WIRTSCHAFT+MARKT 1/2018

wirtschaftmarkt

29. Jahrgang | Heft 1 | Januar/Februar 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

EXKLUSIV

Michael Müller über

Milliardeninvestitionen

in Berlin

ZUKUNFTSORT

EUREF-Campus

in Schöneberg

REPORT

Autohandel

im Umbruch

RATGEBER

Klug aus der

Insolvenz kaufen

Digitalisierung

So managt der Osten auch diese Wende


Ihr Unternehmen.

Ihre Zukunft.

Ihr Magazin.

29. Jahrgang | Heft 1 | Januar/Februar 2018 | ZKZ 84618 | Deutschland 6,50 €

WIRTSCHAFT+

MARKT

EXKLUSIV

Michael Müller über

Milliardeninvestitionen

in Berlin

ZUKUNFTSORT

EUREF-Campus

in Schöneberg

REPORT

Autohandel

im Umbruch

RATGEBER

Klug aus der

Insolvenz kaufen

Digitalisierung

So managt der Osten auch diese Wende

Titel_W+M_0118.indd 1 04.12.17 15:42

www.wirtschaft-markt.de

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE UNTERNEHMERMAGAZIN


EDITORIAL | 3

Der Osten muss

Motor der digitalen

Wende werden

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

kh@wirtschaft-markt.de

Foto: Torsten George, Titelfotos: Syda Productions/fotolia.com, spainter_vfx/fotolia.com

Was war das nur für ein Jahr, das

jetzt hinter uns liegt? Überall

Umbruch, Aufbruch, mitunter

Chaos und ungekannte Unberechenbarkeit.

Die Welt scheint aus den Fugen geraten

zu sein. Regionale Konflikte lassen

sich nicht eindämmen, auf der koreanischen

Halbinsel droht gar ein Krieg unkalkulierbaren

Ausmaßes. Und im Ranking

der Negativschlagzeilen wetteifern Staatschefs

wie Kim Jong-un, Donald Trump und

Recep Tayyip Erdogan seit Monaten Kopf

an Kopf um die Spitzenplätze.

In dieser nervösen Zeit schien Deutschland

lange der ruhende Fels in der Brandung

zu sein. Doch auch in unseren Landen

ist vieles in Bewegung geraten.

Spätestens seit der Bundestagswahl

im Herbst und der sich anschließenden

schwierigen Regierungsbildung. Die über

viele Jahre dominierenden Volksparteien

CDU und SPD wurden vom Wähler abgestraft

und (relativ) klein gemacht. Unter

den Deutschen rumort es, und sie haben

für ihren Protest ein neues Ventil gefunden

- die Alternative für Deutschland

(AfD), die mit 12,6 Prozent fulminant in

den Bundestag eingezogen ist.

Besonders in den neuen Ländern hat die

AfD viele Proteststimmen sammeln können.

Ein deutliches Zeichen dafür, dass im

Osten Deutschlands überdurchschnittlich

viele Menschen unzufrieden sind mit der

Bundespolitik der letzten Jahre. Auch 27

Jahre nach der deutschen Einheit liegen

die Einkommen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt,

viele Beschäftigungsverhältnisse

sind fragil oder ohnehin befristet

- das liegt auch am sehr kleinteiligen Mittelstand,

der die ostdeutsche Wirtschaft

dominiert. Die Menschen fragen sich, ob

die von der Politik bislang so oft versprochene

und noch längst nicht vollzogene

Angleichung der Lebensverhältnisse in

Ost und West eine ewige Fata Morgana

bleiben wird.

Das rückblickende Beklagen von Missständen

und Versäumnissen im Einigungsprozess

oder taktisch durchschaubare

gegenseitige Schuldzuweisungen

der politischen Akteure werden weder die

Unzufriedenheit der Bürger noch die eigentlichen

Ursachen der wirtschaftlichen

Defizite im Osten beseitigen. Das haben

wichtige Entscheider aus Politik, Wirtschaft

und Wissenschaft erkannt. Sie eint

die Überzeugung, dass es notwendig ist,

neue Wege zu gehen, um den alternativlosen

Aufholprozess Ostdeutschlands nachhaltig

anzukurbeln. Auf dem 2. Ostdeutschen

Wirtschaftsforum, das am 9. und

10. November in Bad Saarow stattfand,

wurden dazu konkrete Ideen entwickelt

und klare Handlungsfelder formuliert. Im

Kern geht es darum, dass die neuen Bundesländer

innerhalb Deutschlands zum

Motor der digitalen Wende werden müssen.

Das betrifft die Unternehmen genauso

wie die Schulen, die Wissenschaftseinrichtungen

und die Verwaltungen. Wenn

dieses ambitionierte gesamtgesellschaftliche

Digitalisierungsprojekt gelingt, hat

der Osten die Chance, endlich aufzuschließen.

Lesen Sie dazu unsere Titelgeschichte

(ab Seite 30).

W+M

VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft

Braunstraße 7 | 04347 Leipzig | Telefon +49 341 443-0

vng-gruppe.de/erdgas-kann-mehr-wir-auch

www.wirtschaft-markt.de


4 | W+M INHALT

W+M TITELTHEMA

Digitalisierung - so managt

der Osten auch diese Wende............30

W+M AKTUELL

Köpfe......................................................................... 6

Nachrichten ........................................................... 8

W+M LÄNDERSCHWERPUNKT BERLIN

Interview mit dem

Regierenden Bürgermeister Michael Müller............11

Berliner Zukunftsort:

EUREF-Campus in Schöneberg...............................16

Kreativer Aufbruch: Start-ups statt Tabakduft.........18

W+M LÄNDERREPORTS

Ostdeutschland:

Zu wenige Nachfolger für Ost-Unternehmen......... 20

Im Interview

11

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

über die Wirtschaftskraft seiner Stadt, Investitionen

und seine Ziele als Bundesratspräsident

Sachsen-Anhalt:

Dessau – Bauhausstadt mit Zukunft....................... 22

Ostdeutschland: Autohandel im Umbruch.............. 24

Mecklenburg-Vorpommern:

Oranje an der Ostseeküste..................................... 26

Ostdeutschland:

Eliteschulen - Pauken unterm Schlossdach ........... 28

W+M TITELTHEMA:

DIGITALISIERUNG - SO MANAGT

DER OSTEN AUCH DIESE WENDE

Digitalisierung kann Aufholprozess

spürbar beschleunigen............................................ 30

OWF-Memorandum „M20siebzehn“..................... 33

„Davos des Ostens“ - Magnet

für Spitzenpolitiker und Führungskräfte.................. 38

56

Netzwerk

Deutsche Gründer- und Unternehmertage

mit „SpeedDating“ für innovative Ideen

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe: 1/2018

Redaktionsschluss: 08.12.2017

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Charlottenstraße 65, 10117 Berlin

Tel.: 030 505638-00

Fax: 030 505638-21

www.wirtschaft-markt.de

Herausgeber/Geschäftsführer:

Frank Nehring, Tel.: 030 505638-55

fn@wirtschaft-markt.de

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 505638-86, kh@wirtschaft-markt.de

Redaktion: Janine Pirk-Schenker, Tel.: 030 505638-89,

jp@wirtschaft-markt.de

Autoren: Rudolf Miethig, Matthias Salm, Thomas

Schwandt

Abo- und Anzeigenverwaltung: Christiane Schattner,

Tel.: 030 505638-74, cs@wirtschaft-markt.de

Marketing und Vertrieb: Kerstin Will,

Tel.: 030 505638-72, kw@wirtschaft-markt.de

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und

Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint

zweimonatlich. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft

der Unternehmerverbände Ostdeutschlands

und Berlin sowie die Mitglieder des Vereins

Brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler

(VBIW) erhalten diese Zeitschrift im Rahmen ihrer

Mitgliedschaft. Einzelpreis: 6,50 €, Jahresabonnement

(inkl. aller Ausgaben von W+M Regional, W+M

Exklusiv und dem Online-Magazin W+M Kompakt)

60 € inkl. MwSt. und Versand (im Inland).

Layout & Design: Möller Medienagentur GmbH,

www.moeller-mediengruppe.de

Druck: Silber Druck oHG, ISSN 0863-5323

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur

mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen

nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte und

Fotos übernehmen wir keine Haftung.

Fotos: W+M (oben), Jochen Kirch (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


W+M INHALT | 5

W+M POLITIK

Kommentar: Fördergelder klug einsetzen............... 40

Standpunkt: Ist es vertretbar,

VIP-Einladungen anzunehmen?...............................41

Umfrage:

Was sind Ihre wichtigsten Ziele für 2018?.............. 42

30

Titel

Spitzenpolitiker debattierten beim

Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow

über die Chancen der digitalen Wende

W+M RATGEBER

Büro: Tipps für gute Büroorganisation.................... 46

Management: Aus der Insolvenz kaufen................ 48

Management: Die Achtsamkeit und

ihre Wirkung auf Führungskräfte............................ 50

IT: Mit hoher Datenqualität

schneller erfolgreich sein........................................ 52

Literatur: Die ostdeutsche Bestsellerliste

für Wirtschaftsliteratur............................................ 53

Auto: SUV - beliebte Kreuzung aus Limousine

und Geländewagen................................................. 54

W+M NETZWERK

Länderreport

Eliteschulen – Pauken unterm Schlossdach

28

Berlin: deGUT mit „SpeedDating“

für innovative Ideen................................................. 56

Leipzig: 11. enviaM-Energiekonvent....................... 57

Hoppegarten: Loulou‘s Jackpot gewinnt

Preis des WirtschaftsForums................................. 58

Bansin: Ball der Generationen................................. 59

Fotos: Ralf Succo (oben), Helge Lehmann KG (Mitte), Volvo Car Germany GmbH (unten)

Ratgeber

54

SUV - beliebte Kreuzung aus Limousine und Geländewagen

Warnemünde: Reichlich Glamour in Hohe Düne.... 60

Rostock: Branchentag zur Informationsund

Kommunikationstechnologie............................ 61

VBIW: Aktuelles aus dem Verein............................ 62

Neues aus den Unternehmerverbänden................. 64

W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick und Personenregister .............................. 66

W+M WEITERE BEITRÄGE

Editorial .................................................................... 3

Impressum .............................................................. 4

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


6 | W+M AKTUELL

1

2

3

1

Kati Wilhelm (41)

Schreibende Biathletin

Manche Köche verderben den Brei, indem

sie ihn immer exotischer und ausgefallener

machen. Diesen Lehrsatz hat sich die vielfache

Biathlon-Olympiasiegerin und Multi-

Unternehmerin aus Thüringen zu Herzen

genommen. In ihrem Heimatort Steinbach-

Hallenberg, wo sie auch Ehrenbürgerin ist,

betreibt sie seit 2014 das Lokal „Heimatlon“.

Erfolg bei einheimischen wie auswärtigen

Gästen hat sie, weil sie in der Küche

auf eine Balance zwischen Traditionellem

und Neuem vertraut. Verantwortlich dafür

ist ihr renommierter Koch Felix Hofmann,

der mit geschultem Blick und Kreativität

über den Tellerrand hinausblickt und Thüringer

Klassiker mit Pfiff anrichtet. Gemeinsam

mit Felix Hofmann hat Kati Wilhelm

jetzt das „Heimatlon-Kochbuch“ herausgebracht,

mit Rezepten für rund 100

Gerichte – für Gewürze und Pasteten, Suppen,

Eintöpfe, Brot und Gebäck, Aufstriche,

Konfitüren, Dressings, Fisch, Fleisch,

Beilagen und Kuchen.

2

Heiko Schmidt (50)

Prämierter Unternehmer

Wenn der studierte Diplomingenieur und

Bauherr durch Greifswald streift, begegnet

er an vielen Orten den Spuren seiner

Arbeit, eindrucksvollen Wohn- und Gewerbebauten.

In über 20 Jahren hat er unzählige

Projekte realisiert. Vom „Alten Fritz“

am Greifswalder Marktplatz über Kindertagesstätten-

und Schuleinrichtungen, die

Feuerwehr bis hin zum neuen Wohnpark

im Ummanzer Weg.

Ende November wurde Schmidt vom Unternehmerverband

Vorpommern als Unternehmer

des Jahres geehrt. Begründung:

„Als Geschäftsführer der Greifswalder Planungsgesellschaft

für Haus- und Stadterneuerung

PHS GmbH prägt er mit seinen

14 Mitarbeitern das Gesicht der Hansestadt

mit und schafft ein anspruchsvolles

soziales Umfeld für Familien und Unternehmen.“

Schmidt sei nicht nur geschäftlich

sehr erfolgreich, er bringe sich zudem aktiv

in die Gesellschaft ein. Heiko Schmidt

ist Mitglied im Lionsclub und Vorsitzender

des Vereins „Pommersche Heimat“, der

sich Kultur und Geschichte der Region verpflichtet

sieht. Der Verein hat bereits manches

historische Ausstellungsstück für das

Pommersche Landesmuseum erworben.

3

Stanislaw Tillich (58)

Langjähriger Landesvater

Am 13. Dezember zog er sich, wie zuvor

angekündigt, vom Amt des sächsischen

Ministerpräsidenten zurück, das er seit

2008 innehatte. Ab sofort ist er nur noch

„einfacher“ Abgeordneter des Sächsischen

Landtags. Da Tillich in den Jahren als

sächsischer Landesvater nie die Bodenhaftung

verlor und wegen seiner Unaufgeregtheit

und Volksnähe geschätzt wurde, dürfte

ihm der selbstgewählte Abstieg von der

Karriereleiter nicht allzu weh tun. Kurz vor

seinem Auszug aus der Staatskanzlei gab

er den Lesern der Leipziger Volkszeitung

einen Einblick in seine Gemütsverfassung:

„Ich habe sehr viel Post erhalten. Einerseits

von Menschen, die mir ihre Anerkennung

aussprechen, andererseits aber auch

von jenen, die das nicht tun. Das ist ganz

natürlich, da der Zuspruch bei Wahlen in

den vergangenen Jahren zwischen 30 und

40 Prozent lag. Zu wissen, dass die meisten

Leute mit mir nicht grollen, macht den

Abschied leichter. Und: Ich gehe schließlich

auch nicht im Groll. Das Land hat die

besten Voraussetzungen, seinen Weg weiter

zu gehen – nun ohne mich an der Spitze.

Nach fast 30 Jahren in der Politik finde ich

es ganz normal, nicht am Stuhl festkleben

zu wollen, sondern loszulassen.“

4

Michael Kretschmer (42)

Neuer Chef der Sachsen

Obwohl er bei der Bundestagswahl den

Wiedereinzug in den Bundestag verpasste,

weil er nicht über die Landesliste seiner

Partei abgesichert war, zählt der gebürtige

Görlitzer zu den politischen Aufsteigern

des Jahres. Am 13. Dezember wählte ihn

der Sächsische Landtag zum neuen Ministerpräsidenten

des Freistaates. Er beerbt

Stanislaw Tillich, der sich nach dem historisch

schlechten Abschneiden der sächsischen

CDU für einen Rückzug entschied.

Interesse an der Politik fand Kretschmer im

zarten Alter von 14 Jahren, im DDR-Wendeherbst

1989. Damals besuchte er mit

Freunden aus der Jungen Gemeinde die

Friedensgebete in seiner Heimatstadt. Bereits

mit 19 Jahren war er Stadtrat in Görlitz.

Ab 2002 gehörte er dem Bundestag

an, seit 2009 war er stellvertretender Vorsitzender

der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

für Bildung, Forschung, Kunst, Kultur

und Medien. Der studierte Wirtschaftsingenieur

war seit 2005 Generalsekretär der

sächsischen CDU. Amtsvorgänger Tillich

ist von Kretschmers Qualitäten überzeugt:

Fotos: W+M, Anette Pröber, W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


W+M AKTUELL | 7

Fotos: Deutscher Bundestag, Anette Pröber

4

„Er ist Sachse mit Herz und Verstand, der

jung und doch erfahren ist. Es ist ein Gewinn,

dass Michael Kretschmer als Kreisrat

die Belange der kommunalen Familie

genauso gut kennt, wie er ein belastbares

Netzwerk aus Berlin mitbringt."

5

5

Jane Bothe (49)

Segelschiff-Kapitänin

Die Eignerin des in den warmen Monaten

zwischen Greifswald, Rügen und der

Insel Usedom kreuzenden Seglers „Weiße

Düne“ hat eine besonders erfolgreiche

Saison hinter sich – insgesamt 6.500

Gäste konnte sie in den zurückliegenden

Monaten an Bord begrüßen. Jetzt liegt

der über hundertjährige Segelschoner

im Winterquartier und wird generalüberholt.

Für Jane Bothe ist das Schiff ihr Leben.

Schon als 10-jährige Berliner Göre

sei es ihr Traum gewesen, am Steuer eines

Schiffes zu stehen und im Einklang

mit der Natur zu leben. In Holland, erzählt

sie, seien Frauen seit vielen Generationen

auch als Kapitäninnen unterwegs. Das hat

sie fasziniert. Trotzdem studierte sie zunächst

Kunst und wurde Grundschullehrerin.

Doch schon bald wollte sie nicht nur

„Basteltante“ sein. In ihrem Ehemann Detlef

fand sie einen Gleichgesinnten. Beide

heuerten in Holland als sogenannte Decksknechte

an und besuchten nebenher die

Seefahrtsschule. „Für das Kapitänspatent

sind regelmäßige, lange Fahrtzeiten wichtig“,

sagt sie. Mit drei Kindern sei es nicht

gerade leicht gewesen, diese zu erreichen.

„Wir hatten ein gutes familiäres Zeitmanagement.

Einer war immer bei den Kindern

und einer an Bord.“ 2005 kam die Familie

aus Holland nach Vorpommern, um

auf der „Weißen Düne“ anzuheuern. Seit

2011 ist das Schiff im Familienbesitz.

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8 | W+M AKTUELL

ZFM IST ÖKOFLÄCHENAGENTUR

Dresden. Der zum 1. Januar 2017 neugegründete

Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement

Sachsen (ZFM) ist zuständig

für Veräußerungen und Verpachtungen von

staatlichen Immobilien sowie für Ankäufe

und die Bereitstellung von Immobilien für

staatliche Zwecke. Seit Oktober 2017 ist

der Staatsbetrieb ZFM auch als Ökoflächenagentur

des Freistaates beauftragt. Er ist

damit Ansprechpartner für alle öffentlichen

und privaten Vorhabenträger mit Kompensationsverpflichtungen.

Bei Baumaßnahmen

mit Eingriffen in den Naturhaushalt

müssen diese ausgeglichen oder ersetzt

werden. ZFM bietet in seiner neuen Funktion

sachsenweit Ökokontomaßnahmen an,

mit denen diese Kompensationsverpflichtungen

schuldbefreiend übernommen werden

können. Weitere Informationen:

www.zfm.sachsen.de.

ERZSCHÜRFER IN PÖHLA

Mittweida. Das Bergbauprojekt der Saxony

Minerals And Exploration AG (SME

AG) zum Abbau von Wolfram, Zinn und

Flussspat in Pöhla bei Schwarzenberg

geht in die erste Phase. Zum Jahresende

soll eine Pilotanlage in Betrieb gehen.

„Die Pilotanlage besteht aus einer Vorbrecheranlage,

einer Kugelmühle, Siebmaschinen,

mehreren Flotationszellen,

Eindickern, einer Trocknungsanlage sowie

einem Analyselabor“, so Matthias

Finder, Projektmanager der SME AG.

Zunächst werden in den ersten Wochen

zehn LKW-Ladungen Gestein aus

Pöhla angeliefert, anschließend aufbereitet

und dann untersucht. Auf diesem

Weg soll festgestellt werden, mit welchem

Verfahren sich Erze am besten aus

dem geförderten Gestein herauslösen

lassen.

BETEILIGUNG AN START-UP

Fürstenwalde. Die E.DIS AG beteiligt sich

am Start-up „b.ventus“. Das junge Unternehmen

bietet Geschäftskunden die Möglichkeit,

schnell, einfach und mit einem

Rundum-Service in die Produktion von

eigenem Windstrom einzusteigen. Kernstück

des Angebotes ist eine Windturbine,

die genau dafür optimiert ist. Mit knapp

30 Metern Höhe kann sie ohne aufwändige

Genehmigungsverfahren schnell errichtet

und in jede bereits vorhandene eigene

Energieerzeugung aus einem Blockheizkraftwerk

oder einer Photovoltaik-Anlage

integriert werden.

„Wir haben uns ‚b.ventus‘ bewusst als

Partner ausgesucht, da das Unternehmen

eine vielversprechende, innovative

Geschäftsidee entwickelt hat“, so E.DIS-

Vorstandsvorsitzender Dr. Alexander Montebaur.

EINTRITTSKARTE IN DIE WELT DER BUSINESS-CLUBS

Der Abschluss einer Young Executive

Membership ist im Alter von 21 bis

30 Jahren möglich. Die Mitgliedschaft

wird mit Vollendung des 30. Lebensjahres

automatisch in eine individuelle

Mitgliedschaft umgewandelt. Die Mitgliedschaft

ist nicht übertragbar.

Die Lounge des Berlin Capital Club.

Den optimalen Einstieg für Young Professionals

in die Welt der Business Clubs

bietet die Young Executive Membership

im Berlin Capital Club. Netzwerke aufund

ausbauen ist die Grundlage für jegliche

Geschäftsverbindungen. Starten Sie

jetzt durch und knüpfen Sie Ihre ersten

Clubkontakte als Clubmitglied beim traditionellen

Neujahrsemfang am 19. Januar

2018. Der Neujahrsempfang ist jedes

Jahr das erste Highlight des umfangreichen

Veranstaltungskalenders, wenn

über 500 Mitglieder gemeinsam das

neue Jahr begrüßen.

Eintrittskarte in die Welt der

Business-Clubs.

Der Berlin Capital Club wird von der

CCA Gruppe gemanagt und gehört

dem weltweiten IAC-Netzwerk an,

welches den Mitgliedern Zutritt zu

fast 250 Clubs in Metropolen weltweit

bietet.

www.berlincapitalclub.de

www.iacworldwide.com

Fotos: Berlin Capital Club

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


W+M AKTUELL | 9

Foto: Finow Automotive GmbH

FINOW AUTOMOTIVE EXPANDIERT

Eberswalde. Der für seine zukunftsweisenden

Technologien bekannte Automobilzulieferer

Finow Automotive GmbH

aus Eberswalde hat 2017 nicht nur erneut

kräftig in die Modernisierung seiner

Anlagen investiert, sondern gleich noch

einen neuen Unternehmensstandort in

Thüringen eröffnet. „Mit der Expansion

nach Haynrode in Thüringen haben wir

auch geografisch unsere Möglichkeiten

erweitert“, erklärt Geschäftsführer Hagen

Hänelt. Rund fünf Millionen Euro investierte

die Finow Automotive bislang

in Haynrode, weitere zwei Millionen Euro

sollen 2018 in den Standort fließen. „Wir

sind in Thüringen mit derzeit 22 Mitarbeitern

bereits gut aufgestellt, wollen im

kommenden Jahr aber noch auf 60 Beschäftigte

wachsen“, kündigt Hänelt an.

Insgesamt zählt die Finow Automotive

rund 200 Mitarbeiter. Parallel zum neuen

Unternehmensstandort

wurde auch am Stammsitz

Eberswalde weiter

investiert. Insgesamt

rund sechs Millionen

Euro flossen 2016 und

2017 in neue Technik.

So wurden unter anderem

eine hochmoderne

Rohrprofilieranlage, eine

Freiformbiegemaschine,

3-D-Laserschneidanlagen

und eine neue

MBB-Schweißzelle angeschafft

und in Betrieb

genommen. Die Finow

Automotive GmbH konzentriert

sich seit ihrer Gründung im Jahr

1999 auf die Einführung und Weiterentwicklung

neuer, innovativer Fertigungsprozesse

zur Herstellung von Rohren und

Moderne Technik bei Finow Automotive.

Profilen für Fahrwerk, Struktur und Motor-Applikationen.

Die präzisen Bauteile

der Firma finden Eingang in Modelle bekannter

Automarken weltweit.

Mehr Licht für weniger Geld.

Eigentlich müsste an unserem

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10 | W+M AKTUELL

DIGITALE PROZESSE SETZEN

STRATEGISCHE RESSOURCEN FREI

Leipzig. Die Digitalisierung verändert

Prozesse im Einkauf nachhaltig. Durch

effizientere Nutzung von Vertriebswegen

und Beschaffungsvorgängen werden

vor allem kleinere und mittlere Unternehmen

in die Lage versetzt, Kosten

zu sparen und strategische Ressourcen

freizusetzen. Dies ist das wichtigste Fazit

der Studie „Indirekter Einkauf im Fokus“,

die in einer Kooperation der Hochschule

für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

mit der Mercateo AG entstand. Darin

wurde untersucht, welche Einflüsse die

Digitalisierung auf den Einkauf und die

Optimierung von Beschaffungsvorgängen

in Unternehmen hat, welche Vorteile

sich ergeben und welche Kostenersparnis

damit einhergeht.

Nach Angaben der befragten Betriebe

verschiedener Branchen ist die Beschaffung

von indirektem Material,

zum Beispiel Büromaterial oder

Produkten des Arbeitsschutzes,

in kleinen und mittleren Unternehmen

häufig nicht einheitlich geregelt

und oft ein manueller Vorgang. So umfasst

ein typischer Beschaffungsvorgang

unter anderem die Bedarfsanforderung,

die Anbietersuche, die Bestellung

und den Wareneingang, was etwa

drei Stunden Arbeitszeit bindet und somit

etwa 115 Euro Prozesskosten erzeugt.

Sobald dieser Prozess digitalisiert wird,

sinken die Prozesskosten auf etwa 67

Euro, denn der gesamte Beschaffungsvorgang

nimmt weniger als zwei Stunden

in Anspruch.

