Aufrufe
vor 3 Monaten

E_1928_Zeitung_Nr.089

E_1928_Zeitung_Nr.089

\V Der Grossstädter:

\V Der Grossstädter: Erlauben Sie, wo darf man hier parkieren? Aber ich gedenke noch mit Reue der 1 Squaw, die wir irgendwo in Kalifornien vor die Kamera bekamen, mit ihrem kleinen Kind, das eher aussah wie ein Chinesenbaby. Wir hatten den Apparat mit dem Stativ am Ufer eines besonnten Waldbaches aufgestellt und wollten (mittels der Selbstauslöservorrichtung) uns selbst mit dem Auto aufnehmen, wie wir durch den Bach fuhren; aufspritzendes Wasser sieht im Film so gut aus! Da kam die Indianerfrau mit dem Kind, und sie schritten vorsichtig über die Steine, die im Wasser lagen. Als sie mitten im Bach waren, fing die Kamera von selbst zu arbeiten an; wir waren noch am anderen Ufer. Auf einmal aber bemerkte die Indianerin doch, die Aermste, dass da schwarze Magie vor sich ging, und schrie auf, und zog ihr Kleines an sich, und verhüllte dessen Gesicht ... Der Indianerhäuptling als Garagemann. Anders unser Freund, Chief Two Guns Roaring Thunder. Häuptling «Zwei Pistolen Donnergroll», ist ein richtiger Vollblutapache, aber sehr "modernisiert. Er unterhält irgendwo in Arizona eine Wegstation für Automobilisten, mit Benzinpumpe, Lunchraum und einem kuriosen zoologischen Garten, für den er alle Tiere der -umliegenden Wildnis selbst eingefangen hat. Pumas, Wölfe, Koyoten und Wildkatzen. Er lässt sich gern photographieren, gegen Entree, wie er das Gilaungeheuer, die giftige Rieseneidechse Arizonas, zu seinem Gesicht hebt, dass die beiden langen Schläfenzöpfe des Häuptlings das grauenhafte Vieh berühren. Er ist ein grosser Häuptling, sehr tapfer. Wir filmten Indianer, Indianer, Indianer. Tanzende Indianer und arbeitende Indianer Auto-Decken Reise-Plaids Unser grosses Lager in allen Qualitäten dient jedem Geschmack. Die steinernen Pueblos und schmutzige Erdhütten. Wir krochen, wehe mir, auf Leitern hunderte von Metern an den steilen Felswänden des Canon de los Frijoles empor, um die längst verlassenen Höhlenwohnungen längst verstorbener prähistorischer Indianer zu filmen und ihre geheimnisvollen in den Stein geritzten Zeichnungen. Mit den Cowboys war es so: manchmal waren sie entzückt, wenn sie gefilmt werden sollten, und schwangen ihr Lasso und galoppieren neben ihrer Herde herum. Aber einer, ein Old-Timer, einer von der alten wildwestlichen Garde, wollte sich durchaus nicht aufnehmen lassen, wie er sehr malerisch einen Hügel heraufgeritten kam, und sagte im Wildwestdialekt Sachen, die mein Begleiter zum Glück nicht verstand: «Ich werde Ihnen Ihren dummen Block runterklopfen ,» meinend: einen Boxhieb ins Gesicht. Ich, flehentlich, vermittelte, das gleiche Idiom radebrechend: «Behalten Sie Ihr Hemd an, Mister! Wir wollen das Bild ja nur für ein Museum, dort hinten wo in Juhrope!» Welche listige Lüge den Old-Timer wieder besänftigte. Die Menschen und das Objektiv. Ein Mann in Santa Fe, New-Mexiko, ein Apotheker, sah unsere Kamera, und sagte mysteriös: «Ich werde Ihnen etwas zeigen, was wert ist, photographiert zu werden!» Er ging in eine Hinterkammer und brachte ein dreifarbiges Stück Seide zum Vorschein, eine mexikanische Fahne mit dem Adler und der Schlange. Ich sah gleich, dass der Adler eine Krone auf dem Kopf hatte. Der Apotheker breitete das Fahnentuch aus und erklärte uns, dass das jene kaiserlich mexikanische Fahne war, die Kaiser Maxi- i /£\\fj gjjvfi izspci £.>cvi /.-_\.-N'I »--CN'I /$->C\'I '-V>'i'—

