P+G 04/21

holzmannverlag

ZKZ 77125

Mai 2021 | No.4

Drei Marken-Strategien

Nordische

Kreativität

Culinic

Vom Youtuber

zum Händler

Consumer Goods Digital Day

Viel Know-how von

der Messe Frankfurt

100. Geburtstag

Alessi legt

100 Values

Collection

auf

Inklusive 6 Seiten

Handel und Industrie:

Gemeinsam digitalisieren


HANDEL

Im Sommer 2020 eröffnete

Matthias Schwarz das

Geschäft in Prien.

Culinic: Spannendes Konzept in Prien am Chiemsee

Vom Youtuber zum

Küchenhändler

Fotos: Culinic, Matthias Schwarz

Der Youtube-Koch Matthias Schwarz hat seinen Online-Shop um ein stationäres

Geschäft erweitert und mitten in der Corona-Pandemie eröffnet. Kann das gut gehen?

„Sehr gut sogar“, sagt der engagierte Unternehmer und gewährt uns einen Einblick in

seine Geschäftsräume, sein Konzept und seine Visionen.

Wir schreiben den 24. September

2020. Normalerweise hätte

heute die Einweihung von

„Culinic – Kochen & Wohnen“

mitten in Prien am Chiemsee mit vielen Gästen,

Pressevertretern und einer großen Party

stattgefunden. Normalerweise, doch leider

hat die Corona-Pandemie Deutschland und

die ganze Welt fest im Griff. Trotz der widrigen

Umstände hat sich Matthias Schwarz entschlossen,

das Geschäft zu eröffnen – „ohne

viel Tamtam“, wie er sagt.

„Ein komisches Gefühl war es schon, so

ganz ohne richtigen ‚Startschuss’. Ich habe

mir das definitiv anders vorgestellt, aber es

war eben nicht möglich“, erzählt er. Dass

der Laden trotz der fehlenden großen Eröffnungsparty

sehr schnell gut angenommen

wurde, verdankt Matthias Schwarz erstens

der guten Lage mitten in Prien am Chiemsee.

Zweitens einer geschickten Marketing-Strategie,

die alle Passanten von Beginn an neugierig

gemacht hat: Die großen Schaufenster

wurden direkt nach der Unterzeichnung des

12 P&G 04 | Mai 2021


Mietvertrags vollflächig mit Plakaten versehen,

die schon einen kleinen Vorgeschmack

auf das gaben, was kommen sollte. Von

einem Tag auf den anderen wurden dann

„die Hüllen fallen gelassen“ und der Blick

auf echte Hingucker gewährt, wie beispielsweise

einen knallroten Fiat 500-Kühler von

Smeg. Und last but not least trug natürlich die

Bekanntheit, die Matthias Schwarz schon vor

der Eröffnung des Ladens erreicht hatte, zum

erfolgreichen Start bei: Der gelernte Koch ist

nämlich das Gesicht des sehr erfolgreichen

YouTube-Kanals „culinic“. Doch fangen wir

von vorne an.

Matthias kocht

Als der gelernte Koch Matthias Schwarz 2014

mit seinem Youtube-Kanal online ging, wollte

er lediglich seine zwei großen Leidenschaften

verbinden: Kochen und Video. In seiner

Online-Kochschule „Matthias kocht“ vermittelte

er Basics und gab Profitipps weiter. Als

Schwarz eine Küchenmaschine geschenkt

bekam, hatte er die nächste zündende Idee:

Zusätzlich zu seinen Kochvideos begann er

auf Youtube, Küchentechnik zu testen – und

traf damit einen Nerv. Seine Follower-Zahlen

schnellten in die Höhe. „Denn im normalen

Elektrofachgeschäft kann man ein Gerät ja

nicht in Aktion sehen“, sagt Matthias Schwarz.

Und so wurde aus der Internet- Kochschule

ein viel geklicktes Online-Testcenter für

Küchentechnik, aus „Matthias kocht“ wurde

„culinic – cooking loves technique“.

Der Moment, in dem eine Followerin ihn

bat, ein Produkt des italienischen Herstellers

Smeg zu testen, sollte erneut ein Wendepunkt

für Matthias Schwarz sein. „Die Geräte

von Smeg sind nicht nur ein echter Blickfang

in der Küche, sondern haben einfach eine

Das exklusive Sortiment

umfasst auch Textilien

und Polstermöbel.

tolle Qualität. Ich würde nichts promoten, hinter

dem ich nicht hundertprozentig stehe.“

Sein Video zur Smeg-Küchenmaschine bescherte

Schwarz einen weiteren Schub an

Reichweite. Inspiriert von diesem Erfolg,

ergänzte er seinen Videokanal um einen

Onlineshop. Hier verkauft er die von ihm

getesteten und für gut befundenen Produkte

– neben den Hausgeräten von Smeg auch

Küchenmöbel sowie mobile Pizzaöfen und

hochwertige Grillgeräte.

