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WOLL Magazin 2021.2 Sommer I Meschede, Bestwig, Olsberg

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Sommer 2021

16

Worte, Orte, Land und Leute.

Ausgabe für

Meschede,

Bestwig und

Olsberg

Sauerland

Sauerlandsommer

Engagement der Bigger Jugend

Wilhelmine Lübke, die First Lady aus Ramsbeck

Mescheder Forschung zum Auto der Zukunft

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WOLL - mit Herz und Hand von


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Liebe Leserinnen und Leser,

mobil zu sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, muss

auch im Hinblick auf die ältere Generation ein öffentliches Anliegen sein. In

dieser WOLL-Sommerausgabe haben wir das Thema „Mobilität 2030“ unter die

Lupe genommen. Natürlich geht es dabei um die im Hinblick auf den Umweltund

Klimaschutz wichtige Verkehrswende. Die Frage, wann das erste autonome/hochautomatisierte

Auto auf Sauerländer Straßen fährt, haben wir gestellt.

Professor Christian Kutzera von der FH Südwestfalen hält das Jahr 2025 „für

haltbar“. Insgesamt, so der Blick auf die nächsten Jahre, schützt ein intelligenter

Verkehr, also individuelle Mobilität (Auto, Rad, zu Fuß) mit dem öffentlichen

Nahverkehr und neuer Mobilität zu verbinden, Umwelt und Klima und verbessert

unsere Lebensqualität. Zudem birgt Mobilität 2030 großes Potenzial, auch

in volkswirtschaftlicher Hinsicht.

Neben der Mobilität haben die Kolleginnen und Kollegen weitere interessante

Themen recherchiert. Sie haben den ältesten und größten BVB-Fanclub besucht.

Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt auch die junge, hochtalentierte Reiterin

Kim Brinkmöller. Leidenschaft (für Pferde) kann man nicht vortäuschen.

Paul Senske

Chefredakteur

Hongxia Zheng, die seit 30 Jahren im Sauerland lebt und an der FH in Meschede

lehrt, setzt sich mit großer Hingabe für die deutsch-chinesische Freundschaft ein.

Junge Menschen in Bigge engagieren sich mit Leidenschaft für die Jugend und

bieten tolle Aktionen.

Viel Spaß beim Lesen der WOLL-Sommerausgabe!

Paul SenskeKontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-woll@axo.media

facebook.com/WOLLMesBesOls

WOLL Sommer 2021 - 3


Meschede

08 Das Ehepaar Wittig

10 Panorama

13 Sparkasse Mitten im Sauerland

14 BVB-Fanclub

34 Rose-Handwerk

47 Ballonfahrer Daniel Thamm

48 Busfahrerin Pauline Zacharias

58 Die Schwimmabteilung des TuRa Freienohl

61 HST Systemtechnik

62 Die Hundetrainerin

66 Kaufhaus Heide

83 Dolmetscherin und Dozentin Hongxia Zheng

Schwerpunkt “Mobilität im

Sauerland” ab Seite 19

Bestwig

52 Sauerländer Truckerinnen

56 Ramsbecker Ziegelwiese

64 Hobbymaler Friedel Kaiser

68 Der Bestwiger Wasserturm

75 Wihelmine Lübke

93 Baron von Lüninck

102 Robert geht wandern

Olsberg

06 Bigger Jugend

12 Biogärtnern am Hochbeet

17 Fit mit Hula-Hoop

52 Sauerländer Truckerinnen

54 Josefsheim

86 Reiterin Kim Brinkmöller

Aus dem Sauerland

31 Kaltenbach

37 Hoppecke-Batterien

67 Netzfundstücke

70 ABB

72 Mondraker Rockets

78 Gute Geschichten aus Südwestfalen

80 Künstler Oliver Schäfer

89 Centrotherm

90 Der Schäferwagen

96 Elternratgeber

97 Nina Karpinski, die Vogelpäpplerin

100 Die Pausenbutze

105 Fotoserie: Alte Bahnhöfe

110 Gedicht

111 WOLL-ABO

112 Geschwisterkälber

115 Premium-Verteilstellen/Impressum

4 - WOLL Sommer 2021


Die Sonne liebt cremiges Eis in der Waffel.

An heißen Sommertagen muss man

schnell schlecken, denn ihre Strahlenzunge

ist genau so verrückt nach

der leckeren Süßspeise wie wir.

Die erste Eisdiele soll im 17. Jahrhundert ein

ehemaliger Koch des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris eröffnet haben, ein

Sizilianer. Über hundert Jahre hat es dann noch gedauert, bis die erste Eisdiele

in Deutschland öffnete. Bis heute sind die meisten Eisdielen noch immer in

italienischer Hand. Kein Wunder, denn die sind einfach Meister ihres Fachs

und produzieren ihr Eis überwiegend selbst. (c.z.)

”Dame in der Badewanne“

Noch bis Ende Juni können

wir uns am “Tränenden Herz”

erfreuen. Dann nämlich sind

herzförmigen Blüten weit geöffnet

und seine “Tränen” sind

zu sehen. Ein wunderschönes,

aber leider auch relativ kurzes

Schauspiel. Der romantische Name passt perfekt zu dieser Pflanze. Warum

die Engländer sie “Lady in the bath”, also “Dame in der Badewanne”

nennen, kann man verstehen, wenn man die Pflanze einmal auf

den Kopf stellt. 2017 war das “Tränende Herz” übrigens “Giftpflanze

des Jahres”. Also bitte nur mit Handschuhen anfassen. (c.z.)

Der Himmel über Meinkenbracht

Im Sommer ist es wunderschön, den Nachthimmel zu beobachten. Besonders

auf Hochebenen wie in Sundern-Meinkenbracht. Dem Sternendorf, wie es

sich selbst nennt. Doch nicht alles, was oben am Himmel so hell leuchtet, ist

auch ein Stern. Jüngst hat der Unternehmer Elon Musk 60 Satelliten in die

Erdumlaufbahn gesandt, die schon jetzt deutlich am Himmel zu sehen sind.

1.300 hat Musk schon losgeschickt, bis zu 42.000 Satelliten sollen es noch

werden. Mit seinem SpaceX-Projekt Starklink soll ein globaler Breitband-Internetgürtel

um die Erde gelegt werden, damit auch ländliche Regionen

wie z. B. das Sauerland

bestmöglich mit dem

Internet versorgt werden.

Nun, vielleicht muss man

sich manchmal einfach

ent scheiden: Noch schnelleres

Internet oder die Erhabenheit

des herr lichen

Firmaments. (c.z.)

Martin Richter

Ice in the sunshine

Ein Käfer namens

Würmchen.

Glühwürmchen.

Jedes Jahr um den Johannistag herum,

dem 24. Juni, kann man in warmen

Sommernächten den Tanz der Glühwürmchen

beobachten. In unseren

Breitengraden sind es ausschließlich

Männchen auf Partnersuche, die da

durch die Luft schwirren. Die Weibchen

können nicht fliegen. Der Anblick

versetzt selbst die nüchternsten

Beobachter in eine romantische Stimmung.

Das war´s dann aber auch schon in

Sachen Romantik. Denn wenn ein

Männchen ein Weibchen erspäht hat,

lässt es sich ganz einfach zielgerade auf

dieses fallen. Kurz nach diesem recht

plumpen Liebesspiel endet aber auch

schon ihr Dasein.

Es übrigens die Carbonsäure Luciferin,

die die Käfer zum Leuchten

bringt. Und wenn der Käfer schon

kein Don Juan ist, so ist er doch sehr

energieeffizient, denn um zu leuchten,

wandelt er chemische Energie

nahezu verlustfrei in

(kaltes) Licht

um. (c.z.)

WOLL Sommer 2021 - 5


Finn Hanfland, Kathrin Patzsch, Alexander Paschtalka und Felix Liesen vom Oberleitungsteam (v.l.)

Aktionen der Bigger Jugend sind echte Renner

“Alle packen ordentlich ins Rad”

Sonja Funke

Till Kupitz/Erzbistum Paderborn

Pling! Eine Nachricht blinkt auf. „Hey, hast Du schon gehört von der Escape-Room-Tour?“ Wenn die Bigger

Jugend etwas anbietet, und dies bevorzugt über Facebook oder Instagram, dann verbreitet sich das unter Eltern

und Kindern wie ein Lauffeuer. Ob Einzelevents, Sommer-Zeltlager oder Monatsstammtisch, alles ist so super

geplant, dass einfach alle, auch aus den umliegenden Dörfern, dabei sein möchten.

Es läuft super, das war aber nicht immer so. Die einen, die

Messdiener, hatten viele Leiter, aber wenig Kinder. Bei den anderen,

der Kolpingjugend, war es komplett andersherum. Das

riecht nach einer Win-Win-Möglichkeit. Und so kooperieren

die beiden seit langem etablierten Jugendgruppen im größten

Olsberger Ort nun als Bigger Jugend. Abwechselnd hatte sie

bis dato jährlich das Zeltlager an einem Ort „mindestens eineinhalb

Stunden entfernt“ gestaltet. Als die Pandemie Fahrt

aufnahm, planten sie gerade ihr erstes gemeinsames Zeltlager.

Sie switchten komplett auf online um, um weiter für die Kinder

und Jugendlichen da zu sein und sie gleichzeitig nach

draußen zu locken. Mit einer Wahnsinns-Kreativität. Da war

der Online-7-Kampf mit täglich neuen Disziplinen, die allesamt

in den eigenen vier Wänden oder im Garten absolviert

werden konnten, ob Domino-Bahn-Entwerfen oder XXL-

Bild-aus-Kleidung-bauen. Die Bigger Jugend organisierte

Einkaufen für Senioren, eine Oster-Grußaktion, Spendenstationen

und Aufkleber-Lieferung als Sternsingeraktion. Es gab

ein Online-Sport-Programm, ein Wander-Rätsel-Event und

eine 20-seitige Zeltlager-Zeitung gegen die Langeweile. Letzte

spektakuläre Aktion: eine Escape-Room-Schnitzeljagd, inclusive

Täterquartier in der Skihütte Olsberg.

Wer steckt dahinter?

Doch wer steckt dahinter? Das Oberleitungsteam ist zwischen

19 und 24 Jahren alt, es besteht aus Finn Hanfland, Kathrin

Patzsch, Alexander Paschtalka und Felix Liesen sowie, ganz

frisch, Franka Körner. Insgesamt verfügen sie aber über einen

Pool von rund 25-30 sehr aktiven Leitern, die meisten so um

die 16, 17 Jahre, und hierher kommen auch die Ideen. „Alle

6 - WOLL Sommer 2021


Impressionen vom “Zeltlager 2020 - Bigge meine Heimat”

„Wenn wir uns jetzt nicht dafür engagieren,

dass Kinder einen vernünftigen Ort und

Aktionen für ihre Freizeit haben,

brauchen wir uns auch nicht wundern,

wenn wir später keine Einrichtungen

für unsere Kinder mehr haben“

- Felix Liesen

packen ordentlich ins Rad. Wir denken uns Rollenspiele,

komplette Stories und den Ablauf selbst aus“, sagen Alexander

Paschtalka (Messdiener) und Felix Liesen (Kolpingjugend).

Ob Oktoberfest, Casino-Abend, Kirchenrallye oder Karaoke:

„Wir hatten keine Stammtisch-Veranstaltung unter 50

Teilnehmern. Einmal waren es sogar 90!“, freut sich Alexander.

Rappelvoll auch das Zeltlager. „Dieses Jahr soll es nach

Kalberschnacke an die Lister-Talsperre gehen, es sind 70 Teilnehmer

ab acht Jahren angemeldet“, sagt Felix.

Die Home-Edition

Über die Home-Edition des ersten gemeinsamen Zeltlagers

zu Hause rund um die Bigger Schützenhalle fanden die beiden

Organisationen so richtig zusammen. Warum sie dies alles

machen? „Zum einen sind unter uns Leitern echt starke

Freundschafen entstanden. Und außerdem: Wenn wir uns

jetzt nicht dafür engagieren, dass Kinder einen vernünftigen

Ort und Aktionen für ihre Freizeit haben, brauchen wir uns

auch nicht wundern, wenn wir später keine Einrichtungen für

unsere Kinder mehr haben.“ Weiter bringt das Engagement

sehr nützliche Soft Skills, die einem kein Beruf vermitteln

kann: „Im Jugendverein nehmen dir die Leute es nicht ganz

so übel, wenn mal was nicht so klappt.“ Was aber niemals für

den Punkt „Sicherheit“ gilt. „Wir sind uns der Verantwortung

alle bewusst.“ Erste-Hilfe- und Rettungsschwimmerkurse

sind ebenso Pflicht wie pädagogische Schulungen sowie Einweisungen

und Dokumentationen jetzt in der Pandemie.

Kirche interessant machen

Gut, die Jugendevents laufen schon mal. Aber das reicht ihnen

nicht. „Uns allen geht es auch darum, Kirche wieder attraktiv

zu machen und wieder mehr Messdiener zu werben“, betonen

beide. Das soll in Zukunft mit Aktionen rund um Gottesdienste

gelingen, zum Beispiel mit einer Diskomesse. „Pastor

Richard Steilmann unterstützt uns da voll!“ ■

WOLL Sommer 2021 - 7


Bianca und Joseph Wittig

Zwei ökumenische Katholiken

in der Kreisstadt Sabina Butz Bianca-Maria Prinz-Wittig

Letzte Ruhe in Meschede: Josef und Bianca Wittig

J

oseph Wittig wurde in Neusorge in Schlesien

geboren, als Sohn eines Zimmermanns. Zimmermannssohn

war auch der, der ihn ein Leben lang

faszinierte und über den er in seinem bekanntesten

Roman „Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo“

schrieb. Der heimatvertriebene Wittig fand kurz vor

seinem Tod einen neuen Wohnort, der seinem Heimatort

landschaftlich glich: Meschede. Leider verstarb er kurz

vor dem beabsichtigten Umzug nach Meschede. Seine

Frau Bianca lebte und wirkte noch 50 Jahre in der Kreisstadt.

Was Joseph und Bianca Wittig

mit Meschede verbindet

Das Leben des Ehepaar Wittig kann man als vielschichtig

und ereignisreich beschreiben: Joseph Wittig, geb. 1873

in Schlesien, studierte katholische Theologie, promovierte

1903 und wurde im selben Jahr zum Priester geweiht. 1915

wurde er zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte

ernannt und erlangte internationalen Ruhm. Als schlesischer,

christlicher Heimatdichter vertrat er die Ansicht, dass

der Glaube eine Frohbotschaft und nicht eine Drohbotschaft

sein sollte und traf damit die Sehnsucht vieler Glaubensbrüder

beider Konfessionen. Die kirchliche Lehrmeinung sah

das mit großer Sorge und beurlaubte ihn von seinen Lehrverpflichtungen

an der Universität, was 1926 zu seiner Exkommunikation,

also dem Ausschluss aus der Gemeinschaft

der Kirche führte.

Im Mescheder Norden gibt es einen Joseph-Wittig-Weg, und

auf dem Mescheder Südfriedhof finden wir eine Grabstelle

von Joseph und Bianca Wittig. Bianca Wittig hat tatsächlich

von 1949 bis 1998 in Meschede gelebt und sich in der

Stadt kulturell und religiös sehr engagiert eingebracht. Ihr

Mann, Prof. Dr. theol. Joseph Wittig, verstarb kurz vor dem

Umzug ins Sauerland an einem Herzinfarkt. Sein Leichnam

wurde nach Meschede überführt und auf dem Südfriedhof

beigesetzt.

„Der Friede kommt auf die Erde nur

durch die Herzen der einzelnen Menschen;

er findet keine anderen Tore.“

- Joseph Wittig

8 - WOLL Sommer 2021


Professor Wittig in seinem Arbeitszimmer

Als freier Gelehrter heiratete Wittig 1927 Bianca Geisler, sie

bekamen drei Kinder. 1946 wurde Wittig von Papst Pius XII

wieder offiziell in die Kirche aufgenommen. Er musste sich

nicht von seiner Frau trennen. Drei Wochen später wurden

sie aus dem Glatzer Land vertrieben und lebten bis 1949 in

der Lüneburger Heide. Den für dasselbe Jahr geplanten Umzug

nach Meschede erlebte Joseph Wittig nicht mehr, wohl

aber seine Frau, die sich bis an ihr Lebensende 1998 in Meschede

engagiert und tatkräftig einbrachte. Ihr verdanken

Bianca Wittig mit ihren

Kindern vor ihrem

Hause in Schlesien

Joseph Wittig gab 1926 die

deutsch-jüdische Zeitschrift “Die

Kreatur” heraus, gemeinsam mit

Martin Buber und Viktor von

Weizsäcker.

wir, das Andenken an ihren Mann aufrecht erhalten und seine

Botschaft an uns alle bewahrt zu haben: „Glaube ist das

ganz unmittelbare Verhältnis, der innigste persönliche Bezug

zu Gott. Der Glaube befreit, macht froh, macht selig.“ ■

WOLL Sommer 2021 - 9


Perspektive

Wennemen auf der Sonnenseite

S. Droste

10 - WOLL Sommer 2021


WOLL Sommer 2021 - 11


Biogärtnern am Hochbeet.

Sonja Funke

Oder: Salat geht immer!

Der Traum vom eigenen Gemüse, zumindest im

Kleinen sollte er wahr werden! Natürlich alles

Bio. Mein Vater schüttelt den Kopf. Ich kaufe mir

das Hochbeet trotzdem.

Erstes Jahr, erster Kardinalfehler: Ich säe alles rein, was geht,

auf den gut 1x2 Metern. Viel zu eng. Ergebnis: Mini-Möhren.

Mini-Zwiebeln. Und die Gurken? Wollen erst gar nicht wachsen.

Meine Ausbeute: vor allem viel Salat. Immerhin!
















Neues Jahr, neues Missgeschick: Wunderschön wächst mein

Kohlrabi, Blätter über Blätter und auch die Knolle wird immer

schöner. Mit den ersten warmen Temperaturen flattern

sie an, die Kohlweißlinge. Wunderschön und so fruchtbar.

Aus einer Art Tropfen unter den Blättern werden Raupen. Ich

lass sie, die Kinder finden es spannend. Eklige Geschichte,

die Kokons unter der Terrassendecke und an der Hauswand.

Aber was schlüpft? Schlupfwespen! Schmarotzer und Schmetterlingsmörder!

Inzwischen ist Spätsommer: also neue Salat-

Sorten ausprobiert. Lecker!

Im dritten Jahr versuche ich es mit Kürbissen. Erst rankt,

dann blüht es schön orange und so platzsparend. Weit über

das Hochbeet hinaus bis auf den Rasen drumherum. Endlich

sind die ersten kleinen Kürbisse sichtbar. Dann entdecke ich

die ersten weißen Flecken auf den Blättern und ahne nichts

Gutes. Und tatsächlich, bald ist alles weiß, die Früchte werden

braun: Mehltau. Heißt: im nächsten Jahr ordentlich Erde abtragen,

Boden behandeln, Pilzsporen beseitigen. Ins Hochbeet

kommt im vierten Jahr: nur noch Salat! Auf dem Markt als

Setzlinge gekauft, wächst und gedeiht er. Ein Wunder der Natur.

Und ich bin glücklich, jeden Tag mit Vitaminen versorgt.

Von Mai bis November. Und – ja, Papa! - komplett bio. ■

12 - WOLL Sommer 2021


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Mitten im Sauerland

WOLL Sommer 2021 - 13


In der „Kommandozentrale“

des größten und ältesten

BVB-Fanclubs

„Unsere

Mannschaft

braucht uns

im Stadion“

Anke Kemper

S. Droste

Der Borsigplatz in Dortmund, geschichtsträchtig

und als Baudenkmal in die Denkmalliste der

Stadt eingetragen, ist weit über die Grenzen

Dortmunds bekannt - vor allem durch den BVB und

dessen Gründung 1909 an diesem Ort. Noch heute finden

dort nach Titelgewinnen die Feierlichkeiten der

Fans und der Mannschaft samt Autokorsos statt. Rund

60 Kilometer entfernt befindet sich die „Kommandozentrale“

des größten und ältesten BVB-Fanclubs

- im Wohnhaus des 1. Vorsitzenden Eugen Kraas - in

„ Oeventrop-Freienohl“.

Das Fußballfieber gepackt

T-Shirts und Bälle mit Originalunterschriften, Fotos,

Karten, Schals, Hüte und alles, was man an einem Fanartikel-Stand

vor einem Fußballspiel kaufen kann oder sich

im Laufe der Jahre schenken lässt: Das Haus von Eugen

Kraas strahlt in Schwarz-Gelb und sein Fußballherz strahlt

im Gleichklang mit. Seit der Gründung des BVB-Fanclubs

1979 wirkt der 70-Jährige aktiv im Vorstand mit. „Als ich

1970 das erste Mal zu einem Spiel zu Borussia Dortmund

ging, hat es mich gepackt und nicht mehr losgelassen“, be-

14 - WOLL Sommer 2021


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ginnt er. Seitdem hat er kein einziges Heimspiel verpasst.

„Ich habe mir die Schichten immer so gelegt, dass ich zu

den Heimspielen gehen konnte. Und wenn es mal nicht so

passte, habe ich eben einen Kollegen bestochen“, erzählt er

lachend. Im Jahr 1979 wurde Eugen Kraas Schützenkönig

in Oeventrop. Hier wurde die Idee des Fanclubs gebo ren.

Die ersten Gespräche an der Theke wurden nur wenige

Tage nach dem Schützenfest in die Tat umgesetzt. Am

01.08.1979 wurde der BVB-Fanclub Oeventrop- Freienohl

gegründet. Damals noch mit 37 Borussen-Fans, heute

zählt der Verein 1.061 Mitglieder.

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WOLL Sommer 2021 - 15


Das Ganze zusammenhalten

Die Jahreshauptversammlungen des Vereins sind mittlerweile

legendär und können mit Fußballprominenz aufwarten.

„Die Fanbeauftragten des BVB, Siggi Held und

Petra Stüker sowie der ehemalige Teammanager Fritz Lünschermann

kommen jedes Jahr zu diesen Veranstaltungen.

Zu unserem 40-jährigen Bestehen war der Geschäftsführer,

Hans-Joachim Watzke, zu Gast. Vor 25 Jahren war

es noch einfacher, auch Spieler einzuladen. Da hatten wir

u. a. Reuter, Klos oder Kohler hier“, schwärmt Kraas.

Dass seit vergangenem Jahr die Jahreshauptversammlungen

verschoben werden mussten, ist nur ein Wermutstropfen

von vielen. „Die Spiele am Fernseher zu schauen,

ist doch nicht dasselbe. Unsere Mannschaft braucht uns im

Stadion. Wie soll denn da Kampfgeist aufkommen, wenn

sie nicht angefeuert werden“, bekräftigt er. „Im Signal Iduna

Park, in dem um die 82.000 Zuschauer Platz haben,

nur mit knapp 9.300 Zuschauern zu sitzen, das tut schon

weh. Aber es muss ja weitergehen.“

Die Organisation von allem

Der organisatorische Aufwand ist groß. „Früher hatte ich

mal ein Reitpferd, aber mir fehlte die Zeit dafür. Man

kann nur eines intensiv und richtig machen.“ Und dass er

es richtig macht, bekommen die Mitglieder des Vereins zu

spüren. Auf der Website des Fanclubs steht es Schwarz auf

Weiß: Rund um die Uhr geöffnet. Und Eugen Kraas kann

man immer erreichen. Ob für das Karten bestellen, Umbuchen,

Busse organisieren: Hier herrscht Teamgeist wie auf

dem Fußballplatz. Und nur so kann es funktionieren. Zu

den Fahrten zu Heimspielen und Auswärtsspielen, die es

zu organisieren gibt, kommen Partien im DFB-Pokal, Europapokal

und der Champions League hinzu. „1997 sind

wir mit drei Bussen zur Champions League gegen Juventus

Turin nach München gefahren - und haben gewonnen“,

schwärmt Eugen Kraas. Er zählt weitere große Ereignisse

in seiner Laufbahn als BVB-Fan und Fanclub-Vorsitzenden

auf. Bei dem Vielbeschäftigten ist kein Ruhestand in Sicht.

Er identifiziert sich mit seinem Einsatz für den Fanclub

und für den BVB. Der „Anführer“ des Fanclubs ist weit

über die Grenzen des Sauerlandes bekannt. „1999 sind wir

sogar als Komparsen für den Film: “Nie mehr zweite Liga”

gebucht worden. Schauspieler Dietmar Bär ist seitdem

Ehrenmitglied im BVB-Fanclub“, erzählt er weiter.

Das Beste zum Schluss – Revierderby

„Schalke wird fehlen, schreib das auf jeden Fall auf!“,

fordert Eugen Kraas. „Der Kampfgeist und die Rivalität

sind das i-Tüpfelchen der Bundesliga. Was sollen wir

denn in Holstein Kiel?“ Der Kampfgeist zwischen Schalke

und dem BVB ist legendär. „Schon während der Busfahrt

haben wir immer Spaß gehabt, wenn wir auf Busse mit

Schalkefans trafen.“ Das Revierderby, oder auch Ruhrderby

ge nannt, steht für Emotionen pur. Hier prallen zwei

Welten aufeinander. Man ist sich einerseits spinnefeind,

hat aber Spaß daran, die Rivalität zu leben. Und ohne geht

es dann auch nicht. Davon lebt der Fußball.