Digitale Werkzeuge helfen also, Prozesskosten

für einen Beschaffungsvorgang

um mehr als vierzig Prozent zu senken

Die Studie „Indirekter Einkauf

im Fokus“ erschien 2017.

und wertvolle Arbeitszeit zu sparen. Auf

diese Weise schafft ein digitalisierter Beschaffungsprozess

Freiraum für Einkäufer,

sich auf strategisch wichtige Projekte

zu konzentrieren und gestaltet gleichzeitig,

durch die gesunkenen Prozesskosten,

den Einkauf wirtschaftlicher.

ifo Geschäftsklima Ostdeutschland im November 2017

OSTDEUTSCHE WIRTSCHAFT TROTZT DEM NOVEMBERGRAU

Die ostdeutschen Unternehmer stemmen sich gegen das

nass-kalte Novembergrau und bleiben insgesamt sehr positiv

gestimmt. Der ifo Geschäftsklimaindex der gewerblichen

Wirtschaft in Ostdeutschland stieg im November geringfügig

von 113,8 auf 114,0 Punkte. Die Befragungsteilnehmer korrigierten

ihre Lageeinschätzungen leicht nach oben, ihre Geschäftserwartungen

für das kommende halbe Jahr jedoch etwas nach

unten.

Auch die Beschäftigtenerwartungen der ostdeutschen Unternehmer

gaben spürbar nach. In Industrie, Bauhauptgewerbe

und Großhandel korrigierten die Befragungsteilnehmer ihre Personalpläne

nach unten, im Bauhauptgewerbe sogar sehr kräftig.

Hier dürften jedoch auch Besetzungsschwierigkeiten eine Rolle

spielen; abermals klagte knapp ein Viertel der ostdeutschen

Bauunternehmer über Arbeitskräftemangel.

Allerdings gaben die Geschäftserwartungen im Bauhauptgewerbe

insgesamt sehr kräftig nach. Dadurch trübte sich auch

das Geschäftsklima in diesem Bereich spürbar ein. In allen anderen

Bereichen der gewerblichen Wirtschaft – Verarbeitendes

Gewerbe, Groß- und Einzelhandel – hellte sich die Stimmung

hingegen auf. Dabei blickten alle drei Bereiche mit gestärktem

Optimismus ins kommende Jahr. Zugleich berichteten Industrie

und Großhandel von besseren Geschäften im November

als im Oktober.

ifo Geschäftsklima

Joachim Ragnitz und Michael Weber

Vormonat 19,5 November 20,0

ifo Beschäftigungsbarometer

Vormonat 6,2 November 4,2

Verarbeitendes Gewerbe

Vormonat 26,5 November 28,2

Bauhauptgewerbe

Vormonat 19,4 November 13,3

Groß- und Einzelhandel

Vormonat 5,1 November 7,7

* Unter gewerblicher Wirtschaft wird die Aggregation aus Verarbeitendem Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel verstanden.

Foto: Mercateo AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


SCHWERPUNKT BERLIN | 11

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD):

„Alles, was mit Wissenschaft und Digitalisierung

zu tun hat, findet in Berlin zunehmend ein Zuhause“

W+M: Herr Müller, als Ort für dieses Interview

haben Sie den EUREF-Campus

in Schöneberg ausgesucht. Welche Bedeutung

hat der Campus für den Wirtschaftsstandort

Berlin?

Michael Müller: Das ist einer unserer

ganz wichtigen Zukunftsorte. Einen Campus

mitten in der Stadt - das haben nicht

alle Metropolen zu bieten. Und hier kommen

mehrere Dinge zusammen – große

etablierte Unternehmen, Wissenschaftseinrichtungen

und die Start-up-Szene. Es

ist ein Glücksfall, gerade hier auch neueste

Entwicklungen in den Bereichen Energieeffizienz

und autonomes Fahren präsentieren

zu können.

W+M: Glaubt man einer jüngst veröffentlichten

Studie des Instituts der deutschen

Wirtschaft, ist es um die Berliner Wirtschaft

nicht gut bestellt. Im Gegensatz

zu anderen europäischen Hauptstädten,

die als Wirtschaftsmotoren in ihren Ländern

wirken, schmälert Berlin die deutsche

Wirtschaftskraft. Warum ist das so?

Foto: W+M

Michael Müller: Wir sind ohne Frage immer

noch in einer Aufholphase. Dafür gibt

es Gründe: Wir sind nicht zentralistisch

organisiert, wie in anderen Ländern, wo

sich alles auf die Hauptstädte fokussiert.

Bei uns konzentriert sich eben auch viel

auf München oder Frankfurt. Darüber hinaus

haben wir noch immer mit den Folgen

der Teilung zu kämpfen. Aus Berlin

ist viel Industrie abgewandert. Wir bemühen

uns aufzuholen. Das wird nicht

mehr nur durch die traditionellen Wirtschaftsbereiche

gelingen, so haben wir

eine ganz erstaunliche Entwicklung im

Bereich der Start-up-Szene, in der Digitalisierung

und im wissenschaftlichen Umfeld.

Wir konnten die Arbeitslosigkeit in

den letzten zehn Jahren halbieren. Insofern

sehe ich uns auf einem guten Weg.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller wählte für das W+M-Interview den

innovativen EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


12 | W+M SCHWERPUNKT

W+M: Seit knapp einem Jahr führen

Sie eine rot-rot-grüne Landesregierung.

Wie sieht Ihre wirtschaftspolitische Zwischenbilanz

aus?

Michael Müller: Die aktuellen Entwicklungen

zeigen, was unsere Themen sind.

Da gibt es den von Siemens geplanten

Stellenabbau. Wir müssen um jeden Industriearbeitsplatz

kämpfen. Nicht nur in

Berlin, sondern in ganz Ostdeutschland.

Das ist ein wichtiger Kampf, denn die Industrie

gehört ganz einfach zu einer gesunden

Wirtschaftsstruktur. Erfolgreich

sind wir nicht nur in den Bereichen Dienstleistungen

und Tourismus, sondern auch

in den wissenschaftsbasierten Bereichen,

wie auch der EUREF-Campus deutlich

macht. Alles, was mit Wissenschaft und

Digitalisierung zu tun hat, findet in Berlin

zunehmend ein Zuhause. Zwei Drittel des

deutschen Risikokapitals für Start-up’s

flossen im vergangenen Jahr nach Berlin.

W+M: In den aktuellen Umfragen schneidet

Ihr Senat eher schlecht ab. Viele

Menschen sind unzufrieden mit der Arbeit

der Berliner Landesregierung. Haben

Sie eine Erklärung dafür?

W+M: Sie haben von Investitionen gesprochen.

Um wie viel Geld geht es dabei

und in welche Vorhaben soll es prioritär

fließen?

Michael Müller: Wir haben den Investitionshaushalt

insgesamt wieder hochgefahren.

In den letzten sieben Jahren

von 1,3 Milliarden Euro auf zwei Milliarden

Euro. Zudem stehen uns angesparte

Haushaltsmittel im dreistelligen Millionenbereich

für diverse Investitionen

zur Verfügung, etwa für den Straßenbau

und notwendige Sanierungsmaßnahmen.

Dazu kommen Sonderprogramme.

Allein die Hochschulen erhalten in

den nächsten zehn Jahren zwei Milliarden

Euro. Für unsere allgemeinbildenden

Schulen geben wir in diesem Zeitraum

zusätzlich 5,5 Milliarden Euro aus.

W+M: Als es vor Jahresfrist zur Senatsbildung

kam, haben Sie sich dafür entschieden,

zusätzlich zu ihrem Amt als

Regierungschef auch die Verantwortung

für das Ressort Wissenschaft und Forschung

zu übernehmen. Was konnten

Sie auf diesem Gebiet in den vergangenen

Monaten bewegen?

Michael Müller: Der Wissenschaftsbereich

ist einer der Zukunftsbereiche unserer

Stadt. Deshalb halte ich es auch für

sinnvoll, dass die Zuständigkeit für dieses

Ressort beim Regierenden Bürgermeister

liegt. Neben den schon erwähnten Investitionen

sind uns in diesem Bereich

großartige Ansiedlungen von Instituten

gelungen, die auch überregional wirken.

Hierzu zählen das Deutsche Internetinstitut,

das Einsteinzentrum Digitale Zukunft

und das Institut für Migrationsforschung.

Darüber hinaus konnten wir das Berliner

Institut für Gesundheitsforschung mit Hilfe

des Bundes deutlich stärken.

W+M: Fragt man bei der Unternehmerschaft

nach, was ihnen am meisten unter

den Nägeln brennt, wird oft das Thema

schnelles Internet genannt. Wie weit

ist Berlin beim Breitbandausbau und bis

wann soll die Stadt mit schnellem Internet

versorgt sein?

Michael Müller: Wir haben eine Breitbandversorgung,

die bei über 90 Prozent

liegt. Trotzdem brauchen wir weitere In-

Michael Müller: Wir haben in Berlin traditionell

ein rustikales Umfeld. Auch Koalitionen

in anderen Farbgebungen hatten

damit schon zu kämpfen. Aber natürlich

spüren die Berliner bis heute die Auswirkungen

der harten Sparmaßnahmen

in den zurückliegenden zehn, fünfzehn

Jahren. Dass da ein Punkt erreicht ist, an

dem die Menschen eine deutliche Umkehr

erwarten, ist verständlich. Wir

haben das verstanden und umgesteuert.

Es wird wieder verstärkt investiert,

es werden neue Beschäftigte

eingestellt. Aber die Auswirkungen

dieser politischen Neuorientierung

werden erst schrittweise spürbar sein.

Insofern kann ich Unzufriedenheit verstehen.

Mir geht es zuweilen selbst so,

dass mir bestimmte Dinge nicht schnell

genug vorangehen. Aber man braucht für

Investitionen und Personalaufwuchs ein

bisschen Zeit.

Michael Müller vor einem autonom fahrenden

E-Bus, der auf dem Campus-Gelände verkehrt.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


BERLIN | 13

vestitionen, um künftig eine noch höhere

Internetgeschwindigkeit zu ermöglichen.

W+M: Sie haben für ein Jahr das durchaus

einflussreiche Amt des Bundesratspräsidenten

übernommen. Beim Amtsantritt

kündigten Sie an, in den kommenden

Monaten bewusst auch Berliner Themen

voranzubringen. Welche Themen könnten

das sein?

Foto: W+M

Michael Müller: Wir haben eine große

Expertise in vielen Bereichen, die bundesweit

eine Rolle spielen. Etwa bei der

Migration. Auch das Thema wachsende

Stadt ist nicht nur für Berlin wichtig. Praktisch

alle Städte wachsen im Moment.

Alle müssen sich auseinandersetzen mit

Fragen zur Wohnraumversorgung, zu Bildungsangeboten

und Mobilität. Erwähnen

möchte ich auch unsere 50 Digitalprofessuren

und die vielfältige Start-up-

Szene. Diese Erfahrungen können wir

bundesweit einbringen.

Michael Müller mit W+M-Herausgeber Frank Nehring (r.) und Chefredakteur Karsten Hintzmann (l.).

W+M: Werden Sie die Bundesratspräsidentschaft

auch dafür nutzen, den

viel beschworenen Aufhol- und Angleichungsprozess

der ostdeutschen Länder

zu thematisieren?

Michael Müller: Gerade die Bundesratspräsidentschaft

bietet die Möglichkeit,

sich noch stärker auszutauschen

und zu vernetzen. Es gibt ja bereits die

Ost-Ministerpräsidenten-Konferenz als

unser netz verbindet

Zukunft mit Nach haltigkeit.

50Hertz sorgt für sicheren Anschluss an neue Energie.

Wir versorgen über unser Höchstspannungsnetz rund 18 Millionen Menschen

im Norden und Osten Deutschlands sicher und zuverlässig mit Strom. Immer

mehr davon stammt aus erneuerbaren Quellen, die das Klima nicht belasten.

Für diese umweltfreundliche Energie bauen wir unser Stromnetz aus. Dabei

nehmen wir Rücksicht auf die Menschen und minimieren Eingriffe in die

Natur durch ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

www.50hertz.com

© jan pauls


14 | W+M SCHWERPUNKT BERLIN

Michael Müller: Es war damals ein

Kleinstunternehmen, zeitweise waren

wir nur zu fünft. Es gab sogar Phasen,

wo mein Vater ganz allein war. Besonders

gut erinnere ich mich auch an die

Phasen, wo es nicht so lief. Es begann

damit, dass ich keinen Kredit bekam, um

eine gebrauchte Maschine zu kaufen. Die

Banken sagten, ich könne jede Summe

für eine neue Maschine haben, aber die

10.000 Mark für die gebrauchte Maschine

wurden nicht bewilligt. Das zeigt, welche

Probleme gerade kleine Unternehmer

oft bei Finanzierungsfragen haben.

Es ging dann weiter mit der Frage, wie

man mit ungeschützten Gewerberaummieten

umgeht, die über Nacht plötzlich

verdreifacht wurden und zum Umzug

zwangen. Diese Erfahrungen habe

ich alle hautnah gemacht und sie fließen

ein in meine politische Tätigkeit.

W+M: Existiert die kleine Druckerei

noch?

Michael Müller sieht den EUREF-Campus als „Glücksfall“ für Berlin.

bewährte Institution. Aber wir merken

an so aktuellen Fällen, wie dem von Siemens

geplanten Stellenabbau, dass man

da auch dranbleiben muss. Viele Regionen

haben nach wie vor Strukturprobleme,

auch in Westdeutschland. Trotzdem

brauchen wir gerade für Ostdeutschland

weiter eine besondere Sensibilisierung

des Bundes, dass es hier zu weiteren Ansiedlungen

von Institutionen und Unternehmen

kommen muss.

In den 28 Jahren seit der Deutschen Einheit

haben wir viel geschafft. Dennoch

müssen wir uns damit auseinandersetzen,

dass es noch keine gleichen Lebensverhältnisse

gibt.

W+M: Durch die endlosen Verzögerungen

beim Bau des Großflughafens BER sind

Sie in eine Zwickmühle geraten: Die Berliner

wollen mehrheitlich, dass der Flughafen

Tegel auch nach einer BER-Inbetriebnahme

am Netz bleibt. Die Mitgesellschafter

Brandenburg und der Bund

sind dagegen. Wie gehen Sie mit dieser

Situation um?

Michael Müller: Der Berliner Senat hat

sich hier eindeutig positioniert. Wir haben

deutlich gemacht, dass wir sehr große

Risiken sehen, sollte Tegel dauerhaft

am Netz bleiben. Nach dem Volksentscheid

mussten wir zunächst bei den

anderen Gesellschaftern seriös ausloten,

ob es überhaupt einen Entscheidungsspielraum

gibt. Berlin allein kann

das nicht entscheiden. Nach den Gesprächen,

die wir geführt haben, stellen

wir fest, dass weder beim Bund noch

in Brandenburg eine Meinungsänderung

erkennbar ist. Wenn uns nicht noch der

beauftragte unabhängige Gutachter

neue Spielräume aufzeigt, sehe ich daher

kaum Möglichkeiten, diesem Votum

nachzukommen.

W+M: Abschließend zwei persönliche

Fragen. Sie waren früher unternehmerisch

tätig, haben mit Ihrem Vater eine

kleine Druckerei geführt. Gibt es aus

jener Zeit Eigenschaften und Erfahrungen,

von denen Sie heute noch profitieren?

Michael Müller: Mein Vater führte die

Druckerei bis zu seinem Tod im Jahr 2015

und nun führt sie – zu meiner Überraschung

– meine Mutter, die auch setzen

und drucken kann. Ich habe keinen unternehmerischen

Anteil daran. Aber natürlich

gibt es eine emotionale Bindung. Aus

Spaß drucke ich am Wochenende bisweilen

das Briefpapier für meine Tochter.

ZUR PERSON

Interview: Karsten Hintzmann

und Frank Nehring

Michael Müller wurde am 9. Dezember

1964 in Berlin geboren. Im Anschluss

an eine kaufmännische Lehre arbeitete

er von 1986 bis 2001 als selbstständiger

Drucker. 1981 trat Michael Müller in

die SPD ein. Von 2001 bis 2011 fungierte

er als Chef der SPD-Abgeordnetenhausfraktion.

Parallel dazu ist er – mit

einer Unterbrechung – seit 2004 Landesvorsitzender

der Berliner SPD. 2011

wurde er Stadtentwicklungssenator.

Seit Dezember 2014 ist er Regierender

Bürgermeister. Michael Müller ist verheiratet

und Vater zweier Kinder.

Foto: W+M

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


#berlinfashionweek

www.fashion-week-berlin.com

16.–19.

JANUAR

2018


16 | W+M SCHWERPUNKT

Vom 80 Meter hohen Gasometer hat man einen atemberaubenden

Blick über den EUREF-Campus und den Bezirk Schöneberg.

Stadt der Zukunft

am Schöneberger

Gasometer

Seit 2008 entwickelt die EUREF AG den 5,5 Hektar großen EUREF-

Campus im Herzen von Berlin-Schöneberg zu einer intelligenten

Stadt für Arbeiten, Forschen, Bilden und Wohnen – ein Zukunftsort,

bei dem energetisch optimierte Gebäude, ein lokales „Micro Smart

Grid“ sowie geringe Betriebskosten durch Nutzung regenerativer

Energien im Mittelpunkt der Entwicklung stehen.

Von Karsten Hintzmann

Als der Stadtplaner und Architekt

Reinhard Müller das Areal am Gasometer

in Schöneberg vor knapp

zehn Jahren für rund eine Million Euro vom

Gasversorger „Gasag“ kaufte, brauchte es

eine gehörige Portion Fantasie, sich diese

Gegend als künftigen Zukunftsort vorzustellen.

Zunächst warteten auf Müller die

Mühen der Ebene. Das Campusgelände

des „Europäischen Energieforums“ (EU-

REF) sowie Teile des Gasometers mussten

von Altlasten befreit werden. Dafür

wurden sieben Millionen Euro fällig.

Und das in einer Zeit, als die globale Wirtschafts-

und Finanzkrise (2008/2009) auch

Deutschland in Zukunftsängste stürzte.

Wende durch Fukushima

Doch das Blatt wendete sich

im Jahr 2011. Die Atomkatastrophe

von Fukushima

veranlasste die Bundesregierung

unter

Kanzlerin Angela Merkel

(CDU), die Energiewende

auszurufen.

Und die brauchte dringend

und schnell Referenzprojekte.

Als

wichtiger Energiewende-Leuchtturm

entwickelte

sich fortan der

EUREF-Campus.

Vater und Entwickler des EUREF-Campus:

Reinhard Müller.

Heute haben sich neben der Technischen

Universität Berlin, die auf dem EUREF-

Campus vier Masterstudiengänge anbietet,

und Forschungseinrichtungen, wie

dem Mercator Research Institute on Global

Commons and Climate Change, dem

Climate-KIC und dem Wissenschaftszentrum

Berlin, zahlreiche Startups und international

renommierte Unternehmen

wie Cisco, Schneider Electric, WILO oder

die Deutsche Bahn angesiedelt.

Rund 100 Unternehmen

und Institutionen

forschen, entwickeln

und produzieren

mit ihren mehr als

2.000 Beschäftigten

am Rande des

Gasometers. In

einem engen Austausch

und mit

zahlreichen Partnerschaften

entwickelt

die innovative

Gemeinschaft

aus Global

Fotos: Karin Teichmann (oben), Andreas Schwarz (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


BERLIN | 17

Fotos: W+M (oben), Andreas Schwarz (unten links), Karin Teichmann (unten rechts)

Der Campus beheimatet eine der größten

Elektrotankstellen in der Region.

Playern, Start-ups sowie forschenden

und lehrenden Einrichtungen intelligente

Lösungen für die Stadt der Zukunft.

Daher bekommt auch nicht jeder einen

Mietvertrag von der EUREF AG. Wichtig

sind die Themenschwerpunkte Energie,

Mobilität und Nachhaltigkeit – und die

Lust an Austausch und Kooperationen.

Kocht vor Ort auf höchstem

Niveau: Sternekoch

Thomas Kammeier.

Der vollständig privat finanzierte EUREF-

Campus ist längst auch ein Referenzort

für die Smart City-Strategie des Landes

Berlin. Das Versorgungskonzept basiert

auf dem Grundgedanken, mit der Anwendung

von intelligenten Technologien

die benötigte Energie weitestgehend

klimaneutral zu erzeugen und effektiv zu

nutzen. Bereits seit Januar 2014 erreicht

der Campus die Klimaziele der Bundesregierung

für 2050. Wer mit offenen Augen

über das Campus-Gelände geht, erlebt

Technologien, die einen Ausblick auf

das Leben von morgen ermöglichen. Auf

den Straßen verkehrt ein autonom fahrender

Elektrobus, auch selbstfahrende

Straßenreinigungsmaschinen

sind im Einsatz.

Die Attraktivität des

Schöneberger Areals

will der „Vater“ und

Kopf des EUREF-

Campus, Reinhard

Müller, in den nächsten

Jahren weiter gezielt erhöhen. Aktuell

wird an einem neuen Bürogebäude

gearbeitet, das nächste ist schon in

Planung. Darüber hinaus soll ein Hotel

entstehen und das Gasometer ausgebaut

werden. Spätestens 2023 will Müller

mit allen Um-, Aus- und Neubauten

fertig sein. Dann wird er rund 600 Millionen

Euro in den EUREF-Campus investiert

haben – in eine Stadt der Zukunft,

mit Bürokapazitäten in einer Größenordnung

von 130.000 Quadratmetern und

Raum für 6.000 Jobs.

Sterneküche auf dem Campus

Der Schöneberger Zukunftsort ist weit

mehr als nur eine Arbeitsstätte für Forscher

und Entwickler. Die vorhandene

Event-Infrastruktur aus Restaurants,

Café, Konferenz- und Seminarräumen

und attraktiven Außenflächen macht unterschiedlichste

Veranstaltungsformate

möglich: Kongresse, Empfänge, Gala-Dinner,

Workshops, Firmen- und Produktpräsentationen,

private Feiern sowie

Presseveranstaltungen. Wer will, findet

hier Erholung, sportliche Betätigung – auf

einem Beachvolleyballfeld oder im Fitnessstudio

- und Gastronomie auf höchstem

Niveau. Seit Mitte 2015 ist Sternekoch

Thomas Kammeier als gastronomische

Leiter auf dem EUREF-Campus tätig.

Mit seinem Team bietet er im Café im

Wasserturm sowie auch in der Werkstatt

eine gesunde und regionale Küche für die

Campus-Community an. Von seinem Arbeitsumfeld

ist er begeistert: „1999 habe

ich den ersten Michelin-Stern für das Restaurant

Hugos im Hotel Intercontinental

erkocht. Heute schmücke ich mich

sehr gerne mit den 14 EUREF-Sternen.

Die Arbeit auf dem Campus verpflichtet

zu Nachhaltigkeit und Innovation.

Tag für Tag. Ich betreue

mit meinem Team große

Veranstaltungen

mit Hunderten von

Gästen, exklusive

Fine-Dinings und

natürlich vor allem

das tägliche Mittagsangebot

für die

EUREF-Community.

Gerne greifen wir dabei

auch EUREF-Themen auf.

Von ‚geretteten Lebensmitteln‘ über ‚Algen‘

finden sich zahlreiche der Ideen und

Innovationen unserer Unternehmen auch

in unseren Gerichten wieder. Die Kooperationen

auf dem Campus funktionieren,

sie machen Spaß - und in unserem Fall

schmecken sie am Ende sogar gut.“

Wenige Monate vor dem zehnjährigen

Jubiläum zieht EUREF-Schöpfer

Reinhard Müller gegenüber

WIRTSCHAFT+MARKT eine durchweg

positive Zwischenbilanz: „Ich habe im

Jahr 2008 mit meinem Team begonnen,

den EUREF-Campus zu einem intelligenten

Stadtquartier rund um die Themen

Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität zu

entwickeln. Ich bin von Beruf Architekt

und interessiere mich seit meinem Studium

für das Themenfeld Energieeinsparungen.

Heute sind wir mit unserem komplett

privat finanzierten Standortkonzept

einer der zehn Zukunftsorte des Landes

Berlins. Gemeinsam mit Berliner Unternehmen,

Start-ups und der Technischen

Universität Berlin zeigen wir hier in Berlin-Schöneberg

Besuchern aus aller Welt,

wie die Energiewende bezahlbar umgesetzt

werden kann. Ich kann nur allen immer

wieder sagen: Es geht! Packen wir

es an!“

W+M

Der Gasometer ist das Wahrzeichen des

EUREF-Campus.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


18 | W+M SCHWERPUNKT BERLIN

Auf dem Gelände der alten Reemtsma-Fabrik entsteht in den nächsten Jahren ein attraktiver Gewerbestandort.

Start-ups statt Tabakduft

In einer Ex-Zigarettenfabrik entsteht ein Biotop

für Kreative und Gründer

Upper West, Waldorf Astoria, Cumberland,

Bikini Berlin – das sind nur

einige der Projekte, die sinnbildlich

für den Aufschwung der Berliner City-

West stehen. Während die Hochhäuser

am Alexanderplatz in der Planungsphase

feststecken, steht die neue Skyline

am Breitscheidplatz schon. Weitgehend

unbeeindruckt von dem Immobiliengetöse

am nahen Kurfürstendamm arbeitet

Stephan Allner an seinem Beitrag

für die City-West: Einem neuen Kreativund

Büroquartier, wie es kein zweites in

Berlin gibt. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur

hat mit seiner Firma „Die Wohnkompanie

Berlin“, einer Beteiligungsgesellschaft

der international tätigen Zech

Group aus Bremen, die rund 7,5 Hektar

umfassende ehemalige Reemtsma Zigarettenfabrik

erworben. Die Besucher, die

nach einer Einladung die schier endlosen

Flächen erkunden, wandern durch teils

mehrere hundert Meter lange Hallen, erklimmen

auf 25 Metern Höhe das stillgelegte

Hochregallager oder tauchen ab in

die Katakomben des unterkellerten Areals.

110.000 Quadratmeter umfassen die

Hallen, Lagerflächen und Büros, in denen

einst Millionen Zigaretten täglich hergestellt

wurden.

