20.05.2021 Aufrufe

Wirtschaftsspiegel 2021: Aufbruch

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt - das gelingt am besten mit der passenden Ausrüstung. Die Mitglieder der TechnologieRegion Karlsruhe haben das richtige Equipment und viele tolle Ideen. Lesen, wie die TRK den steinigen Weg aus der Corona-Krise meistert.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt - das gelingt am besten mit der passenden Ausrüstung. Die Mitglieder der TechnologieRegion Karlsruhe haben das richtige Equipment und viele tolle Ideen. Lesen, wie die TRK den steinigen Weg aus der Corona-Krise meistert.

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WIRT

SCHAFTS

SPIEGEL

FÜR DIE TECHNOLOGIEREGION KARLSRUHE

DAS MAGAZIN FÜR DEN

WIRTSCHAFTSSTANDORT

NR 64

2021

800

CENT

5 2021 64 108134

SCHWERPUNKT AUFBRUCH

Ein weiter Weg. Jeder Weg beginnt mit dem

ersten Schritt – das gelingt am besten mit der

passenden Ausrüstung. Die Mitglieder der TRK

haben das richtige Equipment. Lesen, wie die

TRK den steinigen Weg meistert.

1


Stadt Karlsruhe

Wirtschafts för de rung

AUFBRUCH

EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN,

LIEBE LESER,

das Titelbild des diesjährigen Wirtschaftsspiegel symbolisiert:

ein steiniger und steiler Weg durch die Coronapandemie

liegt schon hinter uns. Wir kennen das Ziel, doch der Weg

dahin ist nicht ausgeschildert, immer wieder kommen unerwartete

Abzweigungen und sogar Grenzschließungen haben

wir in der Region erleben müssen.

Foto ARTIS – Uli Deck

Allerdings kann ein Virus uns nicht aufhalten, gemeinsam –

Wirtschaft, Wissenschaft und öffentliche Hand – arbeiten

wir weiter über Rhein und Lauter hinweg an der Zukunft und

der Transformation unserer TechnologieRegion Karlsruhe und

greifen dabei auf die Erfahrungen der letzten Monate zurück.

Wie so viele haben wir auf „digital“ umgestellt. Mit den

Online-Veranstaltungen des Welcome Centers oder den

Weiterbildungen der UITP-Academy konnten wir weltweit

neue und größere Zielgruppen erreichen. Umfangreiche und

komplexe Projekte werden zwischenzeitlich nahezu ausschließlich

digital vorangetrieben. Online-Workshops, wie wir

sie z.B. für die Weiterentwicklung unserer Energiestrategie

eingesetzt haben, gehören heute wie selbstverständlich zu

den Standardwerkzeugen unserer täglichen Arbeit.

Strahlen Sie mit uns! Am Innovationsstandort Karlsruhe!

Als Partner der Wirtschaft arbeiten wir Hand in Hand mit Unternehmen, Investoren und Institutionen. Mit

unseren umfassenden Serviceleistungen unterstützen wir Sie in Ihrer räumlichen Entwicklung sowie in Ihrer

Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit. Von der Gründungsberatung über Immobilien- und Ansiedlungsservice

bis hin zur Internationalisierung Ihres Business: Verlassen Sie sich auf einen starken Partner, wertvolle

Kontakte und etablierte Netzwerke. Sprechen Sie uns an!

www.karlsruhe.de/wirtschaft

Immer up to date mit dem Newsletter der Wirtschaftsförderung

karlsruhe.de/wirtschaft_news

© Stadt Karlsruhe | Layout: buntebüffel GmbH | Bild: iStock/atakan

Viele von uns haben aber auch die Zeit genutzt, um unsere

Region im „echten und analogen“ Leben zu erwandern,

die Schönheiten zwischen Bühl bis Bruchsal, von Saverne

über Landau bis zum Nordschwarzwald zu erkunden und zu

erleben. Ich selbst finde Ruhe und Entspannung beispielsweise

im nahen Waghäusel, wo ich an den dortigen Seen eine

einmalige ornithologische Tierwelt bewundere.

Lassen Sie uns mutig für das „neue Normale“ jetzt die Wanderschuhe

schnüren, lassen Sie uns gemeinsam aufbrechen.

Auf den kommenden Seiten finden Sie erfolgreiche Beispiele

für dieses Umdenken, Ideen und Innovation für die neue

Normalität, die die Arbeitsplätze von morgen schaffen und

unseren Wohlstand sichern helfen. Werfen Sie einen Blick in

die Zukunft unserer Region mit der mittlerweile 64. Ausgabe

des Wirtschaftsspiegels.

Bleiben Sie gesund – positiv im Kopf und negativ auf dem

COVID-Teststreifen – das wünscht Ihnen

Ihr Jochen Ehlgötz

Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe GmbH

Stadt Karlsruhe Wirtschafts för de rung

Zährin ger straße 65 | 76133 Karlsruhe

Tel.: +49 721 133-7300 | Fax: +49 721 133-7309

wifoe@karlsruhe.de 2 NR 64 2021 | www.karlsruhe.de/wirtschaft

WIRTSCHAFTSSPIEGEL 1


INHALTSVERZEICHNIS

INHALTS

VER

ZEICHNIS

WIRTSCHAFTSSPIEGEL 2021 NR. 64

DIE PANDEMIE HÄLT DIE WELT UND DIE

TRK IN ATEM. WIE GEHEN DIE MENSCHEN

UND UNTERNEHMEN MIT KRISEN UM, WAS

MUSS SICH VERÄNDERN, WAS HAT SICH

SCHON VERÄNDERT?

MUTIGE MEINUNG

WAS DIE KÖPFE DER TECHNOLOGIEREGION KARLSRUHE BEWEGT.

NATALIE LUMPP 42 HANS BRETZ 43 ENNO-ILKA UHDE 54 FANCESCA ESPOSITO 55

OBERBÜRGERMEISTERIN CORNELIA PETZOLD-SCHICK 68 OBERBÜRGERMEISTERIN MARGRET MERGEN 69

PROF. ECKART KÖHNE 80 MARTIN WACKER 81

01 AUFBRUCH

TRAUEN WIR UNS, WAGEN WIR DEN SCHRITT INS UNGEWISSE: AUFBRUCH

BRAUCHT MUT, LEIDENSCHAFT, NEUGIER. DAS FINDET SICH IN DER TRK.

WO MAN HINBLICKT, SIND DIE MENSCHEN BEREIT FÜR EINE NEUE NORMALITÄT.

DR. FRANK MENTRUP IM INTERVIEW 4 INTERVIEW MIT JOCHEN EHLGÖTZ 10 WOHIN DIE FÜSSE TRAGEN –

ILLUSTRATION 12 100 JAHRE VOLKSWOHNUNG 14 MASKENHERSTELLER MEDPE IN KARLSRUHE 20

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: KARLSRUHE BAUT SEINE STÄRKEN WEITER AUS 22 MESSE KARLSRUHE: WIE

DIGITAL KÖNNEN MESSEN WERDEN? 26 WAS MACHT CORONA MIT DEN IMMOBILIENPREISEN? 28

MIT DEM „KARLSRUHER WERKZEUGKOFFER“ ZUM RE-START BEI EVENTS 30 BAD HERRENALB IM BLICK 32

VOLLACK: DIE KRISE ALS CHANCE IN EINE NEUE ARBEITSWELT 34 AL’S KOLUMNE 36

STÄDTEPARTNERSCHAFTEN IN DER TRK 38

2 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

DIGITALISIERUNG 02

TOTAL DIGITAL: GLASFASERAUSBAU IN DER REGION,

KAFFEE BESTELLEN PER APP, ROSIGE ZEITEN IM ONLINE-BANKING.

BÜHL GRÜNDET DIGITALES INNOVATIONSZENTRUM 44

DIE WELT NACH CORONA: NEUE ERFAHRUNGEN

ODER BUSINESS AS USUSAL IN BADEN-BADEN? 46 WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: KI MADE IN KA 48

ZAHNTECHNIK IM WANDEL: DIGITALES ARBEITEN IM HANDWERK 50

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG:

TECHNOLOGIETRANSFER MIT GENUSSFAKTOR 52 CORONA LÄSST ONLINE-BANKING WACHSEN 56

ENERGIE 03

WENN GANZE QUARTIERE IN DER CITY DIE ENERGIEWENDE ANPACKEN UND AUS

DEM GRUNDWASSER SELTENE METALLE GEFÖRDERT WERDEN.

HOEPFNER BRÄU BAUT INTELLIGENTES QUARTIER 60 E-MOBILITÄT WIRD NACHHALTIGER 62

EVOHAUS: STROM CLEVER STEUERN MIT ENOCOO 64 MIT TELEMAXX GEMEINSAM FÜR GLASFASER 94

MOBILITÄT 04

ÖPNV IST, WENN PAKETE BAHN FAHREN. FINDET MAN NUR IN DER TRK.

INIT: #INITTOGETHER ODER NEUE TECHNOLOGIEN IM ÖPNV 70

INSTITUT FÜR NACHHALTIGE MOBILITÄT IN

KARLSRUHE ERÖFFNET 72 BRUCHSAL: INNOVATIONSSTANDORT MIT HOHER LEBENSQUALITÄT 76

REGIOKARGO: GÜTERTRANSPORT PER STADTBAHN 78

REGION 05

EIN SCHUSTER, DER BEI SEINEN LEISTEN BLEIBT,

100-JÄHRIGE FIRMENJUBILÄEN UND INVESTITIONEN, DIE SICH LOHNEN.

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG: AKTIVE FLÄCHENPOLITIK STÄRKT DEN WIRTSCHAFTSSTANDORT 84

DIE NEUE

FRAU AN DER AOK-SPITZE: PETRA SPITZMÜLLER 86 HWK: DIE BESTE ZEIT FÜR INVESTITIONEN IST JETZT 88

SPARKASSE KARLSRUHE IM DEUTSCHLANDWEITEN BANKENTEST GANZ VORNE 90

MENSTRADITION: FIRMA EHLGÖTZ ZWISCHEN HISTORIE UND ZUKUNFT 92

100 JAHRE UNTERNEH-

WIRTSCHAFTSFÖRDERUNG:

KARLSRUHE PROFILIERT SICH ALS WISSENSCHAFTSSTADT 96 EINZIGARTIGE SCHUH-KUNSTWERKE 98

HIER VERWURZELT: PRODUKTE AUS DER REGION 102

EDITORIAL 1 START-UPS 66 UNTERNEHMENSPROFILE 104 IMPRESSUM 105

DIE TECHNOLOGIEREGION IM ÜBERBLICK 106

RUBRIKEN 06

3


AUFBRUCH

MIT WEGWEISENDEN

IDEEN RICHTUNG

ZUKUNFT

2020 war kein einfaches Jahr, 2021 soll in jedem Fall besser werden. So zumindest lautet wohl der Vorsatz

vieler Menschen in der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK). Nicht immer ganz einfach, doch der Rathaus-

Chef und Vorsitzende im Aufsichtsrat der TRK, Dr. Frank Mentrup, blickt optimistisch in die Zukunft „nach“

Corona. Über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, neue Partner und den Wunsch, am Abend wieder

auszugehen spricht Oberbürgermeister Mentrup im Interview mit dem Wirtschaftsspiegel.

März 2020: Die Welt fährt runter,

Karlsruhe und die gesamte Region

ebenfalls. Grenzen werden dicht

gemacht, das öffentliche Leben steht

so gut wie still. Ein Jahr später hat

Corona die TRK noch immer im Griff,

auch wenn viele Menschen mittlerweile

geimpft sind und Geschäfte und

Lokale wieder geöffnet haben.

Herr Mentrup, 2020 war ein harter Ritt,

2021 könnte sich so fortsetzen. Wie geht

es Ihnen in der aktuellen Corona-Lage?

Es ist immer noch eine komische, befremdliche

Stimmung und, um ehrlich

zu sein, bin ich darüber sogar ganz froh.

Denn wir sollten uns nicht daran gewöhnen,

dass wir nur noch über kleine

Bildschirmbildchen miteinander kommunizieren,

anstatt uns persönlich zu

begegnen. Maximales Homeoffice kann es

auch nicht sein, weil es aus meiner Sicht

nicht zur menschlichen Natur und ihren

Bedürfnissen passt, gar keinen Kontakt

nach außen mehr zu haben.

Trotzdem haben während der Pandemie

die Menschen in der Region und ich natürlich

die Einschränkungen als ein Stück

weit neuen Alltag akzeptiert. Die meisten

können damit auch gut umgehen. Für

Kinder und Heranwachsende oder auch

Menschen in prekären Lebensverhältnissen

ist es allerdings sehr schwer. Und für

manche Branchen ist es – trotz diverser

Hilfsschirme – die reine Katastrophe.

Wenn Sie die letzten Monate Revue passieren

lassen, wo hätten Sie sich mehr

Rückendeckung seitens des Bundes und

des Landes gewünscht?

Ich hätte mir vor allem gewünscht, dass

man die Ernsthaftigkeit der Ansagen, die

man richtigerweise gemacht hat, auch

genauso ernsthaft umsetzt. Schauen

wir auf das Beispiel der Novemberhilfen:

Wenn ich diese als unkomplizierte

Wirtschaftshilfe ankündige und es ist

teilweise bis in den Februar hinein nicht

abgewickelt worden, dann verliert man

Vertrauen – und zwar auf breitester

Front. Oder die knappen Impfstoffdosen

für die erste Impfphase verbunden

mit vollmundigen Versprechen.

Vieles hätte konsequenter

>>

Foto Presse- und Informationsamt, Stadt Karlsruhe

„Etwas Gutes aus der Krise:

Persönliche Kontakte, die

man während der Pandemie

aufgebaut hat, sollten erhalten

und vertieft werden.“

4 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

5


AUFBRUCH

Fotos Presse- und Informationsamt, Stadt Karlsruhe

1 Das Städtische Klinikum Karlsruhe ist das größte

Krankenhaus in der TRK und ein Maximalversorger.

2 Zoologischer Stadtgarten Karlsruhe: Naherholung

mitten in der City.

3 Festplatz mit Stadthalle und Schwarzwaldhalle –

aktuell ohne Events.

>> umgesetzt gehört, damit die

Menschen nicht den Eindruck bekommen,

am Ende im Stich gelassen zu werden.

Dieses Gefühl macht sich seit etwa März

zunehmend breit und das macht mir

große Sorgen.

Die Auswirkungen der Coronapandemie

werden die Menschen in der

TechnologieRegion Karlsruhe mit Sicherheit

noch länger spüren: nicht nur

beruflich und finanziell, sondern auch,

was die Freizeitgestaltung angeht. Viele

Kultureinrichtungen sind seit Monaten

geschlossen – manche bleiben es

vielleicht für immer.

Wie ist Karlsruhe und die TRK für die

Zukunft aufgestellt?

Ich glaube, bei den starken Strukturen,

die die TRK ausmachen – etwa unsere

Infrastruktur, was den Verkehr betrifft,

und die Wirtschaftsstruktur – da ist die

Begeisterung der Menschen in der Region

ungebrochen. Auch die Begeisterung, für

die Region einzustehen, hat sich durch die

Krise nicht verändert.

Was wir aber noch nicht abschätzen

können mit den langfristigen Auswirkungen

ist die Krise der Oberzentren, die

Corona ausgelöst hat. Mit städtischen

Mitteln finanzieren wir Infrastruktur, die

in ihrer Bedeutung weit über die Stadt

Karlsruhe, teilweise sogar über die Region

hinausgeht: das Städtische Klinikum,

eine eigene Eisenbahngesellschaft wie die

AVG und den ÖPNV der Region. Aber

auch große Kultureinrichtungen wie das

Badische Staatstheater oder das ZKM, die

wir mindestens zur Hälfte finanzieren. Die

Bäderbetriebe mit dem großen Europabad

gehören auch dazu, ebenso unsere

Messe- und Kongressgesellschaft. Das

sind alles Angebote, mit denen die Stadt

Karlsruhe weit über ihre Grenzen hinaus

wichtige Aufgaben erfüllt und bei denen

die Kosten derzeit explodieren, nicht nur,

weil die Kunden und Besucher fehlen.

Diese Kosten werden wir auf Dauer, trotz

des derzeitigen Finanzausgleichs, jedoch

nicht tragen können. Diese Situation

betrifft nicht nur Karlsruhe, sondern alle

Oberzentren im Land.

Daher müssen wir uns in der TRK darauf

einstellen, dass wir politische Lobbyarbeit

machen müssen, damit diese Infrastrukturen

stärker vom Land und vielleicht auch

vom Bund mitfinanziert werden.

„Die meisten können mit

dem neuen ‚Alltag‘ gut

umgehen. Für Kinder und

Heranwachsende oder auch

Menschen in prekären

Lebensverhältnissen ist es

allerdings sehr schwer.“

Müssen wir uns auf Schließungen

gefasst machen?

So weit würde ich jetzt nicht gehen. Wir

müssen aber vielleicht Angebote umstrukturieren,

um Kürzungen oder Schließungen

zu vermeiden.

Schauen wir auf das Beispiel ÖPNV. Wir

haben neue Stadtbahnwagen angeschafft,

nehmen neue Strecken in Betrieb und

reaktivieren tote Streckenabschnitte. Wir

haben viel zusätzliches Personal eingestellt,

um das Thema Fahrermangel in den

Griff zu bekommen – all diese Entwicklungen

haben zunächst viel Geld gekostet.

In ein paar Jahren werden wir uns

vielleicht fragen müssen: Kann ich mir den

10-Minuten-Takt überhaupt leisten oder

muss ich einen Wagen mehr anhängen

und fahre vielleicht nicht mehr ganz so

häufig? Da könnte eine Angebotsmodifizierung

stattfinden müssen, die allerdings

schade wäre. Lasst uns Bund und Land

überzeugen, dass wir an dieser Stelle eine

stärkere gemeinsame Verantwortung

eingehen müssen.

„Warum in die Ferne schweifen“, heißt

ein sehr berühmtes Sprichwort, wenn

doch das Gute so nah ist. Statt Urlaub

am spanischen Strand oder in der Südsee

zu machen, haben viele Menschen

die Region (wieder) für sich entdeckt.

Viele haben sich auf Werte und Traditionen

besonnen und einfach auch mal

über den Gartenzaun geschaut und

den Nachbarn gefragt, wie es denn so

geht. Nachbarschaftshilfe war und ist

gefragter denn je.

Das sind gute Entwicklungen, die

stattgefunden haben: Die Region

erleben, lokal denken und handeln

und die Nachbarn, ob jung oder

alt, unterstützen.

Was wünschen Sie sich sollte davon auch

in Zukunft erhalten bleiben?

Wenn wir die Nachbarn ansprechen,

denke ich natürlich erstmal an unsere

Nachbarn im Elsass, im Kraichgau und

Schwarzwald und in der Pfalz, aber auch

an mein persönliches Umfeld, die Nachbarn

ein Haus weiter. Ich finde, da sollten

wir ansetzen und das Verhältnis vertiefen:

Persönliche Kontakte, die man während

der Pandemie aufgebaut hat, sollten

erhalten und vertieft werden. Das erlebe

ich jeden Tag. Durch die Einschränkungen

durch Corona haben sich verstärkt nachbarschaftliche

Gruppen in den sozialen

Netzwerken gebildet. Diese Selbstorganisation

sollten wir stärker würdigen und

versuchen, auch nach der Krise, wenn wir

alle in einer neuen Normalität leben, aufrechtzuerhalten.

Auf andere achten und

gemeinsam etwas anpacken, das würde

ich mir wünschen, dass es bleibt.

Im März 2020 wurden die Grenzen

geschlossen, auch ins französische

Elsass durften die Menschen in der

Region nicht fahren. Lediglich Pendlern

war es erlaubt, von der einen Seite auf

die andere Seite des Rheins zu fahren.

Und doch waren die TRK und das Elsass

verbunden im Kampf gegen das Virus.

Französische COVID-Patienten wurden

im Städtischen Klinikum Karlsruhe

behandelt. Die Zusammenarbeit lief

auch auf anderen Ebenen weiter, >>

6 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

7


eispielsweise zwischen den

Städten Karlsruhe und Straßburg.

Standen diese europäischen Verbindungen

jemals in Frage oder haben

Sie nach dem Motto „Jetzt erst recht!“

weitergemacht?

Beim ersten Lockdown gab es noch

die Schließung der innereuropäischen

Grenzen, es wurde als „alternativlos“

dargestellt. Alle Gebietskörperschaften

entlang der deutsch-französischen

Grenze sind virtuell zu mehreren Ausschusssitzungen

zusammengekommen.

Dabei haben wir immer wieder betont,

dass es keine Grenzschließungen geben

darf, aber man hat trotzdem alles dicht

gemacht. Und im zweiten Lockdown, der

im Dezember kam, haben unsere Appelle

doch gewirkt: Man hat das Mittel

Grenzschließung nicht mehr in Erwägung

gezogen, zumindest an der Grenze zu

Frankreich. Ich muss sagen, das war eine

phänomenale Lernkurve auf nationaler

Ebene, die ich nach dem ersten Lockdown

nicht erwartet hätte. Wir waren im

März und April 2020 richtig verzweifelt.

Dass die Grenzen im zweiten Lockdown

weitgehend offen geblieben sind, ist ein

voller Erfolg.

Ich glaube, dass aus der Krise heraus

gerade für die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit nochmal ganz viel Kraft

und Bereitschaft gewachsen ist, weil so

eine Grenzschließung, die

dann einfach erstmal angeblich alles

klärt, eigentlich alles nur noch

schlimmer macht. Das steckt jetzt

als Grunderfahrung in unseren Knochen,

jetzt kann es im Grunde nur noch nach

vorne gehen. Von daher wird es eine

deutlich intensivere Zusammenarbeit

geben, vor allem dann, wenn wir uns

auch wieder physisch treffen können.

Manchmal schafft die verstärkte Distanz

eine viel größere Nähe zueinander.

2020 stand in vielen Bereichen hinter

Corona an, dabei waren die Stadt

Karlsruhe und die TRK hinter den

Kulissen weiterhin aktiv, um weiterhin

volle Kraft voraus in Richtung Zukunft

zu starten.

Herr Mentrup, welche spannenden Entwicklungen

erwarten Sie in diesem Jahr?

Da gibt es gleich zwei interessante

Projekte. Zum einen hat das Land

Baden-Württemberg im Dezember

letzten Jahres einen Innovationspark

ausgeschrieben. Auf den haben wir

uns zusammen mit Stuttgart und dem

Neckar-Alb-Kreis beworben. Mit diesen

beiden Regionen haben wir ein Konsortium

gegründet und Mitte Januar die

Bewerbung eingereicht.

Allein, dass wir das gemeinsam mit den

anderen Regionen angegangen sind, ist

schon eine Erfolgsstory für sich: Dass

es uns gelungen ist, mit einem großen

württembergischen Landesteil zusammenzuarbeiten,

mit dem wir vorab eher

in Konkurrenz standen – Anträge zu formulieren

und die Kosten untereinander zu

verteilen, Verantwortlichkeiten zu klären

und Rahmenbedingungen zu schaffen.

Das zweite Thema hat mit Mobilität zu

tun. Das Bundesverkehrsministerium hat

Anfang 2020 angekündigt, ein Deutsches

Zentrum Mobilität der Zukunft

zu gründen. Da haben wir uns als Stadt

Karlsruhe im Sommer recht frech darauf

beworben. Das Zentrum sollte von Beginn

an in München sein, wir dachten uns aber,

dass geht doch auch bei uns – immerhin

stammen die Erfinder des Autos und des

Fahrrades aus Karlsruhe.

Der Hauptsitz des Zentrums bleibt jetzt

zwar in München, es gibt jedoch weitere

Standorte und wir versuchten unser

Glück. Ich habe dafür bereits im Herbst

erste Gespräche im Bundestag geführt. Es

ist uns nun gelungen, dass der Haushaltsausschuss

den Standort Karlsruhe in den

Haushaltsentwurf des Bundes eingetragen

hat. Jetzt geht es darum, diesen Standort

auszuformen und mit Leben zu füllen. Das

ist ein großartiger Erfolg für die Stadt

und für die gesamte TechnologieRegion.

Eine tragende Rolle bei diesem Zentrum

neben München zu spielen, ist eine schöne

Anerkennung für die Leistungsfähigkeit

und die Innovationskraft der Region!

Denken Sie darüber nach, die TRK noch

zu erweitern, wenn die Zusammenarbeit

mit Stuttgart oder dem Neckar-Alb-

Kreis gut läuft?

Ich würde nicht aus unserer Region und

anderen Regionen gemeinsame Großregionen

machen wollen, sondern den Weg in

der vertieften Kooperation suchen. Jede

Region hat ihre Spezifika, und das ist auch

gut so. Sich bei allem im Alltag auf Dinge

einigen und Dinge klären zu müssen, das

bislang bei uns wirklich hervorragend

funktioniert, steht ab einer gewissen

Größe und Beliebigkeit einer Großregion

der gewünschten Kreativität und Innovationskraft

im Weg. Nach der Erweiterung

nach Landau 2019 und ins nördliche

Elsass 2020 ist derzeit bei der TRK

flächenmäßig nicht mehr geplant. Wenn

es doch einen Beitrittskandidaten gäbe,

dann würde ich den eher im Süden sehen,

denn die Metropolregion Rhein-Neckar

ist so schon groß genug. Auch hier stehen

wir einer vertieften Zusammenarbeit offen

gegenüber.

Spannend wird auch eine intensivere

Zusammenarbeit mit Straßburg und

dem südlichen Elsass – zudem die beiden

Departements Nord- und Süd-Elsass

ja gerade zu einem Euro-Departement

zusammengegangen sind.


WEGE AUS DER KRISE

„GLOBALE PROBLEME MIT REGIONALEN KOMPETENZEN LÖSEN“

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“, so hat es Willy Brandt gesagt. Zurückblicken

bringt also wenig, höchstens, um aus der Vergangenheit zu lernen. Aber die Zukunft muss aktiv angegangen

werden, wir stecken mitten im Aufbruch in die neue Normalität. Das weiß auch TRK-Geschäftsführer Jochen

Ehlgötz. Der Wirtschaftsspiegel hat ihn zum digitalen Interview getroffen.

Aufbruch ist das Thema, die Wanderstiefel sind fest geschnürt,

die Reise in die Zukunft hat begonnen. Dabei ist die Technologie-

Region Karlsruhe (TRK) schon lange im Auf- und Umbruch.

„Neu gestartet sind wir 2017, als wir die TechnologieRegion als

GmbH gegründet und damit die Zusammenarbeit auf professionellere

Beine gestellt haben“, sagt Jochen Ehlgötz.

Ein Wagnis, auch für den Geschäftsführer der TRK, doch der

Erfolg ist geblieben, der Neustart geglückt. Und jetzt, über ein

Jahr nach dem Beginn der Coronapandemie ist ein Aufbruch

erneut nötig. „Ohne das Wort überstrapazieren zu wollen,

aber ich glaube schon, dass in jeder Krise auch eine Chance

steckt“, so Ehlgötz weiter. „Und deshalb verbinde ich mit den

Neustarts, die in meinem beruflichen und privaten Leben nötig

waren, am Ende immer positive Erfahrung.“

REGIONALE STÄRKEN NUTZEN

„Region in Bewegung – Transformation gemeinsam gestalten“ –

die im April 2021 durch das Land Baden-Württemberg

prämierte Regionalentwicklungsstrategie wird ein ganz

wichtiger Treiber der künftigen Weiterentwicklung sein.

„Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit sind

als zentrale Säulen fest in unserer Agenda verankert“, fasst

Ehlgötz die Kernpunkte zusammen.

So wird es mit der „regioKArgoTramTrain“ einen Prototyp

einer neuartigen Güter-Stadtbahn geben. Sie wird gleichzeitig

Fahrgäste und Güter aus der Region in die Stadt transportieren,

um angesichts des stetig zunehmenden Lieferverkehrs

im urbanen Raum mit einem ganzheitlichen Lieferkonzept

Abhilfe zu schaffen. Mit „RegioMORE“ soll in Bühl ein regionales,

grenzüberschreitendes „Digital Ecosystem“ entstehen,

das insbesondere die mittelständischen Unternehmen

der lokalen Wirtschaft sowie Wissenschaft, Schulen, Bürger

und Kommunen lückenlos miteinander – und nicht zuletzt

grenzüberschreitend – vernetzt. Und schließlich das „LastMile-

CityLab“: in Bruchsal entsteht das weltweit erste Citylabor zur

Entwicklung und zum Test von Gütertransport-Technologien im

urbanen Raum. Neben autonom fahrenden Lastenrädern und

Liefer-Robotern wird künftig auch die VoloDrone, ein elektrisch

angetriebenes Lasten-Luftfahrzeug, die Stadtquartiere mit

Gütern versorgen.

Ehlgötz weist zudem auf die Potenziale regionaler Produktion

und Lieferketten hin. Die globale Pandemie zeigt, wie

globalisiert und vernetzt die Welt ist. „Wir müssen hier in der

Region noch krisensicherer werden. Wir müssen Wege finden,

wie wir Innovationen aus der Region schneller umsetzen

können – nicht nur in Pandemie-Zeiten. Wir haben hier viele

regionale Ideen, die helfen, globale Probleme zu lösen. Das

haben Carl Benz mit Auto, Haber-Bosch mit ihrem Verfahren

für Kunstdünger oder Otto Lehmann als geistiger Vater der

LCD-Technologien in der Vergangenheit bewiesen. Wir brauchen

ein neues Zeitalter in der Innovation Vorfahrt bekommt

und durch Bürokratie beschleunigt und nicht gebremst wird.“

DIE KRISE BRINGT VERÄNDERUNGEN

„Corona bringt massive Veränderungen mit sich, Schwachstellen

werden offensichtlich und der Transformationsdruck

hat sich erheblich erhöht“, ist sich Jochen Ehlgötz sicher –

und neue Fragestellungen wollen beantwortet sein. „Welche

Instrumentarien gibt es, wie organisieren wir Homeoffice, was

bedeutet das für die Mobilität, was ändert sich für Produktionsprozesse

unter Pandemiebedingungen, was passiert mit

Büros, wenn sie nicht mehr genutzt werden – viele Veränderungen,

auf die wir in der TRK reagieren müssen.“

POSITIVE FOLGEN UND EXISTENZIELLE BEDROHUNG

Corona birgt die Gefahr der Spaltung – gesellschaftlich und

wirtschaftlich. Vielen Betrieben in der TRK ist es bislang gut

gelungen, auf Corona zu reagieren. „Die Region ist gewappnet,

der Mittelstand ist breit aufgestellt und die Unternehmen

sind sich ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden

bewusst. Oftmals waren es die familiengeführten

Betriebe, die sehr schnell auf die Krise reagiert haben und

diese nutzen, um neue Produkte sowie Dienstleistungen zu

entwickeln und an den Markt zu bringen“, so der Geschäftsführer

der TRK weiter.

Fast schon eine positive Nachricht, könnte man sagen: In

vielen Fällen hat die Corona-Krise die Digitalisierung vorangetrieben.

„Was uns die Betriebe in der Region ebenfalls positiv

zurückspiegeln, ist die Möglichkeit, dass Mitarbeitende mobil

arbeiten können, was vorher in diesem Umfang nicht denkbar

war“, sagt Ehlgötz und spielt auf die Vorurteile des Arbeitens

zuhause an: „Die Befürchtungen der Arbeitgeber, dass die

Produktivität darunter leiden würde, hat sich nicht bestätigt.

Im Gegenteil: Die Menschen sind flexibler und damit steigt

die Motivation und die erbrachte Leistung stimmt. Also hat

Homeoffice schlussendlich einen positiven Effekt. Daher glaube

ich, dass das auch in Zukunft erhalten bleibt.“ In Homeoffices

zahlreicher regionaler Partner ist während des Lockdowns,

der Antrag zum Thema „Innovationspark Künstliche Intelligenz“

entstanden. „Corona hält uns nicht auf, die Zukunft

weiterzudenken – mit Partnern aus ganz Baden-Württemberg

haben wir einen entsprechenden Antrag auf den Weg gebracht

und dafür eine Genossenschaft gegründet“, erläutert Ehlgötz.

„Jetzt hoffen wir auf den Zuschlag, weil KI ein wichtiger Treiber

für die Zukunftsfähigkeit unserer Region ist.“

Allerdings, und das ist die dramatische Seite von Corona: Einige

Unternehmen in der Region konnten oder werden die Krise

nicht überstehen. „Wir wissen, dass es in den letzten Monaten

in vielen Bereichen existenzbedrohend war, ob Einzelhandel,

Messedienstleister, Event-Bereich, Gastronomie – hier sind

von Tag zu Tag mehr Firmen existenziell bedroht, weil über

Wochen kein Umsatz da war. Gerade auch kleine Unternehmen

stehen vor großen Problemen. Hier wünschen wir uns für

die Region ein deutlich effektiveres Vorgehen zum Beispiel bei

den Hilfen für Unternehmen. Selbständige und Unternehmen

können nicht wochenlang auf Zahlungen warten und auch

Verfahren müssen einfach, transparent und verlässlich sein.

Es kann nicht sein, dass Betriebe wochenlang warten, bis die

zugesagten Zahlungen erfolgen. Hinzu kommt: Das Fehlen

einer verlässlichen Öffnungsstrategie mit verbindlichen Rahmenbedingungen

im regionalen Maßstab ist eine der zentralen

Hürden, die die wirtschaftliche Zukunft vieler Branchen in

Frage stellt. Von den zahlreichen indirekten Auswirkungen,

beispielsweise auf die Innenstädte, ganz zu schweigen.“ Wird

es hier keine Änderung geben, so wird, sagt Ehlgötz weiter, die

Wirtschaft in einigen ihrer tragenden Säulen kaputt gehen.

Foto ARTIS – Uli Deck

Jochen Ehlgötz, Geschäftsführer der TechnologieRegion Karlsruhe.

WENIGER REISEN, BESSER FÜRS KLIMA

Auch die Geschäftsstelle der TRK hat coronabedingt auf

digitale Events und Konferenzen umgestellt. Und siehe da:

„Wir hatten einen wesentlich größeren Zulauf gegenüber

Präsenzveranstaltungen, denn die Leute können sich einfach

einwählen, sind dabei und müssen nicht anreisen oder nach

Feierabend zu einer Veranstaltung.“ Ehlgötz führt das Beispiel

des Stammtisches für internationale Fach- und Führungskräfte

des Welcome Centers der TRK an, der ebenfalls im virtuellen

Raum stattgefunden hat. „Trotz Zeitverschiebung hatten

wir Teilnehmende aus dem Iran, Vietnam und sogar Australien

und Brasilien dabei“, sagt er mit Stolz. „Der Wirkkreis wird

größer. Wir können zielgruppenspezifisch weltweit Menschen

ansprechen.“ Außerdem, so der TRK-Geschäftsführer, würde

man dadurch Reisekosten einsparen und den CO2-Ausstoß

senken, was Umwelt und Klima zu Gute kommt.

GRENZEN OFFENHALTEN – ZUSAMMENARBEIT

ÜBER RHEIN UND LAUTER AUSBAUEN

„Als TechnologieRegion denken wir über Rhein und Lauter

hinweg. Eine Grenzschließung wie im ersten Lockdown ist der

falsche Weg“, so Ehlgötz, „stattdessen müssen wir voneinander

lernen, unsere Konzepte austauschen, bewerten, gemeinsame

Wege finden. Gemeinsam sind wir stark. Daher möchten

wir an den Stellschrauben drehen, die eine grundsätzliche

Verbindlichkeit für den künftigen Umgang mit ähnlichen

Situationen haben werden“, erklärt Jochen Ehlgötz. Dazu soll

die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen grenzübergreifend

vertieft und auf regionaler Ebene institutionell verankert

werden. „Als Grenzregion sind die deutschen Partner am

Mittleren Oberrhein und der Südpfalz mit den französischen

Freunden im Elsass ganz eng verflochten – das weiter auszubauen

sehen wir auch als unseren Beitrag für ein zusammenwachsendes

Europa.“

ANYA BARROS

www.wvs.de

10 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

11


Illustration Felicitas Riffel – Werbeagentur von Schickh


AUFBRUCH

Foto Carl Forger für VOLKSWOHNUNG

Ein runder Geburtstag ist immer ein guter Anlass, um Vergangenes Revue passieren zu lassen und über die

Zukunft nachzudenken. Zum 100-jährigen Jubiläum hat sich die VOLKSWOHNUNG einiges in dieser

Richtung vorgenommen: Mit einem ehrlichen Blick zurück zeigt sie sich offen für Neues, stellt Bewährtes

in Frage und will mit einem neuen Markenauftritt dynamisch durchstarten. In anderen Worten, es steht ein

großer Aufbruch bevor. Was dieser mit sich bringt, darüber hat der Wirtschaftsspiegel mit Geschäftsführer

Stefan Storz und Pia Hesselschwerdt, Leiterin der Unternehmenskommunikation, gesprochen.

Ganz einfach ist der Karlsruher Wohnungsmarkt nicht: Die Mieten sind – wie in den meisten

Großstädten – relativ hoch, bezahlbare Wohnungen rar gesät oder werden privat vergeben, der

Umzug in die umliegenden Gemeinden ist für viele Suchende keine Option. Genau hier hat die

VOLKSWOHNUNG ihre Kernkompetenz, denn sie sorgt seit 1922 für bezahlbaren Wohnraum

in Karlsruhe. Die Nettokaltmiete liegt im Schnitt bei 6,31 Euro/Quadratmeter, ein günstiger Preis

im Vergleich zu den sonstigen Durchschnittsmieten in Karlsruhe. Neben der Vermietung hat die

VOLKSWOHNUNG außerdem viel Erfahrung in der Entwicklung und Vermarktung ehemals

militärisch genutzter Areale wie der amerikanischen Kaserne in Kirchfeld-Nord oder der Kaserne

im jetzigen Knielingen 2.0.

Gerade die Vermarktung bringt zusätzliche finanzielle Mittel für den Neubau oder Sanierungen im

Bestand. Zwischen 2012 und 2020 hat die städtische Gesellschaft über 900 Wohneinheiten neu

errichtet, von denen ein Drittel öffentlich gefördert ist. Allein 2019 wurden 27 Millionen Euro in den

Neubau von Mietwohnungen investiert, 2020 waren es sogar rund 35 Millionen Euro. Bis 2025, so

das Ziel, sollen über 1.000 weitere Mietwohnungen in der Stadt entstehen. Mehr als die Hälfte davon

soll ebenfalls öffentlich gefördert sein.

ZEIT FÜR NEUE WEGE

Die städtische Wohnbaugesellschaft hat aber ein weitaus größeres Bild vor Augen als „nur“ die

Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Zum 100-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr positioniert

sich die VOLKSWOHNUNG konzeptionell neu und verpasst sich zudem einen frischen Anstrich.

Das Unternehmen befindet sich also mitten in einem Auf- und Umbruch.