Von Oeventrop-Freienohl zurück ins Revier -

zum Borsigplatz

Es gibt noch andere Anlässe, an welchen Eugen Kraas seine

Fußballkluft anzieht. Zusammen mit dem Fahnenschwenker

und besten Freund Franz Herrmann fährt er jährlich zu

den Karnevalsumzügen in Dortmund, geht im Martinszug

mit und beide stehen dann mit den Fahnen am Altar der

Dreifaltigkeitskirche in der Nähe des geschichtsträchtigen

Borsigplatzes. Und auch Eugen Kraas kann mittlerweile

Geschichte schreiben über seinen Einsatz und Wirken für

den BVB-Fanclub Oeventrop-Freienohl. Das nennt man

dann wohl: Echte Liebe! ■

„Schalke wird fehlen“

- Eugen Kraas

16 - WOLL Sommer 2021


Trendsport im Sauerland

Fit mit

Hula-Hoop

Christel Zidi

Iris Böning

H

ula tanzen die Frauen (und auch Männer)

auf Hawaii schon seit vielen Jahrhunderten.

Mit jeder einzelnen Bewegung, jeder Geste erzählen

sie eine Geschichte: von den Riten ihres Volkes,

von den Wellen des Meeres, von Wind und Sternen.

Aufgrund der ähnlichen Hüftbewegungen wurde der

Hula-Hoop nach diesem wunderschönen Tanz benannt.

Der „Hula mit Reifen“ kam in den späten 1950er-Jahren

groß in Mode und wurde in den letzten Jahren wiederentdeckt.

Allerdings werden damit keine Geschichten

mehr erzählt, sondern der Hula-Hoop dient der Fitness.

Für diesen Trendsport benötigt man nicht mehr als einen

einfachen Plastikreifen (engl. Hoop), den man sich um den

Körper dreht. Das Training mit dem Hula-Hoop macht

nicht nur eine Menge Spaß, sondern bringt auch die Taille

in Form. Erwachsene benötigen einen Reifen von zirka einem

Meter Durchmesser, für Kinder reichen etwa 70 cm.

Hula-Hoop ist kinderleicht zu lernen. Und so geht´s:

Stellen Sie sich in den Reifen, hüftbreit mit leicht gebeugten

Knien. Die Schultern leicht nach hinten, den Rü cken

gerade halten. Dann nehmen Sie den Reifen in beide

Hände und legen ihn in Höhe der Taille an den Rücken.

Die Ellenbogen in einem Winkel von ca. 90 Grad beugen.

Wenn Sie loslegen möchten, müssen Sie Ihren Oberkörper

in eine Richtung drehen und dem Reifen gleichzeitig einen

recht kräftigen Stoß in die jeweils entgegengesetzte Richtung

versetzen. Auf diese Weise sollte er beginnen, sich

um Ihre Taille zu drehen. Der erste Schwung soll parallel

zum Boden verlaufen, um den Reifen mit minimaler Kraft

leicht oben halten zu können.

Dann die Taille kreisförmig bewegen. Den Bauch nach

vorn drücken, wenn der Reifen sich über den Bauch bewegt,

den Bauch nach hinten, wenn er sich über den Rücken

bewegt. Sobald Sie das Gefühl für diesen Schwung

entwickelt haben, merken Sie, dass es auch ohne kreisförmige

Bewegungen geht. Einfach das Gewicht nach rechts

und links verlagern.

WOLL Sommer 2021 - 17


Schöne Pflanzen für Ihren Garten

Bitte sehen Sie sich unsere Kulturen an. Ein Besuch lohnt sich!

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Rosen

Nadelgehölze

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Arme und Hände den Schwung nicht stören, diese oben

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Wenn Sie es noch genauer wissen möchten, können Sie z. B.

einen Online-Kurs an der Volkshochschule Brilon-Marsberg-Olsberg

belegen. Die Westheimerin Anna Rasche

zeigt Ihnen die Hula-Hoop-Technik ganz genau und dazu

zahlreiche Work-Out-Übungen.

Viel Spaß dabei! ■

18 - WOLL Sommer 2021


Leben im Sauerland

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

Verlags-Spezial

Mobilität und

Verkehr im Sauerland

WOLL – mit Herz und Hand von

Mobilität 2030 birgt enormes Potenzial Seite 20

Hasse chehört Seite 23

Die Anfänge der Mobilität Seite 24

Level 5 im Sauerland Seite 27

Peter Nürnberger und sein Austin Healey Seite 32

Der Kleinstwagen aus dem Sauerland Seite 35

Die Ruhrtaler Motorenwerke Seite 38

Mitfahrerbänke Seite 41

Tesla und die Stadt Warstein Seite 42

Tweed-Run Seite 44

Anmerkungen zu Mobilität im Sauerland Seite 45

Carsharing Seite 46

Ballonfahrer Daniel Thamm Seite 47

Busfahrerin Pauline Zacharias Seite 48

WOLL Sommer 2021 - 19


MOBILITÄT

2030 BIRGT

ENORMES

POTENZIAL

Mobilitätswende als Herausforderung

und Chance:

Menschen müssen

überzeugt werden

Paul Senske

Hochsauerlandkreis

Die Mobilität gilt als eine der zentralen Herausforderungen

unserer Zukunft. E-Mobilität,

automatisiertes Fahren, Carsharing, E-Bike-

Boom oder intelligente, digitale Vernetzung unterschiedlicher

Angebote zeigen einige Tendenzen, wohin

der Aufbruch in ein neues, multimobiles Zeitalter, das

ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte integriert,

geht. Es zeichnet sich ab, dass die Mobilität

2030 enormes Potenzial birgt - mit der Digitalisierung

als Innovationsmotor. Wichtig ist es, die Menschen an

der „Evolution der Mobilität“ zu beteiligen und sie zu

überzeugen, dass sie von den neuen und nachhaltigen

Modellen profitieren. „Die Mobilitätsangebote werden

vielfältiger und flexibler, der Verkehr emissionsärmer“,

erklärt Jörg Maaß, beim Hochsauerlandkreis zuständig

für Mobilität im Fachdienst Strukturförderung und Regionalentwicklung.

„Es wird ein spannender Prozess.“

Als Prämisse für diesen Prozess gilt es, einen ganzheitlichen

Blick auf die Mobilität zu werfen. „Mobilität ist ein Grundbedürfnis

der Menschen“, so Maaß. Bei der Mobilität geht

es nicht nur um die Möglichkeit, sich von einem zum anderen

Ort bewegen zu können, sondern auch um soziale

Teilhabe und Freiheit des Einzelnen, um Lebensqualität

sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und ländlichen

Regionen. Mobilität mit einer klimafreundlichen, modernen

und leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur ist eine

der Grundvoraussetzungen für Wirtschaftswachstum und

Beschäftigung, auch und besonders für den starken Wohn-,

Wirtschafts- und Tourismusstandort Sauerland, natürlich

auch für die ebenso breit aufgestellte Hellweg-Region.

Soziale, ökologische und

ökonomische Nachhaltigkeit

Die Kommunen vor Ort müssen diesen Prozess, den

Bedürfnissen der Menschen entsprechend, gestalten und

begleiten. Der Kreistag des Hochsauerlandkreises hat 2019

den Nahverkehrsplan 2019 - 2023 beschlossen. „Das Leitbild

zur Weiterentwicklung der Mobilitätsangebote stellt

die soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit

in den Mittelpunkt“, heißt es. Der Erhalt und die langfristige

Sicherung des ÖPNV-Angebots in seiner Grundstruktur

wurden als vorrangiges Ziel formuliert. Zudem

sollen weitere Möglichkeiten zur Entwicklung des Mobilitätsangebotes,

die über 2023 hinausgehen, untersucht

werden, wie der Ausbau der Mobilstationen, die Nutzung

der Digitalisierung zur Fahrgastinformation und für den

Ticketverkauf oder die Einführung eines Qualitätsmanagements.

Der Kreis Soest hat 2018 seinen Nahverkehrsplan

auf den Weg gebracht, der Kreis Olpe zwei Jahre früher.

Der Tenor in allen drei Kreisen: Soziale und umweltverträgliche

Gestaltung des täglichen Verkehrs, Ausbau

des ÖPNV sowie Sicherstellung der Mobilität der Menschen

zum Erhalt der Lebensqualität und Attraktivität der

Wirtschaftsstandorte. Auch die Städte sind aktiv: Soest hat

2016 einen Verkehrsentwicklungsplan verabschiedet, Arnsberg

arbeitet mit einem „Masterplan Mobilität 2030“ als

Klimaschutz-Teilkonzept. Die Stadt Olpe hat die Vision

„Olpe 2030“ als Smart City entwickelt. Umwelt, Mobi lität

und Wirtschaft spielen eine bedeutende Rolle. Olpe als Pionierstadt

entwickelt zudem gemeinsam mit Arnsberg, Bad

20 - WOLL Sommer 2021


Erwartet einen spannenden

Mobilitätsprozess: Jörg Maaß.

Berleburg, Menden, Olpe sowie der

Südwestfalenagentur das Modellprojekt

„Smart Cities, 5 für Südwestfalen“.

Digitalisierung spielt

bedeutende Rolle

Zukunftsforscher sind sich einig,

dass die Mobilitätszu kunft umweltverträglich,

elektrisch, vernetzt und

auto matisiert sein wird. Die Digitalisierung

spielt dabei eine bedeutende

Rolle und eröffnet neue Potenziale.

Das bisher stark habitualisierte werde

sich zu einem multimodalen Verkehrsverhalten

entwickeln. Das gelte

vor allem für junge Menschen. „Die

digitalen Angebote werden vielfältiger

und flexibler, hoffentlich auch

einfacher“, so Jörg Maaß. „Vor allem

die junge Generation ist dafür offen.“

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg

ist die noch für dieses Jahr geplante

Einführung des „eTickets NRW“ für

den ÖPNV. Mit diesem landesweiten

„eTarif NRW“ checkt der Fahrgast

via Smartphone beim Einstieg in Bus

oder Bahn ein und beim Aussteigen

selbst oder automatisch wieder aus.

Der Preis wird nach dem Ausstieg

mit einem Grundpreis und den Luftkilometern

zwischen Start und Ziel

berechnet. Mit dem E-Tarif, der die

bisherigen Tarife ergänzt, entfällt die

umständliche Suche nach einem Anschluss-Ticket

für die Weiterfahrt in

den Bereich des je weiligen anderen

Verkehrsverbundes.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht

das Auto. Jungen Menschen gilt

es zunehmend nicht mehr als Statussymbol.

Carsharing werde auch

in ländlichen Regionen an Bedeutung

gewinnen, heißt es. „So ganz

lässt sich der Indivi dualverkehr mit

dem Auto aber nicht ausbremsen“,

sagte Landrat Dr. Karl Schneider auf

der Europäischen Mobili tätswoche

im September 2019 in Meschede.

„Dafür stellt der Hochsauerlandkreis

als Flächenkreis mit seinem hohen

Mobilitätsbedarf, als Wirtschaftsstandort

und als Naherholungsregion

zu hohe Anforderungen.“

Und wie sieht es mit dem ersten

autonomen Fahrzeug im Sauerland

und in der Hellweg Region aus?

Professor Dr. Christian Kutzera von

der FH Südwestfalen sieht „das Jahr

2025 für haltbar. Beim autonomen

Fahrzeug soll zunächst das Level

3 von insgesamt 5 auf den Straßen

Ford Neuwagen

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WOLL Sommer 2021 - 21


„Die Energie wird teurer, ohne

Energie läuft Mobilität nicht.“

- Jörg Maaß

verfügbar sein.“ Beim Level

3, dem hochautomatisierten

Fahren, übernimmt die Autotechnik

viele Funktionen

selbst. Bei Gefahr oder Systemausfall

kann der Fahrer

eingreifen.

Die neue Mobilität

bedeutet auch einen

Modernisierungsschub

Die neue Mobilität hat

ihren Preis und erfordert

erhebliche Investitionen.

„Die Energie wird teu rer,

Mobilität kann ohne Energie

aber nicht laufen“,

erklärt Maaß. Ausbau der

Radwegenetze, Umrüstung

der Busse auf E-Mobilität,

Ertüchtigung und Elektrifizierung

des Schienennetzes

für Züge, die nicht mehr

mit Diesel fahren: Diese

Maßnahmen stehen u. a. auf

der Investitionsagenda und

bedeuten einen Modernisierungsschub,

der auch die

Wirtschaft ankurbelt.

Bei der Entwicklung der

künftigen Mobilität müssen

auch Tendenzen und Bewegungen

betrachtet werden,

die die Corona-Pandemie

offengelegt hat. Wie sieht

es mit der demografischen

Entwicklung aus? Corona

hat einen Trend zur „Landliebe“

verstärkt und den

ländlichen Regionen mögliche

neue Chancen eröffnet.

Kann zudem durch das verstärkte

Homeoffice der Pendlerverkehr

eingeschränkt

werden? Entstehen entsprechende

neue Arbeits welten?

Kann der Fachkräftemangel

besonders bei den Busfahrern

entschärft werden? Wie

entwi ckeln sich die Innenstädte,

die durch Corona

arg gebeutelt sind? Wie

sieht es künf tig mit den

heimischen Tourismusregionen

aus? Eröffnen sich

angesichts der Tatsache, dass

der internatio nale Flugverkehr

in Turbulenzen ge raten

ist, neue Chancen für die

heimischen Naherholungsgebiete?

„Diese Tendenzen

müssen bei den Planungen

berücksichtigt werden.

Zudem ist der Hochsauerlandkreis

mit seinen unterschiedlichen

Einwohner-Schwerpunkten

nicht

homogen“, betont Maaß.

„Die Angebote müssen der

jeweiligen Region angepasst

werden.“ Für Maaß

wird der Weg zur Mobilität

2030 eine „spannende Zeit“.

Landrat Dr. Karl Schneider

sieht im HSK „einen auf

Maß und Mitte basierenden

Weg zu einem erweiterten

ÖPNV“. Ein Olper Bürger

hat folgende Vision: „Olpe

wird durch alternative

Verkehrsmittel mehr Lebensqualität

erhalten. Es wird

eine mobile Stadt in Form

von elektrischen Bussen und

Shuttlen oder Ähnlichem.

Dörfer werden an Olpe angeschlossen

sein sowie diverse

Sehenswürdigkeiten rund

um den Biggesee.“ ■

22 - WOLL Sommer 2021


Hasse chehört…?

Anke Kemper

ma, Lisbeth, mit wat is denn der Friedel da

chestern durch de Straße jefahren?“

„Sach

„Ach, Fine, dat war doch ein Elektromobil für

Senioren. Da hat er ne Probefahrt mit jemacht.“

„Ja wieso dat denn? Ihr seid doch noch nich alt und außerdem

fahrt ihr Auto.“

„Jau, abba der Friedel iset leid, dat er nich mehr inne

Parklücke passt, wenn er zum Einkaufen fährt. Weißte doch:

Die sind viel zu eng für diese großen Karren alle.“

„Abba ihr fahrt doch nen Polo. Da kommste doch überall

mit inne Ecken.“

„Ja wir, abba de andern nich. Wenn de zwischen zwei so

dicke Karren parkst, kommste auch mit dem Polo nich

mehr chut raus.“

„Haste Töne! Und dann will der Friedel mit son nem Elektromobil

durch de Jegend juckeln? Da kommste ja kaum

mit voran.“

„Macht ja nix. Der hat doch Zeit. Und mit so nem Jefährt

darfste sogar inne Fußgängerzone fahren und dat Beste is:

fast überall parken, sogar im Hausflur!“

„Also, ich weißnich. Wo packt er denn de Einkäufe alle hin?“

„Da chibt et jenuch Zubehör dazu, auch nen Korb, weißte.“

„Und wenn de mal mitwillst?“

„Willichnich. Is nur für den Friedel, damit er weiter cherne

einkaufen chet. Dat iset mir wert. Dann hab ich dat nich

anner Backe und er is ne Weile beschäftigt.“

„Achso, klingt chut. Und wennet regnet, fährst dann du mit

dem Auto.“

„Ja, stimmt wohl. Und im Winter auch.“

„Vergiss nich den stürmischen Herbst und im Frühjahr de

Eisheiligen sind auch nich zu unterschätzen. Da fährt der

Friedel sicher nich los.“

„Ach Fine, du kannst einem abba auch allet madich reden.

Jetzt hatte ich mich mal so jefreut, dat der Kerl ne neue Beschäftijung

hat.“

„Is doch nur ne chut jemeinte Vorwarnung! Weißte Lisbeth,

de cheistige Mobilität is doch imma noch dat Wichtigste,

woll?“ ■

WOLL Sommer 2021 - 23


Die Anfänge der Mobilität im Sauerland

Christel Zidi

Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises & Sammlung Bernd Schulte

Vor der alten Post in Fredeburg

Auto, Bus und Bahn – lau ter

Selbstverständ lichkeiten

im 21. Jahrhundert. Aber

wie sah es vor diesen Erfindungen

aus? Wie kamen die Menschen von

A nach B? Und wann zog die Mobilität,

so wie wir sie kennen, ins

Sauerland ein?

Susi Frank arbeitet als Historikerin

im Archiv des Hochsauerlandkreises

und hat sich für uns

auf die Suche nach den Anfängen

der Mobilität gemacht. Sie hat in

alten Büchern geblättert und in

Urkunden gestöbert und dabei so

einige Schätze ausgegraben.

WOLL: Ein ausreichendes Wegeund

Straßennetz, eine gute Infrastruktur

wie wir es heute nennen,

gab vor dreihundert Jahren im

Sauer land noch nicht…

Susi Frank: Aber ein Wegesystem

fernab der großen Straßen gab es

schon immer. Das waren hauptsächlich

größere oder kleine Trampelpfade,

die schon seit Jahrhunderten

benutzt wurden. Häufig führten die

Pfade auf kürzestem Wege zum Ziel

und waren daher beschwer lich, weil

sie über steile Bergkuppen führten.

Oft waren diese Wege nur zu Fuß

und in den trockenen Sommermonaten

passierbar. Zudem war das Reisen

gefährlich. Im dichten Wald des

Sauerlandes lauerten viele Gefahren

– Räuber, Wildtiere, steile Pfade -

oder man wurde vom schlechten

Wetter überrascht.

Außerdem war Reisen teuer. Es

gab noch keine Banken oder Supermärkte.

Die Menschen mussten

genau planen, wie lange sie unterwegs

sein würden. Bei zehn Tagen

Wanderung brauchte man ca. fünf

Laib Brot oder genügend Münzen.

WOLL: Auch vor mehr als 300

Jahren mussten Waren transpor-

Chaussee bei Nordenau

24 - WOLL Sommer 2021

Wandernder Mausfallenverkäufer in Meschede


tiert werden. Wie haben das die

Sauerländer früher bewerkstelligt?

Susi Frank: In einem Korb auf dem

Rücken oder am Arm. Ab und zu

konnte man auch noch Lastentiere

einsetzen, aber die waren für weite

Strecken ungeeignet oder zu wertvoll.

Falls sie auf einen Räuber treffen,

sind sie nicht nur den Korb los,

sondern auch den wertvollen Esel.

Es gab auch Wanderhändler, die

Kiepenkerle, die in der Nebensaison

durch die Lande zogen und bei den

Bauernfamilien Ware kauften und

verkauften.

WOLL: Aus der Not heraus erfand

der gebürtige Karlsruher Karl

Drais 1817 die „Draisine“, auch

Laufmaschine genannt und Ur-

Form des heutigen Fahrrads. Waren

solche Gefährte auch im Sauerland

unterwegs?

Susi Frank: Draisine oder auch Laufmaschinen

ge nannt, waren im Sauerland

nicht sehr weit verbreitet. Auf

Postkarten aus Arnsberg um 1900

sieht man vereinzelt ei nen Laufmaschinenfahrer.

Aber im Großen

und Ganzen waren die Städte zu bergig.

Auf dem Lande fand das Fahrrad

auch erst Verbreitung, als das Wegenetz

verbessert wurde, also ca. um

1950. Wer einmal über grobes Kopfsteinpflaster

gefahren ist, kann sich

gut ein Bild machen.

WOLL: Wann und wo fuhren die

ersten Postkutschen?

Susi Frank: Hier müssen wir etwas

unterscheiden. Die erste Botenlinie

wurde schon 1601 urkundlich erwähnt.

Ernst von Bayern war Kurfürst

von Köln und Fürstbischof von

Hildesheim. Beide Gebiete verband

er mit einem Botensystem von Köln

– Arnsberg – Lippe – Hildesheim.

Arnsberg wurde als „Botenposten mit

Wechselstation“ betrieben. Auf dieser

Linie wurden allerdings nur Briefe

ausgetauscht. Abseits dieser Linien

hatten die Herrscher wenig Interesse

die Strecken und Wege auszubauen.

Man dachte damals sehr praktisch:

Schlechte Wege halten den Feind

länger auf.

1742 erhielt Arnsberg dann ein offizielles

Postamt, dem die Aufsicht

über die Posthaltereien in Meschede,

Stock um, Werl und über den Brieftransport

von Meschede und Brilon

übertragen wurde. Es wurden zwar

immer wieder Unternehmungen einer

Postkutschenlinie unternommen,

das Postkutschennetz auszubauen,

aber das schwierige Terrain machte

jede Bemühung zunichte.

Nach 1816 übernahmen die Preußen

die Gebiete des Herzogtums Westfalen

und richteten ein preußisches

Postnetz ein. Dazu bauten sie die

Wege und Straßen aus, sodass auch

endlich ein Postkutschenverkehr einsetzen

konnte. Aber dann war Rei sen

immer noch sehr schwierig, weil die

Postkutschen nicht aufeinander getaktet

waren. So mussten die Menschen

beim Umsteigen manchmal

tagelang auf den Anschluss warten.

Die Post besaß bis 1838 das Monopol

zum Personen- und Gütertransport.

Danach wurde der Wettbewerb

auch für die Eisenbahn geöffnet.

WOLL: Wann fuhr die erste Lokomotive

im Sauerland?

Susi Frank: Der erste Bau einer Eisenbahnverbindung

begann 1859

mit der Ruhr-Sieg-Strecke (Hagen

– Siegen). Dadurch wurde das westliche

Sauerland mit dem heutigen

Märkischen Kreis und Kreis Olpe

erschlossen. Davon zweigten verschiedene

Linien ab. Das Hochsauerland

wurde durch die Obere Ruhrtalbahn

(Schwerte – Warburg) ab 1870

an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Winterberg wurde über die

Gasthof Anton Lukas, Endorf,1900.

Der Schlossbergtunnel bei Anrsberg

WOLL Sommer 2021 - 25


Bahnstrecke Nuttlar – Fran kenberg

erst 1906 angebunden. Allerdings

wurden Teile der Strecke 1966 schon

wieder eingestellt. Seitdem ist die

Strecke nach Winterberg ein Ableger

der Oberen Ruhrtalbahn. Wichtig

für den weiteren Ausbau waren allerdings

die privaten Kleinbahnen.

Um den Ausbau auch abseits der

Hauptlinien voranzutreiben und Teil

am wirtschaftlichen Aufschwung zu

haben, schlossen sich zahlreiche Unternehmen

und Privatpersonen zu

Gesellschaften zusammen. So wurde

beispielsweise Neheim ein Bahnknotenpunkt,

da 1898 eine eigene

Strecke Soest-Neheim-Arnsberg (Jägerbrücke)

verband und sogar 1908

noch eine Abzweigung zum Möhnesee

(über Günne) dazu bekam.

Über die Röhrtalbahn wurde 1900

Neheim mit Sundern verbunden.

Eine Wiedereröffnung der Strecke

wird immer mal wieder themati siert.

Weitere wichtige Strecken waren

die Kleinbahn Steinhelle-Medebach

(1902) oder Finnentrop-Wennemen

(1911) und Wenholthausen-Fredeburg

(1911).

Der Ausbrauch des Ersten Weltkrieges

1914 verhinderte den Ausbau

weiterer Strecken. Nach dem Zweiten

Weltkrieg wurden fast alle Kleinstrecken

wieder geschlossen, da sie

unrentabel wurden.

WOLL: Einige Zeit später konnten

die Menschen Busse nutzen …

Susi Frank: Nach dem Zweiten

Weltkrieg erlebte auch das Sauerland

einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Es entstanden Fabriken, zu denen

die Menschen auch hinkommen

mussten. Die Busse deckten neben

der Eisenbahn die notwendige Personenbeförderung.

Zwar gab es

schon vorher Busverbindungen in

das Hochsauerland, aber erst nach

dem Krieg erlebte der Busverkehr

eine Hochzeit. Über Buslinien konnten

die Verkehrsbetriebe flexibler ein

Netzwerk aufbauen als mit dem Zug.