Doch das ist Vergangenheit: Derzeit wird

vor allem das Bürohaus genutzt. Auch „Die

Wohnkompanie“ hat hier ihren Sitz. In den

Hallen überwintern Boote, Oldtimer werden

restauriert und eine Lebensmittelkette

hat ein Kühllager errichtet. Auch der Caterer

Zeitgeist und die Filmschauspielschule

Berlin haben hier Quartier bezogen, dazu

kommen Filmgesellschaften und Eventfirmen.

Doch diese Nutzungen wird es so

nicht mehr lange geben, denn Stephan Allner

hat das Grundstück mit einer Vision

erworben: In den nächsten fünf bis sechs

Jahren soll an der Mecklenburgischen Straße

- nur wenige hundert Meter vom Berliner

Ring entfernt - ein neues Gewerbequartier

mit Büros und Spezialimmobilien

für nichtstörende Industrie und Gewerbe

entstehen. Rund 800 Millionen Euro werden

er und seine Partner dort investieren.

Allner greift dabei gleich mehrere Trends

auf: Das Gelände soll geöffnet werden, daher

gehören auch Restaurants, eine Theaterbühne

und zwei Hotels zu dem Konzept.

Dem Trend zu mehr Datensicherheit

trägt ein Rechenzentrum Rechnung und

die Nachfrage nach modernen Arbeitskonzepten

befriedigen ein Start-up Center und

die Co-Working-Lofts mit markantem Fabrikambiente.

Moderne Werkhöfe, die sich

an den Kreuzberger Originalen orientieren,

werden lärmschützend entlang der nahen

Autobahnabfahrt platziert.

Wohnraum, so hat es der Bezirk verfügt,

wird auf dem Reemtsma-Areal nicht entstehen.

Wer das Quartier umrundet und

dabei innehält, blickt über die benachbarte

Kleingartenkolonie, hört Vögel singen

und Kinder spielen – hier wäre der ideale

Ort zum Wohnen. „Beim Kauf des Grundstücks

haben wir schon daran gedacht,

auch Wohnungen zu errichten, aber angesichts

der bis zu fünfjährigen Verfahrensdauer

für die Änderung des Bebauungsplans

sind wir schnell davon abgerückt“,

sagt Allner heute und ergänzt: „Wir erleben

eine riesige Nachfrage nach modernen

Gewerbeflächen.“ Und so kann sich

der Bauherr ganz auf die Entwicklung eines

Gewerbequartiers der Zukunft konzentrieren,

das dank intelligenter Mobilitäts-

und Energiekonzepte auch in ökologischer

Hinsicht vorbildhaft wird, etwa durch

die Nutzung der Abwärme aus dem Rechenzentrum

zum Heizen und Kühlen oder

mittels autonomer Elektrofahrzeuge. „Go

West“ lautet selbstbewusst der Arbeitstitel

für dieses Projekt – klingt so, als würde

der Ruf erhört.

W+M

Foto: Die Wohnkompanie

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


SAVE THE DATE

8. + 9.

NOVEMBER

2018

WIR DANKEN

UNSEREN PARTNERN

UND SPONSOREN

Institut

Niederlassung Dresden


20 | W+M LÄNDERREPORT OSTDEUTSCHLAND

Zu wenige Nachfolger

für ostdeutsche Unternehmen

In Ostdeutschland werden Unternehmensnachfolgen, getrieben

durch die demografische Entwicklung, ein immer bedeutenderes

Thema. Bis 2025 stehen rund 27.800 Unternehmen mit mehr als

zehn Mitarbeitern zur Übernahme an, wovon insgesamt über 1,6

Millionen Arbeitsplätze betroffen sind. Das geht aus Berechnungen

der HypoVereinsbank auf Basis von Daten der Statistischen Ämter

des Bundes und der Länder hervor.

„Wir erleben, dass sich insbesondere Unternehmer

aus der Gründergeneration der

frühen 90er Jahre verstärkt Gedanken um

ihre Nachfolge machen“, sagt Jörg Frischholz,

Leiter des Firmenkundengeschäfts der

HypoVereinsbank in der Region Ost. Dabei

sind erfolgreiche Unternehmensübergaben

nicht nur für Übergeber, Nachfolger und das

betroffene Unternehmen wichtig, sondern

auch für die zukünftige Wirtschaftskraft der

Region. Zumal der großen Anzahl von Unternehmen

eine viel kleinere Auswahl an

möglichen Nachfolgern gegenübersteht.

Das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer

liegt bei über 50 Jahren, 40 Prozent

sind sogar älter als 55. Mit dem demografischen

Wandel hat sich das Verhältnis

von übergabereifen Unternehmen und

potenziellen Nachfolgern laut Report des

Deutschen Industrie- und Handelskammertags

aus dem Jahr 2016 nahezu umgekehrt.

Viele Unternehmen haben daher Probleme,

einen passenden Nachfolger zu finden. Die

Nachfolgeplanung wird dadurch oft zu einer

zentralen Herausforderung.

Doch eine ungeklärte Nachfolgesituation,

die zudem häufig auf die lange Bank geschoben

wird, kann sich negativ auswirken:

Es droht ein Investitionsstau bis hin

zum Substanzverlust des Unternehmens

und im schlimmsten Fall die Schließung –

verbunden mit negativen Konsequenzen für

Mitarbeiter, Kapitalgeber sowie Städte und

Kommunen. Umso wichtiger ist es aus Sicht

der Experten, die Planung von Nachfolge

und Übergabe frühzeitig in Angriff zu nehmen.

Für eine Nachfolge sollte ein mehrjähriger

Vorlauf eingeplant werden, auch dann,

wenn Unternehmen in der Familie übergeben

werden – was bei rund 50 Prozent der

Fall ist.

Oft zeigen sich Probleme erst nach einer

Übergabe, beispielsweise wenn der Nachfolger

den Investitions- oder gar Restrukturierungsbedarf

unterschätzt hat. Deshalb

sollte der Übergabeprozess strategisch geplant

werden. „Wichtig hierbei ist eine ganzheitliche

Betrachtung: Von der Finanzierung

der Übernahme oder Nachfolge, über eine

M&A-Beratung bis hin zur Investition des

Verkaufserlöses“, erläutert Jörg Frischholz.

Wurde ein Unternehmen erfolgreich übergeben

oder verkauft, stellt sich für die abgebende

Partei letztlich auch die Frage der

Mittelverwendung aus etwaigen Verkaufserlösen

und somit auch die Strategie zur privaten

Vermögensnachfolge. „Viele Kunden

möchten mit ihrem Privatvermögen auch

gesellschaftliche Verantwortung übernehmen

– zum Beispiel durch die Gründung

einer Stiftung oder durch Zustiftung zu einer

bestehenden Stiftung. Kernaufgabe der

Zusammenarbeit ist es, langfristig für eine

wirtschaftlich gesunde Basis von Stiftungen

zu sorgen, immer mit dem Ziel, den

Stiftungszweck kontinuierlich zu verwirklichen

und in der Regel auch das Kapital langfristig

zu erhalten“, sagt Alexander Appel,

Leiter Private Banking der HypoVereinsbank

in der Region Ost.

W+M

ZUR ÜBERNAHME ANSTEHENDE UNTERNEHMEN* IN OSTDEUTSCHLAND

IN DEN NÄCHSTEN 10 JAHREN

Unternehmen in Tsd.

90

80

70

60

50

40

30

20

10

Anzahl Betriebe ab 10 Beschäftigte davon ca. 1/3 von Nachfolge betroffen

* ab 10 Mitarbeiter

83.300

Jörg Frischholz, Leiter des

Firmenkundengeschäfts der

HypoVereinsbank in der Region Ost.

27.800

Fotos: Robert Kneschke/fotolia.com (oben), HVB (Mitte), Quelle Schaubild: HBV

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


Gesundheitsversorgung des

21. Jahrhunderts erfordert moderne Biologika

Verbesserte Gesundheit für

Mensch und Tier

Weltweit ist die IDT Biologika ein gesuchter

Partner im Kampf gegen schwere Infektionskrankheiten

bei Menschen und zur Unterstützung

der Eindämmung von Krankheiten,

die von Tieren auch auf Menschen übertragen

werden können.

Globale Aktivitäten der

IDT Tiergesundheit

Die IDT Tiergesundheit vertreibt global eigene

innovative Impfstoffe, die Krankheiten

vorbeugen und vermeiden. Von Forschung,

Entwicklung, Zulassung und Herstellung bis

zum Vertrieb liegen alle Schritte in der Hand

des Unternehmens. Weltweit können so

einzigartige Produkte Tierärzten und Tierzüchtern

zur Verfügung gestellt werden. Die

Innovationen der IDT werden prämiert und

intensiv in vielen Ländern nachgefragt.

Spezialist für Humanimpfstoffe

Im Auftragsgeschäft machen die Kompetenzen

der IDT bei bakteriellen und viralen

Impfstoffen das Unternehmen zum gesuchten

Partner für die großen Pharmaunternehmen

dieser Welt. Die IDT leistet namhafte

Beiträge, um gefährliche Infektionskrankheiten

wirkungsvoll bekämpfen zu können.

Kontinuierliche Investitionen

in die Zukunft

Heute forscht und fertigt die IDT Biologika in

Deutschland, UK, USA und Kanada. Kontinuierliche

Investitionen in Kompetenzen und

Kapazitäten stellen auch zukünftig die Beiträge

der IDT zur verbesserten Gesundheit

von Mensch und Tier sicher.

IDT Biologika GmbH

Am Pharmapark

06861 Dessau-Roßlau

www.idt-biologika.com


22 | W+M ADVERTORIAL

Bauhaus Dessau.

Die Bauhausstadt mit Zukunft

Von der Wiege der modernen Architektur zum erfolgreichen

Wirtschaftszentrum in Mitteldeutschland

Die einstige Fürsten- und Residenzstadt

in Sachsen-Anhalt befindet

sich in Bewegung und hat den

Glanz und die Wirtschaftskraft vergangener

Tage zurückgewonnen. Vom Zentrum

der Aufklärung und Wiege der zivilen

Luftfahrt unter Prof. Hugo Junkers hat

sich Dessau-Roßlau zu einem modernen

Dienstleistungszentrum und biopharmazeutischen

Spitzencluster entwickelt und

gilt mittlerweile als kleine „Perle“ unter

den Oberzentren in Ostdeutschland.

Die positive Entwicklung des Standortes

erkennt man vor allem am Erfolg der ansässigen

Wirtschaft. In Dessau -Roßlau

hat sich ein stabiler und krisenfester mittelständischer

Branchenmix ausgebildet,

welcher mit Weltmarktführern, innovativen

Gründern und Start-ups, dem modernsten

Schienenfahrzeugprüfzentrum

Europas und dem global agierenden Bio-

PharmaPark Dessau ergänzt wird, der unter

anderem hochwirksame Tier- und Humanimpfstoffe

erforscht und produziert.

Der besondere Standortvorteil von Dessau-Roßlau

ist die Kombination der positiven

Standortfaktoren. Dadurch sowie

durch unternehmerisches Engagement

ist es gelungen, aus einst von der Treuhand

als „nicht sanierungsfähig“ eingestuften

Betrieben erfolgreiche Unternehmen

mit internationalen Absatzmärkten

und die größten Arbeitgeber der Region

zu entwickeln.

Diese positive Entwicklung bestätigt

unter anderem Dr. Sybille Werner, Geschäftsführerin

der Octapharma Dessau

GmbH: „Dank umfangreicher Investitionen

gewinnt der Dessauer Standort zunehmend

an Bedeutung und setzt die Tradition

einer Region inmitten Sachsen-Anhalts

fort, in der seit Jahrzehnten innovative

Pharmaunternehmen zu Hause sind.“

Biopharmazeutischer Spitzencluster am Wirtschaftsstandort.

Mit einer Vielzahl von gewerblichen und

touristischen Investitionen in die Infrastruktur,

wie der Errichtung der innerstädtischen

Flaniermeile „Kavalierstraße“,

dem im Bau befindlichen Bauhausmuseum

sowie der Errichtung eines modernen

Tagungs- und Kongresszentrums

in der Innenstadt, werden die Standortbedingungen

bis zum 100-jährigen Bauhausjubiläum

im Jahr 2019 weiter optimiert

und zukunftsfähig gestaltet. Auch aktuelle

Großprojekte, wie die Erweiterung

des Industriehafens Roßlau und der Breitbandausbau

im Stadtgebiet, werden dann

schon abgeschlossen sein und schaffen

Fotos: Stadt Dessau-Roßlau (oben), Octapharma Dessau GmbH (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


ADVERTORIAL | 23

weitere Optionen für erfolgreiche Unternehmensansiedlungen

und Erweiterungen.

Die Wirtschaftsförderung Dessau-

Roßlau begleitet Unternehmer und Gründer

als Full-Service-Agentur und erster

Ansprechpartner kompetent und kreativ

auf ihrem Weg. Auch bietet der Standort

noch Kapazitäten für unternehmerische

Entwicklung zu fairen Konditionen und mit

optimalen Fördermöglichkeiten.

Wesentliche Pluspunkte sind die zentrale

Lage von Dessau-Roßlau zwischen

Berlin und Leipzig innerhalb der Europäischen

Metropolregion Mitteldeutschland

sowie eine erstklassige Verkehrsinfrastruktur.

Diese gewährleistet den ansässigen

Unternehmen sowie Berufspendlern

eine optimale Erreichbarkeit. Der

Interkontinentalflughafen Leipzig/Halle ist

von Dessau-Roßlau in kürzester Zeit erreichbar

und ermöglicht einen schnellen,

weltweiten Personen- und Warenverkehr.

Zudem verfügt die Stadt über einen modern

ausgestatteten Verkehrslandeplatz

für Geschäftsreisende und Privatflieger.

Über das „Trimodale Logistikzentrum“ ist

Dessau-Roßlau per Wasserstraßennetz

mit den Überseehäfen Hamburg und Rotterdam

verbunden. Über das bestehende

Universitätsdreieck Halle-Leipzig-Magdeburg

und die ansässige Hochschule Anhalt

können Unternehmen vor Ort schnell ihre

zukünftigen Fachkräfte akquirieren und

finden zugleich Partner für Forschungsund

Entwicklungsvorhaben.

Neben den harten Standortfaktoren, die

für eine Ansiedlung sprechen, bietet Dessau-Roßlau

vor allem eines – einen Ort

der Kultur und Natur. Fachkräften und ihren

Familien werden neben hervorragenden

Bildungs- und Betreuungseinrichtungen

auch facettenreiche Freizeitmöglichkeiten

geboten. Renommierte Kultureinrichtungen

wie das „Anhaltische Theater“

und eine ausgeprägte Vereinslandschaft

bieten Freizeitangebote, die man an anderen

Orten vergeblich sucht. Das Biosphärenreservat

„Mittlere Elbe“ und die Dichte

an UNESCO-Stätten sind europaweit

einzigartig. An keinem anderen Ort der

Welt kann man auf so kurzen Wegen im

Welterbe wandeln – sei es auf den Spuren

der architektonischen Meister, Reformatoren

und der Fürsten zu Anhalt oder

in den idyllischen Elbe- und Muldeauen.

Im Vergleich zu anderen Städten zeichnet

sich Dessau-Roßlau insbesondere durch

ein vielfältiges Angebot an bezahlbarem

Wohnraum sowie beste Kinderbetreuungsmöglichkeiten

aus. Auch bietet die

Stadt im Vergleich zu den anderen Oberzentren

in Mitteldeutschland immer noch

ausreichend Platz für Unternehmen, Investoren,

Existenzgründer und Fachkräfte

sowie deren Familien. Insgesamt präsentiert

sich Dessau-Roßlau als moderner

Wirtschaftsstandort, an dem es sich

lohnt, zu investieren, zu wohnen und zu

arbeiten.

W+M

Foto: XXX

KOMM IN DIE BAUHAUSSTADT

www.dessau-rosslau-wirtschaft.de

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


24 | W+M LÄNDERREPORT

Thomas Koch und Tochter Jenny führen ein erfolgreiches Familienunternehmen – die Koch Automobile AG.

Ostdeutschlands Autohandel

im Umbruch

Der Konzentrationsprozess im Autohandel setzt sich fort. Auch in

Ostdeutschland befinden sich kleine, familiengeführte Autohäuser

auf dem Rückzug. Derweil rüsten sich regionale Händlergruppen für

die neuen Herausforderungen in der Branche. Von Matthias Salm

Einst waren sie ein Sinnbild der Wiedervereinigung.

An den Ausfallstraßen

ostdeutscher Städte reihten

sich neu errichtete Autohäuser wie an

einer Perlenkette aneinander – die automobile

Aufrüstung der Ostdeutschen verhieß

für Hersteller und Händler gleichermaßen

Goldgräberstimmung.

Darauf mag auch Ion Tiriac, heute fast

schon vergessener, aber einst omnipräsenter

Manager des Tennisstars Boris

Becker gezielt haben, als er seinem

Schützling riet, für die Zeit nach der aktiven

Karriere in den Autohandel einzusteigen.

Drei Mercedes-Autohäuser in Stralsund,

Ribnitz-Damgarten und Greifswald

firmierten fortan unter dem Namen des

Wimbledon-Siegers.

Anfang des Jahres fand Beckers Karriere

als Autohändler an der Ostsee nun ihr

Ende. Die Brinkmann GmbH mit Sitz in

Güstrow übernahm die drei Autohäuser

der Autohaus Boris Becker GmbH & Co.

KG mit rund 160 Mitarbeitern. Den einstigen

Weltstar hatte dasselbe Schicksal

ereilt, dem zuvor schon viele Autohändler

im Osten Deutschlands Tribut zollen

mussten – es war die Einsicht, dass kleinere

Autohäuser wenig Chancen haben,

sich in einem zunehmend schwierigen

Marktumfeld zu behaupten.

Der Trend ist nicht neu: Schon seit geraumer

Zeit sinkt die Zahl der Autohäuser

in Deutschland. Den Zahlen des Instituts

für Automobilwirtschaft (IFA) an

der Hochschule Nürtingen-Geislingen

zufolge konkurrierten im Jahr 2014 noch

7.800 selbständige Automobilhändler in

Deutschland. Ende 2015 waren es nur

noch 7.400. Seit dem Jahr 2000 (18.000

Autohäuser) hat sich die Zahl der Wettbewerber

bereits mehr als halbiert. Bis

2020 sagen die Experten sogar einen

Rückgang auf gerade noch 4.500 stationäre

Händler voraus.

„Es sind mehrere Faktoren für den Konsolidierungsprozess

verantwortlich“,

weiß auch IFA-Chef Prof. Dr. Willi Diez.

„Da ist zum einen der anhaltende starke

Preis- und Rabattdruck, der die Margen

der Händler schmälert. Mitverantwortlich

ist auch die wachsende Zahl

von Schnäppchen-Angeboten im Internet.“

Darüber hinaus nehme die Kostenbelastung

im Handel durch die ständig

steigende Zahl von Modellen dramatisch

zu. So müssten die Händler immer mehr

Ausstellungs-, Lager- und vor allem Vorführwagen

vorhalten. Und schließlich, so

Diez, gäbe es hierzulande schlicht zu viele

Autohäuser: „In den USA verkauft ein

Foto: Koch Automobile AG

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


OSTDEUTSCHLAND | 25

Fotos: Autohaus Liebe (unten), Institut für Automobilwirtschaft (oben)

Händler über 1.000 Neuwagen im Jahr,

in Deutschland sind es etwas mehr als

400.“

Mega-Dealer im Trend

Seine Prognose daher: „Die Strukturen

im Automobilhandel werden sich in den

nächsten Jahren immer stärker denen

des klassischen Einzelhandels angleichen:

Große Handelsketten, sogenannte

Mega-Dealer, werden mit einem weit

gestreuten Netz an eigenen Filialen den

Markt beherrschen.“ Eine Zukunft für das

familiengeführte Autohaus sieht Diez im

ländlichen Raum: „Es muss vor allem auf

den ertragsstarken Service setzen und

mit persönlicher Betreuung punkten.“

Denn mittlerweile konkurrieren kleine Autohäuser

nicht mehr nur mit den regionalen

Händlergruppen. Auch Global Player

der Branche drängen auf den Markt. So

gingen vor eineinhalb Jahren die Daimler-Niederlassungen

in Ostdeutschland

an die Stern Auto GmbH, die deutsche

Tochtergesellschaft der Lei-Shing-Hong-

Group (LSH) mit Sitz in Hongkong. LSH

ist die weltweit größte Handelsgruppe

für Mercedes-Benz-Pkw. Dieser Eigentümerwechsel

betraf Niederlassungen

etwa in Leipzig, Dresden, Magdeburg,

Schwerin und Rostock. Insgesamt betreibt

Stern Auto 18 Standorte mit knapp

1.400 Mitarbeitern in den ostdeutschen

Bundesländern.

Autohaus Liebe ist führender Škoda-Partner in Mitteldeutschland.

So setzt sich gegenwärtig

ein tiefgreifender

Bereinigungsprozess

in der Branche

fort, der in Ostdeutschland

schon

zur Jahrtausendwende

begann.

„Andererseits hat

das aber auch dazu

geführt, dass die

Betriebe, die überlebt

haben, heute

sehr professionell

geführt werden – manchmal wesentlich

professioneller als Westbetriebe“, urteilt

IFA-Institutsdirektor Diez. Beispiele seien

etwa die Thüringer Autohaus-Peter-

Gruppe, die 1990 mit einer Mercedes-

Benz-Werkstatt in Nordhausen startete

und heute mit neun Marken an 24 Standorten

in drei Bundesländern präsent ist sowie

die Liebe-Gruppe aus Sangerhausen,

nach eigenen Angaben führender Škoda-

Partner in Mitteldeutschland. Nach W+M-

Recherchen spielt in dieser Liga auch die

Koch Automobile AG, die 1993 von Thomas

Koch gegründet wurde, bis heute eigentümergeführt

ist und an zehn Standorten

in Berlin und Brandenburg 22 Filialen

betreibt. Bei Koch kann der Kunde unter

sechs Marken wählen – Volvo, Mazda,

Škoda, Citroen, SEAT und Honda. Zudem

wird nunmehr auch VW-Service angeboten.

Pro Jahr verkauft die Koch-Gruppe

Prof. Dr. Willi Diez, Direktor des Instituts

für Automobilwirtschaft.

mit rund 400 Beschäftigten

8.000 Fahrzeuge,

gut die Hälfte

sind Neuwagen. Damit

behauptet sich

das Unternehmen

seit Jahren stabil unter

den „Top 100“ im

deutschen Autohandel.

Vorstandsvorsitzender

Thomas Koch

sieht den zu erwartenden

Marktveränderungen

relativ gelassen

entgegen: „Unsere Branche ist

seit jeher von Veränderungen geprägt.

Wir fühlen uns gut aufgestellt, weil wir flexibel

sind und schnell reagieren.“ Erst im

letzten Jahr wurde sein Unternehmen von

einem der wichtigsten Branchenmagazine

mit dem „Internet Sales Award“ geehrt.

Ein Indiz dafür, wie erfolgreich Koch neue

Vertriebskanäle zu nutzen weiß.

Hoher Investitionsbedarf

Das Škoda Autohaus Liebe, 1954 als KfZ-

Werkstatt von Otto Liebe in Riestedt gegründet,

wird heute in dritter Generation

von Thomas Peckruhn geleitet und expandiert

nach dem Ausbau der Marktstellung

in Sachsen-Anhalt (vier Standorte)

sowie Thüringen (drei Standorte) gegenwärtig

nach Sachsen. „Im Frühjahr

2018 eröffnet unser erstes Autohaus in

Leipzig“, erklärt Peckruhn zur Investition

in Höhe von rund fünf Millionen Euro an

der „Leipziger Automeile“ nahe der Alten

Messe. Peckruhn prophezeit schwierige

Zeiten für die kleineren Händler. Und

dies nicht nur wegen des hohen Margendrucks.

„Auch das Kaufverhalten hat sich

stark gewandelt. Der Kunde verfügt heute

auch durch das Internet über einen viel

höheren Informationsstand.“ Zudem sind

die Fahrzeuge erklärungsintensiver. Für

die Autohändler bedeute dies höhere Investitionen

in die Mitarbeiterausbildung.

Auch die Ausgaben für die Digitalisierung

und für neue Präsentationsformen stellen

eine finanzielle Herausforderung dar,

die kleinere Händler immer weniger leisten

könnten. Zudem leide die Branche in

Ostdeutschland auch unter einem Nachfolgeproblem,

da immer mehr Gründer

aus der Wendezeit ausschieden. W+M

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


26 | W+M LÄNDERREPORT

Das Resort Linstow an der Autobahn A19 ist das

weltweit größte Ferienresort der Van-der-Valk-Gruppe.

Oranje an der Ostseeküste

Die Niederlande sind traditionell eng mit Mecklenburg-Vorpommern

verbunden. Bis ins Königshaus Oranje-Nassau reichen die Bande.

Vielfältig sind die wirtschaftlichen Beziehungen. Sie spiegeln

sich in einem regen Handelsaustausch. Zudem tragen zahlreiche

niederländische Investoren in MV zum gedeihlichen Miteinander bei.

Von Thomas Schwandt

Das Stralsunder Unternehmen Ostseestaal ist spezialisiert auf die 3D-Kaltverformung von

Stahlblechen.

Der gelbschnabelige Tukan-Vogel,

das populäre Symbol des niederländischen

Hotel- und Urlaubsresort-

Konzerns Van der Valk, ist von der Autobahn

A19 in Richtung Norden nahe der Abfahrt

Linstow gut zu erkennen. Übergroß

thront der Tukan über dem Eingangsportal

zum Van der Valk Resort Linstow. Die

im Mai 2001 eröffnete Freizeitanlage ist

nach Firmenangaben das weltweit größte

Van-der-Valk-Resort. Zum niederländischen

Familienunternehmen gehören international

rund 90 Hotels, Resorts und

Restaurants. Von den 14 Beherbergungsund

Freizeitbetrieben in Deutschland befinden

sich fünf in Mecklenburg-Vorpommern.

