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GesteinsPerspektiven 05/19

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E 43690 Ausgabe 5/20<strong>19</strong><br />

Offizielles Organ des Bundesverbandes<br />

Mineralische Rohstoffe und seiner Landesverbände<br />

PRAXIS Versorgungsalternative<br />

Sonnenstrom vom Baggersee deckt Löwenanteil des Werksbedarfs<br />

NASSGEWINNUNG Maßzuschnitt<br />

Wie Hersteller auf den sich verändernden Bedarf an Technik reagieren<br />

SPEZIAL Wasserklärung<br />

Was man zu Art und Dosierung von Flockungshilfsmitteln wissen muss<br />

BAGGER & RADLADER Leistungsträger<br />

Über Neuheiten, besondere Größen und das perfekte Zusammenspiel


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Rockster Austria International<br />

www.rockster.at


LE ITARTIKEL<br />

3<br />

Papiertiger<br />

lassen sich nicht<br />

zähmen<br />

Dass die Rohstoffpolitik ein wichtiges Thema für die Bundesregierung sei,<br />

wird wiederholt auf konkrete Nachfrage versichert. Deshalb arbeitet das<br />

Bundeswirtschaftsministerium derzeit an einer Fortschreibung der Rohstoffstrategie<br />

von 2010. „Na und“, fragt der Skeptiker, ohne das neue Werk<br />

zu kennen, „hat sich seit 2010 irgendetwas zugunsten der heimischen Rohstoffe<br />

geändert?“ Solange solche Fragen im Raum stehen, sind sie Beleg<br />

von Enttäuschung auf der einen und von Vortäuschung absehbarer<br />

Verbesserungen auf der anderen Seite. Niemand in politischer Verantwortung<br />

will sich die Finger an Themen verbrennen, die mit „Eingriffen“<br />

oder überhaupt „Industrie“ zu tun haben. Könnte ja dumm ausgehen.<br />

Und weil es dumm ausgehen kann, gibt man in La-la-Deutschland lieber nicht<br />

dafür ausgebildeten Fachleuten die Möglichkeit, bedeutsame Entscheidungen<br />

zu treffen, sondern nimmt Rundum-Abwäger in die Pflicht. Diese suchen<br />

bevorzugt nach „konfliktfreien Räumen“. Dieser Ansatz findet sich auch in der<br />

vor zwei Jahren erschienenen Broschüre „Mittel- und langfristige Sicherung<br />

mineralischer Rohstoffe in der landesweiten Raumplanung und in der Regionalplanung“<br />

(MORO) als Bericht zum Modellvorhaben der Raumordnung.<br />

Sie liefert eingangs eine gute Zusammenfassung spezifisch unterschiedlicher<br />

Herangehensweisen an die Rohstoffsicherung in Landesentwicklungs- und<br />

Regionalplanungen, spart aber aus, dass eine klare Vorgabe im Bundesraumordnungsgesetz<br />

in Zukunft mehr Klarheit schaffen könnte, und empfiehlt –<br />

Überraschung – nicht etwa die Expertise der geologischen Dienste stärker<br />

für die langfristige Rohstoffsicherung heranzuziehen, sondern Raumordnungsbehörden<br />

sollten ihre Bemühungen bei der Suche konfliktfreier Räume verstärken.<br />

Dort darf sie dann stattfinden, die Rohstoffsicherung und -gewinnung<br />

der Zukunft. Wer also einen konfliktfreien Raum kennt – die Geologie spielt<br />

nach dieser Lesart eine Nebenrolle –, bitte melden!<br />

Diese Praxis hat leider schon eine längere Geschichte. Wer anfangs<br />

meinte, einzelne Papiertiger durch braves Mittun zähmen zu können,<br />

sieht sich nun einem gefährlichen Rudel gegenüber. Wie dem<br />

beizukommen sein soll, weiß der Himmel.<br />

Ihre<br />

Gabriela Schulz<br />

Chefredakteurin GP<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


4<br />

INHALT<br />

TITELANZEIGE<br />

Intelligente Bagger<br />

ROHR-IDRECO-Saugbaggeranlagen verfügen über<br />

einen elektrischen Antrieb (optional auch Dieseloder<br />

diesel-elektrischer Antrieb); die im eigenen<br />

Haus entwickelte, moderne Automatisierungs- und<br />

Überwachungssoftware garantiert höchste Effizienz<br />

bei gleichzeitig möglichst niedrigem Energieverbrauch.<br />

Weitere Vorteile sind ein geringerer Verschleiß<br />

der Pumpen, ein niedriger CO 2 -Fußabdruck<br />

und minimale Lärmbelästigung.<br />

BAGGER DRAGA<br />

Die Standardausführungen des DRAGA bieten Baggertiefen<br />

bis zu 55 Metern und werden in Containerbauweise<br />

hergestellt; dies garantiert geringe Transportkosten<br />

bei weltweitem Versand und erlaubt die Anlieferung an<br />

die oft schwer zugänglichen Binnenstandorte der Sandund<br />

Kiesindustrie oder Dämme von Wasserkraftwerken.<br />

Das spätere Umsetzen des Baggers wird durch das<br />

iPlug-and-Dredge-Konzept erleichtert.<br />

Aufgrund des modularen Designs ist ROHR-IDRECO<br />

in seiner Branche führend in puncto Lieferzeiten und ständiger<br />

Lieferbarkeit von Teilen. Maßgeschneiderte Lösungen<br />

können dank umfangreicher Wahlmöglichkeiten realisiert<br />

werden, z. B. Typ der iPump??, Baggermahlwerk??<br />

und andere Erweiterungen und Zusatzgeräte, Grad<br />

der Automatisierung, Überwachung und Visualisierung.<br />

ROHR-IDRECO bietet zusätzlich den Einbau eines<br />

Mess- und Visualisierungssystems an, mit dem sich Gewinnung<br />

und Förderung optimieren lassen. Dies geschieht<br />

mithilfe von DGPS-Empfängern, mehreren Ultraschallsensoren<br />

(Druck, Neigungsmessgeräte usw.) und<br />

unserem firmeneigenen Softwaresystem, das durch<br />

Messungen den Einsatzort des Saugkopfes bzw. des<br />

Greifers bestimmt. Dank dieses virtuellen Echtzeitsystems<br />

ist die Menge an baggerfähigem Material, das nach<br />

einem Einsatz zurückbleibt, auf das Minimum reduziert.<br />

Weitere Informationen finden Sie auf unserer<br />

Website: www.rohr-idreco.com. Oder kontaktieren<br />

Sie uns: sales@rohr-idreco.com<br />

Weitere Informationen:<br />

ROHR-IDRECO Systems B.V.<br />

Logistiekweg 4<br />

7007 CJ Doetinchem<br />

NIEDERLANDE<br />

www.rohr-idreco.com<br />

60 Flockenwirbel: Unser GP-Spezial<br />

beschäftigt sich mit Fragen der Wahl<br />

des richtigen Flockungshilfsmittels,<br />

mit negativen Effekten von Fehldosierungen<br />

und dem eventuellen Zusatznutzen<br />

von Filterkuchen. Fotos: siehe Artikel<br />

LEITARTIKEL<br />

3 Papiertiger lassen sich nicht zähmen<br />

ZUR SACHE<br />

6 Unsere Fähigkeiten und Ressourcen sind ein hoher Wert<br />

WIRTSCHAFT<br />

8 Branchenüberblick: MIRO-Mitgliedsverbände ziehen auf<br />

ihren Jahresversammlungen Bilanz<br />

Politisch als Einheit sichtbarer geworden<br />

Baldige Vorlage der Rohstoff-Strategie versprochen<br />

Schwieriges mit Ruhe meistern<br />

Filmreife Verbandstage in Görliwood<br />

Ohne Roh- und Baustoffe kein Erfolg<br />

20 Im raueren Klima unterwegs<br />

22 Niedrigwassersituationen bei schiffbaren Wasserstraßen<br />

gezielt entschärfen<br />

AKTUELL<br />

25 Nachrichten aus der Branche für die Branche<br />

MACH MAL WAS<br />

34 Natur auf Zeit – Vertragsabschluss in Oberfranken<br />

35 Ein Kilo Steine im Kino<br />

FORSCHUNG<br />

36 Kleine Energieanlagen zur großen Lösung verknüpfen<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


INHALT<br />

5<br />

89 Wägetechnik: Ein Überblick über die<br />

Hersteller von Bandwaagen und ein Beispiel<br />

dafür, dass die „Waage“ heute an sich<br />

eigentlich nur ein Bruchteil eines zeitgemäßen<br />

Wiegesystems ist. Fotos: siehe Artikel<br />

Inhalt<br />

Inhalt<br />

PRAXIS<br />

38 Vorzeigeprojekt voll sonniger Energie<br />

41 Leiseste Staubbindemaschine im neuen Design<br />

42 Maximal glückliche Beziehung<br />

SCHWERPUNKT NASSGEWINNUNG UND<br />

AUFBEREITUNG<br />

46 Bewährte Alternative<br />

49 Nassgewinnung mit noch mehr Flexibilität<br />

50 Visualisierung unter Wasser<br />

52 Waschtrommel im Kalkstein<br />

56 Einfach ganz sportlich verdoppelt!<br />

58 Schwachstelle am Nasssieb ausgeknipst<br />

SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

60 Kammerfilterpressen und Flockungshilfsmittel –<br />

alles (Wasser)klar!<br />

63 Ein echter Turbo für die Flocke<br />

64 Flockungshilfsmittel richtig einsetzen<br />

SCHWERPUNKT BAGGER UND RADLADER<br />

68 Seltenheit im XXL-Format<br />

70 Groß und Klein gemeinsam in der Lava<br />

73 Leistungsträger und Datensammler<br />

75 Nachfolger in der 90-t-Klasse am Start<br />

78 Eine Energie-Erntemaschine im Teststadium<br />

80 Aufbruch in die große Klasse<br />

84 Rückendeckung vom Assistenten-Team<br />

86 Ein unglaubliches Projekt<br />

SCHWERPUNKT WÄGETECHNIK<br />

89 Ermittlung am laufenden Band gravimetrisch<br />

oder volumetrisch?<br />

94 Schweres wiegen leicht gemacht<br />

TREFFPUNKT<br />

96 Kompakt, dennoch umfangreich und maximal<br />

beständig<br />

98 Das „neue“ Messegelände und ein digitaler<br />

Aufbruch<br />

101 Demo an! Erfolgsdoppel startet wieder durch<br />

102 Mehr Dialog bei der Rohstoffplanung gewünscht<br />

103 Rohstoffgewinnung gesellschaftlich gewollt,<br />

oder nicht?<br />

1<strong>05</strong> Techniktag der Schotterindustrie<br />

106 Rohstoffkolloquium im Bergbauland<br />

Sachsen-Anhalt<br />

108 Plan A und B als Einheit beim Unternehmerforum<br />

109 Terminblitz<br />

110 GP Top Online<br />

112 Terminkalender / Impressum<br />

113 Inserentenverzeichnis<br />

114 Zu guter Letzt / Vorschau<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


6<br />

ZUR SACHE<br />

MEINUNG<br />

DR. GERD HAGENGUTH zur Situation der<br />

mineralischen Rohstoffindustrie und der<br />

Wirtschaftspolitik insgesamt. Foto: MIRO<br />

Zeit für Veränderungen<br />

Unsere Fähigkeiten und Ressourcen<br />

Als Vertreter einer standortgebundenen<br />

Industrie mit kurzen Lieferradien beurteilen<br />

wir bei unserer Betrachtung der wirtschaftlichen<br />

Situation nicht die Weltlage,<br />

noch nicht einmal die europäische in ihrer<br />

Gesamtheit, sondern vor allem die nationale<br />

und ihre Auswirkungen auf unsere<br />

Branche. Die Bilanz, die wir ziehen, ist<br />

nicht sehr günstig. Politisch war und ist<br />

das Jahr vom vergangenen Sommer bis<br />

jetzt vor allem durch eine kleinteilige Sozialpolitik,<br />

die den Willen zu einem neuen,<br />

ungeahnten Maß an Umverteilung offenbart,<br />

Zuspitzungen in der Klimadebatte<br />

PODIUMSDISKUSSION: Wiederholt werden die Positionen der Parteien<br />

und Fraktionen zur heimischen Rohstoffgewinnung beim politischen<br />

Auftakt des ForumMIRO 20<strong>19</strong> im November abgeklopft. Dr. Hagenguth<br />

(auf dem Podium r.) wird dazu unbestreitbare Fakten in den Ring<br />

werfen. Foto: Sven Hobbisiefken<br />

und eine deutliche Nervosität in produzierenden<br />

Wirtschaftsbereichen geprägt.<br />

Zusätzlich drohen neue Belastungen wie<br />

eine CO 2 -Steuer. Industrieunternehmen<br />

– egal ob groß oder klein – stehen am<br />

Pranger. Die Folgen der weitgehend mutlos<br />

erscheinenden Politik der Großen Koalition<br />

schlagen sich bereits in ernüchternden<br />

Zahlen nieder. Laut Statistischem<br />

Bundesamt legte das reale Bruttoinlandsprodukt<br />

im ersten Quartal 20<strong>19</strong> gegenüber<br />

dem Vorjahr gerade einmal um<br />

0,6 % zu. Ohne den Puffer der Bauinvestitionen<br />

wären es sogar nur noch 0,3 %,<br />

denn der Umsatz der Baubranche erreichte<br />

im ersten Quartal 20<strong>19</strong> den<br />

höchsten Wert seit <strong>19</strong>95 und damit einen<br />

neuen Rekord. Gleiches soll für die<br />

Reichweite der Auftragsbestände gelten.<br />

Das heißt, der Bau „brummt“ und erweist<br />

sich zum Glück einmal mehr als Stütze<br />

der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.<br />

Allerdings, und das ist in dieser Konzentration<br />

neu, bemängeln Vertreter führender<br />

Bauverbände steigende Rohstoffpreise,<br />

genannt werden vor allem<br />

Bitumen und Stahl, die sich im Zusammenspiel<br />

mit steigenden Energiepreisen<br />

zu einem neuen Risikofaktor entwickeln.<br />

Kies-, Sand- und Natursteinprodukte erscheinen<br />

in monetären Auffälligkeitsraster<br />

nicht, allerdings werden hier vielfach<br />

regionale Knappheiten beklagt. Eine Tatsache,<br />

die nicht nur immer neues mediales<br />

Interesse auf sich zieht, sondern<br />

gegenüber MIRO auch durch eine Befragung<br />

bei regionalen Verbänden der Bauwirtschaft<br />

durch deren Mitglieder teils<br />

sehr detailliert bestätigt wurde.<br />

Paradigmenwechsel ist zwingend<br />

Als wichtige Lieferpartner der Baustoffproduzenten<br />

und Bauunternehmen wollen<br />

unsere Betriebe natürlich auch in<br />

Zukunft die gewachsene Nachfrage nach<br />

Gesteinskörnungen zu fairen Preisen zuverlässig<br />

bedienen. Um das aber garantieren<br />

zu können, brauchen wir schleunigst<br />

einen Paradigmenwechsel bei<br />

Politik, Behörden sowie kommunalen<br />

und regionalen Entscheidern. Viele der<br />

derzeit aktiven Gewinnungsstätten werden<br />

absehbar erschöpft sein, neu geneh-<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


ZUR SACHE<br />

7<br />

„Wenn die Versorgung der Abnehmer<br />

mit mineralischen Gesteinsrohstoffen –<br />

die umweltgerecht gewonnen, aufbereitet,<br />

veredelt und über kurze Wege verfrachtet<br />

werden – Bestand haben soll,<br />

muss Bewegung in die Amtsstuben.“<br />

sind ein hoher Wert<br />

migte stehen nicht ausreichend zur Verfügung.<br />

Was ist also zu befürchten? Das<br />

Bauen wird noch teurer! Warum? Die<br />

zuverlässige Bedarfsdeckung aus heimischen<br />

Lagerstätten über kurze Wege ist<br />

nicht mehr gegeben. Importe werden es<br />

lösen müssen. Diese haben neben möglicherweise<br />

qualitativen Abweichungen<br />

allerdings auch den Schönheitsfehler<br />

eines deutlich vergrößerten ökologischen<br />

Fußabdrucks. War es nicht gerade der,<br />

den es gemäß der anschwellenden Klimadiskussion<br />

zu vermeiden gilt?<br />

Indem es im Moment offenbar gerade<br />

nicht gelingt, eine ausgewogene<br />

Wirtschaftspolitik für Deutschland zu<br />

gestalten, ist zu befürchten, dass industrielles<br />

Potenzial und Arbeitsplätze verloren<br />

gehen. Es mag ja manchem politischen<br />

Entscheider, der keinen<br />

produzierenden Betrieb von innen<br />

kennt, so scheinen, als gäbe es Produktionsarbeiter<br />

als solche gar nicht mehr.<br />

Und wenn es sie gibt, dann sind es die<br />

Zukurzgekommenen, für die Respektrenten<br />

und Umverteilungen zu erfinden<br />

sind. Wer so denkt, dem sei gesagt:<br />

„Sie wissen nichts über das partnerschaftliche<br />

Miteinander von Arbeitgebern<br />

und Arbeitnehmern in produzierenden<br />

Branchen wie unserer, nichts<br />

über Tariflöhne, Unterstützungsleistungen<br />

bei Weiterentwicklungen, nichts<br />

über den Stolz dieser Menschen auf<br />

gemeinsam Geleistetes oder über deren<br />

Unverständnis, wenn ‚ihr‘ Unternehmen<br />

unversehens in Kritik gerät, nur weil es<br />

vielleicht eine volkswirtschaftlich wichtige<br />

Erweiterungsgenehmigung beantragt<br />

hat.“ Wer will, dass allen Men-<br />

schen in diesem Land Wohnraum und<br />

Verkehrswege zur Verfügung stehen,<br />

wird dies nicht durch Enteignungen und<br />

Deindustrialisierung erreichen. Zu<br />

schaffen ist das nur durch die Nutzung<br />

unserer Fähigkeiten und Ressourcen.<br />

Heimische Rohstoffgewinnung, Weiterverarbeitung<br />

und Bautätigkeiten sind<br />

dafür essenziell. Das war einst weithin<br />

bekannt. Heute ist die Forderung, dies<br />

anzuerkennen, fast eine mutige Maßnahme.<br />

Wenn aber die Versorgung der<br />

Abnehmer mit mineralischen Gesteinsrohstoffen<br />

– die umweltgerecht gewonnen,<br />

aufbereitet, veredelt und verfrachtet<br />

werden – nicht zunehmend<br />

schwieriger werden soll, muss Bewegung<br />

in die Amtsstuben. Die vorsorgende<br />

Rohstoffsicherung ist mit großer<br />

Ernsthaftigkeit zu betreiben. Gleiches<br />

gilt für die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.<br />

Diese aktuelle Ausgabe der GP, die<br />

wie jedes Jahr im Sommer die Berichte<br />

zu den Versammlungen der MIRO-<br />

Mitgliedsverbände bündelt, zeigt, was<br />

unser Bundesverband sowie speziell<br />

unsere Regional- und Landesverbände<br />

und die dort organisierten Unternehmer<br />

tun, um diese Bewegung zu unterstützen.<br />

Glück auf!<br />

Ihr<br />

Dr. Gerd Hagenguth<br />

MIRO-Präsident<br />

GESTEINSROHSTOFFE werden allenthalben gebraucht.<br />

Verantwortungsbewusst gehen die Unternehmen an die<br />

Gewinnungsaufgabe heran. Parallel entstehen attraktive<br />

Refugien für Pflanzen, Tiere – und Menschen!<br />

Fotos: MIRO-Fotowettbewerb 2017 und gsz<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


8<br />

WIRTSCHAFT<br />

Gegenwind statt Rückenwind<br />

Wie in jedem Jahr haben sich die Mitglieder<br />

der MIRO-Landes- und-Regionalverbände<br />

in den Monaten Mai und Juni zu ihren Jahresversammlungen<br />

getroffen. Die Stimmung<br />

dabei: gemischt. Bestanden im vergangenen<br />

Jahr berechtigte Hoffnungen, dass sich angesichts<br />

der Knappheits-Meldungen auch in<br />

Genehmigungsbehörden und Verwaltungen<br />

der Wind dreht, hat sich diese Erwartung<br />

mehrheitlich nicht bestätigt. Gegenwind<br />

gab’s stattdessen reichlich. Ob das klug ist<br />

in einer Zeit, wo die Wirtschaftsinstitute das<br />

Ende des Konjunkturbooms in Deutschland<br />

ausrufen und ihre Prognosen eindampfen,<br />

bleibt dahingestellt. Logisch denkende Menschen,<br />

die mit Kausalitäten umgehen können,<br />

hat die Korrektur wenig überrascht.<br />

Nicht nur wertschöpfende Leitbranchen stehen<br />

am Pranger, sondern auch die gesamte<br />

Industrieproduktion ist in eine Ecke manövriert<br />

worden, die weniger Deckung bietet, als<br />

Falle ist. Wer sollte also jenseits des Dienstleistungsgewerbes<br />

in diesem Land noch investieren<br />

wollen? Rohstoffunternehmer als<br />

Vertreter einer stationären Branche würden<br />

es vermutlich tun. Dazu müssten sie aber<br />

eine tragbare Möglichkeit erhalten. Noch ist<br />

vor allem „der Bau“ das Korrektiv, welches<br />

den Rückgang puffert. Was passiert aber,<br />

wenn ihm wichtige Zulieferer der Roh- und<br />

Baustoffindustrie wegbrechen?<br />

Nun gut, manch einer munkelt schon jetzt,<br />

dass vermutlich unter dem wachsenden<br />

Druck der sich leerenden Kassen die versprochenen<br />

Investitionsgrößenordnungen<br />

für Infrastruktur und Wohnungsbau zur Disposition<br />

stehen könnten. Hoffen wir es nicht!<br />

Allerdings könnte ein gewaltiger Bruch im<br />

Bauboom natürlich der Schlüssel dazu sein,<br />

um den Bedarf an Primärrohstoffen bis 2<strong>05</strong>0<br />

gegenüber heute zu halbieren, wie es einige<br />

vom BMU gepamperte Organisationen visionieren.<br />

Hier ein Tipp: Liebe Leute, die ihr so denkt<br />

– ruft über Youtube oder bv-miro.org den<br />

Erklärfilm „Ein Kilo pro Stunde“ auf, um herauszufinden,<br />

was euch künftig entgeht!<br />

Ganz klar, dass der Branchenfilm als Highlight<br />

auch auf allen Mitgliederversammlungen<br />

gezeigt wurde. „Obwohl ich das Video<br />

kannte, habe ich zum wiederholten Mal<br />

Tränen gelacht!“, gestand ein Unternehmer<br />

in der Pause. Gut dass es Tränen der Freude<br />

waren. Auf andere können wir gerne<br />

verzichten. <br />

(gsz)<br />

Politisch als<br />

Einheit sichtbarer<br />

geworden<br />

GEBÜNDELT: Gesteins-Fachgruppenversammlungen und BIV-Jahresmitgliederversammlungen<br />

wurden im Frühjahr in unmittelbarer Folge als zeitsparendes Konvolut angeboten.<br />

Sichtbarkeit ist wichtig. Erst recht gilt das für Verbände. So bewertete<br />

Mike Edelmann zum Beginn der Mitgliederversammlung des Bayerischen<br />

Industrieverbandes Baustoffe, Steine und Erden, BIV, im Mai<br />

die arbeitsreiche Zeit der erfolgreichen Strukturreform des Verbandes<br />

in den letzten drei Jahren auch, aber nicht nur unter dem Aspekt der<br />

politischen Wahrnehmung als eine sehr erfolgreiche.<br />

Für den BIV war die erwähnte Strukturreform der größte verbandspolitische<br />

Umbruch seit seiner Gründung <strong>19</strong>45. Inhaltlich wurden dabei in neu geschaffenen<br />

Geschäftsbereichen Themen fokussiert und nach außen zu einer Stimme<br />

zusammengefasst – was letztlich zur Sichtbarkeit maßgeblich beigetragen<br />

hat. Hinzu kam in der jüngeren Vergangenheit ein Außenrahmen, der die<br />

Verfügbarkeit heimischer mineralischer Roh- und Baustoffe stark medial<br />

hinterfragte. Die speziell in Ballungsräumen gewachsene Baunachfrage zog<br />

in verschiedenen Regionen bereits offensichtliche Versorgungsengpässe<br />

nach sich. Ein ungewöhnlicher Vorgang, den man so in Deutschland nicht<br />

erwartet hätte. Das Alarmzeichen müssten Politik und Verwaltungen eigentlich<br />

richtig deuten und entsprechend vorsorgend handeln. Doch das Aussitzen<br />

hält an. Nicht auszuschließen ist, dass, „wenn die Bundespolitik unter<br />

Spardruck gerät, die Investitionen zurückgefahren werden“, zeichnet Mike<br />

Edelmann ein eher unerwünschtes Szenario.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WIRTSCHAFT<br />

9<br />

Vorerst aber sieht es in Sachen Investitionen<br />

in Bayern sehr gut aus, was<br />

die Vorsitzenden der vorgelagerten<br />

Fachgruppenversammlungen für Naturstein<br />

sowie für Sand und Kies mit<br />

Zahlen untermauert hatten. Waren die<br />

Bundesfernstraßenmittel in Bayern<br />

2018 zu Jahresbeginn mit einem Verfügungsrahmen<br />

von 18<strong>05</strong> Mio. Euro<br />

beziffert, wurden im Laufe des Haushaltsjahres<br />

212 Mio. Euro zusätzlich<br />

zugewiesen, insgesamt also 2017 Mio.<br />

Euro. 20<strong>19</strong> beträgt der Verfügungsrahmen<br />

<strong>19</strong>50 Mio. Euro und weitere Mittel<br />

des Bundes werden bis Jahresende<br />

erwartet. Auch die Ist-Ausgaben des<br />

Staatsstraßenhaushalts sind mit dem<br />

zweiten Nachtragshaushalt 2018 um 20<br />

Mio. Euro auf 310 Mio. Euro erhöht<br />

worden. Diese Mittel fließen schwerpunktmäßig<br />

in die Bestandserhaltung,<br />

wo der Nachholbedarf weiterhin hoch<br />

bleibt. Die Entwicklung der naturgemäß<br />

gestiegenen Nachfrage spiegelt<br />

sich im Absatz der Sand- und Kiessowie<br />

Natursteinindustrie, der im Vergleich<br />

zum Vorjahr zugelegt hat.<br />

Gesellschaftlicher Mehrwert<br />

in allen Bereichen<br />

Der durchschnittliche Bedarf an Gesteinsprodukten<br />

in Bayern liegt bei jährlich<br />

150 Mio. t. Sekundärbaustoffe können<br />

mit maximal 5 bis 7 Mio. t zur<br />

Versorgung beitragen. Auf Sicht braucht<br />

es einen belastbaren Plan, um den Jahresbedarf<br />

aus regionalen Vorkommen<br />

auch künftig zu decken. Dazu könnte die<br />

Fortschreibung des aus dem Jahre 2002<br />

stammenden Rohstoffberichts im bayerischen<br />

Wirtschaftsministerium einen<br />

Schlüssel liefern. Erklärtes Ziel ist, die<br />

regionale Unterdeckung an Gewinnungsflächen<br />

mit lückenloser Datenerfassung<br />

und Bedarfsentwicklungen aufzuzeigen.<br />

Das Konzept wurde bereits<br />

vom bayerischen Wirtschaftsministerium<br />

bestätigt.<br />

Nicht alle Themen hängen in der Luft<br />

– so konnten gute Fortschritte zuletzt<br />

beim Verfüll-Leitfaden erzielt werden,<br />

der wieder eine praxisgerechte Verfüllung<br />

ermöglicht – auch dank des politischen<br />

Einwirkens durch den Beauftragten<br />

der Staatsregierung für<br />

Bürokratieabbau, Walter Nussel. Im<br />

Genehmigungssegment besteht eine<br />

neue Spur Hoffnung, zu Beschleunigungen<br />

zu gelangen, nachdem nicht<br />

nur die Presse an Themen wie diesen<br />

aufgrund der „Sandmangel-Diskussion“<br />

interessiert ist. Wichtige Forderungen<br />

aus dem Bereich Bauen, die gemeinsam<br />

mit weiteren Verbänden der<br />

Bau- und Baustoffindustrie seit Langem<br />

zur Genehmigungsdauer erhoben<br />

werden, fanden Eingang in die Koalitionsabsprachen<br />

der neuen bayerischen<br />

Staatsregierung. Falls diese loslegt,<br />

ihre wohnungsbaupolitischen Aufgaben<br />

in dem Maße umzusetzen, wie es<br />

erforderlich ist, muss auch das Genehmigungsthema<br />

auf den Tisch.<br />

Klare Botschaften<br />

Der BIV hat in den letzten drei Jahren<br />

eines seiner Ziele, die Herausforderungen<br />

der Bau- und Rohstoffbranche in Bayern<br />

erfolgreich in der Öffentlichkeit darzustellen,<br />

gut umgesetzt und dazu auch Grundlagenarbeit<br />

geleistet, um jetzt mit Fakten<br />

und fokussierten Botschaften punkten zu<br />

können. Eine Maßnahme dazu war, die<br />

Menschen in Bayern zum Wissensstand<br />

und zur Akzeptanz von Bau- und Rohstoffen<br />

zu befragen – Ergebnis: 76 % der<br />

Menschen befürworten eine heimische<br />

Rohstoffgewinnung. „Die Kernbotschaft<br />

bleibt ganz klar: Heimische Rohstoffe für<br />

heimische Bauvorhaben. Bayern hat ausreichend<br />

Vorkommen – wir brauchen nur<br />

die Möglichkeit, an die Rohstoffe ohne<br />

hausgemachte Hürden heranzukommen“,<br />

so Mike Edelmann.<br />

Im bayerischen synergetisch agierenden<br />

Verbandsnetzwerk vom mineralischen<br />

Rohstoff bis zum fertigen<br />

MITEINANDER<br />

Bedeutung der lokalen Rohstoffgewinnung erklärt<br />

Mineralische Rohstoffe, wie Sand, Kies oder Naturstein, sind<br />

in Bayern geologisch ausreichend vorhanden, jedoch wird<br />

der Zugang zunehmend erschwert. Die Problemstellungen<br />

vor Ort – sowohl für Rohstoffgewinnungsunternehmen als<br />

auch für Verantwortliche in den Gemeinden – sind vielfältig<br />

und zusehends unübersichtlich. Es ist schwierig geworden,<br />

Entscheidungen zu treffen, die sowohl dem dringend benötigten<br />

Bedarf an Rohstoffen und gleichzeitig<br />

öffentlichen Belangen gerecht werden. Eine<br />

repräsentative Forsa-Umfrage in Bayern hat<br />

jedoch ergeben, dass 76 % der Menschen eine<br />

regionale Rohstoffgewinnung als wichtig bis<br />

sehr wichtig erachten. Es braucht ein konstruktives<br />

Miteinander vor Ort, um die mineralische<br />

Rohstoffgewinnung sinnvoll regional zu gestalten.<br />

Eine Einschränkung des Zugangs zu mineralischen<br />

Rohstoffen in Bayern hätte nicht nur<br />

wirtschaftliche Folgen für das Bauen im Freistaat,<br />

sondern würde vor allem zusätzlichen<br />

Verkehr und den Verlust vieler wichtiger Lebensräume<br />

für bedrohte Tier- und Pflanzenarten bedeuten.<br />

Vom Bedarf über die aktuelle Situation, Zukunftsszenarien<br />

bis zu Verantwortung für Mensch und Umwelt vermittelt die<br />

neue Broschüre „Miteinander!“ Wissen und Hintergrundinformation<br />

zur lokalen Rohstoffgewinnung. Zudem gibt sie<br />

Antworten auf wiederkehrende Fragen zum Recycling von<br />

Baustoffen oder auch Flächenverbrauch.<br />

Die Broschüre „Miteinander!“ kann beim<br />

Bayerischen BIV als Printexemplar angefordert<br />

oder digital unter www.regionale-rohstoffe.de<br />

heruntergeladen werden.<br />

www.biv.bayern<br />

ERKLÄR-BROSCHÜRE: Antworten<br />

rund um die Gewinnung mineralischer<br />

Rohstoffe gibt die Publikation<br />

„Miteinander!“. Foto: BIV<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


10<br />

WIRTSCHAFT<br />

Bauwerk ist der BIV mittlerweile eine<br />

anerkannte Größe. Das Zusammenspiel<br />

mit dem Landesbund für Vogelschutz,<br />

LBV, hat fast etwas von einer<br />

funktionierenden alten Ehe, der die<br />

gemeinsamen Ideen nicht ausgehen.<br />

Die Angebote zur Information, Schulung<br />

und Unterstützung der Mitglieder<br />

sind systematisch gewachsen. Alles<br />

zusammengenommen lauter gute<br />

Gründe, diesem Verband anzugehören.<br />

Daueraufgabe bleibt damit auch,<br />

Trittbrettfahrer zu motivieren ihre<br />

Noch-nicht-Mitgliedschaft zugunsten<br />

der Gemeinschaftsstärke zu wandeln.<br />

Der neu gewählte Vorstand aus Georg<br />

Fetzer als Präsident sowie Andreas<br />

Moßandl und Andreas Veitinger als<br />

Vize (GP 4 berichtete) werden das Ihre<br />

dazu tun, die Attraktivität solcher<br />

ZUKUNFTSTHEMEN für die Branche sind laut Mike Edelmann die tatkräftige Förderung der<br />

dualen Ausbildung, die Digitalisierung und eine fortwährende Arbeit am Image.<br />

Schritte weiter zu steigern. Der bisherige<br />

Präsident Mike Edelmann und<br />

Vize Pius Geiger waren auf eigenen<br />

Wunsch nicht mehr zur Wahl angetreten.<br />

Beide haben in ihrer aktiven Zeit<br />

an der Spitze solide BIV-Grundsteine<br />

für den Weg in die Zukunft gelegt.<br />

Im nächsten Jahr, einem Jubiläumsjahr<br />

– denn der BIV wird dann seit<br />

75 Jahren bestehen –, treffen sich<br />

die Mitglieder vom 13. bis 15. Mai in<br />

Rottach-Egern. <br />

(biv/gsz)<br />

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VOM FUSSBALL LERNEN, ODER<br />

… das Spiel muss weitergehen<br />

Wer vorab meinte, der Vortrag von Dr. Christian Keller,<br />

Sportchef des SSV Jahn Regensburg, zum BIV-MV-<br />

Abschluss kann kein Spitzenknaller sein, wurde rasch<br />

eines Besseren belehrt. Seine Grundsätze für ein erfolgreiches<br />

Veränderungsmanagement haben den Verein in<br />

wenigen Jahren vom Chaosklub zum würdigen Botschafter<br />

der Stadt werden lassen. Seine Philosophie für die<br />

gelungene Metamorphose basiert auf den drei Begriffen:<br />

„Kontinuität, Glaubwürdigkeit und Erfolgswille“. Hinzu<br />

kommt freilich ein dickes Fell, denn ohne Frustrationstoleranz<br />

ist ein solcher Wandel nicht zu haben. Dr. Keller:<br />

„Antreiben darf nicht die Angst vorm Verlieren, sondern<br />

die Lust am Gewinnen.“ Auch empfiehlt er, schnelle, klare<br />

Entscheidungen, statt Situationen offenzulassen. In der<br />

Wandelphase des SSV ist es gelungen, Betroffene zu<br />

Beteiligten zu machen, die sich mit dem neuen Klub stark<br />

identifizieren. Ein schönes Bild, das man gern auch für<br />

sein Unternehmen und das Umfeld zeichnen möchte.<br />

Anregungen, wie das möglich werden könnte, hat der<br />

Vortrag in jedem Fall gebracht.<br />

FUSSBALLPROFESSOR mit steiler Image-Erfolgskurve<br />

beim SSV Jahn Regensburg: Dr. Christian Keller. Fotos: gsz<br />

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WIRTSCHAFT<br />

11<br />

Baldige Vorlage der Rohstoff-<br />

Strategie versprochen<br />

TAGEN IN KONSTANZ: Die Klimanotstand-Stadt war in diesem Jahr Treffpunkt der im ISTE organisierten baden-württembergischen<br />

Steine- und Erden-Industrie. Foto: StudioKuhnleKnoedler<br />

„Baden-Württemberg bekennt sich zu einem nachhaltigen Abbau von mineralischen Rohstoffen im eigenen Land!“<br />

Mit dieser Aussage vor über hundert Unternehmensvertretern der heimischen Rohstoffindustrie nahm der Stuttgarter<br />

Umwelt-Staatssekretär Dr. Andre Baumann sicher manchem eine große Sorge. Trotzdem überwogen bei<br />

der Jahreshauptversammlung des Industrieverbandes Steine und Erden Baden-Württemberg, ISTE, in Konstanz<br />

kritische Töne. Man monierte insbesondere den schleppenden Fortgang bei der Entwicklung der angekündigten<br />

Rohstoff-Strategie des Landes.<br />

Zu mehr Mut in der Rohstoff-Politik rief<br />

ISTE-Präsident Peter Röhm die Landesregierung<br />

in Stuttgart auf. „Es fällt unseren<br />

Unternehmen immer schwerer, die<br />

Versorgungssicherheit bei gesellschaftlich<br />

stark nachgefragten Rohstoffen wie<br />

Naturstein, Kies und Sand zu gewährleisten.<br />

Notwendige Erweiterungen treffen<br />

auf planerische Hindernisse. Dieses<br />

Dilemma muss die Politik lösen!“ Dazu<br />

sei die seit Jahren angekündigte Rohstoff-Strategie<br />

ein richtiges Mittel, denn<br />

sie könne Rechtssicherheit und höhere<br />

Akzeptanz für die Gewinnung schaffen.<br />

Man erwarte sie dringend, denn 70 %<br />

der benötigten Rohstoffe kommen aus<br />

heimischen Vorkommen. „Wir haben<br />

alles außer Energie- und Metallrohstoffe“,<br />

erinnerte er an den eigentlich vorhandenen<br />

Rohstoffreichtum Deutschlands<br />

und ergänzte zur fehlenden<br />

Rohstoffstrategie: „Es ist besser, unvollständige<br />

Entscheidungen zu treffen und<br />

zu handeln, als nach einer vollständigen<br />

Entscheidung ewig zu suchen.“<br />

Unkonkrete Zeitschiene<br />

Staatssekretär Baumann zeigte sich<br />

problembewusst, wollte sich aber auf<br />

den Zeitpunkt der Veröffentlichung eines<br />

Entwurfs nicht festlegen: „Wir arbeiten<br />

mit Hochdruck an dem Konzept für eine<br />

nachhaltige Rohstoffnutzung und werden<br />

es in Kürze vorstellen“, sagte der<br />

Politiker. Es sei nicht einfach, den zahlreichen<br />

Zielkonflikten in einer gemeinsamen<br />

Strategie gerecht zu werden. Damit,<br />

so wurde deutlich, waren auch Zielkonflikte<br />

innerhalb des Natur- und Umweltschutzes<br />

gemeint. Baumann bedankte<br />

sich für die konstruktive Mitarbeit des<br />

ISTE, der zusammen mit dem NABU gemeinsame<br />

Vorschläge in das Konzept<br />

eingebracht hatte. Er sei guter Dinge,<br />

dass bald ein gutes Papier vorliegen<br />

werde.<br />

Baumann sprach sich für eine vernünftige<br />

und nachhaltige Rohstoffsicherung<br />

im Land aus. Dabei spiele die Dezentralität<br />

von Gewinnungsstätten eine<br />

wichtige Rolle, denn sie trügen nicht nur<br />

als neue Lebensräume zu einer großen<br />

Artenvielfalt und zum Biotopverbund bei,<br />

sondern ermöglichten auch kurze Transportwege<br />

zu den Nutzern. Dies sei für<br />

Natur und Klimaschutz wichtig. Auch rief<br />

er dazu auf, das umstrittene Thema der<br />

Rohstoff-Ausfuhren von Deutschland<br />

nach Österreich und in die Schweiz von<br />

Emotionen zu befreien und auf Grundlage<br />

von Daten zu diskutieren. Mit Blick<br />

auf den Naturschutz befürwortete Bau-<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


12<br />

WIRTSCHAFT<br />

WARTET NOCH EIN WEILCHEN: Umwelt-Staatssekretär<br />

Dr. Andre Baumann kündigte die baldige Vorstellung<br />

der Rohstoff-Strategie an. Foto: ISTE / Mahrholdt<br />

MEHR MUT in der Rohstoff-Politik forderte ISTE-<br />

Präsident Peter Röhm von der Landesregierung.<br />

Foto: ISTE / Mahrholdt<br />

mann Kompromisse beim Thema „Natur<br />

auf Zeit“: „Wir müssen gemeinsam einen<br />

Weg finden, mit dem die Unternehmen<br />

und der Artenschutz leben können.“ Man<br />

arbeite in seinem Ministerium an einem<br />

Konzept, das allerdings mit dem strengen<br />

europäischen Recht vereinbar sein<br />

müsse. Baumann, der vor seinem Wechsel<br />

in die Politik Landesvorsitzender des<br />

NABU in Baden-Württemberg war, lobte<br />

die bisherigen Gespräche zwischen<br />

Rohstoffwirtschaft und Naturschutz.<br />

Diese Dialoge sollte man unbedingt weiterführen.<br />

In der anschließenden Diskussion<br />

kam die Frage auf, ob die Rohstoffstrategie<br />

der Bundesregierung, die im September<br />

20<strong>19</strong> erscheinen soll, eine Vorlage<br />

für die Strategie(n) auf Länderebene<br />

liefert. „Die Ergebnisse werden, falls<br />

vorher veröffentlicht, in das Konzept mit<br />

einbezogen. Aber in erster Linie fußt die<br />

Rohstoffstrategie Baden-Württemberg<br />

auf Ergebnissen der eigenen, jeweiligen<br />

Arbeitsgruppen“, bestätigte Baumann<br />

eine gewisse Dualität.<br />

Zwar fielen nicht alle Aussagen für die<br />

Teilnehmer zufriedenstellend aus, aber<br />

die baden-württembergischen Unternehmen<br />

hoffen auf einen baldigen Durchbruch,<br />

um den Blick in die Zukunft richten<br />

zu können. Letzteres tat auch der Konstanzer<br />

Bürgermeister, Kultur- und Sozialdezernent<br />

Dr. Andreas Osner, der die<br />

Unternehmensvertreter zuvor in seiner<br />

Stadt willkommen geheißen und aus seinem<br />

praktischen kommunalpolitischen<br />

Alltag berichtet hatte. Konstanz sei eine<br />

„Schwarmstadt“, die ein überdurchschnittliches<br />

Bevölkerungswachstum<br />

verzeichne. Daraus resultierten unter anderem<br />

Flächenknappheit und Wohnungsnot.<br />

Man versuche, mit praktischen und<br />

pragmatischen Ansätzen Lösungen für<br />

diese Probleme zu finden. Wohnqualität<br />

auf weniger Quadratmetern sei eine solche<br />

Initiative. Seine Stadt habe kürzlich<br />

den Klimanotstand ausgerufen, um bundesweit<br />

ein Signal zu setzen.<br />

Insgesamt werden in Baden-Württemberg<br />

jährlich 100 Mio. t mineralische<br />

Rohstoffe gewonnen und für den Bedarf<br />

von Abnehmern bereitgestellt. Der ISTE,<br />

der im Bundesland die Interessen von<br />

Unternehmen der Steine- und Erden-<br />

Industrie sowie der mineralischen Baustoffindustrie<br />

vertritt, wurde bereits<br />

sechs Jahre vor dem Land Baden-Württemberg<br />

im März <strong>19</strong>46 als „Fachverband<br />

Steine und Erden Württemberg und<br />

Baden“ gegründet. Seitdem hat er sich<br />

zu einem modernen, dienstleistungsorientierten<br />

Wirtschafts- und Arbeitgeberverband<br />

entwickelt. Im nächsten Jahr<br />

findet die Mitgliederversammlung des<br />

ISTE und der Gesteinsfachgruppen vom<br />

18. bis <strong>19</strong>. Juni in Lindau statt.<br />

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WIRTSCHAFT<br />

13<br />

ERFREULICHER RÜCKBLICK<br />

Ein höchst erfolgreiches erstes Jahr<br />

Es wirkt, als wäre es erst gestern gewesen, dass sich die<br />

Initiative „KIWI – Kieswirtschaft im Dialog“ am Oberrhein<br />

gegründet hätte. Exakt ein Jahr später, Anfang Juni,<br />

zogen die Mitglieder eine Bilanz ihrer Aktivitäten und<br />

kamen zum Fazit: es war ein erfolgreiches erstes Jahr!<br />

Inzwischen hätten sich weitere Unternehmen der Initiative<br />

angeschlossen, die nun bald 26 Mitglieder zählt,<br />

konnte KIWI-Vorsitzender Thomas Peter zufrieden vermelden.<br />

Auch daran ließe sich die Bedeutung der Initiative<br />

und die gute Arbeit der ehrenamtlich Engagierten<br />

und der Geschäftsführung erkennen. So sei es gelungen,<br />

in verschiedensten Formen mit der breiten Öffentlichkeit,<br />

aber auch mit Politikern, Verwaltungsexperten, Wissenschaftlern<br />

und Unternehmerkollegen in Kontakt und ins<br />

Gespräch zu kommen. „KIWI ist ein Dialogprojekt, und<br />

wir bieten dafür verschiedene Plattformen und Formate<br />

an“, so Peter.<br />

Hohe Beachtung fand speziell der Wirtschaftstag der<br />

Initiative Anfang März 20<strong>19</strong> im Europapark Rust, zu dem<br />

als prominentester Gast EU-Kommissar Günther Oettinger<br />

gekommen war. Neben hochkarätigen Vorträgen und<br />

einer anspruchsvollen Diskussion habe man hier auch<br />

Kritiker der Kies- und Sandindustrie gehört und sich konstruktiv<br />

mit ihnen ausgetauscht.<br />

Sommer-Highlight 2018 war ganz klar der Tag der<br />

offenen Tür im Kieswerk Niederrimsingen. Viele Tausend<br />

Besucher erlebten, wie Kies und Sand gewonnen werden<br />

und wozu sie dienen, konnten einen Blick aus anderer<br />

Perspektive auf die benötigten Gewinnungsstätten werfen<br />

und erfuhren, welchen Wert diese für viele seltene<br />

Arten als Rückzugsraum bieten.<br />

KIWI hat ferner auf zahlreichen Fachveranstaltungen<br />

Präsenz gezeigt und Branchenthemen vermittelt. Darüber<br />

hinaus hätten einige Mitgliedsunternehmen Bildungseinrichtungen<br />

der Regionen mit Geokoffern beschenkt,<br />

die an Schulen in ganz Baden-Württemberg<br />

inzwischen zu ausgesprochen begehrten Lehrmitteln<br />

zählen.<br />

Auch für das zweite KIWI-Jahr gehen die guten Ideen<br />

nicht aus. Unter anderem wird es ein für jedermann zugängliches<br />

„Virtuelles Kieswerk“ im Internet geben, in<br />

dem Produktionsabläufe genauso wie Verwendungen<br />

des Rohstoffes informativ thematisiert werden. Echte<br />

Führungen durch aktive Gewinnungsstätten wollen die<br />

KIWI-Unternehmer außerdem in Kürze zusammen mit<br />

einem Umweltpädagogen anbieten.<br />

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ERFREULICHE RESONANZ: Exakt ein Jahr nach Gründung<br />

der Unternehmensinitiative „KIWI“ wird eine gute Bilanz<br />

gezogen. Das freut auch die Organisatoren und Unterstützer<br />

(v.l.) Thomas Beißwenger, HGF ISTE, Thomas Peter, Vors.<br />

KIWI, und Michael Krieger, KIWI-Regionalvorsitzender Nord.<br />

Fotos: Mahrholdt<br />

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5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


14<br />

WIRTSCHAFT<br />

INTERESSIERT verfolgten die VSE- und BÜV-HR-Mitglieder in den an einem Vormittag gebündelten Versammlungen die Berichte und Regularien.<br />

Schwieriges mit Ruhe meistern<br />

Unter allen Mitgliederversammlungen, die man im Laufe der Jahre als Beobachter besuchen kann, ist die der<br />

Fachabteilungen des Industrieverband Steine und Erden Neustadt/Weinstraße, VSE, bei allem reflektierten Engagement<br />

und nicht minder großen Problemen wie anderswo die unaufgeregteste. Das war auch in diesem Juni so,<br />

wo sich in bewährter Tradition die BÜV-MV direkt an- und ein externer Vortrag das Treffen abschloss.<br />

Zugegeben, der VSE, der die Interessen<br />

von Unternehmen verschiedener Mineralstoffsparten<br />

in Hessen sowie in<br />

Rheinland-Pfalz vertritt, ist im Vergleich<br />

zu anderen Einheiten ein kleiner Verband.<br />

Seine Stärke schöpft er jedoch<br />

aus der branchen- und länderübergreifenden<br />

Einbindung in das Konglomerat<br />

der Verbändegemeinschaft des Industriehauses<br />

Neustadt/Weinstraße (IVN).<br />

Kräfte sowohl überfachlich als auch<br />

überregional auf diese Weise zu bündeln,<br />

ermöglicht es dem VSE bei vergleichsweise<br />

niedrigen Mitgliedsbeiträgen,<br />

für die organisierten Unternehmen<br />

tätig zu werden.<br />

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden<br />

der Fachabteilung Kies und<br />

Sand, Axel Rohr, verwies Geschäftsführer<br />

Heinrich Klotz hinsichtlich der Ziele,<br />

Arbeitsfelder und Ergebnisse im Berichtsjahr<br />

auf den vorliegenden Geschäftsbericht.<br />

Dort ist zu lesen, was<br />

sich eigentlich bundesweit wie ein roter<br />

Faden durchzieht, nämlich dass in Genehmigungsverfahren<br />

oder -bescheiden<br />

seitens der Genehmigungsbehörden<br />

immer neue Auflagen auftauchen, die<br />

zum Teil unberechtigt, missverständlich<br />

oder überzogen sind. Das betrifft nicht<br />

nur die Produzenten primärer mineralischer<br />

Rohstoffe sondern auch Baustoff-<br />

Recyclingunternehmen, die sich mit<br />

nicht umsetzbaren Forderungen konfrontiert<br />

sehen.<br />

Üblicherweise gelingt es Verbänden<br />

im Dialog für ihre organisierten Unternehmen<br />

praxisgerechte Klärungen zu<br />

erreichen, dennoch dürften weitere Verschärfungen<br />

in der Umweltgesetzgebung<br />

drohen. Hier mahnt der VSE ein<br />

breites Informationsnetzwerk von Verbänden<br />

verschiedener Ebenen und Genres<br />

an, um im Erfahrungsaustausch<br />

möglichst frühzeitig neue Probleme zu<br />

erkennen bzw. Lösungsansätze anderer<br />

erfolgreicher Akteure zu nutzen. Ein Ansatz,<br />

der vom Bundesverband MIRO<br />

durchaus befürwortet wird. Walter Nelles<br />

berichtete als stellvertretender MIRO-<br />

Hauptgeschäftsführer und Gast des Mitgliedsverbandes<br />

über aktuelle, nicht<br />

weniger schwierige Themen, die im<br />

Sinne der Branche auf EU- und Bundesebene<br />

derzeit im Fokus stehen. Ein Mitglied<br />

schilderte im Kontext zur aufkommenden<br />

Frage, welche Rolle die Branche<br />

in der Betrachtung der Bundespolitik<br />

spielt, welche Resonanzen er auf einen<br />

Vortrag beim Wirtschaftsrat der CDU<br />

bekam. Sein Fazit: Das Thema und die<br />

Botschaft der Branche wurden wohl<br />

nicht so recht verstanden, stattdessen<br />

aber wurde ihm gegen einen erklecklichen<br />

jährlichen Betrag eine Mitgliedschaft<br />

angetragen. Eine insgesamt eher<br />

irritierende Erfahrung für den bodenständigen<br />

Unternehmer.<br />

Vorsitzender Axel Rohr verwies abschließend<br />

darauf, dass Heinrich Klotz,<br />

nachdem er das Rentenalter erreicht hat,<br />

den Verband zum Jahresende verlassen<br />

wird. Seit <strong>19</strong>83 ist er im Industriehaus<br />

beruflich beheimatet. <strong>19</strong>98 übernahm der<br />

die Geschäftsführung der Steine- und<br />

Erden- sowie weiterer Baustoffspartenverbände.<br />

Nun, nach 36 Jahren, übergibt<br />

er seinem jungen Nachfolger Philipp Rosenberg,<br />

der anlässlich der MV vorgestellt<br />

wurde und gerade eine gründliche<br />

Einarbeitung erfährt, zum 1. Januar 2020<br />

den Staffelstab. Dem Kurz-Dank und Beifall<br />

für Geleistetes schloss sich der Hinweis<br />

auf die würdige Verabschiedung des<br />

Verbands-Profis Heinrich Klotz zum Jahresende<br />

an. Zwar sagt dieser, er sei leise<br />

zum Verband gekommen und würde auch<br />

auf diese Weise gehen wollen, doch das<br />

werden ihm Vorstand und Mitglieder nicht<br />

durchgehen lassen.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WIRTSCHAFT<br />

15<br />

Normen und Zertifizierungen<br />

In der Versammlung des Baustoffüberwachungsvereins<br />

Hessen Rheinland-Pfalz,<br />

BÜV HR, der mit 265 Roh- und Baustoffwerken<br />

in der Zertifizierung, darunter auch<br />

Nichtmitglieder, jährlich die Prüfzeugnisse<br />

von etwa 1000 Bauprodukten unter die<br />

Lupe nimmt, wurde deutlich, welchen<br />

Stellenwert die Zertifizierung und Güteüberwachung<br />

mittlerweile besitzen. Geschäftsführer<br />

Ludger Benson informierte<br />

zudem zum Stand und zu Unklarheiten im<br />

Bereich der deutschen und europäischen<br />

Normung. Für Gesteinskörnungen und<br />

Gemische gelten weiterhin unverändert<br />

die alten, bisher gültigen Normenfassungen,<br />

ohne dass Fortschritte im Sinne einer<br />

zielführenden Normungsarbeit im Moment<br />

erkennbar wären. Allgemeine Unsicherheit<br />

durch die Rechtsprechung vom<br />

Europäischen Gerichtshof, die nationale<br />

Regelungen zu Bauprodukten nach harmonisierten<br />

Normen, also zu Bauprodukten<br />

mit CE-Kennzeichnung, für unzulässig<br />

ansieht, scheint der Hauptgrund für den<br />

Stillstand zu sein. Knifflig erweist sich das<br />

vor allem beim Thema AKR. Nach dem<br />

Wegfall des Übereinstimmungsnachweises<br />

„ÜZ“ für Gesteinskörnungen für Beton<br />

nach EN 12620 mit Alkaliempfindlichkeitsklasse<br />

hat der Deutsche Ausschuss für<br />

Stahlbeton (DAfStb) eine Stellungnahme<br />

GELEITET wurden die Versammlungen von den<br />

jeweiligen Geschäftsführern Heinrich Klotz (l.) und<br />

Ludger Benson.<br />

verfasst. Danach soll die regulatorische<br />

Lücke im Zertifizierungssystem gemäß<br />

Alkali-Richtlinie nun per freiwilliger Produktzertifizierung<br />

durch eine „Qualifizierte<br />

Stelle“ in Verbindung mit einer „Qualifizierten<br />

Prüfstelle“ kompensiert werden.<br />

Der BÜV HR hat als „Qualifizierte Stelle“<br />

entsprechende Zertifizierungen in seinem<br />

Einzugsbereich nunmehr aufgenommen.<br />

Damit ist die Kuh zumindest national erst<br />

einmal vom Eis. Was bleibt, ist der Eindruck,<br />

dass das EU-Normenwesen auch<br />

künftig für Überraschungen sorgen wird.<br />

Fliegende Informanten<br />

Das Drohnenwesen greift um sich und<br />

bringt eine Menge an Datenzugewinn,<br />

von der auch die Gesteinsindustrie profitiert.<br />

Heiko Mey, Inhaber und Gründer<br />

der Aeromey GmbH, stellte die erstaunlichen<br />

Möglichkeiten in seinem Vortrag<br />

„Drohnengestützte Erfassung von 3D-<br />

Vermessungsdaten für Kieswerke und<br />

Steinbrüche“ vor. Nun ist das Thema in<br />

KONTINUITÄT GESICHERT: Heinrich Klotz,<br />

Axel Rohr, Stefan Sehring und Philip<br />

Rosenberg (v.l.) Fotos: gsz<br />

Grundzügen zwar hinreichend bekannt,<br />

doch gerade kleinere Unternehmen in<br />

diesem Bereich sind so innovativ unterwegs,<br />

dass regelmäßig neue Möglichkeiten<br />

angeboten werden. Sehr interessant<br />

ist beispielsweise die Aufforstung per<br />

Drohne. Dabei transportiert das Flugobjekt<br />

Samenkapseln, die nach dem Auswerfen<br />

erst dann aufgehen, wenn der<br />

erste ergiebige Regen fällt und damit<br />

gute Bedingungen zur Keimung vorliegen.<br />

Eine im Vergleich zur Auspflanzung<br />

unheimlich wirtschaftliche Methode. Materialtransporte<br />

größerer Lasten sieht der<br />

Experte allerdings in frühestens zehn<br />

Jahren Realität werden.<br />

Kurz, knackig und inhaltsreich geht<br />

es auch bei der nächsten VSE- und<br />

BÜV-HR-Mitgliederversammlung zur<br />

Sache, die mit Sicherheit im Industriehaus<br />

Neustadt/Weinstraße und mit<br />

Wahrscheinlichkeit im Juni 2020 stattfinden<br />

wird. <br />

(gsz)<br />

www.verband-steine-erden.de<br />

KI: FLUCH ODER SEGEN?<br />

Bodenständige Themen verdienen intelligentes Handeln<br />

Die Frühjahrs-Mitgliederversammlung der Saarländischen<br />

Baustoffindustrie fand im Mai in Homburg statt. VBS-<br />

Vorsitzender Jürgen Heinz reflektierte die derzeit günstige<br />

konjunkturelle Situation von Bauwirtschaft und Baustoffindustrie,<br />

wobei er dennoch die allseits bekannten, speziellen<br />

Probleme der Gesteinsindustrie nicht aussparte,<br />

die im April bereits Gegenstand beim höchst erfolgreichen<br />

„Branchentag Baustoffindustrie“ waren. Diese gemeinsam<br />

mit der IHK durchgeführte Veranstaltung erzielte eine<br />

erfreuliche Resonanz auch in den Medien und hat deutlich<br />

zur Sensibilisierung beigetragen, auch wenn klare<br />

Schlussfolgerungen und Ergebnisse daraus bei den dafür<br />

Zuständigen auf sich warten lassen.<br />

Als Gastreferent war Prof. Dr. Paul Lukowicz<br />

vom DFKI geladen, um zum Thema<br />

„Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?“<br />

Zukunftsvisionen zu vermitteln. Eine schöne<br />

Gegenwartsvision indes wäre durchaus erst<br />

einmal der Einsatz von „menschlicher Intelligenz“<br />

im Zusammenhang mit dem Thema der<br />

künftigen Rohstoffverfügbarkeit im kleinen, aber eigentlich<br />

hoch rohstoffpotenten Saarland, denn künstliche<br />

Intelligenz wird dieses ganz essenziell-stoffliche Problem<br />

ganz sicher nicht über Nacht lösen können. (gsz)<br />

www.vbs-saar.de<br />

INTERESSANTER AUSBLICK in die<br />

schlaue Zukunft. Christian Ullrich (GF AGV<br />

Bau Saar, l.), Claus Weyers (GF VBS) und<br />

Jürgen Heinz (r.) mit dem Referenten Prof.<br />

Dr. Paul Lukowicz, der die Teilnehmer mit<br />

seinem Vortrag nicht nur informierte, sondern<br />

auch erstaunte. Fotos: VBS<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


16<br />

WIRTSCHAFT<br />

Filmreife Verbandstage<br />

in Görliwood<br />

IN GÖRLITZ trafen sich in diesem Jahr die Mitglieder des UVMB. Fotos: Michael Schlutter<br />

