Aufrufe
vor 8 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.002

E_1929_Zeitung_Nr.002

Das Mikrophon gab auf

Das Mikrophon gab auf einmal eine vollständige Baritonskala von sich : «Ha, ha, ha! natürlich! Der Ministerpräsident hat sich selbst zu Ihrem Examen angesagt. ..» « Sie sind ein Eckel ! » « Ha, ha, ha ! » « Scheusal ! Ich vergehe hier vor Aufregung und er lacht ! » «Verzeihung. Ich werde es nicht mehr tun.» * * * Es wäre schwer zu beschreiben, Heber Leser, was a'tes auf diesem Examen geschah! Man fragte Lali aus der Arithmetik, Algebra, Geometrie, Trigonometrie. Man fragte sie aus der Geographie und der Geländekunde ... Dann examinierte man sie in Mechanik und sechs andern Fächern... Bekanntlich ist das Examen im Wagenverkehr keine Spielerei. Allein fünf Diplomingenieure hatten sich eingefunden, an die zehn Mitglieder des Automobil-Clubs, etliche zehn Vertreter der Polizei. Und erst die Achtel und Sechzehntel, die Kurven, das Rücken des Wagens, das Anhalten des Wagens, die Fahrt nach rückwärts, Kopfstange, Todesstange... Ob die höchsten Würdenträger der Republik anwesend waren, wissen wir nicht. Sovie' Ist sicher, dass sich zum Examen Lalis alle ihre näheren und entfernteren Bekannten eingefunden hatten. (Laii hatte einen langen Kasak an, wie man in Warschau sagt, einen Sportdress, auf dem Kopf eine kleine Mütze mit einem seidenen Ponpon und hirschlederne Handschuhe. Sie hatte sich zum Examen mit dem stärksten Parfüm von Guerlin parfümiert : Souvenir de Montery.) Und sie bestand ! Am Abend verlobte sie sich mit Ingenieur Korbowod. Gestern, während des Mittagessens, das im Kreise etlicher Freunde, Automobilisten, eingenommen wurde, begann der Ingenieur plötzlich zu singen! «Woher rührt denn deine Zufriedenheit, Stani», redet ihn einer seiner Tischnachbarn an. Tonuollendetste Instrumente in relatiu massiger Preislage 2SS RAMSPECK 2.UR.CH Ergrautes Haar erhall seine trühere Fartte wieder durch Birken-Brittaniine Kein neues Präparat, 40jähr Erfahrung. Verbürgt Wirkung und Zuverlässigkeit. GeneraldeDOt: j.Baer'sErßen, u^m^k^xz, Zflricn 7 Menhon H ftOM Asvl

N* 3 - X929 AUTOMOBIL-REVUE BERUEHMTE MUSIKER, NOCH BERUEHMTERE FEINSCHMECKER Kürzlich erschien auf dem Büchermarkt «in m^hr als originelles Büchlein aus der Feder des Wiener Musikschriftstellers Hofrat Ludwig Karpath, das aber keineswegs dem Andenken Schuberts gewidmet ist und von anderen grossen Komponisten, Dirigenten und Musikern auch nur in einem ganz anderen Zusammenhang handelt als es die Musik ist. Karpath nennt seine bemerkenswerte Schrift, die der Verlag Knorr «St Hirth in München herausgibt, «Jedermann seine eigene Köchin», und man findet darin nicht weniger als 222 auserlesene Kochrezepte, Ratschläge, wie man sich zum Feinschmekker ausbilden könne- Ein Koehbueh also? Ein Kochbuch aus der Feder eines Musikers? Ja und nein' Wer Hofratll Karpath kennt, der wejsj aueh, dass dieser vielseitige Mann ein hervorragender Koeh ist, nicht nur Geniesser auf kulinarischem Gebiet, sondern vor allem Schöpfer, und dass man in seinem gastfreien Hause oft und oft Gelegenheit hat, sich da* von au überzeugen, dass der Hausherr sein eigener, genialer Koch ist. Ludwig Karpath kann sich da auf die Zeugnisse prominenter Musiker berufen. Riehard Strauss widmet ihm, wie das «Neue Wiener Journal* au berichten weiss, den Satz: «Meinem lieben Ludwig Karpath, Kochmeister und Rezensent da^u», Hanß Pfitzner schreibt: «Dsss Sie als Mu5ik$e.hriftster.er ein Fachmann sind, Ist allgemein bekannt, weniger die Tatsache, dass Sie auch a's Koehkünstler ihren Mann stellen. Nur sind Sie als Fachmann auf dem Gebiet der Gastronomie zu bescheiden. Ich kenne ja Ihren Tisch aus eigener Anschmekkung. Wissen Sie noch, als ich einmal während des Krieges ganz allein bei Ihnen zu Tisch war in Wien? Da sagten