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E_1929_Zeitung_Nr.012

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14 AUTOMOBIWJEVUB

14 AUTOMOBIWJEVUB 1929 - N°12 Gangräne Von Z. Klesczynski. — Deutsch von Leo Koszella. —• alsomeinLieberichbittedichumalles inderWeltverspätedichnichtWenndudichversp ätestwürdeichdichtötenllngeheuer!!! — Hanne, um Gotteswillen, langsamer! — IchhabekeineZeitderKarnevalentflieht! — Langsamer! Ich lege den Hörer weg. — Ich ha—be kei—ne Zeit, der Kar—ne— val ent—flieht. Ver—stan—den? — Ich ver—ste—he! — Endlich! — Ich sehe keinen Grund, weshalb du dich so aufregst. Es ist erst 6 Uhr. Ich setze mich ins Auto, fahre zu deiner Schneiderin und kann in einer halben Stunde zurück sein... — Ich werde verrückt! Ich werde verrückt! Und dieses absichtliche Akzentuieren der Ausdrücke bringt mich zur Verzweiflung! Begreife doch, dass es nicht genügt, ein Kleid zu haben! Man muss es auch anziehen! Anziehen! Begreifst du? — Ich begreife. Aber — unter das Ballkleid zieht man doch nichts an. — Jawohl! — Was denn? — Nun, das — Trikot? — Was denn nun schon wieder für ein Trikot? — Also was? — Nun, das... Ach Oott!... Nun, das... Spinngewebe! — Ach so. Na, das nimmt genau zehn Minuten in Anspruch. — Und der Rest? — Was denn nun wieder für ein Rest? Vor einer Weile sagtest du mir doch, dass du bereits Strümpfe und Schuhe angezogen hast, manikürt und zurecht gemacht bist... Ich bringe das unglückselige Kleid von Hermine und du wirfst es über — Mensch! Botokude! Eine Krinoline wirft man doch nicht über! Dazu braucht man Hilfe! Und Sophie ist so ungeschickt! — Nun, dann helfe ich dir. — Danke! Du würdest mir alles zerdrükken! Und dann muss ich mich doch noch nachher im Spiegel besehen... korrigieren •.. — Sagen wir, noch eine Minute. — Euch genügt vielleicht eine Minute für eure banale, dumme Krawatte. Wir aber brauchen mehr Zeit. Das letzte Mal zog ich mich so husch husch an, natürlich deinetwegen, knöpfte das Schulterband nicht fest und hätte TheatersV 16, Zürich ff ii l40.-„ bis zu den vollkommenen, neuen, selbstgebauten und alten Meister-Instrumenten m grösster Auswahl und zu vortei lhalten Preisen u. Bedingungen. « Esten das Beste in: Saiten, Sogen, Etuis, Oeberzügeo, Pulten etc. Gitarren, Laoten, Zithern, Baute.. — Katalooe frei. — I beinahe mitten im Saal das Kleid verloren! Oder wenigstens den Büstenhalter. Du siehst doch, ich bin halb nackt. — Ich sehe. Du siehst entzückend aus. — Du bist zynisch! — Fängst du schon wieder an? — Fahre nun endlich zu Hermine, ich flehe dich an! Es ist schon halb sieben. — Nein, erst zwei Minuten nach sechs. — Du wirst mich noch ins Grab bringen. — Ich fahre, ich fahre- — Beeile dich! — Gut! Aber ich wette, dass wir dann in den Saal kommen und uns wie Möpse langweilen werden, denn du wirst zu dem Resultate gelangen, dass wir noch zu früh hinkommen und es völlig ausreicht, wenn wir zum Ball um — Heute haben wir die letzte Karnevalsnacht! Um 12 Uhr endet alles! — Allright. Alles zu Ende. Man möchte glauben, dass du eine grosse Liebe begräbst, Schäfchen... — Noch ein Wort, und ich lasse mich von dir scheiden! — Warum hört das niemand! 