Neben dem Resort Linstow betreibt

Van der Valk das Golfhotel Serrahn, das

Naturresort Drewitz, das Landhotel Spornitz

und das alpincenter Wittenburg. Damit

zählt Van der Valk in Mecklenburg-Vorpommern

zu den größten Investoren aus

dem Königreich der Oranjes.

Die Monarchie in den Niederlanden ist familiär

eng verbandelt mit dem deutschen

Nordosten. Väterlicherseits reichen die

Wurzeln von König Wilhelm Alexander

bis nach Vorpommern. Des Königs Vater

Claus von Amsberg war ein ferner

Nachfahr eines Schmiedemeisters aus

Fotos: Van der Valk (oben), Thomas Schwandt (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


MECKLENBURG-VORPOMMERN | 27

Fotos: DFV (oben), CB (unten)

Schwichtenberg bei Demmin, dessen Familienzweig

im 18. Jahrhundert in den

Adelsstand rankte. So trägt König Wilhelm

Alexander zusätzlich zur Krone offiziell

den Titel eines Jonkheer von Amsberg.

Aber auch mütterlicherseits besteht

eine Verbindung nach Mecklenburg-Vorpommern.

Die niederländische Königin

Wilhelmina heiratete im Jahr 1901 den

Herzog Heinrich von Mecklenburg.

Im Unternehmen Van der Valk wird diese

royale Traditionslinie geschätzt, wie

Volker Wünsche, Sprecher von Van der

Valk Deutschland, betont. Doch waren es

nach der Jahrtausendwende ganz handfeste

geschäftliche Interessen, die die

Hotelbetreiber veranlassten, in Mecklenburg-Vorpommern

zu investieren. „Das

Bundesland ist eine exzellente Urlaubsdestination,

die hervorragend zum Konzept

von Van der Valk passt, den Gästen

eine große Vielfalt an Erholungs- und

Freizeitmöglichkeiten zu bieten.“ In Linstow

wurden seit Eröffnung des Resorts

mehr als fünf Millionen Übernachtungen

gezählt. Die Anzahl der Mitarbeiter verdoppelte

sich seit 2001 auf aktuell mehr

als 250.

Größte Vielfalt soll nach Aussage von

Wünsche den unternehmerischen Erfolg

auch im alpincenter Wittenburg langfristig

sichern. Die Skihalle mit einer 30.000

Quadratmeter großen Piste gehört seit

dem Jahr 2010 zum Imperium Van der

Valk. Laut Wünsche passieren jährlich

„100.000 Besucher die Drehkreuze“ des

nur 80 Kilometer von Hamburg gelegenen

alpincenters. Derzeit plant das Unternehmen,

den Skihallen-Komplex zu erweitern.

Insgesamt sollen 75 Millionen

Euro investiert werden und mindestens

750 neue Arbeitsplätze entstehen.

In den zurückliegenden zweieinhalb

Jahrzehnten hat sich „eine ganze Reihe

niederländischer Unternehmen oder

Tochterunternehmen von den Standortvorteilen

Mecklenburg-Vorpommerns

überzeugt und hier investiert“, hebt Wirtschaftsminister

Harry Glawe (CDU) hervor.

Angesiedelt hätten sich vor allem Firmen

des verarbeitenden Gewerbes, so

der Minister. Sie kommen vorrangig aus

der Metall- und Holzbranche sowie der

Ernährungswirtschaft. Glawe beziffert

das bisherige Investitionsvolumen von

Firmen aus den Niederlanden auf rund

300 Millionen Euro. In der Folge entstanden

landesweit ca. 3.000 Arbeitsplätze.

So errichtete der niederländische Fischerei-

und Fischhandelsriese Parlevliet &

van der Plas auf der Insel Rügen Europas

modernstes Fischwerk. Seit 2003

werden am Standort Mukran Port in der

Euro-Baltic Fischverarbeitungs GmbH

jährlich 50.000 Tonnen Fisch, vorwiegend

Hering, zu Filets und Marinaden-

Erzeugnissen verarbeitet. Rund 90 Millionen

Euro flossen in die 14.000 Quadratmeter

große Produktionsanlage und

in ein Kühlhaus für 20.000 Tonnen Fischware.

Euro-Baltic beschäftigt etwa 200

Mitarbeiter. Überdies unterhält die Parlevliet

& van der Plas-Gruppe sechs von

den gegenwärtig acht in Deutschland registrierten

Hochseefang- und Verarbeitungsschiffen.

Im Jahr 2010 ergänzte der europaweit

agierende Backwaren-Konzern Continental

Bakeries mit Hauptsitz im niederländischen

Dordrecht sein Produktportfolio

um eine legendäre Leckerei aus dem

Norden – Grabower Schokoküsse. Continental

Bakeries übernahm die Grabower

Süsswaren GmbH. In dem traditionsreichen

Betrieb im 6000-Einwohner-

Städtchen Grabow südlich von Schwerin

werden pro Jahr bis zu zwei Milliarden

Schaumküsse in verschiedenen Varianten

produziert, informiert Simone Koltzau,

Werkmanagerin der Grabower Süsswaren

GmbH.

Allseits beliebt: Grabower Schokoküsse.

In der Euro-Baltic Verarbeitungs GmbH in

Sassnitz-Mukran auf der Insel Rügen werden

jährlich bis zu 50.000 Tonnen Fisch verarbeitet.

Wie in den Niederlanden, so zählt auch in

Mecklenburg-Vorpommern der Schiffbau

zu den prägenden Wirtschaftsbranchen.

Das bewog die Central Industry Group

(CIG) aus Groningen vor Jahren, eine

Fertigungsstätte in unmittelbarer Nähe

zur einstigen Stralsunder Volkswerft anzusiedeln.

Der niederländische Firmenverbund

ist unter anderem in der maritimen

Industrie und auf dem Sektor der

Erneuerbaren Energien engagiert. In der

Ostseestaal GmbH & Co. KG, die im Jahr

2000 in Stralsund den Betrieb aufnahm,

wurden anfänglich vor allem 3D-kaltverformte

Stahlbleche für den Schiffbau produziert.

Mit der heraufziehenden Werftenkrise

vor gut zehn Jahren begann das

Unternehmen, neue Geschäftsfelder zu

erschließen. Zum Beispiel fertigte Ostseestaal

mit dem Partnerbetrieb Formstaal

spektakulär geformte Fassadenteile

für architektonisch außergewöhnliche

Gebäude, darunter Luxushotels und andere

Prestigebauten auf der arabischen

Halbinsel. Seit einigen Jahren sorgen die

zwei Spezialfirmen aber auch mit dem

Bau von Elektro-Solarschiffen für die Berufsbinnenschifffahrt

für Furore.

Neben den größeren Investments niederländischer

Unternehmen haben auch

viele kleine Gewerbetreibende aus dem

Land der Tulpen den Nordosten Deutschlands

für sich entdeckt und sich hier angesiedelt.

Mehr als 700 gebürtige Niederländer

sollen derweil in Mecklenburg-

Vorpommern leben und arbeiten. W+M

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28 | W+M LÄNDERREPORT

Pauken unterm

Schlossdach

Hervorragender Ruf: Das private Internatsgymnasium Schloss Torgelow in Mecklenburg.

Internate, Hochbegabtenklassen, internationale Schulen – auch

in Ostdeutschland suchen immer mehr Eltern für ihre Kinder

Bildungsangebote jenseits der öffentlichen Schulen. Insbesondere

die Zahl der privaten Schulen wächst. Von Matthias Salm

Damit hatte Manuela Schwesig nicht

gerechnet. Als im Spätsommer

durchsickerte, dass Mecklenburg-

Vorpommerns frisch gebackene Ministerpräsidentin

ihren Sohn zur fünften Klasse

auf eine Schweriner Privatschule schickt,

hagelte es Kritik nicht nur vom politischen

Gegner. Der Tenor: Die Ministerpräsidentin

traue offenbar selbst nicht der Qualität

des von der SPD stets propagierten staatlichen

Schulsystems. Die nachgeschobene

Begründung, das Kriterium für die Wahl sei

der günstige Schulweg für das Kind, konnte

den Unmut kaum lindern.

Die Penne als Politikum – Schwesigs Entscheidung

sorgte nicht zuletzt deshalb für

Wirbel, weil Schulen in privater Trägerschaft

auch in Ostdeutschland immer noch der

Hauch des Elitären anhaftet. So unterstellte

das Wissenschaftszentrum Berlin vor

rund einem Jahr in einer Studie den Bundesländern

eine mangelnde Kontrolle des

Privatschul-Sektors. Demzufolge werde das

verfassungsmäßige Gebot, dass Schulen in

freier Trägerschaft allen Kindern, unabhängig

von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit

der Eltern, offenstehen müssten, vielfach

unterlaufen.

ZAHL DER PRIVATSCHULEN WÄCHST

In fast allen ostdeutschen Bundesländern wächst die Zahl der Privatschulen kontinuierlich.

Privatschulen im Aufwind

Die steigende Beliebtheit von Lehrangeboten

jenseits der örtlichen Gymnasien oder

Gesamtschulen mindern solcherlei Einwände

nicht. Öffneten im Schuljahr 2011/12 in

Sachsen beispielsweise 191 allgemeinbildende

Schulen in privater Trägerschaft ihre

Pforten, so waren es 2016/17 bereits 216.

In Berlin stieg die Zahl im selben Zeitraum

beispielsweise von 108 auf 126.

Es könnten sogar noch mehr sein. In Berlin

etwa scheitern weitere Neugründungen

gegenwärtig an fehlenden Immobilien, der

Lehrerknappheit und den gegenwärtigen

Zuschussregeln des Landes, betont Andreas

Wegener, Vorstandsvorsitzender des

Berliner Landesverbands im Verband Deutscher

Privatschulverbände. Auch Manja

Bürger, Landesgeschäftsführerin des Lan-

2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17

Berlin 108 114 117 121 122 126

Brandenburg 129 131 133 136 142 142

Mecklenburg-Vorpommern 74 73 75 75 75 75

Sachsen 191 193 195 198 203 216

Sachsen-Anhalt 91 95 98 101 101 105

Thüringen 93 95 95 97 96 100

Foto: Helge Lehmann KG, Quelle Schaubild: Landesämter für Statistik Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Bildungsministerium Brandenburg,

Senatsverwaltung für Bildung Berlin.

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


OSTDEUTSCHLAND | 29

desverbands Sachsen-Thüringen bestätigt,

dass die Nachfrage der Eltern das Angebot

weit übersteige. Vor allem die Unzufriedenheit

mit dem Zustand der öffentlichen Schulen,

beispielsweise mit den hohen Ausfallzeiten

beim Unterricht, treibe die Nachfrage,

so Bürger.

Schloss Torgelow als Vorreiter

Für gute Bildung sind Eltern daher auch

bereit, tief in die Tasche zu greifen. So haben

sich mittlerweile teure Elite-Internate

auch in den ostdeutschen Ländern ein

hohes Renommee erworben. Beispielsweise

das Private Internatsgymnasium

Schloss Torgelow: Gelegen in der kleinen

Gemeinde Torgelow am See nahe Waren

lockt der gute Ruf der Schlossschule mittlerweile

Schüler weit jenseits der Landesgrenzen

in die mecklenburgische Abgeschiedenheit.

Internate müssen allerdings nicht immer

in privater Hand geführt werden. Prominentes

Beispiel: Das Sächsische Landesgymnasium

für Hochbegabte St. Afra in

Meißen. Rund 300 Schüler besuchen

das Landesgymnasium. Da alle Schüler

auf Grund des Schulkonzepts Internatspflicht

haben, auch jene, die aus Meißen

kommen, entspricht dies auch der Kapazität

der Schule. „Die Bewerbungen für die

höheren Klassenstufen 8-10 haben erheblich

zugenommen“, bestätigt Jakob Polak,

zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit

der Schule. Der Kostenbeitrag für Unterkunft

und Ernährung liegt in St. Afra bei

ca. 400 Euro monatlich, für Landeskinder

gibt es eine Förderung von rund 165 Euro.

Schulwesen wird international

Gründeten sich anfangs vor allem freie

Schulen mit alternativen pädagogischen

Konzepten, wie Waldorf- oder Montessori-Schulen,

hat sich das ostdeutsche

Schulwesen immer weiter ausdifferenziert.

Hinzugekommen sind mit der Globalisierung

der ostdeutschen Wirtschaft

INTERNATE & CO

Eine Auswahl von Schulen mit besonderem Profil in Ostdeutschland

beispielsweise internationale Schulen.

In Dresden, wo mit den ersten internationalen

Ansiedlungen auch die Nachfrage

nach entsprechenden Lehrangeboten

wuchs, wurde so bereits 1996 die Dresden

International School (DIS) eröffnet.

Neben Kindern aus den USA, Japan oder

Australien besuchen auch deutsche Kinder

die DIS, die in Schulvergleichen Spitzenplätze

einnimmt. Die internationale

Ganztagsschule versteht sich als Privatschule

mit internationalem Lehrplan in

englischer Sprache für über 500 Schüler

aus rund 50 Nationen. Statt des Abiturs

wird hier das International Baccalaureate

Diplom erworben.

W+M

Gegründet vom gebürtigen Heidelberger

Mario Lehmann, der Schloss Torgelow

von der Treuhand erwarb, startete die

mehrfach ausgezeichnete Privatschule

1994 mit rund 100 Schülern. Heute besuchen

das Internat 250 Kinder, die in kleinen

Klassen bis zu zwölf Schülern lernen

und von mehr als 80 außerschulischen Angeboten

profitieren. Die exklusive Ausbildung

hat allerdings ihren Preis – zwischen

32.000 und 35.000 Euro im Jahr.

Schloss Torgelow gilt als Ostdeutschlands

Vorzeige-Internat. Doch es ist bei weitem

nicht mehr das Einzige. Im thüringischen

Kyffhäuserkreis etwa wird an der Klosterschule

Roßleben seit 200 Jahren das Abitur

abgenommen. Eine Knabenschule gab

es hier schon 1554. Seit 2008 ist die Schule

wieder im Besitz einer privaten Stiftung.

Zur Klosterschule gehört auch ein Internat

für rund 110 Schüler mit Kosten zwischen

22.000 und 23.500 Euro pro Schuljahr.

Privates Internatsgymnasium Schloss

Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern)

Träger: Helge Lehmann KG

Kosten: 32.540 bis 34.798 Euro/Jahr

Abschluss: Abitur

www.schlosstorgelow.de

Klosterschule Roßleben (Thüringen)

Träger: Stiftung Klosterschule Roßleben

Kosten: 22.200 bis 23.400 Euro/Jahr (Internat)

Abschluss: Abitur

www.klosterschule.de

Seeschule Rangsdorf (Brandenburg)

Träger: Seeschule Rangsdorf e.V.

Kosten: 5.400 Euro; 17.400 Euro

(Wocheninternat für auswärtige Schüler)

Abschluss: Abitur

www.seeschule.de

Internatsschule Hadmersleben

(Sachsen-Anhalt)

Träger: Internatsschule Hadmersleben

gGmbH

Kosten: rund 1.500 Euro monatlich

(Internat)

Abschluss: Abitur/Realschulabschluss

www.privatgymnasium.de

Gymnasium im Stift Neuzelle (Brandenburg)

Träger: Dr. P. Rahn & Partner Schulen

Kosten: 1.470 Euro monatlich (Internat)

Abschluss: Abitur

www.gymnasium-neuzelle.de

Sächsisches Landesgymnasium

Sankt Afra zu Meißen

Träger: Freistaat Sachsen

Kosten: 400 Euro monatlich (für sächsische

Schüler Zuschuss von 165 Euro) für

das Internat

Abschluss: Abitur

www.sankt-afra.de

Landesschule Pforta

Träger: Land Sachsen-Anhalt

Kosten: 2.500 Euro jährlich für Landeskinder/3.500

für Schüler aus anderen

Bundesländern für das Internat

Abschluss: Abitur

www.landesschule-pforta.de

Dresden International School (DIS)

Träger: DIS Dresden International School

gGmbH

Kosten: rund 7.300 bis 12.000 Euro

Schulgeld

Abschluss: International Baccalaureate

Diplom

www.dresden-is.de

Berlin Brandenburg International School

Kleinmachnow

Träger: BBIS Berlin Brandenburg International

School GmbH

Kosten: keine Angaben

Abschluss: International Baccalaureate

Diplom

www.bbis.de

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30 | W+M TITEL

Spitzenpolitiker aus den neuen Ländern diskutierten in Bad Saarow über die Chancen der Digitalisierung: Christian

Pegel, Armin Willingmann, Michael Müller, Martin Dulig, Christian Görke (v.l.n.r.).

2017

2. Ostdeutsches Wirtschaftsforum in Bad Saarow

Digitalisierung kann Aufholprozess

Ostdeutschlands spürbar beschleunigen

„Wird Ostdeutschland zum Vorreiter der digitalen Wende?“ – dieser Frage stellten sich kontrovers und

leidenschaftlich rund 150 Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf dem Zweiten

Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF) im brandenburgischen Bad Saarow, darunter Berlins Regierender

Bürgermeister Michael Müller (SPD), die Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD, Thüringen), Prof.

Dr. Armin Willingmann (SPD, Sachsen-Anhalt), Albrecht Gerber (SPD, Brandenburg), Harry Glawe (CDU,

Mecklenburg-Vorpommern) und Martin Dulig (SPD, Sachsen) sowie Brandenburgs Vize-Ministerpräsident

und Finanzminister Christian Görke (Die Linke) und Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister

Christian Pegel (SPD). Von Matthias Salm

Die Ostdeutsche Wirtschaft als

Schrittmacher der digitalen Revolution

– diese kühne Vision hatte im

Vorfeld des Spitzentreffens der ostdeutschen

Wirtschaft ein hochkarätig besetzter

OWF-Thinktank in seinem Memorandum

„M20siebzehn“ ausgerufen. Anhand

von sieben konkreten Forderungen an Politik

und Wirtschaft haben die OWF-Macher

darin einen Bauplan für eine erfolgreiche

digitale Wende in den neuen Bundesländern

skizziert und damit auf dem Ostdeutschen

Wirtschaftsforum für lebhafte Diskussionen

gesorgt.

Bei allen Risiken des digitalen Umbaus der

Gesellschaft – die mutig formulierten Ziele

des Memorandums „M20siebzehn“ fanden

auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum

in Bad Saarow einhellige Unterstützung.

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister

Prof. Dr. Armin Willingmann brachte es

in der Runde der Spitzenpolitiker am zweiten

Tag des OWF auf den Punkt: „Die Ostdeutschen

sind wendeerfahren. Wir werden

auch die digitale Wende meistern.“

Christian Pegel, Digitalisierungsminister

in Mecklenburg-Vorpommern, sekundierte:

„Unsere Ziele dürfen mutig sein. Mut

steht uns gut zu Gesicht.“ Für ihn eröffnet

die Digitalisierung bisher ungeahnte

neue Marktchancen für ostdeutsche Unternehmen.

Auch Brandenburgs Finanzminister

Christian Görke begrüßte, dass

das Ostdeutsche Wirtschaftsforum das

Thema Digitalisierung in den Fokus der

Öffentlichkeit gerückt hat.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael

Müller betonte die Vorzüge der Digitalisierung

für die Hauptstadt: „Die digitale

Wende ist da. Sie bietet eine Rie-

Foto: Ralf Succo

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


TITEL | 31

Foto: Ralf Succo

senchance, die Zukunftsfragen zu beantworten.

Diese Chance sollten wir

nutzen.“ Müller verwies als Beispiel darauf,

dass nur digitale Angebote die Mobilität

in der rasant wachsenden Metropole

zukünftig gewährleisten könnten. Er

kündigte an, dass das Land Berlin weiter

massiv in den Digitalbereich, etwa

in den Ausbau der Infrastruktur, investieren

werde.

Für Sachsens Staatsminister für Wirtschaft,

Arbeit und Verkehr, Martin Dulig,

sind die jüngsten Ansiedlungserfolge im

Freistaat, etwa von Bosch oder Daimler,

eng mit Zukunftsthemen wie der Elektromobilität

verbunden. Mit den Digital-

Hubs in Dresden und Leipzig will Sachsen

das Umfeld für Investitionen in die

digitale Wirtschaft künftig weiter aufwerten.

Er forderte zugleich, die digitale Ausstattung

der Schulen zu verbessern und

den Mittelstand noch stärker für die Notwendigkeit

der Digitalisierung zu sensibilisieren.

Tim Hartmann, Vorstandsvorsitzender der enviaM AG, erläuterte Thesen zum Internet der Energie.

Auch wenn Dulig dafür plädierte, die Sorgen

vieler Menschen vor dem Tempo der

Digitalisierung und dem Ausmaß der gesellschaftlichen

Veränderungen ernst zu

nehmen, überwog doch die optimistische

Sicht auf die künftige Entwicklung der

ostdeutschen Wirtschaft. Deshalb richtete

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang

Tiefensee auch einen flammenden

Appell an die Teilnehmer des OWF, sich

Ihr Einkauf kann mehr zum Erfolg beitragen –

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32 | W+M TITEL

noch mehr für eine positive Außendarstellung

der ostdeutschen Bundesländer

zu engagieren: „Wir dürfen unsere Erfolge

nicht kleinreden“, so Tiefensee. Als

Beispiel hob er die hohe Zahl an Weltmarktführern

im thüringischen Mittelstand

hervor. Sein Brandenburger Amtskollege,

Wirtschaftsminister Albrecht

Gerber, betonte die zentrale Lage Ostdeutschlands

in Europa als Standortvorteil

und Prof. Dr. Armin Willingmann wies

Im angeregten Gespräch: ILB-Chef Tillmann

Stenger (r.) und Thomas Braune, Leiter

Landesmarketing in Brandenburg.

darauf hin, dass die Zustimmungsquote

für Industrieansiedlungen in der ostdeutschen

Bevölkerung weit höher sei als unter

den Westdeutschen.

Auch in Ostdeutschland haben zumindest

einzelne Branchen in der Digitalisierung

schon erhebliche Fortschritte erzielt.

So beispielsweise die Gesundheitswirtschaft,

die in Mecklenburg-Vorpommern

als Jobmotor erheblich zum Aufschwung

beiträgt. Harry Glawe, Wirtschaftsminister

des Landes, erinnerte daran, dass jeder

siebte Euro an Ostsee und Müritz in

der Gesundheitsbranche erwirtschaftet

werde. Damit habe sie einen weit höheren

Anteil am Bruttoinlandsprodukt als

in anderen Bundesländern. Mit der Telemedizin

biete die Digitalisierung nun

neue Möglichkeiten für die ärztliche Versorgung

auch außerhalb der städtischen

Zentren.

Einen breiten Raum nahm auf dem OWF

der Ausbau der digitalen Infrastruktur

ein. Einhelliger Tenor: Hier besteht noch

Nachholbedarf, insbesondere beim Ausbau

der Breitbandnetze. Über den richtigen

Weg wurde aber durchaus kontrovers

gestritten. So forderte Prof. Reint

E. Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts

für Wirtschaftsforschung Halle, beim

weiteren Ausbau Prioritäten zu setzen:

„Jeder Euro kann schließlich nur einmal

ausgegeben werden.“ Dem widersprach

Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister

Christian Pegel, der das Land

in der Verpflichtung sieht, auch in dünner

besiedelten Regionen für eine ausreichende

Versorgung mit schnellem Internet

zu sorgen. So bestünden Chancen,

Menschen in die Randregionen des Landes

nahe den Metropolen Hamburg und

Berlin zu locken.

Erläuterte die Erfahrungen seines Landes mit

der Digitalisierung der Verwaltung: Estlands

Botschafter William Mart Laanemäe.

Nils Seger, Gründer des Beratungsunternehmens

RCKT GmbH & Co. KG, schilderte

schließlich die Digitalisierung aus

der Sicht der Start-up-Community. Er kritisierte,

dass Deutschland zu wenig Kapital

für langfristig skalierende junge Unternehmen

bereitstelle. Die Forderung nach

mehr Wachstumskapital unterstützte

auch Tillmann Stenger, Vorstandsvorsitzender

der Investitionsbank des Landes

Brandenburg (ILB). Er appellierte zugleich

an die Politik, bestehende Förderrichtlinien

und Gesetze stärker auf Investitionen

in die Digitalisierung auszurichten.

Auf den folgenden Seiten dokumentieren

wir den Wortlaut des OWF-Memorandums

„M20siebzehn“. Die dort aufgeführten

Handlungsfelder sind ein Wegweiser

dafür, wie es Ostdeutschland gelingen

kann, mit Hilfe einer konsequent

vorangetriebenen Digitalisierung die bestehende

Kluft zwischen alten und neuen

Bundesländern - hinsichtlich der Wirtschaftskraft

und der Lebensverhältnisse

- spürbar zu verringern. W+M

Wie zwischen Ostsee und Erzgebirge der

Weg ins digitale Zeitalter gelingen kann,

zeigt das Beispiel Estland. Der baltische

Nachbar gilt als Musterland der Digitalisierung

in Europa. Estlands Botschafter

William Mart Laanemäe präsentierte

die Erfolge des Landes auf diesem Gebiet

am Beispiel der digitalen Verwaltung.

Direkt neben der OWF-Bühne wurden die wichtigsten Ergebnisse der Tagung in Echtzeit grafisch

dokumentiert.

Fotos: Ralf Succo

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


TITEL | 33

Memorandum

M20siebzehn

PROLOG

Vor 27 Jahren vollzog sich die

friedliche Revolution in Ostdeutschland.

Mit der Wende

entstanden fünf neue Bundesländer

und ein geeintes Berlin. Die

Veränderungen in Gesellschaft, Politik,

Verwaltung und Wirtschaft waren

erheblich, ohne historische Vorbilder,

und wurden dennoch bis heute

gut gemeistert. Ein Transformationsprozess

dieses Ausmaßes sucht

seinesgleichen. Entstanden ist ein

Wirtschaftsraum Ostdeutschland,

der mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken

kann.

