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E_1929_Zeitung_Nr.043

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12 AUTOMOBIL-REVUE

12 AUTOMOBIL-REVUE 1929 — N" 43 Schweizer Automobil-Tourismus Das Automobil ist das denkbar schönste Mittel, der Natur naher zu kommen. Die Freude an der Ueberwindung von Zeit und Raum darf den Fahrer nicht zum Sklaven seiner Maschine machen. Der Rekord genossener Landschaf fs - Schönheit in wohlvorbereiteten Touren durch die Gefilde unseres Landes, zu den klassischen Städten seiner Geschichte, zu den weltberühmt ten Sehenswürdigkeiten seiner Täler und Höhen, bringt Erlebnisse, die auch in der Erinnerung über das, was man an Fremdem sah, was man an Unbekanntem wissen wollte, noch nachwirken. Der Freuden schönste aber ist die Vorfreude, die Erwartung der kommenden Reisegenüsse, die beim Entwerfen des Reise-Programmes entsteht. Ohne ein bestimmtes Programm tritt woh niemand eine grössere Äutomobilreise an, man will sich jederzeit orientieren können, was links und rechts am Wege ist. Schon seit 25 Jahren besteht in der Schweiz in O. R.Wagners Führer für Automobilfahrer ein klassisches Reisehandbuch für Automobilfahrten, das in seinen Strecken- und Ortsbeschreibungen sowohl Anregung als Unterlage für die Fahrtzusammenstellung gibt, in einer buchförmig gefalzten Landkarte mit genauer Strassenangabe und Gehstundenbezeichnung, mit Stadtplänen und Nebenkarten zudem jede Orientierungsmöglichkeit während der Fahrt bietet. 70,000 Exemplare dieses Baedekers für Automobilfahrten wurden seit seinem Bestehen, seit einem Yierteljahrhundert, im Inund Ausland abgesetzt Die letztes Jahr gedruckte Jubiläumsausgabe, die unter dem Titel GH Touring erschien und deren Gültigkeit bis zur Fahrsaison 1930 festgesetzt war, wurde in rascher Folge ausverkauft, so dass wir einen Neudruck vornehmen mussten, dem alle druck- und verlagstechnischen Erfahrungen zugute kamen. Dieses Jahr, wo so viele Tourenwünsche wegen bisher schlechter Witterung zurückgestellt werden mussten, ist neuerdings mit einem grossen Bestellungsandrang zu rechnen. Man beeile sich deshalb mit seiner Bestellung, um nicht neuerdings zu spät zu kommen, ein weiterer Nachdruck ist ausgeschlossen. Das Werk ist sofort lieferbar. Preis in elegantem Rot-Leinen- Einband nur Fr. 12.—. stellt die Erfahrungen eines Vierteljahrhunderts des Verfassers im Dienste der Autotouristik dar. Bin derartiges Werk benötigt auch der sonst Geographiekundige, es verbindet Ortskenntnis und Autotourismus zu Jener höheren Einheit, die unbehinderte Fahrten sichert. ist mit den neuzeitlichsten graphischen Hilfsmitteln im Karten- wie im Textteil nach ausschliesslich autotouristisch. Grundsätzen erstellt worden. Ele- . gante Ausstattung vereinigt sich mit handlichem Format und gediegener Arbeit. erleichtert das Nachschlagen nach bestimmten Strekken und Orten durch mehrere Uebersichtskarten und Register in sinnreichster Anordnung. Soviel Verdruss das Nachschlagen im Eisenbahn-Fahrtenplan macht, saviel Freude bereitet allein schon das N achschlagen im GH Touring. =G., AbtTouring-Verlag, BBRN Senden Sie sofort per Nachnahme Exempl. CH Touring, AutomobilfUhrer der Schweiz, zum Abonnentenpreis von Fr. 9.60, zum regulären Preis von Fr, 12.—, (Nichtzutreffendes streichen.) Preis des Buches in elegantem Rot« leinen-Einband nur Fr. 12.— Abonnenten erhalten 20 % Rabatt Sofort lieferbar in der Reihenfolge des Bestellungseinganges. $erl*g, Administration, Druck und Clichtri»; HALLWAQ A,-O, Hallerscho Bucadruckerei und Wataersch» .VerlacuocUlt, Barn-