Der Onlineshop lief schließlich so gut, dass

die bestehende Infrastruktur für Lager und

Versandlogistik an ihre Grenzen stieß. „Wenn

schon expandieren, dann aber vernünftig –

und das Sortiment um Küchen und Möbel

erweitern“, sagte sich Matthias Schwarz 2019

und begab sich auf die Suche nach einer

geeigneten Fläche.

Exklusives Sortiment

Prien am Chiemsee zeigte sich für den umtriebigen

Geschäftsmann als attraktiver Standort.

„Es gibt noch mehrere inhabergeführte

Läden, zwischen denen auch ein gewisser

Zusammenhalt besteht. Die Gemeinde und

das Umland sind als Urlaubs- und Freizeitregion

bekannt. Warum also das Geschäft

nicht dort eröffnen, wo sich Menschen sowieso

gerne aufhalten und sich auch immer

gerne aufhalten werden? Der Besuch bei uns

kann mit einzigartigen Aktivitäten verbunden

werden und ist daher auch für überregio nale

Kunden interessant“, begründet Matthias

Schwarz die Ortswahl.

Der Laden mitten in der idyllischen Marktgemeinde

ließ ihn alle seine Ansprüche umsetzen:

Er ist Büro, Lager, Video-Drehort und

Verkaufsfläche in einem. Auf den ca. 180 qm

Fläche plant Matthias Schwarz Traumküchen

und bietet Küchen und Möbel von Noodles,

Noodles & Noodles Corp. an sowie Möbel

einer regionalen Möbelschreinerei, die die

Küchen-Planungen von Matthias Schwarz

umsetzt. Hinzu kommen Küchengeräte von

Smeg, Produkte von Villeroy & Boch und

Quooker, portable Pizzaöfen von ooni, Grillgeräte

von Everdure und Yakiniku sowie

Küchenmaschinen von Ankarsrum und bald

auch Kaffeemaschinen von La Pavoni.

Die exklusive Auswahl stellt Matthias

Schwarz mit Bedacht zusammen. „Das Sortiment

sollte schon eine gewisse ‚Einzigartigkeit’

haben. Etwas, was man nicht überall

bekommt. Außerdem sind für mich Qualität,

Verarbeitung und Design ausschlaggebende

Kriterien. Ich probiere jedes Produkt aus,

bevor ich es in das Sortiment aufnehme.

Auch wenn es aktuell noch nicht zu jedem

Artikel ein Video gibt: Ich habe zumindest

Küchenmöbel im Industrial-Look

treffen auf die Hausgeräte von Smeg.

Das Sortiment

sollte schon eine

gewisse Einzigartigkeit

haben.

Etwas, was man

nicht überall

bekommt.

Culinic setzt auf

Wohlfühl- Atmosphäre.

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INDUSTRIE

Drei außergewöhnliche Lifestyle-Marken im Portrait

Nordische Kreativität

Kreativer Kopf:

Firmengründer

und CEO Anders

Färdig (o.).

Rechts: Wie in

einem Eisblock

erstarrt: die

„Blocklamp“.

Skandinavischer Lifestyle ist gefragter denn je. Grund genug für Design

House Stockholm, Broste Copenhagen oder Menu, Einrichtungskonzepte

mit individueller Handschrift und höchster Designkompetenz zu kreieren.

„P&G“ stellt das Besondere der drei Labels vor.

Design House Stockholm: Internationaler Austausch

Viele Knoten geknüpft

In Frankfurt

betreibt Design

House Stockholm

einen Flagship

Store (l.) . Im

November wurde in

Stockholm eine

neue Dependance

eröffnet.