100 JAHRE

VOLKSWOHNUNG

Das Thema Aufbruch ist das

Leitmotiv im Wirtschaftsspiegel,

passt aber auch sehr gut zur

VOLKSWOHNUNG. Warum?

Storz: Wie in vielen Großstädten ist

auch in Karlsruhe die Nachfrage nach

bezahlbarem Wohnraum riesig. Daher

planen wir in den kommenden Jahren

viele Neubauprojekte, die sicherlich

dazu beitragen, die Lage etwas zu entspannen.

Sehr viele unserer Gebäude

wurden in den 1950er oder 60er

Jahren errichtet. Hier gibt es inzwischen

einen großen Bedarf an

Sanierungen und Modernisierungen,

die wichtig für den Werterhalt sind,

aber auch um die Klimaschutzziele

der Stadt Karlsruhe zu erreichen. Das

Thema Nachhaltigkeit spielt für uns

eine große Rolle und ist fest in unserer

DNA verankert. Hinzu kommen die

Herausforderungen, die der demografische

Wandel mit sich bringt. Wir

stellen uns darauf ein, dass Wohnen in

den nächsten 20 bis 30 Jahren mehr

Flexibilität und mehr gemeinschaftlich

genutzte Flächen braucht. Zum Glück

sind wir digital schon ziemlich gut

aufgestellt, was uns in dieser Zeit der

Pandemie intern die Umstellung

auf mobiles Arbeiten leicht gemacht

hat. Für die Mieter haben wir mit

der neu entwickelten Mieter-App

„Meine VOWO“ unser digitales

Angebot ausgebaut und dadurch

den Kundenservice erweitert. >>

14 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

15


AUFBRUCH

2

3

1 Blumenwiesen für den Artenschutz an

fünf Standorten.

2 Zentrale der VOLKSWOHNUNG am

Ettlinger-Tor-Platz.

3 Quartierspielplatz im Rintheimer Feld –

für alle Altersstufen etwas dabei.

Fotos VOLKSWOHNUNG

>> Das alles sind Aspekte, die zwar

schon in den letzten 100 Jahren für

uns auf der Tagesordnung standen, aber

im Zusammenspiel erfordern diese Themen

Klima, Neubau, Modernisierung

und Transformation, dass wir uns ein

Stück weit neu erfinden und uns selbst

hinterfragen müssen. Deshalb haben

wir uns Ende 2020 auf eine Reise

begeben, wir sind im Aufbruch und

wollen das auch nach außen hin sichtbar

transportieren.

Hesselschwerdt: Unsere Kommunikation

bildet derzeit nicht wirklich

ab, wofür wir stehen. Unser soziales

Engagement und die guten Beziehungen

zu unseren Mietern werden nur

gering wahrgenommen; ebenso unsere

innovativen und um Nachhaltigkeit

bemühten Aktivitäten im Neubau- und

Sanierungsbereich. Auch unser Logo,

das graue Haus mit rotem Dach, führt

da in die falsche Richtung. Wir bauen

ja keine kleinen Einfamilienhäuser,

sondern versuchen ganze Quartiere

so zu planen, dass sie lebenswert für

alle sind und mehr bezahlbarer und

gleichzeitig attraktiver Wohnraum in

Karlsruhe entsteht.

Storz: Genau! Deshalb testen wir an

verschiedenen Stellen aus, was es in

Zukunft braucht und welchen Mehrwert

wir für unsere Mieter und auch

die Stadtgesellschaft schaffen können.

Aktuell stecken wir mitten in mehreren

Pilotprojekten, teils in der Planung,

teilweise aber auch schon in der praktischen

Umsetzung, um Zukunftsthemen

sinnvoll abzubilden.

Was sind das für Pilotprojekte, von

denen Sie gerade gesprochen haben?

Storz: Zum Beispiel wurden unsere

1

Garagenaufstockungen in

Rintheim vom Ministerium für Wirtschaft,

Arbeit und Wohnungsbau

Baden-Württemberg als beispielgebendes

Projekt ausgezeichnet und gefördert.

Gemeinsam mit dem Architekten,

Dr. Falk Schneemann, stocken wir

bestehende Garagenhöfe mit modularen

Wohnungen in Holzbauweise auf.

Im Laufe dieses Jahres entstehen dann

zwölf Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen

mit kompaktem, überwiegend sozial

gefördertem Wohnraum für Studierende

und Alleinerziehende. Das löst sicher

nicht die Wohnungsprobleme in Karlsruhe,

setzt aber neue Impulse und findet

überregional bestimmt Nachahmer.

Besonders spannend ist für uns auch

die Zusammenarbeit mit Start-ups,

die wir als Partner über das Netzwerk

hubitation kennenlernen. Bereits

mitten in der Umsetzungsphase sind wir

mit Lumoview, die eine effiziente und

praktikable Lösung gefunden haben, um

digitale Wohnungsgrundrisse zu erstellen.

Das klingt erstmal simpel, ist aber

für uns enorm wichtig, um zum Beispiel

Förderanträge zu stellen.

Impulse nach außen setzen ist

wichtig, aber woher kommt der

interne Impuls, den Außenauftritt

zu überdenken und überarbeiten?

Hesselschwerdt: Nicht nur der Blick

nach außen, sondern auch nach innen

hat gezeigt, dass aktuelle Themen wie

unser soziales Engagement, spezielle

Angebote für unsere Mieter – wie

Vergünstigungen beim Carsharing

oder im ÖPNV – und unser Engagement

für die Umwelt im jetzigen

Auftritt nicht umfassend dargestellt

werden. Deshalb sind wir, mit Unterstützung

unseres Aufsichtsratsvorsitzenden,

Bürgermeister Daniel Fluhrer,

in einen Strategieprozess eingestiegen

und haben uns die Fragen gestellt:

‚Wer sind wir? Was machen wir?

Wofür stehen wir?‘ Zusätzlich haben

wir gemeinsam mit unserem Aufsichtsrat,

Stakeholdern und unseren

Mietern reflektiert, wie sie die

VOLKSWOHNUNG sehen.

Das Bild war nicht immer positiv belegt.

Aber die Kernbotschaften waren

eindeutig: Wir stehen für bezahlbaren

Wohnraum, für Nachhaltigkeit und

soziales Engagement. Und genau das

wollen wir in unserem Gesamtauftritt

authentisch vermitteln. Hierfür ist aber

ein kompletter Relaunch notwendig.

Wie gehen Sie den Relaunch der

Marke VOLKSWOHNUNG an?

Hesselschwerdt: Wie bereits angedeutet

wurde uns bei den Befragungen klar,

dass es eine große Diskrepanz zwischen

unserer Eigen- und der Fremdwahrnehmung

gibt. Die spannende Frage

war nun: ,Wie schaffen wir es, diese

zu beseitigen?‘ Dafür haben wir uns

externe Unterstützung geholt von der

Agentur Heine/Lenz/Zizka mit Sitz

in Frankfurt und Berlin, die uns seit

November 2020 bei diesem Prozess

begleitet. Gemeinsam haben wir ein

Konzept entwickelt, das die Neuausrichtung

der Kommunikation definiert.

Das Ergebnis kann sich schon bald sehen

lassen – im Sommer erscheint der

Geschäftsbericht im neuen Design.

Welche Aussage über die Wahrnehmung

hat Sie besonders

zum Nachdenken gebracht?

Hesselschwerdt: Mir ist vor allem ein

Zitat im Kopf geblieben: ‚Die

VOLKSWOHNUNG ist ein gesetzter,

seriöser, recht langweiliger

Mittfünfziger mit Bauchansatz, der

gedanklich jung geblieben ist und viel

Lebenserfahrung besitzt.‘ Da kann man

sich bildlich schon sehr gut vorstellen,

wie die Karlsruher uns wahrnehmen.

Aber klar, so eine Aussage ist im ersten

Moment ernüchternd. Trotzdem

sind wir dankbar für das Feedback, das

wir von Mietern, Stakeholdern, Politik

und aus der Stadtverwaltung bekommen

haben. Damit können wir jetzt

arbeiten. Unser Ziel ist eine nahbare,

transparente und unverwechselbare

Kommunikation.

Storz: Die ehrlichen Rückmeldungen

haben uns sehr geholfen, das war wichtig

für den Prozess. Erst dadurch wurde

uns klar, dass zu wenig von dem was wir

machen auch in der Karlsruher Bevölkerung

ankommt. Eine Mitarbeiterin

hat es in der Umfrage auf den Punkt

gebracht: ‚Wir tun so viel Gutes, doch

keiner weiß es.‘

Dann lassen Sie uns darüber

sprechen: Was genau macht die

VOLKSWOHNUNG denn noch?

Storz: Wir möchten in vielen Bereichen

innovativ denken und handeln. In

Rintheim und Oberreut setzen wir mit

unserem Partner, der KES, der Karlsruher

Energieservice GmbH, zum Beispiel

gerade das Projekt Mieterstrom um,

wo mit Photovoltaik-Anlagen auf den

Mietshäusern der eigene Strom

produziert wird. Das sogenannte 100-

Dächer-Programm läuft gut und soll in

etwa zwei Jahren abgeschlossen sein.

Dies ist ein weiterer Baustein auf dem

Weg zu unserem Ziel, bis 2040 einen

klimaneutralen Wohnungsbestand

zu haben. Neben Insektenhotels und

Blühwiesen, die übrigens nicht nur

von unseren Mietern sehr geschätzt

werden, ist uns auch eine nachhaltige

Quartiersentwicklung sehr wichtig. Es

nützt ja nichts, wenn man eine tolle

Wohnung hat, aber die Kinder keinen

Spielplatz in der Nähe haben oder wenn

es keinen Treffpunkt für die Nachbarschaft

gibt. Hier geht es um viel mehr

als das reine Wohnen, es geht darum,

dass die Menschen sich wohlfühlen und

gerne dort leben.

Soziales Engagement ist Ihnen

also ebenso wichtig wie das

Engagement für die Umwelt.

Was ist Ihr Herzensprojekt?

Storz: Da kann ich mich gar nicht entscheiden

(lacht). Mir persönlich liegt

besonders die ganzheitliche Betrachtung

von Wohnen und Nachbarschaft

am Herzen. Die Nachfrage nach neuen

Wohnformen, wo Nachbarn füreinander

da sind und die Gemeinschaft

stärker in den Fokus rückt, nimmt

merklich zu. Auf diesem Gebiet möchten

wir uns noch mehr engagieren

Die VOLKSWOHNUNG GmbH,

gegründet 1922, ist eines der größten

Immobilienunternehmen in Baden-

Württemberg. Etwa 13.400 Wohnungen

und über 240 Gewerbeeinheiten

werden von ihr verwaltet und betreut.

Bis 2025 wird die Immobiliengesellschaft

mehr als 1.000 weitere Wohnungen

bauen, von denen über die Hälfte

der Mietpreisbindung unterliegt.

Knapp 300 Mitarbeitende hat die

VOLKSWOHNUNG – vom Architekten,

über den Immobilienprofi bis hin

zum Servicetechniker und Gärtner.

und ergänzen unseren Bestand deshalb

um Sonderwohnformen wie

Mehrgenerationenhäuser, ambulant

betreute Wohngemeinschaften oder

auch Konzeptvergaben für Baugemeinschaften.

Gerade für die Menschen

mit besonderem Unterstützungsbedarf

möchten wir durch Kooperationen

mit sozialen Trägern den Zugang zu

Wohnraum erleichtern. Wichtig ist

mir auch, dass wir als kommunales

Wohnungsunternehmen Institutionen,

Initiativen und Vereine zu fördern, die

in unseren Wohngebieten tätig sind. So

können wir unsere Quartiere und die

aktiven Menschen vor Ort unterstützen

und die Lebensqualität steigern. Bei

unserem Engagement achten wir sehr

darauf, dass unsere Aktivitäten einen

Mehrwert für unsere Mieter haben.

Es gibt also jede Menge zu

erzählen, warum haben die

Bürger so selten davon gehört?

Storz: Mit unserem hohen Bauvolumen

und der Umsetzung der vielen

großen Projekte haben wir uns in der

Vergangenheit eher auf unser Tun

konzentriert, jetzt ist es aber auch Zeit,

darüber zu reden. Wir erneuern uns

nicht nur, indem wir uns einen neuen

Anstrich verpassen, sondern positionieren

uns zu den zukunftsorientierten

Themen auch anders.

>>

16 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

17


Fotos Carl Forger für VOLKSWOHNUNG

PIA HESSELSCHWERDT

Pia Hesselschwerdt ist seit August 2020 Leiterin der Unternehmenskommunikation

und Pressesprecherin. Vor ihrer

Tätigkeit bei der VOLKSWOHNUNG leitete sie den Bereich

Netzwerke und Kooperationen beim Bildungsträger Konzept-e

für Bildung und Soziales in Stuttgart. Ihr Fokus liegt auf einer

transparenten und authentischen Kommunikation innerhalb

und außerhalb des städtischen Unternehmens.

STEFAN STORZ

Stefan Storz ist seit Mai 2018 Geschäftsführer der

VOLKSWOHNUNG. Von 2010 bis zu seinem Wechsel nach

Karlsruhe war der gebürtige Mannheimer Geschäftsführer der

GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH. Der Diplom-

Kaufmann, Steuerberater und ehemaliger Wirtschaftsprüfer

legt sein Augenmerk auf die Entwicklung von nachhaltigen

und sozialgerechten Quartieren in der Stadt und in der

TechnologieRegion Karlsruhe.

>> Nachhaltigkeit und Klimaschutz

sind viel mehr in den Fokus der öffentlichen

Wahrnehmung gerückt.

Hesselschwerdt: Und genau dieses

Selbstverständnis gilt es jetzt, nach

außen zu transportieren. Mit unserem

zukünftigen Markenauftritt haben wir

ganz andere Instrumente an der Hand,

um unsere ,Geschichten‘ zu erzählen.

2022 wird die VOLKSWOHNUNG

das 100. Jubiläum feiern. Was ist bis

dahin geplant und wie soll die große

Party aussehen?

Hesselschwerdt: Wir sind ja noch

mitten im Entwicklungsprozess für das

neue Corporate Design. Dafür haben

wir uns bewusst Zeit genommen, damit

wir das auf eine solide Basis stellen

können. Der Geschäftsbericht wird

der erste Aufschlag sein, bei dem die

Leute erkennen, in welche Richtung

der ‚Tanker VOWO‘, wie es einer in der

Umfrage beschrieben hat, sich bewegen

wird. Auf dieser Basis möchten

wir im Jubiläumsjahr unterschiedliche

Aktionen und Angebote schaffen, die

über das Jahr 2022 hinaus wirken und

Bestand haben. Im Fokus steht dabei

immer der Mehrwert für unsere Mieterschaft.

Aber auch das Thema Corporate

Citizenship ist Teil unserer Überlegungen

– wie können wir unseren 100.

Geburtstag proaktiv nutzen, um uns

auch in der Stadtgesellschaft als ,guter

Bürger‘ zu engagieren?

Storz: Was unseren Kernauftrag angeht,

also die Schaffung von bezahlbarem

Wohnraum, haben wir auch noch viel

vor. Wir sind in Durlach gerade dabei,

ein Projekt mit 54 Wohneinheiten zu

realisieren. Ganz aktuell ist auch die

Entwicklung des August-Klingler-Areals

in Daxlanden. Hier entstehen etwa 360

Wohneinheiten: Ein- bis Fünf-Zimmer-

Wohnungen, darunter auch barrierearme

Einheiten für ältere Menschen,

eine Tagespflege-Einrichtung, eine Kindertagesstätte,

zwei Gewerberäume und

ein Mieterservice-Büro. Die Liste lässt

sich weiterführen. Außerdem nehmen

wir uns die energetische Sanierung der

Bestandsimmobilien vor und schreiben

unsere Klimastrategie fort. Dann stehen

noch einige Ideen und Projekte bezüglich

mehr Nachhaltigkeit beim Bau im

Raum, über die wir uns noch Gedanken

machen werden. Auch im 100. Jahr

unseres Bestehens wird uns alles andere

als langweilig! (lacht)


AUFBRUCH

Zugegeben, der Titel kommt etwas lustig daher, der Hintergrund ist aber alles andere als zum Lachen. Denn

was Dirk Scherer, Geschäftsführer der Medical Protection Equipment GmbH, kurz Medpe, mit seinen

Geschäftspartnern, IMSTec GmbH und Admedes GmbH, binnen kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat, ist

eine echte Meisterleitung. Von der Idee bis zur Produktion der ersten FFP2-Masken „Made in Germany“, sind

gerade einmal sechs Monate vergangen.

TAG 0

Alles begann mit einem Aufruf von

Gesundheitsminister Jens Spahn,

aufgrund des Mangels an medizinischen

Mund-Nasen-Masken, Produktionsstätten

lokal in Deutschland

zu errichten. „Nach einem kurzen

Gespräch mit meinem damaligen Chef,

Markus Spanner, Geschäftsführer der

Physik Instrumente (PI) GmbH, und

10 Sekunden Bedenkzeit war klar, ich

mach es“, erinnert sich Dirk Scherer.

Und dann ging alles ganz schnell.

JUNI 2020

Nach und nach wurden die

technischen Anlagen aufgebaut

und in Betrieb genommen. Parallel

wurde nach geeignetem Personal

gesucht. Qualifiziertes Fachpersonal

war – natürlich – schnell eingestellt,

ebenso die Aushilfen, die Scherer

überwiegend aus von der Pandemie

betroffenen Branchen gewinnen

konnte. Darunter Mitarbeiter aus

dem Wellnessbereich und aus dem

Gastronomiegewerbe.

HEUTE

Aktuell wird mit 160 Mitarbeitern

an fünf Anlagen auf einer Fläche von

3.000 Quadratmetern produziert.

Wöchentlich können so rund 1,5

Millionen Masken ausgeliefert werden.

Bei jeder Maske mit dabei: ein Clip

zur Befestigung der Maske hinter dem

Kopf, sowie ein zusätzliches Kopfbändchen

– schließlich gleicht kein Kopf

dem anderen. Kleinigkeiten, die die

Qualität von Medpe unterstreichen, so

der Geschäftsführer.

MAULTÄSCHLE

MADE IN BADEN

„WIE HEISST DER MUNDSCHUTZ

AUF SCHWÄBISCH?“

Foto pexels.com/Griffin Wooldridge

APRIL 2020

Nach Gesprächen mit dem Rechtsanwalt

und dem Notar folgte das Thema

Finanzierung. Auch diese war schnell

geregelt – Scherer setzte sein privates

Kapital ein und konnte auch hier auf

die Unterstützung der Familie Spanner

setzen, die als Gesellschafter mit an

Bord war. Unternehmensgründung

ganz ohne Subventionen - nur dadurch

gelang es Scherer, in gerade einmal 10

Tagen Medpe zu gründen.

MAI 2020

Anfang Mai folgte dann die Einstellung

des ersten Mitarbeiters und die Suche

nach einer Produktionsstätte. Wie

könnte es anders sein – schnell gefunden

– Siemensallee 84, Karlsruhe. „Ich

habe den Mietvertrag für eine Fläche

von 1.500 Quadratmetern unterschrieben.

Dann haben wir drei Bierbänke

reingestellt, ein paar Laptops dazu und

uns an die Arbeit gemacht“, so der

Medpe-Geschäftsführer im Gespräch

mit dem Wirtschaftsspiegel.

SEPTEMBER 2020

Genau ein halbes Jahr nach Firmengründung

startete die Produktion

der FFP2-Masken – zertifiziert nach

DIN-Norm, anders als dies bei vielen

Mitbewerbern der Fall ist, die ihre

Produkte im europäischen Ausland

oder der Türkei zertifizieren lassen.

Und auch bei den Materialien wie

dem Filtervlies setzt Medpe auf den

deutschen Standard.

OKTOBER 2020

Von der Fächerstadt aus geht die

erste Lieferung an öffentliche Einrichtungen

in Deutschland und Europa.

Wohin genau, das verwaltet die Firma

IMSTec – Medpe agiert als Produzent.

Ab sofort werden am Standort Karlsruhe

rund um die Uhr FFP2-Masken

produziert, nicht einmal an Weihnachten

und Silvester wurde pausiert.

„Seit wir das Unternehmen gegründet

haben, hatte ich gerade mal vier Tage

frei“, so Scherer weiter. Trotzdem

bereut er diesen Schritt nicht.

UND IN ZUKUNFT?

Dirk Scherer sieht Medpe keinesfalls

als One-Hit-Wonder und nur für die

Zeit der Pandemie als wettbewerbsfähig,

ganz im Gegenteil. Er und seine

Kooperationspartner tüfteln bereits

an Masken speziell für betagte Senioren

– geringerer Atemwiderstand bei

hoher Filtrationsleistung. Oder aber

spezielle Masken für Kinder. Auch das

Thema Nachhaltigkeit bewegt Scherer.

Bislang haben die FFP2-Masken eine

Lebensdauer von drei Jahren. Deshalb

müssen große Lager, zum Beispiel

von Krankenhäusern und Regierungen,

nach dieser Zeitspanne entsorgt

werden. „Wir möchten erreichen, dass

unsere Masken langlebiger werden und

auch nach fünf Jahren oder mehr ihre

Funktionalität behalten“, lautet Scherers

Vision. Zudem gibt es Ideen für

eine Erweiterung des Sortiments – alles

noch streng geheim.

CAROLINE CARNEVALE

www.wvs.de

20 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

21


KARLSRUHE BAUT SEINE

STÄRKEN WEITER AUS

Wirtschaft und Wissenschaft sind auch in herausfordernden Zeiten starke Eckpfeiler des attraktiven

Investitionsstandorts. Als Zentrum für Innovation ist Karlsruhe mit seinen renommierten Hochschulen und

Forschungseinrichtungen, den dynamischen Unternehmen und Netzwerken zukunftsfähig aufgestellt.

Ein überdurchschnittlicher Anteil an Zukunftsbranchen wie

Informationstechnologie (IT), künstliche Intelligenz (KI),

Mobilität sowie Energie, Handel und Kreativwirtschaft sorgt

für hohe Resilienz. Folglich sprechen die ökonomischen Zahlen

für sich: Laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg

lag die Bruttowertschöpfung in Karlsruhe im Jahr 2018

bei 18,4 Mrd. Euro, über 14 Mrd. Euro erwirtschaftete allein

der Dienstleistungssektor. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in

der Fächerstadt in den vergangenen zehn Jahren um 20.000

auf rund 240.000.

Derzeit arbeiten rund 30.000 Menschen in 4.400 IT-

Unternehmen. Diese zukunftsweisende Branche macht bereits

heute etwa 45 Prozent des Karlsruher Gewerbesteueraufkommens

aus. Und gerade für diese Branche könnte die

Corona-Krise einen weiteren Schub bedeuten, denn digitale

Lösungen und IT-Fachkräfte werden verstärkt nachgefragt.

Mut zu neuen Geschäfts modellen, die schnell und unkonventionell

umgesetzt werden, sowie ein flexibles Arbeitsumfeld

sind erforderlich, um am Markt bestehen zu können.

PRINZIP DER KURZEN WEGE

ALS ERFOLGSFAKTOR

Das Karlsruher Prinzip der kurzen Wege ermöglicht genau

solche direkten Abstimmungsprozesse zwischen den Akteuren.

Diese Stärke Karlsruhes ist zugleich ein Erfolgsfaktor bei der

Bewerbung für den Landeswettbewerb Innovationspark KI

Baden-Württemberg: Innerhalb weniger Wochen konnte auf

dieser Grundlage, gemeinsam mit den Regionen Stuttgart und

Neckar-Alb, ein KI-Gesamtkonzept erarbeitet, eine Genossenschaft

ins Leben gerufen und eine beeindruckende Zahl an

Unterstützern aus Karlsruhe und der Region gewonnen werden.

GRÜNDUNGSSTANDORT:

INNOVATIONEN VORANBRINGEN

Die Karlsruher Hochschulen und Forschungseinrichtungen

sind Innovationsmotoren und bilden das Fundament für eine

lebendige Gründungskultur. Denn wo nachhaltig geforscht

wird, können zukunftsweisende Ideen entstehen. Gründungswilligen

steht in der Fächerstadt ein breites Beratungs-Netzwerk

zur Verfügung.

Ein aktuelles Leuchtturmprojekt ist das Gründungszentrum

Smart Production Park für digitale Produktion, das an der

Technologieachse in der Karlsruher Oststadt auf dem

Hoepfner-Areal entsteht. An diesem neuen Ort der Möglichkeiten

können Start-ups experimentieren, Kontakte herstellen

und die moderne Infrastruktur nutzen. Die Stadt beteiligt

sich mit 2,2 Mio. Euro, eine weitere Million steuert das Land

Baden-Württemberg bei. Betrieben wird das Zentrum von der

Wirtschaftsförderung Karlsruhe und dem CyberForum e.V.

Das Thema Gründung spielt auch beim Aktionsprogramm

Handwerk eine wichtige Rolle. Hier wird derzeit eine Bedarfsanalyse

für ein Gründungszentrum Handwerk sowie ein

Gewerbezentrum erstellt. Ebenfalls im Fokus: Nachwuchskräfte

für das Handwerk zu begeistern. Darauf zielt die craft.

ROADSHOW ab, die zusammen mit der Kreishandwerkerschaft

Karlsruhe entwickelt wurde. Da das erfolgreiche Konzept

derzeit corona-bedingt nicht vor Ort an den Schulen

stattfinden kann, sind Infos über die craft.ROADSHOW-

App und -Website abrufbar. Seit Beginn des Jahres wurden

bereits mehrere Praktikumsanfragen über die App vermittelt.

Um das Angebot weiter zu verbessern, wird es von der Pädagogischen

Hochschule evaluiert.

Foto @FC-Gruppe/Marquardt

KREATIVPARK IN DER KRISE STABIL

Die Nachfrage nach Räumen im Kreativpark Alter Schlachthof

ist ungebrochen. Ende 2021 wird das Kreativwirtschaftszentrum

für etablierte Firmen mit einem höheren Flächenbedarf

von 150 bis 650 Quadratmetern eröffnen. Bis zum

Herbst wird die Zahl der Arbeitsplätze im Kreativpark nochmals

um 200 auf rund 1.200 steigen, die Zahl der Unternehmen

und Institutionen von 150 auf rund 160. Darunter

sind wachstumsstarke Firmen wie die netzstrategen mit

inzwischen über 70 Beschäftigten. Auch das neue Gebäude

der Verkehrsbetriebe Karlsruhe an der Durlacher Allee zieht

junge Firmen auf Wachstumskurs an: Hier ist kürzlich das in

Karlsruhe gegründete Unternehmen echobot mit fast 100

Mitarbeitenden eingezogen.

INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

Mit dem Erwerb von Flächen und bebauten Grundstücken

erweitert die Stadt Karlsruhe ihre Handlungsspielräume für

eine strategische Gewerbeflächenentwicklung. Dazu übt

die Stadt in vielen Fällen ihr Vorkaufsrecht aus, kauft aber

auch am freien Markt. Allein im vergangenen Jahr wurden

Im Nordosten Karlsruhes setzt der FC-Campus

der FC-Gruppe neue Maßstäbe.

nahezu 200 Mio. Euro investiert und u.a. das Pfizer-Areal im

Nordosten sowie das Rotag-Areal im Westen der Stadt erworben.

Das ermöglicht eine nachhaltige Wachstums- und

Ansiedlungspolitik. Auch der Breitbandausbau zielt darauf ab,

die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Karlsruhe zu erhöhen.

MARKANTE STADTEINGÄNGE

Große Fortschritte gibt es im Entwicklungsquartier Hauptbahnhof

Süd: Am südlichen Stadteingang sind rund 27.000

Quadratmeter Fläche neu entstanden. Im Sommer 2020

bezogen der Internetanbieter 1&1 mit rund 1.800 Mitarbeitenden

und die Deutsche Bahn mit 500 Beschäftigten

die modernen Räumlichkeiten. Die Kantine im denkmalgeschützten

Gebäude des ehemaligen Heizkraftwerks

wurde im Frühjahr 2021 in Betrieb genommen.

>>

22 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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Östlich der bereits errichteten Gebäude werden nun

die Planungen für ein 18-stöckiges Hochhaus für Büros und

temporäres Wohnen vorangetrieben.

Die Entwicklung im Westen des Areals schreitet mit dem

Abschluss des Architektenwettbewerbs des Kölner Projektentwicklers

Kreer Development ebenfalls weiter voran: Der

Sieger entwurf des Büros ASTOC Architekten überzeugte

mit seinem qualitativ hochwertigen Gebäudeensemble mit

breitem Nutzungsmix.

An der Durlacher Allee eröffnete im Herbst 2020 das fünfstöckige

IKEA-Einrichtungshaus in innenstadtnaher Lage. Das

schwedische Möbelhaus legte viel Wert auf Nachhaltigkeit und

investierte insgesamt 100 Mio. Euro. In direkter Nachbarschaft

entsteht am Großmarkt ein siebenstöckiger Bürokomplex:

Das Projekt „Carls Cube“, mit einem Investitionsvolumen von

rund 30 Mio. Euro, wird künftig rund 9.000 Quadratmeter

Fläche und Raum für 600 Beschäftigte bieten. Die Rastatter

Niederlassung der Bauherrin Dreßler Bauträger GmbH wird

hier einziehen, ebenso das städtische Marktamt.

Im Nordosten Karlsruhes setzt der FC-Campus der FC-

Gruppe neue Maßstäbe. Das Unternehmen, das selbst

Baumaßnahmen plant und steuert, hat im Hinblick auf

Nachhaltigkeit und New Work ein Best-Practice-Gebäude

realisiert und Raum für 200 Arbeitsplätze geschaffen. Für

Karlsruhe ist dies ein echter Gewinn, auch weil das 1999 hier

gegründete Unternehmen damit wieder an seinen ursprünglichen

Standort zurückkehrt.

AUSGEZEICHNET:

KARLSRUHE PUNKTET IN RANKINGS

Dass Karlsruhe ein starker Wirtschafts-, Wissenschafts- und

Innovationsstandort ist, zeigt erneut das Städteranking der

Wirtschaftswoche: Karlsruhe belegt auch im Jahr 2020 eine

gute Platzierung im oberen Drittel. Die Wirtschaftswoche

verglich dazu 71 deutsche Großstädte in den drei Kategorien

Niveau, Dynamik und Nachhaltigkeit.

Als einzige deutsche Stadt ist Karlsruhe in der G20 Global

Smart Cities Alliance vertreten. Das Weltwirtschaftsforum

will hier unter suchen, wie Smart Cities ihre Standards

gestalten. Die 35 ausgewählten Pionierstädte entwickeln

Verfahren als Grundlagen für Kommunen weltweit.

Für den neuen Smart City Index durchleuchtete der Digitalverband

Bitkom 81 Städte. Karlsruhe schaffte es auf einen

ausgezeichneten 5. Platz, in einer wichtigen Kategorie sogar

auf Platz 1: In keiner anderen deutschen Großstadt ist die

Verwaltung so smart.

In der weltweiten Corona-Krise ist es derzeit für keinen

Standort leicht, einen fruchtbaren Nährboden für Investitionen

zu bieten. Jedoch wird die Stadt gemeinsam mit Wirtschaft

und Wissenschaft weiter daran arbeiten, dass Karlsruhe

seine Position als attraktives, zukunftsfähiges und innovatives

Zentrum in einer leistungsfähigen Region ausbauen kann.


WIE DIGITAL

KÖNNEN MESSEN

WERDEN?

1

Fotos Messe Karlsruhe

3

Die Messe offerta lebt davon, dass Besucher in die Hallen der Messe Karlsruhe strömen und sich den ganzen

Tag dort verweilen. Bei Fachmessen wie der IT-Trans oder der LEARNTEC stehen die Workshops und das

Netzwerken im Mittelpunkt. Wie kann der Austausch mit dem Besucher gelingen, wenn analoge Messen nicht

2

1 IT-Trans per Livestream in die Welt, statt die

Welt zu Gast in den Messehallen.

2 Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe,

blickt optimistisch in die Messe-Zukunft.

3 Aus Messehallen wurde das Kreisimpfzentrum –

Hallen stehen also nicht leer.

stattfinden dürfen?

Die art KARLSRUHE war die letzte Publikumsmesse, die

2020 noch in der Messe Karlsruhe durchgeführt werden

konnte und durfte. Dann kam der erste Lockdown und die

Pforten der dm-Arena haben sich vorerst geschlossen.

Ständig kamen neue Verordnungen, mal konnte die offerta

im Herbst stattfinden, dann wieder nicht und schlussendlich

wurde sie doch abgesagt. Schwere Zeiten für die Geschäftsführerin

der Messe Karlsruhe, Britta Wirtz. „Anfangs war es

ein dynamisches ‚von Tag zu Tag‘-Arbeiten, dann ein von Verordnung

zu Verordnung-Arbeiten, alles ständig neu beurteilen

und entscheiden“, sagt Britta Wirtz gegenüber dem Wirtschaftsspiegel.

„Wir haben in gewohnt strukturierter Weise

unsere Veranstaltungen vorbereitet bzw. Gastveranstaltungen

begleitet – immer mit dem Blick auf das Pandemie-Geschehen

und damit einhergehenden Deadlines und Go- oder No-

Go-Entscheidungen.“

Das Team der Messe habe stets versucht, das Mögliche möglich

zu machen. Doch abgesagt ist abgesagt. Statt tatenlos

zuzuschauen haben die Veranstalter der offerta, die jährlich

über 140.000 Besucher anlockt, die Publikumsmesse in den

digitalen Raum verlegt. „Wir haben die Plattform offerta.de

gelauncht, wo sich offerta-Fans ganzjährig ausgewählte Produkte

der Aussteller aussuchen können“, erklärt Wirtz. „Die

Fachmesse LEARNTEC haben wir im Januar an ihrem angestammten

Termin als einen dreitätigen digitalen Workshop

angeboten. Die Resonanz war positiv: Fast 7.000 Interessierte

hatten sich angemeldet.“

Die Veranstalter haben in den schweren Pandemie-Monaten

den Kontakt zum Besucher gesucht statt komplett zu schließen.

„Wir haben viel Erfindungsreichtum in unsere Ideen und

Formate gesteckt“, so Wirtz weiter. „Das ist ein besonderes

Merkmal unseres Hauses.“

Dabei ist für die Messelandschaft in Deutschland und in

Karlsruhe nichts wichtiger als der direkte Kontakt zum Kunden

oder zum Business. Digitale Nähe kann kaum entstehen,

Netzwerken am Rande der Veranstaltung entfällt. „Die

Pandemie hat der Digitalisierung einen großen Schub gegeben

– und so waren auch wir Messe-Macher gefragt, digitale

Formate auf Sinnhaftigkeit für unser Business zu prüfen. Die

gemachten Erfahrungen zeigen, dass Wissenstransfer und

Austausch sehr gut digital abzubilden sind und dadurch Reichweiten

unserer Veranstaltungen noch erhöht werden können“,

sagt die Messe-Chefin. „Jedoch ist tatsächliche Leadgenerierung

für Aussteller in der virtuellen Welt schwierig, weshalb

unsere Aussteller uns auch drängen, so bald wie möglich

wieder analoge Veranstaltungen anzubieten.“

Wann es so weit ist, dass wieder tausende Besucher durch

die vier Hallen am Standort in Rheinstetten oder die

Schwarzwaldhalle schlendern, ist ungewiss. Die Hoffnung

von Britta Wirtz: Mitte des Jahres 2021 sollte das Geschäft

wieder anlaufen. „Wir können aber nur dann veranstalten,

wenn wir möglichst schnell Perspektiven durch die Politik

aufgezeigt bekommen. Messen brauchen Vorlaufzeit und

Planungssicherheit.“

Schon im ersten Quartal 2021 steht fest, dass manche Messen

auf 2022 verschoben werden. Das betrifft die INVENTA &

RendezVino und die art KARLSRUHE. Absagen bedeuten

finanzielle Einbußen, die die Messe Karlsruhe nicht mehr

aufholen kann. „Der Branchenverband AUMA gibt einen

Geschäftseinbruch von 70 Prozent an. Wir sind etwas glimpflicher

davongekommen“, sagt Britta Wirtz. „Unser Umsatz

ist ‚nur‘ um 50 Prozent eingebrochen. Das haben wir einem

außergewöhnlich starken Start ins Jahr 2020 zu verdanken,

der weit über dem Plan lag. So gesehen sind wir ganz gut

durch das Corona-Jahr gekommen.“

Ein Grund ist die Verlagerung in den digitalen Raum. Gänzlich

digital können Messen jedoch nicht werden, oder doch? „Es

wird sicher bei unterschiedlichen Formaten in der Veranstaltungswirtschaft

Tendenzen zu rein digitaler Abbildung

geben – ich kann mir hier kleinere Tagungen, Seminare oder

Workshops vorstellen. Eine generelle Verdrängung analoger

Veranstaltungen sehe ich aber nicht. Befragungen zeigen, dass

Aussteller keine dauerhafte digitale Ausweichstrategie haben

wollen.“ Messen werden auch keine aus dem Portfolio genommen,

nur weil sie ein oder zwei Mal verschoben wurden.

In Zukunft sollen wieder analoge Messen und Kongresse an

den Standorten der Messe Karlsruhe durchgeführt werden.

„Aber mit den Learnings aus der Zeit der Lockdowns. Das wird

unser Angebot nachhaltig verbessern im Sinne der Kunden-

Fokussierung“, so Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Messe

Karlsruhe, abschließend.

ANYA BARROS

www.wvs.de

26 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

27


Landau in der Pfalz -

Einkaufsstadt und Südpfalzmetropole

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Landau ist Lebensfreude!

PREISJOJO

WAS MACHT CORONA MIT DEN IMMOBILIENPREISEN?

Wer kann, zieht in die Stadt. Also wer es sich leisten kann. Das Phänomen

lässt sich schon viele Jahre beobachten. Corona hat da nur einen

unwesentlichen Teil beigetragen, trotz das viele Menschen im Homeoffice

arbeiten können. Wie verändert sich der Immobilienmarkt durch

die Pandemie? Der Wirtschaftsspiegel im Gespräch mit einem Makler

aus der TechnologieRegion.

Unsere pulsierende Innenstadt bietet

beste Bedingungen für ein ausgiebiges

Shoppingerlebnis, das durch vielfältige

kulinarische Angebote inmitten eines

historischen Geschäftskerns gekrönt

wird.

MICHAEL HUST

Seit über 16 Jahren ist der Diplom-

Immobilienwirt in Karlsruhe mit

seinem Unternehmen selbständig.

Er und sein Team vermitteln

Immobilien von Baden-Baden bis

Bruchsal, Pforzheim bis Landau.

Aktuell zählt sein Maklerbüro 14

Mitarbeitende an vier Standorten

in der Region.

www.hust-immobilien.de

Foto pexels.com /Jovydas Pinkevicius

2020 war kein normales Jahr, auch

nicht bei Michael Hust, Immobilienmakler

aus Karlsruhe. „Im ersten

Lockdown, also von März bis etwa Mai

oder Juni, war es sehr ruhig bei uns,

wir waren teilweise in Kurzarbeit. Doch

seit dem Sommer lief das Geschäft

wieder normal“, so Hust.

