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E_1936_Zeitung_Nr.084

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12 Zaufkxec, Detektiv

12 Zaufkxec, Detektiv JloxdiiiU Spinnens and SMangengift Ein Drama, dessen Grässlichkeit die Phantasie Edgar Allan Poes übertrifft, enthüllt sich in einem Prozess, der nach einem Bericht amerikanischer Zeitungen kürzlich in Los Angeles begann. Ein ehemaliger Friseur namens Robert S. James, der fünfmal verheiratet war, hat sich gegen die Anklage zu verantworten, an seinen Gattinnen Mordversuche mit Spinnenund Schlangengift begangen zu haben. Seine dritte und seine fünfte Frau fielen einem solchne tückischen Mordanschlag zum Opfer. Die anderen Frauen Hessen sich von ihm scheiden, nachdem sie seinen teuflischen Plänen, die auf ein krankes Gehirn hinweisen, entronnen waren. Doch erwies es sich, dass diese Frauen ihm auch dann noch hörig und verfallen blieben, denn sie erstatteten gegen ihn nicht die Anzeige, und seine zweite Frau, die Kronzeugin in dem gegenwärtigen Prozess, erklärte unter allgemeinem Aufsehen: « Ich liebe ihn noch heute. » Diese Zeugin — sie hiess mit ihrem Mädchennamen Vera Vermillion und kam zu dem Prozess aus New-York, wo sie gegenwärtig lebt — war fünfzehn Jahre alt, als sie sich mit Robert S. James vermählte. Heute ist sie sechsundzwanzig Jahre alt, eine Blondine mit frühverwelktem Gesicht, die wie eine Vierzigjährige aussieht. «Es war mir aufgefallen, dass mein Mann immer wieder Riesenspinnen und Giftschlangen in unsere Wohnung brachte,» sagte sie, «aber ich hatte keinen Grund, seinen Angaben zu misstrauen, dass es sich ihm um interessante Tierversuche zu wissenschaftlichen Zwecken handle. Er verbrachte viele Stunden damit, diese Tiere zu beobachten, und sagte mir immer wieder, er wolle nicht Friseur bleiben, sondern sich als Zoologe einen Namen machen. Einmal sperrte er mich in seinen Versuchsraum zu den Spinnen und Schlangen und Hess mich dort mehrere Stunden allein. Wie durch ein Wunder blieb ich verschont, doch war ich vor Ekel und Grauen krank. Als mein Mann mich aus dem fürchterlichen Gefängnis befreite, verbarg er seine Enttäuschung, mich unverletzt zu finden. Er versuchte, dem unheimlichen Zwischenfall eine harmlose Deutung zu geben und sagte mir, er habe in einem augenblicklichen Anfall von Sinnesverwirrung gehandelt, da er vormittags in seinem Rasiersalon in mörderischer Hitze habe pausenlos arbeiten müssen. Da jedoch mein Mann mich immer wieder veranlassen wollte, in sein Laboratorium zu den Spinnen und Schlangen zu kommen — ich betrat jedoch diesen Raum nie wieder — und da mir Robert immer unheimlicher wurde, Hess ich mich von ihm scheiden. Doch habe ich niemals einen anderen Mann als ihn geliebt und trotz meinen schrecklichen Erlebnissen denke ich heute noch mit Sehnsucht und Zärtlichkeit an ihn zurück. » Entsetzensrufe wurden im Auditorium laut, als der Tod der fünften Frau dieses offenbar von Wahnvorstellungen beherrschten Mörders und V&dkechec erörtert wurde. Ihr gegenüber muss ihn die Mordlust hemmungslos überfallen haben. Er versteckte mehrere Riesenspinnen in ihrem Bett. Da sich deren Bisse nicht als tödlich erwiesen, zwang er — gemeinsam mit einem Matrosen namens Charles Hope, der dem Verbrecher Beistand leistete — die unglückliche Frau, ihren nackten Fuss in eine Schachtel zu halten, die von Giftschlangen wimmelte. Sie wurde wiederholt gebissen. Dann ertränkte er die infolge des rasch wirkenden Schlangengiftes schon halb Bewusstlose in einer Badewanne. Riesige Wetten