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E_1933_Zeitung_Nr.064

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Glück- oder

Glück- oder unheilbringende Insekten. Die Abneigung, die der Mensch gegen viele Insekten empfindet, macht den Aberglauben erklärlich, der sich da und dort an Grillen, Spinnen, Käfer und Würmer knüpft. Ein Insekt, dessen feines Zirpen auf der ganzen Erde gehört wird, ist die Grille. In Japan werden die Grillen in Käfigen gehalten; sie werden als eine Art Glückbringer betrachtet, und auch die italienischen Bauernmädchen schreiben ihnen geheimnisvolle Kräfte zu, ja, sie halten sich sogar Grillen, um mit ihrer Hilfe ihren Liebhaber zu fesseln. In allen Sagen und Volksbräuchen spielt auch die Spinne eine Rolle. Man weiss zwar nicht, warum eine Spinne am Morgen Kummer und Sorgen bringen, dagegen am Abend erquickend und labend sein soll; aber eine giftige Spinne wird zu jeder Tageszeit dem, den sie gebissen hat, Pein bereiten: die zu den Wolfsspinnen gehörende Tarantel, deren Biss eine Art Veitstanz hervorrufen soll. Im Jahre 1840 soll nach den Erscheinungen, die ein solcher Biss bewirkt, der Tarantellatanz in Italien aufgekommen sein. Frühere Geschlechter fürchteten den Holzwurm, der, wenn er beispielsweise in einer Krankenstube sein Unwesen trieb, den unmittelbar bevorstehenden Tod des Patienten ankündigte. Unheilvoll gilt auch in manchen aussereuropäischen Ländern die Rolle der Libelle. Das Glühwürmchen oder Johanniskäferchen soll verirrten Wanderern den Weg zeigen. Mancher Aberglaube heftet sich an den Maikäfer; die schwedischen Bauern schliessen aus der Farbe der im Winter ausgegrabenen Larve auf Dauer und Schneereichtum dfts Winters. Aus den Zeichnungen des Totenkopfs, einer Schmetterlingsart, glaubte man früher gewisse Schlüsse auf Glück oder Unglück eines Menschen ziehen zu können. Schicksalbedeutend waren auch die Grashüpfer. Manche Insekten haben in Deutschland und England eine gemeinsame Symbolik, wie das Marienkäferchen, Bei uns singen die Kinder « Marienkäfer flieg (manchmal: Maikäfer flieg), dein Vater ist im Krieg»; die englischen Kinder dagegen « Flieg' nach Hause... dein Haus brennt... deine Kinder verbrennen...» Schönheitssalon für Männer. Noch niemand hat es gewagt, einen Schönheitssalon für Männer zu eröffnen. Man würde sich darüber so lustig machen, dass er innerhalb einer Woche zugrunde ginge. Aber man kann sich überall überzeugen, dass der Kosmetiker auch seine männlichen Kunden hat und dass sie in immer grösserer Anzahl bei ihm erscheinen: angefangen von den Ehemännern, deren Frauen sagen: «Georg, es muss etwas mit deinen Haaren geschehn. Sie werden so schrecklich dünn! » — bis zu den Schauspielern und Varietekünstlern, die ihr Aeusseres als einen Teil ihres Betriebskapitals ansehen müssen. Man wird fragen, was denn für die männliche Schönheit getan werden kann? Nun, da gibt es Kopfmassage gegen Haarausfall, Qel-Shampoon und noch fünfzig andere Behandlungsweisen. Dann werden die Haare gefärbt und die Augenbrauen rasiert. Gesichtsmassage ist durchaus üblich, denn viele Männer bekommen kleine Runzeln um die Augen, wenn sie noch verhältnismässig jung sind. Dann gibt es auch Behandlungen gegen Doppelkinn, schlaffe Halsmuskeln und jenes Herabhängen der Wangen, wie es bei Männern, die zur Korpulenz neigen, häufig vorkommt. Alles in allem kann man sagen, dass die Männer weniger um ihr Gesicht besorgt sind als um ihre Figur. Jeder Mann möchte insgeheim gern glauben, dass er