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E_1933_Zeitung_Nr.086

E_1933_Zeitung_Nr.086

durch folgendes

durch folgendes Kreisausschreiben des eidg. Justiz- und PoÜzeidepartementes notifiziert : < Durch Notenaustausch vom 4. Okt. 1933 ist zwischen der Schweiz und Oesterreich mit Bezug auf die Besteuerung der Motorfahrzeuge folgende Vereinbarung getroffen worden : Motorfahrzeuge, welche im Gebiete von Oesterreich ihren Standort haben und deren Eigentümer ihren Wohnsitz eben dort haben, werden in der Schweiz der in Art. 71 des Bundesgesetzes vom 15. März 1932 über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr den Kantonen vorbehaltenen Steuer erst nach einem Aufenthalt von 90 aufeinanderfolgenden Tagen — gerechnet vom jedesmaligen Ueberschreiten der Grenze — unterworfen. Die Steuer kann alsdann für die ganze Aufenthaltsdauer bezogen werden. Motorfahrzeuge, welche im Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft ihren Standort haben und deren Eigentümer ihren Wohnort ebendort haben, werden in Oesterreich der Kraftwagenabgabe nach dem Gesetzt vom 28. Januar 1931, B.G.. Bl. Nr. 45, erst nach einem Aufenthalt von 90 aufeinanderfolgenden Tagen •>— gerechnet vom jedesmaligen Ueberschreiten der Grenze — unterworfen. Diese Gegenrechtserklärungen sind am 4. Oktober 1933 in Kraft getreten. Sie bezwekken, ein© vorläufige Regelung herbeizuführen unter der Voraussetzung, dass zwischen der Schweiz und Oesterreich ein allgemeines Abkommen über den Verkehr von Motorfahrzeugen abgeschlossen wird, das insbesondere auch die Frage der Erhebung anderer Abgaben zu regeln haben wird. » Um die Arbeitszeit der Taxilenker. In Bern fand am vorletzten Montag eine Zusammenkunft von Vertretern des Taxihalterverbandes und der Arbeitnehmerverbände statt, welche die Prüfung der mit der Festlegung einer bestimmten Arbeitszeit im Zusammenhang stehenden Fragen zum Zweck hatte. Im Gegensatz zu der Sonderaktion der Arbeitnehmer beim Justizdepartement, die auf die Festlegung einer bestimmten Arbeitszeitdauer ausging, einigte man sich auf der Zusammenkunft in dem Sinne, dass in Zukunft nur noch gemeinsam vorgegangen werden soll. Der Einsicht, dass die Beschränkung der Arbeitszeit auf 8 Stunden speziell für Taxilenker ganz ungerechtfertigt wäre, weil es sich bei dieser Stundenzahl ja größtenteils um Präsenzzeit handeln würde, konnten sich auch die Arbeitnehmer nicht verschliessen, um so weniger, als ja eine derartige Regelung auch für sie beträchtliche Nachteile mit sich bringen müsste. . ' fo Wie steht es um die Motion Baumgartner? Wie erinnerlich, wurde in der Frühjahrsse$sion des Grossen Rates am 18. Mai die von Notar Baumgartner eingereichte Motion behandelt, mit welcher die Einführung der Quartalsteuer, Steuerermässigung für ältere Motorwagen und Dezentralisierung des Zahlungsverkehrs verlangt wurde. Der Polizeidirektor machte in seiner Antwort alle Anstrengungen, um die Motion nicht in verbindlicher Form entgegennehmen zu müssen. Die Abstimmung ergab aber eine erdrückende Mehrheit zugunsten des Motionärs. Trotz der ihr zugebilligten Dringlichkeit ist es mit der Motion bis heute nicht vorwärts gegangen, was weiter ja nicht überraschen kann, wenn man sich daran erinnert, wie wenig Begeisterung der Vertreter der Regierung für die Anregung aufbrachte. Nun geht aber das erste Jahr, das unter dem Zeichen des neuen Automobilgesetzes stand, bald zu Ende und es ist begreiflich, wenn die Fahrzeugbesitzer wissen wollen, welche Regelung des kein Interesse an Ihrer ständigen Ueberwachung habe und im Gegenteil bitte, Ihnen nichts in den Weg zu legen und Ihnen nötigenfalls allen Schutz augedeihen zu lassen. Sie werden sich also vorerst bei uns ganz, wohl befinden — wie es Ihnen in den Putilbwwerken gehen wird, das ist allerdings eine andere Frage. Ich entnehme der Mitteilung • übrigens, dass Sie mit Ihrer Frau Gemahlin hier sind. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich der Barina vorstellen wollten!» «Sehr gerne, Herr Oberst!» : «Hat die Barina vielleicht auch eine besondere Mission?» Eberhard schluckte ein wenig. «Meine Frau ist durchaus Privatperson!» «Um so besser, Herr Pigeot! Uebrigens liegt mir nichts ferner, als indiskret -zu sein. Haben Sie über Ihren heutigen Abend schon verfügt?» «Nein, Herr Oberst.», «Wenn Sie nicht zu ermüdet von der Reise sind, würde ich mir ein Vergnügen daraus machen, Ihnen und der Barina Petrograd da zu zeigen, wo es nicht ganz so missmutig aussieht, wie hier in unserer nächsten Umgebung.» Motorfahrverkehrs der Kanton vorzusehen gedenkt. Nachdem bereits eine grössere Zahl von Kantonen in der Lage waren, neue Verkehrsverordnungen herauszugeben und auch das Motorfahrzeug-Steuerwesen neu zu regeln, so ist nur zu bedauern, dass man es im Kanton Bern nicht für nötig gefunden-hat, die Vorarbeiten für die noch ausstehende kantonale Verordnung etwas speditiver an Hand zu nehmen. Wie wir erfahren, hat der Regierungsrat die Polizeidirektion beauftragt, eine Gesamtrevision der Automobilbesteuerung zu studieren und Vorschläge zu unterbreiten. Es wird also von seiten der Regierung eine Gesetzesänderung ins Auge gefasst, was eine recht zeitraubende Angelegenheit wäre und der Verwaltung die Möglichkeit bieten würde, noch auf längere Dauer nach dem alten Steuersystem weiter zu kutschieren. Mit diesem Auftrag ist die durch die Motion dringlich verlangte und leicht zu bewerkstelligende Aenderung des Dekretes aus dem Jahre 1924 wissentlich übergangen worden. Es ist sehr wohl begreiflich, wenn sich die Verkehrsinteressenten mit dieser Taktik nicht befreunden können. Angesichts der geringen Eile des Regierungsrates, der Motion Baumgartner Folge zu geben, ist es wohl am Platze, wenn sich die Verkehrsverbände zusammenschliessen, um sich gemeinsam um das weitere Schicksal der Motion zu bekümmern. In Ergänzung zu raisern obigen Ausführungen, die aus Raummangel verschiedentlich zurückgestellt werden mussten, wird •uns berichtet, dass ein aus Vertretern der wichtigsten am Motorfahrzeugverkehr interessierten Verbände des Kantons Bern (T. C. S., A. C. S., B. M. V. und A. T. B) zusammengesetztes Aktionskomitee für die Viertelsjahrssteuer sich kürzlich mit dem derzeitigen Stand dieser äusserst wichtigen Angelegenheit befasste. Mit grosser Enttäuschung stellte man allgemein fest, dass der Frage durch die bernische' Regierung nicht die ihr zufallende Wichtigkeit und Dringlichkeit beigemessen wird, sondern dass versucht werden soll, sie auf die lange Bank zu schieben. In der letzten Grossratssession ist z. B. kein Wort darüber gesprochen worden. Die Steuer- und Dritthaftpflichtversicherungsfragen sind aber für alle Automobilisten und Motorradfahrer derzeit von einer so grossen Bedeutung, dass alles versucht werden muss, um möglichst bald erträglichere und vor allem gerechtere Bedingungen zugestanden zu erhalten. Was man im Ausland (und nicht etwa nur iri Deutschland) und