0, wenn ich doch einen Zeugen hätte — Fängst du schon wieder an? — Nein. Ich mache Schiuss! Ha, ha! (Eine halbe Stunde später.) — Nun, wie ist's, Hannchen? Habe ich meine Sache nicht gut gemacht? — Gut, gut! Sophie, komm her, du musst mir helfen, die Krino'.ine anzuziehen — Stephan, geh ins Wohnzimmer. — Gut. — Warte, mein Lieber. Sieh doch, bitte, was ich am Halse habe? — Einen Brillanten. — Aber nicht doch! Hinten! — Flaumhaar. — Stephan, sprich keinen Blödsinn! — Nein, ich bin schon ganz «rast... Einen Augenblick, zeig einmal... Du hast gar nichts am Halse. — Wie denn, ich fühle doch mit dem Finger eine dicke Stelle. — Wo? — Hier! — Einbildung. — Sieht man sicher nichts? — Nichts. — Keinen Pickel? — Woher solltest du Pickel haben, Dummchen! Du weisst selbst, dass dein Decollete wie aus Marmor ist. — Oho, ein Kompliment? Schau, schau... Was ist mit dir los? — Weisst du noch immer nicht, dass mich dein Inkarnat entzückt? — Inkarnat ist etwas anderes und ein Pickel — ist auch etwas anderes. Und übrigens begeisterst du dich in der letzten Zeit nicht nur für mein Inkarnat, sondern auch für das Inkarnat der idiotischen Nelli! — Einbildung. — Ich weiss, was ich rede! — Ich gehe ins Wohnzimmer- — Aha! «Ich gehe ins Wohnzimmer». Das Thema, Stephanchen, wie ich sehe, ist nicht nach deinem Geschmack. 0 Gott, was für Heuchler sind die Männer! Ich hasse euch! Alle! — Ich danke im Namen aller. — Mach, dass du endlich hinauskommst! Ich kann hier nicht halb nackt den ganzen Abend lang vor dir sitzen. Das ist sogar unanständig. — Du hast's gewollt. Schicke mir, bitte, Sophie, wenn du sie nicht mehr brauchen wirst — Gut, ich werde sie gleich schicken. (Eine halbe Stunde später.) — Stephan! — Hallo ? — Du kannst kommen! — Mensch, du bist noch nicht fertig? — Sophie sagt, dass ich recht habe. — Was denn? — Nun, wegen des Pickels. — Und darüber habt ihr die ganze Zeit beratschlagt? — Wir haben nicht beratschlagt, sondern sie hat mir den Hals mit Kölnisch Wasser eingerieben. Aber dabei ist der Hals rot geworden. — Kölnisch Wasser? — Mach keine Witze. — Das ist doch kein Wunder- Wenn mich jemand eine halbe Stunde lang scheuern würde — es braucht gar kein Kölnisch Wasser zu sein, sondern gewöhnliches Leitungswasser — dann würde meine ganze Haut auch rot werden. Du hast Einfälle... — Mach keine Witze, sondern sage mir... Kann ich damit auf den Ball gehen, kann ich das? — Natürlich kannst du. Das ist eine Kleinigkeit — Sieht man nichts? — Hannchen, du bist kindisch... Was soll denn zu sehen sein? — Nun gut Dann setz' dich noch ins Wohnzimmer oder in dein Arbeitszimmer. Lies die Zeitung- Ich werde gleich fertig sein, Sophie wird mich nur noch pudern. — Gestatte, dass ich dich pudere. — Nein, das kannst du nicht. Das muss man verstehen! — Allerdings, meine Lieibe. Aber ich gestatte mir, dich daran zu erinnern, dass es schon acht Uhr ist und dass du es vorher furchtbar eilig hattest. — Ich werde sofort fertig sein! (Eine halbe Stunde später.) — Stephan! — Was ist los, ums Himmels willen. Du bist immer noch nackt? — Stephan, ich werde wohl doch nicht gehen. — Du wirst nicht zum Ball gehen? Weshalb? — Es brennt. — Der Hals? — Nun ja, der Hals! Sophie hat ihn mit Höllenstein eingerieben, aber es ist noch schlimmer geworden! — Mit Hol—len—stein? — Ja, sie hat mit Höllenstein eingerieben. — Bist du verrückt geworden? — Ganz und gar nicht, Das hilft manchmal. — Ihr solltet Streupuder benützen! Wie kamst du denn nun wieder auf Höllenstein? — Aus hygienischen Gründen. — Schade, dass du dich nicht mit Schwefelsäure einreiben liessest! Zeig' einmal! — Vorsicht, es tut weh! — Aber Hannchen.