N° 89 — 1928 AUTOMOBIL-REVUfc 15 Dr. Kurbelan Die Geschichte einer Sprechsstundfe von Oscar Herbert Pfeiffer. Doktor Robert Ezechiel Balthasar Kurfoelan, ein robuster Lieferwagen, hatte seine Praxis in einer alten Grossgarage. Er war Spezialist für Getriebe und Motorkrankheiten und hielt Sprechstunden von 9—11 und 4—7. «Das mit den langen Sprechstunden gefällt mir nicht, oh! no,» murrte ein vornehmer Rolls-Royce, der wie alle Engländer sehr misstrauisch war. «Lange Sprechstunden kurze Kundschaft, sagt man. Berühmte Aerzte haben viel zu tun und keine Zeit für Sprechstunden. Oh yes, kenne das von Old England her.» «Was haben Ihre Lordschaft denn?» erkundigte sich neugierig ein kleiner Opel, der wegen Blutarmut dort wartete. « Habe Magenleiden schon von old England her unter den Stuarts. Very altes Magenleiden, oh yes.» «Ich finde, der Kerl sieht sehr verfressen aus», platzte ein Krupp-Fünftonner breit heraus. Man überging es taktvoll. Man wusste ja, er war Kommunist. Er hatte kein Verständnis für ein Magenleiden aus Old England unter den Stuarts. Ihm fehlte die Tradition. «Ein Magenleiden ist natürlich nur etwas für reiche Leute,» bemerkte ein kleines Agafräulein giftig. «Unsereins kann sich so etwas nicht leisten. Ich hab's bloss an den Ventilen. Die stehn immer falsch. Ich weiss nur nicht welche.» «Ja ja, wir sind sehr arm geworden», seufzte ein Adlerphaeton. « Auch ich war früher gewohnt, internationalen Landstrassenstaub aufzuwirbeln. Und nun? Wochentags kriege ich hinten so'n Kastenbrett aufgeschnallt und kann Fleisch spazieren fahren; Gehacktes oder Kutteln und Oehrchen. Nur Sonntags, da fahre ich den Metzger mit sei- !er Tochter und manchmal noch den Ge- Ichtsvollzieher.» «Gerichtsvollzieher ? Mein Gott, was Sie nicht sagen», schrillte aus der Ecke die Stimme eines übernervösen N. A. G.-Sportwagens. «Es 1 sind schreckliche Leute, sie leiden an Kleptomanie. Schauen Sie an. Sieben oder acht von diesen Zugpflastern haben sie mir schon aufgeklebt. Vielleicht kann Dr. Kurbelan mir helfen. Die Dinger sind zu lästig. Man kann sie abspritzen wie man will, es kommen immer neue. Ich glaube es sind Kaninchen. Blamable Sache das Ganze. Manchem kann man ja weismachen, es wären Klubplaketten. Aber ein Schutzmann hielt mich neulich an, ich sollte die « Abziehbildchen» entfernen. Abziehbildchen! Hat der 'ne Ahnung. Bildchen ja! Aber abziehen? Es ist überhaupt eine Frechheit, eine Unverschämtheit, eine...» « Ruhe da drinnen! » Die Türe wurde aufgestossen. Dr. Kurbelans grimmiger Spitzkühler überblickte misstrauisch die Patienten. «Ruhe, sonst gibt's was mit dem Hammer auf die Ventilchen.» Krach schlug er die Türe wieder zu und fort war er. « Das war er», ging ein Flüstern ringsum 'durch die Kühler und manchem bubberten die [Ventile ängstlich unter der Haube. •«Er sah sehr energisch aus; eigentlich gar In der Hitze des Gefechtes: So Schatz, gib mir dein Händchen und wir wollen den grossen Sprung wagen. (London Opinion) nicht wie ein Arzt, dem man seine Leiden anvertrauen will», flüsterte der kleine Laubfrosch ängstlich. «Für aristokratische Wehwehchen ist der Herr Doktor auch nicht da,» brummte der bissige Krupp, «sondern nur für Volksleiden.» Man überging auch dies taktvoll. Man wusste ja, er war Kommunist, eine in Automobilkreisen noch nicht ganz garagenfähige Marke; zudem ertönte das Boschhorn aus dem Sprechzimmer, dass der