fast in allen Kantonen der Schweiz mit Erfolg durchführen kann, dürfte auch bei uns im Kanton Bern möglich sein ! Reduktion der Motorfahrzeugsteuern oder gerechte ratenweise Bezahlung derselben, entsprechend der Zeit der Inkraftsetzung des Fahrzeuges, werden bestimmt auch bei uns eine starke Belebung des Motorfahrzeugverkehrs zur Folge haben und neben einem vermehrten Steuereingang auch sonst noch volkswirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen. Auf alle Fälle haben die Verhältnisse, so wie sie heute liegen, ruinösen Charakter. Dann aber protestieren die hauptsächlichsten am Motorfahrzeug interessierten Verbände dagegen, dass der Notlage der Motorfahrer seitens der bernischen Regierung nicht mehr Verständnis und Entgegenkommen gezeigt wird. Zahlreiche von den verschiedenen Verbänden an die bernische Regierung gerichteten Eingaben blieben unbeantwortet. Nun versucht man sogar noch, den bernischen Grossen Rat, der in dieser Frage durch die mit erdrückendem Mehr gutgeheissene Motion Baumgartner seinen Wunsch und Willen unzweideutig dokumentiert hat, zu desavouieren. Auf alle Fälle geht es nicht an, dass der «Ich weiss nicht — das kommt natürlich auf meine Frau an!» «Selbstverständlich. Sie werden mich vielleicht ein wenig aufdringlich finden, aber — ich möchte heute abend nicht allein sein, loh werde in einer halben Stunde meinen Gegenbesuch bei Ihnen machen und mir Bescheid holen.» Der Oberst bot Eberhard die Hand. «Auf Wiedersehen also! Und vergessen Sie einiges von dem, was ich Ihnen gesagt habe. Wenigstens für heute abend!» Mercedes war nicht sehr erfreut von der Aussicht, mit dem Oberst eine Fahrt nach einem unbekannten Ziel unternehmen zu sollen, aber sie war auch wie Eberhard der Meinung, dass man den Mann nicht zurückweisen durfte. Er konnte ihnen ungeheuer viel nützen oder — schaden! Pünktlich nach einer halben Stunde erschien der Oberst in tadellosem Zivil. Er war ganz Westeuropäer, sprach ein prachtvolles Französisch und küsste Madame die Hand, wie nur irgendein Kavalier in einem vornehmen Pariser Zirkel. «Mein Wagen steht unten, Madame — es würde mir ein grosses Vergnügen machen, Ihnen ein Stück wirkliches Petersburg zu zeigen!» AUTOMOBIL-REVUE 1933 - 86 Die Pläne der Firmen und Fahrer. Paris ist in diesen Tagen wieder zum Zentrum der ganzen autosportlichen Welt geworden. Det Pariser Salon und die Verhandlungen der Internationalen Sportkommission lockten Organisatoren, Fahrer, führende Mitglieder von Automobil-Clubs und Leiter der Automobilfirmen nach der Seine- Stadt, wo über die ersten Umrisse der nächstjährigen Saison beraten wird. Das neue Gesicht, das die Saison 1934 durch die Aenderung der Rennformel bekommen wird, gibt schon jetzt zu zahlreichen Vermutungen und Diskussionen Anlass. Soviel sich bis zum Augenblick voraussehen lässt, wird das nächste Jahr einen grossen Aufschwung im Automobilsport bringen und damit unter Umständen einen neuen Abschnitt einleiten. Die Epoche der freien Formel weicht einer Zeit der planmässigen Entwicklung. Mit grösstem Interesse erwartet man vor allem das Wiedereingreifen Deutschlands in den internationalen Automobilsport. Wie man weiss, richtet die neue Regierung unseres nördlichen Nachbarreiches auf den planmässigen Ausbau der Motorisierung des Landes das grösste Augenmerk. Und sie hat auch, was man ihr in aller Objektivität zugestehen muss, die ausserordentliche Bedeutung des Autosportes für die Entwicklung der Automobiltechnik