Red Bulletin 0521 AT

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ÖSTERREICH

MAI 2021

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ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

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WINGS FOR LIFE

WORLD RUN

25 SEITEN FAKTEN

ZUM LAUF-EVENT

DES JAHRES

#SOULSISTERSINA

TANZ DICH FREI

Wie die junge Österreicherin beim Breakdance

Seele, Sinn und Selbstbewusstsein fand


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E D I T O R I A L

WILLKOMMEN

EIN MANN,

EIN BILD

SALZBURGS

POWER-DUO

Die Fußball-Profis

Patson Daka (li.) und

Enock Mwepu kamen

aus Sambia zum FC

Red Bull Salzburg, um

Fan-Herzen und Titel

zu gewinnen. Ihre wichtigste

Karriere-Zutat:

eine enge Freundschaft.

Ab Seite 72

Natürlich können Sie diese Zeilen in Ruhe fertig lesen,

Sie können aber auch sofort auf Seite 50 blättern (aber

kommen Sie bitte wieder). Dort sehen Sie ein Bild, das

Fotograf Philipp Horak von Tarek

Rasouli gemacht hat. Dieser Tarek

Rasouli ist der wichtigste Bike-

Manager Europas. Und er sitzt seit

einem Unfall im Rollstuhl. Warum

also gleich auf Seite 50 blättern?

Weil Sie einen Mann mit offenem

Blick und freundlichem Lächeln

sehen und nicht einen Augenblick

daran zweifeln werden, dass er es

versteht, sein Leben gut zu leben.

Und dass er mit seinem Rollstuhl einen Wheelie macht,

ist, als würde er Ihnen verschmitzt-verschwörerisch

zuzwinkern. Großer Mann, große Geschichte!

PS: Wenn Sie das Heft wenden, erfahren Sie alles zum

Wings for Life World Run am 9. Mai. Und wie Ö3-Star

Tom Walek Sie am Renntag anfeuern wird!

Viel Spaß mit der

neuen Ausgabe von

The Red Bulletin!

Die Redaktion

WIE SINA SICH

SELBST ENTDECKTE

Österreichs beste Breakdancerin

über die lange Reise

zu ihren Wurzeln zwischen

Marokko und Tirol. Ab Seite 56

SOKRATES ÜBER

SOCIAL MEDIA

Wozu Instagram nutzen?

Und was ist ein „Nutzer“

wirklich? – Der griechische

Philosoph beantwortet

knifflige Fragen

auf Seite 18.

„Das Fliegen

hat etwas

Befreiendes“

Bergführer Calum

Muskett nimmt uns

mit auf einen Paragliding-Flug

vom Mont

Blanc ab Seite 85.

CHRISTIAN ANWANDER (COVER), KONSTANTIN REYER BENE ROHLMANN

4 THE RED BULLETIN


Moderne Neuinterpretation der 1965 Diver’s 6R Automatikkaliber 70h Gangreserve UVP € 1.350,–


INHALT

The Red Bulletin

im Mai 2021

COVERSTORY

56 TANZ DICH FREI

Wie die 26-jährige Tirolerin

Sina beim Breakdance Seele,

Sinn und Selbstbewusstsein

fand – die Geschichte einer

faszinierenden Reise.

PORTFOLIO

20 DIE MAGIE DES

VERBOTENEN

Skateboard-Fotograf

Jake Darwen erzählt die

Geschichten zu den prägenden

Bildern seiner Karriere.

MUSIK

36 SONGS IN HIMBEERROT

Wenn Lea Lu singt, wird ihre

Welt ganz bunt – denn jeder

Klang ist für sie eine Farbe.

ULTRARUNNING

40 DER FITTESTE ALLER

FEUERWEHRMÄNNER

Andreas Michalitz hält den

Weltrekord im 100-km-Lauf –

in 26 Kilo schwerer Montur.

SKYDIVING

42 KOMET MIT HELM

Foto-Stunt am Nachthimmel:

Wie aus einer verrückten Idee

ein Sprung für die Geschichtsbücher

wurde.

8 GALLERY

14 FUNDSTÜCK

16 PLAYLIST

18 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW

MOUNTAINBIKE

50 MIT RAD UND TAT

Tarek Rasouli ist Dreh- und

Angelpunkt der MTB-Szene –

seit er im Rollstuhl sitzt.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

66 MONUMENTAL ANDERS

KI wird die Menschheit verändern.

Forscher Richard Socher

erzählt uns, wie und warum.

FUSSBALL

72 DYNAMISCHES DUO

Die Salzburg-Stars Patson

Daka und Enock Mwepu über

den Wert von Freundschaft.

GUIDE

Tipps für ein Leben

abseits des Alltäglichen

85 TRAVEL. Paragleiten am Mont

Blanc mit Bergführer Calum

Muskett – absolut erhebend.

90 GAMING. Jacob Mourujärvi erklärt,

wie man eSport-Profi wird.

92 LESESTOFF. Es geht noch böser –

Märchen, neu erzählt.

94 RICHTIG GUTES ZEUG.

Handverlesene Liebhaberstücke,

Tipps und Termine.

98 BOULEVARD DER HELDEN.

US-Astronaut John Glenns All-Flug.

109 IMPRESSUM

110 CARTOON

36

FARBENPRÄCHTIG Die Sängerin Lea Lu kann

Töne sehen. Das Ergebnis: bunte Lieder.

16

SCHICKSALSTRÄCHTIG Vier Songs, die das

Leben des Musikers Parov Stelar beeinflussten.

72

EINTRÄCHTIG Die Karriere der FC Red Bull

Salzburg-Kicker Daka (li.) und Mwepu.

CLAUDIO STRÜBY, JAN KOHLRUSCH, KONSTANTIN REYER, JAKE DARWEN

6 THE RED BULLETIN


20

ROCK ’N’ ROLL!

Die rasanten Skateboard-

Fotos des Neuseeländers

Jake Darwen

THE RED BULLETIN 7


ALDEYJARFOSS, ISLAND

Ein Fall für

Mr. Garcia

Der Pilot des roten Hubschraubers.

Der kühne Mann im blauen Wildwasserkajak.

Der Fotograf auf dem Felsen gegenüber.

Auf diesem Bild, aufgenommen im spektakulären

isländischen Hochland, zeigen drei

Profis, was sie können: Der amerikanische

Extrem-Kajakfahrer Evan Garcia stürzt sich,

gefilmt aus dem Helikopter, den 20 Meter

hohen Aldeyjarfoss-Wasserfall hinunter,

der tschechische Lichtbildner Jan Kasl

macht das Beste draus.

Abenteuer im Bild: jankaslphoto.com


JAN KASL

9


NEOM, SAUDI-ARABIEN

Voll am Sand

Wenn man nur lang genug von oben auf diese

Wüstenzunge am Golf von Akaba schaut,

dann taucht bald einmal ein schlafender Drache

auf. Hier sehen wir den Truck der Russen Anton

Shibalov, Dmitrii Nikitin und Ivan Tatarinov, der

am Drachenmaul furchtlos Staub aufwirbelt.

Die Besatzung hatte allerdings keine Zeit

für Fabelwesen, denn bei ihrer Teilnahme an der

Rallye Dakar – die nun zum zweiten Mal in

Saudi-Arabien stattfand – galt: voll aufs Pedal!

Der Franzose Éric Vargiolu hatte jedenfalls

den Finger zur richtigen Zeit am Auslöser.

Instagram: @eric_vargiolu

ERIC VARGIOLU/DPPI/RED BULL CONTENT POOL DAVYDD CHONG

11


ESBEN ZØLLNER OLESEN/RED BULL CONTENT POOL DAVYDD CHONG

SILKEBORG, DÄNEMARK

Ab durch

den Wald

Natürlich kostet es ein wenig Überwindung,

speziell an einem Wintermorgen, aber so eine

Wakeboard-Spritztour stärkt die Abwehrkräfte, die

wir jetzt dringend brauchen. In Dänemark wissen

sie das genau. Im Video „We, The Danes“ wird

gesunde Härte als Lebenselixier gefeiert. Unter den

Protagonisten: Board-Profi Robin Leroy Leonard,

hier bei einer erfrischenden Session auf einem See

bei Silkeborg in Zentraldänemark, fotografiert

vom Kopenhagener Esben Zøllner Olesen.

Das ganze Video gibt’s auf redbull.com.

Noch mehr Action: esbenzollnerolesen.com

13


F U N D S T Ü C K

Die Beatles am Cover von

„Abbey Road“. Der Zebrastreifen

steht seit 2010 unter

Denkmalschutz.

THE BEATLES

Rock ’n’ Rolle

Original Klopapierrolle von der Toilette der Londoner Abbey Road Studios, 1969

Zwischen Februar und August 1969 nahm die berühmteste Pop-Band der Welt ihr letztes gemeinsames

Album auf. Es hieß genauso wie die Studios: „Abbey Road“. Auch unser Fundstück spielte eine Rolle:

„Die meisten Dinge liefen damals sehr flauschig ab“, heißt es dazu in einem Brief von einem EMI General

Manager, „nicht jedoch dieses Klopapier, das den Beatles zu hart und zu glatt war. Außerdem fanden sie

es erbärmlich, dass jedes Blatt von EMI gestempelt war. Die Rolle wurde sofort ausgetauscht.“

GETTY IMAGES, ALAMY

14 THE RED BULLETIN


MEINE FANS

FORDERN DEN

ERFOLG!

Das Leben wurde anders,

aber das Wichtigste wird immer bleiben.

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P L A Y L I S T

PAROV STELAR

Mein Sohn,

8, ist mein

wichtigster

Kritiker

Electroswing-Pionier Parov Stelar

verrät, welche Lieder sein Leben

prägten – wie etwa jenes,

das seinem Sohn Max einen

schulfreien Tag bescherte.

In seinem Studio auf Mallorca produziert

Marcus Füreder, 46, geläufiger

als Parov Stelar, gerade ein Album für

sein Alter Ego Stelartronic: „Stelartronic

– The Observer“ soll „elektronischer,

experimenteller, poppiger“ grooven.

Daneben bereitet der Allroundkünstler

eine Ausstellung seiner Gemälde in

Palma vor; im Clip zum neuen Stelartronic-Remix

von „Brass Devil“ bringt

sich der multitalentierte Oberösterreicher

als Grafiker und erstmals auch

als Darsteller ein. Und mit seiner „Voodoo

Sonic Documentary“ gibt er auf

160 Streaming-Plattformen (darunter

Amazon und Apple TV) einen Einblick in

sein Leben. Uns verrät der DJ, Produzent

und Remixer, welche Lieder ihn bewegen.

Multitalent

Marcus Füreder

alias Parov Stelar

GusGus

Within You (2011)

„Diese Nummer habe ich vor

zehn Jahren im heftigen Liebeskummer

auf und ab gehört.

Solche Zeiten fräsen sich

in dein Hirn und dein Herz.

Das Komische ist: Eigentlich erinnert

sich ja niemand gern an

solche Situationen. Aber Musik

kann so viel! Wenn ich ‚Within

You‘ heute höre, denke ich mir:

Das war damals echt scheiße.

Was bin ich froh, dass es

mir wieder so gut geht!“

Macklemore & Ryan Lewis

Can’t Hold Us (2011)

„Ich beschäftige mich als

Produzent intensiv mit Sound-

Ästhetik und muss mich davor

hüten, Musik zu sehr zu analysieren.

Als ich diesen Song

zum ersten Mal gehört habe,

dachte ich: Ist das ihr Ernst?

Das Tempo, in der Macklemore

rappt, ist unwirklich – Respekt!

Ich bin nicht der größte Hip-Hop-

Fan, aber diese Nummer hat so

einen Drive, dass ich aufstehen

und tanzen muss.“

Carla Morrison

Azúcar morena (2015)

„Azúcar morena, das heißt

,brauner Zucker‘. Dieses bittersüße

Lied der Mexikanerin

Carla Morrison ist relativ neu,

aber zeitlos schön. Ich tue mir

schwer, über Musik zu reden

und etwas zu beschreiben, das

man nicht in Worte fassen kann.

Vor allem bei Songs, die dieses

gewisse Etwas haben und

damit etwas in dir berühren.

Dieses Lied schlägt einfach

verborgene Saiten in mir an.“

Parov Stelar

Brass Devil (2020)

„Eine Nummer aus meinem

eigenen Repertoire, die ich nie

vergessen werde. Mein Sohn

Max, er wird bald neun, ist mein

wichtigster Indikator; Kinder

sind gnadenlos ehrlich. Als ich

ihm ‚Brass Devil‘ zum ersten Mal

vorgespielt habe, hat er sofort

zu hüpfen begonnen. Wir haben

im Studio vier Stunden Party gemacht

und waren danach beide

erledigt. Max hat am nächsten

Tag schulfrei bekommen.“

JAN KOHLRUSCH FLORIAN OBKIRCHER

16 THE RED BULLETIN


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D A S F I K T I V E P H I L O S O P H E N - I N T E R V I E W

SOKRATES FRAGT

„Erkennst du dich selbst,

oder postest du noch?“

Social Media ist für ihn nichts anderes als der antike

Markt von Athen: eine Gelegenheit, bei der man die

Weltbilder seiner Zeitgenossen zum Einsturz bringt.

Wie das funktioniert, erklärt der große Denker

Sokrates in unserem fiktiven Interview mit dem

deutschen Philosophen Christoph Quarch.

the red bulletin: In den sozialen

Medien können Menschen sich

zeigen und einander begegnen

– selbst wenn sie physisch an verschiedenen

Orten sind. Ist das

nicht ein großartiges Instrument,

um miteinander ins Gespräch

zu kommen?

sokrates: Ha, da haben Sie mir

einen schönen Köder hingeworfen,

mein Freund. Denn Sie wissen ja genau,

dass ich ein riesengroßer Fan von

Gesprächen bin. Und warum nicht

auch mal chatten oder twittern?

Mir ist nur eines nicht ganz klar

dabei: Wer sind eigentlich diejenigen,

die auf Social Media

kommunizieren?

Wie meinen Sie das? Man nennt

diese Leute Nutzer.

Ja, das weiß ich. Aber was ist

das – ein Nutzer? Sehen Sie: Bei

uns im alten Griechenland kannte jeder die Tempelinschrift

in Delphi. Sie lautete: „Erkenne dich selbst!“

Deshalb frage ich jeden Nutzer, ob er sagen kann,

was es heißt, ein Nutzer zu sein. Verstehen Sie, was

ich meine?

Ja, schon. Und was ist aus Ihrer Sicht ein Nutzer?

Lassen Sie uns mal so tun, als wäre hier ein Nutzer,

den wir fragen könnten: „Hey Nutzer, wer bist du?“

– „Was ist das für eine komische Frage, schau dir mal

mein Profil an, dann weißt du’s.“ – „Okay, da finde

ich ein Foto und ein paar Infos über dich. Aber das

war doch wohl noch nicht alles.“ – „Na klar, ich kann

doch nicht mein ganzes Leben in mein Profil quetschen.“

– „Das will ich hoffen, aber dann bist du doch

offenbar etwas anderes als dein Profil. Oder sagen wir

so: Dein Profil ist ein Bild von dir – aber du bist nicht

mit diesem Bild identisch …“ Merken Sie, worauf ich

hinauswill?

„Den Leuten ist

jedes Mittel recht,

um attraktiv zu

scheinen, und sie

vergessen darüber,

attraktiv zu sein.“

Sie wollen sagen, dass man im Netz eigentlich nur

mit einem Bild von sich unterwegs ist, aber nicht

als die Person, die man eigentlich ist?

Genau das meine ich. Und jetzt kommt’s: Ein Bild kann

wahr oder falsch sein. Es kann das, was es abbildet,

getreu wiedergeben, es kann aber auch ein

Zerrbild sein. Meistens ist Letzteres der Fall:

Das Bild, mit dem Sie in sozialen Medien

unterwegs sind, gibt dann gar nicht

zu erkennen, wer Sie tatsächlich sind,

sondern nur, wer Sie gern sein wollen.

Es ist fast immer ein Wunschbild,

das Sie von sich haben. Und das ist

ziemlich oft ein verdammter Fake.

Heißt das, wir machen uns in den

sozialen Medien alle etwas vor?

Vielleicht nicht alle, aber viele. Es ist

wirklich wie früher auf dem Markt

von Athen. Die Leute wollen sämtlich

Aufmerksamkeit. Sie wollen

bewundert und wertgeschätzt

werden. Aus diesem Grund ist

ihnen jedes Mittel recht, um gut

und attraktiv zu scheinen – und

sie vergessen darüber, gut und

attraktiv zu sein. Das ist schade.

Haben Sie deshalb keinen

Facebook-Account?

Och, ich würd mir schon noch einen anlegen, denn

für Social Media gilt am Ende das Gleiche wie für

den Markt in Athen: Du kannst darin als Fake-Avatar

herumlaufen und dich mit deinem Profil verwechseln,

du kannst Social Media aber auch für Dialoge nutzen,

in denen du anfängst, dich selbst zu erkennen und

deine albernen Selbstinszenierungen als das zu durchschauen,

was sie sind: fruchtlose Schattenspiele, die

dich davon abhalten, wirklich du selbst zu sein.

SOKRATES (ca. 470–399 v. Chr.) ist die Galionsfigur der europäischen

Philosophie. Zu Lebzeiten war der griechische Denker

berühmt dafür, unreflektierte Selbst- und Weltbilder infrage

zu stellen. Damit zog er den Zorn vieler Mitbürger auf sich,

die ihn in einem fragwürdigen Prozess zum Tode verurteilten.

CHRISTOPH QUARCH, 56, ist deutscher Philosoph, Theologe,

Unternehmens-Coach und Autor zahlreicher philosophischer

Bücher. Zuletzt erschienen: „Platon und die Folgen“,

Verlag J. B. Metzler, Stuttgart.

DR. CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

18 THE RED BULLETIN


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IMMER

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SCHLUCK

VORAUS.

Direkt gepresste

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P O R T F O L I O

„Wir hatten

nicht viel Zeit.

Die Securitys

waren uns auf

den Fersen.“

Skateboard-Fotograf

Jake Darwen über die Magie

des Augenblicks

am Rande des Verbotenen.

Text ANDREAS WOLLINGER

Volles Rohr

Anthony Schultz, Seoul,

Südkorea, 2016

„Vor dem größten Einkaufszentrum

Seouls steht diese perfekte Full Pipe.

Das Problem sind nur die vielen

Wachleute. Ein paar von den Jungs

lenkten sie ab, Anthony hatte Zeit

für genau zwei Versuche, dann haben

sie uns des Areals verwiesen.“

20 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 21


P O R T F O L I O

Unter dem

Regenbogen

Casey Ainsworth,

Adelaide,

Australien, 2015

„Casey entdeckte

diese wirklich steile

Bank (eine Schräge,

die Tricks zulässt;

Anm.) untertags, wir

gingen abends hin,

um ungestört zu sein.

Da stellten wir fest,

dass das Stadion

beleuchtet war, was

die Sache gleich noch

viel schöner machte.“

22 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 23


P O R T F O L I O

Nicht mal Fliegen ist schöner

Marius Syvänen, Tugun, Australien, 2018

„Fast zu schön, um wahr zu sein, aber diese Bowl

ist nur ein paar hundert Meter von der Landebahn

des Flughafens von Gold Coast entfernt. Marius

und ich stoppten, dass die Flugzeuge zirka alle

20 Minuten ankamen. Schwebte also ein Flieger

herein, legte Marius los. Es dauerte lang, bis wir es

präzise hinbekamen, aber das war es allemal wert.“

24 THE RED BULLETIN


Sprünge im Schulhof

Jake Hayes & Jordan Trahan,

Los Angeles, USA, 2019

„Klassische Schulhof-Session, mitten im Hochsommer.

Meine Blitzgeräte explodierten fast

in der Hitze, aber die Jungs behielten einen

kühlen Kopf und schafften es, ihre Kickflips über

den Tisch perfekt zu synchronisieren.“

THE RED BULLETIN 25


P O R T F O L I O

Big City, Bright Lights

Marquise Henry, Los Angeles, USA, 2020

„Ich war schon immer ein großer Fan davon, mein

Motiv von hinten zu beleuchten, wann immer ich

die Gelegenheit dazu habe. Die Art und Weise, wie

die Schatten dann mit dem Boden verschmelzen,

und das Glühen hinter der Person: Ich liebe es!“

Kunst und Können

Louie Dodd, Melbourne,

Australien, 2016

„Louie skatet immer an Stellen, die

so toll sind, dass man sich wünscht,

ihn dabei fotografieren zu können.

Glücklicherweise ging mein Wunsch

in Erfüllung: Diese abstrakte Skulptur

steht im Herzen von Melbourne.“

26 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 27


P O R T F O L I O

28 THE RED BULLETIN


Springen

im Brunnen

Dean Palmer,

Peking, China,

2014

„Ich wollte immer

schon jemanden in

einem Springbrunnen

fotografieren, aber

meistens wollen die

Leute nicht nass

werden. Als ich mit

Dean in Peking war,

fragte ich ihn, ob er

Lust habe. Nach fünf

Minuten war er tropfnass.