Zwar mussten auch hier erst neue

Strecke einrichtet und asphaltiert

werden, aber diese waren günstiger

als Gleisverbindungen. Bis 1990 beförderten

Busse den größten Teil der

täglichen Pendler und Schüler, daher

wurden von 1960-1990 zahlreich

Kleinbahntrassen stillgelegt.

WOLL: Wo tauchten die ersten privaten

Automobile auf?

Susi Frank: Das erste Automobil, zumindest

im Kreis Meschede, wurde

für die Dienstfahrten des Landrates

Meinulf von Mallinckrodt (Landrat

von 1897 bis 1926) schon im August

1909 angeschafft. In den 1920er

Jahren verbreitete sich das Auto ganz

langsam. So vermietet Heinrich Rosier

in Menden 1927 die ersten Autos.

Leisten konnte sich die meisten

Menschen ein Auto freilich noch

nicht. Erst in den 1960er Jahren war

der Wohlstand so weit gewachsen,

dass ein eigenes Auto erschwinglich

wurde. Die Politik förderte die

Individualmobilisierung durch den

Ausbau von Bundesstraßen und Autobahnen.

Auch die Städte wurden

autogerecht vierspurig ausgebaut,

was wir heute noch in vielen Städten

im Sauerland sehen können. ■

Auf der Eisenbahnverbindung

Finnentrop-Meschede

26 - WOLL Sommer 2021

Busverkehr in Richtung Meschede

Der erste PKW des Kreises Meschede


Gespräch mit Prof. Dr.-Ing.

Kutzera über Autonomes Fahren

LEVEL 5 IM

SAUERLAND?

Christel Zidi

Christian Klett

Dr. 1. September 2017

Ing. Christian Kutzera

lehrt seit dem

an der Fachhochschule Südwestfalen.

Der 40-Jährige ist Professor für Sensorsysteme

und lehrt seine Studenten

die Komplexi tät von Sensoren allgemein

und das „Sehen“ eines Autos.

Er kennt sich auf dem Gebiet „Autonomes

Fahren“ bestens aus.

WOLL: Prof. Kutzera, woher

kommt Ihre Begeisterung für

diesen Fachbereich?

Prof. Kutzera: Ich begeistere mich

allgemein für Autos. So habe ich im

Studium schon Praktika oder Abschlussarbeiten

in der Automobilbranche

absolviert. z. B. habe ich einen

Intentionsschätzer bei Volkswagen

erforscht - ob ein Fahrer gleich abbiegen

oder überholen möchte. Die Abfolge

von Fahrtätigkeiten ist nahezu

gleich. Während meiner Promotion

an der TAU Erlangen in Zusammenarbeit

mit der Porsche AG habe ich

untersucht, wie man Sensoren und Assistenzsysteme

bewerten kann. Wenn

es dafür Regeln und Normen gibt, ist

dies evtl. einfacher als für Systeme,

welche noch nicht standardisiert sind.

Nach der Promotion wechselte ich zur

Daimler AG und war zunächst zustän-

WOLL Sommer 2021 - 27


dig für den Tempomaten in der Sparte VAN. Kurze Zeit

später übernahm ich die Projektleitung für die semi-autonome

Notbremse (ebenfalls bei VAN). Nach einigen

Jahren wechselte ich zur Lippstädter Firma Hella KG und

war als Senior Projektmanager für die Entwicklung eines

Totwinkel-Radars verantwortlich.

WOLL: Mit welchem Bereich be schäftigen Sie sich

speziell?

Prof. Kutzera: In der Lehre bringe ich den Studierenden

die Komplexität des Detektierens und allgemein das

“Sehen” durch Sensoren bei. Im allgemeinen Sinne aber

auch bezogen auf Sensoren mit Einsatz in den Fahrzeugen.

Zudem habe ich eine Vorlesung Regelungstechnik.

Die Sensoren sind zum Teil sehr gut entwickelt und es

finden Anpassungen an individuelle Umgebungen statt.

So wird das “Sehen” heutzutage durch die

Software maßgeblich beeinflusst.

Und die Software muss ebenfalls

entscheiden. So passt

die Vorlesung Regelungstechnik

dazu. Neben

Sensorik behandle

ich das Thema

“Smart Home” an

der Hochschule.

WOLL: Auf

welchem Stand

ist die Technik

und wo gibt es

noch Schwachstellen?

Prof. Kutzera: Die

heutige Technik sowie

Gesetzesregelung

erlaubt Level 2. Schwachstellen:

Bsp.: Heutzutage

werden schon Radar-Systeme

(Radio Detection And Ranging)

zum Abstandhalten oder für Unterstützung

bei Notbremsvorgängen in der unteren Mittelklasse für

wenige hundert Euro Aufpreis angeboten. Diese Sensoren

können jedoch so für ein höheres Level nicht genutzt

werden. Einerseits müssen die Sensoren genauer werden,

andererseits muss auch sehr viel an der Software (Regelsysteme)

mit Unterstützung weiterer Sensoren getan werden.

Neben den bisher bekannten Radarsensoren setzen alle

Automobilzulieferer auf eine Weiterentwicklung von Lidar-Sensoren

(Light Detection and Ranging, quasi wie

ein Radar, jedoch mit Lichtwellen). Lidarsensoren können

die Umgebung derzeit genauer als Radar erfassen, haben

jedoch starke Schwächen bei widrigen Witterungen. So

“sieht” ein Lidar bei Regen kaum etwas - hingegen macht

es dem Radar-System kaum etwas aus. Zudem muss ein

Lidar die Umgebung mit Bewegung abtasten.

Während ein Radar die Umgebung breiter erfasst, misst

ein Lidar i.d.R. einen Punkt und muss dabei hin und her

bewegt werden. Und Bewegung im Automobil bringt

Störungen mit sich und die Lebensdauer der Systeme leidet

darun ter. So forschen die Automobilzulieferer an statischen

Lidar-Systemen. Diese tasten die Umgebung ab,

ohne sich zu bewegen (Solid State Lidar).

WOLL: Es ist viel von geplanten

Teststrecken im Sauerland

die Rede. Wissen

Sie, wann und wo

es denn damit losgehen

soll?

Prof. Kutzera:

Leider weiß ich

nicht, wann es

losgehen soll

und kenne die

Teststrecke nicht

im Speziellen

(Daimler oder

KIT von der UNI-

KA?). Die Meldungen

zur Teststrecke

im Sauerland waren

(zeitlich gesehen) in der

Vergangenheit kontrovers

diskutiert worden oder wurden

korrigiert.

WOLL: Beim Autonomen Fahren – vorausgesetzt, dass

sie gut ausgereift – entfällt die Fehlerquelle menschliches

Versagen. Wie sehr müssen wir uns dann aber vor

dem technischen Versagen fürchten?

Prof. Kutzera: Egal welcher Fehler, dies kann immer unschön

enden. Je höher das Autonomie-Level, desto höher

28 - WOLL Sommer 2021


die Anforderungen an Ausfallrate und desto höher der

Testumfang. Tesla beweist jedoch mit seinen Systemen,

dass, wenn die Systeme eingeschaltet sind und genutzt

werden, die Unfallrate deutlich sinkt.

WOLL: Wann, denken Sie, wird das erste autonome

Fahrzeug im Sauerland unterwegs sein? Sie gaben im

Gespräch mit einem Kollegen von der WP die Jahreszahl

2025 an?

Prof. Kutzera: Die FH-SWF beteiligt sich an einem Projekt

in Iserlohn, bei welchen ein Bus die Studierenden vom

Bahnhof zum Campus befördern soll. Diese Jahreszahl

halte ich für haltbar. Beim autonomen Auto soll demnächst

Level 3 auf den Straßen verfügbar sein. Nicht nur die Hersteller

waren dazu noch in der Ent wicklung, sondern auch

die Gesetzeslage.

WOLL: Viele Menschen lieben es, ihr Auto zu fahren

und zu steuern. Denen wird doch etwas genommen.

Welchen Ersatz bekommen sie dafür?

Prof. Kutzera: Ich denke, dass das Autofahren sich auf

jeden Fall wandeln wird. Denken wir so auch an die

Fahrschule. Was muss der Fahrzeugführer noch mit sich

bringen? Die Fahraufgabe wird mehr eine “Aufpasserrolle”

am Steuer sein. Da es sich aber noch lange Zeit um Assistenzsysteme

handeln wird (Betonung auf Assistenz),

da die Fahrzeugführer eben ungern die Fahraufgabe “aus

den Händen” geben möchten, wird der Übergang zum gezwungen

autonomen Fahren noch lange dauern. Die Infrastruktur

muss auch angepasst werden, was auch lange

dauern kann.

WOLL: Selbstfahrende Autos sind eine Form der künstlichen

Intelligenz, die ständig dazulernen muss, speziell

wenn es um die unterschiedlichsten Gefahrenbereiche

geht. Und auch eine ethische Komponente kommt hinzu.

Wie entscheidet das Autohirn, wenn es z. B. darum

geht, entweder die Insassen zu schützen oder Kinder,

die plötzlich auf die Straße zu rennen?

Prof. Kutzera: Moralisches Dilemma: Die Ethik-Kommission

hat hier klar Stellung bezogen: Bei unausweichlichen

Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen

Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder

geistige Konstitution) strikt untersagt. So wird nicht nach

Alter, Geschlecht, Führungszeugnis etc. unterschieden.

Wenn dies möglich ist, wird in dieser beispielhaften Situation

das Auto ausweichen und versuchen die Kinder

zu schützen. Wenn ein Spurwechsel nicht möglich ist,

WOLL Sommer 2021 - 29


wird es in der eigenen Spur bremsen.

Dies erfolgt dann nach den Grenzen

der Physik. Ein Programmierer muss

sich bewusst sein, dass man im Code /

beim Programmieren also schon vorab

entscheidet, wie das Auto in gegebenen

Situationen reagieren wird.

WOLL: Und wer haftet, wenn es

doch zum Unfall kommt?

Prof. Kutzera: Hier ist eine Gesetzesänderung

erforderlich. Wenn ein

Fahrzeugführer nicht selbst bremsen

und/oder den Schaden nicht verursachen

würde, ist laut aktueller Rechtslage

die Situation sehr diffus.

WOLL: Thema Datensicherheit:

Was zeichnen solche autonomen

Fahrzeuge von den Insassen auf?

Wer fährt wann wohin? Über was

haben sich die „Fahrgäste“ unterhalten?

Prof. Kutzera: Hier gilt es stark in die

Datenschutzerklärung und AGBs der

Fahrzeughersteller zu schauen. Bsp.

bei meinem Fahrzeug: Ich habe zwei

Schlüssel und jeder Schlüssel ist auf

die Bedürfnisse wie Sitzposition, Klimaanlage

und vieles mehr Individuelle

auf mich oder meine Frau anpassbar.

Zudem lässt sich das Fahrzeug via

Handy-App bedienen. So sind viele

Rückschlüsse schon heutzutage personalisiert

machbar.

Man kann bspw. auch seine Log-in

Daten in ein Miet fahrzeug eingeben

und dies passt sich dann ebenfalls an

den Fahrzeugführer an. @unter halten:

nahezu jeder Fahrzeughersteller bietet

in modernen Fahrzeugen auch

Sprach assistenten oder Assistenten

zum Nachinstallieren wie Google Assistent,

Siri oder Alexa an.

DIE FÜNF LEVEL ZUM

AUTONOMEN FAHREN

Level 1 - Assistiertes Fahren

Assistenten geben Hinweise und unterstützen den Fahrer.

Beispiel Notbremsassistent.

Level 2 - Teilautomatisiertes Fahren

Computer übernimmt einzelne Fahrmanöver –

Fahrer übernimmt weiter die Überwachung und kann eingreifen

(z.B. Spurhalteassistent mit Gegenlenkfunktion)

Level 3 - Hochautomatisiertes Fahren

Autotechnik übernimmt viele Funktionen selbst, bei Gefahr oder

Systemausfall kann der Fahrer eingreifen.

Level 4 - Vollautomatisiertes Fahren

Das Auto manövriert komplett selbständig in Parkhäusern oder

auch über längere Strecken auf der Autobahn. Der Fahrer kann die

Fahrzeugführung abgeben und zum Passagier werden.

Level 5 - Autonomes Fahren

Das Auto fährt komplett selbständig - ohne Fahrer, Lenkrad und Pedal.

WOLL: Wenn ein Fahrzeug keinen Fahrer mehr benötigt, entfallen

zwangsläufig viele Berufe: Busfah rer, LKW-Fahrer, Fahrerlehrer und

Verkehrspsycho logen (kein Führerschein mehr nötig?). Sollten diese

Berufsgruppen besser so langsam umschulen?

Prof. Kutzera: Nein, ich denke hier ist keine “Panik” geboten. Meines Erachtens

werden die Berufe jedoch be stimmt angepasst. So hat ein heutiger Berufskraftfahrer

die nötige Erfahrung, um die Fahrzeuge in der Nutzung und im

Verhalten zu beurteilen. Evtl. könnte ein Fahrzeug führer mehrere Fahrzeuge

aus der Ferne fahren bzw. kontrollieren.

WOLL: Fahren Sie gern Auto? Auf welchem Level ist Ihr PKW?

Prof. Kutzera: Ja, jedoch nicht gerne lange Strecken. Diese finde ich anstrengend/belastend

und hoffe auf baldige Unterstützung durch weitere moderne(re)

Systeme.

Ich habe ein nagelneues Auto / aktuelles Modell mit allen Assistenz systemen,

welche es in dieser Fahrzeugkategorie zu bestellen gab. Das Auto ist auf Level 2.

Das Auto kann somit Quer- und Längsregelung übernehmen, ich muss jedoch

stets die Hände am Lenkrad haben und ggf. die Kontrolle übernehmen. ■

30 - WOLL Sommer 2021


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WOLL Sommer 2021 - 31


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Wie Peter Nürnberger einen schrottreifen Oldtimer in einen spritzigen

Sportwagen verwandelte Sonja Nürnberger S. Droste

Es der ich stehe, ist mir nicht

riecht nach Motoröl und

Autolack. Die Garage, in

unbekannt. Denn heute besuche ich

meinen Bruder in Arnsberg, um mit

ihm über das Auto zu sprechen, an

dem er die letzten fünf Jahre herumgebastelt

hat. Ein Austin Healey Sprite,

ein kleines englisches Cabrio. Ich

erinnere mich noch gut daran, wie es

aussah, als es bei ihm eingezogen ist

– jetzt ist es kaum wiederzuerkennen.

Die Leidenschaft fürs Basteln hat Peter

(33) schon früh entdeckt: Zunächst

war es eine ausgeprägte Affinität zu Legosteinen,

etwas später ferngesteuerte

Modellflugzeuge, die Simson Schwalbe

des Nachbarn, dann eine Suzuki. Aber

irgendwann musste ein größeres Projekt

her, etwas mit vier Rädern. Es dauerte

eine Weile, bis er das richtige Auto für

sich gefunden hatte: Schließlich entschied

er sich für den Austin Healey, einen

kleinen, leichten Sportwagen, Baujahr

1965. Fündig wurde er im Sommer

2016 in einer Scheune bei Paderborn.

Learning by doing

Es dauerte nicht lange, da stand das

Auto in seiner Einfahrt. Der Zustand:

desaströs – wie desaströs, merkte er erst,

als er mit der Restauration begann. „Es

war ein absoluter Schrotthaufen, aber

ich hab mich einfach verliebt und hab

nicht so genau hingeguckt“, erklärt Peter.

Die Räder waren noch dran, aber alles

andere war ausgebaut und in Kisten

verpackt.

„Ich habe das Auto dann komplett zerlegt

und in ein Rotationsgestell, das ich

auch selbst konstruiert habe, eingebaut

– wie so ein Spanferkel kann man sich

das vorstellen.“ Allein die Schweißarbeiten

haben drei Jahre gedauert. Am Auto

war vorher schon gearbeitet worden –

und das nicht zu seinem Vorteil. Dass

es so lange gedauert hat, liegt zum einen

daran, dass diese Arbeiten extrem auf­

32 - WOLL Sommer 2021


„Manche Sachen muss man eben auch ein zweites

Mal machen, wenn es beim ersten Mal nicht so

klappt, wie man das will – vielleicht auch ein

drittes Mal.“ - Peter Nürnberger

wändig sind und die Ersatzteile, die aus

England geliefert werden mussten, häufig

eine ganze Weile bis nach Deutschland

brauchten, zum anderen natürlich

aber auch daran, dass Peter noch mit

dem Studium und dem Referendariat

als angehender Berufsschullehrer beschäftigt

war.

Denn irgendwo gelernt hat Peter nichts

von dem, was er da gemacht hat – vom

Schweißen über die Lackierung bis zum

Beziehen der Sitze hat er sich alles selbst

beigebracht. Das gab Blasen an den

Händen und Muskelkater in den Armen,

aber das Ergebnis kann sich sehen

lassen. „Ich habe das alles über You­

Tube-Videos gelernt und dann natürlich

in der Praxis. Manche Sachen muss man

eben auch ein zweites Mal machen,

wenn es beim ersten Mal nicht so klappt,

wie man das will – vielleicht auch ein

drittes Mal.“ Nur bei der Überholung

der Technik musste er sich dann doch

Hilfe holen. Hier konnte

er auf die tatkräftige

Unterstützung zweier

erfahrener Bekannter

zählen, deren Herz

ebenfalls für alte englische

Autos

schlägt.

Nach fünf Jahren geht’s

endlich auf die Straße

Genau sagen kann er es nicht, aber

wahrscheinlich sind es mehr als 2.000

Arbeitsstunden, die er in seinen Oldtimer

gesteckt hat. „Auf der einen Seite

bin ich natürlich auch etwas traurig,

dass es nun vorbei ist, weil es sehr viel

Spaß gemacht hat und ich so viel dabei

gelernt habe, aber andererseits bin ich

gerade auch sehr froh, weil ich natürlich

auch endlich damit fahren möchte.

Und das kurvige Sauerland eignet sich

perfekt dafür.“ Ob er es wieder machen

würde? „Jetzt würde ich sagen nein,

aber in ein paar Monaten sieht das sicher

schon wieder ganz anders aus“, sagt

Peter und schmunzelt. Jetzt geht’s aber

erstmal auf die Straße, unser schönes

Sauerland erkunden. ■

WOLL Sommer 2021 - 33


34 - WOLL Sommer 2021

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Der Kleinschnittger F125 beeindruckt auch heute noch in Form und Schnittigkeit.

Der Kleinstwagen aus dem Sauerland

KLEIN, SCHNITTIG, KLEINSCHNITTGER

Petra Kleine

sabrinity und privat

Paul Kleinschnittger wurde 1909 in Hoppecke geboren. Er träumte, wie viele Deutsche seinerzeit, den Traum

von bezahlbarer Mobilität auf vier Rädern. Bereits vor dem 2. Weltkrieg machte sich der als Ingenieur arbeitende,

begeisterte Tüftler daran, selbst einen erschwinglichen, aber trotzdem modernen, schicken Kleinstwagen

zu entwickeln.

Paul Kleinschnittger lebte zwischenzeitlich in Norddeutschland,

unweit eines ehemaligen Militärflughafens,

auf dem gesprengte Flugzeugwracks lagen. Dort schaute er

nach verwertbaren Teilen und es entstand dann bis nach

Kriegsende ein erster Prototyp, der hauptsächlich aus

Wrack- und Motorradteilen bestand. Im ersten Anlauf gab

es noch keine Windschutzscheibe, später wurde eine aus

der Junkers Ju eingesetzt. Schweinwerfer gab es nur einen

mittig, Blinker (damals Winker) fehlten ganz.

Alles wurde in extremer Leichtbauweise gefertigt, so dass

der Wagen nur 150 kg wog und einen Verbrauch von unter

drei Liter für 100 km hatte. Jedoch musste man für den

Gegenwert eines Liters von dem Gemisch auch eine halbe

Stunde arbeiten. „Der Zwei-Takter zog kleine blaue Wölkchen

hinter sich her. Während die einen darüber die Nase

rümpfen, ist es für den Fan das reinste Parfum,“ erklärt

mir ein Oldtimerfreund. Da kein Rückwärtsgang verbaut

war, musste man aussteigen, das Auto anheben, es in die

andere Richtung drehen und weiter ging es. „Ein beliebter

Scherz war es, das geparkte Auto anzuheben und mal eben

ein paar Meter weiter neu zu parken, zur Überraschung des

Besitzers“, erfahre ich weiterhin.

Auch wenn nicht die gesamte Familie hineinpasst, der Kleinschnittger erfüllte

den Traum von komfortabler Mobilität in den Nachkriegsjahren.

WOLL Sommer 2021 - 35


Georg Jakobys Herz schlägt für schöne Oldtimer!

In diesem kleinen Heimwerker-Paradies versetzt Georg Jakoby

seinen F125 wieder in perfekten Zustand.

Der Kleinschnittger wurde ähnlich

einem Handrasenmäher mit einem

Seilzug gestartet. Er war sehr einfach

in der Wartung und besaß günstige

Ersatzteilpreise. Bei einem defekten

Gummiring konnte man zur Not auf

einen Gummiring vom Weck-Glas

ausweichen. Alles sollte erschwinglich

sein und trotzdem den Komfort eines

Autos bieten.

Kleinschnittger erregte mit seinen

Plänen sofort mediale Aufmerksamkeit,

aber es blieb ein weiter Weg vom

ersten Prototyp bis zur Serienreife.

Auch der TÜV musste erst überzeugt

werden.

Ein „Volkswagen aus

dem Sauerland“?

In seiner Überlegung, wo das Autowerk

entstehen sollte, kam Kleinschnittger

auf seine Heimat zurück, da

hier bereits viele Automobilzulieferer

ansässig waren. In Arnsberg bot man

ihm dann die Gelegenheit, ein Werk zu

errichten, in dem rund 50 Mitarbeiter

mit viel Handarbeit ab 1950 die ersten

Automobile bauten. Ein Geldgeber

war jedoch vonnöten, um dies Projekt

zu stemmen. Die Presse jubelte

ob des „Volkswagens aus dem Sauerland“,

aber es wurde sehr schwer, sich

auf dem Markt durchzusetzen. Die

Ansprüche der Menschen wuchsen in

der Wirtschaftswunderzeit rasant und

Konkurrenten wie Isetta, Goggomobil

und Lloyd setzten frühzeitig auf mehr

Komfort bei nahezu gleichem Preis.

Ein Visionär und Sauerländer

Kleinschnittger war ein Visionär mit

großem Können, aber auch ein echter

Sauerländer Dickschädel, der

nicht unbedingt auf wohlgemeinte

Kritik hörte. Als sein Geldgeber ausstieg

und auch die Hausbank ihr Geld

zurück verlangte, wurde es sehr eng

für das junge Unternehmen. Nach

rund 2.000 produzierten Wagen verschiedener

Modelle musste Kleinschnittger

1957 Insolvenz anmelden.

Da er zumindest noch Ersatzteile

aus der Konkursmasse kaufen konnte,

gelang es ihm, sich noch zehn Jahre

mit Ersatzteilgeschäften über Wasser

zu halten.

Paul Kleinschnittger starb 1989 in

Bontkirchen, nur wenige Kilometer

entfernt von seinem Geburtsort. Auf

seinem Grabstein war ein stilisiertes

Kleinschnittger-Mobil, das an sein

Lebenswerk erinnern sollte.

Einige Exemplare gibt

es heute noch

Viele Menschen hat sein Kleinstwagen

begeistert, nicht nur in den 1950er

Jahren. Einige liebevoll gepflegte Exemplare

existieren heute noch. So

bin ich mit Rudi Heppe (61) aus

Radlinghausen zu seinem Oldtimerfreund

Georg Jakoby (65) direkt über

die Kreisgrenze nach Bad Wünnenberg-Fürstenberg

gefahren. Dort steht

ein originaler Kleinschnittger F125,

den Jakoby kürzlich erstanden hat und

der nun mit größter Sorgfalt wieder

hergerichtet wird.

Die Augen der Männer strahlen, wenn

sie gemeinsam über das Auto fachsimpeln

und das eine oder andere Anekdötchen

erzählen von diesem kleinen

Floh. „Ausfahrten machen wir nur

kleine, gemütliche,“ verrät mit Jakoby.