Eine Menge zu sehen und zu erleben gab es für die Teilnehmer der Verbandstage 20<strong>19</strong> im sächsischen Görlitz.<br />

UVMB und der Güteschutzverband Bau-Zert luden gemeinsam im Juni zu ihren Jahresmitgliederversammlungen<br />

in den östlichsten Winkel des Verbandsgebietes. In diesem Jahr fanden im Rahmen der Veranstaltung auch die<br />

Mitgliederversammlungen mehrerer UVMB-Fachgruppen statt.<br />

Turnusgemäß standen Vorstandswahlen<br />

auf der Tagesordnung der UVMB-Mitglieder-<br />

und der Fachgruppenversammlungen.<br />

Dort waren die jeweiligen Vorsitzenden<br />

und Stellvertreter der vier<br />

Fachgruppen, die satzungsgemäß einen<br />

Teil des Gesamtvorstandes bilden, am<br />

Vortag der Hauptversammlung von den<br />

Mitgliedern gewählt worden. Die Fachgruppe<br />

Asphalt hatte ihren Vorstand bereits<br />

im vergangenen September bei ihrer<br />

Mitgliederversammlung gewählt. Ergänzt<br />

wurde die Besetzung mit dem Vorsitzenden<br />

der Tarifkommission, Peter Müller,<br />

und dem Vorsitzenden des Bau-Zert, Ulrich<br />

Rekers.<br />

Der Vorstandsvorsitzende Michael<br />

Müller sowie seine Stellvertreter Daniel<br />

Piezonka, Jürgen Rannacher und Thorsten<br />

Tonndorf wurden von den Vorstandsmitgliedern<br />

für weitere vier Jahre im Amt<br />

bestätigt. Michael Müller bedankte sich<br />

bei den Mitgliedern für das Vertrauen und<br />

dankte seinen Vorstandskollegen sowie<br />

der Geschäftsführung und den Mitarbeitern<br />

für die geleistete Arbeit des vergangenen<br />

Jahres.<br />

Schwerpunkte in der Verbandsarbeit<br />

sind unter anderem die Unterstützung im<br />

Bereich Arbeitsrecht und Tarif, Rohstoffsicherung<br />

und Akzeptanz, Biodiversität<br />

und Umwelt, Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit<br />

wie die in Görlitz präsentierten<br />

neuen UVMB-Infomedien, die Arbeit in<br />

den Normungsgremien sowie Schulungsund<br />

Weiterbildungsangebote für<br />

Mitgliedsunternehmen, von denen der<br />

Vorstandsvorsitzende sowie Hauptgeschäftsführer<br />

Dr. Steffen Wiedenfeld und<br />

Geschäftsführer Bert Vulpius berichteten.<br />

Personell hat sich der UVMB mit Rechtsanwalt<br />

Daniel Schmidt, Referent für<br />

Recht, und Theresa Schlegel, Assistentin<br />

der Geschäftsführung, die den Bereich<br />

Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, weiter<br />

verstärkt und ist damit für die kommenden<br />

Aufgaben gut gerüstet. Detaillierte<br />

Informationen sind im UVMB-Geschäftsbericht<br />

2018/20<strong>19</strong> nachzulesen.<br />

Aufschlussreiche Gastvorträge<br />

Die Veranstalter konnten auch in diesem<br />

Jahr zahlreiche Gäste aus der Landespolitik<br />

sowie der nationalen und europäischen<br />

Verbandslandschaft sowie aus<br />

Partnerverbänden begrüßen. Dr. Dirk<br />

Orlamünder, Abteilungsleiter Europäische<br />

Strukturfonds für Wachstum und<br />

Beschäftigung, Europäisches Beihilferecht,<br />

Energie im Sächsischen Staatsministerium<br />

für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr,<br />

unterstrich in seinem Grußwort die<br />

grundlegende Bedeutung der Baustoffindustrie<br />

für den Wirtschaftsstandort<br />

Sachsen und bedauerte, dass weiten<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WIRTSCHAFT<br />

17<br />

Teilen der Gesellschaft und Politik die<br />

Bedeutung mineralischer Rohstoffe als<br />

wahrer „Bodenschatz“ nicht mehr bewusst<br />

sei.<br />

Dirk Fincke, Generalsekretär des europäischen<br />

Gesteinsverbandes UEPG,<br />

gab in seinem Vortrag einen Einblick in<br />

die aktuellen Themenschwerpunkte in<br />

Brüssel. Die Geschäftsführer Susanne<br />

Funk und Christian Haeser überbrachten<br />

Grüße des Bundesverbandes Mineralische<br />

Rohstoffe, MIRO, in der Mitgliederversammlung<br />

der UVMB-Fachgruppe<br />

Gesteinsbaustoffe und berichteten aus<br />

der Verbandsarbeit auf Bundesebene wie<br />

den erfolgreichen ersten Jahrgang der<br />

neuen Industriemeisterausbildung für<br />

Aufbereitungs- und Verfahrenstechnik.<br />

Kriminell spannend kommunizieren<br />

„Ich krieg dich!“ – mit einem fesselnden<br />

sowie unterhaltsamen Mix aus fachlich<br />

fundierten Fakten und kleinen Experimenten,<br />

von denen auch die Gäste nicht<br />

verschont blieben, machte Kriminalwissenschaftler<br />

Leo Martin im Unternehmerforum<br />

die Erfolgsfaktoren wirksamer<br />

Kommunikation sichtbar. Und eins ist<br />

klar: Bei diesem Verhörexperten, der zehn<br />

Jahre lang für den deutschen Geheim-<br />

EUROPÄISCHES FLAIR 2: Dirk Fincke gab in<br />

seinem Vortrag einen Einblick in die aktuellen<br />

Themenschwerpunkte der UEPG in Brüssel.<br />

dienst tätig war, möchte man im Ernstfall<br />

nicht auf dem heißen Stuhl sitzen.<br />

Umrahmt wurden die Mitgliederversammlungen<br />

von einem abwechslungsreichen<br />

Veranstaltungsprogramm in<br />

filmreifer Kulisse: Natürlich durfte die<br />

Erkundung der gastgebenden Stadt an<br />

der deutsch-polnischen Grenze im Repertoire<br />

nicht fehlen. Die historische Altstadt<br />

war bereits Drehort für viele internationale<br />

Filmproduktionen, denen sie<br />

den Namen Görliwood verdankt.<br />

Die nächsten Verbandstage von<br />

UVMB und Bau-Zert sind auf den<br />

10.–12. Juni 2020 terminiert. Dazu<br />

laden die Verbände nach Wernigerode<br />

im Harz ein. (Franziska Seifert)<br />

www.uvmb.de<br />

EUROPÄISCHES FLAIR 1: Dr. Steffen<br />

Wiedenfeld (r.) mit Dr. Dirk Orlamünder,<br />

der die grundlegende Bedeutung der<br />

Baustoffindustrie für den Wirtschaftsstandort<br />

Sachsen herausstellte.<br />

MITSPIELEN war angesagt beim Vortrag des<br />

kriminell guten Referenten Leo Martin.<br />

FACHGRUPPE GESTEINSBAUSTOFFE<br />

Schwerpunktbericht und Vorstandswahlen<br />

FACHGRUPPENVORSTAND der Sparte Gesteinsbaustoffe im<br />

UVMB (v.l.n.r.): Oliver Bloedorn, Ulrich Schnarre, Thorsten Tonndorf,<br />

Thomas Jung, Dr. Claus Heidecke, Wolfram Streller mit<br />

UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius. Dem Vorstand gehören sieben<br />

weitere Ehrenamtler an, die nicht abgebildet sind. Foto: Schlutter<br />

Im Rahmen der Verbandstage 20<strong>19</strong> fand die Mitgliederversammlung<br />

der Fachgruppe Gesteinsbaustoffe des<br />

UVMB am 20. Juni in Görlitz statt. Nach vier Jahren erfolgreicher<br />

Arbeit stellten sich die Vorstandsmitglieder der<br />

Fachgruppe erneut zur Wiederwahl. Dem Vorstand, der<br />

die verschiedenen mineralischen Baurohstoffe in den unterschiedlichen<br />

Regionen des Verbandsgebietes repräsentiert,<br />

wurde einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.<br />

Zum Vorsitzenden der Fachgruppe wurde in der anschließenden<br />

konstituierenden Vorstandssitzung Thorsten Tonndorf<br />

(Mitteldeutsche Hartstein-, Kies- und Mischwerke)<br />

wiedergewählt sowie Jürgen Rohrmoser (Kaolin- und Tonwerke<br />

Salzmünde) und Ulrich Schnarre (Sandwerke Biesern)<br />

zu seinen Stellvertretern. Oliver Bloedorn (Eurovia<br />

Gestein) wird als neu hinzugewähltes Vorstandsmitglied<br />

die Verbandsarbeit zukünftig unterstützen.<br />

Thorsten Tonndorf und UVMB-Geschäftsführer Bert Vulpius<br />

stellten in ihrem Rechenschaftsbericht die wirtschaftliche<br />

Lage der Branche und die Schwerpunktaufgaben in<br />

der Verbandsarbeit heraus. Dazu gehören die Verwaltungsreform<br />

in Thüringen, das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes<br />

zur Änderung von Sonderbetriebsplänen und der<br />

Stand der Rohstoffsicherung in der Landes- und Regionalplanung<br />

sowie im Bundesraumordnungsgesetz. Die Referenten<br />

Oliver Fox, Umwelt und Biodiversität, und Franziska<br />

Seifert, Öffentlichkeitsarbeit, berichteten über Aktuelles aus<br />

ihren Aufgabenfeldern.<br />

www.uvmb.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


18<br />

WIRTSCHAFT<br />

Ohne Roh- und Baustoffe<br />

kein Erfolg<br />

MITGLIEDERVERSAMMLUNG in Deidesheim. Bei vero standen diesmal neben den Berichten und Regularien Wahlen auf dem Programm. Foto: gsz<br />

Für Mitte Juni hatte der Verband der Roh- und Baustoffindustrie, vero, zur Jahresmitgliederversammlung in Kombination<br />

mit dem vorgelagerten Unternehmerforum nach Deidesheim eingeladen. Nur wenige Kilometer vom traditionsreichen<br />

Hambacher Schloss entfernt, nutzten die Verantwortlichen deutliche Worte zur Beschreibung der gegenwärtigen<br />

Situation. Aus dieser wiederum werden verbandliche Aktivitäten und Maßnahmen im Sinne der<br />

Branche abgeleitet. Wie diese aussehen und greifen, wurde ebenfalls bei der Versammlung deutlich.<br />

Verbandspräsident Christian Strunk, ein<br />

Meister klarer Worte, beschrieb die Erfahrungen<br />

vieler Unternehmer und der Branche<br />

insgesamt. Strunk hat selbst in einer<br />

beruflichen Lebensphase Bürgermeistererfahrung<br />

gesammelt, und deshalb sind<br />

seine treffenden Einschätzungen durch<br />

zwei Perspektiven geprägt: die der unternehmerischen<br />

und die der kommunalen<br />

Verantwortung. Unter Berücksichtigung<br />

der vordergründig herrschenden Gegebenheiten<br />

konstatiert er eine fatale Entwicklung,<br />

die zielführende Gespräche<br />

gegenwärtig auf allen politischen Ebenen<br />

erschwert. Ein hohes Maß an Bedenken<br />

und Ängsten verhindere fällige Entscheidungen<br />

und das ausgerechnet in einer<br />

Zeit, wo Roh- und Baustoffe mehr denn je<br />

gebraucht würden. Auch weiterhin wird<br />

mit einem gleichbleibend hohen bis sogar<br />

steigenden Bedarf an mineralischen Rohstoffen<br />

zu rechnen sein, und „allein mit<br />

Recyclingbaustoffen ist dieser Bedarf<br />

nicht zu decken“, betont Strunk, nicht<br />

ohne anzufügen, dass dieses bereits vielfach<br />

entkräftete Argument immer wieder<br />

als Behauptung in den Raum gestellt wird.<br />

„Das Begreifen scheint ausgesetzt, die<br />

Politik läuft dem Mainstream hinterher und<br />

die künstlich hergestellte Genehmigungsverknappung<br />

wird den Verantwortlichen<br />

erst zu spät als Fehlentscheidung klar<br />

werden. Das Wissen, welchen Nutzen<br />

Roh- und Baustoffe für den Erfolg eines<br />

Landes haben, ist nämlich leider verloren<br />

gegangen“, stellt er mit Bedauern fest. Es<br />

ist sicher kein Ruhmesblatt, dass sich<br />

speziell NRW mit der „Auszeichnung“<br />

schmückt, die Landesentwicklungsplanungen<br />

von allen Bundesländern am<br />

längsten vor sich herzuschieben. Nun gibt<br />

es zwar insofern Bewegung, dass die Rohstoffsicherungszeiträume<br />

für das Land<br />

deutlich von 20 auf 25 Jahre für Kies- und<br />

Sandlagerstätten plus Reservegebiete<br />

und von 25 auf 35 Jahre für Steinbrüche<br />

plus Reservegebiete verlängert wurden,<br />

doch davon kann sich im Moment noch<br />

kein Unternehmen, das eben gerade jetzt<br />

eine Lösung braucht, etwas kaufen. Stattdessen<br />

ist die Langwierigkeit von Genehmigungsverfahren<br />

für investitionswillige<br />

Unternehmen zermürbend. „Das jedoch,<br />

Beschleunigungen zu erreichen, ist eine<br />

Herausforderung, die wir gerne annehmen“,<br />

verweist der Präsident auf den nicht<br />

nur auf NRW bezogenen, sondern länderübergreifenden<br />

vero-Einsatz, um im laufenden<br />

Gespräch mit den zuständigen<br />

Stellen Augenmaß und Vernunft im Genehmigungsmanagement<br />

einzufordern.<br />

Damit beschreibt Strunk eines der wichtigen<br />

Dienstleistungselemente, die der Verband<br />

im Sinne der Mitglieder mit hohem<br />

Einsatz verfolgt. An die anwesenden Unternehmer<br />

appellierte er, mit politischen<br />

Entscheidern ebenfalls in Kontakt zu treten<br />

– oder zu bleiben – und sich an politi-<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WAHLGANG: Christian Strunk wurde als Vorsitzender bestätigt und die bisherigen<br />

Stellvertreter wiedergewählt. Vero-Vorstandsmitglieder: Dirk Wegener, Carsten Simme,<br />

Sven Fischer, Michael Weber, Robert Lindemann-Berk, Christian Strunk, Raimo Benger,<br />

Thilo Juchem (v.l.n.r.). Foto: vero<br />

INFORMATION HOCH DREI: Raimo Benger,<br />

Prof. Dr. Walter Krämer und Christian Strunk<br />

(v.l.n.r.) bestritten im Wesentlichen das Programm<br />

am Tag der Mitgliederversammlung. Foto: vero<br />

schen Prozessen, wo immer das möglich<br />

ist, zu beteiligen, denn „wir brauchen politische<br />

Akzeptanz“. Als positiv bewertet<br />

er, dass mittlerweile auch in der Bauwirtschaft<br />

angekommen ist, dass die Rohund<br />

Baustofflieferanten dringend Unterstützung<br />

benötigen. Diese zusätzliche<br />

Rückendeckung der momentanen „Konjunkturlokomotive“<br />

kann die Branche sehr<br />

gut brauchen. Immerhin, so der Präsident,<br />

habe der Verband trotz aller Schwierigkeiten<br />

im vergangenen Jahr wieder eine<br />

Menge erreicht. Die Sichtbarkeit der Branche<br />

und der geschilderten Probleme sei<br />

gestiegen, seit die Medien das Thema der<br />

Rohstoffverfügbarkeit vermehrt aufgreifen.<br />

Im Zweifel gibt es ein weiteres Mittel,<br />

um die Aufmerksamkeit zu steigern. 2011<br />

wurde es schon einmal gemeinsam durch<br />

den Verband, Mitarbeiter von vero-Unternehmen<br />

in NRW und Gewerkschaftsunterstützung<br />

erprobt: Gemeinsam setzten<br />

sich über 1000 Leute mit einer Demo und<br />

HAMBACHER SCHLOSS: Es gibt kaum einen<br />

attraktiveren Ort für eingefleischte Demokraten,<br />

denn seit 1832 hier zum ersten<br />

Mal die schwarz-rot-goldene Fahne wehte,<br />

gilt das Hambacher Schloss als Wiege der<br />

deutschen Demokratie. Die nationale Gedenkstätte<br />

bot für die Abendveranstaltung<br />

und gute Gespräche einen wirklich erhebenden<br />

Rahmen. Fotos: gsz<br />

Kundgebung erfolgreich gegen erschwerte<br />

Bedingungen und zusätzliche Kostenbelastungen<br />

für Kiesunternehmen in NRW<br />

ein, die im schlimmsten Fall zahlreiche<br />

Arbeitsplätze gekostet hätten. Die Situation<br />

ist seitdem eher schwieriger geworden<br />

und auch die Gefahren sind die gleichen.<br />

Also: Warum soll sich eine derartige<br />

Aktion nicht wiederholen lassen?<br />

Runde Tische und Dialoge<br />

Hauptgeschäftsführer Raimo Benger stellte<br />

anschließend in seinem Bericht die jeweils<br />

konkreten Situationen – vorrangig die der<br />

Rohstoffunternehmen, denn laufen diese<br />

nicht, schlägt der Dominoeffekt auch auf<br />

die in vero organisierten Baustoffproduzenten<br />

durch – und Maßnahmen in den verschiedenen<br />

Bundesländern dar. Er erklärte,<br />

welche Diskussionen geführt und welche<br />

Vorschläge jeweils unterbreitet werden. Die<br />

Ergebnisse oder zumindest Pläne, die sich<br />

aus den Dialogen und runden Tischen, jeweils<br />

besetzt mit Vertretern unterschiedlicher<br />

Interessenlagen, ergeben, können sich<br />

sehen lassen. Auch wenn der durchschlagende<br />

und flächendeckende Erfolg noch<br />

auf sich warten lässt, bieten diese Maßnahmen<br />

zweifelsfrei eine gute Möglichkeit zur<br />

Interessensannäherung mit einleitenden<br />

Erfolgsschritten. „Vero setzt als Verband für<br />

die Bau- und Rohstoffindustrie auf Vernetzung,<br />

Kommunikation und Kooperation.<br />

Getragen wird dies von den Mitgliedern und<br />

der vero-Mannschaft. Das ist bislang ein<br />

sehr erfolgreicher Weg und wir werden ihn<br />

auch weiterhin beharrlich verfolgen“, verspricht<br />

Benger für die Zukunft Kontinuität.<br />

Zusätzlich zur klassischen Arbeit baut der<br />

Verband überdies gerade sein regionales<br />

Veranstaltungsangebot zur weiterführenden<br />

Information und Aufklärung für alle<br />

Sparten um weitere Angebote aus. So gibt<br />

es bspw. Ende August in Düsseldorf einen<br />

Bau- und Rohstofftag NRW und Ende<br />

Oktober lebt der Bau- und Rohstofftag in<br />

Hannover wieder auf.<br />

Ein „Relativierer“ klärt auf<br />

Der Ökonom Prof. Dr. Walter Krämer, Herausgeber<br />

der Unstatistik des Monats und<br />

Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik<br />

an der TU Dortmund, bot abschließend<br />

in seinem Gastvortrag einen interessanten<br />

Blick hinter die Kulissen<br />

fehlgedeuteter bzw. -gewichteter Erhebungen.<br />

Daraus resultiere der Effekt, dass „wir<br />

das Falsche fürchten und den wirklichen<br />

Gefahren in die Arme laufen“. Tatsächlich<br />

ist es grotesk, wenn beispielsweise die<br />

Gefahr eines Asteroideneinschlages mit<br />

einer Trefferquote von 1:500 – vorausberechnet<br />

für Oktober 2028 – in den Medien<br />

weniger Platz erhält als die Gefahr, die von<br />

defekten Toilettenpapier-Rollenhaltern<br />

ausgeht. Aufs Korn nahm er auch Hysterien,<br />

die Ernährungsgewohnheiten und diverse<br />

Lebensmittel in Frage stellen. Krämer<br />

wörtlich: „Die Analytik ist heute so weit<br />

ausgereift, dass sich nachweisen lässt, ob<br />

ein Zuckerwürfel im Starnberger See aufgelöst<br />

wurde.“ Da sei es kein Wunder, dass<br />

überall immer neue „Schadstoffe“ ausgemacht<br />

werden könnten. Gut beraten sei,<br />

wer sich gelassen an Paracelsius’ Weisheit<br />

„die Dosis macht das Gift“ orientiert und<br />

durchs Leben bewegt. Neben den sinnentleert<br />

gewichtenden Medien bekommt auch<br />

jener Teil der Wissenschaft sein Fett weg,<br />

der mit seinem Tun sowie schlampig ausgewerteten<br />

Statistiken die um sich greifende<br />

Risikophobie noch kräftig anheizt.<br />

Diese nämlich habe sich zu einer Wachstumsbremse<br />

erster Güte und zum Standortnachteil<br />

für Deutschland entwickelt.<br />

Man nimmt mit Bedauern zur Kenntnis,<br />

dass ein Ausweg aus dieser sich selbst befruchtenden<br />

Hysteriespirale nicht erkennbar<br />

ist. Wenngleich wertschöpfende Branchen<br />

massiv darunter leiden, hat die aufstrebende<br />

Hysterie-Industrie ein fantastisches Auskommen.<br />

Haben wir das wirklich gewollt? (gsz)<br />

www.vero-baustoffe.de


20<br />

WIRTSCHAFT<br />

Im raueren Klima unterwegs<br />

EINGESTELLT AUF RAUES KLIMA: Der BVK informierte in Leipzig über Geleistetes und anstehende<br />

Herausforderungen. (v.l.) Dr. Kai Schaefer, Martin Ogilvie und Dr. Burkhard Naffin (stellv. Vors.). Foto: BVK<br />

Auf der Mitgliederversammlung als Branchentreffen der deutschen,<br />

österreichischen und schweizerischen Kalkindustrie in Leipzig analysierte<br />

der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Kalkindustrie, BVK,<br />

Dr. Kai Schaefer, die aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklung.<br />

Gekennzeichnet ist diese vom Abflauen der Wirtschaft bei gleichzeitig<br />

gestiegenen umweltpolitischen Erwartungen der Zivilgesellschaft,<br />

Unsicherheiten beim Thema Rohstoffsicherung und der Frage der<br />

Klimaneutralität bis 2<strong>05</strong>0.<br />

Dr. Kai Schaefer verdeutlichte, dass das<br />

Klima für die deutsche Kalkindustrie zunehmend<br />

rauer wird. Dies sei zum einen<br />

auf die aktuelle Weltwirtschaftslage zurückzuführen,<br />

zum anderen aber auch<br />

auf die politische Entwicklung in<br />

Deutschland. Eine nicht handlungsfähige<br />

Große Koalition schaffe Unsicherheit<br />

und Stillstand. Der Ausgang der Europawahl,<br />

die Dynamik auf die Politik durch<br />

die Fridays-for-Future-Demonstrationen<br />

und die Stärke der Grünen könnten massive<br />

Auswirkungen auf die Industrie<br />

durch eine einseitige Klima- und Rohstoffpolitik<br />

haben.<br />

„Eine immer schwierigere Herausforderung<br />

für uns alle ist die Sicherung der<br />

Abbaubarkeit unseres Rohstoffes. Die<br />

Anforderungen der Umweltgesetzgebung<br />

steigen weiter. Noch stärker aber<br />

steigt das Unverständnis der Zivilgesellschaft<br />

über industrielle Produktionsanlagen<br />

und über Eingriffe zur Rohstoffgewinnung“,<br />

so Dr. Schaefer.<br />

Die Kalkindustrie gehöre zu den energieintensiven<br />

Branchen. Seit Beginn des<br />

Emissionshandels sei sie in das europäische<br />

Emissionshandelssystem einbezogen.<br />

Eine nationale CO 2 -Steuer, die die<br />

Branche zusätzlich belasten würde,<br />

lehne die deutsche Kalkindustrie ab.<br />

Der Vorsitzende begrüßte dagegen<br />

ausdrücklich das Ziel der „Nationalen<br />

Industriestrategie 2030“, den Anteil der<br />

industriellen Wertschöpfung in Deutschland<br />

auf 25 % und in der EU auf 20 % zu<br />

erhöhen. Dieses Ziel mit mehr staatlicher<br />

Lenkung erreichen zu wollen, könne aber<br />

nicht der Weg sein.<br />

Anschließend stellte Dr. Schaefer die<br />

aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor.<br />

Bei ungebrannten Produkten repräsen-<br />

tiert der BVK ca. 15 % der deutschen<br />

Kalkindustrie, bei gebrannten Erzeugnissen<br />

nahezu 100 %.<br />

Der Absatz ungebrannter Kalkprodukte<br />

bei den BVK-Mitglieder betrug<br />

2018 etwa 18 Mio. t und ist damit gegenüber<br />

dem Vorjahr um 1,5 % zurückgegangen.<br />

Im Hauptabnahmesegment der<br />

Bauwirtschaft ging die Nachfrage nach<br />

ungebrannten Produkten sogar noch<br />

weiter zurück und wies gegenüber dem<br />

Vorjahr ein Minus von 5,7 % aus.<br />

Rückläufig sind auch die Lieferungen<br />

von ungebrannten Produkten für Umweltschutzanwendungen,<br />

wohingegen<br />

sie für industrielle Anwendungen ein Plus<br />

ausweisen.<br />

Der Gesamtabsatz gebrannter Produkte<br />

lag 2018 bei knapp 6,4 Mio. t, was<br />

einem leichten Zuwachs von 0,9 % entspricht.<br />

Im Einzelnen aufgeschlüsselt<br />

finden sich die Zahlen der Abnehmerbranchen<br />

auf der Internetseite des Verbandes.<br />

BVK-Hauptgeschäftsführer Martin<br />

Ogilvie erläutert die im vergangenen<br />

Geschäftsjahr geleistete Arbeit sowie<br />

die aktuellen Kernarbeitsfelder. Dabei<br />

ging er auf die Stellung der Steinbrüche<br />

als Horte der Artenvielfalt ein und stellte<br />

die unter bbs-Domäne laufende, verbandsübergreifende<br />

Entwicklung der<br />

Biodiversitätsdatenbank vor. Deren Ziel<br />

ist, einen bundesweiten Überblick über<br />

die vorhandene Artenvielfalt in Abbaustätten<br />

zu gewinnen.<br />

Anschließend stellte er die neue Museumssonderausstellung<br />

„Faszination<br />

Kalk“ mit der begleitenden Website<br />

www.kalkmuseum.de vor, eine öffentlichkeitswirksame<br />

Maßnahme auf<br />

dem neuesten Stand der Museumspädagogik.<br />

Im Bereich der vorwettbewerblichen<br />

Gemeinschaftsforschung sind für die<br />

Forschungsgemeinschaft Kalk und<br />

Mörtel Leitlinien erarbeitet und beschlossen<br />

worden. Nachhaltigkeit,<br />

CO 2 -Abscheidung und -Weiterverwendung<br />

rückten demnach stärker in den<br />

Forschungsfokus.<br />

Die nächste Jahreshauptversammlung<br />

wird vom 25. bis 26. Juni 2020 auf<br />

dem Petersberg in Bonn stattfinden.<br />

www.kalk.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WIRTSCHAFT<br />

21<br />

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5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


22<br />

WIRTSCHAFT<br />

Niedrigwassersituationen<br />

bei schiffbaren Wasserstraßen<br />

gezielt entschärfen<br />

ACHT-PUNKTE-PLAN: Die „Gemeinsame Erklärung zur Sicherstellung<br />

zuverlässig kalkulierbarer Transportbedingungen am Rhein“ wurde von<br />

Andreas Scheuer, Vertretern verschiedener Industriesparten und des<br />

Binnenschifffahrtsgewerbes unterzeichnet. Dr. Gerd Hagenguth zeichnete die<br />

Vereinbarung im Namen der heimischen mineralischen Rohstoffindustrie.<br />

Fotos: SUT Verlag/Hans-W. Dünner/GH<br />

Lang andauerndes und extremes Niedrigwasser – wie 2018 – dezimiert die Transportkapazitäten auf den deutschen<br />

Flüssen. Unternehmen der Sand-, Kies- und Natursteinindustrie, die diese Transportwege nutzen, können<br />

nur in geringem Umfang auf Lkw oder die Deutsche Bahn ausweichen. Das heißt im Klartext, infolge solcher Extremereignisse<br />

werden die Abnehmer nicht termingerecht versorgt. Bauvorhaben geraten ins Stocken und der<br />

Imageschaden durch Lieferausfälle ist nicht bezifferbar. In einem Acht-Punkte-Plan haben nun das Bundesministerium<br />

für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) sowie maßgebliche Vertreter der Industrie, darunter auch der Bundesverband<br />

Mineralische Rohstoffe, MIRO, Handlungsoptionen identifiziert, die künftige Niedrigwassersituationen<br />

bei schiffbaren Wasserstraßen entschärfen sollen.<br />

„Das lang anhaltende Niedrigwasser<br />

2018 hat bei den am Rhein gelegenen<br />

Kies- und Sandunternehmen zu hohen<br />

Einbußen geführt“, erläutert Dr. Gerd<br />

Hagenguth, Präsident des Bundesverbands<br />

Mineralische Rohstoffe, MIRO.<br />

„Die Produktion musste in vielen Betrieben<br />

gedrosselt werden, weil der Transport<br />

zu den Bauprojekten der Abnehmer<br />

schlichtweg nicht durchgeführt werden<br />

konnte. Ein Ausweichen auf alternative<br />

Transportmittel per Straße oder Schiene<br />

ist bei den hohen Nachfragemengen der<br />

Abnehmer kurzfristig nicht möglich und<br />

selbst mittelfristig sind die benötigten<br />

Kapazitäten nicht buchbar. Um aber<br />

künftig rechtzeitig planen zu können,<br />

sind detailreichere und frühere Informationen<br />

zur Entwicklung der Wetterlage<br />

und den zu erwartenden Wasserständen<br />

hilfreich“, benennt Dr. Hagenguth<br />

einen der entscheidenden Punkte des<br />

Maßnahmenplans, der unter anderem<br />

über ein neues Angebotssystem und<br />

eine stärkere Verknüpfung verschiedener<br />

Wetter- und Wasserstandsdaten zu<br />

mehr Planungssicherheit im Liefermanagement<br />

führen soll. Auch die Entwicklung<br />

und mittelfristige Inbetriebnahme<br />

niedrigwassergeeigneter Schiffstypen<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


sowie die Umsetzung von Wasserstraßeninfrastrukturmaßnahmen<br />

helfen als<br />

weitere Punkte des Paketes, den Transport<br />

schwerer Gesteinsladungen<br />

klimafreundlich auf den Wasserwegen<br />

zu halten.<br />

Alle schiffbaren Wasserstraßen<br />

berücksichtigen<br />

Da eine Häufung extremer und lang<br />

andauernder Niedrigwasserereignisse<br />

aufgrund extremer Wetterereignisse infolge<br />

des Klimawandels nicht ausgeschlossen<br />

werden kann, sind die vom<br />

BMVI zusammen mit Vertretern der<br />

Stahl-, Chemie- und Mineralölindustrie,<br />

den Produzenten mineralischer Massenrohstoffe<br />

und des Binnenschifffahrtsgewerbes<br />

im gemeinsamen Acht-Punkte-<br />

Plan fixierten Maßnahmen ein wichtiges<br />

Instrument, um künftig die Transportbedingungen<br />

am Rhein zuverlässiger kalkulierbar<br />

zu gestalten.<br />

„Die Betrachtung allein des Rheins<br />

und seiner Nebenflüsse ist für unsere Industrie<br />

aber nicht ausreichend“, erläutert<br />

Dr. Hagenguth weiter. „Während die Situation<br />

am Rhein aufgrund der Regenfälle<br />

im Rheineinzugsgebiet in diesem Jahr<br />

noch gut aussieht, führen Weser, Elbe,<br />

Oder und deren Nebenflüsse dagegen<br />

bereits jetzt Niedrigwasser. Auch dort<br />

sind die Maßnahmen aus dem Acht-<br />

Punkte-Plan überlebenswichtig für die<br />

Industrie“, rät Dr. Hagenguth zu einer<br />

ganzheitlichen Betrachtung der besonders<br />

umweltfreundlichen Verfrachtung<br />

schwerer Güter auf schiffbaren Wasserwegen.<br />

Die Gemeinsame Erklärung zur Sicherstellung<br />

zuverlässig kalkulierbarer<br />

Transportbedingungen am Rhein<br />

(8-Punkte-Plan) wurde am 4. Juli 20<strong>19</strong><br />

an Bord des Bereisungsschiffs der Bundesregierung<br />

in Köln-Porz von Andreas<br />

Scheuer, Bundesminister für Verkehr<br />

und digitale Infrastruktur, Vertretern der<br />

Stahl, Chemie- und Mineralölindustrie<br />

sowie MIRO als Interessenvertreter der<br />

Produzenten mineralischer Massenbaustoffe<br />

und dem Verein für europäische<br />

Binnenschifffahrt und Wasserstraßen<br />

vorgestellt und unterzeichnet.<br />

Im Wortlaut abrufbar ist der 8-Punkte-Plan<br />

unter anderem über: https://<br />

www.bv-miro.org/download/8-punkteplan-fuer-transportbedingungenbei-niedrigwasser/<br />

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24<br />

WIRTSCHAFT<br />

BAUKONJUNKTUR<br />

Umsätze und Auftragseingänge zweistellig im Plus<br />

KEINE TRENDWENDE sieht der Hauptverband der<br />

deutschen Bauindustrie derzeit bei der Baunachfrage.<br />

(Alle Angaben und Berechnungen beruhen auf Daten<br />

des Statistischen Bundesamtes.) Grafik: HDB<br />

„Die April-Daten bestätigen uns in der<br />

Anhebung unserer Umsatzprognose für<br />

das Bauhauptgewerbe zum Tag der Bauindustrie<br />

von nominal 6 auf nunmehr<br />

8,5 % – real 3 % – für das Gesamtjahr<br />

20<strong>19</strong>. Schließlich haben wir in den ersten<br />

vier Monaten schon ein Umsatzplus* von<br />

nominal 17,1 % erwirtschaftet. Damit<br />

konnten die Bauunternehmen, trotz<br />

guter Auslastung, ihre Produktion* preisbereinigt<br />

um 10,6 % steigern.“ Mit diesen<br />

Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer<br />

des Hauptverbandes der<br />

Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel,<br />

die in der neuesten Ausgabe des Aktuellen<br />

Zahlenbildes veröffentlichten Konjunkturindikatoren<br />

für die Bauwirtschaft.<br />

„Die gute Umsatzentwicklung liegt dabei<br />

nicht nur an den vergleichsweise milden<br />

Temperaturen in den Wintermonaten.<br />

Auch der April lag mit einem Umsatzplus*<br />

von 15,7 % – real 9,3 % – deutlich<br />

über dem Niveau des Vorjahreswertes.“<br />

„Unsere Jahresprognose wird außerdem<br />

durch den weiterhin hohen Auftragseingang<br />

gestützt“, ergänzte Babiel.<br />

Die Bauunternehmen* hätten für<br />

April im Vorjahresvergleich ein Orderplus<br />

von nominal 12,7 % (real: 6,3 %)<br />

gemeldet. Für den Zeitraum von Januar<br />

bis April ergebe sich damit ein Anstieg<br />

von nominal 13,9 % (real: 7,4 %). „Diese<br />

dynamische Entwicklung lässt deshalb<br />

keine andere Aussage zu, als dass eine<br />

Trendwende am Bau nach wie vor nicht<br />

in Sicht ist“, so Babiel. Zwar habe das<br />

Statistische Bundesamt für den April<br />

einen (preis-, saison- und arbeitstäglich<br />

bereinigten) Rückgang des Auftragseingangs<br />

zum Vormonat von 1,7 % und<br />

damit den vierten Rückgang des bereinigten<br />

Auftragseingangs in Folge verkündet.<br />

Dies trübe die Stimmung unter<br />

den Bauunternehmen jedoch keinesfalls<br />

ein. So hätten aktuell nur 6 % der<br />

vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag<br />

befragten Bauunternehmen<br />

angegeben, dass sie für die kommenden<br />

12 Monate eine Verschlechterung<br />

ihrer Geschäftslage erwarteten. „Die<br />

Praxis auf der Baustelle zeigt: die Unternehmen<br />

bleiben weiterhin auf Wachstumskurs,<br />

auch wenn die theoretische,<br />

statistische Betrachtungsweise aufgrund<br />

des hohen Niveaus unserer<br />

konjunkturellen Situation temporär<br />

abweicht“, so Babiel abschließend.<br />

(* Baubetriebe mit 20 und mehr Beschäftigten)<br />

www.bauindustrie.de<br />

PRAXISHILFE-ORDNER<br />

Was man aus Berufskrankheiten lernen kann<br />

Im Gegensatz zu Unfällen, bei denen ein plötzliches Ereignis<br />

die Gesundheit der Betroffenen schädigt, kann es bei Berufskrankheiten<br />

oft sehr lange dauern, bis diese ausbrechen. Ursache<br />

und Wirkung liegen manchmal Jahrzehnte auseinander.<br />

Hier stehen Unternehmen vor einer besonderen Herausforderung,<br />

denn Fehlverhalten bleibt zunächst scheinbar folgenlos.<br />

Der neue Praxishilfe-Ordner „Aus Berufskrankheiten lernen“<br />

der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische<br />

Industrie (BG RCI) stellt 15 reale Berufskrankheitenfälle aus<br />

Mitgliedsunternehmen vor – von Hauterkrankungen über<br />

Schädigungen des Muskel-Skelett-Systems und Krebserkrankungen<br />

durch Gefahrstoffe bis hin zu Schädigungen<br />

durch Sonneneinstrahlung. Sie beruhen auf Ermittlungsakten<br />

der letzten Jahre, die anonymisiert und grafisch sowie<br />

didaktisch aufgearbeitet wurden. Die ungeschminkte Schilderung<br />

der Erkrankungsfolgen soll aufrütteln und die Beschäftigten<br />

zu „Augenzeugen“ machen.<br />

Die Beispielfälle stehen sowohl in gedruckter Form als<br />

auch in Form von PowerPoint-Präsentationen auf USB-Stick<br />

für die Unterweisung von Beschäftigten zur Verfügung. Der<br />

gedruckte Praxishilfe-Ordner Berufskrankheiten kann im<br />

Medienshop bestellt werden. Er wurde für Fachkräfte für<br />

Arbeitssicherheit, Unternehmensleitungen und Führungskräfte<br />

entwickelt.<br />

www.medienshop.bgrci.de<br />

PRAXISHILFE: Für<br />

Mitgliedsbetriebe der<br />

BG RCI ist die Printversion<br />

in einer der<br />

Betriebsgröße angemessenen<br />

Anzahl<br />

kostenlos, darüber hinaus<br />

kostet sie 29,50<br />

Euro. Nicht-Mitgliedsunternehmen<br />

zahlen<br />

57 Euro zzgl. MwSt.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


AKTUELL<br />

25<br />

PERSONEN & POSTEN<br />

Gesellschafter-Duo<br />

Die Jöst Group aus Dülmen hat eine Änderung im Gesellschafterkreis<br />

bekannt gegeben. Neben Dr. Hans Moormann<br />

trat Dr. Marcus Wirtz Anfang Juli als Gesellschafter in die Jöst<br />

Group ein. Den Vorsitz behält nach wie vor Dr. Hans Moormann,<br />

der diese Funktion seit <strong>19</strong>99 bekleidet.<br />

Dr. Wirtz setzt damit seine Karriere im Unternehmen weiter<br />

fort. Der 49-Jährige startete 2006 bei Jöst und gründete<br />

gemeinsam mit der deutschen Jöst Holding die Joest Inc. mit<br />

Sitz in Chicago. Mit der Rückkehr ins Münsterland übernahm<br />

er 2011 die Position des Gesamtvertriebsleiters der Jöst<br />

Group in Dülmen. Drei Jahre später folgte der Aufstieg in die<br />

Position des Geschäftsführers, bevor nun die Top-Position<br />

eines geschäftsführenden Gesellschafters durch Dr. Marcus<br />

Wirtz bei Jöst ausgefüllt wird.<br />

www.joest.com<br />

DR. MARCUS WIRTZ (R.) tritt als geschäftsführender Gesellschafter<br />

bei der Jöst Group an die Seite von Dr. Hans Moormann. Foto: Jöst Group<br />

STABWECHSEL: Der langjährige Vorsitzende Eberhard Ludwig<br />

übergibt den Vorsitz an Michael Knobel. Foto: ISTE<br />

Vorsitz QRB<br />

Die Mitglieder des Qualitätssicherungssystems Recycling-Baustoffe<br />

Baden-Württemberg (QRB) haben Michael B. Knobel von<br />

der Knobel Asphalt-Kies-Beton GmbH und der Weinstetter Entsorgungsgesellschaft<br />

GmbH einstimmig zu ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden<br />

gewählt. Jan Herrmann, IBE Institut für<br />

Baustoffprüfung und Umwelttechnik, wurde als stellvertretender<br />

Vorsitzender und Walter Feeß, Heinrich Feeß GmbH & Co. KG,<br />

als weiteres Vorstandsmitglied des QRB bestätigt.<br />

Knobel tritt die Nachfolge von Eberhard Ludwig an, der<br />

den QRB mit aufgebaut und das Amt des Vorsitzenden über<br />

vier Wahlperioden sehr erfolgreich ausgefüllt hat. Nun stellte<br />

er sich nicht mehr zur Wahl, da er den Zeitpunkt für eine<br />

Verjüngung des Vorstands gekommen sah.<br />

www.qrb-bw.de<br />

Verstärkung digital<br />

Zeppelin Baumaschinen baut seine Digital-Kompetenz weiter<br />

aus und besetzt die neu geschaffene Position des Chief<br />

Digital Officer mit Bernd Landes. Seine Aufgabe ist es, die<br />

Digitalisierungsstrategie des Unternehmens sowie die digitale<br />

Vermarktung neuer und gebrauchter Cat-Baumaschinen<br />

weiterzuentwickeln und umzusetzen – in enger Abstimmung<br />

mit Z Lab, der digitalen und weiteren strategischen Geschäftseinheit<br />

des Zeppelin-Konzerns.<br />

Bernd Landes war von Oktober 2008 bis zuletzt Leiter für<br />

Gebrauchtmaschinen bei der<br />

BayWa und dort verantwortlich für<br />

die Umsetzung und das Konzept<br />

der E-Business-Strategie für gebrauchte<br />

Landtechnikmaschinen.<br />

www.zeppelin-cat.de<br />

BERND LANDES übernimmt bei der<br />

Zeppelin Baumaschinen GmbH die<br />

neu geschaffene Position des Chief<br />

Digital Officer. Foto: privat/Bernd Landes<br />

Auf Präsidentenkurs<br />

Prof. Dr. Thomas Bauer, Mitglied<br />

des Präsidiums des Hauptverbands<br />

der Deutschen Bauindustrie,<br />

ist anlässlich der Generalversammlung<br />

des Verbandes<br />

der Europäischen Bauwirtschaft<br />

(FIEC) Anfang Juni 20<strong>19</strong> zum<br />

„ersten Vizepräsidenten“ gewählt<br />

worden. In dieser Funktion<br />

gilt er als „designierter Präsident“<br />

und wird dem amtierenden<br />

FIEC-Präsidenten, Kjetil Tonning<br />

aus Norwegen, nach Ablauf seiner<br />

Amtszeit im Sommer 2020 im<br />

Amt nachfolgen. Thomas Bauer<br />

ist bereits seit 2017 Mitglied des<br />

FIEC-Präsidiums und leitet dort<br />

den Bereich Wirtschaft und Recht.<br />

www.bauindustrie.de<br />

PROF. THOMAS BAUER<br />

ist zum ersten Vizepräsidenten<br />

des FIEC gewählt<br />

worden. Foto: Bauer AG<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


26<br />

AKTUELL<br />

INVESTITIONEN<br />

& ERWEITERUNGEN<br />

Neuer Standort – doppelte Kapazität<br />

ZUKUNFTSFIT: Das neue Büro- und Produktionsgebäude<br />

auf dem 10.000 m² großen Firmenareal in Neumarkt<br />

im Mühlkreis. Foto: Rockster<br />

Kormann Rockster Recycler, Hersteller mobiler Brech- und Siebanlagen, ist an einen<br />

neuen, größeren Standort umgezogen. Mit dem Neuerwerb einer Liegenschaft in<br />

Neumarkt im Mühlkreis (OÖ) soll auf einer Fläche von 10.000 m² weiteres Wachstumspotenzial<br />

ausgeschöpft werden. Steigende Verkaufszahlen, das erweiterte Produktportfolio<br />

und Anforderungen nach verkürzten Lieferzeiten sind die Hauptargumente<br />

für die Produktionserweiterung, die zusätzlich neue Arbeitsplätze für weitere<br />

20 Mitarbeiter mit sich brachte. Parallel wurde auch der Firmenname von Kormann<br />

Rockster Recycler GmbH auf „Rockster Austria International GmbH“ geändert.<br />

Die erste Anlage, die in Neumarkt vom Band laufen wird, ist der raupenmobile<br />

Prallbrecher R1000S. Aufgrund seiner Features wird gerade dieser Anlagentyp sehr<br />

häufig geordert, weshalb es Ende letzten Jahres zu Lieferengpässen kam. Seit Mitte<br />

Juni ist die Übersiedlung zum größten Teil abgeschlossen und das Rockster-Team<br />

startete voller Elan in eine neue kapazitätsoptimierte Ära.<br />

www.rockster.at<br />

Investition für große Pneus<br />

Mit Investitionen in Höhe von rund 100 Mio. Euro erweitert Continental seine Produktionsanlagen<br />

im portugiesischen Lousado. Die neuen Kapazitäten mit modernsten<br />

und automatisierten Produktionstechnologien sollen für die Produktion von Radialreifen<br />

für Erdbewegungs- und Hafenanwendungen mit einem Durchmesser von mehr<br />

als 24 Zoll genutzt werden. Über 100 neue Arbeitsplätze werden dadurch geschaffen.<br />

Die neue Produktionshalle entstand neben der 2017 eröffneten Radial-Agrarreifenproduktion.<br />

Sobald die Produktion auf Hochtouren läuft, liefern die Produktionslinien<br />

drei Erdbewegungs- und drei weitere Hafenreifenlinien. Neben den neuen Produktionsanlagen<br />

wurde auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Lousado<br />

erweitert. Es wird künftig für kontinuierliche Leistungs- und Qualitätstests genutzt.<br />

www.continental-tires.com<br />

KAPAZITÄTSAUSBAU: Continental investiert<br />

in neue Produktionsanlagen in Lousado.<br />

Foto: Continental<br />

Gebündelte Kräfte<br />

Zwei Schwergewichte im Baumaschinenhandel haben sich<br />

zusammengefunden: Eberle-Hald (Metzingen) und EMB<br />

(Neukirchen v. W.) vertreten in Baden-Württemberg künftig<br />

gemeinsam die etablierten Premiummarken Atlas und Kobelco<br />

in der Heavy-Line-Klasse.<br />

Die neue Vertriebsgesellschaft Eberle-Hald/EMB Baumaschinen<br />

Baden-Württemberg GmbH kümmert sich ausschließlich<br />

um die Heavy-Line-Maschinen beider Marken und<br />

soll ihren Hauptsitz in Metzingen haben. Darüber hinaus<br />

übernimmt Eberle-Hald das Kobelco-Kompaktmaschinenprogramm<br />

exklusiv für Baden-Württemberg.<br />

www.eberle-hald.de<br />

Operators Club<br />

Auf der bauma 20<strong>19</strong> stellte Case seinen<br />

brandneuen Fahrer-Club vor. Er bietet Fahrern<br />

ein Forum und eine identitätsstiftende<br />

Organisation im Zeichen der Marke.<br />

Nach dem Beitritt erhalten Mitglieder des Case-Fahrer-<br />

Clubs sofort Zugriff auf die private Facebook-Gruppe. Darüber<br />

hinaus gibt es ein Willkommenspaket mit Club-T-Shirt, Warnweste<br />

und Kappe. Zukünftig soll es für Clubmitglieder besondere<br />

Veranstaltungen, Wettbewerbe und eine enge Zusammenarbeit<br />

mit dem Case Rodeo geben. Interessenten können<br />

dem Club ganz einfach online beitreten.<br />

www.casece.com<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


AKTUELL<br />

27<br />

AM KNOTENPUNKT A3/B20 plant Sennebogen bis Ende 2020 ein<br />

neues Customer Service Center in Steinach zu eröffnen. Foto: Sennebogen<br />

Customer Service Center<br />

Sennebogen investiert in einen neuen Standort für ein Customer<br />

Service Center in der Gemeinde Steinach/Landkreis<br />

Straubing. Auf einer Grundstücksfläche von 87.000 m² entstehen<br />

bis Ende 2020 zwei Bürogebäude, großzügige Hallen<br />

und ein hochmodernes Ersatzteillager. Sennebogen investiert<br />

damit über 25 Mio. Euro in einen weiteren Standort in<br />

Niederbayern, verkehrsgünstig gelegen am Knotenpunkt der<br />

Autobahn A3 und der Bundesstraße B20. Auch eine optimale<br />

Anbindung für die internationale Ersatzteillogistik und eine<br />

strategisch günstige Lage zwischen den Werken Straubing<br />

und Wackersdorf sind wichtige Standortvorteile. Im Zuge<br />

des Neubaus werden mittelfristig rund 50 neue Arbeitsplätze<br />

in der Region geschaffen. Das Ersatzteilwesen profitiert<br />

von einer hochmodernen Logistikumgebung mit Automation<br />

der Lagertechnik und optimierten Logistikprozessen.<br />

www.sennebogen.com<br />

Strategische Betonung<br />

Einer der größten Gewinnungsbetriebe für mineralische Rohstoffe<br />

in Deutschland firmiert jetzt unter dem Namen Wolff & Müller<br />

Quarzwerke GmbH. Bisher hieß das Unternehmen Wolff & Müller<br />

Baustoffe GmbH. Der neue Name soll die strategische Ausrichtung<br />

des Unternehmens auf die Produktlinie Quarzsand und -kies<br />

stärker verdeutlichen. Je mehr hochwertige Industriemineralien<br />

in Deutschland gewonnen werden, desto weniger Importe sind<br />

nötig. Das Unternehmen bereitet Quarzsand und -kies für Gießereien,<br />

Bauchemie, Wasseraufbereitung, Sport- und Freizeitanlagen<br />

und zu Lokbremssand auf. Hinzu kommen Sande und Kiese<br />

für die Bauwirtschaft und die Baustoffproduktion.<br />

Traditionell legt das Unternehmen größten Wert darauf,<br />

aufgelassene Gewinnungsflächen mit einem höheren ökologischen<br />

Wert zurückzugeben.<br />

www.wm-quarzwerke.de<br />

NAMENSGEBER: Quarz betont den Industriemineralstatus Foto: wm-quarzwerke<br />

IHRE VORTEILE MIT<br />

FLOTTWEG TRENNTECHNIK<br />

· Effizientes und nachhaltiges Verfahren<br />

· Reduktion des Wasserverbrauchs<br />

· Geringer Platzbedarf<br />

· Einfache Implementierung<br />

· Persönliche Betreuung<br />

· Schonung der wichtigsten Ressource – Wasser<br />

· Deutliche Einsparung an Betriebskosten


28<br />

AKTUELL<br />

JUBILÄUM<br />

Good Vibrations – ein<br />

ganzes Jahrhundert lang<br />

Riesige Siebe, vibrierende Rinnen, mehrstöckige Wendelförderer:<br />

Wenn es um das Fördern, Sieben und Sichten von Schüttgütern<br />

geht, ist Jöst aus Dülmen heute ein weltweit gefragter<br />

Spezialist. Ein Erfolg, der vor 100 Jahren bei der Gründung des<br />

Unternehmens noch nicht absehbar war. Denn Jöst begann als<br />

einfacher Reparaturbetrieb für explosionsgeschützte Elektromotoren,<br />

wie sie im Bergbau eingesetzt wurden. Mit der Kohleförderung<br />

im Ruhrgebiet entwickelt sich auch das Familienunternehmen<br />

stetig weiter. In den <strong>19</strong>50er-Jahren liefert Jöst<br />

erste Maschinen mit Schwingung und Vibration. Ein Meilenstein,<br />

der für die Zukunft bedeutsam sein sollte. So wurden die<br />

Dülmener unabhängiger vom Bergbau und interessant für viele<br />

weitere Branchen. Weltweit werden immer mehr Schüttgüter<br />

mit Jöst-Technik aufbereitet. Ganz frei von Krisen war auch die<br />

Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens nicht. Mit konsequenter<br />

Umstrukturierung und einer Globalisierungsstrategie schaffte<br />

das Unternehmen jedoch den Wandel zurück auf Erfolgskurs.<br />

www.joest.de<br />

HUNDERTJÄHRIG: <strong>19</strong><strong>19</strong> wurde das Unternehmen Jöst<br />

gegründet. Sein außerordentliches Jubiläum beging der<br />

Hersteller mit einer großen Feier. Foto: Jöst Group<br />

EINWEIHUNG der Niederlassung St. Petersburg. Vertreter des Zeppelinund<br />

Cat-Managements begrüßten auf dem Gelände auch hochrangige<br />

Gäste aus der Politik. Foto: Zeppelin GmbH<br />

Klares дa zum russischen<br />

Markt<br />

Der Zeppelin-Konzern feierte im Juni nicht nur die Eröffnung<br />

einer neuen Niederlassung in St. Petersburg, sondern gleichzeitig<br />

seine 20-jährige Präsenz in Russland. Mit der Investition<br />

in eine moderne Servicewerkstatt, Ersatzteillager und Bürogebäude<br />

bekennt sich das Unternehmen weiterhin klar zum<br />

russischen Markt. Die Niederlassung in St. Petersburg ist<br />

Zeppelins größter eigener Standort in Russland und der wichtigste<br />

regionale Standort für die gesamte nordwestliche Region<br />

der Russischen Föderation.<br />

Zeppelin ist bereits seit <strong>19</strong>98 in Nordwest-, Zentral- und<br />

Südwestrussland vertreten. Das Unternehmen bietet eine breite<br />

Palette von Maschinen und Motoren der Marken Caterpillar,<br />

die im Bau, Bergbau sowie der Öl- und Gasindustrie eingesetzt<br />

werden. Der Zeppelin-Konzern investiert insgesamt rund<br />

17,5 Mio. Euro in das mehr als 40.000 m² große Firmengelände,<br />

das neben einer modernen Servicewerkstatt auch das regionale<br />

Zentralersatzteillager sowie ein neues Bürogebäude umfasst<br />

und mehr als 150 Mitarbeitern Arbeit bietet.<br />

www.zeppelin.com<br />

Innovative<br />

Fördertechnik<br />

5159-178-87-003-D<br />

VHV Anlagenbau GmbH Dornierstraße 9 D-48477 Hörstel<br />

Tel: +49 (0) 5459/9338-0 info@vhv-anlagenbau.de www.vhv-anlagenbau.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


