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E_1929_Zeitung_Nr.092

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Haftung eines

Haftung eines Gasthofbesitzers für eingestellte Automobile Die Haftung der Gast- und Stallwirte ist in Art. 487 bis 491 des Obligationenrechtes grundlegend geordnet. Voraussetzung für die Haftung des Gastwirtes ist die gewerbsmässige Gewährung von Unterkunft gegen Vergütung. Ein blosses Vermieten von Zimmern ohne Halten eines offenen Lokales, sowie die blosse Verabreichung von Speisen und Getränken fällt nicht unter den Begriff der Gastwirtschaft im Sinne des Gesetzes. Der Restaurateur, der bloss Speisen verabfolgt, ist nicht Gastwirt, ebensowenig der Halter einer Fremden- oder Familienpension, wo auf die Eigenschaften des Aufzunehmenden abgestellt wird und die Aufnahme auf Grund besonderer Mietvereinbarungen stattfindet. Massgebend für die Frage, ob eine Gastwirtschaft im Sinne des Gesetzes vorliegt, ist das Vorhandensein einer physischen oder juristischen Person, welche auf eigene Rechnung und Namen ein offenes, d. h. allgemein benutzbares oder doch wenigstens den Angehörigen bestimmter Gesellschaftsklassen oder Nationen allgemein zugängliches Lokal hält, um Fremde, sei es mit, sei es ohne Verpflegung, gewerbsmässig zu beherbergen, wo also Fremde jederzeit Unterkunft finden, insbesondere auch für die Nacht bleiben können. Als « Gast» im Sinne des Gesetzes fallen z. B. somit nicht in Betracht ein Musikant, der bei einer Hochzeit zum Tanz aufspielt, ein einquartierter Soldat, oder ein zu Besuch beim Gastwirt weilender Verwandter. Wo die vorerwähnten Voraussetzungen vorliegen, finden die besonderen, für Gastwirte gesetzlich vorgesehenen Haftpflichtbestimmungen Anwendung. Wie für den Gastwirt, sieht das Gesetz auch besondere Haftpflichtbestimmungen für den Stallwirt vor. Stallwirt ist, wer gewerbsmässig Beförderungsmittel, wie Pferde, Wagen, Autos, Motorräder und Sidecars etc., sowie die dazu gehörigen Ausrüstungsgegenstände, Reisedekken etc. Reisender zur Einstellung entgegennimmt. Ob der Gastwirt für die Unterkunft dieser Gegenstände eine besondere Vergütung verlangt, oder eine Anrechnung bei der Verabfolgung des Futters, Brennstoffes etc. vornimmt, oder doch wenigstens eine Gratiseinstellung nur in bezug auf die in der zugehörigen Gastwirtschaft einkehrenden Fuhr-, leute, Chauffeure etc. eintreten lässt, ist gleichgültig, wenn nur auf irgend eine Weise mit der Aufnahme ein Gewinn erzielt wird. Gastwirte und StallwiTte haften nun für jede Beschädigung, Vernichtung oder Entwendung der bei ihnen eingebrachten, resp. eingestellten Sachen, sofern sie nicht beweisen, dass der Schaden durch den Einbringenden selbst oder seine Besucher, Begleiter oder Dienstleute oder durch höhere Gewalt oder durch die Beschaffenheit der Sache verursacht worden ist. Diese Haftung besteht jedoch, wenn dem Gast- resp. Stallwirt oder seinen Dienstleuten kein Verschulden zur Last fällt, für die übernommenen Sachen eines jeden Einbringenden nur bis zum Betrage von 1000 Fr. Die Haftung erfordert kein Verschulden, sondern es ist eine durch einen genau umschriebenen Entlastungsbeweis gemilderte Verursachungshaftung. Der Gastoder Stallwirt haftet, sofern er nicht beweist, dass der Schaden nicht durch den Einbringenden selbst oder seine Besucher, Begleiter etc. verursacht wurde. Gelingt dem Gastoder Stallwirt dieser Entlastungsbeweis, d.h. trifft ihn kein Verschulden, haftet er bloss bis zu einem Betrage von 1000 