Ein Jahr nach dem Beginn der

Pandemie sieht der Immobilienmakler

erste Veränderungen. „Die Leute

werden vorsichtiger, gerade beim

Verkauf von Immobilien ist es etwas

ruhiger geworden.“

Schon bei der Wirtschaftskrise 2008

hat sich gezeigt: Auf dem Immobilienmarkt

kommen die Auswirkungen

erst später. So auch 2021. Die Preise

sinken teilweise leicht. „Einbrechen

werden die Verkaufspreise jedoch

nicht“, ist sich der Diplom-Immobilienwirt

sicher.

STADT NACH WIE VOR BELIEBT

„Wer es sich weiterhin leisten kann,

zieht in die Stadt – hier ist für viele

Menschen mehr geboten, das macht

die Stadt so attraktiv.“ Wer sein Geld

lieber in ländlichen Gebieten investiert,

bekommt fürs gleiche Geld aber

kein Abrisshaus.

„Da sind immer schöne Angebote

dabei, nur eben günstiger, weil die

Infrastruktur nicht für jeden Anspruch

die richtige ist“, so Michael Hust

gegenüber dem Wirtschaftsspiegel.

MEHR ANGEBOT ALS

NACHFRAGE

Im Bereich der Gewerbeimmobilien,

so Hust, sehe es schlechter aus. „In

Karlsruhe wurde in den letzten Jahren

viel Gebaut, hinter dem Hauptbahnhof

zum Beispiel sind große Büroflächen

entstanden. Das hat den Markt sehr

durcheinandergewirbelt. Es gibt mehr

Angebot als Nachfrage, das war schon

vor Corona so – diese Flächen jetzt zu

verkaufen ist schwerer als 2019.“

DIGITALE EXPOSÉS

Was der Makler der Krise abgewinnen

konnte: Homeoffice für die Mitarbeitenden

und mehr Online-Services. „Wir

bieten schon seit Langem 3D-Besichtigungen

an, das wird gut angenommen

von unseren Kunden und das wird in

Zukunft auch noch zunehmen“, ist sich

Michael Hust sicher. „Die Interessenten

möchten alle relevanten Infos vorab,

uns spart das auch Zeit, denn durch den

ersten Look weiß der Kunde bereits

vorher, ob sich eine Besichtigung für ihn

in Frage kommt.“ Voraussetzung dafür:

Perfektes Bildmaterial, nicht nur Fotos,

die aus einer Ecke mit dem Smartphone

gemacht werden. „Das ist etwas mehr

Aufwand, der sich lohnt. Der virtuelle

Rundgang ersetzt aber niemals eine Besichtigung

vor Ort“, so Hust gegenüber

dem Wirtschaftsspiegel.

ANYA BARROS

www.wvs.de

Überzeugen Sie sich von dem Flair und

der Vielfalt in unserer Stadt. Die seit

Jahren wachsende Südpfalzmetropole

lädt ein zum Shoppen, zum Genießen,

zum Verweilen, zum Leben - wir freuen

uns auf Sie!

Gerne steht Ihnen die städtische Wirtschaftsförderung

für Fragen rund um

den (Wirtschafts-)Standort Landau zur

Verfügung.

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Fon 06341 13-2000

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AUFBRUCH

MIT DEM „KARLSRUHER

WERKZEUGKOFFER“ ZUM

RE-START

DIE KARLSRUHE MARKETING UND EVENT

GMBH KOORDINIERT ÖFFNUNGSSTRATEGIEN

Steigende und fallende Infektionszahlen, Corona-Maßnahmen, die sich

dadurch mitunter wöchentlich ändern, „Notbremse“, Vorgaben des

Landes Baden-Württemberg, Beschränkungen: Doch auch in diesen

Fotos Race Result; Andreas Arndt

„Es ist eine schwierige Zeit – auch

für die Planung“, betont KME-

Geschäftsführer Martin Wacker,

doch das mehrgleisige Planen sei in

Kooperation mit den richtigen Partnern

umsetzbar: „Wichtig ist, bei allen Veranstaltungen

und Formaten aufzuzeigen,

dass man auch in Zeiten der Pandemie

mit Systemen und kluger Technologie

etwas umsetzen und erreichen kann.“

WELTWEIT BEACHTETES ZEICHEN

Das INDOOR MEETING fand in

diesem Jahr in der Karlsruher Europahalle

als reines TV Meeting statt, hat

aber ein weltweit beachtetes Zeichen

gesetzt, dass solche Sport-Events auch

in Zeiten der Pandemie funktionieren.

Damit wurde auch der Ruf von Karlsruhe

als innovative Sportstadt in die

Welt getragen. „Das ging aber nur mit

einem starken und engen Testsystem,

IT-gestützten Prozessen und mit einem

Transponder-System“, so Wacker.

Über einen Badge, den jeder der über

600 internationalen Teilnehmer und

Mitwirkenden trug, konnte genau

ermittelt werden, wer wo zu welcher

Sekunde an welcher Stelle stand. Dazu

sind die Systeme räumlich abgrenzbar,

zeitlich abbildbar und auch vernetzt

mit dem Gesundheitsamt: Hier setzen

neue Technologien an, wie zum Beispiel

die „Luca App“. Diese bildet, wie der

Transponder, den Aufenthaltsort der

Menschen mittels Mobiltelefonen ab.

RE-START-SZENARIEN IM BLICK

„Das sind Grundvoraussetzungen, mit

denen wir uns in Sachen Öffnungsstrategien

für Re-Starts bei Veranstaltungen

beschäftigen“, so Wacker. Dass die

KME mit ihren Partnern fundierte

Expertisen in Sachen Sicherheit,

Einlass- und Crowdmanagement hat,

ist gerade in der aktuellen Situation

sehr hilfreich. Schließlich geht bei

Veranstaltungsplanung nichts über

Erfahrungswissen – unterstützt auch

durch Simulation zum Beispiel in Sachen

Gehverhalten und Laufwege von

Besuchern. „Wir haben PTV Viswalk

um mehrere Funktionen erweitert, die

erlauben, die besonderen Bedingungen

einer Pandemie für Veranstaltungen zu

berücksichtigen“, so Dr. Tobias Kretz,

Chief Technical Product Manager bei

der PTV Group aus Karlsruhe.

Dazu kommt mit race result aus

Pfinztal ein technischer Partner, der

seine Kompetenz mit einem weiteren

Sicherheitsfeature bei der Nachverfolgung

ergänzend einbringt. Ob Track

Box, Transponder oder Server: „Mit

der Anwendung lassen sich Öffnungsstrategien

geplant umsetzen“, erläutert

Sascha Hornung, International Sales

Manager von race result.

Zudem wurde die erfolgreiche Umsetzbarkeit

schon mehrfach bewiesen.

Wichtig ist den Partnern dabei, dass

technische Innovation aus der

TechnologieRegion in die Prozesse

implementiert wird. Diese wurde zum

Beispiel auch erfolgreich eingesetzt bei

der dezentralen Eröffnung des Marktplatzes

mit der Tunnelbesichtigung, bei

der 8.000 Menschen – entsprechend

geleitet – in der neuen Haltestelle

Marktplatz unterwegs waren.

„KARLSRUHER WERKZEUG-

KOFFER“ IM EINSATZ

Schnelltests, Transponder-Technik,

Zugangskriterien, „Luca App“: „Wir

sehen das als eine Art ‘Karlsruher

Werkzeugkoffer‘, der für Öffnungsstrategien

einheitlich in allen Bereichen

in der Stadt eingesetzt werden muss“,

erläutert Wacker. Ob für Kulturelles,

Sport und Jugend, Handel, Gastronomie

oder Hotellerie – stets in Zusammenarbeit

mit den zuständigen Stellen.

Wenn die einzelnen Faktoren ineinandergreifen,

kann das zu Öffnungsstrategien

führen, ist sich der KME-Chef

sicher: „Es ist eine herausfordernde

Aufgabe, doch wir koordinieren diese

Prozesse und stellen die nötigen

Werkzeuge zur Öffnung bereit.“

Denn genaues Tracking, Steuern

und Nachverfolgen von Besuchern

sind Voraussetzungen für mögliche

Öffnungsschritte. Es wäre dann eine

schrittweise Rückkehr zu einer ansatzweisen

Normalität.

www.karlsruhe-event.de

Zeiten müssen die Experten der KME Karlsruhe Marketing und Event

GmbH mit ihren Partnern planerische Weitsicht in Sachen Öffnungsstrategien,

sichere Rahmenbedingungen und Hygienekonzepte zeigen.

Foto XXX

Foto XXX

30 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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ZWISCHEN TRK

UND SCHWARZWALD

BAD HERRENALB IM BLICK

Über 8.000 Einwohner zählt Bad Herrenalb, die Kurstadt vor den Toren

der TechnologieRegion Karlsruhe ist alles andere als ein verschlafenes

Dorf. Es tut sich was in diesem beschaulichen Städtchen am Ende des

Albtals. Bürgermeister Klaus Hoffmann steht Rede und Antwort.

Ruhig, idyllisch und malerisch liegt die

Kleinstadt Bad Herrenalb im westlichen

Nordschwarzwald. Jenseits

der Grenzen der TechnologieRegion

Karlsruhe (TRK) bildet das Örtchen die

Schnittstelle zwischen den Landkreisen

Karlsruhe und Calw. „Wir mögen eine

politische Grenze sein, aber es gibt viele

Verbindungen in die Rheinebene, die

sichtbarste ist die Straßenbahn nach

Ettlingen und Karlsruhe“, sagt Bürgermeister

Klaus Hoffmann im Gespräch

mit dem Wirtschaftsspiegel. „Daher

lohnt sich ein genauer Blick auf unsere

schöne Stadt!“

VIEL GESCHICHTE,

VIELE ZUKUNFTSPLÄNE

Auf das Jahr 1149 geht die Gründungsgeschichte

des Klosters in Bad Herrenalb

zurück und ist eine europäische

Geschichte, denn die Mönche, die

hier siedelten, kamen aus dem Elsass.

„Wir haben eine spannende Historie,

und wenn wir nach vorne blicken, dann

sehen wir, dass sich die Stadt weiterentwickeln

wird.“ Bad Herrenalb hat

viel vor, um weiter zu wachsen. Schon

optisch hat sich die Kurstadt verändert,

der Startschuss dazu fiel mit der kleinen

Landesgartenschau im Jahr 2017. „Wir

haben prognostiziert, dass wir in den

nächsten zehn Jahren weiterhin ein Bevölkerungswachstum

erleben werden –

langsam, aber sicher wächst die Stadt“,

so der Bürgermeister weiter. „Vor ein

paar Jahren haben wir ein Neubaugebiet

erschlossen, da gibt es noch ein

freies Grundstück, daher machen wir

den Weg frei für mehr Wohnraum.

Deswegen haben wir ein Grundstück

in der Kernstadt verkauft, das Lacher-

Carré. Hier werden 25 Wohneinheiten

errichtet.“

Insgesamt sollen auf drei ehemals städtischen

Flächen knapp 75 Wohnungen

entstehen. „Wir schauen zudem in den

Ortsteilen nach Baufläche, denn der

Druck aus den Großstädten ist da, die

Menschen suchen Wohnraum.“

Foto Tourismus und Stadtmarketing Bad Herrenalb

Damit sich vor allem Familien und Jüngere

niederlassen, richtet die Stadt einen

neuen Kindergarten ein. „Der alte

Kindergarten war in die Jahre gekommen,

deswegen gibt es einen Neubau.

Ich gehe davon aus, dass wir noch mehr

Plätze anbieten müssen, deswegen

sind wir schon jetzt auf der Suche nach

einem geeigneten Ort für eine weitere

Kindertagesstätte“, sagt Hoffmann.

Die Stadt am Rande des Schwarzwaldes

hat in den letzten Jahren einen großen

Schub nach vorne gemacht, sehr zur

Freude des Bürgermeisters.

AUFBRUCHSTIMMUNG

Bad Herrenalb befindet sich in einem

Aufbruch, viele Veränderungen sind

bereits erfolgt oder in Planung. „Wir

stecken mitten im Stadtentwicklungsprozess,

den wir im Sommer 2020

gestartet haben“, so Hoffmann. Dafür

wurde im März eine Bürgerbeteiligung

gestartet, zunächst schriftlich. „Corona

lässt einen Info-Abend oder Workshop

nicht zu, aber wir möchten nicht länger

warten, sondern Ergebnisse erzielen

und vorankommen.“

Die Themen auf der Agenda: Gesundheit,

Klosterkultur und Innovation sowie

Wohnraum. „Der Gemeinderat hat die

Entscheidung getroffen, in die Therme

zu investieren, die feiert in diesem Jahr

das 50-jährige Bestehen. Dann kümmern

wir uns um ein Nahwärmekonzept

in der Stadt, um Energie zu sparen und

um ein Entwicklungskonzept für das

Kloster. In all diesen Bereichen wollen

wir innovativ sein und uns entwickeln“,

erklärt Klaus Hoffmann im Gespräch

mit dem Wirtschaftsspiegel.

STÄRKEN

Mit dem Stadtentwicklungskonzept

möchte die Stadtverwaltung die Stärken

der Kleinstadt herausstellen. Bisher

mit großem Erfolg.

Zur TechnologieRegion und dem Landkreis

Karlsruhe hat die Kurstadt eine

feste Verbindung. „Die größte Verbindung

ist die offensichtlichste“, sagt

Hoffmann und ergänzt: „Die Straße

und die Bahn raus aus dem Albtal runter

in die Rheinebene. Außerdem sind

wir Partner der Initiative Breitbandkabel

Landkreis Karlsruhe. Es gibt also

direkte Verbindungen in die TRK.“

Der Wunsch des Bürgermeisters: Dass

diese Zusammenarbeit noch weiter

intensiviert wird. „Der Landkreis Karlsruhe

hört nicht hinter Marxzell auf,

sondern dahinter ist noch was – Bad

Herrenalb“, sagt er und lacht. „Wir sind

kein verschlafener Ort, sondern hier

tut sich mächtig was. Wir sind nicht

nur touristisch reizvoll, sondern auch

für Investoren“, so Klaus Hoffmann

abschließend.

ANYA BARROS

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32 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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DIE KRISE

ALS CHANCE

1

2

3

AUFBRUCH IN EINE NEUE,

NACHHALTIGE ARBEITSWELT

Das Corona-Virus hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und inzwischen ist klar: ein „Weiterso“ wie vor

der Pandemie wird es nicht geben. In vielen Unternehmen hat ein Umdenken stattgefunden. Sie begreifen

die Krise als Chance und sind offen für Veränderung. Ein Blick auf die Arbeitswelt der Zukunft.

Fotos/Visualissierungen Vollack Gruppe

1 Vollack realisiert Bürogebäude in Holzhybrid-Bauweise

(Visualiserung generic.de).

2 Arbeitswelten haben viele Facetten: offene Flächen für

Kollaborationen (Visualierung Stadtwerke) und ...

3 Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten

oder Videokonferenzen (Vollack Passivhaus im Kreativpark).

Werden wir in der Welt von morgen nur noch zu Hause arbeiten?

Werden Büros verschwinden? Schon heute wissen wir:

Die Arbeitswelt ist zu komplex, als dass es die eine Antwort

auf alle Fragen geben könnte. Auch wenn das Homeoffice Teil

unseres Arbeitsalltags bleiben wird – das Büro stirbt nicht aus,

und zudem gibt es eine Fülle von Tätigkeiten, die gar nicht in

Büros erbracht werden. Doch eine Kernfrage hat sich vor dem

Hintergrund der Pandemie tatsächlich herauskristallisiert: Was

müssen Gebäude leisten, damit sich Menschen (wieder) gerne

dort aufhalten?

Für das neue Normal in der Arbeitswelt gilt: Ein Patentrezept

für den perfekten Arbeitsplatz gibt es nicht. Zukunftsweisende

Arbeitswelten sind so vielfältig wie die Aufgaben und

Prozesse innerhalb der Organisation und sollten die jeweilige

Unternehmenskultur widerspiegeln. Für Vollack als Experte für

methodische Gebäudekonzeption bestätigt sich in der Krise die

Haltung, dass Arbeitswelten in intensiver Zusammenarbeit mit

dem Bauherrn konzipiert werden müssen – individuell an seiner

Strategie, seinen Bedarfen und Prozessen ausgerichtet.

PLANEN UND BAUEN MIT METHODE

„Die Zukunftserwartung und -vision unserer Kunden ist für uns

auch weiterhin der Motor für die Planung und Konzeption ihrer

neuen oder veränderten Arbeitswelt. Mit künftigen Bauherren

sprechen wir darum erst einmal nicht übers Bauen, sondern

über ihre Zukunftsstrategie“, sagt Reinhard Blaurock,

Geschäftsführender Gesellschafter der Vollack Gruppe.

Maßgeschneiderte Gebäudelösungen entstehen bei Vollack

nach der eigenen Methode und als „Design + Build“. Die Kompetenz

der Generalplanung und der Bauausführung ergänzen

sich und wie so oft ist das Ganze mehr als die Summe seine

Teile. Projekte werden von Anfang an kundenindividuell, qualitativ

hochwertig, termin- und kostensicher geplant. In Corona-

Zeiten beweist sich die Methodenkompetenz umso mehr, weil

Arbeitswelten individuell und in hohem Maße wandlungsfähig

sein müssen. Vollack Kunden wissen unter Umständen heute

noch nicht, was ihre Kunden oder auch die Erfordernisse der

Umwelt morgen von ihnen erwarten. Damit Unternehmen

schnell auf geänderte Anforderungen reagieren können,

müssen Büros, Industrie- und Gesundheitsimmobilien flexibel

angepasst werden können.

GEBÄUDE ALS ERLEBNIS-, RÜCKZUGS-

UND SCHUTZRAUM

Die Digitalisierung schafft es, Menschen an verschiedenen

Orten miteinander zu verbinden – Kreativität und Stimulanz

entstehen aber ganz besonders dort, wo sich Menschen physisch

treffen. In einer Zeit, in der die Gebäude teilweise menschenleer

geworden sind, rücken die Menschen noch stärker in

den Mittelpunkt. Die Arbeitswelt wird sich daher künftig noch

mehr mit den Bedürfnissen ihrer Nutzer beschäftigen: Wer

konzentriert arbeiten oder an einer Videokonferenz teilnehmen

möchte, braucht Rückzugsmöglichkeiten. Gleichzeitig muss

es offene Flächen geben, die Platz für Kollaboration, spontane

Begegnungen, Kommunikation und kreativen Austausch bieten.

Manche Flächen werden also nicht kleiner, sondern großzügiger

werden. Und Arbeitswelten werden hochflexibel, also jederzeit

veränderbar, sein. So können sie beispielsweise im Fall einer

Pandemie schnell umgestaltet werden, um Produktivität zu

sichern. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat sich auch

das Bedürfnis nach Sicherheit am Arbeitsplatz verstärkt: Arbeitswelten

müssen für Gesundheit und Wohlbefinden sorgen.

NACHHALTIGKEIT IM FOKUS

Das Umdenken in vielen Unternehmen ist mit einem verstärkten

Umweltbewusstsein und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit

verbunden. Das gilt auch, wenn Firmen in ihre Gebäude

investieren. Insbesondere mittelständische Unternehmen

benötigen die bestmögliche Immobilie nicht nur zum Zeitpunkt

der Schlüsselübergabe, sondern über den gesamten Lebenszyklus

des Gebäudes hinweg. Sie sind nachfolgenden Generationen

verpflichtet und brauchen enkeltaugliche Investments. Mehrere

energieeffiziente Gebäude und zertifizierte Passivhäuser unterstreichen,

dass Vollack gemeinsam mit seinen Kunden nachhaltig

in die Zukunft denkt. Ein aktuelles Beispiel ist die neue

Arbeitswelt für den IT-Dienstleister generic.de im Karlsruher

Stadtteil Neureut. Hier entsteht ein Bürogebäude in fortschrittlicher

Holzhybrid-Bauweise. Es ist energetisch optimiert

und wird im Passivhaus-Standard errichtet. Neu bauen muss

jedoch nicht immer sein: Für viele Unternehmen, die ihre Arbeitswelt

verändern möchten, lohnt es sich, über die Revitalisierung

ihrer Immobilie nachzudenken. Im Auftrag der Stadtwerke

Karlsruhe plant Vollack derzeit die energetische Sanierung eines

1976 errichteten Bürohauses. Das viergeschossige Hauptgebäude

mit zweigeschossigem Anbau wird vollständig entkernt.

Die freigewordenen Flächen gestalten die Gebäudeexperten

als innovative, flexible Arbeitswelten um. Künftige Mieter sind

insbesondere Gründer und junge Unternehmen. Einen Teil der

Räume werden die Stadtwerke Karlsruhe selbst nutzen. Das

Technologieunternehmen Starface wird 2022 ebenfalls in einer

revitalisierten Bestandsimmobilie in Karlsruher Innenstadtlage

eine neue Arbeitswelt beziehen. Nachhaltiges Bauen heißt

allerdings nicht nur, ökologische Materialien einzusetzen und

eine möglichst positive Energiebilanz zu erzielen, sondern auch

ein gesundes, behagliches Umfeld zu schaffen, in dem Menschen

gern arbeiten.

Reinhard Blaurock: „Die Corona-Krise bedeutet Veränderungen,

bietet Chancen und sorgt in vielen Unternehmen für eine

positive Aufbruchstimmung. Wir bei Vollack verstehen das als

Ansporn, das neue Normal für unsere Kunden in Gebäudesprache

zu übersetzen. Die richtige Zeit für den Aufbruch in

eine neue, nachhaltige Arbeitswelt ist jetzt.“

Arbeitswelten live zeigt der Vollack-Film

„Perspektiven“ auf YouTube.

VOLLACK GRUPPE

www.vollack.de

34 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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AUFBRUCH

GANZ NACKT?

Aufklärungsunterricht, 5. Klasse, Gymnasium. Nach der

Stunde stolzieren mein Kumpel Wigbert und ich weltmännisch

durch die Pausenhalle: „Ganz nackt?! Nee, dann

mach ich das nicht!“

Foto stock.adobe.com – Lilanakani

Mittlerweile sind wir deutlich älter geworden und

jeder von uns hat Kinder, was beweist: Man kann

sich mit der Zeit auch an die vermeintlich abstrusesten

Dinge gewöhnen und womöglich sogar etwas Angenehmes

dabei empfinden.

Vor einem Jahr noch glaubten wir, die Welt würde untergehen,

wenn Geschäfte und Kultureinrichtungen für ein paar Wochen

geschlossen werden würden. Wir hofften auch glauben zu dürfen,

dass das Virus ein Einsehen hätte und sich ab Ostern 2020 wieder

ausschließlich den Fledermäusen widmen würde.

Ein bekannter deutscher Zukunftsforscher veröffentlichte seine

beinah romantische Version, wie im Herbst desselben Jahres der

Rückblick auf die Pandemie sein könnte. Leider hatte er sich

einmal mehr deutlich geirrt.

Und dann Weihnachten – bleiben wir beim Beispiel mit dem Aufklärungsunterricht

– das ganze Jahr über Safer Sex, weil es sicherer

ist, nur Weihnachten, da lassen wir die Lümmeltüte weg, ist doch

schöner! Das Christuskind wird’s schon richten!

Hat es aber nicht. Wieder verrechnet. Genau wie beim Ordern

von Masken, Schnelltest, Impfstoff und Hilfen für gefährdete

Unternehmer. Was anfangs wie ein guter Plan anmutete

endete im Fiasko und mit dem Gesichtsverlust der Marke

„Made in Germany“. Statt mal fünfe grade sein zu lassen und sich –

wie im wirklichen Leben – mit dem kleineren Übel zufrieden

zu geben, demokratisieren wir uns einen Wolf und fürchten die

Menschen, die seit März 2020 verkünden, wir würden in einem

totalitären Regime leben. Kultusministerien schaffen es nicht

binnen von 6 Monaten ein wirklich funktionierendes einheitliches

Bildungssystem auf die Beine zu stellen, dass wirklich alle Schüler

und alle Lehrer mitnimmt. Stattdessen nimmt der ein oder andere

Politiker was mit, weil die Gelegenheit bekanntlich Diebe macht.

Vor einem Jahr noch war ich begeistert, wie leichtgängig sich

unser Staat als riesiger Dampfer in den tosenden Gewässern bewegt.

Heute scheint es eher, als hätte man dem Smutje das Steuer

überlassen, der übt halt noch, und wir resümieren: Politiker sind

eben keine Projektmanager. Hätte man wissen müssen, wollte aber

wohl keiner hören.

Derweil tun sich neue Formen der Kommunikation auf, Start-ups

gründen sich mit innovativen Ideen und Corona im angenehmen

Nebeneffekt hat der Digitalisierung und der Klima-Sensibilität

in Deutschland einen gewaltigen Boost verschafft, der sonst wohl

noch zig Jahre hätte auf sich warten lassen. Also blicken wir positiver

und neugieriger in die Zukunft, als Wigbert und ich damals:

„Ganz nackt? Wer weiß, wofür das gut ist!“

ANDREAS LÜTKE www.wvs.de

36 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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AUFBRUCH

WELTWEIT

VERNETZT

STÄDTEPARTNERSCHAFTEN IN DER TRK

Entre Rios, Sha’ar Hanegev, Cyeru, Nottingham. Wenn wir schon nicht reisen

können, blicken wir wenigstens in die Ferne. Die TechnologieRegion Karlsruhe ist

durch Städtepartnerschaften in der ganzen Welt vernetzt.

Foto pexels.com/Anna Shvets

Eines hat die Pandemie mehr als

deutlich gezeigt: Ländergrenzen allein

halten ein Virus nicht auf. Ein Grund

mehr, grenzübergreifend zusammenzuhalten.

Die TechnologieRegion

Karlsruhe (TRK) pflegt Kontakte in

der ganzen Welt. Partnerschaften gibt

es nicht nur mit den direkt angrenzenden

Nachbarn wie dem Elsass, das seit

2020 Mitglied der TRK ist, sondern

unter anderem auch mit Städten und

Gemeinden in England, Brasilien,

Israel und Ruanda.

BREXIT? GAR KEIN THEMA

2019 feierten Karlsruhe und Nottingham

„Goldene Hochzeit“: Seit 50

Jahren sind die beiden Städte schon

Partner. Bei dem Jubiläums-Treffen

waren Stadtplanung und Klimawandel

wichtige Themen. Nottingham arbeitet

daran, bis 2028 klimaneutral zu werden

und experimentiert mit Energie-,

Mobilitäts- und digitalen Lösungen,

um dieses Ziel zu erreichen. Zudem

steht die Überlegung im Raum, ein

gemeinsames Medizinstudienangebot

Karlsruhe-Nottingham zu schaffen.

Einigkeit herrscht außerdem beim

Thema Brexit: Dieser spielt für die

Partnerschaft der beiden Städte keine

Rolle. Die Freundschaft der beiden

Städte werde er jedenfalls nicht beeinträchtigen.

„Wir werden an dieser

Freundschaft festhalten, ja, sie gar

vertiefen, ganz gleich, wer hier wen

verlässt“, sagte Oberbürgermeister

Dr. Frank Mentrup anlässlich des 50-

jährigen Jubiläums.

Auch Corona wird daran nichts ändern,

im Gegenteil. Im Dezember 2020

haben das Jugendorchester Stadt

Karlsruhe e.V. zusammen mit dem

Robin Hood Youth Orchestra an dem

digitalen Weihnachtskonzert „Christmas

in the City“ teilgenommen.

Die Jugendlichen sind schon seit

vielen Jahren durch die Musik miteinander

verbunden.

ENTRE RIOS:

FACHWERK UNTER

BRASILIANISCHER SONNE

Im Süden Brasiliens, im Bundesstaat

Paraná, liegt der Distrikt Entre Rios.

Er umfasst fünf Dörfer mit knapp

9.000 Einwohnern. Rund ein Drittel

der Bevölkerung ist donauschwäbischer

Abstammung. Im Zuge der

Nachkriegswirren verließen etwa

500 Familien das Gebiet im heutigen

Ungarn, Rumänien und Jugoslawien,

um in Brasilien eine neue Heimat zu

finden. So kommt es, dass Fachwerkhäuser

die Architektur der Gegend

prägen. Es gibt einen deutschsprachigen

Radiosender, der die Gemeinde

mit überwiegend volkstümlicher

Musik, Lokalnachrichten und Wissenswertem

zu Tradition und Brauchtum

versorgt.

Seit 1988 besteht eine Partnerschaft

zu Rastatt. Der Kontakt kommt über

die Donauschwaben zustande, die sich

in Rastatt niedergelassen hatten.

Bei den Feierlichkeiten anlässlich

des 30-jährigen Bestehens der

Freundschaft 2018 zeigte die donauschwäbische

Trachtentanzgruppe der

deutschen Delegation um Oberbürgermeister

Hans Jürgen Pütsch

wie donauschwäbisch-brasilianisch

gefeiert wird.

Coronaschutzmaßnahmen traf der

Gesamtbezirk Guarapuava wesentlich

früher als der Rest Brasiliens. Es

herrscht Mundschutzpflicht und die

Schulen sind seit März 2020 geschlossen.

In Entre Rios findet jedoch

Online-Unterricht statt.

ZWISCHEN KRISENBE-

WÄLTIGUNG UND KULTUR-

AUSTAUSCH

Seit fast 30 Jahren verbindet den

Landkreis Karlsruhe eine Partnerschaft

mit Sha‘ar Hanegev in Israel. Die Region

nordöstlich des Gazastreifens ist

wirtschaftlich und infrastrukturell gut

vernetzt. Die Verwaltungen beider Regionen

stehen in regem Austausch und

profitieren in gemeinsamen Projekten

voneinander.

2012 wurde das Projekt „Umgang mit

Krisen im internationalen Vergleich“

zum Thema Bevölkerungsschutz

mit der „Medaille für Internationale

Zusammenarbeit“ des Deutschen

Feuerwehrordens ausgezeichnet. Das

israelische Gebiet war in der Vergangenheit

mehrfach das Ziel von

Raketenangriffen geworden. Bevölkerungsschutz

spielt dort daher eine

zentrale Rolle. Das Projekt zeigte die

unterschiedlichen Erfahrungen und

Herangehensweisen in Krisensituationen

auf, wovon beide Seiten profitierten.

Der aktuelle Themenschwerpunkt

liegt auf Schule und Bildung.

Der „Deutsch-Israelische Freundeskreis

im Stadt- und Landkreis

Karlsruhe“ bietet mit regelmäßigen

Vorträgen, Seminaren und Gesprächsstunden

Einblick in die israelische Politik,

Geschichte und Kultur. Außerdem

findet seit 1996 jährlich ein deutschisraelischer

Jugendaustausch statt, der

in den drei Schulen des Beruflichen

Bildungszentrums Ettlingen fest verankert

ist.

TATEN STATT WORTE: SOZIALES

ENGAGEMENT IN RUANDA

Die Partnerschaft zwischen dem

Landkreis Südliche Weinstraße und

der Gemeinde Cyeru in Ruanda >>

38

39


Carina Harders

Elektronikerin

HA Car

Ele

Foto LRA KA Foto Heimatmuseum Entre Rios

1

3

Foto Fränkle

>> besteht schon seit 1985.

Inzwischen wurde aus Cyeru der

Distrikt Burera, der sich in 17 Sektoren

aufteilt. Fünf dieser Sektoren

sind offizielle Partner des Landkreises.

Das Engagement reicht jedoch über

die Sektorgrenzen hinaus. Es werden

Schulen und Krankenstationen gebaut,

Witwen, Waisen und sozial Schwache

unterstützt.

Zum 35-jährigen Jubiläum der Partnerschaft

2020 begann der Bau von

zehn Häusern, um Batwa-Familien ein

neues Zuhause zu geben. Geplant war

außerdem, die Partnerschaft anlässlich

des Jubiläums ins Zentrum des Kreisempfanges

der Südlichen Weinstraße

zu stellen. Dies musste aufgrund der

Pandemie ausfallen. „Wir wollten

damit auf die Partnerschaft aufmerksam

machen, um weitere Mitstreiter

für die Vereinsarbeit zu gewinnen“,

erklärt Landrat Dietmar Seefeldt.

Der Freundschafts- und Förderkreis

Cyeru/Ruanda e.V. engagiert sich seit

Beginn der Partnerschaft intensiv in

2

1 Siedlerchor der Donuaschwäbischen-Brasilianischen

Kulturstiftung in Rastatt.

2 Baumpflanzaktion der badischen Delegation in

Sha‘ar Hanegev, Israel.

3 Geschenk aus GB: Einen grünen Robin Hood in Vogelform aus

Nottingham zum 50. Jubiläum der Städtepartnerschaft.

dem Gebiet. Dabei sind auch echte

Freundschaften entstanden. Bei

Besuchen in Ruanda wird gemeinsam

gelacht, gefeiert und getanzt. Zum

Beispiel weil die letzte Sandflohplage

überstanden ist oder einfach nur so.

KONKURRENTEN NUR BEIM

SPORT: CONDEIXA-A-NOVA

UND BRETTEN

Seit 1985 besteht die Partnerschaft

zwischen der portugiesischen Kleinstadt

Condeixa und Bretten. Einmal

im Jahr wird eine Konferenz der Partnerstädte

veranstaltet, verbunden mit

einem internationalen Jugendtreffen,

bei dem je zehn Jugendliche ihre Stadt

vertreten.

Ein anderer Anknüpfungspunkt, bei

dem es auch mal laut werden darf, ist

der Sport. Die beiden Fußballvereine

SV Kickers Büchig und der JDR-

Arziale Coimbra Condeixa-a-Nova

pflegen eine enge Beziehung, die,

wenn man sich trifft, auch in spontanen

Freundschaftsspielen gipfeln kann

– inklusive portugiesischer Tanzeinlage

während der Halbzeitpause.

Aufgrund der aktuellen Situation

musste das alles 2020 ausfallen.

Vertreter der einzelnen Städte kamen

jedoch online im kleinen Kreis zusammen

und tauschten sich aus.

Portugal wurde von der Pandemie

besonders schwer getroffen. Impfungen

sind angelaufen, die Gemeinde

verteilt Masken und unterstützt

bedürftige Familien mit Essen.

„Die Coronapandemie hat uns vor

Augen geführt, wie sehr wir alle über

Ländergrenzen hinaus miteinander

verbunden sind. Gerade in solch

schwierigen Zeiten, ist es wichtig füreinander

da zu sein. Deshalb bleiben

wir weiter in engem Kontakt mit unseren

Partnerstädten und stehen ihnen

über die Distanz hinweg unterstützend

bei“, so Brettens Oberbürgermeister

Martin Wolff.


„EIGENTLICH

WOLLTE ICH SCHAU-

SPIELERIN WERDEN!“

„ZU STARRE

VORSTELLUNGEN

VERSPERREN DEN

BLICK AUF CHANCEN“

NATALIE LUMPP

Weinexpertin, Autorin und Sommelière

HANS BRETZ

Unternehmer

Foto Klaus H. Damasko

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Als Weinexpertin habe ich eigentlich fast ausschließlich mit

Genussmenschen zu tun – und ich sage Ihnen, die sind immer

sympathisch! Zudem darf ich zu normalen Zeiten weltweit viel

reisen – so war ich schon in jeder Weinregion der Welt – bis auf

Rumänien und Israel… und last but not least - ich darf immer

wieder wunderbare Weine und exzellentes Essen genießen!

Aufbruch in eine neue Zeit - was hat sich oder was wird sich

durch die Corona-Krise für Sie verändern?

Wie bei so vielen anderen war die größte Umstellung, jetzt

komplett von zu Hause aus zu arbeiten. Statt Events zu moderieren,

mache ich jetzt zwischen drei und fünf virtuelle Weinproben

pro Woche – von zu Hause aus. Ich gestehe, ich finde es nicht

unangenehm – es hat auch viele Vorteile. Zudem wurde mir im

ersten Lockdown ein wirklich tolles, neues Projekt angeboten, das

ist wirklich sehr spannend!

Woher schöpfen Sie Kraft, was sind Ihre Energiequellen, wenn

Sie den Weg aus der Krise gehen müssen?

Seien wir ehrlich – nur steil bergauf kann es im Leben nicht immer

gehen. Durch Rückschläge weiß man das Positive wieder umso

mehr zu schätzen, und man wird auch wieder geerdet. So muss

man auch Rückschläge zu schätzen wissen. Seit vielen Jahren

helfen mir die „drei G’s – ganz – gerne – gleich“ – mit dieser

Strategie fahre ich seit vielen Jahren hervorragend!

Von welchem Beruf haben Sie als Kind immer geträumt?

Da mein Papa Opernsänger am Freiburger Stadttheater war, bin

ich dort auch groß geworden. Am Stadttheater hatte ich zwölf

Jahre klassisches Ballett getanzt, Stepptanz und Klavier spielen

gelernt. Ursprünglich wollte ich Schauspielerin werden. Schon sehr

früh habe ich die Faszination des Weins für mich entdeckt. Bei

meinen Eltern durfte ich immer mal wieder am Weinglas nippen,

und hatte schnell festgestellt, dass jeder Wein anders schmeckt.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder

würden Sie mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Meine größte Bewunderung gilt immer den Menschen, die etwas

bewirkt haben – etwas für andere Menschen geschaffen haben

oder etwas Nachhaltiges bewirkt haben. Ich bin großer Fan von

Hans Bretz! Wenn ich etwas von ihm erlernen kann, dann etwas

zu schaffen, wovon viele Menschen profitieren können – und dass

alles auch noch in der Verbindung mit Genuss.

Haben Sie auch das Gefühl, dass wir immer häufiger mit

Krisen (Coronakrise, Wirtschaftskrise) konfrontiert werden?

Wenn man keinen Kompass hat, machen solche Einflüsse nervös

und schränken ein.

Was sind Ihre Energiequellen, wenn Sie den Weg aus der

Krise gehen müssen?

Wenn man sich zutraut, dass man alles schafft, regeneriert man

seine Kräfte.

Aufbruch in eine neue Zeit - was hat sich durch die

Corona-Krise für Sie verändert?

Diese Krise ist schon lästig und es haben sich einige „großartige

Akteure“ kräftig profiliert und/oder blamiert.

Die Ruhe vor dem Sturm: Wie bereiten Sie sich, Ihre

Mitarbeiter und Kollegen auf Neues vor?

Da gibt es keine großartige Vorbereitung, das ist Tagesgeschäft,

für Neues sollte man schon von Haus aus fit sein.

Neues Jahr, neues Glück. Wie haben Sie sich beruflich

auf 2021 eingestimmt?

Es ist ein ständiger Prozess. Ich suche immer nach neuen

Möglichkeiten für „Ereignissprünge“.