werden in Amerika abgeschlossen, ob Robert S. James, dessen erste und vierte Frau sich nach misslungenen Mordanschlägen von ihm haben scheiden lassen, auf dem elektrischen Stuhl enden oder in einem Irrenhaus interniert werden wird. ß&t, «mechanische» JMuthuad « Nach acht Jahren, in denen ich fast ausschliesslich mit Versuchen und Verbesserungen beschäftigt war, ist es mir jetzt gelungen, den .mechanischen Bluthund' zu konstruieren », erklärt Inspektor John' Vance von der Polizei Vancouver, « einen Apparat, der die Fähigkeit besitzt, menschliche Spuren zu verfolgen!» Der 65jährige Polizeiinspektor, der von seinen Kollegen seit langem nur der « moderne Sherlock Holmes » genannt wird, arbeitet im Laboratorium der Polizei von Vancouver. Der grosse, ernste Mann ist von bemerkenswerter Ruhe, die erst, wenn er von seiner Erfindung spricht, einem" jugendlichen Enthusiasmus weicht. Einem kanadischen Vertreter der « Daily Mail» führte er seine merkwürdige Maschine vor. « Es ist gar nicht so schwer, die Fährte eines Menschen zu verfolgen* auch wenn man keine Bluthunde oder Indianer bei der Hand hat », leitet er seine Demonstration ein. « Wenn man die Spur durch ein Spektroskop betrachtet, stellt man fest, dass sie eine ganz bestimmte und genaue Zeichnung enthält, die aus farbigen' Bändern und dunklen Linien auf engem Streifen-' grund besteht. Ich habe meinen Apparat an fünf. un'dvierzig Menschen ausprobiert "und konnte cJaliei feststellen, dass jeder von ihnen eine ganz individuelle Fährte hatte, die unter dem Spektroskop sich in ihrer Schablone und Musterung von allen andern deutlich unterschied. Ich habe dann die ganze Maschine aus dem Laboratorium hinausgefahren und folgte mit ihr den Fußspuren eines Mannes, dessen Route man mir nicht gesagt hatte. Tatsächlich gelang es mir in relativ kurzer Zeit, den Betreffenden, allein mit Hilfe meines Apparates, ausfindig zu machen. Ich sehe keinen Grund, warum nicht jeder Mensch eine ganz eigene Fährte besitzen sollte, die unter dem Spektroskop eine ebensolch individuelle und einmalige Zeichnung aufweist wie jene der Fingerabdrücke. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Detektiv die Spur eines Mörders mit" Hilfe meines Apparates verfolgt, in dem eine Kopie der Spektroskopaufnahme fixiert ist, die auf dem Schauplatz des Verbrechens als Spur des Täters aufgenommen wurde. Natürlich gibt es Schwierigkeiten, vor allem dann, wenn der Verfolgte auf Holz oder Gras getreten ist, da diese Materialien ihre eigene Zeichnung haben und es dann natürlich schwer ist, aus der Vielfalt der Bilder das gesuchte herauszufinden. » Einstweilen wird der « mechanische Bluthund » in der kriminalistischen Praxis noch nicht verwendet, doch Inspektor Vance hofft, bald Gelegenheit zu bekommen, seinen Wert für die Kriminalistik beweisen zu können. Da Vance bereits zahlreiche Erfindungen gemacht hat, die bei der englischen und amerikanischen Polizei in Gebrauch stehen, interessiert man sich bei diesen Behörden für seinen neuen, so phantastisch anmutenden Apparat und hat Experten nach Vancouver entsandt, deren Aufgabe die Ueberprüfung der Leistungsfähigkeit des « mechanischen Bluthundes » ist. ßeceKeßdentodeiHesCAfowtgen Das tragische Schicksal eines jungen Londoner Arztes, der kürzlich im St. Bartholomew's Hospital an Blutvergiftung starb, weckt in der englischen Oeffentlichkeit um so lebhaftere Teilnahme, als der vierunddreissigjährige Chirurg Dr. H. P. Nelson als hervorragender Operateur galt, dem eine Reihe chirurgischer Bravourleistungen