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E_1931_Zeitung_Nr.088

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16 AUTOMOBIL-REVUE

16 AUTOMOBIL-REVUE 1931 - N° Bunte Chronik aus aller Welt Unsere humoristische Ecke Was ist ein < schon getragener Gegen« stand » ? Vor einiger Zeit kehrte ein Schweizer Gelehrter von einer wissenschaftlichen Expedition nach Australien in seine Heimatstadt Basel zurück. Die Zollrevision prüfte alle Gegenstände seines Gepäcks sehr aufmerksam. Man Hess auch alles passieren, bis .man auf das Skelett eines Austrainegers stiess. Ein solcher Gegenstand war in keiner der langen Listen der Zollstatiön zu finden. Nach längeren schwierigen Verhandlungen und Beratungen durfte der Knochenmann schliesslich unter der Bezeichnung « Schon'getragener Gegenstand•»• zollfrei eingeführt werden. Die Spinne in der Zeitung. Eine amüsante Anekdote aus Mark Twains Tätigkeit erzählte kürzlich eine französische Zeitung: Als Mark Twain am Anfang seiner Laufbahn stand, leitete er in einer kleinen Ortschaft des Staates Missouri eine Zeitung, die den prächtigen Titel «Die Fahne des Westens» führte. Eines Tages schrieb ihm ein abergläubischer Abonnent, er habe zwischen zwei Blättern dieser Zeitung eine Spinne gefunden und möchte gerne wissen, ob dies für ihn eine glückliche oder unglückliche Vorbedeutung habe. Mark Twain, der ein ebenso guter Kaufmann als Schriftsteller war, Hess folgende Antwort im « Briefkasten > einrücken: « An den alten Abonnenten. Die Tatsache, 'dass Sie eine Spinne in der Zeitung gefunden haben, bedeutet für Sie weder Glück noch Unglück. Die Spinne hat ganz einfach unsere Zeitung gelesen, um zu wissen, welche Geschäftsleute darin keine Inserate erscheinen lassen, und wird sich nun zum Laden eines dieser Händler begeben haben, um dort ihr Netz über seine Türe zu spannen, denn so ist sie sicher, von nun an ein ungestörtes Dasein pflegen zu können. > Die hungrigen Geschworenen. In England wollte es bis ans Ende des 18. 'Jahrunderts der Brauch, dass die Geschworenen im Sitzungszimmer eingeschlossen blieben, bis sie zu einem einstimmigen Urteil gelangt waren. Allein am 9. Oktober 1791 konnten sich die 12 Geschworenen über ihren Spruch nicht einigen. Die Stunden gingen dahin, keiner gab nach und die Türe öffnete sich nicht. Die Herren Richter bekamen immer grösseren Hunger, aber jeder blieb bei seiner Meinung. Als Hunger und Durst so gross wurden, dass sie es nicht mehr aushielten, gab es plötzlich eine Einigung. Nicht im Urteil, o nein, jeder hielt an seiner Auslegung fest, aber sie vereinigten ihre körperlichen Kräfte, sprengten die Türe und stärkten sich mit Speis und Trank. Diese Episode diente als Lehre. Seither sind, so berichtet eine englische Zeitung, die englischen Geschworenen nicht mehr gezwungen worden, eine Einigkeit zu heucheln, die nicht bestand. Küssen als gerichtliche Strafe. Die Originalität der Richter in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist weltbekannt. Manche Urteile lassen an Komik nichts zu wünschen übrig. -Aber einen gewissen Rekord hat doch dieser Tage der Richter Colyn in Philadelphia aufgestellt : er hat nämlich einen Mann dazu verurteilt, seine Frau zu küssen ! Dieses Urteil hatte folgende Vorgeschichte : Ein Ehepaar lebte dauernd in Unfrieden miteinander und bedachte sich gegenseitig täglich mit Tätlichkeiten, wobei die Frau stets der leidtragende Teil war. Kurzerhand verklagte die Frau ihren Mann wegen Misshandlung. Vor Gericht wurde sie aber sehr unschlüssig und bat schliesslich den Richter händeringend, doch um Gottes willen nicht ihren Mann ins Kittchen zu sperren. Darauf fällte der Richter das erwähnte Urteil. Der Ehemann wurde amtlich dazu verdonnert, seiner Frau jeden Morgen im Beisein besonders zu benennender Zeugen drei herzhafte Küsse zu dedizieren. Unermüdliche Erfinderarbeit. Die Erfinder sind unerschöpflich in neuen Einfällen, und wenn diese auch nicht immer sehr praktisch anmuten, so sind sie doch bisweilen recht originell. Das zeigen auch wieder einige der Einsendungen, die auf der neuesten Ausstellung in London zu sehen sind. Da ist zum Beispiel ein melodischer Wecker, dessen grelle Klingel durch eine Grammophonplatte ersetzt