Aufrufe
vor 10 Monaten

E_1929_Zeitung_Nr.088

E_1929_Zeitung_Nr.088

Die Zürcher

Die Zürcher Strassenverkehrsunfälle 1926—28. Als Strassenverkehrsunfall betrachtet das Zürcher Statistische Amt: « alle Ereignisse auf öffentlichen Strassen und Plätzen, welche zufolge der Verkehrsabwicklung zu Personenoder Sachschaden führen. Unfälle, welche sich auf Strassengebiet zufolge anderer Ursachen ereignen, z. B. Sturz von Betrunkenen, Epileptikern usw., gelten nicht als Verkehrsunfälle. » Die Strassenverkehrsunfäll' sind eine unvermeidliche Begleiterscheinung des heutigen Verkehrs. Je intensiver sich dieser gestaltet, um so grösser werden auch die mit ihm verbundenen Gefahren. Die Unfallzahlen sind natürlich direkt abhängig von der Verkehrsintensität, deshalb darf man, wenn man die höheren Unfallzahlen Zürichs in den beiden letzten Jahren betrachtet, nicht ausser Acht lassen, dass der Verkehr sowohl au den Strassenbahnen, wie der Autobusverkehr und der Verkehr von Personenautomobilen stark angewachsen sind. So beförderte die städtische Strassenbahn 1926 60 351000 Fahrgäste, während es 1928 schon 71472000 Fahrgäste waren. Noch stärker ist die Zahl der mit Omnibussen beförderten Personen gestiegen. 1926: kein Betrieb, 1927: 450000 Fahrgäste, 1928: 1232000 Fahrgäste. Ebenso ist ein starkes Ansteigen der im Betriebe stehenden Automobile und Motorräder zu konstatieren. 1926 waren es 3617 Autos und 1070 Motorräder, 1928: 5264 Autos und 1739 Motorräder. Die Zahl der Motorfahrzeuge und Fahrräder ist in beständigem Wachsen begriffen. Dagegen verschwindet die Pferdedroschke völlig aus dem Stadtbild. In den drei Jahren 1926—1928 wurden in der Stadt Zürich insgesamt 7186 Strassenverkehrsunfälle gemeldet; davon waren 4584 oder nicht ganz zwei Drittel nur mit Sachschaden, 2602 nur mit Personen Verletzungen. Die Art der Verletzungen war folgende: Verletzte Personen Zusammen leicht schwer tot 1926 411 359 24 794 1927 468 423 25 916 1928 594 529 27 1150 Man ersieht aus dieser Tabelle, dass die Zahl der verunfallten Personen gleichmässig angestiegen ist, und zwar in allen drei Kategorien. Der Unfallort. Der Hauptverkehr Zürichs drängt sich zusammen im Zentrum, ferner auf den wichtigsten Geschäfts- und Durchgangsstrassen. Die Untersuchungen des statistischen Amtes ergaben, dass der Kreis I (City) am meisten Unfälle aufweist, und zwar 264 Unfälle mit Personenverletzungen und 709 Unfälle nur mit Sachschaden im Jahre 1928. An zweiter Stelle kommt der Kreis 4 mit 157 resp. 269 Unfällen. Nach der Unfallkarte umfassen das Stadtzentrum und die Gegend jenseits der SihL Badener-, Lang-, Stauffacherstrasse die meisten Unfälle. Die Unfallzelt. Nach den einzelnen Monaten ist der Juli der Unfall reichste. Es passierten im Durchschnitt der drei Jahre 1926—1928 in diesem Monat 739 Unfälle, während der unfallärmste Monat Januar nur ungefähr halb so viel, nämlich 362 Unfälle aufweist. Die Minimalwerte der Zahl der Unfälle wie der Verletzten und der Schadensbeträge findet man stets im Januar und Februar. Als spezifisch saisonartige Unfallursachen sind zu nennen: Nebel, nasse, vereiste oder durch abgefallenes Laub glitschig gemachte Fahrbahn. Dieser Einfluss zeigt sich besonders bei den Srrassenbahnnnfällen. Die extreme Kälte der Monate Januar bis März 1929 hatte die Folge, dass die Zahl der Unfälle gegenüber dem Vorjahr von 594 auf 470 zurückging. Drei graphische Tabellen zeigen die Aenderung der Unfallkurve nach Monaten, Wochentagen und Tagesstunden. Von den Tagen der Woche ist der Freitag als schwarzer Tag zu nennen. Die Unfallkurve steigt für diesen Tag bedeutend. Es passierten im Jahre 1928 an diesem Tag 540 Unfälle, während z. B. der Sonntag, der am wenigsten Unfälle