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E_1934_Zeitung_Nr.056

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Die Zufahrtsstrassen aus

Die Zufahrtsstrassen aus der ganzen Schweiz sind ersichtlich in O. R. Wagners CHTouring, Führer für Automobilfahrer, offizielle Ausgabe des T. C. S. Pension von Fr .14.— und Fr. 10.— Tel. 62.31 Tel. 63.06 Bestens empfohlen für längeren und kürzeren Aufenthalt. Grosser Naturpark. Feine Verpflegung. Tennis, Orchester. Garage. Bes. Familie Enderlin, Friti Vogel, Dir. A.CS.T. Gleiches Haus: HOTEL DES TEMPLES, AQR1QENTO (Sizilien). Das ruhige, Zimmer mit THUS S Golt, C. S. pedieeene und wohnlich der Neuzeit entsprechend eingerichtete Familienhotel. Warmwasser. Appartements mit Bad. Tel. 101. Garage. Direktion: J. Walther. ( Graub.) subalpinerLuftkurort Kreuzungspunkt Andermatt - Engadin-Tessin-Davos. HOTEL POST & VIAMALA 60 Betten. Fliess. Wasser. Herrl.Teirasse. Mäss.Preise. Bernina route, altbekanntes Patrizierhaus mit dem berühmten Sybillensaal a. d. 16 Jahrhundert. Vorzügl. Küche und Keller. Beliebte Mittagstation. Bescheidene Preise. Garage. Tel.2. Farn. Albrici-Wohler, Bes. 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Hier tritt gleichzeitig mit der Abgabe der Hitze eine Kondensation der Dämpfe ein und das Quecksilber und die flüssigen Dämpfe fliessen wieder zu der erhitzten Stelle zurück, worauf das Spiel von neuem beginnt. Ausser dieser Umlaufkühlung im Ventil selbst wurden auch Flugmotoren gebaut, bei welchen der hohle Ventilschaft an das Oelzirkulationssystem der Gegen das Verwechseln der Zündkabel. In manchen Fällen ist es nicht ganz leicht, nach dem Reinigen der Zündkerzen Verwechslungen der Zündkabel zu vermeiden. Schliesst man aber die Zündkabel falsch an, so wird der Motor nicht nur nicht zu richtigem Laufen zu bringen sein, sondern es besteht infolge der auftretenden starken Rück- Markierung eines Kabelschuhes mit Feilkerben. Schmierung angeschlossen ist. Das umlaufende Oel führt dabei die Hitze beständig von den heissen Ventilstellen ab und erzeugt so ebenfalls eine starke Kühlwirkung. Nach diesem zweiten Prinzip sollen nun auch Automobilmotoren künstlich gekühlte Ventile erhalten- -thschläge auch eine erhebliche Gefahr von Vergaserbränden. Auf einfache Weise lässt sich aber das Verwechseln der Kabel vermeiden, indem man die Kabelschuhe je nach der Nummer des Zylinders, an dessen Kerze sie gehören, mit einer Anzahl Feilkerbungen oder einer anderen geeigneten Markierung versieht. bis 850° G. (Hellkirschrot bis Rotglut), schreckt sie nach Erreichung dieser Hitze in dünnflüssigem Rüböl oder gutem Maschinenöl ab und lässt sie darin vollständig erkalten. Das Oel darf sich durch das Abschrecken nicht erheblich erwärmen; es empfiehlt sich daher die Anlage einer Rückkühlung. Das Härtebecken selbst soll der Grosse und Menge der zu härtenden Stücke angepasst sein. Zum Anlassen oder Rückglühen werden die Teile je nach der gewünschten Festigkeit langsam durchgreifend auf 550 bis 650° (dunkelbraun bis braunrot) wiedererwärmt und durch eine gewisse Zeit, deren Länge sich nach der Grosse der Teile zu richten hat, auf dieser Hitze gehalten. Die so behandelten Stücke lässt man sodann im Ofen erkalten. Sind die Stücke aus Chrom-Nlckelstahl hergestellt, dann ist ein Abkühlen in freier Luft