmunzelt

vielsagend. Über ungelegte Eier spricht er

nicht. Nur so viel: Einfach irgendwo ein paar

Millionen zu verbauen und zu schauen, ob

sich die Investition lohnt, mache keinen Sinn.

„Wir prüfen genau, ob das Geschäftsvolumen

da ist.“ Verlagert werde die Produktion grundsätzlich

nur, „wenn wir sonst nicht in den

Markt reinkommen“, betont Aßfalg.

Der Stammsitz soll mehr und mehr Technologie-Standort

werden. Aßfalg sieht seine komplette

„schlagkräftige Mannschaft“ als Erfolgsgaranten:

Die Entwicklung des Patents

beispielsweise sei keine reine Ingenieurleistung

gewesen, sondern auch „handwerklich

hervorragend umgesetzt“. Allgaier kenne keinen

Fachkräftemangel. Alle Stellen seien besetzt.

Dank der fundierten Ausbildung, für die

die Uhinger seit Jahrzehnten bekannt sind.

Aber auch dank der Bekanntheit, die Allgaier

genießt. [!] SUSANN SCHÖNFELDER

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20 Jahre Massarbeit Personalservice Ulm

Der Mensch ist das Mass

Im März feierte die „Massarbeit Personalservice

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präsentierte mit „Personal nach Mass“ einen

neuen Geschäftsbereich.

Als einer der führenden Personaldienstleister

in der Region mit Standorten in Ulm und Biberach

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legen wir besonderen Wert auf feste Ansprechpartner

und eine persönliche Betreuung“,

versichert Geschäftsführer Matthias

Lindenmaier.

Im neuen Geschäftsbereich werden die Recruitingaktivitäten

für Direktvermittlungen zukünftig

unter dem Markennamen „Personal

nach Mass“ gebündelt. Dabei geht es vorwiegend

um die langfristige Besetzung von Stellen

und damit um vielversprechende Perspektiven

der Bewerber. „Personal nach Mass“ ist fokussiert

auf Fachspezialisten und Führungskräfte

in kaufmännischen und ingenieur-technischen

Funktionen. „Für unsere Kunden übernehmen

wir aktiv die gezielte Suche nach passgenau

geeigneten Kandidaten. Dank unseres breit gefächerten

Netzwerkes können wir auch

schwierige Positionen besetzen“, erläutert

Matthias Lindenmaier. Unternehmen sparen

dabei viel Kosten, Arbeit und Zeit, wenn es von

„Personal nach Mass“ exakt passende Vorschläge

erhält. Daher beauftragen immer mehr

Kunden „Personal nach Mass“ mit der Besetzung

einer Stelle, wenn es zum Beispiel um Ingenieure

im Sondermaschinenbau, Projektmanager,

Softwareentwickler oder Bilanzbuchhalter

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den kompletten Prozess: von der Formulierung

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Im März wurde das runde Jubiläum mit zahlreichen

Geschäftspartnern gefeiert: „Wir pflegen

seit vielen Jahren eine vertrauensvolle Zusam-

Geschäftsführer Matthias Lindenmaier.

Foto: Lukas Hofstätter

menarbeit mit unseren Kunden – insbesondere

in den Branchen Luftfahrttechnik, Automobilzulieferindustrie

und im Maschinenbau“, so

Matthias Lindenmaier. „Für dieses Vertrauen

bedanken wir uns.“ Die Weichen für eine erfolgreiche

Zukunft sind also gestellt, was insbesondere

auch dem Team der Massarbeit geschuldet

ist: „Wir leben unseren Slogan „Der Mensch

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anderen unterscheidet“, bedankte sich Matthias

Lindenmaier bei seinen Mitarbeitern.

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49 41


[führen] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Lockruf für Bau-Ingenieure

Peri ist ein spannendes und mit 7700 Mitarbeitern auch großes Unternehmen. Doch viele Studenten nehmen den

Gerüst- und Schalungstechnikspezialisten nicht wahr. Verstärktes Personalmarketing an Hochschulen soll das ändern.