von männlicher Erscheinung ist. In der Welt wimmelt es von dicken Männern, die ihr Gesicht zu verkleinern versuchen, und von mageren, die Turnapparate benutzen, um ihren Brustumfang zu vergrössern. Aber da gibt es noch radikalere Massnahmen. Für die dicjjen Männer eine kräftige Massage, Gürtel Und eine Art komplizierten Korsetts. Für die Dünnen gibt es auch eine Art Harnisch zu kaufen, der die Höhlungen ausfüllt. Für alte Männer, die um zehn Jahre jünger aussehen wollen, als sie sind, ist wenig zu tun. Allmächtig ist die Zeit, sie ist unsere unsichtbare Gegnerin, die endlich siegt. Es gibt nur zwei wahre Merkmale männlicher Schönheit, und sie sind nur durch natürliche Methoden zu erzielen. Diese Merkmale sind: klare Augen und eine gesunde Haut. Das Rezept ist einfach: frische Luft und Sport. Landstreicherinnen der Insektenweit. Auf den Kuchen öder die süsse Frucht, die vor uns stehen, setzt sich eine Biene. Sie sieht aber eigenartig aus, verschieden von unseren guten Bekannten, den Honigbienen. In der Gestalt ist sie ihnen, gleich, aber sie trägt fast gar kein Haarkleid jin$. sieht schwarz' aus. Früher g]auBte man.' an eine besondere Bienenart, bis nähere AUTOMOBIL-REVUE 1933 — N° 64 Beobachtung lehrte, dass diese schwarze eine echte, aber moralisch minderwertige Honigbiene ist. Sie will nicht arbeiten, sondern vom fremden Honig naschen, darum dringt sie in fremde Stöcke ein, um dort ihre Raubgelüste zu befriedigen. Natürlich wird die Diebin oft ertappt und an die Luft gesetzt. Selbst den Honig, mit dem sie sich beim Stehlen besudelt hat, lassen die anderen ihr nicht, sondern lecken ihn ab. Infolge dieser Behandlung verliert die Biene ihr schmuckes Haarkleid, und an den nackt gewordenen Stellen tritt die dunkle Haut, das schwarze Chitin, zutage. So sieht die Biene schon äusserlich wie eine Landstreicherin aus. Freilich gibt es recht schlaue Raubbienen, die sich nicht erwischen lassen. Erfahrene Imker wissen das. Die Näscher werden oft so dreist, dass sie die ankommenden Trachtbienen anfallen. Im Wahn, dass sie an einen fremden Stock angeflogen seien, reichen ihnen diese den Rüssel und lassen sich so den Honig gewissermassen aus dem «Mund» stehlen. Rattenragout gefällig ! Während der 125 Tage dauernden Belagerung von Paris im Jahre 1870/71 wurde fast der ganze zoologische Garten aufgegessen. Wölfe und Bären wurden feilgeboten, Elefantenfleisch erzielte Preise bis zu. siebzig Franken für das Kilogramm und auch das Kamelfleisch fand reissenden Absatz. Im Schleichhandel gab es sogar Fleisch von Krokodilen, Schlangen und Kröten. Pferdefleisch war für die verwöhnten Franzosen eine teuer bezahlte Delikatesse. Katzen wurden von der Regierung als besonders schmackhaft empfohlen, und bald gab es hunderterlei Katzenspeisen. Eine geschlachtete Katze war nicht unter fünf Franken zu haben. Bald mussten auch die Hunde herhalten. Auf grossen Plätzen etablierten sich Hundeund Katzenfleischbänke. Ein Kilogramm Hinteres vom jungen Hund bezahlte man mit sechzehn Franken. Die Franzosen fanden das Fleisch äusserst schmackhaft. Die Not, die immer grösser wurde, machte schliesslich auch vor den Ratten nicht Halt. In den besten Restaurants wurde auf den Speisezetteln das Rattenragout angeboten. Ein Bericht aus der Zeit der Belagerung preist das Rattenfleisch als besonders schmackhaft und vergleicht es mit dem Fleisch junger Hühner. Jedenfalls war- bald keine Ratte mehr unter einem Franken zu.