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E_1934_Zeitung_Nr.010

E_1934_Zeitung_Nr.010

Es regnete so stark,

Es regnete so stark, dass wir in dem kleinen Dörfchen Huehuetan haltmachen mussten. Es bestand aus einigen kleinen, strohgedeckten Hütten, und da Angel Riso dort Bekannte hatte, erhielten wir eine als Nachtlager zugewiesen. Das dürftige Hüttlein gehörte einer älteren Frau, die mit ihrem Sohn, zwei anderen Frauen und mehreren Kindern in dem einzigen Raum des Häuschens hauste, der als Küche, Wohn- und Schlafzimmer für alle diente. Während ich der einen Frau zusah, wie sie einen Leguan — eine grosse, dunkelgraue Hornechse — mit Reis und Bohnen kochte, versuchte ich mir auszumalen, wie wir uns alle über Nacht einrichten würden. Dann fiel mir wieder der Leguan mit seinem stachelbewehrten Rücken ein, der dort im Topf schmorte. Diese Tiere leben auf grossen, alten Bäumen oder unter Wurzeln in Höhlen. Das Aeussere dieser oft über ein Meter langen Eidechsen ist gewiss nicht appetitanregend; sie schmecken aber ganz gut und werden in manchen Teilen Mexikos sogar als Delikatesse geschätzt. Man bereitete sich zum Schlaf vor; Felle wurden auf den Fussboden gebreitet, und da es trotz des Regens heiss und stickig war, zog sich alles aus, unbekümmert voneinander. Hernach wickelte man sich der Moskitos wegen in seine Decke und schlief. Ich versuchte es wenigstens, wachte aber schon nach kurzer Zeit an dem Geräusch tropfenden Wassers auf. Es kam vom Dach. Ich zündete ein Streichholz an, um einen trockenen Platz zu suchen, fand aber keinen und blieb, wo ich war. Gegen Morgen schlief ich wieder ein. Als ich, vom Rauch des Herdfeuers wieder wach geworden, umherblinzelte, war schon alles in Bewegung und trotz des Morgendunkels fleissig bei der Arbeit. Der Regen hatte aufgehört; ich stand auf, um nach Mancha zu sehen, den ich lustig fressend vorfand. Er rief sein übliches Gutenmorgen- Wie der Aufbau aus einer Spielzeusschachtel lag alles unter ihm. Mitten in dem grauen steinernen Stadtbild breitete sich, wie eine smaragdgrüne Insel, der Mirabellgarten. Eng an die letzten Häuser herangerückt ragte die graue Steilwand des Mönchsberges. Rings um die Stadt, wie ein Riesenpark, endlose Wiesen und Auen, durchbrochen von dichtem Buschholz und Waldparzellen, zwischen denen barocke Schlösser, altersgrau und verwittert, sich her- INDIVIDUELLE ERZIEHUNG Jfc für das prakt. Leben bietet das voralpine ^^p KNABEN-INSTITUT „FELSENEQQ" Gegr. 1903 Zugerberg , 1000 m 0. M. Höhenaufenthalt ohne Unterbrechung d. Studien. Sämtllche Schulstufen. Handelsdiplom. Matura. Warum sollten. Sie den Versuch nicht auch selbst einmal machen? Sie erhalten Maag-Klingen, die in der Schweiz hergestellt werden, in allen grösseren einschlägigen Geschäften. Hch. Jenny & Co., Zürich Wlgimitroill 7. Tel« p hon 36.807 Gewieher herüber und fuhr fort in seiner Beschäftigung. Nach einem guten, heissen Kaffee putzten und sattelten wir unsere Tiere. Der fast unsichtbare Weg wand sich durch Dschungelwald, wo wir einfach nicht weiter reiten konnten. Aestegewirr, Zweige, Blätter verstopften den Pfad, den wir mit den Buschmessern erst freimachen mussten. Dann wieder wateten wir lange Strecken durch dunklen, trüben Schlamm. Gott sei Dank, war diese Art Land meinem Führer nicht unbekannt, ich wäre sonst vollständig aufgeschmissen gewesen. Ab und zu stiegen hinsichtlich des richtigen