Personalmarketing-Expertin Antje Speidel will Peri an Hochschulen bekannter machen.

Keine Frage, das Weißenhorner Familienunternehmen

Peri gehört zu den

Aushängeschildern des deutschen Mittelstands.

Die 1969 gegründete Gruppe ist

wachstumsstark, innovativ und erfolgreich.

„In der Region Ulm haben wir einen hohen

Bekanntheitsgrad“, sagt Antje Speidel, die

sich bei dem Spezialisten für Schalungs- und

Gerüsttechnik um das Personalmarketing

kümmert. Daher bewerben sich auf die Lehrstellen

und die Plätze an der Dualen Hochschule

an den Standorten Weißenhorn, Ichenhausen

und Ulm auch viele junge Leute.

Mit rund 7700 Mitarbeitern und mehr als 65

Tochtergesellschaften ist Peri der klassischen

Größe eines Mittelständlers längst entwachsen.

Dennoch gehört das von Alexander

Schwörer zusammen mit Dr. Fabian Kracht

Foto: M. Hörger

und Leonhard Braig geführte Unternehmen

bundesweit gesehen immer noch zu den „Hidden

Champions“. Peri ist als Bau-Lieferant an

spektakulären Bauwerken beteiligt. Mit seiner

Technik und seinem Know-how ermöglicht

das Unternehmen, dass Wolkenkratzer

schnell in den Himmel wachsen, ob in Braunschweig,

Hamburg oder Kuwait City. Bisher

größtes Projekt der Firmengeschichte war die

Beteiligung am Ausbau des Panamakanals.

JUNG INS AUSLAND

An spannenden Aufgaben fehlt es nicht, doch

als heimlicher Gewinner oder unbekannter

Weltmarktführer muss sich auch Peri anstrengen,

um guten Nachwuchs an Bau- und

IT-Experten zu bekommen. „Schon in München

ist Peri weniger bekannt“, sagt Speidel.

Erschwerend kommt hinzu, dass die angehenden

Bauingenieure schon während des Studiums

von Münchner Ingenieurbüros unter

Vertrag genommen werden. Dass München

eine attraktive Stadt zum Leben ist, macht es

noch schwieriger, die jungen Ingenieure zu

einem Wechsel zu bewegen. „Dabei bieten wir

die spannenderen Aufgaben“, sagt Speidel.

„Bei uns kann man schon in jungen Jahren

Erfahrung im Ausland und in interkulturellen

Teams sammeln. Vielen jungen Bauingenieuren

ist das leider nicht bewusst.“

Peri wolle aber die Besten, erläutert Speidel.

Daher baut das Unternehmen sein Personalmarketing

aus. Es legt Wert darauf, zunächst

seine Aktivitäten in Deutschland zu bündeln.

Vorrangig im Blick haben Antje Speidel und

ihre Kollegen in diesem Jahr die technischen

Hochschulen im Umfeld der 13 Niederlassungen

in Deutschland. Sie überlegen zudem, auf

welchen Plattformen sie Studenten und weitere

potenzielle Mitarbeiter ansprechen.

In der Vergangenheit legte Peri bei seinen Auftritten

auf Sozialen Plattformen im Internet

den Schwerpunkt auf seine Projekte, Innovationen

und seine Tätigkeit als Bau-Lieferant.

Mehr und mehr will sich das Unternehmen

dort auch als spannender Arbeitgeber positionieren.

„Dazu ist es nötig, zuerst die jeweilige

Zielgruppe zu definieren, um dann zu entscheiden,

auf welchem Kanal ich sie gezielt

anspreche“, sagt Speidel. Mittlerweile ist Peri

von Facebook über Twitter, LinkedIn und

Xing bis Instagram in den Social-Media-Kanälen

aktiv. Eine der Maßnahmen ist auch, angehenden

Bauingenieuren mit einem kurzen

Film zu erklären, was sie bei Peri erwartet.