Sie min «Sie bekommen ein Kriegsessen.» Das war nieht wahr. Ich kriegte ein bekömmliches Essen.» Und wie äus.se,rt Sieh Max Reinhardt über die Karpathsche Mohn-Sachertorte? Folgendermassen: «Ihr© wirklich traumhaft gute Mohn-Sachertorte hat mir die wenigen freien Augenblicke, die mir die angestrengten Tagund Nachtproben in den letzten Wochen Hessen, buchstäblich versüsst. Lassen Sie mich Ihnen von Herzen danken für die Freude, die Sie mir mit Ihrer lieben Aufmerksamkeit gemacht haben, Wie alles von frnen, Ugt auch dieses kulinarische Oeuvre Zeugnis ab von der Gescheitheit, Güte und Harmonie, die aus Ihren Augen leuchten.» Solcher Zeugnisse kann sich nicht jeder beliebige Koch rühmen» Dazu muss er schon Musikschriftsteller und Gastgeber so ziem' lieh aller prominenten Musiker und Künstler seiner Zeit sein. Aber Ludwig Karpath hat von seinen Gästen als Koch auch wieder profitiert. Berühmte Komponisten, Dirigenten, beziehungsweise deren Gattinnen, haben ihn vielfach auf neue Ideen gebracht, haben ihn gelehrt, wie raffinierte Speisen bei ihnen zu Hause zubereitet würden. So stammt ein Re» sept zu einem Heringsfilet von niemand Geringerem als Siegfried Wag- Am andern Tage verreisten wir, und während wir die Postkutsche bestiegen, die damals noch den Verkehr zwischen dem hochliegenden Kurort und der Tiefe besorgte, sahen wir Lolas rotumflossene Gestalt neben ihrem Mann auf dem Balkon stehen, der zu ihrem Zimmer gehörte. Unsere Blicke hingen an diesem schönen Menaeheppaar, und wir empfanden dabei eine Trauer, die an Schärfe mit jedem Trenaunssschmerz zu vergleichen war. yö&IHI ner her. Es lautet: Man entferne die Haut des holländischen Herings und löse die Filets von den Gräten. Der Kopf und der Schwans werden beiseite gegeben. Die Filets werden nun während sechs Stunden im Wasser mit Zusatz von Milch eingeweicht, dann abgetropft, durch ktares Wasser gezogen, mit sauberem Leinen abgewischt und endlich auf länglicher Platte rangiert, mit folgender Sauce übergössen: Man reibt eine Zwiebel,haschiert etwas Petersilie, durchsiebt die Fischmilch von 1—2 Heringen, gibt das Ganze in eine Salatschüssel, fügt ein öge'b und etwas englischen §enf dazu, richtet die Sauce wie ein« Mayonnaise zu, mit Oel und Essig. Die Sauce darf nicht zu dick sein, soll aber gut gewürzt schmecken.» Zum Heringsfilet Siegfried Wagners gesellt sich «In Plsehrezept «KilW» des Komponisten Eduard Schutt, das also lautet: «KHki sind kleine Fische, die in Russland viel gegessen werden. Im Frieden er» hielt man sie in Dosen auch in Deutschland. Ob dies wieder der Fall ist, ist dem Verfas* ser unbekannt- Hat man sie zur Hand, so röste man dünngeschnittene Brotscheiben In Butter, gebe auf je eine Scheibe ein entgräte* te§ FJsehiein. gebe die so belegten Brotscheiben bloss für einige Augenblicke in «ine helsse Pfanne und serviere sie sodann.» Das igt aber noch lange nicht alles- Frau Pr, Richard Strauss steuert ein Rezept über saure Leber bei: Feinblättrig geschnittener Kalbsleber wird ein wenig Petersilie und Zwiebel, beides gut gewiegt, beigegeben. Neben dem Herd richtet man sich Sa!?, Pfeffer, Mehl, Essig und Fleischbrühe her. Man lässt in der Omelettenpfanne ein StQek Butter zergehen, gibt dann in diese die Leber, die man schnell salzt, pfeffert und ein wenig staubt; dann gibt man etwas Essig daran und giesst das Gericht mit Fleischbrühe auf, so dass es leicht suppig wird. Die Zubereitung muss sehr schnell vor sich gehen, da die Leber sonst hart wird-» Aus der «Casa Mahler» stammt, von der Witwe Gustav Mahlers überliefert, folgendes Rezept für Kalbschnitzel: «Ein halbes Kilogramm Kalbschnitzel gut salzen, beide Seiten mit Mehl stauben und In recht viel Butter etwa eine Stunde lang braten lassen. Dann Champignons und vier bis fünf Paradiesäpfel, anderthalb Deziliter sauren Rahm