geglückt war. Im «British Medical Journal » widmet Dr. Francis Roles seinem verstorbenen Kollegen und Freund einen herzlichen Nachruf und schildert die Szene, wie Nelson auf seinem Sterbebett bemüht war, seine Frau, die ihn durch drei Wochen aufopfernd gepflegt hatte und nun einem Zusammenbruch nahe war, durch Scherzworte über die Furchtbarkeit des Abschiedes hinwegzutäuschen. Nelson hatte sich während einer Operation infiziert und war sich über die Gefährlichkeit der Infektion sofort klar gewesen. Hätte er sofort die Operation unterbrochen und seinen Platz einem Kollegen abgetreten, um sich selbst einer ärztlichen Behandlung zu unterziehen, so hätte er möglicherweise gerettet werden können. Da es sich aber um eine ungemein schwierige Operation handelte und er eine Unterbrechung der Kontinuität nicht für ratsam hielt, setzte er seine Arbeit mehr als eine Stunde fort, so dass eine schwere Blutvergiftung unvermeidlich war, «Er starb als Blutzeuge des ärztlichen Berufes, » schreibt Dr. Francis Roles, « Operation nach Operation musste an ihm vorgenommen werden und er bewahrte seine unerschütterliche Kaltblütigkeit. Manchmal glaubten wir, Hoffnung schöpfen zu dürfen, aber immer wieder gab es Rückschläge. Als er erfuhr, dass ihm der Arm abgenommen werden müsse, zuckte kein Muskel in seinem Gesicht. Und nach der Amputation bewahrte er seinen Gleichmut, obwohl er wusste, dass seine Chirurgenlaufbahn beendet war. Er war nur um seine junge Frau besorgt, die während seiner Krankheit um Jahre gealtert war. Als er wusste, dass er verloren war, Hess er nur noch seine Frau an sein Bett. » £in bvtühmtex, «Saufeten.» In London starb unlängst ein Mann, der durch die Eigenart seines von ihm, mit seltener Vollkommenheit beherrschten Handwerks berühmt geworden war. Es war dies der bekannte Perückena niacher Clarkson, Hessen kleiner düsterer Laden an der Wardourstreet sich der eigenartigsten Kundschaft rühmen konnte. Hoch und niedrig betrat den allezeit nach Leim und Benzin riechenden kleinen Raum, alle berühmten Schauspieler und Schauspielerinnen zählte Clarkson zu seinen Kunden. Doch wenn auch seine Kunst hauptsächlich dem Theater zugute kam, so hat man doch verschiedentlich auch ausserhalb dieses Kreises seine Fertigkeit in Anspruch genommen. So wären die kühnen Scherze, die sich vor Jahren der verwegene de Vere Cole leistete, ohne Clarksons Mitwirkung nicht denkbar gewesen. In England lebt der sogenannte «Zanzibar-Witz» noch in aller Erinnerung, wo dem falschen Sultan von Zanzibar in Cambridge Ovationen gebracht wurden, während der wirkliche Sultan zUr selben Zeit in London gefeiert wurde! Auch die Geschichte von angeblichen abessinischen Würdenträgern, denen man auf einem englischen Schiff die Honneurs machte, ist nicht vergessen. (Unter den heutigen Umständen dürfte sich dieser Scherz recht folgenschwer ausgewirkt und zum mindesten eine Interpellation im Völkerbund hervorgerufen haben!) Eine Dame der Gesellschaft, sowie ein bekannter Rechtsanwalt Londons gewännen beide giössere Wetten dank Clarksons Verwandlungskunst. Das Gesicht der jungen Dame verwandelte er derart gut, dass sie ihren Freunden und Bekannten in Piccadilly unerkannt Blumen verkaufen konnte, und aus dem mageren, blassen Rechtsanwalt machte er einen festen, rotbackigen Bauer, der einen ganzen Tag unter seinen Kollegen im Justizpalast herumwandelte, ohne dass sie ihn erkannt hätten. Ein andermal erhielt der berühmte Clarkson den merkwürdigen Auftrag, einem Ehe- « Ich bin so einsam... mein Mann ist in