-. Ich habe dich ja noch nicht einmal angerührt... Gestatte... Hm... Tatsächlich, etwas gerötet... — Du wirst doch also selbst zugeben, dass ich nicht zum Ball gehen kann. — Nein- Aber ich rate dir, die Kette abzunehmen. — Wozu? — Nimm ab! — Platin ist aseptisch. — Ich weiss nicht, ob es aseptisch ist, in jedem Falle aber reibt es die gereizte Stelle und es ist besser. Ich rate dir, nimm ab. — Hm... Stephanchen, wie spät ist es? — Halb zehn Uhr. — Nun, dann hat es doch keinen Sinn mehr, hinzugehen. — Weshalb? Bis Mitternacht haben wir noch sehr viel Zeit. — Hm-.. Weisst du, die Lust ist mir vergangen. — Wirklich? — Wirklich- — Und wird es dir nicht um das letzte Karnevalsvergnügen leid tun? — Hm... — Ueberlege, Kind. — Hm... Du hast recht. Es ist schade um das Kleid! — Nun, siehst du? Schade um das Kleid! So ein schönes Kleidchen. Und ich habe mich so beeilt, als ich zu Hermine fuhr. Schnell, zieh' dich an und wir gehen. — Out, geh', zieh' dich an. Ich — komme — sofort. Sophie, gib mir das Kleid! (Eine halbe Stunde später.) — Sophie, wo ist die gnädige Frau? leb brate ja in diesem Pelz-.. — Die gnädige Frau ist im Bade, gnädiger Herr. — Im Bade? Was macht denn die gnädige Frau im Bade? — Sie weint! — Hannchen, was ist denn los? Kleinchen, du weinst? — Ja... ich bin... ja... so... unglücklich... — Was ist denn los? Was ist denn los?. Was ist denn los? — Sophie hat mir... so. wie ich sie ge... beten habe... Ammo...niak aufgelegt, und es ist... noch schlimmer geworden. •. — Hannchen, wie konntest du nur! — Ich... ich werde wohl... Gangräne haben? Das Bridgespiel und seine Folgen. In den höchsten Klassen vieler Schulen von Cleveland (Amerika) wird gegenwärtig Unterricht im Bridge erteilt. Das ist nicht so lächerlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Jeder in Amerika ist aufs Kartenspielen versessen, besonders die Damen, und man führt sich in der Gesellschaft weit besser ein, wenn man gut Bridge spielen kann, als wenn man zum Beispiel in der Weltgeschichte oder in der Literatur gut Bescheid weiss. Partner am Spieltisch werden nicht selten Partner fürs Leben und in Amerika sollen nicht wenige glückliche Ehen der Tatsache zu verdanken sein, dass ein Herr und eine Dame in Gesellschaft Gelegenheit hatten, zusammen ein «sans atout» zu gewinnen. Deshalb lehrt man jetzt die Schulkinder in Cleveland das Bridgespiel. Ergrautes Haar erhall seine frühere rarbe wieder durch Birken-Brillan tin e Kein neues Präparat, 40jähr. Erfahrung. Verbürgt Wirkung und Zuverlässigkeit. j.Baer'sErüen, Römerscmoss-ipoMe, Zürich 7 I elenhon H GcneraldtDOt: Trinkt alkoholfreie Trauben- u. Obstweine E-Iostettler & Co., Bern O 6010 Asvlstrasse 70 Welt, die Ebenbilder bekannter Antlitze musealer Bildwerke sind. Die grösste Attraktion dieses Festes ist — die Menge mit ihrem Lärmen, Schreien, ihren Witzen, Konfetti und Zuckerzeug, womit sie sich gegenseitig bewerfen und