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E_1936_Zeitung_Nr.084

E_1936_Zeitung_Nr.084

S AUTOMOBIL-REVUE

S AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 16. OKTOBER 1936 — N° 84 mit einer Interesseneinlage von 5—6000 Fr. gegen Sicherstellung. Dauerstellung. Gelegenheit für Car- Prüfung. — Offerten unter Chiffre 117 an die Automobil-Revue, Bern. Packard-Verkauf Offerten an Packard-Automobile, Seestrasse 407, Zürich. Kaufmann 84,85) der sich an gutgehendem Transportgeschäft beteiligen möchte. Ausk.: Postfach 30026, Ölten. Auto- Mechaniker sitzt Kenntn. in all. vorkommend. Reparatur, auf Offerten unter Chiffre Autos u. Motorrädern, mit 83,84) mit 12jähr. Werk-9stattpraxis, solider, selb- Automobil-Revue, Bern. an die Einschluss des Adler-Vorderradantriebs. Gute Zeugnisse u. Führerausweise zu Fahrer, sucht Stellung in Zu verkaufen ständiger Arbeiter, guter Dienst. Auf Wunsch pereönl. Vorstellg. Bescheid. u. Refer. — Offert, besserer Garage. Ia. 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Oktober 1936, nachmittags 15 Uhr, im Hotel Simplon in Bern, öffentlich versteigert: Eine Besitzung an der Stadtbachstrasse in Bern, enthaltend: Grundbuchblatt Nr. 52, Kreis II: 1. Das Wohnhaus mit Garage Nr. 10, brandversichert für Fr. 61000.—. 2. Den Kohlenschuppen Nr. 10 A, brandversichert für Fr. 1900.—. 3. 12,53 Aren Hausplätze, Hofraum und Garten Grundsteuerschatzung Fr. 106 100.— Amtliche Schätzung Fr. 83 700.— Die Hingabe dieser Besitzung erfolgt, wenn das Angebot die Höhe der amtlichen Schätzung erreicht. Die Steigerungsgedinge liegen vom 19.—28. Oktober auf der unterzeichneten Amtsstelle zur Einsicht öffentlich auf. Bern, den 22. September 1936. Konkursamt Bern: Martz, Titan Badenerstr. 527, ZÜRICH (Occasion). Chr. Stooss, Anhängerbau, Albisrieden-Zürich. Zu verkaufen 84) fabrikneue Ankauf von alten und verunfallten Personen- und Lastautos. Verwerfung von Bestandteilen Grosse Ersatzteil lager von über 200 verschied Marken. Kompl. 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Den Meier juckt's natürlich wieder, Er flötet sauer-süsslich-bieder, „Bist wieder beim Geschäftemachen, Man sieht dich ja beständig lachen." 82-85) Infolge Nichtgeb* per sofort zu verkaufen Lastwagen 17 HP, 2,5 Tonnen, in komplettem, fahrbereitem Zustand. — Offerten unt Chiffre 97 an die 2/4-Plätzer, Cabriolet, nur 11000 km gefahren, in neuwertigem Zustand, aus Privathand ausserordentlich günstig zu verkaufen. Auskunft: 73774 Garage E. Stauffer, Solothurn. Telephon 23.38a 1935, 6 Zyl., Sedan, 10 PS, wenig gefahren, in gepflegtem Zustande, umständehalber höchst preiswert zu verkaufen. Offerten unter Chiffre Z 3994 an die Automobil-Revue, Bureau Zürich. „Jawohl, bin wieder einen los, Erlös und Kunde sind famos, Dazu war es ein grosser Wagen, Der lang schon lag mir auf dem Magen.