Er ist dann ins

Hotel zurück, holte

sich neue Klamotten,

und weiter ging’s.“

THE RED BULLETIN 29


P O R T F O L I O

Sicherheit ist relativ

Franky Villani, Los Angeles, USA, 2020

„Nach dem Ausbruch von Corona hatte ich einen Monat

lang kein Foto geschossen. Dann erkannten wir, dass

geschlossene Schulen sichere Orte waren – keine

Menschen weit und breit. Franky wählte prompt den

am wenigsten sicheren Trick: den 50-50 Grind Hippie

Jump – über das Geländer durch das Loch im Zaun.“

30 THE RED BULLETIN


Eine Frage des Gleichgewichts

Gabriel Summers, Melbourne, Australien, 2015

„Bis heute weiß keiner, wer das gebaut oder wozu es gedient

hat – eine wilde Konstruktion mit herausstehenden

Nägeln und Sperrholzstücken, die sich gegenseitig überlappen.

Gabriel musste wie ein Turner balancieren, um

sein Brett in die richtige Position zu bringen, und dann

einfach das Beste hoffen. Zum Glück ist nichts passiert.“

THE RED BULLETIN 31


P O R T F O L I O

Blitzaktion im Bahnhof

Ronnie Kessner, New York, USA, 2019

„Wir waren in diesem Bahnhof was essen. Beim

Rausgehen fiel mir auf, dass man von oben

ganz nach unten sehen konnte, was sofort eine

Fotoidee zündete. Ich verständigte mich mit

Ronnie via Handy, ein Assistent blitzte ihn zusätzlich

von oben, was den Schatten erzeugte.

Viel Zeit hatten wir nicht, die Securitys waren

uns schon auf den Fersen.“

32 THE RED BULLETIN


Verbotene Leidenschaften

Kayle Lawson, Melbourne, Australien, 2016

„Diese Stelle war jahrelang gesperrt. Doch dann

haben Hiesige die Sperren entfernt, und man konnte

genau zwei Wochen skaten. Im Bild: mein bester

Freund Kayle bei einem Switch Backside Lipslide.“

THE RED BULLETIN 33


P O R T F O L I O

34 THE RED BULLETIN


Mit 16 zog sich

Jake Darwen eine

Knieverletzung zu

– nicht lustig, wenn

man davon träumt,

Skateboardprofi

zu werden. Doch

der Sonnyboy aus

Auckland, Neuseeland, nützte das

halbe Jahr Krankenstand kreativ:

Er legte sich eine Kamera zu, um Teil

der Szene zu bleiben, wenn er schon

nicht selber fahren konnte. Schnell

wurde die Fotografie zu seiner neuen

Leidenschaft, wobei er den gleichen

Zugang wählte wie beim Skateboarden:

„Du kannst nicht aufhören, dich

zu verbessern, das macht süchtig“,

sagt er. Nach fünf Jahren in Australien

übersiedelte er schließlich nach

Los Angeles und zählt heute, mit 28,

zu einem der gefragtesten Skateboard-Fotografen

der Welt. Vor allem

weil er es versteht, die flüchtigen

Tricks der Boarder und ihre Umgebung

mit wachem Blick und perfektem

Timing zu Gesamtkunstwerken zu

erhöhen. „Ich glaube“, sagt er, „dass

man ein Foto auf die Art dazu bringt,

eine Geschichte zu erzählen.“

Bilder aus Jakes Leben: Instagram: @jakedarwen

Tag der Fahne

Jake Hayes, Chongqing,

China, 2014

„Diese Flaggen fielen mir auf, als wir

von einem Spot zum nächsten unterwegs

waren. Ich kletterte auf einen

Baum, um den Blickwinkel richtig

hinzukriegen, und Jake machte ein

paar Kickflips. Zum Glück waren

nirgends Securitys.“

THE RED BULLETIN 35


Musik

„Meine Songs

sind dunkelgrün

und himbeerrot“

Wenn Lea Lu singt, wird ihre Welt ganz bunt – denn

jeder Klang ist für sie Farbe. Die Sängerin sieht Töne.

Und das gibt ihrer Musik einen einzigartigen Anstrich.

Interview SABRINA LUTTENBERGER

Foto CLAUDIO STRÜBY

Wenn Lea Lu auf die dunkle Seite

ihrer Seele wechselt – dorthin, wo

es ein wenig düsterer zugeht –, dann

sieht sie nicht schwarz, nein, sie hört

dunkelgrün.

Für die Sängerin, 36, steht Dunkelgrün

für F-Dur – und zwar immer.

Denn Lea Lu ist Synästhetikerin.

Das heißt: Jeder Ton, jeder Akkord

lässt vor ihrem inneren Auge eine

bestimmte Farbe erklingen.

Nur einer von 20.000 Menschen,

schätzen Experten wie der Neuropsychologe

Lutz Jäncke von der Uni

Zürich, besitzt diese Gabe. Der rus sische

Maler Wassily Kandinsky soll sie

gehabt haben, die New Yorker Sängerin

Lady Gaga und der Frontmann

der britischen Popband Coldplay,

Chris Martin, sehen Töne wie Lea Lu.

Neue Studien gehen davon aus,

dass fast jeder Zwanzigste Töne sieht,

viele, ohne sich dessen bewusst zu

sein. Lange ahnte auch Lea Lu nichts

von ihrer Gabe, erst eine Doku über

Synästhesie öffnete ihr die Augen.

Dabei hatte die Schweizerin sich

schon als Sechsjährige mit ihrer speziellen

Fähigkeit durch den Geigenunterricht

geschummelt: Statt der

Noten merkte sie sich die Farbfolge,

die sie sah, wenn ihr die Lehrerin

ein Stück vorspielte.

Ob die Farbe vor ihrem inneren

Auge ihren Liedern einen besonderen

Klang verleiht? Wir meinen ja – ihrer

ersten Single „I Call You“ gibt sie

einen einzigartigen Anstrich, ihr dieses

Jahr erscheinendes Album verspricht

eine bunte Welt. Ein Happy

End, mit einem dunkelgrünen Start

in New York.

the red bulletin: Wenn du mit

Leuten Musik machst, kann es

passieren, dass die anderen etwas

richtig gut finden, wo für dich

die Klang-Farb-Kombination nicht

funktioniert?

lea lu: Ja, das kommt wirklich

vor. Wenn die Komposition toll ist,

die Farben aber langweilig sind,

beeinflusst das bereits meine Wahrnehmung

des Songs. Oder zum Beispiel

F-Dur – das ist für mich immer

dunkelgrün, ein bisschen düster.

Es kann schon sein, dass ich dafür

eher melancholischere Themen

wähle. Auf der anderen Seite würde

ich niemals einen traurigen Song in

A‐Dur schreiben. A-Dur ist himbeerrot,

eine fröhliche Farbe!

Wie kann man sich das vorstellen,

dass du Musik nicht nur hörst,

sondern auch siehst?

Es ist wie eine Farbebene, die immer

da ist, also auch jetzt, wenn wir

sprechen. Es gibt dieses Empfinden,

das mehr im Inneren des Körpers

stattfindet. Ich habe das nicht nur

bei Tönen, sondern auch wenn ich

lese und Buchstaben sehe. Da sind

dann aber nicht die Buchstaben

farbig, sondern ich sehe die Farben.

Bei der Musik ist das eben auch so:

Es tauchen Farbnebel vor meinem

inneren Auge auf. Jeder Akkord

und jeder Ton hat in meinem Kopf

eine bestimmte Farbe. Und das ist

immer dieselbe.

Beeinflusst dich diese Fähigkeit

auch in anderen Bereichen?

Mir hilft es dabei, mir Dinge zu merken.

Also, ich hab schon als kleines

Kind Geige gespielt, konnte aber keine

Noten lesen. Die Geigen lehrerin

wusste das aber nicht und hat mir

das Notenblatt hingestellt. Ich hab

sie dann gefragt: „Können Sie das

bitte vorspielen?“ Ich habe mir die

Tonfolge farblich gemerkt und so

getan, als ob ich die Noten lesen

würde. Sie hat das sechs Jahre lang

nicht gemerkt! (Lacht.)

Normalerweise würden wir jetzt

über deinen New-York-Aufenthalt

sprechen. Doch 2020 kam alles

anders.

Ja, ich wäre von März bis September

mit einem Auslandsstipendium der

Stadt Zürich in New York gewesen.

Der Traum jedes Künstlers! Ich

bin am 9. März angereist und war

am 17. März notgedrungen wieder

zurück in der Schweiz. Das war

ein Schock, wie die Pandemie sich

so plötzlich entfacht hat.

Wie hast du die Zeit erlebt?

Zuerst hatte ich natürlich Angst –

um meine Familie, meine Freunde,

meine Gesundheit. Ich war wie in

einer Schockstarre, bis ich erkannt

habe, ich muss da wieder raus. Das

habe ich geschafft, indem ich mir

möglichst viele wissenschaftliche

Informationen zu Covid-19 beschafft

habe. Ich hab viel gelesen und mich

mit Freunden aus Taiwan ausgetauscht,

die bereits früh Erkenntnisse

36 THE RED BULLETIN


„Ich musste

raus aus der

Schockstarre.“

Lea Lu, 36, kämpfte sich nach einem

harten Jahr 2020 wieder zurück.

THE RED BULLETIN 37


Musik

zum Virus hatten. Als die Angst weg

war, war das Organisieren wichtig.

Okay, was mache ich jetzt? Wie zum

Teufel zahle ich meine Miete? Es ist

Lockdown. Ich hab keine Konzerte,

ich kann keinen Gesangsunterricht

geben.

Zum weltweiten Ausnahmezustand

kam also auch noch

ein persönlicher?

Ja. Die Kulturbranche wurde von der

Situation hart getroffen. Zum Glück

gab es nach einigen Monaten Unterstützungsbeiträge

von verschiedenen

Institutionen. Um die erste Zeit

zu überbrücken, habe ich mir Geld

von Freunden geliehen. Sobald das

Finanzielle vorerst geklärt war, hat

sofort wieder das Kreieren begonnen.

Das Leben kam wieder in Bewegung.

Ich wollte schon sehr lange an

meinem neuen Album arbeiten,

deshalb bin ich ja auch nach New

York gegangen.

Stattdessen hast du es bei dir

daheim in Zürich aufgenommen.

Wie war die Arbeit daran?

Als ich die Songs geschrieben hatte,

habe ich einfach angefangen, die

Musik mit meinem Schlagzeuger, mit

dem ich mir den Proberaum teile,

aufzunehmen – mit den Möglichkeiten,

die wir zur Verfügung hatten.

Und ich habe mir Bass-Spielen beigebracht.

Weil ich … na ja, keinen

„I love the

songs! I love

your voice!“

Der kanadische Musiker Mocky

war sofort bereit,

Bass für Lea Lu zu spielen.

Bassisten in der Nähe hatte. (Lacht.)

Es ging eigentlich ganz okay, aber

dann ist mir plötzlich wieder Mocky

in den Sinn gekommen. Ein kanadischer

Musiker, der schon mit Jamie

Lidell (britischer Sänger; Anm.) und

Leslie Feist (kanadische Sängerin;

Anm.) gearbeitet hatte. Den wollte

ich eigentlich in New York treffen.

Ich hab mir gedacht, die Chance

ist klein, aber ich frag einfach mal

per Mail bei ihm an. Er hat zurückgeschrieben

und war begeistert:

„I love the songs! I love your voice!

I would love to play on your album!“

Er hat dann in Los Angeles die Bass-

Linien eingespielt und uns geschickt.

Das war so krass: Es hat sofort so

geklungen, als ob wir schon lange

eine Band wären! Ohne dass wir uns

einmal getroffen haben.

Wenn man sich das Album anhört,

wird man etwas von der Stimmung

des vergangenen Jahres spüren?

Ich glaube, man wird darin deutlich

das Bedürfnis nach Austausch spüren.

Das, was ich mir in dieser Zeit am

meisten gewünscht habe: wieder

mit anderen Musikern spielen zu

können. Für mich ist das Album

auch eine Weiterführung meiner EP

„Rabbit“. Die war eine Soloproduktion,

ein sehr einsames Stück Musik.

Der nächste Schritt wäre gewesen,

wieder in die Welt hinauszugehen.

Dann kam Corona, und die Welt ging

zu. Aber das Bedürfnis ist geblieben.

Wie bist du damit umgegangen?

Ich habe es so gelöst, wie es eben

ging: zum Beispiel mit Mocky

online. Als der Lockdown in der

Schweiz zu Ende war, so Anfang

Mai, konnte man sich auch wieder

treffen und zusammen musizieren.

Da haben wir das Proberaumstudio

in ein Auto gepackt und in einer

Alphütte wieder aufgebaut, und ich

hab meine Lieblingsjazzmusiker aus

der Schweiz eingeladen. Also, ich

hab einfach nur angerufen, und sie

sind alle gekommen. Das war ein

wunderschönes Erlebnis. Deshalb

heißt das Album auch „I Call You“.

Dabei wolltest du als Kind auf

keinen Fall Musikerin werden.

Du hast angeblich gesagt, das sei

dir viel zu anstrengend.

Das stimmt. Ich hab schon sehr

früh Songs geschrieben. Das war

das Natürlichste für mich. Ich sag

immer, das war meine erste Sprache,

meine Muttersprache. Die Welt,

in der ich mich ausdrücken konnte.

Musikerin zu werden war aber

nie ein Berufswunsch oder Traum.

Nicht, weil es anstrengend ist – mir

war wohl schon immer bewusst,

dass es einfach schwierig ist, Musikerin

zu werden und davon zu

leben. Deshalb habe ich auch mit

einem Psychologiestudium begonnen.

Da hatte ich in den Vorlesungen

aber immer eine Jazz-Notensammlung

mit. Eine Mitstudentin hat

mich irgendwann einmal gestupst

und meinte: „Ey, du bist wirklich im

falschen Studium.“ (Lacht.) Danach

habe ich Jazz studiert.

Und kannst du jetzt Noten lesen?

Ja, das hat auch noch funktioniert.

Als Anheizer für Coldplay: Lea Lu 2016 mit ihrer Band im Stadion in Zürich –

48.000 Zuschauer sahen ihren Auftritt. Wie Lea Lus Leben Farbe gewinnt: lealu.ch

LUKAS MAEDER

38 THE RED BULLETIN


FLÜÜÜGEL

FÜR DEN SOMMER.

MIT DEM GESCHMACK VON KAKTUSFRUCHT.

BELEBT GEIST UND KÖRPER ® .


Ultrarunning

Der fitteste

Feuerwehrmann

Österreichs

Andreas Michalitz, 52, Hauptbrandmeister aus Wiener

Neustadt, hält den Weltrekord im 100-Kilometer-Lauf –

und zwar in voller Montur. Das heißt: Er muss 26 Kilo

mitschleppen. Und das ist nicht seine einzige Bestleistung.

Interview WOLFGANG WIESER

Foto PHILIPP HORAK

Seine Vorbereitung für die Weltrekorde

absolvierte Hauptbrandmeister

Andreas Michalitz in der

Nacht: Warum? „Weil es seltsam

aussieht, wenn du mit einem Feuerwehrhelm

auf dem Kopf läufst.“

Tatsächlich näherte sich Profi-Feuerwehrmann

aus Wiener Neustadt

seiner schweißtreibenden Rekordjagd

Stück für Stück: Einmal trug er

den Helm, dann seine schweren

Einsatzstiefel („Die sind fürs Laufen

völlig ungeeignet“). Bis er schließlich

in die komplette, 26 Kilo schwere

Montur schlüpfte. Das monatelange

Training hat sich gelohnt. Heute hält

er vier Weltrekorde: im 100-Kilometer-Lauf

(im Einzel und im Team

mit drei deutschen Kollegen), für

zwölf Stunden am Laufband und

im Treppen steigen – alles in voller

Feuerwehr-Montur.

the red bulletin: Du hältst den

Weltrekord im Treppensteigen

in voller Montur, konkret hast

du 82.301 Stufen in 24 Stunden

geschafft. Frage eins: Was heißt

in voller Montur genau? Frage

zwei: Ganz ehrlich, ist das nicht

ein bisschen verrückt?

Andreas Michalitz: Die zweite

Frage kann ich kurz beantworten:

Ja. Zur ersten Frage: Helm, Jacke,

Handschuhe, Hose, Stiefel, Atemschutzgerät,

Beil, eine Maske – alles

in allem 26 Kilo schwer.

Wie bist du überhaupt auf diese

verrückte Idee gekommen?

Den Treppenrekord hat vor mir Joey

Kelly von der Kelly Family gehalten

– allerdings ohne Montur. Ich wollte

nur beweisen, wie fit du als Feuerwehrmann

sein musst.

Dieser Weltrekord ist nicht dein

einziger, du hältst vier, einer davon

ist der Weltrekord im 100-Kilometer-Lauf

in Feuerwehr-Schutzausrüstung

mit Atemschutz. Du

hast dafür 15 Stunden, 11 Minuten

und 10 Sekunden gebraucht. Was

treibt dich zu solchen Leistungen?

Das ist schwer zu sagen. Ich ver mute,

es ist die Motivation, etwas Besonderes

zu schaffen, was sonst kaum

jemand schafft. In Österreich bin ich

mit diesen Extremeinsätzen eher ein

Einzelkämpfer, in Deutschland sind

viel mehr Feuerwehrkollegen dabei.

Deine Vorbereitung?

Ich laufe seit rund 20 Jahren täglich.

Zwei-, dreimal in der Woche habe

ich speziell für die Weltrekorde

trainiert. Auf unterschiedlichen

Strecken. Meistens in der Nacht,

weil es seltsam aussieht, wenn du

mit einem Feuerwehrhelm auf dem

Kopf läufst. Das größte Problem

waren die Schuhe: Die schweren

Stiefel sind fürs Laufen eigentlich

völlig ungeeignet. Aber wenn du

lange genug übst, haut auch das hin.

Was haben die Feuerwehrkollegen

dazu gesagt? Und deine Frau,

deine Kinder?

Die waren Feuer und Flamme und

haben mich unterstützt. Meine

Frau Susanne, 54, und mein Sohn

Alexander, 34, betreuen mich heute

noch bei Extremläufen.

Am Anfang deiner Laufbegeisterung

stand ein Buch von Extremsportler

Christian Schiester.

In „Lauf ins Leben“ beschreibt er,

wie er vom Kettenraucher zum Top-

Sportler wurde. Es hat mich fasziniert,

dass ein Antisportler all das

schaffen kann.

Bevor Christian mit dem Laufen

begann, hatte er jeden Tag sechs

Bier getrunken und 40 Zigaretten

geraucht. Wie hat dein Sündenregister

ausgesehen?

Gegessen habe ich gerne, aber kaum

Alkohol getrunken. Sportlich habe

ich – außer ein bisschen Ski zu fahren

– schlicht nichts gemacht.

Sind diese Rekorde mehr als bloß

ein Gag?

Natürlich, sie sind so etwas wie eine

Bestätigung meiner körperlichen,

aber auch meiner mentalen Fitness.

Wenn ich bei einem Einsatz auf

der Autobahn auf 50 Grad heißem

Asphalt stehe und im Schutzanzug

arbeiten muss, ist es wichtig, nicht

nur körperlich, sondern auch geistig

fit zu sein.

Wohin Andreas Michalitz gerade läuft:

ultrarunning-michalitz.at

40 THE RED BULLETIN


„In dieser

Montur lief ich

100 Kilometer

am Stück.“

Hauptbrandmeister Michalitz, 52,

in seiner Sportbekleidung:

„Ich will etwas schaffen, was sonst

kaum jemand schafft.“

THE RED BULLETIN 41


Skydiving

KOMET

MIT HELM

Die Skydiver der Red Bull

Air Force als menschliche

Flugobjekte am Nachthimmel:

Bei uns erzählt US-Fotograf

Dustin Snipes, wie aus

seiner verrückten Foto-Idee

ein Stunt für die Geschichtsbücher

wurde.

Text NORA O’DONNELL

Fotos DUSTIN SNIPES

42


RED BULL AIR FORCE

Lebende Fackel

Ein Skydiver der Red Bull Air

Force im Nachthimmel über

Marfa, Texas. Die US-Kleinstadt

ist für ihre mysteriösen Lichtphänomene

berühmt, die „Marfa

Lights“. Um diese für ein Fotoprojekt

nachzustellen, zündeten

die Athleten kurz nach dem

Absprung pyrotech nische

Raketen an ihren Fußgelenken.