damit regelrechte Strassenkämpfe veranstalten. Das ganze Volk ist in eine Masse zusammengeballt, als gäbe es keine Klassenunterschiede. Eine originelle Attraktion bilden auch die Wettrennen kleiner Pferde, der sogenannten «Barbieri». Sie sind ohne Zügel und Sattel und nur mit Decken aus farbigem Stoff bedeckt. Man stellt die Pferde hinter einer Barriere auf, deren Verlassen das Zeichen zum Beginn der Jagd gibt. Sie sind fort! Lärm und Hallo gelangen zur höchsten Spannung. Eine nicht geringe Nervosität packt die Pferde, die mit entsetzlicher Schnelligkeit durch die Zuschauermassen rasen, sich gegenseitig beissen und ausschlagen, und da sie sich selbst überlassen sind, hemmt niemand ihren rasenden Lauf, so dass es oft vorkommt, dass das eine oder andere der Barbieri am Ziel hinfällt, um nie mehr aufzustehen». Selbstverständlich waren diese Wettrennen dio Ursache manchen Unglücksfalles. Mit Anbruch der Nacht begann das «moccoli» genannte Vergnügen. Es beruhte ursprünglich auf einem Wettrennen mit Fackeln, an dem solche Volksmassen teilnahmen, dass im Laufe der Zeit, als man auf die Sicherheit der Stadt Rücksicht zu nehmen begann, die Fackeln verboten wurden. An ihre Stelle traten Kerzen, und man amüsierte sich damit, dass einer dem andern die Kerze auszulöschen versuchte. Der Karneval in Venedig war vielleicht noch grossartiger als in Rom. Venedig war infolge seiner herrlichen Architektur noch geeigneter für die Entfaltung wundervoller Umzüge von Fussgängern und Gondeln. Hier war das Märchen vom Fest der Raserei in einen entsprechenden märchenhaften Rahmen gespannt. Der Anblick war unbeschreiblich, und der Karneval dauerte sechs Monate ohne Unterbrechung, während deren die sich auf den Markt begebende Hausfrau die Maske aufsetzte, der Geschäftsinhaber in der Maske hinter dem Ladentisch amtierte und der Beamte im Bureau — überhaupt alle ohne Ausnahme. «Hier herrscht vollständige Ungezwungenheit» — sagt Taine in der Beschreibung des italienischen Karnevals — «Fürst und Handwerker, alle sind sich gleich. Die Knaben üben sich in gymnastischen Strassenwettstreiten, Harlekine spielen vor Zuschauermengen, Künstler deklamieren, Komödianten spielen — überall Ungezwungenheit ohne jede Beschränkung.» Die Themata der Strassenlieder dienten dem berühmten Paganini zur Komposition seiner zwanzig bekannten Variationen, die auch Marse in seiner Oper «La reine Topaze» und Albert Thomas im «Venezianischen Karneval» verwandten. Im 18. Jahrhundert erreichte der Karneval die höchste Blüte. Und es gab kein Volk der Erde, das dieses Fest nicht beging. Selbst die Schwarzen Amerikas, die ihr Gesicht beim Licht des Mondes, in Raubtierfelle gehüllt, weiss tanzten, nicht ] ausgenommen. In Nordamerika veranstaltete man Umzüge, die der Prophezeiung guter Ernten dienten, während sich die Südamerikaner ähnlich wie die Italiener vergnügten, wen bei zu dem traditionellen Konfetti und dem Sichbewerfen mit Eierschalen noch etwas hinzutrat, was an den «Dingus» der slawischen Völker erinnert. Allerdings mit dem Unterschiede, dass man hier in Latein- Amerika die Wassereimer von den Balkons auf die Köpfe der Vorübergehenden goss. Noch heute besteht diese Sitte in Argentinien, wo man sich mit Miniaturballons, die mit Wasser gefüllt sind, bewirft. In Frankreich nahm sogar der König an den Umzügen teil, ursprünglich inkognito, bis Ludwig XV. das offizielle Vergnügen in der Oper einführte, dessen Tradition sich bis heute erhalten hat. Nichts konnte die Pariser von dem traditionellen Fest abhalten, RelM die Pest des Jahres 1832 nicht,, die sich dadurch, um so rascher verbreitete. L. K. Klare Stimme schafft Läkerol 0riciinaI -VAICL-H nhpn --; 90u. 1,5'Q'