oder neuerliches Abschrecken in Oel angezeigt, da bei diesen Stählen zu langsames Erkalten eine Verminderung der Zähigkeit (Anlasssprödigkeit) zur Folge haben kann. ' Die Stähle für Einsatzhärtung und Vergütung werden vergütet, wenn mehr Wert auf Dehnung als auf Festigkeit gelegt wird; Teile wie Zahnräder, Kettenräder, Nockenwellen, Bremsdaumenwellen, Zapfen, Bolzen, Teile der Lenkung usw. werden einsatzgehärtet. Man nennt diese Stähle auch Universalstähle. Sollte der Vorteil einer Vergütung oder Veredelung gewahrt bleiben, so darf der vergütete Stahl keiner weiteren Feuerbehandlung unterzogen werden, doch steht im Bedarfsfall einer Einsatzhärtung des vergüteten Stahles nichts im Wege. Fragt 9111. Undichte Auspuffleitun«, Motoranstrich. Welche Folgen kann ein Riss im Au*- puffsammelrohr haben? Da es sich um einen offenen Tourenwagen handelt, wird eine schädliche Wirkung der Auspuffgase doch kaum zu befürchten sein? Könnte aber dadurch eventuell die Kompression des Motors in Mitleidenschaft gezogen werden? Andere Nachteile? Kann das Anstreichen des Motorblockes nebst Zubehör (Ansaugrohr, Auspuff etc.) einen Einflugs auf die Erwärmung des Motors haben? Es handelt sich dabei um einen Anstrich mit einem Aluminium-Präparat, wie dies auch für Zentralheizungen etc. verwendet wird. K. E. in M. Antwort: Die Gefahr für Kohlenoxidvergiftungen darf nie unterschätzt werden. Versuche haben einwandfrei ergeben, dass sie selbst bei offenen Wagen besteht, wenn die Auspuffleitung irgendwo undicht ist oder zu wenig weit hinten am Wagen mündet. Die Annahme, dass der Fahrtwind beim offenen Wagen die Ansammlung von Gasen im Bereich der Wageninsassen verunmöglichen würde, trifft nicht zu. Messungen haben ergeben, das« sich sehr wohl hinter einer Windschutzscheibe eine Zone ruhender Luft ausbilden kann, die auch giftige Gase in gefährlicher Konzentration enthält. Wir raten Ihnen deshalb dringend, die Undichtigkeit beseitigen zu lassen. Wahrscheinlich lässt sich der Riss im Auspuffsammelrohr ohne weiteres verschweissen. Nötigenfalls sollte aber auch vor dem Ersatz des Auspuffsammeirohres nicht zurückgeschreckt werden. Bei wassergekühlten Motoren kann ein Anstrich nicht schaden. Der weitaus grösste Teil der Wärmet wird ja nach wie vor durch den Kühler abgeführt, so dass die wärmeisoli-erende Wirkung des Anstrichs praktisch ohne Bedeutung ist. Bei luftgekühlten Motoren dagegen würde ein Anstrich der Zylinder die Wärmeabgabe unter Umständen schon in fühlbarer Weise vermindern. at. Jurist. Sfsvedhii Alte Reifen und Schläuche lassen sich noch Anfragt 422. Ueberfahren eines Hundes. Unlängst wurde mein Jagdhund vom* Postautomobil auf zahlreiche Arten weiter verwerten. Bekannt ist, dass man aus Luftschläuchen Gumchauffeur gab Signal und fuhr nur mit einer Ge- U -B. mitten im Dorfe N. überfahren. Der Postmibänder von jeder gewünschten Spannkraft schwindigkeit von 12 km/St. Der Hund ist dann und Länge herausschneiden kann, indem man momentan ausgewichen, nachträglich aber doch noch rücklings unter das Postauto gekommen. Nach Rücksprache mit dem Fahrer soll er Beweise haben, den Abschnitt mehr oder weniger breit macht, oder mehr senkrecht oder mehr schräg zum wonach ihn keine Schuld treffe. Kann die Postverwaltung zur Bezahlung einer Entschädigung ange- Schlauchumfang vornimmt. Ein einseitig verschlossener Luftschlauch eignet sich sehr gut halten werden, bemerkend, dass das 3jährige Tier als Gefäss zum Wassertransport, wenn es einen Wert von wenigstens Fr. 100.