Fr. Trifft ihn oder seine Angestellten aber ein Verschulden, dann haftet er unbeschränkt. Aman Ullah und die Bundesbahnen. Geehrte Automobil-Revue '• Es war vor ca. Jahresfrist, als der afghanische Monarch unserem Lande einen Besuch abstattete und von unseren Behörden gebührend empfangen wurde. Dieses Ereignis brachte zwar keine Umstellung unserer auswärtigen Politik mit sich, aber es ereignete sich hierbei etwas, das zu den allergrössten Seltenheiten gehört: Der Zug nämlich, in welchem Aman Ullah, höchste Würdenträger unseres Landes und höchste, höhere und hohe Beamte sassen, kam auf die Minute zur Zeit an! Dieses Ereignis, d. h. die pünktliche Ankunft des Zuges schien allen Zeitungen so wichtig, etwas noch nie Dagewesenes, dass sie alle mit verhaltener Freude und nicht geringem Stolz berichteten: auf die Minute pünktlich fuhr der Zug ein... also auf die Minute pünktlich fuhr der Zug ein. Hatte man schon je so etwas in der Schweiz erlebt? Ein Zug der pünktlich ankommt! Das Ereignis war so neu und ungewohnt, dass alle Blätter unseres Landes, von der grossen dreimal erscheinenden Tageszeitung bis hinunter zu den kleinsten Käseblättchen es ausdrücklich erwähnten. Dr. R. von Stürler, Advokat, Bern. Der geschädigte Gast oder Einstellende hat somit, wenn er auf einen 1000 Fr. übersteigenden Schadenersatz Anspruch machen will, das Verschulden des Gast- oder Stallwirtes oder dessen Angestellten nachzuweisen. Seitens der letzteren kann die Haftung durch Vereinbarung mit dem Gaste oder. Einstellenden beschränkt oder ausgeschlossen werden. Es hat dies aber von Fall zu Fall in Form einer besonderen Vereinbarung zu geschehen und nicht etwa dadurch, dass der Gast- oder Stallwirt durch Anschlag in den in Betracht fallenden Räumlichkeiten seine Verantwort-' lichkeit ablehnt oder von besonderen Bedingungen abhängig macht. Eine einzige Ausnahme besteht bezüglich Kostbarkeiten, grösseren Geldbeträgen öder Wertpapieren, die dem Gastwirte nicht zur Aufbewahrung übergeben werden. Was speziell noch den Stallwirt anbelangt, so ist zu erwähnen, dass seine Haftung sich ausschliesslich auf die Beförderungsmittel und deren Ausrüstung beschränkt. Nicht zur Ausrüstung der eingestellten Beförderungsmittel gehörende Gegenstände fallen nicht unter die Haftung des Stallwirtes, es sei denn, dass sie in den dazu gehörenden Gasthof verbracht werden, womit dann, gestützt auf die erfolgte Einbringung in die Gastwirtschaft, die für den Gastwirt geltenden Haftpflichtbestimmungen Anwendung finden würden. Das Bundesgericht steht ebenfalls auf diesem Standpunkt. Im Falle eines Brandes eines Automobils, das in einem zu einem Hotel gehörenden Aufbewahrungsräume zerstört worden ist, hat es entschieden, dass für Kleider, die sich in Koffern verschlossen in dem betrefenden Automobil befunden hatten, eine Haftung des Stallwirtes nicht gegeben sei. Anders wäre es, wenn die betreffenden Kleidungsstücke im zugehörenden Hotel untergebracht worden wären, oder wenn zum mindesten das Einverständnis des Gastwirtes eingeholt worden wäre, dass diese Gegenstände im Automobil und damit in dem in Frage stehenden Aufbewahrungsräume verbleiben dürfen und dass damit seine Haftung als Gastwirt sich örtlich auch auf diesen «Stallraum» erstrecken werde. Ohne ein ausdrückliches Einverständnis dieser Art kommt eine Haftpflicht des Gastwirtes für die im- «Stallraum» verbrannten Kleidungsstücke nicht in Frage. Die vielfach herrschende Uebung, das Gepäck bei nur vorübergehendem Aufenthalt im Automobil