N° 12 - 1929 ÄITTOMOBIL-REVUE 15 Maskenplauderei. Februar — Maskenball — Konfetti — Kater — schon jetzt treiben diese Worte tollen Spuk. Kasten und Schubladen werden durchsucht, alles um und um gedreht, probiert. Wer weiss, ein Hut oder ein origineller Stoff können oft die ganze Idee für ein Maskenkostüm hervorzaubern! Jede Frau weiss ja am besten selbst, was zu ihr passt, hat sie sich doch in die Rolle hineinzuleben, die ihr das Kostüm vorschreibt. Erst darin kann der Schabernack der Rolle zu ihrer zweiten Natur werden (wenn es nicht, ja, ihre eigentliche Natur ist, die sich austobt!). geschmeidiger, quecksilbriger Boy mit roten, goldbetressten Atlas- oder Tuchhosen, ärmelloser Taille, vorn geschlossen und mit Goldknöpfen besetzt. In den wirbligen Locken ein keckes rotes Käppi, alles fesch, verführerisch und naiv zugleich. Am meisten reizen wohl fremdländische, bizarre Kostüme. Eine Mexikanerin, Charakteristisch ist der grossrandige Hut, der oben eng und spitz zusammenläuft. Die grossen runden, unvermeidlichen Ohrringe. Der Jupe ist beliebig bunt, muss aber sehr weit und kurz sein, vielleicht mit Blenden garniert. Eine Schärpe fällt über Rücken und Taille, die weisse, Karneval in Nizza. Ein Riesenhummer im Festzöge. Ein Produkt des Mittelmeeres, das aber in Nizza durch seinen MLligoa Preis auch den weniger Bemitteltea nicht versagt ist. Dass ein lustiges Mädchen nicht in eine Krinoline hineinsteige! Ebenso wird sich die gesetzte Dame hüten (wenn sie überhaupt ein Maskenfest besucht!), in einem koketten Kleidchen zu erscheinen. Oft können körperliche Vor- oder Nachteile zum glänzenden Erfolge beitragen. Denn was kann zu einer Frau mit herrlichem slawischen Augenschnitt besser passen als ein exotisches Prunkgewand? Bitte, Madame, schauen Sie sich einmal darauf hin an- Vielleicht haben Sie die kleine kokette Nase und zierliche Gestalt einer Rokokodame. Vielleicht besitzt ihr Gesicht den streng-adeligen Schnitt, nm von der hohen spanischen Spitzenhaube umrahmt zu werden. Traum eines sehnenden Mädchenherzens, selbst einen Abend lang ein Boy zu sein, ein Kennen Sie Skijöring? Wenn nein — warum nicht? Skijöring hinter dem Auto oder Motorrad ist etwas unbedingt Gesundes und obendrein Lustiges. Es ist gesund wegen der reinen Luft, die wir in einer tiefverschneiten Landschaft atmen dürfen und lustig zu gleichen Teilen für den, der sich vom Auto ziehen lässt und noch mehr für den Zuschauer, der besonders dann oft lachen muss, wenn es sich um einen Skijöringsäugling handelt; denn dieser fällt und rutscht, schreit oder jauchzt. Auf Brettern ist es glatt. Aber der Schnee ist ja weich Bird die Skihose reiss- und wasserdicht. Wer den Trick des Slchziehenlassens noch nicht so ganz heraus hat, der purzelt nicht wenig im Schnee herui;i. Uebrigens