Zudem will das Unternehmen seine Verbindungen

zu den Hochschulen stärken. Mit der

Hochschule Biberach kooperiert das Unternehmen

bereits seit Jahren und finanziert

dort zwei Stipendien. Gut sind auch die Kontakte

zur Universität Mannheim. Firmenchef

Schwörer hat dort studiert und engagiert sich

an seiner Uni bis heute. Das hat Vorbildcha-

50


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[führen]

rakter. Etliche Mitarbeiter sind als Alumni an

„ihren“ Hochschulen aktiv, „auch weil es ihnen

einfach Spaß macht“, sagt Speidel. Sie halten

Fachvorlesungen und Vorträge, stellen die

Firma vor und laden Studenten nach Weißenhorn

ein. Peri hat zwar Konzerngröße erreicht,

ist aber vom Unternehmensgeist Mittelständler

geblieben, mit flachen Hierarchien und

zurückhaltendem Auftreten.

AUFSTIEG MIT FACHKARRIERE

Um gute Leute zu gewinnen und die eigenen

Mitarbeiter zu halten, unternimmt Peri laut

Speidel vieles. Da gibt es neuerdings etwa die

Möglichkeit, eine Fachkarriere einzuschlagen.

Das ermöglicht Spezialisten, bis zum Senior-Experten

aufzusteigen, verbunden mit

höherer Fachverantwortung und höherem

Gehalt. Eine andere Form, um Wertschätzung

zu zeigen, ist das Talentmanagement. Bei letzterem

werden von Vorgesetzten Mitarbeiter

vorgeschlagen und gezielt für höhere Aufgaben

vorbereitet. Zudem gibt es für die Mitarbeiter

in Weißenhorn die Peri Akademie, die

Sport- und Sprachkurse sowie externe Weiterbildungen

anbietet.

Ein Familienservice hilft Mitarbeitern, die

Sorgen und Nöte plagen, und gibt – falls gewünscht

– psychologische Hilfe. „Der Anspruch

von Peri ist es, im Rahmen der Personalentwicklung

die Mitarbeiter bei ihrer

beruflichen und persönlichen Entwicklung

zu unterstützen“, sagt Speidel. Denn der

Grundsatz von Peri laute: Hinter den Top-Produkten

und innovativen Lösungen stehen engagierte

Menschen. „Jeder Einzelne im Unternehmen

zählt, seine Persönlichkeit, seine

Leistung, seine Weiterentwicklung und damit

seine Zufriedenheit.“

Vom kommenden Jahr an wird die Wertschätzung

der Mitarbeiter auf dem Werksgelände

in Weißenhorn mit einem weiteren Projekt

sichtbar sein. Peri baut derzeit eine neue Kantine,

in der sich die Unternehmenskultur und

-philosophie widerspiegeln sollen. [!]


ALEXANDER BÖGELEIN

2100 Mitarbeiter

in Weißenhorn

Das Familienunternehmen Peri aus

Weißenhorn (Kreis Neu-Ulm) ist in den

vergangenen Jahren sehr stark gewachsen

und weltweit tätig. Im vergangenen

Jahr erwirtschafteten rund 7700 Mitarbeiter

einen Umsatz von 1,3 Milliarden

Euro, so viel wie nie zuvor. Gegenüber

dem Vorjahr bedeutete dies ein Plus

von 13 Prozent, 90 Prozent des Umsatzes

erzielt Peri im Ausland. Dabei profitiert

der Gerüst- und Schalungstechnikexperte

auch von den Wachstumsmärkten

in Asien, Amerika und dem Mittleren

Osten. Seit der Gründung im Jahr 1969

sind zentrale Funktionen, Entwicklung

und Produktion zunächst in Ulm und ab

1971 in Weißenhorn südlich von Ulm angesiedelt.

Dort arbeiten 2100 Beschäftigte.