- haben, und besonders fette Kanalratten erzielten Preise bis zu zwei Franken. Die Gedenkzeugin Pariser Blätter behaupten, die älteste Frau der Welt entdeckt zu haben. Sie bilden sie auch ab. Es ist eine Mexikanerint und heisst Frau Martina de la Roca. Ihr Alter wird mit 170 Jahren angegeben. Wenn es wahr ist, dann ist die 1763 geborene Frau Zeitgenossin einer unausdenkbaren Fülle welthistorischer Ereignisse gewesen. Mit klopfenden Pulsen hat sie die Grosse Revolution erlebt, die März- und die Julirevolution und die russische Novemberrevolution dazu, die Reaktionen auf die ersten drei, Napoleon und die Befreiungskriege, Reichsgründung da und Reichszerfall dort, Gloire und Glorie, Kriege in Europa, Kriege in Amerika, in Afrika, in Asien, heldenhaftes Ringen um Unveräusserliches allerorten und überhaupt weit mehr an Weltgeschichte, als in Worte zu fassen ist. Menschen kamen und gingen, Welten entstanden und versanken, Ungeheures vollsog sich, und alles im Leben dieser alten, runzeligen Frau in Mexiko. In Wirklichkeit hat sie alles das nicht erlebt und am allerwenigsten mit klopfenden Pulsen: dies alles — nur Maximilian von Mexiko etwa war der anregende Nervenkitzel eines ihrer 170 Jahre — dies alles hat sich an ihr vorbeibegeben, Gloire und Glorie, und ist vorbei, und sie ist noch da. Was sehr alte Bäume von der Weltgeschichte denken, bleibt zum Wohle jener, die die Weltgeschichte machen, menschlichem Sinn verborgen. Aber hier ist ein Mensch, dem es gleichgültig war, sonst wäre er nicht 170 Jahre alt geworden, und ein Mensch, den es kühl gelassen hat und lässt, sonst wäre kein solcher Friede in dem Runzeldickicht: und so ist die alte Frau eine peinliche Schlappe für^ die Geschichten- und Geschichtemacher, di& dieser Wahrzeugin auch in den neuesten Auflagen kaum imponieren können. Aus erfahrenen Augen sehen 170 Jahre auf ihre Grosstaten herab und lächeln. Und nicht einmal das Lächeln gilt ihnen; man möchte schwören, dass das Lächeln der rüstigen Frau verkostend dem Na mittagskaffee gilt. Und wenn die Wahrzeugin aus ihrem anonymen Leben erzählen wollte, so wäre es eher Weltgeschichte als das, was nicht zu ihr gedrungen ist in all der Zeit.,. Kunststopferei „MODERNA" f Autler-Ausf lugsziele aus derMnelschweizjj Stampfenbachstr. 48 - H. 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N° 64 — 1933 AUTOMOBIL-REVUE 15 HD BBS glEHTg Frauen unterwegs ... H. H. Reisende Frauen erscheinen auf den ersten Blick hin als reizendster Widerspruch: sie sind einander extrem gegensätzlich und vereinigen doch gleichzeitig all diese Gegensätze in sich. Welcher Mann ist so hilflos, welcher so geschickt, wie es eine* Frau zu sein vermag! Wer ist sicherer auf der Reise als so ein entzückendes Bündel Hilflosigkeit, das die Männer aller Zonen zu «heldenhaften» Beschützerrollen hinreisst! Die weibliche Unerfahrenheit schmeichelt dem männlichen Instinkt und löst in den unwahrscheinlichsten Orten und Milieus ein spontanes Kavaliertum aus. Wenn eine Lady im australischen Hinterwald erscheint, gibt der wüsteste Rowdy sein Spucken und Fluchen auf, und wenn eine nur ein Mein wenig damenhaft aussieht und mit Schmaohtaugen auf einem alten Frachtkasten losdampft — wie müht sich die ganze Mannschaft, es ihr heimisch zu machen. Sind uns aber nicht andernteils die Frauen an Weltgewandtheit weit überlegen? Selten hat ein Mann diese Geschmeidigkeit und Anpassungsfähigkeit; und die internationale Sprach© des weiblichen Charmes, der Koketterie und des Sex appeals stellen alle solideren Reisekünste des Mannes in den