ist auch das Falkn auf Skiern eine Kunst, die gelernt sein will. Nach vornüber und hinten geht es schwerlich, also wähle man mit Geschick die rechts ode: die linke Seite, je nach der politisclien Einstellung. Wie, Sie verstehen nichts vom Skilaufen? Sie können deshalb nicht «skijören» hinter dem Auto ? Wenn Sie nichts von dieser reizvollen Sportart verstehen, so müssen Sie sich einige Kenntnisse aneignen. Zum Skijöring hinter dem Auto gebrauchen wir allerlei. Zunächst ein Auto und jemand, der es lenkt. Dann ein© lange, dicke Wäscheleine, ein bissei Energie und die Bretter eben jene Bretter, die im Winter die Welt bedeuten. Nun einiges über die Skiausrüstung. Das wichtigste sind die Stiefel; feste, wasserdichte Stiefel mit derber, durchgehender Sohle und gekehltem Absatz. Dieser Absatz hat den Zweck, den Hinterriemen der Bindung zu halten; wäre er glattverlaufend wie am gewöhnlichen Strassenschuh, so würde der Bindungsriemen abrutschen und wir hätten noch weniger Halt auf unseren Schneeschuhen. Will man Bergstiefel oder gewöhnliche» schwere Autoschuhe verwenden, so kaufe man sich in einem Sportgeschäft einen Absatzsporn, der die Kehlung ersetzt; er kostet ein paar Rappen. ärmellose Bluse mitfassend. Und dann die geheimnisvollen Apachinnen und verlockenden Revuegirls (Beine!). Wer geschickt mit farbigem Bast umzugehen versteht, kann sich in ein Hawaigirl verwandeln — ein Bastgewebe mit Ornamenten, sich dem Körper anschmiegend, an den Hüften leicht gebauscht, in langen Fransen über den braunen Beinen ausrieselnd, Bastringe und Korallen um Ann- und Fussgelenke — o unerschöpfliche Möglichkeiten! Moden aller Zeiten, Trachten aller »Bräuche und Rassen, Gewänder aller Träume! Lassen wir unsern Geschmack und unsere Phantasie Triumphe feiern — Selbsterfinden und Schaffen verhelfen zum unerwarteten Erfolg! Maskenball, Konfetti, Kater — tolle, herrliche Zeit! H.S. Auto-Sk ijdring. Was wurde da eben von Bindung gesprochen? Was ist denn das nun wieder? Sehr, einfach: sie fesselt unseren Schuh resp. Fuss an den Ski, und zwar mit Hilfe von eisernen Backen und Lederzeug. Es gibt Dutzende von verschiedenen Bindungen — wir werden gut tun, die einfache, zweckmässige Huitfeld - Bindung zu wählen, die ganz genau nach dem Schuhumriss montiert werden muss. Ist die Bindung schlecht angepasst, so wackelt der Schuh beim Bewegen von rechts nach links und das darf er nicht. Wir werden jedenfalls so nie richtig laufen lernen. Jetzt kommt der Schneeschuh, «dera Lattn«, wie der Bayer sagt. Seine Länge richtet sich nach der Grosse und Schwere des Läufers. Man muss die Spitze des Schneeschuhes mit hocherhobener Hand — ohne sich auszustrecken — greifen können, dann ist die Länge richtig. Es gibt naturlackierte und mit Teer imprägnierte Hölzer; die letzteren sind mehr zu empfehlen. Es ist natürlich schön und gut, wenn man einen sportgerechten blauen Anzug aus Gabardine oder Skitrikot besitzt. Vor allen Dingen muss er weit gearbeitet sein und .weitest© Bewegungsfreiheit gestatten; die Hosen sollten ebenfalls weit und lang, mit einem Ueberfall am Knöchel, sein. Alle Vorteile vereint ein Anzug nach Norwegerart. Ist mau nicht Besitzer eines Skianzuges, so wird es ein© normale Sportaufmachung, wi