Nächste kommen sollte. Das Agafräulein erhob sich und trippelte hinüber. «Guten Tag, mein sehr verehrter Herr Doktor. Ich bin ein kleiner Aga...» «Merke ich,» schrie Dr. Kurbelan grob, « steht ja an Ihrem Kühler. Ausserdem verfüge ich über eine langjährige Praxis und kenne meine Marken, Nummern und Nümmerchen.» Dabei blinzelte er frivol mit den Laternen, dass man annehmen konnte, das mit den « Nümmerchen » bezöge sich auf das Agafräulein. Pikiert begann diese: «Ich habe...» «Was Sie haben finde ich schon selber. Kühler auf!» Zitternd gehorchte die Kranke. « Sie leiden an internen Verrenkungen. Ihre Ventile stehen alle gleichzeitig still. Häufiges Leiden im vorgerückten Alter (das war eine Frechheit). Die sogenannte Nockenwellia kaputalis internia. Assistentin» — Kurbelan QREDIQ'S GRAND CAFE ASTORIA Bahnhofstrasso ZÜRICH Peterstrasso Bündnerstube - Spezialitätenküche winkte einen kleinen schicken Wanderer herbei — « Assistentin, schlagen Sie der Patientin mit dem Hammer kräftig auf die ungeraden Ventile.» « Sehr wohl, Herr Professor.» Bautz — bautz — bautz — bautz Beim letzten Ventil hielt es das kleine Agafräulein nicht mehr aus. Es sauste mit Vollgas im vierten Gang nach Hause. « Scheint wieder gesund zu sein », schmunzelten die Patienten im Wartezimmer und rieben vergnügt ihre Bremstrommeln. «Tüchtiger Arzt.» «Bitte der Nächste.» Der Rolls-Royce glitt ins Sprechzimmer. «Huabe ich die Ehre mit dem Professor der Medibenzin Doktor Robert Ezechiel Balthasar Kurbelan zu sprechen ? » « Maul auf!» kam es nur zurückgeschnurrt. Der Kranke darauf brüllend : « Huabe ich die Ehre...» « Nonsens, so meine ich das nicht. Sie sollen die Kühlerhaube hochklappen.» « Oh yes, very well. Kenne das von Old England her.» «0 je, o je, Mann, Lord, Sie sind schwer magen- und darmleidend. Wie können Sie überhaupt noch rumtöffeln ? Assistentin, pumpen Sie dem Herrn die Wanne aus. Akute wanna oleana verstopftica. Ihre Kurbelwelle muss auch glauben, sie müsse meerbaden. So! Ist Ihnen jetzt leichter? Wohler? Schön! Zeigen Sie, Assistentin. Kolossal dikkes Oel. Duftet auch gut, ganz gut. Aber —• aber — das ist ja — ist ja... Donnerwetter, Mensch, Kerl, Lord, Sie haben ja Apfelkraut in der Oelwanne.» «Hoho, köstlicher Witz, Apfelkraut, sehr lecker. Allright.» « Mein Lieber,» tobte Dr. Kurbelans Autoherz, « Sie haben die Fresssucht.» « Oh nix Rizinusöl, nix gut. Nur 40prozentiger Spiritus oder Whisky mit Sodawasser.» « Was ? Das wäre das Richtige. Frechheit geradezu. Trampelt auf seiner Gesundheit herum wie ein 50-Markchauffeur. Soll kuriert werden. Füllen Sie die Wanne mit Nithroglyzerin.» « Aber Herr Doktor ? !» dem kleinen Wanderer furchtklapperte das Getriebe. Es roch schon nach Explosion. «Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe.» Zitternd wurde die Füllung vorgenommen. Auf einmal ereignete sich das Schreckliche. Rabautz — Knall —- puff — päuff — puff. Lüftewärts wirbelte die Garage, die Schwester, der Lord, die Patienten im Wartezimmer, die ganze Praxis. Nun war es geschehen um diesen Helfer der Kranken. Schade, er war auf dem besten Weg, eine Kapazität zu werden. Nun ist er tot und niemals mehr werdet ihr etwas hören vom Spezialisten für Getriebe- und Motorkrankheiten Herrn Dr. Ezechiel Robert Balthasar Kurbelan ! Ein Bienenschwarm als Verkehrshindernis. Die Ursachen, welche in der modernen Stadt zu längeren Verkehrsstockungen führen, sind sicher recht