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E_1933_Zeitung_Nr.100

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12 ÄUTOMOBTL-REVUE

12 ÄUTOMOBTL-REVUE 1933 - N" 100 Der Tag des Nikolaus - Zum 6. Dezember. Er kommt mit wei&sem Bart und Rute aus Wäldern, wo es schneit und stiebt. Wir zittern schon, ob uns der Gute mehr Aepfel oder Schläge gibt. Er sandte, um uns bang zu machen, seit Tagen schon sein Bild voraus; man stellte es mit Zuckersachen in vielen Fensterläden aus. Der weisse Bart, die roten Backen sind gütig wie bei Grosspapa; wir dachten nur ans Nüsseknacken und wünschten, seine Zeit war' da. Nun M nein Tag. Die grüne Rute droht hinterm Aepfelsack hervor. Ob er uns böse ist, der Gute? — 0 kört, er poltert schon ans Tor. Wie unsre kleinen Herzen zappeln! Die Stiege kracht, vor Angst uns friert. *Ihr Kinder, eh' die Nüsse rappeln, wird erst die Rute anprobiert.» K. K. dieses Schaukelpferdchen, ich will es für Sie tragen 1 Es kostet nichts, — es ist heiliger Abend... > Ein junger Mensch kommt in die Gasse, ein Mann in guten Kleidern. Eine Weile bleibt er unschlüssig stehen und dann geht er auf Josef zu. < Hören Sie >, sagt er zerstreut, «Sie müssen mir noch etwas besorgen. Da ist eine Karte, man wird Ihnen ein Paket dafür ausfolgen. Ein Paar Pelzstiefel, sehen Sie, in diesem Geschäft.» Ja, schön, und dieses Paket habe er also abzuliefern. Annenstrasse, hier und hier. «Aber kommen Sie nicht vor 8 Uhr», fügte der Fremde hinzu. « Verstanden ? Ihre Nummer ? » « Siebenunddreissig, Herr ! > « Ja, gut.» Der Mann überlegt noch einen Augenblick, dann schlägt er den Mantel zusammen und geht. Josef betrachtet die Karte im Licht der Laterne, es ist noch Zeit, aber er will sich trotzdem gleich auf den Weg machen. Die breite Strasse schäumt über von Menschen, von Licht und erregtem Lärm. Josef drängt sich an den Schaufenstern entlang, im Vorbeistreifen drückt er sein Gesicht in duftende Pelze, — ha. so ein Zufall, so ein Glückstreffer! Er wird ein wenig Geld verdienen, selbstverständlich, mindestens ein Silberstück an diesem Abend. Oder man wird ihn vielleicht in die Küche bitten, auch das wäre möglich. Josef stolpert hastig in einen der Läden und weist die Karte vor. « Pelzschuhe ? Ach }a, warten Sie hier, einen Augenblick! > Während das Mädchen die Schachtel zrarechtmacht, nimmt Josef eines der beiden Stiefelchen in die Hand. Es ist aus weichem dunkelblauem Leder genäht, aus seinem Innern Quillt weisser Pelz wie eine wunderbare fremdländische Blüte. Du lieber Gott, ist es auszudenken, dass ein sterblicher Mensch in solchen Schuhen geht ? Josef nimmt das Paket in seine Arme und wickelt auch noch einen Flügel seiner Jacke darüber, ihm ist, als träge er lebendige Wesen an seiner Brust. « Annen^ras^e » fifistert er, «es ist gar nicht sehr weit.» Im Vorübergehen schaut Josef nach dem Schuhwerk der en. — nirhts Has «itrd srewflh*r1fc1i«» Stie- fei, nicht einmal immer neu. Schuhe mit Wasserflecken auf dem Leder. Das Haus steht allein inmitten einer Baumanlage. Es bleibt noch mehr als eine Stunde Zeit, aber Josef wartet gern da unter den Bäumen. Die dichten Kronen dämpfen den Wind, hier ist es dunkel und ein wenig wärmer. Josef findet noch etliche