— hatte? A. St. in N. Antwort: Nach Art. 37 MFG. haftet der Halter eines Motorfahrzeuges — hier die Postverwaltung — für den durch den Betrieb desselben verursachten Schaden, und zwar haftet er auch dann, wenn ihn kein Verschulden trifft. Er wird indessen von der Ersatzpflicht befreit, wenn der Schaden durch höhere Gewalt oder durch grobes Verschulden des Geschädigten verursacht worden ist. Wenn Sie Ihren Hund mitten im Dorfe auf einer verkehrsreichen Strasse frei umherlaufen Hessen, so könnte der Richter u. E. annehmen, dass Sie ein grobes Verschulden trifft und Ihre Ersatzansprüche abweisen. Auf alle Fälle sind Sie am Unfall mitschuldig, so dass Ihnen- auch im günstigsten Fall nur ein Teil des Schadens vergütet werden kann. SimiCHfEE Hinwil VULKANISIERANSTALT Pneu atock „GOUDVEAR" Neugummierung mit Winterprofil PROFILFRASEN Telephon 981.275 - fe. MUGQLER. Mitglied I.C.S. Thalwil. Garage Grob Reparaturen. Revisionen. Michelin-Stack • Telephon 920.330 Servicestation - Abschleppvorrichtung We ko Der N.A.W.>Patent.Auspufftopf Ist deroette üi alle Explaslons*MotO(*en Verfangen Sie Prospekte vorr AllemraDriKarren W. Wetter, Autospenglerel Tnermoid - Ist in seiner Wirkung einfach grossartig Stock-Lager: Basel: C.Weckerle & Cie. A.-G., Holbeinstr.56.St.Qallen: A.WintfThalter, Schmiedgasse26 Bern:H.FIeury,BogenschUtzenstr. 8. Qent: E.Eochat Auto-Pteces, rae de la Buanderie 8. Zürich: Autoparts A.-C Talstrasse 83. Generalvertretung für die Schweiz: Paul Landis, Ingenieur, Zürich4 Stauffacherstr. 54 AlltO-EXpertG Tel. 36.530 Zu verkaufen infolge Todesfall 640261 Willys Typ 2 AD, auf Pneus, el. 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So kann man beispielsweise durch einen solchen an der Garagetüre oder an andern exponierten Stellen befestigten Puffer verhindern, dass bei einem eventuellen ungenauen Manövrieren beim Ein- und Ausfahren die Radnaben oder Trittbrettkanten abgescheuert werden. -at- Tech *l» «edh Frage 9110. Vergütung von Stahlen, was versteht man unter der Vergütung von Stählen, wie sie für im Autobau verwendete Teile im- Gebrauch steht? F. D. in B. Antwort: Diese Vergütung von Baustählen wird folgendermassen vorgenommen: Man erwärmt die zu vergütenden Teile in einem Muffel- oder Gasofen gleichmässig und durchgreifend auf 800 Anfrage 423. Reparaturkosten. Kann ein Garagier vom Wagenbesitzer die Bezahlung der Reparaturkosten einverlangen, wenn der zur Uebernahme verpflichtete Reisende den Wagen reparieren Hess und der Eigentümer Reparaturen vertragL nicht anerkennt? Kann ein Reisender, welcher eine vertragl. Anstellung mit Kündigungsfrist eingegangen iöt, als Kaufmann im Sinne des Gesetzes « unter Kaufleuten etc. » angesehen werden, oder kommt er als Angestellter bei einem allfälligen Konkurs in ersten Rang, wogegen aber ein Kaufmann im Sinne des Artikels im 5. Rang steht. Kann also auch, wenn er eine wirkliche Forderung hat, ein Artikel des Gesetzes in Anwendung gelangen? v Wenn er aber eine Forderung geltend macht, welche in vollem Umfange bestritten ist, ist dann ein Recht am Platze? Wie bekommen wir den Wagen sofort heraus? M. & Co. in