Skydiving

Himmels-

Kunstwerk

Dieses Bild besteht aus 48 Fotos:

Sechs Kameras und je acht Langzeit

belichtungen waren nötig,

damit der gesamte Flug der

vier Skydiver zu sehen ist – vom

Absprung über den Formationsflug

bis zu ihrem Verschwinden

hinter den Bergen. „Ein abstraktes

Gemälde auf einem schier endlosen

Nachthimmel“, schwärmt

Fotograf Dustin Snipes.

44


Skydiving

„Wir machen

diesen Sprung

nicht, weil

er leicht,

sondern weil er

schwierig ist.“

Fotograf Dustin Snipes

Fotograf Snipes (li., mit seinem Team) kam im September 2020 zum ersten Mal nach Marfa, Texas,

um sich nach Locations für das Nacht-Skydiving-Shooting umzusehen. „Die Planung dauerte Monate“,

sagt er, „weil es jede Menge Variablen gab.“

Wie so viele wilde

Abenteuer beginnt

auch diese

Geschichte mit

einer verrückten

Idee – sie stammte von US-

Fotograf Dustin Snipes.

„Je verrückter, desto besser“,

sagt er trocken. „In der Regel

bedeutet das nämlich, dass

es noch niemand vorher versucht

hat.“

Die Hochebene von West-

Texas hat etwas ganz Besonderes

zu bieten: einen Nachthimmel

von außerirdischer

Schönheit. Die Seehöhe und

die Abwesenheit von Lichtverschmutzung

lassen Millionen

von Sternen funkeln wie

Juwelen. Und über allem

schwebt der mystische Schleier

der Milchstraße.

Doch damit nicht genug:

Nahe der Kleinstadt Marfa

werden immer wieder mysteriöse

Lichterscheinungen

beobachtet – pulsierende

Kugeln in allen möglichen

Farben, mittlerweile weltweit

bekannt unter dem Schlagwort

„Marfa Lights“. Paranormale

Phänomene? Atmosphärische

Spiegelungen von

Scheinwerfern oder Lagerfeuern?

UFOs? Wer weiß.

Für Fotokünstler Dustin

Snipes jedenfalls eine würdige

Kulisse, um einen Nachtflug

der Red Bull Air Force gebührend

zu inszenieren: Was

wäre, so der Grundgedanke

der Aktion, wenn diese Weltklasse-Athleten

selbst zu

Marfa Lights würden? Snipes,

in Los Angeles daheim, verbrachte

Monate mit der Planung

des Husarenstücks: Es

galt, hunderte von Variablen

mit einem Team von Experten

einigermaßen berechenbar

zu machen. „Es gab mehr Unwägbarkeiten

als bei jedem

anderen Shooting, das ich je

gemacht habe“, sagt er.

Snipes und das Team der

Red Bull Air Force schlugen

ihr Basislager auf der historischen

Cibolo Creek Ranch

auf. Zu ihr gehören mehr als

Ein Mann sieht Rot

Kurz nach Sonnenuntergang bringt Dustin Snipes seine

Ausrüstung in Stellung. Das rote Licht ist ein entscheidendes

Werkzeug für die Nachtfotografie – weil es die Augen des

Fotografen im Dunkeln weniger blendet als normales Licht.

DAN WIX, RED BULL AIR FORCE

46 THE RED BULLETIN


Aufstieg

und Fall

Bild oben: Das Red Bull Air

Force-Team im Flugzeug vor

dem Absprung. Um sich auf

einem mondlosen Himmel

sichtbar zu machen, wickelten

sich die Athleten in Ketten

von LED-Lichtern; dazu verwendeten

sie Pyro technik,

die das Tempo und die Energie

während des freien Falls rüberbringen

sollte. Das ließ sie

am Ende wie mensch liche

Kometen wirken.


„Es gab mehr

Unwägbarkeiten

als bei jedem

anderen Shooting,

das ich je

gemacht habe.“

Fotograf Dustin Snipes

Fotograf Snipes bat die Athleten,

während der drei Sprünge mit dem

Einsatz von LED-Lichtern und

Pyrotechnik zu experimentieren.

„Das LED liefert schnörkellose

Linien“, sagt er. „Aber die Pyro fügt

so viel Zufälligkeit hinzu und verleiht

dem Ganzen einen wunderbar

geheimnisvollen Look.“


Skydiving

Touchdown

Bloß zwei winzige Lichter boten

den Springern Orientierung

auf dem Weg zur Landung.

„Rundherum waren nur Berge …

und absolute Finsternis“, sagt

Team-Captain Jon DeVore.

„Das Abenteuer wäre wohl

ziemlich böse ausgegangen,

hätten wir es nicht zum richtigen

Landeplatz geschafft.“

RED BULL AIR FORCE

Schweres Geschütz

Um die ganze Schönheit des Nachthimmels über Marfa und den Flug der Bullen auf ein Bild

zu bekommen, bastelte sich Fotograf Snipes ein Gestell für seine Canon-EOS-Kameras.

Jede von ihnen machte acht Langzeitbelichtungen über die drei Minuten, die die Springer

in der Luft waren. Die Konstruktion musste leicht für den Transport sein und stabil genug,

um den Kameras Halt zu bieten. Snipes brauchte fünf Tage, um das Ding zu bauen.

120 Quadratkilometer Land –

mehr als genug Platz für störungsfreie

Aufnahmen.

Doch all die penible Vorbereitung

half Snipes nicht bei

der größten Herausforderung:

beleuchtete Körper, die aus

3000 Metern drei Minuten lang

in die Dunkelheit fallen, ordentlich

aufs Bild zu kriegen.

Er verwendete ein Set-up aus

neun Kameras, die auf ein selbst

gebasteltes Gestell montiert waren,

um ein 180-Grad-Panorama

hinzubekommen.

„Immer, wenn ich so etwas

mache“, sagt Snipes, „muss ich

an das denken, was Präsident

John F. Kennedy seinerzeit über

die Mondmissionen sagte: ‚Wir

machen das nicht, weil es leicht,

sondern weil es schwierig ist.‘

Du willst schließlich nicht den

ganzen Tag mit langweiligen

Spaziergängen verbringen.“

Das ganze Video der Marfa-Lights-

Sprünge: redbull.com

THE RED BULLETIN 49


WHEELIE

Was für Tarek Rasouli auf

dem Bike noch Spaß war,

ist im Rolli im Alltag

Notwendigkeit (was jetzt

nicht heißt, dass er daran

keinen Spaß hätte).

50 THE RED BULLETIN


Mountainbike

DAS IST EUROPAS

WICHTIGSTER

BIKE-MANAGER

Vor seinem Unfall war TAREK RASOULI, 46,

ein exzellenter Mountainbike-Freerider.

Doch erst seit er im Rollstuhl sitzt,

wurde er zum Dreh- und Angelpunkt der Szene

und veränderte eine komplette Branche

zum Besseren.

Text WERNER JESSNER

Fotos PHILIPP HORAK

THE RED BULLETIN 51


Mountainbike

Eine Liste von exakt zehn Personen, die

dich beruflich geprägt haben und die du

gern zum Abendessen einladen würdest:

Wer Tarek Rasouli, 46, diese Frage stellt,

beschäftigt ihn über Tage. Zehn Namen,

keiner mehr. Legenden der Frühzeit,

Superstars von heute, visionäre Bikepark-

Entwickler, prägende Event-Erfinder,

legendäre Filmer, renommierte Sportärztinnen,

hingebungsvolle Trainer: Es

ist das Who’s who der Szene. Wirklich

nur zehn Namen? Tarek streicht und ergänzt,

doch die Liste bleibt viel zu lang.

Der Start: Ein Sonnyboy

erobert die Bike-Welt

Wer wissen will, warum dieser Mann so

gut vernetzt ist, muss mitkommen auf

eine kleine Zeitreise um die Jahrtausendwende.

Wer damals Mountainbike-Fan

war, hatte sehr wahrscheinlich ein Poster

oder ein Magazin mit Tarek zu Hause.

Der Münchner war der einzige Europäer

unter den legendären „Fro-Ridern“,

dem ersten Profi-Freeride-Team des Kult-

Herstellers Rocky Mountain. Diese rare

Pflanze hatte seine Wurzeln in einer

BMX-Karriere und einer als Fotomodell.

Tarek zierte in seiner Karriere eine zweistellige

Zahl an Covern internationaler

Bike-Magazine. Er sah gut aus und konnte

verdammt gut fahren – eine seltene Kombination,

vor allem in Europa. So startete

er nach dem Abi eine Karriere, die er

selbst managte. „Ich war meine eigene

globale One-Man-Show: Manager, Pressesprecher,

Trainer und mehr. Ich war überarbeitet,

aber oft untertrainiert. Manchmal

war mein Training das Fotoshooting

selbst!“ Aber es funktionierte. Sein Geld

verdiente er auch mit Shows und BMX-

Rennen. Und dann das: „1999 wurde ich

auf meiner Heimbahn nur Vizemeister.

Im Ziel hab ich geweint, weil ich so enttäuscht

war.“ Tarek war da immerhin

schon 24 Jahre alt. Er stellte das BMX

in die Ecke, konzentrierte sich voll aufs

Mountainbike – aber nicht auf Rennen,

sondern auf Videoproduktionen.

Mit immer actionreicheren Clips

wuchs er in die Freeride-Szene rein, die

sich ausgehend vom kanadischen British

Columbia gerade etablierte. Das Medium

jener Tage war die VHS-Kassette, die Kult-

Reihe hieß „Kranked“. Dort fuhren die

Götter. Dank seiner Professionalität, aber

auch seinem Style arbeitete sich Tarek

bis zu den Fro-Ridern nach oben. Seine

Sponsoren inszenierten ihn als Sonnyboy

mit Models, Party und Glamour, selbst

PIONIER DER LÜFTE

Tarek sprang den später ikonisch

gewordenen Stunt „Mushroom Drop“

in Moab, Utah, als Erster.

wenn es hinter den Kulissen nicht immer

so glitzerte – aber wen kümmerte das

schon: „Nach meinem ersten Auftritt in

‚Kranked‘ musste ich reihenweise Autogramme

geben – etwas, was mir all die

Cover und die sportlichen Erfolge im

BMX nie gebracht hatten.“

Der Einschlag: ein Sturz,

der plötzlich alles veränderte

Für „Kranked 5“ sollte im Spätsommer

2002 im kanadischen British Columbia

gedreht werden, jenem Geburtsort des

Freeriding. Ein neuer Berg, große Verwirrung

bezüglich der Drehgenehmigungen,

alles sehr konfus. Als die Rider endlich

mit dem Lift im Bike-Resort Sun Peaks

rauffahren durften, um die Stelle anzuschau

en, auf der sie drehen wollten, sagte

Tarek: „What a beautiful view from a

wheel chair.“ Er hatte eigentlich „chairlift“

gemeint, also Sessellift – und doch war

der Satz beinahe prophetisch. Was die

wenigsten wissen: Tareks Halbbruder,

der im österreichischen Kärnten lebt,

sitzt seit einem Kletter-Unfall im Rollstuhl.

Kurz dachte er an ihn. Zwei Stunden

nach diesem Satz schlug der Blitz

bei Tarek ein. Der Landehügel war unterdimensioniert,

er zu hoch gesprungen.

In mehreren Metern Höhe warf er das

Bike weg. Bei der Landung auf den Beinen

gab der oberste Lendenwirbel auf. Sofort

waren bestialische Schmerzen da. Taubheit.

Und die Vermutung, dass die Bike-

Karriere unwiderruflich zu Ende war.

Der Neuanfang:

Optimismus als Rettung

Wenn Tarek Rasouli von jener Zeit

spricht, in der er den Grundstein zu allem

Weiteren legte, beginnt er noch im

Krankenhaus in Kanada. Der freundliche

150-Kilo-Pfleger mit der Piepsstimme.

Dann das Dreibettzimmer in der Reha

in Murnau, wo sich der eine Nachbar gar

nicht und der andere nur einen Arm bewegen

konnte, was diesem immerhin das

Kettenrauchen ermöglichte. Tarek lag

fröhlich dazwischen: „Ich habe einen

Luxus- Querschnitt! Volle Beweglichkeit

der Arme und Hände, sogar der Bauchmuskeln.

Was soll ich da jammern?“

Eine Eigenschaft, die Trial-Legende

Danny MacAskill an Rasouli bewundert:

„Ich habe Tarek noch nie – niemals – über

seinen Zustand klagen gehört.“ In seinem

Inneren sieht es bisweilen freilich anders

aus: „Natürlich habe ich Schmerzen.

Jeden Tag. Aber andere sind viel schlechter

dran.“ Man würde seine Schmerzen

nicht ahnen, genau wie man vergisst,

dass der charismatische Mann mit den

vielen Ideen im Rollstuhl sitzt, wenn

man länger mit ihm zu tun hat. Seine

Zuversicht und sein Anpackergeist sind

es auch, die ihn schnell in Kontakt mit

Gleichgesinnten bringen – etwa mit den

Machern der Wings for Life Stiftung,

die sich für die Heilung von Querschnittslähmung

einsetzt (s. Kasten S. 55). Als

Stiftungs-Botschafter spricht Tarek seit

über 15 Jahren anderen Betroffenen Mut

zu, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.

SCOTT MARKEWITZ

52 THE RED BULLETIN


DAS NETZWERK DES TAREK RASOULI

Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Der Bike-Manager (in der Mitte) kennt

auf zwei Rädern die Götter und die Welt – und bringt sie zusammen.

DER KULT-FILMER

DEREK WESTERLUND

Von „New World Disorder“

bis „Where the Trail Ends“:

Er setzt die Athleten in Szene.

DER LOCAL HERO

ERIK FEDKO

Tarek hat den besten

deutschen Freerider einst

bei einem kleinen Event

entdeckt.

DER YOUTUBE-

SUPERSTAR

FABIO WIBMER

Der gebürtige Osttiroler

hat die Ideen, Tarek und Co

tragen sie in die Welt.

BORIS BEYER/RED BULL CONTENT POOL(2), BRYAN RALPH, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL,

COLIN MEAGHER, YORRIX CARROUX, JONNIE BOER, DAVE MACKISON/RED BULL CONTENT POOL, KLAUS BAUER

DER EVENT-GURU

TODD BARBER

Erfinder des legendären

Red Bull Rampage und weiterer

Bike-Spektakel

DIE TRIAL-IKONE

DANNY MacASKILL

Der Mann, der uns immer

wieder staunen lässt, ist

mittlerweile mehr Freund

als Klient von Tarek.

DIE ÄRZTIN

DR. CHRISTINE

BACHMANN

Behandelt Tareks Biker

und weitere Top-Athleten.

DER TRAINER

LORENZ WESTNER

Kümmert sich um

begnadete Körper auch

in schwierigen Lagen.

DER BIKEPARK-VISIONÄR

KORNEL GRUNDNER

Setzte Leogang in Salzburg

auf die Bike-Landkarte – auch

dank Tareks Events.

DIE BESTE SCHWESTER

NATHALIE TANOS

Stellvertretende Geschäftsführerin

bei Rasoulution und

Tareks rechte Hand

DER FREERIDE-

ÜBERFLIEGER

EMIL JOHANSSON

Der Freerider mit dem vielleicht

größten sportlichen

Potenzial weltweit vertraut

auf Tareks Netzwerk.

THE RED BULLETIN 53


WIEDER AUF DEN BEINEN

Es ist ein persönlicher Durchbruch:

Seit kurzem kann Tarek wieder

eigene Schritte machen – mit

Hightech-Unterstützung des Exoskeletts

EksoNR von Ekso Bionics

und immer in Begleitung einer Physiotherapeutin.

So will er am 9. Mai

sogar beim Wings for Life World

Run wieder als Läufer starten.

54 THE RED BULLETIN


Mountainbike

PHILIP PLATZER FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Die Revolution: Ein Kolumnist

erfindet etwas andere Bike-Events

Nach der intensiven Reha-Phase machte

Tarek da weiter, wo er vor dem Unfall

aufgehört hatte: Er jammerte nicht, sondern

managte sich selber, genau wie er

es immer getan hatte. Nutzte seine Kontakte.

Er schaute beim Magazin „Bike“

rein und kam mit dem Auftrag für eine

ständige Szene-Kolumne raus. Schließlich

die Anfrage, ob er sich zutrauen

würde, ein Event zu organisieren. Hatte

er zwar noch nie gemacht, aber er hegte

schon lange den Traum, auch Menschen

jenseits der Szene für Bike-Events zu begeistern.

Und so wählte er die Location

nicht versteckt in den Bergen, sondern

bei Konstanz am Bodensee und setzte auf

Good Vibes und Partystimmung. Aus

„Ride to the Lake“ sollte später der Red

Bull District Ride entstehen, ein Bike-

Spektakel vor zehntausenden Zuschauern,

zuletzt etwa in der Nürnberger Altstadt.

Ermutigt vom Erfolg in Konstanz,

gründete Tarek mit einer Freundin eine

Event-Agentur: Rasoulution.

Die Begeisterung und der Optimismus,

mit denen Tarek an die Sache heranging,

erweckten Dinge zum Leben, die sonst

nie und nimmer funktioniert hätten. Das

Feuer, das damals aufflackerte, brennt

heute unverändert hell: Wenn er vorab

den streng geheimen Pilot des jüngsten

Danny-MacAskill-Videos „The Slabs“

durchschickt, freut er sich wie ein Kind,

weil einem seiner Athleten wieder einmal

etwas Unfassbares gelungen ist und

er seinen Teil dazu beitragen konnte.

Die Familie: Eine Heimat für globale

Zweirad-Stars entsteht

Rasoulution bietet nämlich auch Athleten-

Management, also genau das, was Tarek

einst für sich selbst gemacht hat, bloß

viel, viel professioneller. Es sind nicht die

Schlechtesten, die auf Rasoulution vertrauen:

YouTube-Megastar Fabio Wimber

zum Beispiel. Das deutsche Supertalent

Erik Fedko. Danny MacAskill, längst

mehr Kumpel als Kunde. Wer bei Rasoulution

ist, gehört zur Familie. Als den

schwedischen Jungstar Emil Johansson

monatelang mysteriöse Rückenprobleme

quälten, ließ Tarek ihn nach München

einfliegen, wo Spezialisten ein Problem

mit einem Wirbel diagnostizierten, außerdem

ein Autoimmun-Problem. Nach

zehn Monaten konnte Emil sein Comeback

auf dem Bike geben: „Ohne das persönliche

Engagement von Tarek weiß ich

nicht, wie es ausgegangen wäre. Dafür

bin ich ihm total dankbar!“

In Summe hat Rasoulution elf Athleten

unter Vertrag. Wie sucht ihr die aus?

„Spezielles Talent. Und ganz wichtig ist

ihr Charakter. Ihre Offenheit, Umgänglichkeit

und Bodenständigkeit.“ Die letzte

Entscheidung trifft Tarek. Ein junger

Local Boy wie Erik Fedko kann es genauso

schaffen wie jüngst ein bis dato völlig

unbekannter Japaner namens Tomomi

Nishikubo, den Tarek auf Videos entdeckte.

Oder man nimmt den klassischen

Weg wie Fabio Wibmer, der als Sechzehnjähriger

bei einem von Tarek und Danny

Am 9. Mai: Mit Tarek für

die gute Sache laufen

Wings for Life World Run

Weltweit starten zeitgleich alle Teilnehmer

zum Wings for Life World Run. Jeder läuft

einzeln, eine App feuert dich an und signalisiert,

wenn dich das virtuelle Catcher Car

eingeholt hat. Die Einnahmen fließen zu

100 Prozent in die Rückenmarksforschung.

Übrigens, über die App kannst du auch

Tareks Rasoulution-Laufteam beitreten.

Sei dabei: wingsforlifeworldrun.com

Zusammen stark

für die Forschung

Wie die Wings for Life Stiftung

Querschnittslähmung heilen will.

Robotergestützte Reha, Proteine,

die Nervenwachstum fördern, künstliche

Intelligenz, die maß geschneiderte

Therapien berechnet: Weltweit fördert

die von Bot schaf tern wie Tarek Rasouli

unterstützte Wings for Life Stiftung

wegweisende Forschungsprojekte

zur Heilung von Querschnittslähmung –

und ermöglicht damit schon heute

vielen Betroffenen ein besseres Leben.

Mehr Infos: wingsforlife.com

MacAskill organisierten Camp auffällt,

behutsam reift, mit „Fabiolous Escape“

den YouTube-Hit des Jahres landet – und

dann zum globalen Star wird: Der Clip

„Wibmer’s Law“ zählte zu Redaktionsschluss

über 160 Millionen Views.

Das Ergebnis: ein neues Level

für das Fahrrad-Universum

Das alles liest sich wie ein Märchen.

Fest steht: Die Freeride-Szene wäre nicht

so professionell und präsentabel, würde

nicht Tarek mit seiner Crew die Standards

hochschrauben. Vorbei sind die Zeiten,

in denen Poster von Mountainbikern

nur in den Zimmern der Freaks hingen.