kleine Münzen in der Tasche, sie reichen für nichts rechtes, aber plötzlich hat er den Einfall, sich Zigaretten zu kaufen. Er lässt sich vom Verkäufer Feuer geben und legt sein Paket auf den Laden. «Bitte >, sagt er laut, «der Tisch ist doch woM sauber ? » Ach so ein Spass ! Josef geht zwischen den Bäumen hin und her und raucht, schliesslich kann er auch noch seine rote Mütze einstecken, dann sieht es aus, als warte er -da, mit einem Paketchen unter dem Arm. Wenn jemand vorüberkommt, räuspert er sich nervös. « Was denn ? > heisst das, « wo zum Teufel bleibt sie so lange ? » Das Rauchen tut ihm nicht gut, er ist wie berauscht und schwach in den Knien. Josef sucht nach einer Bank und findet nur eine, auf der schon jemand sitzt, ein dunkles unkenntliches Wesen. Von der Brücke her fällt ein wenig Licht auf diesen Platz. Josef entdeckt, dass es ein Kind ist. Ja, ein Mädchen hockt da, allein, aufrecht und regungslos im Krampf des Frierens. Josef beugt sich vor, « erlauben Sie », sagt er beklommen und legt sein Paket neben sich auf die Bank. Das Mädchen antwortet nichts. Es hat die Hände vor der Brust unter dem Tuch vergraben und seine Augen sind wie schwarze Wundmale in seinem Gesicht. Josef schaut sich ratlos um. er fängt an, sich umständlich die Hände zu reiben und mit den Fingern zu knacken, plötzlich überfällt auch ihn wieder die feuchte Kälte, die trostlose Dunkelheit. «Es ist kalt», sagt er mit heiserer Stimme, «eine gottverdammte Kälte, jawohl. Man versteht das nicht, es muss zu wenig Schnee gefallen sein, daran liegt es vielleicht... » « Wo soll ich ihn nur suchen ? > sagt das Mädchen plötzlich laut. « Ja. wo denn nur ? Es ist schon so spät, nirgends finde ich ihn, nirgends.» Josef versteht nicht sogleich. « höre», sagt er, c was redest du da — wen willst du denn suchen ? » '« Und ich war doch schon überall. In der, Halle war ich und drüben im Keller, aber nein — — » «Ich will dir etwas sagen», erklärt Josef, «das ist alles richtig, aber du kannst da nicht sitzen bleiben, das verstehst du doch ? Geh* einfach heim, geh* zur Mutter heim, meine ich.» « Die Mutter, nein. — Ich habe keine Mutter», sagt das Kind. Josef rückt näher und legt den Arm um die Schultern des Mädchens. Sie lässt es geschehen und drückt sich verstohlen an ihn. Er redet ihr leise und freundlich zu, — < müde », sagt er, * ja müde bist du. kleines Wesen, und du willst nicht mehr allein bleiben, freilich. Das ist schlimm. Ich weiss, wie schlimm das ist. die Kälte und alles. > « Bist du auch arm ? ». « Arm ? » Ach nein, Josef ist nicht arm. Vielleicht liegt etwas Tröstliches darin, wenn er so sagt. Uebermässig wohlhabend ist er ja nicht, aber er hat sein Auskommen, was das Essen betrifft, ein paar Zigaretten. < Ich friere immer», sagt das Mädchen. An den Händen, im Gesicht — überall, aber das macht nicht viel. Nur die Füsse, — ich kann nicht schlafen, weist du, und wenn ich Hunger habe, ist es ganz schrecklich. Ach, und gar nichts hilft.» Nichts, nein. Josef verstummt. Er neigt sich vorüber und betrachtet die Schuhe des Kindes. Sie sind aus dunklem Tuch gemacht, zwei unförmige Klumpen, von der Nässe durchtränkt. Josef hat plötzlich andere Schuhe vor Augen, Stiefelchen aus blauem