Bern, Dienstag 14. Mai 1929 III. Blatt der „Automobi-Revue" No. 43 Im heutigen „Autler-Feierabend": Seite Frühling am Bergsee 13 Wenn man eine Panne hat 13 Feuilleton 13 Pariser-Banlieus 14 Die Seite der Frau 15 Die Modedame 15 So oder so? 16 Autlers-Kreuzworträtsel , 17 Karl Friedrich Wiegand über die Schweiz »Noch heute verbindet die ob ihrer hohen lebten, blühten die Frühlingsblumen wie gen. Item, auch sie haben keine Zeit für dieheute. Ewig, in ewig gleichem und ewig seligem Spiel am Herzen der grossen Mutter. Poesie. Die Poesie ist ihnen keine innere Notwendigkeit, kein a priori vorhandenes T Als Menschen auf diesem Berge noch nicht AÜertümlichkeit ehrwürdige Mundart in derMilieu ihrer Seele. Hütten bauten, standen schon sturmerprobte Schweiz reich und arm, Vornehme und Geringe, Stadt und Land, Gelehrte und Ungeeten, denen die Poesie nur Geschäft ist. im Tale. Es gibt doch schon so viele moderne Po- Tannen, alte, graue, und sahen den Frühling lehrte zu einer Gemeinschaft und bildet da- Allerdings: mit dem Rentabilitätsgedanken durch zähes und nachhaltiges Band für die Erhaltung der Volkssitten, zur Wahrung der nationalen Eigenart u. Abgeschlossenheit (Eugen Frühe). Dieses Wort, für die Sprache der Eidgenossenschaft gesprochen, prägt die herrliche Selbständigkeit des eigenartigsten Volkes im deutschen Sprachbezirk in der besondern Art, wie es denkt, redet und schreibt. Es,gilt also nicht nur für das gesprochene Wort, sondern auch für die Sprache der Wissenschaft, der Kunst- und Naturbetrachtung und der Kritik. So sehr man gewillt ist, in der Eidgenossenschaft den ^Kantönligeist» zu bekämpfen, meist jedoch dort, wo man auf Rechnung der Kantone für das grössere Vaterland und die Allgemeinheit sich einsetzt—so sehr muss man hervorheben, dass gerade innerhalb der Kantone jene kultwelle Eigenart gßpflegt wird, die das vorwiegend Schweizerische bedeutet, es deutlich unterscheidet von allem Nichtschweizerischen, jene Vielfältigkeit in def Einheit, die schon Gottfried Keller als Reichtum gesegnet hat, obwohl er in entscheidenden Fragen wettbürgerüch dachte. « Die Sprache ist die Scheide, in der das Messer des Geistes steckt», sagt Luther. Der geweckte Verstand und die abwägende Klugheit dieses Volkes, die sich auch in politischen und militärischen Fragen, in den Aeusserungen seiner Staatsmänner und Soldaten erwiesen, ergeben in Rede und Schrift eine gebändigte Fülle von Farbe, Korn und Schrot, eine Abneigung gegen die abgegriffene Münze, gegen das sprachlich Alltägliche, die natürlich am stärksten dort zutage treten, wo die Sprache in den Dienst der Kunst, Der Fall Cranmore Fortsetzung aus dem Hauptblatt. Er fuhr herum. Boulot kam wie ein Jagdhund hereingelaufen, den Kopf fast auf dem Boden, mit der Lampe rechts und links absuchend. Am Treppenhaus kam er zu einem plötzlichen Halt, zögerte ein© Sekunde, sprang dann die Stiege hinauf und verschwand oben. Mr. Mallow drehte den Hals, brachte ihn dann wieder in seine richtige Lage und schnüffelte hörbar. Er sagte kein Wort, aber ein Psychologe hätte aus dem Schnüffeln ein Urteil herausgehört, wie es so oft die Arbeit der Diplomaten erschwert. Manderton schwieg und füllte wieder einmal seine Pfeife. Boulot erschien wieder. Man hörte seine Schritte auf der Treppe, aber diesmal langsam und zögernd. Mit der Lampe leuchtete er sorgfältig alle Stufen ab. Am Ende der Treppe machte er halt. Frühling am Bergsee Frühling ist, wenn ich Mist fahre, sagt der Bauer nebenan. Man sieht, dass er wenig Poesie hat. Er hat keine Zeit für die Poesie. Aehnlich wie der Bauer reden die meisten Menschen. Sie reden zwar nicht vom Mist, da sie mit diesem unmittelbar wenigstens — nichts zu tun haben. Aber sie von ihren Geschäften, von ihren mordänen Unterhaltun- in der Brusttasche steht der Mensch dem Frühling sehr hilflos gegenüber. Fremd! Das ist die grösste Hilflosigkeit. Was will der Frühling bei solchen Menschen? Er weiss