Weges Zweifel in ihm auf. Dann hiess er mich stehen bleiben und ging Umschau halten voraus. Zwischen Flüchen und Zornausbrüchen berieten wir den bevorstehenden Uebergang über die «Alligatorenfurt», wie wir sie rasch getauft hatten. Viele Stunden lang drangen wir mühselig und langsam, oft bis an den Gürtel versinkend, durch den Schlammbrei. Endlich standen wir am Rande eines breiten, träge dahinschleichenden Flusses. Er glich eher einem Pfuhl. Ueppiges, breitblättriges Pflanzengewirr umgab uns und Moskitos summten scharenweise um unsere Köpfe. Nach kurzem Suchen stiessen wir auf eine Stelle, die wie eine Furt aussah, und trafen die nötigen Vorbereitungen. Um das Gepäck trocken zu halten, schlugen wir die rechts und links am Sattel hän-^ genden Taschen nach oben und banden sie aufrecht. Damit die Last auf den Sätteln nicht überkippe, schlang ich ein Seil um das Paket, sicherte ein Ende am breiten Sattelgurt und wies Angel Riso an, auf der anderen Seite des Pferdes dasselbe zu tun. Alles war fertig und der Uebergang begann. Vorne von Gepäckstücken, Sattelgurt, Lasso und marschierte der Führer und hinten kam ich, Seilen verfangen. Ich befreite rasch das arme das Tragtier vor mir hertreibend. Als wirTier und machte mich ahnungsschwer an die uns dem anderen Ufer näherten, reichte das Untersuchung des Schadens. Wasser bis an die Flanken des Pferdes. Immer näher kam die Uferböschung; sie war Die Satteltaschen waren aufgerissen. Ein ungefähr drei Meter hoch. Stramm steuerten Photoapparat — der dritte! — war nur noch wir darauf zu, und auf einmal kletterte Angel ein unnützes Wrack. Instrumente, Zucker, Risos Pferd, vom Packtier gefolgt, aus dem Bohnen, Arzneien, alles ein grosser Kuddel- Wasser. Es fiel mir nicht gerade leicht, die muddel, der wie eine Mischung aus Fleischpudding, Sauerkraut und Limburgerkäse steile, schlüpfrige Uferwand hinaufzukrabbeln. Beinahe war's geschafft; plötzlich stank. Doch das Schlimmste: Mein Silbergeld war hin, weg! Ich schied aus, was uns rutschte das Gepäck des vor mir gehenden Pferdes herunter. Da es auf der einen Seite nichts mehr nützen konnte, wusch die anderen von meinem guten Seilknoten festgehalten Sachen und breitete sie zum trocknen aus. wurde, sauste das geängstigte Tier die steile Angel Riso stand betreten da, kratzte sich Uferbank hinauf und schleifte alles nach. Man den Kopf und entschuldigte sich; denn — ihm frage nicht, wie schnell ich Mancha aus dem war etwas eingefallen. Es war ihm nämlich Wasser das Ufer hinauftrieb, ich mit. Undeingefallen, dass er vergessen hatte, das da hatten wir die Bescherung! Das Packpferd raste wie wild zwischen den Bäumen vorstahlen, bis an die umragenden Bergriesen heran, die himmelhoch auf ragten, die ewigen Hüter der alten Bischofstadt. Ein eherner Glockenschlag vom ehrwürdigen Dom dröhnte durch die Abendstille zur Hohensalzburg hinauf. Ein zweiter, ein dritter, Kirche auf Kirche setzte ein, bald höher, bald tiefer, manche in voller Klangfarbe brausend, manche in hohen wimmernden Erztönen, dazwischen wie ein leises Summen der Pfeifengesang einer Orgel. Der schlanke Offizier der Landesschützen lehnte, den Kopf gedankenvoll in die Hände aufgestützt, noch immer über dem Festungswall und blickte sinnend und lauschend in die Tiefe. Zahlreiche kleine Bilder lenkten ihn ab. Aus den altersgeschwärzten Kaminen stiegen senkrecht dünne blaue Rauchfaden