zurückzulassen, ändert an der gesetzlichen Regelung einer Zweiteilung der Haftpflicht in diejenige des Gastwirtes einerseits und in diejenige des Stallwirtes andererseits nichts. ' Wir aber, das gemeine Publikum, wir lasen es mit Staunen: da war einmal ein Zug der pünktlich ankam. War, die wir, wenn wir die SJ3.B. benützen, uns längst daran gewöhnt sind, dass Verspätungen von 10-15- 20 Minuten als etwas Alltägliches, ja als etwas geradezu zum Bundesbahnbetrieb Gehörendes behandelt werden, so dass sie nicht einmal mehr dem wartenden Publikum angezeigt werden, wir, die wir gewohnt sind, mit unseren Handtaschen ängstlich von einem Perron zum andern zu rennen, um nur ja den Zugsanschluss zu., verpassen, wir standen staunend da und sagten uns: der Zug mit Aman Ullah kam auf die Minute pünktlich an. Und nun eine andere Feststellung : In dem Zug mit Aman Ullah sass gewiss kein einziger, der für sein Billet auch nur einen einzigen Rappen bezahlt hat. Alle, die höchsten, höheren und hohen Beamten (niedere Beamte gibt es ja bei uns überhaupt nicht) sassen gemütlich in dem Zug mit ihren Freifahrscheinen bewaffnet und fuhren auf Kosten des Schweizervolkes, dem ja die Schweizerbahnen gehören, in einem Zug, der auf die Minute pünktlich ankam. Ein übelwollender Nörgler hat einmal in einer Schweizerzeitung geschrieben, dass AUTOMOBIL-REVUE 1929 - No 92 Aus den vorstehenden Ausführungen geht somit hervor, dass ein Automobilist nur dann mit dem Ersatz eines 1000 Fr. übersteigenden Schadens rechnen darf, wenn es ihm gelingt, dem Stallwirte oder dessen Personal ein Verschulden nachzuweisen. Dies wird unter Umständen nicht immer leicht sein. Gelingt der Beweis nicht, haftet der Stallwirt maximal nur bis zum Betrage von 1000 Fr., für jeden Einbringenden, es sei denn, dass sich der Stallwirt auch für den Fall des Nichtverschuldens im Interesse seiner Einsteller durch besondere Feuer-, Diebstahl- und Sachschadenversicherungen über den Betrag von 1000 Franken hinaus, mit Einschluss der persönlichen Effekten des Autofahrers und seiner Mitreisenden versichert hat. In der Regel wird der Einsteller jedoch aber hierüber nicht orientiert sein und Gefahr laufen, im Schadensfalle nicht gedeckt zu werden. Es empfiehlt sich daher, selbst für die erforderlichen Versicherungen zu sorgen. Dies kann auf dem Wege der Feuer-, Diebstahl- und Kaskoversicherung erfolgen. Alle diese vorgenannten Risiken können auch in einer einzigen Kaskoversicherung vereinigt werden. Auf diese Weise sind die Automobile, wo sie sich immer befinden, gegen Feuer- und Sachschaden Olyxrxx>iat Auto des Engländers., Wir haben in der letzten Nummer bereits erwähnt, dass für den technischen Betrachter der englische Automobilsalon ein besonderes Vergnügen ist. Im Gegensatz zum Pariser Salon tritt an der Olympia-Schau das Bestreben za höchstem Komfort in gesteigertem Masse hervor. Der Engländer ist mehr als der Franzose ein praktischer und nüchterner Mann und setzt, daher den Komfort an die Spitze, wobei aber die Schönheit des Ganzen öfters in Mitleidenschaft gezogen wird. Die englische Karosserie ist geräumig und bequem, die französische Karosserie ist vor allem schön. Die englischen Wagen haben «o good ünish», eine Bezeichnung, die sich nur sehr schwer ins Deutsche übersetzen lässt. Umschrieben heisst das: die englischen Konstrukteure verwenden eine aussergewöhnliche Sorgfalt zur Herstellung der Details ihrer Konstruktionen und garantieren auch für ein hohes Mass von Solidität, bis zu den