klar erfasst Es handelte sich deshalb darum, die Firmen und Fahrer nach Möglichkeit zu vermehrter Tätigkeit anzuspornen. Bereits im nächsten Jahre wird man die ersten Ergebnisse dieser grösseren Aktivität verspüren. Gleich zwei deutsche offizielle Mannschaften werden 1934 wieder in den Kampf eingreifen. Genaue Einzelheiten über die deutschen Pläne hat man- auch jetzt noch nicht, wenn offiziell auch immerhin feststeht, dass sowohl Mercedes,- wie die «Autouniön» dje Grossen Preise 1934 mit neuen Modellen bestreiten werden. Mercedes hat zwei verschiedene Renntypen, die der neuen Formel entsprechen,-konstruiert: einen 2300-ccm-Motor und einen 3500-ccm-Motor. In welcher Zahl diese Maschinen hergestellt werden und wann sie für die Rennen bereit sind, ist noch unbekannt. Auch die Namen der offiziellen Mercedes-Fahrer für 1934 sind noch nicht bestimmt festgestellt. Mitglieder der Equipe werden voraussichtlich- Rud. Caracciola sein, der sich von seinem schweren Unfall in Monte Carlo nur langsam erholt und, wie mit grosser Wahrscheinlichkeit feststehen soll, der bekannte Motorrad-Weltrekordfahrer Henne. Der dritte Mann der Mercedes- Equipe wird Manfred von Brauchitsch werden und als viertes Mitglied ist der vorzügliche Sternfahrer Bernet genannt. Vom neuen Porschewagen der «Autounion» war auch in unserem Blatte schon verschiedentlich die Rede. Es handelt sich um einen 350 - oem- Sechzehn - Zylinder Motor, der Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkm erlaubt und ebenfalls der neuen Rennformel für 1934 entspricht. An der Spitze dieser Equipe wird der bekannte deutsche Fahrer Hans Stuck stehen, dem noch der erfahrene frühere Mechaniker von Caracciola, Sebastian, sowie Prinz von Leiningen beige- «Wohin wollten Sie uns entführen, Oberst?» «Das ist mein Geheimnis. Uebrigens, wenn ich es Ihnen auch sage, Sie würden sich doch keinen Reim darauf machen können — Sie wissen vermutlich nicht, was Kamenyj Ostrow ist!» «Allerdings nicht!» «Ich will es Ihnen sagen. Eine Insel mit vielen sehr schönen Gärten. Das Kaiserliche Sommertheater ist dort und eine Menge von Vergnügungsstätten. Ich habe die Absicht, Sie zu Zigeunern zu führen — zu wirklichen, wahrhaftigen Zigeunern. Sie wissen nicht, Madame, was für den echten Russen Zigeuner bedeuten. Musik, Poesie, Rausch, kurz — Leben in seiner höchsten Potenz. Nun ? Haben Sie Lust?» «Sehr! Ich bin aufrichtig neugierig!» «Kommen Sie! Kommen Sie!» Ein schwerer französischer Wagen mit einem livrierten Chauffeur führte den Oberst mit Eberhard und Mercedes in schneller Fahrt durch das nächtliche Petersburg. Ueber die Trizkijbrücke, die Apothekerinsel nach Kamenyj Ostrow. Je mehr der Wagen sich vom Zentrum der Stadt entfernte, desto armseliger wurde bernische Regierungsrat nun versucht, die I Frage der Viertelsjahrsteuer mit derjenigen einer Revision der Motorfahrzeugsteuern im Sinne einer Erhöhung derselben zu verquicken. Eine solche Behandlung lassen sich weder die Verbände, noch weiteste am Motorfahrzeugverkehr interessierte Kreise gefallen! Entsprechende Massnahmen sind bereits besprochen und beschlossen worden. Vielleicht wird man in der nächsten ausserordentlichen Session des bernischen Grossen Rates das erfahren, was alle Automobilisten und Motorradfahrer des Kantons Bern interessiert: ob die Viertelsiahrsteuer im Sinne der gutgeheissenen Motion Baumgartner auf 1. Januar 1934 eingeführt wird oder nicht. SportnaeÜivicfiiiejm geben werden. Die