Leder, innen mit Pelz gefüttert... Er richtet sich auf und denkt nach. Es ist etwa 7 Uhr, noch wenigstens eine Stunde Zeit. Was konnte es am Ende schaden? < Warte einmal», sagt er aufgeräumt, < ich habe da etwas für dich, vielleicht hilft es doch. > «Es ist kalt», eagt er mit heiserer Stimme, € eine gottverdammte Kälte, jawohl » ... Er löst die Schnur von seinem Paket und kniet hin, um dem Mädchen die nassen Schuhe abzustreifen. Wahrhaftig, die Zehen sind so kalt, dass er es mit seinen erstarrten Fingern fühlen kann. Und dann nimmt er also wirklich die Pelzstiefelchen aus der Schachtel, Gott helfe ihm. es ist ja noch Zeit, eine ganze barmherzige Stunde ! Das Kind schaut ihm aus staunenden Augen stumm ins Gesicht. Es schluchzt auch ein wenig, man weiss nicht, recht, ob es lacht oder weint. Es zieht ihn nur an und seine Lieder füllen sich langsam mit Tränen. < Nun ? » fragt Josef und würgt seine Rührung hinunter. Er setzt sich auch wieder, das Mädchen zieht die Knie hoch und steckt sogar die Hände in das Pelzwerk, es seufzt und lächelt und drückt die Schulter dankbar gegen Josefs Brust. Mit einem Male fühlt Josef eine bittere Traurigkeit in seinem Herzen, er fängt an, von seinem Leben zu erzählen. Nein, überraässig wohlhabend ist er nicht, die Wahrheit zu sagen. Er hat nicht alle Tage Pelzstiefel zu vergeben. Und überdies prüft ihn Gott auch sonst auf seine Weise. « Sieh mich an», sagt Josef, «kannst du mein Gesicht sehen ? Ach, Hunger oder Kälte, das ist nichts Unabwendbares. Aber hast du das erlebt : dass dir unversehens auf der Strasse ein Kind in die Arme läuft, so etwas ganz Kleines und Atemloses, und du hast sogar ein Stück Zucker für das Kind in der Tasche. Das war lange aufgespart und jetzt trifft es sich so. Ja, aber dann schaut dir das Kind ins Gesicht und es lacht plötzlich nicht mehr. Es hat Angst in den Augen und windet sich los und dann kommt natürlich Erster Schnee Von Gertrud Bürsi. Kein Zweig regt sich. Kein Ast beginnt zu schwingen. Nur Wolken wandern ruhlos in die Ferne und Stille lagert, wie ein Feind, im Tal. Dann fällt das erste, kleine Flockenpaar, nur zaghaft schwebt es, so, als ob es träume. Ein zweites, drittes folgt, ein Wirbeltanz von lichter Weisse, sttssem Flaumgefieder. Und plötzlich stürmt ein grauer Riesenvogel die sanfte Brust des müdverweinten Tags... die Mutter, die reisst dir das Kind aus dem Arm. Ach, da hilft nichts, da kannst du noch lange so stehen, mit deinem lächerlichen Stück Zucker in der Hand ! — Die Hässlichkeit, verstehst du, die ist wie Gift. Sie macht dich erst arm, verflucht, verlassen, die nimmt dir alles, auch das Erbarmen, das bisschen Mitleid in den Augen der andern...» Josef merkt, dass das Mädchen eingeschlafen ist. Nun freilich, denkt er. es ist ja langweilig, mein Gejammer ! Er rückt sich zurecht, macht es ihr bequemer in seinem Arm und dann schweigt er bedrückt. Sie atmet sanft, er spürt die laue Wärme ihres Körpers durch seinen dünnen Rock. Wie soll das nun enden, denkt Josef ernüchtert, — da schläft sie, mit meinen Pelzstiefelchen ! Es bleibt nicht übrig, man muss sie wecken und ein Ende machen. Er regt sich ein wenig, da lächelt sie im Schlaf. Und Josef sitzt wieder still, er zieht nur das Tuch