Bei* gisch-Kongo...» « Ach, könnte ich da die Marken von eeinent Briefen bekommen? » (< Ballyhoo ».) mann ein «blaues Auge» beizubringen, zu dem Zwecke, das Mitleid der Ehegattin zu erwecken, die ihm in der Hitze eines Wortwechsels einen leichten Klaps verabfolgt hatte. Von derartigen Gewohnheiten wollte der Ehemann seine Frau mit Clarksons Hilfe kurieren, was auch gelungen sein soll! Romantischer war der Auftrag, den Clarkson von einem jungen Mann der Theaterwelt erhielt. Dieser war in eine junge Aristokratin verliebt, und es wurde ihm deshalb verboten, das Haus seiner Angebeteten zu betreten, wo sie selber in Klausur gehalten wurde. Durch ClaTksons Kunst gelang es dem Liebhaber, unerkannt das Haus zu be-i treten und die Braut zu entführen! Zu seinen merkwürdigsten Aufträgen zählte der Verwandlungskünstler die Herstellung von künstlichen Giraffen und Straussen, dazu bestimmt,, in ihrem Innern Kinooperateure samt ihren Apparaten zu verbergen, um kinematographische Aufnahmen während einer Filmexpedition in Afrika zu machen. Diese künstlichen Tiere wurden aus echten Fellen und Federn hergestellt. Mehr als einmal gelang es mit Hilfe des berühmten «Zauberers», Verbrecher und Bösewichte festzunehmen, dank der vortrefflichen Verwandlung, die er Polizisten und Detektiven zuteil werden Hess. Einmal allerdings entwischte sozusagen durch seine Kunst der berüchtigte Charles Peace, den Clarkson so gut verwandelt hatte, dass ihn die Polizei nicht erkannte! Clarksons grösster Stolz war die Perücke, die er Sarah Bernhardt für die Rolle der Magdalena in dem Stück «La Samaritaine » anfertigen musste; sie war aus echtem Haar und über einen Meter lang und kostete nahezu tausend Franken. Die berühmte Schauspielerin unterhielt sich oft mit dem liebenswürdigen alten Perückenmacher und sprach sich sehr lobend über seine Kunst aus. So ist mit Clarksons Tod London um eine originelle Persönlichkeit ärmer geworden. Sissy. Einer, der wusste, wie xnan's macht Der 23jährige Arbeiter Alois T. hatte es verstanden, Bekanntschaften einiger junger Burschen zu machen, die als Lehrlinge in einer Prager Prägeanstalt angestellt waren. Von denen hatte er sich Stempel der Prager Polizeidirektion herstellen lassen und weiters mussten ihm diese gutgläubigen Burschen, angeblich « zu einem k eine» Spass », sechs Detektivlegitimationen der Prager Polizeidirektion anfertigen. Vor einer Woche begann nun T. mit seinen vier Komplizen zu arbeiten. Er erschien plötzlich bei Prager Altwarenhändlern ode bei polizeiverdächtigen Personen und führte amtliche Hausdurchsuchungen durch oder er brach ein, liess sich von seinen Detektiven fangen und diese gaben das gestohlene Gut gegen entsprechende Belohnung den Beschädigten zurück. In fünf Fällen aber arbeiteten sie noch besser. Zunächst brach T. erfolgreich ein, dann erschienen am nächsten Tag die Detektive, um einen Lokalaugenschein aufzunehmen. Dabei liessen die vier falschen Detektive aber eine Anzahl von Wertgegenständen mitgehen. Nun gelang es endlich, die ganze Bande dingfest zu machen. MORZIN13 (Haute-Savoie) Hotel Champs-Fleuris 22 Zimmer - Wunderbare Lage inmitten von Feldern gelegen, gegenüber Luftseilbahn. Aller Komfort. Telephon 45 HCH.G.GRAF-Zürich Telephon 44.169 Grossmünsterplatz 7 MINERVA Zürich gründliche "+ A T U R [ TA Tsvorbereitung HANDELS-DIPLOM Ausbildung zur Arztgehilfin. Vorbereitung zur Vorprüfung der Eidg. Revisorenprüfung. 