Was kennzeichnet typisch skandinavisches

Design? Für Anders Färdig

ist das keine Frage der Herkunft

des Gestalters, sondern eine Formen sprache

von zeitloser Anmutung und herausragender

Qualität. Mit diesem Anspruch gründete er

1992 das Design House Stockholm. Hinter

dem Unternehmen steckt eine ungewöhnliche

Idee: „Es arbeitet wie eine Art Verlagshaus

für unabhängige Designer, die völlig

frei ihre Ideen präsentieren. Entscheidend

ist, dass nicht die Produktion

die Bedingungen für ein Design und

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Passt ideal in die Zeit: Mit dem

„Greenhouse“ kann sich jeder

seinen Minigarten in der

Wohnung gestalten.

dessen Auswahl vorgibt, sondern der Entwurf

selbst im Zentrum des Entstehungsprozesses

steht“, heißt es in der fast 30-jährigen

Firmenphilosophie. Aus dieser maximalen

gestalterischen Freiheit ist bereits eine

Vielzahl innovativer Objekte und moderner

Design-Klassiker entstanden – Arbeiten mit

kreativer Substanz, mit starker Persönlichkeit

und einzigartigem Charakter, wie der „Wick

Chair“, das Indoor-Gewächshaus „Greenhouse“

oder die „Knot Cushions“ (links unten).

Genauso international wie die Schar der

Kreativen, zu denen auch französische,

deutsche, australische, amerikanische oder

chilenische Designer gehören, wird die Fertigung

weltweit an verschiedenen Standorten

organisiert: Möbel entstehen derzeit vor allem

in Schweden und Vietnam, die Teppiche

in Indien, Accessoires in Litauen/Thailand/

China, Lampen in Polen und Fashion in

Schweden. Global ist auch das Vertriebsnetz

mit einem Fokus vor allem auf Europa, Nordamerika

und Asien.

www.designhousestockholm.com

Menu: Lernplattform „The Audo“

Die Welt ein bisschen

schöner machen

„Wir erwarten für die

kommende Zeit eine wirklich

aufregende Entwicklung “,

sagt CEO Danny Feltmann

Espersens. Unten: „Bottle

Grinder Gewürzmühlen“.

Links: „Échasse Vase“ und

Tisch „Androgyne“.

Klar, modern mit skandinavischen

Wurzeln: Menu ist angetreten, „die

Welt ein bisschen schöner und unkomplizierter

zu machen“. So lautet die

Philosophie des 1978 von Bjarne Hansen

gegründeten Unternehmens, das heute zu

Polaris Private Equity gehört. Das Portfolio

umfasst Möbel und Leuchten genauso wie

Wohnaccessoires und Haushaltsartikel, wie

die markante Gewürzmühle in Flaschenform,

die längst zu einem modernen Klassiker

avanciert ist. Wie übrigens so manche

Produktidee. Obwohl Mobiliar erst seit 2014

zum Sortiment zählt, macht dieser Bereich

den Löwenanteil mit 48 Prozent vom Umsatz

aus, während Accessoires (27 Prozent)

und Licht (25 Prozent) ungefähr gleich verteilt

sind. Smarte, clevere Lösungen mit

hohem emotionalem Potenzial bilden die

Basis für den Erfolg – sowohl im privaten

als auch im Objektbereich. 2019 eröffnete

die Marke am Kopenhagener Nordhavn ihren

außergewöhnlichen Showroom namens

„The Audo“, der als Inspirationsquelle für

die Lifestyle-Welt dienen soll. Dort kommt

auch das Herzstück des Unternehmens, die

Partnerschaft mit kreativen Designern, zum

Ausdruck. www.theaudo.com

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TITELSTORY

Alessi: Feiert 100-jähriges Firmenjubiläum

Buon compleanno!

Die italienische Designschmiede wird 100!

1921 in Omegna gegründet, entwickelte sich die

Werkstatt, die sich zunächst auf die Bearbeitung

von Messing und Neusilberplatten spezialisiert

hatte, spätestens mit dem Einstieg von Alberto

Alessi im Jahr 1970 zur weltbekannten „Dream

Factory“. „P&G“sprach mit ihm über den runden

Geburtstag, die Werte des Unternehmens und die

ganz besondere Designsprache von Alessi.

Alberto Alessi (o.l.), President.

Die „Alessi 100 Values Collection“:

Zum Jubiläum legt Alessi

einen Teil der „Twergi“-Serie

(Design Ettore Sottsass) neu

auf. Diese steht für den ersten

Gründungswert von Alessi,

die „industrielle Handwerkskunst“.

Im Bild: Die Salz-/

Pfeffer- und Gewürzmühle

aus Buchenholz.

P&G: Herzlichen Glückwunsch zum 100-

jährigen Firmenjubiläum, Herr Alessi! Was

bedeutet das für Sie?