Weltweit bedient Peri mit mehr als

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51


[leben] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Trommeln bis die

Polizei kommt

Ohne Gesang und Kuchen geht nichts. Für die 50. Ausgabe von

unternehmen [!] hat Stefan Loeffler Führungspersönlichkeiten

gefragt, wie sie mit runden Geburtstagen umgehen.

Foto: © Ljupco Smokovski / Fotolia.com

Foto: © f/2.8 by ARC / Fotolia.com

Dass die Polizei die ausgelassene Geburtstagsfeier eines heutigen Hochschulprofessors

mit trommelbegeisterten Gästen tief in der Nacht beendete, ist

schon ein paar Jahre her, aber unvergesslich.

52


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[leben]

1) Wie gehen Sie mit runden Geburtstagen um, feiern

Sie gerne oder ist das Ihnen eher ein Graus?

2) Welche Feier hat Ihnen am besten gefallen?

3) Was war Ihr ausgefallenstes Geschenk?

4) Was war Ihr lustigstes Erlebnis?

5) Welche Geburtstagsrituale gibt es bei Ihnen in der

Familie?

6) Wie sieht ein perfekter Geburtstag aus?

Wen laden Sie ein, wo und wie feiern Sie?

Prof. Gerd Heilscher bekam

schon einmal 50 Bilder seiner

Frau und Kinder auf einem halben

Quadratmeter geschenkt.

Der 53-Jährige ist Leiter der

Smart Grids Forschungsgruppe

der Hochschule Ulm.

1) Ich freue mich auf runde Geburtstage und plane gerne ein Fest.

2) Den 60. Geburtstag des Solarpioniers Thomas Nordmann. Wir sind

in einer anregenden Gesellschaft mit dem Oldtimer-Zug „Roter

Blitz“ einen Tag lang in der Schweiz unterwegs gewesen.

3) 50 Bilder aus den letzten 20 Jahren mit meiner Frau und den drei Kindern

auf einem halben Quadratmeter. Darauf pulsiert das Leben.

4) Am 40. Geburtstag meines Vaters gab es frisch geräucherten Lachs.

Für meine Tante war das etwas Neues. Sie biss dem

Tier direkt den Kopf ab.

5) Als Geburtstagskind muss man erst mal vor der Wohnzimmertür

warten. Dann wird man mit Gesang begrüßt. „Heute

kann es regnen, stürmen oder schneien, denn du strahlst ja selber

wie ein Sonnenschein ...“ Und dann gibt‘s natürlich einen Geburtstagskuchen

mit Kerzen zum Ausblasen.

6) Das ist für Wassermänner schwierig– eine Gartenparty im Sommer,

draußen gemeinsam mit Freunden Musik machen. Das letzte Fest

in der Art war vor 20 Jahren und wurde von der Polizei gestoppt –

ich hatte wohl vergessen alle Nachbarn einzuladen. Und die Trommeln

in der Nacht waren dann doch zu laut.

Für Bären ist auch der Kopf des

Lachses ein Leckerbissen.

Foto: © Michael Fossler / Fotolia.com

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53


[leben] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Für Christine Kumpf ist jeder

Geburtstag etwas Besonderes.

Seit 2005 leitet die 54-Jährige

die Stabsstelle Wirtschaftsförderung

der Stadt Göppingen.

1) Ich feiere gerne Geburtstage, runde Geburtstage aber besonders gerne.

Zum einen lade ich viele Freunde und die gesamte Familie ein,

zum anderen sind es für mich Tage zum Innehalten, um die jeweils

vergangenen zehn Jahre Revue passieren zu lassen.

2) Jeder hatte etwas Besonderes.

3) Ich freue mich über (fast) alle Geschenke.

Denn sie zeigen mir, dass sich

Freunde und Familie Gedanken machen,

worüber ich mich freuen könnte.

4) Das war erst vor Kurzem. Wir haben die

Klingel nicht gehört, so dass unsere

Gäste sich nacheinander vor dem

Haus getroffen haben und verunsichert

waren, ob sie auch wirklich den

Foto: © javier brosch / Fotolia.com

richtigen Tag im Kalender notiert hatten.