AKTUELL<br />

29<br />

JOB & AUSBILDUNG<br />

Start ins aufregende Berufsleben<br />

Anfang Juli 20<strong>19</strong> konnten erneut 53 Auszubildende der Baustoffindustrie<br />

in der Aula des Erfurt Bildungszentrum Unternehmensverbundes<br />

(EBZ) ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen.<br />

Ihre dreijährige praktische Ausbildung<br />

erfolgte in länderübergreifenden Berufsschulklassen für<br />

Verfahrensmechaniker der Fachrichtungen Transportbeton,<br />

Baustoffe, vorgefertigte Betonerzeugnisse und Asphalttechnik<br />

sowie einer Klasse für Aufbereitungsmechaniker in<br />

den Fachrichtungen Naturstein sowie Sand und Kies. Bei<br />

dieser dualen Berufsausbildung wird die Fachtheorie in der<br />

staatlichen berufsbildenden Walter-Gropius-Schule im Norden<br />

Erfurts vermittelt. Zwischen dem Unternehmerverband<br />

Mineralische Baustoffe, UVMB, und dem ebz besteht bereits<br />

seit <strong>19</strong>90 eine langjährige Partnerschaft. Für ihre guten<br />

Leistungen wurden die Besten der einzelnen Fachrichtungen<br />

vom UVMB ausgezeichnet. Mohamed Ben Achema<br />

(Deutag Nord), Ba Mamadou (GP Alster Beton), Leslie Nico<br />

Storandt (Maxit Baustoffwerke), Dominik Siyahturp (F.C.<br />

Nüdling Betonelemente), Vinzenz Nawroth (Wilhelm Geiger)<br />

und Carsten Bechtloff (Mitteldeutsche Baustoffe) erhielten<br />

von Johannes Winter (Vorstandsmitglied UVMB) eine<br />

Urkunde und eine Geldprämie.<br />

www.ebz-verbund.de<br />

53 AUSZUBILDENDE der Baustoffindustrie erhielten vor<br />

wenigen Wochen im Erfurt Bildungszentrum ihre Abschlusszeugnisse.<br />

Fotos: ebz<br />

JAHRGANGSBESTE (V.L.N.R.): Carsten Bechstedt, Vinzenz Nawroth,<br />

Leslie Nico Storandt, Ba Mamadou, Mohamed Ben Achema, Johannes<br />

Winter, ebz-Ressortleiter Mario Buchspieß. Fotos: ebz<br />

„Ich wollte einen Beruf ausüben, der<br />

technisch orientiert ist. Meine deutsche<br />

Schwiegermutter hat mir empfohlen,<br />

mich bei der damaligen Vorgängerfirma<br />

Cemex zu bewerben, weil sie einen<br />

guten Ruf in der Region hat. Den ersten<br />

Kontakt habe ich dann während<br />

einer Ausbildungsmesse aufgenommen.<br />

Nach einem erfolgreich absolvierten Test<br />

konnte ich mit der Ausbildung beginnen.<br />

Dafür bin ich allen Verantwortlichen<br />

heute noch dankbar. Anfängliche<br />

Schwierigkeiten mit den für mich neuen<br />

Anlagen und Fachbegriffen konnte ich<br />

schnell überwinden. Jetzt werde ich erst<br />

einmal zwei oder drei Jahre Berufserfahrung<br />

sammeln und will dann auf jeden<br />

Fall eine Weiterbildung beginnen.“<br />

Mamadou Ba (GP Alster Beton) hat die<br />

Ausbildung als „Jahrgangsbester“ von<br />

allen 53 Teilnehmern absolviert. Der jetzige<br />

Verfahrensmechaniker Transportbeton<br />

stammt aus dem Senegal, lebt seit<br />

20<strong>05</strong> in Deutschland und ist verheiratet.<br />

„Nach dem Abitur wollte ich nicht studieren, sondern eine Ausbildung<br />

machen. Da kaufmännische oder Bürotätigkeiten für mich nicht in Frage<br />

kamen, habe ich mich nach einer Berufsberatung für die Verfahrensmechanik<br />

entschieden. In einem Praktikum konnte ich die Arbeit näher<br />

kennenlernen, welche mir viel Spaß gemacht hat. So fiel die Entscheidung<br />

leicht, hier eine Ausbildung zu beginnen. Da die Freude an der Arbeit<br />

immer noch vorhanden ist, kann ich mir durchaus vorstellen, später<br />

mit einer Meisterausbildung zu beginnen.“<br />

Der Verfahrensmechaniker Aufbereitungstechnik Mohamed Ben Achema (Deutag<br />

Nord in Bremen) wurde in Deutschland als Sohn tunesischer Eltern geboren.<br />

„Ich habe mich schon immer für Technik und große Maschinen interessiert.<br />

Während einer „Woche der offenen Unternehmen“ in unserer<br />

Region habe ich mir das Unternehmen genau angesehen. Da<br />

mir das alles sehr zugesagt hat, habe ich mich für eine Lehrstelle<br />

beworben. Nach den drei Jahren kann ich immer noch sagen, dass<br />

ich genau das Richtige gewählt habe. Auf jeden Fall werde ich hier<br />

bleiben und kann mir durchaus vorstellen, nach einer gewissen Zeit<br />

einen Meisterabschluss abzulegen.“<br />

Vinzenz Nawroth (Wilhelm Geiger GmbH & Co. KG in Jahnsdorf) hat sich<br />

für eine Ausbildung als Aufbereitungsmechaniker in der Fachrichtung<br />

Naturstein entschieden.<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


30 AKTUELL<br />

Kompaktbagger für Azubis<br />

ÜBERGABE des Azubi-Baggers am LW-Standort<br />

in Göppingen. Geschäftsführung, Baulogistik und<br />

Auszubildende von Leonhard Weiss mit der Regionalleitung<br />

Vertrieb der Kiesel Süd GmbH. Foto: Kiesel<br />

Anfang Juni übergab die Kiesel-Gruppe einen Bagger vom Typ Hitachi ZX48 an<br />

die Auszubildenden bei der Unternehmensgruppe Leonhard Weiss. Fünf Auszubildenden<br />

im zweiten und dritten Lehrjahr stand der Stolz ins Gesicht geschrieben,<br />

als sie die Maschine entgegennahmen. Nun dürfen sie sich im Umgang mit der<br />

Technik üben und lernen, ihr Arbeitsgerät im einwandfreien Zustand zu halten.<br />

Bevor die Azubis des Unternehmens zu Baustelleneinsätzen dürfen, durchlaufen<br />

sie im Rahmen ihrer Ausbildung zum Baugeräteführer ein umfangreiches<br />

Trainingsprogramm. Dafür betreibt das Bauunternehmen eigens ein Trainingsgelände<br />

mit einer Flotte von Fahrzeugen, die angehenden Fachkräften als<br />

Übungsgerät dienen – die meisten davon in schwarzer Sonderlackierung, so wie<br />

auch der Hitachi ZX48 von Kiesel.<br />

www.kiesel.net<br />

Kampagne zur Nachwuchsgewinnung<br />

ZOCKEN ODER BAUEN? Die Seite bau-dein-ding<br />

motiviert für Letzteres.<br />

Nach wie vor finden kaum Jugendliche über eine Ausbildung den Weg in die<br />

Bauwirtschaft. Die zahlreichen Möglichkeiten und Karrierewege sind offenbar<br />

zu wenig bekannt. Häufig herrscht nicht nur bei Schülerinnen und Schülern,<br />

sondern auch bei Eltern, Lehrkräften und teilweise sogar in der Berufsberatung<br />

noch die Vorstellung einer ausschließlich körperlich fordernden Tätigkeit, die<br />

keine darüber hinausgehenden Möglichkeiten und Herausforderungen bietet.<br />

Wie wenig dies der Realität entspricht, soll die neue, bundesweit angelegte<br />

Kampagne der Verbände der Bauindustrie zeigen. „Bau – Dein Ding“ – unter<br />

diesem Motto werden ab sofort die über 20 Ausbildungsberufe mit ihren Karrieremöglichkeiten<br />

vorgestellt, die die Bauwirtschaft zu bieten hat.<br />

Kernelement der Kampagne ist die Online-Informationsplattform. Dort besteht<br />

zukünftig auch die Möglichkeit einer bundesweiten Ausbildungsplatzsuche.<br />

Flankiert wird das Informationsangebot durch regionale Informationsveranstaltungen,<br />

Messeauftritte und Schulaktivitäten. In einigen Regionen wird<br />

hierzu der „BauBus“ eingesetzt, der mit einem spielerischen Angebot Schulklassen<br />

direkt anspricht.<br />

www.bau-dein-ding.de<br />

PRONAR TROMMELSIEB MPB 20.55:<br />

ALLES DREHT SICH UM EFFIZIENZ<br />

Besuchen Sie<br />

uns auf der<br />

Recycling Aktiv!<br />

5.–7.9.20<strong>19</strong><br />

Stand F432<br />

Als echter Alleskönner deckt diese mobile<br />

Trommelsiebmaschine von PRONAR eine<br />

enorme Vielfalt an Aufgabematerial ab.<br />

Form und Art der Siebtrommel-Lochung<br />

kann der Kunde selbst bestimmen.<br />

Eine weitere Besonderheit der PRONAR<br />

Maschine: Der Unter wagen lässt den<br />

Einsatz zahlreicher am Markt befindlicher<br />

Trommeln zu.<br />

KÖLSCH ist Exklusivpartner von PRONAR in<br />

Süddeutschland!<br />

Jürgen Kölsch GmbH | Wildspitzstraße 2 | 87751 Heimertingen | Tel.: 08335-9895-0 | info@koelsch.com | www.koelsch.com


AKTUELL<br />

31<br />

PREISE & AUSZEICHNUNGEN<br />

Belohnter Reifegrad<br />

Mit der bewährten Trucknology-Lkw-Baureihe gelingt MAN<br />

Truck & Bus Deutschland der Sprung auf Rang eins im deutschen<br />

Lkw-Gesamtmarkt. Diese Fahrzeuggeneration hat den<br />

bisher höchsten Reifegrad und bietet Kunden eine sehr hohe<br />

Zuverlässigkeit.<br />

So konnte das Unternehmen im ersten Quartal 1645 Lkw<br />

mehr absetzen als im Vorjahreszeitraum. Im Verlauf der ersten<br />

drei Monate wurden in Deutschland 7443 Lkw über 6 t<br />

Gesamtgewicht ausgeliefert. Damit ist MAN erstmals Marktführer<br />

mit 32,1 % (Vorjahr 29 %) Marktanteil.<br />

www.truck.man.eu/de<br />

EUROTEST-PREIS für die aktive Personenerkennung von Liebherr<br />

für XPower-Radlader. Das System warnt gezielt vor Unfällen mit<br />

Personenschaden. Foto: Liebherr<br />

Aktive Personenerkennung<br />

für Radlader<br />

Auf der bauma 20<strong>19</strong> präsentierte Liebherr dem Fachpublikum<br />

erstmals ein Gesamtpaket mit mehreren intelligenten<br />

Assistenzsystemen für die XPower-Großradlader. Der<br />

Zweck dieser Assistenzsysteme ist es, Sicherheit und<br />

Komfort bei der täglichen Arbeit mit einem Radlader zu<br />

optimieren. Die neue aktive Personenerkennung heckseitig<br />

ist eines der Systeme und steht auf Kundenwunsch zur<br />

Verfügung. Es warnt den Maschinenführer vor Gefahren<br />

im hinteren Bereich des Radladers. Dabei unterscheidet<br />

es selbstständig mit Hilfe von Sensoren zwischen Personen<br />

und Objekten. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft<br />

(BG Bau) prämierte die aktive Personenerkennung<br />

von Liebherr nun im Rahmen der bauma 20<strong>19</strong> mit<br />

dem EuroTest-Preis 20<strong>19</strong>.<br />

Dr. Herbert Pfab, Leiter Entwicklung, und Johann Stickler,<br />

Geschäftsführer und technischer Leiter der Liebherr-<br />

Werk Bischofshofen GmbH, nahmen den EuroTest-Preis<br />

20<strong>19</strong> für die aktive Personenerkennung persönlich entgegen.<br />

Liebherr gehört zum exklusiven Kreis von nur fünf<br />

Preisträgern, die von der BG Bau im Rahmen der bauma<br />

20<strong>19</strong> in Kooperation mit weiteren Organisationen ausgezeichnet<br />

wurden. Mit dem Preis würdigt die BG herausragende<br />

Leistungen beim technischen Arbeitsschutz und<br />

der Produktsicherheit.<br />

www.liebherr.com<br />

SPRUNG AUF RANG EINS im deutschen Lkw-Gesamtmarkt. Kunden<br />

goutieren die zuverlässige Fahrzeugreihe. Foto: MAN<br />

Europas beste Fahrer<br />

In einem Kopf an Kopf Rennen konnte sich Andreas Nordsjø<br />

aus Norwegen gegen 29 Kontrahenten beim Europafinale<br />

des Scania-Fahrerwettbewerbs Ende Mai als Sieger durchsetzen.<br />

Fredrik Arwidmark aus Schweden wurde Zweiter,<br />

Piotr Dovengiewics aus Polen Dritter. Stefan Spengler aus<br />

Thüringen zeigte in der Qualifikationsrunde vollen Einsatz,<br />

schaffte es allerdings nicht in das Viertelfinale. Dennoch: er<br />

zählt zu den 30 besten Scania-Lkw-Fahrern Europas.<br />

Mehr als 20.000 Lkw-Fahrer aus ganz Europa hatten sich<br />

für den Fahrerwettbewerb beworben. Die 30 besten (ein Fahrer<br />

je Land) im Alter von 23 bis 61 Jahren traten beim Wettbewerb<br />

gegeneinander an. Hauptgewinn war ein Gutschein<br />

über 100.000 Euro für einen maßgeschneiderten Scania-<br />

Lkw. Ziel des Wettbewerbs ist es, die Wichtigkeit des Lkw-<br />

Fahrers in der Transportbranche<br />

hervorzuheben und zukünftige<br />

Fahrer auf den Beruf aufmerksam<br />

zu machen.<br />

www.scania.com<br />

ANDREAS NORDSJØ konnte sich<br />

gegen 29 Kontrahenten durchsetzen<br />

und ließ Fredrik Arwidmark sowie<br />

Piotr Dovengiewics hinter sich.<br />

Foto: Kjell Olausson<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


32 AKTUELL<br />

Europa Truck Trial:<br />

Spannung bis zuletzt<br />

Die Konkurrenz schläft nicht.<br />

Das mussten sich die Lauchheimer<br />

Marcel Schoch und<br />

Johnny Stumpp im zweiten<br />

Lauf im südfranzösischen<br />

Montalieu-Vercieu eingestehen.<br />

Traditionell am Pfingstwochenende<br />

ist der Europa-<br />

Truck-Trial-Lauf das Highlight<br />

in der Region. Das besondere<br />

Verhältnis der französischen<br />

Motorsport-Fans zum Ereignis<br />

war auch dieses Jahr wie-<br />

PLATZ 2: Das HS-Schoch-Hardox-Truck-Trial-Team<br />

setzte sich durch und durfte sich über den 2. Platz<br />

im 2. Lauf freuen. Foto: HS-Schoch<br />

der an der Besucherdichte zu<br />

erkennen. Alle Teams fuhren<br />

an beiden Tagen auf dem gleichen Niveau und so entschied das Glück<br />

während der einzelnen Sektionen über Sieg oder Niederlage. Das HS-<br />

Schoch-Hardox-Truck-Trial-Team hatte Glück und belegte am Ende vom<br />

zweiten Lauf den zweiten Platz hinter dem MSC TruckTrialTeam Cloppenburg.<br />

In der Gesamtwertung sind Marcel und Johnny immer noch<br />

führend und starteten somit voller Vorfreude und Spannung in den ersten<br />

deutschen Lauf dieser Saison Anfang Juli in Dreis-Brück.<br />

www.hs-schoch-hardox-team.de<br />

Zündende Ideen<br />

erneut gefragt<br />

Den Fortschritt in der gesamten Branche zu fördern<br />

und voranzutreiben, ist das erklärte Ziel des<br />

VDBUM-Förderpreises. Der vom Verband der<br />

Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik<br />

ausgelobte Preis wird für 2020 bereits zum achten<br />

Mal ausgeschrieben und verliehen.<br />

Gefragt sind Tüftler und kreative Köpfe, die mit<br />

ihren Einfällen den Einsatz von Baumaschinen<br />

und Komponenten noch wirtschaftlicher gestalten<br />

und mit klugen Verfahren die Effizienz weiter<br />

steigern. Der renommierte Ideenwettbewerb richtet<br />

sich in gleicher Weise an Auszubildende und<br />

erfahrene Praktiker sowie Meisterschüler, Studenten<br />

und Jungakademiker. Der Preis wird in<br />

den Kategorien „Innovationen aus der Praxis“,<br />

„Entwicklungen aus der Industrie“ und „Projekte<br />

aus Hochschulen und Universitäten“ vergeben.<br />

Die Gewinner jeder Kategorie erhalten ein attraktives<br />

Preisgeld von 2500 Euro. Bewerbungen sind<br />

bis zum 31. Oktober 20<strong>19</strong> einzureichen. Die zugehörigen<br />

Formblätter und Bewerbungskriterien<br />

stehen zum Download auf der Website bereit.<br />

www.vdbum.de


MACH MAL WAS<br />

33<br />

BESUCH AUS BRÜSSEL<br />

Europäischer Gesteinsverband zu Gast bei Hülskens<br />

Vertreter des Europäischen Gesteinsverbandes UEPG<br />

haben im Juli Standorte und Projekte der Firma Hülskens<br />

besichtigt. UEPG-Geschäftsführer Dirk Fincke und Thilo<br />

Juchem, UEPG-Präsident, besuchten die Rekultivierungsmaßnahme<br />

Lippemündungsraum in Wesel und die<br />

Produktionsstätte Milchplatz in Rheinberg. Begleitet wurden<br />

sie von Michael Schulz, vero-Ehrenpräsident, Raimo<br />

Benger, vero-Hauptgeschäftsführer, und Christian<br />

Strunk, Geschäftsführer Hülskens Holding. Im Lippemündungsraum<br />

konnten sich die Besucher ein Bild vom ökologisch<br />

wertvollen Zustand der Landschaft sowie vielen<br />

positiven Veränderungen bei Artenschutz, Hochwasserschutz<br />

und Wasserqualität machen. Für diese Rekultivierungsmaßnahme<br />

erhielt Hülskens 2015 den Umweltpreis<br />

der Stadt Wesel. Thilo Juchem zeigt sich beeindruckt:<br />

„Hier sieht man, wie Rohstoffgewinnung und Naturschutz<br />

idealtypischerweise Hand in Hand gehen können.“ Auch<br />

die Werksbesichtigung stieß bei den UEPG-Vertretern auf<br />

großes Interesse. Der Standort Milchplatz ist eine der<br />

größten Kies- und Sand-Gewinnungsstätten am Niederrhein.<br />

In Zusammenarbeit mit den örtlichen Biostationen<br />

werden hier schon während der laufenden Gewinnung<br />

Rekultivierungs- und Naturschutzmaßnahmen abgestimmt<br />

und umgesetzt. Darüber hinaus zahlt die Verlegung<br />

des Rheindeichs hier ebenfalls auf das Thema<br />

Hochwasserschutz ein.<br />

Dirk Fincke verweist auf die hohe Bedeutung der Zusammenarbeit<br />

zwischen Rohstoffgewinnung und Naturschutz<br />

in Europa: „Zur Umsetzung regionaler Maßnahmen,<br />

wie Straßenbau, Sanierung und Wohnungsbau, ist<br />

die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen zwingend<br />

nötig. Es ist gut, zu sehen, dass hier die zeitweiligen<br />

Eingriffe in die Landschaft durch eine verantwortungsvolle<br />

und enge Zusammenarbeit mit dem Natur- und<br />

Artenschutz beispielhaft rekultiviert werden.<br />

www.uepg.eu<br />

www.vero-baustoffe.de<br />

BEFAHRUNG: Michael Schulz, Christian Strunk, Thilo Juchem,<br />

Dirk Fincke und Raimo Benger (v.l.n.r.) auf der Spur von Rekultivierung,<br />

Hochwasserschutz und Produktion.<br />

Formen. Stapeln. Ändern. Umstellen.<br />

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34<br />

MACH MAL WAS<br />

NATUR AUF ZEIT wird in Bayern im Rahmen eines Pilotprojektes gestaltet. Verantwortliche der<br />

Unternehmensgruppen Porzner und Schicker unterzeichneten in Anwesenheit von Bayerns<br />

Umweltminister Thorsten Glauber einen Vertrag dazu mit dem LBV. Foto: LBV<br />

„Natur auf Zeit“<br />

Vertragsabschluss<br />

in Oberfranken<br />

Der LBV hat jetzt auch in Oberfranken erste Kooperationsverträge mit<br />

Rohstoffgewinnungsunternehmen zum Schutz von bedrohten Amphibien<br />

geschlossen. Bei einem Geländetermin im Steinbruch in Guttenberg<br />

haben der Umweltminister Thorsten Glauber, der LBV-Vorsitzende<br />

Dr. Norbert Schäffer, die Gewinnungsunternehmen Hartsteinwerke<br />

Schicker und Porzner Steine & Erden, der Landrat des Landkreises<br />

Kulmbach, die Unteren und die Höhere Naturschutzbehörde sowie<br />

das Wasserwirtschaftsamt einen Vertrag unterzeichnet.<br />

Mit dem Vertrag nehmen die Firmen nun an<br />

einem bayernweiten Projekt zum Schutz<br />

von bedrohten Amphibienarten in Rohstoffgewinnungsstätten<br />

teil. „Durch das Pilotprojekt<br />

soll die Förderung und Erhaltung<br />

bedrohter Amphibienarten im Gewinnungsprozess<br />

gesichert und der laufende Betrieb<br />

auch bei schon existierendem Vorkommen<br />

bedrohter Arten in einer Win-win-Situation<br />

gewährleistet werden“, so Dr. Norbert<br />

Schäffer.<br />

„Das Projekt ‚Natur auf Zeit‘ schafft<br />

wertvolle Biotope. Die naturschutzfreundliche<br />

Bewirtschaftung der Gewinnungsflächen<br />

leistet einen wichtigen Beitrag zur<br />

Sicherung der biologischen Vielfalt im Freistaat.<br />

Kiesgruben und Steinbrüche tragen<br />

dazu bei, die Bestände bedrohter Amphibien<br />

zu stabilisieren. Die Firmengruppen<br />

‚Hartsteinwerke Schicker‘ und ‚Porzner<br />

Steine & Erden‘ setzen das Projekt mustergültig<br />

um“, betonte Umweltminister Glauber.<br />

Mit der engen und vertraglich geregelten<br />

Zusammenarbeit können gemeinsam<br />

Schutz- und Entwicklungsmöglichkeiten für<br />

Amphibien geschaffen werden. Denn:<br />

„Rohstoffgewinnung und Naturschutz müssen<br />

heute keine Gegensätze mehr sein,<br />

gewährleisten die Gewinnungsstätten doch<br />

Lebensbedingungen, wie sie in der Landschaft<br />

heute kaum noch existieren“, sagt<br />

Dr. Norbert Schäffer. Und Dr. Bernhard<br />

Kling, Geschäftsführer des Bayerischen<br />

Industrieverbands Baustoffe, Steine und<br />

Erden, BIV, ergänzt: „Die Rohstoffgewinnung<br />

in Bayern trägt aktiv zum Erhalt der<br />

Artenvielfalt bei. Das ist kein bloßes Nachhaltigkeitsversprechen.“<br />

In den Rohstoffgewinnungsstätten, für<br />

die nun Verträge unterzeichnet wurden,<br />

profitieren vor allem Kreuzkröte, Kammmolch<br />

und Laubfrosch von den umgesetzten<br />

Maßnahmen. Zu diesen zählen zum<br />

Beispiel der Erhalt und die Anlage von<br />

Kleinstrukturen. Totholz, Wurzelstöcke oder<br />

Sand- und Geröllhaufen beziehungsweise<br />

der Schutz von Kleingewässern erweisen<br />

sich als nützlich. „Unsere Unternehmen<br />

schaffen in ganz Bayern mit einer Vielzahl<br />

an großen und kleinen Projekten wertvolle<br />

Lebensräume für bedrohte Arten. Das liegt<br />

zum einen an den natürlichen Gegebenheiten<br />

in Gruben und Brüchen und zum anderen<br />

am besonderen Engagement der Betreiber“,<br />

erklärt Dr. Bernhard Kling.<br />

Seit 2017 führt der LBV zusammen mit<br />

dem BIV und der Arbeitsgemeinschaft<br />

Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe,<br />

ABBM, das Pilotprojekt<br />

durch. Ziel ist die Sicherung und Optimierung<br />

von Lebensräumen für europaweit<br />

bedrohte Amphibienarten in aktiven Gewinnungsbetrieben.<br />

Über die gesamte Laufzeit<br />

bis Ende 2022 wird das Projekt vom<br />

bayerischen Naturschutzfonds gefördert.<br />

Den Anlass für das gemeinsame Vorhaben<br />

gab ein aktueller Bericht der Bundesregierung<br />

über das europäische Schutzgebietssystem<br />

Natura 2000. Dieser zeigt<br />

für sieben besonders bedrohte Amphibienarten<br />

mit europaweiter Bedeutung<br />

einen ungünstigen Erhaltungszustand<br />

und überwiegend einen negativen Gesamttrend<br />

der Vorkommen auf.<br />

www.biv.bayern<br />

www.lbv.de<br />

Hintergrund zum Projekt<br />

Der LBV und die Rohstoffgewinnungsunternehmen<br />

sind sich des<br />

besonderen Potenzials von Kiesund<br />

Sandgruben bewusst. Gemeinsam<br />

wollen sie deshalb durch gegenseitige<br />

Information und enge<br />

Zusammenarbeit die Chancen für<br />

den Erhalt der biologischen Vielfalt<br />

nutzen. Die Entstehung wertvoller<br />

Sekundärlebensräume und die Ansiedlung<br />

seltener Arten sollten nicht<br />

dem Zufall überlassen werden, sondern<br />

insbesondere während der<br />

Gewinnungsphase und auch darüber<br />

hinaus gezielt gesteuert und<br />

betreut werden. So sollen bayernweit<br />

in 100 Rohstoffgewinnungsstätten<br />

aller Rohstofftypen beispielhafte<br />

Maßnahmen zur Umsetzung<br />

dieses Pilotprojektes unter der<br />

Überschrift „Natur auf Zeit“ durchgeführt<br />

werden.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


EIN KILO STEINE IM KINO<br />

Spot baut Brücke zum Branchenfilm<br />

Der MIRO-Branchenfilm „1 Kilo Steine<br />

pro Stunde“ wird weit über unsere<br />

Branchenkreise hinaus als ein exzellenter<br />

Erklärfilm bewertet. Mit Humor,<br />

authentischen Interviews und einer<br />

überraschenden Rahmenhandlung verdeutlich<br />

er fesselnd und kurzweilig, wo<br />

überall heimische mineralische Rohstoffe<br />

eingesetzt werden. 13.000<br />

Direktzugriffe bei YouTube bis Ende Juli<br />

20<strong>19</strong> und unzählige Vorführungen auf<br />

Veranstaltungen der Mitgliedsunternehmen<br />

und der Landesverbände<br />

zeigen, dass das Medium Film zur Unterstützung<br />

der politischen Kommunikation<br />

und für die Öffentlichkeitsarbeit<br />

der MIRO-Unternehmen hervorragend<br />

geeignet ist. Nun ist zusätzlich auch ein<br />

60-Sekunden-Trailer verfügbar, der<br />

sich als Kinovorfilm sowie zur Einbindung<br />

in Social-Media-Kanäle eignet.<br />

Alle über die Landes- und Regionalverbände<br />

organisierten MIRO-Mitglieds-<br />

unternehmen haben die Möglichkeit,<br />

dieses attraktive Werbetool zu nutzen!<br />

Neben der neutralen Fassung ist der<br />

Trailer leicht individualisierbar. So kann<br />

jedes interessierte Unternehmen, das<br />

den Kurzfilm im Kinowerbeblock seines<br />

Umfeldes platzieren möchte, für einen<br />

kleinen finanziellen Betrag eine persönliche<br />

Botschaft, die Unternehmensadresse<br />

mit Logo oder Ähnliches anhängen.<br />

Die individualisierte Fassung wird nach<br />

Beauftragung professionell erstellt. Die<br />

neutrale Fassung des Trailers ist genauso<br />

wie die Lang- und diverse Kurzfassungen<br />

des Films auf der MIRO-Website unter<br />

dem Menüpunkt Downloads abrufbar:<br />

https://www.bv-miro.org/download-2/<br />

Übrigens: Die KBI Kieswerk- und<br />

Baustoff-Industrie hat am 25. Juli 20<strong>19</strong><br />

im Cineplex Baden-Baden den Premierenaufschlag<br />

für den Kinostart des Vorfilms<br />

gelandet. Nicht nur das: Um die<br />

Kinouraufführung herum gab es ein<br />

GUTE UNTERHALTUNG im Schnelldurchlauf<br />

mit Brückenfunktion bietet der Kino-Trailer<br />

des aktuellen Branchenfilms. Foto: MIRO<br />

rundes Event, bei dem auch der ISTE-<br />

Film Merkurs Würfel, der Azubi-Werbefilm<br />

Rockstars und die Langversion<br />

„1 Kilo Steine pro Stunde“ gezeigt wurden.<br />

Mehr dazu demnächst in diesem<br />

‚Kino‘ bzw. der nächsten GP.<br />

www.bv-miro.org<br />

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5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


36<br />

FORSCHUNG<br />

Kleine Energieanlagen<br />

zur großen Lösung verknüpfen<br />

Forscher der TU Dresden entwickeln derzeit technische Lösungen für<br />

neue Betriebs- und Geschäftsmodelle von kleinen Energieanlagen, damit<br />

sie wirtschaftlich betrieben und optimal genutzt werden können. Dazu<br />

werden kleine Energieanlagen über die sogenannte CHES-Plattform zu<br />

einem virtuellen Kraftwerk gebündelt.<br />

Das Ziel der Wissenschaftler war von<br />

Anfang an klar definiert: eine erfolgreiche<br />

und vor allem wirtschaftlich tragfähige<br />

Wende hin zu erneuerbaren Energien<br />

ermöglichen. Nach acht Jahren<br />

Forschung, etlichen Prototypen und<br />

einem Feldtest hat das Ergebnis einen<br />

Namen: CHES – Combined Hybrid Energy<br />

Systems*.<br />

Mit einem Exist-Forschungstransfer<br />

will das interdisziplinäre Forscherteam<br />

der TUD aus dem Bereich der elektrischen<br />

Energie- und Gebäudeenergietechnik<br />

jetzt die letzte Hürde vom Forschungsprojekt<br />

hin zum Produkt und<br />

Geschäftsmodell nehmen.<br />

Hintergrund für die Entwicklung war,<br />

dass die Energiewende nur gelingen kann,<br />

wenn auch kleine Energieanlagen sich an<br />

der Regelung zum Energiegleichgewicht<br />

im elektrischen Netz beteiligen. Dies ist nur<br />

möglich, wenn diese Anlagen wirtschaftlich<br />

als ein virtuelles Kraftwerk zusammengefasst<br />

werden können, was bisher nicht<br />

möglich war. „Die koordinierte Betriebsweise<br />

von kleinen Energieanlagen bietet<br />

neue Geschäftsmodelle für verschiedene<br />

Akteure von der Immobilien- und Energiewirtschaft<br />

bis hin zu Industriestandorten<br />

mit einem hohen Stromverbrauch“, erklärt<br />

Jens Werner, Projektleiter von CHES. Die<br />

Anwendungen reichen dabei von der Ferndiagnose,<br />

dem lokalen Energieausgleich<br />

bis zur Partizipation am Stromhandel.<br />

Strom aus der Region für die Region,<br />

dieser Ansatz wird dank der CHES-Plattform<br />

machbar. Sie ermöglicht es, Energiezellen<br />

zu bilden und somit Energie innerhalb<br />

der Community auszutauschen.<br />

Dieser Anwendungsfall ist dabei auch direkt<br />

auf Industriestandorte mit einem<br />

hohen Strom- und Wärmeverbrauch übertragbar,<br />

indem die einzelnen Erzeugungsund<br />

Verbrauchsanlagen miteinander vernetzt<br />

werden. Durch den Energieausgleich<br />

zwischen den einzelnen Anlagen kann der<br />

Standort seine Unabhängigkeit gegenüber<br />

dem zentralen Energieversorger erhöhen,<br />

indem sich der jeweilige Betrieb in den Bereichen<br />

der Strom- und Wärmeversorgung<br />

eigenständig, regional und kostensparend<br />

mit erneuerbaren Energien versorgt.<br />

Foto: *Das Projekt „Combined Hybrid Energy Systems“ wird im Rahmen des EXIST-Förderprogramms durch<br />

das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Grafik: TUD<br />

Wie funktioniert das System?<br />

„Die Kernkompetenz unserer Technologie<br />

mit der selbst lernenden Steuerbox<br />

DInCo und dem Koordinator COCo besteht<br />

darin, kleine Anlagen wirtschaftlich<br />

anzubinden und optimiert zu betreiben.<br />

Dies kann z. B. in Form einer Eigenverbrauchsoptimierung<br />

erfolgen, bei der ein<br />

großer Teil der jeweils produzierten Energie<br />

auch dort verbraucht wird.“<br />

Umgesetzt wird dieser Plan, indem die<br />

intelligenten Steuerboxen „DInCo“ in den<br />

jeweiligen Anlagen installiert werden und<br />

dort die Messdatenaufnahme sowie Anlagenansteuerung<br />

ermöglichen. Die Daten<br />

werden daraufhin an die Leitwarte „COCo“<br />

übermittelt, welche die Koordination der einzelnen<br />

Anlagen übernimmt. Hierdurch wird<br />

der zusätzliche Installationsaufwand von<br />

Messtechnik auf ein Minimum reduziert.<br />

Für Neulinge im Energiesystem, wie Industrieunternehmern,<br />

bietet CHES die<br />

Ferndiagnose als Einstieg in die Vernetzung<br />

kleiner Energieanlagen an. Durch das Anbringen<br />

der Steuerbox DInCo an den jeweiligen<br />

Anlagen können auf Basis der Ferndiagnose<br />

mehr Transparenz und Effizienz im<br />

Verbrauch von Strom und Wärme sichergestellt,<br />

aber auch Wartungs- und Verwaltungskosten<br />

gesenkt werden. Falls<br />

erforderlich, erfolgt die Zählerablesung automatisch.<br />

Zusätzlich hat jeder Anwender<br />

des Systems zu jeder Zeit die Möglichkeit,<br />

das Angebot auf die Bereiche Energieausgleich<br />

oder Stromhandel auszuweiten, um<br />

zusätzliche Erlöse zu erzielen oder die Versorgungssicherheit<br />

zu erhöhen. Ein weiterer<br />

industrieller Nutzwert liegt darin, dass bei<br />

einem koordinierten und überwachten Betrieb<br />

der einzelnen Anlagen eventuell notwendige<br />

Anschlussleistungen des Standortes<br />

in Bezug auf Strom oder Wärme<br />

reduziert werden können.<br />

Aktuell befindet sich CHES in der Vorgründungsphase,<br />

d. h., der Prototyp soll in<br />

marktfähige Produkte überführt werden.<br />

Das Forscherteam „Combined Hybrid<br />

Energy Systems“ sucht dafür nach den<br />

erfolgreichen Feldtests weitere Kooperationspartner.<br />

www.ches.et.tu-dresden.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


FORSCHUNG<br />

37<br />

SUPERKUNSTSTOFF<br />

Strom aus<br />

industrieller Abwärme<br />

BIPOLYMERE<br />

mit erstaunlichen<br />

Eigenschaften.<br />

Foto: poligy.com<br />

Als Dachverband von zwölf Regionalverbänden und Fachgruppen der<br />

Deutschen Gesteinsindustrie sowie außerordentlichen Mitgliedern<br />

aus dem Bereich der technischen Ausrüster und Dienstleister unserer<br />

Branche, repräsentiert MIRO ein einzigartiges Netzwerk aller<br />

Akteure der deutschen Bau- und Rohstoffindustrie. Weil Substanz<br />

entscheidet, geben in Deutschland rund 1.600 Unternehmen mit rund<br />

3.000 Werken und 23.500 Mitarbeitern täglich ihr Bestes. Sie stellen<br />

sicher, dass die jährliche Nachfrage nach etwa 500 Mio. t Kies-,<br />

Sand-, Quarzsand- und Natursteinprodukten aus der Bauwirtschaft<br />

und vielen anderen Industrien bedient werden kann.<br />

Die zunehmende Aufgabenvielfalt auf nationaler wie europäischer<br />

Ebene erfordert die Verstärkung der Geschäftsstelle Berlin durch<br />

eine/n weitere/n Geschäftsführer/in, vorzugsweise Jurist/in mit<br />

Schwerpunkten Verwaltungsrecht sowie europäisches Recht.<br />

Ein neu entwickelter Kunststoff namens Bipolymer soll<br />

die Umwandlung von Sonnen- und Industriewärme in<br />

Strom ermöglichen.<br />

Bipolymere sind zweilagige Kunststoffstreifen, die<br />

Wärme preisgünstig in Strom umwandeln und dabei sowohl<br />

die Sonnenwärme auf Hausdächern als auch die<br />

Abwärme von Kraftwerken, Fabrikanlagen oder Rechenzentren<br />

nutzen. Ziel des Erfinders, des Wirtschaftschemikers<br />

Martin Huber, ist es, dass Industrieunternehmen<br />

ihre Abwärme auf diese Weise profitabel in Strom umwandeln<br />

können. Dazu bilden die Bipolymere bei Wärmekraftmaschinen<br />

und Solarmodulen ein Rad oder<br />

Band. Durch Temperatureinflüsse verformen sich die<br />

Kunststoffstreifen, das Rad bzw. Band kommt in<br />

Schwung und erzeugt mittels eines Generators Strom.<br />

„Bisher gibt es keine so preisgünstige Technologie, die<br />

bei Temperaturen von 50° bis 200° C aus Abwärme Strom<br />

produzieren kann. Zudem lassen sich die Wärmekraftmaschinen<br />

und die Bipolymere in großen Mengen und preiswert<br />

herstellen“, erklärt Huber. Beispielsweise entstehen kaum<br />

Kosten bei der Produktion der Bipolymere, da die Produktionsanlagen<br />

zum einen bereits bestehen und zum anderen<br />

kaum Energie zur Produktion aufgewandt werden muss.<br />

Auch sollen die Anschaffungskosten einer Bipolymer-<br />

Wärmekraftmaschine niedriger als die für Fotovoltaikanlagen<br />

werden. Dazu forschen Huber und sein Team<br />

daran, dass die Bipolymer-Module in einem Strom,<br />

Warmwasser sowie Wärme produzieren und die produzierte<br />

Energie speichern können. Bei Fotovoltaikanlagen<br />

hingegen sind oft teure Zusatzsysteme wie spezielle<br />

Energiespeicher und Solarthermen zur Trinkwassererwärmung<br />

erforderlich. Hinzu kommt, dass sich Bipolymere<br />

günstiger recyceln lassen als Solarzellen.<br />

Der Entwickler hat sich nun mit einem Unternehmer<br />

zusammengetan, um seine Technologie zur Marktreife zu<br />

bringen. Gemeinsam gründeten sie das Start-up Poligy.<br />

Poligy gewann mit seiner Erfindung bereits eine Reihe<br />

an Preisen und gibt seit Juli 20<strong>19</strong> digitale Wertpapiere<br />

auf Basis der Blockchain-Technologie aus, um die Weiterentwicklung<br />

der Bipolymer-Systeme zur Marktreife<br />

finanzieren zu können. In die digitalen Wertpapiere können<br />

qualifizierte Investoren und insbesondere Partner<br />

aus der Industrie investieren.<br />

Unser Bundesverband sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine/n:<br />

Geschäftsführer/in (m/w/d)<br />

Schwerpunkte in der Tätigkeit als Geschäftsführer/in sind<br />

• die Interessenvertretung des Verbandes im gesellschaftlichen<br />

und politischen Umfeld gegenüber Politik, Behörden und<br />

Verwaltung auf nationaler sowie europäischer Ebene.<br />

• die Bewertung von Gesetzesinitiativen/Folgeabschätzungen<br />

für die Branche sowie das Erstellen von Rundschreiben<br />

zu relevanten Themen.<br />

• die Betreuung der Mitgliedsverbände sowie eine proaktive<br />

Zusammenarbeit im europäischen Dachverband.<br />

• die Mitwirkung in relevanten Ausschüssen sowie Fachforen.<br />

• die Organisation und die Durchführung von Veranstaltungen<br />

und Tagungen.<br />

Folgende berufliche Qualifikationen sind gewünscht:<br />

• Erfahrungen in der Verbandsarbeit<br />

• Rechtliche Kenntnisse, vor allem im nationalen und europäischen<br />

Umwelt- und Rohstoffrecht<br />

• Interesse an politischen Zusammenhängen, grundsätzliches<br />

Verständnis für Gesetzgebungs- und Meinungsbildungsverfahren<br />

• Verständnis für wirtschaftliche und technische Zusammenhänge<br />

Eigenschaften und Kompetenzen:<br />

• Zielstrebigkeit, Standfestigkeit und Durchsetzungsvermögen<br />

• Teamfähigkeit, Kontaktfreude, Kommunikationskompetenz,<br />

souveränes Auftreten<br />

• Die Fähigkeit, sich selbständig in neue komplexe Sachverhalte<br />

einzuarbeiten und diese verständlich aufzubereiten<br />

• Verhandlungssichere Kenntnisse der englischen Sprache,<br />

ggf. Französisch<br />

• Belastbarkeit und Reisebereitschaft<br />

Dienstort ist Berlin. Eine mögliche Verlagerung der Lebensinteressen<br />

des/r Bewerbers/in in den Raum Berlin wird vorausgesetzt.<br />

Aussagekräftige Unterlagen senden Sie bitte bevorzugt per E-Mail<br />

aber auch auf postalischem Weg an den Präsidenten unseres Verbandes,<br />

Herrn Dr. Gerd Hagenguth, unter: Hagenguth.RMKS@t-online.de oder<br />

Dr. Gerd Hagenguth, c/o RMKS - RHEIN MAIN KIES UND SPLITT<br />

GMBH & CO. KG, Dammstr. 31, 471<strong>19</strong> Duisburg<br />

www.poligy.com<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


38<br />

PRAXIS<br />

GIGANTISCH: Bei der derzeit größten Anlage auf dem Wasser in Deutschland<br />

sorgen 2300 schwimmende Module für 750 kW Sonnenstrom.<br />

Vorzeigeprojekt voll<br />

sonniger Energie<br />

Anfang Juli war es so weit: Das wassergestützte Solarkraftwerk auf dem<br />

Baggersee einer Kiesgewinnungsstätte auf dem Baggersee Maiwald in<br />

Renchen wurde feierlich seiner Bestimmung übergeben. Dazu konnte<br />

Unternehmer Armin Ossola nicht nur weit über hundert Gäste auf seinem<br />

Betriebsgelände begrüßen, sondern auch den baden-württembergischen<br />

Umweltminister Franz Untersteller.<br />

Vorzeigeprojekt und eventuell auch<br />

Blaupause ähnlicher Investitionen. Umweltminister<br />

Franz Untersteller zeigte<br />

sich beeindruckt und zeichnete das vorbildlich<br />

vorangehende Unternehmen<br />

aus, indem er Armin Ossola mit der Plakette<br />

„Ort voller Energie“ so etwas wie<br />

einen Energiewende-Oscar überreichte.<br />

Nicht jede Fläche eignet sich für die<br />

Solar-Energieerzeugung. Hinzu kommt,<br />

dass Flächen für verschiedenste Nutzungen<br />

hoch im Kurs stehen. Gut beraten<br />

ist, wer solche nutzt, die anderweitigen<br />

Begehrlichkeiten nicht<br />

ausgesetzt sind, also Dächer, Industriebrachen,<br />

landwirtschaftlich wertlose<br />

Flächen – oder aber als weitere Flächenkategorie<br />

den Wasserspiegel aktiver<br />

Baggerseen. Auf dem Wasser<br />

schwimmende Solarmodule sind dort<br />

möglich. Eine ganze Reihe von Gründen<br />

spricht für eine solche Nutzungsform.<br />

Einer ist zum Beispiel, dass noch<br />

aktive Baggerseen aus Sicherheitsgründen<br />

kaum öffentlich nutzbar sind.<br />

Mit neuen Technologien bietet es sich<br />

somit an, auf diesen Flächen schwimmende<br />

Fotovoltaikanlagen zu errichten<br />

und damit eine gewisse Autarkie der<br />

Stromnutznießer zu erzielen.<br />

Kiesunternehmer Armin Ossola, IS-<br />

TE-Mitglied und auch als Beirat in der<br />

Initiative KIWI – Kieswirtschaft im Dialog<br />

am Oberrhein engagiert, war stolz darauf,<br />

seinen zahlreichen Gästen die besondere<br />

Solaranlage vorzustellen. Für<br />

alle war das schwimmende Kraftwerk in<br />

diesen Dimensionen in Deutschland neu.<br />

„Derartige Anlagen gibt es bereits in<br />

Großbritannien, Frankreich, Japan und<br />

China, aber hier sind wir die Ersten“, erläuterte<br />

Ossola sein deutsches Vorreiterprojekt.<br />

Die Anlage wird von seinem<br />

Unternehmen, der Ossola GmbH, betrieben.<br />

Errichtet wurde das Solarkraftwerk<br />

von der Erdgas Südwest als Generalunternehmer.<br />

Es soll 800.000 kWh Strom<br />

pro Jahr erzeugen und klimaneutral bis<br />

zu 70 % der im Kieswerk benötigten<br />

elektrischen Energie liefern. Für die rund<br />

150 am Oberrhein in Betrieb befindlichen<br />

Baggerseen gilt die Anlage eindeutig als<br />

Lohnender Einsatz<br />

Rund 1 Mio. Euro hat Unternehmer Ossola<br />

in diese nur 2 % der Seeoberfläche<br />

abdeckende Solarstromanlage inves-<br />

EINGEBUNDEN: KIWI und ISTE (HGF Thomas<br />

Beißwenger, r.) sind stolz auf das Projekt<br />

ihres Mitglieds Ossola, das dieser zusammen<br />

mit der Erdgas Südwest umsetzte,<br />

und machen dies in Grußworten deutlich.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


PRAXIS<br />

39<br />

tiert. Das Ganze übrigens ohne Inanspruchnahme<br />

öffentlicher Förderungen.<br />

„Diese PV-Anlage rechnet sich wirtschaftlich,<br />

weil sie einen Großteil der<br />

vom Kieswerk benötigten 1,2 bis 1,5<br />

Mio. kWh Energie pro Jahr liefern wird.<br />

Damit sind wir fast autark und vor allem<br />

beispielhaft klimafreundlich!“ Insbesondere<br />

Großgeräte wie Bagger, Brecher<br />

und Förderbänder verbrauchten<br />

viel Strom. Fotovoltaik sei dabei die<br />

ideale Energiequelle, denn die sonnenreichen<br />

Monate seien gleichzeitig diejenigen,<br />

in denen am meisten Kies gewonnen<br />

werde.<br />

Den Vorbildcharakter des schwimmenden<br />

Kraftwerks lobte auch der Umweltminister<br />

in seiner Rede: „Sie sind die<br />

Ersten mit solch einer großen Anlage,<br />

aber sie werden nicht lange die Einzigen<br />

bleiben. Und das ist gut so!“ Dabei<br />

dachte er wohl an Ossolas zahlreiche<br />

Unternehmerkollegen, die zur Einweihung<br />

erschienen waren.<br />

Einen Pferdefuß gibt es allerdings, um<br />

bei größeren Werken komplett energieautonom<br />

werden zu können: Er macht<br />

sich an der gesetzlich vorgeschriebenen<br />

Höchstgrenze von 750 kW Leistung bei<br />

Fotovoltaikanlagen fest, bevor diese international<br />

ausgeschrieben werden<br />

müssen. Ein Umstand, den Untersteller<br />

kritisierte. Durch diese Begrenzung bleibe<br />

ein erhebliches Potenzial möglicher<br />

Großanlagen ungenutzt. Dabei könnten<br />

Anlagen wie diese wesentlich zum Gelingen<br />

der Energiewende beitragen. Derart<br />

motiviert, kündigte Untersteller ein<br />

Schreiben an den Bundeswirtschaftsminister<br />

an, mit der Aufforderung, diese<br />

Regelung zu überdenken.<br />

Peter Röhm, Präsident des Industrieverbandes<br />

Steine und Erden Baden-<br />

Württemberg, ISTE, zitierte ein Motto<br />

des Ministerpräsidenten Kretschmann:<br />

„Mit grünen Ideen schwarze Zahlen<br />

schreiben!“ Dies sei hier in vorbildlicher<br />

Weise gelungen. Solaranlagen an Rohstoffgewinnungsstätten<br />

seien nicht neu<br />

und viele ISTE-Mitglieder trügen auf<br />

diese Weise bereits zu Energiewende<br />

und Klimaschutz bei. Die Ossola-Anlage<br />

jedoch sorge nochmals für eine neue<br />

Qualität, weil sie zudem Flächennutzungskonflikte,<br />

etwa mit der Landwirtschaft,<br />

vermeide. Sie zeige, dass klimafreundliche<br />

Rohstoffgewinnung<br />

möglich ist. In diesem Kontext spiele<br />

auch die dezentrale Verteilung der Gewinnungsstätten<br />

über das Land eine<br />

PROFITEUR: Ein elektrischer Schwimmgreiferbagger<br />

braucht enorm viel Strom, wenn er aus<br />

80 m Tiefe 30 t Kies pro Greiferladung an die<br />

Oberfläche fördert. Diesen Strom liefert nun<br />

die Sonne frei Haus.<br />

Alles aus einer Hand...<br />

Hülskens 37<br />

WORLD DREDGERS<br />

Tel. +31 314 66 79 08 Fax. +31 314 66 78 08<br />

info@world-dredgers.nl<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


40<br />

PRAXIS<br />

UND ACTION: Zusammen mit Umweltminister Franz Untersteller<br />

(5. v. l.), Peter Röhm (2. v. l.) und weiteren Spitzenakteuren<br />

des Projektes nimmt Armin Ossola (l.) die<br />

neue schwimmende Fotovoltaikanlage offiziell in Betrieb.<br />

JUNGE NACHBARN: Auch Schülerinnen und Schüler<br />

der Renchener Grimmelshausenschule waren zur<br />

Eröffnung eingeladen und lernten nebenbei die<br />

Bedeutung der Kiesgewinnung kennen. Fotos: asp<br />

PLAKETTE: Armin Ossola erhielt<br />

vom Umweltminister für sein<br />

schwimmendes Kraftwerk die Anerkennung<br />

als „Ort voller Energie“.<br />

wichtige Rolle, denn sie vermeidet<br />

lange Transportwege und daraus resultierende<br />

Emissionen.<br />

Ralf Biehl, Geschäftsführer von Erdgas<br />

Südwest, lobte ebenfalls, dass im<br />

Gegensatz zu Freiflächenanlagen Installationen<br />

auf einem aktiven Baggersee<br />

mit keiner anderen Nutzung konkurrieren.<br />

Durch die Kühlung des Wassers sei<br />

im Vergleich zu Freiflächen- oder Dachanlagen<br />

sogar ein Mehrertrag von rund<br />

10 % zu erwarten. Sein Unternehmen<br />

sehe in solchen PV-Anlagen in Verbindung<br />

mit neuen Speichertechnologien<br />

ein enormes Potenzial.<br />

Armin Ossola rechnet damit, dass<br />

sich seine PV-Anlage in etwa sieben Jahren<br />

amortisiert haben wird. Strom, den<br />

er in seinem Werk nicht selber nutzen<br />

kann, wird ins öffentliche Netz eingespeist.<br />

Sobald Großspeicher verlässlich<br />

zur Verfügung stehen, will er die Anlage<br />

durch solche komplettieren, um sein Ziel<br />

– ein autarkes und vollständig klimaneutrales<br />

Kieswerk zu betreiben – restlos<br />

umzusetzen.<br />

Braucht es noch mehr Gründe, um<br />

solche oder ähnliche Projekte auf Baggerseen<br />

zu prüfen und zu erwägen?<br />

Wen’s interessiert: Die Erdgas Südwest<br />

hat sieben davon auf ihrer Internetseite<br />

veröffentlicht.<br />

www.ossola.de<br />

www.erdgas-suedwest.de<br />

www.iste.de<br />

MRS Greifer GmbH<br />

Talweg 15-17 – D-74921 Helmstadt<br />

Tel. +49 (0) 7263 - 912 90<br />

Fax +49 (0) 7263 - 912 912<br />

info@mrs-greifer.de<br />

www.mrs-greifer.de<br />

<br />

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langlebigindividuell<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


PRAXIS<br />

41<br />

AN DIE KANONEN!<br />

Leiseste Staubbindemaschine im neuen Design<br />

Unternehmen, die mit dem Problem starker<br />

Staubentwicklung zu kämpfen haben,<br />

sind stets auf der Suche nach Lösungen.<br />

Nicht nur sind Verursacher gesetzlich verpflichtet,<br />

ihre Staubemissionen mit geeigneten<br />

Maßnahmen zu reduzieren, auch<br />

das gute Verhältnis etwa zu Anwohnern,<br />

Auftraggebern und Behörden ist ein<br />

wichtiger Aspekt, um Staub so zuverlässig<br />

zu unterbinden, wie es nur möglich ist.<br />

Der Einsatz von Staubbindemaschinen<br />

hat im Zuge dessen zu einem neuen Höhenflug<br />

angesetzt.<br />

Unter anderem kennt sich die Nebolex<br />

Umwelttechnik in den Bereichen<br />

stationärer und mobiler Staubbindung<br />

perfekt aus und hat für die vielfältigsten<br />

Anwendungen Staubbindemaschinen<br />

mit unterschiedlichen Wurfweiten zum<br />

Testen, Mieten oder Erwerb im Programm.<br />

Aus der Modellreihe der Nebelkanonen<br />

sticht jetzt die V12S besonders hervor,<br />

denn das Modell wurde neu designt<br />

und technisch optimiert. Dabei wurden<br />

alle aus dem Vorgängermodell bekannten<br />

Funktionen beibehalten, allerdings<br />

um eine schnellere Drehung sowie einen<br />

größeren Neigungswinkel erweitert.<br />

Zudem wurden die Startzeit reduziert<br />

und die Schwenkgeschwindigkeit erhöht.<br />

Durch die ausgereifte Ventiltechnologie<br />

kann die Wassermenge in drei<br />

verschiedenen Wasserverbrauchsgeschwindigkeiten<br />

per Fernbedienung gesteuert<br />

werden. Der Wasserdurchfluss<br />

beträgt 16 bis 100 l / min.<br />

Die speziell entwickelte Turbine ist<br />

mit einer Geräuschemission von nur 60<br />

dB (A) im Umkreis von 20 m besonders<br />

leise. Sie arbeitet mit zwei Geschwindigkeitsstufen,<br />

sodass es möglich ist, feinen<br />

Wassernebel zwischen 25 bis 65 m<br />

zu sprühen. Der patentierte Düsenkopf<br />

ist axial in die Turbine eingebaut und<br />

erreicht eine deutlich höhere Wurfweite<br />

als vergleichbare Düsenkonfigurationen.<br />

Auch ist der zielgerichtete Nebelstrahl<br />

weniger windanfällig.<br />

Je nach Einsatzgebiet haben die verschiedenen<br />

Modelle, angefangen von<br />

der V7 über die V12S bis zur V22 ihre<br />

speziellen Vorteile. Konkrete Empfehlungen<br />

für den jeweiligen Einsatzfall gehören<br />

ebenso wie zuverlässiger Service<br />

im Bedarfsfall selbstverständlich zum<br />

Beratungsangebot des Herstellers.<br />

www.nebolex.de<br />

OPTIMIERT: Die Staubbindemaschine V12S<br />

versorgt mit ihrer Wurfweite bis 65 m eine<br />

Fläche von bis zu 8000 m². Flexibilität garantieren<br />

dabei ein Schwenkwinkel bis 350°<br />

und Neigungswinkel von -18° bis +40°. Der<br />

axial eingebaute Düsenkopf ist ein zentrales<br />

Element der Leistungsstärke. Unter https://<br />

www.youtube.com/user/NEBOLEX1 finden<br />

Interessenten Einsatzbeispiele im Bewegtbildmodus.<br />

Foto: Nebolex<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


42<br />

PRAXIS<br />

HINGUCKER: Schon beeindruckend, nicht nur<br />

wegen der Farbgebung, sondern vor allem wegen<br />

der „inneren Werte“! Gipo / Thomas Einberger, argum<br />

Maximal glückliche<br />

Beziehung<br />

Mit dem raupenmobilen Prallbrecher Giporec R 131 PB-RR Giga DA hat das<br />

in der Vulkaneifel ansässige Unternehmen Müllerkalk die passende Lösung<br />

für steigende Kundenanforderungen und den zunehmenden Bedarf an weiteren<br />

Kalkstein- und Dolomitprodukten gefunden.<br />

durch Ton, Quarz, Dolomit und andere<br />

Bestandteile aufweisen, was eine entsprechende<br />

sorgfältige Aufbereitung<br />

notwendig macht.<br />

Schon seit 1834 werden in Üxheim-<br />

Ahütte im Herzen der Vulkaneifel Kalksteine<br />

gebrannt – eine lange Tradition<br />

also, auf die die heutige Nikolaus Müller<br />

Kalkwerk-Natursteinwerke GmbH & Co.<br />

KG mit Stolz zurückblicken kann. Unter<br />

dem Begriff Müllerkalk ist das Unternehmen<br />

weit über die Region hinaus bekannt.<br />

Sebastian Kneppel, technischer<br />

Betriebsleiter des Unternehmens, kennt<br />

sich natürlich bestens aus mit seinen<br />

Rohstoffen Kalkstein und Dolomit wie<br />

auch mit dem Unternehmens-Standort:<br />

„Die Gewinnungsflächen für unsere gebrannten<br />

und ungebrannten Kalke sowie<br />

die ungebrannten Dolomitprodukte befinden<br />

sich alle mitten in der Hillesheimer<br />

Kalkmulde. Diese liegt zusammen mit<br />

anderen Kalkmulden in einer Absenkungszone,<br />

die als Kalkeifel bezeichnet<br />

wird. Das Besondere dabei ist, dass sich<br />

hier aufgrund der tieferen Lage die jüngeren<br />

Gesteine des Mittel- und Oberdevon<br />

noch erhalten konnten, während sie<br />

in den umgebenden, höher liegenden<br />

Teilen der Eifel abgetragen wurden. Die<br />

zwischen 20 und 100 m mächtigen Kalkund<br />

Mergelsteinablagerungen stammen<br />

von riffbildenden Korallen und verschiedenen<br />

kalkhaltigen Meerespflanzen.“<br />

Kalkstein und Dolomit gehören zu den<br />

Karbonatgesteinen. Ihr Calciumkarbonatgehalt<br />

ist unterschiedlich und variiert<br />

in den einzelnen Steinbrüchen. Hinzu<br />

kommt, dass praktisch alle Kalksteine<br />

unterschiedlich hohe Verunreinigungen<br />

Äußerst vielseitig, dieser Rohstoff<br />

Bei Müllerkalk ist die Produktspanne<br />

entsprechend groß. Sie umfasst gebrannte<br />

und ungebrannte Produkte, Futter-<br />

und Düngekalk sowie Splitte und<br />

Schotter wie auch Bruchsteine für den<br />

Garten- und Landschaftsbau.<br />

Die Produktbreite benötigt eine entsprechend<br />

ausgefeilte Aufbereitung. Sie<br />

umfasst nach der Gewinnung das Brechen<br />

der Rohstoffe in einem stationären<br />

Brecher, das Klassieren der ungebrannten<br />

Produkte und die Weiterverarbeitung<br />

als Stückkalk über den Mehrkammerschachtofen<br />

bis hin zum erneuten Brechen,<br />

Mahlen oder Sichten des Stückkalks.<br />

Ganz schön aufwendig, und in<br />

gewisser Weise auch „vorgegeben“, wie<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