Mussten Sie in Ihrem Leben schon einmal einen beruflichen

Neuanfang wagen?

Wenn man jeden neuen Tag als Anfang sieht, schreckt einen

Neues nicht.

Wenn Sie die Chance hätten, Ihr Leben noch einmal von

vorne zu beginnen, was würden Sie anders machen?

Ich möchte noch einmal von vorne anfangen, dann würde ich

meine Lebenszeit noch mehr ausschöpfen.

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Das tägliche Beschäftigen damit.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder

würden Sie mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Ein Perspektivwechsel würde mich noch reizen.

Foto Sandra Beuck

42 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

43


DIGITALISIERUNG

BÜHL GRÜNDET DIGITALES INNOVATIONSZENTRUM

NIEMAND

KOMMT AN DER

DIGITALISIERUNG

VORBEI

Wer braucht schon das weitentfernte Silicon Valley, um die Digitalisierung in der TechnologieRegion

Karlsruhe voranzubringen? Knapp 50 Kilometer südlich von Karlsruhe, in der Zwetschgenstadt Bühl, entsteht

das Digitale Innovationszentrum. Dort sollen Bürgern und mittelständischen Unternehmen Digitalisierungsinhalte

vermittelt werden und ein digitales Ökosystem entstehen.

Foto pexels.com/Markus Spiske

Gerade die Coronapandemie hat gezeigt,

wie wichtig das Thema Digitalisierung

für die Menschen ist: Wir arbeiten

im Homeoffice, greifen auf Daten im

Büro zu. Oder das wöchentliche

Videotelefonat mit der Familie sowie

der Shoppingtrip in der Lieblingsboutique,

die jetzt einen Online-Shop hat.

Digitalisierung ist aus unserem (Arbeits-)Leben

nicht mehr wegzudenken.

Ein Grund mehr, sich noch genauer mit

der Technik zu beschäftigen. Da greift

das Digitale Innovationszentrum in Bühl

ein, das im Sommer 2020 gegründet

wurde. „Wir müssen noch ein Jahr weiter

zurück gehen“, sagt Corina Bergmaier

von der Wirtschaftsförderung

der Stadt Bühl. „2019 haben wir das

‚Netzwerk Industrie 4.0‘ gegründet, das

von der TRK unterstützt wurde. Schon

früh kam der Wunsch der Teilnehmer

auf, die Themenfelder der Digitalisierung

gemeinsam anzugehen, mit den

neuen Technologien zu experimentieren

und das am besten vor Ort. Die

Notwendigkeit eines solchen Zentrums

war also schon vor Corona bekannt“,

so Bergmaier über die Entstehungsgeschichte

des Innovationszentrums.

Die Stadt Bühl war zudem auch in

der Regionalen Entwicklungsstrategie

„TechnologieRegion Karlsruhe 2030“

involviert. Dabei wurde der Ausbau

eines „Innovation Hubs“ im Süden der

TRK zur Erschließung neuer Innovationsfelder

definiert. Jetzt treiben Stadt

und TRK die Idee des Zentrums mit

voller Kraft voran.

SPIELERISCH DIGITALISIERUNG

VERSTEHEN UND ANWENDEN

Das Ziel: Durch das Digitale Innovationszentrum

können sich Bürger

und Unternehmen spielerisch mit den

Herausforderungen der Digitalisierung

auseinandersetzen. „Wir haben in den

letzten Monaten alle erkannt, dass

niemand an der Digitalisierung vorbeikommt!“,

sagt Corina Bergmaier

von der Wirtschaftsförderung der

Stadt Bühl. „Videokonferenzen am

Arbeitsplatz und Homeoffice allgemein

waren vor einem Jahr noch – nicht

nur im öffentlichen Dienst – in weiter

Ferne. Die Reise in die Zukunft hat also

begonnen, das Digitalisierungszentrum

bietet uns eine Spielwiese, um Neues

auszuprobieren.“

„SIND NICHT IN DER 1. LIGA“

Ein weiterer Grund, beim Thema Digitalisierung

aufs Gaspedal zu treten, da

ist sich Corina Bergmaier sicher: „Die

Pandemie-Zeit hat uns die Vorteile

aufgezeigt und vieles beschleunigt. Sie

hat aber auch aufgedeckt, dass wir in

Deutschland nicht in der 1. Liga sind –

im Gegenteil. Durch die Krise ist das

Interesse für ein Digitalisierungszentrum

also noch größer geworden!“

Gemeinsam mit dem Karlsruher

Institut für Technologie (KIT) und der

TRK will die Stadt Bühl ein „Digital

Ecosystem“ aufbauen, das die lokale

Wirtschaft, Wissenschaft und die

Kommune(n) lückenlos vernetzt. Das

geplante Leuchtturmprojekt trägt den

Titel „Regionales Mittlerer-OberRhein

Digital Ecosystem (RegioMORE)“.

In diesem digitalen Innovationszentrum

soll die nötige Infrastruktur geschaffen

werden, um zu experimentieren, neue

Technologien und Geschäftsmodelle

zu entwickeln und auszuprobieren, gemeinsam

zu denken, sich auszutauschen

und letztlich auch Geld zu verdienen,

indem das Wissen zeitnah in der

Foto Markus Mäder

regionalen Wirtschaft umgesetzt

wird. In diesem offenen Raum der

Begegnung von Wissenschaft und

Unternehmertum, unterstützt von der

öffentlichen Hand, sollen auf diese

Weise Mehrwerte für alle Beteiligten

entstehen, letztlich auch für die Bürger.

Das Digitale Innovationszentrum im

Süden der TRK soll nicht nur lokale

Unternehmen vernetzen, sondern die

gesamte Region. „Ein Hauptgedanke

ist, die Stärken und die Vielfalt der

TRK zu bündeln. Ein Zentrum nur für

Bühl wäre nicht zielführend. Selbstverständlich

sollen auch die Digitalisierungszentren

und Netzwerke der

TRK miteinander vernetzt werden“,

so Bergmaier weiter.

ALLE SOLLEN PROFITIEREN

Das Angebot des Digitalen Innovationszentrums

in Bühl richtet sich an

alle, ob junges Start-up oder familiengeführtes

Unternehmen. „Gerade die

KMUs werden von der Digitalisierung

überrollt“, erklärt Corina Bergmaier

von der Wirtschaftsförderung, „sie

können nicht von heute auf morgen in

neue Technologien investieren, ohne

vom Mehrwert überzeugt zu sein.“

Daher sei ausprobieren, austauschen

und Kontakte zu Hochschulen zu

nutzen und gemeinsam zu lernen sehr

wichtig, dafür möchte das Zentrum ein

breites Angebot bieten. „Aber auch der

Einzelhandel und Privatpersonen sollen

davon profitieren!“

Abseits dieser Plattform für den Austausch

hat die Stadt Bühl ein eigenes

Tool für Videokonferenzen aufgebaut:

„Palim! Palim“ verbindet Familien,

Vereine und Freunde miteinander. Das

ist ein kostenfreies Angebot der Stadtverwaltung

Bühl, um auch in Zeiten der

Coronapandemie digitale Nähe trotz

physischer Distanz zu schaffen.

ANYA BARROS

www.wvs.de

Corina Bergmaier vertritt die

Wirtschaftsförderung der Stadt Bühl.

44 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

45


DIE WELT NACH

CORONA

„Es ist wichtig, dass wir uns jetzt schon für den Aufbruch nach der

Coronapandemie vorbereiten. Ziel ist es, Gründer & Gründerinnen

gemeinsam mit den wirtschaftsfördernden Einheiten noch intensiver

bei ihren innovativen Geschäftsideen zu begleiten und zu unterstützen.

Als gründungsfreundliche Kommune hat Baden-Baden schon ideale

Voraussetzungen, die wir derzeit sukzessive erweitern“, sagt OB

Margret Mergen.

Die Coronapandemie und die Maßnahmen

zu ihrer Bekämpfung beschäftigen

uns nun bereits seit über

einem Jahr. Bei den bisweilen nicht

absehbaren Folgen für die Wirtschaft

und Gesellschaft, birgt eine wirtschaftliche

Krise neben ihren dämpfenden

Auswirkungen häufig auch

einen antreibenden Effekt. Der Weg

in die Post-Corona-Ökonomie lässt

sich mit dem Modell der Lazy Eight

beschreiben. Darin stehen für Unternehmen

Improvisation, Rollenfindung

und das Loslassen alter Routinen auf

der Tagesordnung. Am kritischen

Punkt einer möglichen Strukturänderung

gibt es zwei Entscheidungsmöglichkeiten:

entweder das Festhalten

am Status quo, das Zurück ins „alte

Spiel“ – oder der Sprung in die Innovation,

hin zu einem Neustart.

Neustart ist auch das aktuelle Motto,

mit dem die wirtschaftsfördernden

Einheiten (Wirtschaftsförderung,

Gewerbeentwicklung Baden-Baden

GmbH, Gesellschaft für Stadterneuerung

und Stadtentwicklung

Baden-Baden mbH und das ELAN

Gründerzentrum) in Baden-Baden

die Gründer und Unternehmern vor

Ort begleiten und unterstützen. Es

kann davon ausgegangen werden,

dass die weltweite Pandemie auch

in der internationalen Kultur- und

Bäderstadt wirtschaftliche Spuren

hinterlassen wird. Dabei geht es nicht

nur um drohende Insolvenzen. Das

unter den Bedingungen der Pandemie

veränderte Einkaufsverhalten,

innovative Kommunikationsformen

und die zunehmende Akzeptanz von

Homeoffice-Angeboten werden auch

das Wirtschaftsleben in Baden-Baden

nachhaltig verändern. Andererseits ist

zu beobachten, dass sich gerade unter

den Bedingungen der Krise und des

NEUE ERFAHRUNGS-

HORIZONTE ODER

BUSINESS AS USUAL?

damit einhergehenden Veränderungsund

Anpassungsdruckes Chancen

für neue Geschäftsmodelle und somit

Potenziale für Gründer ergeben.

Deshalb wird die Stadt gerade auf

diese Zielgruppe auch künftig ihr

Augenmerk richten.

Bereits in den letzten Jahren belegte

Baden-Baden immer wieder einen der

Spitzenplätze in Baden-Württemberg

bei der Gründungsintensität pro

100.000 Einwohner. Dabei wurden

in Baden-Baden zuletzt die meisten

Neugründungen in der Gastronomie

verzeichnet, gefolgt von Finanzund

Versicherungsdienstleistern,

Unternehmen mit freiberuflichen,

technischen und wissenschaftlichen

Dienstleistungen sowie im Handel.

Außerdem hat sich Baden-Baden

2020 erneut beim Landeswettbewerb

Start-up BW Local beteiligt

und wurde zum zweiten Mal in Folge

als gründungsfreundliche Kommune

ausgezeichnet. Das Wettbewerbsformat

Start-up BW Local wurde als

nationaler Gewinner des Europäischen

Unternehmensförderpreises (EEPA)

ausgezeichnet und von einer renommierten

internationalen Jury zu den

drei besten Initiativen Europas gekürt.

Die Stadt Baden-Baden unterstützt

mit ihren Angeboten Gründer und

Unternehmer entlang der Entwicklung

eines Unternehmens und setzt

dabei ganz vorne an. Dazu wurde im

Rahmen des Landeswettbewerbs ein

Co-Working-Space im ELAN Gründerzentrum

eingerichtet, der sich an

Gründer in der Vorgründungsphase

richtet und sechs flexible Arbeitsplätze

anbietet. Flexibel im Sinne von

Mietdauer und Kündigungsfrist, denn

die Mindestmietdauer beträgt nur

einen Monat, die Kündigungsfrist 14

Tage zum Monatsende. Das Angebot

geht aber darüber hinaus und umfasst

eine kostenlose branchenoffene

Gründungsberatung im Rahmen

des EXI-Gründungsgutschein, den

Austausch mit anderen Gründern und

Start-ups im ELAN Gründerzentrum

sowie die Anbindung an das größte

regional agierende Unternehmernetzwerk

Europas, dem CyberForum e.V.,

das als Kooperationspartner der Stadt

Baden-Baden sowohl Gründern als

auch Unternehmern aus der IT- und

Hightech-Branche, der Finanztechnologie

und der Kreativwirtschaft

unterstützt. Das Angebot soll aber

auch bewusst Gründer bzw. Restarter

ansprechen, die aufgrund mangelnder

oder unattraktiver Erwerbsalternativen

gerade in Krisenzeiten den

Schritt in die Selbständigkeit wagen.

Sie möchte die Stadt Baden-Baden

bestmöglich dabei unterstützen,

erfolgreich, nachhaltig und mittelbis

langfristig existenzsichernd

zu gründen.

Wenn die ersten Schritte hin zur

Unternehmensgründung getan sind

bzw. die Gründung vollzogen ist,

besteht für die frischegebackenen

Gründer im Gründerzentrum ELAN

die Möglichkeit, die erste eigene

Büroeinheit mit einer längerfristigen

Perspektive anzumieten, weiterhin im

Netzwerk aktiv zu bleiben und Unterstützungsangebote

wie die Auszubildenden-

und Fachkräftevermittlung,

die Vermittlung unternehmerischen

Wissens oder im Bereich Innovation

und Digitalisierung vor Ort zu nutzen.

Wenn aus dem Start-up ein Wachstumsunternehmen

geworden ist,

dann wächst es folglich auch aus

dem Gründerzentrum heraus. Allein

gelassen werden die Jungunternehmer

dann dennoch nicht. Nahtlos

übernehmen die Mitarbeitenden der

städtischen Wirtschaftsförderung und

Gewerbeentwicklung Baden-Baden

GmbH und helfen dabei, Kontakte

zu knüpfen und passende Gewerbegrundstücke

oder Gebäude für das

junge Unternehmen zu finden.

Es wird interessant und spannend

bleiben, wie sich im Kontext der

Corona-Krise die Gründerszene in

Baden-Baden entwickeln wird. Dabei

gibt es berechtigte Hoffnungen, dass

die Krise innovative und zukunftsweisende

Geschäftsmodelle in ihrer

Entwicklung beschleunigen wird. Hier

sieht auch die Stadt Baden-Baden

ihre Chance.

„Dank dem ELAN Gründerzentrum

konnten wir als Gründer unser Unternehmen

avocado software engineering

aufbauen und kontinuierlich

weiterentwickeln. Dabei konnten wir

auch Angebote zur Gründungsunterstützung

des CyberForum e.V. für uns

nutzen. Jetzt wagen wir den nächsten

Schritt raus aus dem Gründerzentrum

hinein in unsere neuen Geschäftsräume,

wobei wir der Baden-Badener

Cité treu bleiben“, berichten Daniel

Höllig und Simon Echle.

Das ELAN Gründerzentrum in der

Kurstadt Baden-Baden unterstützt

Gründer beim Schritt in die berufliche

Selbständigkeit. Als zentraler Baustein

der Wirtschaftsförderung Baden-

Badens werden jungen Start-ups ein

Co-Working-Space, Büroflächen,

Beratungen in Kooperation mit dem

CyberForum e.V. und Zugang zum

Netzwerk angeboten.

DR. CHRISTIANE KLOBASA, FABIO CUSIN

www.elan-baden-baden.de

Foto Wikimedia Commons/ A. Savin

Interesse? Jetzt einen

Co-Working-Platz sichern!

coworking@elan-baden-baden.de

www.elan-baden-baden.de

Ansprechpartnerin

Dr. Christiane Klobasa

07221 403857-4

46 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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DIGITALISIERUNG

KI MADE

IN KA

DAS STARKE KI-ÖKOSYSTEM

DER FÄCHERSTADT WIRKT:

LOKAL, REGIONAL UND

INTERNATIONAL

Karlsruhe ist einer der wichtigsten Digitalstandorte Europas für die

Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz (KI). Bestehende

Kompetenzen finden in diesem Zukunftsthema auf ideale Weise zusammen.

Als wichtiger Treiber für Innovation fördert KI Unternehmenswachstum

und lässt neue Arbeitsplätze entstehen.

Foto unsplash.com/Possessed Photography

KI-KOMPETENZEN BESTÄTIGT

Bereits 2017 wurde Karlsruhe im

Rahmen der Digital-Hub-Initiative des

Bundesministeriums für Wirtschaft

und Energie als Digital Hub für Angewandte

KI (de:hub AI) ausgezeichnet.

Koordiniert vom DIZ | Digitales

Innovationszentrum entstand daraus

ein Zusammenschluss von Akteuren,

zu denen Netzwerke wie das Cyber-

Forum ebenso wie Unternehmen und

wissenschaftliche Einrichtungen sowie

die Initiative karlsruhe.digital zählen.

Ziel des de:hub Karlsruhe ist es, die

Infrastruktur rund um KI weiter auszubauen,

die Akteure aus Forschung

und Wirtschaft zusammenzubringen

und vor allem die KI-Methoden und

-Technologien in die Anwendung bei

den Unternehmen zu bringen.

WISSENSCHAFT SETZT

KI-SCHWERPUNKTE

Auch die Forschung und Lehre rund

um KI ist exzellent. So realisieren das

Fraunhofer IOSB und das Fraunhofer

ICT gemeinsam mit dem Karlsruher

Institut für Technologie (KIT) die

Forschungsfabrik für KI-integrierte

Produktion sowie Technologietransfer

auf dem Campus Ost. Das KIT, das

Forschungszentrum Informatik FZI

sowie die Fraunhofer Institute kooperieren

zudem beim neuen KI-Kompetenzzentrum

CC-KING. Dieses soll

KI-Spitzenforschung und Ingenieurdisziplinen

verbinden und den Einsatz

von KI in der Praxis erleichtern.

Darüber hinaus möchte das KIT mit

seinem Reallabor „Robotische KI“

den Austausch zwischen Forschung

und Gesellschaft fördern. Auch der

Campus „Hochschule Karlsruhe

2030+“ mit dem Zentrum für Robotik

und intelligente Systeme weitet seine

KI-Forschungs- und Transferaktivitäten

aus. Weitere Hochschulen und

Einrichtungen treiben das Thema

KI voran, wie die Hochschule für

Gestaltung mit ihrer interdisziplinären

Forschungsgruppe „KI und

Medienphilosophie“ oder das ZKM,

das gemeinsam mit dem Deutschen

Museum in München und dem

Fraunhofer IOSB das KI-unterstützte

Ausstellungskonzept „Das intelligente

Museum“ entwickelt.

WICHTIGE ETAPPEN

AUF DEM WEG ZUM

INNOVATIONSPARK KI

Karlsruhe, die Stadt der kurzen

Wege, konnte auch beim aktuellen

Wettbewerb für einen Innovationspark

KI Baden-Württemberg die

vielfach erprobte Kultur der institutionsübergreifenden

Zusammenarbeit

nutzen, die sich durch die Initiative

karlsruhe.digital etablierte. Zehn Hochschulen,

25 Forschungseinrichtungen,

rund 100 KI-Unternehmen und starke

Netzwerke bilden eine hervorragende

Ausgangsbasis für die Teilnahme am

Landeswettbewerb. Mit den Regionen

Stuttgart und Neckar-Alb bündelte

Karlsruhe seine KI-Kompetenzen mit

dem Ziel, ein europaweit und international

wettbewerbsfähiges und sichtbares

Zentrum und KI-Ökosystem für

Baden-Württemberg zu schaffen.

So kann ein KI-Experimentier- und

Datenraum durch miteinander vernetzte

Standorte entstehen. Dabei

wird auch der europäische Ansatz vorangetrieben,

der ethische Grundsätze

wie die digitale Souveränität miteinbezieht,

und eine höhere Akzeptanz

von KI in der Gesellschaft erzielt.

Im zweiten Quartal 2021 wird das

Land entscheiden, wer das beste Konzept

eingebracht hat und die mindestens

47,5 Millionen Euro Fördermittel

des Landes Baden-Württemberg

erhält. Am Standort Karlsruhe

bietet – trotz knapper Flächen – der

TechnologiePark Karlsruhe (TPK)

Entwicklungsmöglichkeiten für den

Innovationspark KI. Insgesamt sollen

hier 5,85 Hektar Fläche an städtischen

Grundstücken bereitgestellt

werden, auf denen sich langfristig

auf bis zu 160.000 Quadratmetern

Bruttogeschossfläche Firmen aus dem

Bereich KI ansiedeln können. Bereits

heute sind rund 65 technologie-

orientierte Unternehmen – viele mit

hoher KI-Affinität – mit rund 4.000

Beschäftigten im TPK beheimatet. Das

von der Wirtschaftsförderung für den

Raum Karlsruhe koordinierte Projekt

findet breite Unterstützung. Rund 130

Unternehmen und Institutionen haben

den Letter of Intent mitgezeichnet

und eigene Ideen eingebracht. Rund

70 Prozent davon stammen aus der

Wirtschaft, darunter Global Player,

aber auch viele mittelständische

Unternehmen. Ein starkes Signal, das

sowohl die Expertise Karlsruhes und

der Region als auch die Relevanz von

KI für die Wirtschaft verdeutlicht. Mit

der Teilnahme am Landeswettbewerb

setzt Karlsruhe ein wichtiges Signal für

die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts,

der auch für internationale

Sichtbarkeit sorgt.

Es wird deutlich, KI wirkt in den

unterschiedlichsten Bereichen. Der

Innovationsstandort Karlsruhe mit seiner

Offenheit für neue Themen zeigt, dass

er den entscheidenden Schritt voraus ist.

Das macht ihn auch im Bereich der KI

zu einem Ort der Möglichkeiten für Unternehmen,

Forschungseinrichtungen,

Fachkräfte und die Stadtgesellschaft.

GABRIELE LUCZAK-SCHWARZ

Erste Bürgermeisterin der Stadt Karlsruhe

und verantwortlich für Wirtschaft,

Wissenschaft und Finanzen

Weitere Informationen:

digitalhub-ai.de/

Foto raumkontakt

48 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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DIGITALISIERUNG

ZAHNTECHNIK IM WANDEL:

DIGITALES ARBEITEN IM HANDWERK

Früher war Zahnersatz aus Elfenbein oder Horn, heute sind es Kunststoff,

Titan oder Keramik. Die Materialien, die für Prothesen und

Brücken eingesetzt werden, sind moderner und langlebiger geworden.

Dabei ist genaues Arbeiten unabdingbar. Die heutige Zahntechnik

verbindet handwerkliches Arbeiten mit modernster Frästechnik. Die

Bildungsakademie der Handwerkskammer Karlsruhe (HWKKA) bildet

die Azubis überbetrieblich weiter.

Fotos Ingrid Lehr-Binder

Zahntechniker fertigen einen individuellen

Ersatz für fehlende oder kranke

Zähne der Patienten. Dreieinhalb Jahre

dauert die Ausbildung, an deren Ende

die Gesellenprüfung steht.

Die Anfertigung von Zahnersatz bedarf

zahlreicher Arbeitsgänge und fordert

sowohl naturwissenschaftliche Kenntnisse

als auch gestalterische Fähigkeiten.

In diesem Beruf ist ein breites

technisches und medizintechnisches

Wissen gefragt sowie die Bereitschaft,

sich immer wieder mit neuen Technologien

und Arbeitsmethoden auseinanderzusetzen.

VERSCHIEDENE THEMENGEBIETE

Bei der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung

(ÜLU) – sie ergänzt

die Ausbildung im Betrieb und in der

Berufsschule – für die Handwerkskammern

Karlsruhe und Mannheim wurden

2020 215 Teilnehmer in verschiedenen

Schwerpunkten weitergebildet.






Herstellen von totalen Unter- und

Oberkieferprothesen nach System

(Wahlkurs)

Herstellen von herausnehmbarem

Zahnersatz als Modellgussprothese

(Wahlkurs)

Herstellen von kieferorthopädischen

Geräten (Pflichtkurs)

Angewandte CAD-/CAM-Technik

(Pflichtkurs)

Angewandte Frästechnik und Verarbeiten

von Geschieben (Wahlkurs)

Das Schulungskonzept der Bildungsakademie

(BIA) der Handwerkskammer

ist auf das moderne

Zahntechniker-Handwerk ausgerichtet,

bei der die persönliche Kreativität

gefordert und gefördert wird. Denn

eine zahntechnische Aufgabenstellung

eröffnet immer auch ganz individuelle

Lösungsansätze, die dann in

einer kommunikativen Atmosphäre

im Unterricht fachlich diskutiert und

erörtert werden. In der Meisterausbildung

werden die Teilnehmenden in die

Lage versetzt, ihre bereits erworbenen

zahntechnischen Kenntnisse und Fertigkeiten

auf ein prüfungsrelevantes und

meisterliches Niveau zu steigern. Da das

Meisterprüfungsprojekt einem gedachten

Kundenauftrag entspricht, wird

dazu vorab ein Umsetzungskonzept mit

einer Kalkulation sowie einer Zeit- und

Materialbedarfsplanung erstellt. Für die

praktische Umsetzung steht ein modern

ausgestattetes Schulungslabor bereit.

NEUESTE TECHNIK FÜR BESTE

AUSBILDUNG

Die Handwerkskammer Karlsruhe hat

dafür in die Digitalisierung investiert

und moderne CAD/CAM-Anlagen

angeschafft. „Damit werden die Zahnprothesen

noch genauer und schneller

hergestellt, so muss kein Patient länger

als nötig auf den Zahnersatz warten“,

erklärt Ingrid Lehr-Binder, Leiterin

der Bereiche überbetriebliche Lehrlingsunterweisung

sowie Fort- und

Weiterbildung, im Gespräch mit dem

Wirtschaftsspiegel.

Dank computerbasierter Unterstützung

wird die Zukunft der Zahntechnik noch

digitaler, ist sich Lehr-Binder sicher. „Es

findet ein Umdenken statt von Handarbeit

hin zum digitalen Arbeiten. Auch

die Zahnärzte, die Auftraggeber der

Zahntechniklabore, setzen verstärkt auf

Digitalisierung, schicken die Werte an

die Labore, während der Patient noch

auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Das hat

den Datenaustausch beschleunigt.“

BERUFSBILD ZAHNTECHNIKER

BLEIBT INTERESSANT

Davon profitiert auch der Patient.

„Jeder Zahnersatz ist ein Unikat, die

Ansprüche an die Passgenauigkeit und

die natürliche Wirkung werden immer

größer. Zudem wird die Prothese, ob

Brücke oder Vollprothese, durch den

Einsatz von Maschinen günstiger. Die

digitale Entwicklung kommt auch dem

Patienten zugute“, so Ingrid Lehr-

Binder von der BIA weiter.

Dabei hat die BIA der Handwerkskammer

Karlsruhe auch zukünftige Lehrlinge

im Blick. „Wir müssen die Ausbildung

und den Berufszweig allgemein interessant

gestalten, damit wir die Fachleute

binden und Nachwuchs finden“, erklärt

Ingrid Lehr-Binder. In der BIA werden

nicht nur die Lehrlinge und die Meister

weitergebildet, auch die Mitarbeitenden

nehmen an regelmäßigen Fortbildungen

teil. „Wir investieren nicht nur in deren

Know-how, sondern auch in die Ausstattung

in unseren hauseigenen

Laboren. Einerseits in die Technik, wie

die neuen CAD/CAM-Anlagen, andererseits

auch in neue Möbel oder aktuelles

Zubehör. Das erhöht den Komfort

beim Arbeiten und eine gut aufgestellte

Umgebung wird ganz anders und vor

allem motivierend von den Schulungsteilnehmern

wahrgenommen.“

Mit den Angeboten der überbetrieblichen

Lehrlingsunterweisung werden

nicht nur Auszubildende ab dem 2.

Lehrjahr angesprochen. Die BIA bietet

auch Kurse zur Meistervorbereitung

Zahntechnik als berufsbegleitenden

Wochenendlehrgang an.

Es besteht die Möglichkeit, finanzielle

Fördermittel, beispielsweise das

Aufstiegs-BaföG, zu beantragen.

INGRID LEHR-BINDER

www.bia-karlsruhe.de/mv-zahntechnik

50 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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RUBRIK

TECHNOLOGIETRANSFER

MIT GENUSSFAKTOR

Gelungene Netzwerkarbeit verbindet die richtigen Partner und schafft

Raum für Innovation in der Fächerstadt. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie

durch interdisziplinäre Zusammenarbeit ein beeindruckendes Ergebnis

erzielt werden kann.

In Karlsruhe kennt zwar nicht jeder

jeden – aber der richtige Geschäftsoder

Projektpartner ist in der Regel

nur ein Netzwerk weit entfernt. Darum

kümmert sich auch die Wirtschaftsförderung

Karlsruhe. Das Herz Karlsruhes

schlägt im Mittelstand – Unternehmer

wissen, wie wichtig Branchennetzwerke

und Projektpartnerschaften sind. Agilität,

Entscheidungsfreude, Innovationsgeist

und der Wille zur Transformation

sind wichtig für diejenigen, die ganz

vorne mit dabei sein wollen.

Ein Beispiel für eine hervorragende

Netzwerkarbeit ist ein aktueller

gastro nomischer Coup, der Kaffeeroboter

MyAppCafé. (Mehr dazu

auf der gegenüberliegenden Seite.)

Von der Vision zum Produkt in 12

Monaten – das geht nur auf kurzen

Wegen. Und diese gibt es in der Stadt

Karlsruhe: Denn Wirtschaft und

Wissenschaft sind hier hervorragend

miteinander verzahnt.

KARLSRUHER NETZWERKE:

WISSEN, WER WAS KANN

Auf der Seite der Wissenschaft

zählen neben dem Karlsruher Institut

für Technologie zahlreiche weitere

renommierte Hochschulen und

Forschungseinrichtungen zu den

Impulsgebern. Gebündeltes Knowhow

sowie die hohe Kompetenz der

akademischen Absolventen treffen

auf der anderen Seite auf motivierte

und innovative Unternehmen in

mehreren großen Branchen- und

Kompetenzclustern.

Dazu zählen unter anderem das

EnergieForum Karlsruhe, die Gründerallianz

Karlsruhe oder das K3 Kulturund

Kreativwirtschaftsbüro Karlsruhe.

Auch das vor 20 Jahren gegründete

CyberForum, mit rund 1.200 Mitgliedern

Deutschlands größtes Hightech.

Unternehmer.Netzwerk sowie das

Automotive Engineering Network,

kurz aen, gehören dazu.

Fotos MyAppCafé

IT’S A MATCH: DREI KARLS-

RUHER FIRMEN ZEIGEN, WIE

INNOVATION GEHT

Von außen betrachtet ist MyAppCafé

ein rund neun Quadratmeter großer

Container, der mit einem Roboterarm

Kaffee ausgibt. 120 Becher pro Stunde

kann der Kaffeeautomat produzieren.

Derzeit stehen drei der Street Baristas

im Ländle: In der Postgalerie Karlsruhe,

in den Mercaden Böblingen und in der

Stadtgalerie Heilbronn. Die Kunden

ordern und bezahlen mithilfe einer

App und erhalten dann vor Ort ihr

frisch zubereitetes Getränk – mit Verpackungsmaterialien

aus nachhaltigen

Rohstoffen. Die Idee hinter MyApp-

Café ist es, leckeren Kaffee auch in

den Randstunden oder als Ergänzung

zur klassischen Gastronomie anzubieten:

auf Messen, Flughäfen oder in

Einkaufszentren zum Beispiel.

MyAppCafé zeigt, wie technische

Innovation und Transformation innerhalb

von Unternehmen auf der Basis

erfolgreichen lokalen Netzwerkens gelingen

kann. Die beteiligten Unternehmen

Rothweiler Feinwerkmechanik,

ROCK5 und das IBS Ingenieurbüro

haben 2018 bei Veranstaltungen der

Karlsruher Wirtschaftsförderung zusammengefunden.

Auch das Netzwerk

aen bringt seine Kompetenz mit ein.

ANFRAGEN AUS ALLER WELT

FÜR MYAPPCAFÉ

An der Verbreitung des Franchise-

Konzepts wird intensiv gearbeitet. Die

nächsten Standorte für MyAppCafés

stehen mit Saarbrücken, Frankfurt und

Hamburg fest. „Das Interesse ist groß“,

so Gastronom und Ideengeber Michael

Stille: „Wir haben Anfragen aus aller

Welt, aus Israel, Schweden, Dubai,

Frankreich oder Polen.“ Für die USA

hat sich bereits ein Master Franchisenehmer

gefunden.

Und besonders vor dem Hintergrund

der Coronapandemie könnte das

Timing nicht besser sein. Kontaktloses

Bestellen, Bezahlen und Entgegennehmen

der Ware kann das Infektionsrisiko

auf ein Minimum reduzieren.

Dirk G. Rothweiler, Geschäftsführer

von Rothweiler Feinwerkmechanik,

blickt positiv auf die weitere Entwicklung.

„Wir stehen erst am Beginn einer

Transformation aller Betriebe unabhängig

von der Betriebsgröße. Ich sehe

die Firmen der Region Karlsruhe und

die Netzwerke stark aufgestellt.“ Dirk

G. Rothweiler ist übrigens seit Kurzem

Vorstand für Innovation und Transformation

im Handwerk beim aen. Ohne

die Netzwerkarbeit der Wirtschaftsförderung

Karlsruhe wäre dieses Kräftebündeln

nicht möglich gewesen – ein

Gewinn für beide Seiten.

OLIVER WITZEMANN

Wirtschaftsförderung Karlsruhe,

Unternehmensservice und Handwerk

Netzwerke und Branchencluster der

Wirtschaftsförderung Karlsruhe:

karlsruhe.de/b2/wifoe/netzwerke.de

Alles über das Projekt MyAppCafé

Street Barista sowie Links zur

App unter: my-app-cafe.com

Foto Stadt Karlsruhe Monika Müller-Gmelin

52 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

53


„ICH INSZENIERE

IMMER EINE NEUE

GESCHICHTE“

„ICH LIEBE ES,

STÄNDIG NEUES TER-

RAIN ZU ENTDECKEN“

ENNO-ILKA UHDE

Künstler & Regisseur

FRANCESCA ESPOSITO

Eventmanagerin und Betreiberin der Palazzo Halle

in Karlsruhe

54 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

Foto Tanja Dammert

Wie motivieren Sie Ihr Team für einen Aufbruch, also ein

neues Projekt?

Wir sind als Team sehr eng, reden viel miteinander. Daher muss

ich niemanden überzeugen. Es gibt nur einen Weg und der führt

Richtung Zukunft, das wissen wir alle: Keine Inszenierung ist wie

die andere, ich mache immer eine neue Geschichte – das kann

man nur, wenn man neue Wege geht.

Wenn Sie im Leben nochmal die Chance hätte, von vorne

anzufangen, was würden Sie anders machen?

Ich habe in meinem Leben immer versucht, dass mir nicht die

Möglichkeitsräume eingeschränkt werden, so dass ich keine Wahl

mehr habe, etwas zu tun. Ich habe immer so gehandelt, wie ich

gehandelt habe und es ist so geworden, wie es geworden ist. Hätte

ich etwas anders gemacht, wäre es anders geworden. Es ist also

alles so wie es ist und das ist okay. Daher kann ich diese Frage gar

nicht richtig beantworten.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Stimmen Sie dem zu?

Was heißt das, ein Wagnis. Und was heißt gewinnen? Das muss

jeder erstmal für sich selbst definieren. Wagnis heißt, man muss

seine Wege immer mit Mut gehen, weil man nicht weiß, was einen

erwartet. Wir wissen nicht, was passiert, aber wir machen alles,

was wir tun, mit Hoffnung – mehr kann der Mensch nicht machen.

Aber Wagen und Gewinnen passt nicht zusammen, das ist nur ein

Sprichwort, mehr nicht.

Was wollten Sie als Kind werden?

Ich wollte entweder Flugkapitän werden oder, das hört sich

jetzt vielleicht doof an: Studienrat, also Lehrer. Das war in den

68ern so.

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Das hört man immer von anderen, aber mein Job ist nicht der

schönste Job der Welt. Es ist vielmehr eine schöne Arbeit, die

wir machen, wenn Sie sich das Opening eines großen Fußball-

Endspiels oder der Inneneinrichtung eines Bürogebäudes ansehen,

das ich entworfen habe.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Wir verfolgen zwei verschiedene Ansätze: Das Palazzo ist eine

feste Institution und ich finde es toll, dass sie es geschafft hat,

in der Region eine feste Kulturnummer zu sein. Sie hat einen

verlässlichen Ort geschaffen, wo ich hingehen kann, und das

finde, was ich mir erhoffe: Kultur.

Ich persönlich suche die Freiheit.

Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen –

erinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie genau das

tun mussten?

Ich bin in der Eventbranche tätig, daher brauche ich gar nicht

lange zurückzublicken. Seit Beginn der Coronapandemie vergeht

kein Monat, in dem ich nicht genau das tue. Nach jeder neuen

Regelung, die mir meinen Weg versperrt, baue ich mir die nächste

Brücke.

Aufbruch in eine neue Zeit – was hat sich durch die Corona-

Krise für Sie verändert?

Vor 19 Jahren habe ich die Palazzo Halle als Eventlocation gegründet.

Das ist einer der Orte, an dem ich meine Veranstaltungsideen

umsetze, Menschen inspiriere, und wo unvergessliche

Erlebnisse geschaffen werden. Seit Corona geht es jedoch nicht

nur um Live-Events. Hybrid- und Digitalevents haben sich dazu

gesellt. Wir haben inzwischen Event-Konzepte entwickelt, die alle

aktuellen Anforderungen erfüllen und unseren Gästen ein gutes

Gefühl und Sicherheit vermitteln. An weiteren neuen Lösungen

und Veranstaltungs-Konzepten wird gefeilt – all dies lässt uns

optimistisch in die Zukunft blicken.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Stimmen Sie dem zu?

Ja. Wer nicht den Mut hat, neue Wege zu gehen, bleibt stehen

und geht letzten Endes rückwärts. Als Unternehmerin liebe ich

es, stets neues Terrain zu entdecken, zu beschreiten und so mein

Unternehmen voranzubringen. Die angeordnete Vollbremsung

tut zwar weh, war aber auch gleichzeitig eine Art Beschleuniger

für neue Ideen. Konzepte wie die Palazzo Gourmet Dinner Show,

die regionalen Künstlern eine Bühne gibt, die Eröffnung des

Restaurants Palazzo Gourmet, ebenso der Online-Shop Palazzo

Gourmet Slow-Food-To-Go aus unserer Gourmet-Küche, sind

daraus entstanden.

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Ich liebe es, Räume – im Sinne von Erlebniswelten – zu schaffen.

Ein Raum kann auch ein Gegenstand oder eine Idee sein, der die

Menschen emotional berührt und bewegt. Solche „Räume“ zu

schaffen, macht für mich meinen Job zum schönsten der Welt.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Enno Uhdes großen Erfahrungsschatz und die Darstellung

seiner „Raum“-Welt finde ich sehr spannend. Ich brenne für das

was ich tue und würde mich gerne mit ihm austauschen, statt

zu tauschen.