aufweist, zur gleichen Zeit 216 Unfälle zu verzeichnen hat Im allgemeinen ist vom Montag bis Freitag ein langsames Ansteigen der Unfallkurve zu bemerken. Die dritte Tabelle, welche sich mit den Unfällen nach Tagesstunden befasst, zeigt uns, dass zwei Stunden im Tage besonders viele Unfälle aufweisen. Es sind die Spitzenzeiten 12—13 Uhr und 18—19 Uhr. Während im Mittel pro Tageshalbstunde jährlich 50 Unfälle passieren, sind es zur Zeit des Stossverkehrs von 12 Uhr bis 12.30 Uhr 169 und von 18 Uhr bis 1830 Uhr 145. Das Diagramm zeigt hier deutlich, dass die meisten Unfälle zwischen 10 Uhr vormittags und 19 Uhr abends sich ereignen. Die übrigen Stunden weisen sehr wenig Unfälle auf. Die Unfalltoten. Von den 7186 Strassenverkehrsunfällen, die in den Jahren 1926 bis 1928 rapportiert wurden, führten 2602 Personenverletzungen, 4584 lediglich Sachschaden herbei. Hier ist ein Vergleich mit andern Städten interessant. In Zürich entfielen auf Unfälle mit Personen- Schon beim Schlussbankett der I. Internationalen Automobilwoche in St. Moritz ist von offizieller Seite aus erklärt worden, dass für das Jahr 1930 die Austragung einer schweizerischen Alpenfahrt geplant sei, welche die grossen Automobilveranstaltungen unseres Landes, das Klausenrennen und die Engadiner Autowoche, miteinander verbinden würde. Es ergäbe sich so ein grosses schweizerisches « Automobilevent», das berufen sein sollte, auf die Auslandsfahrer von Ruf und Klasse eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Es ist denn auch bereits vorgesehen, diese schweizerische Alpenfahrt 1930 im internationalen Automobilkalender einzuschreiben: Auf den ersten Blick mag ja dieses Projekt viel Bestechendes haben; man wird eine Belebung des Klausenrennens und des Berninarennens davon ableiten wollen; schaut man aber die Sache näher an, so sind gewisse ernsthafte Bedenken nicht von der Hand zu weisen. Sie verdienen wohl eingehender, genauer Abklärung, bevor man sich in einen Versuch einlässt, der leicht das Gegenteil der gehegten Erwartungen zur Folge haben könnte. Nachdem bereits verschiedene nationale Automobil-Clubs ihre Kalender für das kommende Jahr provisorisch aufgestellt haben, lässt sich heute schon ersehen, dass auch im Jahre 1930 kein Mangel an internationalen und nationalen offenen automobilsportlichen Veranstaltungen herrschen wird. Man braucht nur den imponierenden italienischen Sportkalender des nächsten Jahres zu studieren, in dem nicht nur die Zahl der Veranstaltungen erhöht, sondern jede einzelne Konkurrenz mit namhaften Geldpreisen ausgestattet worden ist, um die Fahrer anzuziehen. Kommt nun aber die schweizerische Alpenfahrt 1930 wirklich zustande, so ergibt sich mit den Trainingstagen des Klausenrennens (5 7. August), dem letzteren selbst, der Alpenfahrt und der St. Moritzer Autowoche eine Monstre-Veranstaltung, die vom 5. bis' 24. August, d. h. während vollen 20 Tagen j dauern würde. Das aber ist zuviel, denn man • darf sich wohl keine Illusionen machen, dass die Auslandsfahrer ganze drei Wochen in der Schweiz bleiben, wo< die Unterkunftskosten keine so geringen sind. Die Folge davon wird sein, dass. die Fahrer nicht wie dieses Jahr Klaüsenrennen und St; Moritzer Woche i bestreiten, sondern eben nur die eine oder andere Veranstaltung. Und das wäre schade, denn gerade die hohe internationale Beschickung war es ja, welche Klausen- und! Berninarennen 1929 zu so hohem Erfolg und Ansehen verholfen hat. Es ist auch anzunehmen, dass in die Zeit vom 5. bis 24. August in den benachbarten Auslandstaaten andere wichtige Autorennen abgehalten werden, an denen der eine oder andere der Auslandsfahrer teilnehmen wird, da sie auf so lange Zeit ihren eigenen nationalen Veranstaltungen