REINIGUNG: Mit der Rollenrost-Vorabsiebung<br />

wird eine optimale Abscheidung feuchter,<br />

klebriger Feinanteile im Kalkstein erreicht.<br />

ABGESTIMMT: Die robuste Stahlplattenband-<br />

Aufgabe wurde bewusst gewählt. Sie arbeitet<br />

der Rollenrost-Vorabsiebung direkt zu.<br />

Sebastian Kneppel es formuliert. Und<br />

genau an dieser Stelle kommt Gipo ins<br />

Spiel: „Im gleichen Maße wie die Ansprüche<br />

unserer Kunden an unsere Produkte<br />

zugenommen haben, sind auch<br />

unsere Ansprüche an unsere Produktion<br />

wie auch an die Produktvielfalt gestiegen.<br />

Kurz, es war uns klar, dass wir noch<br />

flexibler und zielgerichteter agieren müssen,<br />

um besser auf die Kundenwünsche<br />

eingehen zu können. Dies konnte im bestehenden<br />

Aufbereitungsprozess nur<br />

über eine mobile Anlage möglich werden,<br />

die uns neben dem stationären Brecher<br />

parallel mehr Produktionsmöglichkeiten<br />

verschafft.“<br />

Ein mobiler Brecher musste also her,<br />

der im Sinne eines Vorbrechers direkt<br />

vor Ort den zum Teil mit bindigen Beimengungen<br />

versetzten Kalkstein so aufbereitet,<br />

dass er entweder im weiteren<br />

Verarbeitungsprozess oder auch separat<br />

als hochwertiges Schotterprodukt genutzt<br />

werden kann. „Es war eine komplette<br />

Neuanschaffung, um die es hier<br />

ging. Daher haben wir uns bewusst Zeit<br />

gelassen, sind aber bei unserer Recherche<br />

schnell auf Gipo gestoßen, und das<br />

war ein wirklicher Glücksfall!“<br />

Zusammen mit Jesse Gasser von Gipo<br />

wurde ein Konzept entwickelt, wie die<br />

Maschine ausgerüstet sein sollte, um die<br />

Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen.<br />

Für Sebastian Kneppel „eine tolle Erfahrung,<br />

auch mit der sehr offenen Kommunikation<br />

und einer intensiven Beratung,<br />

die uns zum Beispiel davon abgehalten<br />

hat, eine kleinere und damit wahrscheinlich<br />

auch schnell überforderte Anlage<br />

anzuschaffen“. Der fachliche Austausch<br />

war ein sehr wichtiges Element in einem<br />

Entscheidungsprozess, der rund zwei<br />

Jahre benötigte, um mit der Giporec R<br />

131 PB-RR Giga DA die genau passende<br />

Maschine auszuwählen.<br />

Auslegung und Optik überzeugen<br />

FLEXIBEL: Das Förderband zur Überkornrückführung<br />

ist hydraulisch schwenkbar und kann<br />

auch zur Haldenaufschüttung genutzt werden<br />

Das „Ferrari-Rot macht schon was her“,<br />

merkt Jesse Gasser mit Blick auf die Giporec<br />

R 131 PB-RR Giga DA schmunzelnd<br />

an, zudem unterstreicht die Farbe<br />

auch in seinem Sinne die Wertigkeit des<br />

Brechers. Dessen wesentliche Ausstattungsmerkmale<br />

sind die bewährte und<br />

leistungsstarke Gipo-Prallmühle P 131<br />

mit einem Prallmühlen-Einlauf von 1270<br />

auf 920 mm und einem Rotordurchmesser<br />

von 1200 mm, die robuste Stahlplattenband-Aufgabe,<br />

die Rollenrost-Vorabsiebung,<br />

der Brecheraustrag mit der<br />

bewährten Austragsrinne, das 1400 mm<br />

breite Brecheraustragsband, die Zwei-<br />

Deck-Siebmaschine mit einer Siebfläche<br />

von 1500 auf 5000 mm, die integrierte<br />

Überkornrückführung sowie der neue<br />

und innovative Brecher-Direktantrieb.<br />

Das robuste Stahlplattenband ist die<br />

richtige Wahl für die Materialaufgabe<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


44<br />

PRAXIS<br />

und mit der speziell für diesen Fall integrierten<br />

Rollenrost-Vorabsiebung wird<br />

eine optimale Abscheidung des feuchten,<br />

klebrigen und verunreinigten Kalksteins<br />

erreicht. Die besondere Form der<br />

Rollen erzeugt eine Wellenbewegung<br />

des Materials, die das Abscheiden erleichtert<br />

und Verstopfungen verhindert.<br />

Während des Klassierungsvorgangs ergibt<br />

sich zusätzlich eine optimale Materialführung,<br />

was auch die Übergabe zur<br />

Prallmühle hin wesentlich erleichtert.<br />

Das breite Brecheraustragsband verhindert<br />

Materialstauungen unter dem Rotor<br />

und an den Übergabestellen. Das gebrochene<br />

Material wird von der Zwei-Deck-<br />

Siebmaschine klassiert. Dabei kann das<br />

Überkorn wahlweise seitlich ausgetragen<br />

oder zum Rollenrost zurückgeführt<br />

werden. Das Förderband zur Überkornrückführung<br />

ist als Haldenband auf einer<br />

stabilen Drehkonsole 180 Grad hydraulisch<br />

schwenkbar und kann damit auch<br />

zur Haldenaufschüttung genutzt werden.<br />

Mit dem angeflanschten Revox-<br />

Getriebe wird der Brecher direkt und<br />

verlustarm angetrieben. Der neue Antrieb<br />

überzeugt durch einen sehr niedrigen<br />

Kraftstoffverbrauch. Die neue Hydrauliklösung<br />

sorgt ebenfalls für einen<br />

verbrauchsoptimierten Antrieb von Rinnen,<br />

Sieben und Förderbändern.<br />

Das einfache An- und Abkuppeln der<br />

Siebeinheit an die Brechanlage erfolgt<br />

mit Hilfe eines Hydraulikzylinders ohne<br />

fremdes Hebegerät. Dank der guten<br />

Zugänglichkeit ist ein einfaches und<br />

schnelles Wechseln der Siebbeläge<br />

möglich. Das bekannte Gipo-Materialflusskonzept<br />

vermeidet eine Verengung<br />

des Materialstroms, die Systembreiten<br />

der Förderelemente „öffnen“ sich dazu<br />

in Materialflussrichtung. Motorseitig ist<br />

ein moderner Cat-Dieselmotor C13<br />

Acert mit 354 kW und Partikelfiltersystem<br />

entsprechend den neusten Abgasnormen<br />

eingebaut.<br />

Sebastian Kneppel ist wie seine Kollegen<br />

von der neuen Gipo mehr als begeistert:<br />

„Sie hat alle Erwartungen<br />

übertroffen. Bei einem Einsatzgewicht<br />

von rund 90 t hat sie eine Aufgabekapazität<br />

von bis zu 400 t/h, und das<br />

macht sie total souverän. Jetzt kümmern<br />

wir uns noch um das passende<br />

Aufgabegerät und die Fortbildung unseres<br />

Personals, dann ist das Ganze<br />

absolut perfekt.“ <br />

(hst)<br />

www.gipo.ch<br />

DOPPELWELLEN WEITERGEDACHT<br />

Mischer für herausfordernde Einsätze<br />

und sogar für Reinigungsaufgaben<br />

Combimix-Mischer zeichnen sich durch<br />

hohe Durchsatzkapazitäten bei zugleich<br />

kurzer Mischzeit für eine hohe Produkthomogenität<br />

aus. Auch in der Gesteinsaufbereitung<br />

sind sie zu Hause, um beispielsweise<br />

Lehm und Gestein trocken zu<br />

trennen. In der kanadischen Provinz Saskatchewan<br />

überzeugt der Combimix<br />

DKXC 7300 beim K+S-Kaliwerk Bethune<br />

und beweist damit seine Vielseitigkeit.<br />

Die Basis des Combimix ist der weltbekannte<br />

BHS-Doppelwellenmischer,<br />

der sich durch Qualität, Zuverlässigkeit<br />

und dauerhaft gute Mischresultate auszeichnet.<br />

Konzeptionell machen speziell<br />

entwickelte Bottom-flow-Ausläufe (einer<br />

für den fortlaufenden Betrieb und einer<br />

für Notfälle), ein optimiertes System zum<br />

Einbringen von Flüssigkeiten sowie eine<br />

Füllhöhenregulierung den Combimix flexibel.<br />

Seine besonderen Eigenschaften<br />

und Vorteile im Einsatz verdankt er der<br />

innovativen Verschmelzung von Chargen-<br />

und Durchlaufsystem. Durch die<br />

individuelle Steuerung kann Homogenität,<br />

und damit höchste Qualität, in einer<br />

vorgegebenen Zeit und mit minimalem<br />

Wartungsaufwand erreicht werden.<br />

Im Kaliwerk Bethune werden Kaliund<br />

Steinsalze, bevor sie das Werk verlassen,<br />

durch den Combimix-Typ DKXC<br />

7300 entstaubt und mit farbigen Ölen<br />

eingefärbt. Mit einem Durchsatz von 550<br />

t/h, kurzer Mischdauer, maximaler Homogenität,<br />

keinerlei Klumpenbildung<br />

sowie der einfachen Reinigungsmöglichkeit<br />

erweist er sich als eine perfekte<br />

Wahl. Da Duktilität und Klebrigkeit der<br />

feuchten Salze zu einem relativ hohen<br />

Drehwiderstand im Mischer führen, erweist<br />

sich das dreidimensionale Combimix-Mischprinzip<br />

als großes Plus, um<br />

derart anspruchsvolles, stark klebriges<br />

Material in kürzester Zeit intensiv zu<br />

durchmischen. Schon erste Versuche<br />

mit dem Mischer zeigten, dass er sich<br />

für diese Aufgabe eignet und optimale<br />

Resultate mit perfekter Homogenität<br />

nach nur kurzer Mischzeit erzielt.<br />

Andre Däschlein, Sales Director für<br />

Misch- & Zerkleinerungstechnik bei BHS-<br />

Sonthofen, ist von der Vielseitigkeit des<br />

Mischers überzeugt: „Wissen und Erfahrung<br />

unserer Fachleute in Kombination<br />

mit den Individualisierungsmöglichkeiten<br />

unserer Mischer schaffen zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten<br />

mit optimiertem<br />

Kundennutzen. Am Ende steht immer ein<br />

hochwertiges Produkt. Wirtschaftlichkeit<br />

und maximale Ressourceneffizienz<br />

gehen bei uns Hand in Hand.“ Auch in der<br />

Gesteinsaufbereitung ist der Combimix<br />

schon zahlreich vertreten, und zwar als<br />

Helfer in Sachen Ressourceneffizienz in<br />

Steinbrüchen und Kieswerken. Dank seines<br />

Einsatzes lassen sich nämlich auch<br />

ungünstige, mit hohen Lehmanteilen vermengte<br />

Rohstoffe hochwertig aufbereiten.<br />

Im Gegensatz zu konventionellen<br />

Herangehensweisen wie der Wäsche hat<br />

BHS ein trockenes Reinigungsverfahren<br />

entwickelt: Dazu wird das aufgegebene<br />

Material mit Branntkalk versetzt und<br />

durchmischt, um anschließend Grobund<br />

Feinanteile sauber separieren zu<br />

können – ganz ohne den Einsatz von<br />

Waschwasser und somit nochmals ressourcen-<br />

und umweltschonend.<br />

www.bhs-sonthofen.de<br />

SPEZIELLE MISCHER für anspruchsvolle Aufgaben: Zwei BHS-Combimix<br />

mit jeweils 65 kW Antriebsleistung sind im Kaliwerk Bethune zur vollen<br />

Betreiberzufriedenheit im Einsatz. Foto: BHS-Sonthofen<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


Armed to the teeth.<br />

Our CSD range comprises a robust, no-nonsense fusion of efficiency, output<br />

and maximal uptime, suited to operations anywhere in the world. Our dredgers<br />

don’t mess about, they just sink their teeth in and get the job done.<br />

DAMEN.COM


46<br />

NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

AUTARK: Der Rohr-Idreco K125R stellt ein modernes<br />

Konzept einer kombinierten Gewinnung, Teilaufbereitung<br />

und Verladung dar. Die Konzeption des Eimerkettenbaggers<br />

steht für eine flexible und selbstständig<br />

arbeitende Gewinnungseinheit.<br />

Bewährte Alternative<br />

Nicht alle Vorkommen zur Nassgewinnung von Kiesen und Sanden eignen sich für den Einsatz von Schwimmbaggern.<br />

So entstanden schon in der Vergangenheit technische Alternativen, von denen manche zwischenzeitlich<br />

jedoch aus dem Blickfeld geraten sind, heute aber wieder aufleben. Im Kiessandtagebau Otterwisch südöstlich<br />

von Leipzig betreibt die Betonwerk Bad Lausick GmbH & Co. KG (BBL) beispielsweise seit letztem Jahr einen<br />

brandneuen landgestützten Eimerkettenbagger, der ein bemerkenswertes Potenzial besitzt.<br />

Jahrzehntelange Nassgewinnung im<br />

Kieswerk Otterwisch hat bis heute bereits<br />

einen ansehnlichen Baggersee entstehen<br />

lassen. Die Mächtigkeit des Vorkommens<br />

ließ denn auch über lange Zeit<br />

den Einsatz eines konventionellen<br />

Schwimmbaggers zu. Allerdings hatten<br />

es die Sachsen vor Ort schon lange mit<br />

gewissen Tücken der Lagerstätte zu tun,<br />

erinnert sich der erfahrene Werkleiter<br />

Frank Funk. Die gesamten Ablagerungen<br />

stammen aus Perioden vergangener Eiszeiten<br />

und bestehen im Grundaufbau<br />

aus Lagen von hochwertigen Sanden<br />

und Kiesen. Als Beimengungen treten<br />

aber relevante Mengen von Geröllen auf<br />

der einen Seite und lehmige Beimengungen<br />

auf der anderen Seite des Spektrums<br />

auf. Die ursprünglich eingesetzte<br />

Schwimmbaggertechnik kam hier bei<br />

den Geröllen und dem Lehm an ihre<br />

Grenzen. Dazu fiel die Böschung der jeweiligen<br />

Abbaubereiche zunehmend<br />

nicht gut genug ein, um einen effizienten<br />

Baggerbetrieb aufrechterhalten zu können.<br />

Als dann mit zunehmendem Gewinnungsfortschritt<br />

im nördlichen Bereich<br />

der Lagerstätte auch noch die nutzbare<br />

Mächtigkeit abnahm, schien der<br />

Schwimmbaggereinsatz nach Ansicht<br />

der betreibenden BBL endgültig technologisch<br />

am Ende zu sein. So wurde entschieden,<br />

die Art der Gewinnungstechnik<br />

grundlegend zu überdenken. Die<br />

gegenwärtige Mächtigkeit des nutzbaren<br />

Rohstoffs liegt bei bis zu 14 m unter<br />

dem Wasserspiegel. Das ließ in der Gesamtbetrachtung<br />

der Gegebenheiten<br />

den Blick auf eine ganz traditionelle Abbaumethode<br />

lenken: einer Förderung<br />

mittels Eimerkettenbagger. Die Mannheimer<br />

Spezialisten der Rohr-Idreco<br />

Bagger GmbH boten als einzig angefragter<br />

Hersteller eine Lösung an, die optimal<br />

auf die spezielle Problematik ausgelegt<br />

werden konnte. Beide Unternehmen<br />

kannten sich bereits gut. Seit mehr als<br />

25 Jahren verfügte BBL schon über eine<br />

Gewinnungsanlage aus der Fertigung<br />

von Rohr. Entsprechend waren für die<br />

Mannheimer die Einsatzbedingungen in<br />

Otterwisch nicht neu.<br />

Auf die Verhältnisse abgestimmt<br />

Im Zuge der Beratung durch den technischen<br />

Leiter von Rohr-Idreco, Kay Völkner,<br />

fiel die Wahl auf einen Typ K125R.<br />

Hinter der Bezeichnung verbirgt sich ein<br />

landgestützter Eimerkettenbagger, bei<br />

dem das Fassungsvolumen der einzelnen<br />

Kübel bzw. Eimer 125 l beträgt. Die<br />

mobile Gesamtkonstruktion bewegt sich<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

47<br />

KONTERGEWICHTE auf der obersten Ebene halten die gesamte Maschine sowie den schwenkbaren Bandausleger in der Waage.<br />

Gut gesicherte Treppen und Stege ermöglichen stets eine sichere Kontrolle wichtiger Anlagenteile auch während des Betriebs.<br />

auf einem Raupenfahrwerk. Das Prinzip<br />

der kontinuierlichen Baggerung per Eimerkette<br />

wurde als Land- und Schwimmversion<br />

für die Gewinnung von Sand und<br />

Kies im Nasstagebau entwickelt. Die<br />

Baggertiefe reicht bei den Landeimerkettenbaggern<br />

bis zu 14 m. Mit einer<br />

Förderrate von 20 bis 25 Eimern pro Minute<br />

erreicht der K125R eine Kapazität<br />

von maximal 300 t/h. Das ist mehr als<br />

ausreichend für die potenzielle Weiterverarbeitung<br />

am Standort Otterwisch,<br />

die laut Frank Funk mit rund 150 bis 180<br />

t/h beziffert. Die gelieferte Anlage ist<br />

nicht nur eine autarke Gewinnungsmaschine,<br />

deren Leistungsfähigkeit auf das<br />

Kieswerk abgestimmt werden kann,<br />

sondern auch Plattform für die Aufbereitung,<br />

die man durch Auswahl der Komponenten<br />

optimal an die Lagerstätte<br />

anpassen kann. In Otterwisch sind eine<br />

Zweidecksiebmaschine und ein großer<br />

Stangenrost installiert. Die Anordnung<br />

ermöglicht neben einer Separierung der<br />

Gerölle auch die Überkornabsiebung mit<br />

nachfolgender Entwässerung. Über ein<br />

schwenkbares Förderband wird der so<br />

aufgearbeitete nutzbare Rohkies direkt<br />

auf das Transportband ins Werk geleitet<br />

oder auf Halden hinter dem Bagger gefördet.<br />

Antriebsoptionen möglich<br />

Als Gesamteinheit kommt der Eimerkettenbagger<br />

auf ein Gewicht von etwa<br />

130 t. Über seine extra breiten Ketten<br />

des Fahrwerks erzeugt er in der Ausführung<br />

für Otterwisch dennoch nur einen<br />

Bodendruck von circa 1,4 kg/cm 2 . In<br />

Kombination mit einer sorgfältig austarierten<br />

Konstruktion, bei der alle Komponenten<br />

präzise miteinander harmonieren,<br />

lässt sich die mobile Gewinnungs- und<br />

Aufbereitungsanlage – ein ebenes Planum<br />

vorausgesetzt – in nicht mehr als<br />

1,5 m Abstand vom Ufer manövrieren.<br />

Kay Völkner erklärt: „Alle Bauteile sind<br />

vorher genau auf die Einsatzbedingungen<br />

hin geplant und positioniert worden.“<br />

Im Ergebnis liegt der Schwerpunkt<br />

des K125R recht genau in der Mitte des<br />

Fahrwerks. Auf 20 cm genau konnte das<br />

in der Ausführung der Konstruktion realisiert<br />

werden, so Völkner, wobei zusätzlich<br />

zu berücksichtigen war, dass sich<br />

der Schwerpunkt während des Betriebes<br />

– also bei leerer oder mit befüllten<br />

Eimern laufender Kette – ebenso ändert<br />

wie bei unterschiedlicher Absenkung<br />

des beweglichen Förderauslegers. Um<br />

stets eine souveräne Standfestigkeit sicherzustellen,<br />

wurden Kontergewichte<br />

von 64 t aus Beton oben im Gestell verbaut.<br />

Ein weiteres Betonkontergewicht<br />

von 4 t garantiert dafür, dass sich das<br />

schwenkbare Haldenband unabhängig<br />

SCHUTZVORRICHTUNG: Ein robustes<br />

Stangensieb ist vorgeschaltet, um grobe<br />

Findlingsbrocken zu separieren.<br />

MEHR ALS EIN BAGGER: Auf der unteren Plattform sorgt ein Zweidecksieb für<br />

eine erste Klassierung sowie eine wirksame Entwässerung des Rohstoffes.<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


48 NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

ZENTRALER STEUERSTAND: Bedarfsweise ist die manuelle Bedienung<br />

aller Funktionen möglich. Alternativ steht eine komfortable Kabelfernbedienung<br />

zur Verfügung, um etwa das schwenkbare Haldenband genau<br />

über dem Förderband zu platzieren – Feinjustierung über die schwenkbare<br />

Schurre inklusive – oder zum Versetzen der Maschine.<br />

ZUFRIEDEN:<br />

Kay Völkner,<br />

technischer<br />

Leiter Rohr-Idreco<br />

(l.), und<br />

Frank Funk,<br />

Betriebsleiter<br />

Kieswerk Otterwisch,<br />

haben<br />

die Anlage<br />

zusammen in<br />

Betrieb gebracht.<br />

Den<br />

Helm haben<br />

beide nur kurz<br />

für dieses Foto<br />

abgenommen.<br />

GUTE AUSLASTUNG: Die Absenkautomatik des Auslegers sorgt im<br />

Idealfall für bis zu 25 volle Eimer pro Minute. Fotos: Wistinghausen<br />

davon bewegen kann. Durch eine intelligente<br />

Modulbauweise ließ sich der Aufbau<br />

in vier Wochen realisieren, nachdem<br />

der Bagger mit nur 13 Tiefladertransporten<br />

angeliefert war.<br />

Fit für die Zukunft<br />

Für den Antrieb des Eimerkettenbaggers<br />

gibt es zwei Optionen: den dieselelektrischen<br />

Antrieb oder den rein elektrischen<br />

Antrieb. Damit kann man den<br />

Anforderungen an die Umgebung, die<br />

vorhandenen Infrastruktur und der Beweglichkeit<br />

gerecht werden.<br />

Um mehrere Kilometer vom eigentlichen<br />

Kies- und Betonwerk entfernt autark<br />

arbeiten zu können, wählte BBL einen<br />

dieselelektrischen Antrieb. Hier arbeitet<br />

ein Volvo-6-Zylinder-Turbodiesel mit 7,2<br />

l Hubraum der eine elektrische Grundleistung<br />

von 200 kVA über den angeflanschten<br />

Generator erbringt. Die Wahl<br />

des Motors empfahl sich, weil in Otterwisch<br />

bereits auch andere Volvo-Fahrzeuge<br />

im Einsatz sind, so Frank Funk:<br />

„Da kennen unsere Leute sich schon<br />

etwas mit aus.“ Rohr-Idreco verbaut aber<br />

nach Wunsch auch andere Motorfabrikate<br />

wie die von Liebherr oder Caterpillar,<br />

ebenso sind voll elektrische Antriebe<br />

möglich. Der Baggerbetrieb an sich ist<br />

teilautomatisiert. Eine sogenannte Senkautomatik<br />

führt den Eimerkettenarm<br />

stets so an die Böschung unter Wasser,<br />

dass die über Ampere-Stromaufnahme<br />

gesteuerte Anlage volle Eimer registriert.<br />

Der Maschinist – in Otterwisch ist das die<br />

Aufgabe von York Zimmerling – überwacht<br />

die Funktionen und stellt die Parameter<br />

jeweils ein. Über eine Kabeloder<br />

Funkfernbedienung wird das<br />

„Fahrzeug“ – denn auch das ist der landgestützte,<br />

kettenmobile Eimerkettenbagger<br />

Rohr-Idreco K125R – entlang der<br />

Gewinnungsstrecke am Ufer bewegt.<br />

Dabei soll die Maschine beileibe keine<br />

Übergangslösung sein. Noch für mindestens<br />

20 Jahre verfügt BBL am Standort<br />

Otterwisch über abbauwürdige Kiesvorkommen,<br />

wie Explorationen ergeben<br />

haben. Und solange ist der Einsatz<br />

des Eimerkettenbaggers denn auch<br />

vorgesehen. (bwi)<br />

www.rohr-idreco.com<br />

www.betonwerk-bbl.de<br />

THINK BIGGER – THINK STICHWEH<br />

Weltweit erfolgreich im Einsatz: STICHWEH-Lösungen zur Veredelung von Sand und Kies.<br />

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NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

49<br />

JET-SAUGBAGGER Draga sind für den Versand in<br />

Containern konzipiert und lassen sich dank ihrer<br />

Modulbauweise auf unterschiedliche Einsatzfälle<br />

hin optimieren. Fotos: Rohr-Idreco<br />

NEUHEITEN<br />

Nassgewinnung mit noch mehr Flexibilität<br />

Die Draga-Serie der Jet-Saubagger von<br />

Rohr-Idreco repräsentiert ein standardisiertes<br />

Sortiment mit einer Baggertiefe<br />

von bis zu 55 m. Geringe Investitionskosten<br />

bei kurzen Lieferzeiten dank des modularen<br />

Aufbaus zeichnen die Serie aus.<br />

Diese Jet-Saugbagger sind für den Versand<br />

in Containern konzipiert, um einen<br />

kostengünstigen weltweiten Transport<br />

und die Anlieferung an abgelegene Orte<br />

mit oft eingeschränkter Erreichbarkeit zu<br />

ermöglichen. Das Umsetzen an einen anderen<br />

Standort wird durch das iPlug-and-<br />

Dredge-Konzept erleichtert. Eine individuelle<br />

Ausstattung ist durch umfangreiche<br />

Auswahlmöglichkeiten gegeben, die<br />

neben einem firmeneigenen-iPump-Typ<br />

auch verschiedene Automatisierungsebenen<br />

und vieles mehr umfassen.<br />

Eine neue Komponente im Standardsortiment<br />

ist die Grafa-Serie, eine voll<br />

elektrisch angetriebene Tauchbaggerpumpe<br />

mit einer Gemischkapazität von<br />

1000 bis zu 2200 m³/h, die an verschiedene<br />

Träger mit Baggertiefen bis zu 50 m<br />

angeschlossen werden kann, wie einen<br />

hydraulischen Bagger oder eine Schute<br />

mit Kranaufbau. Die Pumpe ist in den zwei<br />

Größen Grafa 250 und 300 erhältlich, was<br />

dem Rohr-Idreco-iPump-Saugdurchmessern<br />

von 250 mm oder 300 mm entspricht.<br />

Letztlich handelt es sich um genau dieselben<br />

spezialisierten Pumpen, die auch in<br />

Draga-Baggern eingesetzt werden.<br />

Schwimmgreiferanlagen von Rohr-<br />

Idreco sind für die Gewinnungsarbeit<br />

zwischen 10 und 180 m unter Wasser<br />

ausgelegt. Für die unmittelbare Verarbeitung<br />

an Bord stehen verschiedene<br />

Möglichkeiten wie Doppel- oder Einzeldecksiebmaschinen,<br />

Brecher, Feinsandrückgewinnung<br />

kombiniert mit Förderbändern<br />

oder hydraulischem Transport<br />

über Pipeline zur Auswahl. Zwei Typen<br />

der hauseigenen hydraulischen Motorgreifer<br />

mit 3 und 4 m³ runden das Paket<br />

ab. Wie bei den zuvor beschriebenen<br />

Einheiten hat der Hersteller ganz<br />

bewusst eine solche vereinfachte<br />

PUMPEN der Grafa-Serie sind nicht nur ideal<br />

für Draga-Saugbagger, sondern stehen in<br />

Spezialauslegung auch als Tauchbaggerpumpe<br />

für verschiedene Träger zur Verfügung.<br />

Schwimmgreiferanlage entwickelt. Dieser<br />

Typ Griffa ist für Kapazitäten von<br />

150 bis 200 t/h aus Baggertiefen bis 50<br />

m optimiert. Solide gebaut, rundet der<br />

Griffa das Portfolio sinnvoll ab und bietet<br />

mit geringen Dimensionen und geringerem<br />

Gewicht eine in Anschaffung,<br />

Transport, Montage und Betrieb kostengünstige<br />

und dennoch qualitativ<br />

hochwertige Alternative. Sowohl der<br />

Grafa-Jet-Saugbagger als auch der<br />

Griffa-Schwimmgreifer wurden auf der<br />

bauma kürzlich neu vorgestellt.<br />

www.rohr-idreco.com<br />

BEDARFSGERECHT: Die Schwimmgreiferanlagen<br />

der Marke wurden um den Typ Griffa ergänzt. Er<br />

adressiert Anwender mit kleineren Vorkommen und<br />

wird sich bei Nachauskiesungen bewähren.<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


50<br />

NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

Visualisierung unter Wasser<br />

DURCHBLICK: Die Daten werden dem Baggerführer<br />

auf einem Touchscreen-Monitor in zwei Bildebenen<br />

dargestellt. Ebenso kann die Windensteuerung der<br />

Verholautomatik in der Software der SPE-Abbaukontrollanlage<br />

angezeigt werden. Grafiken/Screenshots: SPE<br />

In jüngster Zeit ist eine rasante Entwicklung im Umfeld der Abbaukontrolle zu beobachten. Was ursprünglich<br />

mit der Erfassung von Betriebsdaten begann, reicht inzwischen bis hin zur (Teil-)Automatisierung des<br />

Gewinnungsbetriebes. Durch Vernetzung und Selbststeuerung zeichnet sich eine weiter zunehmende<br />

Digitalisierung mit dem Ziel der Vollautomatisierung bei der Nassgewinnung von Sand und Kies ab.<br />

Der Einsatz von Abbaukontrollanlagen<br />

bei der Nassgewinnung von Sand und<br />

Kies erlaubt eine Visualisierung der Vorgänge<br />

unter Wasser, ermöglicht damit<br />

eine Minimierung der söhligen Gewinnungsverluste<br />

und kann bei fachgerechtem<br />

Einsatz durch eine Minimierung des<br />

Schadenspotenzials im Zuge der Böschungsbaggerung<br />

zur Betriebssicherheit<br />

beitragen.<br />

Nach Tendenzen der Marktbereinigung<br />

in den vergangenen Jahren ist nunmehr<br />

eine übersichtliche Anzahl von<br />

leistungsfähigen Anbietern für moderne<br />

Anlagen zur Abbaukontrolle verblieben,<br />

darunter auch die SPE GmbH & Co. KG,<br />

deren Abbaukontrollanlage SPE, Typ<br />

Marpo_DGPS, durch einen passgenauen<br />

Funktionsumfang gekennzeichnet ist.<br />

Schritt für Schritt zur<br />

sicheren Nassgewinnung<br />

Konfiguration des digitalen Geländemodells:<br />

Vor der Installation werden Daten<br />

der Lagerstättenerkundung, Auflagen<br />

gemäß Planfeststellung zu Abbaugrenzen,<br />

Sollböschungsneigungen und gegebenenfalls<br />

zu Bauverbotszonen etc.<br />

sowie die Konstruktionsgeometrie des<br />

Schwimmbaggers in den Bordrechner<br />

eingegeben.<br />

Positionierung des Baggers: Die Position<br />

des Baggers wird über Satellitendaten<br />

bestimmt. Die Positionsdaten<br />

werden via Kabel oder Funk auf den<br />

Bordrechner übertragen und dort verarbeitet.<br />

Die Lage der Gewässersohle<br />

wird z. B. mit einem Echolot gemessen.<br />

Positionierung des Lösewerkzeuges:<br />

Die Tiefe des Lösewerkzeuges wird mittels<br />

Druckmessdose/Winkelmesser bestimmt<br />

oder direkt von der Steuerung<br />

(SPS) übertragen. Die Lage des Werkzeuges<br />

wird unter Berücksichtigung der<br />

Gerätegeometrie des Baggers ebenfalls<br />

über die Positionierung ermittelt.<br />

Option für 360°-Sonar: Bei Baggerungen<br />

in größeren Tiefen kann das<br />

Baggerfeld einschließlich Böschungsbereich<br />

durch ein 360°-Sonar fortlaufend<br />

kontrolliert werden. Dabei wird die<br />

sich einstellende Böschung und zulaufendes<br />

Material während der Baggerung<br />

kontinuierlich auf dem Bildschirm<br />

angezeigt, während der Bordrechner<br />

die Messdaten verarbeitet.<br />

Eingabe des Baggerseespiegels: Änderungen<br />

des Baggerseespiegels werden<br />

manuell oder mittels Funkpegel in<br />

den Rechner eingegeben.<br />

Visualisierung der Gewinnungsarbeit:<br />

Die Daten werden dem Baggerführer<br />

auf einem Touchscreen-Monitor in<br />

zwei Bildebenen dargestellt:<br />

Bildebene I: Lageplan, Position des<br />

Baggers, Topografie der Gewässersohle,<br />

Abbaugrenzen, Böschungsfußlinie<br />

sowie Schnittlinie für Bildebene II.<br />

Bildebene II: Vertikalschnitt, Geländemodell<br />

mit Position des Lösewerkzeuges<br />

sowie Soll- und Ist-Böschung.<br />

Auswertung der Baggerdaten: Die Positions-,<br />

Zeit- und Tiefendaten der Baggerung<br />

werden fortlaufend im Bordrechner<br />

gespeichert und stehen der Betriebsleitung<br />

zur Auswertung mit der Bürosoftware<br />

zur Verfügung. Dabei können der<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

51<br />

Abbaufortschritt durch Lagepläne, Tiefenkarten<br />

und Querprofile dargestellt<br />

sowie Produktions- und Restmengenermittlungen<br />

durchgeführt werden.<br />

Mehr als nur Kontrolle<br />

Zielsetzung dieser Konzeption ist neben<br />

einer Steigerung der Produktivität bei<br />

der Nassgewinnung von Sand und Kies<br />

auch eine erhöhte Sicherheit bei gleichzeitiger<br />

Reduzierung der Personalkosten.<br />

In Ergänzung zur Abbaukontrolle<br />

tragen dazu die Erfassung von Betriebsdaten,<br />

die weitgehende Automatisierung<br />

des Gewinnungsbetriebes sowie die<br />

Vernetzung und Verarbeitung der gewonnenen<br />

Daten bei.<br />

Für die Erfassung der Betriebsdaten<br />

müssen die einzelnen Systeme, welche in<br />

die Automatisierung einbezogen werden<br />

sollen, mit entsprechenden Messsystemen<br />

und Sensoren nachgerüstet werden,<br />

da ältere Steuerungen die Möglichkeiten<br />

zur Messdatenerfassung nicht vorsehen.<br />

So werden die im Betrieb vorhandenen<br />

Einzelsysteme wie Bandstraße, Bandwaage,<br />

Bagger- bzw. Jetpumpe, Schöpfrad,<br />

Siebanlage etc. mit Energiemess- bzw.<br />

Durchflussmessgeräten ausgestattet,<br />

welche in die SPS eingebunden werden.<br />

Neben den Betriebsstunden pro Einzelsystem<br />

lassen sich so Parameter wie elektrische<br />

Ströme, Durchflussmengen und<br />

Pumpendrücke über die Zeit aufzeichnen.<br />

Ziel ist es, für den Gewinnungsbetrieb<br />

diese Parameter in verwendbare Größen<br />

wie kWh/t bzw. Euro/t zu übersetzen.<br />

Die Daten der Einzelsysteme werden gebündelt<br />

und über industrielle Datentransferprotokolle<br />

entweder über das Internet<br />

oder auf einen lokalen Server in einer<br />

Datenbank gespeichert. Weiterführend<br />

stehen sie dann über internetfähige Visualisierungssysteme<br />

(Browserdashboard)<br />

dem Betriebsleiter zur Verfügung.<br />

Derzeitiger Stand der Technik bei der<br />

Nassgewinnung von Sand und Kies ist der<br />

Einsatz einer Abbaukontrollanlage, mit<br />

der durch die passende Sensorik (GPS,<br />

Singlebeam-Echolot, Multibeam-Sonar,<br />

Tiefensensor des Lösewerkzeugs) der<br />

Gewinnungsprozess überwacht und dem<br />

Baggerführer bereits ausgekieste Areale<br />

angezeigt werden können. Für eine weitere<br />

Automatisierung des Gewinnungsbetriebs<br />

sind zusätzliche Kernelemente wie<br />

die automatische Verholsteuerung und –<br />

im Fall eines Saugbaggers – eine Saugrohrautomatik<br />

notwendig.<br />

Die Saugrohrautomatik verwendet<br />

eine Vorklassifikation des Materials<br />

durch am Saugrohr angebrachte Sensorik,<br />

wodurch es möglich wird, gefördertes<br />

Material von reinem Wasser zu unterscheiden.<br />

Das Saugrohr wird beim<br />

Fördern von Wasser ohne Material automatisch<br />

in Richtung des liegenden Materials<br />

geführt. In einem weiteren Schritt<br />

soll das geförderte Material weiterhin<br />

klassifiziert werden (Sand, Sand-Kies-<br />

Gemisch, Kies). Die aus der Betriebsdatenerfassung<br />

erhobenen Parameter sollen<br />

mit den Erkenntnissen aus der<br />

Vorklassifikation des gewonnenen Materials<br />

am Saugrohr dazu verwendet werden,<br />

die Energiezufuhr der einzelnen<br />

Systeme (Bandstraße, Pumpendrücke<br />

etc.) je nach Art des geförderten Materials<br />

anzupassen. Auf diese Weise kann<br />

der Energieverbrauch minimiert werden.<br />

Übergreifende Zielsetzung im Bereich<br />

Industrie 4.0 ist die Vernetzung der beschriebenen<br />

Systeme durch Datenbanken<br />

und die Verarbeitung dieser gebündelten<br />

Daten durch eine künstliche Intelligenz<br />

(KI). Das heißt, die Abbaukontrollanlage,<br />

die Betriebsdaten, die Möglichkeiten zur<br />

automatisierten Verholung des Baggers<br />

sowie die Saugrohrautomatik sollen in<br />

einem letzten Schritt einer KI zur Entscheidungsfindung<br />

übergeben werden, welche<br />

anhand der erzeugten Datengrundlage die<br />

Gewinnung effizient ohne Eingriff von Personal<br />

in nicht allzu ferner Zukunft steuert.<br />

Durch die gesteigerte Rechenleistung in<br />

der Computertechnik sowie die verschiedenen<br />

Vernetzungsmöglichkeiten werden<br />

Methoden aus dem Bereich Deep Learning<br />

und neuronale Netze immer effizienter<br />

und schneller einsetzbar.<br />

www.spe-electronics.de<br />

WASSER MARSCH<br />

Pumpen gibt’s auch zur Miete<br />

Xylem stellte in diesem Frühjahr auf<br />

der bauma die neue selbst ansaugende<br />

Pumpe Godwin CD150S vor. Besonders<br />

interessant daran: Je nach<br />

Anforderung kann das Laufrad ausgetauscht<br />

werden. So ist die Pumpe für<br />

die Baustellenentwässerung von<br />

Schmutzwasser und sogar für Abwasserumleitungslösungen<br />

mit faserhaltigem<br />

Abwasser einsetzbar. Intelligent<br />

wird die Einheit in Verbindung mit der<br />

Xylem Field Smart Technology. Die<br />

Godwin CD 150S kann dadurch von<br />

überall gesteuert und überwacht werden,<br />

sofern ein internetfähiges Endgerät<br />

verfügbar ist. Dank Euro-5-Motor<br />

spart die neue Godwin-Pumpe 90 %<br />

Dieselemissionen gegenüber ihrem<br />

Vorgänger und braucht zudem 15 %<br />

weniger Kraftstoff. Ebenfalls neu im<br />

Programm ist die Tauchmotorpumpe<br />

Flygt 2201 für den Einsatz im Bergund<br />

Tagebau sowie auf Baustellen. Die<br />

Pumpe ist so robust, dass selbst stark<br />

abrasive Medien bis zu 140 m hoch<br />

gefördert werden können.<br />

IMMER PARAT: Flygt-Pumpen der BIBO-<br />

Reihe leisten Enormes und sind auch über<br />

den Mietservice erhältlich. Foto: Xylem<br />

Mit 6000 Produkten innerhalb Europas<br />

und weltweit 20.000 im Einsatz<br />

zeigt sich Xylem nicht nur als Wassertechnologie-Experte,<br />

sondern auch<br />

als leistungsfähiger Anbieter von Mietlösungen.<br />

www.xylem.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


52 NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

BEEINDRUCKEND: Über<br />

mehr als 100 Jahre Tradition<br />

hat der Kalksteinabbau in<br />

Hohenlimburg.<br />

Waschtrommel<br />

im Kalkstein<br />

Die Steinbrüche des Sauerlandes versorgen eine bevölkerungsreiche Region mit den wichtigen mineralischen<br />

Rohstoffen, die für die Bautätigkeiten der modernen Gesellschaft heute so dringend in großen Mengen benötigt<br />

werden wie selten zuvor. Ganz am westlichen Rand liegt die Stadt Hagen. Hier gewinnt die Hohenlimburger<br />

Kalkwerke GmbH (HKW) bereits seit weit mehr als 100 Jahren Kalkstein und Dolomit. Bei der Aufbereitung des<br />

Rohgesteins muss das Unternehmen einen ungewöhnlichen Weg einschlagen.<br />

Etwa 1 Mio. t baut HKW gegenwärtig pro<br />

Jahr ab. Dass daraus etwa 900.000 t<br />

Verkaufsmaterial gewonnen werden<br />

können, ist ein erstes Indiz für die ertragreiche<br />

Lagerstätte mit hochwertigem<br />

Gestein. Neben Mineralgemischen und<br />

Splitten entstehen in werkseigenen Anlagen<br />

vor Ort sowohl Beton als auch<br />

Asphalt. Der Einzugsbereich umfasst<br />

unter anderem einen großen Teil des angrenzenden<br />

Ruhrgebiets. Seit <strong>19</strong>93 wird<br />

das erfolgreiche Familienunternehmen<br />

in vierter Generation von den Brüdern<br />

Dr.-Ing. Christian Lange und Dr. Matthias<br />

Lange geleitet.<br />

Hochwertiger Rohstoff in<br />

tückischer Geologie<br />

Existenzgrundlage der HKW ist ein<br />

mächtiger Massenkalk, der als Riff im<br />

Meer des paläozoischen Devon vor etwa<br />

380 Mio. Jahren abgelagert wurde. Ähnlich<br />

heutiger Meeresriffe bildeten mas-<br />

senhaft Korallen, Schwämme und Stromatoporen<br />

den Grundaufbau. Die<br />

geologischen Prozesse seit dem Devon<br />

durch Diagenese und Gebirgsfaltungen<br />

haben die Riffstrukturen zu festen und<br />

dichten Kalksteinen umgebildet, die<br />

heute den verwendbaren Rohstoff darstellen.<br />

Die erdgeschichtliche Entwicklung<br />

hat allerdings auch dazu geführt,<br />

dass in der Lagerstätte Inhomogenitäten<br />

vorkommen. Insbesondere lehmig-tonige<br />

Einlagerungen, die meist im späteren<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

53<br />

ZENTRUM IM<br />

VERBORGENEN:<br />

Die mächtige<br />

Waschtrommel ist<br />

in einer großen<br />

Felskaverne untergebracht.<br />

Fotos: Wistinghausen<br />

AUTOMATISCHE<br />

DOSIERUNG:<br />

Die Materialzufuhr<br />

in die Waschtrommel<br />

erfolgt über<br />

einen regelbaren<br />

Vibrationsaufgeber.<br />

ZENTRALE EINHEIT: Dr. Christian Lange<br />

zeigt am Steuerstand die modernen Monitore<br />

für die Regelung der Aufbereitungskette.<br />

Tertiär in Hohlräume des bereits verfestigten<br />

Kalksteins eindrangen, gehören zu<br />

allgegenwärtigen Begleitern im sonst<br />

eigentlich nahezu reinen Kalkstein. Da<br />

die Lehmeinlagerungen großteils übergangslos<br />

auftreten und in ihrer Ausdehnung<br />

sehr unterschiedlich ausfallen,<br />

lassen sich die Partien nicht schon während<br />

der Gewinnung zuverlässig separieren.<br />

Im durch Sprengung gewonnenen<br />

Haufwerk sind die unerwünschten<br />

Bestandteile mit bis zu 25 % Anteil zu<br />

stark verteilt. Auf diese Herausforderungen<br />

der geologischen Hinterlassenschaften<br />

musste sich die HKW mit einer<br />

Aufbereitungsmethode einstellen, die in<br />

der Festgesteinsaufbereitung bemerkenswert,<br />

weil ungewöhnlich, ist.<br />

Über den Tellerrand<br />

hinausgeschaut<br />

Eine spezielle Aufbereitung war bei HKW<br />

seit jeher erforderlich, da für die hochwertigen<br />

Produkte aus Hohenlimburg<br />

vom Asphalt über den Beton bis zu den<br />

Edelsplitten ein betont füllerarmes Material<br />

als Qualitätsmerkmal bedeutsam<br />

ist. Da die übermäßig vorhandenen<br />

Lehmkomponenten die bei HKW als<br />

Sekundär- und Tertiärzerkleinerung eingesetzten<br />

Kegel- und Prallbrecher ohne<br />

Vorbehandlung hoffnungslos verstopfen<br />

würden, wurde zur Beseitigung dieses<br />

Problems bereits vor mehr als 30 Jahren<br />

eine Waschtrommel zur Nassaufbereitung<br />

als Lösung eingerichtet. Vor einigen<br />

Jahren wurde diese Technologie schließlich<br />

grundlegend modernisiert und an<br />

die gestiegenen Kapazitätserfordernisse<br />

angepasst. Weil die Betreiber auf dem<br />

deutschen Markt zunächst keine passenden<br />

Anlagenanbieter finden konnten,<br />

sah sich die Unternehmensleitung auf<br />

dem internationalen Markt um. Bei der<br />

dänisch-französischen Skako-Comessa-Gruppe<br />

wurden die Hagener schließlich<br />

fündig, wie sich Geschäftsführer<br />

Christian Lange erinnert: „Auf der bauma<br />

2007 bekamen wir durch Zufall den ersten<br />

Kontakt zu diesem Anlagenbauer.<br />

Skako-Comessa ermöglichte eine Besichtigung<br />

in Frankreich bei einem Unternehmen,<br />

das die Anlage ähnlich einsetzte,<br />

und das überzeugte uns.“ Wie bei<br />

solchen Projekten nicht unüblich, dauerte<br />

die Realisierung noch etwas und so<br />

ging die moderne Nassaufbereitung<br />

2009 in Betrieb. Seither wurden unter<br />

anderem im Bereich der Gummiauskleidung<br />

und der Einbindung in die betriebliche<br />

Steuerung noch erhebliche Verbesserungen<br />

realisiert.<br />

Auf Material und<br />

Produktion abgestimmt<br />

Im Kern besteht die Technik aus einer<br />

Entschlammungswaschtrommel mit<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


54<br />

NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

ÜBERBRÜCKBAR: Das blaue Silo zur Beschickung<br />

der Waschtrommel kann mittels eines schwenkbaren<br />

Förderbandes umgangen werden.<br />

ALTERNATIVEN: Als Vorbrecher können bei HKW<br />

sowohl ein mächtiger Vertikalkegelbrecher als<br />

auch ein Backenbrecher genutzt werden.<br />

WICHTIGER PUFFER: Über einen Höckergurt wird<br />

der Vorpuffer beschickt, der bei Volllast der Aufbereitung<br />

bis zu zwei Stunden Vorrat fassen kann.<br />

einer Kapazität von bis zu 350 t/h. Sie<br />

hat einen Durchmesser von 3000 mm bei<br />

einer Länge von 9000 mm. Je nach Korngröße<br />

sowie Anteil und Beschaffenheit<br />

der zu separierenden Lehmbestandteile<br />

benötigt das Material zwischen 60 und<br />

120 s, um die Trommel zu durchlaufen,<br />

die sich mit etwa 7 U/min dreht. Vier synchronisierte<br />

Elektromotoren mit einer<br />

Leistung von jeweils 37 kW sorgen für<br />

kraftvollen Antrieb. Im Laufe der Zeit<br />

führten Erfahrungswerte zur Anpassung<br />

der Anlagentechnik an das spezielle Material<br />

des devonischen Massenkalks in<br />

Hagen. „Wir beschicken die Trommel mit<br />

Rohsteingrößen bis zu 350 mm. Unsere<br />

Erfahrungen haben gezeigt, dass damit<br />

die zum Teil klumpigen und wasserbeständigen<br />

festen Lehmbestandteile am<br />

besten und schnellsten aufgelöst und<br />

der Kalkstein geläutert wird“, erklärt<br />

Christian Lange. Die beiden im Einsatz<br />

befindlichen Vorbrecher in Form eines<br />

Steilkegelbrechers (Krupp-Esch) sowie<br />

eines Backenbrechers (Krupp) lassen<br />

sich darauf einstellen.<br />

Individuell in den<br />

Gesamtablauf eingebunden<br />

Unser Lieferprogramm<br />

• Saugbagger • Pumpen • Rohre • Schwimmer • Kabel • Baggerschläuche<br />

Heinrich Döpke GmbH, Stellmacherstraße 10, 26506 Norden<br />

Tel.: 04931/97201-0, info@doepke-gmbh.de, www.doepke-gmbh.de<br />

Das harte und zum Teil splittrige Kalksteingrundmaterial<br />

macht einen effektiven<br />

Verschleißschutz notwendig. So<br />

verfügt die Trommel über eine Gummiauskleidung<br />

inklusive sogenannter Hebeleisten<br />

aus Vollgummi, die das Gestein<br />

in der Rotation immer wieder vom<br />

Rand lösen und in den Waschstrom<br />

lenken. Zusätzlich sorgen Paddel aus<br />

Vollgummi dafür, das Material in der<br />

Trommel in Richtung Austrag voranzutreiben.<br />

Auch damit setzten die HKW<br />

eigene Erfahrungen um, wie Christian<br />

Lange erläutert: „Bei der Stahlauskleidung<br />

unserer alten Waschtrommel war<br />

der Verschleiß deutlich höher, was natürlich<br />

mehr Stillstandzeiten zur Folge<br />

hatte. Zudem sind die Gummiauskleidungen<br />

besser austauschbar.“ Die<br />

Waschtrommel wird über eine weitgehend<br />

automatisierte Beschickung über<br />

einen Aufgeber beladen. Ein darauf abgestimmter<br />

Vorratsbunker mit angeschlossener<br />

Vibrationsförderinne erfüllt<br />

diese Aufgabe. Regelbar ist die Beschickung<br />

gleich mehrfach – über eine<br />

Begrenzung der Einfüllhöhe sowie die<br />

Frequenzänderung der Fördervibrationsmotoren.<br />

Im vorgeschalteten Silo<br />

der Anlage wird das Rohmaterial zuvor<br />

schon vorsorglich eingeweicht, um die<br />

Abtrennung in der Waschtrommel noch<br />

effektiver zu machen.<br />

Als besonderer Clou kann die Nassaufbereitung<br />

umgangen werden, wenn<br />

etwa erkennbar größere Margen, in<br />

denen keine wesentlichen Lehmbestandteile<br />

vorhanden sind, die Vorbre-<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

55<br />

cher passiert haben. Das hat sich nach<br />

Aussage von Dr. Christian Lange bewährt,<br />

um auch hier Ressourcen zu sparen.<br />

Technisch wurde diese Anforderung<br />

umgesetzt, indem das letzte Förderband<br />

vor dem Einweichsilo schwenkbar<br />

ausgeführt ist. Der kontinuierlich arbeitenden<br />

Waschtrommel ist ein Entwässerungssieb<br />

des Herstellers Siebtechnik<br />

nachgeschaltet. Die einzelnen Edelsplittfraktionen<br />

werden nach der letzten<br />

Brechstufe zusätzlich auf den Siebmaschinen<br />

nachbebraust, um auch letzte<br />

noch anhaftende feinkörnige Bestandteile<br />

abzutrennen. Der gesamte Prozess<br />

ist eingebunden in eine moderne Ablaufsteuerung.<br />

Von einem zentralen Steuerstand<br />

aus können alle Anlagenteile geregelt<br />

werden, was auch für die<br />

Feinabstimmung der Aufbereitung von<br />

Vorteil ist. Aufgrund mitunter wechselnden<br />

Bedarfs zwischen den einzelnen<br />

Produktgruppen kann HKW sehr flexibel<br />

agieren bis hin zu einer Art Just-in-time-<br />

Produktion. Ein schonender Einsatz<br />

sämtlicher genutzten Ressourcen gehört<br />

ohnehin zur Betriebsphilosophie in<br />

Hohenlimburg. So wird das Prozesswasser<br />

in einem naturnahen geschlossenen<br />

Kreislauf umgesetzt. Im tiefsten<br />

Teil des Steinbruchs befindet sich ein<br />

bereits abgebautes Restfeld, das als<br />

Sedimentationsbecken dient und sich<br />

ausschließlich aus entnommenem<br />

Flusswasser und Regenwasser speist.<br />

Dank der örtlichen Gegebenheiten und<br />

der klugen Planung wird die Nassaufbereitung<br />

bei HKW vollständig hydromechanisch<br />

ohne Zusatz von chemischen<br />

Zuschlagstoffen realisiert. Aus<br />

dem Sedimentationsbecken entsteht<br />

nach Ende der Nutzungsdauer ein<br />

hochwertiges Naturschutzgebiet.<br />

Auch bei den Lärmemissionen hat<br />

HKW weit vorausgedacht und die besonders<br />

laute Waschtrommel mitarbeiter-<br />

und anrainerfreundlich unterirdisch<br />

in einer künstlichen Kaverne im<br />

Kalkgestein untergebracht. Als positiver<br />

Nebeneffekt herrschen hier relativ<br />

gleichbleibende Temperaturen, denn<br />

eine Achillesferse hat die Nassaufbereitung<br />

in jedem Fall: In der Winterzeit<br />

muss die Trommel mitunter stillstehen,<br />

denn der Waschprozess ist nur bis<br />

etwa -2° C verlässlich durchzuführen.<br />

Bei tieferen Temperaturen können die<br />

langen Zuleitungen aus dem Absetzbecken<br />

im Steinbruch von außen nach<br />

innen zufrieren.<br />

Bewährtes für die Zukunft<br />

Zusammenfassend sehen sich die Hohenlimburger<br />

Kalkwerke mit ihrer komplexen<br />

Anlagentechnik mit der eher<br />

branchenunüblichen zentralen Nassaufbereitung<br />

sehr gut aufgestellt auch für<br />

die Zukunft. „Wir haben eine optimale<br />

Lösung gefunden, um aus dem hochwertigen,<br />

aber nicht ganz einfach zu<br />

bearbeitenden Rohstoff zuverlässig<br />

gleichbleibende Qualitäten für höchste<br />

Ansprüche erzeugen zu können“, so Dr.<br />

Christian Lange. Die konstant hohe<br />

Nachfrage lässt erwarten, dass auch in<br />

den nächsten Jahren eine gute Auslastung<br />

des Familienbetriebes in Hagen-<br />

Hohenlimburg gewährleistet ist. (bwi)<br />

www.hkw.info<br />

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5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