Foto Andrea Fabry

55


DIGITALISIERUNG

Foto Volksbank Karlsruhe

Von Jahr zu Jahr gewinnt Online-Banking mehr an Bedeutung,

dieser Trend lässt sich schon seit 15 Jahren beobachten.

Ganz besonders war das 2020 zu spüren, ausgelöst durch die

Pandemie und die damit einhergehenden Schließungen von

Bank-Filialen während der Lockdowns. Laut Bitkom, dem

Digitalverband Deutschlands, nutzten im Jahr 2020

76 Prozent der Deutschen Online-Banking (2019 70 %).

Laut Umfrage könnten sich weitere 10 Prozent vorstellen,

künftig Online-Banking zu nutzen oder haben es konkret vor.

Dabei sind vor allem die 30 bis 49 Jahre alten Bankkunden

onlineaffin: 96 Prozent machen ihre Bankgeschäfte bequem

von zuhause aus oder unterwegs.

DIGITALE WENDE

Auch den Banken und Finanzdienstleistern in der TechnologieRegion

Karlsruhe (TRK) sind die Veränderungen nicht

entgangen. Um nicht von der Digitalisierungswelle überrollt

zu werden, wollen und müssen die Banken ihre Dienstleistungen

weiter dem digitalen Orbit anpassen. Das eine oder

andere Finanzinstitut träumt gar von Online-Beratungen mit

virtuellem Assistenten bei längerfristigen Finanzierungsvorhaben,

wie z.B. dem Kauf einer Immobilie. Vielleicht gibt es

demnächst auch nur noch einen Geldautomaten mit integriertem

Kontoauszugsdrucker und einem schicken Telefon mit

Retina-Display, um nach dem Einkaufen noch schnell einen

CORONA LÄSST

ONLINE-BANKING

WACHSEN

Der schnelle Blick auf den Kontostand oder am Wochenende eine

Überweisung bequem vom Sofa aus erledigen: Immer mehr Menschen

nutzen Online-Banking. Einige, weil sie bei einer Direkt-Bank sind

und es müssen, andere weil sie flexibel sein möchten. Die Tendenz zum

Online-Banking steigt. Hat die Coronapandemie darauf Einfluss? Der

Wirtschaftsspiegel hat nachgefragt.

Beratungstermin zu vereinbaren. Ob sich der Bankkunde in

den Sechzigern mit solchen Innovationen sofort anfreunden

kann, bleibt abzuwarten. Für die jüngeren Generationen der

18- bis 45-Jährigen ist das sicher kein Thema mehr.

Da gehört es schon zum guten Ton, das tägliche Leben rund

um die Uhr online zu verwalten.

Diese beiden Welten zusammenzubringen ist die Herkulesaufgabe

der Bankinstitute von Heute und langfristig gesehen

sind den zahlreichen Möglichkeiten des Online-Bankings von

Morgen zweifellos keine Grenzen gesetzt.

EASY BANKING

Als einer der größten IT-Dienstleister für Volks- und Raiffeisenbanken

hat die Fiducia & GAD IT AG aus Karlsruhe ihre

technischen Plattformen aufgerüstet, um eine mühelose Abwicklung

beim Online-Banking und dem kontaktlosen Bezahlen

zu gewährleisten. „Die Pandemie hat auf jeden Fall die Digitalisierung

im Bankenwesen beschleunigt“, ist Martin Beyer,

Vorstandssprecher der Fiducia & GAD IT AG, überzeugt. So

flexibel wie das Leben reagiert auch die Volksbank Karlsruhe

auf den Wandel zwischen dem Betreiben der Filialen und den

Dienstleistungen des Online-Bankings. „Wir haben während

der Pandemie verstärkt beobachtet, dass sich Kunden entweder

telefonisch oder via Internet-Meeting beraten lassen“, erzählt

Thomas Nusche, Pressesprecher der Volksbank Karlsruhe.

Corona hält uns immer noch auf Trab,

viele Geschäfte haben geschlossen, lange

waren auch die Bankfilialen dicht. Wie

haben die Fiducia & GAD IT AG und die

Volksbank Karlsruhe die Pandemie-Zeit

bisher gemeistert?

Beyer: Die Fiducia & GAD ist bisher

gut durch die Krise gekommen. Wir

konnten sehr schnell fast alle Mitarbeiter

ins Homeoffice schicken und auch

die Banken entsprechend unterstützen:

Wir haben Antragsstrecken für KfW-

Kredite zur Verfügung gestellt und beispielsweise

das Limit für kontaktloses

Bezahlen von 25 auf 50 Euro erhöht.

Grundsätzlich gab und gibt es für die

Fiducia & GAD nicht weniger zu tun,

sondern es kamen neue Herausforderungen

hinzu, die es zu meistern galt.

Nusche: Trotz der äußerst schwierigen

Rahmenbedingungen blickt die

Volksbank Karlsruhe zufrieden auf das

abgelaufene Geschäftsjahr 2020 zurück.

Zwar liegt das Teilbetriebsergebnis

als wichtigster Erfolgsindikator mit 23

Millionen Euro rund 1,8 Millionen Euro

unter dem Vorjahreswert, dennoch

konnten wir die zu Jahresbeginn festgelegte

Plangröße nahezu punktgenau

erreichen. In einem Jahr, das uns aufgrund

der Pandemie stets in Erinnerung

bleiben wird, sind wir sehr froh

über dieses Ergebnis, denn vor allem die

Halbjahresbilanz hatte das Schlimmste

befürchten lassen.

So war unser Provisionsergebnis aus der

Vermittlung von Bank- und Versicherungsleistungen

im Frühjahr 2020

komplett eingebrochen, als die Filialen

über sechs Wochen lang von den Kunden

nur noch mit zuvor vereinbarten

Beraterterminen betreten werden durften.

Das Kreditgeschäft stagnierte, und

der Kurssturz im März versetzte viele

Anleger in einen regelrechten Schockzustand.

In der zweiten Jahreshälfte

normalisierte sich das Geschäft wieder,

die Kreditnachfrage zog spürbar an.

Ebenso konnten die Berater viele Anleger

davon überzeugen, die niedrigen

Foto stock.adobe.com – ipopba

Börsenkurse des Frühjahrs als Chance

für den Neueinstieg zu nutzen, was

sich als sehr gute Strategie erwiesen

hat. Der Blick auf den Jahresstart 2021

zeigt eine vielversprechende Tendenz.

Stichwort Online: Die Menschen haben

online viel bestellt, die Zahlen der

ausgelieferten Pakete ist steil nach oben

gegangen. Analog dazu: Wie war das

bei der Fiducia & GAD IT AG und der

Volksbank Karlsruhe? Mehr Online-

Banking-Nutzer = mehr IT-Infrastruktur

für die Banken auf- und ausbauen?

Beyer: Beim Stichwort IT-Infrastruktur

und Corona fällt mir zunächst etwas

anderes ein: Zu Beginn des ersten

Lockdowns 2020 mussten wir in

kürzester Zeit die technischen Voraussetzungen

dafür schaffen, dass

eine exponentiell steigende Anzahl

von Bankmitarbeitern sicher aus dem

Homeoffice arbeiten konnte. Dafür

war es notwendig, schnell die notwendige

VPN-Infrastruktur zu skalieren

und über unsere Tochtergesellschaft

Ratiodata die benötigten mobilen

Arbeitsplätze in Form von Laptops zu

beschaffen.

Nusche: Die Frage, ob es einen Zusammenhang

gibt zwischen der steigenden

Zahl an Online-Bestellungen während

der Pandemie und einer höheren

Nutzungsquote beim Online-Banking,

kann so nicht beantwortet werden. Denn

das reine Online-Banking spielt bei

Bezahlvorgängen im Internet eine eher

untergeordnete Rolle. Es sei denn, Käufe

werden auf Rechnung bestellt und diese

dann per Online-Überweisung beglichen.

Dies ist aber nur in Einzelfällen der Fall.

Meist werden die Anbieter wie Paydirekt,

Paypal, Giropay oder die Kreditkarte fürs

Bezahlen im Internet genutzt.

Hat Corona und die damit verbundenen

Einschränkungen der digitalen

Bank und dem Onlinebanking einen

Schub verpasst? >>

56 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

57


Foto fiducia & GAD IT AG

Foto: BAW Karlsruhe

Martin Beyer,

Vorstandssprecher der Fiducia & GAD IT AG

>>

Beyer: Tatsächlich ist die Anzahl der

Nutzer von digitalen Lösungen im

vergangenen Jahr signifikant gestiegen.

Hier spielt die Pandemie sicher eine

Rolle. Unabhängig davon schreitet die

Digitalisierung von Banking aber bereits

seit einigen Jahren in einem enormen

Tempo voran.

Nusche: Grundsätzlich ist die Quote

unserer Kunden, die das Online-Banking

nutzen oder sich für die Nutzung

zumindest haben freischalten lassen, im

Vergleich zu anderen Genossenschaftsbanken

schon seit längerem recht

hoch und liegt bei rund 50 Prozent.

Eine wirklich signifikante Zunahme an

reinen Online-Banking Transaktionen

seit Ausbruch der Pandemie haben

wir bisher nicht feststellen können.

Interessant ist jedoch der Blick auf die

Zahlen bei unseren Bank- und Kreditkarten.

Stellen wir etwa die Werte der

beiden Oktober-Monate aus dem Jahr

2019 und 2020 gegenüber, so zeigt

sich ein eindeutiger Trend: Die Zahl der

Kartenverfügungen mit der Girocard

lag 2020 um rund 42 Prozent über

dem vergleichbaren Vorjahresmonat.

Die Anzahl der Kreditkartenverfügungen

zeigt für 2020 gegenüber 2019

eine Steigerung um über 10 Prozent.

Ebenfalls interessant ist der Blick auf

das kontaktlose Bezahlen: So zeigt

unsere Girocard-Statistik, dass etwa im

Dezember 2020 von insgesamt 320.000

Verfügungen rund 194.000 kontaktlos

erfolgten (rund 60 %). Im Dezember 2019

waren von insgesamt 252.000 Transaktionen

erst 92.000 (36,5 %) kontaktlos.

58 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

Müssen sich eventuell Menschen auf

dem Land nun auf geschlossene Filialen

einstellen, weil mehr in den digitalen

Raum verlagert wird?

Nusche: Die Volksbank Karlsruhe ist

ein städtisch orientiertes Institut, die

Filialen befinden sich allesamt in der

Kernstadt sowie den umliegenden

Stadtteilen. Bei uns jedenfalls sind

Filialschließungen derzeit nicht geplant.

Im Gegenteil: Mit unserer Campus-

Filiale auf dem Gelände des KIT haben

wir im vergangenen Jahr einen weiteren

Standort eingerichtet, wenngleich

dieser – pandemiebedingt – bisher

noch nicht besetzt war. Denn der

Hochschulbetrieb findet ja fast nur

noch online statt.

Das Thema Online-Beratung wird zunehmen.

Denn nachdem sich während

der ersten bundesweiten Schließungen

im Frühjahr 2020 die Türen unserer

Filialen für sechs Wochen nur noch

nach telefonischer Terminvereinbarung

öffneten, nutzen viele Kunden bis

heute die Möglichkeit, sich entweder

telefonisch oder via Internet-Meeting

beraten zu lassen. Sowohl auf Seiten

der Berater als auch auf Kundenseite

wurden in kaum vorhersehbaren

Dimensionen bisher ungenutzte Wege

der Interaktion gegangen. Waren Web-

Meetings auch aus dem Homeoffice

bisher eher die Ausnahme, so sind sie

im Nullkommanichts auch für unsere

Kunden salonfähig geworden. Ob und

wie sich das mittelfristig auf den Besuch

der Filialen auswirkt, müssen wir

abwarten und fortlaufend analysieren.

Wie digital kann Bank werden,

so ganz allgemein gesehen?

Beyer: Pauschal lässt sich das schwer

beantworten. Das hängt immer davon

ab, um welche Art von Bankgeschäft

es sich handelt. Für große, beratungsintensive

Themen wie eine Baufinanzierung

wird der Bankberater auch in

Zukunft eine zentrale Rolle spielen.

Andere Bankgeschäfte verlagern sich

dagegen immer mehr in den digitalen

Raum. Ein grundsätzlicher Trend ist

auch, dass die Anzahl der Kunden, die

ihre Bankgeschäfte auf dem Smartphone

erledigen, deutlich ansteigt.

Einfaches, intuitives Banking ist gefragt

– am besten per App. Dem wollen auch

wir mit einer neuen Banking-App und

einem neuen Online-Banking Rechnung

tragen. Beides wird im Laufe des

Jahres ausgerollt werden.

Nusche: Ganz allgemein formuliert,

kann eine Bank natürlich zu 100

Prozent digital sein, Beispiele hierfür

gibt es ja bereits viele. Als in der Region

verwurzelte Genossenschaftsbank mit

einer über 160-jährigen Tradition am

Bankenplatz Karlsruhe leben wir unsere

Mitglieder- und Kundenbeziehung

auch dadurch, dass wir mit unseren

17 Filialen direkt bei den Menschen

vor Ort sind. Unsere Kollegen in den

Stadtteilen sind für viele Menschen

das Gesicht unseres Hauses und vor

allem wichtige persönliche Ansprechpartner.

Dennoch können und wollen

wir uns den technischen Möglichkeiten

nicht verschließen, denn viele unserer

Kunden wollen ihre Bankgeschäfte

natürlich auch online und mobil über

die verschiedenen Kanäle erledigen.

Wir sind daher gefordert, den Spagat

zu bewältigen zwischen einer Filialbank

auf der einen Seite und einer Internetoder

Direktbank auf der anderen Seite.

Das ist unser Geschäftsmodell, und wir

sind davon überzeugt, dass wir hier auf

einem sehr guten Weg sind.


ENERGIE

ENERGIEWENDE ANPACKEN

SMART EAST – DAS INTELLIGENTE QUARTIER IM KARLSRUHER OSTEN

Karlsruhes Klimaschutzziele sind ambitioniert: Bis zum Jahr 2050 strebt die Stadt Klimaneutralität an. Aber

wie können wir die Energiewende vor Ort vorantreiben? Im gemischtgenutzten Bestandsquartier „Smart East“

in der Karlsruher Oststadt werden die Potenziale einer klimaneutralen Energieversorgung in der Praxis

evaluiert. Das Versuchsfeld ist das Gelände entlang der „IT- und Technologieachse“ Haid-und-Neu-Straße vom

FZI „House of Living Labs“ über die Technologiefabrik Karlsruhe bis zum Hoepfner-Areal.

Ein Verbund aus Unternehmen und

Forschungseinrichtungen hat sich zum

Ziel gesetzt, dieses Leuchtturmprojekt

als Teil der Energiestrategie der TechnologieRegion

Karlsruhe zu realisieren.

Der Oberbürgermeister der Stadt

Karlsruhe Dr. Frank Mentrup begleitet

das vom Ministerium für Umwelt,

Klima und Energiewirtschaft Baden-

Württemberg mit knapp 1 Million Euro

geförderte Projekt als Schirmherr.

Hervorzuheben ist die Mitwirkung aller

Beteiligten: Mieter, Energieversorger,

Immobilienbetreiber und -besitzer

können im Projekt Smart East neue

Geschäftsmodelle zur smarten Energieversorgung

im Bestandsquartier erproben.

Von Anfang an werden weitere

potenzielle Anwender wie Kommunen,

Wohnungswirtschaft, Immobilienentwickler,

Gewerbeparks oder öffentliche

Liegenschaftsbetreiber das Projekt in

einem Anwenderkreis begleiten.

Initiatoren von Smart East sind Dr.-Ing.

Christoph Schlenzig, Geschäftsführer

der Seven2one Informationssysteme

GmbH und Manuel Lösch, Abteilungsleiter

am FZI Forschungszentrum

Informatik. Gemeinsam mit

Dr. Friedrich Hoepfner, Geschäftsführer

des Immobilienunternehmens Hoepfner

Bräu, geben sie erste Einblicke:

Wieso handelt es sich bei Smart East

um ein Leuchtturmprojekt?

Dr. Schlenzig: Mit Smart East wollen

wir die Energiewende in die Stadt

bringen und leisten damit einen Beitrag

zum Klimaschutz in Karlsruhe. Wir

wollen zeigen, dass die Vernetzung und

Optimierung der Energieversorgung

eines Quartiers im großen Maßstab

auch in der Praxis funktioniert. Aktionsfelder

im Projekt sind: Klimaschutz,

Digitalisierung, Geschäftsmodelle und

Partizipation.

Welche Potenziale bietet die Digitalisierung

der Energieversorgung

im Quartier?

Lösch: Durch den steigenden Anteil

erneuerbarer Stromerzeugung muss

man Strom auch dann verbrauchen,

wenn er abhängig von Sonne und Wind

zur Verfügung steht. Hierzu bietet die

Kopplung der Sektoren Strom, Wärme,

Kälte und Mobilität ein großes Potenzial.

Die Digitalisierung der Energieversorgung

im Quartier ermöglicht es,

den Anteil selbst erzeugter Energie zu

erhöhen, das öffentliche Stromnetz zu

unterstützen, Kosten zu senken und

damit letztendlich die Energiewende

„von unten” zu fördern. Hierzu müssen

die Akteure im Quartier kooperieren.

Genau dafür möchten wir im Projekt

Smart East neue digitale Geschäftsmodelle

entwickeln. Beispiele hierfür

sind vielfältig und reichen von Mieterstrommodellen,

bei denen Eigentümer

von Photovoltaikanlagen den Strom

direkt an ihre Mieter verkaufen, über

den optimierten Betrieb gemeinsamer

Ladeinfrastruktur, bis hin zur stromnetzdienlichen

Koordination von

Energieverbrauch und -erzeugung.

Welche Mehrwerte entstehen

für die TRK?

Dr. Schlenzig: Die TRK hat sich in

ihrer Energiestrategie das Ziel gesetzt,

die Forschungsschwerpunkte Energie,

Mobilität und IT zu einem neuen Wirtschaftsschwerpunkt

„Energieinformatik“

zu bündeln und so zur Modellregion

für Energiewende und Klimaschutz zu

werden. Mit Smart East entsteht ein

weiterer Leuchtturm für diese Strategie.

Mit diesem Projekt macht Karlsruhe

außerdem einen weiteren Schritt zur

Smart City, durch die Digitalisierung

der Energie-Infrastruktur der Oststadt.

Und letztendlich bekommt die TRK mit

Smart East eine Vorbildfunktion für

moderne, praxistaugliche Konzepte für

die Energiewende in Städten.

Welchen Mehrwert sieht das Land

Baden-Württemberg in diesem Projekt?

Lösch: Smart East soll zeigen, dass die

Ideen, Konzepte und Geschäftsmodelle

aus der Forschung auch in der Praxis

technisch umsetzbar und wirtschaftlich

sind. Ziel ist es auch, Schwierigkeiten bei

der praktischen Umsetzung und Hürden

der Regulierung zu erkennen und

Lösungen aufzuzeigen. Die Ergebnisse

sollen baden-württembergischen

Kommunen sowie auch über den

Südwesten hinaus als Blaupause und

Inspiration dienen. Erfolgreiche Vorbilder

für smarte Quartiere gibt es bisher

hauptsächlich in Neubauquartieren. Bei

Smart East handelt es sich jedoch um

ein Quartier, das aus teils über 100 Jahre

alten Bestandsgebäuden besteht. Wir

wollen zeigen, wie Bestandsgebäude in

den Städten in smarte energieoptimierte

Quartiere verwandelt werden können.

Wie profitieren Bürger

von Smart East?

Dr. Schlenzig: Partizipation ist das

vierte Aktionsfeld von Smart East –

deswegen wollen wir die beteiligten

Menschen eng in das Projekt einbeziehen.

Zunächst einmal leistet Smart East

einen direkten Beitrag zum Klimaschutz

vor Ort. Energiewende-Aktivist*innen

können stolz darauf sein, dass in ihrem

regionalen Umfeld ein Vorzeigeprojekt

wie Smart East entsteht. Wir wollen

neugierig machen! Smart East soll –

vereinfacht gesagt – erlebbare Werbung

für die Energiewende sein.

Warum macht die Hoepfner Bräu

beim Projekt mit?

Dr. Hoepfner: Hoepfner hat Tradition.

Mit Innovationen wollen wir

zukunftsfähig bleiben. Unter unserem

Logo „Häuser zum Wohlfühlen“

Foto Baden TV

schaffen wir hier ein Areal, wo man

gerne lebt und arbeitet.

Bei Smart East beteiligen wir uns, weil

wir das Hoepfner Areal langfristig zu

einem Smart Quarter entwickeln.

Leben, Arbeiten und Wohnen in einem

sorgfältig entwickelten Quartier – das

ist die Zukunftsvision. Deshalb schaffen

wir mit dezentraler Energieerzeugung

ein vernetztes System zum nachhaltigen

Energie-Einsatz und parallel dazu

sinkt die Verkehrsbelastung durch

räumliche Nähe aller Objekte – hier

kann man zu Fuß von der Wohnung

in die Kita und dann ins Büro! Die

Synergien zwischen unseren Mietern

werden gefördert z.B. mit Kooperationen,

gemeinsamer Ressourcennutzung

und Marketing. Und wir setzen uns für

eine hohe Lebens- und Wohnqualität

ein - eben „Häuser zum Wohlfühlen“!

Für diese anspruchsvollen Ziele stellen

wir das Hoepfner- Areal als Real-Labor

kostenlos zur Verfügung.

Was ist das Besondere

am Hoepfner-Areal?

Dr. Hoepfner: Das ist das ideale

Versuchsfeld: Neben der Brauerei,

dem Pflegeheim, der Kita und dem

Hightech-Unternehmer-Netzwerk

CyberForum befinden sich Wohnungen,

Büros, Werkstätten, sogar ein

Fernseh- und ein Fotostudio auf dem

Gelände. Hier werden an Ladesäulen

Elektrofahrzeuge mit Strom versorgt

und die großen Maschinen auf

dem Gelände haben einen hohen

3

Energieverbrauch. Für die Zukunft

planen wir, Solarstrom zu produzieren

und auch das im Bau befindliche iWerkx

wird als agiles Bauwerk für Industrie

4.0 eine hauseigene Stromversorgung

haben. Hoepfner Bräu will aktiv an

der Umsetzung der Energiewende in

Karlsruhe mitwirken und helfen, die

vielen guten theoretischen Ansätze in

die Praxis zu überführen.

1 Die Trafostation im iWerkx.

2 E-Mobilität auf dem Vormarsch.

3 Das Smart-East-Areal um die Hoepfner-

1

2

Burg aus der Vogelperspektive.

HOEPFNER BRÄU

www.hoepfner-braeu.de | www.smart-east-ka.de

Foto Ras Rotter

Foto Ras Rotter

60 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

61


GRÜNES LICHT

FÜR SAUBERE

POWER

Für die Produktion von wiederaufladbaren

Akkus und Batterien werden

jedes Jahr Millionen Tonnen Lithium

gefördert – bislang meist außerhalb

Europas unter ökologisch fragwürdigen

Bedingungen. Neu entwickelte Verfahren

– mit einer erheblich besseren

CO2-Bilanz – können in absehbarer

Zeit nun aber auch hierzulande einen

wirtschaftlichen Abbau möglich

machen. Lithium soll dabei in Geothermieanlagen

aus den Tiefen des

Oberrheingrabens gefördert werden.

Aktuell importiert Deutschland den

begehrten Rohstoff, der vor allem für

die Produktion von Batteriezellen für

Elektrofahrzeuge gebraucht wird, aus

den typischen Förderländern Chile,

Argentinien und Australien. Das soll

sich ändern. Für das Klimaschutzprogramm

der Bundesregierung stehen

innovative Verfahren zur Herstellung

E-MOBILITÄT WIRD

NACHHALTIGER

Lithium-Ionen-Akkus sind aus dem täglichen Leben kaum mehr wegzudenken. Aber wie klimafreundlich sind

die Lithium-Batterien, die in Autos, Fahrrädern & Co. verbaut sind? Fakt ist: Die Umweltbilanz beim Lithiumabbau

hängt massiv davon ab, wo und wie das Metall abgebaut wird.

dringend benötigter Rohstoffe in

Europa ganz oben auf der Liste.

WEISS WIE SCHNEE –

DER ROHSTOFF LITHIUM

Das leichteste Metall der Welt

gehört zu den „nicht nachwachsenden“

Rohstoffen. Auffinden lässt sich

die seltene Erde in mineralischem

Gestein und Salzwüsten. Im „Lithium-

Dreieck“ – eine Grenzregion zwischen

Argentinien, Bolivien und Chile – sind

große Lithium-Vorkommen von weltweiter

Bedeutung in ausgetrockneten

Salzseen zu finden.

Mehrere Studien belegen, dass in

einigen mitteleuropäischen Thermalwasserreservoiren

beachtliche Anteile

an Lithium im Tiefenwasser zu finden

sind – die Frage ist, wie es aufbereitet

werden kann. Ein Pilotprojekt des

Karlsruher Instituts für Technologie

(KIT) beschäftigt sich ausführlich damit,

die notwendigen technischen und

wirtschaftlichen Grundlagen für eine

Lithiumproduktion aus heißem Thermalwasser

in Deutschland zu schaffen.

DIE GEWINNUNG

Das lithiumhaltige Grundwasser in den

salzhaltigen Wüstengebieten wird in

extra angelegte Becken hochgepumpt.

Durch Verdunstung des Grundwassers

über mehrere Monate gewinnt man

Lithium-Karbonat, das dann weiterverarbeitet

wird. Das belastet nicht nur

die Umwelt, sondern wirkt sich auch

negativ auf die Lebensbedingungen der

lokalen Bevölkerung aus.

LITHIUM AUS

THERMALWÄSSERN

In der Geothermieanlage Bruchsal,

die das Energieunternehmen EnBW

gemeinsam mit den Stadtwerken

Foto stock.adobe.com – Matyas Rehak

Bruchsal seit 2010 betreibt, wird

Tiefenwasser für Wärme und Strom

gefördert und nach der thermischen

Nutzung wieder zurückgeführt. Dabei

werden rund 800 Tonnen Lithiumchlorid

pro Betriebsjahr ungenutzt wieder

ins Erdreich gefördert. Um den Lithiumgehalt

in Thermalwässern effizient zu

nutzen, entwickelte die EnBW gemeinsam

mit dem KIT ein Verfahren, mit

dem sich das im Tiefenwasser gelöste

Lithium nachhaltig gewinnen lässt.

Aus Schichten zwischen 3.000 und

5.000 Metern Tiefe wird das zwischen

160 und 180 Grad Celsius heiße Thermalwasser

an die Oberfläche befördert,

das dann durch einen Wärmetauscher

geht. Parallel zum regulären Geothermiebetrieb

setzen Wissenschaftler ein

Ionensieb ein, um den Rohstoff Lithium

zu isolieren. Eine echte Chance also,

der Elektromobilität zu einem wirklich

grünen Fußabdruck zu verhelfen und

die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen

zu steigern.

BATTERIE RECYCLING –

GEHT DAS?

Zukünftig sollen die äußere Form,

optimierte Rohstoffkreisläufe und eine

Mehrfachnutzung die Lithium-Ionen-

Batterien nachhaltiger und sicherer

machen. Wichtige Grundlagen dafür

schaffen Wissenschaftler des Bereichs

Verfahrenstechnik und Materialwissenschaft

am KIT mit ihrer Forschung

zum Batterielebenszyklus.

Batteriezellen mit einer dauerhaft

hohen Leistungsfähigkeit können den

ökologischen Fußabdruck z.B. in der

Elektromobilität erheblich verringern.

Denkbar ist auch, solche Zellen nach

Gebrauch weiter zu nutzen, etwa in

großen Netzspeichern. Doch nicht

alle Zellen sind für solche „Second-

Life-Szenarien“ geeignet, der Langzeitbetrieb

erfordert das perfekte

Zusammenspiel zahlreicher Komponenten

und Materialien: „Beim

dauerhaften Laden und Entladen einer

Batterie finden unweigerlich auch

unerwünschte Reaktionen statt“, sagt

Professor Hans Jürgen Seifert vom

Institut für Angewandte Materialien –

Angewandte Werkstoffphysik des KIT.

„Wenn das ihr Verhalten nachteilig

beeinflusst, spricht man von Degradation

oder Alterung. Man kann sie

nicht ganz verhindern, aber durch ein

entsprechendes Zelldesign verzögern

und abmildern.“

Seifert und sein Team analysieren

zudem die Zersetzungsmechanismen

der Batterieflüssigkeiten (Elektrolyt).

Dazu müssen hochpräzise Messungen

durchgeführt werden. Ziel des

Projektes sind präzise Vorhersagen

zum Zellverhalten bei der Nutzung,

erklärt Seifert: „Mit unseren Modellen

können dann sichere und nachhaltige

Batterien entwickelt und zügig auf den

Markt gebracht werden.“

ANGELIKA SCHMIED

www.wvs.de

ZERO CARBON LITHIUM®

PRODUKTION – VULCAN

ENERGIE RESSOURCEN GMBH

DR. HORST KREUTER,

GRÜNDER UND

GESCHÄFTSFÜHRER

Heißer Rohstoff auf dem Weg

zum Erfolg: Bei Vulcan werden die

sehr warmen Thermalwässer des

Oberrheingrabens zur Herstellung

des hochwertigen Zero Carbon

Lithium® genutzt und die nebenbei

erzeugte, überschüssige Energie

in das öffentliche Wärme- und

Stromnetz eingespeist. Durch die

Stromproduktion aus erneuerbarer

Energie ist der gesamte Prozess unabhängig

von fossilen Brennstoffen

und verbraucht nur wenig Wasser

und Fläche. Schon in drei bis vier

Jahren könnte das Unternehmen

erhebliche Mengen Zero Carbon

Lithium® für die Herstellung von

nachhaltigeren Batterien liefern.

www.v-er.eu

Oberfläche der größten Salzebene

der Welt, Salar de Uyuni, Bolivien.

62 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

63


ENERGIE

Auf dem Dach des neuen Quartiers wird Strom erzeugt, unter anderem für die

Wallboxen in der Tiefgarage. Diese gehören in den Wohnvierteln immer dazu,

so dass jeder Bewohner für sein Elektromobil eine Lademöglichkeit hat.

STROM

CLEVER

STEUERN

SCHLAUE WÄRMEWENDE

MIT ENOCOO

Wenn ganze Wohnviertel, Städte oder gar Regionen wie die TRK ihre

Energie aus regenerativen Quellen selbst erzeugen und den Verbrauch

Foto evohaus GmbH

Foto Stephan Baumann

schlau steuern könnten, dann wäre das ein großer Schritt zu einer CO2-

freien Gesellschaft. Doch dazu ist im Kampf gegen die heraufziehende

Klimakatastrophe eine „Wärmewende“ im Immobiliensektor notwendig.

Neben Verkehr und Industrie ist vor

allem die Wärmeversorgung von Gebäuden

für die Kohlendioxid-Emissionen

verantwortlich, weltweit für etwa 40

Prozent. Allein in Deutschland werden

durch rund 18,8 Millionen Wohngebäude

und rund 2,7 Millionen andere

Bauten jährlich ca. 120 Millionen

Tonnen des Treibhausgases CO2 in die

Atmosphäre geblasen. Das sind ca. 36

Prozent der Emissionen und davon gehen

wiederum etwa 90 Prozent auf das

Konto von Heizungen und Warmwasser.

Angesichts des drohenden Klimakollaps

hat der Bund beschlossen, den Gebäudebestand

bis allerspätestens 2050

klimaneutral mit Wärme zu versorgen.

Knapp über die Hälfte der in Deutschland

verbrauchten Energie wird für

die Erzeugung von Wärme und Kälte

verwendet, wie etwa für Heizungen,

Kühlschränke, Warmwasser, Prozesswärme

oder Klimaanlagen.

Kaum zu glauben, aber die dafür benötigte

Energie wird nach einem Bericht

des „Handelsblatt“ zu fast 85 Prozent

immer noch aus Kohle, Öl und Gas

gewonnen. Gerade einmal 14,5 Prozent

stammten 2019 aus erneuerbaren

Quellen. Fast genauso hoch war ihr

Anteil schon vor sieben Jahren.

Das zeigt deutlich, der Wärmebereich

wurde bislang vernachlässigt. „Im Wärmesektor

besteht der größte Nachholbedarf

bei der CO2-Einsparung“, sagt

Professor Dr. Gerd Hager.

Die „Wärmewende“, fordert der

Direktor des Regionalverbands Mittlerer

Oberrhein, solle „im Mittelpunkt

jeder modernen kommunalen Klimastrategie“

stehen.

Was ist damit gemeint? Die Wärmeversorgung

muss von fossilen Energieträgern

wie Kohle, Erdöl und Erdgas

auf erneuerbare Energien umgestellt

werden. Ohne diesen Schritt gelingt

die Energiewende nicht. Die Karlsruher

evohaus GmbH ist seit vielen Jahren

in diesem Bereich eines der führenden

Unternehmen Deutschlands. „In unseren

Quartieren gehört der ausschließliche

Einsatz erneuerbarer Energien zur

Wärmegewinnung zum Standard“, sagt

Geschäftsführer Heinz Hanen.

DER WILLE ZUM HANDELN

Wie bedeutsam die Erneuerbaren Energien

bereits heute sind, zeigen Zahlen

für das vergangene Jahr. 2020 wurde

durch ihren Einsatz der Ausstoß von

rund 227 Millionen Tonnen Treibhausgasen

vermieden. Mit anderen Worten:

ohne diese hätte der Treibhausgasausstoß

in Deutschland im Jahr 2020

um rund 227 Millionen Tonnen CO2-

Äquivalente höher gelegen. Rund drei

Viertel der vermiedenen Emissionen

(fast 181,1 Mio. Tonnen) entfielen dabei

auf den Stromsektor.

Bei der Wärmeversorgung wurden

lediglich rund 36,3 Millionen Tonnen

CO2 eingespart. „Entscheidend sind

der Wille zum Handeln und die konsequente

Beschäftigung mit dem Thema

vor Ort“, sagt Professor Gerd Hager.

Die kommunale Wärmeplanung habe

zwar in Pilotprojekten begonnen, doch

„auf Grundlage des Klimaschutzgesetzes“

werde sie nun „in der gesamten Region

ausgerollt“. Die baden-württembergische

Landesregierung will, dass künftig

alle von ihrer Ausrichtung und Beschaffenheit

her geeigneten Dachflächen mit

Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen

ausgestattet werden müssen. Sie dienen

der Selbstversorgung oder speisen

Strom und Wärme in die entsprechenden

Netze ein. „Bei Neubauten gilt:

so wenig Energie (Strom, Wärme) wie

nötig verbrauchen, so viel Energie wie

möglich selbst erzeugen“, sagt Hager.

VORAUSSETZUNG FÜR

CO2-FREIES LEBEN

In Zukunft wird die Wärmeversorgung

auf dem Zusammenspiel verschiedener

erneuerbarer Wärmetechnologien

sowie einer effizienten Kopplung mit

dem Stromsektor basieren. In evohaus-

Quartieren wird bereits heute für Heizung,

Warmwasser und alle anderen

Energiebedarfe einschließlich der

Wallboxen für Elektromobile nur Strom

eingesetzt. „Das ist eine Voraussetzung

für ein CO2-freies Leben“, sagt Hanen.

Für die aufwändige, technische Umsetzung

wurde das digitale Energiemanagement

enocoo entwickelt. enocoo

steht für „energy no CO2“, übersetzt

„Energie ohne CO2“. Das digitale

selbst lernende Steuerungssystem

übernimmt das komplette Energiemanagement.

Es steuert den Einsatz der

Energie, vergleicht den Bedarf mit dem

bereitgestellten Strom und leitet den

nicht benötigten in Batteriespeicher.

„Letztendlich kommt es darauf an, wie

wir den Einsatz und die Speicherung von

Strom schlau steuern, denn nur dadurch

können wir die lebenswichtige Energiesicherheit

für unsere Gesellschaft

gewährleisten“, erklärt Hanen.

Schlaues Energiemanagement sorgt

noch für einen weiteren Vorteil. In

evohaus-Quartieren müssen sich die

Bewohner nicht vor Energiepreiserhöhungen

fürchten. Im Gegenteil.

Je höher der Eigenverbrauch des selbst

erzeugten Stroms, um so günstiger wird

der Kilowattpreis.

FELIX KURZ

www.evohaus.com

64 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

65


START-UPS

UFO GESICHTET

Nachhaltig, ökologisch und dynamisch –

dafür steht die h-aero® Produktfamilie der Hybrid-Airplane

Technologies GmbH (HAT) aus Baden-Baden. Das Hybridflugzeug

soll sich zunächst als das innovativste, umweltfreundlichste

luftgestützte Trägermedium für Beobachtungs-, Forschungsund

Kommunikationsanwendungen und nachgelagert für

Mobilitäts- und Transportanwendungen etablieren. Die wichtigsten

Kundennutzen bestehen in der Flugdauer (bis zu mehreren

Tagen, perspektivisch 24/7) und der ausgeprägten Sicherheit

und Umweltfreundlichkeit des neuartigen Flugkonzepts,

das eine Kombination aus Flugzeug, Hubschrauber

und Ballon ist.

www.h-aero.com

CLUB LIFE

NEUES AUS

DER GRÜNDERSZENE

Zwischen Bruchsal und Bühl, Ettlingen und Landau in der Pfalz

gibt es viele geniale und innovative Köpfe. Mit seinen kreativen und

erfolgreichen Start-ups kann sich die TechnologieRegion Karlsruhe

sehen lassen.

KNIGHT RIDER

PER STECKER

Ein altes Auto einfach smart machen –

das macht PACE Link. Zusammen mit der

App für iOS oder Android kann der Fahrer

10 smarte Funktionen nutzen, etwa ein

Fahrtenbuch, Fehlercodes auslesen, das

Auto orten, einen Notruf absenden oder

die günstigste Tankstelle im Umkreis

finden. Einfach den OBD2-Stecker

einstecken und schon wird das Auto zum

Smartcar. Die Schnittstelle ist bei allen

Autos ab 2001 (Benziner) und 2004

(Diesel) vorgeschrieben. Ob das Auto mit

dem PACE Link kompatibel ist, lässt sich

mit wenigen Klicks ermitteln.

www.pace.car

Illustration Felicitas Riffel – Werbeagentur von Schickh

Das Vereinsleben in den digitalen

Raum verlagern, das kann nicht

funktionieren, denn ein Verein

lebt vom Zusammenkommen der

Mitglieder. Das zu koordinieren ist

mitunter gar nicht so einfach. Da

kommt die in Karlsruhe entwickelte

App Klubraum ins Spiel. Als eine

Art privates soziales Netzwerk,

bietet die App eine Plattform,

die genau auf die Bedürfnisse von

größeren Gruppen und Vereinen

zugeschnitten ist. Immer im Fokus:

einfache Kommunikationswege

und das soziale Miteinander, das

Vereine so wertvoll macht. Ob die

Bildung von Fahrgemeinschaften

zum Treffpunkt, schnelle Absprachen

mit dem Kursleiter oder

Kalender – ein Tool für den gesamten

Verein. Kostenlos und für iOS

und Android.

www.klubraum.com

67

66 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

67


„VERLASSE DIE WELT

EIN BISSCHEN BES-

SER, ALS DU SIE VOR-

GEFUNDEN HAST“

„CHANCEN ERKENNEN

UND ETWAS

DARAUS MACHEN“

CORNELIA PETZOLD-SCHICK

Oberbürgermeisterin der Stadt Bruchsal

MARGRET MERGEN

Oberbürgermeisterin der Stadt Baden-Baden

68 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

Foto Simone Staron

Mussten Sie in Ihrem Leben schon einmal einen beruflichen

Neuanfang wagen?