Typen wie MacAskill oder Wibmer kennt

heute jedes Kind. Auch dass Events um

so viel sicherer geworden sind, bei gleichzeitig

immer ärgeren Stunts, ist ein Verdienst

von – nicht nur, aber auch – Tarek

Rasouli. Wenn er vom Rollstuhl aus

befindet, dass eine Landung breiter gemacht

werden soll, wer würde da widersprechen?

Oder dass es eine Kameraposition

gibt, die die Action der Kids

besser einfängt? Oder tausend Details,

die nur jemand kennt, der dem Sport

seit fast drei Jahrzehnten so viel gegeben

hat? „Und warum gibt es im Großraum

München nur drei Pumptracks, aber

hunderte Fußballplätze?“, fragt Tarek

provokant, und man ahnt, womit er sich

die nächsten Jahre beschäftigen wird.

Das einzig unlösbare Problem bleibt

jenes mit den zehn wichtigsten Menschen

seiner Karriere. Typen mit einem dermaßen

fest gewobenen Beziehungsnetz

kann man kaum in ein so enges Korsett

zwängen – sie brauchen Events, um dort

alle zu treffen. Wie passend, dass Tarek

Rasouli diese Events veranstaltet. Dieser

Mann ist goldrichtig da, wo er ist.

Hast du dir jemals überlegt, wo du

heute ohne den Unfall wärst? „Vermutlich

wäre ich viel zu lang bloß Rider

geblieben und hätte einiges versäumt.“

Wenn er da so sitzt, beim Red Bull

Rampage in Utah, dem Red Bull District

Ride in Nürnberg oder einem kleinen

Event irgendwo, wenn die Jungs draußen

sind und fahren, wenn alles läuft, dann

fällt ihm manchmal der Satz ein, den

er einst zwei Stunden vor dem großen

Crash gesagt hat: „What a beautiful view

from a wheelchair.“

Mehr über Tareks Welt: rasoulution.com

THE RED BULLETIN 55


EINE FRAU

STEHT KOPF

Auch aus diesem

Blickwinkel bewahrt

Sina die Übersicht.


Breakdance

DIE WUNDERSAME

VERWANDLUNG

DER SINAMARIA NEUGEBAUER IN

#SOULSISTERSINA

B-Girl SINA, 26, Vater Tiroler, Mutter Marokkanerin,

fühlt sich zunächst „halb-halb“. Heute hat sie begriffen,

dass das kein Makel, sondern eine perfekte Mischung ist.

Dazwischen übt sie in Casablanca Salti, lernt, einer Legende

zu vertrauen und Reisen ohne Ziel zu akzeptieren.

Text WOLFGANG WIESER

Fotos CHRISTIAN ANWANDER

57


Breakdance


„Du musst

die Atmosphäre

lesen, du darfst

dich aber nicht

von ihr irritieren

lassen.“

59


„Das ist

meine Zeit,

um zu zeigen,

was ich kann.

Das ist meine

Zeit, um

zu glänzen.“


Breakdance

SELBSTBEWUSST

Offener Blick,

klassische Pose.

Sina hat gelernt,

sich zu behaupten.

Sina weiß, was sie will, wenn sie in den

Kreis springt. Sie will in 45, höchstens

60 Sekunden etwas Einzigartiges erschaffen.

„Das ist meine Zeit, um zu glänzen“,

sagt sie. Der Kreis ist ihre Bühne.

Eine Bühne, wie es sie kein zweites Mal

gibt. Immer einzigartig, jedes Mal neu.

Geformt von Menschen, die gleichermaßen

Freunde und Kritiker, Quelle der

Inspiration und Konkurrenten sind.

B ­Boys. B‐Girls. Wie Sina, 26.

Das B steht für Break, es ist ihre Art

zu tanzen, in der Szene Breaking genannt,

der allgemein geläufige Begriff heißt

„Breakdance“. Sina war die erste Österreicherin im

Finale des weltweit größten und wichtigsten Breaking-

Bewerbs, des Red Bull BC One.

Bevor Sinas Zeit zu glänzen gekommen ist, gilt es,

den Kreis zu erobern. „Du musst die Atmosphäre lesen“,

sagt Sina, „du darfst dich aber nicht von ihr irritieren

lassen.“ Das heißt auch, kaum erkennbare Gesten der

B‐Girls und B-Boys, die es wie sie ins Zentrum zieht, richtig

zu interpretieren. Und sie, wenn’s sein muss – weil

nichts und niemand jetzt ihrem Auftritt im Wege stehen

soll –, davon abzuhalten, vor ihr hineinzuspringen.

Oft reicht ein angedeuteter Schritt, um den Raum

zu sichern, manchmal braucht es eine leichte Schulterdrehung,

um den Weg in Zentrum zu blocken. Dafür sind

Präsenz und Präzision notwendig. Und das Gespür für

die Situation: „Ich gehe oft direkt runter auf den Boden.

Dann habe ich den meisten Platz für mich“, sagt Sina.

Das hat viel mit Stärke und Selbstbewusstsein zu tun

– und mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Denn

Moves – Bewegungen anderer Breaker – zu übernehmen

ist verpönt. Wer das macht, ist schnell als übler Nachahmer

oder als „Biter“, wie es im B-Jargon heißt, abgestempelt:

„Du darfst dich von Moves inspirieren lassen,

darauf antworten, reagieren, sie weiterentwickeln, aber

du darfst sie niemals kopieren“, sagt Sina.

Wenn Sina ihre Welt erklärt, tut sie das oft mit einem

kaum merkbaren Zögern, so, als würde sie noch einmal

nachdenken über das, was sie gerade zu sagen beabsichtigt.

Abseits ihrer Bühne ist sie „eher zurückhaltend“,

wie sie meint. Beobachterin statt Akteurin. Hat sie jedoch

den Kreis erobert, verändert sich alles, dann wird sie

zum Mittelpunkt ihrer Welt. „Das ist meine Zeit, um zu

zeigen, was ich kann. Diese Zeit genieße ich“, sagt sie,

oder eben: „Das ist meine Zeit, um zu glänzen.“

Dies ist die Geschichte ihrer Reise ans Licht, die Geschichte

der wundersamen Wandlung der Innsbruckerin

Sinamaria Neugebauer zur SoulSisterSina. Sie beginnt

in einem Palast.

DAS ZAUBERHAFTE LEBEN

IN EINEM PALAST IN TAROUDANT

Das Palais Salam liegt an der Avenue Moulay Ismail

mitten in Taroudant. Etwa 80.000 Menschen leben in

dieser Stadt im Süden Marokkos. Sie befindet sich an

der Straße nach Ouarzazate, dem vier Autostunden

entfernten Tor zur Sahara.

Manche nennen Taroudant Marrakeschs kleine

Schwester, andere dessen Großmutter. Denn mit ihrer

sechs Kilometer langen Stadtmauer aus rotbraunem

Lehm ähnelt sie Marokkos Millionen-Metropole. Der

Palast, im 18. Jahrhundert errichtet, war lange Zeit

Regierungssitz des Sultans.

All das interessiert Sina, die hinter den Mauern des

Palais Salam aufwächst, nicht. Sie spielt mit den Kätzchen,

die wie aus dem Nichts auftauchen und wieder

verschwinden, planscht im Pool; und wenn sie Lust hat,

bestellt sie sich Eis mit Erdbeeren. Regen ist selten,

und selbst in den Wintermonaten sinkt die Temperatur

kaum unter zehn Grad.

Sie führt ein sonniges Leben, unbeschwert wie eine

kleine, glückliche Prinzessin. „Ich bin sehr dankbar für

meine Kindheit, ich habe mich sehr frei gefühlt“, sagt

Sina. In der Realität ist der Palast ein Hotel. Und Sina

bewohnt mit ihren Eltern eines der Appartements.

Mama Keltouma ist Berberin, Papa Arthur Tiroler.

Den Sommer verbringt die dreiköpfige Familie in Österreich,

den Winter in Marokko. Hier wie dort organisiert

der Vater Touren, die Mutter plant, zeichnet und steht

ihm mit Tipps zur Seite. Mit fünf Jahren begleitet Sina

ihren Vater erstmals in die Wüste: „Wir haben im Auto

geschlafen, das war aufregend.“

Die kindliche Leichtigkeit verschwindet mit Schulbeginn.

„Meine Eltern hatten die Idee, dass ich eine

bessere Zukunft habe, wenn wir ganz in Österreich

leben.“ Die Familie übersiedelt nach Innsbruck: „Mit

sechs Jahren habe ich das erste Mal Schnee gesehen.“

THE RED BULLETIN 61


Breakdance

SINA & DIE B-BOYS

Ihre Bewegungen fließen:

Sina beim Red Bulletin-

Fotoshooting in Wien mit

Arno (links) und Imad.

„Du darfst dich von Moves inspirieren lassen, darauf antworten,

Die Tage im Palast verblassen. Ob sie Heimweh nach

dem Königreich am Meer hatte? Sina zögert, dann sagt

sie: „In Marokko ist alles ein bisschen lebendiger.“

Die Schulzeit ist nichts, was besondere Erinnerungen

in Sina weckt. Sie lässt sich mit einem Satz erledigen:

„Ich hab mich aufgehalten gefühlt.“

Nach der Matura ist sie nicht mehr zu stoppen. Sie

arbeitet bei der Streetwear-Kette Snipes und verdient

dort genug Geld, um mit einer Freundin für drei Monate

nach Casablanca zu übersiedeln.

VERSTÄNDIGUNGSPROBLEME

IM LAND DER KINDHEIT

Casablanca ist wie Taroudant eine Stadt in Marokko.

Aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Die

Hafenstadt am Atlantik hat knapp dreieinhalb Millionen

Einwohner, rund 40-mal so viele wie Taroudant. Das

marokkanische Arabisch, das hier gesprochen wird, hat

mit Sinas Dialekt aus Taroudant wenig zu tun. Plötzlich

hat sie im Land ihrer Kindheit Verständigungsprobleme.

Und nachts allein rauszugehen ist nicht die klügste Entscheidung,

die eine junge Frau treffen kann.

Wer sich also fragt, was eine Zwanzigjährige dazu

treibt, in eine Stadt aufzubrechen, die erst einmal nur

groß ist, stellt die richtige Frage. Sinas Antwort: „Ich

wusste, die Leute hier trainieren anständig, von denen

kann ich etwas lernen, und ich wollte auch zurück zu

meinen Wurzeln.“ Die Leute, von denen Sina spricht,

sind B-Boys und B-Girls rund um den bekannten marokkanischen

Breaker The Wolfer.

Sie hat die Crew ein Jahr zuvor, 2013, kennengelernt:

beim Red Bull BC One in Agadir, von dem sie bei einem

Besuch in ihrer alten Heimat Taroudant erfahren hatte.

Sina bittet ihre Mutter, sie in die 83 Kilometer entfernte

Stadt zu fahren – ohne zu wissen, ob sie überhaupt

mitmachen kann. Sie tanzt auf der Promenade am

Strand, schafft die Pre-Selection, obwohl sie zu diesem

Zeitpunkt wenig Breaking-Erfahrung hat. Die Battles

lässt sie aber aus: „Meine Mutter wollte nach Hause,

es hat mir nicht leidgetan, es war ein schöner Tag.“

62 THE RED BULLETIN


sie weiterentwickeln, aber du darfst sie niemals kopieren.“

Doch sie ahnt, dass diese Art zu tanzen ein Weg in

ein neues Leben sein kann: „Was mir am meisten getaugt

hat, war das Selbstbewusstsein, das die alle hatten. Die

Kids. Die Anfänger. Die haben sich sofort getraut. Jeder

will zeigen, was er kann.“ Sina will das auch. Und deshalb

muss es Casablanca sein. Denn The Wolfer und seine

Truppe sind dort daheim.

„Ich wusste, dass ich tanzen will, und ich wollte nach

Marokko, weil mich die Jungs schon in Agadir inspiriert

haben, sie waren international bereits sehr bekannt,

und ich habe mir gesagt, wenn du besser werden willst,

dann musst du mit Leuten trainieren, die besser sind

als du – man sagt doch immer, man soll sich mit den

Leuten umgeben, die das erreicht haben, was man selber

anstrebt.“

Sie tanzen auf der Straße, abends nach acht, wenn

die Geschäfte geschlossen haben. Es gilt ein simples

Prinzip: Nur wer wagt, gewinnt. „Man muss sich

durchsetzen können, das geht bei uns unter, wir

sind zu nett, zu schüchtern, wir halten uns zurück“,

sagt Sina, wenn sie sich daran erinnert. Sie sagt wir

und meint ich.

Sina verlässt ihre Komfortzone, geht Risiken ein:

„Ich habe zum ersten Mal akrobatische Sachen gemacht,

das hätte ich mich vorher nie getraut.“ Sie übt Salti

am Strand – und verletzt sich dabei am Arm. Ellbogenluxation,

sie muss zurück nach Österreich. Der Ausflug

in ihre neue Welt endet einen Monat früher als geplant.

Aber es nicht das Ende ihrer Reise.

„NUR WENN DU GUT BIST,

FÄLLST DU AUF.“

In den nächsten Monaten ist sie viel unterwegs – reist

nach Deutschland, Holland, Spanien. Vor allem aber

geht es nach Schweden – und zwar für ein Jahr. Sie will

es wissen. Will ihre Breaking-Skills perfektionieren.

Dort unterrichtet Fredrick Herranen – als „Freeze“

Mitglied der skandinavischen „Ghost Crew“ – eine

Breaking-Legende seit den 1980er-Jahren. Ein Wissender.

„Ich habe viel mit ihm geredet. Über meine Zweifel,

THE RED BULLETIN 63


Breakdance

REVERENZ

Der Hut ist ein Verweis

an die Anfänge von

Breaking in den späten

1970er-, frühen 1980er-

Jahren.

Und sie schafft es als erste Österreicherin ins Finale

des Red Bull BC One.

Sie hat gelernt, was es heißt, die eigene Perspektive

zu finden, wie Freeze es ihr in Schweden geraten hat.

Sie ist gut in dem, was sie macht. Und sie fällt damit auf.

Und was, Sina, kommt als Nächstes? „Keine Ahnung,

ich versteife mich nicht mehr auf ein Ziel. Ich weiß nur,

dass die Reise noch nicht zu Ende ist.“

dass ich nie das werde geben können …“ Dieser Satz

hat kein richtiges Ende, weil ihr wieder einfällt, was

Freeze ihr vor Jahren beim Mittagessen gesagt hat und

wie wichtig ihr das war: „Kannst du dich noch daran

er innern, was der und der am Vormittag gemacht hat?

Kannst du nicht, nein, natürlich nicht, niemand erinnert

sich daran. Wenn du nicht gut warst, denken die anderen

nicht darüber nach. Das heißt aber auch, dass du

nicht darunter leiden musst. Nur wenn du gut bist, fällst

du auf. Du musst deine Perspektive wechseln.“

Das sind Sätze, die ihr zu denken geben. Aber es sind

nicht nur Freeze’ Weisheiten, auch ihr Körper sendet

Signale: „Ich habe in der Zeit in Schweden mit etwas

Ähnlichem wie einem Hexenschuss gekämpft. Ich hatte

ständig eine Blockade im Nacken, in der linken Schulter,

im linken Ellbogen. Woher das gekommen ist, konnte

niemand sagen.“ Sina beschließt, ihre Heilung selbst

in die Hand zu nehmen: „Ich habe das wieder in den

Griff gekriegt.“

Sie lernt loszulassen. Denkt viel nach. Heute sagt sie:

„Das Tanzen habe ich gebraucht, um selbstbewusster

zu werden, um meine Wurzeln zu finden. Früher war

ich disconnected. Heute gehört Marokko genauso zu

meinem Leben wie Österreich. Ich fühle mich nicht mehr

halb-halb.“ Und wie zum Beweis ihrer neuen Kraft sagt

sie: „Ich bin eine schöne Mischung.“

Plötzlich geht alles leichter: 2016 heiratet sie The

Wolfer (sie nennt ihn natürlich bei seinem Vornamen,

Mustafa) in Österreich, ein Jahr darauf wird noch einmal

in Marokko gefeiert. Ihre Modemarke „From The

Soul“ nimmt Fahrt auf. Der Name ist funky, vor allem

aber ehrlich: „Er ist perfekt“, sagt Sina, „weil jeder nur

für sich selbst sagen kann, was seine Seele berührt.“

WIE DU DEINEN EIGENEN

KREIS ERSCHAFFST

Beim Shooting für The Red Bulletin trägt Sina Weiß.

„Ein Kompromiss“, sagt sie. Die anfangs geplanten

bunten Outfits funktionieren nicht. Also setzt Sina erst

die strahlend weiße Plüschvariante eines Kangol-Hutes

auf. Als Reverenz an die Breaking-Anfänge in den späten

1970er-, frühen 1980er-Jahren.

Dann schlüpft sie in ein passendes weißes Vintage-

Polo. Sie hat es abgeschnitten, mit Ösen und einem

dünnen Band versehen, das vorn in einer Masche zusammenläuft

und es so in ein bauchfreies „From The

Soul“-Teil verwandelt. Dazu trägt sie eine weiße Hose

und weiße Sneakers. Sieht nach allem aus, nur nicht

nach einem Kompromiss.

Und wer beobachtet, wie sie sich bewegt, versteht

den Satz, den sie in einem der Gespräche gesagt hat:

„Für Breaking brauchst du den Körper eines Athleten

und den Ausdruck eines Künstlers.“

Noch viel besser als dieser Satz ist eine Anmerkung,

die sie nebenbei macht, die aber ihre Anstrengungen,

ihre Kämpfe, ihre Wandlung widerspiegelt. „Weißt du,

irgendwann merkst du, dass du keine Lust mehr hast,

etwas zu beweisen. Du erkennst, dass die Stimmung

in dem Kreis, in den du gerade noch unbedingt hineinwolltest,

nicht deine Stimmung ist. In solchen Momenten

mache ich einen Schritt zur Seite.“

Früher hätte dieser Schritt zur Seite ihren Rückzug

eingeleitet, heute ist er der Beginn einer Offensive.

Sina erschafft ihren eigenen Kreis.

Mit B-Girls und B-Boys, die ihr folgen.

Dafür ist sie längst stark genug.

Wer Sina begleiten will: @soulsistersina

Wer sie erleben möchte: Sina wird beim Red Bull

BC One Cypher Austria am 22. Mai in Wien dabei sein.

redbull.com/cypheraustria

64 THE RED BULLETIN


„Ich versteife mich

nicht auf ein Ziel.

Ich weiß nur, dass

die Reise nicht

zu Ende ist.“

Breakdance


Künstliche Intelligenz

„PUTZEN IST

KOMPLIZIERTER

ALS SCHACH

SPIELEN“

Der deutsche Spitzenforscher

RICHARD SOCHER, 37, gilt als

Star der künstlichen Intelligenz.

Hier erzählt er, wie smarte Maschinen

unseren Alltag verändern werden

und welche menschlichen Talente

in Zukunft gefragt sind.

Interview JÜRGEN SCHMIEDER

Fotos JEREMY JACKSON

66


DER MASCHINEN-

VERSTEHER

Richard Socher, bis 2020

Chef-Forscher des US-

Software-Unternehmens

Salesforce und weltweit

viel zitierter KI-Experte


Künstliche Intelligenz

S

the

eien wir doch ehrlich: Die Menschheit

hat keine Chance! Maschinen besiegen

uns bereits in Brettspielen wie Schach,

sie können sicherer Auto fahren als wir,

um Längen schneller rechnen und stellen

Zusammenhänge her, von denen wir

nicht einmal wussten, dass sie existieren.

Es kann nicht mehr lange dauern, dann

überwacht Big Brother unser Leben,

ein Computer bestimmt über unseren

Alltag. Gesichtserkennung und Sprachassistenten

sind nur die Vorstufen zur

Machtübernahme der Maschinen.

So oder so ähnlich klingen die üblichen

Reflexe auf technischen Fortschritt –

besonders beim Thema künstliche Intelligenz

(KI) zeichnen wir gern Horrorszenarien.

Nur: Ist es wirklich so schlimm,

oder gibt es auch Per spektiven, die uns

erlauben, einer Zukunft mit KI positiver

entgegenzublicken?

Richard Socher, bis 2020 Forschungs-

Chef für künstliche Intelligenz beim US-

Software-Unternehmen Salesforce, wählt

den optimistischen Ansatz. Der gebürtige

Dresdner hat an der US-Elite-Uni Stanford

promoviert – und dabei übrigens im

sagenumwobenen Büro 221 gearbeitet,

in dem einst auch die Google-Gründer

Larry Page und Sergey Brin forschten.

Im Jahr 2014 gründete er das Spracherkennungs-Start-up

„Metamind“ und

verkaufte es zwei Jahre später an Salesforce.