5) Nach dem obligatorischen Geburtstagslied werden die Geschenke

ausgepackt. Danach darf das Geburtstagskind die Kerzen ausblasen.

Anschließend wird der selbstgebackene Kuchen verzehrt.

6) Ich lade Freunde ein und immer ist die Familie mit dabei. Gerne lade

ich auf 11 Uhr ein, dann zieht sich das Mittagessen, der Nachtisch

mit anschließendem Kaffee und Kuchen bis in den späten Nachmittag

hinein. Wir feiern oft zu Hause, mein Mann kocht gerne für

mich und unsere Gäste.

Kein Geburtstag ohne Marmorkuchen.

So sieht das zumindest

Thomas Baumann. Der 1966

in Friedrichshafen geborene Vater

einer Tochter ist seit September

2008 Verlagsleiter bei

der Neuen Pressegesellschaft.

Für Frank Rudat hat sogar

schon einmal ein Kinderchor

ein Ständchen zum Geburtstag

gesungen. Der 50-Jährige ist als

Mitglied der Geschäftsleitung

der Ulmer C.E. Noerpel Logistik

GmbH + Co. KG für den Logistikvertrieb

und das Marketing

zuständig.

1) Runde Geburtstage sind eine wunderbare Gelegenheit für ein schönes

Fest. Da meine Frau und ich im selben Jahr geboren sind, können

wir in diesem Jahr sogar gemeinsam mit Freunden unseren

100. Geburtstag feiern.

2) Der 40. Geburtstag. Ab diesem Alter wird der Schwabe ja bekanntlich

„gescheit“.

3) Ein handgemaltes Bild unserer Tochter in meinen Lieblingsfarben

und ein Tag auf einer Rennstrecke, den mir meine Frau geschenkt hat.

4) Mein 30. Geburtstag in den USA. Am Vortag hatte eine gute Freundin

Geburtstag, die uns in eine Bar einlud. Ich hatte

nichts gesagt, um ihre Feier nicht zu stören. Um

Mitternacht sah Sie auf die Uhr, alle schrien

noch mal Happy Birthday und ab da wurde

ihre Kreditkarte am Tresen durch

meine ersetzt. Es wurde ein sehr lustiger

Abend!

5) Marmorkuchen und Geschenke.

6) Frühstück mit der kleinen Familie.

54

1) Auf jeden Fall muss man sie feiern. Es sind ja nur ein paar wenige im

Leben – und diese Meilensteine bieten sich für eine schöne Feier an.

2) Der 50. Geburtstag war definitiv das beste Fest, das ich bisher feiern

durfte.

3) Ein Kinderchor, bestehend aus rund 15 Drei- bis Achtjährigen, hat

mir ein Ständchen auf meiner Feier gesungen.

4) Ich durfte mit verbundenen Augen eine Piñata, also eine mit Süßigkeiten

oder Früchten gefüllte Pappmaché-Figur, finden und aufschlagen.

70 Gäste, und ich auch, haben sich köstlich amüsiert.

5) Am Geburtstag selbst gehen wir zum „gehobenen“ Essen außer

Haus und genießen dazu eine gute Flasche Wein.

6) Ein perfekter Geburtstag beginnt mit der Planung. Was gibt es

zum Essen, unter welchem Motto steht die Feier? Gute Freunde,

das wechselt ein bisschen in den Lebensabschnitten, kommen

um Freude zu haben und zu reden. In der Regel wird auch gesungen

und ein wenig musiziert. Die Feiern finden meistens

zu Hause statt. Es gibt ein paar Vorführungen, Darbietungen,

alte Bilder und Filme, ein Kinderprogramm …

Foto: © Gina Sanders / Fotolia.com


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[leben]

Piñatas sind mit Süßigkeiten

oder Früchten

gefüllte Figuren. Sie zu

finden, macht nicht nur

dem Geburtstagskind

Spaß.