gar nichts mit ihnen anzufangen. Es ist gut, dass er ihretwegen nicht kommen muss, sonst bliebe er auf fernen Sternen. Je älter die Menschheit wird und je gescheiter,, desto weniger versteht sie das grosse Geheimnis des Frühlings. Habt ihr je schon eine alte Fühlingsblume gesehen? Niemals! Ringsum auf den Wiesen und an den Waldrändern blüht es. Und alles, was da blüht, ist sehr jung. Eine junge Jugend. Sp will es die Natur. Bei den Menschen aber ist die Jugend heute oft schon alt. Es.sind Bhtmen, die in den Sommer gehören und die unter dem Schnee des ersten Frühlings schon welken. Ob wohl die Jugend von heute noch dichtet, wenn der Frühling kommt? Jene Gedichte, die stille sterben, bevor der Sommer glüht. Die das an Ahnungen reiche, an Erkenntnissen arme Leben damals, als man Wehmut noch für Glück hielt und Glück noch für Wehmut, schmückten, erfüllten und zum Erleben wandelten! Es waren schlechte Gedichte, die wir einst machten. Und doch waren es herrliche Gedichte, denn in ihnen raunte das Erinnern an ein Urgefühl. Es waren Geheimnisse. Man wäre rot geworden, wenn jemand diese Gedichte vorgelesen hätte. Aber vielleicht gibt es diese Jugend heute nicht mehr. Die Menschheit altert in Sprüngen. Oft in fünfzig Jahren mehr als dann in «Pst!» rief er Manderton zu. Der Engländer gesellte sich achseäzuckend zu ihm. «Nirgends Blut,» flüsterte der Franzose, «aber es muss doch welches da sein. Bei Messerstichen gibt's immer viel Blut. Ich erinnere mich an Caserio, der den armen Präsidenten Carnot erstach — er war gebadet in Blut. Und auf dem Kleide von Madame war alles voll Blut. Wenn's hier geschehen ist... und es ist hier geschehen... dann müssen wir Spuren finden. Ah...!» Es war, als ob er in die Luft spränge, so schnell schoss er auf den äussersten linken Winkel des Korridors zu. Manderton war erstaunt über die Beweglichkeit dieser plumpen Gestalt. Boulot kniete schon auf dem Boden und Hess die Strahlen seiner Lampe über die weissen Randfliesen gleiten. Er wandte den Kopf und rief über seine Schulter Manderton zu: «Ich sagt's Ihnen ja! Da schauen Sie her!» Auf der Steineinfassuing zeigte sich ein dunkelbrauner Fleck. • lavier ywald der Kunstbetrachtung, der Anschauung und des Gefühls tritt. Der aufgebrochene Ackerboden empfängt keine Spreu, sondern ich möchte sagen: an der Höhenluft getrockneten Samen, der aufbricht in der Farbe der Jurawiese, in dem Duft der Alpenweiden, in den knorrigen Hochgebirgswäldern. Die Landschaft hat dieses Volk und seine Sprache geboren und in den Tälern, abgeschlossen von der grossen Welt, herrlich bewahrt. Von Franz Carl Endres fünfhundert. Daran denke ich am Ufer des Bergsees. Der Frühling in der Natur ist heute wie vor hunderttausend Jahren. Schüchtern zuerst und geheimnisvoll. Im Ahnen sommerlichen Werdens ein göttliches Kind ! Als Menschen an diesem See noch nicht Im ewigen Wiederkommen liegt das Geheimnis. Und der Frühling ist sein Bote. Zwei Kinder sitzen'am Ufer des Sees auf einem alten, an das Land gezogenen Fischerkahn. Und spielen mit Blumen. Das Mädchen windet einen Kranz aus Kätzchen der Haselnuss und setzt ihn auf den Lockenkopf des Buben. Es ist ein ganz ernstes Spiel. Und die beiden Kinder sind heilig, denn sie wissen nicht, dass sie im Spiele das Geheimnis des Lebens offenbaren. Und der Frühling liegt hinter dem Hag, schaut ihnen zu und lacht. Ich weiss es, denn ich habe ihn liegen gesehen und lachen gehört. Er hebt den Arm und eine Lawine saust donnernd von den Höhen in das Tal. Er blickt auf die Almwiesen und vor der Wärme seines Augenstrahls flieht schmelzend die eisige Decke des Winters. Warum ist das tausendmal Wiederkeh- -tende, tausendmal-Erzählte, tausendmal Bei' obächtete immer wieder hinreissend? Warum ist wieder die