Kleinigkeiten. Es versteht sich daher ohne weiteres, dass der englische Wagen etwa 10—30 Prozent teurer sein muss, als die seiner Klasse entsprechenden Wagen anderer europäischer Firmen. Englischer Automarkt. England besitzt eine starke nationale Automobilindustrie, was vor allem aus der Zollpolitik zu verstehen ist. Auf der Einfuhr ausländischer Marken legte die englische Regierung einen Zoll von 33% Prozent, so dass es den meisten andern Staaten nicht möglich ist, ihre Wagen nach England einzuführen. Einige Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn es zum Beispiel den französischen Marken Citroen oder Renault dennoch gelingt, ihre Wagen nach England zu importieren, so ist das aus der besondern Preispolitik zu erklären. Wenn man bedenkt, dass Orossbritan- unsere stets mit Verspätung ankommenden Züge im Tempo der Fixbesoldeten fahren, d. h. in einem Tempo fahren, welches stets zu interessanten Diskussionen unter den Reisenden führt, wann und ob matl überhaupt ankommt, genau so wie wenn der gemeine Steuerzahler ein© Auskunft oder einen Bericht von einer Behörde verlangt, auf den er vielleicht Wochen oder Monate zu warten hat, weil eben auch da das Tempo der Fixbesoldeten eingeschlagen wird. Aber niemals ist diese Bemerkung so sehr ad absurdum geführt worden wie durch den Zug Aman Ullahs. Der Zug Aman Ullahs, mit allen seinen fixbesoldeten Insassen, kam auf die Minute pünktlich an. Es bleibt für uns, für das Gros des Schweizervolkes, also nur der Ausweg, dass auch wir uns möglichst rasch in die Ränge der Fixbesoldeten begeben, dann brauchen wir für unser© Billett© nicht mehr zu bezahlen und unser© Züge kommen auf die Minute pünktlich an. Aber wie und wann das geschehen soll, das gehört zu jenen Imponderabilien, von denen wir kürzlich bei der Niederschlagung; des Rickentunnel-Prozesses mit ehrfürchtfgem Staunen gelesen haben. Hochachtend:. Ein Freund Aman Ullahs. * * • versichert. Auch die Versicherung der Reiseeffekten, ausgenommen Bargeld, Wertschriften und Schmucksachen, gegen Einbruch und Diebstahl, während der Fahrt oder des Aufenthaltes auf der Reise, in Hotels oder Privathäusern, kann darin eingeschlossen werden. * • « Sliow Technische Betrachtungen zum Londoner Salon Gesamtansicht der grossen Londoner Ausstellung nien in seinen Dominions und seinen Kolonien ein ungeheures Absatzgebiet aufweist, wird man ebenfalls folgern, dass England eine wohl entwickelte nationale Automobilindu-i strie besitzen muss. Englischer Autobau. Auch in England darf man von einer Automode sprechen. Diese Mode kommt zwar dort weniger zur Geltung, als beispielsweise in Deutschland oder Frankreich. Es gibt ja stets eine Anzahl vornehmer Firmen, welche sich von jeder Mode fernhalten und einfach darnach trachten, bequeme Wagen mit geräU' migem Innern und mit breiten Türen za bauen, die Platz für fünf bis sieben Personen ohne jede Mühe bieten. Wenn der Engländer in Gesellschaft geht, so ist ihm Komfort die Hauptsache. Diese Wagen, die stets zur Klasse der Luxuswagen gehören, wiesen in den letzten Jahren meistens eine eckige Form auf, die nun unter amerikanischem und französischem Einfluss sich der Abrundung nähert. Diese Luxuswagen für den vornehmen Engländer bilden eine erste Gattung von Automobilen englischer Prägnanz. Eine zweite Gattung umfasst die Gebrauchswagen, die im grossen und ganzen dieselben sind, wie zum Beispiel die italienischen oder amerikanischen derselben Klasse, da sie auch für den Export bestimmt sind. Der englische