„Er kommt dann so auf Tempo

50, es sein denn, man hat Gegenwind,

fährt bergauf oder hat einen Passagier

an Bord.“ „Die Menschen schauen

begeistert hinter dem Wagen her“,

schwärmt Heppe. „weicht er doch so

stark in Form und Größe von dem ab,

was aktuell gebaut wird!“ ■

36 - WOLL Sommer 2021


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Katharina Nübold kümmert sich

gemeinsam mit ihren Kollegen

intensiv um die Auszubildenden

von HOPPECKE

HOPPECKEs Nachwuchs darf

relativ schnell viel Verantwortung

im Tagesgeschäft übernehmen

Elektrische Energie wird überall benötigt - dabei

unterstützen die Batteriesysteme von HOPPECKE

Der größte Hersteller von Industriebatterien in europäischer Hand bietet

seinem Nachwuchs spannende Ausbildungsmöglichkeiten im Sauerland

Inga Bremenkamp sabrinity

„W

ir machen Energie

mit unseren Produkten

und Lösungen in

den unterschiedlichsten Bereichen

und Branchen verfügbar“, sagt Katharina

Nübold, die seit 2018 den

Ausbildungsbereich von HOPPECKE

in Brilon leitet. „Unsere Batterie kommen

u.a. in Flurförderzeugen, z.B. in

Gabelstaplern, zum Einsatz und bewegen

Ware von A nach B. Sie sorgen

für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung

und garantieren zum Beispiel

in Falle eines Stromausfalls in

einer U-Bahn, dass die Klimaanlage

weiterhin funktioniert und sich die

elektrischen Türen öffnen. Genauso

wichtig sind unsere Systeme aber auch

an Flughäfen, in Industrieberieben

oder Krankenhäusern in denen eine

gesicherte Stromversorgung Leben retten

kann“, führt die Diplom-Pädagogin

fort.

HOPPECKE zählt mit über 2.000 Mitarbeitern

weltweit und 800 Mitarbeitern

vor Ort in Brilon innerhalb der Branche

zu einem der stärksten Unternehmen in

Europa. „Wir sind sehr familienorientiert

und regional verbunden“, erklärt Katharina

Nübold, die sich gemeinsam mit

ihren Kollegen intensiv um die Auszubildenden

von HOPPECKE kümmert.

„Wir können sehr individuell auf die

Fähigkeiten und Wünsche unserer Auszubildenden

eingehen. Wir haben mit

unseren 23 Tochtergesellschaften weltweit

viele Möglichkeiten, unsere jungen

Mitarbeiter zu fördern. Immer wieder

sind unsere Auszubildenden weltweit

unterwegs, um bestimmte Fachthemen

vorzustellen und zu vertreten“, berichtet

die 36-Jährige, die stolz darauf ist, dass

HOPPECKEs Nachwuchs relativ schnell

viel Verantwortung im Tagesgeschäft

übernehmen darf. „Unsere Auszubildenden

durchlaufen viele verschiedene

Abteilungen und profitieren von flachen

Hierarchien. Unsere Geschäftsführer

sitzen nicht im Elfenbeinturm, sondern

sind sehr nahbar. Das macht die ganze

Atmosphäre sehr angenehm“, sagt Katharina

Nübold.

„Uns ist wichtig, dass wir keine Masse,

sondern sehr gezielt ausbilden und immer

das Ziel verfolgen, unsere Auszubildenden

nach ihrem Abschluss zu übernehmen“,

versichert Katharina Nübold,

die jährlich etwa 13 neue Auszubildenden

in Brilon begrüßen darf. ■

Ausbildungsberufe

von HOPPECKE

• Industriemechaniker m/w/d

• Elektroniker m/w/d

• Industriekaufleute m/w/d

• Werkzeugmechaniker m/w/d

• Fachinformatiker m/w/d

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Duale Studiengänge

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Hier geht’s zum Video:

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Bontkirchener Straße 1

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WOLL Sommer 2021 - 37


Durch die tiefsten Schlaglöcher -

und dann ab nach Mexiko

Die Ruhrtaler Motorenwerke RMW Markus Weber privat

H

eute schon fast vergessen,

spielten die „RMW-Motorradwerke

GmbH Neheim-Hüsten“,

so der vollständige

Name, von 1926 bis 1957 eine

wichtige Rolle in der auch im Sauerland

immer weiter wachsenden

Industrialisierung, verriet uns Peter

Kleine vom Heimatbund Neheim-Hüsten.

„Wer heute wie selbstverständlich im

Internet surft, kann sich kaum vorstellen,

welche Umwälzungen die reale

Überwindung von Zeit und Raum

durch Eisenbahn, Auto, Flugzeug und

nicht zuletzt das Motorrad bedeutete“

heißt es in der Einführung einer

vor 20 Jahren herausgegebenen Arnsberger

Publikation zu den Ruhrtaler

Motorenwerken RMW. Während der

Autoverkehr seit den 1920er Jahren

unaufhörlich wuchs, fanden durch

das Motorrad auch weniger begüterte,

häufig junge Menschen so den Einstieg

in die Motorisierung. Etwa um 1922

entstand in Neheim - wie an vielen anderen

Orten in Deutschland auch - aus

einer Fahrrad produktion („BLEHA“)

eine Motorradfertigung. Und zwar im

Süden der Stadt, an der Langen Wende.

Zunächst waren die Motorräder nichts

anderes als Fahrräder mit Hilfsmotor,

aber schon 1926 wurde damit begonnen,

auf geschmiedete Rahmen

umzusteigen und ein Dreiganggetriebe

einzubauen. Die „RMW-B2“ von 1926

mit Zweitaktmotor, 121 ccm und drei

(!) PS war das erste von insgesamt fast

50 Modellen, die die Neheimer Werke

bis 1957 verließen.

Der Einfahrer

Aber wie fuhren solche Motorräder

von anno dazumal eigentlich? Hierzu

gibt es einige wunderbare Anekdoten;

wir springen kurz in die 50er Jahre:

Willi Bauerdick, Monteur und „Einfahrer“

bei RMW 1950 -1953, berichtete

im Jahr 1999: „Einfahren

hieß, die Maschine lockermachen. Erst

38 - WOLL Sommer 2021


langsam (…), dann der vierte Gang

mit Vollgas. Bis an den Klemmpunkt.

Hier hörte man ein Klingeln. Motor

abstellen, fünf Minuten warten und

das Gleiche noch einmal, bis der Motor

frei lief. Verpasste man den Klemmpunkt,

blockierte der Motor und ein

Sturz über die Lenkung war sicher - ich

habe genug Stürze hinter mir! Bis dahin

war die Maschine in der Federung

noch kno chenhart. Jetzt ging es auf

der Langen Wende durch die tiefsten

Schlaglöcher. Immer wieder auf den

Rasten stehend, bis die Federung weich

wurde.“ Nach dieser Prozedur kam die

Maschine in den Verpackungsraum,

wurde geputzt und verpackt, danach

per Hand zum Bahnhof geschoben.

Manchmal aber auch - heimlich - gefahren,

„mit Verpackung, so schnell

wurde der Auspuff auch nicht heiß.“

Angekommen sind wohl doch alle Motorräder

- bis nach Mexiko und Uruguay

wurde in der Blütezeit exportiert.

Zurück zu den Anfängen

Nachdem RMW Ende der 20er Jahre

eigene Motoren baute und sich mit

einfachen, aber robusten Maschinen

zum günstigen Preis am Markt präsentieren

wollte, musste preiswert in Serie

produziert werden. Die riesigen Räumlichkeiten

(ca. 3.000 qm Nutzfläche)

an der Langen Wende wurden konsequent

umgebaut, ein Lastenaufzug bis

unters Dach und sogar ein Montageband

eingebaut.

Die Motorradproduktion stieg in

den 20er Jahren in Deutschland

explosions artig an, aus dem Luxusobjekt,

das das Motorrad vor dem 1.

Weltkrieg gewesen war, wurde langsam

ein Gebrauchsgegenstand, für viele

Menschen bezahlbar.

Eine neues Label

Die Weltwirtschaftskrise machte dann

auch vor der Motorradproduktion

in Deutschland nicht halt. Nach ca.

195.000 produzierten Motorrädern im

Jahr 1929 wurden im Jahr 1932 noch

ganze 36.262 gebaut. Die RMW verkauften

ihre Motorräder inzwischen

unter einem neuen Label: “Phönix“.

Nach der Machtübernahme durch die

Nationalsozialisten werden Organisationen

wie etwa das Nationalsozialistische

Kraftfahrer-Korps (NSSK)

geschaffen, die Rahmenbedingungen

für die Produktion in Neheim ändern

sich, wenn auch unter dunklen

Vorzeichen, zunächst positiv.

Ein weiterer Gebäudekomplex an

der Langen Wende wird als „Werk

II“ in die Firma eingebunden, und

1936/1937 wird schließlich die insgesamt

10.000te Maschine gefertigt

- im Vergleich zu Marktführern wie

Zündapp (200.000 Maschinen von

1921 - 1938) waren die Sauerländer allerdings

doch eher bescheidene „Player“

auf dem Motorrad-Markt. Die

Motorräder wurden teilweise direkt ab

dem Neheimer Werk vertrieben, ansonsten

setzt man auf Fachhändler. Aus

heutiger Sicht sicher ungewöhnlich:

Die Händler organisierten selbstständig

Werbefahrten und nahmen sogar

an Touren und Rennen teil, schalteten

Anzeigen und klebten Plakate, um den

Vertreib anzukurbeln. Vertriebspartner

gab es unter anderem in Bielefeld,

Siegen, Dortmund, Münster, Bremen,

Mannheim und Dresden.

WOLL Sommer 2021 - 39


Massive Umwälzungen

Aus Liebe zum Automobil.

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Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegs zeit bringen, wie für

wohl alle Wirtschaftsunternehmen Deutschlands, auch

für die RMW massive Umwälzungen mit sich. 1940 muss

die Motoradproduktion eingestellt werden, stattdessen

werden für die Wehrmacht Motorräder repariert, für andere

Unternehmen Flugzeugteile gedreht. 1943-1945 diente

das Werk II als Unterkunft für russische und polnische

Zwangsarbeiter. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass

für eine Fortführung der Motorrad produktion erhebliche

Investitionen und technische Entwicklungen notwendig

waren; dies scheiterte jedoch maßgeblich an Firmengründer

Karl Haardt, der auch im hohen Alter alleine entscheiden

möchte. Vorschläge seines Sohnes Karl, in die aufblühende

Nehei mer Leuchtenindustrie zu investieren, werden abgelehnt.

Ein Moped („Phönixchen“) wurde entworfen, eine

Kooperation mit dem Arnsberger Kleinstwagenhersteller

„Kleinschnittger“ angeleiert - es half nicht, 1952 bzw. 1953

musste die Produktion eingestellt werden.

Und das riesige Firmen-Gelände an der Langen Wende?

Zunächst von einem Leuchtenhersteller und sogar einem

Getränkemarkt genutzt, fällt der imposante Komplex in

den Jahren 1982-1987 schließlich dem Neubau der Autobahn

A 445 zum Opfer.

Heute erinnert in der Langen Wende nichts mehr an die

Ruhrtaler Motorenwerke, die im Rückblick betrachtet ein

interessanter Teil der Sauerländer Industrie-Geschichte sind.

Überlebt haben allerdings einige bis heute liebevoll gepflegte

Prachtstücke aus der Motorrad-Produktion, einige davon

sogar an ihrem “Geburtsort“ Neheim! ■

Die Endmontage der Phönix

erfolgte zeitweise auch in

Eslohe-Wenholthausen.

40 - WOLL Sommer 2021


Mobil auch ohne Auto

und Führerschein

Mitfahrbänke in Rüthen

Christel Zidi

E

in Sonntagnachmittag auf dem Land – und der

letzte Bus ist Ihnen gerade vor der Nase weggefahren.

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Nervig, wenn

dann so einige Fahrzeuge aus Ihrem Wohnort vorbeifahren

und sie doch eigentlich mitnehmen könnten. Die meisten

dieser Fahrer werden aber denken, dass Sie auf jemanden

warten – oder Ihr Bus gleich kommt … Angesichts dieses Szenarios

fragt man sich, warum es „Mitfahrbänke“, wie sie im

Frühjahr in Rüthen aufgestellt wurden, nicht schon viel länger

gibt.

Eine Gruppe engagierte Bürger aus dem Raum Rüthen-Warstein

hat sich den Klimaschutz auf ihre Fahnen geschrieben. Schon ihr

Name sagt alles über ihr Anliegen: Klimaschutz – hier und jetzt.

Eine Arbeitsgruppe dieses Bündnisses widmet sich der Mobilität.

Dass es dabei nicht immer um Elektromobilität gehen muss,

haben sie mit ihrem jüngsten Projekt bewiesen: zwei „Mitfahrerbänke“

sorgen für Mobilität – auch ohne Führerschein und

eigenes Auto.

Hanna Hentschel ist eines der Mitglieder und hat uns den

Grund für die Aufstellung dieser beiden Bänke genannt: „Mit

unserer Klimagruppe haben wir überlegt, wie mehr Menschen

auf ihr Auto verzichten können und wir die Erreichbarkeit

der umliegenden Dörfer verbessern können.“ Vorbild

für die Gruppe war ein Nachbarort, der bereits

eine Mitfahrbank aufgestellt

hatte. „Wir wollten zusätzlich zum öffentlichen Nahverkehr ein

Angebot schaffen, vor allem für Jugendliche oder auch ältere

Menschen, die kein Auto mehr fahren.“

Im März wurden zwei Bänke aufgestellt, die mehrere Orte erreichen

und mit einem Schild ausgewählt werden. Bezuschusst

wurde die Aktion durch einen Heimatscheck der Stadt Rüthen.

Mit dieser Maßnahme ist es jetzt möglich, die Erreichbarkeit

zwischen den Ortschaften zu verbessern. Zum einen zu den angrenzenden

Dörfern rund um Rüthen und zum anderen, um die

Wege zu den nahegelegenen Städten Warstein und Lippstadt zu

verkürzen.

Mitfahrbänke sind vor allem da sinnvoll, wo das Bus- oder Bahnliniennetz

nur unzureichend ist, also überwiegend in kleineren

Ortschaften oder entlegen liegenden Städten. Die Kommunikation

ist einfach: Die Bänke sind entsprechend gekennzeichnet

und wer darauf Platz nimmt, signalisiert, dass er mitgenommen

werden möchten. Die Beteiligten können

anschließend selbst entscheiden, ob sie eine

Mitfahrgemeinschaft bilden möchten.

Mitfahrerbänke haben bereits auch in

anderen Orten des Sauerlandes Schule

gemacht, zum Beispiel in Arnsberg-Voßwinkel,

in Niedermarsberg und in

Willingen-Eimelrod. ■

MITFAHRBANK

WOLL Sommer 2021 - 41


Zwei Vorreiter in Sachen Elektromobilität

TESLA UND DIE

STADT WARSTEIN

Christel Zidi

Warstein hat bundesweit

die größte Ladepunktdichte

pro Einwohner

Manchmal reicht ja eine

Überschrift, um ein

Gerücht in die Welt zu

setzen. Deshalb gleich vorweg: Nein,

Tesla hat nicht vor, ein Werk in

Warstein zu bauen. Trotzdem gibt es

etwas, das beide gemein haben: Sie

sind Vorreiter in Sachen Elektromobilität.

Der eine weltweit, der andere

– zumindest in einem Berei ch – sogar

bundesweit.

Die Elektromobilität ist weltweit auf

dem Vormarsch. Auch im Sauerland

steigt sie stetig an. Damit das so weitergehen

kann, ist es wichtig, dass es

genügend Ladepunkte und damit eine

gut ausgeprägte Lade-Infrastruktur

gibt. Eine Stadt sticht dabei besonders

hervor, erfahren wir von Warsteins

Wirtschaftsförderer Dirk Risse: „Gemessen

an der Einwohnerzahl haben

wir damit weiterhin die wohl größte

Dichte an Ladepunkten bundesweit.

Und weitere sind in Planung.” Genauer

gesagt, sind das aktuell 28 Ladepunkte,

also ein Ladepunkt pro 879 Einwohner

(IT NRW vom 30.06.2020).

Wenn der Wirtschaftsförderer Risse

davon überzeugt ist, “dass die Stadt

Warstein mit ihrem Ladesäulenkonzept

auf dem richtigen Weg ist”,

hat er sicherlich recht. Denn die Elektromobilität

ist ganz klar auf dem Vormarsch.

Schon in 2019 wurden z. B.

in Norwegen bereits mehr Elektroautos

als solche mit Verbrennungsmotor

zugelassen. Auch im Sauerland steigen

die Zahlen: Während im HSK mit

Stand vom 31.12.2012 gerade mal

19 reine Elektrofahrzeuge angemeldet

wurden, waren es 2020 (Stand:

31.10.2020) bereits 802. Bei den

Hybridelek trofahrzeugen gab es mit

Stand vom 31.12.2012 107 Anmeldungen,

bis zum 31.10.2020 schon

2.254 (Quelle: Pressestelle HSK).

Apropos Tesla. Dieser Name wird

zwangsläufig mit Elektroautos verbunden.

Wer aber war der Namenspatron

Tesla eigentlich? Werfen wir doch mal

einen Blick auf sein Leben:

Nikola Tesla: Ein Leben

in Widersprüchen

So manch einer, der einem Straßenarbeiter

bei der Arbeit zusieht, fühlt

sich gesellschaftlich überlegen. Mal

abgesehen davon, dass jede ehrliche

Arbeit Respekt verdient, sei es der

Müllmann, die Reinigungsfrau oder

Fließbandarbeiter, kennen wir nur

selten die Geschichte der Menschen,

42 - WOLL Sommer 2021


Zufriedenheitsabfrage 2019 bei Kunden Freier Werkstätten.

Durchgeführt von Mister A.T.Z. GmbH, 58313 Herdecke · www.werkstatt-des-vertrauens.de

die dort am Straßenrand ihre Arbeit

verrichten. Im Frühjahr 1887 war es

Nikolas Tesla, der als Tagelöhner im

Straßenbau in New Jersey arbeitete.

Der Sohn eines serbisch-orthodoxen

Priesters aus Kroatien studierte zunächst

Maschinenbau. Im ersten Jahr

an der Hochschule war er noch Feuer

und Flamme für sein Studium, dann jedoch

nahm sein Interesse ab. Nachdem

er die Studiengebühren nicht mehr

bezahlt hatte, wurde er exmatrikuliert.

Später arbeitete er in Slowenien,

Tchechien, Ungarn und Paris, bis es

ihn, der zu diesem Zeitpunkt fast mittellos

war, 1884 in die USA verschlug.

Er musste noch einige Umwege gehen,

bis seine Ideen zu einem rotierenden

magnetischen Feld, einem

soge nannten Drehfeld, und zum Mehrphasen-Wechselstrom

Anerkennung

fand. Teslas erstes Patent, das der

drahtlosen Energieübertragung, gilt

heute als erstes Patent der Funktechnik;

eigentlich wollte er damit Energie

zur Beleuchtung übertragen. Später

wurden seine Arbeiten zunehmend

skurriler, mit einem Hang zur Metaphysik

und zum Transzendentalismus.

Teslas Leben war ein ständiges Auf

und Ab. Während er 1898 noch im

Luxus-Hotel Waldorf-Astoria wohnte,

konnte er auf dessen Namen 112 Patente

angemeldet waren, 1930 seinen

Unterhalt kaum noch bezahlen.

Auf der einen Seite lebte Tesla, soweit

bekannt, sehr keusch und

galt als Humanist.

Auf der anderen Seite ging er in seiner

Freizeit Glücks- und Kartenspielen

nach. Er hielt das weibliche Geschlecht

für überlegen, hatte aber eine Ablehnung

gegenüber „bestimmenden“

Frauen. Der Vegetarier, 1,88 m groß

und 64 Kilo schwer, zeigte auch ganz

offen seine Ablehnung gegenüber

übergewichtigen Menschen.

Nikolas Tesla wurde als orthodoxer

Christ erzogen; glaubte aber nicht an

das Leben nach dem Tod. Wie dem

auch sei, zumindest das, wofür sein

Name heute steht, ist lebendig wie nie

zuvor. ■

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WOLL Sommer 2021 - 43


Nostalgische Zeitreise

mit dem Rad

TWEED

RUN

in Brilon

Silvia Padberg

Museum Haus Hövener /

Heimatbund Semper Idem eV

Beim Tweed Run geht es um

das Radfahren. Nicht ums

Biken mit hautenger Sportkleidung.

Nicht um einen Run, bei

dem möglichst schnell möglichst viele

Kilometer gemacht werden. Es geht

vielmehr um ein Event, für das man

sich so richtig in Schale wirft. Und

das heißt in diesem Fall: stylische,

britische Kleidung aus den Zwanziger

und Dreißigerjahren: Tweed, Tartan,

Knickerbocker, Barbour-Jacke, Hut

oder Kappe.

Dieser Trend, der aus England zu

uns gekommen ist, begeisterte auch

die Mitglieder des Briloner Heimatbundes

„Semper Idem“. 2019 organisierten

Rudi Heppe und Winfried

Dicke 2019 den ersten Briloner

„Tweed Run“.

Bei dem Radel-Event ging es 8,63

Kilometer mit den unterschiedlichsten

Vintage-Rädern durch Brilons

Straßen. Ein stilechtes Picknick nach

englischer Art gehörte selbstverständlich

dazu.

Der Tweed Run soll auch in diesem

Jahr wieder stattfinden. ■

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Sabina Butz

Anke Kemper

Anmerkungen zur Mobilität im Sauerland

Für das Ruhrtal finden sich Hinweise

einer altsteinzeitlichen Besiedlung.

Für die Mobilität vor ca.

4.000 Jahren – da sind sich einmal alle

Wissenschaftler einig – gab es damals

schnelle oder langsame Füße und sonst

gar nichts. Das änderte sich erst mit der

Domestizierung des Pferdes. Pferde dienten

dabei zunächst als Rohstoffquelle zu

Nahrungszwecken und wurden später als

Trag- und Zugtiere eingesetzt.

Ab dem Mittelalter sind wir auf sichererem

Terrain: Zu Zeiten der Hanse, an die Meschede

über Arnsberg angeschlossen war,

herrschte im 14. Jahrhundert im Sauerland

eine rege Fernhandelstätigkeit, die ohne

Pferdetransporte undenkbar gewesen sein

dürfte. Allerdings waren die „Straßenverhältnisse“

oder besser die Wegebeschaffenheit

eine große Herausforderung für

Pferd und Mensch. Da das Sauerland insgesamt

keine gewinnversprechende Landwirtschaft

oder sonstige Erwerbsmöglichkeiten

bot, war die Infrastruktur in einem

recht desolaten Zustand. Die Sauerländer

Wanderhändler, die seit dem 16. Jahrhundert

Holz- und Stahlwaren handelten,

später besonders im Sensenhandel unterwegs

waren, gingen überwiegend zu Fuß.

Ein eigenes Fuhrwerk war zu kostspielig.

Hinzu kam die schlechte Beschaffenheit

der befahrbaren Wege. Insgesamt

gilt wohl, dass sich reiche Unternehmer,

Bauern und vor allem Adelige Pferde und

Kutschen leisten konnten, von einer allgemein

zugänglichen Mobilität sollte man

aber erst nach der Einrichtung der Postkutschen

sprechen. Die erste Postkutsche

rumpelte 1686 von Nürnberg nach Hof,

wo man Anschluss nach Leipzig mit der

sächsischen Postkutschenlinie hatte. Eine

Sensation für die damalige Zeit. Auch im

Sauerland fand die Postkutsche ab dem

18. Jahrhundert eine große Nachfrage.

Postkutschen sollten bis zum Ende des

19. Jahrhunderts das Überlandreisemittel

schlechthin bleiben.

Eine Reise in einer Kutsche können wir

uns heute kaum noch vorstellen: Gefährlich,

unbequem und anstrengend ist eher

eine harmlose Beschreibung für solche

Reisen. Das änderte sich im Sauerland

Ende des 19. Jahrhunderts mit der ersten

Eisenbahn, die 1871 von Schwerte durch

das Hochsauerland bis Warburg fuhr. Zur

Erinnerung: Die erste Eisenbahnstrecke

in Deutschland wurde 1835 auf der Strecke

Nürnberg-Fürth eröffnet, also nur 35

Jahre, bevor Meschede bahntechnisch zu

erreichen war.

Busverkehr gab es hier im Hochsauerland

erst ab den 1950er Jahren, wobei die großen

Entfernungen und vielen kleinen Ansiedlungen

nicht leicht zu bedienen waren.

Mit dem heutigen Nahverkehr kann man

das gewiss nicht vergleichen. In der Nachkriegszeit

finden wir Fahrräder und Motorräder

bis das Wirtschaftswunder auch

im Sauerland einzog, nachdem Gottlieb

Daimler eine für seine Frau Emma gedachte

Kutsche 1886 motorisierte und

damit das Zeitalter der Automobile einleitete.

Wenn wir heute von Meschede nach

Arnsberg fahren, dann dauert das knapp

30 Minuten. Mal eben zum Shoppen

nach Arnsberg wäre mir mit dem Pferd

zu anstrengend, in der Kutsche hätte ich

zum Einkaufen kaum noch Zeit, und

zu Fuß taugt jetzt irgendwie nicht als

Alternative. ■

WOLL Sommer 2021 - 45


Hey Nachbar,

darf ich mal Dein Auto…?