Zürich. Antwort: Wenn der Reisende den Wagen reparieren Hess, also mit dem Garagisten einen Werkvertrag abgeschlossen hat, ohne dazu von Ihnen ermächtigt worden zu sein oder ohne, dass Sie den Werkvertrag genehmigt haben, sind die Reparaturkosten vom Reisenden zu bezahlen. Intern gelten die zwischen Ihnen und dem Reisenden getroffenen vertraglichen Vereinbarungen, und Sie könnten deshalb auf den Letztern zurückgreifen. Sofern der Reisende nicht lediglich auf Provision angestellt war, werden seine Lohnforderungen im Konkurse seiner Arbeitgeberin in der I. Klasse kolloziert. Der Handelsreisende kann das ihm überlassene Automobil bis zur Befriedigung seiner Forderung zurückbehalten, vorausgesetzt, dass seine Forderung fällig ist und mit dem Gegenstande der Retention im Zusammenhange steht (vgl. Art. 895 ZGB). Falls Sie die Lohnforderung bestreiten wollen, hätten Sie dem Zahlungsbefehl des Reisenden Rechtsvorschlag entgegen zu setzen, um die Angelegenheit zur Entscheidung über den materiellen Anspruch vor den Richter zu bringen. *

Bern, Dienstag, 10. Juli 1934 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 56 Was ist die Affäre Dreyfus ? Dem umfangreichen, auf einem gewaltigen Tatsachen-Material beruhenden und mit höchster Eindrückltebkeit geschriebenen Werk «Der Kampf einer Republik» (Europa-Verlag, Zürich), das die grosse Dreyfus-Affäre in umfassender Weise beleuchtet, entnehmen wir den folgenden zusammenfassenden Abschnitt. Die Red. Zunächst: Ein Kriminalroman, spannender, phantastischer, sensationeller als irgendein berühmter Detektivroman. Zweitens: die ergreifende rührende Geschichte einer jüdischen Familie. Drittens: ein Prozess, der immer neue Prozesse hervorruft. Von 1894 bis 1906. Viertens: der Kampf zwischen Militär-und Zivilgewalt in einer ungefestigten Republik. Die Auseinandersetzung zwischen den Republikanern und allen Feinden der Republik, die sich steigert bis zum Bürgerkrieg für den Sieg des Rechts gegen die Macht. Fünftens: die heroische Periode der dritten Republik. Sechstens: das Erlebnis einer ganzen Generation. Die Geistes- und Zeitgeschichte Frankreichs um 1900. Der ewige Kampf ums Recht. Siebentens : der Riesenstoff zu einer « Menschlichen Komödie ». Der Kriminalroman. I. Noch der raffinierteste amerikanische Detektivroman bleibt hinter dem einfachen Tatsachenbericht weit zurück, der die in Paris .ch vor dreissig Jahren abspielenden Szenen und Vorgänge rein dokumentarisch feststellt. Wie erklügelt und konstruiert erscheinen uns jene mit dem Grauen und den Abgründigen kokettierenden Romanserien angesichts der realen Geschehnisse und Begebenheiten, deren Schauplatz mitten in der Weltstadt Paris lag Begebenheiten, die sich nicht in Verbrecherkreisen abspielten, sondern in den angesehensten und gesellschaftlich höchsten Milieus. In der Rue St-Dominique, im Generalstabsgebäude der französischen Armee, in der Deutschen Botschaft, Rue de Lille, im Elysee, dem Palais des Präsidenten der Republik, in den Ministerien, in den Beratungszimmern der Kriegsgerichte, vor den Geschworenen im Justizpalast, auf öffentlichen Pariser Plätzen, auf der Esplanade des Invalides, im Parc de Montsouris und im Palais Bourbon. u^~'iuen -Hohe Offiziere mit falschen Barten und Brillen, in Riesenulster vermummt, geben sich mit einem Verbrecher ein Stelldichein, stecken ihm Briefe und Dokumente zu, vermitteln ihm alles, was er braucht, um sich vor dem Zuchthaus zu retten. Sie erfinden «eine verschleierte Dame», die ihm auf einer Pariser Brücke mitten im Zentrum der Stadt ein geheimes Schriftstück zusteckt, das aus dem dreimal verschlossenen Tresor der Spionageabteilung des Kriegsministeriums stammt. Der Verbrecher hat Format. Er nimmt F E U I L L E T O N Bux. Zirkusroman von Hans Possendorl. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) Ahnen Sie, welche Pflichttreue in so einem Tier steckt? Dem alten Brahma verdankten meine Vorfahren zum grossen Teil ihre Erfolge; es war die Grundlage zu dem Aufstieg meiner Familie, der meine Eltern zu vermögenden Leuten gemacht hat. — Heute sind sie es freilich nicht mehr. — Aber auch ich verdanke Brahma im Grunde genommen alles, was ich bin und was ich gelernt habe. Ohne ihn wäre ich vielleicht heute ein kleiner Seiltänzer oder wer weiss was sonst.» «Verzeihen Sie mir», sagte Fee weich. «Ich werde nie wieder so etwas tun. Ich habe bisher nie über Tiere und ihr... wie soll ich sagen? — ihr Seelenleben kann ich wohl nicht gut...» «Doch, doch; sprechen Sie ruhig von der Tierseele; sie ist es wert, davon zu sprechen — und zu schreiben.» Fees nachdenkliche Anwandlung dauerte Von Wilhelm Herzog. lonschef in der französischen Armee. Ein Unschuldiger wird an seiner Stelle von einem Kriegsgericht verurteilt. Für alle Verbrechen, die er begangen hat, wird dieser für Lebenszeit auf eine südamerikanische Fieberinsel deportiert. Während der unschuldig Verurteilte in der französischen Verbrecherkolonie jahrelang gefoltert wird, spaziert er fröhlich und guter Laune in Paris herum, setzt unbekümmert seine vom deutschen Generalstab gut honorierte Tätigkeit als Spion fort, und als schliesslich der Verdacht auf ihn fällt, als er vom Bruder des Unschuldigen öffentlich gebrandmarkt wird, erfreut er sich der Sympathien aller Mächtigen bis zum Chef des Generalstabes. Er sieht sich von denen, deren Pflicht es wäre, ihn sofort verhaften zu lassen, umworben und reichlich unterstützt. Alle diese hohen Generalstabsoffiziere bemühen sich, ihn zu entlasten. Sie diktieren ihm Drohbriefe an den Präsidenten der Republik und an den Kriegsminister. Sie helfen ihm bei seinen Erpressungen, schikken ihm Boten und Telegramme, richten einen Kurierdienst mit ihm ein, halten ihn dauernd über alle Angriffe und Untersuchungen, die ihm drohen, auf dem laufenden. Als ihm schliesslich doch der Prozess gemacht wird, erzwingen sie seinen Freispruch. Alles lange mit raffiniertesten Mitteln vorbereitet. Die Fragen, die man ihm, dem angeklagten Verbrecher, stellen wird, weiss er vorher und die Antworten, die er dem Kriegsgerichtspräsidenten geben soll, werden ihm aufgeschrieben. Er lernt sie vorher auswendig. Dies alles spielt sich vor dem ersten Kriegsgericht des Militärgouvernements ab. Nach dem Freispruch, der einstimmig erfolgt, wird der Verbrecher umjubelt. 