Konstrukteur baut aber für den Käufer mit besondern Wünschen auch eine besondere Gattung von Fahrzeugen, die man in England als Sportsalon bezeichnet, obschon sie nicht immer wörtlich unter diesen Begriff fallen. Eitifoeits- und Spezialkarosserien. Im englischen Wagenbau zeigen sich heute mehr als je die Einflüsse von Amerika und von andern Staaten. Vor allem haben die Bestrebungen zur Einheitskarosserie, wie sie speziell von grossen amerikanischen Kon- strukteuren gepflegt werden, im englischen Karosseriebau Verwirrung verursacht und einem Teil der englischen Spezialkarosserie- Fabrikanten das tägliche Brot beschnitten. Nun setzt sich, wie das auch bei uns der Fall ist, die englische Karosserie-Industrie kräftig zur Wehr und versucht neue Typen zu schatfen, die als Kampfobjekte gegen Einheitskarosserien aufzufassen sind. Mit andern Worten: der Engländer reiht sich in die Bewe» gung zur Schaffang einer europäischen Karosseriemode ein. Diese Mode wird in England und in den Dominions ohne Zweifel Erfolg haben, da ja der Brite immer stolz ist, einen britischen Wagen zu besitzen. Der rechte Brite legt gerne 20—30 % mehr auf den Ladentisch des Automobilhändlers, wenn er weiss, dass damit nationale Arbeit unterstützt wird. Immerhin machen speziell die amerikanischen Wagen mit ihrer Preisunterbietung dem englischen Automobilfahrer das Herz schwer. Der « Sport-Salon ». Der Aufbau der englischen Wagen lässt sich mit einem niedrigen, stumpfen Kegel vergleichen. Schneidet man im oberen Teil des Kegels ringsherum einen bestimmten Teil ab, so dass die Seitenwände nach oben zusammenlaufen, und pflanzt man eine Haube davor, so hat man in grossen Zügen die Ka-

«TrOl 1090 rosserieumrisse typischer englischer Wagen (siehe Bild im dritten Blatt). Alle Linien im Oberteil der Karosserie laufen in einem bestimmten fiktiven Punkte über dem Wagen zusammen (Türen, Windschutz und Rückwände). Bei dieser Wagenform, die in erster Linie für den «Sport-Salon» massgebend ist, vermisst man genügenden Platz für Sitze und für Fenster. Auch das Ein- und Aussteigen gestaltet sich zu einer akrobatischen Fertigkeit. Es gibt sogar Fabriken, welche die Vordersitze quer zur Fahrrichtung beweglich machen, um einen leichten Einstieg zu ermöglichen. Diese Art Fahrzeuge sind meistens mit einem kräftigen Motor versehen und weisen sonsthin vorbildliche technische Eigenheiten auf, erfüllen aber die Transportanforderungen nicht in dem Masse, wie andere Wagengattungen. Bei dieser Gattung Fahrzeuge verzichtet der Engländer erstaunlicherweise auf die Geräumigkeit des Wageninnern. Kleinwagen des Engländers. Die englischen Konstrukteure sind in Europa im Bau von Kleinwagen seit Jahren führend vorangegangen, so dass auch Firmen anderer Staaten englische Lizenzen für Kleinwagen übernommen und mit Erfolg entwikkelt haben. Der Engländer versteht es, durch die Wahl des Zylinderinhaltes für Kleinwagen eine allzu hohe Besteuerung zu vermeiden. Er hat einen vorzüglichen Sinn für wirtschaftliche Kleinwagen, deren Unterhalt sich tatsächlich in bescheidenen Ausmassen bewegt. Die Motorengrösse zu 750 ccm Inhalt erscheint in England gewissermassen als Standardkonstruktion. Sie wird eigentlich als einzige Grosse für Vierzylinder verwendet. Zwei Zweitakter-Vierzylindermotoren mit einem Zylinderinhalt von 900 ccm und mehr, sowie wenige ältere Konstruktionen, die noch weiter auf den MaTkt kommen, bestätigen die Ausnahme von der Regel. Im übrigen geniesst der Sechszylindermotor auch bei den