Allerdings ist der Annäherungsprozess

seit einigen Jahren ins Stocken

geraten und Ostdeutschlands Wirtschaftskennzahlen

liegen weiterhin

im Mittelwert um 25 Prozent unter

dem Bundesdurchschnitt.

Die im Jahr 2016 begründete Initiative

Wirtschaft.Wachstum.Zukunft

widmet sich aus diesem Grund den

Zukunftsperspektiven der ostdeutschen

Gesellschaft mit neuen Ideen

für die politische Agenda und Impulsen

für Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Initiative ist ein Netzwerk

für alle strategisch am Thema Interessierten.

Die Relevanz und das Interesse, sich

diesen Zukunftsperspektiven zu widmen,

zeigte das erste Ostdeutsche

Wirtschaftsforum am 20. und 21.

Oktober 2016, welches mit seinen

hochkarätigen Referenten und Gesprächspartnern

aus Wirtschaft, Politik

und Wissenschaft bei den Teilnehmern

und in der Presse starken

und positiven Widerhall fand.

Angesichts des insgesamt Erreichten

und der großen gesamtgesellschaftlichen

Herausforderungen besteht

für die ostdeutsche Wirtschaft

eine besondere Notwendigkeit und

zugleich auch die herausragende

Chance für einen weiteren Entwicklungsschub.

Die noch jungen Bundesländer

sind transformationserfahren

und haben die Fähigkeit, Polepositions

in den Themen Digitalisierung,

Energiewende, E-Mobility,

Digital Health und auf weiteren Gebieten

einzunehmen. Nun geht es

darum, strategische Themen mit

konkreten Handlungsempfehlungen

zu verknüpfen. Dazu wurde Anfang

2017 ein Thinktank mit namhaften

Persönlichkeiten ins Leben gerufen,

zudem wurden zahlreiche bilaterale

Treffen sowie regionale Unternehmerforen

durchgeführt. Entstanden

ist das Memorandum M20siebzehn

mit sieben Handlungsfeldern.

Ziel ist es, entscheidende Zukunftsthemen

zu definieren und mit neuen

Denk- und Umsetzungsansätzen die

spezifischen Potenziale Ostdeutschlands

zu diskutieren und voranzubringen.

Es geht um die inhaltliche Debatte

über Parteigrenzen und Wahlzyklen

hinweg. Es geht aber auch und

vor allem um ein positives Zukunftsimage

für Ostdeutschland, das identitätsstiftend

nach innen wirkt und

attraktiv für Fachkräfte, Manager,

Unternehmer und Investoren aus

aller Welt ist.

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34 | W+M TITEL

HANDLUNGSFELDER

Wie kann Ostdeutschland zum Vorreiter der digitalen Wende werden?

1. DIE DIGITALE WENDE

BEWUSST MIT VORRANG

VOLLZIEHEN

oder besser:

Die Ostdeutschen Bundesländer

übernehmen die Führung der

digitalen Wende in Deutschland.

Das Thema wird in den Ländern

Chefsache. Jedes Bundesland

entwickelt 2018 eine digitale

Vision 2030 und koordiniert

diese mit den Nachbarländern.

Transformation ist hier zuhause

Die Bestimmung klarer Ziele auf

Landesebene vorantreiben und

einen Stärken- und Aufgabenabgleich

mit den Nachbarländern

organisieren. Dies ermöglicht die

Entwicklung einer gemeinsamen

Vision, die zur Meisterung der

digitalen Wende beiträgt und ein

attraktives Image der neuen Bundesländer

nach innen und außen

bewirkt.

2. DIE DIGITALE INFRA-

STRUKTUR KONSEQUENT

UND GEZIELT AUSBAUEN

oder besser:

Die flächendeckende Versorgung

mit Breitband ist Voraussetzung

für die digitale Wende. Die

Länder entwickeln eine digitale

Agenda mit mutigen Zielen

und ambitionierten Terminen.

Fördergelder werden nach

Prioritäten vergeben.

Die Potenziale sind hier enorm

Die Regionen haben sich in Ostdeutschland

in den letzten Jahren

erheblich unterschiedlich entwickelt.

Dies wird vor allem im Vergleich

zwischen ländlichen und

städtischen Gebieten ersichtlich.

Ebenso zeigt sich dies auch darin,

dass viele Regionen Ostdeutschlands

bis heute nicht mit ausreichender

Breitband-/Gigabit-Infrastruktur

ausgestattet sind. Dabei

ist die digitale Infrastruktur Grundlage

für das wirtschaftliche Leben

der nächsten Dekaden.

3. DIE DIGITALE BILDUNG

IN DEN SCHULEN NACH-

HALTIG ETABLIEREN

oder besser:

Verpflichtende digitale Ausund

Fortbildung für Lehrer

und Eltern, Neuausrichtung der

Volkshochschulen, Vereinfachung

der Bürokratie und

schnelle Ausstattung der

Schulen mit WLAN und

modernster Technik.

Die digitale Schule ist das Maß

Nach wie vor werden Schüler in

Deutschland für eine analoge Welt

ausgebildet. Dies gilt für Deutschland

insgesamt. Mit entsprechender

digitaler Infrastruktur hat Ostdeutschland

die Chance, gerade im

Bereich der Bildung eine Vorreiterrolle

einzunehmen und daraus einen

Standortvorteil zu erzielen.

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


TITEL | 35

6. DURCH DIGITALISIERUNG

ZU MEHR INNOVATION UND

WACHSTUM

oder besser:

Memorandum

M20siebzehn

Digitale Geschäftsmodelle

haben Vorrang und werden

über innovative Kooperationsund

Finanzierungsangebote

angeregt und unterstützt.

4. HOCHSCHULEN ZU

PARTNERN DER DIGIATLEN

WENDE MACHEN

oder besser:

Mehr Geld für Spitzenqualität

in den Hochschulen. Mehr unternehmerisches

Engagement

und verstärkte Kooperation mit

der Wirtschaft. Eine ostdeutsche

Hochschule wird bis 2025

unter den TOP 100 der Welt sein.

Exzellente Ausbildung für die

hellsten Köpfe

Universitäten und Fachhochschulen

sind die Einrichtungen, die junge

Menschen mit klugen Köpfen aus

dem In- und Ausland anziehen und

ins eigene Bundesland kommen lassen.

Ostdeutsche Hochschulen sind

im internationalen Vergleich unterfinanziert.

Die besten Studenten und

Professoren wandern zurzeit in die

USA und zunehmend nach Asien ab.

Die günstige Finanzlage sollte genutzt

werden, um die Grundfinanzierung

der Hochschulen deutlich zu erhöhen

und international konkurenzfähige

Wissenschaftsleuchttürme

zu schaffen.

5. DURCH DIE DIGITALISIE-

RUNG GRÜNDERGEIST NEU

BEFÖRDERN

oder besser:

Die Digitalisierung schafft neue

Möglichkeiten für Gründer und

kann das Unternehmertum qualitativ

befördern. Dazu braucht

es die digitale Verwaltung, die

in den Ländern konsequent eingeführt

und umgesetzt werden

muss.

Humboldt grüßt Wirtschaft

Schon Humboldt wollte autonome,

aufgeklärte und unternehmerische

Bürger bilden. Der Gründergeist

ist das Wesen des humboldtschen

Bildungsideals. Unternehmertum

hat eine lange Tradition. Viele

große Unternehmen, wie beispielsweise

Siemens, haben ihre Wurzeln

hier. Und gerade nach der politischen

Wende 1990 haben sich viele

Bürger aufgemacht, in den neuen

Bundesländern und Berlin die Gesellschaft

als Unternehmer zu gestalten.

Die Digitalisierung verändert

Geschäftsmodelle. Der Mut zu

gründen muss unterstützt und auch

ein mögliches Scheitern darf nicht

geächtet werden.

Blühende Landschaften müssen

wachsen

Der Wachstumsprozess bei ostdeutschen

Unternehmen wird nicht nur

aufgrund der kleinteiligen Strukturen

gebremst, es fehlt auch an einer

grundsätzlichen Wachstums- und

kontinuierlichen Innovationsorientierung

bei vielen Unternehmern. Überschattet

wird dies durch einen vorhandenen

Fachkräftemangel. Mit den

Chancen der Digitalisierung kann dieser

Prozess positiv gedreht werden.

7. NEUE ALLIANZEN FÜR DEN

DIGITALEN FORTSCHRITT

BEGRÜNDEN

oder besser:

Bestehende Netzwerke werden

auf Zukunftstauglichkeit überprüft.

Digitale Erneuerung ist

Voraussetzung für den Bestand.

Kooperation neu definiert

Die Digitalisierung setzt neue Möglichkeiten

der Zusammenarbeit frei,

aber auch voraus. Verharren in bestehenden

Strukturen wird zunehmend

zu einem Bremsklotz. Kritisches

Hinterfragen bestehender

Kooperationen gehört auf die Tagesordnung.

Groß mit klein, Start-up

mit Mittelstand schafft völlig neue

Sichtweisen, aus denen auch die

kleinteilig aufgestellte Unternehmensstruktur

in Ostdeutschland

durchaus Vorteile generieren kann.

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36 | W+M TITEL

Ostdeutschland – Ein Land für gute Ideen und mutige Ziele

Unsere Idee:

Ostdeutschland wird Vorreiter

der digitalen Wende

Die Digitalisierung verändert komplett die Art und Weise,

wie wir uns gesellschaftlich organisieren und wie

Wertschöpfung in allen Sektoren erzielt wird. Die Potenziale

dieses Transformationsprozesses gilt es hier besonders

schnell zu nutzen. Wenn dies gelingt, wird Ostdeutschland

eine Vorreiterrolle in Deutschland einnehmen.

Memorandum

M20siebzehn

OWF . Thinktank

Die Mitglieder

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


TITEL | 37

Iris Gleicke

Parlamentarische Staatssekretärin und Bundesbeauftragte

für die neuen Bundesländer,

für Mittelstand und Tourismus

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Frank Nehring

Sprecher der Initiative

Wirtschaft.Wachstum.Zukunft,

Initiator des OWF.ZUKUNFT und

Verleger von WIRTSCHAFT+MARKT

Dr. Burkhardt Greiff

Präsident

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Dr. Jens-Uwe Meyer

Innovationsexperte und Geschäftsführer

Innolytics GmbH

Prof. Reint E. Gropp

Präsident

Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Halle (IWH)

Christian Pegel

Minister

Ministerium für Energie, Infrastruktur und

Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern

Tim Hartmann

Vorstandsvorsitzender

envia Mitteldeutsche Energie AG

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

Stellvertretender Leiter

ifo Institut Niederlassung Dresden

Hans-Peter Hiepe

Leiter Referat Regionale

Innovationsinitiativen, Neue Länder

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Prof. Dr. Dr. Mario Tobias

Hauptgeschäftsführer

Industrie- und Handelskammer Potsdam

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

WIRTSCHAFT+MARKT

Prof. Dr. René Sadowski

Engagement Leader

Egon Zehnder International GmbH

EBC Hochschule

Andrea Joras

Senior Advisory

Innovationsmanagement und

internationale Projektentwicklung

Boris Schucht

Vorsitzender der Geschäftsführung

50Hertz Transmission GmbH

Rolf Kammann

Geschäftsführer

Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern mbH

Tillmann Stenger

Vorsitzender des Vorstands

Investitionsbank des Landes Brandenburg

Prof. Dr. Christoph Meinel

Institutsdirektor und CEO |

Hasso-Plattner-Institut gGmbH

Dekan | Digital Engineering Fakultät |

Universität Potsdam

Prof. Dr. Holger Wassermann

Wissenschaftlicher Leiter

KCE KompetenzCentrum

Entrepreneurship & Mittelstand

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38 | W+M TITEL

Ostdeutsche Wirtschafts- und Digitalisierungsminister unter sich: Wolfgang Tiefensee, Martin Dulig,

Albrecht Gerber, Harry Glawe, Armin Willingmann, Christian Pegel (v.l.n.r.).

Martin Buhl-Wagner,

Geschäftsführer der

Leipziger Messe.

Unter dem Dach

des A-ROSA

Forums fand das

OWF statt.

Das OWF erfreute sich auch 2017 einer großen Resonanz.

Thinktank-

Mitstreiterin und

Moderatorin

Andrea Joras.

Sprach über den Strukturwandel in der Lausitz:

Dr. Helmar Rendez, Vorstandschef der LEAG.

Gefragter Interviewpartner: Berlins

Regierender Bürgermeister Michael Müller.

Engagiertes Mitglied im OWF-Thinktank

und Moderator: Prof. René Sadowski,

Egon Zehnder International GmbH.

Fotos: Ralf Succo

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


TITEL | 39

„Davos des Ostens“ - Magnet für

Spitzenpolitiker und Führungskräfte


Prof. Reint E.

Gropp, Präsident

An zwei Tagen erlebten die rund 150 Teilnehmer

aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft

und Gesellschaft beim 2. Ostdeutschen

Wirtschaftsforum (OWF) in Bad

Saarow einen abwechslungsreichen Dreiklang

aus Vorträgen, Diskussionsrunden

und Netzwerkarbeit.

Neben Spitzenpolitikern aus den neuen

Ländern, darunter Berlins Regierender

Bürgermeister Michael Müller (SPD)

und alle ostdeutschen Wirtschaftsminister,

gaben sich Unternehmenslenker und

renommierte Forscher beim „Davos des

Ostens“ die Klinke in die Hand. Die Länder

Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-

Vorpommern und Thüringen präsentierten

Branchen und Einzelprojekte, in denen

die Digitalisierung bereits erfolgreich

Einzug gehalten hat. Zum Höhepunkt

des OWF-Dinners am Ende des ersten

Konferenztages avancierte die

Auszeichnung des überzeugendsten

Imagefilms im Rahmen des OWF-

Filmfestivals „Image Zukunft“. Den Preis

für den besten Film konnten Vertreter

Thüringens entgegennehmen.

Frank Nehring, Initiator des Ostdeutschen

Wirtschaftsforums und Herausgeber des

Magazins WIRTSCHAFT+MARKT, konnte

am Ende zufrieden resümieren: „Hier in

Bad Saarow wurde überzeugend herausgearbeitet,

dass es Ostdeutschland gelingen

kann, mit Hilfe der Digitalisierung den

Rückstand in Sachen Wirtschaftskraft gegenüber

den alten Bundesländern mittelfristig

zu verringern.“

W+M

Thomas Kralinski, Chef der

Brandenburger Staatskanzlei.

des Leibniz-

Instituts für

Wirtschaftsforschung

Halle.

Führten

durch die

zweitägige

Veranstaltung:

Moderatorin

Rommy Arndt und

OWF-Initiator Frank Nehring.

Präsidenten und Geschäftsführer

ostdeutscher Unternehmerverbände mit

OWF-Macher Frank Nehring (r.).

Fotos: Ralf Succo

Gruppenbild mit

ostdeutschen IHK-Chefs.

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40 | W+M POLITIK

RAGNITZ KOMMENTIERT

Fördergelder

klug einsetzen

Das Zeitalter des „Aufbau Ost“ ist

endgültig vorbei: Im Jahre 2019

wird der Solidarpakt II unwiderruflich

auslaufen, mit dem den ostdeutschen

Ländern für die Erneuerung ihrer

Infrastruktur überproportionale Zahlungen

des Bundes gewährt wurden. Auch

bei der Wirtschaftsförderung im

engeren Sinne wird es dann

keine Sonderprogramme

für Ostdeutschland

mehr geben. Das ist

auch richtig so: Ein

„teilungsbedingter

Nachholbedarf“ ist

30 Jahre nach dem

Mauerfall nun wirklich

nicht mehr auszumachen,

und obwohl

die meisten

Regionen in Ostdeutschland

nach

wie vor als strukturschwach

gelten

müssen, unterscheiden

sie sich inzwischen

nur noch wenig von altindustriellen

oder ländlich geprägten Regionen

in Westdeutschland. Eine gesamtdeutsch

orientierte Förderpolitik, die nach Bedarfen

(und nicht „nach Himmelsrichtungen“)

differenziert, ist insoweit überfällig.

Das heißt aber nicht, dass ostdeutsche

Regionen dann mit ihren Problemen allein

gelassen werden: Gerade weil der

Bedarf an Unterstützungsleistungen

hier nach wie vor hoch ist, werden die

meisten Gebiete auch im Rahmen einer

Prof. Dr. Joachim Ragnitz

ist Stellvertretender Leiter

des ifo-Instituts Dresden.

gesamtdeutschen Regionalpolitik Förderung

erhalten. Lediglich die bisherige

Bevorzugung Ostdeutschlands gegenüber

westdeutschen Regionen mit

ähnlichen Problemlagen wird abgebaut;

etwas anderes wäre auch niemandem

mehr zu vermitteln, selbst wenn die

ostdeutschen Ministerpräsidenten

immer noch eine Förderpräferenz

für ihre Bundesländer

einfordern. Den Blick

nach vorne zu richten,

heißt deshalb, sich zu

überlegen, wofür die

Fördergelder künftig

eingesetzt werden

sollen.

Die bisherige Förderpolitik

war vor allem

auf die Schaffung zusätzlicher

Beschäftigungsverhältnisse

ausgerichtet – was

in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit

in den

strukturschwachen Regionen auch geboten

war. Bei zunehmender Arbeitskräfteknappheit

kann es jedoch nicht

mehr darum gehen, mehr Arbeitsplätze

zu schaffen, vielmehr muss die Stärkung

der Wirtschaftskraft – also die Qualität

der vorhandenen Arbeitsplätze – im

Vordergrund stehen. Es geht also darum,

die regionale Produktivität zu erhöhen,

denn produktivere Arbeitsplätze führen

zu einer höheren wirtschaftlichen Leistung

und damit auch zu einer verbesserten

Gewinnsituation der Unternehmen

und höheren Einkommen für die Beschäftigten.

Es kann als eines der gesicherten

Erkenntnisse der ökonomischen Theorie

gelten, dass eine höhere Produktivität am

ehesten durch eine höhere technologische

Leistungsfähigkeit erreicht werden

kann, also durch Innovationen in Produkte

und in Prozesse. Betriebliche Innovationen

wiederum entstehen durch die Anwendung

neuer Ideen – und diese können

durch eigene Forschung, aber auch

durch Übernahme erfolgversprechender

Forschungsergebnisse aus anderen Teilen

der Welt entstehen.

Genau hieran sollte die künftige Politik

für strukturschwache Regionen in Ostdeutschland

und in Westdeutschland ansetzen.

Tatsächlich bewegt sich die Politik

auch in diese Richtung; schon in der

vergangenen Legislaturperiode wurde

begonnen, die Instrumente der Regionalförderung

stärker auf die Förderung

von Innovationen hin auszurichten und

zwischen den Ressorts besser zu verzahnen.

Dieser Weg sollte auch von der

neuen Bundesregierung fortgesetzt werden.

Klug wäre es, wenn man auch eine

verbesserte Abstimmung zwischen den

verschiedenen föderalen Ebenen erreichen

könnte.

Aber vielleicht ist das alles auch nur Träumerei,

denn der Erfolg der Regionalpolitik

besteht gerade darin, dass sie sich

selbst überflüssig macht – was manch

einer vielleicht gar nicht will. Wäre das

nicht ein Ziel, das sich die neue Bundesregierung

setzen könnte?

W+M

Foto: ifo Dresden

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


VIP

POLITIK | 41

STANDPUNKT Ist es vertretbar, VIP-Einladungen anzunehmen?

Foto: privat (unten)

Immer wieder wird in der Öffentlichkeit

kontrovers darüber debattiert,

ob Politiker, Manager oder sonstige

Führungskräfte VIP-Einladungen für

Sport- oder Kulturveranstaltungen annehmen

dürfen. Lesen Sie nachfolgend

den Standpunkt des Berliner CDU-Politikers

Dr. Frank Steffel, Obmann der

Unionsfraktion im Sportausschuss des

Deutschen Bundestages und

Präsident des Handball-

Bundesligisten Füchse

Berlin:

Ohne Sponsoring wären

Breiten- und Leistungssport

genauso

wie Kulturveranstaltungen

in Deutschland

undenkbar. Viele dieser

Unternehmen engagieren

sich dabei über viele Jahre

Dr. Frank Steffel.

hinweg kontinuierlich und ermöglichen somit

den Betroffenen eine verlässliche Planung.

Das ist das Fundament für eine starke

Kinder- und Jugendarbeit in den Vereinen

und für unseren nationalen Spitzensport.

Dabei geht es den wenigsten Sponsoren

zunächst um eine öffentliche Wahrnehmung.

Sie treten vielmehr oftmals als

Mäzenen auf ohne eine echte Refinanzierung

über Werbung. Die überwältigende

Anzahl dieser Unternehmen

sind zum großen

Teil kleine und mittelständische

Unternehmen,

die sich in ihrer

Heimatregion engagieren.

Für diese

Unternehmen muss

Rechtssicherheit geschaffen

werden, weil sonst in Zukunft

der Rückzug dieser Unternehmen droht –

mit allen Konsequenzen für die Finanzierung

von Sport und Kultur.

Die Selbstverpflichtungserklärung des DFB

aus dem Jahr 2011 stellt eine gute Grundlage

im Umgang mit VIP-Karten dar. Klar

ist, mit der Annahme von Karten kann und

darf es keine damit verbundene Erwartung

an künftige Entscheidungen geben. Die Kriminalisierung

von Sponsoren ist schädlich

für den Sport. Neben der steuerlichen Klarheit

ist auch die Rechtssicherheit für Sponsoren

sowie Gäste im Interesse des Sports.

Für Kultur- und Sportpolitiker ist die Annahme

von Karten neben der generellen Repräsentationspflicht

von Abgeordneten oftmals

auch eine Dienstpflicht. Die Menschen können

zu Recht von ihren gewählten Volksvertretern

erwarten, dass Sie sich im Rahmen

ihrer fachlichen Zuständigkeit mit den unterschiedlichen

Akteuren austauschen. W+M

Sie bauen –

wir kompensieren

Für Vorhabenträger mit Kompensationsverpflichtungen

bieten wir sachsenweit Ökokontomaßnahmen an. Für eine

schuldbefreiende Übernahme Ihrer Kompensationspflichten

sprechen Sie uns an.

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www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


42 | W+M POLITIK

Was sind Ihre wichtigsten

Ziele für 2018?

Wir blicken auf ein turbulentes

Jahr 2017 zurück. Politisch begann

es mit der Vereidigung des

umstrittenen US-amerikanischen Präsidenten,

führte über Wahlen in Frankreich

und Österreich bis hin zu den deutschen

Bundestagswahlen im September und den

gescheiterten Jamaika-Sondierungen. Die

Brexit-Verhandlungen und die Unabhängigkeitsbestrebungen

Kataloniens stellen die

Europäische Union auf eine schwere Probe

und auch der Abgasskandal, die Fipronil-Eier

und die Insolvenz von Air Berlin beherrschten

monatelang die Schlagzeilen.

Aber die deutsche Wirtschaft blickt optimistisch

auf das neue Jahr und rechnet

mit einem Wirtschaftswachstum von zwei

Prozent für 2018 sowie erstmals seit der

Wiedervereinigung mit einem Rückgang

der Arbeitslosigkeit auf unter 2,5 Millionen

im Jahresschnitt. WIRTSCHAFT+MARKT

hat sich in der Führungsetage der ostdeutschen

Wirtschaft und Wissenschaft umgehört,

welche Ziele und Wünsche es für

das neue Jahr gibt.

Martin Buhl-Wagner,

Geschäftsführer der

Leipziger Messe.

Als international ausgerichteter Veranstalter

für Publikums-, Fach- und

Zukunftsthemen werden wir auch

2018 Innovationsimpulse setzen. Deshalb

treiben wir neben unserem Geschäft

am Standort auch die Aktivitäten im Ausland

konsequent voran. Insbesondere in

den Themenfeldern Medizin, Denkmalpflege

und Kosmetik hat sich die Leipziger

Messe eine Expertise angeeignet, die

sie mit erfolgreichen Veranstaltungen wie

der denkmal Russia - Moscow und der

HPI in China auch international beweist.

2018 veranstalten wir mit der OTWorld

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender

Präsident des Ostdeutschen

Sparkassenverbandes (OSV).

erneut die Weltleitmesse im Bereich der

Orthopädie- und Rehatechnik in Leipzig,

während wir mit der CosmeticBusiness

in München und in Polen aktiv werden.

Im Fokus steht für uns zudem das Vorantreiben

der Digitalisierung in unserer

Unternehmensgruppe – denn nur so können

wir unsere Innovationskraft und hohe

Servicequalität langfristig sichern.

Die Sparklassen und ihre kommunalen

Träger werden weiterhin für ihre

Kunden da sein und Partner des Mit-

Fotos: Leipziger Messe (links), OSV (rechts)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


POLITIK | 43

Fotos: LBBW (links), Commerzbank AG (oben), HPI/Kay Herschelmann (unten), E.DIS AG (rechts)

telstandes sowie Hausbank der Ostdeutschen

bleiben, trotz der Belastungen

aus der Niedrigzinsphase und

der Brüsseler Regulatorik. Wir werden

auf das geänderte Kundenverhalten mit

einer modernen und veränderten Filialstruktur

reagieren und die Ansprechbarkeit

um weitere Onlinedienste ergänzen.

Digitalisierung soll für uns kein Schlagwort

sein. Wir setzen uns zum Ziel, sie für

unsere Kunden mit Leben zu füllen. Natürlich

werden wir auch 2018 einen Beitrag

leisten, um unsere Heimat lebenswert

zu gestalten durch Mitarbeit in den

vielfältigsten kommunalen Netzwerken

sowie durch Spenden und Sponsoring.

Oliver Fern,

Vorstand der

LBBW Sachsen Bank.

Wir haben den Anspruch, die beste mittelständische

Universalbank zu sein.