fester um ihre Schultern. Dabei streift seine Hand an etwas Kaltes auf der Bank. Es sind die alten Schuhe, zusammengeschrumpft und steif gefroren. Nein, da ist wohl nichts zu ändern, da mag in Gottes Namen alles seinen Lauf nehmen. Es ist vielleicht am besten, wenn er einfach weggeht, ehe sie aufwacht. Er löst sich vorsichtig von ihr und lehnt ihren Kopf an den Baum neben der Bank. Sie seufzt nur ein wenig und wacht nicht auf. Josef nimmt die leere Schachtel und gefit ruhig fort. Sein Kopf ist seltsam müde und ausgeräumt. Im Vorbeigehen steckt er den Karton durch ein Kellergitter. Ein Polizist kommt ihm entgegen. Nein! denkt Josef und biegt in eine Seitengasse. Aber da schlägt die Uhr auf der Marienkirche. Acht! Josef besinnt sich einen Augenblick, dann kehrt er hastig um und läuft dem Polizisten nach. Seine Schritte hallen laut hinter ihm her in der leeren Gasse. < Verzeihen Sie », sagt Josef atemlos, «ich glaube, Sie werden mich verhaften müssen ! » Der Polizist mustert ihn verblüfft, — < was denn...» « Ja, die Sache ist so: ich habe da etwas gestohlen. > < Wissen Sie », sagt der Polizist ärgerlich, « Sie sind einfach besoffen ! Gehen Sie nach Hause, rate ich Ihnen ! » «Nein ! loh habe tatsächlich etwas gestohten, glauben Sie mir! Ein Paar Pelzstiefelchen, Herr Polizist! » < Kommen Sie mit! » « Es ist nämlich heiliger Abend! » sagt "Josef nachdenklich und lächelt... ZÜRICH LImmatquaj 62 — Langstrasse 83

N° 100 - 1933 AUTOMOBIL-REVUE EDEDP HDUOt Vorweihnachtliche Betrachtung. Vor ein paar Tagen betrat ich ein Ge-geschäft, als sein Inhaber eben damit beschäf- alle wieder zu Kindern. Jedes Pakettigt war, Weihnachtsdekorationen auszusuchen. Was für ein Zauberkasten müsste diese Kollektion für Kinder sein! Silberbestäubte Watte gab es und gekörntes Silberpapier, glattes und solches, das schon Blattformen bildete, Zweige und Ranken. Dazu Sterne und Herzen aus Silberblech, kleine Vögel und schwebende Engel. Da fiel mir auf einmal ein, dass trotz des strahlenden Spätherbsttages bald Weihnachten sei. Und ich dachte mir Tannzweige zu dem Silber und Weiss, erlebte den Lichterglanz in den Schaufenstern. Und sah die Menschen vor mir, die Strasse auf, Strasse ab eilen, um weihnachtliche Einkäufe zu machen. Geheimnisse weben durch die Welt. Es gibt bald wieder besondere Schubladen, die schwer verschlossen bleiben. Leise werden von paketbela denen Leuten Türen auf getan, •und auf den Zehen schleichen sie zu ihrem Versteck, wenn etwa der zu Beschenkende gerade zu Hause sein sollte. In manchen Küchen beginnt ein lebhaftes Tun. Nach Backwerk duftet es in vielen Häusern, Berge davon, von denen aber keiner vorerst etwas nehmen soll, türmen sich auf Tischen. In abgelegenen Gastzimmern, manchmal auch in ungeheizten Visitenstuben, werden die Herrlichkeiten aufbewahrt. Besonders «putznestige» Hausfrauen nehmen gerne den Vorwand des Festes wahr, um mindestens vierzehn Tage lang, vor dem Fest, eifrig putzen und scheuern zu lassen. Soweit sie die übrigen Vorbereitungen nicht daran hindern. Mit alledem hat die wahre Kunst des Schenkens nicht viel zu tun. Es wird leider sehr viel nach Schablone geschenkt. Planlos, zufällig und vielfach ohne Verständnis für die wahren Bedürfnisse