Kleinwagen ein progressiv wachsendes Ansehen. Diese Tendenz wird sogar durch Bestrebungen bekräftigt, bei Kleinwagen von mehr als 1,5 Liter Inhalt den Achtzylindermotor zu Ehren zu ziehen. In England werden gegenwärtig ca. sechs typische Kleinwagen in grösseren Serien auf den Markt gebracht. Sie weisen, im Gegensatz zu andern europäischen Wagen, Konstruktionen auf, die man nicht in dieser Klasse vermuten würde. Wir erinnern an die obenliegende Nockenwelle, an die Motorsteuerung durch hängende Ventile. Der Gebrauchswagen. ,.,. Der .Motorenaufbau der englischen Gebrauchsfahrzeuge ist trotz starken ausländischen Einflüssen in seinen grossen Zügen stets englisch geblieben. Ein paar typische Konstruktionen mögen dafür Beweis stehen. Motoren mit zwei untenliegenden Nockenwellen, ein anderer Motor mit obenliegender Nockenwelle, die durch Stirnräder angetrieben sind, ein weiterer Motor mit obenliegender Nockenwelle, dessen senkrechter Antrieb durch die Lichtmaschine geht, dann vor allem die Motorsteuerung durch hängende Ventile, die bei Motoren von 1,5 bis 2,5 Liter sehr häufig verwendet wird. An der Olympiaschau trifft man bei dieser Klasse den Schneckenantrieb der Hinterachse als Sonderkonstruktion, die aber ebenso dauerhaft und ebenso geräuschlos ist, wie der heute fast ausschliesslich verwendete Kegelradantrieb. Unseres Wissens bauen eine einzige englische Fabrik und eine amerikanische Fabrik, deren Lizenz von der englischen Fabrik übernommen ist, als einzige für alle Wagengattungen und Schneckenantrieb seit langen Jahren mit Erfolg. In der Schweiz ist der Schneckenantrieb durch einen amerikanischen Luxuswagen repräsentiert. Neue Sechs- und Achtzylinder. In der Klasse über 2,5 Liter Inhalt beherrschen die Sechszylinder und nunmehr auch die Achtzylinder in steigendem Masse das Feld. In diesem Gebiete sind eine Reihe von Neukonstruktionen oder Konstruktionsänderungen zu verzeichnen, welche wir kurz erwähnen : ein neuer Dreiliter-Achtzylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, die durch Stirnräder angetrieben sind, sowie ein neuer Sechszylinder zu 3,5 Liter mit Schiebersteueiung, bei dem die Schieber direkt im Zylinderblock laufen, der aus einer neuen Aluminiumlegierung besteht. Für stärkere Motoren mit sechs oder acht Zylindern' werden nun fast durchwegs zwei Vergaser verwendet. Neu ist ein öfters eingebauter Vergaser, bei dem die Düsengrösse durch einen Regler verändert wird, der von der Saugwirkung abhängig ist. Eine MaTke baut sogar einen Vergaser eigener Bauart mit fünf Düsen in ihre Motoren ein. Die schweren Luxuswagen. Der Bau der grössten und teuersten Luxuswagen ist bei den meisten Marken so gut entwickelt, dass nur alle paar Jahre Abänderungen von Belang ausgeführt werden müssen. Es gibt Luxusmarken, die vier und fünf Jahre das gleiche Chassis zur Austeilung in einen Salon verwenden, was auch beweist, Olympia-Schau London. Ein italienischer Luxuswagen für die Bedürfnisse des Engländers zugeschnitten. Der grosse Oberkoffer und der ebenfalls geräumige Hinterkoffer verraten einen Grosstourenwagen. dass die Mode für diese Fahrzeuggattung nicht in Betracht fällt. Die Konstruktionen können hier als schlechtweg vollkommen angesprochen werden, da ja der Konstrukteur nur geringe Rücksichten auf die Preisgestaltung nehmen muss. Die Entwicklung der Luxuswagen geht im Stillen vor sich. Ihre Konstruktionen sind Vorläufer, die dem Gebrauchswagen einige Jahre später in bescheidener Form zur Anwendung kommen. Aus diesen und