Dafür haben wir als regional verwurzelte

Bank aufgrund unserer Kundennähe

sehr gute Voraussetzungen. Künftig

wollen wir außerdem unsere kompakte

Größe noch stärker nutzen, um im Sinne

unserer Kunden Entscheidungswege zu

verkürzen und die Zusammenarbeit zwischen

unseren Einheiten zu verbessern.

Unser Ziel lautet: Mehr Agilität, und zwar

sowohl in der Organisation als auch bei jedem

einzelnen Mitarbeiter. Als Vorbild dienen

uns dabei unsere mittelständischen

Kunden. Außerdem forcieren wir mit Blick

auf den technologischen Wandel die Digitalisierung

– in unseren eigenen Prozessen

und in unserem Leistungsangebot.

Bei Produkten, bei denen wir Marktführer

sind, wie etwa Schuldscheindarlehen,

wollen wir auch Innovationsführer sein.

Michael Kotzbauer,

Bereichsvorstand Firmenkunden

Mitte und Ost der Commerzbank AG.

Wir wollen den Kurs, den wir seit Jahresbeginn

eingeschlagen haben, erfolgreich

fortsetzen. Bundesweit haben

wir bereits über 4.000 neue Firmenkunden

gewonnen, davon alleine

über 700 Neukunden im Osten. Unser

Kreditgeschäft wächst – im laufenden

Jahr bundesweit mit bislang rund einer

Milliarde Euro an neuen Darlehen für

Mittelstand und Großkunden. Diese beiden

Themen haben wir auch 2018 stark

im Fokus. Daneben helfen wir unseren

Kunden, das große Thema Digitalisierung

erfolgreich zu bewältigen – und investieren

selbst stark in Digitalisierung: 2018

führen wir die digitale Kreditvergabe für

Firmenkunden ein. Künftig wollen wir unsere

IT-Systeme mit denen unserer Kunden

verbinden – um damit „analog“ und

„digital“ intelligent zu kombinieren.

Prof. Dr. Christoph Meinel,

Direktor und Geschäftsführer

des Hasso-Plattner-Instituts (HPI).

Auch 2018 steht das Thema Cybersicherheit

wieder ganz oben auf der

Agenda von Projekten, die ich im neuen

Jahr voranbringen möchte. Die steigende

Zahl von Hackerangriffen auf deutsche

Unternehmen und Regierungsnetze

ist alarmierend und zeigt, dass Unternehmen

künftig noch stärker in den Schutz

ihrer IT-Infrastruktur investieren müssen.

Hersteller von IoT-Geräten müssen

zu grundlegenden Sicherheitsstandards

für Hard- und Software verpflichtet werden,

denn Cybersicherheit ist für den Erfolg

der Digitalisierung eine wesentliche

Voraussetzung. Das HPI wird sich daher

auch 2018 wieder mit Konferenzen wie

der Potsdamer Konferenz für nationale

Cybersicherheit, Forschungsprojekten,

kostenlosen Online-Kursen sowie Workshop-Angeboten

für eine stärkere digitale

Aufklärung und Bildung einsetzen und

dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein

für digitale Bedrohungen zu schärfen.

Dr. Alexander Montebaur,

Vorstandsvorsitzender E.DIS AG,

Fürstenwalde/Spree.

Als Energienetzbetreiber in Brandenburg

und Mecklenburg-Vorpommern

wollen wir in 2018 erneut auf hohem

Niveau in unsere Netze investieren, um

die Versorgungszuverlässigkeit weiter

zu erhöhen und die Einbindung von immer

mehr Grünstrom-Erzeugungsanlagen

in unser Verteilnetz zu sichern. Mit

diesem Ziel wollen wir auch unseren erfolgreichen

Pilotversuch mit intelligenten

Zählern auf der Insel Rügen in weiteren

Regionen fortsetzen. Ebenso haben wir

uns vorgenommen, die Digitalisierung in

der gesamten E.DIS-Gruppe weiter voran-

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


44 | W+M POLITIK

Die Energiewende wird auch 2018 ein zentrales

Thema für die neuen Bundesländer darstellen.

zutreiben. Auch beim Thema Elektromobilität,

insbesondere dem Ausbau der Ladeinfrastruktur

wollen wir gemeinsam mit

unseren kommunalen Partnern in 2018 ein

kräftiges Stück vorankommen.

Dr. Ulrich Müller,

EWE-Generalbevollmächtigter.

In 2018 steht für EWE weiterhin die

Energiezukunft im Fokus. Wir wollen

das Projekt "brine4power" vorantreiben

und die größte Batterie der

Welt bauen. Wenn alles funktioniert,

können wir damit den Regelenergiemarkt

grundlegend verändern. Denn

die Strommenge, die ein Speicher dieser

Art beinhaltet, reicht aus, um Berlin für

eine Stunde mit Strom zu versorgen. In

der Region Brandenburg/Rügen setzen wir

seit einigen Jahren auf Wärme- und Kältelösungen

mit hocheffizienten Technologien.

Für uns ist dies ein Kern der Energiewende,

an dem wir konsequent festhalten.

Insgesamt arbeitet EWE weiter daran, den

Kunden nicht nur Strom und Gas, sondern

Lösungen wie Wärme, E-Mobilität oder

selbst erzeugte Sonnenenergie aus Stromspeichern

anzubieten. Unser Anspruch ist

es, unseren Kunden die Welt der dezentralen

Energie mit Service und Qualität so

einfach wie möglich zu machen.

Thomas Murche,

Technischer Vorstand

der WEMAG AG.

Als technischer Vorstand will ich Effizienz

und Nachhaltigkeit in Prozessen

fördern und das wirtschaftliche

Wachstum der WEMAG als gesundes

Unternehmen voranbringen.

Die WEMAG Unternehmensgruppe hat

ein breites Angebot, das am Markt sehr

gut angenommen wird. Digitalisierung,

Energiewende und Infrastrukturdienstleistungen

bieten Chancen, die es im Interesse

der Region und unserer Kunden

zu nutzen gilt. Ich möchte die WEMAG

als Lösungsanbieter in Zusammenarbeit

mit Partnern für unsere Kunden weiterentwickeln,

indem wir die Energiewende

durch weitere grüne Erzeugungsanlagen

stützen sowie den Netzausbau fortsetzen.

Dazu gilt es im Jahr 2018 auch, eine

Unternehmenskultur mit Mut für Innovationen

zu fordern und fördern sowie die

Unternehmensstrategie auf diese neuen

Anforderungen auszurichten.

Steigende Geburtenzahlen und der

Zuzug junger Familien in unsere Stadt

sind die größte Chance und gleichzeitig

die größte Herausforderung für Meißen

in den kommenden Jahren. So sind für

mich die Erschließung neuer Wohnmöglichkeiten,

aber vor allem eine noch bessere

Betreuungs- und Bildungssituation zentrale

Themen. Auch 2018 steht wieder ganz

im Zeichen von Kita- und Schulhausbau. Ich

bin überzeugt: Jede Investition in Familienfreundlichkeit

zahlt sich später doppelt

Fotos: Winfried Mausolf (links), Michael Bach (rechts)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


POLITIK | 45

weiterhin unsere aktuellen Geschäftsbereiche

optimieren und ausbauen sowie

zusätzlich neue Geschäftsfelder besetzen.

Eine wichtige Handlungsmaxime

wird dabei auch sein, gewissenhaft und

sparsam mit unseren Kosten und Ressourcen

umzugehen.

Olaf Raschke,

Oberbürgermeister der Stadt Meißen.

Tillmann Stenger,

Vorsitzender des Vorstandes der ILB.

Fotos: Stadt Meißen (oben links), VNG AG (unten), HTW Berlin (Mitte), ILB/Sabine Engels (oben rechts)

und dreifach aus. Meißens Standortvorteile

als lebenswerter Wohn- und Arbeitsort

für alle Generationen und attraktives Reiseziel

vor den Toren Dresdens möchte ich

2018 noch stärker in den Blickpunkt rücken

und zeigen: Die Porzellan- und Weinstadt

bietet beste Voraussetzungen für Innovationen

und Ideen.

Bodo Rodestock,

Vorstand Finanzen/Personal

der VNG – Verbundnetz Gas AG.

Ziel ist und bleibt es, dass die VNG im

Erdgasmarkt wettbewerbsfähig und

erfolgreich aufgestellt ist. Erfolgreich

heißt: wirtschaftliches Wachstum mit einem

nachhaltig gesteigerten EBIT. Mit

unserer Strategie VNG 2030+ sind wir

im Jahr 2017 einen deutlichen Schritt in

diese Richtung gegangen. Dazu gehört

auch, dass wir langfristig Gas und die

Gasinfrastruktur „vergrünen“ und zu einem

nachhaltigen Bestandteil des Energiesystems

der Zukunft machen wollen.

2018 knüpfen wir hier an. Wir werden

Prof. Dr. Klaus Semlinger,

Präsident der HTW Berlin.

Als Präsident der HTW Berlin, einer

der größten Hochschulen für Angewandte

Wissenschaften in Deutschland,

die sich explizit zu ihrem Auftrag

der praxisorientierten Lehre und

Forschung bekennt, würde ich mich

freuen, wenn wir 2018 noch mehr Resonanz

für unser Transfer- und Kooperationsangebot

bei unseren Gegenüber

in der Praxis fänden. Als forschungsstarke

Hochschule mit breitem

Fächerspektrum sind wir insbesondere

für kleine und mittlere Unternehmen ein

konstruktiver Entwicklungspartner nicht

zuletzt bei den Innovationstreibern Digitalisierung

und Design. Gerade in diesen

Bereichen streben wir auch mehr Ausgründungen

aus der Hochschule an. Ach

ja, und regelmäßig Sport treiben steht

auch auf der Liste.

Für das kommende Jahr verfolgen wir

drei wesentliche Ziele. Wir möchten

zum einen den Ausbau der brandenburgischen

Infrastruktur voranbringen. Dazu

zählen insbesondere die Förderung von

Kitas und Schulen sowie des flächendeckenden

Breitbandausbaus. Außerdem

sollen Digitalisierungsvorhaben stärker

unterstützt werden, denn die Zukunftsfähigkeit

unserer Wirtschaft – gerade auch

in den ländlichen Regionen – ist von großer

Bedeutung. Zum Dritten werden wir

einen verstärkten Fokus auf die Wohnungsbauförderung

setzen. Bezahlbaren

Wohnraum am Rande von Berlin zu

schaffen ist im aktuellen Marktumfeld

ein sehr wichtiges Thema, bei dem wir

als Brandenburgs Förderbank deutliche

Impulse setzen müssen. Nur so können

auch weiterhin viele Menschen vom anhaltenden

Boom der Hauptstadtregion

profitieren.

W+M

In 2018 sollen die Wissenschaft und

der ostdeutsche Mittelstand noch enger

zusammenarbeiten.

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46 | W+M RATGEBER

Ordnung ist das halbe Leben

Ein aufgeräumter Schreibtisch ermöglicht effizientes und ablenkungsfreies Arbeiten.

Die physische Organisation des Büroarbeitsplatzes tritt durch

die Digitalisierung mehr und mehr in den Hintergrund. Dies führt

allerdings nicht zu größerer Übersichtlichkeit und weniger Stress,

ganz im Gegenteil. Der Vormarsch der digitalen Kommunikation hat

für eine Informationsflut gesorgt, die viele nicht mehr beherrschen.

Mit diesen Tipps kommen Sie entspannter durch den Arbeitsalltag.

Rituale vor der Arbeit

Nehmen Sie sich genügend Zeit vor der

Arbeit. Es gibt nichts Schlimmeres, als

morgens gehetzt oder verschwitzt zu

sein, weil Sie zu spät aufgestanden sind.

Eine wiederkehrende Reihenfolge von

Tätigkeiten am Morgen schafft Routine

und gibt Kraft und Sicherheit für den Tag:

Nach dem Duschen einen Kaffee, Frühstück

mit Zeitung, dann den Tag planen.

Morgendliche Rituale am Arbeitsplatz

Was für zu Hause gilt, lässt sich auch

auf den Arbeitsplatz übertragen. Begrüßen

Sie zuerst den Chef, dann alle Kollegen,

legen Sie die Jacke ab, verstauen

Sie Ihre Tasche, trinken einen Kaffee,

lesen E-Mails. Die Reihenfolge ist beliebig.

Jeden Morgen dieselben Rituale im

Büro durchzuführen, strukturiert den Arbeitstag.

Ziele setzen

Um sich Rituale, wie morgens kalt zu duschen

oder vor der Arbeit Sport zu treiben,

anzugewöhnen, ist ein starker Wille

nötig. Setzen Sie sich Ziele. Wenn Sie

eine solche Aufgabe 30 Tage durchhalten,

pushen Sie nicht nur Ihr Ego und das

Wohlbefinden. Nach 30 Tagen sollten Ihnen

die Rituale in Fleisch und Blut übergegangen

sein.

Zentrale Terminverwaltung

Es ist sinnvoll, geschäftliche (und private)

Termine, wichtige Notizen, Nachrichten

und Vorgänge nicht auf verschiedenen

Anwendungen (Outlook, Browserlesezeichen,

Word-Dokument, Schmierzettel)

zu sichern. Nutzen Sie stattdessen eine

Software, die alle Funktionen vereint.

Die richtigen Prioritäten setzen

Zu viele Aufgaben und keine Prioritätenstruktur

bei der Bewältigung führen ins

Chaos, egal ob bei Teamarbeit oder bei

Einzelkämpfern. Wo anfangen und womit

weitermachen? Abhilfe können Organisationsmethoden

wie etwa das Eisenhower-Prinzip

schaffen. Das Eisenhower-Prinzip:

Diese Methode teilt alle Aufgaben in

(vier) Felder ein, deren einzige Kriterien

Foto: Pexels

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


BÜRO | 47

Wichtigkeit (wichtig und unwichtig) und

Dringlichkeit (eilig und nicht eilig) sind.

Jede Aufgabe des Arbeitstages lässt sich

in eines von vier möglichen Feldern (eilig

und wichtig, eilig aber unwichtig, nicht eilig

aber wichtig sowie nicht eilig und unwichtig)

einordnen, wodurch die Prioritäten

der entsprechenden Aufgabe sofort

zugeordnet und effizienter abgearbeitet

werden können.

Ordnung im Büro

Strukturieren Sie Ihre Büroeinrichtung

übersichtlich: Vermeiden Sie Stolperfallen

auf dem Weg zum Kopierer, ordnen

Sie den Aktenschrank alphabetisch,

beschriften Sie Regale. Sorgen Sie dafür,

dass Ihre Ablagen nicht überquellen.

Verwenden Sie statt vielen nur einen

übersichtlichen Kalender. Als besonders

effektives Konzept zur Ordnung in

Büroräumen hat sich die „5S-Kaizen-Methode“

etabliert. Die fünf S stehen für

Sortieren, Systematisieren, Säubern,

Standardisieren und ständig verbessern.

Ordnung im Stauraum

Für viele Dokumente im Büro gibt es

Aufbewahrungsfristen (Verträge, Rechnungen,

Lohnbelege usw.), und auch

die Korrespondenz mit wichtigen Geschäftspartnern

sollte nicht sofort beseitigt

werden. Eine übersichtliche Sortierung

in entsprechenden Ordnern ist

unabdingbar. Die Beschriftung der Ordner

muss präzise sein, am besten gleich

mit der entsprechenden Verjährungsfrist

auf dem Etikett. Auch hier gilt aber:

Was nicht unbedingt aufgehoben werden

muss, kann getrost in den Aktenvernichter.

Eine solche Organisation der

Ordner sollte abteilungsübergreifend

stattfinden und nicht nur von einzelnen

Kollegen durchgeführt werden.

Ordnung auf dem Schreibtisch

Kreatives Chaos ist eine Ausrede! Ein unaufgeräumter

Schreibtisch lenkt nur ab

und große Papierstapel sorgen schlicht

für längere Suchzeiten. Schon wenige

Ablagekörbe reichen, zum Beispiel

Posteingang, To-do und Postausgang.

Der Posteingangskorb sollte regelmäßig

geleert werden. Sonst wissen Sie nie genau,

was gerade Neues dazugekommen

ist. Machen Sie keinen übermäßigen Gebrauch

von Haftnotizen. Ein Schreibtisch

voller Post-its sorgt immer für optische

Unruhe. Und packen Sie das Smartphone

weg, wenn es nicht zu Ihren Arbeitsmitteln

gehört. Es lenkt Sie ab und hindert

nur Ihren Arbeitsfluss.

Ordnung auf dem Desktop

Ein ordentlicher, aufgeräumter Desktop

erleichtert auch die digitale Arbeit erheblich.

Generell gilt: je weniger auf dem

Startbildschirm, desto besser. Alles Unwichtige

sollte gelöscht werden oder in

Unterordnern verschwinden, und alles,

was bereits abgearbeitet wurde, in entsprechenden

Verzeichnissen abgelegt

werden.

E-Mail-Flut beherrschen

Lassen Sie eingehende E-Mails nicht Ihren

Arbeitstag regieren. Löschen Sie alles,

was für Sie nicht relevant ist. Was

von jemand anderem zu bearbeiten ist,

leiten Sie direkt weiter. Nutzen Sie die

Fünf-Minuten-Regel: Wenn die Aufgabe

innerhalb von fünf Minuten zu erledigen

ist, tun Sie es sofort. Wenn die Bearbeitung

der E-Mail länger als fünf Minuten

dauert, legen Sie sie auf Termin.

Organisation vor dem Urlaub

Um entspannt in den Urlaub gehen und

diesen auch genießen zu können, sollten

einige Punkte beachtet werden.

Wichtige Vorgänge sollten vor dem Urlaub

abgeschlossen werden. Achten Sie

dabei trotzdem auf möglichst stressfreie

letzte Arbeitstage. Erstellen Sie ein

Übergabeprotokoll: Wer soll was tun? Wo

sind Ihre Passwörter, Daten usw.? Eine

E-Mail-Abwesenheitsnotiz mit den wichtigsten

Daten ist sinnvoll, also: Wann stehen

Sie wieder zur Verfügung und wer

(Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer)

ist Ihre Vertretung?

Foto: Pexels

Hier fehlt ganz offenkundig eine ordnende Hand.

Der Notfall-Ordner

Fällt der Geschäftsführer oder ein leitender

Angestellter kurzfristig für längere

Zeit aus, kann schnell blankes Chaos

herrschen. Denn es gibt häufig keine

Vertretungen, die in alle Prozesse involviert

sind. Für diese Fälle sollte ein Notfall-Ordner

angelegt werden, über dessen

Standort und Inhalt ein oder zwei

Personen informiert sind. Der Ordner

sollte mindestens Folgendes enthalten:

Verträge, Vollmachten, Passwörter,

Nachweise über Zweitschlüssel, Notfallanweisungen

und Vertretungsregelungen,

Arbeitsplatzbeschreibungen der

Mitarbeiter, Versicherungen und wichtige

Adressen.

In Zusammenarbeit mit dem

Magazin Das Büro.

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48 | W+M RATGEBER MANAGEMENT

Aus der Insolvenz kaufen

Wer aus der Insolvenz kauft, meint häufig, es sei billig. Wer aus der

Insolvenz erwirbt, kauft „die Katze im Sack“. Der Insolvenzverwalter

kennt das, was er verkauft, häufig wenig bis gar nicht. Er kann das

Verkaufsgut daher nur so verkaufen, „wie es steht und liegt“, also

ohne jede Gewährleistung und Garantie. Das drückt gelegentlich

den Preis. Von Florian Stapper

Der Käufer sollte daher die Beschaffenheit

des Kaufgegenstandes präzise

prüfen. Das gilt insbesondere

für Immobilien. Insolvenzverwalter haben

die Aufgabe, das Vermögen des Insolventen

zu versilbern. Verkauft der Insolvenzverwalter

nicht zu angemessenen Preisen,

haftet er der Masse auf die Differenz zwischen

Kaufpreis und tatsächlichem Wert.

Haftungsfälle von Insolvenzverwaltern haben

gerade in letzter Zeit deutlich zugenommen.

Das Verkaufte ist selten neu, sondern

meistens gebraucht. Der für den Käufer

vermeintlich gute Preis ergibt sich

auch daraus. Dem Käufer ist aber häufig

gleichgültig, ob der gekaufte Gegenstand

neu oder schon gebraucht ist. Wenn er

das Verkaufsgut einsetzt, ist es ohnehin

nicht mehr neu.

In der Praxis verkaufen Insolvenzverwalter

auch über

sogenannte Verwertungsgesellschaften,

die im Auftrag des Insolvenzverwalters

verkaufen

oder versteigern.

Der Käufer erwirbt dann

von der Verwertungsgesellschaft,

die den Kaufpreis

nach Abzug ihrer

eigenen Kosten an den

Insolvenzverwalter weiterleitet.

Insolvenzverwalter geben

Vermögensgegenstände

aus der Masse frei, wenn sie aus

der Verwertung keinen positiven Beitrag

für die Masse erwarten, etwa weil die

laufenden Kosten bis zum Verkauf zu

hoch sind oder weil eine wertausschöpfende

Belastung mit Fremdrechten vorliegt.

In diesem Fall kann der Insolvente

den Vermögensgegenstand selbst und

rechtssicher verkaufen, auch wenn über

sein Vermögen das Insolvenzverfahren

eröffnet wurde.

Viele Vermögensgegenstände sind finanziert

und der Insolvenzverwalter bekommt

für seine Masse von dem Verkaufserlös

nur einen kleinen Teil. Es

Prof. Dr. Florian Stapper ist Fachanwalt

für Insolvenz- und Steuerrecht und

Inhaber der STAPPER Insolvenz- und

Zwangsverwaltung.

kann daher sinnvoll sein, als Kaufinteressent

mit dem Sicherungsgläubiger (das

ist häufig eine Bank oder eine Leasinggesellschaft)

zu verhandeln und dem Insolvenzverwalter

dann einen Kaufpreis

zu bieten, der mit dem Sicherungsgläubiger

schon abgestimmt ist.

Insolvenzverwalter führen insolvente Betriebe

häufig fort, weil sie hoffen, die Aktivseite

der Bilanz dann zu Fortführungswerten

verkaufen zu können. Der Erwerber

– das ist häufig auch ein Konkurrent

– wird dann mit dem Insolvenzverwalter

vereinbaren, dass er die Sonderkündigungsrechte

des Insolvenzverwalters

nutzt, um zu sanieren, und

kauft dann im Rahmen einer sogenannten

übertragenden Sanierung

den betriebsnotwendigen

Teil der Aktivseite der

Bilanz vom Insolvenzverwalter

und übernimmt die Belegschaft.

Richtig strukturiert und verhandelt,

kann der Kauf aus der Insolvenz

für den Käufer und auch

für den Insolvenzverwalter ein

vorteilhaftes Geschäft sein.

W+M

Fotos: Florian Stapper (oben), iridi66/fotolia.com (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


OFFICE-ROXX.DE

D e r a m t l i c h e B ü r o B l o g

DER BLOG, DER ROCKT!


50 | W+M RATGEBER

Die Achtsamkeit

und ihre Wirkung

auf Führungskräfte

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Achtsamkeit” hören?

Fallen Ihnen Begriffe wie Meditation, Bewusstseinszustand,

Buddhismus oder Psychologie ein? Wenn von Achtsamkeit die

Rede ist, geht die Diskussion oft in Richtung Esoterik. Dabei kann

und ist Achtsamkeit so viel mehr – gerade im Businessalltag.

Von Annett Schulz

Produkt- und Prozesszyklen, immer häufigere

Umstrukturierungen, Steigerung

von Leistungs- und Erfolgsdruck durch

mehr Konkurrenz weltweit, ständige Veränderungen

und Anpassungen, Konflikte

und Krisen in unterschiedlichen Bereichen

haben die Folge, dass der Stress

und die Anspannung zunehmen.

Achtsamkeit ist eine von vielen Methoden

der Prävention. Achtsamkeit

bedeutet, hellwach im Hier

und Jetzt zu sein, Geschehnisse und die

Mitmenschen in der Umwelt bewusster

wahrzunehmen und bewusst zu handeln.

Gehen Sie also stets mit offenen Augen

durchs Leben. Blenden Sie nicht einfach

Dinge aus, weil Sie sie vermeintlich schon

kennen. Es gibt immer etwas Neues zu

entdecken. Nehmen Sie sich ein Beispiel

an Kindern. So waren Sie auch einmal.

Neugierig, voller Entdeckerfreude, offen

für Neues, naiv und leicht in ihrem Handeln

– eben achtsam und bewusst.

Führungskräfte sind in einer Sandwichposition.

Auf der einen Seite tragen sie

die Verantwortung für positive Ergebnisse

und den Erfolg eines Projektes. Dies

erreichen sie nur mit Hilfe anderer Menschen,

wie Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten

oder Kunden. Parallel dazu müssen

sie die entsprechenden Partner für

sich und die Sache gewinnen, entsprechend

führen und leiten. Mit Jedem müssen

sie einen konstruktiven Dialog führen

und eine Umgebung kreieren, in der vor

allem ihre Mitarbeiter oder Dienstleister

motiviert und zielorientiert arbeiten und

sich wohlfühlen. Diese Aufgabe ist ziemlich

komplex, erfordert in jedem Moment

eine neue Einschätzung, ein aktives Handeln,

eine richtige Entscheidung. Für all

das bleibt immer weniger Zeit in einer

globalen Wirtschaft, in der Geschwindigkeit

gefühlt in Licht-Sekunden gemessen

wird. Mehr Arbeit durch Verkürzung von

Stress nicht entstehen lassen

Viele Führungskräfte versuchen, den erlebten

Stress abzubauen. Oft in Form

von extensiv betriebenem Sport wie Joggen,

Mountainbiken, Tennis – Hauptsache

auspowern. Doch damit wird der entstandene

Stress nur temporär abgebaut.

Nachhaltiger ist es dafür zu sorgen, dass

Stress möglichst erst gar nicht entsteht.