56 NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

KOMBINIERT: Die Waschanlage M2500 E4 mit<br />

integriertem Trichter, Beschickungsband und<br />

doppelstöckigem Infinity-P2-75-Sieb umfasst<br />

auch ein integriertes Wassermanagementsystem.<br />

Einfach ganz sportlich verdoppelt!<br />

Mit Niederlassungen in den Grafschaften Wexford und Wicklow produziert das Unternehmen D’Arcy, das vom Vater-Sohn-Duo<br />

Anthony und Tony D’Arcy geführt wird, seit über 25 Jahren hochwertige Baustoffe und Sande. Am<br />

Standort Wexford sah sich das Unternehmen diversen standortspezifischen Herausforderungen gegenüber, die<br />

nach einer modernen technischen Lösung verlangten. Während bislang hier ein Schöpfrad seine Runden drehte,<br />

arbeitet seit Kurzem eine CDE-Lösung in der Nassaufbereitung. Dieser Sprung in die Moderne war den Betreibern<br />

so wichtig, dass sie die neue Anlage bei einem Tag der offenen Tür im Juni offiziell vorstellten.<br />

Das Unternehmen D’Arcy Sands ist auf<br />

die Herstellung von qualitativ hochwertigen<br />

Sanden nicht nur für die Bau- und<br />

Baustoffindustrie, sondern auch für andere<br />

Branchen und eine Reihe von<br />

Sportarten spezialisiert. Sande für Golfplätze,<br />

einschließlich Bunker und die<br />

Oberflächenbeschotterung für Greens<br />

und Fairways, sowie Quarzsande für<br />

Trainingsgelände und Rennstrecken im<br />

Pferdesport gehören zum Programm.<br />

VATER-SOHN-DUO: Anthony und Tony D’Arcy<br />

arbeiten seit Kurzem mit einer CDE-Lösung in der<br />

Nassaufbereitung ihrer Sande. Fotos: CDE<br />

Vor Kurzem hat das Unternehmen einen<br />

Vertrag über die Lieferung seiner Sande<br />

für das Aviva-Stadion in Dublin abgeschlossen.<br />

Da aber weder das bisherige System<br />

zur Sandaufbereitung noch die Wasserverfügbarkeit<br />

am Standort Wexford eine<br />

stressfreie Auftragsabwicklung für die<br />

Zukunft garantieren konnten, entschlossen<br />

sich die Betreiber, in eine neue<br />

Lösung zu investieren, und entschieden<br />

zugunsten einer Lösung von CDE. Nach<br />

mehreren Besuchen vor Ort und einer<br />

Reihe gemeinsamer Planungsgespräche<br />

hat der Hersteller eine maßgeschneiderte<br />

elektrisch angetriebene Anlage M2500<br />

E4 für D’Arcy Sands entworfen, um das<br />

Unternehmen bei der Skalierung seiner<br />

Betriebsabläufe und der Gewinnung<br />

hochqualitativer Produkte aus dem zu<br />

verarbeitenden Material zu unterstützen.<br />

Die Waschanlage M2500 E4 mit integriertem<br />

Trichter, Beschickungsband und<br />

doppelstöckigem Infinity-P2-75-Sieb umfasst<br />

auch ein integriertes Wassermanagementsystem,<br />

das den A200-Aqua-<br />

Cycle-Verdicker, die Floc-Station-Poly-<br />

Dosieranlage und den Aqua-Store-Wassertank<br />

beinhaltet. Die voll integrierte modulare<br />

Waschanlage kombiniert dabei die<br />

Arbeitsschritte Zuführung, Siebung, Sandwäsche<br />

und Lagerung auf einem kompakten<br />

und mobilen Maschinenchassis. Das<br />

E4-Modell ermöglicht dabei die gleichzeitige<br />

Herstellung von bis zu vier handelsüblichen<br />

gewaschenen Sand- und Zuschlagsprodukten.<br />

Das Prozesswasser der Anlage wird<br />

mit dem Aqua-Cycle-Verdicker aufbereitet,<br />

um bis zu 90 % sauber zurückgewonnen<br />

und in die Waschanlage zurückgeführt<br />

zu werden. Das gesamte System<br />

benötigt für den Betrieb weniger als<br />

20 m 3 Wasser pro Stunde, was einer<br />

Reduzierung um den Faktor zehn entspricht,<br />

da für die frühere Anlagenkonstellation<br />

200 m 3 Wasser in der gleichen<br />

Zeit benötigt wurden.<br />

Überzeugende Ergebnisse<br />

In die neue Anlage wird das Rohmaterial,<br />

in erster Linie Sand mit einem geringen<br />

Anteil Kies, bei einer Kapazität von<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

57<br />

bis zu 80 t/h aufgegeben. „Durch die<br />

neue CDE-Nassverarbeitungsanlage<br />

haben wir die Produktion verdoppelt“,<br />

erklärte Tony D’Arcy. „Wir verarbeiten<br />

jetzt bis zu 80 t/h und extrahieren über<br />

40 t unserer hochwertigen Sande. Eine<br />

stärkere Kontrolle bei der Feinstofftrennung<br />

dank Zyklon-Technologie, die eine<br />

Neuentwicklung für unseren Betrieb darstellt,<br />

hat unseren Produkten eine höhere<br />

Wertschöpfung verliehen und die<br />

Nachfrage erheblich gesteigert.“<br />

Auch Kunden bekommen derartige<br />

Investitionen hautnah zu spüren. So<br />

habe es vor allem von den Greens-Wärtern<br />

zahlreiche positive Rückmeldungen<br />

zur Qualität, Versickerung und Verarbeitbarkeit<br />

des Sandes gegeben.<br />

„Die Herstellung von Sanden für gewerbliche<br />

Zwecke war schon immer das<br />

Hauptaugenmerk von D’Arcy Sands,<br />

aber das neue Werk generiert neue Einnahmequellen<br />

für uns durch die Herstellung<br />

hochwertigerer Zuschlagstoffe und<br />

die Erschließung neuer Märkte“, freut<br />

sich Tony D’Arcy über die getroffene Investitionsentscheidung,<br />

die nicht nur<br />

zusätzlich auch quantitativ überzeugt,<br />

sondern noch dazu mit einem Bruchteil<br />

des früher benötigten Wassers und<br />

deutlich wenig Energie auskommt.<br />

www.darcysands.ie<br />

www.cdeglobal.com<br />

KI INSIDE<br />

Das Werk denkt mit!<br />

Die auf der bauma 20<strong>19</strong> vorgestellte<br />

CDE-Pioniertechnologie Intelligent Plant<br />

nutzt Fortschritte in den Bereichen maschinelles<br />

Lernen und Internet der Dinge<br />

(IoT), um Prozesse zu überwachen und<br />

zu automatisieren, die bisher manuell<br />

ausgeführt wurden. Damit soll die Anlage<br />

in der Lage sein, schnelle Entscheidungen<br />

in Echtzeit und selbstständig zu<br />

treffen, so die Produktivität um bis zu<br />

40 % zu steigern und eine Amortisationszeit<br />

von unter sechs Monaten zu erzielen.<br />

Um dieses Versprechen einzulösen,<br />

verwendet Intelligent Plant eine Reihe<br />

von Bandwaagen, um die genaue aufgegebene<br />

Materialmenge mit den Anteilen<br />

an Sand, Kies und Abschlämmbaren<br />

ins Verhältnis zu setzen. Ist die<br />

Anlage nicht optimal ausgelastet, reagiert<br />

sie selbstständig mit Anpassungen<br />

in Echtzeit.<br />

Das Herzstück von Intelligent Plant ist<br />

die Opti-Max-Technologie als neueste<br />

Ergänzung zu CDE Core. Core verwendet<br />

Sensoren zur Überwachung und<br />

Steigerung der Produktivität, Minimierung<br />

der Ausfallzeiten, Automatisierung<br />

von Prozessen und Senkung der Betriebskosten<br />

bei Maximierung der Rentabilität<br />

im automatischen Prozess.<br />

www.cdeglobal.com<br />

INTELLIGENT PLANT: Die weltgrößte Nassaufbereitungsanlage arbeitet bei Stavanger,<br />

Norwegen. Sie nutzt die CDE-Intelligent-Plant-Technologie und verzeichnet einen<br />

deutlichen Produktionsanstieg gegenüber der Vorgängereinheit. Fotos: CDE<br />

CONNECT MACHT’S MÖGLICH<br />

Wasserlogistik für die Industrie 4.0<br />

DAS FEHLTE NOCH: Tsurumi Connect vernetzt<br />

prinzipiell alle elektrischen Geräte eines definierten<br />

Projektes. Mit dabei ist eine App zur Steuerung und<br />

Auswertung. Foto: Tsurumi<br />

„Alles digital“ gilt künftig auch für die<br />

Pumpentechnik. So hat der Hersteller<br />

Tsurumi eine smarte Controller-Lösung<br />

entwickelt, die nicht nur Wasserpumpen<br />

elektronisch ins Projekt integriert, sondern<br />

den Betrieb so effizient<br />

wie möglich machen soll.<br />

Die multifunktionale Lösung<br />

„Tsurumi Connect“ ist in einer<br />

kleinen Hardware-Box untergebracht,<br />

die via Motorschutzstecker<br />

oder Schaltschrank mit dem Aggregat<br />

gekoppelt wird. Sie erfasst die<br />

Nennströme und wertet sie aus, steuert auf<br />

Wunsch automatisch, überwacht den<br />

Standort und schützt obendrein vor falscher<br />

Drehrichtung oder<br />

Überstrom. Über Mobilfunk,<br />

WLAN oder LAN hält<br />

die Box Verbindung zur<br />

Tsurumi Connect Cloud:<br />

permanent, nach besonderen<br />

Ereignissen oder akut<br />

per Alarmschaltung. Im Falle<br />

einer fehlenden Verbindung<br />

kann die Box die Daten 30<br />

Tage lang offline aufzeichnen.<br />

Da das System keine proprietäre Herstellerlösung<br />

ist, lassen sich auch Geräte<br />

anderer Anbieter koppeln, das heißt, jeder<br />

elektrische Verbraucher kann per Tsurumi<br />

Connect überwacht und gesteuert werden.<br />

Selbst Daten diverser Sensoren können<br />

aufgezeichnet, ausgewertet und von der<br />

Steuerlogik berücksichtigt werden. Sonderlösungen<br />

wie Kaskaden und Booster betreiben?<br />

Kundenspezifische Prozesse fahren?<br />

Alles machbar. Betriebsabrechnungen lassen<br />

sich nun auf Knopfdruck erstellen, Wartungsintervalle<br />

exakt planen und Ausfallkosten<br />

auf ein Minimum reduzieren.<br />

Nach weiteren Feldtests bis zum Jahresende<br />

soll Anfang 2020 das nach deutschen<br />

Standards entwickelte und produzierte<br />

Plug- & Play-System ausgeliefert werden.<br />

www.tsurumi.eu<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


58<br />

NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

Schwachstelle am Nasssieb<br />

ausgeknipst<br />

Bei Nassabsiebungen ist die Verrohrung der Bebrausung feststehend.<br />

Mehrdeck-Siebmaschinen verfügen daher über Öffnungen in der Seitenwand,<br />

um die Rohre für die Bebrausung des Unterdecks hindurchzuführen.<br />

Wird diese Öffnung nicht richtig abgedichtet, treten Siebgut und Wasser<br />

aus der Maschine aus. Folgen solcher Undichtigkeiten sind Fehlkorn,<br />

Verschmutzungen der Anlage und Rost durch an der Seitenwand herunterlaufendes<br />

Wasser. Doch dieser Schadensfall lässt sich verhindern.<br />

Üblicherweise werden zur Abdichtung<br />

der erwähnten Öffnungen Faltenbälge<br />

aus Gummi eingesetzt. Allerdings<br />

kommt es in deren Falten üblicherweise<br />

zu Materialansammlungen durch<br />

eingespültes Siebgut. Ein Schaden ist<br />

vorprogrammiert: Durch die Bewegung<br />

der Maschine – und damit des<br />

Faltenbalgs – scheuert das Siebgutgemisch<br />

den Gummi allmählich durch.<br />

Dieser Risikoquelle nahm sich Isenmann<br />

auf Anregung eines Kunden bereits<br />

vor etlichen Jahren an, um für und<br />

mit dem Kunden nach einer Lösung zu<br />

suchen. Das Ziel war klar: Es galt, eine<br />

Möglichkeit zur Abdichtung zu finden,<br />

die bei gleicher Dichtungsleistung<br />

eine höhere Standzeit aufweist als ein<br />

Faltenbalg aus Gummi. Vorzugsweise<br />

sollte dies auch dadurch erreicht werden,<br />

dass sich Material nicht mehr<br />

innerhalb des Bauteils ansammeln<br />

kann. Die von Isenmann daraufhin<br />

konzipierte und patentierte Lösung ist<br />

der bereits 2011 vorgestellte Gaiter. Er<br />

basiert auf dem gleichen Funktionsprinzip<br />

wie der Faltenbalg, besteht<br />

jedoch aus widerstandsfähigem und<br />

dauerelastischem Polyurethan. Auf<br />

Falten kann vollständig verzichtet werden,<br />

sodass es zu keinen schädlichen<br />

Materialansammlungen mehr kommt,<br />

da das Siebgut, ohne schädigend wirken<br />

zu können, zurück auf das Siebdeck<br />

gleitet.<br />

Die Gaiter werden grundsätzlich in<br />

zwei verschiedenen Bauarten gefertigt.<br />

Einerseits gibt es Soft-Gaiter, die<br />

den herkömmlichen Faltenbalg ersetzen.<br />

Sie werden aus einem durchgängig<br />

weichen Polyurethan gefertigt.<br />

Daneben gibt es die regulären Gaiter,<br />

die direkt in einen Lochausschnitt in<br />

der Seitenwand der Siebmaschine<br />

eingeschlagen werden. Der Vorteil<br />

dabei ist, dass auf den verschweißten<br />

ZEITREIHE DES VERSUCHS zur Standfestigkeit von Gaitern. Dargestellt sind dieselben Gaiter, von Neuzustand<br />

nach dem Einbau (2012) bis kurz vor dem Ausbau (2018). Deutlich wird, dass sich das Material<br />

mit dem Alter zwar stärker verformt, wobei jedoch keine Rissbildungen zu erkennen sind. Foto: Isenmann<br />

Rohrflansch an der Seitenwand, und<br />

damit einen typischen Schwachpunkt<br />

der Maschine für Rostbildung, verzichtet<br />

werden kann. Um einen optimalen<br />

Sitz bei hoher Flexibilität zu<br />

gewährleisten, werden zwei unterschiedliche<br />

spezielle Polyurethan-<br />

Mischungen vergossen: hartes PU im<br />

Bereich der Seitenwand und weiches<br />

im konischen Bereich. Für Öffnungen,<br />

an denen temporär keine Bebrausung<br />

verbaut ist, gibt es auch Blind-Gaiter.<br />

Diese werden als Blindstopfen ebenfalls<br />

in die Seitenwand eingeschlagen.<br />

Selbstverständlich sind alle Polyurethan-Mischungen<br />

sowohl hydrolyseals<br />

auch mikrobenresistent und damit<br />

bestens für den Bereich der Nassabsiebung<br />

geeignet.<br />

Die Gaiter sind für alle gängigen<br />

Siebmaschinentypen kurzfristig lieferbar.<br />

Sonderformen werden vom Hersteller<br />

individuell in Abstimmung mit<br />

Betreibern gefertigt. Inzwischen setzen<br />

einige Siebmaschinenhersteller<br />

Gaiter bereits werksseitig ein. Einer<br />

der ersten Anwender der Lösung war<br />

die Felix Mitter Bau GmbH in Österreich,<br />

bei der in Zusammenarbeit mit<br />

Isenmann auch ein Langzeittest<br />

durchgeführt wurde. Die Standzeit<br />

von Gummi-Faltenbälgen lag in der<br />

Vergangenheit an der Testmaschine<br />

bei rund acht Monaten. 2012 wurden<br />

stattdessen die Gaiter eingebaut und<br />

in regelmäßigen Abständen kontrolliert.<br />

Nach sechs Jahren Betriebszeit<br />

wurde der Test 2018 abgebrochen,<br />

denn die Gaiter sprachen längst für<br />

sich selbst. Im Zeitraum von sechs<br />

Jahren hätten früher neun Sätze Faltenbälge<br />

genutzt werden müssen, um<br />

Schäden wie oben beschrieben abzuwenden.<br />

Folglich wurden acht Stillstände<br />

der Anlage durch die Gaiter<br />

verhindert. Deren lange Standzeit ist<br />

dabei keine Besonderheit, sondern<br />

vielmehr die Regel. Deshalb wollen<br />

Anwender, die auf Gaiter umgerüstet<br />

haben, verständlicherweise nicht<br />

mehr zum Faltenbalg zurück. (bwi)<br />

www.isenmannsiebe.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


NASSGEWINNUNG & AUFBEREITUNG<br />

59<br />

FEUCHTER FEINSAND<br />

Sicherer Materialabzug auch bei hohem Wasseranteil<br />

Der Materialabzug von Feinsand mit<br />

hohem Wasseranteil in Aufbereitungsanlagen<br />

ist häufig für Probleme und<br />

Ausfälle der Anlage verantwortlich.<br />

Wenn etwa die Absperrorgane eines<br />

Feinsandsilos und die Entwässerung in<br />

den dort verbauten Dosierbandkombinationen<br />

bei Wasseranteilen von etwa<br />

20 % nicht zuverlässig arbeiten, treten<br />

Feinsandanteile mit Wasser aus dem<br />

Absperrorgan unkontrolliert aus und<br />

ERFOLGREICH IM EINSATZ: Mit dem Dosierband wird in Kieswerken<br />

und Quarzsand- sowie Feinsandaufbereitungen auch<br />

Feinstmaterial kontrolliert abgezogen, dosiert und der Materialstrom<br />

sicher geregelt. Fotos: Wöhwa<br />

führen zu erheblichen Verschmutzungen<br />

und im Extremfall zu Ausfällen der Abzüge.<br />

Wöhwa hat dafür eine sichere Lösung<br />

gefunden. Diese besteht im Abdichtschiebertyp<br />

08 und dem<br />

zusätzlichen Entwässerungskasten mit<br />

Verrohrung. Beides zusammen ergibt<br />

ein zuverlässig arbeitendes Abdichtsystem,<br />

das seinen Platz direkt über dem<br />

Dosierband findet und über das kontrolliert<br />

die abzuziehende Materialmenge<br />

Schmutzwasser die Oberkammer, breitet<br />

sich auf der gesamten Filterfläche aus, setzt<br />

den Partikel auf dem Filterband oder -vlies<br />

ab, um dann als Filtrat in die Unterkammer<br />

abzufließen. Mit Anstieg des<br />

Durchflusswiderstandes bei<br />

dichter werdendem Filterkuchen<br />

nimmt der Gegendruck<br />

in der Filterkammer<br />

zu, bis ein erreichter Grenzwert<br />

(Enddruck) die Beschickung mit<br />

Schmutzwasser unterbricht und eine Regeneration<br />

einleitet. Mit Druckluft wird verbliebene<br />

Flüssigkeit aus dem Filtersystem<br />

herausgepresst. Anschließend öffnen sich<br />

seitliche Klappen, um das Band mit Filterkuchen<br />

herausfahren zu lassen. Nach Abstreifen<br />

des Materials gelangt das Band<br />

sauber auf der anderen Seite wieder hinein.<br />

Die Klappen schließen und der Prozess<br />

setzt sich automatisch fort. Das Filtersystem<br />

gilt als äußerst wartungsarm, da Begesteuert<br />

oder geregelt werden kann.<br />

Mit dem Entwässerungskasten, der sich<br />

über dem Doppelflanschabdichtschieber<br />

befindet, kann der Wassersack im<br />

Material direkt abgeleitet werden. Dieser<br />

Entwässerungskasten verfügt dafür<br />

über eine erheblich größere Entwässerungsfläche<br />

(Edelstahl-Spaltsiebe) als<br />

konventionelle (entwässerte) Dosierschieber.<br />

Dank des Verrohrungsanschlusses<br />

der Entwässerungen am<br />

Gerät kann auch das im Material befindliche<br />

Wasser aus dem Silo kontrolliert<br />

abgeleitet werden. Zusätzlich befindet<br />

sich an jeder Entwässerungsstelle ein<br />

Reinigungsstutzen, über den die Spaltsiebe<br />

gereinigt werden.<br />

Frei zugängliche, einstellbare Abdichtungen<br />

des Schieberblattes und ein<br />

komplett dichter Anschluss an den Entwässerungskasten<br />

sowie das darunter<br />

anschließende Dosierband machen eine<br />

sichere Entwässerung möglich, bei der<br />

ein unkontrollierter Austritt von Feinsand<br />

verhindert wird.<br />

www.woehwa.com<br />

DRUCKBANDFILTER<br />

Effizient bei feinen Partikeln<br />

Bei der Filtrierung von Prozesswässern ist<br />

neben einem hohen Reinheitsgrad auch ein<br />

großer Durchsatz gewünscht. Sind noch<br />

dazu überwiegend feine Partikel herauszufiltern,<br />

stellen Druckbandfilter wie die des<br />

baden-württembergischen Filterspezialisten<br />

Leiblein ein gutes Mittel der Wahl dar.<br />

Gegenüber hydrostatisch arbeitenden Filtern<br />

wird bei diesem System im Filterprozess<br />

ein höherer Druck aufgebaut, was sowohl<br />

den Durchsatz wie auch die<br />

Entwässerung verbessert. Die spezielle<br />

Filtertechnik der Druckbandfilter, kurz DBF,<br />

operiert mit Endlos-Filtergeweben aus<br />

Kunststoff oder Filtervliesen, die individuell<br />

ausgelegt sind. Um die schon hohe Filtergüte<br />

zu steigern, kann der DBF noch zusätzlich<br />

mit Zellulose angeschwemmt werden.<br />

Das Filterprinzip folgt einem einfachen,<br />

wirksamen Ablauf. Ob als eigenständiges<br />

Kompaktgerät oder in Verbindung mit einer<br />

Zentralanlage, stets erreicht das gepumpte<br />

BAUPRINZIP des Leiblein-Druckbandfilters.<br />

Im Einsatz zur Erfassung feiner Partikel bilden<br />

sich regelmäßig standfeste Filterkuchen.<br />

dieneingriffe entfallen. Zu Testzwecken und<br />

Pilotversuchen stehen Geräte aus dem<br />

Leiblein-Mietpark zur Verfügung, die sich<br />

an konkrete Aufgabenstellungen anpassen<br />

lassen.<br />

www.leiblein.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


60 SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

Kammerfilterpressen<br />

und Flockungshilfsmittel<br />

alles (Wasser)klar!<br />

Mineralische Schlämme, welche bei der Nassaufbereitung von Gesteinen anfallen, sind meist ein ungeliebtes<br />

Nebenprodukt. Aus Gründen des Umweltschutzes und der Schonung von – auch finanziellen – Ressourcen wird<br />

jedoch zunehmend auf eine moderne Wasseraufbereitung mit geschlossenem Wasserkreislauf gesetzt. Kammerfilterpressen<br />

und Flockungshilfsmittel sind dabei zwei Hauptakteure, die gut zusammenspielen müssen.<br />

Bei der Nassaufbereitung ist der anfallende<br />

Kies- oder Gesteinswaschschlamm<br />

den meisten Produzenten<br />

ein Dorn im Auge. Vielfach werden die<br />

Feinanteile < 0,063 mm als Abfall betrachtet.<br />

Der Fokus der Betreiber liegt<br />

auf der Qualität der standardmäßig<br />

erzeugten Produkte – hier wird Geld<br />

verdient und investiert. Der Schlamm<br />

dagegen wird in einem großflächigen<br />

Absetzbecken oder Schlammweiher<br />

mit viel Wasser endgelagert. Zunehmend<br />

häufiger wird aber auch aus<br />

Gründen des Umweltschutzes und<br />

dem Bestreben nach Ressourceneffizienz<br />

ein geschlossener Wasserkreislauf<br />

inklusive einer modernen,<br />

mechanischen Schlammentwässerung<br />

präferiert. Damit lassen sich<br />

Wasser, Betriebsfläche und auch Deponievolumen<br />

sparen.<br />

Schlamm ist auch ein Wertstoff<br />

Eine groß angelege Studie (M. Fisch,<br />

2017) des Fachverbandes der Schweizerischen<br />

Kies- und Betonindustrie (FSKB)<br />

kommt zum Schluss, dass Kieswaschschlamm<br />

als hochwertiges, feines, mineralisches<br />

Material durchaus Verwertungspotienzial<br />

hat. Selbst wenn der<br />

Schlamm kostenlos zur weiteren Verwertung<br />

abgegeben wird, kann sich dies<br />

aufgrund der eingesparten Deponiekosten<br />

lohnen. In der Darstellung auf Seite<br />

62 (übernommen aus M. Fisch, 2017) ist<br />

hierzu eine Kostenabschätzung für die<br />

Rückführung in die Abbaustätte (d.h.<br />

Deponierung in der eigenen Grube) oder<br />

ein Transport zur Verwertung dargestellt.<br />

Wie aus den beispielhaften, aber für<br />

Schweizer Verhältnisse realistischen<br />

Zahlen des FSKB zu entnehmen ist, kann<br />

aufgrund des Wertes des gesparten Deponievolumens<br />

ein Gewinn von bis zu<br />

vier Schweizer Franken pro Tonne erzielt<br />

werden. Eine Deponierung auf der betriebseigenen<br />

Deponie erzeugt hingegen<br />

immer einen Verlust (Grundkosten +<br />

Transport + Verlust des Deponievolumens,<br />

welches nicht anderweitig verkauft<br />

werden kann).<br />

Kies- oder Gesteinswaschschlamm<br />

ist je nach mineralogischer und geochemischer<br />

Zusammensetzung verschieden<br />

verwertbar. Hier kann beispielsweise<br />

die Verwendung als Boden-<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

61<br />

verbesserer (insbesondere durch Kalzium-Eintrag),<br />

als Rohmaterialersatz in<br />

der Ziegelindustrie oder der Zementherstellung,<br />

die Verwendung als Dichtungsschichten<br />

im Deponiebau oder als Zusatzstoff<br />

in neuartigen Baustoffen für<br />

Straßenunterbau oder Leitungsgrabenfüllungen<br />

(Erdbeton, Flüssigboden) genannt<br />

werden. Für alle diese Verwertungszwecke<br />

muss der Schlamm aber in<br />

möglichst entwässerter und transportierbarer<br />

Form vorliegen.<br />

Stand der Technik<br />

Stand der Technik zur Entwässerung von<br />

mineralischen Schlämmen in der Gesteinsaufbereitung<br />

ist eine Wasseraufbereitungsanlage<br />

gemäß dem Fließbild unten. Die<br />

Entwässerung des anfallenden Schlammwassers<br />

aus der Gesteinsaufbereitung findet<br />

dabei in zwei Hauptstufen statt.<br />

Die erste Stufe beinhaltet die Beigabe<br />

von Flockungshilfsmitteln (FHM) zur Klärung<br />

des Schlammwassers in einem<br />

statischen Hoch- oder Lamellenklärer<br />

(2). In diesem setzt sich der Feststoff,<br />

nach dem Kontakt mit dem FHM und der<br />

damit einhergehenden Partikelvergrößerung,<br />

gemäß dem Stokes’schem Gesetz<br />

ab. Das Klarwasser kann im freien Ablauf<br />

in den Prozesswassertank (1) überlaufen.<br />

Am häufigsten werden bei der Klärung<br />

von Schlammwasser organische FHM<br />

aus Polyacrylamid (PAM) verwendet. Von<br />

diesen gibt es eine große Auswahl an Produkten<br />

– für fast jeden mineralischen<br />

Schlamm gibt es das passende PAM.<br />

Auch PAM mit einem sehr niedrigen Restgehalt<br />

an monomerem Restacrylamid<br />

und Trinkwasserzulassung sind auf dem<br />

Markt erhältlich. Stärkebasierte Flockungshilfsmittel<br />

sind ebenfalls auf dem<br />

Markt verfügbar. Diese werden jedoch<br />

aufgrund der geringeren Scherfestigkeit<br />

sowie den höheren Betriebskosten eher<br />

selten eingesetzt.<br />

Als Vorflockungshilfsmittel oder Entwässerungshilfsmittel<br />

werden schließlich<br />

bei speziellen Anwendungen (insbesondere<br />

im Recyclingbereich) auch<br />

anorganische Salze (Eisenchlorid und<br />

Aluminiumchlorid), gelöschtes oder ungelöschtes<br />

Kalziumoxid oder organisches<br />

PolyDADMAC eingesetzt. In den<br />

meisten gewöhnlichen Kies- und Gesteinswaschanlagen<br />

kann glücklicherweise<br />

auf diese Hilfsstoffe verzichtet<br />

werden.Bei den PAM wird im Groben<br />

ABWURF eines entwässerten, trockenen<br />

Filterkuchens aus einer Simatec-Kammerfilterpresse.<br />

Fotos und Grafiken soweit nicht anders<br />

angegeben: Autor<br />

zwischen kationischen (positiv geladenen)<br />

und anionischen (negativ geladenen),<br />

zwischen schwach und stark geladenen<br />

sowie zwischen langkettigen und<br />

kurzkettigen Polymeren unterschieden.<br />

Eine Bestimmung des geeigneten Produktes<br />

geschieht idealerweise im Labor<br />

oder in einem Feldversuch vor Ort.<br />

FLIESSBILD einer Wasseraufbereitung für eine Nassaufbereitung<br />

mit geschlossenem Wasserkreislauf.<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


62<br />

SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

KOSTENABSCHÄTZUNGEN der Deponierung oder Verwertung von Gesteinswaschschlamm<br />

im Vergleich aus einer Studie des FSKB (M. Fisch, 2017). Die<br />

Grundkosten setzen sich aus dem Be- und Entladen sowie dem Einbau in der<br />

Deponie zusammen. Die Abschätzungen für den Schweizer Markt sind in<br />

Schweizer Franken ausgewiesen (1 sFr. = ca. 0,90 Euro).<br />

Auch die Bestimmung der korrekten<br />

Dosierung ist idealerweise im Labor zu<br />

ermitteln. Im Betrieb ist dann jedoch eine<br />

automatisierte Dosierung an der richtigen<br />

Stelle entscheidend für ein wirtschaftliches<br />

Funktionieren der Prozesswasserklärung.<br />

Die Simatec<br />

Maschinenbau AG arbeitet dabei mit<br />

Sedimentationsmessungen (7), welche<br />

eine steuerungstechnische Rückkoppelung<br />

auf die Dosierpumpe der Flockungsmittelstation<br />

(6) ermöglicht.<br />

Damit ist eine Über- oder Unterdosierung<br />

ausgeschlossen.<br />

Ebenso dem Stand der Technik entsprechend<br />

beinhaltet die zweite Stufe der<br />

Wasseraufbereitung das mechanische<br />

Entwässern des eingedickten und konditionierten<br />

Schlammes auf einer automatischen<br />

Kammerfilterpresse (KFP) (4). Der<br />

eingedickte und homogenisierte<br />

Schlamm wird mit einer Hochdruckpumpe<br />

in eine Filterkammer gedrückt, wo<br />

Feststoff und Wasser mechanisch über<br />

ein Filtertuch und die Eigenfiltration des<br />

Filterkuchens getrennt werden. Das Filtratwasser<br />

kann wieder dem Prozesswasser<br />

zugeführt und der transportierbare,<br />

trockene Filterkuchen einer weiteren Verwertung<br />

zugeführt werden.<br />

Den richtigen Partner braucht’s<br />

Die Flockungshilfsmittel leisten einen<br />

nicht unwesentlichen Beitrag zur Entwässerung.<br />

Eine falsche Dosierung, die falsche<br />

Verfahrenstechnik oder der Einsatz<br />

eines ungeeigneten FHM führen zu einer<br />

mangelhaften Entwässerung oder dem<br />

Verstopfen der Filtertücher. Die Dosierung<br />

der FHM kann direkt mit der Entwässerungsfähigkeit<br />

des Schlammes korreliert<br />

werden. Wie schematisch unten<br />

dargestellt, steigt bei zunehmender Dosierung<br />

eines passenden FHM die Entwässerungsleistung<br />

deutlich an und erreicht<br />

eine maximale Performance bei<br />

einer spezifischen Dosierung. Eine weitere<br />

Zugabe verringert die Entwässerungsleistung<br />

dann aber immer mehr. Der<br />

Grund für dieses Verhalten liegt in den<br />

polaren Eigenschaften des Wassers.<br />

Wenn sich freie, geladene Andockstellen<br />

des FHM nicht mit Feststoff besetzen<br />

lassen, bindet sich Wasser an diesen.<br />

Dieses Wasser kann dann aber in der<br />

Kammerfilterpresse nicht mehr mit dem<br />

Pumpendruck entwässert werden und<br />

verbleibt damit im Filterkuchen, wie die<br />

Skizze zur Wasserbindung deutlich zeigt.<br />

Ein weiterer negativer Nebeneffekt einer<br />

Überdosierung besteht darin, dass sie die<br />

Ablöseeigenschaften der Filterkuchen<br />

von den Filtertüchern verschlechtert. Bei<br />

einem falsch eingesetzten FHM oder dem<br />

falschen Verfahren kann es zudem zur<br />

Bildung von Feinstflocken kommen. Entweder<br />

ist das Flockungshilfsmittel zu<br />

kurzkettig, falsch geladen oder aufgrund<br />

der speziellen Eigenschaften eines Feststoffs<br />

braucht es eine zweistufige Flockung.<br />

Die Feststoffflocken können auch<br />

durch ein falsches Verfahren im Prozess<br />

(z.B. falscher Pumpentyp, falsches Rührwerk,<br />

etc.) zerkleinert werden. Die Feinstflocken<br />

führen dann häufig zur Verstopfung<br />

von Filtertüchern und schließlich zur<br />

mangelhaften Entwässerung der Schlämme.<br />

Auch ein Effektivitätsverlust des FHM<br />

SCHEMATISCHE DARSTELLUNG der Abhängigkeit der<br />

Entwässerungsleistung von der FHM-Dosierung.<br />

SKIZZE DER WASSERBINDUNG (re.) an FHM bei Überdosierung. Die<br />

vielen negativen Andockstellen des FHM (schwarze Ketten mit negativer<br />

Ladung) können nicht mit genügend Feststoffen (farbige Formen) besetzt<br />

werden. Dadurch lagert sich Wasser (H-O-H) an diese an und wird<br />

gefangen (rot umrandet). Bei einer Entwässerung kann nur das freie<br />

Wasser (blau umrandet) vom Feststoff getrennt werden.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

63<br />

ist hin und wieder zu beobachten. Hier<br />

liegt die Ursache meist in einem für den<br />

Prozess falsch gewählten FHM, einer ungenügenden<br />

Reifung der PAM oder einer<br />

zu kurzen Kontaktzeit des FHM mit dem<br />

Schlamm. Anpassungen im Prozess oder<br />

beim Produkt sind dann zwingend nötig.<br />

WASCHWASSERAUFBEREITUNG<br />

Laborversuche sind unumgänglich<br />

Bei korrekt eingesetztem FHM werden<br />

die Fließwege für das Wasser freigehalten<br />

und die Filtertücher verstopfen und<br />

verkleben nicht. Eine korrekte Anwendung<br />

der FHM im Verbund mit der Kammerfilterpresse<br />

wird zwingend immer<br />

vorgängig im Labor getestet. Auch bei<br />

Problemen auf bestehenden Anlagen<br />

sind Kleinversuche im Labor zur Lösungsfindung<br />

meist unumgänglich.<br />

Die Versuche im Labor werden dabei<br />

dem Großprozess nachempfunden und<br />

erfolgen auch zweistufig. In einem ersten<br />

Schritt wird das optimale FHM mit der<br />

richtigen Dosierung zur Absetzung des<br />

Schlammes bestimmt. Im nachfolgenden<br />

Schritt wird mit einer Laborkammerfilterpresse<br />

die richtige Anlagentechnik<br />

(Filtertuch, Kammerstärke, Pumpentyp<br />

und -druck etc.) in Kombination mit dem<br />

passenden FHM definiert.<br />

Das passende Flockungshilfsmittel,<br />

an der richtigen Stelle richtig dosiert, in<br />

Kombination mit einer modernen, vollautomatischen<br />

Kammerfilterpresse lässt<br />

die allermeisten mineralischen Schlämme<br />

zu einem trockenen, gut verwertbarem<br />

Filterkuchen verarbeiten.<br />

Ein Beitrag von Dr. Samuel Gilgen, Senior-Geologe<br />

/ Verfahrenstechniker bei<br />

der Marti Dienstleistungen AG / Simatec<br />

Maschinenbau AG<br />

www.martiag.ch<br />

www.simatec.org<br />

Literatur<br />

Fisch, M. (2017): KIESWASCH-<br />

SCHLAMMVERWERTUNG, Vortrag<br />

an FSKB-Frühjahrstagung. Online<br />

unter http://www.fskb.ch/wp-con-<br />

tent/uploads/2017/07/FSKB-<br />

Fr%C3%BChjahrstagung-2017_<br />

Pr%C3%A4sentation-Fisch_Kieswaschschlammverwertung.pdf<br />

DUALFLOCKUNG: Ein speziell entwickelter organischer Koagulant, der die teils diffusen<br />

Oberflächenladungen für einen Flockungsprozess positiv beeinflusst, beschleunigt den<br />

Sedimentationsprozess. Foto: Hego Biotec<br />

Ein echter Turbo für die Flocke<br />

Bei der Nassaufbereitung von Rohmaterial der<br />

Steine- und Erden-Industrie fallen große Mengen<br />

Waschwässer an, die reichliche Anteile an<br />

abgeschlämmten Partikeln enthalten. Zur Wiederverwertung<br />

der Prozesswässer durch<br />

Kreislaufführung müssen die enthaltenen<br />

Feinstpartikel (< 100 µm), in der Regel durch<br />

Sedimentation, entfernt werden. Stand der<br />

Technik zur Sedimentationsbeschleunigung<br />

ist der Einsatz von anionischen polymeren<br />

Flockungsmitteln. Diese umweltverträglichen<br />

Produkte sind mit verschiedenen Polymerkettenlängen<br />

und -ladungen verfügbar und ermöglichen<br />

so eine optimale Anpassung der<br />

Produkte bezüglich Einsatzgebiet (Sedimentation,<br />

Entwässerung durch Filtration oder<br />

Zentrifugation), Wirkung und Einsatzmenge.<br />

Häufig wird jedoch die Aufbereitung der<br />

polymeren Flockungsmittel vernachlässigt.<br />

Durch Optimierung von Benetzung, Durchmischung<br />

und Reifezeit wurden auf der Basis<br />

der Zwei-Kammer-Technik robuste Löseanlagen<br />

entwickelt, die einen besonders ökonomischen<br />

Einsatz der Produkte ermöglichen.<br />

Unterschiedliche Rohmaterialzusammensetzungen,<br />

sehr große Anteile an Feinstpartikeln<br />

und saisonal niedrige Betriebstemperaturen<br />

können die Qualität der Klarphase ebenso<br />

ungünstig beeinflussen wie zu geringe Klärvolumina<br />

aufgrund von Anlagenerweiterungen.<br />

Daraus resultieren unbefriedigende<br />

Waschwasser- und Produktqualitäten. Basierend<br />

auf den Konzepten der Dualflockung<br />

wurde von der HeGo Biotec GmbH eine spezielle<br />

Rezeptur unter der Bezeichnung GoFloc<br />

PD 592-1 entwickelt, um diese Probleme zu<br />

lösen. Es handelt sich dabei um einen organischen<br />

Koagulanten, der die teils diffusen<br />

Oberflächenladungen für einen Flockungsprozess<br />

positiv beeinflusst. Die dosierfertige<br />

Lösung wird dem Waschwasser vor der Zugabe<br />

des Flockungsmittels zugeführt. Eine<br />

raschere Flockenbildung, bessere Einbindung<br />

feinster Partikel sowie eine deutlich höhere<br />

Flockenstabilität gewährleisten hohe Klarwasserqualitäten<br />

auch bei kurzen Klärzeiten.<br />

Gleichzeitig sind häufig Einsparungen bei den<br />

anionischen Flockungsmitteln möglich.<br />

Änderungen in der Rohmaterialzusammensetzung<br />

oder der Aufgabemenge führen<br />

zu schwankenden Beladungen des Waschwassers<br />

mit abschlämmbaren Bestandteilen.<br />

Eine kontinuierliche Dosierung der Flockungsmittel<br />

zieht somit die Gefahr einer<br />

Überdosierung mit Verschleppung der Polymere<br />

in das Waschwasser bzw. einer Unterdosierung<br />

mit dem Risiko von verschmutztem<br />

Waschwasser und einer verminderten<br />

Produktqualität nach sich. Um auf diese<br />

Schwankungen flexibel reagieren zu können,<br />

bietet HeGo Biotec eine kontinuierliche Feststoffmessung<br />

im Zulauf zum Klärprozess an.<br />

Nach Anpassung des Messsystems an die<br />

Bedingungen vor Ort kann die Flockungsmittellösung<br />

automatisch entsprechend des<br />

Bedarfs zugesetzt werden. Im Ergebnis wird<br />

die eingesetzte Polymermenge optimal genutzt,<br />

Über- und Unterdosierungen werden<br />

sicher vermieden und eine gleichbleibend<br />

hohe Klarwasserqualität ist gewährleistet.<br />

www.hego-biotec.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


64 SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

Flockungshilfsmittel<br />

richtig einsetzen<br />

In den meisten Produktionsanlagen<br />

der Sand- und Kiesindustrie werden<br />

seit Jahrzehnten synthetische wasserlösliche<br />

Polyacrylamide, besser<br />

bekannt als Flockungshilfsmittel,<br />

zur Klärung des Waschwassers in<br />

geschlossenen Kreisläufen eingesetzt.<br />

Unterschieden werden bei<br />

den Flockungshilfsmitteln drei<br />

Gruppen: Während nicht ionische<br />

Flockungshilfsmittel ihre Hauptverwendung<br />

in sauren Aufschlussverfahren<br />

finden, sind im mineralischen<br />

Bereich hauptsächlich anionische<br />

Produkte im Einsatz. Kationische<br />

Flockungshilfsmittel werden überwiegend<br />

auf kommunalen Kläranlagen<br />

eingesetzt. Doch Vorsicht, auch<br />

hier gibt es Ausnahmen!<br />

Felsenfest steht in jeden Fall eines:<br />

Um das passende Flockungshilfsmittel<br />

für eine Waschwasserklärung zu<br />

finden, sind Laborversuche unerlässlich.<br />

Hierbei werden Produkte mit<br />

einer unterschiedlichen Ladungsdichte<br />

und verschiedenen Molekulargewichten<br />

miteinander verglichen.<br />

Beurteilt werden dabei die Sinkgeschwindigkeit<br />

der Agglomerate sowie<br />

die Resttrübung des Wassers, um<br />

die Erfolg versprechendste Lösung<br />

zu finden.<br />

Alternative? Ja – aber …<br />

Die Frage, ob es speziell für die Klärung<br />

der Prozesswässer in der Gesteinsindustrie<br />

eine Alternative zu<br />

den synthetischen wasserlöslichen<br />

Polyacrylamiden gibt, lässt sich nicht<br />

mit einem klaren Ja oder Nein beantworten.<br />

Die auf Stärke basierenden<br />

Flockungsmittel besitzen nämlich<br />

den gleichen Funktionsmechanismus<br />

wie die synthetischen wasserlöslichen<br />

Polyacrylamide. Wenn wir aber<br />

die anionischen Polyacrylamid-Produkte<br />

betrachten, besteht im Vergleich<br />

dazu bei dem alternativen<br />

Stärke- resp. Bio-Produkt so gut wie<br />

keine Auswahl, wenn es um Ladungsdichte<br />

und Molekulargewicht geht.<br />

Hinzu kommt außerdem noch die<br />

deutlich geringere Scherstabilität, die<br />

nicht selten bei falscher Anwendung<br />

zu einem eklatanten Mehrverbrauch<br />

führt. Gerade bei auf Stärke basierenden<br />

Produkten ist dem technischen<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

65<br />

VORBEREITUNG<br />

eines Laborversuchs<br />

nach DIN<br />

23007. Fotos: Autor<br />

LAUFENDER VERSUCH<br />

mit verschiedenen Sinkgeschwindigkeiten<br />

nach<br />

DIN 23007.<br />

Umfeld größte Beachtung zu schenken.<br />

Dennoch ist selbst bei exakter<br />

technischer Auslegung mit einem<br />

deutlichen Mehrverbrauch zu rechnen.<br />

Nach bisherigen Erfahrungen<br />

aus Labor- und Betriebsversuchen ist<br />

gegenüber Polyacrylamid von einem<br />

Faktor 5 bis 10 auszugehen.<br />

Wie dosiere ich richtig?<br />

Die vorhandene Personaldecke in den<br />

meisten Gesteinsgewinnungsbetrieben<br />

lässt eine regelmäßige Kontrolle<br />

der Wasserkläreinrichtung nicht zu.<br />

Nichtsdestotrotz ist beim Einsatz von<br />

chemischen Produkten immer nach<br />

dem altbewährten Lehrsatz „So viel<br />

wie nötig, so wenig wie möglich“ zu<br />

verfahren. Hierbei helfen technische<br />

Lösungen weiter. Seit vielen Jahren<br />

gibt es zuverlässige Dosiergeräte für<br />

Flockungshilfsmittel, die eine Überdosierung<br />

bei der gezielten Sedimentation<br />

ausschließen. Selbst stark<br />

schwankende Feststoffgehalte und<br />

sich verändernde Körnungen lassen<br />

gute Dosiergeräteeinheiten kalt. Dank<br />

dessen amortisiert sich ein solches<br />

Gerät über den Minderverbrauch<br />

meistens schon innerhalb eines Produktionsjahres.<br />

Was sagt die Umwelt?<br />

Die anionischen synthetischen wasserlöslichen<br />

Polyacrylamide werden<br />

seit den <strong>19</strong>50er-Jahren im Berg- und<br />

Tagebau eingesetzt. Auffälligkeiten<br />

über das im Herstellungsprozess verwendete<br />

Acrylamid sind bisher nicht<br />

bekannt. Nach der angestrebten Polymerisation<br />

sprechen wir lediglich<br />

über minimale Anteile freien Acrylamids,<br />

die im Herstellungsprozess<br />

keine reaktiven Partner gefunden<br />

haben. Ein Nachweis über freies Acrylamid<br />

im Schlamm bzw. Filterkuchen<br />

ist analytisch nach heutigem<br />

Stand der Technik nicht möglich. Eine<br />

Rückwandlung von synthetischen<br />

wasserlöslichen Polyacrylamiden<br />

nach der Deponierung des eingedickten<br />

Schlammes aus sich verkürzenden<br />

Polymerketten zu Acrylamid kann<br />

ebenso wenig nachgewiesen werden.<br />

Beleg ohne Berücksichtigung<br />

Ein aktuelles Untersuchungsergebnis,<br />

ermittelt durch das Hygiene-Institut<br />

Gelsenkirchen, soll diese Feststellungen<br />

unterstreichen. Hierbei<br />

geht es um den Vergleich eines synthetischen<br />

Polymers mit einem Bio-<br />

Polymer auf Stärkebasis. Untersucht<br />

wurden dafür eine unbehandelte<br />

Probe, eine Probe mit synthetischem<br />

Polymer sowie einer Probe mit Bio-<br />

Polymer hinsichtlich des TOC/DOC-<br />

Anstieges. Untersuchungsgegenstand<br />

war der Filterkuchen einer Schlammentwässerung<br />

auf Kammerfilterpressen<br />

und anschließender Deponierung<br />

des entwässerten Schlammes. Folgende<br />

Untersuchungsschritte kamen<br />

dabei zum Tragen:<br />

Bestimmung Trockenmasse TS (%)<br />

nach DIN 38409-H 1<br />

Bestimmung organischer Kohlenstoff<br />

TOC (%) nach DIN EN 14039<br />

Bestimmung des gelösten organischen<br />

Kohlenstoffs DOC (mg/l) nach<br />

DIN EN 1484<br />

Das Ergebnis fiel folgendermaßen aus:<br />

Probe 1, unbehandelt: TS: 99,23 %,<br />

TOC: 0,8 %, DOC: 5,7 mg/l<br />

Probe 2, behandelt mit Bio-Polymer:<br />

TS: 99,3 %, TOC: 1 %, DOC: 6,4 mg/l<br />

Probe 3, behandelt mit Polyacrylamid<br />

Knöcheltief im Schlamm?<br />

Wir ziehen Sie raus!