auf, die sich kräuselnd verflogen ... auf dem Giebel eines Hauses ein kleiner bunter Farbenklecks, durch, stieg, bockte, schlug nach allen Seiten aus und zehrte dabei die kostbare Last immer hinter sich her, nicht ohne dem Anhängsel mit den Hinterbeinen eins zu versetzen. Ich bekam Zustände, denn das Paket enthielt meinen Silbergeldvorrat. Die Sache war nämlich so: Die Eingeborenen jener Gegend wollen vom Papiergeld nichts wissen und nehmen nur Silbergeld an. Deshalb hatte ich einen gewissen Vorrat bei mir und in dem Unglückspaket verstaut, ausser verschiedenen Instrumenten, Ferngläsern, Arzneien und Wäsche. Jeder Schlag der starken Hinterhufe schickte eine weisse Staubwolke aus der Last, es war entweder das Talkumpuder oder das doppelkohlensaure Natron. Plötzlich wandte sich das erregte Tier und raste geradewegs auf mich zu. Mancha, der neben mir stand, fuhr der Schreck so allmächtig in die Knochen, dass er sich aufbäumte und nach rückwärts stolperte, worauf wir beide ins Wasser purzelten. Auf , einmal fiel mir das tolle Krokodil wieder ein, und ich kann heute noch nicht sagen, wie und wo ich mich an Mancha klammerte, jedenfalls lag ich unter Wasser und Mancha über mir. Nun, die Geschichte ging gut aus. Wir kletterten zum zweitenmal an Land und fanden das Packpferd am Boden liegend vor. Es hatte sich in einem höllischen Wirrwarr Schachteln iu N ALLEN APOTHEKEN oder direkt durch den Hersteller: Löwen-Apotheke, Basel, wo auch Gratisprobe erhältlich. Was du bist, das hilft er dir entfalten / Ein Weltbild gibt er dir in 20 000 Spalten / Lehrt, in der Wirklichkeit dich praktisch zu verhalten! JLmjtknn.fi aan Htrdtr t Fraibtirw AUTOMOBIL-REVUE 1934 — N° 10 zweite Seilende auf der anderen Seite zu befestigen!! « Que suerta — welches Glück» eine rotweisse Fahne ... um den Turm der Peterskirche flatterte ein Schwärm Tauben ... «Wie heisst dieses Berg?» Blitzschnell, fast erschrocken, riss es den Träumer herum nach der Frauenstimme, die hinter ihm aufklang. Mechanisch schob er die Säbelkoppel zurück und rückte an der keck verschobenen Mütze. Dann erst berührte seine Rechte grüssend den Kappenrand. Wie gebannt hingen seine Blicke an der schlanken Frauengestalt vor ihm. Ein leises, kaum merkliches Lächeln spielte um ihre Lippen als schweigende Erwiderung Jer sichtlichen Bewunderung, die der aus seiner Ruhe Aufgeschreckte ihr entgegenbrachte. Sein Blick hing an ihr, wie wenn er die Frage nicht gehört hätte. «Wie heisst dieses Berg?» «Der Hohenstaufen, gnädige Frau.» Fast stotternd sprach er es vor sich hin. «Und dieses Berg?» Die neuen Wellenlängen des KADI0 Bind m der Senderliste des soeben erschienenen Schweizer Radio- Kalenders für 1934 bereits berücksichtigt. - Dieses Verzeichnis, da« sowohl in der Reihenfolge der Länder als der Wellenlängen angelegt ist, ermöglichtdie sofortige Feststellung auch zufällig aufgefangener Stationen. Seine Anschaffung lohnt eich schon wegen einem eigenartigen SohiüBsel zur Behebung von Störungen; er enthält sodann eine grössere Zahl reich illustrierter laiehverständlicher Aufsätze über die Vorgänge jenseits des Lautsprechers. Preis nur Fr. 2.