des Empfängers. Vergessen wir eines nicht. Wir machen doch im Grunde nur dann einem andern wirklich Freude, wenn wir ihn durch Erraten eines Wunsches oder durch bewusste Erfüllung eines solchen in einen Zustand wirklichen Entzückens versetzen. Der Beweis unserer Aufmerksamkeit wiegt fast so viel wie das.Geschenk. Weihnachten ist doch die Zeit, in der wir irgend etwas Wunderbares erwarten. In dieser Hinsicht werden wir in diesen Ta- S UE B XT E ER >0ft HU Kunst des Schenkens chen in der Hand von Passanten wird zum Geheimnis. Und der Postbote erscheint uns als Bringer ungeahnter Herrlichkeiten. Wie sollen wir schenken? Vor allem nicht bloss nach unsern eigenen Ideen und Wünschen, vielmehr nach denen der Empfänger. Wir müssen erraten, was den andern Freude macht, feinhörig sein im Gespräch, durch Beobachtungen feststellen, was den andern fehlt, was ihnen wirkliche Erleichterung oder wahre Freude bringen könnte. Ein Geschenk soll etwas bringen, was sich der Empfänger vielleicht nicht selbst erlaubt oder anschaffen kann, was er aber vielleicht sehnlichst wünscht. Es wird heute sehr mit dem Kaufen zurückgehalten, auch in Kreisen der Bevölkerung, die dies gar nicht tun müsste. Allgemein klagen die Geschäfte. Diese Erscheinung wirkt sich ungünstig für die gesamte Volkswirtschaft aus. Wenn sich die Herbstvorräte nicht rasch verringern, erhält die Industrie keine Nachbestellungen. Damit kommt es zu Betriebseinschränkung, zu neuer Arbeitslosigkeit. Und diese wirkt sich auch wieder auf den Bezug lebensnotwendiger Bedarfsgüter aus. Trifft Landwirtschaft und Ernährungsgewerbe. Darum wenigstens bei Weihnachtseinkäufen nicht zurückhalten oder sie gar da und dort sistieren. Wer weniger geben kann, soll eben seine Geschenke bescheidener ausrichten. Und es schadet auch gar nichts, wenn wir einmal selber an eigenen Bedürfnissen etwas abzwacken, um andern, die vielleicht noch weniger ausgeben können als wir, eine Freude 2u bereiten. E. Seh. Weihnachtsgeschenke für Kinder Das ganze Jahr über freuen sich die Kinder auf die Weihnachtszeit. Schon die Erwartung zu erleben, Geheimnisse zu erraten, macht sie lebhafter noch als sonst. Welches Vergnügen bereitet das Ausfüllen eines Wunschzettels oder ein Brief an das Christkind, den manche Mütter ihren Kindern zu inspirieren verstehen. Diese Wunschzettel sind oft recht aufschlussreich über die Denkweise mancher Kinder; daraus erkennen wir vielfach ihre Anlagen, ihre Eindrücke und Einflüsse aus ihrer Umgebung. Technische Spielsachen und Sportgeräte dürften zu den von Buben meistbegehrten Gegenständen gehören, neben Büchern und wohl auch Esswaren. Seltener werden sie Kleidungsstücke, ausser sportlichen, verlangen. Anders im allgemeinen die Mädchen. Es gibt einzelne, die schon als Erstklässler sich um Kleider mit einem drolligen Ernst kümmern und selbst über die Toiletten ihrer Umgebung, ihrer Mütter ganz ernsthaft urteilen. Was schenken wir nun den Kindern? Es gibt für Buben praktische Anzüge, Pullover, Mützen und Schuhe, auch Handschuhe und vor allom Wollschals, wofür manche eine ziemliche Aufmerksamkeit bekunden. Auch Strümpfen sind sie gar nicht so unfreundlich gesinnt. Es hat natürlich keinen Sinn, Kindern, die im Wachsen