darangeben, mit viel Parmesan bestreuen und noch eine halbe Stunde dünsten. Mit allem Saft in eine Schüssel geben und anrichten.» Und so folgt ein Prominentenrezept nach dem anderen. Alfred Grünfe'd, der Klaviervirtuose, liefert ein Rezept über «Pilzlinge gedünstet», die Witwe Artur Nifcisch* ein solche« über «Sauce zu gekochtem Fisch», die Gattin des Kammersängers Erik Schme, des stellt sich mit einem Rezept für «Fa» schiflgkrspfen» elm und die Gattin Artur III. Das Leben hat sonst die Eigentümlichkeit, den Menschen nur Anfang, Mitte oder Schluss fremder Schicksale mitansebauen zu lassen. Diesmal machte es eine Ausnahme, wenigstens für mich. Es W3r viele Jahre später, dass ich einmal in München im Hofgarten mit einer Freundin den Tee trank. Unsere eifrige Unterhaltung hatte une bis jetzt verhindert, auf unsere Umgebung zu achten. Aber plötzlich entdeckte •ich an einem Nachbartischchen ein Gesicht, das mich nicht nur durch eine seitone Schönheit, sondern auch durch einen Erinnerunssreiz fesselte. Seebläue, schimmernde Berge, Sonne, Jugend — das alles stieg aus meinern Herzen empor in die innere Gesichtsspiegelung bei dera Antlitz jener Frau. War sie es? Sie war nicht unfehlbar zu erkennen, denn aie trug diesmal ein schwarzes Kleid. Aber um so schneeweisser hob eich ihr Hals aus dem spitzen Ausschnitt. Mein Auge flog verstohlen immer wieder zu ihr hin. Ueber mein Verstummen erstaunt, fragte meine Freundin nach der Ursache. Ich erzählte ihr in kurzen Worten von der Geschichte der bozau* bernden Lola, was mir davon bekannt war und fügte hinzu, dass e§ mir ein wahres Herzensinteresse wäre, zu erfahren, ob die ihr so ähnlich sehende Fremde am noch» sten Tisch sie selber sei und wie sich ibr Schicksal jetzt gestaltet haben mochte. Sie war in Begleitung einer ebenso eleganten, ähnlichen Typus, aber nicht dieselbe Schön' heit tragenden Dame, die ein sehr lebhaftes Gespräch führte, wobei sie tin etwa zwöM« jähriges Mädchen, das in Gesellschaft tH' derer Kinder in der Nähe spielte, tteta im Auge behielt. Aus ihren Bemerkungen ging hervor, dasa es ihr eigenes Töcbterchen war. Und plötzlich wandte sie sich an ihre Begleiterin mit dem unbekümmerten, lau. ton französischen Ausruf: «Es ist doch jammerschade, Lola, daas Sie kein Kind haben. Das würde Ihr Leben schön machen. Die Einsamkeit taugt nicht recht für Sie. Sie sind so schweigsam geworden. Tiens, Sie sollten doch wirklich noch einmal heiraten Da wäre der pikante Attache — wie heisst er doch... ?» Der lange, unwillkürliche Schauer, der durch den Körper der also Angeredeten lief, Hess die Sprechende verstummen, während er zugleich meine Vermutung bestärkte, wenn dies nicht schon durch die Nennung des Namens geschehen wäre. «Sie ist es,» sagte ich voll Erregung, «und offenbar Witwe, welch ein Glück!» Schnitzlers sogar mit einer Anweisung, wie man eine «Anatol-Torte» kunstgerecht zubereitet. Vom verstorbenen Gcneralmusikdirektor Ernst v. Schlich wird das Rezept zu ei* ner «Ghampagnerbowle» abgedruckt, von der Kammersängerin Marie Gutheil-Sehoder ein solches über die Zubereitung von «Pikkelsteiner-Fleisch». Und so geht es weiter: Rumsteak ä la Oskar Straus, Palatschinken ä la Jenö Hubay und — damit auch «in bekannter Bankier zu Worte kommt — Hirn auf ungarische Art ä la Gabriel Neumann. Und nun schüesslfch noch, was Ludwig Karpath über Kochen und Essen im afecmeinen zu sagen hat. Feinschmeckere! definiert er so: Das denkbar beste Material und die richtigen Ingredienzien 8« verwenden, ein Gericht so zubereiten, wie dies an seinem Ursprungsort geschieht, auf alles zu achten, was das Geniessen erhöhen oder vermindern könnte. Er, so erklärter, erreiche mit geringen Kosten mehr als seine kapitalkräftigen Freunde. Sein Abendessen erschöpfe den Begriff der Feinschmeckerei, während das viel* fältige