Porsche-Equipe wird im nächsten Jahre ebenfalls an den grossen europäischen Preisen anzutreffen sein. Noch sehr unklar ist die Lage in Frankreich. Weder Bugatti noch • Delage haben bis heute bestimmte Angaben über die Pläne für das nächste Jahr verlauten lassen, weshalb man hier noch immer stark aufs Raten angewiesen ist. Von Bugatti geht sogar das wilde Gerücht, dass er sich in Zukunft nur noch ausschliesslich dem Bau von Bahntriebwagen widmen und sich vollständig vom Autosport zurückziehen werde. Dieser Version, die wir stark anzuzweifeln wagen, steht aber die Tatsache entgegen, dass Bugatti als Erster in San Sebastian seine neuen Rennwagen, die nach den Normen für 1934 gebaut sind, starten Hess. Es scheint wahrhaft mehr als fraglich, ob Bugatti sich in einem Augenblicke vom Autosport zurückzieht, in dem bereits seine neuen Modelle fertig erstellt sind! Ueber die Zusammensetzug der event. Bugatti-Equipe — selbstverständlich die aktive Mitwirkung der Molsheimer Firma im nächsten Jahre vorausgesetzt — zirkulieren verschiedene Gerüchte. Die in unserer letzten Nummer mit allem Vorbehalt wiedergegebene Meldung vom Austritt Varzis aus der Bugatti-Equipe scheint auf Wahrheit zu beruhen. Wohin sich der berühmte Italiener wenden wird, weiss man nicht. Doch geht man kaum fehl, wenn man ein© Rückkehr Varzis zu einer italienischen Firma vermutet. Bei Bugatti wird auch 1934 Dreyfus bleiben, anderseits spricht man von-- einem event. Eintritt Fagiolis in die MolsheiA mer Equipe. Entscheidende Verhandlungen wurden bis jetzt zwischen dem italienischen Fahrer und Bugatti noch nicht aufgenommen. Ueber Delages Pläne ist bis jetzt ebenfalls noch nichts Bestimmtes veröffentlicht worden. Während die einen Stimmen behaupten, Delage werde 1934 nicht fahren, erklären andere mit ebenso grossen Ueber* Zeugungen, die französische Marke werde im nächsten Jahre wieder im Sport eingreifen. Erkundigungen, die von zuständiger Seite bei einer führenden Persönlichkeit der französischen Firma eingezogen wurden, ergaben, dass die Pläne für die Rennwagen fertig bereitliegen und dass nur noch der Beschluss Delages abgewartet wird, da dieser bis zum Augenblicke noch nicht ins klare darüber gekommen ist, ob er die gewaltigen Spesen für den Bau der neuen Maschinen,, ausgeben will. Falls Delage 1934 an den Ren," nen teilnimmt, dann soll, wie bereits gemeldet, Chiron ein Anwärter für diese Equipe sein. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, dass der Monegaske auch 1934 in Verbindung mit der «Scuderia Ferrari» bleibt, in deren Diensten er bekanntlich während der zweiten Hälfte der vergangenen Saison gestanden hat. Auch Alfa Romeo hat sich nicht entschieden, wie sie sich 1934 verhalten wird. Noch in diesem Mo-nat wird unter Umständen die Mailänder Firma definitiv Stellung zu der ganzen Frage nehmen. Ganz abgesehen davon, ob Alfa Romeo neue Rennwagen bauen wird oder nicht, werden die berühmten Monoposto-Modelle noch Verbesserungen erfahren und darauf in einer beschränkten Serie gebaut und an Rennfahrer verkauft. Von i ... M *i • • • die Beleuchtung. Aber es war trotzdem nicht dunkel in den Strassen. Ein merkwürdig weiches, silberiges Licht schien von oben, vom ganzen Firmament herabzufHessen; es legte sich auf die alten, grauen Häuser und die prunkenden Paläste und die Gärten mit ihrem ungeheuren Baumbestand, dessen dunkle Blätter im Winde zitterten und wie bereift schienen. Und doch war kein Mond am Himmel zu sehen, blinkte