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N» 84 Antomohfl-Revue 13 Abschied von meinem Auto Auf- Erster Akt: Spannung 10 000 Volt, regung 500 Ampere. So leb denn wohl und fahr* dahin. Ein bisschen schwummerig wird mir's doch, da zum letztenmal aus der Garagentür du hinausfährst. Irgendwer hat über die beiden glücklichen Tage, da man ein Haus kauft und den zweiten, wenn man's wieder los wird, eine ganze Komödie geschrieben. Die beiden Stunden, da unser Auto zum erstenmal in unser Tor hineinfährt — und auf immer uns verlässt — ein Filmstoff immerhin. Sollen wir ihn rasch entwerfen? Vorangeschickt: Wochen und Monate, da Tag für Tag, hei jeder Mahlzeit, in jeder freien Stunde, was sage ich! in jeder Minute, jedem Augenblick « sie» dem Herrn Gemahl in den Ohren liegt mit den erdenklichsten Argumenten, ihm plausibel zu machen weiss, warum ganz unbedingt sie ein Auto haben muss. Sie ohne einen Wagen nicht mehr leben kann. Als letzte Waffe ein nervenärztliches Attest, das als einziges Rettungsheilmittel das Chauffieren empfiehlt, verordnet — fordert — oh, das kann man wunderbar gestalten. Sie fährt, sie lenkt, sie schaltet ... Zeichnung Wohnlich Dass der Gatte nachgeben muss, ist selbstverständlich. Dass das Auto gekauft wird, steht ausser jedem Zweifel. Sind Scheck, pardon Wechsel unterschrieben, so rückt der Herr Gemahl aus dem Zentrum des Interesses, auf den Nebensitz. Sie fährt, sie lenkt, sie schaltet und waltet mit ihrem Wagen, den sie mit aller Liebe, allen Zärtlichkeiten nun umfängt, die eine Frau nur aufzubringen weiss. Pflegt ihn mit Mutterliebe, sorgt sich und müht sich um ihn wie um ein Kind, spielt mit ihm und kokettiert wie mit einem Freund, ist ärgerlich tund schilt, wenn mal was schief geht, wie mit dem Herrn Gemahl. 0 nein, ihr Wagen ist kein Gegenstand, ist keine Sache. Er ist ein Wesen, das lebt und sich bewegt, atmet und schwingt, das, wie sie's wünscht, auf leisen Hebeldruck ihrer kleinen Hand gehorcht, voll Langmut und Geduld, in unermüdlicher Bereitschaft ihr treu ergeben. Natürlich kann man das alles auf die Leinwand malen. Fabelhafte Wirkung! Grossaufnahmen, dass es nur so funkt! Weiter geht's. Es kommen die kleinen Erlebnisse, die sie dem Wagen verdankt, nur ihm allein, dazu sie ohne ihn niemals gekommen wäre. So eine Fahrt ins Blaue, ins Heimliche, nach einem verschwiegenen stillen Plätzchen, weit draussen irgendwo, den Augen der Welt entrückt — wie wäre sie ohne ihren Wagen je dorthin gekommen? Ganz unmöglich. Doch auch sonst, wenn mal ein Mann neben einer Frau sitzt, die das Steuer führt, mein Gott, wer will da etwas sagen? Man ist so rasch vorbei, und gibt so viel plausible Gründe. Drinnen aber kann's sehr gemütlich sein. Und der kleine rollende Raum so behaglich und traut wie eine Ecke am Kamin, überboten noch durch die vollkommene Ungestörtheit. Kein Telephon, es klingelt nicht, kein unerwarteter Besuch. Oh, wie sie darum ihren Wagen liebt! Liess Sie der Zufall einmal Zeuge werden, wie eine Frau am Morgen ihren Wagen begrüsst, bevor sie einsteigt? Wie sie zärtlich mit der Hand ihn streichelt, mit liebevollen Blicken ihn umfängt Dann aber hat sie einen neuen Typ gesehen. Der ist irgendwie anders in Bau, Ausstattung und Betrieb. Eleganter. Und wie aus einer Ehe, leise zunächst und verstohlen nur ein blinzelnder Blick und wieder einer hinüberfliegt an einen andern Tisch, so kokettiert Madame zunächst ein bisschen in aller Heimlichkeit mit dem feschen grünen Cabriolet, der blauen tiefen Pullman-Limousine, dem flinken, kleinen Roadster. Und siehe, in ihren Träumen, da machen sich plötzlich «ganz abscheuliche» Unannehmlichkeiten an ihrem