*« „Ich dacht' es doch," frohlockt der Meier, Man kennt als Neider ihn und Schreier, „Hast dabei tüchtig aufgetischt Und so den Kunden schön erwischt" „Nein, Meierlein, sagt Gantenbein, Geschäfte können gut nur sein, Wenn altem Spruch gemäss dabei, Den Vorteil finden alle zwei." „Der Wagen ist nun ohne Frage, Just das, was nach der Dinge Lage, Für den Klient ist ideal, Er passt tip-top für seinen Fall." „Beim Auto richten sich die Preise In jedem Falle nach der Weise, In der der Wagen dem entspricht, Worauf der Käufer ist erpicht." TeL 7O777 „Drum immer nach dem Käufer jagen, Dem „angegossen" sitzt der Wagen, In der „Revue" ein Inserat, Dabei stets seine Wirkung tat." FORD Sei witzig wie Ptitzig, Benutze die Auto-Bcvue, Sie spart Dir viel Arbeit nnd Müh AutoHOtife Automobil-Revue. Bern. FORD V-8 OPEL

BERN, Freitag, 16. Oktober 1936 Automobil-Revue, II. Blatt - Nr. 84 Oft ist das Leben... Oft ist das Leben lauter Licht Und funkelt freudefarben Und lacht und fragt nach denen nicht, Die litten, die verdarben. Doch immer ist mein Herz bei denen, Die Leid verhehlen Und sich am Abend voller Sehnen Zu weinen in die Kammer stehlen. So viele Menschen weiss ich, Die irren leidbeklommen, All ihre Seelen heiss ich Mir Brüder und willkommen. Gebückt auf nasse Hände Weiss ich sie abends weinerr, Sie sehen dunkle Wände Und keine Lichter scheinen. Doch tragen sie verborgen, Verirrt und wissen's nicht, Durch Finsternis und Sorgen Der Liebe süsses Licht. Hermann Hesse. Greta Garbo Das Alter der Schauspielerin Von Greta Garbo. Die Frau, über deren Flucht aus der Oeffent- (ichkeit in letzter Zeit fast täglich neue Einzelheiten berichtet werden, die Schauspielerin, die — gerade, weil sie so gar nichts dazu tut — seit vielen Jahren im Mittelpunkte des Interesses der ganzen Welt steht, soweit Filme über die Leinwand laufen, Greta Garbo hat sich gegenüber einem Freundüber eine Frage geäussert, die wohl jeder Frau, jeder Schauspielerin am Herzen liegt. Es gibt kaum jemanden, der nicht behauptet, alle Filmschauspielerinnen hätten die menschlich Verständliche Eigenschaft, sich für möglichst jung auszugeben. Jeder glaubt, dass sie von Oscar Wildes Spruch «Frauen sollen nie ihr richtiges Alter angeben, es sieht so berechnend äusl> besonders reichlich Gebrauch machen. Ich möchte daher für alle Filmschauspielerinnert ein gutes Wort einlegen. Sie wissen, dass die meisten Schauspielerinnen, wenn nicht früher, so doch spätestens mit 18 Jahren entdeckt werden. Die Ausnahmen kann man wirklich zählen. Nehmen.wir an, eine solche junge Dame kommt gleich in ihrem ersten Film mit gutem Erfolg heraus. Sie hören zum ersten Male ihren Namen. Sie gefällt Ihnen. Sie hören nach einem Vierteljahr zum zweiten Male von Ihr — und jetzt kennen Sie sie schon. Prüfen Sie einmal nach, ob meine Behauptungstimmt: Nach einem Jahr ist sie eine alte.Bekannte, Und Sie haben den Eindruck, schon vor mindestens, zwei Jahren von ihr gehört zu haben. Nach drei Photo Metxo Goldwyn-Mayor Jahren ihrer Tätigkeit kennen Sie sie schon endlos lang. Sie glauben, es müsse mindestens fünf bis sechs Jahre her sein, seit Sie sie zum ersten Male gesehen haben.. Nach zehn Jahren ist die Schauspielerin ganze achtundzwanzig, und Sie werden sie auf mindestens zweiundvierzig schätzen, da Sie sie ja schon lange, so furchtbar lange kennen... Sie wären bestimmt niemals unhöflich genug, einer Dame der Gesellschaft nachzusagen, sie sei dreissig, wenn sie erst neunundzwanzig ist. Aber