Wer wirklich etwas an seinem Stress, der

sich im Inneren aufbaut, verändern will,

muss seine automatischen Routinen im

Denken, Fühlen und Handeln erkennen

sowie reflektieren. Das ist nicht über den

rationalen Verstand – mit dem wir meist

im Alltagsbewusstsein sind – zu erreichen.

Dazu braucht es Achtsamkeit.

Achtsamkeit ist ein Bewusstseinszustand,

bei dem die Aufmerksamkeit bei

Foto: Pixabay

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


MANAGEMENT | 51

Foto: Privat

sich selbst und bewusst auf das Umfeld

gerichtet ist. Sie ist passiv, hellwach, offen,

neugierig und versucht, das Jetzt

wertfrei zu beobachten. Die meisten

Menschen funktionieren im Alltagsbewusstsein

routinemäßig, suchen nach

Bestätigung für ihre Ansichten und mentalen

Modelle. Sind wenig offen für Neues

und reflektieren sich selbst eher selten.

Achtsamkeit ist ein Weg, aus den

„Alltagstrancen“, also jenen unbewussten,

gewohnheitsmäßigen und automatischen

Mustern, auszusteigen.

Eine Führungskraft ist im Berufsalltag

nicht nur fachlich voll gefordert, sie muss

sich dazu selbst reflektieren

und zeitgleich auch das

Verhalten ihrer Mitarbeiter

richtig einschätzen,

um diese

dann entsprechend

leiten zu können.

Der renommierte

amerikanische Sozialwissenschaftler

und Philosoph Gregory

Bateson (1904 –

1980) schrieb einst, dass

ein lebendes System

selbstorganisierend,

selbststeuernd

und

selbstkorrigierend

ist, wenn alle seine

Teile innerhalb

des Ganzen miteinander

richtig verbunden

sind. Gerät

jedoch ein System

aus der Balance,

egal ob es

ein Mensch, eine

Familie, ein Arbeitsteam

oder

die Welt ist, dann

hat das immer damit

zu tun, dass die

einzelnen Teile des

Systems nicht miteinander

verbunden

sind. Als ein

solches System

muss man sich die

Führungskraft und

das ihr zugeordnete Team verstehen. Die

Führungskraft hat dafür Sorge zu tragen,

dass das System funktioniert.

Annett Schulz arbeitet als

Entspannungstrainerin und

Balance Coach.

Achtsamkeit lernen

Die Methode der Achtsamkeit zu lernen,

ist leicht. Sie können es überall tun. Zu

Hause, im Büro, in der U-Bahn, im Park.

Die üblichste Methode ist: Sie setzen oder

legen sich hin und schließen die Augen.

Dabei atmen Sie ruhig und tief durch die

Nase ein und durch den Mund wieder aus.

Das Schließen der Augen hilft Ihnen, Ihre

Aufmerksamkeit nach innen zu sich selbst

zu richten. Danach richten Sie Ihre Aufmerksamkeit

auf ihren Körper (Was können

Sie von ihm spüren?), ihre Gefühle

(Nehmen Sie wahr, in

welcher Stimmung Sie gerade

sind.), ihre Gedanken

(Das ist der wichtigste,

für manche der schwierigste

Teil. Denken Sie nicht, sondern seien

Sie der Zeuge Ihrer Gedanken. Beobachten

Sie, wie dauernd Gedanken kommen,

und lassen Sie sie wieder gehen.).

Führungskräfte können erheblich davon

profitieren, wenn sie das Prinzip der Achtsamkeit

verstanden haben und bewusst

anwenden. Durch das genaue Beobachten

der eigenen inneren Vorgänge gelingt es

mit der Zeit, Zusammenhänge zwischen

äußeren Ereignissen (belastenden Situationen),

dem eigenen Verhalten und den Auswirkungen

auf die Mitarbeiter zu erkennen.

Eigene Reaktionen lassen sich so in positiver

Weise verändern. Achtsamkeit hilft,

sich in andere Menschen hineinzuversetzen,

und ermöglicht den Führungskräften,

sich auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern

zu begeben und diese entsprechend so

wertzuschätzen. Achtsamkeit hilft auch,

eigene Theorien und Modelle zu hinterfragen

und diese weniger für die „absolute

Wahrheit“ zu halten.

Auch bei dem heiklen Thema „Narzissmus“

hilft Achtsamkeit. Einige Führungskräfte

sind auch aufgrund ihres narzisstischen

Potenzials in ihre hohe Position gelangt,

einem Mix aus starkem Charisma,

Machtstreben, Verleugnung eigener Grenzen

und einem hohen Geltungsbedürfnis.

Eigenschaften, die Schattenseiten aufweisen,

wie Überempfindlichkeit bei Kritik,

das Unvermögen, sich für Fehler zu

entschuldigen, das Fehlen von ausreichender

Empathie und Fehlen von Eigenverantwortung.

Mit Achtsamkeit lässt sich der

eigene Narzissmus beherrschen und auf

ein vernünftiges Maß eindämmen.

Sie brauchen kein Buch zu lesen, keinen

Kurs besuchen. Mit einfachen Techniken

können Sie sofort anfangen, die Achtsamkeit

im Umgang mit Ihren Mitarbeitern zu

üben: Gehen Sie auf Ihre Mitarbeiter ein.

Kommunizieren Sie in der Ich-Form. Sprechen

Sie Wünsche aus anstatt Erwartungen.

Fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach deren

Einschätzung. Schließen Sie Kompromisse.

Begeben Sie sich auf Augenhöhe

mit Ihren Mitarbeitern. Zeigen Sie Interesse

und Anerkennung für deren Arbeit. Finden

Sie gemeinsam Lösungen für die Bewältigung

von Problemen. W+M

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52 | W+M RATGEBER IT

Mit hoher Datenqualität

schneller erfolgreich sein

Ein Customer Relationship Management kann Sie dabei unterstützen,

Ihre Kundenbeziehung effizient zu steigern. Die vorhandenen

Informationen bilden die Basis für kundenorientiertes Handeln. Dabei

gilt: Je besser die Datenqualität, desto mehr können Sie von den

Vorteilen einer CRM-Lösung profitieren. Gerade in Hinblick auf die

bevorstehende EU-Datenschutz-Grundverordnung sollten Sie ohnehin

auf eine hohe Datenqualität achten. Von Petra Bond

sich um personenbezogene Daten. Ab dem

25. Mai 2018 muss die EU-DSGVO nach

einer zweijährigen Umsetzungsfrist angewendet

werden. Die Rechtslage wird erheblich

verschärft, weshalb viele Unternehmen

nun vor strukturellen und organisatorischen

Herausforderungen stehen. Deshalb sollten

Sie die nächsten Monate unbedingt dafür

nutzen, unternehmensinterne Prozesse

zu überprüfen und – wo nötig – an die

Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung

zur Datenspeicherung anzupassen.

Bei Nichteinhaltung drohen Bußgelder bis

zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des

weltweiten Jahresumsatzes.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor:

Im Rahmen einer Treueaktion möchten

Sie Ihre Kunden per Post über die

Aktion informieren. Da Sie alle Kundendaten

in Ihrer CRM-Software gespeichert haben,

können Sie im Handumdrehen einen

personalisierten Serienbrief erstellen. Sind

die Namen jedoch nicht sorgfältig eingetragen,

entstehen schnell Briefe mit falscher

Anrede – Ihr Kunde wird es bemerken und

wenig begeistert sein. Auch veraltete oder

schlecht gepflegte Adressen führen zu Problemen:

Umzüge, Mitarbeiterwechsel oder

auch Sterbefälle sorgen dafür, dass Ihr Mailing

nicht zugestellt werden kann. Sie sehen

also, dass eine schlecht gepflegte Datenbank

viel Geld und Nerven kosten kann.

Je besser die Datenqualität, desto mehr kann

man von den Vorteilen einer CRM-Lösung

profitieren.

Zudem wächst der Konkurrenzdruck und es

wird zunehmend schwieriger, den Kunden

an das eigene Unternehmen zu binden, da

er bei Unzufriedenheit problemlos wechseln

kann. Es ist also wichtig, den Kunden regelmäßig

zu kontaktieren und mit den richtigen

Botschaften zu versorgen. Eine starke Kundenbindung

lässt sich meist nur durch kundenorientierten

Service sichern, also individuelle

Beratung und passgenaue Angebote.

Dafür benötigen Sie die richtigen Informationen

über Ihre Kunden.

Deshalb ist es empfehlenswert, innerhalb

des Unternehmens Richtlinien für die Erfassung

von Adressen festzulegen und einen

Datenqualität-Verantwortlichen zu definieren.

Mit den richtigen Einstellungen kann

Sie eine CRM-Software ebenfalls bei der

Erhaltung einer guten Datenqualität unterstützen.

Es ist beispielsweise möglich, Auswahllisten

statt fehleranfällige Freitext-Felder

zu verwenden.

Auch die EU-Datenschutz-Grundverordnung

(EU-DSGVO) ist ein wichtiger Anlass,

sich intensiv mit Ihren Kundendaten

zu beschäftigen – denn dabei handelt es

Die meisten Unternehmen unterliegen strengen

Dokumentationspflichten: Das bedeutet,

dass Sie unter anderem nachweisen

müssen, dass eine Person Ihre Einwilligung

in den Erhalt des Newsletters erteilt hat.

Mangelnde Datenqualität kann Ihnen hier

zum Verhängnis werden. Wurde zum Beispiel

Herr Meier als Herr Maier abgespeichert,

kann es schnell Probleme beim Finden

wichtiger Nachweisdokumente geben.

Dabei ist die EU-Datenschutz-Grundverordnung

nur für diejenigen ein Problem, die

sich nicht rechtzeitig mit den rechtlichen Vorgaben

auseinandersetzen. Sie kann sogar

eine neue Chance im Wettbewerb sein, um

sich von Ihrer Konkurrenz abzuheben. Nutzen

Sie ein CRM-System, um schneller erfolgreich

zu werden. Werden die Daten in

Ihrem CRM-System sorgfältig und sauber

gepflegt, können Sie nicht nur Ihre Kundenbeziehung,

sondern auch den Datenschutz

2018 optimal managen. W+M

EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE DATENQUALITÄT

Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Einfluss auf die Datenqualität haben.

Datenqualität

Äußere Faktoren (Markt) Innere Faktoren (Prozesse)

Änderungen von

Adressen oder

Straßennamen

Merkmalsänderungen

Sterbefälle

Betriebsaufgaben und

-zusammenschlüsse

Import

ungeprüfter Daten

Mangelnde

Systemunterstützung

Fehlende Regelwerke

Fehlender

Geschäftsbezug

Faktor „Mensch“

Zeit

Foto: cobra – computer‘s brainware GmbH, Quelle Schaubild: cobra – computer‘s brainware GmbH

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


RATGEBER LITERATUR | 53

Wirtschaftsliteratur

Die ostdeutsche

Bestsellerliste

1

2

3

Die ostdeutsche Bestsellerliste für

4

Wirtschaftsliteratur wird exklusiv von

W+M aus den Verkaufszahlen 59 großer

Buchhandlungen in Berlin, Brandenburg,

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen erstellt.

6

5

JETZT NEU

MIT 58 THALIA-FILIALEN

Beteiligt haben sich:

Thalia-Filialen in

Bautzen

Berlin (7x)

Bernburg

Brandenburg

Chemnitz (3x)

Cottbus

Dallgow-Döberitz

Leuna

Löbau

Lutherstadt Wittenberg

Magdeburg (2x)

Meißen

Neubrandenburg

Pirna

Dessau

Plauen

Dresden (7x)

Radebeul

Eisenach

Riesa

Eisleben

Röhrsdorf

Freital

Rostock (2x)

Gera

Rudolstadt

7

Görlitz

Gotha

Saalfeld

Schwedt/Oder

Großenhain

Weimar

8

Halle

Hoyerswerda

Jena (2x)

Wildau

Zittau

Zwickau

9

Leipzig (2x)

(www.thalia.de)

sowie die Ulrich-von-Hutten-Buchhandlung in

Frankfurt (Oder) (www.hutten-ffo.de).

10

Die Teilnahme steht weiteren Buchhandlungen

jederzeit offen. Schreiben Sie bei Interesse eine

E-Mail an jp@wirtschaft-markt.de.

www.wirtschaft-markt.de WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


54 | W+M RATGEBER

Volvo XC 40: Praktisch,

hochwertig, sicher.

SUV stehen hoch im Kurs

Beliebte Kreuzung aus Limousine

und Geländewagen

SUV haben auf deutschen Straßen

seit einigen Jahren Konjunktur. Daher

gibt es kaum einen Hersteller,

der sich noch nicht auf das bei den Kunden

beliebte Fahrzeugsegment eingeschossen

hat. Die drei Buchstaben SUV stehen für

die Abkürzung des aus dem Englischen

übernommenen Begriffs „Sport Utility Vehicle“.

Laut Wikipedia spricht man auch

von Geländelimousinen. Dabei handelt es

sich um Personenkraftwagen mit einem

einer Limousine ähnlichen Fahrkomfort,

einer erhöhten Geländegängigkeit sowie

einer Karosserie, die an das Erscheinungsbild

von Geländewagen angelehnt ist.

Aktuell drängen etliche neue Modelle auf

den Markt. Allein der Volkswagen-Konzern

hat auf der jüngsten Internationalen

Autoausstellung drei brandneue SUV präsentiert.

Junge Käufer im Visier

Der T-Roc ordnet sich in der Volkswagen-

Familie zwischen dem Golf und dem Tiguan

ein. Schon aus der Entfernung

fällt der Neue von VW auf – durch seine

Zweifarbenlackierung und große Räder

unter den breiten Radläufen. Die Linien

sind klar und die Kanten gewohnt

scharf. Dazu eine nach vorn geneigte C-

Säule und ringförmige Tagfahrleuchten.

Die markante Front wirkt bullig. Ganz offenkundig

spricht VW mit dem T-Roc

einen jüngeren Käuferkreis an. Von der

Fahrzeughöhe abgesehen, entsprechen

die äußeren Abmessungen ungefähr dem

Golf-Format. Der Innenraum bietet allerdings

etwas weniger Platz. Von Vorteil

ist jedoch, dass im T-Roc auch die Mitfahrer

auf der Rücksitzbank über ausreichend

Kopffreiheit verfügen. Der Kofferraum

ist mit 445 Litern großzügig bemessen,

er kann auf bis zu 1.290 Liter erweitert

werden. Grundsätzlich ab Werk sind

City-Notbremsassistent mit Fußgänge-

Fotos: Volvo Car Germany GmbH (oben), Skoda (unten links), Volkswagen AG (unten rechts)

Seat Arona: Dachreling ist serienmäßig.

VW T-Roc: Zweifarbig und mit scharfen Kanten.

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


AUTO | 55

Fotos: Renault Deutschland AG (oben), Seat (unten)

rerkennung, Multikollisionsbremse und

Spurhalteassistent integriert.

Preis: ab 20.390 Euro

Škoda Karoq: Kleines Raumwunder.

Tschechischer Pfeil

Der Karoq ist ein völlig neuer Kompakt-

SUV der tschechischen Traditionsmarke.

Der Name und seine Schreibweise

entstammen der Sprache der Alutiiq,

ein Eingeborenenstamm auf einer

Insel nahe der Südküste Alaskas.

Der Name Karoq ist eine Kombination

aus den Begriffen „Kaa’raq“ (Auto) und

„Ruq“ (Pfeil). Der Karoq bietet ein außergewöhnliches

Platzangebot, sowohl

in der Kabine als auch im Gepäckraum

(521 Liter). Dazu neu entwickelte Fahrerassistenzsysteme,

Voll-LED-Scheinwerfer

und erstmalig in einem Škoda

ein frei programmierbares, digitales Instrumentenpanel.

Kunden können zwischen

fünf Motorvarianten wählen, die

Leistungsspanne reicht von 85 kW bis

140 kW. Daneben findet man clevere

Ausstattungsfeatures wie die VarioFlex-

Rückbank oder das virtuelle Pedal zum

berührungslosen Öffnen der Heckklappe.

Besonders lange Gegenstände lassen

sich komplett im Innenraum transportieren

– möglich macht dies der umklappbare

Beifahrersitz.

Preis: ab 24.300 Euro

Schnieke gekleideter Dressman

Der Arona baut im Prinzip auf dem Seat

Ibiza auf. Er ist zwar vier Zentimeter schmaler,

dafür aber acht Zentimeter länger

und zehn Zentimeter höher als sein spanischer

Bruder. Neben mehr Bodenfreiheit

und einer erhöhten Sitzposition bietet

der Arona ein großzügigeres Raumgefühl

und mehr Kopffreiheit. Im Vergleich

zu den VW-Geschwistern T-Roc (VW) und

Škoda Karoq gilt der Seat Arona als der

„schnieke gekleidete Dressman des Trios“,

wie die „Berliner

Morgenpost“

in einem Autotest

befand. Die dreidimensionale

Front

wirkt schnittig,

die scharfen Kanten

an Front, Seiten

und Heck verleihen

dem Arona

Eleganz und

zugleich eine gewisse

Härte. Das

Heck zeigt die

dreidimensionalen

Leuchten, wie sie

von Seat bekannt

sind. Für den typischen Offroadlook sorgen

schwarz gehaltene Kunststoffbeplankungen.

Das konturierte Dach trägt serienmäßig

eine Reling. Über der Heckscheibe

thront ein Dachkantenspoiler. Basistriebwerk

ist ein Einliter-Dreizylinder-Benziner

mit Turboaufladung und 95 PS, der an ein

manuelles Fünfgang-Getriebe gekoppelt

ist. Darüber hinaus stehen weitere Benzin-

aber auch Dieselmotoren zur Auswahl.

Preis: ab 15.990 Euro.

Agiler Schwede

Mit dem XC 40 steigt Volvo in die Klasse

der Kompakt-SUV ein. Dieser Volvo basiert

als erstes Modell auf der kompakten

Modular-Architektur. Laut Hersteller

verbindet er „ein agiles Fahrverhalten mit

fortschrittlicher Sicherheitstechnik und

wegweisenden Infotainment- und Bedienlösungen,

die Volvo in der 90er Top-

Baureihe eingeführt hat.“ Das Innenraum-

Konzept mit vielen praktischen Stau- und

Ablagemöglichkeiten setzt Maßstäbe im

Segment der kompakten Premium-SUV.

Diverse Farb- und Materialkombinationen

für Exterieur und Innenraum bieten

zahlreiche Möglichkeiten zur Personalisierung

des gewünschten Fahrzeugs. Zum

Verkaufsstart im September 2017 bot Volvo

das neue Modell in zwei Motorisierungen,

jeweils in Verbindung mit Allradantrieb

und Geartronic Achtgang-Automatikgetriebe,

an. Der Kunde kann zwischen

einem Vierzylinder-Dieselmotor (190 PS)

und einem Turbo-Benzindirekteinspritzer

(247 PS) wählen. Im kommenden Frühjahr

erweitert Volvo die Antriebspalette.

Preis: ab 31.350 Euro

Fährt ohne Schlüssel

Der neue Renault Koleos steht seit dem

Marktstart im Juni 2017 in den drei Ausstattungen

Life, Intens und INITIALE PA-

RIS zur Wahl. Schon die Einstiegsversion

Koleos Life hat Komfortdetails, wie eine

2-Zonen-Klimaautomatik, ein schlüsselloses

Zugangs- und Startsystem und die

Einparkhilfe hinten, an Bord. Zum Serienumfang

zählt ferner ein Online-Multimediasystem

mit 7-Zoll-Touchscreen, inklusive

Navigationssystem und Radio mit Digitalempfang.

Außerdem ist die komfortable

Smartphone-Integration über Apple

CarPlay und Android Auto möglich. Die Sicherheitsausstattung

umfasst Notbremsassistent,

Spurhalte-Warner und Verkehrszeichenerkennung.

Die Optik prägen

17-Zoll-Leichtmetallräder, Tagfahrlichter

und Rückleuchten in LED-Technik

sowie die Aluminium-Dachreling. Der Koleos

Intens bietet zusätzlich unter anderem

Fernlichtassistent, Toter-Winkel-Warner,

360-Grad-Einparkhilfe und Rückfahrkamera.

Hinzu kommen Voll-LED-Scheinwerfer,

18-Zoll-Leichtmetallräder und eine

dunkle Tönung von hinteren Seitenscheiben

und Heckscheibe.

Preis: ab 30.900 Euro

Karsten Hintzmann

Koleos – der neue SUV aus dem Hause Renault.

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56 | W+M NETZWERK

Gründer unter sich.

Deutsche Gründer- und Unternehmertage

„SpeedDating“ für innovative Ideen

Berlin/Potsdam. Bereits zum 33. Mal

fanden die Deutschen Gründer- und Unternehmertage

(deGUT) statt. Auch in diesem

Jahr wurden sie ein voller Erfolg. Die

Investitionsbank Berlin (IBB) und die Investitionsbank

des Landes Brandenburg (ILB)

als Veranstalter freuten sich über 6.000 Teilnehmer.

Zwei Tage lang tauschten Gründer, Unternehmer,

Experten, Förderer, Mentoren

und Berater Wissen, Ideen und Erfahrungen

aus. Nahezu 140 Aussteller und Berater

waren vor Ort, viele erfolgreiche Gründerinnen

und Gründer berichteten aus ihrer

unternehmerischen Praxis. Die Besucherinnen

und Besucher nutzten die zahlreichen

kostenfreien Seminar- und Workshopangebote

und hatten die Möglichkeit, im Beraterforum

bei Experten und Coaches individuellen

Rat einzuholen. Ein Höhepunkt

war das vom Business Angels Club Berlin-

Brandenburg e. V. veranstaltete „SpeedDating“:

In je acht Minuten stellten Gründer

den Business Angels und Messebesuchern

ihr Konzept vor.

Der Termin für die nächste deGUT steht bereits

fest: Sie findet am 12. und 13. Oktober

2018 in der ARENA Berlin statt. W+M

Die Investitionsbank des Landes

Brandenburg ist Veranstalter der deGut.

Junge Existenzgründerinnen berichteten über ihre

Erfahrungen.

140 Aussteller und Berater nahmen an der

Messe teil.

Fotos: André Wagenzik (oben, Mitte), Jochen Kirch (unten)

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GESELLSCHAFT | 57

11. enviaM-Energiekonvent

Das Internet der Energie und

die Mobilität der Zukunft

Überzeugte mit einem spannenden Vortrag: Martin Randelhoff, Verkehrsexperte und

Betreiber des Blogs „Zukunft Mobilität“.

Die von Rommy Arndt moderierte

Runde: Dr. Gerd Landsberg,

Hauptgeschäftsführer des Deutschen

Städte- und Gemeindebundes,

Verkehrsexperte Martin Randelhoff, Tim

Hartmann, Vorstandsvorsitzender enviaM

und Björn Heinemann, Geschäftsführer

der Robotron Datenbank-Software GmbH

(v.l.n.r).

Leipzig. Die Weiterentwicklung der Energiewende

war das Thema des 11. enviaM-Energiekonvents

am 23. Oktober

2017 in Leipzig. Unter der Überschrift

„Das Internet der Energie – wie Strom,

Wärme und Verkehr in Zukunft vernetzt

werden“ diskutieren namhafte Experten,

wie die Energieversorgung von morgen

zu gestalten ist.

Die Energiewende ist bislang lediglich

eine Stromwende. Das reicht jedoch

nicht aus, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Denn rund 80 Prozent des Energieverbrauchs

und der damit verbundenen

Emissionen entfallen auf den Wärme-

und Verkehrsbereich. Deshalb muss

die Energiewende auch zu einer Wärmeund

Verkehrswende weiterentwickelt

werden.

Die Ostdeutschen sehen die Erfolgsaussichten

dafür jedoch eher skeptisch. Etwa

45 Prozent der Bürger glauben, dass sich

der Klimaschutz verbessern wird, wenn

sie künftig mit Strom aus erneuerbaren

Energien heizen und fahren werden. Allerdings

meint nur jeder Fünfte, dass der

Energieverbrauch auf diese Weise sinken

(18 Prozent) und die Energieversorgung

für ihn komfortabler (20 Prozent)

und sicherer (15 Prozent) werden wird.

Demgegenüber befürchten zwei Drittel

(71 Prozent) weiter steigende Kosten. Zu

diesem Ergebnis kommt eine repräsentative

Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts

YouGov Deutschland

GmbH im Auftrag von enviaM. Die

Mehrheit der Ostdeutschen sieht in den

kommenden Jahren keine Veranlassung,

ihr Verhalten durch die Wärme- und Verkehrswende

zu verändern. Lediglich acht

Prozent der Bürger sind bereit, ihre Öloder

Gasheizung zu modernisieren. Nur

sieben Prozent können sich vorstellen,

ein Elektrofahrzeug anzuschaffen.

W+M

Etwa 300 Teilnehmer zählte die Veranstaltung.

Fotos: enviaM/Michael Setzpfand

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58 | W+M NETZWERK

4. Brandenburg-Renntag in Hoppegarten

Loulou‘s Jackpot siegt

Die VIP-Tribüne mit der

Hoppegarten-Lounge.

Den Preis des WirtschaftsForums gewann Jockey Nicola Sechi (Mitte)auf Loulou‘s Jackpot.

Hoppegarten. Beim Brandenburg-Renntag

auf der Galopprennbahn Hoppegarten

war das WirtschaftsForum Brandenburg

Mitinitiator. Die mit knapp 4.000 Pferdesportfreunden

gut besuchte Veranstaltung,

die nun schon zum 4. Mal stattfand,

stand unter der Schirmherrschaft

von Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident

Brandenburgs. Über 50 Gäste des

WirtschaftsForums erlebten einen interessanten

Tag mit einer speziellen Führung

hinter die Kulissen und sehr guter

Versorgung auf der Tribüne.

Das letzte Rennen der Hoppegartener

Rennsaison gewann der fünfjährige Wallach

Loulou‘s Jackpot mit dem Italiener

Nicola Sechi im Sattel. Er wurde mit dem

„Preis des WirtschaftsForums Brandenburg“

geehrt.