66<br />

SPEZIAL FLOCKUNGSHILFSMITTEL<br />

EINMAL INSTALLIERT, arbeitet die automatische<br />

Dosiersteuerung nach den aufwendigen Vorarbeiten,<br />

die hierfür unerlässlich sind, im Selbstlauf.<br />

SCHWERKRAFTVERSTÄRKER<br />

Flockungsmittel sorgen bei<br />

der Sedimentation für<br />

• Hohe Absetzgeschwindigkeit<br />

• Einen feststofffreien Überlauf<br />

• Erhöhung der Kapazität<br />

• Hohen Feststoffgehalt im Schlamm<br />

• Höhere Wasserrückgewinnung<br />

FLIESSBILD eines vollautomatischen Dosiersystems für Flockungshilfsmittel. Die Optimierung der<br />

Dosiergeräte ist zeitaufwendig, aber sehr wichtig. In der Regel fallen bis zur Inbetriebnahme vier<br />

Manntage an. Fotos: Autor<br />

Floc-tech 5<strong>05</strong>8-10: TS: 98,16 %,<br />

TOC: 0,9 %, DOC: 3,2 mg/l.<br />

Diese Ergebnisse zeigen deutlich,<br />

dass der Einsatz von Flockungshilfsmitteln<br />

und Flockungsmitteln keinen signifikanten<br />

Anstieg der TOC- und DOC-<br />

Werte im Schlamm verursacht!<br />

Leider finden solche Ergebnisse und<br />

Erkenntnisse, die eigentlich für sich<br />

selbst und die bewährte fachliche Praxis<br />

sprechen, so gut wie keine Akzeptanz<br />

im Zuge von Genehmigungsverfahren<br />

oder bei der Erweiterung von<br />

Betriebsgenehmigungen. Bearbeitungszeiten<br />

von mehr als sechs Monaten<br />

sind keine Seltenheit. Hier spielt<br />

offenbar die Verunsicherung in den „Unteren<br />

Wasserbehörden“ eine wesentliche<br />

Rolle. Es besteht demnach politischer<br />

Handlungsbedarf, um Klarheit in<br />

dieser Frage zu schaffen! Denn am<br />

Ende geht es um mehr als nur um Flockungshilfsmittel.<br />

Es geht um Effizienz<br />

in der kompletten Verfahrenskette, um<br />

einen relativ unkomplizierten Bürokratieabbau<br />

und um die Produktivität der<br />

Betriebe. Letztere wird immer, erst recht<br />

aber in Zeiten wachsender Nachfrage<br />

zum Zünglein an der Waage.<br />

Individuelle Fragen zu diesem Artikel<br />

oder zum Einsatz von Hilfsmitteln zur Feststoff-/Flüssigtrennung<br />

beantworten die<br />

Autoren dieses Beitrages jederzeit gerne.<br />

Auch ein Ausflug auf die Website lohnt<br />

sich. Er unterstreicht die tiefe Verwurzelung<br />

der Floc-Tech-Fachleute im Element<br />

der vielfältigen Wasseraufbereitung.<br />

Ein Beitrag von Werner Liedtke, leitender<br />

Berater, und Patrick Landau, Geschäftsführer<br />

der Floc-Tech GmbH Lünen<br />

www.floc-tech.de<br />

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68<br />

BAGGER & RADLADER<br />

GIGANT: Der neue mächtige Cat 6030FS<br />

arbeitet sich seit Kurzem souverän durch den<br />

Kreidekalk bei Beckum. Foto: Cat/Zeppelin<br />

Seltenheit im XXL-Format<br />

Mit einem Cat-Bagger 6030FS verfügt die Holcim-Gruppe in ihrem Steinbruch<br />

am Standort Beckum seit April über eine der schwersten Gewinnungsmaschinen<br />

ihrer Art in Deutschland. Das Modell wurde im Caterpillar-Werk<br />

in Dortmund gebaut. Grundsätzlich eher für Minen entwickelt,<br />

leistet der Bagger nun aber auch in Deutschland genau die Gewinnungsarbeit,<br />

die im Steinbruch des Zementwerks von ihm erwartet wird.<br />

Der gut 15 m lange und 7,5 m hohe Koloss<br />

bringt es auf 294 t Einsatzgewicht.<br />

In seine 9,5-m 3 -Schaufel passen bis zu<br />

20 t Material. Eine Leistung von 1140 kW<br />

rundet die Superlative ab. Was der Bagger<br />

für Ausmaße hat, zeigt sich noch<br />

deutlicher bei Anlieferung und Montage:<br />

Zwölf Sondertransporter waren erforderlich<br />

und der Aufbau nahm dreieinhalb<br />

Wochen in Anspruch. Um alle<br />

Bauteile im Lot ausrichten zu können,<br />

wurde der Montageplatz vorab extra<br />

befestigt. Zwei Kräne mit je 100 t Hublast<br />

waren nötig, um die tonnenschweren<br />

Komponenten abladen und aufbauen<br />

zu können. Hand in Hand arbeiteten<br />

Monteure von Caterpillar, Zeppelin<br />

sowie Holcim zusammen, bis der Riesen-Bagger<br />

fertig montiert und einsatzbereit<br />

war.<br />

Für Haupt- und<br />

Nebenarbeiten gewappnet<br />

Mit dem neuen Schwergewicht werden<br />

inzwischen Kalkstein und Kalkmergelgesteine<br />

in Beckum gewonnen. Gefordert<br />

werden von ihm mindestens 470 t Rohmaterial<br />

pro Stunde. Darüber hinaus<br />

muss noch ausreichend Reserve für anstehende<br />

Nebenarbeiten wie etwa das<br />

Zerkleinern von zu großen Gesteinsbrocken<br />

vorhanden sein. Generell kennt sich<br />

der Betreiber schon mit Großkalibern<br />

aus, denn das neue Modell ersetzt einen<br />

Großhydraulikbagger mit einem Dienstgewicht<br />

von etwa 240 t. Weil dieser in 25<br />

Jahren gut 25.000 Bh abgeleistet hatte,<br />

eruierten die Verantwortlichen bei Holcim<br />

seit 2015 intensiv, mit welcher Nachfolgetechnik<br />

in Zukunft die Gewinnungsarbeit<br />

geleistet werden soll. Hinzugezogen<br />

wurde Stefan Oppermann von der Zeppelin-Einsatz-<br />

und Projektberatung.<br />

Schon vor 20 Jahren ging der Spezialist<br />

der Frage nach, wie die auftretenden<br />

Mergelschichten wirtschaftlich zu gewinnen<br />

sind. „Wir haben im Lauf der Zeit<br />

verschiedene Möglichkeiten eruiert und<br />

untersucht. Außerdem wurden verschiedene<br />

Tests und seismische Untersuchungen<br />

durchgeführt, um die Beschaffenheit<br />

des Gebirges zu ermitteln und mit<br />

welcher Technik die geforderte Tonnage<br />

erreicht werden kann“, so Oppermann.<br />

Ursprünglich war man mal von zwei Ladegeräten<br />

ausgegangen. „So stand auch<br />

mal die Idee im Raum, einen kleinen und<br />

großen Bagger parallel einzusetzen.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

69<br />

MOTORSTART und Schlüsselübergabe des Baggers mit Beckums<br />

Bürgermeister Dr. Karl-Uwe Strothmann im Kreis von Projektakteuren<br />

bei Holcim, Zeppelin und Caterpillar.<br />

MAULHELD: In die 9,5-m³-Schaufel aus verschleißarmem<br />

Hardox-Stahl mit fünf Zähnen des Cat-Zahnsystems C95<br />

passen bis zu 20 t Material. Fotos: Zeppelin-Cat<br />

2007 wurde ein RH 120 ins Spiel gebracht,<br />

was dazu führte, die Einsatzbedingungen<br />

von Grund auf zu analysieren.<br />

Die Beurteilung der Einsatzsituation damals<br />

behielt ihre Gültigkeit, als 2015 der<br />

Weg in Richtung des 6030FS konkreter<br />

wurde und definitiv abzusehen war, dass<br />

der alte Bagger nicht mehr lange einsatzfähig<br />

sein würde, Sprengungen reduziert<br />

werden mussten und wieder eine fundierte<br />

Einsatzanalyse erforderlich<br />

wurde“, berichtet der Experte. Das führte<br />

zum Ergebnis, einen Hochlöffelbagger<br />

mit Klappschaufel vorzuschlagen, der<br />

entsprechende Grabkräfte aufbringt, um<br />

das Material zu lösen, zu zerkleinern und<br />

mit dem die Baumaschine in allen Kalkund<br />

Kalkmergelschichten stabil die geforderte<br />

Förderleistung zur Versorgung<br />

des Zementwerks sicherstellen kann.<br />

Oppermann erarbeitete das Konzept,<br />

das mit als Grundlage für die Investitionsentscheidung<br />

diente. Mit seinen Kollegen<br />

aus dem Vertrieb wurden der Einkauf<br />

sowie die Gewinnungsexperten und das<br />

Management von Holcim in Bezug auf<br />

die Maschinenkonfiguration beraten – ein<br />

Prozess, der sich in Teamarbeit über<br />

einen längeren Zeitraum hinzog.<br />

Auch beim Service abgesichert<br />

Schließlich mussten Leistungsdaten gegenübergestellt<br />

und die passende Ausstattung<br />

ermittelt werden. Dabei spielten<br />

Faktoren eine Rolle, wie etwa die notwendige<br />

Abbauhöhe und die Mächtigkeit<br />

einzelner Mergelschichten, aber<br />

auch Servicekosten und das Servicekonzept<br />

in Form eines auf 15.000 Bh<br />

ausgelegten Full-Service-Vertrags.<br />

„Da gerade eine solche Maschine selten<br />

in Deutschland eingesetzt wird und<br />

entsprechende Erfahrungen nicht gegeben<br />

sind, war uns ein überzeugendes<br />

Konzept sehr wichtig“, äußert Kevin Haß,<br />

Einkaufsmanager Mining, Logistics und<br />

Trucks bei Holcim Deutschland. „Auch<br />

auf einen effizienten Kraftstoffverbrauch<br />

haben wir bei diesen Dimensionen großen<br />

Wert gelegt. Schon jetzt lässt sich<br />

feststellen, dass wir in Bezug auf den<br />

Kraftstoffverbrauch eine der effizientesten<br />

Maschinen in dieser Größe angeschafft<br />

haben“, so Michael Dommin,<br />

Leiter Gewinnungsbetriebe bei Holcim<br />

West Zement.<br />

Entscheidend für die Grabkräfte zur<br />

Direktgewinnung wirkt sich ein wesentliches<br />

Merkmal des Baggers aus: die<br />

TriPower-Kinematik. Die Anlenkung von<br />

Hub- und Schaufelzylinder über eine<br />

Dreieckskonstruktion sorgt für erhöhte<br />

Vorschub- und Grabkräfte an der Schaufel<br />

und höhere Auslegermomente als bei<br />

einer herkömmlichen Baggerkinematik<br />

ohne höheren Energieeinsatz. Außerdem<br />

sichert die automatische winkelkonstante<br />

Schaufelparallelführung einen hohen<br />

Füllungsgrad und verhindert ein Überkippen<br />

des Materials. Eine weitere Vorgabe<br />

des Betriebs: Die Ladespiele sollten<br />

zügig über die Bühne gehen – kurze<br />

Taktzeiten waren ebenso Bedingung.<br />

Schließlich mussten auch die auftretenden<br />

Emissionswerte überzeugen, was<br />

durch den Einbau eines Geräuschunterdrückungssystems<br />

erreicht wurde. Auch<br />

sonst wurden einige Modifikationen in<br />

der Ausrüstung vorgenommen, um den<br />

Bagger optimal an die Einsatzbedingungen<br />

anzupassen. Bei den Ketten sollte<br />

eine größere Aufstandsfläche als bisher<br />

erreicht werden, um die Flächenpressung<br />

des Geräts auf den Untergrund zu<br />

reduzieren. Überzeugt hat schließlich<br />

auch das Konzept mit zwei Cat-Acert-<br />

Diesel-Motoren C27. Fällt einer aus, kann<br />

der Bagger aus dem potenziellen Gefahrenbereich<br />

bewegt werden – ein Motor<br />

erreicht bis zu 65 % der vollen Leistung.<br />

Weil Arbeitsschutz im Rohstoffbetrieb<br />

einen immensen Stellenwert hat, wurden<br />

auf besonderen Kundenwunsch diverse<br />

Extras umgesetzt, wie etwa ein Wartungssteg<br />

für die Reinigung der Fensterscheiben.<br />

Maschinist Uwe Reimann<br />

steigt über Trittstufen, die im 45-Grad-<br />

Winkel angelegt sind, zur Kabine auf.<br />

Noppen am Blech des Oberwagens gewähren<br />

bei Wartungsarbeiten einen sicheren<br />

Stand. Der Steuerblock wurde<br />

auf den Baggerarm gelegt, was die Zugänglichkeit<br />

sehr erleichtert. Das Fahrerhaus<br />

ist laut Reimann „größer als manches<br />

Büro“ und die Einstellmöglichkeiten<br />

seines Sitzes kommentiert er so: „Der<br />

Sitz ist luftgefedert, beheizbar und ein<br />

echter Traum.“<br />

www.zeppelin-cat.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


70<br />

BAGGER & RADLADER<br />

Groß und Klein<br />

gemeinsam in der Lava<br />

AKTIVPOSTEN: Die ME-Version des CX750D ist für harte<br />

Einsätze in der Gewinnung perfekt geeignet. Räumen und<br />

Vorsortieren des Materials erledigt auch der 35-t-Bagger<br />

CX350D problemlos und zügig. Fotos: Case<br />

Ein 75-t-Bagger sorgt im Lavabruch<br />

Ochtendung für die Direktgewinnung<br />

bei der AG für Steinindustrie. Seit<br />

Mitte des letzten Jahres hat sich der<br />

Case CX750D bereits in vielen Arbeitsstunden<br />

problemlos bewährt.<br />

Das Lavawerk Ochtendung südöstlich<br />

von Kruft liegt im Abbaugebiet Fresserhöfe.<br />

Gewonnen wird die Lava des Tönchesberges,<br />

eines der vulkanischen Schlackenkegel,<br />

die dem Vulkangebiet der<br />

Osteifel ihren typischen Charakter verleihen.<br />

Der CX750D wird im unteren Bereich<br />

des Grubenbetriebs in der direkten Rohstoffgewinnung<br />

eingesetzt. Lavaschlacke<br />

und Lavasande stehen hier als Lockergestein<br />

an und werden mit der Ausrüstung<br />

direkt aus der Wand gelöst. Danach wird<br />

das Fördergut auf Muldenkipper verladen<br />

oder aber direkt vor Ort mit einer mobilen<br />

Brecheranlage auf eine Größe heruntergebrochen,<br />

die eine problemlose Weiterverarbeitung<br />

erlaubt. Trotz des relativ<br />

geringen Gewichtes des Fördergutes ist<br />

die Beanspruchung für Arbeitsausrüstung<br />

und Hydraulik des CX750D bei dieser Art<br />

der Gewinnung nicht zu unterschätzen.<br />

Das Lavamaterial ist äußerst abrasiv und<br />

stellt vor allem an Löffel und Stiel höchste<br />

Anforderungen. Hinzu kommt, dass die<br />

Lagerstätte mit zahlreichen Basalt-Ablagerungen<br />

durchzogen ist, die im Verlauf<br />

der Abgrabungen immer wieder ausgeräumt<br />

werden müssen. Aus diesem Grund<br />

entschied sich der Betreiber bei der Beschaffung<br />

für die ME-Version des CX750D,<br />

der mit seiner enormen Losbrechkraft von<br />

bis zu 366 kN, einem größeren Löffelzylinder<br />

und einer optimierten Kinematik für<br />

harte Einsätze in der Gewinnung perfekt<br />

geeignet ist. Die Arbeitsausrüstung ist<br />

ebenfalls auf extreme Belastungen<br />

ausgelegt und besteht aus einem verstärkten<br />

HD-Ausleger, einem verkürzten<br />

3,02- m-HD-Stiel und einem gepanzerten<br />

4-m 3 -Felslöffel.<br />

Bei Arbeiten im Steinbruch direkt an<br />

der Wand ist außerdem ein zusätzlicher,<br />

solider Kabinenschutz für den Fahrer unabdingbar.<br />

Die große Bodenfreiheit, die<br />

der schwere Diagonal-Unterwagen bietet,<br />

erlaubt ein problemloses Überfahren von<br />

kleineren Materialresten und Basaltblöcken<br />

beim Ortswechsel, wenn der Bagger<br />

zur Erweiterung des Abbaubereiches<br />

oder zum Wegebau eingesetzt wird. Die<br />

spezielle Bauweise der Raupenlaufwerke<br />

mit ihren abgeschrägten Laufwerksträgern<br />

verhindert dabei einen Materialaufbau<br />

unter der Kette. Wie Bernd Kump,<br />

Gebietsverkaufsleiter in der Niederlassung<br />

Andernach erklärt, wird der CX750D<br />

außerdem von einem CX350D unterstützt,<br />

der immer dann an die Arbeit geht, wenn<br />

die enormen Kräfte des großen Bruders<br />

nicht unbedingt benötigt werden. Das<br />

Räumen und Vorsortieren des Materials<br />

erledigt auch der 35-t-Bagger problemlos<br />

und zügig. Aufgrund seiner größeren Beweglichkeit<br />

wird der CX350D in der Grube<br />

an wechselnden Standorten je nach Bedarf<br />

in der Gewinnung oder auch zur Instandhaltung<br />

des Wegenetzes eingesetzt.<br />

Für Grubenleiter Thomas Schäfer ist<br />

natürlich speziell der CX750D ein wichtiger<br />

Aktivposten: „Die Maschine liefert<br />

eine beeindruckende Leistung und arbeitet<br />

trotz der schwierigen Bedingungen in<br />

der Grube zuverlässig und dazu noch<br />

vergleichsweise sparsam. Wir setzen sie<br />

in erster Linie hier in der Gewinnung aus<br />

der anstehenden Wand ein. Und dort leistet<br />

sie ausgezeichnete Arbeit.“<br />

www.casece.com<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


DOPPEL-TEAM<br />

Ermüdungsfreie Performance mit Größe<br />

Der bereits <strong>19</strong>00 erschlossene Mütze-<br />

Steinbruch Frankenberg wird kontinuierlich<br />

erweitert. Das <strong>19</strong>65 gegründete mittelständische<br />

Betreiber-Unternehmen<br />

arbeitet mit höchsten Ansprüchen in<br />

Bezug auf Qualität und nutzt dazu Technik<br />

von Komatsu. Die Beständigkeit der<br />

Arbeit in Kombination mit einer Erhöhung<br />

der Absatznachfrage hat die Verantwortlichen<br />

motiviert, nochmals in<br />

neue Technik dieser Marke zu investieren.<br />

So wurden ein PC800-8-Hydraulikbagger<br />

und ein Muldenkipper HD4<strong>05</strong>-8<br />

von Komatsu angeschafft.<br />

Der PC800-8 setzt nicht ohne Grund<br />

weltweit Maßstäbe in der Gewinnungsindustrie.<br />

Enorme Grabkräfte, höchste<br />

Zug- und Lenkkräfte sowie ein sicherer<br />

Arbeitsplatz garantieren einen effizienten<br />

Arbeitsablauf. Bei seiner Entwicklung<br />

wurde besonders auf Sicherheit<br />

und Komfort für den Fahrer geachtet bei<br />

gleichzeitiger Steigerung der Einsatzproduktivität<br />

und -effizienz. Das war für<br />

die neuen Betreiber auch einer der<br />

Gründe, solch ein großes Investment für<br />

die Zukunft zu tätigen. Motor, Hydrauliksystem<br />

und Elektrik des Baggers wurden<br />

vollständig von Komatsu entwickelt<br />

und sorgen für höchste Kraftstoffeffizienz.<br />

Die Kraftstoffmanagement-Funktion<br />

von Komtrax hilft, den Verbrauch<br />

weiterhin zu senken und so als Teil der<br />

Produktionskette Gesteinskörnungen<br />

noch effektiver für den Frankenberger<br />

Raum zu produzieren. Der Komatsu-<br />

Muldenkipper HD4<strong>05</strong>-8 liefert im Gespann<br />

dazu Produktivität auf Abruf.<br />

Durch den Einsatz der neuesten Motorentechnologie<br />

von Komatsu bringt er<br />

eine gesteigerte Leistung. Gleichzeitig<br />

sorgt der kraftstoffsparende Antriebsstrang<br />

für niedrige Betriebskosten, zu<br />

denen auch die automatische Leerlaufabschaltung<br />

beiträgt. Die hohe Retarderleistung<br />

garantiert zuverlässiges<br />

Bremsverhalten. Der Muldenkipper mit<br />

40 t Eigengewicht hat zudem nicht nur<br />

den kleinsten Wenderadius in seiner<br />

Skw-Klasse, sondern unterbietet sogar<br />

einen Porsche 911.<br />

Ulrich Mütze, Geschäftsführer der<br />

Heinrich Mütze Bauunternehmen GmbH<br />

& Co. KG, zu der der Steinbruch gehört,<br />

äußert: „Wir sind sehr zufrieden mit der<br />

Qualität und Zuverlässigkeit der Maschinen<br />

sowie mit dem Service durch Schlüter<br />

für Baumaschinen. Der reibungslose<br />

Ablauf in der Produktion ist somit gewährleistet.<br />

Im Steinbruchbetrieb gilt es<br />

besonders, ein partnerschaftliches Miteinander<br />

aktiv zu leben und zu pflegen,<br />

SCHLÜSSELÜBERGABE: Burkhard von der Heide<br />

(Schlüter Kassel) mit den Mütze-Geschäftsführern<br />

Ulrich Mütze (r.), Marco Flatzek (M.) und ihren<br />

Ehefrauen. Fotos: Schlüter Baumaschinen<br />

VERJÜNGUNG der Steinbruchflotte. Das markengleiche<br />

Equipment wird jetzt von einem PC800-8-<br />

Hydraulikbagger und einem Muldenkipper HD4<strong>05</strong>-8<br />

von Komatsu unterstützt.<br />

denn Stillstandzeiten kosten viel Geld.<br />

Auch für Fragen rund um die neuen Leistungsgeräte<br />

hat der Komatsu-Premiumhändler<br />

stets ein offenes Ohr.<br />

www.muetze-bau.de/steinbruch.htm<br />

www.schlueter-baumaschinen.de<br />

www.komatsu.eu/de<br />

NEUES FLAGGSCHIFF<br />

Die Premium-Reihe stockt auf<br />

In der 9- bis 11-t-Leistungsklasse bietet Kramer in Zukunft den 8145T<br />

mit teleskopierbarer Ladeanlage und Z-Kinematik an. Der Teleskopradlader<br />

hat eine Schaufelkipplast von 5500 kg, eine Stapelnutzlast<br />

von 3900 kg und ein Betriebsgewicht von 11.170 kg. Seit letztem<br />

Jahr steht zudem in der gleichen Leistungsklasse der Radlader 8155<br />

bereit. Dieses Modell zeichnet sich durch eine Schaufelkipplast von<br />

6100 kg und eine Stapelnutzlast von 4200 kg aus und eröffnet daher<br />

eine neue Größenklasse im Kramer-Radlader-Produktportfolio. Die<br />

Rad- und Teleskopradlader sind mit leistungsstarker Load-Sensing-<br />

Hydraulik, dem innovativen Fahrantrieb Ecospeedpro (optional) und<br />

einem 100-kW-Deutz<br />

Motor, optional-alternativ<br />

auch mit einer 115 kW<br />

NEUE KRAFT: Mit dem<br />

Kramer 8145T bietet der<br />

Hersteller einen Teleskoplader<br />

mit Z-Kinematik.<br />

Foto: Kramer<br />

starken Version, ausgestattet. Ab Januar 2020 erfüllen beide Maschinen<br />

die Stufe V, Abgasnachbehandlung per DOC, DPF und SCR<br />

inklusive. Die teleskopierbare Ladeanlage vom 8145T erweitert den<br />

vollwertigen Radlader nochmals um eine gesteigerte Überladehöhe,<br />

Stapelhöhe, Ausschütthöhe und Reichweite. Das bedeutet maximale<br />

Vielseitigkeit im Einsatz mit extremen Überladehöhen.<br />

Die komfortable und voll verglaste Fahrerkabine bietet eine hervorragende<br />

Rundumsicht, während die Z-Kinematik für hohe Reißkräfte<br />

und besonders schnelles Auskippen steht. Wie bei allen<br />

Modellen der 8er-Serie – der Premium-Reihe von Kramer – stehen<br />

serienmäßig die Lenkarten Allrad-, Hundegang- und Vorderachslenkung<br />

zur Verfügung. Dank des bewährten ungeteilten Fahrzeugrahmens<br />

überzeugen beide Maschinen mit maximaler Standsicherheit,<br />

Wendigkeit und konstanter Nutzlast. Aufgrund der Allradlenkung<br />

und einem Lenkwinkeleinschlag von 2 x 40° liegt der Wenderadius<br />

der Maschinen bei nur 3865 mm.<br />

www.kramer.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


72<br />

BAGGER & RADLADER<br />

FERNE NEU DEFINIERT<br />

5G für den weltweiten TeleOperation-Betrieb<br />

Dass Doosan als erster Hersteller auf der<br />

bauma 20<strong>19</strong> die 5G-Technologie für den<br />

weltweiten „TeleOperation“-Betrieb von<br />

Baumaschinen über eine Riesendistanz<br />

demonstrierte, hat nicht wenige überrascht.<br />

TeleOperation heißt im Klartext:<br />

Baumaschinenführung von einer entfernten<br />

Bedienstation aus. Wobei „entfernt“<br />

sehr wörtlich zu nehmen ist, denn was der<br />

Maschinenführer per Bedienkonsole<br />

auf der Messe vorgab, setzte<br />

einen 40-t-Kettenbagger Doosan DX-<br />

380LC-5 im über 8500 km entfernten südkoreanischen<br />

Incheon live in Bewegung.<br />

TeleOperation wurde von Doosan gemeinsam<br />

mit dem südkoreanischen Telekommunikations-<br />

und Datendienstleistungsunternehmen<br />

LG U+ entwickelt. Die<br />

BRÜCKENSCHLAG zwischen München und Incheon in Südkorea. Mit dem Einsatz des 40-Tonners<br />

DX380LC-5 wurde eine Fernbedienung demonstriert, die ihrem Namen alle Ehre macht. Fotos: Doosan<br />

Demonstration stellte eine Premiere für<br />

die Fernsteuerung über eine derartig<br />

große Distanz dar, wobei die beiden<br />

Standorte einen Zeitunterschied von<br />

acht Stunden aufweisen.<br />

Für eine ordnungsgemäße Funktion ist<br />

es unerlässlich, Live-Video-Streaming am<br />

Standort des Bedieners zuverlässig und<br />

zeitnah bereitzustellen. Mit seiner hohen<br />

Zuverlässigkeit und geringen Latenzzeit<br />

überwindet das neue 5G-Netzwerk diese<br />

Probleme im Doosan-System, denn es<br />

bietet eine zehnmal schnellere Bandbreite<br />

und eine zehnmal geringere Verzögerung<br />

als das 4G-Netzwerk.<br />

Zu den besonderen Merkmalen gehört<br />

ein Videoübertragungsmodul mit niedriger<br />

Latenzzeit und schneller Videoübertragung<br />

(mit Kodierung und Dekodierung),<br />

ein wichtiger Faktor zur Reduzierung<br />

der Zeitverzögerung. LG U+ hat darüber<br />

hinaus ebenfalls neue Module eingeführt,<br />

die eine Bildverarbeitung mit niedriger<br />

Latenz ermöglichen, um die Zeitverzögerung<br />

weiter zu minimieren. Ein weiterer<br />

Faktor für eine effektivere Fernsteuerung<br />

ist der Einsatz der innovativen elektrohydraulischen<br />

Technologie von Doosan im<br />

Bagger DX380LC-5. Der ferngesteuerte<br />

Bagger ist nach wie vor eine Standardmaschine,<br />

die es ermöglicht, die Leistung<br />

und Kompatibilität von Anbaugeräten von<br />

Drittanbietern und anderen am Bagger<br />

installierten Geräten zu gewährleisten. Es<br />

ist zudem möglich, sowohl den Normalbetrieb<br />

als auch die TeleOperation mit<br />

derselben Maschine durchzuführen.<br />

Das System kann sowohl im Erdbau<br />

eingesetzt werden, eignet sich darüber<br />

hinaus aber auch ideal für den Betrieb von<br />

Baggern in gefährlichen Anwendungsbereichen.<br />

Die Sicherheit lässt sich durch die<br />

Funktionen Zoneneinteilung und Flächenbegrenzung<br />

des TeleOperation-Systems<br />

weiter ausbauen.<br />

www.doosanequipment.eu<br />

KRAFTVOLL IN TÜRKIS<br />

Mit kurzem Stiel ein Steinbruchprofi<br />

Der Kobelco-Bagger SK850LC-10E ist<br />

das jüngste Mitglied der Generation 10<br />

des japanischen Herstellers und gab<br />

sein Europa-Debüt auf der bauma. Angetrieben<br />

von einem leistungsstarken<br />

Hino-Motor, bietet die neue Maschine<br />

durch eine verbesserte Spezifikation<br />

mit einem Drehmoment von 2120 Nm<br />

und einer Leistung von 380 kW überragende<br />

Kraft- und Leistungsmerkmale.<br />

Der SK850LC-10E verfügt über ein hydraulisch<br />

angetriebenes Kühlsystem<br />

mit zwei Lüftern. Diese hydraulische<br />

Ausführung verhindert durch Einsatz<br />

von integrierten Sensoren eine übermäßige<br />

Kühlung und reduziert die Geschwindigkeit<br />

des Doppellüfters. Darüber<br />

hinaus wurden technisch<br />

ausgereifte Systeme für die Motordynamik<br />

entwickelt, um die Emissionsvorschriften<br />

der Stufe V einzuhalten.<br />

Der konventionelle SK850LC-10E mit<br />

Standardausleger und vier Stielvarianten<br />

eignet sich am besten für allgemeine<br />

Baustellen- und Aushubarbeiten.<br />

In China, Indien und verschiedenen<br />

anderen südostasiatischen<br />

Ländern wurden<br />

indessen umfangreiche Entwicklungs-<br />

und Testarbeiten in<br />

Steinbrüchen durchgeführt,<br />

wo sich die Maschine im Hinblick<br />

auf die spezielle Arbeitsbelastung<br />

und Stabilität bewährte.<br />

Folgerichtig ist eine<br />

„ME“-Version („Mass Excavation“<br />

bzw. Massenaushub) des<br />

SK850LC-10E mit kurzem Ausleger<br />

und kurzem Stiel speziell für Steinbrüche<br />

erhältlich. Eine Version mit Abbruch-Longfront<br />

(DLC) wird voraussichtlich<br />

2020 auf den Markt kommen.<br />

www.kobelco-europe.com<br />

VERTRETER DER 80-T-KLASSE: Der<br />

SK850LC-10E bietet hohe Leistung,<br />

schnelle Zykluszeiten, ein<br />

feinfühliges Hydrauliksystem<br />

sowie einen geringen Kraftstoffverbrauch.<br />

Foto: Kobelco<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


SCHLAUE MASCHINEN<br />

Leistungsträger<br />

und Datensammler<br />

Als erster ICT-Hydraulikbagger mit Maschinensteuerung in<br />

Europa feierte der ZX210X-6 auf der bauma Premiere. Dank<br />

der halbautomatischen Steuerung des Auslegers erledigt er<br />

Aushubarbeiten bis zu 50 % schneller als herkömmliche<br />

Bagger. Der halbautomatische Betrieb der Arbeitsausrüstung<br />

gewährleistet zudem eine gleichbleibend hohe Genauigkeit.<br />

Dadurch reduziert sich die Anzahl der sich wiederholenden<br />

Arbeitsabläufe sowie der Zeitaufwand für die<br />

Fertigstellung von Projekten. Der Bagger ist also ganz klar<br />

für Baustelleneinsätze entwickelt worden, wo er mit benutzerfreundlichen<br />

Funktionen die Fertigkeiten des Maschinenführers<br />

optimal unterstützt. Eine dieser Funktionen ist die<br />

Beibehaltung des Löffelwinkels oder auch der Überschnittschutz.<br />

So sind für Böschungsarbeiten weniger Bewegungen<br />

notwendig und der Maschinenführer kann sich besser auf<br />

die Bedienung von Ausleger und Stiel konzentrieren.<br />

Auch bei den ganz großen Maschinen gab es eine Weltpremiere,<br />

denn der globale Verkaufsstart der bis heute sichersten<br />

und effizientesten Miningbagger von Hitachi fiel<br />

zeitlich mit der bauma zusammen. Physisch vorgestellt wurden<br />

der EX1200-7 mit einem Betriebsgewicht von 120 t sowie<br />

sein deutlich größerer Bruder EX2600-7, der stolze 260 t auf<br />

die Waage bringt. Beide Modelle lösen ihre Vorgänger aus<br />

der 6er-Serie ab. Wie alle EX-7-Modelle verfügen die neuen<br />

Bagger über Hitachi-Technologien, die das industrielle „Internet<br />

of Things“ weltweit in den Bergbau bringen. Unter<br />

anderem werden sie in der Lage sein, sich mit Onlineservern<br />

zu verbinden, um wertvolle Daten zu sammeln und in nutzbare<br />

Informationen umzuwandeln. So sind Betreiber in der<br />

Lage, Sicherheit, Produktivität und Effizienz im Umfeld der<br />

Maschinen weiter zu steigern.<br />

www.kiesel.net<br />

KOLOSSAL:<br />

Der Miningbagger<br />

EX2600-7 ist<br />

wie sein Vorgänger<br />

in Tief- oder<br />

Hochlöffelausführung<br />

lieferbar.<br />

Fotos: Hitachi<br />

Ende<br />

Gelände<br />

für‘s<br />

Abbruch-/ Sortiergreifer<br />

• Schalen aus HARDOX®<br />

• Zylinder mit Enddämpfung<br />

• Für Abriss-, Umwelt- und<br />

Recyclingbranche<br />

Pulverisierer<br />

• Für Baggergrößen von 6-90 to<br />

Baggerdienstgewicht<br />

• Für Primärabbruch,<br />

Nachzerkleinerung,<br />

Sekundärabbruch uvm.<br />

Abbruchwerkzeuge im SALE<br />

www.hs-erdbaugeraete.de/sale<br />

BENUTZERFREUNDLICHE Funktionen unterstützen beim<br />

ZX210X-6 die Fertigkeiten des Maschinenführers optimal.<br />

HS-Schoch<br />

GmbH & Co.KG<br />

73466 Lauchheim<br />

Fon: 07363 9609-6<br />

06869 Coswig<br />

Fon: 034923 700-0<br />

Unternehmen der HS-Schoch Gruppe:<br />

ZFE<br />

GmbH<br />

77855 Achern-Gamshurst<br />

Fon: 07841 2<strong>05</strong>7-0<br />

bsg<br />

Handels GmbH<br />

85411 Eglhausen<br />

Fon: 08166 9969-0<br />

www.hs-schoch.de


74<br />

BAGGER & RADLADER<br />

NIEDERBAYERISCHE UNTERSTÜTZUNG<br />

Traditionsbetrieb am Rheinufer rüstet auf<br />

SCHIFFSENT- UND SILOBELADUNG in Germersheim werden dank<br />

25-m-Ausrüstung des mobilen 870 E massiv erleichtert. Mit der Schlüsselübergabe<br />

durch Jens Kümmerle, Michael Köhnlein und Özgü Öztura<br />

(Schlüter) sowie Kerstin Wabner (Sennebogen) an Erich und Peter Freyer<br />

fiel zur Freude von Fahrer Sascha Willner der Startschuss. Fotos: Sennebogen<br />

Im Germersheimer Binnenhafen startete<br />

das Familienunternehmen Freyer<br />

Hafenlogistik mit einem mobilen Sennebogen-Umschlagbagger<br />

870 E ins<br />

Jahr 20<strong>19</strong>. Der neue Eye-Catcher<br />

bringt beachtliche 110 t auf die Waage<br />

und bleibt dabei wendig sowie flexibel<br />

einsetzbar.<br />

Die Philosophie von Familienunternehmen<br />

ist überwiegend gleich, egal<br />

in welches man hineinblickt: Hier<br />

herrscht großer Fleiß, man liebt und<br />

lebt Tradition und spricht von langjährigen<br />

sowie verlässlichen Partnern, mit<br />

denen man geradezu freundschaftlich<br />

zusammenarbeitet. Einer dieser Familienbetriebe<br />

ist Freyer Hafenlogistik in<br />

Germersheim am Rhein, das mittlerweile<br />

in vierter Generation geführt wird.<br />

<strong>19</strong>02 begann der Urgroßvater des heutigen<br />

Geschäftsführers Peter Freyer in<br />

Neckarsulm mit der Gewinnung von<br />

Kies und Sand, ab <strong>19</strong>69 wurden die<br />

Geschäfte erfolgreich in den Hafen<br />

nach Germersheim verlegt und ein<br />

Wandel vollzogen: Seitdem dreht sich<br />

alles um die Be- und Entladung von<br />

Schiffen, wobei auch hier Kies und<br />

Sand eine Rolle spielen.<br />

„Unser Wirkungsbereich ist über die<br />

Jahre hinweg viel abwechslungsreicher<br />

geworden. Mit der Zeit gehen hieß<br />

für uns, flexibler auf die Marktanforderungen<br />

reagieren zu können. Daher<br />

haben wir ab der Jahrtausendwende<br />

unser Repertoire erweitert und bedienen<br />

das Feld der Hafenlogistik nun<br />

ganzheitlich: neben Kies und Sand<br />

kümmern wir uns heute um unterschiedlichste<br />

Waren, berichtet der<br />

71-jährige Senior-Chef Erich Freyer<br />

über die Weiterentwicklung.<br />

Mit dem neuen mobilen Umschlagbagger<br />

870 E entwickelte Freyer Anfang<br />

20<strong>19</strong> den Fuhrpark konsequent<br />

weiter, um noch mehr Flexibilität zu<br />

erlangen. Neben zwei älteren 3<strong>05</strong>-Telehandlern<br />

und dem kleineren 860 der<br />

D-Serie von Sennebogen fügt sich die<br />

neue Hafenmaschine perfekt in die Abläufe<br />

ein: Dank der Ausrüstung mit<br />

einer Gesamtlänge von 25 m lassen<br />

sich alle ankommenden Schiffe des<br />

Hafens bedienen. Besonders wichtig<br />

war bei der Projektierung in Zusammenarbeit<br />

mit dem Sennebogen-<br />

Händler Schlüter Baumaschinen die<br />

Befüllung des vorhandenen Silos mit<br />

einer Höhe von 16 m zu gewährleisten.<br />

Dank der großzügigen Auslegerlänge<br />

und hohen Standsicherheit des<br />

110-Tonners gelingt dies problemlos.<br />

Beachtlich ist des Weiteren die Umschlagmenge,<br />

die durch das Maschinenupgrade<br />

nun erreicht werden kann:<br />

Innerhalb von nur etwa 2,5 h werden<br />

Schiffe, die rund 2000 t Kies fassen,<br />

komplett entleert. Insgesamt befördert<br />

der 27-Mann-Standort jährlich 350.000 t<br />

Schütt- und Stückgut.<br />

„Wir treffen Maschinenentscheidungen<br />

natürlich nicht einfach so, da wir als<br />

Familienbetrieb ganz genau hinsehen<br />

müssen. Überzeugt hat uns der mobile<br />

870 E damit, dass er den kleinsten und<br />

gleichzeitig stabilsten mobilen Unterwagen<br />

am Markt hatte. So können wir<br />

agil vor Ort verfahren und die Maschine<br />

flexibel einsetzen“, erklärt Peter Freyer.<br />

Ein weiteres Kriterium war außerdem<br />

die feinfühlige Joystick-Steuerung<br />

in der komfortablen Maxcab-Kabine,<br />

die es dem Fahrer ermöglicht, Lasten<br />

bequem und punktgenau zu verladen.<br />

Ergänzend zur Standard-Kameraausrüstung<br />

ließ Freyer aus Sicherheitsgründen<br />

eine Zusatzkamera am Kompaktausleger<br />

anbringen, die den Fahrer<br />

insbesondere bei Arbeiten zur Befüllung<br />

des Silos unterstützt.<br />

www.sennebogen.com<br />

www.schlueter-baumaschinen.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

75<br />

LANGE ERWARTET<br />

Nachfolger in der 90-t-Klasse am Start<br />

Hyundai hat kürzlich den HX-Maschinenpark um einen<br />

neuen Schwerbagger erweitert – den lang erwarteten<br />

HX900 L. Diese 90-t-Maschine ersetzt das Modell<br />

R800LC-9. Konzipiert für die Anforderungen der europäischen<br />

Bau- und Steinbruchindustrie, wurde er mit<br />

marktführender Technologie entwickelt, um außergewöhnliche<br />

Produktivität zu gewährleisten. Die HX900 L<br />

ist die zweitgrößte Hyundai-Maschine im Programm der<br />

Marke, gleich hinter dem 120-t-Modell R1200-9.<br />

Herzstück des Raupenbaggers ist der umweltfreundliche<br />

wassergekühlte Stufe-IV-Scania-Motor DC16 084A<br />

mit 478 kW. Der robuste HX900 L ist konsequent für den<br />

Umgang mit harten und abrasiven Materialien in anspruchsvollen<br />

Arbeitsumgebungen konzipiert und konstruiert.<br />

Er kann mit einer Vielzahl von Zusatzgeräten und<br />

in verschiedenen Arbeitsmodi eingesetzt werden, um<br />

seine Fähigkeiten zu maximieren. Der hochstabile Ausleger<br />

mit Tieflöffelstiel bietet dem Fahrer eine verbesserte<br />

Stabilität bei Arbeiten mit hohen und schweren Lasten.<br />

Die Maschine wurde mit einer „kompletten Kettenführung“<br />

konzipiert und gefertigt. Da die Kippstrebe und die<br />

Walze beim Arbeiten in rauen Umgebungen geschützt<br />

sind, wird eine Ablösung der Kette verhindert, und die<br />

Belastbarkeit erhöht sich. Der X-förmige Unterwagen<br />

garantiert maximale Stabilität, die verstärkten Spoiler<br />

schützen die internen Funktionsteile der Maschine und<br />

verhindern Schäden besonders bei der Arbeit in zerklüftetem<br />

Gelände. Der hochsteife Schwenkmotor hat eine<br />

strenge Nachgiebigkeitsprüfung bestanden. Neueste<br />

Motorentechnologien, ein effizienteres vertikal gestapeltes<br />

Kühldesign, ein Doppelkühlsystem, das einen Kühlerund<br />

Ladeluftkühler-(CAC-)Lüfter mit einem umkehrbaren<br />

Ölkühlerlüfter kombiniert, sowie ein innovatives Hydrauliksystem<br />

tragen bei den Baggern der<br />

Hyundai-HX-Serie zu einer verbesserten Gesamtkraftstoffeffizienz<br />

von bis zu 9 % im Vergleich zu früheren<br />

Modellen bei. Das 8-Zoll-Armaturenbrett mit hoher Auflösung<br />

und Touchscreen liefert Informationen zu verschiedenen<br />

Bedien- und Steuerfunktionen. Mit der haptischen<br />

Steuerung ist zudem eine intuitive Bedienung<br />

möglich. Durch die neue Kabinenlagerung konnten Vibrationen<br />

und die Geräuschbelastung in der Kabine beträchtlich<br />

reduziert werden. Die neueste Klimaanlage<br />

ermöglicht es dem Fahrer außerdem, die gewünschte<br />

Temperatur über das AirMix-Kühl-/Heizsystem und den<br />

APTC (Automatic Positive Temperature Coefficient) mit<br />

höherer Kapazität einzustellen und den Luftstrom in der<br />

Kabine schnell zu regulieren. Die ergonomisch gestalteten<br />

Joysticks reagieren sehr schnell und sorgen für eine<br />

leichte Manövrierfähigkeit. Die vollständig zugängliche<br />

Motorhaube ist so konstruiert, dass genügend Platz für<br />

Wartungsarbeiten vorhanden ist und tägliche Kontrollen<br />

einfacher durchführbar sind.<br />

www.hyundai.eu<br />

LEISTUNGSSTARK: Der HX90L von Hyundai punktet mit zuverlässiger<br />

robuster Technik auch im Steinbruch. Foto: Hyundai<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


76<br />

BAGGER & RADLADER<br />

FABRIK NACH DER FABRIK<br />

(Fast) jede Maschine ein Unikat<br />

Im Oktober 2018 hat das neue Kiesel-<br />

Auslieferungszentrum, die „Fabrik“ in<br />

Stockstadt am Rhein, seine Arbeit<br />

aufgenommen. Dort rüsten Kiesel-<br />

Techniker Neumaschinen vor der Auslieferung<br />

speziell nach Kundenwunsch<br />

aus und um.<br />

„Die Maschinen kommen immer<br />

‚nackt‘ hier an“, erläutert Thomas<br />

Marquard, technischer Leiter der Kiesel-Fabrik.<br />

Das bedeutet, sie sind so,<br />

wie sie ab Werk vom Fließband laufen:<br />

mit Serienausstattung, ohne Schnellwechselsystem<br />

und Anbaugerät.<br />

Dass eine Maschine in diesem Zustand<br />

gekauft wird, ist äußert selten,<br />

vielmehr wird nahezu jede kundenspezifisch<br />

konfiguriert. Pro Jahr sollen<br />

es künftig mehr als 500 Einheiten<br />

werden.<br />

Zu den häufigsten Kundenanforderungen<br />

zählen der Einbau einer<br />

Schmieranlage und der Aufbau eines<br />

Schnellwechselsystems. Da sich viele<br />

QUALITÄT SEIT 65 JAHREN<br />

Wünsche wiederholen, entwickelt<br />

Kiesel statt aufwendiger Einzellösungen<br />

standardisierte und damit wirtschaftliche<br />

Kleinserien auf Basis sogenannter<br />

Montage-Kits. Öfter<br />

benötigte Ausrüstungsteile werden<br />

dafür in der Kiesel-Fabrik konstruiert<br />

und anschließend bei externen, spezialisierten<br />

Partnern gefertigt. „Das<br />

bringt enorme Preisvorteile gegenüber<br />

einer internen Einzelfertigung“,<br />

erläutert Marquard.<br />

Bereits in der Planung der Komponenten<br />

wird auf Zweckmäßigkeit und<br />

Wartungsarmut geachtet. „Das funktioniert<br />

sehr gut mit unserem Plugand-Play-Prinzip“,<br />

erläutert Marquard.<br />

„Die Komponenten werden so<br />

von uns entwickelt, dass sie einfach,<br />

schnell, mit möglichst wenig Aufwand<br />

und in gleichbleibender Qualität montiert<br />

werden können, und dass zu<br />

jedem späteren Zeitpunkt auch zweifelsfrei<br />

nachvollzogen werden kann,<br />

welche Komponenten an welcher<br />

Stelle verbaut wurden.“ Eine Vielzahl<br />

unterschiedlicher Montage-Kits für<br />

Bagger von 13 bis 35 t haben die Kiesel-Techniker<br />

inzwischen entwickelt.<br />

Das Besondere daran: nicht nur die<br />

Kollegen in der Fabrik, sondern auch<br />

die in den rund 40 Kiesel-Niederlassungen<br />

oder sogar Kunden selbst<br />

können sie montieren. Zu den Meistverkauften<br />

zählen das Schnellwechsler-Umbau-,<br />

das Schmieranlagenund<br />

das LED-Umrüstungs-Kit. Jedes<br />

dieser Pakete besteht aus den Montage-Teilen,<br />

die zur Ausrüstung einer<br />

Maschine mit einem gewünschten<br />

Zusatzmerkmal nötig sind. Das Kit<br />

zum Schnellwechsler-Umbau umfasst<br />

zum Beispiel rund 180 Teile. Darunter<br />

Hydraulikschläuche, Verschraubungen,<br />

elektrische Komponenten, Kabel,<br />

Bleche und Stahlbauteile. Montage-<br />

Kits für Minibagger und Radlader sind<br />

derzeit in Vorbereitung.<br />

Auch Design und Maschinenoptik<br />

kommen bei den Kiesel-Kits nicht zu<br />

kurz. „Wir achten natürlich darauf,<br />

dass die verbauten Kits optisch<br />

mit der Maschine verwachsen“, so<br />

Marquard.<br />

www.kiesel.net<br />

• Becherwerke<br />

• Schneckenförderer<br />

• Zellenradschleusen<br />

• Doppelwellenmischer<br />

RUSSIG Fördertechnik<br />

GmbH & Co. KG<br />

Auf dem Tigge 58<br />

D-59269 Beckum<br />

T +49 2521 / 14091<br />

F +49 2521 / 13621<br />

www.russig.de<br />

INDIVIDUELL STATT STANDARD: In der Fabrik nach der Fabrik wird aus Hitachi-Serienmodellen mit<br />

Hilfe von Montage-Kits eine individuell abgestimmte Multifunktionsmaschine. Foto: Kiesel<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


Kiesgewinnung mit<br />

5,4 m³ Schleppschaufel<br />

708 kW PURE DYNAMIK<br />

MIT UNSEREN SEILBAGGERN GROßES BEWEGEN<br />

SENNEBOGEN<br />

Maschinenfabrik GmbH<br />

Teleskoplader<br />

5,5 t<br />

Balancer<br />

130-300 t<br />

Materialumschlag<br />

17-400 t<br />

Seilbagger<br />

13,5-300 t<br />

Raupenkran<br />

50-300 t<br />

Telekran<br />

16-130 t<br />

Hafenkran<br />

300 t<br />

Sennebogenstraße 10<br />

94315 Straubing, Germany<br />

Bernhard Kraus<br />

bernhard.kraus@sennebogen.de


78 BAGGER & RADLADER<br />

SENKRECHT-HYBRID<br />

Eine Energie-Erntemaschine im Teststadium<br />

Oft sind die einfachsten Ideen die besten.<br />

Volvo CE hat sich diesen Leitsatz<br />

bei der Entwicklung des neuen EC300E<br />

Hybrid zu eigen gemacht. Im Gegensatz<br />

zu anderen Systemen, welche die<br />

Schwenkenergie des Baggers aufnehmen,<br />

um den Motor elektrisch zu unterstützen,<br />

gewinnt der neuartige hydraulische<br />

Hybridbagger „freie“ Energie,<br />

die durch die Abwärtsbewegung des<br />

EIN BAUSATZ aus nur wenigen, einfach<br />

zu wartenden Zusatzkomponenten ist<br />

Schlüssel der Innovation. Fotos: Volco CE<br />

Baggerauslegers erzeugt wird, um das<br />

Hydrauliksystem zu unterstützen. Die<br />

kraftvollen, regelmäßigen Bewegungen<br />

des Auslegers laden den Druckspeicher<br />

auf, der dann Energie für den<br />

Antrieb hydraulischer Hilfsmotoren<br />

liefert, die wiederum die Hydraulikpumpe<br />

unterstützen. Das Hybrid-<br />

Modell verfügt dabei über die gleichen<br />

Steuermodi und die gleiche<br />

FELDEINSATZ: Der EC300E Hybrid erntet<br />

„freie“ Energie, die durch die Abwärtsbewegung<br />

des Baggerauslegers erzeugt wird.<br />

Leistung wie der klassische EC300E<br />

– einschließlich der Möglichkeit, im<br />

ECO- und Hybrid-Modus gleichzeitig<br />

zu arbeiten.<br />

Die ebenso einfache wie clevere<br />

Lösung entlastet den Motor und<br />

sorgt dabei für einen um bis zu<br />

17 % geringeren Kraftstoffverbrauch<br />

ohne Einbußen bei der Leistung. Bei<br />

Aushub- und Ladeeinsätzen amortisiert<br />

sich das in der Anschaffung<br />

etwas teurere Hybrid-Modell im Vergleich<br />

zur Serienmaschine so bereits<br />

nach etwa zwei Jahren. Hinzu kommt,<br />

dass der Bausatz aus nur wenigen,<br />

einfach zu wartenden Zusatzkomponenten<br />

besteht.<br />

Noch ist der EC300E Hybrid nicht<br />

kommerziell verfügbar, wird derzeit<br />

aber bei ausgewählten Kunden eingesetzt,<br />

um die Technologie in der Praxis<br />

auf Herz und Nieren zu testen.<br />

www.volvoce.com<br />

MULTIFUNKTIONAL<br />

Servicegerät für das Alltagsgeschäft und die Nische<br />

Teleskoplader haben sich unter den kleineren Hilfsgeräten<br />

im Betrieb zu ernsten Herausforderern unter den Ladern<br />

entwickelt. Ein besonders großes Potenzial schreiben die<br />

Hersteller dem Sennebogen 355 E zu und sehen ihn ausdrücklich<br />

als multifunktionales Gerät, das sowohl in klassischen<br />

Teleskopladeraufgaben als auch im schweren Materialumschlag<br />

punktet, wo üblicherweise Radlader zum<br />

Einsatz kommen. Tatsächlich verfügt das jetzt weiterentwickelte<br />

Modell vor allem durch das Alleinstellungsmerkmal<br />

einer hochfahrbaren Kabine über neue Qualitäten. In ausgefahrenem<br />

Zustand bietet sich eine echte 360°-Rundumsicht<br />

durch die großen Glasflächen. Eine auf bis zu 4,25 m<br />

angehobene Augenhöhe ermöglicht einen direkten Blick in<br />

den Laderaum von Lkw ebenso wie in Aufgabetrichter und<br />

dergleichen. In der Folge werden Präzision, Sicherheit und<br />

Arbeitstempo gesteigert. Durch seine Auslegung erreicht<br />

der Teleskoplader eine Hubkraft bis 5,5 t bei einer Hubhöhe<br />

bis 8,5 m. Der variable Einsatzbereich wird durch eine serienmäßige<br />

hydraulische Schnellwechseleinrichtung und<br />

viele andere Optionen für unterschiedliche Anbaugeräte<br />

zusätzlich erweitert. Die kompakte Bauweise sorgt für einen<br />

kleinen Wendekreis von unter 4 m. Dazu trägt unter anderem<br />

der Antriebsstrang mit Allradlenkung bei. Mit nur 11,5 t<br />

Gewicht ist der Sennebogen 335 E leicht transportierbar.<br />

Eine Besonderheit ist die von Radladern bekannte Z-Kinematik<br />

des Ausleger-Kopfs. Damit werden im Schaufelbetrieb<br />

die Losbrechkräfte enorm erhöht.<br />

Unbeeindruckt von äußeren Einflüssen kann sich der<br />

Fahrer immer auf seine Maschine verlassen und sich dank<br />

Klimaanlage bei angenehmen Temperaturen in der Multicab<br />

auf das Wesentliche konzentrieren. Der serienmäßige Umkehrlüfter<br />

sorgt für einen stets sauberen und einsatzbereiten<br />

Motor und garantiert somit Zuverlässigkeit auch bei<br />

ungünstigen Umgebungsbedingungen.<br />

www.sennebogen.de<br />

SICHER UND WENDIG: Der neue Sennebogen 355 E ermöglicht eine<br />

perfekte Rundumsicht durch die hochfahrbare Kabine. Foto: Sennebogen<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

79<br />

ADAPTIVE ARBEITSBELEUCHTUNG<br />

Aktive Unterstützung bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

Ein Liebherr-Radlader L 586 XPower trat kürzlich seinen Dienst<br />

im Maschinenpark der Dowideit Recycling GmbH in Wustermark<br />

an. Neben den Vorzügen der XPower-Radlader, wie<br />

Treibstoffeffizienz, Leistungsstärke, Robustheit und Komfort,<br />

HELLE OPTION: Die adaptive Arbeitsbeleuchtung steht auf Wunsch für alle mittleren<br />

und großen Liebherr-Radlader zur Verfügung. Der zusätzliche LED-Scheinwerfer<br />

verbessert die Lichtverhältnisse bei angehobener Ausrüstung. Foto: Liebherr<br />

die er bereits von einem im Maschinenpark laufenden L 580<br />

XPower kennt, nutzt der Betreiber eine adaptive Arbeitsbeleuchtung.<br />

Diese wurde speziell für die XPower-Radlader von<br />

Liebherr entwickelt, denn schlechte Lichtverhältnisse im Einsatzbereich<br />

stellen die Maschinenführer vor schwierige Herausforderungen.<br />

Bei der adaptiven Arbeitsbeleuchtung, einer<br />

intelligenten Lichtsteuerung, die Liebherr als Option anbietet,<br />

optimiert ein zusätzlicher LED-Scheinwerfer am Vorderwagen<br />

die Lichtverhältnisse bei angehobener Ausrüstung. Das Ergebnis<br />

ist ein ideal ausgeleuchteter Arbeitsbereich. Belastungen<br />

für den Maschinenführer durch Blendungen, Spiegelungen<br />

und Schatten reduzieren sich. Zusätzlich sorgen vier<br />

dimmbare Arbeitsscheinwerfer an der Oberkante der Kabine<br />

(LED oder Halogen) und zwei serienmäßige Fahrscheinwerfer<br />

(LED oder Halogen) für gute Lichtverhältnisse und ein hohes<br />

Maß an Sicherheit. Schatten und schwer einzusehende Bereiche<br />

bei der Beladung sind dadurch besser zu überblicken.<br />

www.liebherr.com<br />

ABRASION RESISTANT SOLUTIONS<br />

Mit unserem modernen Maschinenpark und kompetenten<br />

Serviceleistungen realisieren wir Ihre Produktanforderungen<br />

von Halbzeugen bis hin zu fertigen<br />

Baugruppen. Selbstverständlich liefern wir Ihnen auch<br />

handelsübliche und kundenspezifische Blechformate<br />

und Rohrabmessungen aus unserem Produktprogramm.<br />

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Steine- und Erdenindustrie.<br />

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Tel.: +49 (0) 5151 106640 - 0<br />

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5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


80 BAGGER & RADLADER<br />

BOLIDE AR 680, erklärt von Holger Wagner. Beim<br />

Spitzenmodell sind Heck und Kabine so abgestimmt,<br />

dass Menschen im Gefahrenbereich erkannt werden.<br />

Aufbruch in die große Klasse<br />

Die Atlas Weyhausen GmbH gehört zu den renommierten Herstellern<br />

mit langer Tradition in Deutschland. Seit mehr als 50 Jahren werden<br />

im Landkreis Oldenburg südwestlich von Bremen Baumaschinen<br />

hergestellt. Besonders mit seinen kompakten Radladern hat sich<br />

der mittelständische Hersteller über die Jahrzehnte einen Namen<br />

gemacht. In diesem Jahr folgte eine Modelloffensive mit der Einführung<br />

einer Baureihe oberhalb der 13-t-Klasse.<br />

Seit <strong>19</strong>71 ist das Werk in Wildeshausen<br />

Zentrum der Radladerfertigung, die traditionell<br />

das Rückgrat der Produktion<br />

darstellt. Schon bislang war der Hersteller<br />

bekannt für die Vielfalt seiner Fahrzeugpalette.<br />

Mit 17 Modellen in den Größenklassen<br />

zwischen 2,5 und 15 t<br />

Dienstgewicht gehört das Angebot, das<br />

auch Schwenklader und Teleskoplader<br />

umfasst, zu den umfangreichsten am<br />

Markt. Dabei sieht sich Atlas Weyhausen<br />

als Nischenanbieter im besten Sinne.<br />

Neben einer Serie von Walzen, die seit<br />

20<strong>05</strong> das Angebot erweitert, konzentriert<br />

sich der Hersteller auf seine Kernkompetenzen<br />

des Radladerbaus und setzt<br />

konsequent auf die Fortentwicklung der<br />

Baureihen in eigener Regie sowie auf<br />

eine hohe Fertigungstiefe. Das umfasst<br />

sogar den Stahlbau. Er wird über das<br />

eigene Tochterwerk Kapos Atlas in Ungarn<br />

durchgeführt, das bereits seit den<br />

<strong>19</strong>80er-Jahren für Atlas Weyhausen arbeitet<br />

und seit Anfang der <strong>19</strong>90er-Jahre<br />

zum Unternehmen gehört. Hier entstehen<br />

unter anderem Rahmen und Hubgerüst,<br />

die in der Wildeshausener Konstruktionsabteilung<br />

vorgegeben werden.<br />

Auch eigene Schaufeln für die Radlader<br />

werden dort produziert. In dieser Kombination<br />

aus langer Tradition und ausgeprägter<br />

Erfahrung werden in Wildeshausen<br />

auch neue Modelle entwickelt. So<br />

begann bereits 2014 die Umsetzung<br />

eines ersten Fahrzeugs oberhalb der<br />

13-t-Klasse. Marketingleiter Holger<br />

Wagner erklärt: „Die Idee war schon<br />

lange präsent. Bereits in den <strong>19</strong>90er-<br />

Jahren war eine Erweiterung der Radladerreihe<br />

in größere Klassen angedacht.<br />

Nachdem die ersten Versuchsmodelle<br />

entstanden waren, wurde das Projekt<br />

noch einmal verworfen. Aber im Prinzip<br />

wussten wir, dass wir das konnten.“ Als<br />

schließlich das Pflichten- und Lastenheft<br />

des neuen Modells ausgearbeitet war,<br />

konnte 2017 die Fertigung anlaufen. Was<br />

noch unter dem Markennamen Atlas aus<br />

der Taufe gehoben wurde, kam als Weycor<br />

250e auf den Markt, denn 2015 führte<br />

Atlas Weyhausen den Markennamen<br />

Weycor für seine Produkte ein.<br />

Erfolgreicher Auftritt<br />

Der neue Radlader fand sofort große<br />

Beachtung in der Branche. In mehrfacher<br />

Hinsicht erwies sich der Weycor<br />

250e als gelungener Wurf. Neben den<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

81<br />

„Die diesjährige bauma hat den richtigen Rahmen geboten, um unsere<br />

Weiterentwicklungen und Qualitätsstandards zu kommunizieren. Im Radladersegment<br />

haben wir eine der umfangreichsten Modellpaletten „Made in<br />

Germany“ am Markt. Dass wir vor Kurzem unser Portfolio nach oben bis in<br />

die Klasse über 14 t mit mehreren Modellen erweitert haben, konnten wir<br />

sehr erfolgreich vermitteln.“ Holger Wagner, Marketingleiter Weycor<br />

Konstrukteuren war ein Industriedesigner<br />

am Konzept beteiligt. Dessen Ideen<br />

waren offensichtlich so bestechend,<br />

dass sich der Radlader hochkarätige<br />

Preise verdiente. Neben dem iF Design<br />

Award 2017 gab es für den Weycor 250e<br />

auch den German Design Award 2018.<br />

Bei Konstruktion wie Design wurde strikt<br />

nach der Devise „form follows function“<br />

verfahren. Dabei standen Übersichtlichkeit<br />

sowie Sicherheit im Fokus, wie Holger<br />

Wagner erläutert: „Die eigens entwickelte<br />

Kabine und das neu gestaltete<br />

Heck harmonieren so perfekt, dass etwa<br />

ein unmittelbar hinter dem Fahrzeug stehender<br />

Mensch vom Fahrersitz aus gesehen<br />

werden kann.“ Die beste Übersicht<br />

in der Klasse auch nach vorn wurde<br />

mit einer vertikal wie horizontal optimal<br />

gewölbten einteiligen Scheibe realisiert.<br />

Für den Einsatz unter erschwerten Bedingungen<br />

wie etwa in Gewinnungsbetrieben<br />

sind die Kabinen der XXL-Klasse<br />

Rops/Fops zertifiziert.<br />

Großes Potenzial<br />

Als noch überzeugender stellten sich<br />

die inneren Werte heraus. Die Serienversion<br />

des Weycor 250e erwies sich<br />

in der Praxis als so gelungen, dass der<br />

Hersteller auf diesem Potenzial weiter<br />

aufbaute, um eine neue Fahrzeugklasse<br />

auf den Weg zu bringen. Im Ergebnis<br />

dessen wurde auf der bauma 20<strong>19</strong> die<br />

XXL-Baureihe offiziell vorgestellt.<br />

Deren Spitzenmodell ist der Weycor<br />

AR 680 mit einem Dienstgewicht von<br />

14,9 t und mit Standardschaufeln bis<br />

2,9 m³. Die Erweiterung der Baureihe<br />

fußt im Wesentlichen auf zwei Säulen:<br />

Zum einen verfügt der verwendete<br />

Stufe-V-Deutz-TCD-6.1-Motor über<br />

ausreichende Reserven, um bei den<br />

Weycor-Modellen in mehreren Leistungsstufen<br />

bis 218 PS eingesetzt zu<br />

werden. Mindestens genauso wichtig<br />

ist die Grundkonstruktion hinsichtlich<br />

ihrer Standfestigkeit und der damit verbundenen<br />

maximalen Kipplasten, dank<br />

eines eigens entwickelten Stahlrahmens<br />

für einen betont tiefen Schwerpunkt<br />

in Zusammenhang mit dem tief<br />

im Rahmen eingebetteten Sechszylinder.<br />

In der Folge baut auch die Abgasreinigung<br />

bestehend aus der Kombination<br />

von DOC, DPF und SCR nicht so<br />

hoch auf, was wiederum das intelligente<br />

übersichtliche Design erst ermöglichte.<br />

Hier schließt sich der Kreis eines<br />

in sich harmonisch abgestimmten leistungsstarken<br />

Gesamtkonzepts.<br />

FERTIGUNGSTIEFE: Selbst die Rahmen der schweren<br />

Radlader werden in der eigenen Stahlbaufertigung<br />

hergestellt. Der tief im Rahmen sitzende Motor sorgt<br />

in Verbindung mit den verstärkten Starrachsen für<br />

Standsicherheit und Geländegängigkeit.<br />

Eigene Leistungsstufen<br />

Die Verantwortlichen in Wildeshausen<br />

sind selbstbewusst überzeugt von ihrem<br />

ausgereiften Konzept und vertrauen auf<br />

ihre Leistungsfähigkeit, die Messlatte im<br />

Wettbewerb ein wenig höher hängen zu<br />

können. Die Kombination aus Motor und<br />

Rahmen wird zu einem Gesamtfahrzeug<br />

gefügt, das beim Spitzenmodell Weycor<br />

DAS TEILELAGER bildet das logistische Rückgrat für die gesamte Produktion. Per automatisiertem Tablar stehen mehr als 18.000<br />