Schatten. Bezaubernd reisen kann nur eine Frau. Die Frau ist nicht notwendigerweise politisch, aber um so mehr biologisch konservativ, und in einem ganz anderen Sinne als der Mann an eine Bleibe gefesselt, von einer Umrahmung, einer Umgebung abhängig. Also bedeutet eine Reise für die Frau überhaupt etwas viel Umwälzenderes. Vor aillem ist das Abschiednehmen, das sich vom Gewohnten lösen, für die Frau eine grosse und wichtige, verschiedentlichst inszenierte Angelegenheit. An der reisenden Frau kann man alle Stadien der weiblichen Entwicklungsgeschichte beobachten, vom Sklaventum bis zum Snobismus, wunderbar schattiert, oft sprunghaft ineinander übergehend. In exotischen Ländern besteht vielfach noch die Jahrtausende alte Ordnung, wonach das Weib die Sklavin des Mannes ist: er löst die Fahrkarten, sie schleppt das Gepäck und noch dazu ein oder zwei Kinder auf dem Rücken. Geängstigt verlassen die ehelichen Haustiere den heimatlichen Stall, reisen ohne Augen durch Wüste oder Paradies. Aber wie munter lachen aus farbigen Damenabteilen (die man im Osten eingeführt und in Europa abgeschafft hat) Betel kauend rote Mündchen, was ist das für Beobachtungen eines weitgereisten Mannes. ein chinesisch-japanisch-malaiisches Gezappel und Getrippel und Geflatter, welch' wunderbare Mischung von Modernität der Technik und Gebundenheit der Sitte, zumal im frommen Indien und im Orient! Mag eine alte Pyrenäenbäuerin vor einem schnellen Auto zu Tode erschrecken — knusprige Kongogirls werden fröhlich zwitschernd ein niedergehendes Flugzeug umringen, und nichts könnte Bedenken bei ihnen erregen, auf solch beschwingte Weise eine Reise anzutreten. Afrika ist das aHermodernste Reiseiland, dort steigen weisse Frauen in Khaki-Kniehosen und mit der Flinte in den Zug, und so halsbrecherisch chauffieren sie auf den einzigartigen afrikanischen Autostrassen, dass unsereinem der Angstschweiss von der Stirne rinnen würde, wenn sie uns mitnähmen. So erstaunlich die rasche Aufklärungsund Anpassungsfähigkeit der in den modernen Verkehr tretenden farbigen Frau überall ist, wo das männliche Besitzrecht auf sie gelockert wird, so sehr überraschen atavistische Ueberbleibsel bei der emanzipierten Frau. Die moderne Frau ist kaum anders zu denken als mit einem Maximum an Reisegepäck (es sei denn, sie macht als Pfadfinderin eine Spezialität daraus, ein Minimum mit sich zu führen). So wenig verschleierte Karawanenfrauen und tätowierte Indioweiber ein gewisses unaussprechliches Nachtrequisit auf der Reise entbehren können, so wenig kann die reisende Russin auf ihren häuslichen Samowar verzichten, die deutsche Bäuerin auf ihre Hauswurst, die alte Engländerin auf ihren grünrot gemusterten Bauernschirm, die junge Engländerin und auch die elegante Dame unserer Zone auf ihren «last-minutebag», der sich mit allem möglichen Nützlichen und Ueberflüssigen füllt, das man «in letzter Minute » zusammenrafft. Und das Gepäck wächst und schwillt an durch Andenken, Schals, Plaids, Spitzen, Vasen — tausend Dinge, die man bei Rückkehr dem Haushalt einverleiben möchte. Und natürlich braucht man aus dem im Schiffsrumpf verstauten Grossgepäck zur unmöglichsten Zeit einmal etwas Kleines, schwer zu Finderides dringend. Und natürlich kann auch der phantasiebegabteste Mann nie im Leben erraten, welch seltsame Kombination von Sächelchen sich in der Handtasche eines reisenden Fräuleins befindet: -Dinge, auf die sie hohen Wert legt und die sie — leicht liegen lässt. Hauptsächlich Damenrequisiten werden