Ich sage Kindern und Jugendlichen immer, ich bin nicht als

Oberbürgermeisterin auf die Welt gekommen. Ich habe in

meinem Leben mehr als einen beruflichen Neuanfang gewagt.

Begonnen habe ich meine berufliche Karriere nach dem Abitur

mit einer Banklehre. Danach habe ich beim Landeskriminalamt

Wirtschaftskriminalitätsdelikte bearbeitet. Parallel dazu habe ich

Jura studiert und erst danach die kommunalpolitische Laufbahn

eingeschlagen. Für mich bedeutete beruflicher Neuanfang immer

neue Chancen und Potenziale, insofern war es immer auch ein

Wagnis, das ich wegen der Visionen und den damit verbundenen

Gestaltungsmöglichkeiten eingegangen bin. Dies galt auch für die

Entscheidung für das Amt der Oberbürgermeisterin zu kandidieren.

Da es ein Wahlamt ist, war es im Vorfeld mit einem schwer zu

kalkulierenden Unsicherheitsfaktor verbunden.

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Ich habe viele Gestaltungsmöglichkeiten. Zusammen mit den

verschiedenen städtischen Akteuren wie Unternehmen, Vereinen,

caritativen Institutionen, Kirchen, von denen ich viele Impulse

erhalte, kann ich meine Visionen von einer modernen Stadt umsetzen.

Mit den Menschen dazu ins Gespräch zu gehen, ihre Ideen

zu hören und aufzunehmen, sie zu überzeugen, zu begeistern und

mitzuziehen, das ist das, was meinen Job zum schönsten Job der

Welt macht.

Was hat Sie in Ihrem Leben inspiriert oder motiviert?

Das pfadfinderische Leitmotiv „Verlasse die Welt ein bisschen

besser, als du sie vorgefunden hast“ ist für mich in meinem Leben

handlungsleitend. Außerdem sind Menschen mit großen Visionen,

die diese gelebt und sich auch gegen Widerstände durchgesetzt

haben, für mich inspirierend, wie zum Beispiel Nelson Mandela.

Ich bewundere, dass er nach dreißig Jahren Gefängnis noch Kraft

für weitere politische Aktionen hatte.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Margret Mergen ist eine sehr gut strukturierte Oberbürgermeisterin

mit einem hohen Finanz- und Wirtschaftssachverstand und

viel Freude an neuen Herausforderungen. Ihre Stärke ist, dass

sie die Themen systematisch aufarbeitet, von den verschiedenen

Perspektiven aus beleuchtet und dadurch richtungsweisende

Innovationen, gerade für die TechnologieRegion, angestoßen hat.

Das schätze ich sehr an ihr. Im Übrigen ist Baden-Baden natürlich

eine Stadt, die mit einem ganz besonderen Charme lockt. Das

passt gut zu ihr.

Haben Sie auch das Gefühl, dass wir immer häufiger mit

Krisen konfrontiert werden und uns deshalb auch beruflich

immer häufiger neu orientieren müssen?

Es scheint tatsächlich, dass schwierige Situationen wie etwa die

Finanz- oder die Flüchtlingskrise, aber auch die Klima- und jetzt

die Corona-Krise, immer häufiger zu ganz besonderen Herausforderungen

für uns werden. Zudem wächst die Innovationsgeschwindigkeit

exponentiell: Wissen und Austausch in Echtzeit durch die

Digitalisierung ist längst zur Normalität geworden. Das Positive

dabei ist, dass immer mehr Menschen jederzeit über alles im Bilde

sein und im Grunde weltweit kommunizieren können. Bei alledem

immer die nötige Balance zu finden und angemessen zu reagieren,

erfordert auch von mir Gelassenheit und Fingerspitzengefühl.

Woher schöpfen Sie Kraft, was sind Ihre Energiequellen,

wenn Sie den Weg aus der Krise gehen müssen?

Für mich ist der aktuelle Augenblick immer der Wichtigste: also

der Mensch, der mir gerade gegenübersteht, ist für mich in dem

Moment der Wichtigste. Zudem lege ich Freude über gelungene

Dinge immer doppelt, und Dinge, die nicht so optimal liefen, nur

zur Hälfte auf die Waage, getreu dem Motto „Geteilte Freude ist

doppelte Freude und geteiltes Leid ist halbes Leid“. Das hat mir

in meinem bisherigen Leben ganz gut geholfen und wird es sicher

auch künftig.

Welchen Beruf haben Sie sich als Kind immer gewünscht?

Schon als kleines Mädchen war mein Berufswunsch, am liebsten

gleichzeitig Meeresforscherin und Weltraumforscherin zu werden.

Den Dingen auf den Grund zu gehen und etwas zu bewegen – ja,

das hat mich schon immer fasziniert.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Ich lerne gerne vom Erfolg angesehener und in der Bürgerschaft

fest verankerter Kolleginnen und Kollegen. Ich erlebe Kollegin

Cornelia Petzold-Schick als innovationsorientierte und experimentierfreudige

OB. Deswegen würde ich gerne Innovationen

ausprobieren, etwa in Kooperation mit der Wirtschaft, beispielsweise

mit dem Unternehmen SEW Eurodrive in Bruchsal. Mit

dem Installieren induktiver Elektrolademöglichkeiten auf unseren

öffentlichen Parkplätzen hätten wir keine Probleme mehr mit

Ladesäulen und Ladekabeln. Das wäre ein herausforderndes Ziel.

Foto Christine Haumann-Frietsch

69


MOBILITÄT

INITs Systeme zur Auslastungsprognose ermöglichen Abstandhalten im ÖPNV.

#INITTOGETHER

ZUSAMMENSTEHEN IN PANDEMIEZEITEN

Gemeinsam sind wir stärker: Dafür steht #INITtogether. Es ist der Leitspruch von INIT in dieser so besonderen

Zeit, die sich in zahlreichen Branchen verheerend auswirkt. Als IT-Lieferant von Verkehrsunternehmen,

die weltweit mit einem drastischen Rückgang der Fahrgastzahlen zu kämpfen haben, sieht sich INIT

derzeit noch mehr als sonst gefordert, mithilfe von neuen Technologien zur Bewältigung dieser Krise beizutragen.

Schnell wurden deshalb Lösungen entwickelt, die das Abstandhalten im öffentlichen Nahverkehr

ermöglichen und so das Vertrauen der Fahrgäste in die Sicherheit des ÖPNVs stärken. Denn bei INIT sind

wir überzeugt: Die COVID-19-Pandemie wird den Trend zu einer nachhaltigen Mobilität nur kurzfristig

unterbrechen.

Foto iStock.com/Adrian Selige

Foto © INIT

Kreditkarte am Bordrechner: Die INIT Lösungen für kontaktloses Bezahlen sind weltweit im Einsatz.

#INITTOGETHER: INNOVATIVE

IT-LÖSUNGEN FÜR HERAUS-

FORDERNDE ZEITEN

Überfüllte Busse und Bahnen zu vermeiden

ist das Gebot der Stunde – und

INIT bietet seit 2020 die passenden

Systeme an, um den Besetztgrad von

Bussen und Bahnen in Echtzeit zu ermitteln

und zu steuern. Erfasst werden

die ein- und aussteigenden Fahrgäste

mittels des Sensors eines INIT Tochterunternehmens,

der in seiner Genauigkeit

weltweit einzigartig ist. Durch

INIT Software wird die Auslastung der

Fahrzeuge dann präzise berechnet.

So werden die Mitarbeitenden in der

Leitstelle in der Folge dabei unterstützt,

volle Fahrzeuge zu identifizieren

und entsprechend gegenzusteuern.

Die Informationen über die Auslastung

einzelner Fahrzeuge können

Verkehrsunternehmen auch ihren

Fahrgästen zur Verfügung stellen –

z.B. über Apps oder andere Medien

der Fahrgastinformation – und es

ihnen so erleichtern, auf weniger volle

Verkehrsmittel auszuweichen. Auch

beim Fahrscheinkauf gilt es Abstand zu

halten. Aus diesem Grund bietet INIT

den Verkehrsunternehmenneben ihren

Verkaufs- und Fahrgastterminals verschiedene

Lösungen für kontaktloses

Bezahlen beim Fahrer oder an Vorverkaufsstellen

an, z. B. über modernste

Fahrscheindrucker und Kartenlesegeräte.

Alle Varianten reduzieren den

Kontakt im Vergleich zur Barzahlung.

Und diese Lösungen kommen an: Weltweit

sind zahlreiche INIT Systeme für

kontaktloses Ticketingim Einsatz.

So zählen beispielsweise die Verkehrsunternehmen

aus Nottingham,

Portland, Turku und seit Kurzem auch

Oldenburg zu INITs Kunden.

#INITTOGETHER: NEUE WEGE

ZUR PFLEGE DER KUNDENBE-

ZIEHUNGEN

Die engen Beziehungen zu den Kunden

trotz erschwerter Bedingungen pflegen

und ausbauen und Projekte termingerecht

abschließen: Das hat für INIT

auch in Zeiten von Corona höchste

Priorität. Auch dann, wenn der Kunde

auf der anderen Seite des Erdballs sitzt.

So wurden für das Verkehrsunternehmen

ORCA in Seattle, USA, mithilfe

von acht Kameras die Funktionen

der beauftragten Ticketinggeräte live

demonstriert und ein aus mehr als

100 Punkten bestehender Testplan

erfolgreich absolviert. Denn wo kein

persönliches Zusammentreffen möglich

ist, findet INIT andere Formen der

Interaktion. Das galt auch für die von

den Vertretern der Verkehrsunternehmen

sehr geschätzte Anwendertagung,

die kurzerhand in den virtuellen

Raum verlegt wurde. Live-Streams in

Deutsch und Englisch versorgten die

Teilnehmenden mit aktuellen Informationen

über neuste INIT Technologien;

virtuelle Meetingräume boten anschließend

die Gelegenheit zum fachlichen

Austausch.

#INITTOGETHER: WEITERHIN

MIT VOLLEM EINSATZ FÜR

NACHHALTIGE MOBILITÄT

Schnell und flexibel auf die neue Situation

reagiert hat INIT auch in Bezug

auf die Belegschaft: Bereits seit einem

Jahr arbeiten die Angestellten weltweit

größtenteils aus dem Homeoffice –

eine hochmoderne und selbstverständlich

den höchsten Sicherheitsstandards

angepasste IT-Infrastruktur macht das

möglich. So konnte, anders als in vielen

anderen Branchen, effizient weitergearbeitet

werden.

Damit blieb es den INIT Mitarbeitenden

weiterhin möglich, sich mit ganzer

Leidenschaft für eine nachhaltige Mobilität

einzusetzen und den ÖPNV mit

kreativen und innovativen IT-Lösungen

voranzubringen. Dieses Engagement

und diese Begeisterung sind, ebenso

wie Teamgeist, flache Hierarchien und

Agilität, integraler Bestandteil der INIT

Unternehmenskultur. Auch dafür steht

#INITtogether.

ANETTE AUBERLE

www.initse.com

70 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

71


Anzeige

Stadt Karlsruhe

Wissenschaftsbüro

MOBILITÄTS-

Mehr Mobilität und zeitgleich weniger Verkehr, wer wünscht sich das

nicht. Aber wie lässt sich Mobilität im Alltagsleben umsetzen, ohne dass

die mittlerweile vielmals außer Rand und Band geratenen Verkehrsflüsse

Mensch und Umwelt komplett überfordern und zum Kollaps bringen?

Kostenfreies

WLAN

Unbegrenzt im

Internet surfen?

MACHER

MODERNE VERKEHRSKONZEPTE KOMMEN IN

ZUKUNFT AUS KARLSRUHE

Foto pexels.com/Zhang Kaiyv

Mit dieser und ähnlichen Fragen beschäftigt sich das im Oktober 2020

neu eröffnete und deutschlandweit einmalige „Baden-Württemberg

Institut für Nachhaltige Mobilität“ (BWIM) in Karlsruhe.

Liefern soll die funkelnagelneue

Institution relevante, wissenschaftliche

Grundlagen für ansprechende

und nachhaltige Mobilitätskonzepte,

insbesondere für den öffentlichen

Nahverkehr wie Bus und Bahn. Dazu

werden die Kompetenzen sämtlicher

Hochschulen in Baden-Württemberg

gebündelt und zentral von der Hochschule

Karlsruhe - Technik und

Wirtschaft gesteuert. Das Umsetzen

der kreativen Projekte ist der Motor,

die Folgen des Klimawandels möglichst

rasch in den Griff zu bekommen.

Städte, Kommunen und Verkehrsbetriebe

aus dem ganzen Land können

sich also auf Unterstützung der

Mobilitäts-Ideenschmiede für originelle

Verkehrslösungen freuen.

Dafür investiert die Landesregierung

650.000 Euro bis Anfang 2022,

danach soll es eine dauerhafte Förderung

geben. Der Klimaschutz ist eine

der zentralen Aufgaben in Zeiten wie

diesen, und auch das Land Baden-

Württemberg will sich natürlich nicht

vor der Verantwortung drücken,

seinen Beitrag dazu zu leisten. „Es ist

ein entscheidender Schritt bei der

Bekämpfung der Folgen des Klimawandels,

und dabei vorauszudenken

und nachhaltige und innovative Konzepte

für Mobilität im Sinne

des Klimaschutzes zu entwickeln,“ sagte

Wissenschaftsministerin Theresia

Bauer bei der Institutseröffnung.

NETWORKING

Das BWIM (Baden-Württemberg

Institut für Nachhaltige Mobilität)

ist eine Fortführung des Reallabors

„GO Karlsruhe!“ und hat Rückendeckung

vom Verkehrsministerium

Baden-Württemberg. Ziel ist, relevantes

Know-how in einer „Kompetenzlandkarte“

aus den Bereichen

Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und

Verwaltung zusammenzubringen.

Seit dem Start wird unter Hochdruck

an einer Aufstellung der vorhandenen

Professuren aller staatlichen Hochschulen

gearbeitet.

Die ersten Kontakte im Rahmen einiger

Projektideen sind schon geknüpft

und Prof. Dr. Christoph Hupfer,

Institutsleiter und Studiendekan des

Bachelorstudiengangs Verkehrssystemmanagement

an der Hochschule

Karlsruhe, ist sich sicher: „Wir werden

nicht nur darüber reden, wie nachhaltige

Mobilität geht, sondern diese

auch auf die Straße bringen, auch in

neuen Konstellationen und mit unkonventionellen

Ideen. Wir müssen jetzt

etwas tun – für den Klimaschutz und

die Lebensqualität in der Stadt und

auf dem Land.“ >>

In Karlsruhe mit KA-WLAN –

in der Region mit BADEN-WLAN.

Verfügbar an immer mehr Orten.

Nutzen Sie nach einmaliger

Registrierung KA-sWLAN

und BADEN-sWLAN sogar

verschlüsselt!

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BADEN-sWLAN!

© Stadt Karlsruhe | Layout: Streeck |

Bild: Dennis Dorwarth Photographie

Alle Informationen

und Hotspots unter:

www.ka-wlan.de

72 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL


Foto Tobias Schwerdt

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WISSEN IST MACHT

Auch Weiterbildung in nachhaltigen

Disziplinen ist gefragt wie nie, deshalb

ist mit der Mobilitätszentrale

Baden-Württemberg ein zertifiziertes

Weiterbildungsangebot im Mobilitätsmanagement

für die Landesverwaltungen

entwickelt worden. Die Chancen

stehen gut, dass wir in absehbarer

Zeit auf einen „Nachhaltigkeitslehrer“

treffen oder die Hilfe eines Mobilitätsbeauftragten

in Anspruch nehmen

können. Dazu wird ein Pilotlehrgang in

der ersten Jahreshälfte 2021 gestartet.

Auch der Landeselternverband

und Mitglieder der „fridays for future“

Bewegung haben sich zusammengetan

und basteln derzeit an einem Weiterbildungskonzept

mit dem humorvollen

Arbeitstitel „Mobilitätskäpsele“.

SPEED-DATING FÜR NACH-

HALTIGE MOBILITÄTSIDEEN

SPEED-DATING FÜR NACH-

HALTIGE MOBILITÄTSIDEEN

Schon zum Einstand des neuen Instituts

wurden bei einem Speed-Dating

die neuesten Ideen für nachhaltige

Mobilität gesammelt. An mehreren

Treffpunkten konnten je zwei Teilnehmer

ihre Ideen unter dem Motto

„Gemeinsam sind wir einfach besser

unterwegs!“ diskutieren. In einem

abschließenden Pitch wurden die

verschiedenen Projekte vorgestellt, die

mithilfe des BWIM umgesetzt werden

sollen. Verkehrsministerin Theresia

Bauer möchte die Wartezeit des Weges

in ländlicheren Gebieten zur ÖPNV-

Haltestelle deutlich verringern und

träumt davon, „dass wir individuellere,

kleinere, sauberere Fahreinheiten auf

die Straße bringen und diese werden

wohl autonom sein müssen“. Sie

möchte, „dass jeder Campus, der

über 50 Hochschulen im Land in

Zukunft Vorzeigeräume werden,

Zukunftslabore für emissionsfreie

Mobilität, an denen man erleben

kann, wie nachhaltige Mobilität

funktionieren kann, um Begeisterung

bei der Bevölkerung zu wecken.“

Minister Hermann macht sich stark

dafür, Übergangsräume zu schaffen

zwischen der Stadt und dem ländlichen

Raum in Form von Co-Working-

Stations, um Berufspendeln zu verringern

oder ganz zu vermeiden,

„die öffentliche Versorgung der

kurzen Wege führt zu weniger

Emissionen und vermeidet Stress“.

FAHRRAD-RALLYE ZUM START

DER STIFTUNGSPROFESSUR

RADVERKEHR

Anfang März hatte die Hochschule

Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

unter dem Motto „Auf dem Weg zur

Radprof.“ ein breites Publikum zu

einer Fahrrad-Rallye eingeladen.

Mit einem funktionstüchtigen Fahrrad

und einem Smartphone konnte sich

jeder Interessierte daran beteiligen.

Erstmals fördert das Bundesministerium

für Verkehr und digitale Infrastruktur

(BMVI) an sieben Hochschulen

Professuren für den Radverkehr. Ziel

ist es, die Wünsche von Radfahrern

in einem nachhaltigen Mobilitätsmix

unter einen Hut zu bringen – von der

Infrastrukturplanung über Mobilitätsmanagement

bis zur fahrradfreundlichen

Gesetzgebung.


MOBILITÄT

BRUCHSAL

INNOVATIONSSTANDORT

MIT HOHER LEBENSQUALITÄT

„Kennzeichnend für Bruchsal ist sein dynamisches Wachstum. Bruchsal hat sich in den vergangenen

Jahren zu einem bedeutenden Mittelzentrum und Innovationsstandort innerhalb der Technologie-

Region Karlsruhe entwickelt“, sagt Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick.

Bruchsal beheimatet neben zahlreichen

innovativen Unternehmen einen der

größten Global Player der Antriebstechnik.

Um den Bruchsaler Bahnhof

herum entwickelt sich westlich der

Gleise mit der Bahnstadt ein modernes,

urbanes Wohnumfeld, während östlich

eine lebendige Innenstadt nur wenige

Gehminuten entfernt ist.

Es ist genau diese Mischung, die

Bruchsal ausmacht. „Nicht ohne Stolz

können wir heute sagen, dass es sich in

Bruchsal gut leben und arbeiten lässt.

Dafür haben wir uns als Stadt schon

früh den Herausforderungen gestellt

und mutig den Aufbruch in das digitale

Zeitalter gewagt“, so Cornelia Petzold-

Schick. Transformationsprozesse aktiv

zu gestalten, genau das ist das Credo

der Politik in Bruchsal. Dabei geht es

konkret darum, gute Rahmenbedingungen

für den Ausbau und die Ansiedelung

innovativer Unternehmen zu schaffen

und den Bürgern sowie den Fach- und

Nachwuchskräften, die mit ihren Familien

nach Bruchsal kommen, ein gutes

Lebensumfeld zu bieten. „Dazu haben

wir mit allen Akteuren vor Ort die Vision

einer wirtschaftlich kraftvollen und

von gemeinschaftlichen Innovationen

geprägten Zukunft entwickelt“, ist die

Oberbürgermeisterin überzeugt.

Schon heute ist in Bruchsal die Zukunft

an vielen Orten erlebbar. Sie trägt

dabei Namen wie Zeo, Max und Moritz.

46 „Zeos“ sind als Baden-Württembergs

größte ländliche Elektro-

Car sharingflotte seit vier Jahren in

Bruchsal unterwegs. Sie werden ergänzt

durch die Flotte des kommunalen

E-Roller sharings Moritz. Für die letzte

Meile stehen das Fahrradverleihsystem

„KVV.nextbike“ und der MaxBus

der Stadtwerke Bruchsal zur Verfügung.

Zusammen mit dem Bahn- und

Busangebot des Karlsruher Verkehrsverbundes

KVV verknüpfen sie das

Mittelzentrum mit der Region. Die

Foto Hans-Peter Safranek

verkehrsgünstige Lage mit Anschluss

an den Bahn-Fernverkehr und die

Bundesfernstraßen machen Bruchsal zu

einem attraktiven Standort für Neuansiedlungen

jeder Größenordnung.

„Wenn wir heute ein zukunftsweisendes

Mobilitätskonzept realisieren wollen,

brauchen wir einen in der Region aufeinander

abgestimmten ÖPNV-Ausbau.

Unseren Bahnhof zu einem echten

Mobilitätsdrehkreuz auszubauen, sehe

ist als eine unserer wichtigsten, städtischen

Aufgaben, um die Mobilität der

Zukunft Realität werden zu lassen. Mit

der Verlegung und Neugestaltung des

zentralen Busbahnhofs gehen wir hier

die ersten Schritte“, sagt die Bruchsaler

Oberbürgermeisterin.

EFEUCAMPUS UND HUBWERK01 –

PROJEKTE „MADE IN BRUCHSAL“

Anfang dieses Jahres wurde in Bruchsal

Deutschlands erster autonom fahrender

Roboter zur Paketauslieferung

vorgestellt. Dies ist der erste große

Meilenstein des Leuchtturmprojektes

EfeuCampus, das durch das Land

Baden-Württemberg und die Europäische

Union gefördert wird.

Als nächster Schritt dieses Projektes

wird auf dem ehemaligen Kasernengelände

die erste urbane, autonome

Güterlogistik der letzten und vorletzten

Meile in Echtzeit realisiert, ein

wichtiger Schritt zum LastMileCityLab.

Künftig werden weitere Logistik-

Lösungen gemeinsam mit Projektpartnern

wie SEW-Eurodrive, Volocopter,

der PTV Group, big. bechtold-gruppe,

dem FZI Forschungszentrum Informatik,

der Hochschule Karlsruhe und dem

Karlsruher Institut für Technologie

entwickelt.

„Innovation gepaart mit Pragmatismus,

das zeichnet uns hier in Bruchsal aus.

Wir probieren es aus und bringen es

dann weiter hinaus in die Welt —

ganz in der Tradition von Bertha

Benz“, sagt Oberbürgermeisterin

Cornelia Petzold-Schick.

Die elektrisch angetriebenen Lastendrohnen

der ebenfalls hier ansässigen

Firma Volocopter sollen zukünftig

ebenso ein Teil des Reallabors sein

und damit auch die vorletzte Meile im

Logistikprozess einschließen.

„Um die Mobilität der

Zukunft zu realisieren, ist

eine unserer wichtigsten

Aufgabe, unseren Bahnhof

zum Mobilitätsdrehkreuz

auszubauen.“

Fast zeitgleich mit dem EfeuCampus

hat Bruchsal den Zuschlag für die

Landesförderung des HubWerk01

erhalten, eines von zehn Digitalisierungszentren

in Baden-Württemberg.

80 Unternehmen, Start-ups,

Hochschulen und weitere Organisationen

haben sich im HubWerk01

bisher zu einem starken Netzwerk

zusammengefunden.

Es unterstützt Start-ups, Industriepartner

und Kommunen als Innovation

Lab mit seinem Angebot Tomorrow

Camp. Das Format dient dazu schneller

und umfassender in Richtung

Smart City, Smart Mobility oder

Industrie 4.0 zu gelangen. Im Rahmen

eines Tomorrow Camps zeichnen Unternehmen

und Kommunen mit ihren

Mitarbeitenden, Bürgern und weiteren

Stakeholdern ein gemeinsames, konkretes

Zielbild 2050.

TRANSFORMATION BRAUCHT

SOZIALE DIMENSION

„Nur, wenn wir neben den ökonomischen

Aspekten gleichermaßen auch

die soziale Dimension von Nachhaltigkeit

in den Blick nehmen, können

wir die Transformationsprozesse

erfolgreich gestalten“, sagt Oberbürgermeisterin

Cornelia Petzold-Schick.

Bruchsal wächst und zählt aktuell

bereits über 45.000 Einwohner. Das

Foto Simone Staron

stellt für die Stadt eine große Herausforderung

dar - ist sie doch gefordert

ausreichend bedarfsgerechten und

bezahlbaren Wohnraum vorzuhalten.

Innovative Stadtquartiere, wie sie

derzeit mit der Bahnstadt realisiert

werden, sowie Umlegungs- und

Erschließungsmaßnahmen an verschiedenen

Standorten stellen dazu

die städtebauliche Entwicklung

sicher. „Ein wichtiger Standortfaktor

ist eine verlässliche, soziale Infrastruktur,

die Eltern wie Alleinerziehenden

die Vereinbarkeit von Familie

und Beruf ermöglicht. Darin investieren

wir seit Jahren viel“, erläutert die

Oberbürgermeisterin.

Mit Erfolg, denn nach 2015 wurde die

Stadt 2020 bereits zum zweiten Mal

mit dem Prädikat „Familienbewusste

Kommune plus“ ausgezeichnet.

Bruchsal überzeugt dabei mit einem

vorbildlichen System der Kinder- und

Schulkindbetreuung, vielen Angeboten

für Jugendliche und für Senioren.

„Gerade in Corona-Zeiten wird wie

im Brennglas deutlich, wie bedeutsam

ein familienfreundliches Umfeld nicht

nur für die Entwicklung des Innovationsstandortes

ist, sondern gerade für

die Menschen, die in Bruchsal leben“,

betont die Oberbürgermeisterin.

www.bruchsal.de

76 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

77


MOBILITÄT

INNOVATIVES LOGISTIK- UND LIEFERKONZEPT:

GÜTERTRANSPORT PER STADTBAHN

Der stetig wachsende Lieferverkehr stellt Kommunen, Bürger und Logistikunternehmen vor große Herausforderungen.

Haupttreiber dieser Logistik sind die rasante Dynamik des Online-Handels, die Individualisierung

und eine stärker werdende Differenzierung des Angebots insbesondere für die urbane Bevölkerung.

Das führt zu einem sichtbaren „Alltag“ in Karlsruhe: Straßen

sind verstopft, Fahrradspuren werden durch Lieferdienste

blockiert, Lieferantenfahrzeuge stehen in zweiter Reihe und

sorgen für Staus im innerstädtischen Verkehr. Hier will die

Gesamt initiative „regioKArgo“ künftig mit einer speziell

umgerüsteten Stadtbahn Abhilfe schaffen. Güter könnten

auf der Schiene in die Karlsruher Innenstadt transportiert

und von dort aus klimafreundlich an die Kunden ausgeliefert

werden. Unter der Federführung des Automotive Engineering

Network (aen) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG)

haben sich zahlreiche Partner zusammengefunden, um diese

gemeinsame Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

MASSIV ANSTEIGENDE LIEFERFAHRTEN IN DER CITY

Die Zunahme der Kurier-Express-Paket-Dienste (KEP) ist

deutlich: Waren zum Beispiel 2018 in Karlsruhe noch täglich

rund 315 Sprinter von sämtlichen Dienstleistern unterwegs,

gehen Prognosen für die kommenden zwei Jahre von einer

Zunahme auf rund 370 Sprinter aus, die jeden Tag in der

Stadt unterwegs sein werden, um pro Einwohner im Schnitt

dann jährlich 50 Pakete zuzustellen. „Hier müssen wir

ansetzen“, betont Waldemar Epple, Vorstandsvorsitzender

Waldemar Epple, aen (l.),

und Ascan Egerer, AVG,

demonstrieren symbolhaft

das Vorhaben.

des aen: „Wir wollen eine nachhaltige Logistik in der Region

schaffen – unter Berücksichtigung sozialer, ökonomischer

und ökologischer Ziele.“ Dabei sei der Ansatz klar: Es müsse

ein zukunftsorientiertes, ganzheitliches und kundenzentriertes

Logistikkonzept für Stadt und Region sein.

„Wir wollen bereits in naher Zukunft die Technik für eine

neuartige Güterstadtbahn entwickeln, welche die Kisten und

Pakete mit Ökostrom und damit umweltfreundlich in das

Karlsruher Stadtgebiet fahren soll“, sagt Ascan Egerer,

technischer Geschäftsführer der AVG. Er ergänzt: „Wir

wollen in den kommenden Monaten gemeinsam mit unseren

Partnern einen ersten Prototypen einer solchen Bahn

entwickeln und diesen dann ausgiebig testen.“ Das Nahverkehrsunternehmen

hat jahrzehntelange Erfahrung im

Stadtbahnbetrieb und genießt mit dem vor Ort erfundenen

„Karlsruher Modell“ weltweites Renommee.

Die Probleme des Status quo sind vielfältig und bieten viele

interessante Ansatzpunkte: Immer mehr Bürger sind von

Lärm und Emission des Verkehrs genervt, wertvolle Verkaufsflächen

werden als Lager „entfremdet“ und KEP-Dienstleister

Foto pixelgrün/aen

Foto Uli Deck / dpa

beliefern deckungsgleiche Gebiete. Zudem wird die knappe

Infrastruktur oftmals nicht entsprechend genutzt. Es geht um

Fahrzeugverfügbarkeit, Gewinnung von Personal, Mehrfachbelieferungen

bei abwesenden Empfängern oder ungünstige

Lieferzeitpunkte. Das aen ist hier zugleich Initiator, Vermittler

und Beschleuniger von Innovation – und betont den Netzwerkgedanken,

denn nur gemeinsam lassen sich diese Herausforderungen

meistern. „Wir wollen dazu Anforderungen und

Bedürfnisse der Anbieter und Nutzer ins Konzept einbinden“,

so Epple. Dazu gelte es, technische Innovation einzubinden in

effizientere Prozesse, individuelle Lösungen und ökologische

und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, bei denen nichtproprietäre

Lösungen wichtig sind.

Daher haben sich mehrere Projektpartner zusammengefunden,

um mit „regioKArgo“ neue Formen des Warenladungs- und

Lieferverkehrs zu untersuchen – und dann umzusetzen. „Wir

wollen verstärkt den Lieferverkehr von der Straße auf die

Schiene verlagern, Prozesse automatisieren, die Verteilung

bündeln und die so genannte letzte Meile der Belieferung

emissionsfrei gestalten“, so Epple. Hier dockt das Projekt „LogIKTram“

unter der Federführung des KIT an, eine Stadtbahnbasierte

Logistik, die bestehende Infrastruktur nutzt. Ein

Baustein auf dem Weg, Verkehr vor Ort zu entlasten und

Klima zu schützen.

Dabei könnten unter anderem entsprechend umgerüstete

Stadtbahnen neben dem Personentransport auch für die

Beförderung von Waren eingesetzt werden. „Das vom öffentlichen

Personennahverkehr bekannte und von VBK und AVG

seit vielen Jahren erfolgreich betriebene ‚Karlsruher Modell‘

bietet auch für diese Anwendung beste Voraussetzungen,

um die Verkehrswende auch im Güter- und Warentransport

zu ermöglichen – in Stadt und Region“, so Ascan Egerer,

technischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe

und der AVG.

INNOVATIVE LOGISTIK- UND LIEFERKONZEPTE

Bei einer Neuausrichtung des Güterverkehrs geht es unter

anderem im Verbund um elektrische Zustellung, das Ausnutzen

Alltag in Karlsruhe:

ÖPNV, individuelle

Mobilität und KEP-

Dienstleister nutzen

die weniger werdenden

Flächen im öffentlichen

Raum. Smarte Lösungen

sind für eine nachhaltige

Logistik in der

Region nötig.

verkehrsschwächerer Zeiten, die Bündelung von Prozessen,

die Einbindung geeigneter IT-Werkzeuge, Mikro depots, Güter

per Straßenbahn, eine effizientere Auslastung, Nachhaltigkeit,

Kosten und die Nutzung von alternativen „Last mile“-

Angeboten: Citylogistik muss effizienter und verträglicher

werden. Es geht um einen Prozess, der alle Partner auf dem

Weg mitnehmen muss, dabei aber individuelle Lösungen bietet,

denn es muss eben nicht sein, dass jeder Dienstleister parallel in

die Stadt liefert.

Innovative Logistik- und Lieferkonzepte können einen

wichtigen Beitrag dazu leisten, Verkehrsbelastungen in

Städten zu reduzieren – und die fachliche Expertise ist in der

Technologie Region Karlsruhe vorhanden. Deshalb sind bei

„regioKArgo“ namhafte Partner mit von der Partie – ob aus

dem Bereich der Mobilität, Kommunen, Forschungseinrichtungen,

Logistik und andere Dienstleistungsunternehmen.

Das Mobilitätsnetzwerk der Region, „Automotive Engineering

Network“ (aen) bündelt dabei diese Aktivitäten.

2022 SOLL EIN REALLABOR STARTEN

„Das Gesamtprojekt bietet eine große Chance, die Klimawende

für die TRK durch nachhaltige Konzepte als Alternative

zur bisherigen Form des Gütertransports zu beschleunigen“,

so Waldemar Epple, denn bei „regioKArgo“ beliefern die

verschiedenen KEP-Dienstleister außerhalb der Stadt

Konsolidierungscenter an Gleistrassen, automatisiert werden

die Waren mit Trams gebündelt in die Stadt zu City-Hubs

gebracht, von denen aus die Waren dann innerhalb der Stadt

in der Feinverteilung zum Beispiel mit Lastenrädern oder

autonomen Paketrobotern ausgeliefert werden können.

„Die Bündelung von Logistikströmen in jeder Stufe spart

deutlich Lieferverkehr“, sind sich Epple und Egerer einig –

und macht die Wichtigkeit eines hohen Automatisierungsgrads

im Prozess deutlich. Bereits 2022 könnte ein erster

Prototyp in einem Reallabor auf die Strecke gebracht werden.

JO WAGNER & MICHAEL KRAUTH

www.ae-network.de

78 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

79


„JEDER NEUSTART

BIETET NEUE

MÖGLICHKEITEN“

„DER UMGANG

MIT KRISEN MUSS

ERLERNT WERDEN“

PROF. ECKART KÖHNE

Direktor Badisches Landesmuseum Karlsruhe

MARTIN WACKER

Geschäftsführer Karlsruhe Marketing und

Event GmbH (KME)

80 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

Foto ARTIS – Uli Deck

Wenn Sie die Chance hätten, ihr Leben nochmal von vorne zu

beginnen, was würden Sie anders machen?

Ich würde versuchen, als junger Mensch noch viel mehr zu lernen,

vor allem Sprachen, aber auch viel mehr Wissen. Selber etwas

können bringt einen weiter, man kann schließlich nicht alles

Google und künstlicher Intelligenz überlassen.

Mussten Sie schon mal einen beruflichen Neuanfang wagen?

Ja, mehrmals – und ich habe immer gerne neu angefangen. Ein

neuer Start bietet immer viele neue Chancen und Möglichkeiten.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – stimmen Sie dem zu?

Unbedingt. Wir erleben beispielsweise gerade an den Museen den

digitalen Wandel, der uns viel abverlangt. Dabei wirklich Neues

zu schaffen, bedeutet, ins Risiko zu gehen. Das gilt auch für viele

andere Arbeitsbereiche.

Woher schöpfen Sie Kraft, was sind Ihre Energiequellen,

wenn Sie den Weg aus der Krise gehen müssen?

Ich trenne Arbeit und Privatleben, soweit es nur möglich ist.

Im Privaten das Leben zu genießen, schafft neue Energie.

Carpe Diem!

Was darf für Sie in einer Zusammenarbeit nicht fehlen?

Zuverlässigkeit, Vertrauen und ein gemeinsames Verständnis von

den Zielen, die es zu erreichen gilt. Wenn man dann noch menschlich

auf einer Wellenlänge ist, kann man Großes erreichen.

Was macht Ihren Job zum schönsten Job der Welt?

Der Umgang mit Geschichte, Kultur und Kunst, vor allem aber

mit faszinierenden Stücken aus tausenden von Jahren.

Außerdem ist das Schloss sicher einer der schönsten Arbeitsplätze

in Karlsruhe.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Als Künstler kreativ zu sein, darüber hinaus die kreative Energie

in Ideen für Events umzusetzen und die dann perfekt zu organisieren

– diese ganz verschiedenen Schritte selbst verbinden zu

können, ist bewundernswert. Und dann auch noch so vieles zu

realisieren – zum Staunen! Wenn man das lernen könnte, wäre

ich gerne dabei.

Was bedeutet für Sie Aufbruch/Neustart?

Aufbruch muss nicht immer ein Neustart sein. Auch in laufenden

Projekten kann es einen Aufbruch geben, denn Veränderung

ist Aufbruch und damit der permanente Weg zur Verbesserung.

Einen Neustart muss man hinlegen, wenn das Existierende grundsätzlich

nicht mehr funktioniert. Dann lieber ein Ende mit Schrecken

als ein Schrecken ohne Ende. Dazu gehört auch Ehrlichkeit.

Was hat sich oder was wird sich durch die Krise verändern?

Unsere Reaktionszeit MUSS sich verändern, wir müssen viel schneller

reagieren. Beispielsweise hatten wir Ende März vier Tage (!) nach

dem ersten Lockdown unsere Online-Plattform für Gastronomie

und Handel online, gemeinsam mit Tourismus, Wirtschaftsförderung

und der Handelsvertretung CIK. So muss das sein!

Mussten Sie schon einmal einen Neuanfang wagen?