Sonja Funke

Anke Kemper

W

ie outet sich die gemeine

Sauerländerin als, Verzeihung,

Öko-Sau? Auf die

Frage: „Wie, ihr braucht ein eigenes

Auto?“, antwortet sie: „Nee, nicht eins,

sondern zwei!“ Welch Totalausfall in

Sachen Klimabilanz. Aber leider unvermeidbar,

wenn man nicht jeden

Tag Dutzende Kilometer zu Fuß oder

mit dem Rad hinlegen will. Zum Einkaufen,

zum Job, zu den Hobbies der

Kinder, in den Urlaub geht’s mit dem

eigenen Kfz.

Freunde aus Köln dagegen besuchen uns

immer mit einem Car-Sharing-Auto. Ein

Service, der in Großstädten längst etabliert

ist. Sie wohnen in der Innenstadt

und besitzen gar kein Auto mehr! Und

Car-Sharing kommt für sie auch nur dann

in Frage, wenn die Zugverbindungen so

gar nicht zu ihren Reiseplänen passen.

Also selten. Nur fast immer, wenn es ins

Sauerland geht.

Doch es tut sich was. In Winterberg

können sich Touristen wie Einheimische

unkompliziert einen von insgesamt zwei

kleinen E-Ups (VW) bei der Touristik im

Oversum mieten und ökologisch wertvoll

bis zu 180 Kilometer in der Region erkunden.

Nicht weit entfernt hat Elkeringhausen

ein eigenes „Dorfauto“. Meschede

bietet über die Mobilitätsstation der Deutschen

Bahn „Flinkster Carsharing“ an.

Und: Der Hochsauerlandkreis will über

den Wettbewerb „Teil.Land.NRW“ ein

Car-Sharing-Projekt in acht Modellkommunen

initiieren.

Diese Ansätze womöglich, Stichwort

„smart city“, mit einer App zu verbinden,

das wäre der Gipfel. Projekte dazu sind

hinter den Kulissen bereits angestoßen!

Wenn bald einer aus der Großstadt fragt:

„Wie, ihr braucht ein eigenes Auto?“, sage

ich: „Nö! Das regele ich über die Car-Sharing-App,

woll. Sehe gerade, das Dorfauto

ist heute von 15 bis 18 Uhr frei. Wo woll’n

wer denn mal hinjuckeln?“ ■

46 - WOLL Sommer 2021


Daniel Thamm aus

Wehrstapel ist Ballonfahrer

voller Leidenschaft

Up, up

and away…

Britta Melgert

privat

S

auerländer mit Basiswissen

über das Ballonfahren gibt es so

einige. Da war wohl die Warsteiner

Montgolfiade prägend. In

kaum einer anderen Region Deutschlands

soll es so viele Ballon-Piloten

geben wie hier. Einer von ihnen ist Daniel

Thamm aus Wehrstapel. Er hat uns (gedanklich)

mit auf eine Ballonfahrt genommen.

„Es ist eines der wenigen Abenteuer des heutigen Lebens“, ist

sich Daniel Thamm sicher. Drei Gäste dürfen ihn begleiten

im Korb unter seinem Ballon. Eine Reise, die der Wind bestimmt.

Das Ziel kann man nur erahnen. „Wenn es jedoch

Wunschrouten gäbe, dann läge eine Fahrt über den Hennesee

eindeutig auf Platz 1 der Liste.“

Zwei Stunden –

abhängig von der Sonne

Daniel Thamm

So in etwa zwei Stunden dauert eine Fahrt. „Die optimalen

Bedingungen hängen von der Windstärke ab, und die ist direkt

nach Sonnenaufgang oder vor

Sonnenuntergang meist optimal für

mein Hobby.“ Lächelnd ergänzt er:

„Ich kann bei einer Ballon-Fahrt

wunderbar vom Alltag abschalten.

Der Korb hebt ab, und schon bald hört

man bloß noch das Fauchen der Flamme

– ansonsten pure Stille!“

Sauerland von oben –

immer wieder anders

Und dann … „Natürlich liebe ich es, bekannte Orte von oben

auf eine besondere Art kennenzulernen. Die Häuser meines

Heimatdorfes, der Verlauf der Ruhr oder der Blick in den

Schornstein des größten Unternehmens hier – schon klasse!

Aber generell ist jede Fahrt über dem Sauerland ein echtes Erlebnis.

1.000 Berge – und jeder sieht doch wieder anders aus“,

lächelt Thamm. Wie gut, dass der Wind den Ballonfahrer immer

wieder woanders hin weht… ■

WOLL Sommer 2021 - 47


Keine Angst vor 450 Pferdestärken

Pauline Zacharias macht mit 21 Jahren ihren Busführerschein

Pauline Zacharias

Anke Kemper

S. Droste

13

Meter lang, ca. 18 Tonnen

schwer, 450 PS – Mit

der Zusatzqualifikation

zum Busführerschein machte sich die

21-jährige Pauline Zacharias ihren

Kindheitstraum möglich. Nun darf

sie uneingeschränkt europaweit Bus

fahren.

Durchstarten und eine saubere

Bremsung hinlegen

„Normalerweise darf man mit 21 Jahren

nur in einem Umkreis von 50 km

fahren“, beginnt Pauline Zacharias. Zur

beschleunigten Grundqualifikation

hing sie noch die Regelprüfung dran

und machte eine zusätzliche praktische

Prüfung. Nun darf sie auch im Gelegenheitsverkehr

uneingeschränkt fahren.

„Auch die theoretische Prüfung war umfangreicher

und der zwölfwöchige Vorbereitungskurs

fiel weg. Ich musste mir

das selbst beibringen“, erzählt sie weiter.

Für ihre zusätzliche praktische Prüfung

musste sie u. a. eine Route planen und

abfahren. „Es wurde ein Viereck aufgestellt,

dort musste ich reinfahren,

wenden und an gleicher Stelle wieder

rausfahren. Dann musste ich aus 15

Meter Entfernung einschätzen, wie weit

das „Tor“ zusammengeschoben werden

durfte, damit ich mit dem Bus reinpasse

und das so knapp wie möglich“, fügt sie

hinzu. Pauline ist in ihrem Element. Begeistert

berichtet sie noch über Pumpbremsung,

also im Grunde „´ne saubere

Bremsung hinzulegen“, nachdem man

innerhalb 65 m auf 30 km/h beschleunigt,

an der ersten Pylone anfängt zu

bremsen, um dann bei der hinteren

Pylone zum Stehen zu kommen. „Man

stellt sich das Busfahren schlimmer vor,

als es ist. Wenn man erst einmal raushat,

wie man um die Kurve muss, ist es

wie mit einem Riesen-Gokart.“

Ausbildung zur Mechatronikerin

für Nutzfahrzeuge

Neben ihrer Busfahrprüfung sitzt sie

gerade an der Abschlussprüfung zur

Mechatronikerin. Für sie stand schon

immer fest, dass sie irgendwann ins Fa­

48 - WOLL Sommer 2021


Der neue

ID.4 GTX*

Ihre Ausbildung macht sie z. Zt. bei der

Firma EvoBus in Dortmund. „Während

meiner Ausbildung mache ich hauptsächlich

Elektrik und diesen Part werde

ich später auch hier zu Hause in der

Werkstatt übernehmen. Aber erst mal

bleibe ich noch bei EvoBus. Es gefällt

mir dort sehr gut“, fügt sie hinzu. In

ihrer Klasse ist sie die einzige weibliche

Auszubildende. „Für den Bereich

Nutzfahrzeuge gibt es sehr wenige

Mechatronikerinnen.“

milienunternehmen einsteigen würde.

„Schon als Kindergartenkind bin ich

mit Papa gerne Bus oder LKW gefahren“,

erzählt sie. Irgendwann musste sie

sich dann entscheiden: Will ich lieber in

den kaufmännischen oder den technischen

Bereich einsteigen. „Ich hatte eine

Bewerbung als Industriekauffrau fertig

geschrieben, merkte dann aber beim

Durchlesen: nein, das möchte ich lieber

nicht, so acht Stunden im Büro sitzen,

ist nichts für mich.“

Bei einer Panne unterwegs ist das nicht

mehr so einfach wie früher. „Wenn es

etwas Mechanisches ist, kann ich das

selbst beheben, bei Elektronik wird es

komplizierter, da braucht man dann

ein Diagnosegerät“, weiß sie. Bei einer

Reifenpanne könnte es auch schwierig

werden, wenn man bedenkt, dass

ein Busreifen mit Felge mindestens

50 kg wiegt. „So ein Reifen wiegt ja

mehr als ich“, lacht sie. „Aber dafür

gibt es gute Hilfsmittel. Und wenn

mir das an meinem Ausbildungsplatz

mal nicht so gelingt, helfen auch die

Kollegen.“

Vernunft trifft Fahrspaß.

Sportlich wie ein GTI, komfortabel wie ein SUV und

nachhaltig wie ein ID. - der neue ID.4 GTX beweist

mit seinem optionalen Allradantrieb eindrucksvoll,

wie sich Effizienz und vollelektrische, lokal CO 2

-freie

Performance auf hohem Niveau verbinden lassen. Und

auch optisch ist der neue ID.4 GTX bereit, in die Zukunft

durchzustarten: mit den exklusiven, serienmäßigen

20-Zoll-Leichtmetallfelgen, dem schwarzen Hochglanz-

Lüftungsgitter und der prägnanten Lichtsignatur in den

Air Curtains.

* Stromverbrauch des neuen ID.4 GTX, kWh/100 km:

kombiniert 16,3; CO 2

-Emissionen, g/km: kombiniert 0.

Fahrzeugabbildung zeigt Sonderausstattung

gegen Mehrpreis.

Bald ist Urlaub angesagt und die Zeit

wird genutzt, um im Familienunternehmen

Erfahrungen zu sammeln.

„Ich soll bei sechs Bussen die Abbiegeassistenten

nachrüsten.“ Wenn es um

Elektrik geht, wird Pauline bereits mit

eingebunden. „Die beiden angestellten

Monteure im Betrieb kümmern

sich mehr um das Mechanische.“

Ihr Volkswagen Partner

Friedrich Hoffmann GmbH & Co. KG

Remmeswiese 24, 59955 Winterberg, Tel. 02981 9207-0

Am Gelben Berg, 59846 Sundern, Tel. 02933 9768-30

Warsteiner Str. 50, 59872 Meschede, Tel. 0291 9966-0

Wickersdorfer Ring 6, 35099 Bottendorf, Tel. 06451 23020-30

info@friedrich-hoffmann.de, friedrich-hoffmann.de

WOLL Sommer 2021 - 49


Zukunft gesichert

Die Vollblut-Busfahrerin und -Mechatronikerin

hat noch weitere Ziele:

„Nach meiner Ausbildung zur Mechatronikerin

möchte ich den Fachwirt für

Personenverkehr und Mobilität machen.

Das wäre eine gute Vorbereitung auf

das, was mich im Betrieb hier erwartet“,

berichtet Pauline Zacharias. Ihr Plan ist

es, später auch in die Disposition und

Fahrplangestaltung einzusteigen. „Mein

Bruder kümmert sich hier mehr um

das Kaufmännische“, erzählt sie weiter.

„2018 hatten wir 75-jähriges Betriebsjubiläum.

Mein Bruder Fabio und ich sind

jetzt die vierte Generation in unserem

Betrieb und wir wollen mindestens die

100 voll machen!“ Pauline interessiert

sich auch für die Geschichte von Bussen.

„Irgendwann baue ich mal mit Papa

einen alten Setra S8 um, das war der

erste Bus, den Setra auf den Markt gebracht

hat. Und damit mache ich dann

eine Tour durch Europa“, schwärmt sie.

Hoffentlich geht es

bald wieder los!

Die Reisebusse stehen seit der Pandemie

still. „Am liebsten würde ich Erfahrungen

sammeln als zweite Fahrerbesetzung.

Zum Beispiel in Richtung Toskana

oder nach Meran, um mal zu sehen,

wie das so abläuft“, berichtet sie. Auch

hier im Sauerland übt sie momentan

ihre Fahrpraxis. Regelmäßig bewegt sie

die Busse. Die Gänge müssen durchge­

„Wenn man erst einmal

raushat, wie man um die

Kurve muss, ist es wie mit

einem Riesen-Gokart.“

- Pauline Zacharias

schaltet, alle Komponenten ans Laufen

und auf Temperatur gebracht werden

und das Öl in Bewegung kommen, um

die Standschäden so minimal wie möglich

zu halten, erfahren wir. Auch jetzt,

nachdem sie von einer Fahrt zurück ist,

wechselt sie das Nummernschild an einen

anderen Bus, um damit zusammen

mit ihrer Schwester und einer Freundin

eine Tour zu machen. Die Pflicht wird

zum Spaß. „Es geht nach Velmede zum

Eisessen“, sagt sie abschließend. Da

kann man nur noch sagen: Sie haben Ihr

Ziel erreicht! ■

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WOLL Sommer 2021 - 51


Zwei LKW-Fahrerinnen erzählen aus

ihrem Alltag

SAUERLÄNDER

TRUCKERINNEN

OHNE PLÜSCH

UND

NEONLEUCHTEN

Nicola Collas

Iris Böning

M

it den „Truckerbabes“ aus der Reality-TV-Doku haben

die Sauerländer LKW-Fahrerinnen Rosi Kern und

Franziska Seehardt nicht allzu viel gemein. Sie sind

während ihrer Arbeitszeit nicht besonders gestylt, dafür aber immer

gut beschäftigt.

Rosi Kern aus Olsberg, die seit 30 Jahren als Berufskraftfahrerin unterwegs

ist, findet, dass die Serie, die seit 2017 den Alltag von vier

LKW-Fahrerinnen begleitet, nicht viel mit der Realität zu tun hat.

„Die Frauen sitzen immer top gestylt hinterm Steuer, das passt einfach

nicht“, sagt die 61-Jährige. Und ihre Kollegin Franziska Seehardt aus

Ramsbeck meint: „Der Alltag ist viel stressiger, das kommt in der Serie

gar nicht rüber.“

Rosi Kern und Franziska Seehardt sind bei der Bestwiger Spedition

Häger beschäftigt. Rosi fährt seit fünf Jahren für Häger - mittlerweile

arbeitet sie halbtags im Nahverkehr. Die 23-jährige Franziska ist Auszubildende

im zweiten Lehrjahr, durchläuft mehrere Bereiche und

wechselt auch die LKW. Die beiden Frauen gehören zu den knapp

zwei Prozent Berufskraftfahrerinnen in Deutschland. „Solange ich

gesund bin, möchte ich LKW fahren. Ich kann mir das noch lange

vorstellen“, erzählt Rosi Kern. Ihre junge Kollegin Franziska hat vor

knapp einem Jahr ihre beiden LKW-Führerscheine gemacht, sodass

52 - WOLL Sommer 2021


sie auch 40-Tonner lenken darf. Seit August fährt sie allein:

„Das war am Anfang schon sehr aufregend, aber irgendwann

ist das Gewohnheitssache, man findet sich schnell da rein. Ich

liebe die Freiheit und dass ich mir meine Zeit selbst einteilen

kann. Wenn ich unterwegs bin, habe ich meine Ruhe und

sehe natürlich auch viel.“ Obwohl der Zeitdruck eine immer

größere Rolle spielt, genießt sie ihren Alltag als „Truckerin“.

Auch ihr Vater ist Berufskraftfahrer. Der nahm sie immer mal

wieder auf seinen Touren mit. So kam Franziska dazu, eine

Ausbildung bei Häger anzufangen.

Beide Frauen werden selten komisch angeguckt, wenn Kunden

sehen, dass eine Frau hinterm Steuer sitzt. „Vor 30 Jahren, als

ich meine ersten Touren gemacht habe, war das noch anders.

Heute wird das gar nicht mehr so registriert“, findet Rosi Kern.

Und auch Franziska Seehardt wird freundlich aufgenommen

und erlebt immer wieder, wie hilfsbereit viele Kunden sind.

„Die Fahrer bei den Firmen helfen einem gerne, wenn man

mal Probleme beim An-die-Rampe-fahren haben sollte. Ich

habe bis jetzt keine schlechten Erfahrungen gemacht.“

Der Chef von Rosi und Franziska, Bernd Häger, freut sich,

dass gleich zwei LKW-Fahrerinnen in seiner Firma beschäftigt

sind. „Wir hatten immer schon mindestens eine Berufskraftfahrerin,

aber dass wir eine Auszubildende haben, das ist für

uns das erste Mal. Es ist klar, dass es Arbeiten geben muss,

die auch Frauen ausführen können. Wenn es um schwere Entladetätigkeiten

geht, dann kommt eine Frau schon mal an ihre

Grenzen. Aber wir haben einen sogenannten Gemischtwarenladen,

in dem es viele Tätigkeiten gibt. Und im Schüttgutbereich

z. B. können Frauen den Beruf genauso gut ausüben

wie jeder andere auch. Es gibt Fahrer/innen, die machen ihren

Job besser, andere schlechter, das gilt für Männer und Frauen.

Man muss Spaß an dem Beruf haben, das ist das Wichtigste!”

Spaß haben beide Frauen, das merkt man daran, wie sie von

ihrem Job erzählen. Und auch was die Deko im Führerhaus

angeht, sind sich Rosi und Franziska einig, dass die Scheibe

frei bleiben muss. „Ich möchte keine Deko haben, die behindert

meine Sicht“, schmunzelt Rosi Kern. Und Franziska ergänzt:

„Ich halte es ganz schlicht in meiner Kabine, sonst sehe

ich ja nichts.“

Bei Rosi Kern und Franziska Seehardt wird man vergeblich

Leuchtschilder mit Vornamen, Mini-Schals, neonfarbene

Plüschwürfel oder Teddybären in der Fahrerinnenkabine suchen.


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Mitten in der Gesellschaft

Kinder und Jugendliche, die Unterstützung im

Alltag benötigen, leben gemeinsam in Olsberg

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er mit einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung aufwächst, hat es nicht leicht. Pflegerische

und therapeutische Maßnahmen sowie die Unterstützung Zuhause überfordern mit den Jahren auch

starke Familienverbünde. Früher wurde dann die heimähnlichen Unterbringung, in der alle Entscheidungen

und Arbeiten ‚rundumsorglos‘ abgenommen wurden, als letzte Alternative gesehen. Dies ist heute anders. So bietet das

Bigger Josefsheim seit mehr als 12 Jahren selbstbestimmtes, familiäres Leben in kleinen Wohngruppen für Kinder und

Jugendliche von 6 bis 18 Jahren an.

Janine Rottler, pädagogische Geschäftsführerin

der Josefsheim gGmbH, kennt

das Dilemma: „Die Kinder im Grundschulalter

und Jugendlichen leben im

Elternhaus größtenteils isoliert. Oft ist

kein Regelbesuch darstellbar, und selbst

wenn, dann frisst allein schon der gesonderte

Bustransport durch die Region

einen großen Teil der Freizeit auf.

Freundschaften zu Mitschülern pflegen

ist dabei oft schwer.“

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung:

Wie auch bei anderen Heranwachsenden

beginnt mit dem Älter

werden der Kinder nicht nur die Abgrenzung

gegen die Eltern, sondern es

wachsen auch gewisse Körperbarrieren,

die die Fürsorge und Pflege durch die

Eltern komplizieren. „Für viele von ihnen

ist dann das Leben in einer unserer

wohngemeinschaftsähnlichen Einrichtungen

eine lohnenswerte Alternative“,

so Rottler, die Eltern, die mit der anstehenden

Entscheidung an ihre Grenzen

kommen, während der Findungsphase

gemeinsam mit dem Josefsheim Expertenteam

in vielen Gesprächen begleitet.

„Keine Familie muss alleine durch diese

Situation gehen. Sich professionelle

Hilfe zu holen ist vernünftig und eine

gute Entscheidung. Dabei sehen wir uns

jedoch niemals als Familienersatz, sondern

nur als Unterstützung im Alltag.

Die Bindung zur eigenen Familie kann

hier bei uns durch die sehr gern gesehenen

Besuche sogar noch enger werden,

da das Konfliktpotenzial ja größtenteils

ausgelagert ist.“ Michaele Halbey,

die als Geschäftsfeldleiterin ‚Wohnen

und personenbezogene Dienstleistungen‘

tätig ist, erklärt die Leistungen des

Josefsheims so: „In kleinen Wohngruppen

trainieren wir mit den Heranwachsenden

den Umgang mit alltäglichen,

haushaltstypischen Aufgaben. Einen

Speiseplan aufstellen, einkaufen gehen,

der Umgang mit Geld – all das muss

geübt werden. Die zentrale Lage der

Einrichtung in Olsberg-Bigge macht

das Leben ‚Mitten in der Gesellschaft‘

zur Normalität. Mit der in unmittel-

54 - WOLL Sommer 2021


ar gelegenen Schule an den Ruhrauen

besteht eine enge Nachbarschaft. Das

Ziel unserer Leistungen für Kinder und

Jugendliche ist ein selbstbestimmtes,

selbstständiges Leben als Erwachsener.

Doch davor begleiten wir natürlich

nicht nur die Schul- und Berufsausbildung

oder ein Studium, sondern auch

die medizinische und therapeutische

Versorgung bzw. Entwicklung.“ Die Erfahrung

zeigt, dass der enge Kontakt zu

Menschen mit ähnlichen Herausforderungen

der Entwicklung guttut. Gruppendynamik

entsteht beispielsweise

beim gemeinsamen Schwimmen, therapeutischem

Reiten oder beim fröhlichen

Musizieren. „Besonderen Anklang finden

auch Ausflüge oder Urlaubsfahrten

in den Schulferien“, so Halbey. „Und

natürlich sind die ganz normalen Feste,

wie Geburtstage, Schulentlassung oder

die christlichen Feiertage, echte Highlights

in den Gruppen.“ Was im Haus

Jakobus erfolgreich praktiziert wird, soll

nun in die Breite getragen werden. „Je

nach Bedarf sind wir offen für ähnliche

Projekte im Gebiet des HSK und des

Kreises Soest“, erklärt Michaele Halbey.

„Man weiß heutzutage, dass eine wohnortnahe

Unterbringung sowohl den Jugendlichen

als auch den Angehörigen

zugutekommt. Deshalb sind wir sehr an

Kontakten zu betroffenen Familien interessiert,

um praktikable Lösungen zu

finden. Bitte sprechen Sie uns an!“ ■

Betroffene und Interessierte

können sich jederzeit

vertrauensvoll an das Experten-Team

des Josefsheim

wenden. Alle Informationen

und Ansprechpartner finden

Sie direkt online unter www.

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Kindheitserlebnisse einer Ramsbecker Zeitzeugin

Die Ziegelwiese im

Wandel der Zeit

Helmut Gaida

Anne-Karen Humpert

H

eute ist die Ziegelwiese ein Gewerbegebiet

mit wenigen Wohnhäusern. Vor siebzig Jahren

sah es hier noch völlig anders aus. Die Ramsbeckerin

Margreth Weigel erinnert sich noch gut an ihre

Kindheit auf der Ziegelwiese.

Namensgeberin der Ziegelwiese war die alte Ziegelbrennerei,

die bis Mitte des 20. Jahrhunderts gemeinsam mit einem

Kies werk auf dem Gelände des heutigen Gewerbegebietes

stand. Dr. Eveling, der ein Nachschlagewerk der Bauten und

Gebäude der Stolberger Zink AG erstellte, berichtete 1950

von einem Pochwerk*, das seit 1713 an diesem Platz stand.

Pochwerke wurden benutzt, um z. B. Steine für das Brennen

vorzubereiten.

Die Stolberger, also die Betreiberin der Ramsbecker Bergwerke,

ließ 1850 im unmittelbaren Umfeld der Ziegelbrennerei,

Arbeiterhäuser für rund ein Dutzend Familien errichten.

In einem davon wohnte Margreth Weigel mit ihren

Eltern und Geschwister.

Kinder der Ziegelwiese

Zeitzeugin Margreth Weigel erinnert sich im Gespräch mit

Ortsheimatpflegerin Anne-Karen Humpert gut an die Zeit

ihrer Kindheit auf der Ziegelwiese. “Mehrere Familien bewohnten

jeweils ein langes, einstöckiges Haus, natürlich nur

mit einer speziellen Wohnberechtigung des Bergwerks.” Ein

Privileg, dass nicht jedem zustand.

Ausdrücklich berichtet Frau Weigel von einer schönen und

unbeschwerten Kindheit, die sie dort verbringen konnte:

„Jede Familie hatte große Obstgärten mit Obstbäumen und

außerhalb gelegene Felder (“Auf dem Bähnchen” in Richtung

Heringhausen), auf denen z. B. Roggen und Gerste

angebaut wurden“. Darüber hinaus verfügte ihre Familie

über zwei Schweine und zwei Ziegen zur Eigenversorgung.

Inmitten der Siedlung stand ein altes Backhaus.

So wie es damals üblich war, wurden auch die Kinder bei der

Bewirtschaftung entsprechend eingespannt. Dennoch gab

es, so Margreth Weigel, für sie und die fast zwanzig ande-

56 - WOLL Sommer 2021


en Kinder der Ziegelwiese „viel Gelegenheit, wirklich Kind

zu sein“. Zu jener Zeit feierten die einzelnen Dorfberei che

ihre eigenen Feste. So auch die Ziegelwiesenkinder mit ihren

Kinderschützenfesten und dem Kinderkarneval. “Es war

einfach immer etwas los.”