begriffen sind, zuviel Kleidungsstücke als Geschenke zu geben. Besonders wo wenig Kinder sind und sie die Sachen nicht voneinander übernehmen können. Auch eigentlich luxuriöse Dinge sind nicht angebracht. Der gute Mittelgenre wird da am Platze sein. Ausnahmen mögen Kleider und andere, für besondere Anlässe bestimmte Dinge machen. Die heutige Mode versteht es ausgezeichnet, modische Züge mit kindlichen Formen in Einklang zu bringen. Reizvoll sind jene leichten Woll- oder Seidenkleidchen englischen Genres in gerader Form, mit sorgfältig gearbeiteten Passen, die mit Nid d'abeilles oder Smock verziert sind. Geschmackvoll bestickte Kinderkleider gibt es wenige. Wir greifen deshalb zu diesen englischen Typen oder auch zu Modellen mit Durchbrucharbeit. Beide sind als Sonntagskleidchen oder für Einladungen sehr kleidsam und bequem. Grössere Mädchen können ganz gut Samtkleidchen tragen aus Waschsamt in sportlichen Fassonen; aus weicherem, feinerem Material, mit weiteren Aermeln, mit Schleifen verziert, werden Modelle für grössere Kinder, zu allerlei Anlässen bestimmt, angefertigt. Die Kinderkonfektion in der Schweiz ist ausgedehnt, geschmackvoll und bringt überdies Trikotbekleidung für jeden Zweck, in Farben, die den Kindern stehen. Mäntelchen liegen verlockend in den Schaufenstern. Es gibt weichblaue und rote als Haupttypen. Manchen Kindern stehen Kamelhaartöne und Beige ausgezeichnet. Weiss gilt eigentlich nur für die ganz Kleinen. Weiche Pelzbesätze oder solche aus Plüsch, Fassonen mit Pelerinen machen diese Mäntel ansprechend. Ein kleiner Muff sieht lustig dazu aus und weckt stürmische Freude. Mädchen freuen sich immer über schöne Strümpfe, sie lieben hübsches Schuhwerk, laufen gerne in warmen Hausschuhen herum. Begeistern sich früh für Schlafanzüge und kleine Schlafröcke oder einen ihrer Grosse angepassten Bademantel. Neben den wärmenden Wollhandschuhen tragen sie mit einer gewissen Wichtigkeit ihre festlichen Glaces. Und ein gefütterter Lederhandschuh macht sie ganz glücklich. Sie probieren gern Hüte, stülpen sich aber noch lieber ein Mützchen über den Kopf, das eigens für sie gestrickt wird. Uebrigers erzählen Kinder häufig, mit einer gewissen Feierlichkeit, dass man manche Dinge eigens für sie anfertigt, sie damit für wichtig genommen hat. Kinder lieben schöne Wäschestücke, freuen sich über farbige Ketten, über kleine Armbänder, ein Ringlein oder auch eine Uhr. Sie lieben nicht bloss Süssigkeiten, vielmehr auch wohlriechende Seife, kleine Parfümflacons, kindlich aussehendes Schreibpapier. Bei ihnen ist es wesentlich, wie Geschenke verpackt sind; schon einen goldenen Faden, ein Silberband beachten sie, und Geschenkpackungen gehören für sie zu den begehrenswerten Dingen. Es muss ein wenig Zauber und Illusion dabei sein, womit sich das Fest den Kindern vergoldet; sie sind wichtiger als teure Geschenke, kalt geboten. =ss. Mode und Eislaufsport Die Zürcher und die Berner Kunsteielaufbahn haben bereits ihre Betriebe eröffnet, und jung und alt tummelt sich freudig auf der spiegelglatten Fläche. Auch Basel bemüht sich, bis Ende dieses Jahres seine Bahn fertig zu erstellen. Während man früher in der ganzen Saison (ausser an den Wintersportplätzen) oft nur 4—