kein Stern aus der hellen, fast weissen Seide des Firmaments. Der Oberst freute sich an dem Erstaunen von Mercedes. «Das sind unsere Juninächte, Madame! Diese unvergleichlichen Nächte, in denen die Sonne für uns eigentlich nicht untergeht. In diesen Nächten leben die Lebenden heisser; in diesen Nächten wachen selbst unsere Toten auf! Aber sie fressen an den Nerven, diese Nächte, denn sie töten den Schlaf. Und machen doch müder, wie der heisseste Tag. Vielleicht sind sie ein Unglück, diese Nächte, denn sie reizen die -Phantasie und ersticken den Willen!» «Sie sprechen wie ein Dichter, Herr Oberst!» «O nein, Madame! Nur wie ein Russe, der sein Russland liebt und — beweint!» (Fortsetzung im *Autler-Feierabend»J

NO 86 - 1933 Äimm)BlL-REVUE 3 den Piloten, die einen Alfa Romeo-Monoposto erhalten werden, sind bis jetzt bekannt: Chiron, Lehoux, Moll und Brunet. Ziemlich still ist es auch um die « Scuderia Ferrari», in deren Besitz sich bekanntlich die 6 schon früher gebauten Alfa Romeo- Monoposti befinden. Diese Maschinen werden, wie die andern Wagen der Scuderia, in den eigenen Werkstätten auf die nächstjährige Formel hin umgebaut. Es ist nicht ausgeschlossen, dass zwischen Ferrari und Nuvolari die heute noch bestehenden Differenzen gütlich beigelegt werden, so dass Nuvolari 1934 unter Umständen wieder für die « Scuderia Ferrari» starten wird. Es handelt sich hier allerdings grösstenteils noch um Vermutungen, da Nuvolari anderseits in letzter Zeit mehrmals die Absicht geäussert hat, sich keinerlei Gruppen oder Firmen mehr anzuschliessen, um nach eigenem Willen allein fahren zu können. Brivio und Graf Trossi werden aller Wahrscheinlichkeit nach bei der « Scuderia » bleiben. Für Maserati, über dessen genaue Pläne man auch noch nichts weiss, wird aller Wahrscheinlichkeit nach Taruffi starten. Der ausgezeichnete französische Einzelfahrer Etancelin hat, wie schon früher erwähnt, einen Maserati-Monoposto bestellt, so dass er nächstes Jahr nicht mehr auf Alfa Romeo zu sehen sein wird. Wie wir weiterhin vernehmen, werden auch Benoit Falchetto und Louis Braillard im nächsten Jahre auf Maserati-Mono-posti fahren. Zum Schluss dieser Uebersicht sei noch auf eine neue Scuderia hingewiesen, die 1934 erstmals aktiv sein wird. Sie nennt sich « Scuderia Brianza» tind besteht aus den italienischen Fahrern Strazza. Graf Castelbarco und Graf Lurani. Die neuen Mannschaft verfügt bis ietzt über zwei Maserati, einen Bugatti und einen Alfa-Romeo-Snortwagen. bo. Sitzung der Internationalen Sportkommission. Di© internationale Sportkommission trat am letzten Freitag in den Räumen des Automobilclubs von Frankreich in Paris zu einer ersten offiziellen Sitzung zusammen, in der verschiedene wichtige Aenderungen des internationalen Sportkodexes beschlossen und der provisorische internationale Sportkalender für 1934 aufgestellt wurden. Gestern Montag wurde sodann der Sportkalender der Generalversammlung der A.I.A.C.R. zur definitiven Genehmigung vorgelegt. Da im Augenblick, in dem diese Zeilen in Satz gehen, die Montagsverhandlungen in Paris eben aufgenommen worden sind, müssen wir nähere Angaben über den neuen internationalen Sportkalender 1934 auf nächste Nummer zurückstellen. An der vierstündigen Sitzung vom letzten Freitag, an der auch die Schweiz vertreten war, zeigte sich besonders Italien sehr aktiv das mehrer© wichtige Vorschläge vorlegte, die teilweise auch die Zustimmung der internationalen Sportkommission