Aufgabe der „alten Ziegelwiese“

1967 wurden die Häuser auf der „alten Ziegelwiese“ aufgrund

eines großen Renovierungsstaus abgerissen. Was noch

einige Zeit erhalten blieb, so erinnert sich der Autor, waren

die inzwischen verwilderten Gärten, in denen sich die Nachbarkinder

an leckeren Früchten bedienen konnten.

Werksangehöriger der Stolberger konnten 1969 in die Neubauten

im Eickhagen bzw. der Birkenstraße ziehen. Die

zwei Jahre dazwischen bewohnten sie das “rote Haus”, das

ungefähr auf Höhe der heutigen Franz-Hoffmeister Straße

stand und 1984 abgerissen wurde. ■

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WOLL Sommer 2021 - 57


Tanja Friedrichs, Heinz Eue, Nicole Harbecke, Nico Jäger, Hildegard Löper

50 Jahre Schwimmabteilung

TuRa Freienohl

„So ein Hallenbad im Ort zu haben, darf gerne mehr geschätzt werden,

damit diese Sportstätte auch erhalten bleibt“ – Tanja Friedrichs

Anke Kemper

S. Droste

N

ach dem Seepferdchen das Erlernte zu festigen,

wird für jedes Kind möglich gemacht. Mit

Start in der Eingangsgruppe geht es los, und wer

dann nicht genug von dem Schwimmsport haben kann,

schwimmt weiter in der Nachwuchs-, dann Fördergruppe

bis hin zur Wettkampfgruppe. Das Angebot der Schwimmabteilung

des TuRa Freienohl umfasst weit mehr als Spiel

und Spaß für Jung und Alt.

Still und versonnen, mit einem ausgedehnten, grasbewachsenen

Strand - heißt es 1931 im Volksblatt anlässlich der Eröffnung

des Strandbades an der Ruhr im ehemaligen Luftkurort

Freienohl. 35 Jahre später wurde durch die damals noch

selbstständige Gemeinde Freienohl das Lehrschwimmbad mit

Hubboden an dieser Stelle errichtet.

58 - WOLL Sommer 2021


KOPFKINO FÜR

Das fertige Hallenbad gab 1971 den

Anstoß zur Gründung der Schwimmabteilung

des TuRa unter der sportlichen

Leitung des Schwimmmeisters

Heinz Eue. „Ich habe jährlich circa

200 Kindern das Schwimmen beigebracht

und das 40 Jahre lang“, berichtet

Eue. „Nach dem Seepferdchen

konnten die Kinder noch so lange bleiben,

wie sie wollten und ich habe sie

direkt eingeladen, weiterzumachen –

zunächst auf Probezeit ohne Mitgliedschaft“,

erzählt er weiter.

DAS SAUERLAND

Das Erlernte festigen

Wie wichtig es ist, das Schwimmen zu

lernen und dranzubleiben, weiß Nicole

Harbecke, selbst Schwimmerin

und Mutter. „Die meisten denken, mit

dem Seepferdchen ist alles getan. Aber

das reicht noch lange nicht. Viele überschätzen

dann z. B. beim Schwimmen

im Urlaub ihr Können und das ist fatal“,

berichtet sie.

Was passiert, wenn herzergreifende Geschichten

aus unserer Heimat auf über 300.000 Print-Lesende

pro Quartal und über 83.000 Fans und Follower

in den sozialen Netzwerken treffen? Richtig:

Es entsteht allerfeinstes Kopfkino!

Und wozu ist das für Firmen gut? Nun, wenn man

alles richtig macht, wird man zur Marke.

Mit einer Marke kann man die attraktiveren Kunden

gewinnen, höhere Preise durchsetzen und

als Arbeitgebermarke die besten Talente der Region

anziehen.

40 Jahre Schwimmmeister –

ein außergewöhnliches

Engagement

„Ab der zweiten Klasse sollten alle

Kinder schwimmen können. Leider ist

das weit von der heutigen Realität entfernt“,

erzählt die 1. Abteilungsvorsitzende,

Tanja Friedrichs. „Mittlerweile

wird schon in den weiterführenden

Schulen beim Sportunterricht abge-

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WOLL Sommer 2021 - 59


grenzt in schwimmende und nichtschwimmende Gruppen“,

fügt sie hinzu.

Die Schwimmkurse sind immer schnell ausgebucht. „Es sind

nicht nur Freienohler Kinder, die hier schwimmen lernen.

Viele kommen auch aus den umliegenden Ortschaften hierher“,

sagt Hildegard Löper, die von 2003 bis 2016

1. Abteilungsvorsitzende war.

Vom Strandbad an der Ruhr

zum Lehrschwimmbad

Fit bleiben mit Trockenübungen

Die Schwimmabteilung kann auf einige Vereinsrekorde und

erfolgreiche Stadt- und Kreismeisterschaften zurückblicken.

Marco Jäger ist Trainer der Wettkampfgruppen. Bevor der

29-Jährige eine Kampfrichterausbildung gemacht hat und

Trainer wurde, ist er selbst 15 Jahre im Verein geschwommen

und hat erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen. „Um die

Truppe zusammen zu halten und das Training nicht aus den

Augen zu verlieren, treffen wir uns wöchentlich online und

machen ein effektives Workout, jeder für sich auf der Matte“,

erzählt er. „Mit TuRa’s Home Gym haben alle Beteiligten

neben dem Workout viel Spaß und eine tolle Abwechslung zur

derzeitigen Situation.“

Nico Jäger

Denn das Gute liegt so nah

Die Abteilungsvorsitzende, Tanja Friedrichs, findet klare

Worte, wenn es um die Zukunft der Schwimmabteilung und

des Lehrschwimmbades geht: „So ein Hallenbad im Ort zu

haben, darf gerne mehr geschätzt werden, damit diese Sportstätte

auch erhalten bleibt. Die Kinder haben in ihrer Freizeit

kurze Wege, um schwimmen zu gehen. Dafür muss man

nicht erst mit dem Auto ins Umland fahren.“

Die Angebote im eigenen Ort anzunehmen und wertzuschätzen,

ist der Lohn für den Einsatz aller ehrenamtlichen Helfer

in einem Verein. Warum also in die Ferne schweifen? ■

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60 - WOLL Sommer 2021


WasserRETTER! gesucht

Arbeiten beim 4.0-Technologieführer

Liebe Eltern,

Ihre Kinder befinden sich in der wichtigsten Phase ihres Lebens. Jetzt werden durch die richtige Berufswahl die

Weichen für die Zukunft gestellt. Was kommt nach der Schule? Als erfahrener Ausbildungsbetrieb mit vielen verschiedenen

Ausbildungsberufen bieten wir unseren Kollegen optimale Voraussetzungen im familiären Umfeld.

Noch im letzten Jahr wurde von der IHK einer unserer Auszubildenden als Bester seines Jahrgangs ausgezeichnet.

Das Talent unserer Auszubildenden zu fördern, liegt uns sehr am Herzen.

Wie machen wir das? - Die HST Systemtechnik GmbH & Co. KG mit Ihrem Hauptsitz in Meschede setzt als

4.0-Technologieführer in der Wasserwirtschaft seit jeher auf eine ausbalancierte Altersverteilung im Kollegium.

Gemeinsam profitieren wir so von einem gesunden Mix aus jahrelangem Know-how sowie frischem Wind durch

junge Talente. So entwickeln und produzieren wir schon jetzt Produkte, Systeme und Lösungen für die Bedürfnisse

der Gesellschaft von morgen.

Technische Vollkommenheit, Lösungsorientierung sowie das Bestreben, die Umwelt sauberer zu machen, sind

zentrale Attribute, die unser Unternehmen verfolgt. Als WasserRETTER! verschreiben wir uns aktiv dem Umweltschutz

und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Alle unsere Mitarbeiter leisten täglich ihren Beitrag, dass das

Wasser von Schadstoffen wie z. B. Mikroplastik befreit wird.

Schon heute hält HST-Technologie mit seinen digitalisierten, intelligenten Rechen und künstlicher Intelli genz ein

Maximum des Mikroplastiks zurück, sodass es Flüsse, Seen und Meere nicht verschmutzen kann. Dem Plastikmüll

in den Weltmeeren wird so der Nachschub abgeschnitten. Dies haben wir unserem technischen Wissen als 4.0

Technologieführer, vor allem aber unseren Mitarbeitern zu verdanken.

Unsere Auszubildenden erfreuen sich hoher Übernahmequoten mit unbefristeten Arbeitsverträgen. Als ausgezeichneter

und prämierter Ausbildungsbetrieb ist es für uns selbstverständlich, junge Talente nachhaltig auf ihrem

Weg zu begleiten, ihr Leistungspotenzial zu entwickeln und Werte wie Offenheit, Toleranz und Zuverlässigkeit zu

vermitteln. Mit einer Ausbildung bei HST stehen unseren Auszubildenden die Tore in den weltweit stark wachsenden

Umwelttechnologiemarkt und alle weiteren Ausbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten offen.

Mit freundlichen Grüßen,

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HAUSAUFGABEN FÜR

HUNDEBESITZER

Hundetrainerin Theresa Kohlmann begleitet

schwierige Hund-Mensch-Beziehungen

Nicola Collas

S. Droste

T

heresa Kohlmann aus Meschede hat zwei eigene

Hunde. Sammy ist ein Appenzeller-Mix und 15

Jahre alt. Die 12-jährige Nala ist ein Bardino-Mix.

Ihre Hündin Nala ist der Grund, warum die Sauerländerin

Hundetrainer geworden ist. Ein Job, den sie liebt und

der ihr Spaß macht. Gerade weil er immer wieder neue

Herausforderungen mit sich bringt und mit vielen Emotionen

verbunden ist.

„Nala war ein Auslandstrümmerhund, wie ich es immer ganz

gern sage. Erst habe ich versucht, allein mit ihr klarzukommen,

was nicht funktionierte. Also bin ich zu einer ‚Martin

Rütter DOGS Hundeschule‘ gegangen.“ Das war der Startpunkt

ihrer Karriere als Hundetrainerin. Nach zwei, drei

Stunden dachte Theresa Kohlmann laut darüber nach, dass

sie sich genauso ihren Traumjob vorstellt. Ihre Hundetrainerin

fragte sie daraufhin, ob sie das ernst gemeint habe und

so schickte sie Theresa zu Martin Rütter in die Ausbildung.

„Anderthalb Jahre lang musste ich jedes zweite Wochenende

nach Bonn und habe sehr viel gelernt. Ich habe Martin Rütter

natürlich auch persönlich kennenge lernt. Er hat ja ein ganzes

Netzwerk an Trainern, von denen ich viel lernen konnte“, erinnert

sich die 33-Jährige an ihre Ausbildung.

Die Ausbildung

Drei Jahre arbeitete Theresa Kohlmann in ei ner DOGS- Hundeschule,

erst in Arnsberg, dann am Möhnesee. „Nach drei

Jahren bei Wind und Wetter - jeden Tag acht Stunden auf

dem Hundeplatz - hatte ich fast keine Lust mehr auf meine

eigenen Hunde“, erinnert sich Theresa. „Deswegen bin ich in

62 - WOLL Sommer 2021


meinen alten Bürojob zurückgegangen und habe auf eigene

Faust und unter meinem eigenen Namen als Hundetrainerin

weitergemacht.“

Theresa Kohlmann nutzt für ihr Nebengewerbe den Platz

der Sauerländer Hundefreunde in Wehrstapel. Die Probleme,

mit denen Frauchen und Herrchen zu Theresa

Kohlmann kommen, sind vielfältig: ein stark ausgeprägter

Jagdtrieb, aggressives Verhalten, Schwierigkeiten bei der

Leinenführigkeit. „Das Problem Nummer 1 ist aber auf

jeden Fall Leinenaggression bei Begegnungen mit anderen

Hunden“, erklärt die Hundetrainerin.

Erziehung und Beziehung

Beim Erstgespräch erhält sie zunächst wichtige Hintergrundinformationen.

„Wenn ich weiß, aus welchem Instinkt

heraus - also Jagd-, Sexual-, Territorial- oder Rudelinstinkt

- ein Hund sich so verhält, dann können wir die Probleme

lösen. Wichtig ist, dass die Menschen ihre Haus aufgaben

machen. Es bringt nichts, wenn wir anderthalb Stunden

etwas anpassen, aber die restlichen 22,5 Stunden zuhause

lässt der Mensch alles so, wie es ist“, hebt Theresa Kohlmann

hervor. Je nachdem,

wie lange

Theresa Kohlmann

der Hund bestimmte

Ver haltensweisen schon zeigt und wie alt er ist,

bedarf es vieler Wiederholungen, vieler Erfahrungen und

Erlebnisse. „Letzt lich geht es nicht um Erziehung, sondern

um die Be ziehung zum Hund, um Vertrauen“, erklärt die

Hundetraine rin. Jede Rasse hat ihre bestimmten Eigenarten.

„Der Weimaraner, der zum Hundetraining kommt,

weil er ei nen stark ausgeprägten Jagdinstinkt hat oder der

Australian Shepherd, ein Hütehund, in dessen Obhut auch

gut Kinder aufgehoben sind. Ich freue mich immer, wenn

mich Leute um Rat fragen, welchen Hund sie sich zulegen

sollten, damit er zu ihren Gewohnheiten und ihren Lebensumständen

passt“, sagt Theresa Kohlmann. ■

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WOLL Sommer 2021 - 63


Friedel Kaiser

Mit viel Gefühl und Fantasie

Friedel Kaisers Atelier in Berlar

Sonja Nürnberger

S. Droste

Es langsam wärmer. Die Bienenstöcke in Friedel

ist Anfang Mai, gestern rieselten noch ein paar

Schneeflocken vom Himmel, heute wird es

Kaisers Garten erwachen endlich zum Leben. Ich sitze ihm

gegenüber auf einem Stuhl, der so groß ist, dass meine Füße

in der Luft baumeln. Nebenan höre ich die Hühner gackern.

Doch um den Kaiserhof, die Eier und den Honig soll

es heute nicht gehen. Denn Friedel Kaisers Leidenschaft ist

etwas ganz anderes: die Kunst.

„Die Leidenschaft und das Talent für das Musische ist wohl

genetisch veranlagt. Mein Opa hat gemalt, die Brüder meines

Vaters malten, einer sogar so gut, dass er für Galerien Reproduktionen

herstellte und Ikonen restaurierte“, erzählt mir der

59-Jährige. Er selbst fing in seiner Jugend an zu malen. Mit 14

Jahren etwa, mit 16 die ersten Ölgemälde, 30-jährig, nach einer

Malpause, zog es ihn wieder zu Pinsel und Farbe. „Ich habe

mit meinen Kindern Figuren aus Salzteig gestaltet. Ich selbst

habe den Kopf eines Indianers geformt, ihn auf eine Holzplatte

aufgesetzt, einen Rahmen gebaut und einen Hintergrund

gemalt.“ Über die Landschaftsmalerei für den Hintergrund

keimte seine Leidenschaft für die Ölmalerei wieder auf. Er begann

seine Kinder zu porträtieren, malte aber auch Fantastisches,

frei und ohne Vorlage: „Da setze ich mich einfach hin,

lasse mich fallen, male intuitiv ohne mir vorher Gedanken gemacht

zu haben und schaue, was sich daraus entwickelt.“

„Ich muss einfach malen“

Seitdem sind viele Bilder entstanden, die deutschlandweit auf

verschiedenen Ausstellungen gezeigt wurden. Die Bilder, die

in seinem Atelier stehen, sind sehr facettenreich: Mensch- und

Tierporträts, fantastische Welten, aber auch Nature Art, zum

Beispiel imposante Landschaften mit Eisbären, Giraffen oder

Wasserwelten mit Walen und Delfinen. „Oft mache ich zunächst

eine Acryluntermalung. Acryl trocknet sehr schnell,

Ölfarbe braucht deutlich länger, aber diese soften Übergänge

bekommt man eben nur mit Öl hin.“ Um die 60 Stunden sitzt

Friedel Kaiser schon mal an so einem Bild. „Es ist eine Leidenschaft,

ich muss einfach malen. Ich freue mich immer, wenn

ich neue Projekte habe, dann stehe ich morgens um halb vier

auf, mache mir in meinem Atelier den Ofen an – denn am

64 - WOLL Sommer 2021


sich mit der Breite und Höhe der gesamten Wort-Bild-Marke.

Logo mit Claim

Hier erweitert sich die Logo-Schutzzone nach unten und nimmt die Unterlänge

des Buchstabens „g“ aus dem Claim als Bezugspunkt auf.

meisten male ich im Winter – und sitze ein paar Stunden vor

der Leinwand.“

Fertig ist so ein Bild natürlich nie: „Auch wenn der letzte

Strich getan ist, denke ich immer noch: Ist das wirklich gut

genug? Könnte ich da nicht nochmal ran oder dort etwas verbessern?“

Als Künstler ist es schwer, den Punkt zu finden, an

dem es genügt. Perfekt wird es für ihn wohl nie sein – und er

gibt schmunzelnd zu: „Aber außer mir sieht das wahrscheinlich

niemand.“

Davon kann sich jeder selbst überzeugen, der Friedel Kaiser

und seine Dauerausstellung in Berlar besuchen kommt. Und

wer dann selbst Lust aufs Malen bekommt, der kann einen der

Malkurse besuchen, die der Künstler anbietet, denn er teilt seine

Leidenschaft für die Malerei auch gerne mit anderen: „Es

macht mir Spaß, die Menschen mitzunehmen auf die Reise in

Logo-Schutzzone

die Welten der

für

Fantasie

große Darstellung

und in den Rausch der Gefühle, die

beim Malen entstehen.“ ■

Wird das Logo breiter als 900 mm dargestellt, besteht die Option, die

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anderen grafischen Elementen in Kontakt gebracht

werden. Deshalb wird eine neutrale Zone

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Anbau.

um das Logo herum definiert. Deren Größe ergibt

sich aus der Versalhöhe des Buchstabens

„L“ und ist somit proportional immer gleich.

Bitte beachten: Fremde Logos dürfen bei einer

Kombination mit dem SIGNAL IDUNA Logo

nicht prominenter dargestellt werden als das

Logo der SIGNAL IDUNA.

Logo ohne Claim

Die Logo-Schutzzone ergibt sich aus der Höhe des „L“ und verändert

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66 - WOLL Sommer 2021

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NETZ-

FUND-

STÜCKE

Fundstück 1:

Elternratgeber

Mit dem ersten, großen WOLL Elternratgeber

zum Thema Ausbildung und Karriere,

richten wir uns gezielt an Sie, liebe

Eltern. Sie erhalten einen Einblick über

die aktuellen Ausbildungs- und Karrierewege

im Sauerland und am Hellweg. Alle

Geschichten und Berichte sind von hier

– und zwar zu 100 %. Echte Menschen,

echte Unternehmen, echte Berufe und Erfahrungen.

https://www.imsauerland.de/elternratgeber/

Nutzen Sie diesen Elternratgeber, um sich

selbst über die heutigen Ausbildungs- und

Karrieremöglichkeiten zu informieren.

Schauen Sie sich dabei auch die Geschichten,

Portraits und Ausbildungsplatzangebote

der beteiligten Firmen an.

Fundstück 2:

Ecosia, die ökologische

Suchmaschine

“Suche im Web und pflanze Bäume” ist

der Slogan von Ecosia. Das Berliner Unternehmen

verwendet die Einnahmen der

Suchanfragen, um dort Bäume zu pflanzen,

wo sie dringend benötigt werden.

Wer die kostenlose Browser-Erweiterung

installiert, kann die Welt damit ein bisschen

grüner machen.

https://www.ecosia.org/

Ecosia-Suchergebnisse als auch die Suchanzeigen

werden von Bing, der Microsofteigenen

Suchmaschine geliefert. Schon

jetzt steht Ecosia auf Platz 8 der weltweit

meistgenutzten Suchmaschinen.

Fundstück 3:

Bevandert - Roadtrip

durchs Heimatland

Dass Mittelgebirge auch für junge, ambitionierte

Sportler:innen lohnenswert sind,

beweist ein Blick auf diesen Blog:

https://www.bevandert.com/

Hier gibt viele Tipps für lohnenswerte

Wanderungen und schweißtreibende

Biketouren. Die jungen Bloggerinnen

zeigen, dass Sportler:innen nicht nur in

Fitness-Studios und auf Sportplätzen zu

finden sind, sondern jetzt auch die zu unrecht

unterschätzten deutschen Mittelgebirge

erobern. ■

www.woll-magazin.de | www.imsauerland.de

WOLL Sommer 2021 - 67


DER ALTE

WASSERTURM

IN BESTWIG

Martin Richter

Im Inneren des Turms

68 - WOLL Sommer 2021


Kein Schmuckstück – aber trotzdem hatte man sich irgendwie an seinen

Anblick gewöhnt…

Ende Mai wurde der alte Wasserturm, der auf dem früheren Lokschuppengelände

in Bestwig stand, gesprengt. Der einst dazugehörige Wasserkran

des früheren Bahnbetriebswerks, der dazu gedient hatte, Dampflokomotiven

mit Wasser zu befüllen, wurde bereits an den Ruhrtalradweg versetzt.

Der entwidmete Turm war schon längere Zeit marode und für viele

Anwohner ein Schandfleck. Schade eigentlich, dass er nicht restauriert

und evtl. transloziert, also versetzt werden konnte. Denn zumindest

illuminiert im Dämmerungslicht war das Industrierelikt

- selbst in seiner Hässlichkeit - wunderschön anzusehen. (c.z.) ■

WOLL Sommer 2021 - 69


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BRILON IST EINES DER INNOVATIONS-

ZENTREN DER HITACHI ABB POWER GRIDS

Das Energietechnikunternehmen ist in Brilon zu Hause, blickt aber täglich

extrem weit über den Tellerrand des Sauerlands hinaus

Inga Bremenkamp

Hitachi ABB Power Grids

neue Standort in Brilon ist das modernste und jüngste

Werk unserer Hitachi-Familie. Alles ist neu und gemäß

„Der

den heutigen Produktionsstandards ausgestattet. Wir schreiben

Erfolgsgeschichten in aller Welt und sind als Entwicklungszentrum extrem

wichtig für das große Ganze. Brilon ist das Innovationszentrum für

Trockentransformatoren der Hitachi ABB Power Grids, erklärt Kay Kruse,

der Standortleiter des Transformatorenwerkes im Sauerland.

Am Standort in Brilon arbeiten etwa

170 Mitarbeiter der Hitachi ABB Power

Grids. Immer mit dem Ziel, Innovationen

in der Technik von Trockentransformatoren

zu entwickeln. „Hier

im Sauerland arbeiten wir intensiv an

den Innovationen von morgen und

schicken sie raus in die ganze Welt,

sobald sie serienreif sind“, erklärt Kay

Kruse, der für seine Stelle ins Sauerland

gekommen ist und sich dort extrem

wohlfühlt. „Für mich ist die

Kombination einfach unschlagbar. Ich

arbeite in einem international erfolgreichen

Unternehmen, habe eine tolle

Anbindung an größere Städte und lebe

in einer unglaublich schönen Umgebung“,

schwärmt der 43-Jährige, der in

Thüringen aufgewachsen ist. Hitachi

ABB Power Grids ist das größte Unternehmen

in dieser schönen Umgebung,

selbst über die Grenzen Südwestfalens

hinaus.

Hitachi ABB Power Grids beschäftigt

36.000 Mitarbeiter in 90 Ländern.

„Die Internationalität ist auch bei uns

in Brilon spürbar. Wir arbeiten mit den

Besten aus der ganzen Welt zusammen

und sind mit unseren Mitarbeitern aus

Brilon in einem globalen Netzwerk

für Engineering, Produktion und Vertrieb“,

betont Tobias Asshauer, der den

Vertrieb in Brilon leitet.

„Die sauerländische Bodenständigkeit

plus ein global agierender Konzern, der

aus Brilon heraus weltweit Erfolgsge-

70 - WOLL Sommer 2021


Neben Kay Kruse (r) und Marcus Varnhagen (l)

arbeiten etwa 170 Mitarbeiter am Standort in Brilon

Tobias Asshauer ist Teil des innovativen

Nabels von Hitachi ABB Power Grids

schichten schreibt – das ist schon ein

Pfund“, sagt Kay Kruse, der weiß, dass

für den Erfolg alle Beschäftigten gemeinsam

verantwortlich sind. „Wir arbeiten

in einer familiären Atmosphäre.

Alle werden wertgeschätzt. Das spüren

auch unsere Azubis, die von einer sehr

großen Jobvielfalt profitieren. Bei uns

steht keiner still, jeder will sich weiterentwickeln

und jedem stehen Türen

und Tore offen“, fährt der Wirtschaftsingenieur

fort.