Alberto Alessi: Vielen Dank! Wir feiern das

100-jährige Bestehen von Alessi, aber ich

möchte mich nicht zu sehr darauf konzentrieren,

dass es das Unternehmen schon so lange

gibt. Ich bin viel mehr daran interessiert, dass

unser Unternehmen weiterhin neue Ideen in

unsere Zeit bringt. Das Jubiläum ist nicht nur

die Gelegenheit, einen Meilenstein zu feiern,

sondern es ist ein Moment, um seine Grundwerte

zu verdeutlichen.

P&G: Apropos Grundwerte. Können Sie uns

mehr über das Projekt „Alessi 100 Values

Collection“ erzählen?

Alberto Alessi: Die „Alessi 100 Values Collection“

ist eine Initiative zum 100. Geburtstag,

die über die Grundwerte der Designqualität

des Unternehmens spricht. Wir haben begonnen,

darüber nachzudenken, welche Werte

die Praktiken von Alessi als Unter nehmen

charakterisieren. Und Schritt für Schritt

kamen diese zwölf Werte heraus. Zwölf Werte,

zwölf Monate, zwölf unveröffentlichte Projekte

mit tiefgreifenden Wurzeln. Objekte, die nie

realisiert wurden, Forschungsmuster, neue

Versionen von Klassikern: Einige werden

Teil des Katalogs, andere werden in einer

limitierten Auflage erhältlich sein.

P&G: Was hat es mit dem ersten Wert

„Industrial Craftmanship“ auf sich?

Alberto Alessi: Der erste Gründungswert, den

wir benannt haben, ist industrielle Handwerkskunst.

Denn das allererste Projekt wurde von

der Handwerkskunst der Herstellung kleiner

Holzobjekte inspiriert.

Wir sind weder eine Massenproduktionsfirma,

noch sind wir Handwerker. Unsere Natur

ist mehrdeutig, wir liegen dazwischen. Fast alle

Produktionsvorgänge zur Herstellung unserer

Produkte werden maschinell ausgeführt, aber

diese Maschinen werden mit einer handwerklichen

Seele eingesetzt. Um diese industrielle

Handwerkskunst darzustellen, nehmen wir eine

Reihe von Objekten aus der Twergi-Sammlung

neu auf, die 1989 von Ettore Sottsass, Andrea

Branzi, Kuno Prey und Bertolani Becchelli

Associati hergestellt wurde.

P&G: Sie haben Alessi im Jahr 1970 übernommen.

War für Sie schon immer klar,

dass Sie im Familienunternehmen arbeiten

werden?

Alberto Alessi: Mein Interesse galt der Kunst

und der Architektur, eigentlich wollte ich

einen Abschluss in Architektur machen, aber

mein Vater war dagegen. Er wollte, dass ich

Wirtschaft studiere – als Kompromiss besuchte

ich die juristische Fakultät der Universität.

Nach meinem Eintritt bei Alessi war mir

klar, dass Design eine akzeptable Lösung

sein könnte, eine Alternative zur grauen

Atmosphäre einer Metallbearbeitungsfabrik…

Meine Karriere bei Alessi begann offiziell

im Juli 1970, einen Tag nach meinem Jurastudium.

Mein Vater hat mich sofort dazu

gebracht, an neuen Projekten zu arbeiten, und

ich habe mich in den Job gestürzt.

P&G: Welches ist Ihr persönliches Lieblings-Produkt?

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Fotos: Alessi

Brüder, Mario Trimarchi, Patricia Urquiola und

Marcel Wanders.

Wir sind offen für sehr unterschied liche,

manchmal auch durchaus wider sprüchliche

Sprachen. Wie in einem Verlag möchte ich

die besten Autoren veröffentlichen, unabhängig

von ihrem Credo, aber überzeugt von der

Qualität der Geschichten, die sie schreiben

können.

Alberto Alessi: Ein Projekt, das mir besonders

gefällt, ist die 1979 von Richard Sapper

entworfene Espresso-Kaffeemaschine: Sie

ist die erste Alessi-Espressomaschine und

gleichzeitig das erste Produkt unserer Marke

für die Küche. Darüber hinaus ist es eine

Hommage an meinen Großvater mütterlicherseits,

Alfonso Bialetti, Designer, Produzent

und Erfinder der klassischen Moka

Express. Die Espressomaschine „9090“ hat als

erstes Objekt von Alessi den Preis Compasso

d‘Oro erhalten und es ist das erste Produkt

unserer Firma, das im New Yorker MOMA in

die Permanent Design Collection aufgenommen

wurde.

P&G: Auf was sind Sie in Ihrem Unternehmen

besonders stolz?

Alberto Alessi: Auf die Tatsache, immer noch

im ländlichen Ortasee ansässig zu sein, dort

zu arbeiten und Teil der alten Tradition der

Handwerkskunst des Strona-Tals zu sein.