1898 in Paris. Es war ihm nichts nachzuweisen. Generäle schütteln ihm die Hand. Der Herzog-von Orleans, der -Kronprätendent umarmt und küsst ihn auf den Stufen des Justiz-' Palastes. Die Volksmenge, die ihn im Triumphzug vom Gericht zu seiner Wohnung begleitet, schreit: «Hoch Esterhazy! E& lebe die Armee!» Er sinkt in die Arme seiner Geliebten. II. Deutsche Botschaft in Paris. Palais in der Rue de Lille 78. Umlauert Tag und Nacht von Spionen. Draussen und drinnen. Etwa zwei Dutzend Angestellte im Dienste der Spionageabteilung des französischen Generalstabs. Die Zofe der Gräfin Münster, der Botschaftsportier, Diener, Reinemachfrauen. Alles spioniert. Belangloses und weniger Belangloses. Drinnen regiert ein alter Grandseigneur, der Graf Münster, ein vornehmer Greis von 75 Jahren. Um ihn herum: seine Tochter, die Komtess Münster (deren Zofe — eine der tüchtigsten und eifrigsten Mitarbeiterinnen des französischen Generalstabs), Botschaftsräte und Militärattaches. Der erste Militärattache, ein Oberleutnant, empfängt im Botschaftspalais ohne Wissen seines Chefs, des Grafen, französische Spione, die ihm allerhand Wissenswertes für den deutschen Generalstab gegen feste monatliche Gage liefern. So auch Esterhazy, der beim ersten Besuch in Zivil erscheint, ohne nicht lange. Bald war sie wieder beim Fragen, und sie erfuhr allmählich dieses: Willibald Buchsbaums Grossvater hatte schon einen recht bedeutenden Wanderzirkus gehabt, sein Vater hatte das Unternehmen immer mehr ausgebaut und war im Laufe der Jahre zum reichen Mann geworden. Willy selbst war von kleinauf Artist. Er lernte sozusagen alles; er war Reiter, Akrobat, Turner, Dresseur. Bis zu seinem sechzehnten Jahre trat er allabendlich im Zirkus auf. Dann setzte seine Mutter ihren Willen durch: Obwohl selbst aus einer alten Zirkusfamilie stammend, wollte sie den Sohn dem bürgerlichen Leben zuführen, und ihr ganzer Ehrgeiz war, dass Willy studieren sollen. Durch einen Hauslehrer, der stets mitreiste, hatte er eine ganz gute Gymnasialbildung erhalten. Ein Jahr lang hatte er dann noch eine Schule besucht, machte darauf sein Abitur und begann Medizin zu studieren, obwohl er lieber Tierarzt werden wollte. Er hatte erst drei Semester hinter sich, als der Krieg ausbrach. Wenige Monate vorher hatte Herr Buchsbaum Senior seinen Zirkus aufgelöst und sich als wohlhabender Privatmann in seine Heimatstadt im Knopfloch seines schwarzen Ueberrockes das rote Band der Ehrenlegion zu vergessen. Er liefert dem deutschen Militärattache nach und nach 162 militärische Geheimdokumente. Kommt und geht, — wie der deutsche Oberst, der Chef der deutschen Spionagezentrale in Paris, glaubt — unauffällig, von niemandem bemerkt. Der Spion hatte ihn über seine wiederholten Besuche beruhigt; es gingen doch so viele Leute in der Botschaft ein und aus. Ausserdem sei er mit dem Obersten Sandherr, dem Chef des Spionagedienstes, befreundet und der Präsident der Republik, Casimir-Perier, sei sein Schulkamerad gewesen. In den nächsten Tagen ginge er ins Manöver. Es fänden sehr wichtige militari- sehe Uebungen im Lager von Chälons statt. Er stellt dem Obersten, neben vielen andern Geheimnissen, den neuen Mobilmachungsplan der Artillerie in Aussicht. Er verlangt ein Monatsgehalt von 2000 Mark und empfängt in der Tat über drei Jahre hindurch viele Zehntausende in gutem französischem Geld. Kurz vor seiner Entlarvung kommt der Spion — gewarnt von dem neuen Chef der französischen Spionageabteilung, dem Obersten Henry, der mit ihm im Bunde steht — zum letztenmal zu dem Militärattache in die Deutsche Botschaft. Er fährt in einem Wagen vor. Wird beobachtet von einem