Ja, nach dem überraschenden Ende des erfolgreichen Regionalsenders

Welle Fidelitas. Von heute auf morgen standen 33 Redakteure

und Mitarbeiter auf der Straße – aber viele haben dieses unschöne

Ende einer Ära für einen Neuanfang genutzt. Ich wechselte die

Seiten und ging in die Kommunikation und ins Event-Management,

das hat mich im Nachhinein unglaublich vorangebracht.

Durch Corona haben sich viele Menschen wieder auf

Altbewährtes zurückbesinnt – Sie auch? Auf was?

Der ausführliche Spaziergang am Wochenende und die Ruhe auf

dem Weg von A nach B. Mein alter R4 von 1974 ist da das ideale

Fortbewegungsmittel.

Wie haben Sie sich beruflich auf 2021 eingestimmt?

Mit meinem Team habe ich bereits 2020 den Grundstein gelegt

für unsere Herangehensweise in diesem Jahr: ermöglichen, was

möglich ist. Mutig bleiben und in Lösungen denken. Der Erfolg

der digitalen Schlosslichtspiele und des Indoor-Meetings als reines

TV-Event hat uns recht gegeben.

Was würden Sie noch von dem anderen lernen wollen oder in

welchen Bereichen mit dem anderen gerne einmal tauschen?

Klassische Archäologie und Geschichte faszinieren mich schon immer,

von daher würde ich als interessierter Laie den Wissensschatz

des Wissenschaftlers im Austausch sehr genießen. Als derjenige, der

aktuell die großen Erlebnisse für die Menschen in Karlsruhe koordiniert

und gestaltet ist die Buchveröffentlichung von Eckart Köhne

„Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom“ hochspannend. Bei

den Schlosslichtspielen sind er als Hausherr und ich als Produzent ja

schon intensiv in einer erfolgreichen Kooperation, für den Standort

ist die Bedeutung des Landesmuseums herausragend.

Foto Jürgen Rösner

81


Gemeinsam Heimat stärken

Die Kraft des WIR – Chancen ergreifen

Die Medienbranche gehört schon lange zu

den Wirtschaftsbereichen, die von der Digitalisierung

am stärksten beeinflusst werden.

Der Zwang, das Geschäfts modell an die sich

schnell verändernden Rahmenbedingungen

anzupassen, hat sich durch die Corona-

Pandemie weiter beschleunigt.

Nussbaum Medien nimmt in seinem Umfeld

viele Verlage wahr, die auf die zunehmenden

Herausforderungen mit Optimierungsmaßnahmen

ihres klassischen Geschäfts

reagieren. Aus Sicht von Klaus Nussbaum

reicht dies aber nicht aus. Klaus Nussbaum

denkt schon immer langfristig. Da er das Ziel

hat, sein Familienunternehmen in einigen

Jahren an die dritte Generation zu übergeben,

denkt er sogar generationenübergreifend.

Dafür reicht es aber nicht aus, an der

Effizienz zu arbeiten.

Das Ziel von Klaus Nussbaum ist es daher,

sein Medienunternehmen nochmals

komplett neu zu erfinden.

Darüber hinaus sollen die Chancen genutzt werden,

die sich durch die Digitalisierung der Mediennutzung

bzw. der gesamten Wirtschaftsprozesse

ergeben. Dazu gehören nicht nur die

Digitalisierung von Inhalten, sondern auch die

neuen Möglichkeiten rund um die Kommunikation,

digitale Transaktionen und die intelligente

Personalisierung von Inhalten zu nutzen.

Seit Januar 2017 ist Klaus Nussbaum alleiniger

Inhaber der Verlagsgruppe Nussbaum

Medien, die zu den größten Medienunternehmen

im Südwesten gehört. Seitdem hat

sich bei Nussbaum Medien vieles verändert.

In den zurückliegenden vier Jahren wurde

unter Hochdruck die „Digitale Transformation“

von Nussbaum Medien eingeleitet, was

im Jahr 2019 zusätzlich durch die Neugestaltung

des Unternehmenslogos zum Ausdruck

gebracht wurde. Das bislang Erreichte

ist jedoch nur eine erste Zwischenstation;

Die Veränderung der Organisation und die

Entwicklung neuer digitaler Angebote hat

erst begonnen.

Der eingeleitete Veränderungsprozess

zum datengetriebenen und transaktionsorientierten

Medienunternehmen ist kein

Sprint, sondern ein Marathon, der die

nächsten Jahrzehnte bestimmen wird.

Das Leitbild von Nussbaum Medien besteht darin,

Mehrwerte für alle lokalen Geschäftspartner

und gesellschaftlichen Anspruchsgruppen

zu schaffen. Wenn dies zum gegenseitigen

Vorteil aller erfolgt, bestehen gute Chancen

auf einen nachhaltigen Erfolg. Es gilt, die Probleme

der Kunden und Partner zu lösen und

das Leben im Lokalen zu verbessern bzw. zu

erleichtern. Zur Zielgruppe gehören praktisch

alle lokalen Akteure innerhalb einer Kommune:

Die Menschen (Leser, Nutzer), Verwaltungen,

Vereine, Kirchen, Gewerbetreibende und viele

weitere lokale/regionale Institutionen.

Im Kern geht es darum, den Unternehmenszweck

von Nussbaum Medien an die neuen

digitalen Möglichkeiten anzupassen und

dadurch den Raum an Möglichkeiten für alle

zu erweitern. Mit dem angestoßenen Veränderungsprozess

verändert sich auch die

Rolle von Nussbaum Medien. Vom Amtsblattverlag

hin zu einem aktiven Treiber

und Gestalter der Digitalisierung im Lokalen.

Nussbaum Medien bringt eine Vielzahl

an Stärken und Kernkompetenzen mit, die

es ermöglichen, eine deutlich aktivere Rolle

im Stadtmarketing einzunehmen. Damit wird

die Nussbaum Medien zu einem der Schlüsselakteure,

der die vielen unterschiedlichen Akteure

und Interessen miteinander verbindet.

„Wir arbeiten an der engen Vernetzung aller Akteure zur

Stärkung des Gesamtsystems. Von der wachsenden digitalen Reichweite

können alle unsere Partner und Kunden profitieren.“

Klaus Nussbaum

Nussbaum Medien ist dabei, eine digitale

Plattform aufzubauen, deren Stärke in der Vernetzung

liegt. Der Vernetzung von Menschen

und Institutionen, aber auch der Vernetzung

unterschiedlichster Inhaltsformate und medialer

Funktionalitäten. Dafür werden die

umfangreichen Kernkompetenzen in den Bereichen

Technologie, Content-Management

und Marketing genutzt. Nunmehr geht es

darum, weitere Verbündete zu finden, die

die Chancen nutzen wollen, die sich über

die analogen und digitalen Reichweiten der

Plattformen ergeben, um damit die Chancen

eines Netzwerks zu nutzen, das kontinuierlich

an Attraktivität gewinnt. Denn in einem Netzwerk

steigt mit jedem zusätzlichen Teilnehmer

(Anbieter oder Nachfrager) der Nutzen für alle

Teilnehmer exponentiell an.

Das Netzwerk wächst ständig und besteht

bereits aus 390 kommunalen Partnern,

über 40.000 Nutzern des Redaktionssystems

„Artikelstar“, über 30.000 aktiven Gewerbekunden

und einer ständig wachsenden

Zahl an Lesern und Nutzern.

Nussbaum Medien hat das Ziel, zusammen

mit möglichst vielen lokalen und regionalen

Verbündeten, ein technologisches und inhaltliches

Ökosystem zu schaffen, das die Region

und damit den lokalen Lebensraum stärkt. Mit

der „Kraft des Wir“ ist vieles möglich; eine Plattform,

die das Vereinsleben und das Ehrenamt

ebenso unterstützt wie das lokale Gewerbe.

Die Stärkung des Gemeinwohls und der Demokratie

gehört zu den zentralen Werten von

Nussbaum Medien. Daher lautet der Claim:

„Nussbaum – gemeinsam Heimat stärken“.

Amtsblätter und lokale Wochenzeitungen

Marktführer in Baden-Württemberg und

Nr. 2 in Deutschland mit einer wöchentlichen

Printauflage von über 1,1 Mio. Exemplaren in

mehr als 380 Kommunen.

Lokalmatador

Aktuelles Themen- und Freizeitportal. Baustein

für regionales Content-Marketing von

Kommunen, Vereinen und Gewerbetreibenden.

Das Portal soll langfristig zum führenden

Freizeitportal für Baden-Württemberg

ausgebaut werden.

Im Aufbau Nussbaum App

Die ganze lokale Welt in einer App. Mit personalisiertem

Zugriff auf die lokalen Inhalte aus

dem eigenen Wohnort und dem Umland. Für

lokale Informationen, Kommunikation und

Transaktionen.

kaufinBW

Regionaler Online-Marktplatz mit integriertem

Cashback-System. Baustein für die Digitalisierung

des lokalen Gewerbes und damit

der Bindung regionaler Kaufkraft.

Im Aufbau kaufinBW-DealApp

als Basis für Nussbaum Shopping Weeks.

jobsucheBW und azubiBW

Portale für eine bessere Sichtbarkeit lokaler

Job- und Ausbildungsplatzangebote und für

das Employer Branding regionaler Arbeitgeber.

Virtuelle Veranstaltungen

Im März 2021 wurde mit den „Nussbaum

Innovationstagen“ erstmals ein digitaler

Kongress für kommunale Entscheider durchgeführt.

Der Kongress wurde durch eine digitale

Hausmesse begleitet. Dieses Angebotsformat

soll weiter ausgebaut werden.

Nussbaum Club

Das Kundenbindungsprogramm für die Abonnenten

der Nussbaum Medien-Angebote mit

über 5.000 Vorteilen.

gemeinsamhelfen.de

Digitaler Spendenmarktplatz, bei dem 100 %

der Spenden bei den lokalen Projekten ankommen.

Nussbaum Stiftung

Die Nussbaum Stiftung fördert Initiativen, die

zukunftsorientiert das Gemeinwohl der Gesellschaft

festigen und entwickeln – mit dem

Ziel „Gemeinsam Heimat stärken".

„Zukunftswald“ ist ein wichtiges Projekt,

bei dem innerhalb der nächsten zehn Jahre

100.000 Bäume für Baden-Württemberg gespendet

werden sollen.

Zukunftswerkstatt

Digital- und Marketing-Unit für crossmediale

Angebote mit Content-Management, Online-Marketing-Management

und Prozess-

Management. Enge Zusammenarbeit mit der

internen IT-Unit „Lokalmatador Media Systems“

(verantwortlich für die Lizenzierung

von IT-Eigenentwicklungen wie bspw. dem

Redaktionssystem „Artikelstar“) und externen

IT-Partnern.

Nussbaum Akademie

Weiterbildungsinitiative, die die Mitarbeiter-

Innen von Nussbaum Medien fit für die „Digitale

Transformation“ macht. Die Akademie

entwickelt aber auch Angebote für ihre Kunden

und Partner.

Nussbaum Gesundheitsmanagement

Mit 4-Säulen-Modell aus den Bausteinen Gesundheitskurse

+ Active Days + Dienstrad +

Aktivurlaub.

Weitere Bausteine

• Selbstverpflichtung zur „Digitalen Ethik“

• Geplant bis Ende 2021: Beteiligung an

der WIN-Charta, einem Instrument für

nachhaltig wirtschaftende kleinere und

mittlere Unternehmen (KMU) im Rahmen

der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes

Baden-Württemberg.

• Nussbaum Kunstkonzept zur Schaffung

einer Wohlfühlatmosphäre im Unternehmen

und zur Steigerung der Identifikation

mit den Unternehmenszielen.

Aktuelle Auszeichnungen

• 2017

Nussbaum Medien erhält das familyNET-Prädikat

„Familienbewusstes Unternehmen“

vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und

Wohnungsbau Baden-Württemberg sowie

den beteiligten Arbeitgeberverbänden und

dem Landesfamilienrat.

• 2019

Auszeichnung zum UnternehmerSTAR 2019

in der Kategorie „Digitalisierung & Industrie

4.0“ durch den Bundesverband der Mittelständischen

Wirtschaft (BVMW).

• 2020

Nominierung für den „Mittelstandspreis für

soziale Verantwortung in Baden-Württemberg“.

Wahl unter die Top 5 beispielhaften

Unternehmen in Baden-Württemberg.

2021

Verleihung des „Ehrenpreises für besondere

Leistungen im Wald- und Naturschutz“ durch

die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW).


REGION

Visualisierung KREER Development GmbH, Köln, Entwurf: ASTOC Architects and Planners, Köln

AKTIVE

FLÄCHENPOLITIK

STÄRKT DEN

WIRTSCHAFTSSTANDORT

Das Interesse der Unternehmen an Flächen in Karlsruhe ist groß.

Mit Blick auf die Zukunft und gezielten Ankäufen erweitert die Stadt

ihre Handlungsspielräume.

Foto Stadt Karlsruhe Monika Müller-Gmelin

Um dem steigenden Bedarf von Unternehmen

nach Flächen entsprechen zu

können, ist die Fächerstadt schon seit

vielen Jahren im Bereich Immobilienentwicklung

sehr aktiv. Bereits 2011

legte sie in ihrem Leitbild eine nachhaltige

Flächenentwicklung mit Fokus auf

Innenentwicklung fest, mit dem Ziel,

handlungsfähig zu sein und vor allem

auch in Zukunft zu bleiben, wenn es um

die Ansiedlung und Entwicklungsmöglichkeiten

von Unternehmen geht. Und

die Dynamik ist hoch: In den vergangenen

Jahren wurden im Durchschnitt

4,4 Hektar städtische Flächen pro

Jahr für die Unternehmensentwicklung

verschiedener Branchen verkauft.

STADTBILDPRÄGEND: ENTWICK-

LUNG AM HAUPTBAHNHOF SÜD

Positiv zeigt sich der Verlauf auf dem

Gelände südlich des Hauptbahnhofs.

Nachdem der Internetanbieter 1&1 mit

rund 1.800 Mitarbeitenden seine neuen

Bürogebäude bezogen hat, erreichte

das durch die Wirtschaftsförderung

moderierte und koordinierte Leitprojekt

„Entwicklungsquartier Hauptbahnhof

Süd“ den nächsten Meilenstein. Derzeit

liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung

des städtischen Grundstücks im

Westen des Areals. Bei einem Architektenwettbewerb

entschied sich die Jury

für den stadtbildprägenden Entwurf des

Büros ASTOC Architekten.

Mit dem damit verbundenen städtebaulichen

Entwicklungskonzept entsteht

hier ein neuer Ort der Möglichkeiten

für den Standort Karlsruhe.

GROSSFLÄCHEN: VORKAUFS-

RECHT UND FREIER MARKT

Für die Entwicklung gewerblicher

Flächen bestehen allerdings auch einige

Herausforderungen: Viele Potenziale

sind bereits entwickelt, so zum Beispiel

das ehemalige IWKA-Gelände an der

Brauerstraße, das Pfaff-Gelände in

Durlach oder viele Flächen auf dem

ehemaligen Schlachthofgelände und

heutigen Kreativpark Alter Schlachthof.

Zudem konkurrieren Wohnungsmarkt

mit Gewerbe und Industrie um den

wertvollen Grund. Der Druck auf den

Markt wächst also. Um handlungsfähig

zu bleiben, agiert die Stadt Karlsruhe

hier in zwei Richtungen: die Akquise

von Entwicklungspotenzialen einerseits

und die Arbeit im Bestand andererseits.

Dazu verfolgt die Stadt bzw. die

städtischen Gesellschaften eine aktive

Ankaufstrategie großer Flächen für

Gewerbe und Industrie. Einige Beispiele

sind die Firmengelände von L’Oréal mit

rund 5,5 Hektar sowie von Pfizer mit 20

Hektar im Nordosten Karlsruhes. Auf

dem 3 Hektar umfassenden Rotag-

Areal in Grünwinkel soll Ende 2021 eine

detaillierte Bestandsaufnahme erfolgen.

Bei strategischen Flächen übt die

Stadt ihr Vorkaufsrecht aus, teilweise

erwirbt sie diese Flächen aber auch auf

dem freien Markt.

ANSPRUCHSVOLL:

ARBEITEN IM BESTAND

Aufwändiger und anspruchsvoller ist

die Flächenentwicklung im Bestand.

Hier gibt es wertvolle Erfahrungswerte

aus dem REGEKO-Prozess – der

Flächenaktivierung im Gewerbegebiet

Grünwinkel. REGEKO steht für Ressourcenoptimiertes

Gewerbeflächenmanagement

durch Kooperation.

Unter Einbeziehung der dort ansässigen

Unternehmen wurden mittel- und

langfristige Konzepte entwickelt, um

Flächen unter Gesichtspunkten der

Nachhaltigkeit zu revitalisieren. Aus

den Erfahrungen in diesem Prozess hat

sich ein interdisziplinäres städtisches

Team zur Flächenentwicklung gebildet.

Beteiligt sind die Wirtschaftsförderung,

das Stadtplanungsamt sowie das

Umweltamt. In dieser Zusammensetzung

soll die Arbeit an bestehenden

Arealen erfolgen.

JEDER ARBEITSPLATZ IST EIN

GEWINN FÜR DIE STADT

Laut einer Analyse der Prognos AG von

2019 im Auftrag der Stadt zahlt sich

die Investition und der Aufwand, den

die Stadt derzeit im Zuge der Immobilienentwicklung

betreibt, spürbar aus.

Jeder Arbeitsplatz spült jährlich bis zu

3.300 Euro in die Stadtkasse zurück –

abhängig davon, wo der Arbeitnehmer

oder die Arbeitnehmerin wohnt. Neue

Unternehmen ziehen zudem indirekte

und induzierte Arbeitsplätze mit sich,

die wiederum fiskalisch positiv wirken.

Die Planungshorizonte im Bereich der

Immobilienentwicklung sind lang. Das

macht eine vorausschauende Flächenpolitik

auf der Grundlage langfristiger

strategischer Überlegungen unabdingbar.

Wie die Auswirkungen von

Covid19 auf die Weltwirtschaft und

den Bedarf an Immobilien sein werden,

bleibt abzuwarten. Das Ziel ist und

bleibt es, auch in Zukunft handlungsfähig

zu sein, um aktiv und gestaltend

für die in der Fächerstadt ansässigen

Unternehmen sowie die ansiedlungswilligen

Unternehmen und Investoren

tätig sein zu können.

ANDREA SCHOLZ

Stellvertretende Leiterin der

Wirtschaftsförderung Karlsruhe

84 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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Foto Jana Marzinkowski

DIE NEUE FRAU AN

DER AOK-SPITZE

Seit Dezember 2020 hat der größte Versicherer in der Region,

die AOK Mittlerer Oberrhein, eine neue Geschäftsführung.

Petra Spitzmüller leitet nun die Geschicke der Krankenversicherung.

Sie waren 13 Jahre in der Ortenau und

am südlichen Oberrhein stellvertretende

AOK Geschäftsführerin, haben auch dort

Ihre Ausbildung gemacht: Warum sind

Sie der AOK so treu verbunden?

Zunächst ist die AOK ein attraktiver

Arbeitgeber und es gibt immer neue

Herausforderungen, die die Arbeit so

abwechslungsreich machen, denn das

Gesundheitswesen ist ein sehr dynamischer

Zweig. Außerdem ist mein Beruf

sehr sinnstiftend: Was ist wichtiger, als

im Gesundheitswesen dazu beizutragen,

dass die Mitglieder gesund bleiben?

Der dritte Punkt: Ich konnte Familie

und Beruf sehr gut unter einen Hut

bringen, auch mit zwei Kindern.

Warum passt das Leitmotiv

Aufbruch so gut zur AOK?

Die Identität der AOK setzt sich aus

den Worten Gesundheit und Nähe

zusammen: „Gesundnah“ lautet das

Motto. Das leitet uns und bringt auch

zeitgleich ganz neue Herausforderungen

mit sich: Die Menschen werden älter,

der technische Fortschritt wird rasanter

und die Digitalisierung immer wichtiger.

Diese Facetten müssen wir mit unserer

Identität in Einklang bringen, damit wir

uns zukunftsfähig aufstellen können.

Wir sind also auch im Aufbruch, ständig

im Wandel und deswegen passt das

Thema so gut zu uns. (lacht)

Als Arbeitgeber haben wir es geschafft,

angetrieben durch Corona, größtenteils

auf Homeoffice umzustellen.

Über 50 Prozent der Mitarbeitenden

arbeiten von zuhause aus. Wir möchten

uns aber noch besser aufstellen: Wie

funktioniert Leadership im Homeoffice,

welche neuen Tools gibt es, um

noch flüssiger von zuhause arbeiten zu

können? Und vor allem stellen wir uns

tagtäglich die Frage: Wie können wir

unsere Kunden sicher durch die Krise

bringen? Daran arbeiten wir derzeit und

das wird uns noch eine Weile begleiten.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Ich möchte die AOK in der Region noch

mehr vernetzen, in die Firmen gehen

und uns dort mit unseren Kompetenzen

einbringen. Betriebliche Gesundheit

ist ein großes Thema. Ich wünsche mir,

dass wir voneinander lernen in allen

Bereichen. Ich möchte mich verstärkt

in politische Themen einbringen und

mitdiskutieren. Nehmen wir beispielsweise

den Ärztemangel. Hier möchte

ich mehr bewegen in der Region.

Eine große Vision ist die Digitalisierung.

Unser Motto „Gesundnah“ muss auch

digital von unseren Kunden erfahrbar

gemacht werden. Es muss nicht nur

menschliche, sondern auch digitale

Nähe gelebt werden. Heißt konkreter:

Noch beim Menschen sein durch unsere

Kundencenter und unsere gute Telefonhotline

und zeitgleich die Generation

mitnehmen, die Tag und Nacht online

unterwegs ist. Da habe ich zuhause

auch das passende Testpublikum: Meine

beiden Söhne, die in jeder Lebenslage

testen, was sie digital erledigen können.

Erst wenn es komplizierter wird, suchen

sie den persönlichen Kontakt. Der wird

also nie ganz wegfallen. Es gibt kein

„entweder - oder“, sondern ein „sowohl

als auch“. Digitalisierung und Kundennähe

gehen weiterhin Hand in Hand.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

In Corona-Zeiten: Von einer Videokonferenz

in die nächste. Die Themen sind

da höchst unterschiedlich: Vertragsverhandlungen

mit Krankenhäusern oder

Personalthemen intern, Kultur und

Digitalisierung, Gespräche mit Ärzten

oder Kommunen über die Gesundheitsversorgung

in der Region. Ich komme

also von einem Thema ins andere und

das ist gut so, das habe ich so gewollt.

Was macht Ihren Job zum

schönsten Job der Welt?

Genau diese Abwechslung, von der ich

gerade gesprochen habe. Das motiviert

mich jeden Tag aufs Neue.

Mit der AOK Mittlerer Oberrhein

auf Tuchfühlung: Gemeinsam

Netzwerken und Kontakte ausbauen,

das ist das Ziel von Geschäftsführerin

Petra Spitzmüller.

Sie wollen Ihr Unternehmen mit der

AOK zusammenbringen?

Melden Sie sich bei uns unter

petra.spitzmueller@bw.aok.de

Hier hat die Zukunft

ein Zuhause.

Karlsruhe ist das Technologiezentrum am Oberrhein und ein starker Messe-, Kongress- und Tourismusstandort.

Das IQ-Korridorthema „Wirtschafts- und Wissenschaftsstadt“ fördert diese Stärken über ausgewählte Leitprojekte

sowie eine effi ziente Verzahnung von Politik, Verwaltung, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft.

Zusammen eine starke Basis für Ideen und Erfolgsgeschichten schaffen.

Für einen innovativen Standort mit hoher Lebensqualität. Karlsruhe – Ort der Möglichkeiten.

Das Interview führte

86 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

ANYA BARROS

www.wvs.de

Entdecken Sie die Wirtschaftsund

Wissenschaftsstadt Karlsruhe

odm-ka.de


REGION

Foto HWKKA

DIE BESTE ZEIT

IST JETZT

WARUM BETRIEBE TROTZ KRISE

INVESTIEREN SOLLTEN

Mitten in der Krise Geld in die Hand nehmen und großzügig in neue Geräte und Maschinen investieren?

Genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt und damit auch alle Fördertöpfe von Bund und Land richtig angezapft

werden können helfen die Berater der Handwerkskammer Karlsruhe.

„Unternehmen

müssen

nicht nur

das ‚Jetzt‘,

sondern auch

das ‚Morgen‘

im Auge

haben“, sagt

Klaus Günter,

Berater und

Beauftragter

für Innovation

und Technologie (BIT) bei der Handwerkskammer

Karlsruhe. „Es ist zugegebenermaßen

zurzeit nicht einfach,

ein Unternehmen zu führen und es auf

‚Kurs‘ zu halten, aber die Grundlagen

für die Zukunft des Unternehmens werden

jetzt durch Investitionen gelegt.“

Diese sind seiner Meinung wichtig, um

das Unternehmen effizienter, umweltfreundlicher

oder für Mitarbeitende

attraktiver machen und um im Wettbewerb

bestehen zu können.

Gerade in ruhigeren Zeiten, die einige

Betriebe pandemiebedingt erleben,

sind Ressourcen frei und Mitarbeitende

können mit den Planungen beginnen.

„Dazu kommt, dass die Fördermittel

noch nie so zahlreich waren wie bisher“,

so Günter weiter. Nach dem Lockdown,

wenn die Unternehmen wieder alle

Kapazitäten hochfahren können, könnte

sich das Investment schnell auszahlen.

Er versteht auch die Mitglieder der

Handwerkskammer, die sich vor

(hohen) Investitionen scheuen: „Die

unsichere wirtschaftliche Lage, ohne

zu wissen, wann die Umsätze wieder

steigen – natürlich überlegen sich die

Firmen zweimal, ob sie das Geld in die

Handnehmen“, so Klaus Günter gegenüber

dem Wirtschaftsspiegel.

UMFASSENDE VORAB -

PLANUNG WICHTIG

Wenn Investitionen getätigt werden

sollen, muss immer deren Finanzierbarkeit

betrachtet werden. Deshalb ist

es wichtig, so Günter, den notwendigen

Umfang der Investitionen festzustellen.

Sein Beispiel: Zur Steigerung der

Produktivität möchte der Unternehmer

eine neue Produktionsmaschine

anschaffen. Aber damit könnten die

Überlegungen des Unternehmers noch

nicht abgeschlossen sein.

„Jetzt muss betrachtet werden, was alles

benötigt wird, um diese Maschine in den

Produktionsprozess einzubinden. Sind

dafür zusätzlich Investitionen für Software,

Hardware, Mitarbeiterschulungen

oder Gebäudeveränderungen notwendig?

Sollten zusätzlich Investitionen in

den Umweltschutz gemacht werden?

Wie müssen zukünftig die Arbeitsprozesse

im Unternehmen angepasst

werden, damit die Maschine optimal

eingesetzt werden kann?“ Diese Fragen

gelte es individuell zu beantworten,

bevor dann der eigentliche Investitionsbedarf

ermitteln werden kann.

Foto stock.adobe.com – StockPhotoPro

FINANZIERUNGSPLAN

ERSTELLEN

Nachdem der Investitionsbedarf

ermittelt wurde, muss der mögliche

Finanzierungsplan erstellt werden.

Bei diesem Plan sollten unbedingt die

möglichen Förderungen berücksichtigt

werden. „Um die zur Verfügung

stehenden Fördermittel kennen zu

lernen, sollten Sie einen Berater der

Handwerkskammer hinzuziehen“,

empfiehlt der Fachmann.

Bei der Handwerkskammer Karlsruhe

sind die Mitarbeitenden allesamt fachlich

kompetente Berater. Die Berater

haben alle ein Studium in ihrem Fachbereich

absolviert und haben zusätzlich

jahrelange Berufserfahrung in diesem

Bereich. Ein weiteres Plus für die

Firmen, die sich beraten lassen wollen:

„Wir sind unabhängig und schauen,

was den Betrieb weiterbringt, nicht,

was uns am meisten Geld bringt –

denn die Beratungen sind kostenlos

für unsere Mitglieder.“

Zehn Mitarbeitende der HWK

beraten, etwa 2.400 telefonische

oder persönliche Kontakte gibt es pro

Jahr. Wenn ein hausinterner Berater

erkennt, dass die „Begleitzeit“ höher

sein wird als seine förderbedingt zulässige

Zeit, werden externe Berater hinzugezogen.

„Alle unsere Berater sind

zusätzlich auch Fördermittelberater in

ihrem Bereich“, sagt Klaus Günter.

GANZHEITLICHE BETRACH-

TUNG DER UNTERNEHMEN

Welche verschiedenen Fördermittel

für die geplante Investition können

Betriebe nutzen und in welcher Kombination

können sie zur Anwendung

kommen? Dafür sind die Ansprechpartner

der HWK da und helfen

weiter. Die derzeit meistgenutzten

Fördermittel sind:

– die Ressourceneffizienz

(Energie, Material)

– die Innovationsfinanzierung 4.0

– Invest BW-Investition

– Digitalisierungsprämie plus

– Digital Jetzt

– Go-Digital

Abhängig vom Anwendungsfall und

den Randbedingungen kann eines

oder eine Kombination verschiedener

Fördermittel zum Einsatz kommen.

Günter weiter: „Die Förderungen

‚Invest BW-Innovation‘, ‚Invest BW-

Investition‘ und das Fördermittelprogramm

‚Digitalisierungsprämie plus‘

wurden gerade überarbeitet.“

Um das Beste aus der Vielzahl an

Fördermitteln und Unterstützungen

zu erhalten sei es wichtig, das große

Ganze im Blick zu behalten. „Bei

Bedarf führen wir daher interdisziplinäre

Beratungen durch, damit das

Unternehmen aus verschiedenen

Blickwinkeln betrachtet werden kann“,

erklärt Klaus Günter, Beauftragter für

Innovation und Technologie (BIT) bei

der Handwerkskammer Karlsruhe.

„Somit ergänzen sich die verschiedenen

Beratungsleistungen zu einer ganzheitlichen

Unternehmensbetrachtung.

Um die für das Unternehmen beste

Beratung zu gewährleisten, werden die

hausinternen Beraterressourcen sowie

bei Bedarf auch das Fachwissen unseres

großen Netzwerks herangezogen.“

Die Beratungsleistungen der Handwerkskammer

sind für Mitgliedsbetriebe

und Existenzgründer kostenlos. Da

die persönlichen Kontakte aufgrund

von Corona minimiert werden müssen,

bietet die Unternehmensberatung der

Handwerkskammer Karlsruhe Videoberatungen

an, bei denen man alle

Themen gemeinsam besprechen kann.

KLAUS GÜNTER

www.handwerkskammer-karlsruhe.de

88 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

89


BADENS BESTE BANK –

DREIFACH

AUSGEZEICHNET.

Die Beratung der Sparkasse Karlsruhe ist auf

TOP-Niveau. Seit 2015 prüft das Deutsche Institut

Foto Vera Becker

für Bankentests in Kooperation mit der Zeitschrift

„DIE WELT“ die Qualität der Bankberatung

von knapp 1.500 deutschen Geldhäusern.

Aus diesen Untersuchungen gehen die besten

Banken Deutschlands hervor – ganz vorne dabei:

die Sparkasse Karlsruhe.

Mit Freude und Stolz hält Lutz Boden, Mitglied des Vorstands der

Sparkasse Karlsruhe, die WELT-Kugel in Händen.

Badens beste Bank –

dreifach ausgezeichnet.

Sie belegte in diesem Jahr erneut

Spitzenplatzierungen in Deutschland

und Baden-Württemberg bei der

Beratung von Privatkunden und darf

sich zurecht auch weiterhin „Badens

beste Bank“ nennen.

„Die erneute Auszeichnung unserer

Beratungsleistungen ist eine schöne

Bestätigung unserer hohen Qualitätsansprüche

und honoriert die tollen

Leistungen unserer Mitarbeiter in

beeindruckender Weise“, freut sich

Michael Huber, Vorstandsvorsitzender

der Sparkasse Karlsruhe. „Diese

wertvolle Auszeichnung durch ein

renommiertes Institut ist für uns alle

ein enormer Ansporn, unseren Kunden

auch künftig die gewohnte, herausragende

Beratung anzubieten und diese

Spitzenposition zu verteidigen“, so

Vorstandsmitglied Lutz Boden.

Die Sparkasse Karlsruhe belegt beim

bundesweiten Qualitäts-Bankentest

nicht nur Platz 1 in Karlsruhe, sondern

auch Platz 3 in ganz Deutschland bei

der Beratung von Privatkunden.

Bei der Beratung von vermögenden

Privatkunden (Private Banking) erreichte

sie sogar den 1. Platz in Deutschland.

Darüber hinaus belegte sie Platz 2 bei

der Beratung zur Baufinanzierung in

Baden-Württemberg.

Als regionales Kreditinstitut ist die

Sparkasse Karlsruhe sehr stolz auf diese

herausragenden Ergebnisse. Die Serie

an Auszeichnungen bei anonymen

Qualitätstests hält bereits seit mehreren

Jahren an und beweist die dauerhaft

hohe, verlässliche Qualität der Sparkasse.

Dreifach-Auszeichnung mit Gold, Silber und Bronze für

Privatkunden-Beratung. #BesteBankInBaden

www.sparkasse-karlsruhe.de

sparkasse-karlsruhe.de

90 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

91


REGION

FAMILIENUNTERNEHMEN MIT TRADITION

UND BLICK FÜR DIE ZUKUNFT

1919 BIS 2019 – 100 JAHRE EHLGÖTZ KOMPRESSOREN + MOTOREN

Die Geschichte des Karlsruher Unternehmens war immer wieder geprägt von Aufbrüchen und Neustarts.

Auch nach über 100 Jahren ist der Betrieb ein Familienbetrieb mit einer spannenden Historie – und einer

ebenso spannenden Zukunft. Im Gespräch mit dem Wirtschaftsspiegel wirft Inhaber Thorsten Ehlgötz einen

Blick zurück und vor allem nach vorne.

Den Ursprung hat die Firma Ehlgötz in

der Karlsruher Oststadt; alles fing mit

der mechanischen Fertigung von Motorenteilen

an. 100% der Teile wurden im

eigenen Betrieb gefertigt. Über 1.500

Zwei- und Motorräder baute Julius

Ehlgötz, Gründer des Betriebes, die

heute noch als Sammlerstücke sehr

begehrt sind. „Nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs waren die meisten

Aufträge Reparaturarbeiten für Motoren

und Kompressoren“, erzählt Thorsten

Ehlgötz, Urenkel des Gründers. Er führt

das Familienunternehmen in der 4. Generation.

„Das Besondere: Motorenbau

und Druckluftbau sind identisch. In den

1950er Jahren, die Jahre des Wiederaufbaus

und des Wirtschaftswunders,

wurde immer mehr Kompressorentechnik

gebraucht. Daher entschieden mein

Urgroßvater und mein Großvater den

Betriebszweig Kompressoren als neue

Sparte aufzunehmen und den Kunden

anzubieten.“ Der Grundstein für den

heutigen Erfolg wurde gelegt.

WICHTIGER ENERGIETRÄGER

IN VIELEN BRANCHEN

Nach Strom ist Druckluft eine der

wichtigsten Energieformen, viele

Fotos jodo-photo/Jörg Donecker Karslruhe

Branchen brauchen Druckluft. Der

Bohrer beim Zahnarzt, der Drucklufthammer

auf der Autobahnbaustelle, die

Druckluftbremse beim Lastwagen, das

Beatmungsgerät im Krankenhaus oder

zum Entfernen kleinster Partikel von

Oberflächen. Die Liste der Anwendungen

ist lang.

Das Karlsruher Traditionsunternehmen

vermietet und verkauft seit den

1970ern Kompressoren, Ehlgötz hat

sich darauf spezialisiert. Nach über

35 Jahren im Familienbetrieb und seit

acht Jahren in der Geschäftsführung,

ist Thorsten Ehlgötz heute noch davon

fasziniert, wo überall Druckluft und die

Kompressorentechnik dahintersteckt.

„Wir begegnen dieser Technologie

jeden Tag in unserem Alltag, sie ist

fast überall“, sagt er. Gerade im neuen

Corona-Alltag wird ihm das täglich vor

Augen geführt: In der Herstellung von

Schutzmasken braucht es ebenfalls

Druckluft, um die Geräte zu kühlen.

KRISEN GAB ES IMMER WIEDER

Die Pandemie-Zeit ist auch für das

Familienunternehmen eine Herausforderung.

„Ich leite das Geschäft in

der vierten Generation und in jeder

Generation gab es Hindernisse: Kriege,

die Ölkrise – heute ist es Corona“,

sagt Thorsten Ehlgötz. Das erfordert

eine besondere Weitsicht. „Jedes

Unternehmen, auch wir, muss schon

heute die Entscheidungen treffen, wie

die Weichen für die Zukunft gestellt

werden. Wenn man als Firma weiß, wo

man herkommt, dann kann man auch

das Morgen für die nächste Generation

bestmöglich gestalten.“

Noch steht die nächste Generation

nicht ganz in den Startlöchern, aber die

beiden Töchter von Thorsten Ehlgötz

wollen nach der Ausbildung und dem

1 Manfred Hummel (l.), Günter und Thorsten Ehlgötz

bilden die Geschäftsführung des Familienbetriebes.

2 Druckluft braucht man auch auf Baustellen, wie hier

auf der Rheinbrücke bei Karlsruhe.

3 Blick ins Lager: Kompressoren werden hier für die

Kunden vorbereitet.

1 2

3

Studium in den Familienbetrieb einsteigen.

„Die beiden haben ja von klein auf

mitbekommen, dass das Unternehmen

ein Stück unseres Lebens ist, daher erfüllt

es uns selbstverständlich mit Stolz,

wenn eine 5. Generation anfängt“,

sagt Thorsten Ehlgötz gegenüber dem

Wirtschaftsspiegel.

SOZIALE VERANTWORTUNG

FÜR MENSCH UND UMWELT

Ein Erfolgsgeheimnis für über 100

Jahre Bestehen hat Thorsten Ehlgötz

nicht. Vielleicht eher einen Ratschlag.

„Nutze den Tag, so würde ich unser

Erfolgsgeheimnis in drei Worten beschreiben“,

sagt er und ergänzt: „Viele

Großunternehmen haben in der heutigen

Zeit vergessen, dass sie eine soziale

Verantwortung haben. Wenn man das

jedoch fest im Betrieb verankert, dann

hat man Erfolg. In der Geschäftsführung

sind wir immer für die Kollegen

ansprechbar – keine Zeit gibt’s bei uns

nicht. Das wissen die Mitarbeitenden zu

schätzen!“, berichtet Thorsten Ehlgötz.

Die langjährige Betriebszugehörigkeit

gibt ihm Recht: Einige Mitarbeitende

seien schon seit 35 Jahren in der Firma,

etwa die Hälfte der über 60 Angestellten

sei seit über 20 Jahren dabei.