Kleinteile schnell bereit. Fotos: bwi<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


82<br />

BAGGER & RADLADER<br />

ANBAUGERÄTE: Im eigenen Stahlbau<br />

entstehen auch die Schaufeln für unterschiedliche<br />

Einsatzgebiete.<br />

SPEZIALISTEN: Die Baureihe L umfasst diverse<br />

Exoten im Programm wie Schwenklader und<br />

Teleskopradlader.<br />

INSPIRATION: In der eigenen Konstruktionsabteilung<br />

sorgt ein Industriedesigner für das<br />

Hand-in-Hand von Technik und Optik.<br />

AR 680 eine gestreckte Kipplast von über<br />

11,1 t erreicht. Mit einer steinbruchtauglichen<br />

Bereifung 20,5 R 25 beträgt die Überladehöhe<br />

weit über 4 m und ausreichend, um jeden<br />

üblichen Lkw zu beladen. „Wir können mit<br />

unseren technischen Ansätzen zeigen, dass<br />

eine Maschine mehr ist als die Summe ihrer<br />

Teile“, erklärt Holger Wagner.<br />

Eine weitere interessante Eigenschaft<br />

der Weycor-Radlader besteht in ihrer werksseitigen<br />

Optionsvielfalt, die zum Teil aus<br />

Eigenentwicklungen besteht. Die Entwicklungsabteilung<br />

in Wildeshausen verfügt<br />

unter anderem über Spezialisten für Kabine,<br />

Stahlbau und Hydraulik, deren Ideen in einer<br />

angeschlossenen Versuchsabteilung mit<br />

eigenem Musterbau umgesetzt werden<br />

können. Die Variantenkonfiguration erlaubt<br />

etwa Schnellläufer bis 40/50 km/h.<br />

Für den komfortablen Einsatz wurde das<br />

sogenannte Weycor-Display-Control-System<br />

entwickelt. Mit einem Drehknopf werden<br />

damit wie im Pkw die Fahrfunktionen<br />

gesteuert. Als Beispiel für technische Exzellenz<br />

verfügt der Hersteller über ein Patent<br />

für eine hydraulische Start-Stopp-Automatik.<br />

„Ohne eine derartige Einrichtung<br />

wird zu erwartenden weiteren Verschärfungen<br />

der Abgasvorschriften kaum Paroli zu<br />

bieten sein“, blickt Holger Wagner voraus.<br />

Um technische Exzellenz abbilden zu können,<br />

ist Atlas Weyhausen langjähriger Entwicklungspartner<br />

seiner namhaften Hauptzulieferer<br />

wie Deutz, Bosch-Rexrodt oder<br />

Linde. Auf dieser Basis sieht sich das Unternehmen<br />

gut gerüstet für die Zukunft.<br />

Derzeit verlassen etwa 1600 Radlader pro<br />

Jahr das Werk, zusätzlich an die 300 Walzen,<br />

die auch auf internationalen Märkten<br />

großen Anklang finden. <br />

(bwi)<br />

www.weycor.de<br />

X-AKTE<br />

Robustes Design und viel Komfort<br />

Der vor etwa einem Jahr eingeführte 20-t-Bagger JCB 220X<br />

soll sich unter extremen Bedingungen wacker schlagen,<br />

selbst die Gewinnungsindustrie kann von seinen Qualitäten<br />

profitieren, erklärt der Hersteller und adressiert mit dem<br />

Einstiegsmodell der Serie „Next Generation“, bzw. X, kleine<br />

bis mittlere Betriebe der Gesteinsbranche.<br />

Die X-Bagger zeichnen sich durch einen optimierten Maschinenaufbau<br />

aus. Die Kabine ist gegenüber vorigen Modellen<br />

um 15 % vergrößert, der Geräuschpegel innen wurde<br />

deutlich auf 68 dB(A) gesenkt. Neu gestaltete Sitzoptionen,<br />

ergonomisch um den Fahrer verteilte Bedienelemente,<br />

Servo-Hebel direkt am Sitzrahmen und eine neu entwickelte<br />

Kommandozentrale, die sämtliche Schaltelemente auf<br />

einer einzigen Einheit vereint, sind weitere X-Serienkennzeichen.<br />

Über einen Drehknopf lassen sich Menüs und<br />

Funktionen auf dem zentralen 7-Zoll-Monitor steuern. Pedale,<br />

Fußstützen und Fahrhebel wurden optimiert.<br />

Nachdem der gesamte Oberwagen um 200 mm breiter<br />

ausfiel, ließ sich der Hauptausleger mittig anordnen, woraus<br />

mehr Präzision im Einsatz resultiert. Auch wird gegenüber<br />

der versetzten Position das Drehkranzlager entlastet.<br />

Robustheit prägt auch das Design: Handläufe wurden<br />

nach innen verlegt, scharfe Kanten an der Karosserie vermieden<br />

und exponierte Teile verzinkt. Die Leistung von 129<br />

kW liefert ein JCB-Ecomax-4,8-l-Dieselmotor (Stufe IV). Mit<br />

automatischer Drehzahlabsenkung und Motorabschaltung<br />

sorgt er für rund 5 % Kraftstoffeinsparung. Für eine Extraportion<br />

Reißkraft erhöht die Powerboost-Taste für neun<br />

Sekunden den Druck in der Hydraulik um 10 %.<br />

www.meinjcb.com<br />

SOLIDE: Der JCB 220X zeigt Klasse in jedem Terrain. Betreiber haben<br />

die Wahl zwischen Mono-, Verstell- und Langausleger. Fotos: JCB<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


Den Fortschritt erleben.<br />

Liebherr-Radlader<br />

L 550 XPower ® - L 586 XPower ®<br />

Kraftstoffeinsparung von bis zu 30 % durch Liebherr-XPower Fahrantrieb mit<br />

Liebherr-Power-Efficiency (LPE)<br />

Höchster Wirkungsgrad in allen Einsatzbereichen durch serienmäßige Kombination<br />

aus hydrostatischem und mechanischem Fahrantrieb<br />

Komfortables und sicheres Arbeiten durch sichtoptimiertes Kabinenund<br />

Motorhaubendesign<br />

Liebherr-Hydraulikbagger GmbH<br />

88457 Kirchdorf<br />

Tel.: +49 7354 80 0<br />

E-Mail: info.lhb@liebherr.com<br />

www.facebook.com/LiebherrConstruction<br />

www.liebherr.com


84<br />

BAGGER & RADLADER<br />

Rückendeckung vom<br />

Assistenten-Team<br />

EINS ZU EINS: Bei der Joysticklenkung<br />

für Liebherr-Radlader entspricht die<br />

Position des Joysticks stets dem<br />

jeweiligen Knickwinkel des Radladers.<br />

Für ausgewählte Radlader hat<br />

Liebherr ein umfangreiches Angebot<br />

an intelligenten Assistenzsystemen<br />

im Programm. Dazu gehören<br />

etwa die aktive<br />

Personenerkennung heckseitig,<br />

die Frontraumüberwachung und<br />

das Kamerasystem Skyview 360°.<br />

Ein weiteres Assistenzsystem ist<br />

die neue Wiegeeinrichtung, die als<br />

Kontrollwaage über einen großen<br />

Hubbereich arbeitet. Sämtliche<br />

Systeme sind von Liebherr entwickelt<br />

und vollumfänglich in die Maschinensteuerung<br />

integriert. Das<br />

gilt auch für die neue intuitive Joysticklenkung<br />

der Modelle L 526 bis<br />

L 586 XPower. Ihre Bedienung ermöglicht<br />

es dem Maschinenführer,<br />

präzise zu lenken, da die Position<br />

des Joysticks stets dem aktuellen<br />

Knickwinkel des Radladers entspricht.<br />

Intelligente Assistenten an seiner Seite<br />

zu wissen, ist immer eine gute Idee. Wie<br />

viel diese Helfer bereits vermögen, zeigte<br />

Liebherr nicht zuletzt auf der bauma,<br />

wo ein Radlader L 550 XPower mehrmals<br />

täglich in einer Live-Show am Liebherr-<br />

Stand mehrere neue Assistenzsysteme<br />

vorführte. Flankiert wurde er von einem<br />

L 580 XPower, der mit Assistenzsystemen<br />

und einer 13-m³-Hochkippschaufel<br />

für industrielle Einsätze vorbereitet ist,<br />

sowie einem über 32 t schweren L 586<br />

XPower mit neuer Joysticklenkung und<br />

lenkradloser Fahrerkabine.<br />

Joysticklenkung mit Kraftrückmeldung<br />

und Positionsregelung<br />

Die neue Joysticklenkung für die Radlader<br />

L 526 bis L 586 XPower ist ein<br />

innovatives Lenksystem, das optional<br />

zur Verfügung steht und es dem Maschinenführer<br />

erlaubt, komfortabel mit<br />

einer Hand zu lenken. Vor allem bei Einsätzen<br />

mit vielen Lenkmanövern sorgt<br />

die Joysticklenkung für Krafteinsparungen<br />

und ein entspannteres Arbeiten,<br />

denn kurze Bewegungen am ergonomisch<br />

geformten Joystick ersetzen das<br />

intensive Kurbeln am Lenkrad. Beim<br />

Joystickeinsatz liegt der linke Arm stets<br />

auf der bequemen Armlehne, und das<br />

selbst bei Richtungswechseln, denn ein<br />

Schalter am Bedienelement erlaubt das<br />

Umkehren der Fahrtrichtung.<br />

Die neue Joysticklenkung kombiniert<br />

außerdem Gewohntes mit Neuem,<br />

denn die Position des Joysticks entspricht<br />

stets dem jeweiligen Knickwinkel<br />

des Radladers und ist somit das,<br />

was man bei Bedienelementen „intuitiv“<br />

nennt. Gemeinsam mit der Kraftrückmeldung<br />

am Joystick setzt die<br />

neue Lenkung damit Maßstäbe in Sachen<br />

Benutzerfreundlichkeit und überzeugt<br />

im Vergleich mit anderen Joy-<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

85<br />

sticklenkungen. Somit ist die Bedienung<br />

dank neuer Joysticklenkung auch bei<br />

hohen Geschwindigkeiten und bei<br />

schwierigen Geländegegebenheiten<br />

sicher und komfortabel.<br />

In Kombination mit der Joysticklenkung<br />

steht bei den Modellen L 566 XPower<br />

bis L 586 XPower die Fahrerkabine<br />

ohne Lenkrad und Lenksäule zur Verfügung.<br />

Die geräumige Kabine bietet<br />

dem Maschinenführer in der lenkradlosen<br />

Ausführung entsprechend noch<br />

mehr Platz und eine optimierte Sicht<br />

auf die Arbeitsausrüstung.<br />

Wiegeeinrichtung mit automatischer<br />

Anpassung des Wiegebereichs<br />

Ein weiterer Assistent ist die neue Wiegeeinrichtung<br />

für die XPower-Großradlader.<br />

Bei dieser von Liebherr entwickelten<br />

Lösung handelt es sich um eine<br />

Kontrollwaage, die automatisch arbeitet<br />

und dem Maschinenführer Informationen<br />

zum Ladevorgang liefert. Sie unterstützt<br />

ihn, Lkw oder Dumper präzise mit<br />

der richtigen Menge an Material zu befüllen<br />

und Überladungen zu vermeiden.<br />

Dabei ist es von Vorteil, dass sich je<br />

nach Einsatz der ideale Wiegebereich<br />

automatisch einstellt und die Wiegung<br />

während des regulären Ladespiels erfolgt.<br />

Das bedeutet, der Maschinenführer<br />

muss für eine korrekte Wiegung des<br />

Schaufelinhalts keine spezielle Hubhöhe<br />

erreichen.<br />

Eine Besonderheit bei der neuen<br />

Wiegeeinrichtung für Radlader ist der<br />

Truck Payload Assist. Dieses innovative<br />

System unterstützt beim Materialumschlag<br />

mit einem Radlader auf vielfältige<br />

Weise: Zum Beispiel kann der<br />

Maschinenführer ein gewünschtes<br />

Zielgewicht am Display eingeben. Daraus<br />

errechnet der Truck Payload Assist<br />

das ideale Gewicht pro zu verladender<br />

Schaufel sowie die erforderliche<br />

Anzahl an Ladevorgängen. Das Ergebnis<br />

ist mehr Produktivität durch eine<br />

gleichmäßige, zielgenaue und maschinenschonende<br />

Beladung von Transportgeräten.<br />

Das zeitraubende, aber<br />

oftmals nötige Einschütteln oder Rückwiegen<br />

von Schüttgut bei der letzten<br />

Schaufel entfällt.<br />

Der Maschinenführer kann sämtliche<br />

Wiegedaten sowie die Vorschläge<br />

des Truck Payload Assist einfach und<br />

in Echtzeit am Display erfassen. Dabei<br />

hilft ihm ein durchdachtes Farbkonzept,<br />

das die Benutzerfreundlichkeit<br />

ANPASSUNGSFÄHIG:<br />

Der Wiegebereich der<br />

Wiegeeinrichtung mit<br />

Truck Payload Assist<br />

passt sich automatisch<br />

an die Einsatzbedürfnisse<br />

an. Fotos: Liebherr<br />

DRITTES AUGE:<br />

Die Dachkamera zur<br />

Frontraumüberwachung<br />

erlaubt den<br />

Maschinenführer<br />

einen Blick auf dem<br />

durch das Anbauwerkzeug<br />

verdeckten<br />

Bereich.<br />

der Wiegeeinrichtung erhöht. Zudem<br />

kann der Betreiber seine Wiegedaten<br />

über das Liebherr-Datenübertragungssystem<br />

Lidat auswerten, um<br />

etwa seinen Produktionsprozess oder<br />

die Produktivität seiner Radlader-Flotte<br />

zu analysieren.<br />

Sicherheit mit Frontraumüberwachung<br />

und Skyview 360°<br />

In Industrieeinsätzen arbeiten Radlader<br />

häufig mit großen Anbauwerkzeugen<br />

wie Hochkippschaufeln. Weil<br />

diese aber zwangsläufig das Sichtfeld<br />

des Fahrers behindern, bietet Liebherr<br />

für die Radlader L 526 bis L 586 XPower<br />

eine Dachkamera zur Frontraumüberwachung.<br />

Sie liefert aus einer<br />

deutlich erhöhten Perspektive einen<br />

Blick über die Schaufel in den vorderen<br />

Bereich der Maschine und überträgt<br />

das Bild auf ein separates Display in<br />

der Fahrerkabine. Somit dient die<br />

Frontraumüberwachung dazu, Personen<br />

oder Objekte, die durch das Anbauwerkzeug<br />

verdeckt werden, zu<br />

sehen. Das Kamerasystem Skyview<br />

360° ist ein weiteres Assistenzsystem,<br />

mit dem der Maschinenführer mögliche<br />

Gefahrenquellen erkennt: Es bietet<br />

jederzeit einen 360°-Blick auf den<br />

Nahbereich des Radladers, indem vier<br />

zusätzliche Kameras das komplette<br />

Maschinenumfeld erfassen. Das System<br />

fügt die Einzelbilder zu einer imaginären<br />

Vogelperspektive zusammen<br />

und zeigt diese Sicht von oben auf<br />

einem weiteren Display in der Kabine.<br />

Der Maschinenführer schaut mit dieser<br />

Perspektive mühelos in tote Winkel<br />

und gefährliche Zonen, etwa den<br />

Knickbereich des Radladers, und vermeidet<br />

so mögliche Kollisionen.<br />

www.liebherr.com<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


86<br />

BAGGER & RADLADER<br />

VOLLSTÄNDIG ALTERNATIV: Den weltweit<br />

ersten Radlader, der mit Biomethan betrieben<br />

wird, enthüllte Case zur bauma. Das Modell ist<br />

mit dem gesamten Schaufelsortiment kompatibel<br />

und wurde bei ersten Testeinsätzen mit<br />

Hochkipp- und Felsschaufeln von Leonardi<br />

Benne ausgerüstet. Grafiken: Case CE<br />

Ein unglaubliches Projekt<br />

Project Tetra nennt sich das methanangetriebene Radladerkonzept von Case, das in einem aufsehenerregend<br />

futuristischen Design daherkommt. Es umfasst einen Methan-Motor der Schwestermarke FPT Industrial, die, in<br />

Entwicklung und Einsatz von Gasmotoren in Nutzfahrzeugen und Bussen erfahren, nun einen solchen für Baumaschinen<br />

zur Verfügung stellt. Mit 230 PS liefert der Radlader die gleiche Leistung und das gleiche Drehmoment<br />

wie der entsprechende Dieselmotor des Radladers Case 821G.<br />

„Wir erforschen seit vielen Jahren nachhaltige<br />

Kraftstoffquellen für unsere<br />

Baumaschinen“, erklärte Konstruktionspräsident<br />

Carl Gustaf Göransson.<br />

„Biomethan, das in Biokompostieranlagen<br />

aus Abfallprodukten erzeugt wird,<br />

war die logische Wahl für den Radlader.<br />

Wir brauchten einen Kraftstoff, der die<br />

Antriebskraft und die Leistung liefert,<br />

die Anwender verlangen. Der Kraftstoff<br />

muss schnell verfügbar, leicht zu tanken<br />

sein und den ganzen Tag über reichen.<br />

Wir wollten zudem bei der Leistung<br />

keine Konzessionen machen, daher<br />

standen unsere Designer vor einer<br />

enormen Herausforderung.“<br />

Der methanbetriebene Radlader reduziert<br />

die Gesamtemissionen um 80 %<br />

und dämpft außerdem die Fahrgeräusche<br />

um 50 %. Aber Biomethan ist als<br />

Kraftstoff nicht die einzige Option, auch<br />

der Einsatz von Netzwerk-Methan ist<br />

möglich, wenn die Produktion von Biomethan<br />

vor Ort nicht in Betracht kommt.<br />

Designanliegen Sicherheit<br />

Zur Förderung maximaler Kreativität<br />

startete Project Tetra mit einem leeren<br />

Blatt. Rundumverglasung und eine gut<br />

sichtbare Dachverkleidung adressieren<br />

Sicherheit und Komfort ebenso wie<br />

die für die Rundumsicht gewählten<br />

Überwachungskameras anstelle von<br />

Außenspiegeln. Diese werden automatisch<br />

mit der Richtung der Maschine<br />

verknüpft und auf den an der A-Säule<br />

angebrachten Displays angezeigt.<br />

Alle Bedienelemente sind über ergonomische<br />

Joysticks und einen integrierten,<br />

an der Armlehne montierten<br />

Farb-Touchscreen-Monitor zugänglich,<br />

der das Raumgefühl und den Panoramablick<br />

erhöht. Der neue Komfortsitz<br />

schwenkt dem Fahrer entgegen,<br />

um den Einstieg beim Öffnen der Tür<br />

zu erleichtern, und kehrt unmittelbar<br />

nach der Platznahme in die Betriebsposition<br />

zurück. In exklusiver Partnerschaft<br />

mit Michelin entstanden innovative<br />

Airless-Reifen mit neuartiger<br />

Reifen-Rad-Fusion aus reinem Kautschuk<br />

und einem patentierten Composite-Material<br />

in Wabenspeichen-Design<br />

und mit eingebauter Federung.<br />

Die leichte und robuste Struktur hält<br />

extremen Bedingungen stand. Auch<br />

reduzieren die Airless-Reifen das Gesamtgewicht<br />

und die große Aufstandsfläche<br />

sorgt für einen geringen Anpressdruck.<br />

Durch integrierte Sensoren<br />

wird eine fortschrittliche Konnektivität<br />

sichergestellt.<br />

Bei Radladerstart werden zugleich<br />

die integrierten Seitenwandleuchten<br />

eingeschaltet. Sie dienen als zusätzliche<br />

Sicherheitsfunktion.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


BAGGER & RADLADER<br />

87<br />

Biometrie in Aktion<br />

In die Zugangs- und Startsequenzen ist eine biometrische<br />

Gesichtserkennungstechnologie integriert, um sicherzustellen,<br />

dass nur qualifizierte Fahrer Zugriff auf die Maschine<br />

haben. Bevor der berechtigte Fahrer die Maschine<br />

erreicht, ist sie schon betriebsbereit. Ein Scan der<br />

Netzhaut aktiviert die Klimaanlage.<br />

Zur Demonstration des Entwicklungsstands „autonomes<br />

Fahren“ enthält Project Tetra auch eine integrierte<br />

Technologie zur Erkennung von Hindernissen, die den<br />

Fahrer auf mögliche Gefahren vor Ort aufmerksam macht.<br />

Nicht zufällig trägt das Äußere des ungewöhnlichen<br />

Radladers animalische Züge. Die Case-Designer haben<br />

sich schließlich vom Marken-Wappentier, dem amerikanischen<br />

Weißkopfseeadler, inspirieren lassen. Vogelähnliche<br />

Merkmale innerhalb des Designs sind also genauso<br />

wenig ein Zufall wie Elemente, die auf die Struktur von<br />

Methan Bezug nehmen. Alles in allem ein doch recht ungewöhnlicher<br />

Vogel. Aber warum sollte er – mit wachsender<br />

Reife – nicht rasant abheben?<br />

Volle Kontrolle<br />

Project Tetra kann auf Knopfdruck durch den in die Armlehne integrierten<br />

Multifunktionsbildschirm gesteuert werden. Der Fahrer kann<br />

auf alle wichtigen Betriebsparameter und Funktionen zugreifen, wie:<br />

• Gesichtsscan, um die Startsequenz zu aktivieren<br />

• Fenster zum Laden der Schaufelbefüllung, auf dem Ziellast, aktuelle<br />

Schaufelladung und Restlast angezeigt werden<br />

• Lageplan vom Einsatzort, auf dem Lkw erfasst werden, mit schnellster<br />

Route zum Arbeitsbereich und allgemeinen Standortinformationen<br />

• Wetterbildschirme mit Echtzeit-Wetterberichten<br />

• Beleuchtungsparameter, Bluetooth-Telefon, Heizung und Lüftung<br />

sowie Musiksteuerungen<br />

• Sekundäre Maschinenparameter, -einstellungen und Untermenüs<br />

Die A-Säulen-Bildschirme zeigen weitere Details zur Maschinenüberwachung<br />

und Leistungsindikatoren wie Bilder von allen laufenden<br />

Kameras und Betriebsparameter.<br />

www.casece.com<br />

GROSSE SACHE(N)<br />

Hohe Lasten bei geringen Drehzahlen<br />

Hohe Lasten bei geringen Drehzahlen in<br />

Verbindung mit hoher Dynamik zu stemmen,<br />

sind hervorragende Voraussetzungen<br />

für alle Arten von Arbeitszyklen bei<br />

Radladern. Mit einer maximalen Schaufelkapazität<br />

von 4,4 m³ kombiniert der Doosan<br />

DL420CVT-5 die Vorteile eines mechanischen<br />

und eines hydrostatischen<br />

Getriebes in einer Maschine. Die Aufteilung<br />

von hydrostatischer und mechanischer<br />

Kraft ermöglichte einen Motorwechsel<br />

vom Scania DC13 zum DC09, weil das stufenlose<br />

Automatikgetriebe den Maschinenwirkungsgrad<br />

selbst bei niedrigen<br />

Drehzahlen aufrechterhält. Auf diese Weise<br />

kann der Radlader automatisch vom hydrostatischen<br />

Antrieb bei niedriger Geschwindigkeit<br />

auf das mechanische System<br />

umschalten, um bei höheren<br />

Geschwindigkeiten zu arbeiten. Der komplette<br />

Antriebsbereich (Vorwärts- und<br />

Rückwärtsfahrt) wird durch das variable<br />

Getriebesystem (CVT) gesteuert. Diese<br />

Kombination führt zu einem minimalen<br />

Kraftstoffverbrauch bei maximaler Produktivität<br />

und bietet darüber hinaus in beiden<br />

Maschinenmodi einen hohen Fahrkomfort.<br />

Hinzu kommt, dass sich mit dem<br />

stufenlosen Getriebe Kraftstoffeinsparungen<br />

von bis zu 25 % erzielen lassen.<br />

www.doosanequipment.eu/de<br />

JR Bagger & Technik GmbH<br />

Schwimmgreifer<br />

Eimerkettenbagger<br />

Umbauten<br />

Reparaturen<br />

Ersatzteile für alle<br />

gängigen Fabrikate<br />

BRANCHENRELEVANT: Den neuen<br />

23-t-Radlader DL420CVT-5 mit variablem<br />

Getriebesystem stellte Doosan<br />

auf der bauma vor. Foto: Doosan<br />

Zeppelinstraße 9<br />

685<strong>19</strong> Viernheim<br />

Tel: 06204-9669-26<br />

info@jrbaggerundtechnik.de<br />

www.jrbaggerundtechnik.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


88<br />

BAGGER & RADLADER<br />

PROTOTYP<br />

Leistungsverzweigtes Getriebe inside<br />

Komatsu Europe hat den Prototyp des<br />

Radladers WA475-10 auf der bauma vorgestellt.<br />

Dieses 24 t schwere Arbeitstier<br />

der nächsten Generation mit leistungsverzweigtem<br />

Getriebe von Komatsu (KHMT)<br />

und Stufe-V-Motor vereint die Vorteile<br />

seines Vorgängers mit einer bis zu 30 %<br />

höheren Kraftstoffeffizienz. Funktionen<br />

wie die automatische Leerlaufabschaltung<br />

unterstützen die Reduzierung des<br />

Kraftstoffverbrauchs zusätzlich. Bei niedrigen<br />

Drehzahlen bietet der Motor viel<br />

Leistung und Drehmoment. Die elektronische<br />

Motorsteuerung steuert Luftzufuhr,<br />

Kraftstoffeinspritzung, Verbrennungsparameter<br />

und Abgasnachbehandlung per<br />

Dieselpartikelfilter und SCR-Modul.<br />

Durch das leistungsverzweigte Getriebe<br />

kann die Geschwindigkeit der Maschine an<br />

die Gegebenheiten angepasst werden,<br />

während das variable Zugkraftkontrollsystem<br />

Reifenschlupf auf schwierigem Untergrund<br />

verhindert. Da die Hydraulikgeschwindigkeit<br />

unabhängig über einen<br />

Hydraulikhebel gesteuert werden kann,<br />

finden Fahrer deutlich einfacher die richtige<br />

Balance zwischen Traktion und Hubkraft<br />

der überarbeiteten Z-Kinematik. Hubgeschwindigkeit<br />

und Stabilität tragen zu höherer<br />

Produktivität besonders beim V-<br />

Laden auf kleinem Raum bei. Des<br />

Weiteren können die Ansprechzeiten<br />

der Hydraulik sowie die Abkipp-<br />

und Hubgeschwindigkeit<br />

an die Anforderungen<br />

des jeweiligen Einsatzes<br />

angepasst werden.<br />

Schaufel-Füllautomatik<br />

sowie<br />

weitere Funktionen<br />

sorgen für konstante Produktivität. Die<br />

Bedienhebelkonsole besitzt einen<br />

Schnellwahlschalter und kann aufgrund<br />

der fünfdimensionalen Anpassung für<br />

jeden Fahrer perfekt eingestellt werden.<br />

Das 7-Zoll-Farbdisplay zeigt dem Fahrer<br />

alle wichtigen Daten an.<br />

www.komatsu.eu/de<br />

NEUE GENERATION: Der 24-t-Radlader<br />

WA475-10 mit Schaufelvolumen zwischen 4,2<br />

und 4,9 m³ wurdem mit leistungsverzweigten<br />

Getriebe präsentiert. Foto: Komatsu<br />

Wenn Vernetzung<br />

auf Flexibilität und<br />

Sicherheit trifft.<br />

PRAXIS EDV-Betriebswirtschaft- und Software-Entwicklung AG<br />

Lange Straße 35 | D 99869 Pferdingsleben | www.praxis-edv.de<br />

BauELSE -<br />

Die Zukunft des<br />

papierlosen<br />

Dokumentflusses.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WÄGETECHNIK<br />

89<br />

EMPFOHLEN wird durch Hense Wägetechnik für das optische Volumenmess-System eine Montagehöhe von 950 mm nicht zu überschreiten,<br />

wobei die Schichthöhe auf dem Band bis zu 680 mm betragen darf.<br />

Ermittlung am laufenden Band<br />

gravimetrisch oder<br />

volumetrisch?<br />

Als Bandwaagen werden Wiegesysteme bezeichnet, die in Förderbändern eingebaut sind – oder noch eingebaut<br />

werden, denn ihre Installation ist einfach. Klassische gravimetrische Waagen werden passend zur Bandbreite einfach<br />

unter dem Band montiert und auf die Parameter der Bandanlage angepasst. Das Gewicht des Materials, das<br />

über das Band läuft, ermitteln sie über permanente dynamische Wiegung, wobei auch die Bandgeschwindigkeit in<br />

der Gleichung eine Rolle spielt. Allerdings ist dies nicht die einzige Art der Datenerfassung, denn optische Bandwaagen<br />

ermitteln das Volumen und stellen eine Alternative dazu dar. Hier ein gestrafft-beispielhafter Überblick für<br />

in unserer Branche geeignete Systeme ohne Anspruch auf Vollständigkeit.<br />

Für unterschiedliche Anwendungen<br />

stehen klassische Bandwaagen von<br />

der Einrollen- bis zur Mehrrollen-Version<br />

zur Verfügung. Zusatzfunktionen<br />

gibt es obendrauf, bis hin zum automatischen<br />

Steuern ganzer Prozesse. Robust<br />

gebaut, um den rauen Einflüssen<br />

in der Gesteinsindustrie zu trotzen, hat<br />

die Messeinheit zuverlässig, genau<br />

und wartungsarm zu sein. Genau diese<br />

Qualitäten bringen die branchenüblichen<br />

Fabrikate mit.<br />

Seit einer Reihe von Jahren haben<br />

herkömmliche Bandwaagen Konkurrenz<br />

bekommen. Optische Bandwaagen<br />

machen sich auf, Terrain zu erobern,<br />

doch das schaffen sie längst<br />

nicht überall, denn sie sind eher über<br />

kurzen Bändern richtig platziert. Entsprechend<br />

sind Bänder an mobilen<br />

Förder-, Brech- und Siebanlagen ihre<br />

Domäne. Optische Bandwaagen erfassen<br />

über einen elektro-optischen Sensor<br />

kontinuierlich die Materialhöhe auf<br />

dem Förderband und ermitteln in Korrelation<br />

mit der Bandgeschwindigkeit<br />

den Volumenstrom. Das Volumenmesssystem<br />

speichert die Daten und<br />

sendet sie via Bluetooth an ein Empfangsgerät<br />

weiter, von wo sie dann den<br />

üblichen Weg bis hin zur Weiterverarbeitung<br />

in der Verwaltung nehmen.<br />

Im Wesentlichen beschränkt sich<br />

die Übersicht hier auf die Hardware an<br />

sich. Um diese herum sind jede Menge<br />

Sensoren, Wägezellen und Softwarelösungen<br />

aktiv, die nicht Gegenstand<br />

dieser Betrachtung, aber letztendlich<br />

mitentscheidend für die Wahl eines<br />

Systems sind.<br />

Gravimetrische Gewichtsermittlung<br />

Förderbandwaagen von Aviteq sind für<br />

raue Prozessumfelder optimiert und liefern<br />

zuverlässige Ergebnisse zu erschwinglichen<br />

Preisen. Je nach Einsatzfall<br />

und Anforderungsprofil bieten sich<br />

Ein-, Zwei- oder Mehrrollenbandwaagen<br />

aus dem Programm des Herstellers an.<br />

Versprochen wird eine hohe und dauerhafte<br />

Wiegegenauigkeit mit direkter<br />

Beladungsübertragung. Eine kurze Lieferzeit<br />

und zuverlässige Ersatzteilverfügbarkeit<br />

werden als Zusatzvorteile hervorgehoben.<br />

Die Bandwaagen tragen<br />

die Bezeichnung WBS und je nach erforderlicher<br />

Messtoleranz die Zahlen 1, 2<br />

und 4 als ergänzendes Kennzeichen.<br />

Bitzer Wiegetechnik produziert Förderbandwaagen<br />

in Einrollen- bzw. Mehr-<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


90 WÄGETECHNIK<br />

FÖRDERSTÄRKEN zwischen 45 und 700 t/h bei Bandbreiten<br />

zwischen 400 und 1400 mm sind das Einsatzgebiet der<br />

Einrollen- bzw. Mehrrollen-Systeme von Bitzer.<br />

ABHÄNGIG von Genauigkeitsanforderungen und Konstruktion<br />

lassen sich Aviteq-Bandwaagen flexibel in bestehende Anlagen<br />

einbinden. Fotos: Internetseiten der genannten Anbieter<br />

rollen-Systemen zur kontinuierlichen<br />

Schüttgutmessung in Gurtförderanlagen<br />

standardmäßig für Förderstärken zwischen<br />

45 und 700 t/h, die unter optimalen<br />

Einbauvoraussetzungen eine Messgenauigkeit<br />

von 0,5 bis 1 % erzielen. Die<br />

Breite der Förderbänder darf zwischen<br />

400 und 1400 mm betragen. Die spezielle<br />

Bandwaagen-Wiegeelektronik beinhaltet<br />

mindestens drei Leistungszähler (t/h),<br />

z. B. für Tagesmenge, Monatsmenge und<br />

Gesamtmenge, sowie zahlreiche einstellbare<br />

Parameter zur Korrektur der Förderbandeigenschaften.<br />

Die Bandwaage<br />

kann zudem als Verladewaage oder als<br />

Dosierbandwaage ausgeführt werden.<br />

Als wartungsfreie Förderbandwaagen<br />

bezeichnet Hense Wägetechnik<br />

seine Bandwaagen BW 10 und BW 20.<br />

Die Waagen lassen sich einfach in ein<br />

bestehendes oder geplantes Band integrieren<br />

und eignen sich für Fördergrößenordnungen<br />

von 500 kg/h bis über<br />

10.000 t/h. Die BW-10/20-Bandwaage<br />

lässt sich dank flacher, modularer Bauweise<br />

in nahezu jede Bandanlage integrieren.<br />

Die präzisen Messwertaufnehmer<br />

sind über einen mechanischen<br />

Überlastanschlag gegen Schocklasten<br />

geschützt. Durch die spezielle, schmierungsfreie<br />

Krafteinleitung entfällt eine<br />

periodische Wartung.<br />

Die Vario-Light- und Vario-Heavy-<br />

Bandwaagen-Serien von Janner Waagen<br />

können individuell bedarfsgenau angepasst<br />

werden. Die Vario-Heavy-Variante,<br />

BAW-VH, ausgelegt auf einen dauerhaften<br />

Betrieb im industriellen Umfeld und<br />

damit geeignet für die Gesteinsindustrie,<br />

erfasst bis zu 6000 t/h bei Genauigkeitstoleranzen<br />

von 0,5 bis 2 % und Bandbreiten<br />

von 400 bis 2000 mm in der<br />

Standardausführung. Janner-Vario-<br />

Bandwaagen werden aufgrund ihrer geringen<br />

Einbautiefe besonders bei Bändern<br />

mit flacher Bauweise eingesetzt.<br />

Bandwaagen in mobilen Sieb- und<br />

Brechanlagen sind wesentlich höheren<br />

ROBUSTE KONSTRUKTION sowie eine optimierte Programmierung sorgen bei den Bandwaagen von Janner für eine schnelle<br />

und genaue Gewichtsermittlung.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WÄGETECHNIK<br />

91<br />

Belastungen als in stationären Gurtförderern<br />

ausgesetzt. Genau für diesen<br />

Einsatz hat MTS die Bandwaage EBW<br />

10-HD Mobil für Bandbreiten von 800 bis<br />

1400 mm bei Förderkapazitäten von 50<br />

bis 1000 t/h entwickelt. Sie steht in den<br />

Ausführungen EBW 10-HD Mobil und in<br />

der kompakteren Version EBW 10-HD<br />

Mobil-SC zur Verfügung. Die Waage<br />

zeichnet sich durch eine sehr niedrige<br />

Bauform und einen extrem torsionssteifen<br />

Rahmen aus, um hohe Zuverlässigkeit<br />

und Messgenauigkeit zu garantieren,<br />

und erfasst die Austragsmengen der<br />

einzelnen Gesteinschargen. Zur Auswertung<br />

dient mit dem IT3 Beltweigher eine<br />

moderne eichfähige und einfach zu bedienende<br />

Auswerteelektronik.<br />

Der Bandwaagentyp FBW 110 von<br />

Paari Waagen- und Anlagenbau trägt<br />

die Zahl 120, wenn bspw. zwei Rollenstühle<br />

benötigt werden, denn je nach<br />

Anforderung und Ausführungsmöglichkeit<br />

können mehrere Rollenstühle in die<br />

Bandwaage integriert werden. Die Waagen<br />

werden werkseitig vormontiert, justiert<br />

und getestet und eignen sich für<br />

Bandbreiten zwischen 500 und 2000<br />

AUFSTEIGER: Bis 20% Steigung spielt die Waage von Paari Waagen- und Anlagenbau<br />

perfekt mit. Selbst ungewöhnliche Bandkonstruktionen sind kein Problem.<br />

mm. Die Einzelwaage verfügt über eine<br />

Kapazität für 4000 t/h, die mit mehr Rollenstühlen<br />

natürlich wächst. Die Messgenauigkeit<br />

liegt bei 0,25 % und Steigungen<br />

von bis zu 20° stellen laut<br />

Anbieter kein Problem dar. Erwähnenswert<br />

ist noch die Herstellerangabe, dass<br />

die konstruktive Gestaltung des Wiegerahmens<br />

eine einfache und kostengünstige<br />

Anpassung auch an ungewöhnliche<br />

Förderbandkonstruktionen erlaubt.<br />

Wenn es einen Namen gibt, der für<br />

Wiegetechnik steht – vor allem natürlich<br />

für mobile Radladerwaagen –, dann ist<br />

das der des Unternehmens Pfreundt.<br />

Dabei wird oft übersehen, dass auch<br />

Bandwaagen mit direkt integrierter<br />

Bandgeschwindigkeitsmessung, die natürlich<br />

zudem in die Anlagensteuerung<br />

integrierbar sind, zum Programm gehören.<br />

Extrem robust sowie in niedriger<br />

Bauhöhe ausgeführt, eignen sie sich<br />

sowohl für mobile als auch stationäre<br />

Förderanlagen, Sieb- und Brechanlagen<br />

respektive für sehr kurze, glatte, gerippte<br />

und schwenkbare Förderbänder. Das<br />

SMARTES<br />

RECYCELN<br />

MIT CDE<br />

Seit über 25 Jahren ermöglichen unsere innovativen,<br />

modularen Lösungen weltweit Kunden die<br />

Wiederverwendung von 80-100% der Materialien aus<br />

Bau-, Abbruch- und Aushubabfällen.<br />

Wir entwickeln fortschrittliche Systeme im<br />

Bereich der Nassaufbereitung, um die maximale<br />

Rückgewinnung von Inertabfällen zu erreichen<br />

und diese in hochwertige Sand und Zuschlagstoffe<br />

umzuwandeln. Diese werden dann als Material für die<br />

Herstellung von Beton und Asphalt verwendet.<br />

Bei CDE werden Aufbereitungssysteme individuell<br />

zugeschnitten, da wir wissen, dass eine Lösung nicht<br />

für alle Kunden geeignet ist.<br />

Die weitreichende Erfahrung erstreckt sich auf Bau-,<br />

Abbruch- und Aushubabfälle, Brech-, Beton- und<br />

Eisenbahnschotter. Unsere Lösungen optimieren<br />

die Materialrückgewinnung, indem sie Schadstoffe<br />

entfernen, Abfälle in wertvolle Ressourcen verwandeln<br />

und den Return on Investment beschleunigen.<br />

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Besuchen Sie uns am<br />

Tag der offenen Tür bei Pelichet am<br />

4. und 5. September.<br />

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in Cessy (01), Frankreich<br />

• 160 Tonnen pro Stunde<br />

Baurestmassen<br />

• Bis zu 95% des Prozesswassers<br />

werden wiederverwendet<br />

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Kundenspezifikation<br />

• Potenziell mehr als<br />

200.000 Tonnen inerter Abfall<br />

pro Jahr, der nicht auf<br />

Deponien endet<br />

Together we’re unlocking<br />

A New World of Resource


92 WÄGETECHNIK<br />

verwendete Neigungsmesssystem zur<br />

Korrekturberechnung sich verändernder<br />

Austragswinkel ermöglicht eine optimale<br />

Anpassung an die jeweiligen räumlichen<br />

Bedingungen bei gleichzeitig<br />

höchster Wiegegenauigkeit.<br />

Multibelt heißen die Bandwaagen<br />

von Schenck Process, die in Ein-,<br />

Zwei- und Mehrrollenausführung für<br />

Förderkapazitäten zwischen 4000 und<br />

20.000 t/h verfügbar sind und zum<br />

Multibelt-Familiennamen die zusätzlichen<br />

Kürzel BMP, BMC (für Mehrrollen-Bandwaagen)<br />

sowie BEM, BEP<br />

und BED (für Einrollen-Bandwaagen)<br />

DURCHGÄNGIG:<br />

Das elektronische<br />

Volumenmesssystem<br />

von H-Sensortechnik<br />

misst das Volumen<br />

am Austrageband<br />

über einen elektrooptischen<br />

Sensor und<br />

übermittelt die Daten<br />

direkt an ein Smartphone.<br />

Von dort aus<br />

werden die gewonnenen<br />

Daten an den<br />

ausgewählten Rechner<br />

gesendet und<br />

weiterverarbeitet.<br />

tragen. Alle arbeiten laut Hersteller so<br />

exakt wie erforderlich – mit einer Genauigkeitstoleranz<br />

von 0,25 %. Ob mit<br />

Standardbandbreite von 500 bis 2000<br />

mm oder als Sonderbandbreite werden<br />

einfach einplanbare, integrierbare<br />

Einheiten geboten.<br />

Siemens Sensor-Systems bietet<br />

mit der Milltronics MSI eine hoch belastbare<br />

Einrollen-Präzisionsbandwaage<br />

mit durchgehendem Wiegerahmen<br />

zur kontinuierlichen In-line-Verwiegung.<br />

Die MSI gilt als bewährte Lösung<br />

in vielen schwierigen Applikationen der<br />

Gesteinsindustrie. Der patentierte Einsatz<br />

von Wägezellen mit Parallelogrammdesign<br />

garantiert eine schnelle<br />

Reaktion auf vertikale Kräfte und damit<br />

auf die Gewichtskraft des Materials.<br />

Ergebnis sind hervorragende Genauigkeit<br />

und Reproduzierbarkeit selbst<br />

bei ungleichmäßiger Produktbelastung<br />

und hoher Bandgeschwindigkeit. Ein<br />

Geschwindigkeitssensor misst die<br />

Bandgeschwindigkeit zur Übertragung<br />

an den Messumformer. Eine Rollenstation<br />

ist nicht im Lieferumfang der<br />

Bandwaage enthalten.<br />

Die Förderbandwaagen von Wöhwa<br />

tragen die Bezeichnungen SFB22 und<br />

SFB23+. Die SFB22 ist dabei ein neues<br />

Produkt, das alle technischen Voraussetzungen<br />

zur Einbindung in ein Industrie-<br />

4.0-Anlagesteuerungskonzept erfüllt.<br />

Gemeinsam mit Mettler-Toledo wurde<br />

eine Single-Point-Messzelle entwickelt,<br />

die eine besonders hohe Genauigkeit<br />

der Messungen gewährleistet. Die teleskopierbare<br />

SFB 22 kann problemlos an<br />

unterschiedliche Gurtbreiten von 500 bis<br />

1000 mm mit einer Single-Point-Messzelle<br />

oder an 1200 bis 1600 mm breite<br />

Bänder mit zwei Single-Point-Messzellen<br />

individuell angepasst werden. Bandgeschwindigkeiten<br />

unter 2 m/s sind realisierbar,<br />

weitere Varianten mit hoher<br />

Bandgeschwindigkeit gibt’s auf Anfrage.<br />

Eine Besonderheit ist, dass aufgrund der<br />

„Run-detect“-Technologie bei konstanter<br />

Bandgeschwindigkeit auf ein Messrad<br />

verzichtet werden kann, da die SFB 22<br />

anhand der Vibrationen erkennt, ob das<br />

Band läuft. Nichtsdestotrotz ist eine<br />

Ausführung mit Messrädern möglich,<br />

welche dann auch sofort automatisch<br />

vom System erkannt wird. Noch ein Plus:<br />

Die Bandwaage wird mit einem Web-<br />

Server konfiguriert, ein externes Anzeigegerät<br />

ist nicht mehr notwendig, was<br />

die Anschaffungskosten reduziert.<br />

Die SFB23+ Variante ist geeignet für<br />

Förderbänder mit 500 bis <strong>19</strong>50 mm Breite.<br />

Ausgerüstet ist sie mit einem robusten<br />

Digitaltachometer (Messrad) mit<br />

einstellbarem Federelement. Durch den<br />

einfachen Aufbau des teleskopierbaren<br />

Kraftaufnehmers kann die Förderbandwaage<br />

an das Förderband angepasst<br />

und selbst eingebaut werden. Unter idealen<br />

Einbaubedingungen erreicht sie<br />

eine Genauigkeit von ± 0,5 %. Durch die<br />

Justierbarkeit der Mechanik ist ein Einbau<br />

der Förderbandwaage jederzeit in<br />

einem anderen Förderband möglich.<br />

Volumen als Messgröße<br />

Wenn einfache Gewichtsangaben nicht ausreichen,<br />

eher das Volumen gefragt ist oder<br />

sich eine Messung des Volumens anbietet,<br />

weil eine technisch interessante Lösung<br />

dafür zur Verfügung steht, kommt die Optik<br />

als berührungslose Messalternative ins Spiel.<br />

Das elektronische Volumenmesssystem<br />

für Schüttgut auf Förderbändern des österreichischen<br />

Unternehmens H-Sensortechnik,<br />

zu finden unter der abweichenden<br />

Internetadresse www.optical-beltscale.<br />

com, misst das Volumen am Austrageband<br />

über einen elektro-optischen Sensor und<br />

übermittelt die Daten direkt an ein Smartphone.<br />

Bei Problemen kann H-Sensortechnik<br />

ebenso auf das System zugreifen und<br />

eventuelle Störungen beseitigen. Optimal<br />

aufeinander abgestimmte Sensoren erkennen<br />

berührungslos jedes Detail der beförderten<br />

Materialqualität im laufenden Produktstrom.<br />

Hochwertige technische<br />

Bauteile garantieren fehlerfreie, flexible<br />

Übertragungsmöglichkeiten und dienen<br />

gleichzeitig der lückenlosen Überwachung<br />

komplexer Produktionskapazitäten.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WÄGETECHNIK<br />

93<br />

Das Unternehmen Hense Wägetechnik bietet neben seinen<br />

klassischen Bandwaagen auch optische Volumenmess-Systeme<br />

an. Dabei werden stets verfügbare Daten dank des mitgelieferten<br />

Industrie-Smartphones und entsprechender Software versprochen.<br />

Im Einsatz tastet ein Hochgeschwindigkeits-Scanner die Oberfläche<br />

des Bandes mit optischen Sensoren ab und bestimmt so das<br />

Volumen. Dabei setzt die Maschine auf eine Pulsleistung von 60<br />

MW pro Laser (mW/Laser) bei einer Pulsdauer von 400 µs. Das<br />

direkt mitgelieferte robuste Cat-Smartphone ermöglicht einen<br />

schnellen Datenaustausch zur Information und unternehmensrelevanten<br />

Weiternutzung der gewonnenen Daten. Für den Zugriff auf<br />

frühere Messungen und gespeicherte Inhalte bietet die optische<br />

Bandwaage außerdem einen Messdatenraum von bis zu einem Jahr<br />

an. Spezielle Auswertesoftware gibt’s kostenlos dazu. Empfohlen<br />

wird für die Montage, eine Höhe von 950 mm nicht zu überschreiten,<br />

wobei die Schichthöhe auf dem Band bis zu 680 mm betragen darf.<br />

Da sich die optische Bandwaage nur aus drei Komponenten zusammensetzt:<br />

einem Sensorkopf samt integrierter Elektronik, einer<br />

Haltevorrichtung und dem Näherungsinitiator, der für die Geschwindigkeitsmessung<br />

zuständig ist, gibt es nichts, was überwacht, instand<br />

gehalten oder überprüft werden müsste – abgesehen von<br />

einer gelegentlichen Reinigung des Sensors.<br />

Volumen³ heißt das volumetrische Vermessungssystem der<br />

Lasertronik GmbH. Mit 200 Laser-Messungen pro Sekunde erzeugt<br />

es präzise und aussagekräftige Daten, selbst bei erschwerten<br />

Bedingungen wie hoher Luftfeuchtigkeit, Schnee und extremen<br />

Lichtbedingungen. Universell nutzbar bis zu Bandbreiten von<br />

1600 mm, bietet es zudem Flexibilität: Bei geänderten Rahmenbedingungen<br />

oder einen Anlagewechsel soll das Messsystem<br />

innerhalb 10 min umgeswitcht werden können.<br />

Das Volumenmesssystem für Schüttgut auf Förderbändern von<br />

Systech misst den Materialstrom am Austrageband über einen<br />

opto-elektronischen Sensor und speichert die Daten intern bzw.<br />

übermittelt sie direkt an ein PDA sowie einen bluetoothfähigen Laptop/PC.<br />

Erfasst werden vom Sensor das Querprofil des Materialstromes<br />

am Band sowie den Vorschub des Bandes berührungslos durch<br />

einen Induktivgeber. Der Hersteller gibt an, dass das System bei<br />

jedem Neigungswinkel des Förderbandes genau misst, auch wenn<br />

dieser während des Vorganges geändert wird. Auch hier werden die<br />

Daten über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr gespeichert, was<br />

die Erstellung von Statistiken begünstigt. Zum Schluss sei auf Tunger<br />

Mess- und Wägetechnik und damit einen Vertriebspartner für verschiedene<br />

Wägesysteme verwiesen, der von klassischen Bandwaagen<br />

über Radladerwaagen bis hin zu optischen Systemen diverse<br />

Marken vertritt – und mit der Breite seiner Einsatzerfahrung bei Kunden<br />

vermutlich viel mehr zu den unterschiedlichen Systemen mitteilen<br />

kann, als es diese Übersicht, die hoffentlich dennoch wichtige<br />

Anregungen im Kurzüberblick enthält, vermochte. <br />

(gsz)<br />

WÄGEZELLEN mit Parallelogrammdesign<br />

garantieren bei<br />

der Siemens Milltronics MSI<br />

eine schnelle Reaktion auf die<br />

Gewichtskraft des Materials.<br />

SPEZIELL für den Einsatz in<br />

mobilen Sieb- und Brechanlagen<br />

hat der Anbieter MTS Wägetechnik<br />

die Bandwaage<br />

EBW 10-HD Mobil in zwei<br />

Konfigurationen entwickelt.<br />

SOWOHL ALS AUCH: Pfreundt-<br />

Bandwaagen eignen sich laut<br />

Hersteller sowohl zum Einsatz in<br />

mobilen als auch stationären<br />

Förderbandanlagen.<br />

RADLOS: Förderbandwaage SFB22<br />

mit zwei Single-Point-Messzellen.<br />

Die Wöhwa-Neuheit kommt ganz<br />

ohne Messrad aus, es sei denn, der<br />

Betreiber möchte ein solches.<br />

Gravimetrie<br />

www.aviteq.com www.bitzer-waage.de<br />

www.hense-waegetechnik.de www.paari.de<br />

www.janner-waagen.com www.mts-waagen.de<br />

www.pfreundt.de www.schenckprocess.com<br />

w3.siemens.com/mcms/sensor-systems/de/<br />

www.woehwa.com<br />

Volumetrie<br />

www.h-sensortechnik.com www.lasertronik.com<br />

www.hense-waegetechnik.de www.optical-beltscale.com<br />

www.systech-gmbh.de/sensorik_systeme<br />

Satteldachhalle Typ SD21 (Breite: 21,00m, Länge: 40,50m)<br />

• Traufe 5,10m,<br />

Firsthöhe 6,95m<br />

• mit Trapezblech,<br />

Farbe: AluZink<br />

• incl. Schiebetor<br />

4,00m x 4,20m<br />

• feuerverzinkte<br />

Stahlkonstruktion<br />

• incl. prüffähiger<br />

Baustatik<br />

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94<br />

WÄGETECHNIK<br />

Schweres wiegen<br />

leicht gemacht<br />

ÜBERFLURWAAGE: Das Terminal würde in<br />

etwa so positioniert werden. Auf ihm läuft die<br />

webbasierte Software, die mit dem Webwiegeprogramm<br />

verbunden ist.<br />

Die Verwiegung von ein- und ausgehenden Gütern und Materialien spielt in der gesamten Roh- und Baustoffsowie<br />

auch der Baustoffrecyclingbranche eine wichtige Rolle. Die reine „Waage“ ist jedoch heute nicht mehr das<br />

wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines Wiegesystems. In den Vordergrund ist vielmehr die effiziente Erfassung<br />

und Verarbeitung der Wiegedaten gerückt.<br />

Je nach den Anforderungen der Betriebe<br />

wird zur Erfassung und Verarbeitung<br />

von Wiegedaten mit Standard- bzw.<br />

Individualsoftware gearbeitet. Die Bitzer<br />

Wiegetechnik GmbH hat kürzlich<br />

ihre neue Waagensoftware Bitzer Web<br />

Professional auf den Markt gebracht.<br />

Diese webbasierte Softwarelösung ist<br />

sehr genau auf den Branchenbedarf<br />

abgestimmt und macht Wiegen inklusive<br />

Datenweiterverarbeitung in Zukunft<br />

noch einfacher, effizienter und<br />

zudem mobil.<br />

Lokale Client-Installationen auf Arbeitsplatz-PCs<br />

entfallen, denn die Software<br />

wird über gängige Webbrowser<br />

aufgerufen, bedient und genutzt. Auf<br />

diese Weise und durch das responsive<br />

Design kann die Software auch mit Tablet<br />

oder Smartphone genutzt werden.<br />

Lediglich eine WLAN-Verbindung ist<br />

nötig und schon kann von überall auf<br />

die Software zugegriffen werden. Eine<br />

leistungsstarke MS-SQL-Datenbank im<br />

Hintergrund garantiert höchste Datensicherheit<br />

und Verfügbarkeit.<br />

Optimaler Zuschnitt<br />

Bitzer Web Professional ist auf die Bedürfnisse<br />

der Baustoff- und Recyclingbranche<br />

zugeschnitten<br />

und bietet neben<br />

einer einfachen<br />

Waagenbedienung<br />

beispielsweise<br />

auch eine Containererfassung<br />

und<br />

Lagerortverwaltung.<br />

Die Nutzer profitieren<br />

zudem von einer<br />

intuitiven Bedienerführung,<br />

einer übersichtlichen<br />

Navigation,<br />

komfortablen Volltextsuche und<br />

können ein umfangreiches Statistikmodul<br />

nutzen. Außerdem ist die Software<br />

mehrsprachig konfigurierbar.<br />

Für eine weitere Nutzung und Verarbeitung<br />

lassen sich die Daten einfach<br />

per CSV exportieren. Ein Datenaustausch<br />

zu Warenwirtschaftssystemen ist<br />

über moderne Schnittstellen wie CSV,<br />

XML, HTTP REST und weitere<br />

gewährleistet. Individualisierbar<br />

ist für die eingerichteten<br />

Benutzer zudem die<br />

Spaltensortierung und -anordnung.<br />

Mit nur wenigen<br />

Klicks kann so jeder Benut-<br />

FAHRER-SELBSTBEDIENPULT<br />

mit Unterschriftenerfassung.<br />

Mit Automatisierungsfeatures<br />

dieser Art wird das Vertriebsgeschäft<br />

deutlich einfacher.<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


WÄGETECHNIK<br />

95<br />

zer seine bevorzugten Informationen in<br />

den Bedienmasken darstellen und nicht<br />

relevante Informationen ausblenden.<br />

Die im Grundmodul integrierte Lagerverwaltung<br />

ist ein hilfreiches Tool<br />

für die Überwachung des aktuellen<br />

Lagerbestandes in Echtzeit. Mit der<br />

praktischen Füllgradanzeige haben<br />

Nutzer mit nur einem kurzen Blick eine<br />

Übersicht über die aktuellen Bestände,<br />

auch via Tablet oder Smartphone<br />

von unterwegs.<br />

Interessierten Unternehmen, die<br />

sich zuerst einmal selbst von den versprochenen<br />

Qualitäten ein Bild machen<br />

möchten, bietet der Hersteller einen<br />

kostenfreien Onlinezugang zum Testen<br />

der Software an.<br />

Sicherheit durch<br />

intelligente Features<br />

Als weitere zukunftsorientierte Dienstleistung<br />

bietet Bitzer an, neue als auch<br />

bestehende Anlagen durch diverse Automatisierungsmöglichkeiten<br />

zu einem<br />

intelligenten Hoflogistiksystem zu erweitern.<br />

Unternehmen profitieren so von<br />

ÜBERSICHTLICH und intuitiv zu bedienen<br />

ist die neue, webbasierte Wiegesoftware<br />

Web Professional von Bitzer.<br />

einer Optimierung der Durchlaufzeiten<br />

und eine Verwiegung rund um die Uhr<br />

ohne eigenes Personal wird ermöglicht.<br />

Die Automatisierungssysteme reichen<br />

von einfachen ID-Terminals mit Chipkarten<br />

oder Barcodes zur An-/Abmeldung<br />

bis hin zu Selbstbedienterminals für die<br />

Eingabe von Zusatzinformationen und<br />

das Scannen von Transportdokumenten.<br />

Durch die Anbindung von elektronischen<br />

Unterschriftenpads können Fahrer direkt<br />

ihre Lieferung bzw. Abholung quittieren.<br />

Der Lieferschein kann ausgedruckt und<br />

automatisch per E-Mail versendet werden.<br />

Standardmäßig werden diese Terminals<br />

über einen Touch-Bildschirm<br />

bedient und sind mehrsprachig konfigurierbar,<br />

sodass jeder Lkw-Fahrer individuell<br />

entscheiden kann, in welcher Sprache<br />

die Anweisungen angezeigt werden<br />

sollen. Möglich ist auch die Anbindung<br />

von Netzwerkkameras, Lichtschranken,<br />

Ampeln und Verkehrsleitsystemen für<br />

eine Positionskontrolle, Ladungsüberwachung<br />

und vereinfachte Navigation für<br />

Fahrer auf dem Betriebsgelände.<br />

www.bitzer-waage.de<br />

AUFRUF der<br />

Lagerortübersicht<br />

via Tablet. Eine<br />

perfekte Kontrolle<br />

auch aus der<br />

Ferne ist so ganz<br />

leicht möglich.<br />

Fotos: Bitzer<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


96<br />

TREFFPUNKT<br />

Kompakt, dennoch umfangreich<br />

und maximal beständig<br />

KOMPAKT UND BEWÄHRT: Das<br />

Messegelände ist klar strukturiert<br />

und die Standbelegung kann<br />

auf der Internet-Präsenz schon im<br />

Vorfeld eingesehen werden.<br />

Foto: NordBau<br />

Vom 11. bis 15. September 20<strong>19</strong> findet in den Holstenhallen Neumünster<br />

die 64. NordBau statt – seit über sechs Jahrzehnten ist die größte<br />

Kompaktmesse fürs Bauen der Treffpunkt für Bauwirtschaft,<br />

Baustoffindustrie und Bauverantwortliche im nördlichen Europa.<br />

Die NordBau 20<strong>19</strong> setzt unter dem Motto<br />

„WISSENschafft Lebensräume“ vielfältige<br />

inhaltliche Schwerpunkte. Dabei wird die<br />

digitale Baustelle erneut einen großen<br />

Raum auf der Messe einnehmen, da die<br />

Vernetzung von Planungsdaten, Maschinentechnik<br />

und Baustelle auch für den<br />

Mittelstand immer wichtiger wird. Diesmal<br />

läuft das Thema unter dem Motto: „Die<br />

digitale Baustelle Part 2 – Hand in Hand<br />

vernetzt bauen!“ Mit großem Erfolg wurde<br />

auf der letztjährigen NordBau das Generalthema<br />

„digitale Baustelle” vom Verband<br />

der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik<br />

(VDBUM) in Zusammenarbeit<br />

mit dem Ausbildungszentrum Bau-ABC<br />

Rostrup und dem Bauindustrieverband<br />

Hamburg/Schleswig-Holstein aufwendig<br />

in Szene gesetzt, um auf dem Weg ins<br />

digitale Zeitalter umfassend zu informieren.<br />

Im Vordergrund muss dabei die Qualifizierung<br />

der Mitarbeiter stehen, damit<br />

die Digitalisierung zu mehr Kosteneffizienz<br />

und Arbeitssicherheit führen kann.<br />

Die Digitalisierung stellt alle Verantwortlichen<br />

am Bau, an der Baustelle, in der<br />

Maschinentechnik und im Planungsbüro<br />

vor große Herausforderungen. Jedes Unternehmen<br />

wird für sich entscheiden, welche<br />

Prozesse für sein Arbeitsumfeld wichtig<br />

sind. Wie beim Kauf von Zubehör oder<br />

neuer Technik wird das Gespräch mit<br />

Fachleuten zu suchen sein, die einen bei<br />

der digitalen Ausstattung beraten.<br />

Auf dem Freigelände am Eingang Süd<br />

präsentieren sich kräftige Nutzfahrzeuge<br />

mit Werkstattausrüstungen, Ladungssicherungen<br />

und Anbaukränen. Dieser Bereich<br />

hat sich seit Jahren zum beliebten<br />

Treffpunkt von Angebot und Nachfrage in<br />

diesem Segment entwickelt, sodass Angebotsfläche<br />

und Ausstellerzahl in diesem<br />

Jahr deutlich erweitert daherkommen.<br />

Im Freigelände Nord finden die<br />

Freunde und Nutzer großer Baumaschinen<br />

und mobiler Aufbereitungstechnik<br />

ihre Partner: Die bekanntesten Herstellermarken<br />

der Branche sind auf der Messe<br />

vertreten, wobei die Trends und Neuheiten<br />

häufig über namhafte und markenbeständige<br />

Händler – eine feste Institution<br />

ist beispielsweise C. Christophel, am<br />

immer gleichen Platz und mit immer<br />

neuen technischen Lösungen zu finden,<br />

ähnlich ließe sich das für Oppermann &<br />

Fuss formulieren – präsentiert werden.<br />

Mehr als 50 Tagungen von Fachverbänden,<br />

Berufsgenossenschaften und Kommunen<br />

unterstreichen den Seminarcharakter<br />

der Kompaktmesse. Dazu gehört<br />

traditionell auch der Tag der Baustoffwirtschaft,<br />

mittlerweile der 44. seiner Art, der<br />

regelmäßig von der vero-Fachgruppe<br />

Gesteinskörnungen Nord-West ausgerichtet<br />

sowie angeboten wird und den<br />

Vormittag des Eröffnungstages, sprich<br />

diesmal des 11. Septembers, mit dichten<br />

Informationen zu rechtlichen, wirtschaftlichen<br />

und politischen Entwicklungen für<br />

ein Wissensupdate der Kies- und Sand-<br />

Unternehmer im hohen Norden sorgt.<br />

Fazit: Die NordBau besitzt eine hohe<br />

Akzeptanz und Anziehungskraft für alle<br />

Bauinteressierten und Fachleute aus<br />

peripheren vor- und nachgelagerten<br />

Branchen. Interessant ist sie zusätzlich<br />

aufgrund der Tatsache, dass die Messe<br />

seit über 40 Jahren mit dem Partnerland<br />

Dänemark kooperiert, das die Fachmesse<br />

als Basis für den Einstieg in Projekte<br />

im deutschen und europäischen<br />

Markt sieht.<br />

www.nordbau.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


Die Stein-Verlag Baden-Baden GmbH ist ein renommierter, mittelständischer Fachverlag<br />

mit Themenbereichen aus der Gewinnung und Verarbeitung mineralischer<br />

Rohstoffe, dem Recycling, der Baustoffproduktion sowie der Bauausführung.<br />

Ergänzt wird das Print-Portfolio durch ein umfangreiches Online-Angebot.<br />

Unsere Schwesterfirma, die GEOPLAN GmbH, ist Veranstalter der europaweit<br />

führenden Demonstrationsmesse steinexpo sowie weiterer Fachveranstaltungen,<br />

für die der Verlag die flankierende Pressearbeit übernimmt.<br />

Zur Erweiterung unseres Teams suchen wir ab sofort einen:<br />

Jung-Redakteur (w/m/d) | Volontär (w/m/d)<br />

Ihre Aufgaben:<br />

• Erlernen bzw. Vervollständigen des journalistischen Handwerks<br />

in der Redaktionspraxis sowie des PR-Handwerks für die Öffentlichkeitsarbeit<br />