in den Fundbureaus abgegeben. Eine Italienerin sah ich im Eifer der Reiseunterhaltung einmal ihren schlafenden Jungen vergessen. Reisende Frauen sind interessierter, subjektiver in ihrer Betrachtungsweise, spontaner in ihrer Begeisterungsfähigkeit und empfänglicher. Sie sind auch wissbegieriger als Männer und können unzählige Fragen stellen, von denen man nicht weiss, ob sie unendlich naiv oder klug sind. Zumeist sind sie viel natürlicher als Männer; es sei denn, dass sie aus Ueberemanzipation gänzlich gekünstelt und unecht sind. Wie ehrlich streben die einen nach Befreiung von jeder Art Abhängigkeit, und auf welch peinlich snobistische Weise setzen sich die anderen in Szene: Junge Frauchen und Fräuleinchens, die nur des Renommierens halber an berühmte Orte reisen, um von dort hauptsächlich alle Bekannten mit Ansichtskarten zu versehen. Was erlebt man zu seinem Grausen in Paris von seiten frischer, junger Dollarprinzessinnen, die nichts von wirklichem Wert besehen, in Montparnasse-Restaurants sohlechten Champagner zu teuren Preisen trinken und dem nächsten besten Ausbeuter in die Hände fallen, der ihnen in Pariser Nachtlokalen das zeigt, was sie zu Hause nicht sehen dürfen und fälschlicherweise für den Inbegriff der Unmoral halten. Die Frau kann nicht so leicht wie der Mann alles zu Erledigende übersehen, sie hastet auch nicht gern, und sie brüstet sich niemals, wie knapp bemessen sie ein Programm eingehalten hat. Sie sind oft übervorsichtig in nächster Umgebung von ihrem Zuhause, und weit draussen in der Welt, wenn erst der grosse Schritt getan ist, verhalten sie sich klüger und gewandter als der Mann und nehmen ihre fünf Sinne zusammen. Das Gebaren der Frau im Ausland ist viel geschickter und verständlicher als das der Männer, so dass sich der Mann im Orient oder auch In den U. S. A. erst richtig durch die Frau dokumentiert, die er mitbringt. Die Würde des zugeknöpftesten Beamten schmilzt unter ihrem schelmischen Lächeln, wie sie selbst die ihre im richtigen Moment beiseitestellt. Wenn sie die Hilfe eines vorher kaum beachteten Mannes nicht entbehren kann, um ihren heiss ersehnten Schinken mit Eiern zu erlangen, lässt die arroganteste Engländerin ihre Maske fallen und überrascht einen mit einer ungeahnten Liebenswürdigkeit. Die anfänglich schwerfälligere Schweizerin tut es allen anderen zuvor, wenn sie sich erst mal auf die Atmosphäre des Landes eingestellt hat, und sieht ! efnef jeden fremden" Frau etwas Vorteilhaftes ab. Warum sich eine Frau mehr aufregen kann, wenn die Gesichtscreme verlorengeht, als über den Verlust eines wertvollen Gepäckstückes? Für die Frauen sind eben die kleinen Dinge die wichtigeren, sie sind ihre internationalen Verständigungsmittel, die sie in dem immer umfangreicher werdenden Reise- Necessaire mit sich führen. Hübsche Modespielereien. Die verwöhnte Amerikanerin besitzt Wieder eine neue, amüsante Modesoielerei. Oeffnet sie ihr Handtäschchen, so muss sie sich, während sie ihr Gesicht im Spiegel betrachtet und mit Puderquaste und Lippenstift ihr Aussehen auffrischt, nicht drehen und wenden, um für den Taschenspiegel die richtige Beleuchtung emzufangen. Sie drückt nur auf einen winzigen Schalter, der ins Leder ihres Täschchens eingelassen äst, und zwei flache Miniaturbirnen, zu beiden Seiten des Spiegels, leuchten mit elektrischem Licht auf. Diese schicken Taschen aus Lackleder, aus Kalb- oder Edelleder sind in allen Modefarben zu haben. Sie sind sehr geschickt konstruiert und die auswechselbare