Heute wendet Socher als CEO

des Start-up-Unternehmens „SuSea“ KI

in der Praxis an. Zeit für einen Reality

Check mit einem, der das Thema in allen

Details kennt.

red bulletin: Herr Socher,

Sie haben den schönen Satz gesagt:

„Künstliche Intelligenz zeigt uns, wer

wir wirklich sind.“ Also: Wer sind wir?

richard socher: Grundsätzlich

müssen wir uns fragen: Was macht den

Menschen aus? Ein Punkt, durch den wir

uns gern von anderen Arten abgrenzen,

ist Intelligenz: Das klingt sehr spezifisch,

aber da schließen sich viele Fragen an,

was das überhaupt ist. Da verhilft uns die

künstliche Intelligenz zu interessanten

Erkenntnissen.

Welchen zum Beispiel?

Wir stellen plötzlich fest, dass Auf gaben,

die wir für simpel halten, sehr kompliziert

sein können und dass vermeintlich

komplizierte Tätigkeiten relativ einfach

sind. Nehmen wir Schachspielen: Das

ist für Computer eher leicht zu lernen.

Der Job von Putzpersonal dagegen ist

unglaublich schwierig zu automatisieren.

Da steckt viel abstraktes und konkretes

Wissen drin, das miteinander verknüpft

werden muss: Wie schafft man so Ordnung,

dass es Sinn ergibt?

Was kann eine Maschine heute schon

besser als wir Menschen?

Aufgaben, die sich wiederholen, zum

Beispiel die Analyse von Bildern in der

Radiologie. Und die Auswertung sehr

großer Datensätze. Es gibt bei Salesforce

ein sogenanntes Lead & Opportunity

Scoring: Das hilft Vertrieblern, die eine

lange Liste von Kunden haben. Wen

sollen sie als Erstes anrufen? Wenn eine

künstliche Intelligenz die Nachrichten

aus der Branche verfolgt – ob es zum Beispiel

einen neuen Abteilungsleiter gibt –,

bereits gesendete E-Mails überprüft und

externe Daten einbezieht, dann kann sie

voraussagen: Das sind heute die zehn

Leute, die am meisten daran interessiert

sind, das Produkt zu kaufen. Diese Information

führt dazu, dass die Verkäufer

um 30 Prozent effizienter sind.

Das verletzt aber womöglich den Stolz

des Verkäufers.

Klar, es ist wichtig, ihm schlüssig zu

erklären, warum er diese Leute anrufen

sollte, nur dann vertraut er der Analyse.

Meilensteine in künstlicher Intelligenz

haben oft mit Spielen zu tun: Schach,

Pokern, das Strategie-Brettspiel Go.

Wäre es nicht inter essanter, mehr Aufmerksamkeit

auf ihre Anwendungen

im Alltag zu richten?

Das ist genau mein Ansatz. Klar war das

ein Riesending, als der Computer in Go

gewonnen hat, und es hat auch die Art

und Weise beeinflusst, wie die Leute

spielen. Außerhalb der Spielewelt hat

sich durch diese Applikation allerdings

eher wenig verändert. Algorithmen in

Spielen sind selten hilfreich in der echten

Welt, wo nicht alles so schön angeordnet

ist wie auf einem Spielbrett. Es gibt sehr

viele Unsicher heiten, der Zufall spielt

eine genauso gewaltige Rolle wie das

Berechnen von Wahrscheinlichkeiten.

Und kaum gewinnt eine Maschine

gegen den Menschen, heißt es: „Jetzt

68 THE RED BULLETIN


CODES FÜR

ÜBERMORGEN

Richard Socher, hier in

seinem ehemaligen Büro

der Firma Salesforce in

San Francisco, erforscht

unter anderem, wie uns

Sprachassistenten

das Arbeitsleben

erleichtern können.

und er wird uns als Spezies gewaltig

ver ändern. Vor 250 Jahren haben 90 Prozent

der Menschen in der Landwirtschaft

gearbeitet, für die körperliche Arbeit war

es wichtig, fit zu sein. Mittlerweile ist

es relativ egal, wie groß der Bizeps ist.

Andere Qualitäten sind wichtiger. So eine

monumentale Verschiebung steht uns

durch künstliche Intelligenz bevor. Langfristig

bin ich also optimistisch, kurzfristig

mache auch ich mir ein paar Sorgen.

Worüber?

Nehmen wir zum Beispiel Lkw-Fahrer:

Sie haben einen knallharten Job. Sie

müssen konzentriert sein, auch wenn es

manchmal stundenlang geradeaus geht.

Sie sind oft Tage oder Wochen von der

Familie getrennt, müssen verschiedene

Zeitzonen durchfahren. Es ist kein bequemes

Leben, und man könnte sagen:

Gut, dass wir daran arbeiten, dass eine

Maschine das übernimmt. Wenn man

aber Lkw-Fahrer fragt, dann sagen die:

„Ich liebe meinen Beruf, ich bin gerne

allein, ich will nie was anderes machen.“

Verständlich.

Wenn man die Leute in 150 Jahren

fragen wird, ob sie den ganzen Tag

allein in einem Lkw sitzen wollen, wird

die Antwort wahrscheinlich die gleiche

sein, wie wenn man heute fragt, ob sie

den ganzen Tag in der prallen Sonne

auf einem Feld schuften wollen, bis sie

Schwielen an den Händen haben. Sie

werden sagen: „Nein, das ist völlig absurd,

das macht doch eine Maschine!“

„Vieles ist kulturell bedingt: In Japan

etwa finden es alle super, dass mehr

Sachen für sie automatisiert sind – da

wird der Roboter als Helfer gesehen und

nicht als Terminator oder Jobkiller.“

werden wir überflüssig.“ Oder: „Der

Terminator wird kommen.“

Das ist auch kulturell bedingt. In Japan

etwa finden es alle super, dass mehr Sachen

für sie automatisiert sind – da wird

der Roboter als Helfer gesehen und nicht

als Terminator oder Jobkiller. Niemand

kann jeden Tag 10.000 mögliche Kunden

überprüfen, so wie niemand jeden Tag

das komplette Internet manuell durchforsten

kann – das kann der Algorithmus

von Google deutlich besser.

Wozu wird das letztlich führen?

Man kann historische Fortschritte als

Effizienzsprünge sehen: Dampfmaschine,

Elektrizität, Internet. Künstliche Intelligenz

ist der nächste Effizienzsprung,

Dennoch haben Lkw-Fahrer Angst,

ihren Job zu verlieren. Was sagt man

denen?

Noch ist es nicht so weit, es ist also noch

Zeit, und es ist die Aufgabe der Politik

und der Wirtschaft, die Leute darauf

vorzubereiten und ihnen zu erklären,

dass es für sie andere Aufgaben geben

wird. Vielleicht ist die Fragestellung,

ob Maschinen Jobkiller sind, die falsche

Herangehensweise.

Was wäre eine bessere?

Das Ziel in der Medizin zum Beispiel ist

doch, gesunde Menschen zu haben – und

nicht, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

In der Radiologie beispielsweise ist die

künstliche Intelligenz effizient und kostengünstig.

Es gibt zu wenige Radiologen,

und die menschliche Intelligenz ist nun

wahrlich nicht darauf ausgerichtet,

tag täglich und andauernd auf Schwarzweißbilder

zu starren. In diesem Bereich

kann KI einen positiven Beitrag leisten.

THE RED BULLETIN 69


Künstliche Intelligenz

Das macht die aktuelle Angst vieler

Menschen vor dem Jobverlust aber

nicht kleiner.

Das stimmt, und deshalb muss die Politik

die Menschen mitnehmen. Sozialsysteme

müssen das unterstützen. Es muss aber

vor allem gezeigt werden, dass es Eigenschaften

gibt, die in Zukunft noch stärker

gefragt sein werden: Kreativität, Empathie,

Probleme zu erkennen, mit anderen

Menschen zusammenzuarbeiten.

Die Maschine stellt die Diagnose, der

Arzt übermittelt sie dem Patienten?

So ungefähr. Aber der Arzt kann ja noch

viel mehr: Vielleicht wird der Arzt die

Analysen mehrerer Maschinen kombinieren,

womöglich entdeckt er dabei

eine neue Krankheit, ein neues Virus.

Diese Kombination von abstraktem und

konkretem Wissen ist schwer zu automatisieren.

Wir dürfen nicht vergessen:

Eine Maschine ist immer nur so gut wie

die Daten, die man ihr gibt.

Dadurch entsteht manchmal ein „Bias“

– wenn der Algorithmus etwa Stereotype

und Vorurteile bedient. Ist das

nicht gefährlicher als alles andere?

Das ist meiner Meinung nach die größte

Gefahr. Künstliche Intelligenz wird nie

rassistisch oder sexistisch programmiert.

Sie arbeitet mit den Daten, die sie bekommt.

Fragt zum Beispiel eine Bank

den Rechner: „Wer soll einen Kredit

bekommen und wer nicht?“, und die

Daten der Bank sehen so aus, dass in der

Vergangenheit weniger Frauen einen

Kredit zur Firmengründung beantragt

haben, dann ist es möglich, dass künstliche

Intelligenz den Kreditantrag einer

Frau eher negativ bewertet. Da hält uns

die künstliche Intelligenz einen Spiegel

vor: „Schaut mal, so habt ihr das in der

Vergangenheit gemacht.“ Man kann da

aber auch gegensteuern.

Einen Algorithmus kann man einfacher

ändern als die Einstellung von

10.000 Vorgesetzten, die immer nur

Männer gefördert haben.

Richtig, und man muss sich bewusst

machen: Künstliche Intelligenz ist eine

sogenannte „Omni-Use Technology“.

Das müssen Sie erklären.

Man kann sie für alles verwenden. Man

kann mit einem Hammer ein Haus bauen

– oder ihn als Waffe benutzen. Mit einem

Auto kann man Menschen transportieren

– oder sie überfahren. Im Internet kann

man wertvolle Informationen schnell

teilen – oder illegale Geschäfte machen.

MIT DIESEN FÄHIGKEITEN

KANNST DU 2021 PUNKTEN

Welche Kompetenzen suchen Unternehmen heute? Um diese

Frage zu beantworten, analysierte LinkedIn Millionen Daten

seines Karriere-Netzwerks. Hier sind die Antworten.

SOFT SKILLS

1.

2.

KREATIVITÄT

Wer sich abheben will, braucht

einzigartige Ideen – und diese

setzen Einfallsreichtum voraus.

Auf keine menschliche Fähigkeit

sind Betriebe heute stärker

angewiesen.

ÜBERZEUGUNGSKRAFT

Gute Ideen sind wichtig, bringen

dein Unternehmen aber nur dann

weiter, wenn du sie auch erklären

kannst – erst den Vorgesetzten,

dann womöglich den Kunden.

3. TEAMFÄHIGKEIT

3.

4.

IT-Experten mit HR-Profis,

Con troller mit PR-Experten:

Mehr denn je setzen Betriebe

heute auf fachübergreifende

Teams – dafür musst du

kooperieren können.

ANPASSUNGS FÄHIGKEIT

Noch nie hat sich die Arbeitswelt

so rasant verändert wie heute.

Deswegen sind Unternehmen auf

Leute angewiesen, die Veränderung

als Bereicherung sehen.

5. EMOTIONALE

5.

INTELLIGENZ

Wer nachhaltig erfolgreich sein

will, muss langfristige Beziehungen

pflegen – etwa mit Geschäftspartnern.

Keine Maschine kann

hierbei den Menschen ersetzen.

HARD SKILLS

1.

2.

4.

BLOCKCHAIN

Entwickelt für Kryptowährungen,

kommt die Technologie längst

auch bei Versicherungen oder im

Gesundheitswesen zum Einsatz.

Nur Fachkräfte gibt es zu wenig.

CLOUD COMPUTING

Immer mehr Unternehmen

nutzen Cloud-Lösungen für ihre

digitale Infrastruktur. Gefragt

sind deswegen Spezialisten für

Systeme wie Microsoft Azure.

ANALYTISCHES DENKEN

Tech-Wissen ist wichtig, klar.

Aber genauso kommt es für

Unternehmen darauf an, etwa

aus riesigen Datenmengen die

richtigen Schlüsse zu ziehen.

KÜNSTLICHE

INTELLIGENZ

Sie ersetzt viele Jobs, begleitet

und weiterentwickelt muss KI

aber von Menschen werden. Hierzulande

steigen viele Firmen erst

jetzt ein und suchen Personal.

UX-DESIGN

Damit Nutzer etwas kaufen,

müssen sie sich auf Websites

leicht zurechtfinden. Deswegen

sind und bleiben Unternehmen

auf eine gute User Experience

(UX) angewiesen.

70 THE RED BULLETIN


Künstliche Intelligenz kann in fast allen

Bereichen eingesetzt werden, für positive

und negative Zwecke. Gesichtserkennung

kann zum Beispiel dabei helfen, Kriminelle

zu verfolgen. Sie kann aber auch

für andere, finstere Zwecke eingesetzt

werden. Man sollte Technologie nicht

verteufeln, die Politik muss hier re gulierend

eingreifen.

Ist es nicht so, dass der Mensch im Lauf

der letzten industriellen Revolutionen

zur, nun ja, Maschine geworden ist?

Er steht am Fließband, schraubt an

Autos, ordnet Papierstapel. Könnte es

sein, dass der Mensch mithilfe von KI

wieder menschlicher wird?

Unbedingt! Und ich glaube, dass künstliche

Intelligenz zu mehr Kommunikation

zwischen Menschen führen wird. Immer

weniger Leute werden künftig allein

langweilige, sich ständig wiederholende

Tätigkeiten ausüben. Berufe im zwischenmenschlichen

Bereich bekommen mehr

Wertschätzung: Der Altenpfleger, der Geschichte

studiert hat, ist vielleicht besser

„Ich glaube, dass künstliche Intelligenz

zu mehr Kommunikation zwischen Menschen

führen wird. Immer weniger Leute werden

allein langweilige, sich ständig wiederholende

Tätigkeiten ausüben.“

in seinem Job, weil er sich besser in

ältere Menschen hineinversetzen kann.

Er muss dann aber auch besser bezahlt

werden.

Was würden Sie einem Schüler von

heute raten? Was wird er zukünftig

können müssen?

Zuerst: Informatik, weil man künst liche

Intelligenz nicht verstehen kann, wenn

man vom Programmieren keine Ahnung

hat. Mathematik auch. Aber auch: Ethik,

Kunst, Geografie.

Also jene Fächer, vor denen Eltern

ihre Kinder eher warnen – aus Angst,

sie könnten keinen Job bekommen.

Das wird sich verändern. Zum Beispiel

kann Rechtschreibung, so wichtig sie ist,

von künstlicher Intelligenz jetzt schon

verbessert werden. Es ist aber eine ganz

andere Sache, eine fesselnde Geschichte

mit kreativen Ideen und fundierter Fachkenntnis

zu schreiben. Das wichtigste

Skill Set für die Kinder der Zukunft ist

deshalb eine gute Mischung aus Geisteswissenschaften

und Informatik.

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Fußball

Freunde

fürs

Leben

Sie kamen aus Sambia und

eroberten die Herzen

tausender Fußballfans in Österreich.

Die Red Bull Salzburg-Stars

PATSON DAKA und ENOCK MWEPU

über den unschätzbaren Wert von

Freundschaft und ein Geschenk,

für das es sich zu kämpfen lohnt.

Text HANNES KROPIK

Fotos KONSTANTIN REYER

Alle hatten Patson Daka vor

„dem Computer“ gewarnt.

Manche raunten sogar, dass

dieser Computer so gefährlich

sei, dass er unbedingt

zerstört werden müsse.

Patson war dreizehn und

verstand nicht, warum er sich

„vor einem Computer in Acht

nehmen“ sollte. Er war hier,

um Fußball zu spielen. Deshalb

war Patson nach Lusaka gekommen,

in die Hauptstadt von Sambia.

Gemeinsam mit tausenden anderen

Burschen hatte sich Patson beim „Airtel

72 THE RED BULLETIN


Rising Stars Cup 2012“ angemeldet.

Bei diesem Bewerb werden die größten

Fußball-Talente der zehn Provinzen des

Landes gesucht. Wer sich bei diesem Cup

durchsetzt, wer Können und Glück vereint,

für den wird ein Bubentraum Wirklichkeit:

ein Platz in Sambias Nachwuchs-

Nationalteam.

Von den tausenden Bewerbern blieben

nach den ersten Matches gerade einmal

200 Burschen übrig. Zuletzt waren es nur

noch achtzehn. Und Patson Daka war

ihr Kapitän. Der Präsident von Sambia,

Edgar Chagwa Lungu, gratulierte dem

jungen Afrikaner via Facebook.

Patson Daka, 22 (li.),

und Enock Mwepu, 23, in der

Red Bull Arena in Salzburg.

Zu Hause in Sambia sind

die beiden so populär,

dass sie ein Verkehrschaos

auslösen, wenn sie

auf der Straße gehen.

Bei diesem Siegeszug hatte Patson

auch einen gewissen Enock Mwepu

kennen gelernt. Der damals Vierzehnjährige

drosch seine Pässe mit der Präzision

einer Maschine über den Rasen und

wurde deshalb „der Computer“ gerufen.

Jetzt war Patson klar, wovor bzw. vor

wem ihn die Leute gewarnt hatten.

„Zerstören“ wollte Patson Enock nicht.

Ganz im Gegenteil. Enock und Patson

wurden Freunde fürs Leben.

Die beiden Fußballer kommen aus

ähnlichen Verhältnissen. Enock kam

in Lusaka zur Welt, dann übersiedelten

seine Eltern mit ihm in die Bergbaustadt

Chambishi. Vater Robby arbeitete für

eine der vielen Kupferminen-Gesellschaften.

Heute betreiben seine Eltern

eine Landwirtschaft.

Patsons Vater Nathtali war selbst Fußballprofi

bei den Nitrogen Stars in seiner

Heimatstadt Kafue gewesen. Leider starb

er früh. Bereits im Alter von 14 Jahren

musste Patson Verantwortung für seine

Familie tragen. Diese Haltung übernahm

er auch gegenüber seiner Gemeinde.

Patson unterstützte die Menschen in seiner

Umgebung, so gut er konnte. Schon

damals. Denn: „Wenn du darauf wartest,

bis du viel Geld hast, um denen zu helfen,

die weniger haben als du, wirst du nie

reich genug sein“, sagt er. „Aber wenn du

immer ein bisschen von deinem wenigen

gibst, dann ist es immer genug.“

„Ich hatte furchtbar Heimweh.“

Doch dann kam Enock.

2017 übersiedelte Patson Daka von Afrika

nach Österreich und lief als Neuzugang

von Red Bull Salzburg zunächst beim

Partnerklub FC Liefering in der 2. Liga

auf. Damals war er gerade 19 Jahre alt,

fand sich in einem völlig neuen Kulturkreis

wieder und sehnte sich nach seiner

Heimat. „Es ist schwierig, wenn du zum

ersten Mal für längere Zeit allein in einem

fremden Land lebst“, sagt er. „Ich hatte

schreckliches Heimweh.“

Ein halbes Jahr später kam sein Buddy

Enock nach. „Das war eine richtige Befreiung

für mich“, sagt Patson. „Mit Enock

verschwand das Heimweh. In den ersten

Monaten in Salzburg teilten wir uns in

der Red Bull Fußball Akademie in Liefering

ein Zimmer“, erzählt Patson Daka.

„Wir verbrachten jede freie Minute miteinander.

Wir sprachen über alles, was

uns bewegte.“

Was genau bewegte die beiden? „Für

mich gab es nur drei Themen: Fußball,

Schule und Kirche“, sagt Patson Daka.

Enock Mwepu hält es genauso. Und er

THE RED BULLETIN 73


Fußball

sagt: „Wir haben sehr schnell kapiert,

dass wir am Feld wirklich gut harmonieren.

Je besser wir uns kennenlernten,

desto mehr kämpften wir auf dem Feld

füreinander, und desto leichter fiel es

uns, erfolgreich zu sein.“

Ihre Ergebnisse bestätigen diese Aussage.

Bereits im selben Jahr gewannen

die beiden mit der sambischen U20-

Mannschaft den Afrika-Cup. Vor 60.000

Zuschauern erzielt Patson im Finale das

1:0 (Endstand 2:0). Im gesamten Bewerb

schoss der junge Fußballer vier Tore. Er

wurde zum Spieler des Turniers gewählt

und als Wunderkind gefeiert.

Im Salzburg-Dress gingen die Erfolge

weiter: 2017 gewann Daka die UEFA

Youth League, die Champions League für

U19-Teams, Finaltor inklusive. 2019 und

2020 wurde er mit Red Bull Salzburg

ÖFB-Cup-Sieger, 2018, 2019 und 2020

österreichischer Meister. Bester Salzburger

Torschütze der letzten Saison:

Patson Daka, 24 Treffer.

Nur Patson stand im Rampenlicht.

Neidisch? Nein, sagt Enock.