eigenen, bisher so heissgeliebten Wagen bemerkbar. Bemerkbar? Sie hat das immer schon gewusst und nie geachtet, Von Margret Halm. zärtlich übersehen, was jetzt zu unüberwindbarer Schwierigkeit von Tag zu Tag ihren Wünschen entgegenwächst. Da ist die Schaltung so hart, das Volant geht so schwer. Der Wagen klappert und zieht nicht mehr. Und gibt er sich die grösste Mühe wie zuvor, kann er sie doch nicht mehr zufrieden stellen. Nun, zwei, drei Tage noch — und dass er weg muss, zum Abgang reif, ist ausgemachte Sache. Einmal darf es noch in altem Glanz erblühen, nämlich wenn sie dem davon erzählt, dem sie ihn verkaufen (lies: aufhängen) will, um in Befreiung aufzuatmen, wenn sie den Handel abgeschlossen, den Verkaufsauftrag unterzeichnet. Liess euch je der Zufall Zeuge werden, was Madame nun alles weiss, um vor sich und andern zu begründen, dass unbedingt und überhaupt ihr erster Wagen einfach nicht mehr... Da stehe ich, bin eigens nochmal hergelaufen, um das Geleite ihm zu geben, wenn er hinauszieht. Leb' wohl, mein alter, lass' dich gut behandeln. Gewiss, ich brauche einen neuen Freund. Du aber — komm', lass dich noch einmal streicheln, noch einmal fühlen dich. Schau', ich ziehe meinen Handschuh aus, um übers Leder dir zu streichen. Die Rückwand entlang. Gott, weisst du noch, war das 'ne Sache, du armer Kerl, bei dem Zusammenstoss, als du hier bös verwundet wurdest. Nein, glaube mir, ich war nicht schuld daran. Der andere .., Ach du, mein guter alter treuer Kamerad, es war doch schön, wenn wir zwei beiden Wahrhaftig, nun wollen wirklich gar die Tränen kommen. Nein. Lächerlich. Rasch weg damit. Die Leute müssen denken, ich sei, ich hätte du — nein, wart* noch einen Augenblick. Zu spät. dahin. Musik: Wenn eine Liebe stirbt. Hei, Er „fährt ist der neue Wagen schont Ja, und dazu noch ein zehnjähriges! Höchst lächerlich und unwahrscheinlich klingt es, ja paradox, dass die Mode, die ewig wandelbare, ewig wechselnde, tatsächlich ein längeres als ein sechsmonatliches Jubiläum feiern kannl Und doch, meine Damen, es ist Tatsache: es sind genau zehn Jahre seitdem das anspruchslose Beret, die sogenannte Boina der Basken, sich bei uns eingebürgert hat. Wer sie eingeführt hat? Das weiss man nicht bestimmt, aber man geht vielleicht nicht fehl, wenn man annimmt, es sei der frühere Prince of Wales, der führende Mann der Herrenmode, gewesen, der sich viel und oft am Golf von Biscaya, in St. Jean-de-Luz, aufhielt und die Vorzüge dieser klassischen Mütze herausgefunden haben mag. Jedenfalls sah man diese Mütze plötzlich überall quftauchen, allerdings sah es aus, als ob man bloss die Mütze kopiert hätte, nicht aber den Schneid, mit dem sie selbst vom einfachsten baskischen Bauern getragen* wird, denn man stülpte sie schlecht und recht über tetes carrees, ganze und halbe Glatzen, ja es ist anzunehmen, dass sie sich deshalb bei der Männerwelt so rasch einbürgerte, weil sie sich so vorzüglich dazu eignete, den sogenannten «gelichteten Scheitel> zu verdecken! Erst den pamen blieb es vorbehalten, die Boina kunstgerecht, in jenem bewussten rechten Winkel aufzusetzen, der so kokett wirkt und sich vorzüglich zum Kokettieren eignet. Man denke: ein Auge beständig Unter Feuer, das andere in sicherer Deckung! Seither haben die Damen dem Beret eine geradezu rührende Anhänglichkeit bewiesen. Immer wieder taucht es auf ohne viel in der Form zu variieren. Man hat es eine Zeitlang sogar zur führenden Modeform der Kopfbedeckung erhoben und allerlei modischen Schabernack mit ihm getrieben. Maschen und