ist, die den Schläfer mit den süssesten Weisen den Armen des Morpheus entreisst; dann finden sich hier zahllose Vorrichtungen, die dazu bestimmt sind, dem Engländer das Frühstück im Bett angenehmer zu machen als am Frühstückstisch. Ein « Beobachtungsspiegel für persönlichen Gebrauch» empfiehlt sich besonders bedrängten Lehrern und Examinatoren; er besteht in einem kleinen Hohlspiegel,, der unauffällig am Kopf befestigt werden Icann und dem Träger gestattet, durch einen Blick alles zu erkennen, was sich hinter seinem Rücken abspielt. Ein «idealer Teekessel > kocht das Wasser, bereitet den Tee und schaltet den elektrischen Strom aus ohne jede Aufsicht. Ein «Taschenkalender für 100 Jahre >, der von einem ägyptischen Erfinder gezeigt wird, gestattet, das Datum der Wochentage für jedes Jahr bis zum September 2031 abzulesen — vorausgesetzt, dass unterdessen keine Kalenderreform kommt. Ein praktischer Knebel ermöglicht, den Mund; eines Menschen stundenlang offen zu halten,' ohne dass er dabei Beschwerden empfindet; ein Tisch besitzt eine Vorrichtung, die jedes Herunterfallen von Gegenständen ausschliesst, ein Fallschirm soll das Abstürzen von Flugzeugen aufhalten usw. Unter den Erfindern sind alle Berufsstände vertreten, Zahnärzte und Journalisten, Althändler, Chauffeure und Spengler. Auf Umwegen. « Vater, das Barometer istgefallen ! » — « Sehr tief ?>» — « Das nicht, aber es ist trotzdem kaputt gegangen ! » Der Führer für Stadtrundfahrten fährt mit seiner Familie aus: « Hier, meine Herrschaften, zu Ihrer Rechten sehen Sie das berühmte Haus, wo Napoleon vor der Schlacht zu Waterloo nächtigte, Mesdames et Messieurs ... .!> «Hailoh, Meiert Bauen Sie sich Ihr Auto selbst? » « Ganz und gar nicht. Schwiegermama hat so zugenommen, dass die Türen zu schmal wurden, weshalb ich sie durch demontable Seitenteile ersetzt halie! » Geschäftliches Schweizer-Woche bei Jelmoli. Wie alljährlich, haben sich die Grands Magasins Jelmoli S. A. auch in diesem Jahre wieder erfolgreich in den Dienst < Was malen Sie da? » « Europas Wiederaufbau! » « Aber da kommt ja kein Mensch daraus! » c In Europa auch noch niemand! » der Schweizer-Woche gestellt. Schaufenster und Innendekoration, sowie eine Reihe von Spezialausstellungen und Fabrikationsvprführungen im ganzen Hause werben eindringlich für einheimisches Schaffen. Bei einem Rundgang durch das mit Schweizerund Kantonsfahnen geschmückte Haus fällt sofort beim Hauptportal eine Bonbon-Einwickelmaschine auf, die ein schönes Beispiel neuzeitlicher hygienischer Verpackungsmethoden bietet. Grosses Inter- 'esse erregte auch die Vorführung der Strunipffabrikation durch eine Rundstrickmaschine, Zentrifuge und Heizformen. Im Parterre sehen wir ausserdem noch eine Taschentuchmaschine und eine Festonmaschine für Kissen und Leintücher im Betrieb. Besondere Anziehungskraft übt auf das Publikum der Stand der Schuhfabrik Weinfelden aus, wo auf einer Radpresse mit Luftkompressor warme Hausschuhe fabriziert werden. Ausserdem ist im 1. Stock noch die einheimische Schürzenfabrikation, sowie eine sehenswerte Vorführung für Handweberei zu finden. Die Vorhangindüstrie hat ihre Vertreter im 2. Stock. Mit Freude sieht man den eifrigen und flinken Mädchen in schmucker St. Galler Tracht bei ihrer Arbeit zu. Im gleichen Stockwerk führt die Firma Paul Hübatka, Altstätten, die Fabrikation moderner und geschmackvoller Bettüberwürfe vor. In der Sportabteilung bekommt man eine Ausstellung der Elmo-Isolierflaschen (Hausmarke Jelmoli) zu sehen. Im 3. Stock haben die Bürstenfabrik Ebnat-Kappol und die Porzellanfabrik Langenthai ihre Demonstrationswerkstätten aufgoschlascn. Ausstellungen der Aluminiumfabrik Sigp; A.-G., Frauen fei d, der Versuchswerkstätten für ältere Arbeitsfähiso in Zürich, der Walther-Obrecht A.