Doch wo bleibt Enock? Nur Patson stand

im Rampenlicht. Belastete das die Freundschaft

der beiden? „Nein“, sagt Enock

Mwepu. „Für mich war es immer eine

große Inspiration, zu sehen, wie gut Patson

sich entwickelt. Es hat mich motiviert,

noch härter zu trainieren, noch härter

zu arbeiten, um das zu erreichen, was

ihm schon gelungen ist. Er war immer

der Anführer in unserer Mannschaft,

und ich wollte so sein wie er.“

Und was sagt Patson? Der ist dankbar,

dass Enock ihn unterstützt. „Ich hatte

Riesenglück, dass ich einen ‚Computer‘

hinter mir hatte“, sagt er. „Ich musste

seine genialen Pässe nur noch in Tore

verwandeln. Enock hat mein Leben

enorm vereinfacht.“

Die Durchschlagskraft der beiden jungen

Fußballer bestätigt auch Christoph

Freund (siehe Interview auf S. 76), Sportdirektor

beim FC Red Bull Salzburg:

„Enock und Patson bringen alle Qualitäten

mit für den internationalen Top-Fußball.

Sie sind sehr klar im Kopf und ehrgeizig.

Ich bin überzeugt, dass sie noch für einiges

Aufsehen sorgen werden.“

In Sambia sind Enock und Patson bereits

Superstars. Wenn die beiden auf

Heimaturlaub sind, können sie nicht ein-

Sambischer Fußball

in Zahlen

AFRIKA

67 Plätze

hinter Österreich (23) liegt Sambia (90)

aktuell in der FIFA-Weltrangliste.

18 Teams

spielen in der zweiten sambischen Fußballliga,

u. a. Kafue Celtic FC, der frühere Klub von Daka

und Mwepu.

30 Personen

(darunter 18 Nationalspieler Sambias) kamen

beim Flugzeugunglück am 27. April 1993 auf

dem Weg zum WM-Qualifikationsspiel gegen

Senegal ums Leben – der dunkelste Tag

im sambischen Fußball.

2012

feierte das sambische Nationalteam mit

dem ersten und bislang einzigen Gewinn der

Afrikameisterschaft seinen größten Erfolg.

1 Tor

schoss Patson Daka bisher in der

Champions League. Sein 1:0 in Genk 2019

(Endstand 4:1 für Salzburg) machte Sambia

zur 103. Nation auf der Liste von Ländern

mit Champions-League-Torschützen.

Patson Daka (Bild oben)

jubelt nach seinem 1:0

gegen Senegal. Sambia

gewann 2017 das Spiel 2:0

und holte mit seiner U20

den Afrika-Cup.

Enock Mwepu und

Patson Daka im Dress

des sambischen Nationalteams,

bereits 2015 (aus

diesem Jahr stammt

das Bild) waren die

beiden beste Freunde.

PRIVAT, GETTY PREMIUM

74 THE RED BULLETIN


„Wir verbrachten jede

freie Minute miteinander

und sprachen über alles,

was uns bewegte.“

Patson Daka über seine Freude,

als Enock Mwepu in Salzburg eintraf

Patson Daka (links) und Enock Mwepu nach ihrem Triumph beim COSAFA-U20-Cup

im Dezember 2017 am Flughafen der sambischen Hauptstadt Lusaka

Ein Bild aus 2015, Patson post in Südafrika, das er

mit dem sambischen Team für ein Turnier besucht.

Patson Daka mit seiner Mutter in Lusaka,

ein Bild aus dem Jahr 2015

Enock Mwepu mit Fans bei einem Jugendcamp in Chingola, Sambia. Wann er

das Selfie geschossen hat? Kam öfter vor, die Erinnerung ist verflogen.

THE RED BULLETIN 75


Fußball

mal das Haus verlassen, ohne ein Verkehrschaos

auszulösen. Staatspräsident

Edgar Chagwa Lungu gilt nach wie vor

als großer Fan des Duos.

Als zum Beispiel bekannt wurde,

dass Patsons und Enocks Verträge mit

Red Bull Salzburg verlängert wurden,

verkündete der Staatschef diese gute

Nachricht auf der Stelle via Twitter. Als

Patson Daka von den Fans zum „Spieler

der Meisterrunde“ in Österreich gekürt

wurde, gratulierte Edgar Chagwa Lungu

höchstpersönlich auf Facebook: „You

make Zambia proud!“ – Du machst Sambia

stolz!

Das ist Balsam für die Seele. Und mindestens

genauso wichtig und heilsam für

Sambia. „Junge Fußballer sehen, was

wir zu leisten imstande sind“, sagt Enock

Mwepu über ihre Rolle als Vorbilder. „Sie

setzen alles daran, ebenfalls den nächsten

Schritt zu gehen.“

„Unser Talent ist ein Geschenk,

das wir weitergeben müssen.“

Für einen kurzen Moment wird Patson

nachdenklich. „Wir haben in Sambia

unter den Jugendlichen ein Problem mit

Alkohol und anderen Drogen“, sagt er.

„Fußball ist eine fantastische Möglichkeit,

wie du dich aus all diesen Schwierigkeiten

heraushältst.“ Enock vollendet

den Gedanken: „Du gerätst erst gar nicht

in diesen Teufelskreislauf, wenn du den

ganzen Tag Fußball spielst und am Abend

todmüde ins Bett fällst.“

Mit ihrem Vorbild, ihren Erfolgen

wollen Enock und Patson etwas zurückgeben.

Beide sind sehr gläubig. Ihr sportliches

Talent bezeichnen sie als „Geschenk

Gottes“. Und dieses, sagen Patson und

Enock unisono, wollen sie mit großer

Ernsthaftigkeit in den Dienst der Allgemeinheit

stellen.

Stichwort Ernsthaftigkeit. Geschenk

ist Geschenk. Doch der Erfolg kommt

mit der täglichen Bemühung, erklären

die beiden. „Wir wollen beide noch bessere

Fußballer werden“, sagt Enock und

verrät ihren Traum: „Eines Tages stehen

wir einander in einem Champions-

League-Finale als Gegner gegenüber.“

Patson nickt, denkt nach und sagt

dann: „Und selbst danach werden wir

noch Freunde sein.“

Noch mehr Salzburg-Hintergründe:

redbullsalzburg.at

„Freundschaft

im Sport?

Unbedingt!“

Warum die Salzburger

Patson Daka und Enock

Mwepu nach Österreich

holten. Und warum der

Verein deshalb jetzt gleich

drei Teenager aus Mali

verpflichtete. Interview

mit Sportdirektor Christoph

Freund.

Was sah der FC Red

Bull Salzburg in Patson

Daka und Enock Mwepu,

ehe die beiden 2017

nach Österreich geholt

wurden?

Patson Daka war wegen

seines Speeds und seiner

Power im Angriff ein

extrem auffälliger Spieler.

Wir wussten, er würde

sehr gut zu unserem

Spielstil passen. Enock

Mwepu fiel uns auf, als wir

uns mehrere Spiele von

Patson angesehen hatten.

Wir erkannten, dass er

nicht nur extrem viel läuft,

sondern auch über sehr

große Spielintelligenz

verfügt. Enock war schon

damals ein Führungsspieler.

Beide bringen

einen richtig guten

Charakter und eine sehr

gute Mentalität mit.

Patson und Enock

kannten sich bereits

in Sambia sehr gut.

Hat ihnen diese Freundschaft

geholfen, sich

in Österreich schneller

einzuleben?

Sie sind zum ersten Mal

in ein fremdes Land übersiedelt

– mit neuer Sprache,

neuer Kultur, neuem

Wetter. Dass sie sich privat

so gut verstehen, war

FC Red Bull Salzburg-

Sportdirektor

Christoph Freund

sicher ein großer Vorteil.

Mit ihrer positiven Art

waren sie für den Klub

vom ersten Tag an gewinnbringende

Charaktere.

Hat Freundschaft

im Sport – speziell im

modernen Fußball –

noch einen Platz?

Unbedingt! Vor allem

solche Freundschaften

wie zwischen Patson und

Enock, die so wichtige

Lebensphasen miteinander

erleben. Bei den

beiden wurde durch den

Wechsel nach Salzburg

ihre Freundschaft fürs

Leben sogar noch vertieft.

Ich bin überzeugt, dass

sie halten wird – egal wo

sie ihre weitere Karriere

hinführen wird.

Der FC Red Bull Salzburg

hat im Winter

wieder drei 18-jährige

Spieler gemeinsam

verpflichtet, diesmal

aus Mali, nämlich

Mamady Diambou,

Nene Dorgeles und

Daouda Guindo. Steckt

eine Philosophie dahinter,

nicht nur ein

Talent zu holen, sondern

gleich zwei oder drei?

Es ist nicht direkt Absicht,

aber wir schließen die

Möglichkeit nicht aus.

Wir haben festgestellt,

dass es kein Nachteil

ist, wenn wir mehrere

Spieler aus dem gleichen

Jahrgang holen und sich

diese Jungs in der Eingewöhnungsphase

gegenseitig

behilflich sind.

Unzertrennlich, schon seit sie Teenager waren:

Enock Mwepu (li.) und Patson Daka

PICTUREDESK

76 THE RED BULLETIN


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GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

PARAGLEITEN

AM MONT BLANC

– mit Bergführer

Calum Muskett

85


GUIDE

Reisen

„In der kühlen Morgenluft

stürze ich mich

hinab Richtung Italien

und freue mich auf

einen stärkenden

Cappuccino im Café

neben dem Landeplatz.“

Calum Muskett, Bergführer

und Paragleiter, erzählt vom

Abenteuer „Para-Alpinismus“.

Unter meinen Füßen knirscht

der Schnee, als ich die

letzten Schritte auf dem

schmalen Grat mache, der

zum höchsten Gipfel der

Alpen führt: zum Mont Blanc, 4809 Meter

über dem Meer. Eine Wolke bedeckt

die französische Seite des Berges, eine

eisige Brise bringt meine Augenlider

zum Gefrieren.

Es ist der 1. September 2019, sieben

Uhr früh, und das Gleitschirmverbot

in der Region wurde gerade aufgehoben.

Mir wird ein bisschen übel, als ich meine

Tasche auspacke – die Anstrengung des

Aufstiegs hat mir körperlich zugesetzt.

Ich bin von Les Houches aus aufgestiegen

und seit ein Uhr früh unterwegs – das

sind 3800 Höhenmeter in sechs Stunden.

Das Tal von Chamonix liegt tief unter

mir. Von meinem Standpunkt aus wäre der

Weg den Mont Blanc hinunter normalerweise

lang, beschwerlich und riskant,

er würde über Gletscher und Felswände

führen, aber ich werde den Abstieg nicht

zu Fuß vornehmen. Ich werde fliegen.

Seit 2006 besteige ich Berge. Damals

absolvierte ich eine Ausbildung auf den

Klippen meiner Heimat Nordwales.

Heute, als professioneller Kletterer und

Bergführer, folge ich den Jahreszeiten

und teile meine Zeit zwischen den Bergen

von Snowdonia in Wales und den französischen

Alpen auf.

Vor zwei Jahren habe ich Paragleiten

gelernt, was mir neue Horizonte eröffnet

hat. Eine Besteigung des Mont Blanc

dauert normalerweise drei Tage und

umfasst zwei Seilbahnen und eine Zugfahrt.

Wenn ich heute sehr früh auf

den Berg klettere, kann ich zum Gabelfrühstück

wieder zurück sein.

Das Fliegen hat etwas Befreiendes –

wie nach dem Start, bei dem alles einfach

Aufstieg über den Pilier Rouge du Brouillard

stimmen muss, der Druck entweicht, die

Füße baumeln surreal über dem Abgrund,

man trickst die Evolution aus und gesellt

sich segelnd zu den Vögeln.

Nach zehn Minuten, in denen ich die

frostbedeckten Seile entwirrt und den

Fallschirm ausgelegt habe, bin ich dahin,

stürze mich in der kühlen Morgenluft

vom Gipfel hinab, gleite Richtung Italien

und freue mich – heilfroh, nicht mehr

weiterwandern zu müssen – auf einen

stärkenden Cappuccino im Café neben

dem Landeplatz. Der Flug dauert ungefähr

40 Minuten. Zu Fuß würde eine

geführte Gruppe, je nach Können, ein

bis zwei Tage brauchen.

Para-Alpinismus, wie man in Frankreich

sagt, wird zu einer immer belieb­

86 THE RED BULLETIN


Wohin

soll’s

gehen?

Ort:

Chamonix-Tal

Nächster Flughafen:

Genf, Schweiz

Transport:

sechs Seilbahnanlagen

Startplätze:

Im Mont-Blanc-

Massiv gibt es

mehrere, Calum flog

einmal vom Gipfel

des Mont Blanc, einmal

vom Glacier du

Brouillard in knapp

4000 Meter Höhe.

Frankreich

Italien

Saisonale Information:

Im Juli und August ist

Paragleiten im Mont-

Blanc-Massiv verboten.

Grund dafür

sind Unfälle in den vergangenen

Jahren und

die steigende Zahl

der Helikopterflüge.

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

Schmaler Grat: Calum Muskett auf dem Weg zur Biwakstation Pic Eccles

Talfahrt: Der Gletscher ist für den Start ideal, aber der Untergrund etwas glatt.

teren Freizeitbeschäftigung. Wie der

Name schon verrät, handelt es sich dabei

um eine Kombination aus Paragleiten

und Alpinismus, und die europäischen

Alpen mit ihren überschaubaren Flugbeschränkungen

und der hervorragenden

Infrastruktur eignen sich für so ein Vorhaben

besonders gut.

Das Konzept ist nicht neu: Pioniere wie

der Franzose Jean-Marc Boivin starteten

schon vor rund vierzig Jahren von einigen

der höchsten Gipfel der Welt. Diese Frühzeit

des Sports gipfelte in Boivins Flug

vom Mount Everest 1988. Seither hat

sich die Technologie des Paragleitens

eher zu den Cross-Country-Flügen hin

verlagert, wo die Leistung der Tragflächen

vor allem darauf ausgerichtet ist,

Gleitzahl und Auftrieb zu verbessern.

Der aktuelle Weltrekord gelang brasilianischen

Piloten 2016: Sie legten eine

Strecke von 564 Kilometern zurück.

Die Pioniere des Para-Alpinismus

schulterten noch riesige Rucksäcke, die

mehr als zwölf Kilo wogen (und darin ist

die erforderliche Bergsteigerausrüstung

noch nicht eingerechnet), wodurch sich

die Kletter/Flug-Missionen eher mühsam

und unpraktisch gestalteten.

Das änderte sich erst vor kurzem

mit neuen Schirmtypen. Die neuen Tragflächen

wiegen jetzt nur noch ein Kilo,

lassen sich in einen mittelgroßen Beutel

stopfen und haben ein ultraleichtes Sitzgeschirr.

Dieser Technologiesprung hat

dem Sport deutlichen Auftrieb gegeben.

September 2020. Zusammen mit meinen

Freunden Paul und Jake bin ich wieder

auf dem Mont Blanc. Wir versuchen

einen Aufstieg über den schwierigsten

THE RED BULLETIN 87


GUIDE

Reisen

Segeln wie die Vögel: Calum Muskett fliegt über die Gletscherspalten des Glacier du Brouillard (oben)

und nähert sich dem Landeplatz im italienischen Val Veny (unten).

Felsen des Berges, den Pilier Rouge du

Brouillard, einen imposanten Granitmonolithen

auf 4000 Metern, und das

über eine erst im Juli erstmals bezwungene

Route, die als „Incroyable“ (zu

Deutsch: unglaublich) bekannt ist.

Die Sonne scheint, es ist heiß. Unter

schmelzendem Schnee auf den Hängen

über und unter uns taucht eine schwindelerregende

rote Felswand auf, die wir mit

unseren Fingerspitzen hinaufklettern.

Am Ende eines erfolgreichen Klettertages

schaffen wir es bis zur winzigen

Blechschutzhütte auf dem Pic Eccles und

zu einem geeigneten Startplatz an einem

hängenden Abschnitt des Gletschers

nahe der Hütte.

Die Position ist furchterregend. An sich

ist der immer steiler werdende Schneehang

perfekt für einen Absprung – oder

besser: Er wäre perfekt, wenn nicht der

ganze Hang immer noch gefroren wäre.

Paul und Jake stehen auf einem ausge­

„Lauer Wind hebt

den Schirm – und

mich sanft von

den Füßen.“

Calum Muskett, Bergführer und Paragleiter

schlagenen Schneevorsprung 30 Meter

neben mir. Es ist Pauls erster Flug unter

Jakes Kommando auf einem ultraleichten

Tandemparagleiter. Was für ein Ort für

eine Premiere!

Mit Steigeisen, um mir Halt auf dem

glatten Untergrund zu verschaffen,

mache ich meinen Anlauf. Der leichte

Stoff erhebt sich schnell und einfach

über meinen Kopf, und sobald die Vorderkante

die Sonne zu berühren scheint,

bläst lauwarmer Wind aus dem Tal den

Schirm auf und hebt mich sanft von den

Füßen. Ich schaue zurück und sehe,

wie Jake und Paul vor Freude jauchzend

starten und es sich unter ihren Tragflächen

bequem machen.

Bergführer Calum Muskett buchen unter:

muskettmountaineering.co.uk (für Touren

im Raum Chamonix). Ein fünftägiger Paragleit-

Kurs kostet zwischen 500 und 900 Euro,

die Ausrüstung rund 3000 Euro.

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

88 THE RED BULLETIN


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DIE ERFOLGSSTORY

BIS HEUTE GILT DIE GS ALS DAS ERFOLG­

REICHSTE DEUTSCHE MOTORRAD

– und wir wissen, warum. Wer einmal

auf eine GS gestiegen ist, merkt schnell:

GS-Fahren ist ein Lebensgefühl. Dieses

denkwürdige Jubiläum feiert BMW

Motorrad mit sieben Sondermodellen:

Die „Editions 40 Years GS“ sind jede für

sich eine Hommage an den „Spirit of GS“.

40

JAHRE

ABENTEUER

4 JAHRZEHNTE

GS

Jede Erfolgsstory hat einen Anfang. Für die GS beginnt alles im Jahr 1980,

als BMW Motorrad mit der R 80 G/S die weltweit erste große Reiseenduro

präsentiert – ein Meilenstein auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg.

BMW GROUP ARCHIV, BMW WERKFOTO (2), MICHAEL MÖSCH, ROBERT KRÖSCHEL

1978 – 1980

Wir schreiben das

Jahr 1978, als ein

hauseigenes Entwicklerteam

ohne offiziellen Auftrag

einen Prototyp baut und für Furore

sorgt – etwa mit zwei Goldmedaillen

bei der „Six Days“-Weltmeisterschaft.

Nur zwei Jahre später folgt

die Geburtsstunde der ersten Serienvariante

des Siegermotorrads: der

R 80 G/S.

1980 – 1987

Mit der R 80 G/S

ist die perfekte

Synthese aus

Gelände und Straße gelungen – G/S

eben. Sie begründete das Segment

der großvolumigen Reiseenduros,

das sie bis heute beherrscht. Highlight

damals ist die weltweit zum

ersten Mal an einem Motorrad verbaute

Einarmschwinge für die Hinterradführung.

1987 – 1996

„Mehr Hubraum,

mehr Fahrspaß“

lautet das Credo

des Spitzenmodells R 100 GS –

sie wird die leistungsstärkste und

schnellste Enduro auf dem Markt.

Bekannt wird sie in ihrer markanten,

schwarz-gelben Lackierung, die

ihr den Spitznamen „Bumblebee“

einbringt.

1994 – 2003

1994 erscheint

mit der R 1100 GS

die erste GS mit

Vierventil-Boxermotor.

Sie besticht mit leichtem

Handling im Gelände und besten

Eigenschaften für lange Touren.

Zudem wartet sie als erste Enduro

überhaupt mit ABS auf. Danach

setzen die R 1150 GS bzw. die

R 1150 GS Adventure die Erfolge

fort.

bmw-motorrad.at

2000 – 2008

Einen weiteren Meilenstein

in der BMW

GS-Geschichte markieren

die Einzylinder-Enduros

F 650 GS und die F 650 GS Dakar –

sie gewinnt 1999 und 2000 die

prestigeträchtige Rallye Dakar!

Anfang 2008 lösen die zweizylindrigen

Modelle F 650 GS und F 800 GS

die erfolgreiche Single-GS ab.

2004 – 2017

2004 wird die

R 1200 GS neu

aufgelegt: Sie

bekommt mehr

Hubraum, Leistung und Drehmoment

– bei 30 Kilogramm

weniger Gewicht. Fast zehn Jahre

später bricht eine neue Ära an: die

R 1200 GS wird mit einem wassergekühlten

Boxermotor ausgestattet

– eine Weltneuheit.


GUIDE

Gaming

TIPPS

Spielend

Karriere

machen

Jacob Mourujärvi ist ein

Weltklasse-Spieler des Ego-

Shooters „Valorant“. Hier

verrät der Schwede, wie er

es zum Profi geschafft hat.