Foto: seanlockephotography / Fotolia.com

1) Wie gehen Sie mit runden Geburtstagen um, feiern

Sie gerne oder ist das Ihnen eher ein Graus?

2) Welche Feier hat Ihnen am besten gefallen?

3) Was war Ihr ausgefallenstes Geschenk?

4) Was war Ihr lustigstes Erlebnis?

5) Welche Geburtstagsrituale gibt es bei Ihnen in der

Familie?

6) Wie sieht ein perfekter Geburtstag aus?

Wen laden Sie ein, wo und wie feiern Sie?

Johannes Krauter wird im Mai

dieses Jahres 50 Jahre alt. Ob

ihn dann die Söhne Vincent

und Valentin wieder mit einem

selbstzubereiteten Dinner überraschen?

Er leitet seit über 25

Jahren als Geschäftsführer die

Geschicke der Göppinger Werner

Krauter GmbH.

1) Runde Geburtstage feiere ich sehr gerne. Jeder Lebensabschnitt hat

etwas Besonderes. Von einer Dekade gesund in die nächste Dekade

gehen zu dürfen, ist ein riesengroßes Privileg.

2) Immer der, der vor mir liegt. Wenn es bei mir eine Midlife-Crisis

gegeben haben sollte, habe ich die wohl schon hinter mir. 50 ist

zwar ein stattliches Alter, aber das lasse ich eher locker auf mich

zukommen. Man kann es eh nicht ändern – und ein frühes Ende

wünscht man sich auch nicht, nur um legendär zu werden.

3) Das war ein nachträgliches Geschenk: Meine heutige Frau war damals

nach langem Reden, einen Monat nach meinem Geburtstag,

doch noch meine Freundin geworden.

4) Ein Dinner bei Kerzenlicht für mich und meine Frau, geschenkt und

gekocht von meinen beiden Söhnen, bei uns im Esszimmer.

5) Man wird am Morgen des Geburtstags am Bett von der ganzen Familie

mit Geburtstagskuchen, Kerzen und „Happy Birthday“ geweckt,

und alle singen lauthals.

6) Wir feiern mit meiner Familie, Verwandten und Freunden ausgelassen

in der „WerftHalle“ in Göppingen.

55


[team] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

So arbeiten wir

Zugegeben: eine Besprechung in dieser Zusammensetzung hatte

es zuvor nicht gegeben. Doch in unserer 50. Ausgabe wollen wir

Ihnen die Mitglieder des Kernteams von unternehmen[!] zeigen.

Raten Sie doch mal anhand der Sprech- und Gedankenblasen,

wer für was verantwortlich ist? Falls Sie Hilfe

brauchen: Die Auflösung finden Sie rechts.

Wenn‘s

Auflage bringt,

dann ist‘s

gut!

Gute

Geschichte,

toll layoutet.

Hier wäre

doch noch

Platz für eine

Anzeige …

Haben wir

noch Budget

für mehr tolle

Fotos?

Von links nach rechts: Alexander Bögelein kümmert

sich um die Inhalte; Dagmar Jörger managt die Adressen;

Tobias Lehmann hält die Fäden zusammen; Bozena

Demski und Antje Glinka sorgen für schöne

Bilder, Marc Hörger ist unser Fotograf und

Alen Pahic gestaltet das Magazin.

Jetzt nur

noch mehr

Frauen auf dem

Titel …

Ich hätte da

schon Ideen

für weitere

Bilder …

56


unternehmen [!] Ausgabe 50 | Mai 2016

[team]

unternehmen [!]

macht schlauer

Er macht

Druck

Das Wirtschaftsmagazin der SÜDWEST PRESSE erscheint seit dem Jahr 2007,

fünf Mal im Jahr plus eine Sonderausgabe zur Oldtimer-Rallye Donau Masters.

Das Konzept beruht darauf, Geschichten anhand von Menschen zu erzählen

und unseren Lesern spannende Firmenporträts und Nutzwert zu liefern.