fanden. Nach der Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung behandelte die Kommission sogleich die italienischen Propositionen über die Aenderung einiger Artikel im internationalen Sportkodex. Die vorgeschlagenen Modifikationen waren bereits von einer Unterkommission geprüft worden, die aus Vertretern der Automobilclubs von Italien, England und Belgien bestand. Der wichtige Art. 14 des internationalen Sportkodexes ist auf Vorschlag der Italiener hin erweitert worden und hat nun folgenden Wortlaut: «Sportliche Veranstaltungen: Jedes Meeting, jede Prüfung-, jeder Rekordversuch, jede Dauer- oder Regelmässigkeitsprüfung, Sternfahrt usw., an der Automobile teilnehmen. Die sportlichen Veranstaltungen sind international oder national organisiert. Sie werden «geschlossen> oder «offen» genannt und können zudem auch als «reservierte» Veranstaltung durchgeführt werden. Ein solcher sportlicher Anlass kann von einem nationalen Automobil-Club, einem seiner affilierten Clubs, der autorisiert worden ist, oder ausnahmsweise von einem Organisationskomitee, das für diesen Zweck aufgestellt wurde, veranstaltet werden.» Die folgenden Artikel von 15 bis 19 geben dann nähere Bezeichnungen des Art. 14. Gegenüber dem früheren Art 14 weisen die oben zitierten neuen Bestimmungen die Erweiterung auf, dass nun auch Regelmässigkeitsprüfungen und Sternfahrten im internationalen Sportkodex enthalten sind, so dass von nun an alle automobilistischen Prüfungen der verschiedensten ATt dem nämlichen Reglement unterstellt sind. Diese Modifikation dürfte deshalb nicht nur vom sportlichen, sondern auch vom wirtschaftlichen und industriellen Gesichtspunkt aus von Bedeutung sein, da heute auch bei Sternfahrten und ähnlichen Veranstaltungen technische und geschäftliche Belange eine Rolle spielen. Sehr wichtig sind auch die Aenderungen der Art. 276 und 277 des Sportkodexes, wie sie von der Sportkommission vorgenommen wurden. Auf Grund der neuen Artikel hat jeder nationale Automobil-Club das Recht, eine Veranstaltung im internationalen Kalender einzutragen, sofern sie nicht mit einem andern Anlass kollidiert. Der Art. 276 schreibt vor, dass zuerst im Kalender die « Grossen Veranstaltungen» eingeschrieben werden. Wenn auf diese Weise ein erstes Schema des internationalen Kalenders aufgestellt ist, haben die nationalen Automobil-Clubs das Recht, noch weitere internationale Prüfungen unter folgenden Bedingungen einzutragen: a) dass diese Veranstaltungen von den nationalen Automobil-Clubs empfohlen sind, dass sie ferner schon mindestens früher einmal organisiert wurden und dass sie direkt vom nationalen Automobil-Club veranstaltet werden, der das Gesuch stellt; b) dass die Daten dieser Veranstaltungen nicht mit denen anderer Prüfungen kollidieren (ausgenommen die Bestimmung des Art. 277). Der Art. 276 legt weiterhin fest, dass nach der Publikation des internationalen Kalenders: 1. Keine neue Einschreibung in den Kalender mehr erfolgen kann: 2. ein nationaler Automobilclub keine weitere Veranstaltung für ein bestimmtes Datum bewilligen darf, sofern dieser Tat bereits für eine andere internationale Manifestation reserviert ist; es sei denn dass sich durch die A.I.A.C.R. mit den andern Organisatoren eine Uebereinstimmung treffen lässt. Mit diesen verschärften Bestimmungen betr. der Eintragung von Veranstaltungen im internationalen Kalender, die von der italienischen Delegation vorgeschlagen wurden, soll eine grössere Respektierung