Red Bull Campus Clutch ist

ein weltweites eSport-Turnier

für Spieler im Studierendenalter.

Gespielt wird „Valorant“,

ein taktisches Ego-Shooter-

Game. Schon bevor das Spiel

vergangenes Jahr veröffentlicht

wurde, brach es einen

Rekord: Mit 34 Millionen Stunden

an einem Tag ist nie zuvor

ein Spiel länger verfolgt worden

– und zwar von Zuschauern,

die sich die Streams ausgewählter

Spieler ansahen.

Im Weltfinale von Red Bull

Campus Clutch kämpfen die

Siegerteams aus jedem Land

im Juli um 20.000 Euro Preisgeld

und ein Gaming-Center

für ihren Uni-Campus.

Von Jacob „Pyth“ Mourujärvi

könnten die Campus-

Clutcher einiges lernen. Der

27-jährige Schwede gehört

zur Elite-eSport-Mannschaft

G2 und ist einer der besten

„Valorant“-Spieler der Welt.

Vor neun Jahren wollte er

noch IT-Experte werden. „Ich

hatte keinerlei Vorstellung

von meiner Karriere, außer

dass ich gerne mit Computern

arbeitete.“ Damals spielte er

das gerade neu erschienene

„Counter-Strike: Global Offensive“

(„CS:GO“), als Mitspieler

ihn einluden, einem Team beizutreten.

„Mittlerweile arbeite

ich jeden Tag mit Computern.“

Und zwar als Profispieler …

15 Stunden Gaming

Als Mourujärvi mit achtzehn

den üblichen Bildungsweg

hinter sich ließ, spielte er

15 Stunden täglich „CS:GO“.

„Acht Uhr morgens schlafen

gehen, fünf Uhr nachmittags

aufstehen und weiterspielen“,

erinnert er sich. „Aber sobald

mir bewusst wurde, dass ich

damit Karriere machen kann,

änderte ich meine Routine

und fing an, wie ein Profi zu

denken. Ich hörte auch mit

dem Lästern auf, wie es in

der Szene üblich ist. Jetzt

bin ich ein lieber Kerl.“

Stärken ausspielen

Pyth ist ein Meister des

„Clutch Play“– der Fähigkeit,

ein Spiel in den letzten

Sekunden umzudrehen.

Schon 2014 bezwang Pyth

im Alleingang seine Gegner

in einem „CS:GO“-Match.

„Beweise dich, und man wird

dich wahrnehmen“, sagt er.

„Aber Abkürzungen gibt’s

keine. Man muss sich Schritt

für Schritt hocharbeiten.“

Neues riskieren

2015 betrat Pyth Neuland und

half beim Aufbau des neuen

kanadischen „CS:GO“-Teams

Luminosity Gaming. „Durch

diese Erfahrung bin ich jetzt

teamfähiger, offener und

ehrlicher.“ Dieser erfolgreiche

Schachzug inspirierte ihn

gleich für den nächsten: Mourujärvi

hörte mit „CS:GO“ auf,

„Ich bin jetzt

teamfähiger,

offener und

ehrlicher.“

Jacob Mourujärvi,

genannt „Pyth“, 27

Scharfschützen:

die Charaktere

Phoenix (li.) und

Jett aus dem

Game „Valorant“

vor allem auch deshalb, weil er

auf Twitter während des Spiels

Morddrohungen erhalten

hatte. „‚Valorant‘ hat eine sehr

unterstützende Fanbase“,

erzählt Pyth. Angenehme

Arbeits kollegen seien schließlich

überall entscheidend.

„Bei G2 sind wir Freunde. Beim

Spielen und auch danach.“

Niemals aufhören

Mit 27 gehört Mourujärvi zu

den eSport-Veteranen. Was

nach dem Karriereende nun

kommt? „Ich will weiter im

eSport arbeiten, vielleicht ja

als Trainer. Viele Spieler üben

jeden Tag ihre Treffsicherheit,

verstehen aber nicht viel von

Teamwork und Strategie. Dabei

ist es wie im Fußball: Die

Spieler im Team sollten einander

nicht zu sehr gleichen

und eine Einheit bilden.“

„Valorant“ auf Microsoft

Windows: playvalorant.com

Die aktuellen Matches beim

Red Bull Campus Clutch

findest du auf redbull.com.

Folge Pyth auf: twitch.tv/pyth

YUNG ELDR JOE ELLISON

90 THE RED BULLETIN


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du auch auf rutschigen Wegen locker

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2 UNBREAKABLE EYECATCHER

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3 KEEP IT SIMPLE

Ob zum Klettern am Felsen oder in der

Boulderhalle, morgens beim ersten

Kaffee oder abends beim Schlummer-

Umtrunk am Lagerfeuer – das

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immer! Dank dem hochwertigen

Materialmix aus 95 % Baumwolle und

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lässigen Print erfüllt das Klettershirt

sowohl seinen technischen als auch

modischen Anspruch.

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flexiblem Design nicht nur ein versehentliches

Draufsetzen, sondern

lässt sich auch auf ein Kleinstmaß

zusammenpacken. Kreditkarte und

Schlüssel finden im praktischen

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Cap Platz. Der perfekte Begleiter

für den Sommer – erhältlich in fünf

Farben. One Size, 54–62 cm.

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GUIDE

Lesestoff

KLASSIKER, NEU ERZÄHLT

Märchenhaft böse

„Alice im Wunderland“ und andere Geschichten auf die harte Tour: US-Bestsellerautorin

Christina Henry interpretiert weltberühmte Kinderbuch-Klassiker für Erwachsene neu.

Text JAKOB HÜBNER

Lewis Carroll war nicht

nur Schriftsteller, Fotograf

und Theologe – er

war auch studierter Mathematiker.

Und als solcher

mit den Grundsätzen der

Logik bestens vertraut. Der

Brite wusste also ganz genau,

wo er den surrealen Hebel

ansetzen musste, als er 1865

sein weltberühmtes Nonsens-

Märchen „Alice im Wunderland“

zu Papier brachte. Das

schmale Büchlein entfaltete

breite Wirkung. Die Abenteuer

der kleinen Alice, die via Kaninchenbau

in ein absurdes

Fantasiereich plumpst, sind

ein verlässlicher Kandidat

in sämtlichen Ranglisten mit

der Überschrift „Klassiker

der Weltliteratur“. Außerdem

schaute Alice in den vergangenen

150 Jahren einer Reihe

von namhaften Künstlern

– von Salvador Dalí bis John

Lennon – konspirativ über die

Schulter. Und ganz nebenbei

wurde die Geschichte und

ihre Fortsetzung „Alice hinter

den Spiegeln“ bis heute rund

50 Mal verfilmt.

Nicht schlecht für ein

Kinderbuch.

Noch tiefer aus dieser

sprudelnden Inspirationsquelle

schöpft die US-amerikanische

Autorin Christina

Henry. Anstatt lediglich ein

paar Rosinen aus dem Wunderland

zu picken, schnappt

sie sich gleich den ganzen

Kuchen. Ihre dunklen „Chroniken

von Alice“ sind so etwas

wie eine literarische Coverversion

des Märchens für Erwachsene.

Der Ordnung halber

muss man an dieser Stelle

sagen, dass sie nicht die Erste

ist, die eine Neu interpretation

dieses Kinderklassikers wagt

(siehe Tipps rechts), allerdings

ist sie die bisher Erfolgreichste

– und die bei weitem

Böseste.

Henry verankert ihre

„Alice“-Adaption in zwei Bereichen.

Erstens: Alle tragenden

Figuren stammen aus

dem Original. Zweitens: Das

Absurde kommt auch bei

ihr mit der entwaffnenden

Selbstverständlichkeit eines

VINZ SCHWARZBAUER

92 THE RED BULLETIN


Erster Absatz aus

„Finsternis im Wunderland“

Wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellte, sich bis ganz nach

oben streckte, die Wange an die Wand legte und den Kopf nach

links drehte, konnte sie durch die Gitterstäbe gerade so den

Rand des Monds sehen. Eine Scheibe Käse, eine Scheibe Kuchen,

eine Tasse Tee, um der Höflichkeit Genüge zu tun. Einmal

hatte ihr jemand eine Tasse Tee angeboten, jemand mit blaugrünen

Augen und langen Ohren. Komisch, dass sie sich nicht

an sein Gesicht erinnern konnte. Dieser Teil ihrer Erinnerung

war nebelig, wie in Rauch gehüllt, abgesehen von den Augen

und den Ohren. Und die Ohren waren lang und pelzig gewesen.

LESETIPPS

Es war einmal …

Noch mehr Märchen

für Erwachsene

Traums daher – diesfalls jedoch

mit der eines Albtraums.

Alice, missbraucht und von

ihrer Familie verstoßen, sitzt

seit rund zehn Jahren in der

gut gepolsterten Zelle einer

düsteren Irrenanstalt, deren

therapeutische Fähigkeiten

sich auf zwei Dinge reduzieren:

sedieren und wegsperren.

Abgesehen von den sadistischen

Pflegern hat sie – durch

ein von einer Maus gegrabenes

Loch – nur zu einem Menschen

sozialen Kontakt: ihrem

Zellennachbarn Hatcher. Der

ist ein Axtmörder mit einer bipolaren

Störung – sonst aber

ein liebenswerter Mensch und

ein virtuoser Kämpfer.

Als in der Anstalt Feuer

ausbricht, können Alice und

Hatcher gemeinsam fliehen.

Beide sinnen auf blutige Rache.

Auf ihrer Liste: der Grinser,

die Raupe, das Walross,

das Kaninchen, der Jabberwock

und die weiße Königin.

Während Hatcher den Weg

mit recht rustikalen Methoden

freihackt, dämmert Alice

allmählich, dass ihr Wahnsinn

einen gewissen Zauber in

sich birgt …

Obwohl man die 1974 geborene

Christina Henry nicht als

Newcomerin bezeichnen kann

– ihre „Black Wings“-Serie

sammelt bereits seit Jahren

eifrig Sternchen –, kam der

Hype um Alice doch ein wenig

überraschend. Der erste Band

„Finsternis im Wunderland“

enterte vom Stand weg die internationalen

Bestsellerlisten

und wurde in „Amazon’s Best

Books of the Year“ gewählt.

Begleitet wurde der kommerzielle

Erfolg von wohlwollenden

Worten aus Feuilletons,

die derartige „U-Literatur“

normalerweise bestenfalls

vom Wegsehen kennen. Was

vermutlich nicht nur an der

berühmten Vorlage, sondern

auch an Henrys zutiefst eigenwilligem,

kindlich-brutalem

Erzählstil liegt, dessen Ambivalenz

eine ganz seltsame

Stimmung erzeugt. Streckenweise

fühlt man sich, als lausche

man dem düsteren Betthupferl

am Lagerfeuer eines

Jungscharcamps, aber dann

haut Henry auch immer wieder

Sätze raus, die man sich

am liebsten einrahmen und an

die Wand hängen würde.

Und da kommt noch mehr:

Die dunklen Chroniken von

„Peter Pan“ sind für 21. Juni

angekündigt, und auch jene

von „Meerjungfrau“ und „Rotkäppchen“

sind bereits in der

Übersetzung. Mit dem Spruch

„Erzähl mir keine Märchen!“

braucht man Christina Henry

also nicht zu kommen …

CHRISTINA HENRY

„Finsternis im Wunderland.

Die Chroniken von Alice“

Deutsch von Sigrun Zühlke

Penhaligon, 352 Seiten

FRANK BEDDOR

Frank Beddor, der mit dem

US-Ski-Team zweimal die

Freestyle-Weltmeisterschaft

holte, stürzt sich in seiner

Interpretation von „Alice

im Wunderland“ ohne Rücksicht

auf Verluste in einen

Fantasy-Thriller voller Action,

in dem aber auch der Humor

nicht zu kurz kommt.

Im Vorwort verspricht der

Autor eine Geschichte

„voll Blut vergießen, Mord,

Rache und Krieg“.

Und er hält Wort.

„Das Spiegellabyrinth“

(dtv)

NICOLE BÖHM

Für ihre Jugendbuchserie

„Die Chroniken der Seelenwächter“

wurde Nicole Böhm

bereits zweimal mit dem

Deutschen Phantastik Preis

ausgezeichnet. Das gelang

ihr auch mit dem – deutlich

düsterer angelegten – Roman

„Wer hat Angst vorm bösen

Wolf?“, der gemeinsam mit

„Spieglein, Spieglein an der

Wand“ eine märchenhafte

Dilogie bildet, in der

neben Spannung auch

die Romantik knistert.

„Das Vermächtnis

der Grimms“

(Drachenmond Verlag)

WALTER MOERS

Walter Moers (bzw. sein Alter

Ego Hildegunst von Mythenmetz)

ist vermutlich der

genialste Märchenonkel der

Gegenwartsliteratur. In „Ensel

und Krete“ versetzt er das

berühmte Geschwisterpaar

der Brüder Grimm in sein

legendäres Zauberreich

Zamonien, in dem sich –

vom gemeingefährlichen

Laubwolf bis zum doppelköpfigen

Wollhühnchen –

allerhand absonderliche

Geschöpfe tummeln.

„Ensel und Krete“

(Penguin Verlag)

NELSON MANDELA

In dieser 2004 erschienenen,

prächtig illustrierten Anthologie

versammelt der Freiheitskämpfer,

Friedensnobelpreisträger

und erste

schwarze Präsident Südafrikas

die schönsten Märchen

seines Kontinents.

Das Buch ist eine wahre

Schatztruhe voll poetischer

Juwele, die vor Witz und

Weisheit nur so funkeln und

deren exotischer Zauber Kinder

ebenso in seinen Bann

zieht wie Erwachsene.

„Meine afrikanischen

Lieblingsmärchen“

(dtv)

THE RED BULLETIN 93


LENNY KRAVITZ, LAVENDEL UND WEIHRAUCH

ROCK-LEGENDE WIRBT FÜR PARFUM, SEINE TOCHTER FÜR YSL-LIPPENSTIFT

Wie Lenny Kravitz (li.) riecht, wissen wir jetzt: nach „lichtdurchflutetem Lavendel,

schwarzem Zedernholz und mystischem Weihrauch“ – kurz nach „Y Le Parfum“ von

Yves Saint Laurent (YSL), wofür er gerade wirbt; Töchterchen Zoë (re.) rümpft darob

nicht das Näschen, sie macht das Gleiche mit YSL-Lippenrot. loreal.com

Richtig gutes Zeug

Handverlesene Liebhaberstücke, Tipps & Termine.

Von der Redaktion empfohlen. Text WOLFGANG WIESER

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94 THE RED BULLETIN


GUIDE

Trends

HALTE

DEINEN FLOW!

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Diese Uhr weiß praktisch

alles über ihren Träger.

Die Eigenschaft, die uns

am besten gefällt? Sie

misst deinen Flow – also

wie flüssig du mit dem

Mountainbike die Trails

bewältigst. Je niedriger

der Wert, desto besser.

PS: Und wann du besser

Pause machst, sagt sie dir

auch. garmin.com

LEBEN IM GLEICHGEWICHT

THE COUCH CONSOLE

Manch einer mag sagen, das Leben auf der Couch

sei nicht das Wahre. Antworte: Aber dafür ich bin

ausbalanciert. Dank dieser Console – sie enthält

alles, was du für einen entspannten Tag brauchst.

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Wer diese Tasche trägt,

trägt 100 Prozent

recycelte PET-Flaschen.

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DER FRÜHLING

TASCHE VOM DESIGNER

Wer diese Einkaufstasche

sieht, denkt: Frühling,

Gott sei Dank! Für die

Wasser-Spezialisten von

Vöslauer entworfen hat

sie ein österreichischer

Designer mit Armani-

Vergangenheit: Arthur

Arbesser, bekannt für seine

Vorliebe zu klaren Mustern.

voeslauer-designshop.com

THE RED BULLETIN 95


GUIDE

Trends

WIEN IM

HÖHENFLUG

ARGUS BIKE FESTIVAL

Höher, weiter und – entspannter.

Das Argus Bike

Festival in Wien musste

pandemiebedingt verschoben

werden – und zwar

auf den 29. und 30. Mai.

Aber dann gibt’s Dirt-Battle,

Highjump-Contest und

eine große Rad-Parade.

bikefestival.at

DIESES BUCH PACKT ALLE EIN

„THE PACKAGE DESIGN BOOK 6“: AUSGEZEICHNETE VERPACKUNG

In den 1980er-Jahren empfahl die Glamour-Band „ABC“, nie ein Buch

wegen des Covers zu kaufen. Das war schon damals pure Ironie.

Wie wichtig – und wie kunstvoll – Verpackung heute sein kann, zeigt

dieser Band, der über 500 Arbeiten der Gewinner des Pentawards

der Jahre 2019 und 2020 versammelt. taschen.com

Endlich ein Rucksack,

der nicht auf den Berg will!

RUCKSACK

FINDET STADT

SAMSONITE SECURIPAK

Endlich ein Rucksack, der

nicht so tut, als wollte er auf

einen Gipfel geschleppt werden.

Nein, er ist eindeutig

für den Stadtbewohner des

21. Jahrhunderts gedacht.

Das Material heißt Recyclex

(ja, es sind PET-Flaschen),

ist reiß- und schnittfest,

und selbstverständlich gibt

es eine Lademöglichkeit.

samsonite.com

MODERN ART

Ein Werk aus dem Jahr

1966 ziert jetzt eine Uhr.

Kunst aus dem Handgelenk

sozusagen.

FÜR IMMER

JUNG

SWATCH IM MOMA-DESIGN

Tadanori Yokoo, Jahrgang

1936, zeigt, dass Kunst nie

wirklich alt wird: Sein Werk

mit dem schönen Titel „The

City and Design, The Wonders

of Life on Earth, Isamu

Kurita“ aus dem Jahr 1966

schmückt – 55 Jahre später

fein zitiert – eine Swatch

aus der MoMA-Kollektion.

swatch.com

S.ZIVADINOVIC, TASCHEN, SWATCH, SAMSONITE, BRIAN SPECTOR, NICOLAS HOLTZMEYER/RED BULL CONTENT POOL

96 THE RED BULLETIN


WIR SPIELEN GLEICHBERECHTIGUNG

ENDLICH! KÖNIG UND KÖNIGIN SIND GLEICH VIEL WERT

In einem neuen Kartenspiel – gibt’s vorläufig nur auf Englisch –

sind Queen und King (= Queeng) endlich gleich viel wert, die

ehemalige Dame heißt jetzt Duke. Und selbstverständlich sind

auch alle Hautfarben vertreten. Worauf wir jetzt noch warten?

Auf die Revolution der Zweier: ¡Venceremos! queengcards.com

HINAUF RENNEN, HINUNTER FLIEGEN

RED BULL X-ALPS: 33 TOP-ATHLETEN, 1238 KILOMETER

1238 Kilometer müssen jene 33 Athleten aus 17 Nationen zurücklegen,

die bei der zehnten Auflage von Red Bull X-Alps dabei sind.

Doch dieses Faktum allein erzählt noch nichts über die Strapazen,

die die Teilnehmer erwarten – die Strecke über die Alpen darf nur

zu Fuß oder per Gleitschirm zurückgelegt werden. redbullxalps.com

Vollendet in

Design & Technik.

Der Kia XCeed.

Mit seinem mutigen Design, dem sportlichen Crossover-Coupé-Styling und dem robusten und gleichzeitig unverwechselbaren chromgefassten

Kühlergrill verdreht der neue XCeed garantiert jedem den Kopf. Designt für alle, die nicht nur ganz neue Wege gehen, sondern

bei jeder Fahrt puren Nervenkitzel erleben wollen. Aber davon hast du sicher schon gehört, oder?

CO 2 -Emission: 161-130 g/km, Gesamtverbrauch: 5,0-7,1 l/100km

Symbolfoto. Satz- und Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. *) 7 Jahre/150.000km Werksgarantie.


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

JOHN GLENN

VOM GRÖSSTEN SCHMERZ

Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten

inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit.

Folge 12: Womit der erste US-Astronaut, der die Erde umkreiste, zu kämpfen hatte.

Mitte der Neunzigerjahre des

vorigen Jahrhunderts fuhr ich

mit Bob Didonato durch die

US-Staaten Pennsylvania, Ohio,

Kentucky und West Virginia. Bob

war Professor an der Miami University in

Oxford, Ohio, er unter richtete deutsche

Literatur und deutsche Sprache, die Studenten

liebten ihn wegen seiner unkonventionellen

Einfälle. Er sagte, er wolle mir

Dinge zeigen, die in keinem Fremdenführer

aufgeführt seien, die aber für das Selbstverständnis

und das Selbstbewusstsein

der Amerikaner große Bedeutung hätten

– „eine sub kutane Bedeutung“, so drückte

er sich aus. Was er darunter verstand,

demonstrierte er mir in New Concord, einem Dorf im

Muskingum County in Ohio, das sich durch nichts von

den umliegenden Dörfern unterschied, eingerahmt

von Tankstellen und Fast-Food-Lokalen. Die Ausfahrtsstraße

im Norden führte an einem schmalen Fluss entlang

– dem Fox Creek, wie mich Bob unterrichtete.