grossartige Souper seiner reichen Freunde zu diesem Effekt nicht führen könne, und zwar darum nicht, weil es In seinen freilich nur anscheinenden Nebensächlichkeiten unvollständig sei Wer es ihm gleichmachen will, der nehme seine Rezeptensammlung zur Hand und werde mit wenig Kosten und viel Genuss «sein« eigene Köchin», DER OFEN ALS EISSCHRANK (Des lieben alten Kochherds Schwanengesang.) « Frau Anna, es ist heute wieder so heiss! Die Butter läuft über, die Milch wird der Braten...» — « Stellen Sie die Speise in den Ofen!» Was würde unsere brave Köchin wohl denken, wenn sie von der Hausfrau diese Antwort erhielte ! Sie würde su der schauerlichen Vermutung kommen, dass der armen Schmelzung» von Ofen und Eissehrank nicht mehr weit entfernt ist, Namentlich die amerikanische Technik leistet hier Verjügljehes, Die amerikanisohon Zeitungen berichten von einem kombinierten Gaskochherd und Eisschrank. Sozusagen durch eine einzige kleine Handbewegung kann man das eine in das ander© verwandeln. Du legst einen Hebel um, und dio Speis«, die eben noch kochte, wird in wenigen Minu* ten gefroren sein oder umgekehrt. Ich denke an meine Jugendamt ssurück, und mir wird wehmütig 1 ! loh seh© unsere gute alte Köchin daheim, wie sie eich ab' mühte, das Holz- oder Kohlenfeuer im Küchenherd zu heisserer Glut zu «entflammen». «Schon wieder will das verflixte Ding nicht brennen!» so stöhnt die Brave. Und die franse Küche ist voll von dickem Rauch- Man hustet, schnaubt und tränt. Schließlich hat säe'sI Heureka! Das Hilfsmittel ist gefunden! Der Blasbalg muss heran. Sie pustet upd puestefc unter den «Nun, nun,» safte meioe Freundin. Aber ich konnte den Ausdruck nicht zurücknehmen. Zu deutlich wer mir in Erinnerung, welche Last unsichtbarer Fesseln das ischöne Geschöpf getragen hatte. Die lebhafte FrarwÖsin am andern Tische hatte das Gesprächsthema bereits nach allen Richtungen gedreht. Auf Lolas Antlitz war Ruhe zurückgekehrt, die zwar noch kwnen Strahl von Freude durchscheinen liess, aber auch nicht mehr den Sturm innerer Revolte barg. Beide Frauen schauten nach den Kindern hin. Das Töchterchen der Französin war sehr zierlich und voll Grazie in seinen Bewegungen, und der Mutter Auge ruhte voll Stolz auf ihm. Offenbar beschrieb sie gerade die Art. wie das Kind sich zu kleiden liebte; es kehrte dabei mehrfach da» Wort « rouge» wieder; das veranlasste Lola zu dem Ausspruch, den ich gewissermassen als Absehlu$s ihrer Geschichte betrachtete. Es mag sein, da^s ich damit zu weit ging, dass jenseits dieses Tages auf das immer noch so begehrenswerte Weib eine neue Epoche voll neuen Erlebens harrte; jedenfalls aber bedeutete das letzte Wort, das ich von ihren Lippen hörte, ein© vollständige Veränderung ihrer Einstellung zu Leben und Welt und somit doch in bestimmtem Sinne das Eritschwin. den jenes Wesens, welches vor Jahren wie ein funkelndes Fl&irtmchen über die Seefläche geglitten war. Sie spraeh:«Ich würde ihr niemals raten, ein rotes Kleid zu tragen.» DIE MODE &mm% mm v *^» T ai • . ••#• • Elegant gesqhnittener Autoinantel, Faijon „Kevine*, mit den m beliebten PejzbesätKm. Kleidsames Stliok Richter: «Sie liesseil also die Kassette mit dem Geld stehen und nahmen nur einige Briefmarken mit?» Angeklagter; ijawoh!; ich beantrage deshalb« mich auf meinen Geisteszustand untersuchen zu lassen!» Theaters'r 16, Zünch bis zu den vollkommenen, neuen, selbstgebaoten and alten Me ister-lnstr umenten ;n grösster Auswahl and zu vorteilW««B Preisep a. Bedingungen. Vom Guten das Beste in feilen Bon Etm, D, Polten etc. Gitarrm, Lairen. Zithern. \alerne eSo$/ Vervielfältigungen, Kaufverträge, Diktate, Zeugnis- Kopien etc. fertigt diskret, sauber, prompt and billig an G. Schwebe., Kenn weg 6, II, Zürich 1 Telephon Seloan 53.92 Trinkt alkoholfreie Trauben- u. Obstweine Hostettler & Co., Bern