Polizeiagenten. Bevor er zu dem Obersten von Schwartzkoppen fährt, hatte er eine geheimnisvolle Zusammenkunft mit Offizieren des französischen Generalstabs im Parc de Montsouris. Frühmorgens hatte ihn bereits ein Beamter aus dem Kriegsministerium aufgesucht, ihn aus dem Schlaf geweckt und ihn zu. dem Rendez-vous in dem abgelegenen Park bestellt. Er übergab ihm einen Zettel, auf dem stand: «Geben Sie dort ein Erkennungszeichen an! Sie werden von einem Manne angesprochen werden, der Ihnen das verabredete Wort sagen wird.» Alles klappt. Esterhazy findet die Offiziere an der gegebeneii,. ? S l telle. Sie warnen ihn, er sei von einer" Anklage bedroht, die gegen ihn die Familie des unschuldig Verurteilten zu richten im Begriffe sei. Darauf begibt sich Esterhazy zu dem Militärattache und fleht ihn an, dies um jeden Preis zu verhindern. Er müsse der Familie des unschuldig Verurteilten erklären, dass sie sich täusche. Sonst sei er verloren. Der Oberst lehnt dieses Ansinnen ab. Da zieht der Spion seine Revolver und droht, ihn und sich selbst zu erschiessen. Nicht ohne dem Obersten noch vorher leise angedeutet zu haben, er kenne seine skandalösen Beziehungen zu einer Dame der Gesellschaft. Der Oberst wirft ihn hinaus. Was nicht ohne Skandal abgeht. Voller Angst und Verzweiflung fährt der Spion nach dem Parc von Montsouris zurück, wo seine Komplicen auf ihn warten, um das Ergebnis seines Besuches zu erfahren. Trotz dem negativen Bescheid beruhigen sie ihn. Er brauche sich nicht zu ängstigen. Er habe mächtige Beschützer. Der Generalstab decke ihn. Darauf kehrt er völlig verwandelt, sichtbar vergnügt und heiter, nochmals in die Deutsche Botschaft zurück und verabschiedet sich mit sicherer Eleganz von dem Obersten. Er ist gerettet. Man sollte nicht glauben, eine wie gespen- Nördlingen zurückgezogen. Sein Sohn studierte auch noch Tierheilkunde und doktorierte dann mit Erfolg. Vom Mai 1919 an war er zwei Jahre lang als praktischer Arzt in Nördlingen tätig. Dann nahm der Vermögensverfall seiner Eltern durch die Inflation einen so rapiden Verlauf, dass Willibald wieder zum Zirkus ging, damit seine Eltern so weiterleben könnten, wie sie es gewohnt waren. Er holte sich Brahma wieder, den man nicht verkauft, sondern samt seinem alten Wärter an einen andern Zirkus vermietet hatte, schaffte neue Tiere an und stellte eine grosse Dressurnummer zusammen. Nach einem Jahr schon war er zu einer bekannten Grosse in der Zirkuswelt geworden. Auch im Zirkus Kreno hatte er einige Monate gearbeitet und war endlich mit seiner Nummer nach Holland, der Schweiz, Dänemark, Schweden und Amerika gegangen, wo er sehr hohe Gagen bezog. Was ihn jetzt nach Europa zurückgetrieben, war die Sehnsucht nach den Eltern. Noch stundenlang hätte Fee von Prastelny fragen mögen. Aber endlich sah Bux auf die Uhr und sagte: «Es ist Zeit zu gehen. Wir haben heute Nachmittagsvorstellung,» diese Hilfeleistungen der Generalstabsoffiziere als ganz selbstverständlich hin. Er ist nicht nur ein Spion in deutschen Diensten, sondern ein Zuhälter, ein grosser Spieler, ein Hochstapler und Abenteurer, Teilhaber eines Bordells und zugleich Major und Batails: he Atmosphäre in den Kanzleien und Bureaustuben einer Botschaft herrschen kann. Am hellichten Tage. Korrekte Beamte tun ihren Dienst. Banalste Wirklichkeit. Es riecht