P&G In den letzten 50 Jahren haben Sie mir

sehr vielen bekannten Designern zusammengearbeitet.

Wie entstehen solche Kollaborationen?

Alberto Alessi: Unser Netzwerk von Architekten

und Designern besteht aus mehr als 300.

Die Alessi-Enzyklopädie enthält unbestrittene

Meister des italienischen Designs – Namen

wie Ettore Sottsass, Achille Castiglioni, Aldo

Rossi, Enzo Mari und Alessandro Mendini. Und

international bekannte Designer, u.a. David

Chipperfield, Richard Sapper, Michael Graves,

Philippe Starck, Stefano Giovannoni, Guido

Venturini, Jasper Morrison, die Campana-

P&G Was muss ein Produkt unbedingt

können / welche Design-Vorgaben muss es

erfüllen, um in das Alessi-Sortiment aufgenommen

zu werden?

Alberto Alessi: Die Produkte folgen den Bedürfnissen

des Unternehmens. Wir beschließen

also beispielsweise, dass wir mehr Metallgegenstände

benötigen oder dass wir eine neue

Topf- oder Pfannenkollektion brauchen. Und

dann wählen wir die Designerin/ den Designer

aus, der am besten passt. Es gibt aber auch

Fälle, in denen ein Designer mich anruft und

sagt: „Alberto, ich habe eine fantastische Idee

für dich…“ Wenn er spontan etwas vorschlägt,

kommt es nicht selten vor, dass die Ideen auf

fruchtbaren Boden fallen, auch, wenn wir

das eigentlich gar nicht geplant hatten. Ein

wesentliches Merkmal unserer Produkte ist

außerdem die Poesie: Ein Objekt muss Gefühle

bewegen und unserer Vorstellungskraft

entsprechen.

P&G Was macht das Design von Alessi so

besonders?

Alberto Alessi: Das kulturelle Projekt, das

hinter jedem Schritt meines Unternehmens

steht! Wir teilen nicht die Logik der Massenproduktion,

auch das Wort „Verbraucher“

passt nicht zu uns. Wir schaffen Produkte,

die die Menschen ein ganzes Leben lang mit

Freude begleiten. Ich glaube, gutes Design

ist eine neue Form von Kunst und Poesie,

obwohl es mit industriellen Methoden

geschaffen wurde. Meine Mission ist es, in jedem

neuen Projekt den wahren Geist der Zeit

auszudrücken, in der es geschaffen wurde.

Ich wähle die besten Designer:innen der Welt

aus. Diese sind stolz darauf, mit einer italienischen

Designschmiede zusammenzuarbeiten,

und Alessi wird durch ihre Zusammenarbeit

geehrt.

P&G Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Alberto Alessi: Ich hoffe, Alessi kann sich

sein Dasein als industrielles Forschungslabor

auf dem Gebiet des Designs bewahren. Ich

möchte gerne das Gefühl aufrechterhalten

können, jederzeit mit den besten Talenten

im Designbereich arbeiten zu können.


STEFANIE WOLF

Ikonen: die Zitruspresse

„Juicy Salif“

(Design Philippe Starck)

(l.) der Korkenzieher

„Anna G.“ (Design

Alessandro Mendini)(r.)

und die Espressomaschine

„9090“

(Design Richard Sapper)

(u.). Zu den jüngeren

Stars des Alessi-Sortiments

zählt „Plissé“

(Design Michele

De Lucchi (o.).

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TREND

Seefahrers

Romantik

Als Protagonist endloser lauer Sommerabende

hängen die beiden unterschiedlich

wohlgeformten Glaskörper

von „Lucia“ am liebsten im Set ab.

Vollkommen wachsfrei, betrieben mit

zwei AAA-Batterien, ist ihr warmes

LED-Licht drinnen wie draußen ein willkommener

Begleiter durch die Nacht.

www.philippi.com

Südländische

Atmosphäre

Zu den schönsten Neuentdeckungen

für die Gartensaison 2021 gehören die

„Kalayo“ Feuersäulen der jungen deutschen

Outdoor-Marke GRDN. Die Designobjekte punkten

mit dem Flammenspiel, der Wärme und

Atmosphäre eines natürlichen Holzfeuers.