Der Standort, der in diesem Jahr seinen

100. Geburtstag feiert, entwickelt sein

Produktportfolio stetig weiter. Während

in Brilon zunächst Grupenlampen

hergestellt wurden und in den 70er

Jahren der erste RESIBLOC® Gießharz

Transformator entwickelt wurde, werden

heute unterschiedliche Bahn- und

Industriesegmente sowie die größten

Kreuzfahrtschiffe der Welt mit Energie,

die auf hoher See einen so großen

Energiebedarf haben wie die gesamte

Stadt Brilon, beliefert. „Das macht uns

alle extrem stolz, weil das nicht jeder

kann“, sagt Tobias Asshauer, der Teil

des innovativen Zentrums von Hitachi

ABB Power Grids in Brilon ist, das

Dank der Zuverlässigkeit seiner Produkte

auch das höchste Gebäude Dubais

mit 78 Transformatoren – made in

Sauerland – hat ausstatten dürfen. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

ABB Power Grids Germany AG

Keffelker Str. 66

59929 Brilon

WOLL Sommer 2021 - 71


DIE ERFOLGREICHEN

13

„Mondraker Rockets“

fahren internationale

Erfolge ein

Julius Kolossa

Marc Niemeyer

72 - WOLL Sommer 2021

N

icht verstecken müssen (und

können) sich die „Mondraker

Rockets“ mit ihren auffälligen

Trikots auf ihren Mountainbikes

der Marke Mondraker. Das Team der

Arnsberger Daniel Waldorf und Fabian

Kilpert hat in den fünf Jahren

seines Bestehens zahlreiche sportliche

Erfolge in Cross-Country und MTB-

Marathon-Wettbewerben einfahren

können. Die beiden Arnsberger hatten

2016 die Idee, ein eigenes nationales

Mountainbike-Team zu gründen. Mit

sechs Mann wurde seinerzeit die erste

Saison bestritten. Heute besteht das

Team aus 13 Mitgliedern, von denen

acht aus dem Sauerland kommen.

„Einmal dabei, immer dabei“, sagt dazu

Sean Feldhaus. Der 24-Jährige aus Wuppertal

ist von Anfang an mit dabei, und

zugleich der jüngste „Rockets Fahrer“.

„Ich bin seit neun Jahren Biker, und war

damals auf der Suche nach dem richtigen

Team.“ Im Sauerland wurde er dank der

sozialen Medien fündig und fühlt sich

hier wohl: „Eine familiäre Truppe, in der

man Spaß haben kann.“ Dass Sean Feldhaus

dabei nach eigenen Angaben nicht

nur „zu den Schnelleren“ gehört, erwähnt

er fast beiläufig. Auf Nachfrage erfährt

man dann, dass der amtierende Landesverbandsmeister

Nordrhein-Westfalens

und zugleich NRW-Cup-Gesamtsieger

neben einem fährt.

Weiter geht es auf Seite 74


SO WÜRDE DEIN FEIERABEND-

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Berufliche Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum,

grüne Work-Life-Balance? Das klingt doch alles

zu schön, um nicht da zu sein!

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Foto: Sauerland-Tourismus/Wipp Art

Projekt gefördert durch:

WOLL Sommer 2021 - 73


Die Mondraker-

Rockets-Mitglieder:

Achim Scholz - Warstein

Alex Gläser – Wuppertal

Daniel Oehler – Arnsberg

Daniel Waldorf – Arnsberg

Dominik Schulte - Warstein

Fabian Kilpert – Arnsberg

Florian Kortüm – Bochum

Frank Osterhaus – Dortmund

Jan Salm – Plettenberg

Kai Exner – Arnsberg

Marcus Wegner – Meschede

Pascal Müller – Hirschberg

Sean Feldhaus -. Wuppertal

Der Saisonauftakt führt die Mondraker

Rockets in diesem Jahr 70 Kilometer

durch das Sauerland. Doch ob bei dieser

oder anderen Touren – gefahren wird nur

auf vorhandenen Wegen. Dass sie dabei

Wert auf Sicherheit für sich und andere

legen, das ist selbstverständlich.

Daniel Waldorf weiß an seiner Seite eine

hochmotivierte Biker-Gemeinschaft, die

aus ganz NRW kommt. „Durch Teilnahmen

am XC Weltcup, mehrtägigen

Marathons in Italien, Österreich, Polen

und Belgiens, war die Mannschaft auch

über die Grenzen des Sauerlands stets

präsent und erfolgreich. P-Weg, Megasports,

der MTB Marathon in Arnsberg

Neheim und das MTB Festival in Willigen

sind natürlich absolut feste Bestandteile

unseres Rennkalenders“, zählt er auf.

„Besonders hervorzuheben sind aber die

Teilnahmen an diversen 24-Stunden-

Rennen auf dem Mountainbike. So gewann

das Team allein im Jahr 2017 und

2018 die Gesamtwertung des 24-Stunden-Rennens

am Nürburgring und in

Duisburg, welches zu den legendärsten

und bekanntesten in der Szene gehört.

2019 folgte noch ein zweiter Platz.“

2020 fanden wegen der Corona-Pandemie

keine Wettkämpfe statt. Als Alternative

zum fehlenden Rennbetrieb haben

einige der Fahrer an E-Sports Veranstaltungen

und Wettkämpfen über die Trainingsplattform

ZWIFT teilgenommen.

„Alle zusammen hoffen wir jedoch 2021

auf wenigstens ein paar vereinzelte Marathons

im normalen Rennbetrieb“. ■

74 - WOLL Sommer 2021


Wilhelmine Lübke, die

First Lady aus Ramsbeck

„Heini, wir gehen

jetzt zu Bett!“

Christel Zidi

W

er sich das Foto einmal

genau ansieht, dem wird

schnell klar, wer in dieser

Beziehung die Hosen anhatte. Natürlich

nur im übertragenen Sinne, denn

im Jahre 1929 trugen die wenigsten

Frauen Beinkleider. Eine Ausnahme:

Marlene Dietrich. Auf dem Bild

hakt sich Heinrich Lübke bei seiner

Frau Wilhelmine unter. Nur leicht

und mit einem zarten Streichen ihres

Unterarms. Ein weiteres Indiz, das

einen Rückschluss auf diese Rollenverteilung

bestätigt: die Bekleidung

des Paares. Ihr schlichtes, beinahe

maskulines Kostüm und sein leicht

dandyhafter Aufzug unterstreichen

das Bild. Der Gesamteindruck: ein

beschwingtes (s. Heinrichs rechtes

Bein) und glückliches Paar.

Als Wilhelmine Keuthen wurde die spätere

Bundespräsidentengattin 1885 in

Ramsbeck geboren. Ihr Vater war Büroimago

/ teutopress

Worin hat sich Heinrich Lübke wohl

zuerst verliebt? In ihr schönes, offenes

Gesicht, in ihre Reife oder in ihre Klugheit

und Stärke? Wahrscheinlich war´s

die Mischung aus all dem. Der Vermessungsingenieur

aus Sundern-Enkhausen

und die Studienrätin aus Ramsbeck

lernten sich 1929 in der Reichshauptstadt

Berlin kennen, bei einem Heimattreffen

des Sauerländer Gebirgsvereins.

1930 heirateten sie. Die neun Jahre Altersunterschied

ließ Wilhelmine in ihrer

Geburtsurkunde „korrigieren“, nahm die

Änderung aber später wieder zurück. Ein

bisschen Eitelkeit steckte wohl auch in

der strengen Studienrätin.

Eine Frau von hoher Bildung

WOLL Sommer 2021 - 75


„Wer sich um andere kümmert, hat keine

Zeit, alt zu sein.“ - Wilhelmine Lübke

leiter in der Ramsbecker Grube. Anders als ihre drei Brüder,

die das Gymnasium absolvierten, durfte sie nur die Volksschule

besuchen. Sie belegte mit 16 Jahren das Paderborner

Lehrerinnen-Seminar und war um 1906 in der Westschule in

Hamm als Lehrerin tätig. 1908 besteht sie die Ergänzungsprüfung

für den höheren Schuldienst mit der höchsten Auszeichnung.

Sie schreibt sich daraufhin an der Uni Münster

ein, studiert Mathematik, Germanistik und Philosophie und

geht später nach Berlin. Dort ist sie zehn Jahre lang als Studienrätin

tätig.

Heinrich Lübke schätzte die Klugheit und Stärke seiner Ehefrau.

Besonders bei Staatsbesuchen war Wilhelmine, die sich

fließend in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und

Russisch unterhalten konnte, eine würdige Begleitung an der

Seite des Bundespräsidenten. Auch später, in der zweiten Amtszeit,

als Heinrich zunehmend rhetorische Missgriffe unterliefen

- die natürlich gern von Kabarettisten verwendet wurden

- war sie stützend an seiner Seite, ertrug den Hohn und Spott.

Wohlwissend, dass ihr Ehemann an einer Zerebralsklerose litt,

schweren Durchblutungsstörungen des Gehirns. Es war nicht

die Zeit, dass man persönliches Leid öffentlich machte... Ein

Amtsrücktritt aus gesundheitlichen Gründen hätte seinem damaligen

Ansehen allerdings mehr gedient.

Eine Frau mit sozialem

Engagement

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76 - WOLL Sommer 2021

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Wilhelmine Lübke prägte ihre Zeit als First Lady vor allem

durch ihr soziales Engagement. Gemeinsam mit ihrem Mann

gründete sie das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), die

spätere „Wilhelmine-Lübke-Stiftung, sie entwickelte u. a. die

Idee vom „Essen auf Rädern“ und die Kurzzeit- und Tagespflege

für alte Menschen. Damit schaffte sie die Grundlage für

moderne Altenpflege.

Wilhelmine war Vorsitzende des Muttergenesungswerkes,

wirkte in der Aktion Gemeinsinn und bei der Unicef mit. Mit

Mildred Scheel war sie befreundet und unterstützte diese bei

der Idee, die Deutsche Krebshilfe zu gründen. Wilhelmine

Lübke arbeitet auch im hohen Alter noch mehrere Stunden

wöchentlich in der Kinderabteilung der Bonner Uniklinik.


Mit ihrem Mann teilte sie die Wertschätzung

für Menschen in der sogenannten

Dritten Welt und warb für den Einsatz

deutscher Entwicklungshilfe.

Eine Frau, über die man staunt

Heinrich Lübke starb 1973, Wilhelmine 1981 in Bonn. Die

Heimatverbundenheit des Sauerländer Paares zeigt sich wohl am

besten darin, dass beide in Sauerländer Erde ruhen, in Heinrichs

Geburtsort Sundern-Enkhausen.

Als Präsidentengattin lernte sie viele

hochrangige Persönlichkeiten kennen:

Die Queen, bei ihrem ersten Staatsbesuch

nach dem Krieg. Den letzten

äthiopischen Kaiser Haile Selassie, den

„Löwen von Juda“, den persischen Kaiser

Reza Pahlavi mit seiner eleganten Frau

Farah Diba, den thailändischen König

Bhumibol mit seiner wunderschönen

Frau Sirikit, John F. Kennedy und

viele andere. Wilhelmine bezauberte

die Gäste mit Eleganz, Intelligenz und

Würde. Und mit ihren hervorragenden

Sprachkenntnissen, über die selbst Konrad

Adenauer sagte: „Da kann man nur

staunen.“

„Hinter jedem erfolgreichen Mann

steckt eine starke Frau“ – dieses Sprichwort

trat wohl ganz besonders auf das

Ehepaar Lübke zu. Wilhelmine war

ihrem Heinrich, dem Bundespräsidenten,

eine kluge Ratgeberin, hat ihn u.

auch in seinem Eintreten für eine Große

Koalition bestärkt. Wenn es darauf

ankam, wusste Heinrich Lübke sich

gegenüber seiner Frau aber auch durchzusetzen.

So gab sie ihren heißgeliebten

Beruf als Studienrätin nur auf seinen

Druck hin auf.

Wilhelmine drängte sich in der Öffentlichkeit

nicht in den Vordergrund. Trotzdem

galt ihre Zeit als Präsidentengattin

als „Wilhelminische Ära“. In diesem Zusammenhang

sei noch an einen Spruch

Wilhelmine Lübkes erinnert, der das

Tagesende nach langen Veranstaltungen

einläutete: „Heini, wir gehen jetzt

zu Bett!“. Energisch und keinen Widerspruch

duldend. So war sie eben auch,

Wilhelmine Lübke, eine starke Sauerländer

Frau. ■

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WOLL Sommer 2021 - 77


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Gute Geschichten aus Südwestfalen

Coworking in Südwestfalen boomt!

Positiv, dynamisch, echt...

Foto: OFFICE & FRIENDS GmbH & Co KG

Das Arbeiten im Home Office ist für

viele in den letzten Monaten zur neuen

Normalität geworden. Doch immer nur

alleine im stillen Kämmerlein zu sitzen

macht auf Dauer nicht allen Freude. So

manchem fällt schon nach kurzer Zeit

die Decke auf den Kopf und ein Tapetenwechsel

wäre nicht schlecht. Genau

den kann man in Südwestfalen an gleich

mehreren Orten in sogenannten Coworking-Spaces

finden. Die offenen Bürogemeinschaften

liegen voll im Trend und

boomen auch hier in der Region!

Zum Beispiel der Coworking-Space

„Office & Friends“ in Olpe. Der bietet

Platz zum Arbeiten in einer angenehmen

Atmosphäre und zum Vernetzen

mit Gleichgesinnten. Ein echtes Erfolgskonzept!

Das Angebot an der Olper

Hütte wird mittlerweile so gut angenommen,

dass nun sogar angebaut

wird. Im Gebäude direkt nebenan werden

15 weitere Arbeitsplätze geschaffen.

Die können schon bald von Selbstständigen,

Start-Ups, Unternehmer*innen

oder auch ganz normalen Angestellten,

die sonst von zuhause arbeiten, angemietet

werden.

Im neuen Coworking-Space gibt es aber

nicht nur weitere Team- und Einzelbüros.

Hier findet man auch größere

Meetingräume, in denen es die Option

gibt, Catering hinzuzubuchen und eine

Küche, in der zu jeder Zeit Wasser, Kaffee

und frisches Obst bereitstehen. Als

Highlight ist zudem ein Podcast-Studio

mit Telefon- und Aufnahmebox geplant.

Foto: Michael Bahr

Foto: TRILUX GmbH & Co. KG

Foto: Richard Siongco

So geht interaktiver Matheunterricht

in Südwestfalen

Was Wahrscheinlichkeitsrechnung

mit 3D-Druckern zu tun hat? Sehr

viel, wenn es nach dem Projekt “DigiMath4Edu”

geht, das die Universität

Siegen gerade im Rahmen der

REGIONALE 2025 umsetzt. Durch

das Projekt soll der Mathe-Unterricht

an Schulen in Südwestfalen digitaler

und interaktiver werden!

Cool: Wie Leuchten aus Arnsberg die

Luftqualität überprüfen

Wow, dieses clevere Produkt kommt

aus Südwestfalen! Das Beleuchtungssystem

“OpendoLED” der TRILUX

GmbH & Co. KG hat viele praktische

und smarte Funktionen. Eine

Besonderheit ist die CO2-Sensorik.

Sie misst die Luftqualität im Klassenraum

und schlägt Alarm, wenn die

“Luft zu dick wird“.

Spitzenklasse: Arnsberger Barista zaubert

Kunst in den Kaffee

Im Restaurant “BEI GRAEFS” in

Arnsberg wird Kaffee zur Kunst!

Denn hier kreiert der Barista Richard

Siongco mit seiner „Latte Art“ immer

neue und kunstvolle Motive – und

das sehr zur Freude seiner Gäste. Die

dürfen sich über einmalige Kreationen,

wie Hunde, Elefanten oder Bären

im Milchschaum freuen. Cool!


Wow! Diese Unternehmen aus

Südwestfalen solltest du kennen…

Junge Macher setzen auf „Adventure Golf“ mit Sauerland-Bahnen

A.L.S. - Ihr zuverlässiger

Logistikdienstleister, zu Land,

zu Wasser und in der Luft.

Sie sagen wohin – wir

übernehmen den Rest.

Diese und weitere gute Geschichten

“Junge Macher*innen aus Südwestfalen -

Monique Schloßmann und Robin Homrighausen”

Foto: Südwestfalen Agentur, Patrick Bonzel

Südwestfalen ist ein echter “Hier geht

was!”-Raum! Genau das zeigt die Reihe

“Junge Macher*innen”. 59 junge Menschen

stellen sich selbst und ihr Herzensprojekt

hier in der Region vor. So

auch Monique Schloßmann und Robin

Homrighausen. Mit nur 23 und 24 Jahren

erfüllten sich die beiden hier in der

Region den Traum von der Selbständigkeit.

Und das mit einem eher ungewöhnlichen

Angebot. Gemeinsam

betreiben sie eine “Adventure Golf”-

Anlage in Winterberg mit ganz besonderen

Bahnen.

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betreibt das Siegener Familienunternehmen

DATASEC. Es ist mit über

350 Mitarbeitern als Business Process

Outsourcer für dokumentenbasierte Geschäftsprozesse

Marktführer in Europa.

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Marsberg: Weltmarktführer

bei Komponenten für Batterien

und Dosierinhalatoren sowie bei

Tiefziehwerkzeugen.

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WOLL Sommer 2021 - 79


Oliver Schäfer

und die

„Furchtlosen

Frauen“

Monika Loerchner

S. Droste

Junger Warsteiner Künstler stellt im Gruga-Park aus

Pünktlich zum Weltfrauentag am 08.03. wurde

die Ausstellung von Oliver Schäfer im Gruga-Park

Essen eröffnet. Zwischen farbprächtigen Blumenbeeten

leuchten die nicht minder knalligen Bilder seiner

„Fearless Women“. Mit ihnen erzählt der Warsteiner

Künstler Geschichten, die berühren, traurig machen, aber

auch Hoffnung schenken.

WOLL: Herr Schäfer, schön, dass Sie Zeit für uns haben!

Sie sind 27 Jahre alt und studieren in Essen Kunst. Was

bedeutet Kunst für Sie?

Oliver Schäfer: Durch sie kann ich mich visuell ausdrücken.

In jedem Bild steckt viel von mir, auch wenn ich darauf nicht

zu sehen bin.

80 - WOLL Sommer 2021


„Ich sehe meine Kunst als Dialogöffner.

Ich möchte, dass sich die Menschen mit der

Geschichte dieser Frauen beschäftigen“

– Oliver Schäfer

WOLL: Wieso zeigt Ihre Bilderserie der „Furchtlosen“

nur Frauen?

Oliver Schäfer: Ständig wird über „große Männer“ geredet,

in Städten werden sie als Statuen verewigt. Eine berühmte

Frau habe ich da noch nicht gesehen, keine deutsche Universität

wurde je nach einer benannt. Dann kam Trump und ich

hatte es satt.

WOLL: 17 Ihrer „Fearless Women“ sind derzeit im Gruga-Park

in Essen als wetterfeste Drucke zu bewundern,

inzwischen arbeiten Sie an dem 19. Bild. Wie viele sollen

es noch werden und wie entscheiden Sie, wen Sie portraitieren?

Oliver Schäfer: Es wäre schön, die 100 voll zu bekommen.

Das sind alles Frauen, deren Geschichte mich berührt hat, die

etwas Tolles für die Allgemeinheit getan haben. Ich würde

zum Beispiel nie Leni Riefenstahl oder Coco Chanel malen.

WOLL: Einige Namen Ihrer Fearless Women sagen mir

etwas – Catharina Cramer ist ja auch mit dabei – andere

musste ich vor unserem Termin erstmal recherchieren …

Oliver Schäfer: Genau! Ich sehe meine Kunst als Dialogöff-

ner. Ich möchte, dass sich die Menschen mit der Geschichte

dieser Frauen beschäftigen.

WOLL: Dabei tauchten viele schwierige Themen auf wie

Klimawandel, Atomunfälle, Mobbing und Gewalt gegen

Frauen.

Oliver Schäfer: Ein Freund hat mal zu mir gesagt, dass ich

mit den Bildern zeige, wie schlecht unsere Welt ist. Aber mir

machen diese Frauen auch Hoffnung. Sie haben in ihrem Bereich

etwas bewegt – wo kann ich etwas machen?

WOLL: Sie verstecken ja immer ein Zitat der Frau auf dem

Bild, von dem dann nur einzelne Buchstaben durchschimmern.

Wieso das Ganze?

Oliver Schäfer: Die Menschen sollen darüber nachdenken,

was da stehen könnte. Es soll zeigen, dass Frauen mehr sind

als nur Hüllen, dass hinter jeder mehr steckt, dass sie Subjekte

sind und keine Objekte, als die sie leider immer noch oft behandelt

werden.

WOLL: Die Kameras unserer Fotografen arbeiten

mit Gesichtserken-nung und haben die der Frau-

WOLL Sommer 2021 - 81


„Kunst fördert das kreative

Denken und das ist ja auch

in der Wirtschaft wichtig”

- Oliver Schäfer

en eben automatisch fokussiert, so

realistisch malen sie die Damen!

Oliver Schäfer: Naturalistisch ist das

natürlich nicht, aber wenn Sie sagen, dass

das realistisch gemalt ist, dann ist das so

für Sie.

WOLL: Wie würden Sie denn Ihre

Stilrichtung nennen?

Oliver Schäfer: Das ist mir egal. Es ist

nicht meine Aufgabe als Künstler, das zu

betiteln.

WOLL: Ich finde auch die Farben

klasse. Wie entschieden Sie, welche Sie

nehmen?

Oliver Schäfer: Das ist unterschiedlich.

Bei Frau Thunberg habe ich zum Beispiel

die Farben Arktis, Aquamarin und Karminrot

als Sinnbild für den Klimawandel

benutzt. Bei Frau Apfel habe ich die Farben

ihres Lieblingsbildes „Die Schnecke“

von Henri Matisse übernommen. Meist

entscheide ich das aber spontan.

WOLL: Wie sind Sie eigentlich zum

Malen gekommen?

Oliver Schäfer: Mit acht Jahren hatte

ich in Rüthen bei dem Ehepaar Macdonald

meine ersten Zeichenkurse. Meine

Unimappe habe ich dann später bei Ute

Pluntke in Warstein gemacht.

WOLL: Was denken Sie: Ist Kunst etwas,

wofür man Talent braucht, oder

ein Handwerk, das jeder erlernen

kann?

Oliver Schäfer: Wenn du dich über

Kunst ausdrücken möchtest, gibt es

nichts zu lernen, dann sage ich: „Hey,

Oliver Schäfers

(bisherige) „Furchtlose

Frauen“ zum Selbstrecherchieren:

Anne Frank, Barbra Streisand, Breonna Taylor, Catharina Cramer,

Queen Elisabeth II, Greta Thunberg, Helen Caldicott, Iris Apfel,

Jane Goodall, Lady Gaga, Malala Yousafzai, Marlene Dietrich,

Marzieh Ebrahimi, Meryl Streep, Michelle Obama, Mona Lisa,

Rosa Luxemburg, Ruth Bader Ginsburg, Sofie Scholl

mach´s einfach!“ Wenn du machst, was

du liebst, wirst du darin auch irgendwann

immer besser.

WOLL: Wie ist das bei Ihnen? Wollen

Sie immer besser werden?

Oliver Schäfer: Ja, aber nicht im Sinne

eines Strebens nach Perfektion, sondern

dass man den Prozess schätzen lernt.

Weiterentwicklung finde ich – gerade

auch bei Kindern – wichtig und toll!

WOLL: Eine sympathische Aussage

für einen angehenden Kunstlehrer!

Oliver Schäfer: Kunst ist leider so ein

Freitag-sechste-Stunde-Fach. Das finde

ich sehr schade, weil sie das kreative

Denken fördert, und das ist ja auch in

der Wirtschaft wichtig. Der Fokus liegt

in unserem Bildungssystem aber eher auf

den MINT-Fächern.

WOLL: Hat sich eigentlich schon mal

eine der gemalten Damen bei Ihnen

gemeldet?

Oliver Schäfer: Greta Thunberg hat mir

in den sozialen Medien ein „Wow“ hinterlassen,

Iris Apfel hat mir geschrieben.

Mit Frau Cramer stand ich vorher schon

in Kontakt, mit der Iranerin Marzieh

Ebrahimi schreibe ich mich immer noch.

Nachdem sie das Bild geteilt hat, haben

sich viele Iraner bei mir gemeldet, haben

sich bedankt und mir spannende Einblicke

in ihre Kultur gewährt.

WOLL: Haben Sie ein Lieblingsbild?

Oliver Schäfer: Nicht direkt. Mein

letztes Bild, das von Frau Cramer, zeigt

meine Fähigkeiten im Moment, ist also

mehr „Ich“ als die anderen. Frau Thunberg

zum Beispiel würde ich heute ganz

anders malen. Aber das gehört dazu, dass

man akzeptiert, dass man damals so war.

WOLL: Was ist das Schönste am Malen?

Oliver Schäfer: Wenn man seine Signatur

unter das Bild setzt und fertig ist. Das

ist wie eine Erlösung.