Batterie speist die Anlage mit Strom. Im Kino, in der abgeblendeten Nische einer Bar — überall «leuchtet der Dame das eigene Licht». Aber auch in Europa gibt es Neuigkeiten. Der goldene Schmuck gewinnt wieder viele Freundinnen. Goldene breite Manschetten, aus gehämmertem, edlem Metall, schliessen mit einem sehr eigenartigen Patent und geben die Möglichkeit, einfache Handschuhe oder schlichte Aermel mit echtem Gold stulpenartig zu begrenzen. Auf dem nackten Arm wirkt dieses Armband, das aus einer biegsamen Goldfläche besteht, sehr apart. Die neuen Freundschaftsreifen zieren die glatte, eigenartig gebogene und geformte Linie des schlanken Armbandes mit einigen echten Steinen. Die Wiener Internationale Mödeausstellung brachte auf diesem Gebiete sehr hübsche Neuigkeiten. Ein Armband kehrt mit viel Geschmack zu der einfachsten Kettenform zurück und verbindet runde Goldringe mit schlichten, ovalen Klammern. Wenn eine Mode viele sehr komplizierte Ideen brachte, dann erfreute wieder die Einfachheit der Form, besonders wenn das Material edles Gold ist. Reizend ist auch eine «chaine compliquee », eine ganz seltsam geflochtene Goldkette, bereichert von Ebenholzperlen, von Jet oder dunklen Achaten, die als Halsschmuck zum einfachsten Jumper ebenso gut passt wie zu goldfarbigen, nach letzten Pariser Ideen mit Metall durchwebten Stoffen. Man kehrt zur Symbolik zurück. Vielleicht soll diese undefinierbar geflochtene Schnur aus echtem Gold beweisen, wie unlösbar Liebe und Freundschaft sein — sollen ! Manche Ringe und Broschen sind ein bisschen altmodisch gehalten. Sie finden in ihren Blumenornamentchen, mit einem Bukett aus Perlen und ziselierten gerahmten Goldblättern zu dem Stil der 90er Jahre, ja sogar zum Beginn der «Sezession » zurück. Auch das Autofahren macht durstig und mancher Automobilist wird gerne an einem Idyllischen Orte anhalten, wenn er Im Wagen feingekühlte Flaschen und frischen Proviant mitführt. - So ein FRIGO-TOURING, Trockeneis- Kühlschrank «enmlniature», kostet nurFr.48.50 und leistet unzählige Dienste, nicht zuletzt Im Garten und zu Hause. Frlcar A.-Q., Sonnenquai 3, Zürich Grüter-Suter, Hirschmattstrasse 9, Luzern Kiefer A.-Q., Bahnhofstrasse 18, Zürich Kiefer A.-Q., Gerbergasse 14, Basel Zürcher Wochenprogramm ApOllO, Stauffacherstr. 41 «Kampf», der grandiose Auto-Rennfilm, m. Manfred v. Brauchitsch. Restaurant Urania, Urania*. 9 Die beliebte Dnterhaltungsstätte, Konzert und Vari6t6. Anerkannt gute Küche. Cafe AstOria, S». Peterstr. 18 Täglich nachm. und abends: Grit Malveen mit ihren 10 Solisten Die feurigen Wiener Virtuosen. Grand Caf6 Odeon, Zürich Gastspiel von de Slbert abends 8—11 Uhr and hls Boys, täglich Dl- Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in u. H. wagners OH Tourlng, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe desT. C. S. LENZERHEIDE Hotel Schweizerhof T.C.S. A.C.S. Fein bürgerliche« Haus. Zentral in eigenem Orchester. Tenni». Weekend-Arrangement», Vollständig renoviert. Alle Zimmer Fr. 4.60. Pension ab Fr. 10.60. 1460 m 0. M. -Jullerroute. Prächtige Spaziergänge und lohnende Hochtouren. Forellenfischerei. Ei empfiehlt sich Passanten und Feriengästen A. WILLI, A. C. S. und T. C. S. Tel. 701. grossem Park. Grosse GeseUscb.afttr8.ume. Ganzjährig geöffnet. Garage. Tel. 72.81. F. Brenn, Propr. Dir. DaVOS-PlatZ Sport- u. Passanten-Hotel Eisenlohr T.C.S. mit fliessendem Wasser. Soignierte Küche. Zimmer ab Neuer Inhaberi M. Gilg. 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