kaum fernzubleiben gewillt sind. Schon aus diesem Grunde ist die Abhaltung einer so lang ausgedehnten Sportveranstaltung nicht ratsam. Verletzungen im Durchschnitt der letzten drei Jahre 36,2 % aller Unfälle, in Basel 46,7 %, in Bern 52,5 % und in St. Gallen 43,8 %. Danach nimmt Zürich mit ihrem kleinen Anteil an Personenverletzungen eine Sonderstellung ein. Wahrscheinlich sind aber diese Unterschiede teilweise auch auf verschiedene Art der statistischen Erfassung zurückzuführen. Zwei Drittel der Verletzten bei den Unfällen mit Personenverletzungen waren Männer, etwas über 20 % Frauen und nur 11 % Kinder unter 15 Jahren. Nach der Verkehrsstellung, ob Fussgänger, Führer oder Mitfahrer, gliedern sich die Verletzten folgendermassen : Unvorsichtiges Fahren oder Stationieren . . . Nioht Vortritt lassen Unvorsichtige Fussgänger, Spielen auf Fahrbahn Unrichtiges, unvorsichtiges Vorfahren . . . . Schlendern, Gleiten auf glitschiger Fahrbahn . Zu schnelles Fahren Unrichtiges und unvorsichtiges Einbiegen . . Unterlassung des Warnungszeichens . . • . Fahren auf falscher Strassenseite . . . . . AUTOMOBIL-REVUE, 1029 — N° Brauchen wir eine schweizerische Alpenfahrt? Ein ernster Mahnruf. Wozu noch kommt, dass nun zwei Jahre hintereinander solche Alpenfahrten, d. h. eigentlich «Alpenrennen» abgehalten worden sind, so dass es kein Schaden wäre, wenn nun eine Alpenfahrt, auch wenn sie nur in verkleinertem Rahmen über schweizerische; Gebiet geht, einmal ein Jahr ausfallen würde Wobei noch zu überlegen wäre, ob die Automobil-Clubs von Oesterreich, Deutschland und Italien es nicht als einen Affront betrachten würden, wenn nun die Schweiz der internationalen Alpenfahrt plötzlich Valet sagt und eine eigene schweizerische Alpenfahrt durchführt. Die Organisatoren des kommenden Klausenrennens und der St. Moritzer Autowoche werden es sich wohl reiflich überlegen müssen, ob ihnen mit einer solchen schweizerischen Alpenfahrt wirklich ein Nutzen oder nicht vielmehr ein Schaden erwächst. Soweit wir orientiert sind, ist man in den Kreisen der organisierenden Sektionen des Klausenrennens einer schweizerischen Aipenfahrt 1930 wenig gewogen und würde deren Nichtausführung wohl nur begrüssen. Und auch für das St. Moritzer Meeting, das ja sowieso eine Sternfahrt in sich schliesst, kann man sich kaum besonderen Nutzen aus einer vorhergehenden Alpenfahrt erhoffen. Es scheint auch nicht glücklich gehandelt, dass man vom diesjährigen Modus, die St. Moritzer Woche sofort an das Klausenrennen anzuschliessen, abgehen und eine Woche Karenzzeit zwischen beide Veranstaltungen legen will. Es wird dies zur Folge haben, dass verschiedene Auslandsfahrer nach dem Klausen heimkehren oder am Klausen nicht mitmachen und nur das Berninarennen bestreiten. Eine Vorrückung des Datums der St. Moritzer Autowoche um acht Tage wäre auch aus dem Grunde gegeben, als am 23. August der Grosse Preis von England auf der Rundstrecke von Ulster stattfindet, welcher bekanntlich dieses Jahr eine Rekordbeteiligung, speziell auch von Fahrern des Kontinents, aufzuweisen hatte, was den Veranstaltern des Berninarennens (24. August) sicherlich nicht gleichgültig sein kann (siehe NichtStart von Caracciola und Merz am diesjährigen Klausenrennen wegen Teilnahme am englischen Grand Prix). Es wäre sehr zu bedauern, wenn man durch das Experiment-eine-r schweizerischen Alpenfährt, von der man sich, wie die Erfahrungen der letzten Jahre deutlich zeigten, keine zu grossen Hoffnungen machen darf und die zudem ein sehr kostspieliges Unternehmen bedeutet, den Erfolg des Klausenrennens und der St. Moritzer Automobilwoche in Frage stellen würde. Es möge dieser Mahnruf vielleicht zur Folge haben, dass man sich die ganze