Sehnsucht auch in alten Herzen, wenn der Frühling kommt? Ich glaube, die Gelehrten haben dafür fürchterliche Erklärungen. Und sie werden weiter erklären und zergliedern und sezieren, bis endlich die Sehnsucht tot ist. Aber auch dann wird der Frühling lachen. Was kümmert es ihn, wenn die Menschen zu gescheit geworden sind? Ihn, der seit Millionen von Jahren jung ist und in Ewigkeiten jung sein wird? Er liegt hinter dem Hag und freut sich der Kinder, die ihm ähnlich sind, und er lacht und lacht. «Da ist kein Irrtum möglich!» wisperte der Franzose eifrig. «Wie oft hab ich's früher auf dem Kopfsteinpiaster von La Roquette gesehen, wenn das Beil gefallen war. Deiblers Leute haben's nie wieder ganz wegwaschen können . . . Tiens regardez!» Mit der Lampe folgte er dem Fleck zum Rande des Fliesenmusters, wo er in eine dunkle Flüssigkeit überging, die auf den hier roten Fliesen kaum zu erkennen war. Er tauchte die Hand in die Flüssigkeit und hielt sie unter die Lampe. Von den Fingern träufelte es rot. Manderton sprang auf die Ateliertür zu. «Können Sie's aufbringen, Mallow?» rief er, «sonst muss einer von euch im Auto zu der Station und den Schlosser holen . . .» «Ich glaub, 's wird schon gehen,» krächzte der Strohhut. «Knips mal das Deckenlicht an, Smith!» Ein paar Minuten arbeitete der «Strohhut» mit einem Stück Kupferdraht am Schloss herum. Dann gab's einen leisen Schnapplaut und die Tür flog auf. (Fortsetzung folgt.) Der Frühlingsausflug nach Blühet in vollster Pracht Wenn man eine Panne hat Von Tristan Bernard. Der Wagen, der sich genau in der Mitte der Strasse hält, macht plötzlich langsam halt und neigt sich ein wenig zur Seite. «Ich glaube, wir haben eine Panne», meint der Chauffeur ganz friedlich. Das Wetter ist schön und milde. Man fühlt nach langen Stunden das unabweisliche Bedürfnis, ein« Zigarette zu rauchen, was wegen der mitreisenden Damen bisher unmöglich war. Eine Panne bei schönem Wetter ist, vorausgesetzt, dass man es nicht eilig hat, plaudert Tristan Bernard in einer Wiener Zeitung! über seine automobilistischen Erlebnisse, etwas sehr Schönes. Denn nur durch solch« Pannen lernt man die Landschaft einigermassen kennen. Der Chauffeur ist natürlich nicht dieser Meinung, da er auf dem Rücken liegend recht komplizierte Reparaturen durchzuführen hat. Oft findet der erzwungene Aufenthalt auch in der Nähe eines Wirtshauses statt, wo man darauf warten! kann, dass der Chauffeur sich nach getaner Arbeit mit uns bei einem Bier vereint. Das sind die friedlichen Freuden der Autofahrten. Eine Panne allerdings ist mir unangenehm im Gedächtnis geblieben. Es war eine Alpentour. Wir keuchten den Mont Cenis hinauf, nachdem wir Modane und Lanslebourg hinter uns gebracht hatten. Der Frühling war zwar schon angerückt, aber im Tal war er noch wenig, in den Bergen gar nicht zu spüren. Die Strasse war ziemlich schlüpfrig und die Sonne zu faul, um Strahlen auszusenden; so war die Strasse bald fast vollständig in Nacht getaucht und der Herrschaft dieser dunklen Macht überlassen. Mai Die Felder werden grün und farbensatt, Es lockt die Menschen aus der Stadt. In vielen fängt zu tiefst es jetzt zu [glühen an... Und andre macht der Frühling schwach [und matt, Und ihre Sinne dumpf und schwer. Bei all dem geh ich nebenher Und wandere durch Stadt und Land Und freue mich am blauen Band, Das jetzt der Frühling flattern lässt. Und doch ergreift auch mich das Blühen Beim Wandern durch die grünen Auen: Ich spüre es als weiches Ziehen — Nach fremden Ländern, Menschen — —* Und nach fremden Frauen. Ko. u»'»-wi«-» wi Ein Auto-Koffer hilft mit, eine Reise in Ihrem Wagen angenehm zu gestalten. MODELLE AM LAGER. SPEZIALANFERTIGUNGEN. ALFRED JCHMII) FGIN6 LEDERWAREN«. RBSEitNlMb- ST.GAL1EN SPEISERGASSE -H