Federchen, phantastischer Schmuck aus Simili-Diamanten, Initialen aus Holz wurden ihm angeheftet, sein ursprüngliches Kleid aus matter Wolle durch ein solches aus Seide und Samt, Fell, Stroh und Leder umgetauscht, sogar aus lauter Blumen wurde es mitunter zusammengesetzt. Die Baskenmütze hat diese Modelaunen geduldig über sich ergehen lassen, und es auch ertragen, dass man nach dieser Orgie seiner etwas müde wurde und es vernachlässigte. Aber nicht lange, bald hatten es die Damen heraus, dass sie seiner nicht mehr .entbehren konnten. Es JSutUes Mayazin^ Die Lebensweise der Spanier. Die Spanier'gehen sehr spät schlafen und stehen darum auch viel zu spät auf. Ihre ganze Lebensweise ist nicht dieselbe, wie in den andern Län-' dem Europas. Die Kanzleien in den Ministerien werden erst um 11 Uhr morgens geöffnet; die Zeitungen erscheinen erst zwischen 9—10 Uhr morgens; in Spanien wird um 3 Uhr am Tage gefrühstückt und zwischen 10—11 abends diniert. Die Theatervorstellungen fangen erst um 11 Uhr abends an und sind erst um 3 Uhr nachts zu Ende. Daher ist jetzt in Spanien eine Bewegung ins Leben gerufen worden, um eine von Grund aus veränderte Lebensweise zu organisieren. Die Initiatoren dieser Reformbewegung ersehen in der jetzigen Lebensweise eine Gefahr für die Volksgesundheit und wollen mit allen Mitteln dagegen steuern. R. B. Was kostet eine Pyramide > Zwei amerikanische Architekten machten sich in ihren Mussestunden einen Spass daraus, zu berechnen, wie hoch in unseren Tagen die Kosten für die Erbauung der grössten Pyramide bei Gizeh kämen. Die beiden Forscher brachten dabei die Riesensumme von 150 Millionen Dollar (rund 375 Millionen Mark) heraus, die nur als reine Materialkosten anzusehen sind. Für den Bau würden etwa 10,000 Arbeiter 200 Tage arbeiten müssen. Bei einem Arbeitslohn von einem Dollar pro Tag und Arbeiter kämen dann zu den reinen Materialkosten noch zwei Millionen Dollar hinzu. Natürlich legten die beiden Architekten ihren Berechnungen die Möglichkeit moderner Arbeitsmethoden zugrunde. Ein Jubiläum in der Mode! ist neu auferstanden, und zwar in seiner ursprünglichen klassischen Form, ohne Firlefanz und nur in einigen wenigen diskreten Farben. Es hat sich aller Sporte bemächtigt, die Dame am Volant trägt es so gerne als die Tennisspielerin und das Golfgirl. Man trägt es am Strand, wenn zufällig die Sonne nicht scheint, und sogar die Amazone findet, es passe ausgezeichnet zum Reitdress. Für Zetcnnuno Mimi Reisen zu Wasser und zu lande ist das Beret unentbehrlich geworden, es nimmt so wenig Platz in Anspruch, dass es überall, sogar in der Manteltasche verstaut werden kann. In der Bahn entledigt sich die Dame gerne ihres Hütchens, das zwar sehr elegant ist, sie aber zur steifen Haltung verurteilt, und stülpt sich das Beret über ihre Locken, das ihr in jeder Beziehung Bequemlichkeit verschafft. Für Meer-Reisen ist die Baskenmütze geradezu zur klassischen Kopfbedeckung geworden in seiner ursprünglichen dunkelblauen Farbe, da es so gut auf dem Kopf hält und jedem Windstoss standhält. Und endlich ist es eine Interessengemeinschaft mit dem Impermeable und dem Regenschirm eingegangen, womit es sich völlig unentbehrlich gemacht hat. Nein, das hätte sich die bescheidene Boina nie träumen lassen, dass sie eines Tages die ganze Welt — wenigstens die Damenwelt — erobern würde, und da sie sich nun zehn Jahre behauptet hat, ist man fast versucht, zu glauben, ihr wohne etwas vom zähen Sinn und der Durchschlagskraft ihrer ursprünglichen Träger, dem unbezähmbaren %