Cooks

Entdeckergeist

Inspiriert vom Idyll des Cook-Archipels präsentiert

Villeroy & Boch eine Signature Neuheit, die

den klangvollen Namen der heutigen Hauptstadt

der Inseln trägt: Avarua. „Esprit d’aventure“

lautet das Credo dieser exklusiven Kollektion

aus Premium Bone Porcelain

mit Echtgold-Akzenten.

www.villeroy-boch.com

Urlaubsfeeling zu Hause

Ein Hauch

von Exotik

Fernreisen werden auch in diesem Jahr für die meisten noch

nicht möglich sein. Um so mehr steigt die Sehnsucht danach,

sich exotische Dekore und Speisen in die eigenen

vier Wände zu holen. Und auch Outdoor stimmen

die Sortimente auf eine fantastische Route

durch andere Länder ein.

Asiens

Attraktivität

Inspiriert von der gleichnamigen Oper Giacomo

Puccinis, ist der Dekor „Turandot“ aus der

Rosenthal Heritage Collection eine Hommage an

die Chinoiserien des 18. Jahrhunderts.

Pfingstrosenblüten, Bambus und

Ginkgoblätter in zarten Farben

treffen auf goldene Libellen.

www.rosenthal.de

Balkoniens

Reiz

Dank der „Pila“-Pflanzgefäße von

Lechuza wird jeder noch so kleine

Stadtbalkon zum eigenen grünen

Refugium mit reicher Ernte.

www.lechuza.com

36 P&G 04 | Mai 2021


Persiens

Vielfalt

100 alltägliche Gerichte,

die zeigen, wie unkompliziert

persisches Essen ist –

eben „Simply“ – stellte

Sabrina Ghayour für den

Hölker Verlag vor.

www.hoelker-verlag.de

Mediterraner

Charme

Mit „Aperitivo“ von Leonardo lässt

sich ein Gartenfest vom Willkommenssnack

über Antipasti und

Salate bis hin zur Süßspeise perfekt

ausstatten. Auch kühle Getränke

lassen sich damit stilvoll servieren.

www.leonardo.de

Dschungel-Abenteuer

Die Hauptdarsteller in diesem Dschungelbuch sind „Orangutan“

und so heißt auch die Serie von Ambiente Europe. Dort turnen die

Affen auf Tabletts, Teelichtern und Servietten.

www.ambiente.eu

Arabiens Zauber

Die Welt zu Gast in der eigenen Küche: Mit „Taste

Adventure“ startet Le Creuset eine kulinarische Entdeckungsreise

durch ferne Länder und Kontinente.

Erste Station ist Marokko, wo mit Hilfe der Tagine

köstliche Schmorgerichte entstehen.

www.lecreuset.com

Viva

Mexiko

Die Pad-Serie „Roo“ sorgt mit

mexikanisch angehauchten Designs

und einem naturnahen Look für

beste Sommer- und Urlaubslaune.

www.pad-concept.com

Tropischer

Genuss

Um coole Cocktails

sorgenfrei genießen zu

können, hat Mastrad bunte

Drink-Marker parat, damit

die Gläser nicht

verwechselt werden.

www.lrsales-consulting.de

Paradiesisches Flair

Unter Palmen mit Pucci: Rosenthal lässt

die Zusammenarbeit mit der italienischen

Modemarke mit dem Dekor

„Palm Leaves“ neu aufleben.

Abstrakte Interpretationen

in limitierter Auflage.

www.rosenthal.de

P&G 04 | Mai 2021 3 7


MESSEN

Moderator Zackes

Brustik im Dialog

mit Marilyn Repp,

Projektleiterin des

Kompetenzzentrums

Handel.

Messe Frankfurt: Consumer Goods Digital Day

Vom Einzel- zum

Gemeinschaftshandel

Fotos: Messe Frankfurt/Pietro Sutera

Sanjay Sauldie rief den

Handel zu mehr Gemeinsamkeit

auf und auch

dazu, offen zu sein:

„Denken Sie nicht in

Branchensilos.“

Mit welchen Ideen kann der Handel in die Zukunft

gehen? Zu dieser und anderen Fragen gaben die

Vorträge und Diskussionen auf dem zehnstündigen

Consumer Goods Digital Day wertvolle Impulse.

3.658 Teilnehmer – darunter 59 Prozent aus dem Ausland,

aus 93 Ländern – versorgten sich auf dem Live-

Event mit Input für die gewaltigen Herausforderungen.

G

emeinsam vorwärts schauen und

gehen. Mut für Neues und für Veränderung.

Konsequente Orien tierung

an den sich verändernden

Kundenbedürfnissen und Umstellung des

eigenen Geschäfts hin zu digital, bevor es

zu spät ist – das sind die übergreifenden

Botschaften des Events. In der aktuellen

volatilen Situation geprägt von temporären

Ladenschließungen, vorzubuchenden

Besuchstermi nen im Einzelhandel, Neuheitenvorstellungen

via Webkonferenzen und exponentiellen

Zuwachsraten im Online handel

hilft ganz klar nur der konsequente Blick nach

vorne.