vielfältig. Dennoch 1 dürfte es zu den Seltenheiten gehören, dass einige Bienenvölker den gesamten Verkehr auf dem Marktplatz eines Städtchens während einigen Stunden lahmlegten, wie der nachstehende Bericht aus dem deutschen Weserstädtchen Rinteln meldet: Als die Bienen eines Imkers in Rinteln jüngst die Nase aus dem Bau steckten, fanden sie die Luft von wonniglichen Ambradüften gewürzt. Süsser Lockung widerstehen Bienen nie, und so sah man-alsbald mehrere Völker in dichter, brummender Wolke sich erheben, über den Dachfirst des Imkerihauses taumeln und sich auf den HSLhen Marktplatz niederlassen, allwo ein heulender Knabe und ein grosser (brauner Fleck auf dem Pflaster Kunde davon gaben, dass hier eine Flasche Sirup vorzeitig ausgelaufen war. Ungeachtet des lebhaften Verkehrs auf dem Platze umsahwärmten bald Tausende von Bienen den klebrigen Stoff. Der seltsame Zwischenfall rief eine derartiger Verkehrsstockung hervor, daiss die Polizei in Aktion treten musste, was auf die Bienem keinerlei Eindruck machte. Mit Gummiknüppeln gegen die geflügelten Demonstranten vorzugehen, erschien wenig ratsam, und so blieb nichts anderes übrig, als den Bürgersteig abzusperren und den Verkehr umzuleiten. Ein Verkehrspolizist hielt, umlagert von Neugierigen, als Wächter (bei dem schleckenden Bienenvolke aus, bis der gesamte Sirup vertilgt war, was über zwei Stunden in Anspruch nahm. Dann erhob sich der Schwärm endlich wieder in die Lüfte, und Rinteln hatte seine Ruhe wieder. „Frauenlob wie oft er sich schon über unzweckmäßige Unterwäsche geärgert, wie manchmal er unpassenden Schnitt schlechten Sitz.überflüssige Knöpfe imd andere Tücken verwünscht hat. Fragen Sie Ihn — und dann geben Sie ihm einmal „tsa"'Tricotwäsche. Er wird sie mit Vergnügen tragen und Ihnen schmunzelnd sagen: PiTat a'ti-'c A\o i/-Trfnrfs»n\MiII"Ierhol" Sie bekommen „Isa" in jedem bes« seren Spezialgeschäft DBRTRicoTmrr SORGFfltT HERGE5TEUT ß? BEZUGSQUELLEnnOCHUJElS DURCH DOS'SALimflnn s C? nm 5LU Maoensdunerzen sind äusserst unangenehm. Dieselb.verschwin* den aber nach kurzer Zeit beim Gebrauch von Columba - Magenpulver. Es ist ein unschädliches, sicher wirkendes Mit« tel geg. Verdauungsstörungen jeder Art, gegen Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Magenkrampf, Uebelkeit, Erbrechen, Magendrücken, Sodbrennen, Blähungen, Aufstossen, übelriechenden Atem. Preis pro Schachtel Fr. 3.—. Machen Sie einen Versuch und Sie werden von dessen Güte, wie schon hundert andere Kunden, überzeugt sein. Einzig erhältlich bei der Apotheke zur Taube, Schaffhausen 7 Vornehme Hausmusik ist Erholung und edler Genuss! Erstklassige GRAMMOPHONE Schrank-, Tisch- und Reiseapparate in neuester, hochmoderner Konstraktdon zu billigsten Kreisen. Fabrikation und Vertrieb E. Bertschinger, St. Gallen Pianofabrik, Lager Rorsohaoherstrassb 177, Telephon 46.27. Vorführung überall unverbindlich. Prospekte, Abbildungen eto. gratis. Verlangen Sie Offerte..— T.0.S.-Mitglieder 10 8 / 0 Rabatt. &Sf Wiederverkäufer gesucht. Die Uhr der Hausfrau! Braucht man noch zu sagen, wie wichtig eine Kuchenuhr ist, wie sie Küchcnarbcitcn erleichtert und die Küche siert? Nein! Aber wichtig zu sagen iit, dass meine Küchenuhren, trotz Kücnenduapf auf Jahre gut gehen und in Feinsteingut-Gehäusen unverwüstlich sind. Darum mochte ich Sie Bitten« meine Küchen-Uhren — et ist eine gross* Auswahl — anzusehen. In drei Minuten sind Sie rom Paradeplatz hei mir.