des Kalenders erzielt und die Kollision zahlreicher Veranstaltungen vermieden werden. Im weiteren genehmigte die internationale Sportkommission den italienischen Vorschlag Generalübersicht der Olympia-Schau, die gegenwärtig in London über das Bestrafungssystem. Danach hat ein nationaler Automobil-Club das Recht, gegen eine Marke nur auf dem Landesgebiet Massnahmen zu ergreifen, für welches er die Jurisdiktion besitzt. Für Sanktionen internationalen Charakters ist ausschliesslich das internationale Schiedsgericht zuständig. Auf diese neue Weise sollen die Interessen der Firmen und Marken mehr geschützt werden. Was die Einführung einer Kategorie der «Dilettanten» betraf, fasste die Sportkommission keine Beschlüsse, indem sie es den verschiedenen Ländern überliess. diese Kategorien selber zu schaffen. Bei Abschnitt 7 wurde auf Vorschlag Englands die neue Bestimmung aufgenommen, dass die Resultate eines gelungenen Rekordversuches an die internationale Sportkommission 48 Stunden nach vollendeter Fahrt telegraphisch zu melden sind und dass innerhalb 8 Tagen die notwendigen Dokumente an die Sportkommission eingesandt werden müssen. Der neue Vorschlag zielt daraufhin, Verzögerungen, wie sie sich nach den Rekorden des Amerikaners Jenkins ergaben, zu verunmöglichen. Belgien legte einen Vorschlag bezüglich Abänderung der neuen Formel für die Jahre 1934 bis 1936 vor. Darin wurde proponiert, den Kompressor abzuschaffen und den Brennstoff so zusammenzusetzen, dass er aus 50% Benzin und 50% Benzol besteht. Die internationale Sportkommission ist auf den Vorschlag nicht eingetreten und hat ihn ohne weiteres zurückgewiesen, da die neue Formel schon vorher bereits definitiv feststand. Auch von seiten der Tschechoslowakei aus wurde noch eine Eingabe gemacht, die dahin ging, dass ein an einer Veranstaltung angemeldeter Konkurrent im Falle von Forfait zum mindesten 3 Tage vorher seine Abwesenheit melden müsse. Der Vorschlag wurde zurückgewiesen, da bereits Sanktionsbestimmungen für Fahrer bestehen, die sich für zwei gleichzeitig stattfindende Veranstaltungen anmelden. bo. Caracciola wieder operiert. Wie wir soeben vernehmen, hat die Heilung des schweren Oberschenkelbruchs, den sich Caracciola im April dieses Jahres beim Training zum Grossen Preis von Monaco zuzog, nicht den erwünschten glatten Verlauf genommen. Caracciola musste sich in der Klinik des bekannten italienischen Spezialisten Professor Putti in Bologna soeben nochmals einer Operation unterziehen. Dem hervorragenden Fahrer ist ein voller Erfolg dieses zweiten Eingriffs von Herzen zu wünschen. mb. Neue Rekorde in Montihery. Auf dem französischen Autodrom wurden auch in den letzten Tagen weitere internationale Rekorde aufgestellt. Vergangenen Mittwoch starteten Eyston und Vaselle auf einem Hotchkiss-Serienwagen 11 PS 2000 cem und stellten auf der durch Regen stark gefährdeten Bahn 3 neue internationale Rekorde auf: 500 Meil«n: 4 Std. 56 Min. 39 Sek. •41/100 (Stundenmittel 162,7 km/St.). 6 Std.: 980 km 130 (Stundemnittel 163,3km/St). 1000 km: 6 Std. 7 Min. 8 Sek. 95/100 (Stundenmittel 163,4 kin/St.). Am Samstag erzielten die Fahrer Jemicson und Marray drei internationale Rekorde der Klasse 750 ccm. Sie erreichten mit einem Austin-Wagen folgende Zeiten: 5 Meilen: 2 Min. 30 Sek. 78/100 (Stundenmittel 192,1 km/St.). 10 km: 3 Min. 07 Sek. 36/100 (Stundemnittel 192,1 km/St.). 10 Meilen: 5 Min. 02 Sek. 5/100 (Stundenmittel 191,8 km/St.). X. %r»«* d