W+M

Der geschäftsführende Gesellschafter der Rennbahn, Gerhard Schöningh, Brandenburgs

Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger und Dr. Milos Stefanovic, Präsident des

WirtschaftsForums Brandenburg (v.l.n.r.).

Fotos: WirtschaftsForum Brandenburg

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


GESELLSCHAFT XXX | 59

Infrastrukturminister Christian Pegel

(r.) erhielt von Unternehmerverbands-

Präsident Gerold Jürgens einen Bauhelm.

Der Ballsaal im Hotel zur Post

war gut gefüllt.

13. Ball der Generationen

Ein Bauhelm für den Infrastrukturminister

Rund 230 Gäste feierten auf dem 13. Ball

der Generationen im Hotel zur Post im

Seebad Bansin. Der Unternehmerverband

Vorpommern e.V. hatte dazu eingeladen.

Schirmherrin war die Ministerpräsidentin

des Landes, Manuela Schwesig (SPD).

Aus der Landeshauptstadt Schwerin reisten

der Minister für Energie, Infrastruktur

und Digitalisierung, Christian Pegel (SPD),

und der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium,

Dr. Stefan Rudolph, auf die Insel.

Höhepunkt des Abends war die Ehrung

des „Unternehmers des Jahres 2017“. Die

begehrte Auszeichnung für regionale Leistungsträger

ging an Diplomingenieur Heiko

Schmidt, Geschäftsführer des Planungsbüros

PHS Greifswald. Als „Jungunternehmerin

2017“ wurde Kapitänin Jane Bothe

geehrt (siehe auch S. 6 und 7). Für Minister

Pegel hatte Unternehmerverbands-Präsident

Gerold Jürgens eine Überraschung

mitgebracht: einen Bauhelm für die Autobahn

A20. Damit sich die genaue Ursache

für den verheerenden Abbruchschaden bei

Tribsees bald finden lasse. Eine Anspielung

darauf, wie sehr die Sperrung der Autobahn

Touristikern und Unternehmern der Region

schadet. Minister Pegel, der beim Bau der

Autobahn noch keine politische Verantwortung

trug, nahm es humorvoll. Es werde alles

unternommen, die Probleme zu beseitigen,

aber bis zur Wiederherstellung der

Fahrbahn sei einige Zeit erforderlich.W+M

Fotos: Anette Pröber

Netzwerker unter sich: Gerd Hascher, Gerold Jürgens, Dr. Stefan Rudolph und Bernd Feißel

(v.l.n.r.).

Die George Jackson Band aus Berlin sorgte

für gute Stimmung.

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60 | W+M NETZWERK GESELLSCHAFT

Der festliche Ballsaal in der Yachthafenresidenz Hohe Düne. Landtagsvizepräsidentin Beate Schlupp ließ sich durch die kleine

Schmuckschau im Ballsaal führen.

Unternehmerball 2017

Reichlich Glamour in Hohe Düne

Warnemünde. Der Unternehmerverband

Rostock-Mittleres Mecklenburg e.V. lud

auch in diesem Jahr zum traditionellen Unternehmerball

ein. Nach den vielen Bällen

im Warnemünder Neptun-Hotel wurde

diesmal zur Hohen Düne übergesetzt.

Das Kongresszentrum der Yachthafenresidenz

Hohe Düne mit seinem schönen

Ballsaal überzeugte die Gäste, die diesmal

sogar die Smoking-Quote auf etwa

50 Prozent anhoben. Die Gäste ließen es

sich gut gehen und tanzten zur Musik der

Show- und Galaband Dayami & Company

und des DJ Dirk Scheffelmeier. Politischer

Ehrengast des Abends war Beate Schlupp

(CDU), Vizepräsidentin des Landtages in

Mecklenburg-Vorpommern. W+M

Man(n) trug wieder Smoking.

Charmante Gastgeber: Manuela Balan und Frank

Haacker, Geschäftsführerin und Präsident des

Unternehmerverbandes Rostock-Mittleres Mecklenburg.

Fotos: Angelika Heim

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


Zahlreiche Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern folgten der Einladung zum 5. UV-Branchentag.

5. UV-Branchentag Mecklenburg-Vorpommern

IKT: Herausforderungen für Unternehmer

Rostock. Der 5. UV-Branchentag der

Unternehmerverbände Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin, Rostock-

Mittleres Mecklenburg und Vorpommern

stand ganz im Zeichen der Informationsund

Kommunikationstechnologie (IKT).

Zusammen mit der IT-Initiative Mecklenburg-Vorpommern

entwickelte der UV

Rostock ein Veranstaltungskonzept, welches

zahlreiche Unternehmer branchenübergreifend

ansprach. Begrüßt wurden

Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph vom

Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und

Gesundheit des Landes Mecklenburg-

Vorpommern, der einen aufschlussreichen

Einblick in den Stand und die Zielstellung

der Digitalisierung gab. Polizeioberrat

Jörg Bruhn vom Dezernat Cybercrime

des Landeskriminalamtes Mecklenburg-

Vorpommern gab Präventionstipps zur

Abwehr von Gefahren für Unternehmen.

Die Schwerpunktthemen des Branchentages

„Datensicherheit und Globalisierung“,

„Herausforderungen der Digitalisierung“

und „Digitale Agenda der Bundesregierung“

wurden in drei Workshops erörtert.

Die Workshops wurden stets mit Fokus

auf die Unternehmerschaft Mecklenburg-

Vorpommerns betrachtet. Ziel war es, zu

lokalisieren, welche Maßnahmen ergriffen

werden können und wie das Wirtschaftswachstum

im Land durch technologische

Anpassungen realistisch vorangetrieben

werden kann.

W+M

Pamela Buggenhagen (l.) und Manuela Balan (r.).

Austausch unter den Teilnehmern in den drei

angebotenen Workshops.

Fotos: UV Rostock

Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph sprach über den Stand der

Digitalisierung in MV.

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62 | W+M NETZWERK

Big Images im Großformat

Vinyl, letzteres für Anwendungen im Freien.

Mit seinem Translight Magic, einem

mit zwei verschiedenen Motiven auf der

Vorder- und Rückseite bedruckten Baumwollgewebe,

erreicht Big Image einen besonderen

Tag- und Nacht-Effekt. Bei Einschaltung

des Rücklichts erscheint unerwartet

ein Motiv von der Rückseite, etwa

ein Mond am Nachthimmel.

Neben Bühne und Film liefert Big Image

seine Planen, Banner, Wanddekorationen,

Bodenbeläge, Megaposter und Lichtkästen

an Musikgruppen, Messen und Ausstellungen,

Flughäfen, Kaufhäuser, Museen.

Ein Herz für Kinder zeigte die Firma in

den Sommerferien 2016. Die Erzieher der

Berliner Kita am Spektesee hatten Fußund

Handabdrücke und von den Kindern

gemalte Bilder eingeschickt. Big Image

verteilte die Bilder auf einem Wandfries

aus weißem Vinyl und hängte es an den

Zaun des Spielplatzes.


Rudolf Miethig (VBIW)

Auf der Bühne und im Film wird getrickst.

Nicht immer erkennt der Zuschauer, dass

der Bühnenhintergrund nur auf Leinwand

gemalt oder gedruckt ist. Der VBIW hat

den Marktführer gedruckter Großformate

besucht, die Big Image Systems Deutschland

GmbH in der Medienstadt von Potsdam-Babelsberg.

Er kann Bühnendekorationen

und Hintergründe bis zu einer Größe

von 12 x 50 Meter nahtlos in einem

Stück drucken. Das schafft der vom Firmengründer

entwickelte, weltweit größte

Drucker, Infinitus genannt. Das Unternehmen

war 1987 von einem Deutschen,

Werner Schäfer, in Schweden gegründet

worden. 1995 eröffnete Schäfer eine Niederlassung

in Stahnsdorf, die vor vier Jahren

nach Babelsberg umzog.

Auch vor der Zeit des Digitaldrucks wurden

Hintergründe auf Vorhängen abgebildet,

durch Projektion oder handgemalte

Bilder. Schäfers großformatiger Digitaldruck

erreicht aber eine höhere Auflösung

und liefert, von den Kunden hoch geschätzt,

vor allem nahtlose Vorhänge. Gedruckt

wird auf Baumwollmaterialien oder

Infinitus 2, der weltweit größte Digitaldrucker.

EINLADUNG

ACHTUNG: GEÄNDERTER TERMIN & GEÄNDERTER ORT!

Alle Mitglieder sind herzlich zur Jahreshauptversammlung eingeladen!

Sie findet – anders als angekündigt – schon am Samstag, den

20. Januar 2018, in Frankfurt (Oder) statt.

Tagungsort: Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium,

Friedrich-Ebert-Str.52, 15234 Frankfurt (Oder)

Beginn: 10:00 Uhr

Einlass: 9:15 Uhr

Traditionsgemäß wird die Jahreshauptversammlung im Januar des

Jahres durchgeführt, das auf das Jahr folgt, über das Bilanz gezogen

wird. Es geht also um die Jahreshauptversammlung für das

Jahr 2017.

Wie üblich, hören wir zu Beginn der Jahreshauptversammlung den

Vortrag eines renommierten Wissenschaftlers. Prof. Dr. Gerhard

Banse spricht zu dem Thema: „Wie unsicher ist sicher genug?".

Der Wissenschaftsphilosoph Prof. Banse ist Präsident der Leibniz-

Sozietät der Wissenschaften zu Berlin und forscht auch am Institut

für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Karlsruher

Institut für Technologie (KIT). Die Technikfolgenabschätzung ist einer

seiner Forschungsschwerpunkte. Nach dem Vortrag folgen die

vereinsinternen Rechenschaftslegungen und Abstimmungen.

Der Vorstand

Verein Brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler e.V.

Fotos: Big Image Systems

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


VBIW | 63

Historisches Wahrzeichen der

Ingenieurbaukunst in Potsdam

Das historische Dampfmaschinenhaus

in Potsdam.

Am 19. Oktober 2017 wurde an das Pumpwerk

für die Fontänen von Sanssouci der

Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst

in Deutschland" verliehen.

An dieser Veranstaltung konnte ich auf Einladung

der Bundesingenieurkammer und

der Brandenburgischen Ingenieurkammer

teilnehmen. Das historische Dampfmaschinenhaus,

das seit 175 Jahren dem

Betrieb der Fontänen im Park Sanssouci

dient, ist damit das 21. Bauwerk, das diesen

Titel erhielt. Die feierliche Tafelenthüllung

wurde vom Präsidenten der Bundesingenieurkammer,

Hans-Ullrich Kammeyer,

und dem Präsidenten der Brandenburgischen

Ingenieurkammer, Matthias Krebs,

vorgenommen. Beide würdigten die Leistungen

der Erbauer der Anlage.

Dr. Heinz Berg, Direktor der Generalverwaltung

und Ständiger Vertreter des Generaldirektors

der Stiftung Preußische

Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg,

nannte das Dampfmaschinenhaus als eines

der reizvollsten Bauwerke in Potsdam.

In einem anschließenden Vortrag würdigte

Prof. Dr. Andreas Kahlow, Fachhochschule

Potsdam, die technischen Besonderheiten

des Dampfmaschinenhauses. Insbesondere

ging er auf die 81,4 PS starke Dampfmaschine

ein, gefertigt von Johann Carl

Friedrich August Borsig in Berlin, die großen

Einfluss auf die Gebäudeform hatte.

Am 23. Oktober 1842 ging diese Maschine

erstmalig in Betrieb. Nach Vorgaben des

orientbegeisterten Königs Friedrich Wilhelm

IV. sollte das Maschinenhaus nach

der Art türkischer Moscheen mit einem

Minarett als Schornstein gestaltet werden.

Ludwig Persius als ausführender Baumeister

übernahm jedoch maurische Stilelemente

der Moschee von Cordoba und

der Alhambra-Burg von Granada in Spanien

sowie der Emir-Jacour- und Ibrahim-

Aga-Moschee von Kairo (Ägypten).



Dr. Norbert Mertzsch

(Vorsitzender VBIW)

Links halten – nicht nur mit dem Auto

Fotos: Dieter Brügmann/Wikimedia Commons (oben), Clemensfranz/Wikimedia Commons (unten)

Hinweise an Londons

Besucher vom Kontinent.

Links fahren auf der Landstraße – kein

Problem. Ein Besucher, der die Insel mit

dem Auto besucht, sollte sich aber vorher

die kritischen Verkehrssituationen vor Augen

führen: 1. Beim Rechtsabbiegen auf

die gegenüberliegende Seite der querenden

Straße fahren. 2. Beim Linksabbiegen

eng auf der linken Seite bleiben. 3. In

den Kreisverkehr natürlich nach links einbiegen,

aber nach rechts schauen - wer

von dort kommt, hat Vorfahrt. Der Kreisverkehr

ist in Großbritannien meist mehrspurig

ausgebildet, und die äußerste linke

Spur nimmt man erst dann, wenn man an

der nächsten Ausfahrt abfahren will.

Vielen Touristen ist zudem nicht gleich bewusst,

dass sie auch als Fußgänger vom

Linksverkehr betroffen sind. Beim Überqueren

der Straße werden sie von Autos

überrascht, die von rechts kommen. Auf

dem Gehweg, in Tunneln, auch in Restaurants

sollten sie links gehen. Viele deut-

sche Touristen wollen dort den Rechtsverkehr

einführen, natürlich unbewusst. Die

Kellner mit ihren Tabletts in der Hand geben

meist nach, sind es gewöhnt, dass ihnen

Gäste rechts entgegen kommen. Auch

muss man sich von links an einen Schalter

anstellen, sonst wird man übergangen.

In rund 64 Ländern herrscht noch Linksverkehr.

In Europa sind es: Großbritannien

mit seinen Inseln, ganz Irland, Malta und

ganz Zypern.


VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Str. 46,

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0170 9856578

E-Mail: vbiw-ev@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

Rudolf Miethig (VBIW)

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64 | W+M NETZWERK

UV Brandenburg-Berlin

20 Jahre Arbeitskreis Innovative Technologien

Potsdam. Seit über 20 Jahren gibt es im

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin

den Arbeitskreis Innovative Technologien.

Die kontinuierliche, erfolgreiche Arbeit

ist ein Verdienst des Leiters Lothar

Starke. Er hat die Aufgabe bereits bei der

Gründung des Arbeitskreises übernommen

und mit der ersten Veranstaltung am

11. März 1997 bei ADtranz in Hennigsdorf

begonnen.

Ein entscheidendes Anliegen des Arbeitskreises

besteht darin, das Wissenschaftspotenzial

der Region Brandenburg-Berlin

für die Nutzung durch die dort

ansässige Wirtschaft zu erschließen. Das

seit 20 Jahren bewährte Arbeitsprinzip

besteht darin, dass der Arbeitskreis keine

festen Mitglieder hat, sondern die Teilnehmer

entscheiden je nach Thema über

ihre Teilnahme an den Veranstaltungen.

Diese finden grundsätzlich jeweils bei einem

Institut oder Unternehmen statt, das

für das gewählte Thema über Kompetenz

und Erfahrungen verfügt.

Jüngst traf sich der Arbeitskreis Mitte

Oktober bei der IAV GmbH in Berlin

zum Thema Entwicklung emissionsarmer

Motoren und Antriebe. IAV ist ein international

tätiges Unternehmen mit rund

6.850 Mitarbeitern zur Entwicklung von

Fahrzeugen und Antrieben. Als weltweit

drittgrößter Ingenieurdienstleister arbeitet

IAV für die Fahrzeughersteller und deren

Zulieferer.

Die Teilnehmer des Arbeitskreises Innovative Technologien Mitte Oktober zu Gast bei der IAV

GmbH in Berlin.

UV Sachsen

SACHSEN Sail 2017

In diesem Jahr ging es für die Segler auf der

Santa Maria Manuela von Porto nach Lissabon.

Leipzig. In diesem Jahr zog es die knapp

80 Teilnehmer der SACHSEN Sail Ende

Oktober vor die portugiesische Atlantikküste.

Auf dem Viermaster Santa Maria

Manuela segelte sie von Porto nach Lissabon.

Zehn Jahre nach Abschluss des

Vertrags von Lissabon bot sich als Thema

der Reise „Leben und Arbeiten in

Europa“ an. Mit an Bord waren die Referenten

Prof. Dr. Peter Joehnk (JoehnkConsulting),

Alexander Eschenbach

(Eschenbach GmbH) und Christian Mallmann

(mymuesli) unter der Moderation

von Wolfgang Brinkschulte vom mdr.

Am Vorabend der Abreise nutzen einige

Teilnehmer die Gelegenheit, sich in Porto

das Fußballspiel zwischen RB Leipzig

und FC Porto in der UEFA Champions

League anzuschauen.

Fotos: UV Brandenburg (oben), PIXAPOOL (unten)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


UNTERNEHMERVERBÄNDE | 65

Foto: PIXAPOOL

UV Sachsen

9. Leipziger Personalforum

Die Teilnehmer eines Workshops auf dem 9. Leipziger Personalforum.

Leipzig. Welche Auswirkungen hat die

neue Arbeitswelt auf die Personalarbeit?

Wie lassen sich zusätzliche Ressourcen

und Mitarbeiter-Potenziale erschließen?

Wo und wie finden Unternehmen potenzielle

Mitarbeiter? Das 9. Leipziger Personalforum

stellte Mitte November neue

Entwicklungen, Ideen und Praxisbeispiele

für eine erfolgreiche Personalarbeit vor

Digitalisierung im Gespräch

und brachte Führungskräfte mittelständischer

Unternehmen und Personalexperten

zusammen. Rund 100 Teilnehmer besuchten

das Personalforum im Zentrum

für Aus- und Weiterbildung (ZAW) in Leipzig,

welches vom Unternehmerverband

Sachsen und der IHK zu Leipzig in Zusammenarbeit

mit dem ZAW Leipzig und der

Agentur gala royale organisiert wurde.

Leipzig. Gemeinsam mit dem VDI Landesverband

Sachsen informierte der UV

Sachsen Ende Oktober seine Mitglieder

über das Thema Digitalisierung und die

damit verbunden Chancen und Risiken

für den Mittelstand. In vier Vorträgen gaben

zunächst Prof. Dr. Ralph Riedel vom

Institut für Betriebswissenschaften und

Fabriksysteme (IBF) an der Technischen

Universität Chemnitz und Dr. Thomas

Sowa, VDI Düsseldorf Technik und Wissenschaft/Digitale

Transformation, einen

Überblick über das Thema. Danach stellten

Dr. Daniel Voigt mit seinem Vortrag

"Digitalisierung in der Produktion: Kostenminimierung

durch Predictive Maintenance"

und Dr. Langer vom Fraunhofer

IWU Chemnitz, Hauptabteilungsleiter

Smarte Fabrik - Digitalisierung und Automatisierung,

mit dem Modulbaukasten

für Digitalisierung konkrete Anwendungsbeispiele

vor. In den anschließenden Diskussionsrunden

und beim Get-together

gab es genug Gesprächsstoff, um über

den Hype oder die Notwendigkeit für das

eigene Unternehmen zu sprechen.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Niklas Graf von Bernstorff

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Dr. Burkhardt Greiff

Geschäftsführer: Steffen Heller

Hauptgeschäftsstelle

Drewitzer Str. 47, 14478 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-bb.de

Internet: www.uv-bb.de

Geschäftsstelle Berlin

Charlottenstraße 80, 10117 Berlin

Tel.: +49 30 2045990

Fax: +49 30 20959999

E-Mail: berlin@uv-bb.de

Geschäftsstelle Cottbus

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-bb.de

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführerin: Pamela Buggenhagen

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres

Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4

18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsführer: Dr. Andreas Golbs

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Jens Wenzke

Geschäftsführer: Friedrich W. Schmitz

c/o IHK Erfurt - Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 786599-70

Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsführer: N. N.

Geschäftsstelle

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823

Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

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66 | W+M DIE LETZTE SEITE

Ausblick auf die nächste Ausgabe

Wir können Maschinen

Zu den starken Branchen in gleich

mehreren neuen Bundesländern

gehört der Maschinenbau. Zahlreiche

dieser oft hoch spezialisierten Firmen

haben sich in den vergangenen Jahren zu

Weltmarktführern entwickelt. In unserer

Titelgeschichte zeichnen wir ein umfassendes

Bild des ostdeutschen Maschinenbaus.

Wir stellen Mittelständler mit

Tradition, Leuchttürme und auch Startup’s

vor. Wir zeigen, auf welchen Leitmessen

und Kongressen sich die Maschinenbauwirtschaft

trifft und sprechen mit

dem Chef des Verbandes Deutscher Maschinen-

und Anlagenbau e. V. über die

Perspektiven des ostdeutschen Maschinenbaus.

Seit knapp zwei Jahren führt Ministerpräsident

Dr. Reiner Haseloff (CDU) eine

„Kenia-Koalition“ in Sachsen-Anhalt, in

der Christ- und Sozialdemokraten sowie

Grüne gemeinsam die Regierungsgeschäfte

ausüben. Das Interview mit dem

Landesvater steht im Zentrum eines Länderschwerpunktes

über das Land zwischen

Salzwedel und Naumburg an der

Saale. Mit dem Ministerpräsidenten besuchen

wir einen für die Wirtschaft und

Wissenschaft wichtigen Zukunftsort und

berichten über die ambitionierten Vorhaben

der neu aufgestellten landeseigenen

Wirtschaftsförderungsgesellschaft IMG.

Neben hintergründigen Nachrichten und

Reportagen aus den neuen Bundesländern

lesen Sie wie gewohnt einen umfangreichen

Ratgeberteil mit interessanten

Tipps für Unternehmer und Führungskräfte

mittelständischer Unternehmen.

Die nächste Ausgabe von

WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am

22. Februar 2018.

PERSONENREGISTER

Allner, Stephan 18

Appel, Alexander 20

Arndt, Rommy 38, 57

Balan, Manuela 60, 61

Becker, Boris 24

Bothe, Jane 7, 59

Braune, Thomas 32

Brinkschulte, Wolfgang 64

Bruhn, Jörg 61

Buggenhagen, Pamela 61

Buhl-Wagner, Martin 38, 42

Bürger, Manja 28

Diez, Dr. Willi 24

Dobelli, Rolf 53

Dulig, Martin 30, 38

Erdogan, Recep Tayyip 3

Ermrich, Dr. Michael 42

Eschenbach, Alexander 64

Fern, Oliver 43

Ferris, Timothy 53

Finder, Matthias 8

Frischholz, Jörg 20

Gerber, Albrecht 32, 38

Glawe, Harry 27, 32, 38

Gleicke, Iris 37

Görke, Christian 30

Greiff, Dr. Burkhardt 37

Gropp, Prof. Dr. Reint E. 32, 37, 39

Haacker, Frank 60

Hänelt, Hagen 9

Hartmann, Tim 31, 37, 57

Haseloff, Dr. Reiner 66

Heinemann, Björn 57

Hiepe, Hans-Peter 37

Joehnk, Prof. Dr. Peter 64

Jong-un, Kim 3

Joras, Andrea 37, 38

Jürgens, Gerold 59

Kahnemann, Daniel 53

Kammann, Rolf 37

Kammeier, Thomas 17

Koch, Jenny 24

Koch, Thomas 24

Koltzau, Simone 27

Kotzbauer, Michael 43

Kralinski, Thomas 39

Kretschmer, Michael 6

Laanemäe, William Mart 32

Landsberg, Dr. Gerd 57

Lehmann, Mario 29

Liebe, Otto 25

Mallmann, Christian 64

Meinel, Prof. Dr. Christoph 37, 43

Meyer, Dr. Jens-Uwe 37

Montebaur, Dr. Alexander 8, 43

Murche, Thomas 44

Müller, Dr. Ulrich 44

Müller, Michael 11, 30, 38

Müller, Reinhard 16

Peckruhn, Thomas 25

Pegel, Christian 30, 37, 38, 59

Polak, Jakob 29

Ragnitz, Prof. Dr. Joachim 37, 40

Randelhoff, Martin 57

Raschke, Olaf 45

Rendez, Dr. Helmar 38

Riedel, Prof. Dr. Ralph 65

Rodestock, Bodo 45

Rudolph, Dr. Stefan 61

Sadowski, Prof. Dr. René 37, 38

Schäfer, Bodo 53

Schlupp, Beate 60

Schmidt, Heiko 6, 59

Schöningh, Gerhard 58

Schucht, Boris 37

Schulz, Annett 50

Schwesig, Manuela 28, 59

Sechi, Nicola 58

Seger, Nils 32

Semlinger, Prof. Dr. Klaus 45

Sowa, Dr. Thomas 65

Stapper, Prof. Dr. Florian 48

Starke, Lothar 64

Stefanovic, Dr. Milos 58

Steffel, Dr. Frank 41

Stenger, Tillmann 32, 37, 45

Strelecky, John 53

Sunstein, Coss R. 53

Thaler, Richard H. 53

Tiefensee, Wolfgang 31, 38

Tillich, Stanislaw 6

Tiriac, Ion 24

Tobias, Prof. Dr. Dr. Mario 37

Trump, Donald 3

Vogelsänger, Jörg 58

Voigt, Dr. Daniel 65

Wagenknecht, Sahra 53

Wassermann, Prof. Dr. Holger 37

Wegener, Andreas 28

Werner, Dr. Sybille 22

Wilhelm, Kati 6

Willingmann, Prof. Dr. Armin 30, 38

Winter, Alexander 39

Woidke, Dr. Dietmar 58

Wünsche, Volker 27

Foto: KUKA

WIRTSCHAFT+MARKT | 1/2018


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Foto: © ILB/Leo Seidel

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Kommen Sie zum 4. Brandenburger Eigenkapitaltag der ILB!

Wir bieten Ihnen Einblicke in das Finanzierungsgeschehen in Brandenburg und eine Plattform

zum direkten Austausch mit Finanzpartnern, Wirtschaftsförderern und Unternehmen.

Wann? 12.04.2018 von 10.00 bis 14.00 Uhr

Wo? ILB – Babelsberger Straße 21, 14473 Potsdam

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