Über 100 Jahre gibt es die Firma bereits,

für Thorsten Ehlgötz nicht selbstverständlich.

„Das ist nicht mehr an der Tagesordnung,

so ein tolles Jubiläum zu feiern.“ Wo

der Karlsruher Traditionsbetrieb in den

nächsten 100 Jahren stehen wird? „Wenn

ich das wüsste“, sagt er lachend. „Was ich

weiß: Ich versuche schon heute die Basis

für die Zukunft zu legen, daran werde ich

in den kommenden zwei Jahrzehnten arbeiten

müssen und den Generationswechsel

vorzubereiten.“ Und dann? „Dieser

Wechsel wird nur gelingen, wenn man den

Grundstein gelegt hat und sich rechtzeitig

zurückzieht, denn die Jungen sollen ihre

eigenen Erfahrungen machen und aus

ihren Entscheidungen lernen.“

ANYA BARROS

www.wvs.de

92 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

93


Foto: IStock

GEMEINSAM FÜR

GLASFASER

Weitere Informationen unter

breitbandkabel-karlsruhe.de

Foto pexels.com/Brett Sayles

Foto unsplash.com/Umberto

Am 4. November 2020 erreichte der größte Internetknoten der Welt,

der DE-CIX in Frankfurt, einen neuen Rekorddatendurchsatz von

10 Terabit pro Sekunde, was die zunehmende Digitalisierung deutlich

sichtbar macht. Das ortsunabhängige Arbeiten wird immer mehr

Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Geschäftsbetrieb.

Von Videokonferenzen über Homeschooling bis zur Nutzung von

Streamingdiensten: Auch im privaten Bereich ist eine schnelle und

verlässliche Internet-Verbindung von immenser Bedeutung.

VORREITER BEI DER

DIGITALISIERUNG

Bei der Entscheidung für ein neues

Zuhause wie auch für einen neuen

Firmenstandort kommt einer schnellen

Internetverbindung eine immer

größer werdende Bedeutung zu. Dies

gilt sowohl für Privatpersonen, als

auch für Unternehmen, Institutionen

oder Organisationen.

Das Ziel der BLK (=Breitbandkabel

Landkreis Karlsruhe) ist eine flächendeckende

Internetverbindung

im Gebiet des Landkreis Karlsruhe zu

schaffen. So schafft die BLK die Voraussetzung

für eine Grundversorgung

mit Glasfaseranschlüssen mit mindestens

50 Mbit/s Datengeschwindigkeit.

Damit sind die Gesellschafter Vorreiter

bei der Digitalisierung und dadurch

anderen Standorten einen entscheidenden

Schritt voraus.

AUS DER REGION

FÜR DIE REGION

Hinter der BLK steht ein Gemeinschaftsprojekt,

das 30 Städte und

Gemeinden des Landkreises Karlsruhe

sowie die Städte Bad Herrenalb und

Karlsruhe zusammenführt. Gesellschafter

sind der Landkreis Karlsruhe und die

TelemaxX Telekommunikation GmbH.

Durch das Zusammenspiel der Partner

kann die bereits vorhandene Infrastruktur

genutzt, fehlende Trassen gebaut

und ein durchgängiges Backbone-

Netz zur Verfügung gestellt werden.

Dadurch wird es vermieden, unnötige

und kostspielige Doppelstrukturen auszubauen.

Diese entstandene Datenautobahn

dient zum einen den Kommunen,

die ihr Access-Netz anschließen

können, zum anderen dem eigentlichen

Betreiber, der Inexio GmbH.

Die Zukunft

der Mobilität gestalten.

Mit innovativen IT-Lösungen unterstützt INIT den öffentlichen Nahverkehr – auch

und gerade in herausfordernden Zeiten. Unsere Systeme für kontaktloses Bezahlen

und zur Steuerung von Besetztgraden ermöglichen Abstandhalten in Bus und Bahn.

Und erhöhen so die Sicherheit im ÖPNV.

Damit setzen wir Zeichen und stellen die Weichen dafür, dass der ÖPNV auch in

Zukunft gewinnen kann. Denn Vertrauen schafft Vertrauen und weckt Begeisterung

– bei immer mehr Menschen. Das zahlt sich aus: Aktionäre der

init SE investieren in eine nachhaltig mobile Zukunft.

94 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

DE0005759807 | IXX

sales@initse.com | www.initse.com | INIT Group

The Future of Mobility


REGION

KARLSRUHE PROFILIERT SICH ALS

WISSENSCHAFTSSTADT

Weitere Informationen:

www.karlsruhe.de/wissenschaftsbuero

www.effekte-karlsruhe.de

www.karlsruhe.digital

www.scienceweek.kit.edu

www.triangel.space

InnovationFestival@karlsruhe.digital: Hochkarätige Keynotes

und kurzweilige Impulsvorträge machen digitale

Innovationen aus Karlsruhe und der Region sichtbar.

Im Wissenschaftsjahr 2021 feiert die Fächerstadt gemeinsam mit

den Akteuren der Wissenschaft sowie der Stadtgesellschaft an

unterschiedlichen „Orten der Möglichkeiten“.

Wissenschaft, Hochschulen und

innovative Technologien sind wesentliche

Faktoren im Wettbewerb der

Standorte. Das Wissenschaftsbüro der

Stadt Karlsruhe, das bei der Wirtschaftsförderung

angesiedelt ist, bildet

eine Schnittstelle zwischen Akteuren

der Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen,

der Wirtschaft, den

Kulturbetrieben sowie der Politik und

der breiten Öffentlichkeit. Es setzt als

Vermittler zwischen Wissenschaft und

Öffentlichkeit Impulse für die Profilie-

rung Karlsruhes als Innovationsmagnet

und plant zahlreiche Veranstaltungen,

um Karlsruhes Position in diesem Bereich

weiter zu festigen.

FESTIVAL EFFEKTE: WISSEN-

SCHAFT ZUM ANFASSEN UND

MITERLEBEN

Für Juni 2021 plant das Wissenschaftsbüro

bereits zum fünften Mal das

Wissenschaftsfestival EFFEKTE. Alle

zwei Jahre verwandelt sich hierbei die

Fächerstadt in ein riesiges Mitmach-

und Erlebnislabor: Auch vom 12. bis

20. Juni 2021 gibt es faszinierende

und einmalige Einblicke in die hiesige

Wissenschaftslandschaft, natürlich alles

corona-konform.

Das Festival unter dem Motto „Science

in the City“ belebt mit verschiedenen

Formaten die Innenstadt. Spannende

Veranstaltungen rund um Zukunftsund

Innovationsthemen sowie die

Megatrends von morgen informieren

und überraschen Besucherinnen und

Besucher. Durch die aktuelle Corona-

Lage sind in diesem Jahr kleinere

analoge, digitale sowie hybride Veranstaltungsformate

über die ganze Stadt

verteilt geplant. Vorträge, Podiumsdiskussionen

und Bürgerdialogformate,

unter anderem im TRIANGEL Open

Space und an zentralen Plätzen in der

Karlsruher Innenstadt, „Science Shopping“

im Einzelhandel sowie dezentrale

Ausstellungen und Führungen.

INNOVATIONFESTIVAL@KARLS-

RUHE.DIGITAL: INNOVATIONEN

MADE IN KARLSRUHE

Zu den Projekten des Wissenschaftsbüros

zählt auch karlsruhe.digital,

ein Leitprojekt im Rahmen des IQ-

Foto Dennis Dorwarth

Korridorthemas „Wirtschafts- und

Wissenschaftsstadt“. IQ steht dabei

für innovativ und quervernetzt und so

vereint karlsruhe.digital Akteure aus

Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und

Verwaltung mit dem Ziel, Karlsruhe als

Motor der Digitalisierung voranzutreiben.

Die Initiative bündelt Expertenwissen,

fördert Vernetzung und sorgt dafür,

dass Themen wie Digitale Souveränität,

Künstliche Intelligenz, Smart City oder

IT-Sicherheit ganzheitlich bearbeitet

werden, um die digitale Zukunft der

Stadt aktiv zu gestalten und Karlsruhe

als nationalen und internationalen Digitalstandort

zu positionieren.

Pandemiekonform wurde 2020 das

hybride Veranstaltungsformat

InnovationFestival@karlsruhe.digital

entwickelt, um digitalen Innovationen

eine Bühne zu geben – live gestreamt

aus dem ZKM | Zentrum für Kunst und

Medien. Mit über 2.000 Zuschauern

aus 16 Ländern war das Format sehr

erfolgreich. Auch in diesem Jahr ist

deshalb für den 8. Oktober 2021 ein

InnovationFestival, im Rahmen der

neuen KIT Science Week, geplant.

Mit hochkarätigen Keynotes und

kurzweiligen Impulsvorträgen werden

digitale Innovationen aus Karlsruhe

und der Technologie Region Karlsruhe

erlebbar und live gestreamt.

Bewerbungen für Beiträge sind bis

zum 11. Juni 2021 willkommen.

Übrigens: Die nächste Bunte

Nacht der Digitalisierung findet

am 1. Juli 2022 statt.

KIT SCIENCE WEEK: CHANCEN,

RISIKEN UND NUTZEN KÜNSTLI-

CHER INTELLIGENZ

Als größte Forschungs- und Lehreinrichtung

steht das Karlsruher Institut für

Technologie (KIT) im Dialog mit seinen

Stakeholdern in Politik, Wissenschaft,

Wirtschaft und Öffentlichkeit. Die erstmalig

stattfindende KIT Science Week

beleuchtet vom 5. bis 10. Oktober 2021

das Thema: „Der Mensch im Zentrum

lernender Systeme“. Politik, Wirtschaft

und Teilnehmende diskutieren die

Chancen und Risiken von künstlicher

Intelligenz (KI) sowie deren Nutzen für

die Gesellschaft.

Die KIT Science Week kombiniert eine

hochrangige, internationale, wissenschaftliche

Konferenz mit Dialogformaten

für die Öffentlichkeit und

bezieht dabei Partner aus Stadt und

Region mit ein. Das Wissenschaftsbüro

als städtischer Netzwerkpartner beteiligt

sich mit einem eigenen Format

gemeinsam mit weiteren Hochschulen

und Forschungseinrichtungen.

TRIANGEL OPEN SPACE: EIN

ORT FÜR KOMMUNIKATION,

KREATIVITÄT UND TRANSFER

AUS DER WISSENSCHAFT

Im zweiten Quartal 2021 eröffnet das

KIT das neue TRIANGEL Open Space.

Zentrumsnah am Kronenplatz gelegen

soll das TRIANGEL Open Space die

Innenstadt weiter beleben und Raum

für Austausch und Zusammenarbeit,

Inspiration und Kreativität an der

Schnittstelle zur Wissenschaft bieten.

Ein Jahresprogramm greift aktuelle

Themen auf, flexibel nutzbare Räume

sowie ein Café ermöglichen kreatives

Arbeiten. TRIANGEL Open Space

ist offen für alle, die sich für Wissenschaft

und Innovation begeistern –

ob als Veranstaltungsgast oder für

eigene Formate.

CLAS MEYER

Leiter des Wissenschaftsbüros Karlsruhe

Foto Stadt Karlsruhe Monika Müller-Gmelin

96 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

97


REGION

Foto @5ascha

PASSGENAU

DER KREATIVE FRANZOSE

BENJAMIN BIGOT ZAUBERT

KUNSTWERKE AUS LEDER

Dieser Schuhmacher hat schon viele

Leisten gesehen und ist dabei geblieben.

Lederkunstwerke versus Schuhe von der

Stange – was ist der Unterschied? Wir

haben dem Schuhkünstler aus Karlsruhe

auf die Füße geschaut – und nachgefragt.

Benjamin, wie bist du zu dem Beruf des

Maßschuhmachers gekommen?

Mit 15 ist mir ein Bild in einer Zeitung

aufgefallen. Da hat ein Schuhmacher

an einem Fuß einer hübschen jungen

Frau mit langen Beinen Maß genommen.

Da stand für mich fest, dieses

Handwerk will ich erlernen. Für zwei

Jahre bin ich nach Marseille auf eine

Schule für Schuhmacher. Als Mitglied

der Compagnons du Devoir (französische

Handwerksorganisation) war ich

dann für mehrere Jahre auf der Walz.

Ich wollte immer einen ausgefallenen

Beruf, etwas was nicht jeder macht.

Die Rückmeldungen der Menschen

sind für mich wichtig. Als Schumacher

habe ich die Möglichkeit, Menschen

glücklich machen.

Was genau macht für dich

einen originellen Schuh aus?

Ich fertige nicht nur ein Paar Schuhe.

Wenn ich einen Auftrag annehme,

gehe ich etwas tiefer in die Materie,

beschäftige mich auch mit dem Menschen,

der später den Schuh trägt. Die

Persönlichkeit soll mit einfließen in das

Design. Mit Farben, Design, Farbkombinationen

und Materialien kann man

spielen, allerdings arbeite ich nicht

so gern mit exotischen Lederarten.

Originalität in Form und Design ist

mein Credo, ich möchte keine alten

Modelle nachmachen. Wenn ich

eine Idee habe, dann schlage ich das

meinen Kunden vor und zeige einen

ausgearbeiteten Entwurf.

Ist für dich persönlich das Thema

Nachhaltigkeit wichtig?

Für mich ist Nachhaltigkeit sehr

wichtig, schon allein wegen meiner

Kinder. Mit umweltbewusst hergestellten

Materialien arbeiten ist für mich

Alltag, seit ich mein eigenes Geschäft

habe. In meinem Atelier verarbeite ich

nur gegerbte Ledersorten, bei denen

keine Schwermetalle wie z.B. Chrom

oder giftige Chemikalien im Produktionsprozess

zum Einsatz gekommen

sind. Die beliebten „Ökoschuhe“

bestehen leider sehr oft aus dem nicht

sehr umweltbewusst hergestellten

Leder. Meine Leidenschaft ist das

Fertigen von Kinderschläppchen aus

biozertifiziertem Leder, die können die

Kids auch unbedenklich in den Mund

nehmen. Dazu kommt noch, dass ein

nach Maß gefertigter Schuh ungefähr

15 Jahre hält. Das ist für mich das Argument

schlechthin was Nachhaltigkeit

betrifft, lieber so einen Schuh zu

tragen, als einen klassisch hergestellten.

Der Sinn eines Maßschuhes ist,

dass man ihn immer wieder reparieren

kann. Bei der Herstellung der Schuhe

achte ich darauf, so wenig Kleber wie

möglich für die Sohle zu verwenden.

Da gibt es eine tolle Alternative, lieber

mehr Nähte, da kann ich auch mehr

auf Tradition achten.

Ich bemühe mich, alles mehr als einmal

zu verwenden, sowohl Materialien als

auch Alltagsgegenstände im täglichen

Leben. Falls ich tatsächlich mal

Maßschuhe nicht selbst liefern kann,

werden Kartons beim Versand der

Schuhe wiederverwendet, was nicht

sehr oft vorkommt.

Woher bekommst du deine Materialien

für deine Schuhe?

Für die Brandsohle an den Schuhschichten

habe ich eine Gerberei in

Tuttlingen, die naturgerben, also das

Leder mit Holz bearbeiten. Alle anderen

Ledersorten beziehe ich von einem

Lieferanten aus Lahr.

Wem würdest du gerne mal

ein Paar Schuhe machen?

Da muss ich mal überlegen, ich fertige

ja schon Schuhe für Schauspieler und

Tänzer. Sehr beeindruckend finde ich

den französische Schauspieler Omar Sy

(„Ziemlich beste Freunde“). Für mich

hat der Mann Charakter und ich wäre

sehr stolz, wenn ich einmal Schuhe für

ihn entwerfen könnte. Eine Schauspielerin

fällt mir im Moment nicht ein. Am

liebsten möchte ich schöne Schuhe für

alle Frauen machen. (lacht)

Trägst du selbst auch Maßschuhe?

Ich trage meine Schuhe, aber noch

keinen Schuh nach Maß. Es gibt noch

keine Leisten, die an meine Füße

angepasst sind. Für Ausstellungsstücke

stelle ich immer alle Schuhe in meiner

Größe her, die ich dann anziehen

kann. Tatsächlich gibt es schon rahmengenähte

Schuhe aus dem Material

Cordovan, also Pferdeleder, die ich für

mich persönlich ausgesucht habe: eine

Mischung aus einem traditionellen

Modell und modernem Design. Das

gibt Stabilität und Basis und die Sohle

ist weich und leicht. Ich mag sehr hartes

Leder nicht so gerne.

Was ist dein ausgefallenstes/

schönstes Maßschuhprojekt?

Ich habe einen Kunden, der schon

mehrmals Schuhe bestellt hat.

Am Anfang hat er eigentlich gar nichts

ausgesucht, sondern mir komplett

freie Hand gelassen bei der Entwicklung

eines Schuhmodells. Das war

schon eine große Herausforderung,

was die Verarbeitung angeht, und ich

musste komplett meine Designerkenntnisse

auspacken. Das Entwickeln

einer Idee und Machart war unheimlich

befriedigend. Jeder Mensch hat

einen anderen Fuß, und jeder Kunde

sucht nicht dieselben Modelle aus.

So variieren auch immer die Arbeitsschritte.

Modelle, die ich entwickle,

gibt es sonst nirgendwo.

Wie viel Zeit braucht es von Anprobe

bis zur Fertigstellung der Schuhe?

Professionell gefertigte Maßschuhe

brauchen ihre Zeit: Wartezeit etwa 7

Monate, 50 Arbeitsstunden und 200

Arbeitsprozesse pro Schuh im Durchschnitt.

Wenn auf ein Schuhmodell

eine Sohle geklebt wird, ist das weniger

Arbeit, dafür muss ich dann oft mehr

Zeit in das gesamte Modell stecken.

Die Wartezeit kann sich auch >>

98 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

99


Echt schöner

Kinderschmuck

Modern, stylisch und nachhaltig – der Maßschuh-Sneaker.

Mit seinem Hund auf leisen Sohlen: der Meister in seinem Atelier.

>> durchaus mal verlängern, je nachdem

wie viele Aufträge dazukommen.

Was kostet denn ein Paar Maßschuhe?

So ein traditionell gefertigter Schuh mit

Charakter hat natürlich seinen Preis:

Für das erste Paar Maßschuhe muss

man um die 4.000 Euro rechnen. Das

zweite Paar ist schon etwas günstiger,

knapp 600 Euro weniger, weil ich

da keine Leisten und Probeschuhe

mehr herstellen muss. Meine Kunden

kommen aus allen Schichten, die einen

sparen, die anderen haben das Geld und

wieder andere brauchen Maßschuhe

aus gesundheitlichen Gründen. Ich

habe es geschafft, Menschen aus allen

Schichten für meine Schuhdesigns zu

begeistern, nicht nur diejenigen, die es

sich leisten können. Das macht mich

sehr stolz. Zu mir kommen übrigens vor

allem Menschen, die noch nie einen

maßgefertigen Schuh hatten.

Welche Schritte sind notwendig,

bis ein Maßschuh fertiggestellt ist?

Insgesamt gibt es 3 Termine bis die

Maßschuhe fertig zum Anziehen und

Ausführen sind. Für mich zu Beginn

am Wichtigsten: Maßnehmen am Fuß

und das Gegenüber kennenlernen. Ich

beobachte das Gegenüber, damit ich

weiß, welche Schuhe ich machen soll.

Dann wird diskutiert – über Schuhe und

Gott und die Welt. Die Entscheidung

über Farbe, Modell und Ledermaterial

fällt dann nach ein paar Wochen bei der

ersten Anprobe mit dem Probeschuh.

Da schlage ich dann auch ein Modell

und Form vor. Es gibt Leute, die wissen

schon genau, was sie haben wollen. Den

Kunden, die noch nicht sicher sind, wie

ihre Schuhe aussehen sollen, lasse ich

genug Zeit, sich Gedanken zu machen.

Der dritte Termin ist dann die Abnahme

und Abgabe des Schuhs.

Wie bist du letztes Jahr durch

die Coronazeit gekommen?

Mein Schuhgeschäft hatte 10-jähriges

Jubiläum mitten in der Coronakrise.

Staatshilfen wollte ich im ersten Lockdown

nicht beantragen. Ganz zufällig

hatte ich von einer Crowdfunding

Plattform gehört, die Coronahilfen

anbietet. Ich wollte damals lieber diesen

Weg gehen, als den üblichen Antrag zu

stellen. Das hat toll geklappt, es sind

mehr als 3.000 Euro zusammengekommen,

damit konnte ich drei Monate lang

die Ateliermiete bezahlen. Dazu kamen

noch Aufträge für Maßschuhe von Leuten,

die mich unterstützen wollten. Im

Sommer nach dem Lockdown musste

ich leider doch noch Coronahilfen beantragen,

weil es nicht ganz gereicht hat.

Seit November 2020 läuft es wieder,

ich brauche keine finanzielle Unterstützung

mehr, zum Glück. Ich habe genug

Aufträge und es geht mir gut, dafür bin

ich sehr dankbar.

Stichwort Aufbruch: Worauf kommt es

an, damit Wanderer lange durchhalten?

Das Wichtigste für mich ist nicht,

möglichst weit voranzukommen. Ich

freue mich über jede Überraschung und

nehme alle Herausforderungen an. Und

versuche nicht, zu weit nach vorne zu

schauen, mache einen Schritt nach dem

anderen und genieße die Zeit während

des Voranschreitens. Mit jedem Schritt

bin ich mal mehr, mal weniger zufrieden.

Wenn ich mich umdrehe, sehe ich

welchen Weg ich geschafft habe. Das ist

gerade in diesen Zeiten ein spannendes

Thema, weil ich glaube, dass der Mensch

das jetzt braucht. Hey, auf dem Boden

bleiben und eins nach dem anderen. Das

gibt mir eine gewisse Sicherheit, gerade

weil ich viele Baustellen um mich herum

habe. Ich kann mit meinen „Wanderstiefeln“

nur weiterkommen, wenn

ich meiner selbst sicher und glücklich

bin. Dann stimmt die Verbindung von

Mensch zu Boden.


HIER VERWURZELT

PRODUKTE AUS KARLSRUHE UND DER REGION

Foto Phoenix Coffee

NUR NET HUDDLE

Schön langsam, das ist

das Credo vom Chef,

wenn er die Rohkaffees röstet. Nur so kann sich das volle Aroma entfalten. Alle Kaffees

werden von Röstmeister Patrick Crocoll im Bruchsaler Laden geröstet und nur ins

Sortiment übernommen, wenn Qualität und Geschmack den Ansprüchen entsprechen.

Was als Idee, eine kleine private Rösterei mit einigen wenigen Sitzplätzen im Café zu

eröffnen angefangen hat, ist nun ein Coffee Shop mit Konditorei geworden. Wer den

Kaffee von Phoenix Coffee lieber zuhause genießen möchte, kann sich ein Päckchen

der gemahlenen Kaffeebohnen – teilweise in Bio-Qualität – online bestellen und

liefern lassen oder im Café abholen.

www.phoenixcoffee.de

C

M

INNERE WERTE

Anfang des Jahres 2020 wurde HÜLLE & FÜLLE von drei Gründern

zum Leben erweckt. Die Mission: ehrliche Maultaschen. Nach ausgiebiger

Verfeinerung der Rezeptur können die handgemachten Leckerbissen nun

im Online-Shop bestellt und in Ettlingen im Baggerloch abgeholt werden.

Besonders wichtig sind den Gründern und Köchen von HÜLLE & FÜLLE

regionale und frische Zutaten. Außerdem verzichten sie auf Geschmacksverstärker

und künstliche Konservierungs- und Zusatzstoffe. Damit wollen

Sie eine bewusstere Alternative zu Massenproduktion und maschineller

Fertigung bieten. Diese inneren Werte machen die badischen Maultaschen

von HÜLLE & FÜLLE besonders hochwertig und nachhaltig.

www.hf-maultaschen.de

Foto HÜLLE & FÜLLE Maultaschen

Y

CM

MY

CY

CMY

K

Foto Uli Hochreither

LIGHT MY FOTO

Ein Foto an die Wand hängen kann jeder. Was wäre, wenn das Lieblingsbild

zeitgleich leuchten würde? Lumitrast, aus Ettlingen, stellt 3D-Leuchtbilder aus

recyceltem Kunststoff her. Einfach Motiv aussuchen oder Lieblingsfoto hochladen

und das Motiv wird Pixel für Pixel in die Platte gefräst und von hinten beleuchtet.

Je mehr Material abgetragen wird, desto mehr Licht kommt durch und umso

heller das Pixel. Die zuvor unscheinbare Platte erwacht beim Einschalten der

Beleuchtung zum Leben und zeigt nun das zuvor versteckte Motiv in seiner

ganzen Pracht.

www.lumitrast.de

102 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL


UNTERNEHMENSPROFILE

Hoepfner Bräu – Häuser zum Wohlfühlen

Die Hoepfner Bräu Friedrich Hoepfner Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG betreibt ein

aktives Immobilienmanagement mit gemischt genutzten Objekten. Im Jahre 1798 gegründet,

beschäftigt sich das Unternehmen mit der Verwaltung und Entwicklung eigener Immobilien.

In vielfältigen Projekten setzt die Hoepfner Bräu immer wieder auf den behutsamen Erhalt des

Schönen und Althergebrachten, gleichzeitig verbunden mit modernster Ausstattung. Besonders

gut erkennt man dies an Objekten wie dem „Alten Malzwerk“, einem Teil der Hoepfner-

Burg in Karlsruhe. An Top-Standorten in Süddeutschland wie Karlsruhe, Heidelberg und in der

Hauptstadt Berlin wird für den eigenen Bestand gebaut. Die Tochtergesellschaft Hoepfner

HI-TECH Beteiligungsgesellschaft mbH arbeitet als Business Angel zur Unterstützung junger

Hightech-Unternehmen, die Hoepfner BauInvest Plus GmbH & Co. KG als Immobilienentwickler

für anspruchsvolle Kunden.

www.hoepfner-braeu.de

STOBER

MEDIEN

STOBER MEDIEN GmbH

Industriestraße 12, 76344 Eggenstein

HOEPFNER BRÄU Friedrich Hoepfner

Verwaltungsgesellschaft mbH & Co. KG

Haid-und-Neu-Str. 18-20, 76131 Karlsruhe

Fon 0721 480886-66

presse@hoepfner-braeu.de

www.hoepfner-braeu.de

Ihren Ideen Ausdruck geben

„Sicher und auf kurzem Weg, mit Fingerspitzengefühl und Freude an der richtigen Lösung,

einfach und kompakt.“ 30 Fachleute bringen Ideen ins Ziel. Von der Beratung und Produktentwicklung

bis zur Herstellung über alle Etappen.

Ihr Partner für Unternehmen, Agenturen und Kultur

Ihre Anforderungen finden bei uns praktikable Lösungen. Partnerschaftlich stehen wir

Ihnen mit zukunftsorientiertem Know-how bei Satz, Gestaltung, Digital- und Offsetdruck,

Weiterverarbeitung sowie Letterpress und Konfektionierung zur Seite. Sprechen Sie uns an!

www.stober.de

Die beste Bank der Stadt

Zum fünften Mal in Folge hat sich die Volksbank Karlsruhe 2020 beim größten Verbrauchertest

nach DIN-Norm der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH durchgesetzt. Als Seriensiegerin

darf sie sich weiterhin in den Sparten Privatkundenberatung, Gewerbekundenberatung

und Baufinanzierung als die „Beste Bank vor Ort“ bezeichnen. Und auch beim unabhängigen

City Contest in Zusammenarbeit mit dem Magazin Focus-Money geht die Volksbank Karlsruhe

2020 zum wiederholten Mal als Testsieger ihrer Stadt hervor und hat in allen Kategorien

Spitzenwerte erzielt. „Die Volksbank Karlsruhe hat den Beratungsprozess in Karlsruhe hervorragend

umgesetzt“, lautet das Fazit der Tester.

Besonders der Vergleich auf Basis von DIN-Normen liefert die im Sinne des Verbraucherschutzes

verlässlichste Beurteilung der Beratungsqualität. Darüber hinaus lässt die Volksbank

Karlsruhe ihre Beratungsleistungen über das Portal des Anbieters eKomi ungefiltert durch ihre

Kunden beurteilen. Und auch hier wird ihr eine herausragende Beratungsqualität attestiert: Von

maximal 5 möglichen Sternen vergeben die Kunden 4,9 Sterne.

www.volksbank-karlsruhe.de

VOLKSBANK KARLSRUHE eG

Ludwig-Erhard-Allee 1

76131 Karlsruhe

Telefon 0721 9350-0

E-Mail: info@volksbank-karlsruhe.de

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern

in diesem Magazin die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der

Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle

Gründe und beinhaltet keine Wertung.

IMPRESSUM

Herausgeber:

Baden TV GmbH

Haid-und-Neu-Str. 18

76131 Karlsruhe

Telefon: 0721 989773-500

Fax: 0721 989773-501

Geschäftsführer Bernd Gnann

Gesamtproduktion, Copyright:

WERBEAGENTUR VON

SCHICKH GmbH

Pforzheimer Str. 134

76275 Ettlingen

Telefon: 07243 71100-0

info@wvs.de, www.wvs.de

Redaktionsleitung, Konzeption:

Sabine Edle von Schickh

Redaktion: Anya Barros,

Angelika Schmied, Caroline

Carnevale, Andreas Lütke, Julia Wolf

Layout, Illustration:

Felicitas Riffel, Adelina Apostolova

Produktion:

Felicitas Riffel

Koordination: Anya Barros

Titelbild:

rdnzl – www.stock.adobe.com

Anzeigen:

Baden TV GmbH, Susanne Sauer

Haid-und-Neu-Str. 18

76131 Karlsruhe

Telefon: 0721 989773-500

Fax: 0721 989773-501

wirtschaftsspiegel@baden-tv.com

Druck:

Stober Medien GmbH, Eggenstein

Der „Wirtschaftsspiegel der

TechnologieRegion Karlsruhe” ist

direkt über den Herausgeber oder

über ausgewählte Vertriebspartner

zu beziehen.

104 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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STANDORTINFORMATIONEN

DIE TECHNOLOGIEREGION KARLSRUHE IM ÜBERBLICK

Merkmal Maßeinheit Stadtkreis Landkreis

Stadtkreis

Landkreis

Landkreis

Landkreis Stadtkreis

Departement

TechnologieRegion

Karlsruhe Karlsruhe Baden-Baden

Rastatt

Germersheim Südliche Weinstraße Landau

Bas-Rhin 7

insgesamt

Fläche 2 km 2 173,42 1.084,97 140,19 738,44 463,32 639,95 82,94 4.755,03 8.078,26

Bevölkerung am 30.09.2020 2, 3 Anzahl 308.530 447.120 55.345 232.481 128.870 110.672 46.627 1.133.552 2.463.197

Kaufkraftkennziffer 2021 1 je Einwohner 101,2 108,8 116,7 106,9 101,9 103,4 98,7 · 105,5 6

(Bundesgebiet = 100)

Einzelhandelsumsatz 2021 1 je Einwohner 121,0 87,6 114,2 77,6 68,2 82,9 139,4 · 94,4 6

(Bundesgebiet = 100)

Zentralitätsindex 2021 1 je Einwohner 119,6 80,5 97,9 72,6 66,9 80,2 141,2 · 89,5 6

Bruttoinlandsprodukt 2018 2 in Euro 85.070 78.513 70.948 84.908 80.906 65.833 59.334 · 79.770 6

(je Erwerbstätigen)

Erwerbstätige 2018 2 in Tausend 240,7 213,9 42,2 120,3 59,7 46,3 33,4 481,6 1.238,1

Versicherungspflichtig Beschäftigte Anzahl 179.534 158.734 31.343 92.965 46.072 31.611 23.686 467.919 1.031.864

am Arbeitsort am 30.06.2020 2, 4

darunter

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei Anzahl 101 573 . 452 480 903 71 6.901 9.481 8

Produzierendes Gewerbe Anzahl 27.494 56.100 7.427 48.000 20.886 9.645 4.257 75.377 249.186

Handel, Verkehr und Gastgewerbe Anzahl 38.663 32.746 6.710 16.124 11.297 8.377 5.346 215.362 334.625

Sonstige Dienstleistungen Anzahl 113.275 69.312 17.099 28.388 13.509 12.686 14.012 140.794 409.075

Verarbeitendes Gewerbe am 30.09.2019 2

Betriebe (mit 20 und mehr Beschäftigten) Anzahl 98 309 31 173 77 57 30 568 1.343

Beschäftigte Anzahl 18.672 39.611 4.563 40.411 17.135 6.523 2.708 65.683 195.306

Umsatz 2019 in Mrd. Euro 10,6 11,0 0,9 22,1 13,0 1,7 0,6 . 59,9 6

Arbeitslosenquote am 30.06.2020 5 % 5,2 3,9 6,0 4,0 4,8 4,6 6,3 7,8 (p) 4,5 6

(bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen)

STUDIERENDE AUSGEWÄHLTER FACHRICHTUNGEN IN KARLSRUHE

Fakultät / Fachrichtungen (WS 2020/21) KIT Hochschule Karlsruhe – Duale zusammen

Technik und Wirtschaft Hochschule

Anzahl Anzahl %

Elektro- und Informationstechnik 2.027 831 109 2.967 8,7

Maschinenbau und Mechatronik 5.424 1.360 563 7.347 21,5

Informatik und Wirtschaftsinformatik 2.785 1.101 967 4.853 14,2

Wirtschaftswissenschaften 3.436 2.357 1.247 7.040 20,6

Architektur, Bauwesen, Geo- und Umweltwissenschaften 3.073 1.665 - 4.738 13,9

Mathematik 662 - - 662 1,9

Physik, Chemie und Biowissenschaften 4.153 - - 4.153 12,2

Studierende der ausgewählten Fachrichtungen zusammen 21.560 7.314 2.886 31.760 93,0

Studierende insgesamt 23.321 7.602 3.190 34.113 100,0

STUDIERENDE IN KARLSRUHE

WS 2020/21 %

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 23.321 58,1

Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft 7.602 18,9

Pädagogische Hochschule 3.711 9,2

Duale Hochschule Baden-Württemberg 3.190 7,9

Hochschule für Musik 568 1,4

Staatliche Akademie der Bildenden Künste 343 0,9

Staatliche Hochschule für Gestaltung 408 1,0

Karlshochschule International University (privat) 406 1,0

EC Europa Campus (privat) * 350 0,9

FOM Hochschule für Ökonomie & Management (privat) 262 0,7

Insgesamt 40.161 100

FernUniversität Hagen (Studierende im Stadtgebiet KA) 515

1

Quellen GfK, Nürnberg; Amt für Stadtentwicklung, Karlsruhe

2

Quellen Statistische Landesämter Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz;

Institut National de la Statistique et des Etudes Economiques (Insee) Direction Régionale de Strasbourg

3

Städte in Rheinland-Pfalz Stand: 30.06.2020

4

Städte in Rheinland-Pfalz Stand: 30.06.2019

5

Quellen Bundesagentur für Arbeit; Insee

6

Ohne Departement Bas-Rhin

7

Stand: 31.12.2017 bzw. Volkszählung 2017, (p) = vorläufig zum Stand 3. Trimester 2020

8

Summe ohne Stadtkreis Baden-Baden

106 NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

Quelle Amt für Stadtentwicklung, Karlsruhe

*Schätzwert

Quelle Amt für Stadtentwicklung, Karlsruhe

107


DATEN UND FAKTEN ZUM WIRTSCHAFTSSTANDORT KARLSRUHE

IM VERGLEICH ZU DEN STÄDTEN MANNHEIM UND STUTTGART

Karlsruhe Mannheim Stuttgart

Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung*

Bevölkerung am 30.09.2020 308.530 310.121 631.688

Veränderung 12/2015 - 09/2020 in % 0,3 1,4 1,3

Hallo, wir wohnen auch hier.

Erwerbstätige am Arbeitsort**

Erwerbstätige im Jahr 2019 (Jahresdurchschnitt, Berechnungsstand August 2020) 240.000 242.400 546.200

Veränderung 2015 - 2019 in % 1,6 2,4 5,5

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort*

SV-Beschäftigte am 30.06.2020 179.534 189.353 423.052

Veränderung 2015 - 2020 in % 5,1 5,1 8,6

Betriebe*

Betriebe 2019 15.191 15.724 33.315

Anteil kleiner und mittlerer Betriebe in % 99,3 99,2 99,3

(Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten. SV-Beschäftigte am 31.12.2019)

Arbeitslose***

Arbeitslose am 30.06.2020 8.978 13.074 20.047

Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) 5,2 7,5 5,7

Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen*

Euro je Erwerbstätigen 2018 (Berechnungsstand August 2019) 85.070 86.269 105.982

Veränderung 2015 - 2018 in % 6,7 8,9 4,4

Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen*

Bruttowertschöpfung 2018 (in Millionen Euro) 18.442 18.844 51.673

darunter Anteil in %

Produzierendes Gewerbe 22,8 37,0 34,3

Dienstleistungsbereiche 77,1 63,0 65,6

Gewerbesteuer*

Hebesatz 2020 in % 430 430 420

Einzelhandelsrelevante Kaufkraftkennziffern****

Kaufkraft je Einwohner 2021 (Bundesdurchschnitt = 100) 101,2 99,1 112,5

Umsatzkennziffer je Einwohner 2021 (Bundesdurchschnitt = 100) 121,0 146,5 127,0

Zentralitätskennziffer 2021 (Umsatzkennziffer je EW/Kaufkraft je EW) 119,6 147,8 112,9

Quellen

* Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

** Statistisches Landesamt Baden-Württemberg (vorläufige Ergebnisse)

*** Bundesagentur für Arbeit

**** GfK, Nürnberg

Wir sind ein Unternehmen,

von dem Sie vielleicht noch nie gehört haben.

Denn von uns können Sie gar nichts kaufen.

Wir machen nämlich Banken-IT.

Aber wir sind da.

Als Arbeitgeber. Als Steuerzahler.

Oder einfach bloß als Nachbar.

Als guter Nachbar.

Indem wir helfen, wo wir können.

In der Bildung genauso wie beim Sport,

in der Kunst oder in sozialen Einrichtungen.

„Zukunftserfahren“ soll nicht nur ein Wort sein,

das wir unter unser Logo drucken.

Es ist unser Selbstverständnis, dass man

Zukunft aktiv gestalten kann.

Vor Ort. In der eigenen Stadt. Mit den eigenen Nachbarn.

Und damit haben wir Erfahrung.

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NR 64 2021 WIRTSCHAFTSSPIEGEL

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Wohnung gesucht –

Zuhause gefunden!

Wir schaffen und erhalten bezahlbaren Wohnraum. Mit über

13.350 Mietwohnungen sind wir der größte Vermieter in

Karlsruhe. Wir bemühen uns um soziale Ausgewogenheit

und setzen uns für Nachhaltigkeit ein.

6

www.volkswohnung.com

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