aus andern Gründen versteht sich daher der vornehme Konservativismus bei den Ingenieuren der luxuswagenbauenden Fabriken. Immerhin stellt man gegenwärtig in England bei den grossen Wagen interessante Neukonstruktionen fest. Zwei Wagen weisen für ihren Achtzylindermotor Doppelzündune durch Magnet und Batterie auf, wobei die beiden Zündungssysteme einzeln benutzt werden können, oder auf gleichzeitiges, aber nacheinanderfolgendes (doppeltes) Funkengeben eingestellt sind. Die Versuche mit Dop- Wenn die Gefahr Sie gebieterisch zum plötzlichen Anhalten zwingt, lernen Sie die Qualitäten Ihrer Keifen kennen. Firestone - Reifen sind nicht nur AUTOMOBIL-REVUU pelzündung ergaben eine erhöhte Klopffestigkeit und einen verminderten Brennstoffverbrauch. Sogar bei einfachen Brennstoffen kann man daher höhere Verdichtungen anwenden. Allgemeine Merkmale. Zu den Standardausrüstungen hochwertiger Wagen gehören nach den Bestrebungen englischer Konstrukteure unter anderem folgende Merkmale : statisch und dynamisch ausgeglichene Kurbelwellen, ein Lager als notwendiges Erfordernis zwischen zwei Zylindern, Kurbelwelle mit Schwingungsdämpfer sowie Oelreiniger. Die grösseren Motoren sind zur Mehrzahl mit dem Vierganggetriebe versehen, was eigentlich, genau betrachtet, bei starken und stärksten Motoren am wenigsten notwendig ist. Immerhin ist auch bei diesen Wagen eine grössere Motorschonung omd eine bessere Ausnützung der verfügbaren Kräfte im Interesse einer längeren Leistungsdauer möglich, lt. die sichersten der Weif! FIRESTONE, der sicherste Reifen der Welt, wird morgen auch der Ihre sein die dauerhaftesten, die je gebaut wurden, sondern besitzen ausserdem ein Gleitschutzprofil von unerreichter Wirksamkeit. — Keine Auskerbung, keine Kante dieses Profils, sind das Geschenk des Zufalls, sondern das Resultat intensiven Studiums und praktischer Prüfungen der Firestone- Ingenieure. SPOfltTLIC H £ S Ein neuer Rekord in der 1500-ccm-Klasse. Die Engländerin Stewart und ihr Landsmann Hawkes legten mit einem Derby 1500 ccm in 24 Stunden 2525,524 km zurück, was einem Stundenmittel von 105,230 km entspricht, und stellten damit ©inen neuen absoluten Klassenrekord auf. Sternfahrt nach Barcelona. Die Organisatoren der Sternfahrt geben folgendes Klassement bekannt: I. ex-aequo: Mme Seeliger (Daimler-Benz), Start in Riga; G. wan Twist (Badlot), Start in Riga; A. Nulling (Steyr), Start in Riga; P baron Czn (Fiat), Start in Riga; E. de Szenasy (Daimler-Benz), Start in Riga; E. Wieshaus (Austin- Daimler), Start in Riga, alle mit 310,800 Punkten. 7. D. M. Headey (Triumph), Start in Riga, mit 300,405 Punkten. 8. L. G. Gips (Lancia), Start in St. Sebastien, und C Alegre (Citroen), Start in St. Sebaetien, 299,750 Punkten. 10. K. Schliemann (Daimler-Benz), Start in Riga, 298,880 Punkten. II. A. Lopez Tapia (Bugatti), Start in SU Sebastien, 298,150 Punkten. 12. V. Pra-t Baseh (Peugeot), Start in St. Sebastien, 296,280 Punkten. Insgesamt wurden 24 Wagen klassiert. Dfe schweizerische Sportsaison 1930. Wie wir bereits mitteilen konnten, hat die Sportkommission der A. I. A. folgende Daten für die sportlichen Veranstaltungen in der Schweiz akzeptiert: Kilometer-Lance von Eaumorte: 23. März; Klausen-Rennen: 9./10. August. Automobilwoche von St. Moritz 17.