Filmschauspielerinnen werden immer für älter gehalten, als sie tatsächlich sind, und man findet gar nichts dabei, ihnen die Höflichkeit zu versagen, die man sonst Damen gegenüber unbedingt beobachtet. Wo bleibt der Ritter, der sie verteidigt? Dabei haben Filmschauspielerinnen durchaus nicht immer ein Interesse daran, sich um jeden Preis jünger zu machen. Wenn eine Schauspielerin von dreissig einen Backfisch noch glaubhaft und echt zu spielen vermag —> spricht das nicht viel mehr für ihre Künstlerschaft als die Angaben in ihrem Geburtsschein? Wenn es ihre Rolle erfordert, dann allerdings hat jede Schauspielerin den unbedingten Ehrgeiz, jünger zu wirken. Aber Sie tun .ihr Unrecht, wenn Sie Spass daran finden, sich über ihr Alter unnütze und oft boshafte Gedanken zu machen. Vergessen-Sie-doch bitte nicht, dass Filmschausprelerinnen auch Damen sind... .{Nachdruck, auch auszugsweise, verboten!], cpr Warum „happy end 44 ? Der Name sagt es schon: die Sache ist amerikanischer Herkunft. Man gebraucht die Bezeichnung meist in absprechendem Sinne, um auszudrücken, dass Film schon deswegen nicht viel mit wirklicher Kunst zu tun haben könne, weil die Frage des Filmschlusses nach den Wünschen der grossen Masse und nicht nach den künstlerischen und psychologischen Notwendigkeiten gelöst würde. Der Film sei ein Stück Unterhaltungsindustrie, erfülle lediglich Wunschträume der Zuschauer, und daher komme es, dass auch der Aus- §ang stets den primitivsten Lustgefühlen des Pu- Itkums 'gerecht werden müsse. Die Erklärung ist zu oberflächlich, als dass sie ganz richtig sein könnte. Gewiss ist das «happy end> als fast normaler Filmabschluss etwas typisch Filmisches. Und es ist auch nicht zufällig, dass die Amerikaner mit der besonderen Vorlieoe für ein «glückliches» Filmende den Anfang gemacht haben. Wie wir ihnen die Tillergirls verdanken — jene menschlichen Tanzmaschinen auf der Revuebühne —, so neigen sie auch sonst zu feststehenden und mit mascninenmässig mechanischer Sicherheit wiederkehrenden Ausdruckmitteln: Chaplins Stöckchen, Harald Lloyds Hornbrille sind Zeichen dieser Freude am Stereotypen. Und so ist das «happy end> das ungeschriebene Gesetz des Filmabschlusses. Geht es während der Filmhandlung auch noch so wild und wüst zu, der Zuschauer darf beruhigt sein, die steile Kurve seiner Erregung wird absinken zu normaler Gemütsbewegung, er wird in befriedigter Stimmung und mit dem Ausgang versöhnt das Kino verlassen. Aber sollte nicht doch noch etwas mehr hinter dem happy-end-Prinzip stecken als dieser äussere Zusammenhang? In der Kunst spielt der Handlungsausgang eines Werkes eine Rolle, die in ihrer Bedeutung je nach der Kunstart verschieden ist. Bei der Musik finden wir die Auflösung in einem harmonischen Schlussakkord. Die Frage, ob das Stück fröhlich oder traurig endet, kann gar nicht gestellt werden. Auch ein lyrisches Gedicht braucht nicht versöhnlich zu enden (Lenau u. v. a.). Wenn aber in einem Kunstwerk eine Handlung auf etwas hinzielt, wenn ein Handlungsablauf festzustellen ist, der aus dem Bezirk der reinen Gefühlswelt hinausführt, dann muss auch ein inhaltlich versöhnendes Element hervortreten, dann