Stefan Gläser, Geschäftsführer

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim

mbH

„Das liegt bei mir auf dem Wohnzimmertisch.“ Das ist

eines der schönsten Komplimente, die die Leser dem

Produktionsteam von unternehmen [!] machen können.

Denn uns freut nichts mehr, als wenn sich unsere

Leser in die Magazinseiten vertiefen. Seit dem Start im

Jahr 2007 gehört zum Konzept von unternehmen [!] ein

Titelinterview mit Unternehmer- und Führungspersönlichkeiten

aus der Region. Großen Wert legen wir

bereits beim Briefing für die freien Mitarbeiter darauf,

Ja, so

wirkt es. Genau

so wollte ich

es!

dass

Geschichten

anhand von

Menschen erzählt werden, dass die Artikel Nutzwert

bieten und dass Verantwortliche im besten Fall sogar

eine Anregung für eine Lösung im eigenen Betrieb erhalten

– sei es bei den Themen Führung, Personalmarketing,

Unternehmensfinanzierung oder Events. Ergänzt

wird dies von Firmenporträts, der Vorstellung

von Existenzgründern und Nachrichten.

Unser Anspruch ist, dass man nach der Lektüre eines

Artikels um mindestens eine Sache schlauer ist. Dabei

wollen wir nicht dröge daherkommen, sondern auch

unterhalten und Einblicke gewähren, beispielsweise

mit unseren Umfragen unter Führungskräften.

Als Wirtschaftsmagazin wollen wir nahe bei unseren

Lesern sein: Unternehmern, Führungskräften und

Selbstständigen, die die Ausgaben – über unseren

Dienstleister Directmail – per Post erhalten. Außerdem

liegt das Magazin an Hochschulen aus: vom Bodensee

bis Göppingen. Wir freuen uns über Ihr Feedback:

t.lehmann@swp.de; a.boegelein@swp.de. [!] AMB

Das Wirtschaftsmagazin

unternehmen [!]

steht für interessante

Inhalte, journalistisch

und grafisch hochwertig

aufgearbeitet.

Das verdient eine

erstklassige Druckproduktion.

Dies sehen

wir als unsere

Aufgabe bei der Herstellung

des Magazins.

Als erfahrenes

Druck- und Medienhaus

produzieren,

konfektionieren und

perfektionieren wir

mit großem Anspruch

hochwertige Druckprodukte

aller Couleur.

Wir freuen uns

auf viele weitere

Ausgaben von

unternehmen [!].

Ihr Partner, wenn es

um Full-Service geht.

Testen Sie uns!

Direct-Mail & Marketing GmbH . Rudolf-Diesel-Str. 32 . 71711 Murr . Tel. 0 71 44 / 80 11-0 . www.directmailmurr.de

57


[namen & nachrichten] Ausgabe 50 | Mai 2016 unternehmen [!]

Kaufmännische

Berufe verändern

sich stark

Die Digitalisierung der Wirtschaft

verändert die Anforderungen

an kaufmännische Berufe.

Einer Umfrage unter rund

2800 Ausbildungsbetrieben zufolge

rechnet ein Drittel der Unternehmen

fest mit Veränderungen

für die Mitarbeiter,

teilte die IHK Region Stuttgart

mit. Besonders Unternehmen

mit mehr als 500 Mitarbeitern

gingen davon aus. Betroffen

seien vor allem kaufmännische

Berufe – technische Aufgaben

blieben relativ ähnlich.