Frage an kompetenter Stelle nochmals reiflich überlegt und auch den in Betracht kommenden Organisatoren der St. Moritzer Autowoche und des Klausenrennens, den Sektionen Graubünden, Zürich, Glarus und Uri des A. C. S. nochmals Gelegenheit gibt, sich zu dieser für die Beschickung der einzelnen Veranstaltungen hochwichtigen Frage zu äussern. S. Prozentuale Gliederung nach der Verkehr&stellung leicht schwer- töllich zuverletzt fiammen Fussgänger 37,1 40,1 42,1 38,6 Führer 50,2 49,4 43,4 49,7 Mitfahrer 12,7 10,5 14,5 11,7 Zusammen 100,0 100,0 100,0 100.0 Von den 1104 verletzten russgängern kamen 51 zu Schaden ohne Mitbeteiligung, bei 300 kam der Unfall zustande durch Kollision oder Ueberfahrenwerden durch Personenautos, bei 395 durch Radfahrer, bei 107 durch die Strassenbahn, bei 102 durch Motorräder. Rund vier Fünftel aller Unfälle verursach- Unfälle nach Ursachen 1926 bis 1928. Unfallursachen Unsicherheit, Verwirrung des Fahrera . . . . Mangelhafte Bremsung, Defekt Soheuwerden, Durchbrennen von Pferden Regen, Schnee, Nebel, Wind . . Schlechte Uebersicht der Unfallokalität . . . Nichtbeachten von Zeiohen, Missverständnis Vorbeifahren an haltender Strassenbahn . . . In Tramrille geraten Auf-, Absteigen bei fahrender Strassenbahn Betrunkenheit . Momentane Unübersichtlichkeit Zufall Fahren mit blendendem Licht Gebrechlichkeit Verschiedene, anbekannte Ursachen . . . . Zusammen 467 166 215 163 166 102 87 101 60 39 46 18 24 31 15 18 31 15 21 Unfälle Überhaupt 1926 1927 1928 1926-8 676 1080 243 335 218 247 171 189 170 132 165 193 123 88 73 65 67 67 42 58 43 30 21 37 29 14 26 25 19 21 12 13 23 18 154 2223 744 680 513 468 460 298 250 219 194 139 119 76 76 67 66 16 8 56 52 24 23 18 307 Mit Verletzung 467 184 614 133 116 257 102 101 86 46 30 30 17 17 51 3985 13 16 115 Nur Sachschaden 1756 560 66 380 352 203 196 149 142 108 93 89 46 59 50 32 145 19 10 2 192 r\e 113 1965 2362 2859 7186 2602 4584 ten Sachschaden. Die Schadensamme ist von Jahr zu Jahr erheblich gestiegen. Die Unfallursachen. Für den im Verkehrsleben stehenden Automobilisten ist die Tabelle der Unfallursachen von besonderer Wichtigkeit Aber gerade hier ist es oft sehr schwer, objektiv das Verschulden festzustellen. Es wäre von grossem Wert« wenn es gelingen würde, dass in allen Städten ein einheitliches Ursachenschema verwendet würde, dem die Verkehrsvorschriften zugrunde liegen müssten. Der Bearbeiter der Zürcher Statistik hat sich die Mühe gegeben, 7200 Polizeirapportö durchzugehen und darnach eine Tabelle der Unfallursachen zusammenzustellen. Man erkennt ohne weiteres, welch gering«! Bedeutung die von aussen kommenden Unfallursachen, wie Witterung, schlechte Fahrbahn etc. haben gegenüber den am Führer der Fahrzeuge oder an Fussgängern liegenden Unfallursachen: Unvorsichtigkeit, zu schnelles Fahren, Unterlassung des Warnungszeichens etc. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass durch geeignete Erziehung der Fahrzeuglenker und Fussgänger noch viele Unfälle verhütet werden können. Der Zürcher Statistiker schliesst seine Ausführungen in den Zürcher Statistischen Nachrichten, 1. Heft 1929, mit dem Satz: c Dia Konstanz, mit der gleichartige oder doch ähnliche Ereignisse sich wiederholen, gibt auch die Gewähr, dass eine Besserung möglich ist, wenn es gelingt, den dauernd wich* tigsten Ursachen wirksam zu steuern: Rücksichtslosigkeit und Unvorsichtigkeit mancher: Strassenbenützer.» Gr. Fussgänger rechts oder Fussgänger links? Zu dieser Frage äussert sich ein weiterer Einsender wie folgt: Mit der grossen Zunahme des Verkehrs und hauptsächlich des Automobils hat die Sicherheit des Fussgängers eine so grosse Wichtigkeit erreicht, dass dieselbe in den grossen europäischen Städten — lassen wir die weitentfernten von Nordamerika beiseite — von hervorragenden Technikern gründlich studiert wird. Wenn es sich um Städte handelt, die über breite Strassen und genügend breite Bürgersteige verfügen, so ist in solchen Fällen die Schuldfrage leichter festzustellen; wenn es sich aber um andere Strassen, speziell Landstrassen, handelt, wo keine Bürgersteige vorhanden sind, ist die Feststellung der Schuldfrage viel schwieriger. Die Strasse hat somit sowohl für den Fuhrwerk- als auch für den Fussgängerverkehr zu dienen, und solange für die Automobile und für die Fussgänger nicht getrennte Strassen oder Wege erbaut werden können, kann für die Sicherheit des menschlichen Lebens nur mit polizeilicher Regelung des Strassenverkehrs etwas unternommen werden. Die einfache Ueberlegung gibt auch die einfachste und selbstverständlichste Regel des Strassenverkehrs: Die Fussgänger sollen auf der den Vehikeln entgegengesetzten Seite gehen, so dass, wenn das Fahrzeug, wie es in den meisten Städten üblich ist, auf der rechten Seite fährt, sie die linke Seite benutzen müssen. Eine Erklärung zu dieser selbstverständlichen Regel des Verkehrs ist überflüssig. Wenn der Mensch nicht vorwärts schaut und seinen natürlichen Gang geht, d. h. nicht immer vorwärts schauen kann und sehen was da kommt, so setzt er sich durch das Rückwärtsschauen auf der Strasse grossen Gefahren aus. Wenn somit der Fussgänger sich auf der den Fahrzeugen entgegengesetzten Strassenseite bewegt, so sieht er unfehlbar und innert nützlicher Frist das Vehikel, das sich nähert und kann er dasselbe immer und leicht meiden. Anders ist es, wenn die Fahrzeuge hinter seinem Rücken fahren; er kann dieselben nicht beobachten, ohne sich umzudrehen und sich damit weiteren Gefahren auszusetzen. In den meisten grossen Städten wird daher der Fussgänger verpflichtet, auf der linken Seite zu marschieren, aber auch dort, wo dies nicht obligatorisch ist, verspürt der Fussgänger die Notwendigkeit, auf der den Vehikeln entgegengesetzten Seite zu marschieren, um so sicherer zu sein vor eventuellen Gefahren. Wenn der Fussgänger in den Städten die Notwendigkeit verspürt, auf der linken Strassenseite zu gehen und damit unsere Auffasung in der Praxis durchführt, so kann man diese Regel ohne Zweifel auch auf alle übri- ;en Strassen anwenden, handle es sich um Bergstrassen, die die höchsten Gipfel unserer Berge überqueren, oder um die breiten Landstrassen, die durch unsere grünen Ebenen ziehen. Wenn der Fussgänger von der Stadt oder vom Lande besser erzogen ist, werden viele Strassenunfälle, die durch Schuld des Fussängers selbst verursacht worden sind, vermieden und der Strassenverkehr, der heute stärker ist als ie. wird bedeutend erleichtert

jyogß _ 192» Verkehr Das Warnen vor Autofallen. Sie bestehen in Helveticas Qauen nur noch allzu zahlreich. Die Obrigkeit verlangt vom Bürger, dass «r seinen lieben Mitmenschen vor diesen Fallen nicht warne! Nicht wahr, Fallen sind doch dazu da, um den anderen hereinzulegen und Geld zu machen? Dies wenigstens die obrigkeitlich« Auffassung helvetischer Behörden. In letzter Zeit wurden nun auch in Deutschland oft Fälle bekannt, in denen Automobilisten ihre autofahrenden Nebenmenschen auf drohende Autofallen hingewiesen und dadurch verhindert haben, dass die rechtzeitig Gewarnten der mit gezücktem Bleistift lauernden Polizei ins Garn gingen. Mit der strafrechtlichen Beurteilung dieses durchaus sympathischen Verhaltens hatte sich jüngst das Oberlandesgericht Dresden in einer soeben veröffentlichten Entscheidung vom 14. Mai 1929 zu befassen. Am Eingang eines Dorfes hatte sich nämfich jemand mit einem Schild aufgestellt, auf dem mit Buntstift in grossen Buchstaben