—. Versand per Nachnahme durch Verlag Haffwag Bern — meinte der Brave, «dass das Krokodil nicht in der Nähe war, als Sie reinfielen!» Also das Silbergeld musste wieder her, wenigstens etwas. Der verschüttete Puder und die niedergetrampelten Pflanzen halfen uns sehr bei der Suche, und bald hatten wir einen Teil meines verlorenen Schatzes wieder beieinander. Als wir am nächsten Morgen weiter wanderten, fehlten mir immer noch ungefähr sechzig Pesos, aber der ereignisreiche, hochdramatische Tag war diesen Preis wert. Ein Ballett von — Descartes. Wenn auch ein häufiges Zusammentreffen von mathematischer und musikalischer Begabung bekannt ist und mancher Gelehrter auch Verse machte, so erstaunt es doch, zu erfahren, dass der französische Philosoph und Skeptiker Descartes ein Ballett verfasste, das man kürzlich in der Bibliothek der schwedischen Universität Upsala entdeckte, wo es nahezu drei Jahrhunderte ruhte. Als Descartes gegen das Ende seines Lebens den orthodoxen Holländern, bei denen er lebte, gefährlich und verdächtig erschien, hielt er es für richtig, den Einladungen der Tochter Gustav Adolfs, der Königin Christine von Schweden, Folge zu leisten, die grosse Männer aller Länder an ihren Hof zog. Wie im Verlaufe der philosophischen Gespräche, die Christine jeden Morgen mit Descartes führte, in ihrem Kopf der merkwürdige Gedanke auftauchte, von dem Philosophen ein Ballett zur Verherrlichung des Friedensschlusses nach dem DreissiRjährigen Krieg zu verlangen, ist schon seltsam, aber geradezu grotesk ist es, dass der Gelehrte tatsächlich einwilligte und ein Ballett schrieb: «Die Geburt des Friedens». Er lässt darin Chöre von Flüchtlingen, Verwundeten und Deserteuren einen Hymnus auf den Frieden anstimmen, und wir lernen in dieser literarischen Kuriosität den früheren Kriegsmann und Offizier Descartes, der denDreissigjährigen Krieg in der Armee des Bayrischen Kurfürsten mitmachte, in seinen alten Tagen als einen Pazifisten kennen. «Der Untersberg.» «0, ich danke schön.» Eine tiefe, männliche Stimme war es, die ihm erwiderte Jetzt erst sah der Gebannte den Begleiter der schönen Frau. (Fortsetzung folgt.) Zürcher Wochenprogramm Stadttheater Ahends 8 üh» Sonntag nachmittags 3 Uhr. Di. abend 6. Feb. Vorst. f. jugendl. Schulentlassene. Mi abend 7 Feb «Arabella», Oper v. R. Strauss (A-Ab. 12). DO. abend 8. Feb. Volksvorst.: «Der Vogelhändler». Fr. abend 9. Feb. < Arabella» (A-Ab. 12). Schauspielhaus Abends 8 * Oh a r u s ?r. n r tag oachm 3V4 Uhr Di. abend 6. Feb. Gastspiel The English Players: «Then Minute Alibi» by Armstrong. Mi. abend 7. Feb. Tovarisch, Komödie v. J. DevaJ. DO. abend 8. Feb. Premiere: «Eins, zwei, drei», Komödie von Franz Molnar; hierauf: « Souper», Komödie von Franz Molnar. Fr. abend 9. Feb. Tovarisch, Komödie v. J. Deval. Cinema WalChe, Stampfenbachplatz 1 «Wie d'Warret würkt». Grand Cafe Esplanade,uto Q uai 21 Im Cafi: Die Kapelle: Paul Godwin. In der Bar: Am Flügel: Gustl Springer, Barhumorist. Im Taharin: Millers and his boys und die neuen Tanzattraktionen. Au Petit Dome Kirchgasse 3, b. Helmhaus CafS — Restaurant — Bar. — Der bekannte, vorzügliche Dome-Cafe und die feinen Spezialplatten! Beatengasse 15 Die erösste und schönste von Zürich. Cafe-Tea-Room Kolibri, Nüschelerstr 30, neben Spira Vorzug! französische Küche, feine Patisserie Mittag- u. Abendessen ä Fr. 1.65 bis Fr 2 50 Cafe RegenCe, Beatengassi Orchester Battle Nachm Tee-Konzert von 4—6 Uhr. Abendkonzert 8—11 l'hr Chs Burhop. Restaurant Urania, uramastr s Die beliebte Cnterhaltunimstätte. Konzert und Variete Anerkannt gute Küche Zett-Restaurant u. Roxy Bar Rebgasse 8 Mittat- und Abendessen von Fr. 1.60 an.