-G. in Miimliswil für das OWO-Edelgeschirr und eine schweizerische Möbelausstellung beschliessen die Reihe der wirklich sehenswerten Darbietungen. Eine höhere Handelsschule in Zürich. In Zürich, die maa wohl als bedeutendste und «rösste Handelsstadt der Schweiz ansehen darf, bestehen neben den staatlichen Unterrichlsa-nslalten eine Reihe blühender Privatschulen. Unter diesen bat sich Dr. Raebers höhere Handelsschule zu einer führenden Stellung emporgearbeitet. In einer modernen Hantleisschule wird vor allem davaui Bedacht genommen, die. Forderungen der Praxis an einen jungen Kaufmann zu kennen und im Unterricht zu berücksichtigen. Der unterste Kurs dient der Vorbereitung des Stenotypisten-Diploins und umfasst Ausbildung in Stenographie, Maschinenschreiben, Förderung im deutschen Stil und in der deutschen Geschäftskorrespondenz, Kenntnis des Französischen und der französischen Geschiiftsknvrespondenz. Der Handels-Diplom-Kurs vermittelt eine gründliche Kenntnis des Handels (Buchführung, Uebungskontor, kaufmännisches Rechnen) und schliesslich wird in einer Akademie-Abteilung der junge Kaufmann in höhern Disziplinen der Handelslehre und der Wirtscbaftskunde weitergebildet. Den austretenden Diplomanden steht eiu Stel'ennnchweis der Direktion zur Verfügung. ii an Fr. 360.- an om na onen vom Einfachsten bis zum Elegantesten von Fr. 875. - an an ob- .pik von Fr. 95.- an Verlangen Sie unsere Offerte! BEIM FAHREN werden Ihre Kleider voll Staub, Oeldieselben wieder bei der Chem.Wascfianstatt und Kleiderfärberei LAUSANNE böhne, die zur Erlernana der ranzösisohen Sprache nach Lausanne kommen finden Aufnahme in juter Familie. Schöne Villa mit JTOsaem Garten. Sonnige, Jrosse Zimme> mit prachtvoller Aussicht. Schönes Familien eben in ^n^ivi?rfem Milien mit ranzösi äoher lVonversatioa. Gewissenhafte Beanl sichtiguna. Sehr _'ute Verptiesrtmg. Beste Referenzen von Kitern zur Vertüanna. Villa Meirose, Mornexö, Lausanne. und Fettflecken, lassen Sie In Ordnung bringen. Tel. 35.297, Service-Auto. Direkte Postsendungen werden prompt erledigt. 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Gestern und heute. So. abends 1. NOV. Die fünf Frankfurter, Premiero, Lustspiel v Karl Rösslcr. Variete Corso: Täqlich abends 8K Uhr: Thea Alba, tfns weltberühmte wissenschaftliche Phänomen in ihren Realisationen mehrfacher Willensäusserungen zu gleicher Zeit und ein weiteres interessantes Varieteprogramm. • Cabaret Mascotte: Tägl. abends 'A9 Uhr: Gastspiel des Intimen Theaters Berlin. Cinema Apolio: Die Brüder Karamasoff, Drama v. Dostojewski, Tonfilm.

N"88 — 1931 AUTOMOBIL-REVUE 17 Fahrt in den späten Herbst. Die liebo Sonne scheint auch in der Ostschweiz, und da wir nun einmal dort sind, müssen wir wohl oder übel dort starten. Oh wir tun es herzlich gern, denn es gibt nicht nur schöne Fahrten auf prächtigen Strasscn, sondern auch liebliche Plätzchen zum Verweilen. Die Zeit spielt nun ausnahmsweise einmal keine Rolle. Ermatingcn. das touristische Zontrum am Schwcizerufor des lieblichen Untcrsees liegt in dor Näho. Wir wollen es nicht missen, denn später würden wir es doch mir bereuen Fisch und Sauser im Stadium ist ein herrlicher kulinarischer Genuss. Vom Seerikken locken unwiderstehlich Ausflugsziele mit ihrem besondorn Reiz. In westlicher Richtiuiff geht clio Fahrt dem grosflen See entlang und Freude herrscht über die wocbselvollen Spiegelungen, dio die mutisre Herbstsonne im tiefblauen Wasser mit kunstgerechtem Floiss erzeugt... Bei Rheineck verlassen wir für einmal die breite Slrasse und erreichen in südwestlicher Richtung das Appenzellerlänckhen mit seinen fröhlichen Bewohnern und seinen sprichwörtlich sorgfältig gepflegten Strassen. Walzenhausen zuerst, Luftkurort mit prächtiger Aussicht auf Rodensoe und Rhein, dann über Hoiden. Trojrrn, dor bekannte Kurort Speicher am Fussc des Gä-bris. In gerader Fahrt gehts nach St. Gallen, doch liegt uns für diesmal nichts an Stadien. Wir macbr.n kehrt und erreichen in Altstätten das Rheintal und seine erstklassige Stra-s.se. auf der wir tüchtig loslegen können. lieben die herbstliche Natur, den bunten Wald, dio schwarzen Tannen, Wiesen und das Silberband des Rheins. Es wäre eine Sünde, wenn wir ni~ht Maienfeld besuchten, da-s « Weinuaradies», das •wir ja so bequem und in ganz kurzer Distanz von der Hanptstrasse entfernt, orroiehen können. Dann kommt Bündens Metropole Cbur. doch wir haben unser Urteil betreffend Städte für diesmal schon T. F. 767. Strasse Fulda—Kassel. Kann mir ein Leser über den Zustand dor Strasse Fulda— Kassel Auskunft geben. Als ich die Strasse vor zirka 214 Jahren befuhr, war sie in ziemlich schlechtem Zustand. Man sagte mir