nach Akten. Gleichgültige Besucher werden empfangen. Die jungen Attaches unterhalten sich von ihren Pferden, Frauen und Spielgewinnen. Auch zuweilen von ihren Geschäften und dienstlichen Angelegenheiten. Alles nüchtern und belanglos. Erwähnen Beziehungen zu französischen Kameraden, plaudern, lesen Zeitungen, Witzblätter und Briefe. Schwätzen darüber, erzählen kleine Indiskretionen. Jedes Wort, das sie sprechen, wird abgehört. Durch Mikrophone. Sie sind in einem Nebenhause der Botschaft untergebracht. Ueber ihren Räumen hat der französische Generalstab Zimmer für sich gemietet und in dem Kamin Abhörvorrichtungen anbringen lassen. Eine Viertelstunde später liegen die Gespräche der Botschaftsmitglieder in peinlicher Maschinenschrift auf den Schreibtischen der Offiziere des französischen Spionagedienstes. Spionage und Contrespionage in beiden Häusern. Der Hauptspion arbeitet höchstwahrscheinlich nach beiden Seiten gleichzeitig. Als Spion und Contrespion. Ein irrsinniges, raffiniertes und mit grossem Aufwand betriebenes System, bei dem kaum etwas herauskommt. Jeder weiss vom andern alles. Nichts bleibt verborgen. Gegen bares Geld (deutsches und französisches) wird alles verraten. Die Institution der Militärattaches ist nichts anderes als eine Spitzelzentrale, die von den französischen Generalstabsspitzeln überwacht, manchmal bedient wird. Nicht genug, die Diener der Botschaft bespitzeln die Militärattaches und sind Lieferanten des französischen Generalstabs. Die Geheimnisse bleiben nicht geheim. Nur ihr Verrat muss geheim bleiben. Sonst leidet der Betrieb. Korrekte, hochachtbare, im Privatleben sehr vornehme Offiziere leiten ihn. Weil es sein muss. Weil die «Sicherheit des Staates» ihn erfordert. Inmitten trockenster Pflichterfüllung, inmitten des sachlichen Dienstes militärischer Ordnung und Disziplin, wo das Wort Ehre den höchsten Klang besitzt — Verkehr mit Verbrechern und fragwürdigstem Gesindel. Moralische Rechtfertigung: wir verachten den Verräter, aber nicht den Verrat. Und über allem grinst die Angst. Die Welt E.T. A. Hoffmanns und Edgar Allan Poes mitten in Paris. Marionetten des Gehorsams, die sich fürchten. Ve'rbrecher aus Not oder Abenteuerlust, die zittern und sich gegensei- VEVEY (Genfersee) und Mont-Pelerin Prachtvolles Ausflugszentrum Modernes Strandbad Schöne Fahrstrassen Prospekt durch das Verkehrsbureau Da konnte Fee die Frage nicht mehr unterdrücken, die ihr schon lange auf der Zunge lag. Zum Entsetzen ihres Vaters sagte sie ganz unvermittelt: «Und verheiratet sind Sie nicht, Herr Doktor?» «Nein, meine Familie ist ja schon gross genug», meinte Bux lächelnd. Und diese Antwort erfüllte Fee mit tiefer Befriedigung; weshalb — das wusste sie wohl selbst nicht. Denn dass es Fee von Prastelny etwa in den Sinn gekommen wäre, die Frau eines Zirkusclowns werden zu wollen... Um Gottes willen!! Als Bux nach Rückkehr in den Zirkus im Bürowagen nach Briefen fragte, bat ihn Direktor Kreno in sein Privatkontor. «Hören Sie mal, Bux. Mir ist vorhin ein Gerücht zu Ohren gekommen, von dem, wie meine Sekretärin, sagt, schon der ganze Zirkus voll ist. Als Urheber dieses Gerüchtes habe ich nun Jack Benson ermittelt.» — Der Direktor machte eine Pause und sagte dann plötzlich: «Kennen Sie den Benson vielleicht schon von früher?» (Fortsetzung folgt)