Irgendwann hielt er an. Wir gingen auf einem Seitenweg

in ein lichtes Wäldchen, nach einer Meile blieb

er stehen und sagte:

„Hier ist es.“

„Was?“, fragte ich.

„Genau hier“, flüsterte er.

„Bob“, sagte ich, „was ist hier? Und warum flüsterst

du?“

„Hier hat er gelegen“, flüsterte er weiter.

„Wer, verdammt noch mal!“

„John Glenn.“

John Glenn – der große John Glenn – war der erste

Mensch, der die Erde gesehen hat, wie ich den Globus

sehe, der auf meinem Schreibtisch steht: als eine

vorwiegend blaue Kugel. Er war der erste Mensch,

der unsere Erde in einer Umlaufbahn umkreist hat.

Dreimal. Er allein. Die längsten und zugleich kürzesten

vier Stunden, 55 Minuten und 23 Sekunden,

MICHAEL KÖHLMEIER

Der Vorarlberger

Bestseller-Autor gilt

als bester Erzähler

deutscher Zunge.

Zuletzt erschienen:

„Die Märchen“,

816 Seiten,

Carl Hanser Verlag.

die jemals ein Mensch durchlebt hat.

Das war am 20. Februar 1962 gewesen.

Nein, der erste Mensch im All war

er nicht. Viele Amerikaner wollten das

zwar glauben. Und viele wollten damals

glauben, seine Mission diene in erster Linie

der Wissenschaft. So war es aber nicht.

John Glenn war eine politische Trumpfkarte

im Wettstreit mit der Sowjetunion.

Ein Jahr zuvor nämlich, am 12. April 1961,

hatte der russische Astronaut Juri Alexejewitsch

Gagarin die Erde als tatsächlich erster

Mensch, jedoch nur einmal, umrundet,

sein Flug dauerte 108 Minuten. Damit hatte

der verteufelte Kommunismus das glorreiche

Amerika, das Land der unbegrenzten

Möglichkeiten, das sich allen Nationen überlegen

fühlte, in die Schranken verwiesen. Die Kränkung war

so bitter, dass manche amerikanische Zeitungen und

Rundfunkanstalten gar nicht darüber berichteten.

Nun also die Revanche.

Um 9 Uhr 47, Ostküstenzeit, startete die Atlas-Rakete,

an deren Spitze der vierzigjährige Astro naut

John Herschel Glenn saß. Er selbst hatte sich

gewünscht, dass seine Mission „Friendship“ genannt

würde. Die Schüler durften an diesem Tag zu Hause

bleiben, die meisten Betriebe unterbrachen die Arbeit

für eine oder zwei Stunden, Präsident Kennedy saß

wie Millionen andere Amerikaner vor dem Fernseher

und sah sich mit klopfendem Herzen an, wie die

gigantische Rauchwolke über der Cape Canaveral Air

Force Station in Florida in den Himmel quoll und aus

ihr der haardünne Kondensstreifen der Rakete höher

und immer höher schoss. Der Sprecher im Fernsehen

verkündete: „Oberstleutnant Glenn ist soeben mit

seiner Rakete in die Erdumlaufbahn gestartet. Bitte

beten Sie für ihn.“

Gegen fünfhundert Konkurrenten hatte Glenn

sich durchgesetzt, und er hatte nicht die besten

MICHAEL KÖHLMEIER BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT GETTY IMAGES (2)

98 THE RED BULLETIN


Voraussetzungen. Sein größter Nachteil gegenüber

den anderen Anwärtern war sein Alter. Ein Vierzigjähriger

sei körperlich nicht mehr auf der Höhe, ein

solches Unternehmen aber verlange das Äußerste.

So hieß es. Glenn konnte mithalten. Er bestand in den

Dunkelräumen bei stundenlanger Schwärze und absoluter

Stille; er hielt in der Hitzekammer aus, gegen

die eine Sauna eine kühle Veranda sei, wie einer der

Kandidaten witzelte; auch minutenlanges Ausharren

im Eiswasser konnte ihm nichts anhaben, und die Zentrifuge

und die Rüttelmaschine verließ er breitbeinig

zwar, aber ohne zu wanken und ohne dass er sich –

wie die meisten seiner Kollegen – übergeben musste.

Mental, so hieß es, war John Glenn allen überlegen.

Und darauf komme es an. Man könne unten auf dem

Boden trainieren und simulieren, so viel man wolle,

niemand sehe voraus, was einen dort oben alles erwarte.

Und dann seien nicht allein Muskeln und Sehnen

gefragt, sondern Intelligenz, Kaltblütigkeit und

Selbstbeherrschung. Über diese Fähigkeiten verfügte

Oberstleutnant John Herschel Glenn. Am Ende der

Mission musste er diese Fähigkeiten beweisen.

THE RED BULLETIN 99


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

Ich greife vor: Bevor er die Umlaufbahn um die Erde

verließ, um in die Erdatmosphäre einzutauchen,

schlug ein System Alarm. Der Keramikschild, der die

Kapsel vor dem Verglühen bewahren sollte, schien

sich zu lösen. Wenn das geschähe, wäre der Astronaut

nicht mehr zu retten. Glenn behielt die Nerven, von

der Bodenstation aus konnte der Schaden behoben

werden, allerdings musste er die Landung händisch

steuern – Intelligenz, Kaltblütigkeit und Selbstbeherrschung.

Zu diesen Begriffen würde in Zukunft eine

ganze Generation den Namen John Glenn assoziieren.

Angst und Panik konnten ihm nichts anhaben.

Diese Gefühle ließ er nicht zu, er besiegte sie, triumphierte

über sie. Mit einem anderen Gefühl aber hatte

er nicht gerechnet, und kein Techniker unten auf der

Erde, kein Psychologe, der Priester nicht, nicht einmal

Anna Margaret, Johns Ehefrau, die ihm schon im Alter

von fünf Jahren das Ja-Wort fürs Leben gegeben hatte,

nicht einmal sie hatte damit gerechnet: Heimweh.

Durch das winzige Fenster der Raumkapsel blickte

er hinunter auf die Erde, er konnte ihre Rundung

sehen, er geriet in heilige Verzückung, als sich

unter ihm der blaue Pazifik dehnte, er sah Hawaii,

sah die Perlenkette Japan, sah die goldenen Weiten

der asia tischen Wüsten, sah die Gipfel des Himalaya,

sah Europa, klarer als auf jeder Landkarte. Und dann

sah er die Küste von Amerika. Er war allein, er traute

sich nicht, laut mit sich selbst zu sprechen, weil er

dachte, die Bodenstation höre zu. Er wollte singen.

Ihm fiel ein, wie er als Kind in dem Wald am Fox Creek

gespielt hatte, er war aufgewachsen in New Concord.

Wie glücklich war er gewesen, er, ganz mit sich allein.

Wenn er im Sommer unten beim Bach die Libellen beobachtet

hatte, manche ganz nahe. Wenn er über die

schillernden Farben ihrer Flügel gestaunt hatte, die

sich in den Spiegelungen des Wassers änderten. Wenn

er das feuchte Moos gerochen hatte, kein Parfum

konnte damit konkurrieren. Sogar an die Moskitostiche

erinnerte er sich gern, zu Hause rieb seine Mutter

die betreffenden Stellen mit Zitronensaft ein. Da habe

er begriffen – erst viele Jahre nach diesem großen

Menschheitsabenteuer erzählte er einer Journalistin

davon –, da habe er begriffen, dass Alleinsein das

Schönste auf der Welt sei, allein mit sich und seinen

Gedanken, seinen Träumen, seinen Gedankenspielen

weit voraus in eine Zukunft, seine Zukunft.

„Aber doch nur“, sagte er der Reporterin ins

Mikrofon, „wenn du auf den Wegen gehst, auf denen

du schon oft gegangen bist, auf denen Menschen

gegangen sind, die du liebst oder hasst, die dir Gutes

oder Böses wollen. Wenn du die Wegbiegung dort

vorne kennst, wenn du die riesige Fichte dort drüben

kennst, wenn du die Steine kennst, auf die du dich setzen

und mit den nackten Füßen im Bach plantschen

kannst.“ Einsamkeit sei dagegen etwas anderes. Er

habe geglaubt, sein Herz breche entzwei: Wenn ich

nie wieder, nie wieder … Die Einsamkeit, das wisse er

nun, sei das Entsetzlichste.

Mit einem Gefühl hatte

der Astronaut John

Glenn nicht gerechnet:

Heimweh.

Er war glücklich gelandet, war als Held gefeiert

worden. Im Triumphzug fuhr er durch New York,

hunderttausend Menschen jubelten ihm zu. Präsident

Kennedy bat ihn um seine Freundschaft und warb mit

ihm für seine Politik. Er tourte durch das Land, hielt

Vorträge, wurde zu Fernsehshows eingeladen – er hatte

Amerika den Stolz zurückgegeben. Er war ein Star.

Als er an Bord des Schiffes, das ihn und seine

Kapsel aus dem Meer geborgen hatte, aus dem Raumanzug

stieg, hatte ihn der Kapitän gefragt: „Sir, was

gedenken Sie als Erstes zu tun?“

Glenn antwortete: „Ich möchte nach Hause.“

Zu Hause fragte ihn Anna Margaret: „John, was

willst du als Erstes tun?“

Er antwortete: „Ich möchte nach Hause.“

Sie wusste, was er meinte, sie fragte: „Soll ich dich

begleiten?“

Nein, sagte er, er wolle allein sein. Und sie wusste

wieder, was er meinte.

Er setzte sich in seinen Wagen und fuhr nach New

Concord, das war nicht weit. Er spazierte am Fox

Creek entlang bis zu dem Wäldchen. Und dort legte er

sich bäuchlings mitten auf den Weg. Breitete die Arme

aus, als wolle er den Globus, die Welt, die ganze Welt,

nämlich unsere Erde, umarmen und küssen.

So hat man ihn gefunden“, erzählte mein Freund

Bob Didonato. „Ach, du wirst es nicht glauben“,

sagte er, „ein junger schwarzer Musiker fand ihn.

Er meinte, er sei tot. So wie er dalag. Ohne Regung.

Die Lippen auf den Lehmboden gepresst. Der Musikant

– glaub mir, es ist die Wahrheit –, er muss wohl

ein frommer Mann gewesen sein, er kniete sich nieder

und betete, betete für die Seele dieses Mannes, der da,

ganz allein, ohne jeden Beistand, einsam, mitten auf

dem Weg nahe dem Fox Creek gestorben war. Aber er

war nicht gestorben. Er ist aufgestanden – auferstanden,

sozusagen.“

„Und das ist hier geschehen?“, fragte ich. „An dieser

Stelle, genau hier?“

„Genau hier“, sagte Bob.

„Woher weißt du das?“

„Jeder weiß es, jeder hier in New Concord, jeder

in Muskingum County. Frag, wen du willst.“

„Das werde ich“, sagte ich.

Und ich tat es. Ich fragte in einem Coffeeshop, ich

fragte eine Frau auf der Straße, ich klopfte an Türen

und fragte, ich fragte Kinder auf dem Spielplatz. Alle

bestätigten, was Professor Bob Didonato mir erzählt

hatte.

100 THE RED BULLETIN


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Königsklasse der Allmountain- Bikes:

Das E-Fully Stereo Hybrid 140 HPC TM

besticht mit Carbonrahmen und ausgeklügeltem

Hinterbau für mehr Laufruhe.

Support kommt vom Bosch

Performance CX Motor mit

85 Nm und 625-Wh-Akku.

Federweg: 150 mm.

€ 5.249,00

Aufgepasst:

Aufgrund

der hohen

Nach frage

können die

abgebildeten

E-Bikes schnell

vergriffen sein!

Fotos: Cube, Hersteller


Bike

6

1 Das Herren-Shirt Trail

Tuned kühlt den Körper.

€ 79,95

1

2 Die Herren-Short Trail

Tuned mit 4-Wege-Stretch.

€ 149,95

5

3 Griffbereit: der Handschuh

Traction Tuned.

€ 39,95

2

4

4 Der Rucksack Trail

Protect Airflex schützt

mit Rückenprotektor.

€ 199,95

5 Der Helm Stego Plus

behütet erstklassig.

€ 199,95

3

6 Die Brille Fury schützt

auf wilden Spritztouren.

€ 79,95

Die Champions League: Das

E-Mountainbike Genius

eRide 900 Tuned überzeugt

mit kompromisslosen Rides

auf schwierigem Terrain.

Seine Hightech spricht für

sich: Bosch Performance CX

Motor, 625-Wh-Akku, Fox

Fahrwerk und SRAM Schaltwerk.

Federweg: 160 mm.

€ 8.199,00

Entdecken Sie die

10 schönsten E-Bike-

Destinationen auf:

www.gigasport.at/

blog

Ausritte mit Ausdauer: Das

E-Mountainbike Contessa

Active eRIDE 910 vereint

wilde Offroad-Power mit

der Stromkraft des 625-Wh-

Antriebssystems von Bosch.

Der Rahmen ist der weiblichen

Anatomie angepasst.

Federweg: 120 mm.

€ 3.399,00


Run & Fitness

Laufschuhtest 2021

Der Schuh

passt

Die neuen Laufschuhmodelle sind da!

Hier finden Sie garantiert Ihren idealen

Begleiter für die kommende Saison.

LAUF-GLOSSAR

Pronation

Die natürliche Einwärtsbewegung

des

Fußes beim Laufen.

Überpronation

Zu viel des Guten!

In der Folge knickt

das Fersenbein nach

innen.

Supination

Das Gegenteil: Hier

knickt das Fersenbein

nach außen,

weil der Fuß nach

außen dreht.

FÜR AMBITIONIERTE

In der überarbeiteten Zwischensohle vereint der Ricochet 3 dynamischen

Abstoß mit weichem Aufprall. Das flexible, atmungsaktive Strickobermaterial

verfügt über ein weiches Innenfutter für hohen Komfort und Stabilität.

€ 140,00

Sprengung

Höhenunterschied

zwischen Ferse und

Vorderfuß. Eine

hohe Sprengung

eignet sich für

Läufer, bei denen

Sehnen oder

Waden muskulatur

verkürzt sind.

Dämpfung

Minimiert den Aufprall

und die Belastung

der Gelenke.

Aber vorsicht: Je

nach Trainingsstand

kann zu starke

Dämpfung die Wahrnehmung

des Untergrunds

verwaschen

und die Reaktionsfähigkeit

verringern.

FÜR

KOMFORTABLE

DAUERLÄUFE

OPTIMALE DÄMPFUNG

Das Primeknit+ Obermaterial des Ultraboost 21 passt sich optimal an den

Fuß an. Gleichzeitig gewährt die Boost Dämpfung maximale

Energierückgewinnung und die Continental Gummisohle starke Bodenhaftung.

€ 180,00

Fotos: Brooks/Denni van Huis, Hersteller


Run & Fitness

KÖNIG DER KURZSTRECKE

Mit der Flytefoam Technologie erlaubt der Gel DS Trainer 26 eine schnelle

Reaktion, und die Propulsion Trusstic Technologie in der Außensohle schafft

einen starken Hebel, um den Schritt voranzutreiben.

€ 140,00

LOCKER LÄNGER LAUFEN

Die Laufschuhe

von Asics können

einander ergänzen:

Der Gel Nimbus 23

verfügt über eine

stärkere Dämpfung

und eignet sich

deshalb für längere

Strecken, während

der Gel DS Trainer 26

gut als Zweitschuh

für kürzere Distanzen

fungiert und dabei

die Gelenke trainiert.

Gel und Flytefoam Technologie verstärken den Rückstoßeffekt des

Gel Nimbus 23, dessen atmungsaktives Obermaterial aus Monofil

sich ausgezeichnet an den Fuß anschmiegt und für hohen Komfort sorgt.

€ 180,00

So bringen Sie

Abwechslung

in Ihr

Lauftraining:

www.gigasport.at/blog

VEGAN PRODUZIERT

Der Vorfuß­L­Schaumpolster optimiert die Energierückgabe und das

Abrollverhalten des Marlin, die Fersenkissen absorbieren selbst starke Stöße,

und das Obermaterial besteht zu 100 % aus recycelten Plastikflaschen.

€ 160,00

ERHÄLTLICH

NUR ONLINE

AB APRIL!


Swim & Beach

Stand-Up-Paddling

Alle an

Board!

Stehpaddeln hat in den letzten

Jahren einen erstaunlichen

Siegeszug durchlaufen und erfreut

sich bei Sportlern ebenso großer

Beliebtheit wie bei Genusspaddlern.

Das EVA-Deck des

SUP-Sets Palm Red

sorgt mit hochwertigem

Drop stitch-Material für

hohen Komfort und beste

Traktion sowie für ausgewogene

Volumenverteilung.

Im Set inkludiert:

Tasche, Pumpe, Paddel

und Reparaturset.

€ 429,99

Der strapazier fähige

Neoprenanzug

Gipsy für Damen

besteht aus einer

4/3 mm starken

Neoprenschicht.

Gr.: S–L.

€ 49,99

Die Herrenversion

Rebel. Gr.: S–XXL.

€ 49,99

Wie Sie SUP

mit Yoga

verbinden

können, lesen

Sie unter:

www.gigasport.at/blog

VICTOR AWARD 2020

Im Dezember ging der begehrte

#Victor2020 in der Kategorie

Sporthändler des Jahres an Gigasport.

Wir sagen DANKE!

Fotos: Fanatic

BEST OF GIGASPORT

Jetzt 92 Seiten mit den Sport-Highlights der Saison und spannenden Storys

druckfrisch in Ihrer Gigasport-Filiale und auf: www.gigasport.at/best-of


IMPRESSUM

THE RED

BULLETIN

WELTWEIT

Aktuell erscheint

The Red Bulletin

in sechs Ländern. Die

„Adventure Issue“ unserer

US-Ausgabe feiert diesen

Monat Abenteuer auf

Amerikas Gipfeln und in

der faszinierenden Unterwasserwelt

Mexikos.

Mehr Geschichten abseits des

Alltäglichen findest du auf:

redbulletin.com

Gesamtleitung

Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.)

Chefredaktion

Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.)

Creative Direction

Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.)

Art Direction

Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson

Grafik

Martina de Carvalho-Hutter, Cornelia Gleichweit,

Kevin Goll

Fotoredaktion

Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.),

Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör

Digitalredaktion

Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Lisa Hechenberger,

Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan

Head of Audio

Florian Obkircher

Special Projects

Arkadiusz Piatek

Managing Editors

Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann

Publishing Management

Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Anna Wilczek

Managing Director

Stefan Ebner

Head of Media Sales & Partnerships

Lukas Scharmbacher

Head of Co-Publishing

Susanne Degn-Pfleger

Projektmanagement Co-Publishing,

B2B-Marketing & Communication

Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz,

Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B),

Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner

(Communication)

Creative Services

Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka,

Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart

Commercial Management Co-Publishing

Alexandra Ita

Editorial Co-Publishing

Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann,

Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser

Executive Creative Director

Markus Kietreiber

Projekt Management Creative

Elisabeth Kopanz

Art Direction Commercial & Co-Publishing

Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer,

Martina Maier, Andreea Parvu, Alexandra Schendl,

Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie

Weidinger, Stephan Zenz

Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm,

Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar

Anzeigenservice

Manuela Brandstätter, Monika Spitaler

Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.),

Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig

Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis,

Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher

Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger

MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler

Operations Melanie Grasserbauer,

Alexander Peham, Yvonne Tremmel

Projekt Management Gabriela-Teresa Humer

Assistant to General Management Sandra Artacker

Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer

Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien

Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809

Web redbulletin.com

Medieninhaber, Verlag & Herausgeber

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Österreich, ISSN 1995-8838

Länderredaktion

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Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-

Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham,

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Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner,

Ines Gruber, Thomas Gubier,

Daniela Güpner, Wolfgang Kröll,

Gabriele Matijevic-Beisteiner,

Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher,

Jennifer Sabejew, Johannes

Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-

Sochor, Ute Wolker, Christian

Wörndle, Sabine Zölß; Kristina

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THE RED BULLETIN 109


N I C O L A S M A H L E R S

S P I T Z F E D E R L I C H E S C H A R A K T E R - K A B I N E T T

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 11. Mai 2021.

NICOLAS MAHLER

110 THE RED BULLETIN


1,5˚

1,5°C sind mehr als eine Temperatur. Sie sind durch das Pariser

Abkommen ein Ziel – eine gemeinsame Vision, um unseren

Planeten zu retten. Mit Glacier können Unternehmen konkret,

einfach und effektiv Klimaschutzmaßnahmen setzen. Schritt

für Schritt für dieses gemeinsame Ziel.

save the planet #supersimple

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Schritt unter

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