Genau zur richtigen Zeit zeigte die Messe

Frankfurt Flagge. Als Überbrückung bis zum

nächsten Messebesuch gab der Consumer

Goods Digital Day dem Handel neue Denkanstöße,

die direkt fürs Business anwendbar

sind.

So eröffnete der vielfach ausgezeichnete

Keynote-Speaker und Digital-Business­

Consultant Sjay Sauldie den informativen Tag

mit einem mitreißenden Plädoyer zur aktiven

Gestaltung der digitalen Transformation. „Wir

müssen lokal gemeinsam handeln, vernetzt

denken mit Händlern in der direkten Nachbarschaft.

Ihr Nachbar ist Ihr Freund, nicht

Ihr Feind“, war sein Appell an die Konsumgüterbranche.

So müsse der Einzelhandel

zum Gemeinschaftshandel werden. Dafür

solle sich der stationäre Handel auf seine

Stärken konzentrieren und zum Beispiel eine

gemeinsame Online-Präsenz von Einkaufsstraßen

einer Stadt mit einem zentralen Shop

bilden. „Stellen Sie den Kunden in den Mittelpunkt

all Ihrer Überlegungen und hören Sie

nicht auf, Ihr Tun ständig zu hinterfragen, so

wie es erfolgreiche Start-ups machen“, betonte

er.

Dass Corona das beste Lernfeld für die

Digitalisierung bietet, machte auch Frank

Rehme deutlich: „Digitalisierung wurde oft

vertagt, weil man keine Zeit hatte, sich darum

zu kümmern. Jetzt sei die Zeit dafür.

Diesem Tenor schloss sich auch Boris Hedde,

Geschäftsführer vom Institut für Handelsforschung

(IFH) Köln in seinem Vortrag zur Studie

„Vitale Innenstädte in Zeiten der Pandemie“

an: „Goodbye Einkaufsstadt, welcome

Erlebnis city. Alle Macht geht von den Besuchern

einer Stadt aus. Wir müssen aus dieser

Sicht konsequent denken, um die Frequenzen

wieder zu erhöhen. Auch mit Abstand ist

der Einkaufsbummel immer noch das Hauptmotiv

für den Besuch der Innenstädte. Je

attraktiver der Erlebniswert, desto besser

werden Städte bewertet. Ein großer Vorteil,

der jetzt um digitale Services ergänzt werden

muss.“

Dass der stationäre Handel trotz Online­

Boom nach wie vor noch über wichtige Alleinstellungsmerkmale

verfügt, arbeitete Marilyn

Repp in ihrem Vortrag heraus. Die Projektleiterin

des Kompetenzzentrums Handel betont:

„Der stationäre Handel wird immer mehr zum

Erlebnisschaffer und hat dadurch entscheidende

Vorteile gegenüber Online-Shops: die

persönliche Beratung, die sofortige Verfügbarkeit

der Ware und das Erlebnispotenzial.

Denn digitale Erlebnisse kommen nicht an

46 P&G 04 | Mai 2021


Technisch hatte die

Messe Frankfurt alles im

Griff. Gleichwohl war der

Aufwand schon immens,

der für das Digital-Event

betrieben wurde.

analoge heran. Auch junge Menschen lieben

trotz Online-Affinität individuelle Beratung

vor Ort. Der stationäre Handel kann damit

nach wie vor für diese Zielgruppe attraktiv

sein – solange es Beratern gelingt, auch gut

informierten Käufern überzeugende Impulse

zu geben.“

Welche Trends prägen derzeit die globale

Konsumgüterbranche und welche Bedürfnisse

gewinnen in den eigenen vier Wänden, im

Homeoffice und im Büro an Bedeutung? Diese

Fragestellungen haben besonders viele Teilnehmer

interessiert. Hierzu präsentierte das

Stilbüro bora.herke.palmisano mit den Ambiente,

Christmasworld und Paperworld Trends

2021 die kommenden Farben und Materialien,

die den Nerv der Zeit treffen: „Die neue Art

zu Arbeiten und das ,neue Zuhause‘ haben

großen Einfluss auch auf die Trends. Ein

wesentlicher Schwerpunkt liegt hierbei auf

Nachhaltigkeit. DIY, Reparieren und Second

Hand kommt auf jeden Fall in der neuen Saison“,

so die Trendexpertin Claudia Herke.