• Unterstützung der Redakteure<br />

• Crossmediale Inhaltserstellung<br />

Ihr Profil:<br />

• Abgeschlossene Berufsausbildung oder Studium im Bereich Journalistik, PR<br />

(auch relevante Abschlüsse Berufskolleg oder Berufsakademie für Medienberufe)<br />

• Sicheres Gefühl für die Aufbereitung von Inhalten<br />

• Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien<br />

• Sicherheit in der deutschen Rechtschreibung<br />

• Englischkenntnisse<br />

• Strukturiertes Arbeiten und ausgeprägtes Organisationstalent<br />

• Kenntnisse in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Recycling, Baustoffproduktion,<br />

Baumaschinen oder Bauwirtschaft sind von Vorteil, aber keineswegs zwingend<br />

• Freundliches Auftreten und Kontaktfreudigkeit<br />

• Gespür für gute Storys und Spaß am Schreiben<br />

• Reisebereitschaft zu Außenterminen<br />

• Führerschein Klasse B<br />

Ihre Perspektive:<br />

• Fachkundige Einarbeitung durch externe Redakteure<br />

• Außentermine bei Reportagen sowie Messe- und Firmenbesuchen<br />

• Kurzfristig: Übernahme der Pressearbeit für die Demonstrationsmesse steinexpo<br />

• Mittelfristig: Übernahme der Chefredaktion einer Fachzeitschrift<br />

Ihr Kontakt:<br />

Herr Marc Vogelsberger<br />

Telefon: 07229/606-34<br />

E-Mail: marc.vogelsberger@<br />

stein-verlaggmbh.de<br />

Bewerbungsschluss:<br />

15. September 20<strong>19</strong>


98 TREFFPUNKT<br />

EINST UND JETZT: Das Messegelände der steinexpo 2017 ist<br />

Geschichte. Die Mittelrampe ist gefallen, was einer noch<br />

klareren Gliederung der Ausstellungsbereiche entgegenkommt.<br />

Viele Flächen (s. Grafik) sind bereits gebucht bzw. reserviert.<br />

11. Internationale Demonstrationsmesse<br />

für die Roh- und Baustoffindustrie<br />

2020<br />

Das „neue“ Messegelände<br />

Wenn im August des kommenden Jahres der Startschuss für die 11. internationale<br />

Demonstrationsmesse fällt und es wieder „steinexpo“ heißt, ist<br />

das in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes, denn das bedeutet auch<br />

„30 Jahre steinexpo“. Seit der Messe-Premiere hat sich eine Menge verändert.<br />

Das betrifft die hohe Markt- und Branchenakzeptanz ebenso wie<br />

wachsende Besucherzahlen, die größere Internationalität und den wachsenden<br />

Anspruch namhafter Aussteller, hier erstmals Weltneuheiten vor<br />

absolut passendem Fachpublikum zu präsentieren. Eine sich rasant entwickelnde<br />

Messe hat zudem aber auch immer wieder Neuheiten zu bieten,<br />

die sich diesmal in Form digitaler Features manifestieren. Bevor aber die<br />

nächste Messeausgabe „steht“, geht es an die Flächenaufteilung. Um<br />

diese optimal zu gestalten, hatten die Organisatoren der Geoplan GmbH<br />

gebuchte und potenzielle neue Aussteller der steinexpo 2020 im Mai 20<strong>19</strong><br />

auf das erprobte Messegelände im Steinbruch Nieder-Ofleiden der Mitteldeutschen<br />

Hartstein-Industrie AG (MHI) eingeladen.<br />

Die steinexpo ist keine Messe, bei<br />

der vormals belegte Flächen von<br />

Ausstellern regelmäßig wiederholt<br />

gebucht werden können. Der Grund<br />

dafür: Das Steinbruchgelände mit<br />

den für die Demonstrationsmesse<br />

geeigneten Sohlen verändert sich<br />

durch den fortschreitenden Gesteinsabbau<br />

und die Verfüllung der<br />

innerbetrieblichen Mineralstoff-Deponie<br />

in Europas größtem Basaltsteinbruch<br />

stetig. Präsentationstermine<br />

am Ort des Geschehens, wie<br />

jener im Mai, sind deshalb essenziell.<br />

Potenzielle Aussteller und Interessenten<br />

konnten sich dabei über die<br />

stetig wandelnde Kulisse und weitere<br />

Planungen informieren.<br />

Zentrale Demonstrationen, neue<br />

Rampe und ganz offene Pavillons<br />

Besuchern der steinexpo 2017 sind die<br />

professionell moderierten Gemeinschaftsdemonstrationen<br />

verschiedener<br />

Baumaschinenmarken auf der tief<br />

liegenden Fläche A ein Begriff. Auch<br />

bei der kommenden Auflage der Messe<br />

wird dieses attraktive Stadion-Konzept<br />

beibehalten. Besucher dürfen sich<br />

über die großartige Möglichkeit zur<br />

Verfolgung der Abläufe freuen, denn<br />

die erstmals bei der steinexpo 2017<br />

errichtete Tribüne, die einen hervorragenden<br />

Blick auf den Aktionsbereich<br />

ermöglicht, wird erneut aufgebaut.<br />

Kenner der Messe erinnern sich an die<br />

viele Jahre dominante Rampe, welche<br />

die Demo-Flächen B und D voneinander<br />

trennte. Durch den Gewinnungsfortschritt<br />

im Steinbruch ist diese<br />

Rampe inzwischen Geschichte. Sie<br />

wird stattdessen von einer neuen<br />

Rampe rechtsseitig des Haupteingangs<br />

zum Messegelände ersetzt, was<br />

den Wegfall der ehemaligen Demo-<br />

Fläche D, gleichzeitig aber auch mehr<br />

Potenzial auf der vergrößerten und<br />

nicht mehr unterteilten Demo-Fläche B<br />

nach sich zieht. Dadurch bleibt das<br />

Flächenangebot ausgeglichen. Zwischen<br />

den Ebenen B und C verkürzen<br />

erneut zwei Geländeaufzüge die Besucherwege<br />

deutlich und auch die seit<br />

Langem bekannten Pendel-Shuttles<br />

zwischen Ebene B und C werden wieder<br />

im Einsatz sein.<br />

Weiterhin ändert sich das bisherige<br />

Konzept der Pavillons. Einst auf Ebene<br />

C platziert, werden diese jetzt auf Ebene<br />

B und C verteilt. Daraus resultiert der<br />

Vorteil, dass sich das Angebot in den<br />

Pavillons thematisch am Schwerpunkt<br />

der jeweiligen Ebene orientieren kann.<br />

Im Fokus der Ebene B stehen Mobilgeräte<br />

aller relevanten Baumaschinensparten<br />

und entsprechendes Zubehör.<br />

Auf Ebene C ist das Thema Aufbereitungstechnik<br />

gebündelt.<br />

Das bereits bewährte „offene Konzept“<br />

der Pavillons wird weiter ausgebaut.<br />

Das heißt die Seitenwände der<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


TREFFPUNKT<br />

99<br />

TREFFEN VOR ORT: Messechef Dr. Friedhelm Rese<br />

begrüßt die Ausstellervertreter und erklärt im MHI-<br />

Steinbruch Nieder-Ofleiden die Flächenaufteilung<br />

der steinexpo 2020. Fotos und Grafiken: Geoplan<br />

und ein digitaler Aufbruch<br />

Großhallen lassen sich in Zukunft an<br />

den langen Seiten vollständig öffnen,<br />

sodass auch die Indoor-Aussteller mitten<br />

im „offenen“ Geschehen sind.<br />

Die Teilnahme steht außer Frage<br />

Messechef Dr. Friedhelm Rese war von<br />

der positiven Resonanz auf die geplanten<br />

Neuheiten beim Ortstermin und von<br />

den Größenordnungen der verbindlichen<br />

Nachfrage hoch beeindruckt.<br />

Vorab befürchtete Kollisionen bei diversen<br />

Platzierungswünschen lösten sich<br />

bei der Begehung vollständig einvernehmlich<br />

auf. So haben maßgebliche<br />

Aussteller ihre Flächen bereits fest gebucht<br />

oder optioniert. Ebenso wie Dr.<br />

Rese schätzen die teilnehmenden Ausstellervertreter<br />

die Gelegenheit der Vorgespräche<br />

direkt vor Ort sehr, um Antworten<br />

auf ihre konkreten Fragen zu<br />

erhalten und Organisatorisches abzuklären.<br />

Nach jetzigem Stand sind nahezu<br />

alle Marktführer aus den Bereichen<br />

Baumaschinen und Aufbereitungstechnik<br />

auf der steinexpo 2020 vertreten.<br />

Selbst zahlreiche Aussteller, die ihre<br />

Produkte und Dienstleistungen in den<br />

Großpavillons zeigen, fixierten bereits<br />

ihre Messeteilnahme.<br />

Allen weiteren Interessenten rät Dr.<br />

Friedhelm Rese: „Wer sich möglichst<br />

rasch mit seiner Messeteilnahme auseinandersetzt,<br />

sichert sich jetzt noch<br />

die Gelegenheit, die zu seinem Angebot<br />

passende Ausstellungsfläche zu erhalten.“<br />

Ein Appell, der vermutlich kaum<br />

nötig ist, wie die Erfahrungen speziell<br />

der letzten Wochen beim Buchungseingang<br />

zeigen.<br />

Die digitalen Angebote wachsen<br />

Hätte man <strong>19</strong>90 nicht im Traum daran<br />

gedacht, ganz selbstverständlich mit<br />

einem Mobiltelefon zu kommunizieren,<br />

so ist es heute gang und gäbe, auf einer<br />

Messe Videos aufzunehmen und diese<br />

auf Facebook, Twitter und Instagram zu<br />

teilen. Auch das Geoplan-Team wird<br />

den Trend zur Digitalisierung mit der<br />

kommenden Messeausgabe koppeln.<br />

So gibt es einige Neuheiten, die Interessenten<br />

bereits jetzt erleben können.<br />

Seit Anfang des Jahres steht Ausstellern,<br />

Besuchern und Interessenten<br />

bereits die neue Homepage der steinexpo<br />

2020 zur Verfügung. Diese wartet,<br />

neben ihrem ansprechenden, modernen<br />

Design, mit einigen neuen Features<br />

auf. Im informativen News-Bereich, der<br />

schon vor Messebeginn wichtige Presseinformationen<br />

und Neuigkeiten beinhaltet,<br />

findet man alles, was für eine Berichterstattung<br />

zur Demonstrationsmesse<br />

von Bedeutung ist. Der Seite<br />

„Anmeldung und Konditionen“ entnehmen<br />

Aussteller Informationen zu Flächen,<br />

Preisen und sonstigen Gebühren,<br />

während sich Besucher auf der Seite<br />

„Tickets“ informieren können. Eintrittskarten<br />

zur Messe können schon ab Januar<br />

2020 über das neue, digitale „Online-Ticketportal“<br />

erworben werden,<br />

wobei dies bei der steinexpo 2020 im<br />

Gegensatz zur Vorveranstaltung auch<br />

noch während der bereits laufenden<br />

Messe möglich sein wird. Damit reagiert<br />

das Messe-Team auf das wachsende<br />

Besucherinteresse mit der Intention,<br />

lange Warteschlangen im Kassenbereich<br />

wie 2017 zu vermeiden. Über das<br />

Aussteller-Service-Center, kurz ASC,<br />

können Aussteller ab Oktober dieses<br />

Jahres alles, was sie für ihren Messeauftritt<br />

benötigen, hinzubuchen. Die<br />

neue Ausstellerliste verfügt im Vergleich<br />

zu früheren Jahren über Such- und Filtermöglichkeiten,<br />

mit denen ein gezielter<br />

Aufruf anhand der Nomenklatur<br />

möglich ist. Darüber hinaus bietet die<br />

neue Homepage Informationen zur vergangenen<br />

Veranstaltung, ebenso Bilder<br />

und Impressionen.<br />

WhatsApp-Business-Broadcast<br />

und Social Media<br />

Eine weitere Neuheit wird in Form eines<br />

WhatsApp-Business-Broadcasts<br />

geboten, dank der Interessenten die<br />

Möglichkeit erhalten, brandaktuelle<br />

News und Informationen rund um die<br />

Messe direkt auf das Smartphone zu<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


100<br />

TREFFPUNKT<br />

EIN BLICK auf die neue<br />

steinexpo-Homepage<br />

zeigt die übersichtliche<br />

Gestaltung. Flankiert wird<br />

das digitale Plus von<br />

Social-Media-Kanälen.<br />

erhalten. Dabei soll WhatsApp-Business<br />

nicht nur im Vorfeld einen stetigen Informationsfluss<br />

generieren, sondern auch<br />

während der Messe über wichtige Ereignisse,<br />

geplante Demos und Vorführungen<br />

informieren. Um von diesem Info-<br />

Kanal profitieren zu können, müssen<br />

Interessenten die Rufnummer +49 (0)<br />

157/35 74 02 68 in ihrem Smartphone<br />

abspeichern.<br />

Als weitere Medien-Formate werden<br />

auf dem Facebook- und Twitter-Profil<br />

regelmäßig Informationen, wie Änderungen<br />

des sich ständig wandelnden Messegeländes,<br />

geteilt. Der imposante, visuell<br />

beeindruckende Trailer findet sich<br />

neben diesen Plattformen auf dem You-<br />

Tube-Kanal des Veranstalters. Das Stichwort<br />

„visuell“ ist besonders beim neuesten<br />

Social-Media-Projekt der Geoplan<br />

GmbH von Bedeutung: Instagram. Seit<br />

Kurzem wird über dieses Medium beeindruckendes<br />

Bildmaterial zu allen Veranstaltungen<br />

des steinexpo-Organisators<br />

mit den Followern geteilt.<br />

Digital läuft aber nicht ohne Analog –<br />

erst recht nicht in einer bodenständigen<br />

Branche – denn Daten brauchen zuvor<br />

eine Handlung oder Aktion. Doch darum<br />

muss niemandem bange sein. Das Interesse<br />

zeigt bereits jetzt, dass die Messe<br />

das „Must-have“ der Roh- und Baustoffindustrie<br />

im kommenden Jahr sein wird.<br />

www.steinexpo.de<br />

Eckdaten der steinexpo 2017<br />

• Besucher: 53.890<br />

(+12 % gegenüber 2014)<br />

• Fachbesucheranteil: 92 %<br />

• Auslandsbeteiligung<br />

(gesamt): 23,5 %<br />

• Aussteller: 293<br />

• Vertretene Marken: 432<br />

• Bebaute Fläche: 59.850 m²<br />

• Bruttofläche: 180.000 m²<br />

FORUM MIRO 20<strong>19</strong><br />

... weil Substanz immer wieder entscheidet!<br />

Vom 27. bis 29. November 20<strong>19</strong> findet das Forum<br />

MIRO erneut im Mercure Hotel MOA in Berlin<br />

statt. Die vom Bundesverband Mineralische Rohstoffe,<br />

MIRO, getragene Leitveranstaltung der<br />

deutschen Gesteinsindustrie ist der wichtigste<br />

Treffpunkt für Akteure und Partner der Branche,<br />

weswegen auch in diesem Jahr wieder mit über<br />

500 Teilnehmern gerechnet wird.<br />

Getreu dem Motto „Never change a running system“ findet<br />

die Veranstaltung wiederholt in Berlin statt. Das Fachprogramm<br />

ist erneut so geplant, dass ein Strang des doppelzügigen<br />

Workshop-Angebots im Zentrum der Fachausstellung<br />

seinen Platz finden wird, um die Interaktion zwischen Vortrags-<br />

und Diskussionsangebot sowie Ausstellung zu stärken.<br />

Zum Einstieg in die informationsgeladenen Tage ist nach<br />

dem Erfolg von 2018 erneut ein politischer Abendauftakt<br />

in Form einer professionell moderierten Podiumsdiskussion<br />

geplant. Unter der Überschrift: „Heimische mineralische<br />

Rohstoffe – unverzichtbar als Basis für Wohnen, Mobilität<br />

und Industrieproduktion“ stellen Rohstofffachleute, Wirtschaftsvertreter<br />

und Parlamentarier verschiedener Fraktionen<br />

im Bundestag ihre Positionen und Ziele zum Stellenwert<br />

der heimischen mineralischen Rohstoffe in der<br />

Rohstoffpolitik der Bundesregierung dar.<br />

Der Eröffnungsteil ist neben der Begrüßung durch MI-<br />

RO-Präsident Dr. Gerd Hagenguth und einem politischen<br />

Grußwort aus der Bundespolitik geprägt durch einen kriminell<br />

spannenden Fesrvortrag von Leon Klein, der einen<br />

Blick auf die Themen IT-Sicherheit und Cyberkriminalität<br />

mit besonderer Relevanz in der Rohstoffindustrie bietet<br />

und effektive Schutzmechanismen vorstellt.<br />

Die anschließenden zweizügigen Fachstränge behandeln<br />

jeweils thematisch geschlossen brennende Fragen der Branche<br />

zu den Themen Rohstoffsicherung, alternative Baustoffe,<br />

Genehmigungsverfahren sowie der Rohstoffgewinnung im<br />

Kontext fiskalischer Abgaben. Weiter spielt der Einsatz alternativer<br />

Energien und innovativer technischer Lösungen eine<br />

Rolle, die speziell für die Aufbereitung (bisher) nicht werthaltiger<br />

Stoffe an Bedeutung gewinnen. Tipps zum Thema Unternehmensleitung<br />

und Personalführung ergänzen das Angebot.<br />

Detaillierte Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der<br />

Seite des Veranstalters MIRO sowie bei der organisierenden<br />

Geoplan GmbH. Das Programmheft inklusive Anmeldung<br />

liegt außerdem dieser Ausgabe bei – falls es sich ein schneller<br />

Kollege nicht schon zuvor gesichert hat.<br />

www.bv-miro.org<br />

www.geoplangmbh.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


TREFFPUNKT<br />

101<br />

DEMO AN!<br />

Erfolgsdoppel startet wieder durch<br />

In wenigen Tagen, vom 5. bis 7. September 20<strong>19</strong>, startet<br />

das Messedoppel aus den Demonstrationsveranstaltungen<br />

TiefbauLive und RecyclingAktiv zum nunmehr zweiten Mal<br />

auf dem Gelände der Messe Karlsruhe. Die Veranstaltungen<br />

haben dort einen perfekten Platz gefunden, um sich nicht<br />

nur thematisch optimal zu ergänzen, sondern auch reichlich<br />

Raum für die zahlreichen Vorführungen zu haben, die dieses<br />

Messedoppel prägen.<br />

Auf der TiefbauLive werden konzentriert Baumaschinen,<br />

Baufahrzeuge, Anbaugeräte sowie Zubehör für Kanal-, Straßen-<br />

und Spezialtiefbaumaßnahmen informativ und eindrucksvoll<br />

in den Mittelpunkt gestellt. Auf dem über 75.000 m² großen<br />

Karlsruher Freigelände wird dazu im realitätsnahen Arbeitsumfeld<br />

gebaggert, gebohrt, ausgehoben, gesichert, montiert<br />

und sogar gebaut, als gelte es, ein reales Projekt zum<br />

perfekten Abschluss zu bringen.<br />

Parallel dazu geht es bei der RecyclingAktiv – erklärte<br />

Demonstrationsmesse speziell für Entsorgung und Recycling<br />

– um alle Bereiche der Wiederaufbereitung von werthaltigen<br />

Stoffen. Fachlicher Austausch paart sich dabei mit<br />

einer großen Portion Action. Stärke und Präzision spezieller<br />

Arbeitsmaschinen für den Materialumschlag kommen dabei<br />

ebenso gut zur Geltung wie die Fähigkeiten von Sortieranlagen,<br />

Pressen, Schreddern, Scheren, Brechern und Sieben.<br />

Hinzu kommen entsprechendes Zubehör ergänzt um<br />

Lösungen für Transport und Logistik.<br />

Das Erfolgsdoppel hat nach seinem geglückten Veranstalterund<br />

Standortwechsel im Jahr 2017 in Karlsruhe den perfekten<br />

Nährboden für seine Weiterentwicklung gefunden. Geblieben<br />

indes ist die Unterstützung der Messen durch namhafte Partner,<br />

darunter ihre einstmaligen Ausrichter Geoplan und VDBUM. So<br />

profitiert die TiefbauLive von Beratung, Konzeptstärke und Unterstützung<br />

des VDBUM als Beirat und Organisator der Musterbaustellen<br />

Straßen- und Wegebau sowie Kanalbau. Die<br />

RecyclingAktiv kann sich auf die Entsorgungs- und Verwertungssparte<br />

beim VDMA sowie die Verbände bvse, BDSV,<br />

BRB und DA stützen und natürlich ebenfalls auf die nachgewiesene<br />

Geoplan-Kompetenz.<br />

Schwungvoll geht es somit inklusive geschärftem Profil<br />

Anfang September 20<strong>19</strong> an drei Tagen in die zweite Runde<br />

am neuen Standort Karlsruhe. Etwa 220 Aussteller aus 14<br />

Ländern werden sich dort auf über 75.000 m² Freigelände<br />

und 6000 m² Hallenfläche geschätzten 10.000 Besuchern<br />

präsentieren. Allein die zwei Musterbaustellen umfassen eine<br />

Fläche von rund 2000 m².<br />

Hier drängt sich nun die Überlegung auf, ob nicht – wie<br />

aus Messeanlass üblich – einzelne Aussteller und Exponate<br />

benannt und beschrieben werden sollten, um ihnen und der<br />

Messe gerecht zu werden. Dazu aber sind die Internetseiten<br />

der jeweiligen Messe viel zu gut bereits mit ausführlichen<br />

Informationen von Ausstellern bestückt und heutige Mediennutzer<br />

fit genug im Netz unterwegs, um sich die konkreten<br />

Infos zu holen. Also, wer Konkretes sucht, einfach mal reinschauen<br />

und „News“ anklicken.<br />

GUT GEMAUSERT: Das Messedoppel aus TiefbauLive und<br />

RecyclingAktiv hat sich vom Geheimtipp längst zum Pflichttermin<br />

für einschlägige Fachleute entwickelt. Fotos: Messe Karlsruhe<br />

www.recycling-aktiv.com<br />

www.tiefbaulive.com/de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


102<br />

TREFFPUNKT<br />

Mehr Dialog bei der<br />

Rohstoffplanung gewünscht<br />

Unternehmen, Regionalplaner, Naturschutzverbände und Bürger wollen und müssen<br />

mehr miteinander reden, wenn es um die Planung von Rohstoffgewinnungsvorhaben<br />

geht. Das war ein zentraler Wunsch der Teilnehmer auf der jüngsten<br />

Veranstaltung „Kies im Dialog“ der Initiative „Zukunft Niederrhein“. Moderiert von<br />

Tom Hegermann, tauschten sich rund 130 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und<br />

Verwaltung sowie erstmals auch interessierte Bürger über den Bedarf von Sand<br />

und Kies am Niederrhein Ende Mai in der Niederrheinhalle in Wesel aus.<br />

EXPERTEN auf dem Podium: Ingo Schäfer, Dr. Alexandra Renz, Norbert Meesters,<br />

Detlef Kempf und Michael Hüging-Holemans (v.l.n.r.). Fotos: Eugen Aaldering<br />

MODERATOR Tom Hegermann sammelte<br />

viele Fragen aus dem Publikum.<br />

Ziel der Dialogveranstaltung war es, den<br />

Sand- und Kiesbedarf und dessen Berechnung<br />

genau zu betrachten. Das Thema war<br />

in der Öffentlichkeit bereits viel diskutiert<br />

worden. Deshalb hat die Initiative der Sandund<br />

Kiesunternehmen den Bedarf gezielt in<br />

den Fokus der diesjährigen Veranstaltung<br />

gerückt. In seiner Eröffnungsrede betonte<br />

Christian Strunk, Koordinator der Initiative<br />

Zukunft Niederrhein, wie wichtig die Zusammenarbeit<br />

zwischen Politik, Bürgern und der<br />

Industrie sei: „Wir arbeiten hier und wir sind<br />

hier zu Hause. Deshalb wollen wir die Dinge<br />

anpacken und besser machen. Wir halten<br />

es für unbedingt nötig, transparent zu sein<br />

und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.<br />

Denn wir alle wollen einen guten Weg für den<br />

Niederrhein!“ Zu Beginn der Veranstaltung<br />

nahmen verschiedene Experten Stellung<br />

zum Rohstoffbedarf und beleuchteten das<br />

Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.<br />

Dr. Alexandra Renz, Leiterin der Gruppe<br />

Raumordnung, Landesplanung, im Ministerium<br />

für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung<br />

und Energie NRW, betonte, dass unser<br />

aktueller Lebensstil mit einem sehr hohen<br />

Rohstoffbedarf einhergehe. Die kurz vorher<br />

getroffene Leitentscheidung des Landtages,<br />

verpflichtende Abgrabungskonferenzen<br />

bei der Aufstellung von Regionalplänen<br />

in Nordrhein-Westfalen einzuführen, sei ein<br />

wichtiger Baustein, indem Unternehmen<br />

und Anwohner frühzeitig in die Planungsprozesse<br />

einbezogen werden. Es gehe dann um<br />

eine Optimierung für alle Seiten. Ingo Schäfer,<br />

Geologischer Dienst NRW, betonte,<br />

dass es aus geologischer Sicht keine Rohstoffknappheit<br />

gäbe. Da die Sand- und Kiesgewinnung<br />

aber an die Regionen mit Rohstoffvorkommen<br />

gebunden sei, entstünden<br />

dort konkurrierende Nutzungsinteressen.<br />

Norbert Meesters, ehemaliger umweltpolitischer<br />

Sprecher der SPD im Landtag<br />

NRW und Mitglied im Rat der Stadt Wesel,<br />

zeigte auf, dass es im derzeitigen Regionalplanentwurf<br />

des Regionalverbands<br />

Ruhr Flächen für die Rohstoffgewinnung<br />

gäbe, die weder von den Bürgern noch<br />

von den Unternehmen gewollt seien. Er<br />

bezeichnete deshalb den Dialog als Drehund<br />

Angelpunkt, um bei diesem Thema<br />

weiterzukommen.<br />

Detlef Kempf, Regionalleiter Transportbeton<br />

Holcim, stellte klar, dass die Nachfrage nach<br />

Beton deutlich steigen werde. Dafür sei eine<br />

flexible und ortsnahe Versorgung durch die<br />

Sand- und Kiesindustrie notwendig.<br />

Michael Hüging-Holemans, ebenfalls<br />

Koordinator von Zukunft Niederrhein, forderte:<br />

„Wir brauchen im Abgrabungsmonitoring<br />

eine Aufstellung darüber, welche Flächen<br />

bereits genehmigt, welche im<br />

Genehmigungsverfahren, welche in Gewinnung<br />

und welche bereits abgebaut sind. Das<br />

gäbe einen transparenten Einblick in die<br />

tatsächliche Rohstoffsituation.“<br />

In der anschließenden Diskussion mit<br />

dem Publikum wurde unter anderem die<br />

Frage aufgeworfen, was die Industrie in<br />

puncto Forschung und Entwicklung tue,<br />

um Sand und Kies zum Beispiel in Betonprodukten<br />

zu ersetzen. Darum kümmere<br />

sich bereits die Bauindustrie, sagte ein<br />

Vertreter. In den letzten Jahren habe sich<br />

der Rohstoffbedarf für Betonprodukte<br />

beispielsweise deutlich reduziert. Zudem<br />

beschäftigten sich Sand- und Kiesunternehmen<br />

am Niederrhein intensiv mit der<br />

Optimierung des Baustoffrecyclings. Angesprochen<br />

auf die Berechnung des Rohstoffbedarfs,<br />

die sich an den gewonnenen<br />

Mengen der letzten Jahre orientiert, erklärte<br />

Dr. Renz, dass die Fortschreibung<br />

der Vergangenheit in die Zukunft ein bewährtes<br />

Instrument in der Planung sei.<br />

Die Veranstaltung kam selbst bei teilnehmenden<br />

Kiesgegnern und Bürgern gut an.<br />

Sie lobten die verständlichen Erklärungen<br />

zur Bedarfsberechnung, die Bürgernähe<br />

sowie den angestoßenen Dialogprozess<br />

und wünschten sich eine weitere Beteiligung<br />

in der Zukunft. Alle Teilnehmer waren<br />

sich einig, dass man frühzeitig und offen<br />

miteinander an einen Tisch kommen muss,<br />

um darüber zu sprechen, wie die Rohstoffsicherung<br />

gestaltet werden kann.<br />

www.zukunft-niederrhein.de/<br />

kies-im-dialog<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


TREFFPUNKT<br />

103<br />

DEN SPEZIELLEN SPIRIT der ABBM brachten<br />

Moderator, Referenten und Vorstände der<br />

ABBM mit der diesjährigen Veranstaltung<br />

einmal mehr perfekt zum Tragen. Foto: ABBM<br />

Rohstoffgewinnung<br />

gesellschaftlich gewollt,<br />

oder nicht?<br />

Alle zwei Jahre treffen sich die Mitglieder<br />

der Arbeitsgemeinschaft<br />

Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe,<br />

ABBM, und<br />

weitere Vertreter der interessierten<br />

Fachwelt zum ABBM Bergbau- und<br />

Steine- und Erden-Tag, der dieses<br />

Jahr im Juli in Iphofen stattfand.<br />

Unter der Überschrift „Rohstoffgewinnung<br />

am Scheideweg – gesellschaftlich<br />

unerwünscht oder geschätzter Partner<br />

im Artenschutz?“ waren fünf Referenten<br />

aus der EU-Kommission, aus Niedersachsen<br />

und mit Rechtsexpertise eingeladen,<br />

diese ganz unterschiedlichen,<br />

aber brandaktuellen Themen aus ihrer<br />

Sicht zu umreißen. Wie ABBM-Vorsitzender<br />

Manfred Hoffmann in seiner Einleitung<br />

ausführte, driften sie in der Empfindung<br />

des ABBM-Vorstands immer<br />

mehr auseinander. Die Zusammenarbeit<br />

mit Verbänden und Behörden im Artenschutz<br />

werde besser, praxisnäher und<br />

gleichzeitig den Arten förderlicher. Es<br />

komme Lob und Unterstützung für die<br />

Rohstoffgewinnung nicht nur immer<br />

mehr von fachlicher Seite. Auch die Öffentlichkeit,<br />

soweit informiert oder informierbar,<br />

erkenne die Leistungen und die<br />

Sorgsamkeit der Unternehmen an. Mitunter<br />

keime sogar Hoffnung auf weiter<br />

verbesserte Regelungen in Bundesgesetzen,<br />

sodass sich noch mehr Chancen<br />

für den Unterhalt temporärer Biotope<br />

ergeben könnten. Auf der anderen Seite<br />

stehe eine im örtlichen Umfeld immer<br />

streitbarer und schneller organisierte<br />

Bevölkerung, denen die Verhinderung<br />

einer zeitweisen Störung in ihrem Umfeld<br />

immer leichter falle, und bei der Liberalität,<br />

sachliche Argumente, Wirtschaftlichkeit<br />

und Arbeitsplätze, ja sogar CO 2 -<br />

Einsparung durch kurze Fahrwege in den<br />

Hintergrund gerieten.<br />

Nervöse Grundstimmung<br />

Fast einhundert Teilnehmer aus ganz<br />

Deutschland waren Beweis für die Attraktivität<br />

des Programms, und die Moderation<br />

des Vollprofis Joachim Mahrholdt trug<br />

präzise dazu bei, dass auch die Diskussionen<br />

eine Verbindung schufen und die<br />

übergreifenden Interessenlagen und Aspekte<br />

herausgearbeitet wurden.<br />

Im ersten Themenblock ging es um die<br />

gesellschaftlichen Entwicklungen, die Dr.<br />

Stefan Birkner, Landesminister a. D. und<br />

Vorsitzender der FDP-Fraktion im Niedersächsischen<br />

Landtag, aus politischer<br />

Sicht fundiert darstellte. Er konstatierte<br />

zunächst eine nervöse Grundstimmung in<br />

Deutschland, trotz vieler positiver Entwicklungen.<br />

Die Energiewende erfahre<br />

hohe Akzeptanz auf abstrakter Ebene,<br />

aber nicht in der Nähe, dabei werde auch<br />

die Glaubwürdigkeit von Experten und<br />

Institutionen angegriffen. Gegner beziehungsweise<br />

Akteure sind Nachbarn, Umweltverbände<br />

aus ihrer verständlichen<br />

Mission heraus, weiterhin Gruppierungen<br />

wie Attac, die Angst als Mittel zu gesellschaftspolitischen<br />

Veränderungen instrumentalisieren,<br />

aber auch Politiker aller<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


104<br />

TREFFPUNKT<br />

Ebenen in Abhängigkeit von aktuellen<br />

Wahlen und natürlich die Medien. Birkner<br />

schlug politische Antworten auf die Megatrends<br />

Individualisierung, Globalisierung<br />

und Urbanisierung vor. Unter den<br />

Parteien sollte ein Konsens herrschen,<br />

nicht mit Angst zu arbeiten und dadurch<br />

die Gesellschaft zu spalten. Außerdem<br />

sollte nicht jedes Thema auf Bundesebene<br />

gezogen, sondern eher vor Ort gelöst<br />

werden. Und natürlich müsse sich auch<br />

die Wirtschaft stärker einbringen, Transparenz<br />

ihrer Handlungen und immer wieder<br />

die Mehrwerte kommunizieren, die sie<br />

für die Gesellschaft leiste.<br />

Änderungen der Rechtslage<br />

Dr. Herbert Posser, Anwalt mit besonderer<br />

Expertise in der Strukturierung komplexer<br />

Genehmigungsverfahren, trug<br />

zunächst präzise und spannend die starken<br />

Änderungen der Rechtslage vor. Im<br />

Umweltklagerecht gibt es für Gegner von<br />

Vorhaben über Materielles, Verfahrensrecht<br />

und Umweltrechtsgesetz, Sperrgrundstücke<br />

und Grundgesetzartikel<br />

mittlerweile eine Reihe von Möglichkeiten,<br />

über die zumindest Verfahrensverlängerungen<br />

unvermeidlich sind. Diese<br />

Rechtslage beseitige auch Abwägungsoffenheit<br />

durch gesellschaftliche Verabsolutierung<br />

von Umweltbelangen, ohne<br />

die Notwendigkeit, den gesellschaftlichen<br />

Preis dafür offenlegen zu müssen.<br />

Posser stellte fest, „Emotionen sind Fakten“,<br />

doch was tun? Zunächst brauche es<br />

immer Aufklärung und eine offene Diskussion.<br />

Die deutsche Legislative müsse<br />

Spielräume nutzen, ohne Copy/paste-<br />

Umsetzung von EU-Richtlinien und mit<br />

verbindlichen Grenzwerten, wobei Letztere<br />

aber nicht nur aus einseitiger Expertensicht<br />

festgesetzt werden dürften. Im<br />

Umweltrecht müsse es Abwägungselemente<br />

geben und im Klagerecht Fehlerheilung,<br />

nicht komplettes Neuaufsetzen<br />

bei einzelnen Mängeln. Mehr Beurteilungsspielräume<br />

für Fachbehörden sieht<br />

Posser skeptisch, weil dann Festlegungen<br />

auch keine Korrektur mehr durch den<br />

Instanzenweg offenhielten. Eine angeregte<br />

Diskussion beschloss diesen Themenkreis<br />

und zeigte, wie sehr sich auch die<br />

Teilnehmer mit der zerrissenen Lage in<br />

Gesellschaft und Recht beschäftigen.<br />

Lichtblick Natur auf Zeit?<br />

Deutlich positiver und hoffnungsvoller<br />

konnte da der zweite Themenblock<br />

„Natur auf Zeit“ aufgefasst werden. Alexander<br />

Just aus der EU-GD Umwelt berichtete<br />

von der Entwicklung in den Naturschutzrichtlinien.<br />

Auf einen<br />

Fitness-Check wurde ja schon vor längerer<br />

Zeit sehr einvernehmlich verzichtet,<br />

aber der Artenschutz soll nach zehn<br />

Jahren überprüft werden, wegen der<br />

Aktualität des Wolfes und von „Natur auf<br />

Zeit“. Der entsprechende Aspekt in der<br />

FFH-Richtlinie ist beim EuGH wegen des<br />

Wolfes in Prüfung, mit einem Urteil wird<br />

ab September gerechnet. Allerdings<br />

passt „Natur auf Zeit“ nicht recht in die<br />

FFH-Richtlinie, die grundsätzlich auf Gebietsschutz<br />

abzielt, und würde besser in<br />

einer Artenschutz-Richtlinie angesiedelt<br />

sein. Geplant ist daher ein Leitfaden mit<br />

Ausnahmegenehmigungen „ex ante“,<br />

aber nicht sehr konkreten Regelungen.<br />

Erfreulich konkrete, abgestimmte Projekte,<br />

wie so etwas funktionieren kann,<br />

gibt es dagegen mittlerweile in Belgien<br />

mit einer Quarzsand-Gewinnung in der<br />

flämischen Mechelener Heide und 26<br />

wallonischen Steinbrüchen.<br />

Dr. Peter Kersandt, Fachanwalt für<br />

Verwaltungsrecht, ist froh um diesen Rückenwind<br />

aus Brüssel und wies auch auf<br />

das bayerische Modell mit dem öffentlich-rechtlichen<br />

Vertrag zwischen Umweltministerium,<br />

Behörden, Landesbund<br />

für Vogelschutz und Rohstoffunternehmen<br />

hin. Als stabilen gesetzlichen Rahmen<br />

gebe es derzeit zu wenig, um sich<br />

auf mehr verlassen zu können. Das Bundesnaturschutzgesetz<br />

gibt lediglich fünf<br />

Jahre Schutz für Brachflächen in Rohstoffgewinnung,<br />

nur in Nordrhein-Westfalen<br />

wird im Landesnaturschutzgesetz<br />

„Natur auf Zeit“ überhaupt erwähnt und<br />

die Signifikanzrechtsprechung relativiert<br />

wenigstens die Konsequenzen vereinzelter<br />

unvermeidlicher Tötungen. Nun gibt<br />

es Vorstellungen der praktischen Umsetzung<br />

eines „Drei-Schritt-Modells“:<br />

Von Erfassen und Genehmigen, dann<br />

Überlassen der Sukzession schließlich<br />

zur Beendigung in Schritten und zum<br />

passenden Zeitpunkt. Kontrolle, Prognosen<br />

und Abstimmung mit Behörden<br />

sollen dies begleiten. Kersandt bringt<br />

abschließend ein weiteres Beispiel mit<br />

dem niederländischen Modell, das ein<br />

Amsterdamer Gericht auch als EUkonform<br />

erklärt hat. Das Potenzial in<br />

Deutschland wäre riesig, man spricht<br />

von 120.000 ha Brachflächen der Industrie,<br />

Versorger etc.<br />

Als letzter Referent brachte Dr. Holger<br />

Buschmann, Landesvorsitzender NABU<br />

Niedersachsen, eine ganze Reihe von<br />

Beispielen aus der Rohstoffgewinnung<br />

des Bundeslandes, wo man schon längere<br />

Zeit in enger Kooperation mit den<br />

Betrieben ist und auch eine gemeinsame<br />

Erklärung auf den Weg gebracht hat.<br />

Jede dieser Gewinnungsstätten hat<br />

wohl ihr eigenes Muster aus Chancen<br />

und Schwierigkeiten, aber man hat das<br />

Gefühl, alles wird offen, hoffnungsvoll<br />

und konstruktiv gehandhabt. Das<br />

wuchs von unten aus dem Konkreten<br />

vor Ort, wie Buschmann ausführte, weil<br />

man diese Biotope aus zweiter Hand mit<br />

ihrer anthropogen initiierten Dynamik<br />

beim NABU schätzen lernte. Er hatte bei<br />

der Suche nach seltenen Arten gezielt<br />

die Rohstoffgewinnungsstätten aufgesucht<br />

und wurde immer mit einer überraschenden<br />

Artenvielfalt fündig. Allerdings<br />

erkannte man auch, dass die Art<br />

der Bewirtschaftung entscheidend<br />

wäre, und das machte dann ja Kooperation<br />

unerlässlich. Für die Betriebe ergebe<br />

sich daraus eine generelle Steigerung<br />

der Akzeptanz ihrer Tätigkeit. Noch<br />

sei aus Sicht des NABU nicht alles in<br />

Ordnung. Die Rekultivierungsgenehmigungen<br />

liefen mit ihrer Vorgabe der Wiederherstellung<br />

des Vorzustandes dem<br />

Artenschutz zuwider. Das werde sich<br />

auch so leicht nicht ändern lassen, wie<br />

die Diskussion ergab, weil die Eigner<br />

ihre verpachteten Flächen oft wieder<br />

nutzbar haben möchten, sonst ließen<br />

sie die Rohstoffgewinnung nicht zu.<br />

Bleibt da als Schluss, dass der – wegen<br />

Sukzession nach der Gewinnung – sowieso<br />

schwierig zu erhaltende offene<br />

Zustand mit Rekultivierung beendet<br />

werden muss, wie der ABBM-Vorsitzende<br />

Manfred Hoffmann in seinem<br />

Schlusswort anmerkte, und man eben<br />

immer wieder kostenlose neue Situationen<br />

in der Gewinnung brauche?<br />

Die Teilnehmer lobten anschließend<br />

die Tagung, die den Bogen zwischen<br />

gesellschaftlicher Ablehnung und Unterstützung<br />

seitens Naturschutz spannen<br />

wollte und diesen Anspruch wohl<br />

erfüllt hat. Die Arbeitsgemeinschaft<br />

wies zuletzt auf die nächste Tagung<br />

ähnlicher Natur hin, das Rohstoffkolloquium<br />

am 16. Juli 2020, das wiederum<br />

in Iphofen stattfindet.<br />

Ein Beitrag von Manfred Hoffmann,<br />

geschäftsführender Vorsitzender des<br />

ABBM-Vorstands und Gesellschafter<br />

der Hoffmann Mineral GmbH<br />

www.abbm-bayern.de<br />

GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/20<strong>19</strong>


TREFFPUNKT<br />

1<strong>05</strong><br />

INTERESSIERTE TRUPPE: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 14. Techniktages der<br />

Schotterindustrie. Fotos: iste<br />

Techniktag der<br />

Schotterindustrie<br />

Bereits zum 14. Mal fand das erfolgreich-bewährte Seminar „Techniktag der<br />

Schotterindustrie“ statt. Knapp 70 Teilnehmer aus Behörden, Ingenieurbüros und<br />

Unternehmen kamen hierzu auf Einladung des Industrieverbands Steine und Erden<br />

Baden-Württemberg, ISTE, des Güteschutz Naturstein Baden-Württemberg und<br />

des Instituts Dr. Haag GmbH zum Mitgliedsunternehmen der Gebrüder Zimmermann<br />

GmbH nach Vaihingen/Enz-Roßwag.<br />

Nach der Begrüßung durch Peter Rombold,<br />

Vorsitzender Güteschutz Naturstein<br />

sowie Fachgruppe Naturstein im<br />

ISTE, und Dieter Veigel, Geschäftsführer<br />

Gebrüder Zimmermann GmbH, berichtete<br />

Jörg Mändle vom Institut Dr. Haag<br />

zu Schichten ohne Bindemittel im Straßenbau.<br />

Insbesondere ging er auf den<br />

technischen Hintergrund, Herstellung<br />

und Prüfverfahren sowie die Verwendung<br />

nach gültigen Regelwerken ein.<br />

Gerade in Baden-Württemberg gibt es<br />

viele Sonderregelungen zur Verwendung<br />

regionaler Baustoffe. Mändle betonte die<br />

Wichtigkeit korrekter und produktneutraler<br />

Ausschreibungen, da es durch unbegründete<br />

technische Anforderungen,<br />

die Verwendung veralteter Regelwerke<br />

oder deren fehlerhafte Auslegung häufig<br />

zu Missverständnissen und zum unnötigen<br />

Ausschluss von Bauprodukten<br />

sowie längeren Transportwegen kommt.<br />

Auch kursieren veraltete Begriffe, wie<br />

Mineralbeton, welche nicht eindeutig<br />

definiert und in Ausschreibungen nicht<br />

mehr zu verwenden sind.<br />

Dr. Bernd Susset, geschäftsführender<br />

Referent der Fachgruppe Recyclingbaustoffe<br />

und Boden im ISTE, sowie<br />

Geschäftsführer des RC-Qualitätssicherungssystems<br />

QRB, referierte zum<br />

Umgang mit Bodenaushub und die korrekte<br />

Anwendung der Regelwerke wie<br />

die Verwaltungsvorschrift des Umweltministeriums<br />

zur Verwertung von als<br />

Abfall eingestuftem Bodenmaterial,<br />

Kreislaufwirtschaftsgesetz oder Deponieverordnung,<br />

vor allem im Hinblick auf<br />

die Verfüllung und Rekultivierung von<br />

Steinbrüchen.<br />

Außerdem gab er einen kurzen Ausblick<br />

zur geplanten Mantelverordnung<br />

des Bundesumweltministeriums. Mit<br />

dieser soll unter anderem die Verfüllung<br />

bundeseinheitlich geregelt werden. Einerseits<br />

zeigen Forschungsergebnisse<br />

aus Baden-Württemberg, dass der Regierungsentwurf<br />

der Bundesregierung<br />

ANSCHLUSSEXKURSION: Besichtigung des Muschelkalksteinbruchs<br />

der Gebrüder Zimmermann GmbH.<br />

im Land voraussichtlich gut umsetzbar<br />

ist. Andererseits weist insbesondere die<br />

geplante Bundes-Bodenschutzverordnung<br />

sehr sensible Stellschrauben auf,<br />

wie zusätzliche Einschränkungen in<br />

Wasserschutzgebieten oder ein scharfer<br />

Grenzwert für den Organikanteil im<br />

Boden. Stellt man diese im kommenden<br />

Bundesratsverfahren scharf, würden<br />

die Bodenmengen, die in Deponien beseitigt<br />

werden müssten, massiv ansteigen.<br />

Er appellierte an die zahlreichen<br />

Vertreter aus der Verwaltung, solche<br />

Konsequenzen im Blick zu haben und<br />

in den Häusern zu kommunizieren. „Verwaltung<br />

und Industrie sitzen hier in<br />

einem Boot. Die öffentliche Hand muss<br />

als Pflichtiger die Entsorgungssicherheit<br />

auf Deponien für Boden zur Beseitigung<br />

über mindestens zehn Jahre<br />

gewährleisten (was regional schon jetzt<br />

nicht mehr der Fall ist) und ist auf eine<br />

funktionierende Verwertung der großen<br />

Bodenmassen in Steinbrüchen dringend<br />

angewiesen!“ Bisher werden rund<br />

80 % des Bodenaushubs in Steinbrüchen<br />

verwertet und nur geringe Mengen<br />

auf Deponien beseitigt.<br />

Im Anschluss an das Seminar lud die<br />

Gebrüder Zimmermann GmbH zur Besichtigung<br />

des Muschelkalksteinbruchs<br />

mit Schotterwerk ein. Dieter Veigel erläuterte<br />

die geologischen Besonderheiten<br />

der Abbaustätte sowie die Herstellungsprozesse<br />

der verschiedenen<br />

Bauprodukte.<br />

www.iste.de<br />

5/20<strong>19</strong> GESTEINS PERSPEKTIVEN


106<br />

TREFFPUNKT<br />

DIE PRAXISRELEVANZ der Themenwahl sprach die Teilnehmer sichtlich an.<br />

Rohstoffkolloquium<br />

im Bergbauland Sachsen-Anhalt<br />

Der neu erschienene Rohstoffbericht des Landesamtes für Geologie und<br />

Bergwesen Sachsen-Anhalt, die aktuelle Rechtsprechung zur Verfüllung,<br />

der Leitfaden für Recyclingbaustoffe in Sachsen-Anhalt, die Umsetzung<br />

des Datenschutzes im Unternehmen, Kommunikation im Genehmigungsverfahren<br />

sowie aktuelle Anforderungen bei der Zulassung von Betriebsplänen<br />

waren gesetzte Themen des nunmehr 18. Rohstoffkolloquiums in<br />

Schönebeck, an dem Anfang Mai auf Einladung des Unternehmerverbandes<br />

Mineralische Baustoffe, UVMB, mehr als 70 Fachleute teilnahmen.<br />

„Mit einer Fördermenge von mehr als<br />

60 Mio. t heimischer Rohstoffe ist Sachsen-Anhalt<br />

ein klassisches Bergbauland<br />

im Herzen von Deutschland“, stellt<br />

Dr. Christoph Gauert, Dezernatsleiter<br />

für Angewandte Geologie und Georisiken<br />

im LAGB, klar. Davon entfallen ca.<br />

39 Mio. t auf Steine- und Erdenrohstoffe.<br />

Die stabilen Fördermengen der vergangenen<br />

zehn Jahre und das umfangreiche<br />

statistische Zahlenwerk aus dem<br />

Bericht weisen auf einen anhaltend<br />

hohen Bedarf