H No 10 - 1934 CD EI Die Mode hat stets etwas zu sagen. Und es ist verständlich, dass viele Frauen beim Anblick von immer wieder anderen, schmeichelnden Details dazu verführt werden, fortwährend irgendetwas in Aenderung oder Neuarbeitung zu wissen. Es scheint, dass gegenwärtig die Trikotneuheiten ihre grosse Zeit haben. Paris bringt wirklich reizvolle Einfälle. Die weiten Pelzmäntel sind so gut geeignet, schmiegsame zwei- und dreiteilige Kostüme zu decken. Und was gibt es Besseres für die Autofahrerin als das Trikotensemble unterm Sport- oder Pelzmantel? Es mehren sich die grossen Eisplätze mit ihren spiegelgÄtten Flächen und ihren Zuschauertribünen. Die Toilettefrage ist rasch gelöst, wenn die Dame, sei sie nun Schlittschuhläuferin oder Zuschauerin, zu diesen praktischen Kleidungsstücken greift Schauen wir uns kurz ein wenig um, was es hier alles gibt. Da sehen wir das schlichte, hoch hinaufreichende Kleid mit einer kragenlosen Jacke, die breite Revers trägt und mit je zwei Durchsteckknöpfen in dreifacher Wiederholung geschlossen ist. Streifen in zwei Tönen von Grau strecken die Figur. Beliebt sind bis in die Taille reichende anschliessende Jäckchen aus grober, aber dichter Strick- oder Häckelarbeit. Sie schliessen seitlich, tragen ein überfallendes Revers, Umlegkragen und schliessen mit einem grossen Knopf auf der linken Schulter. Reizvoll die Blusen aus samtartig weichem Trikot mit Mittelschluss aus Knebeln oder runden Knöpfen. Gewöhnlich ist auch ein Ledergürtel vorhanden. Dunkle Ledergürtel halten die Taille auch bei neuen Ensembles aus ganz weichen, aufgeworfenen Wollstoffen, wobei das Jäckchen manchmal kurz und nur am Hals geschlossen wird. Bajaderestreifen für die Taille treten zu dem hellen Unigrund des Gewebes. Aus zwei, drei Wollfäden, in verschiedenen Farben gemischte, homespunartige Gewebe dienen zu Kostümen, denen man das Uebereinandertreten der Vorderteile nicht gönnt. Sie lassen sogar einen kleinen Spalt zwischen den sie verschliessenden lederbezogenen Knebeln sehen, wohl um die weiche Bluse aus Trikot mit Umlegkragen etwas erraten zu lassen. Immer noch geht das Spiel angeschnittener' oder selbständig zu tragender Echarpen weiter. Hängende, grosse Bandköpfe fallen bei Abendkleidern auf die Büste, wiederholen sich in der Taille ebenfalls vorn. Das Seidenkleid mit seitlicher Schleife auf der Achsel und vorne herabfallend, ist weit verbreitet. Das kleine Schultertuch, das, über die Oberarme fallend, diese flügelartig deckt, ist mit Enden versehen, die, am Halsansatz gebunden, dem Kleid reizvolle Weichheit verleihen. Und dieser Ansicht werden wohl viele sein; wie wenig weise man von dem Land! Mich reizte die neue Aufgabe. Vielleicht spürte meine Kameia wieder verborgene Schönheiten auf. Trotzdem packten mich doch dann und wann Zweifel: wird sich mir die Seele dos La,nde§ auch diesmal wieder offenbaren? Wird meine Arbeit mir lieb werden wie in all den andern Ländern Europas, in denen mit jedem Tag, mit jeder Woche meine Jagdlust mehr und mehr zur Leidenschaft wuchs, immer Neues zu entdecken, immer tiefer in das Wesen eines Volkes einzudringen? Ich machte mich getrost auf den Weg und bereiste in den Jahren 1931 und 1932 das Land bis in seine entlegendsten Winkel. Dabei legte ich im Auto allein über 25 000 km zurück — nicht immer auf bequemen Strassen! Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen; fast täglich gab es neue üeberraschunigen. Diase Landschaften! Wilde Bergformationen in den Karpathen, liebliche Täler im freundlich, anmutigen Hügelland Siebenbürgens; der breite Donaustrom mit seinem engen Felsdurchbruch vor dem Eisernen Tor. und die ungeheure Weit© seines Deltas: die Lagunen und die silberne Küste am leuchtenden Meer; Steppen in der Dobrudscha und Fruchtebenen in der Walachei. Welche Formenfülle in den Bauten! Einfache Lehmhütten und stattliche Bauernhäuser mit reich geschnitzten Toren; wahrhaft königliche Schlösser und Gärten; orthodoxe Kirchen mit Aussenfresken und goldstrotzenden Altären; Wehrklöster mit gewaltigen Mauern; zierliche Holzkirchen mit oft nadelspitzem Turmdach, und die Wucht der vielen deutschen Kirchenburgett in Siebenbürgen^ die einzig in der Welt sind. Und ich sah das Volk, in einzelnen Gegenden bunt zusammengewürfelt, mit mancherlei Sprache und verschiedenen Sitten; ich sah es und lernte es lieben. Je einsamer ein Dorf, desto rassiger der Menschenschlag, desto edler die Züge; die Tracht noch Volks- und Arbeitstracht von einer Bewegtheit und Buntheit von einem Farben und Formenreichtum, der mich entzückte. Mit wieviel Liebe und natürlichem Kunstempfinden schmücken die rumänischen Bauern ihr Haus und ihre letzte Ruhestatt: die Kreuze auf Gräbern, an Brunnen und an Wegen sind Zeichen der tiefen Innerlichkeit ihres naiven Empfindens. Mir ist mit jedem Tag, mit jeder Woche das Land lieber geworden. Die Kindlichkeit uijd Freundlichkeit der rumänischen Dorfbewohner gewann mein Herz. Das Studium der unruhigen, kampfdnrehtobten Geschichte des Landes half mir. ein Volk zu verstehen, das sich zusammenschlieesen wollte nach Blut und Sprache. Aber neben der Freude bei der Arbeit ergriff es mich schmerzlich, dass dem gesamten Volkstum Rumäniens ein schwerer Feind droht; es nähert sich der Kultur dieses gesegneten Sonnenlandes die graue Wolke des Westens: der alles bunte Leben erstickende Staub der Zivilisation! Schon erfasst er einzelne Dörfer; gtau überzieht er Urväterhausrat und die Farbenfroheit der Trachten und taucht sie in Eintönigkeit und Stumpfheit der Allerweltsmorte. So wird allmählich ein künstlerisch empfindendes Volk sein Urgesioht verlieren. » Die Ausbeute dieser 25 000 km im Auto ist in einem Prachtswerk niedergelegt, das der bekannte Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, kürzlich herausbrachte; in über 300 Bildtafeln in Kupfer-Tiefdruck wird der Beschauer von Seite zu Seite stärker gefesselt — entzückt; herrliche Landschaften, wunderbare alte und neuere, bodenständige Bauten, Volkstypen zahlreicher Stämme — Sitten und Gebräuche eigenartigster Prägung leuchten aus den Bildern entgegen. Beim Automobilisten löst das Buch un- Höhere • Hantielj/TKul* ZürichNcuScidenhofUraniastrrGerbergj