müssen beim Leser und Zuschauer befriedigende oder beruhigende Vorstellungen aufgerufen werden, wenn das Ganze überhaupt einen künstlerischen Genuss auslösen soll. Das Endergebnis muss über alle bisher aufgetretenen Unlustgefühle hinweghelfen. Ueber dieses sogenannte «Problem des Tragischen> gibt es eine ganze umfangreiche Literatur. Viele Bühnendichter, und sogar die grössten, haben sich zu Zeiten gezwungen gesehen, ihren Werken eine zweiten, «glücklicheren» Abschluss zu geben (Schiller im «Fiesco>, Ibsen in der «Nora»). Bei den Griechen gehörte zur Tragödie als regelmässiger Abschluss ihrer Festspiele das Satirspiel; die nach drei langen Tragödien aufgestaute Spannung musste im Gelächter über den frechen Spott eines Lustspiels sich lösen und untergehen. Schon daraus dürfte zu ersehen sein, dass man dem Film unrecht tut, wenn man ihm vorwirft; dass er als Afterkunst das «bewährte Schema des glücklichen Ausganges» pflege. Oder mit anderen Worten, dass das «nappy end» des Films der Ausdruck des planmässigen Bestrebens sei, «den Zuschauern jedes tragische Lebensgefühl vorzuent? halten.» Ueber Begriff und Vorzüge eines tragischen Lebensgefühls wollen wir nicht streiten. Aber wichtig ist, dass der Film auch bei der Frage nach dem «Happy end» aus seinen eigenen Gesetzen heraus beurteilt wird. Im Leben gibt es kein Ende, keinen Abschluss, wie in einem Kunstwerk. Das Leben drängt sich in keiner Phase auf ein paar Stunden mit Exposition, Steigerung, Höhepunkt und Katastrophe zusammen wie ein Drama. Auch der Tod ist im Leben, so sehr er eine Lücke, einen Abgrund aufzureissen vermag, niemals ein Ende, wie es der Vorhang nach einem Bühnenspiel ist, in dem auch das Sterben dem Zuschauer bewusst als ein «Spiel» gegenübertritt. Denn der Schauspieler steht wieder auf und verbeugt sich. Der Film ist nun die Ausdruckskunst, die das reale Leben am unmittelbarsten und scheinbar ganz objektiv widerspiegelt. Auf der Kino-Leinwand geht kein Spiel vor sich, sondern diese Fläche wirkt als Spiegel, als Einfangfläche wirklichen Geschehens oder eines irgendwo einmal wirklich Geschehenen. Wie im Leben und für den naiven Menschen der Tod ein Uebel schlechthin bedeu* tet, ein Uebel, dem man aber schon nach der Grablegung mit neuem Lebensmut begegnet, so verlangt auch die filmische Ausdruckskunst nach einem gegengewichtigen, weiterführenden Abschluss. Der Tod eines Helden auf der Bühne hat typische Wirkung und bedeutet die beispielhafte Erlösung von einem gequälten, schuldverstrickten Dasein oder aus furchtbarer Gewissensfolter. Der Tod eines Helden im Film bedeutet individuelles Schicksal, das nur dann auf Allgemeininteresse stösst, wenn die ganze Handlung so qngelegt ist, dass das Leben über den Einzelfall hinweggeht. Wie das Leben niemals im Negativen verharrt, so kann auch ein Kunstwerk, das dieses Leben mit eigengesetzlichen Mitteln plastischer und anschaulicher als jedes andere wiedergibt, nie rein tragisch abschliessen. Das «happy end» des Films hat tiefere Bedeu* tung als die Spötter ahnen, weil der «goldene Ueberfluss der Welt» eben eine optische und nicht eine akustische Angelegenheit ist. (Filmwoche.!