—24 d August. Die Internationale Alpenfahrt, an der sich vier Länder beteiligen werden, wird am 30. Juli in der Schweiz gestartet. Neben diesen Hauptveranstaltungen des Kalenders 1930 finden wir noch die üblichen nationalen Veranstaltungen. Bis zur Stunde ist der nationalen Sportkommission nur ein Rennen zur Genehmigung angemeldet worden: das Rennen von Les Rangiers der Sektion Les Rangiers. In einigen Tagen wird der Präsident der N. S. K., Herr Jules Decrauzat, sich nach Freiburg begeben, um mit den leitenden Personen der Sektion Freiburg die Wiederaufnahme des Bruch-Rennens zu besprechen.: Um die Durchführung der übrigen Veranstal-. tangen: Kriens-Eigenthal, ßiaufond-Chaux«* de-Fonds, Neuchätel-Chaumont, Rheineck-» Walzenhausen, Zugerberg-Rennen, Rennen am Mont Cenis ist es heute noch stilL ZiSiihei Notizen Verkehrsdebatte im Kantonsrat. Anlässlich der Diskussion über den Geschäftsbericht des Regierungsrates bat Herr Kantoasrat Ga&smann erneut die Gelegenheit wahrgenommen, um im Ratsaal den Standpunkt der Automobilisten bekannt zu geben und mit Festigkeit zu vertreten. Er übte berechtigte Kritik an den Kontrollen, welche durch Polizeiorgane in Zivil ausgeübt werden und unterzog die Geschwindigkeitsvorschriftea einer scharfen Kritik. Vor allem ißt die 18 km- Limite für die städtischen Verhältnisse unhaltbar und absurd geworden. Zudem ist es ein unwürdiger Zustand und für die Automobilisten in Gerichtssatchen geradezu verhängnisvoll, wenn die Polizei zwar Fahrtempo bis zu SO km stillschweigend toleriert und eine formale Gesetzesübertretung damit sanktioniert, währenddem die Gerichtsinstanzen an dem Buchstaben des Gesetzes festhalten müssen. Das Votum galt auch den bestehenden Gerichtsinstitutionen, indem der Referent gleichzeitig auch an die Notwendigkeit von besonderen Gerichtsabteilungen für Verkehrsssrchen erinnert. In dieser Richtung ist uns das Ausland bereite bahnbrechend vorausgegangen und die Erfahrungen berechtigen vollständig zur Befolgung des Beispieles. Erfreulicherweise fanden die Forderungen von Hrn. Gaesmann bereits vermehrte Unterstützung durch mehrere Vertreter bürgerlicher Parteien. Der kantonale Polizeidirektor, Regierungsrat Pfister. empfiehlt in seiner Replik auf kantonalem Boden keine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen mehr in Erwägung zu ziehen und vorerst das eidgenössische Gesetz abzuwarten, an welchem bereits eifrig gearbeitet werde. Er glaubt die von Hrn. Kantonsrat Gassmann gemachte Ankündigung, die Automobilisten könnten durch eine 18 km-Demonstration die Unhaltbarkeit der jetzigen Bestimmungen drastisch dokumentieren, leichthin abtun zu können, mit der Bemerkung, das Publikum könnte diese Verlangsamung des Tempos höchstens begrüssen. Dabei wird aber die ebenso wichtige Frage der Verkehrsregelung vollständig aus dem Auge gelassen und wir sind nicht halb so überzeugt, ob das Verkehrschaos, welches sich bei strikter Beobachtung der Geschwindigkeitsvorschriften ergeben müsste, vom Publikum mit soviel Zustimmung aufgenommen würde, ganz abgesehen, darss dadurch der Strassenbahn- sowie der übrige Verkehr ebenfalls ganz erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Wenn marn es auf das Experiment ankommen lassen wollte, würde vielleicht der Polizeidirektor und manche Ratemitglieder, welche der Beibehaltung der jetzigen Bestimmungen aas Wort reden auf Grund der Beobachtung die Ansichten etwas revidieren. Die Automobilisten hätten dann nämlich Gelegenheit, am praktischen Beispiel zu beweisen wie sehr die Notwendigkeit einer Verflüssigung des Verkehrs durch etwelche Beschleunigung des „Wf v ^P 1 "*?!* 1 ? una dafür ai e Dr*kt?schen Möglichkeiten, die das 18 km Temno zulässt über-, schätzt werden. ' _.