Am Megathema Nachhaltigkeit geht

nichts vorbei. Denn Nachhaltigkeit ist sowohl

ein Gesellschafts- als auch ein Zielgruppen-Thema,

der Greta-Effekt hat diese

Entwicklung angestoßen und die Pandemie

getriggert. „Nachhaltigkeit ist nicht die Frage

nach wie viel Bio, sondern die Frage, welche

Haltung wir vertreten. Dass, was sie machen,

machen sie authentisch und richtig. Sie können

auch erst mit kleinen Schritten anfangen.

Zum Beispiel mit nachhaltigen Angeboten

für die eigenen Mitarbeitern, bevor sie sich

der nachhaltigen Sortimentsentwicklung

annähern“, sagt Silvia Talmon von The Retail

Academy und gab den Teilnehmer wertvolle

Praxisbeispiele.

„Was wir auf dem Consumer Goods Digital

Day nicht ersetzen konnten – und auch nicht

wollten – ist die persönliche Begegnung auf

unseren Messen. Vielmehr haben wir nach

über einem Jahr der Pandemie den Hunger

nach Inspiration, geschäftlichem Austausch

und Order für den Moment gestillt. Das ist

unser digitaler Support in diesen Zeiten“,

resümierte Detlef Braun, Geschäftsführer

der Messe Frankfurt.

Dass der persönliche Austausch im Business

unersetzbar ist, betonte auch Christian

Haeser, Geschäftsführer Handelsverband

Wohnen und Büro e.V. (HWB): „Der aktuelle

und interaktive Mix aus Vorträgen, Workshops,

Trendshows, Matchmaking und das

Ordern über Nextrade waren ein voller Erfolg

und haben unseren Fachhändlern ein Stück

Normalität zurückgebracht. Die Messe Frankfurt

hat es geschafft, eine digitale Benchmark

zu setzen, an der sich künftig jede digitale

Veranstaltung messen muss. Dennoch kann

eine digitale Plattform kein 1:1-Ersatz für die

persönliche Begegnung auf der Messe vor

Ort sein. Ich bin sicher, dass sich digitales

Networking als hybrider, mehrwertbringender

Bestandteil einer jeden nationalen/internationalen

Fachmesse etablieren wird.“

Daneben forderte vor allem die letzte

Paneldiskussion des Tages die konsequente

Ausrichtung auf die sich rasant verändernden

Werte der Konsumenten. Denn was laut den

Trendexperten von Fashionsnoops pandemiebedingt

mit einem stärkeren Interesse an

Brotbacken, Gartenarbeit, DIY- und Heimwerkerprojekten

bis hin zur Aufzucht von Hühnern

begann, entwickelt sich zu einer neuen

Leidenschaft zur Selbstversorgung und starken

Verbundenheit mit der Natur. Außerdem

hat die Pandemie nicht nur das Homeoffice

weltweit in Rekordzeit gesellschaftsfähig

gemacht, sondern auch viel schneller die

neue New Work-Ära eingeläutet: „Arbeiten

von überall“ – Menschen genießen eine nie

dagewesene neue Normalität der persönlichen

Mobilität. Und natürlich stehen Gesundheit

und Wellness im post-pandemischen

Lebensstil an erster Stelle. Auch unsere persönlichen

Räume werden zu einem wichtigen

Zufluchtsort.

Weitere Infos bietet www.conzoom.solutions.

Darüber hinaus steht dem Handel die

digitale B2B-Orderplattform Nextrade 365

Tage im Jahr zur Verfügung. Die vier Konsumgüterfachmessen

Christmasworld (28.

Januar bis 1. Februar 2022), Paperworld

und Creativeworld (29. Januar bis 1. Februar

2022) sowie Ambiente (11. bis 15. Februar

2022) werden wieder wie gewohnt stattfinden

und auch zukünftig durch digitale Plattformen

erweitert. Am Konzept einer digitalen

Messe ergänzung wird somit auch in Zukunft

festgehalten.

RITA BREER

„Der Digital Day war ein

excellenter Boxenstopp,

bis die persönliche

Begegnung wieder uneingeschränkt

möglich ist“,

sagte Detlef Braun,

Geschäftsführer der

Messe Frankfurt.

P&G 04 | Mai 2021 47


www.showroomcenter_bruehl.de

Ab dem 07.06.2021 präsentieren 16 starke Firmen auf 9.000 m2

die neuesten Trends für die Saison Frühjahr/Sommer 2022

TERMINSICHERN:

Showroom Center

Brühl

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