Kreissparkasse

Sigmaringen

schließt Filialen

Spezialröstung aus Kisslegg

Die Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte

(OWB), die in der Region rund 1000 Arbeitsplätze

für Menschen mit Behinderung

bieten, planen in Kißlegg die modernste Kaffeerösterei

in Süddeutschland. Während bisher

pro Jahr etwa 60 Tonnen Kaffee verarbeitet

wurden, haben die OWB nun eine

Viertelmillion Euro investiert, um die Produktion

auf bis zu 200 Tonnen zu erhöhen. Unter

dem Namen „Cafésito“ verkaufen die OWB ihren

sortenreinen Kaffee in rund 60 Läden und

Kaffees vom Allgäu bis Ostfriesland. Bundesweit

hat die OWB durch ihre Kaffeeproduktion

120 Arbeitsplätze geschaffen.

Das Filialnetz der Kreissparkasse

Sigmaringen wird dünner.

Im Juni werden 8 der bisher 31

Filialen des stark ländlich geprägten

Landkreises geschlossen.

Der Grund: Viele Kunden

nutzen Online-Banking. Der

Service am Schalter ist so wenig

gefragt, dass die Filialen nicht

mehr wirtschaftlich betrieben

werden können. Die 14 betroffenen

Mitarbeiter behalten ihre

Jobs. Die Kreissparkasse beschäftigt

380 Mitarbeiter, ihr

Kundengeschäftsvolumen lag

2014 bei 2,3 Milliarden Euro.

Marc Diening

leitet Fiat-Tochter

Magirus

Erst Interimslösung, dann offiziell

Magiruschef:

Marc Diening

hat

beim traditionsreichen

Hersteller

Verantwortlich für

Magirus in Ulm:

Marc Diening.

von Feuerwehrautos

die Nachfolge

von Antonio

Benedetti angetreten. Er leitet

damit auch die Brandschutz -

technik-Sparte des Fiat-Schwesterkonzerns

CNH Industrial.

Der gebürtige Wuppertaler

sammelte unter anderem Erfahrung

bei den Schienenfahrzeugherstellern

Adtranz und

Bombardier Transportation.

Das 1864 von Conrad Dietrich

Magirus gegründete Unternehmen

beschäftigt derzeit 1300

Mitarbeiter – davon 1050 in

Ulm – und erzielte zuletzt mit

etwa 1600 verkauften Feuerwehrautos

einen Jahresumsatz

von 300 Millionen Euro.

Konzept 60 plus

von Daimler keine

Diskriminierung

Ein Arbeitgeberangebot an Manager,

mit einer Abfindung früher

in Ruhestand zu gehen, verstößt

laut Bundesarbeitsgericht

nicht gegen das Altersdiskriminierungsverbot.

Voraussetzung

sei, dass die Betroffenen ein echtes

Wahlrecht hätten, das Angebot

auszuschlagen. Ein ehemaliger

Verkaufsleiter hatte die

Daimler AG auf 80 000 Euro

verklagt (8 AZR 677/14). [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.),

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Glinka (Bild)

Fotos Giacinto Carlucci (Titel +

Interview), Volkmar Könneke,

Lars Schwerdtfeger, Marc Hörger,

Staufenpress, Getty Images,

Werkfotos, PR, Privat, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515, Fax 481

unternehmen.vertrieb@swp.de

Mediaberatung

Anzeigenservice

Telefon 0731 156-576

E-Mail tas@swp.de

Auflage: 18 000 Exemplare

Nächste Ausgabe

1. Juli 2016

Die Themen

Sprachmanagement

Facility-Management,

Recycling, Entsorgung

Fortbildung für Mitarbeiter

Stiftungen

u. v. m.

Anzeigenschluss

8. Juni 2016

www.swp.de/unternehmen

58


FACHKRÄFTETAGE

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Fachkräftetag in der Region:

JETZT

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UHINGEN

04.06.201’6

10 – 16 Uhr, Uditorium Uhingen

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15.10.2016

10 – 16 Uhr, ratiopharm arena, Neu-Ulm

Weitere Informationen und Anmeldung:

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A nbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

P artner vor Ort: Mercedes-Benz VP GmbH, im Auftrag Daimler AG, Niederlassung Ulm/Neu-Ulm:

V on-Liebig-Straße 10 · 89231 Neu-Ulm

Tel.: 07 31/ 70 0-0 · www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de

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