WOLL: Wie geht es mit der Ausstellung

weiter?

Oliver Schäfer: Die wurde bis Oktober

verlängert. Jeder ist herzlich eingeladen

nach Essen zu kommen und sich meine

Bilder anzuschauen.

WOLL: Sind Sie auch ab und an vor

Ort?

Oliver Schäfer: Ja. Tatsächlich habe ich

dort schon viele Besucher aus dem Sauerland

getroffen. ■

82 - WOLL Sommer 2021


Es ist ein

wunderbares

Gefühl, wenn

Menschen offen

aufeinander

zugehen

Ein Gespräch mit

Hongxia Zheng

Sabrina Butz

S. Droste

Seit 30 Jahren lebt Hongxia Zheng jetzt schon

im Sauerland und setzt sich unermüdlich für

die deutsch-chinesische Verständigung ein. Mehr

noch: Sie erklärt deutschen Mitbürger/innen, die

geschäftlich oder privat mit China zu tun haben, was es

im „Land der Mitte“ zu beachten gilt. Auch umgekehrt,

also wenn Chinesen private oder berufliche Kontakte in

Deutschland suchen, bekommen sie gern Unterstützung

von Frau Zheng.

Geboren wurde Hongxia Zheng in Zentralchina, in der

Nähe der alten Kaiserstadt Xi’an mit der weltweit berühmten

Terrakotta-Armee. Sie studierte Germanistik, gewann eine

Kurzgeschichten-Ausschreibung und wurde deshalb 1989

nach Arnsberg eingeladen. Vier Wochen wollte sie ursprünglich

bleiben. Es kam anders: Die Studentenunruhen

in Beijing ließen eine Rückreise nicht zu. Hongxia Zheng

blieb, sie absolvierte eine Ausbildung zur Hotelkauffrau, arbeitete

im Im- und Exportbereich. Nach der Geburt Ihres

ersten Kindes machte sie sich Anfang 2000 selbstständig

als Beraterin und Dolmetscherin für Firmen, die in China

investieren oder produzieren wollen. Sie arbeitet als Dozentin

an mehreren Volkshochschulen und Gymnasien und als

Lehrbeauftragte für Chinesisch an der FH-SWF Meschede.

Jahr für Jahr führt sie Reisegruppen der VHS, der FH oder

Gymnasien durch China.

Ihr Deutsch ist perfekt, ihre Aussprache akzentfrei, was

sie beides gern herunterspielt mit der Bemerkung: „Na ja,

WOLL Sommer 2021 - 83


nach so langer Zeit in Deutschland,

ist das doch nichts Besonderes.“

Darüber ließe sich vortrefflich streiten,

aber wir wollen mehr von und

über Hongxia Zheng erfahren:

Was bedeutet Ihr Name?

In China kann jedes beliebige Schriftzeichen

als Vorname verwendet werden. Mein Vorname

bedeutet hong = rot und xia = Wolkenfarbe in der

Dämmerung. Die adäquate deutsche Übersetzung wäre

Morgen- oder Abendrot. Den Nachnamen Zheng könnte

man mit Müller, Meier, Schulze in Deutschland vergleichen,

er zählt zu den verbreitetsten chinesischen Nachnamen. Nomen

est omen stimmt bei mir: Ich bemühe mich von morgens

bis abends gut gelaunt, zuversichtlich und fröhlich zu

sein.

Wie lange haben Sie gebraucht, um so gut

Deutsch zu sprechen?

Ich habe in China vier Jahre Germanistik studiert. Als ich

1989 nach Deutschland kam, musste ich mich am Anfang

doch sehr an die Alltagssprache gewöhnen. Denn das, was

ich an der Universität gelernt habe, war eher förmlich. Allerdings

hat mir die gründliche Ausbildung in der deutschen

Grammatik sehr gute Dienste erwiesen. Dazu muss man

wissen, dass die chinesische Grundgrammatik im Vergleich

zur deutschen recht einfach ist: Es gibt keine Konjugationen

der Verben, bei Hauptwörtern fast keine Ein- oder Mehrzahl

und keine Fälle. Die deutsche Grammatik ist für Chinesen,

die Deutsch lernen wollen, eine große Herausforderung.

Der Vorteil in meinem Fall war, zu meiner Anfangszeit im

Sauerland, dass ich die einzige Chinesin weit und breit war,

so dass ich immer Deutsch sprechen musste. Dadurch lernte

ich sehr schnell.

Umgekehrt unterrichte ich sehr gerne Chinesisch für

Deutsche. Wie gesagt, ist die chinesische Grammatik im

Hongxia Zheng, geb. 1966 ist verheiratet mit Dr. Gerhard

Brüser, dem früheren VHS-Leiter in Arnsberg. Sie

haben zwei erwachsene Kinder. Frau Zheng dolmetscht

für Behörden und Firmen und berät deutsche und chinesische

Unternehmen in Kontakt- und Kommunikationsfragen.

Vergleich zur

deutschen sehr überschaubar.

Chinesische Schriftzeichen zu lernen, ist dagegen

für die Deutschen eine erhebliche Hürde: Ein gebildeter

Chinese beherrscht 3.000 bis 5.000 Schriftzeichen. Um

sich im Alltag zurecht zu finden, braucht man ca. 1.500

Schriftzeichen. Deutsche Schüler/innen lernen im Grundkurs

ca. 200. Für die Stufe I der Chinesisch-Sprachprüfung

braucht man ca. 300 Schriftzeichen. Eine exotische Sprache,

wie Chinesisch, ist sicherlich nicht einfach zu lernen, weil

dafür die Gelegenheit zum Üben fehlt. Deswegen ermutige

ich meine Schüler und Studenten immer, eine Reise nach

China zu machen oder dort ein Auslandssemester zu absolvieren.

Auch wenn es unzählige Dialekte in China gibt,

sprechen die meisten Chinesen Hochchinesisch: Mandarin.

Was war für Sie zunächst fremd

und ungewohnt in Deutschland?

Es mag komisch klingen: Aber als Erstes ist mir der deutsche

Terminkalender aufgefallen: Jeder, den ich traf, führte

diesen Zeitplaner, der mir völlig unbekannt war. In China

verabredet man sich auch heute noch privat meistens

spontan. In Deutschland wird der Kalender gezückt und

ein Termin vereinbart. Dieses Organisieren, Strukturieren

und minutiöse Planen waren mir fremd, aber es hat mich

auch beeindruckt, obwohl ich die chinesische Spontaneität

teilweise vermisst habe. Fremd war mir auch, dass sich in

Deutschland Männer und Frauen bei der Begrüßung umarmen.

Aber damit habe ich von Anfang an kein Problem gehabt,

weil es ja meinem Naturell entspricht.

84 - WOLL Sommer 2021


Wie reagieren die

Mitmenschen auf Sie?

Wenn mir jemand einzureden versucht,

die Sauerländer seien stur, kann ich nur vehement

widersprechen: Vor 30 Jahren war ich

sicherlich für die meisten Sauerländer die erste

leibhaftige Chinesin, die sie zu Gesicht bekamen.

Ich kann mich ausschließlich an herzliche, fröhliche

und wissbegierige Reaktionen erinnern. Da kam mir

echtes Interesse entgegen. Es ist ein wunderbares Gefühl,

wenn Menschen offen aufeinander zugehen. Ähnlich reagieren

auch die chinesischen Landsleute, wenn ich auf meinen

jährlichen Fahrten mit deutschen Touristen ein chinesisches

Dorf besuche. Alle wollen die „exotisch“ hellen,

blonden Haare der Europäer so gern einmal anfassen und

staunen über die Blässe ihrer Haut. Es ist ein wunderbares

Gefühl, wenn Menschen offen aufeinander zugehen. Die

Sauerländer gehören für mich eindeutig zu diesen offenen

Menschen.

Sind Sie eher eine Deutsche mit

chinesischen Wurzeln oder eine Chinesin,

die in Deutschland lebt?

Beides stimmt. Ich schätze mich als sehr privilegiert ein.

Ich habe das Glück, in zwei so reichhaltigen Kulturen aufgewachsen

zu sein und leben zu dürfen. Das ist etwas Wunderbares!

Beruflich liegt mein

Wo liegen heute Ihre beruflichen

Beraten und privaten Schwerpunkte? für deutsch

ist, freue ich mich w

Beruflich liegt mein Schwerpunkt auf dem Chinesisch-Unterricht,

Dolmetschen und Beraten für deutsche und chinesische

Unternehmen. Sobald Corona endlich besiegt ist,

freue ich mich wieder auf meine Reisen mit interessier ten

Menschen nach China.

Zum Abschluss möchte Abschluss ich gern den berühmten Konfuzius m

zitieren: Wenn drei Menschen zusammen sind, ist bestimmt

einer dabei, von dem ich etwas lernen kann. Mit altchinesi-

Menschen Schriftzeichen sieht das Zitat dann

zusamm

so aus:

( 三 人 行 , 必 有 我 师 )

So ist es auch bei den Menschen weltweit: Wenn du offen

bist, werden sich die Mitmenschen dir gegenüber auch öffnen.

Es gibt so viele Gemeinsamkeiten, die wir alle weltweit

und werthaltig nutzen können und sollten. ■

So ist es auch bei

Mitmenschen dir ge

alle weltweit und we

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Hongxia Zheng,

früheren VHS-Le

WOLL Sommer 2021 - 85


,,Erfolg kommt,

wenn du tust, was du liebst.‘‘

86 - WOLL Sommer 2021


Almer Reiterin Kim Brinkmöller liefert den Beweis

Leidenschaft kann man

nicht vortäuschen

Nele Ramspott

S. Droste

Sich mit gerade mal 15 Jahren im Mittelfeld der

westfälischen Meisterschaften zu platzieren, das allein

beweist großes Talent. Leidenschaft und Hingabe,

gekoppelt mit etwas Glück ließen die Reiterin Kim

Brinkmöller aus Brilon-Alme immer weiter wachsen.

Wir haben Sie in ihrem Reitstall in Altenbüren

besucht.

Schon früh verfiel die mittlerweile

20-jährige Reiterin aus Alme den großen

Vierbeinern mit den treuen Augen.

Mit gerade dreieinhalb Jahren durfte sie

erstmals auf einem Pony Platz nehmen,

dem ihrer Cousine. “Da

hat mich auch so schnell

keiner mehr runter

bekommen‘‘,

erinnert

sie sich

u n d

lächelt. Und so mussten ihre Eltern sie von da an regelmäßig

zu den Pferden fahren und bald darauf bekam Kim ihre ersten

Reitstunden. Sieben Jahre alt war sie, als sie Morena bekam,

ihr erstes Pony. Und dasjenige, das sie sehr weit vorangebracht

hat.

“Nie ohne mein Team”

Zwei Pferde, eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten,

gleichzeitig die Bedürfnisse von Familie und Freunden - das

alles unter einen Hut zu bekommen, schafft sie nur durch

einen straffen Zeitplan. “Auch wenn der Reitsport im Vordergrund

ein Einzelsport ist, steht doch eine ganze Mannschaft

dahinter. Jeden Tag helfen wir uns im Stall untereinander,

unterstützen uns in allen Lagen und fiebern immer für die

anderen mit.‘‘ erklärt sie mit Nachdruck. ‚,Ohne diese Unterstützung

ist es fast unmöglich‘‘. Für die Unterstützung ihrer

Eltern ist Kim besonders dankbar. So fuhr ihre Mutter sie

früher regelmäßig zum Stall und half ihr beim Putzen und

Satteln. Auch ihre Reitlehrerin stand ihr nicht nur im Unterricht,

sondern auch bei allgemeinen Fragen rund um die Versorgung

der Pferde stets mit Rat und Tat zur Seite.

WOLL Sommer 2021 - 87


Kim mit Sunbeam (li) und Donna (re)

Partner fürs Leben

Die Almerin berichtet, dass ihre beiden Pferde zwar etwas speziell

seien, jedoch genau die Charaktereigenschaften hätten,

die sie für sie besonders machen. “Die Stute ist ein richtiges

Mädchen‘‘, stellt Kim ihre neunjährige Stute Donna vor. Momentan

bildet sie sie noch selber aus und möchte sie nächste

Saison in weiteren M-Dressuren vorstellen. Trotz zwischenzeitlicher

„Zickereien“ kann sich Kim immer auf die braune

Stute verlassen und weiß sie im Ernstfall auf ihrer Seite.

Neben Donna ist sie seit rund einem Jahr im Besitz des elfjährigen

Wallachs Sunbeam, von dem sie dank seiner guten

Ausbildung viel lernen kann. Gemeinsam konnten sie 2020 in

Brilon eine M-Dressur gewinnen. Kim freut sich, ihn in der

kommenden Saison in Prüfungen der Klasse S vorstellen zu

können: “Dieser Wallach, der macht einfach alles mit“. Kim

lacht und schmiegt sich dann an seinen Hals.

Neben den vielen schönen, einzigartigen Momenten, die Kim

bereits erleben durfte, gab es aber auch schwierige Zeiten.

2019 musste ihr damaliger Wallach Bos nach längerer Krankheit

von seinen Schmerzen erlöst werden. Eine schwere Entscheidung,

die Kim gemeinsam mit ihrer Familie traf. Man

spürt, dass die Erinnerung an dieses Erleben die junge Frau

noch heute aufwühlt …

Die Gemeinschaft mit den anderen Reitern und die Vielfältigkeit

in der Arbeit mit den Tieren macht für Kim den Reitsport

so besonders. Er ist zu einem Teil ihres Lebens geworden, auf

den sie nicht mehr verzichten möchte. Wenn Kim über die

Pferde spricht, spürt man sofort auch wieder ihre Leidenschaft:

“Was die Tiere einem geben, bringt einfach so viel

Liebe mit‘‘. Deshalb hofft sie auch, “dass beide einfach nur

gesund bleiben‘‘. ■

88 - WOLL Sommer 2021


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Danny durchläuft seit 2020 eine Ausbildung

zum Verfahrensmechaniker für

Kunststoff- und Kautschuktechnik.

Marie hat im Sommer 2018 ihre Ausbildung zur

Industriefkauffrau bei Centrotherm in Brilon

begonnen und fühlt sich von Beginn an pudelwohl.

VON EINEM GUTEN

BEWERBER-GEFÜHL ZU SPANNENDEN

EINKAUFSPROJEKTEN

Die Azubis von Centrotherm profitieren von einer familiären Atmosphäre

und den Vorteilen der Internationalität rund um den Globus

Inga Bremenkamp

Centrotherm

bei meinem Vorstellungsgespräch habe

ich mich sehr wohl gefühlt und dieses Gefühl

„Schon

hat sich auch während meiner Ausbildung bestätigt“,

berichtet Marie, die im Sommer 2018 ihre Ausbildung

zur Industriefkauffrau bei Centrotherm in Brilon begonnen

hat und mittlerweile im Strategischen Einkauf des

führenden Anbieters von Kunststoff- und Abgassystemen

für Heizungsanlagen in der Brennwerttechnik arbeitet.

Die Centrotherm Systemtechnik GmbH aus Brilon ist in der

gesamten Welt zu Hause. Rund 200 Mitarbeiter am Standort

Brilon bringen sich täglich mit hohem Engagement ein. Dazu

kommen eigene Tochtergesellschaften in fast allen EU-Kernländern

sowie den USA und China. Neben der Ausbildung in

kaufmännischen und gewerblichen Berufen legt Centrotherm

auch viel Wert auf ergänzende Entwicklungsangebote, die die

Azubis in ihrer fachlichen und auch persönlichen Entwicklung

unterstützen. „Die Kollegen helfen uns Azubis extrem gut. Wir

profitieren von flachen Hierarchien und den Angeboten, die

extra für uns Azubis organisiert werden“, erklärt Marie, die von

regelmäßigen Azubi-Nachmittagen spricht, bei denen sich der

Nachwuchs austauscht, gemeinsame Projekte plant und diese

auch umsetzt. „Ich wurde von Beginn an sehr gut in das Team

integriert und freue mich über die Möglichkeit, in der Zukunft

auch ein Schwesterunternehmen im Ausland kennenlernen zu

können“, ergänzt Danny, der seit 2020 eine Ausbildung zum

Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik

absolviert.

Neben der eigenen Ausbildung von Nachwuchskräften, setzt

Centrotherm auch mit der Erweiterung des Produktions- und

Logistikbereichs ein positives Signal für eine mittel- und langfristige

Zukunft des Standortes. Flache Hierarchien und ein

modernes, internationales Arbeitsumfeld machen Centrotherm

zu einem attraktiven Arbeitgeber der Region. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

Centrotherm Systemtechnik GmbH

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WOLL Sommer 2021 - 89


Mit Schäferblut

in den Adern

Bachumer baut sich seinen

Schäferwagen selbst

Christel Zidi

Marc Niemeyer

90 - WOLL Sommer 2021


Schäferkarren zählen zu den ältesten Fahrzeugen

der Menschheit. Sie wurden gebaut, damit die

Hirten auch in der Nacht in der Nähe ihrer Herde

bleiben konnten. In Bachum hat Stefan Kemper einen

Schäferwagen nachgebaut. Ohne Planskizze, aber mit viel

Herzblut. Sein Urgroßvater Heinerich war Schäfer. Da

fließt wohl immer noch Schäferblut durch seine Adern...

Im Garten von Stefan Kemper steht ein Schäferkarren. Ein

schmuckes Teil. Der Einachser hat das typische Rundbogendach.

Über ein Zwei-Stufen-Treppchen gelangt man ins Innere.

Und das ist genauso gemütlich, wie es das Äußere verspricht.

Zwei Seitenbänke, eine Querbank,

überall kuschelige Schaffelle. Ein kleiner,

schwarzer Gussofen sorgt auch im Winter

für angenehme Wärme. „Man muss

die Temperatur natürlich immer wieder

regulieren und stochern, sonst wird es

zu warm im Schäferkarren“, erzählt

Stefan Kemper, der das letzte Silvesterfest

hier mit seiner Familie und den

Ex-Nachbarn verbracht hat. Stilechter

kann man als Urenkel eines Schäfers

kaum feiern.

Ja, Stefan Kemper‘s Urgroßvater war

Schäfer. Zunächst auf dem Hof Ebel

in Vosswinkel. Später errichtete er

das Haus, das seit 1848 auf der gegenüberliegenden

Straßenseite liegt. Er kaufte nach und nach

Land und Tiere hinzu - Kühe und Schweine – und aus der

Schäferei wurde ein Bauernhof. Auf diesem Bauernhof wurde

Stefan Kemper mit seinen Geschwistern groß.

Aus Langeweile erwächst Kreativität

Heute ist der 60-Jährige, der zwölf Jahre lang Schützenoberst

der St. Isidor-Schützenbruderschaft war, Maschinenbau-

Schlosser. Einer, der eigentlich immer gut beschäftigt ist, aber

im letzten Winter – wie viele andere auch – sehr viel Zeit hatte.

Zu viel Zeit – wie er fand, deshalb wurde ihm langweilig.

Dann kam ein Gedanke wieder in ihm hoch, den er schon

länger in sich trug: „ So ein Schäferwagen ist ja auch etwas

Schönes. Man könnte sich oben am Wald hinstellen und dann

einen Rundgang machen, mal ein Bier trinken...“

Gedacht, getan. Schließlich hat Stefan Kemper ausreichend

Platz in seiner Scheune, eine gutausgestattete Werkstatt ebenfalls.

Ein altes Fahrgestell hatte er geerbt.

„Und dann habe ich mir überlegt, wie mache ich das denn am

besten.“ Und so ging er ans Werk: „Zunächst mit U-Eisen,

ein Rahmen wurde untendrunter geschraubt und dann kamen

die Bretter für den Fußboden.“ Eine Zeichnung für den

Bau gab es nicht: „Ich hatte alles nur Kopf.“ Und der ließ ihm

meist nur noch wenig Ruhe: „Kurz vor dem Einschlafen habe

ich dann immer überlegt: Wie mache ich es denn am besten?“

Schäferkarren

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren

Schäferkarren (Schlupfkarren) so niedrig,

dass sie nur auf Knien begangen werden

konnten. Erst ab dem 19. Jahrhundert

konnte man darin auch stehen. Aus den

Schäferwagen entstanden die Wagen der

Schausteller und Zirkusleute.

WOLL Sommer 2021 - 91


„Ganz einfach nach dem

Kopf gebaut“

Die beiden Seitenteile

ließen sich noch relativ

leicht bauen, ein paar

alte Fenster holte er

sich vom Fensterbauer.

Dann kam

das Schwierigste,

denn seine Frau

Andrea meinte, ein

Schäferwagen müsse

auch ein Rundbogendach

haben. „Wie

kriegst du das denn hin?“

überlegt er. „Denn ich bin ja

eigentlich Maschinenbau-Elektriker

und kein Schreiner.“

Er begann also eine Dachlatte in vier

dünne Streifen aufzuschneiden, leimte sie als Paket

zusammen. Anschließend baute er sich eine Schablone und

bog die Bretter mit einer Schraubzwinge drumherum. Jeden

Nachmittag ein Rundbogen. „Ja und so bekommt man auch

ein Rundbogendach hin“, erklärt er.

Und wie er das hingekriegt hat. Kempers Schäferwagen ist

zum Schmuckstück geworden – von innen und außen. Mit

einfachen Brettern, die er „natürlich ein bisschen gehobelt

Im Inneren des Schäferwagens

hat“. Mit Liebe zum Detail – „Jede

Loipe außen ist mit einer Heckleiste

versehen und immer in

der Mitte geschraubt, damit

das nicht reißt.“ Und

mit dem Tipp an Nachahmer:

„ Man muss nur

Stück für Stück überlegen,

wie machst du es

denn am besten.“

Der Schäferwagen

wird ab und an mal

mit dem Trecker an

den Waldrand gefahren.

Ansonsten steht er für gemütliche

Stunden und auch

für Kindergeburtstage auf der

Wiese hinterm Haus.

Vom 2,30 x 1,90 m großen Wagen aus hat

man einen herrlichen Blick auf Bachum und auf die

Pferde, die auf der Wiese vorm Haus grasen. Was die Idylle

perfekt machen würde, wären nur noch … Schafe. Daran hat

Stefan Kemper auch schon gedacht. Platz ist da, eine Scheune

ebenfalls. Nicht zuletzt schwärmt auch seine Frau von Schafen.

Sicherlich werden die schon bald auf Kempers Wiese stehen.

Stefan Kemper, da fließt wohl immer noch Schäferblut

durch seine Adern. ■

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92 - WOLL Sommer 2021


Carl Ferdinand Freiherr von Lüninck

Ein (fast) ganz

normaler Ostwiger

Sauerländer LEUTE –

Der MENSCH dahinter

Britta Melgert

Tom Linke

Die von Lünincks – ein niederrheinisches Adelsgeschlecht, das urkundlich zuerst im 15. Jahrhundert erwähnt

wird. Ein Zweig der Familie ist seit 1777 im sauerländischen Ostwig ansässig. Wir haben den heutigen Freiherrn

Carl Ferdinand von Lüninck besucht.

WOLL Sommer 2021 - 93


Haus Ostwig

Der Wald ist seine Welt – und die

schönste Freizeitgestaltung

Er öffnet selbst die Eingangstür und führt uns ins große, mit

antiken Möbeln bestückte Zimmer. Den Tag hat Carl Ferdinand

von Lüninck im Wald verbracht. Holz ist seine Welt.

Der Forstwirt bewirtschaftet nicht nur Wälder auf Bestwiger

Territorium, sondern auch in Brandenburg. Seine Augen

leuchten, wenn er versichert, dass seine berufliche Tätigkeit

für ihn gleichbedeutend mit Freizeitgestaltung ist. „Die Natur

zu bewahren, trotz Augenmerk auf wirtschaftliche Erfordernisse

– für mich ist das eine lohnende Aufgabe. Ich

tüftle gern, probiere neue Baumarten aus und bin mir auch

nicht zu schade, gute Ideen von befreundeten Fortwirten

einzuholen.“

Erzogen als der Erbe- mit Ostwiger Wurzeln

Der Weg als Titelträger und Unternehmer wurde ihm in

die Wiege gelegt. Als ältester Sohn war es seinerzeit entschiedene

Sache, dass er seinem Vater und den Vorfahren

folgen würde, also wurde er als der Erbe erzogen. Mit 12

gings von zuhause fort ins Internat. Bundeswehrzeit und

Studium folgten, dann der Aufbau des ostdeutschen Betriebszweiges.

„Natürlich hatte ich währenddessen immer auch Kontakte

nach Ostwig“, erinnert er sich. Kleine Besuche gab

es beispielsweise zum Schützenfest. „Im Jahr 1997 habe ich

sogar den Vogel abgeschossen. Da ich seinerzeit noch keine

Freundin hatte, die ich zur Königin hätte machen können,

wählte ich dafür mein früheres Kindermädchen Hildegard“,

lächelt er, und er verrät: „Die liebe Hildegard, die auch in

Ostwig lebt, ist immer noch bei uns im Haus Ostwig tätig.

Sie kümmert sich tageweise um unseren Haushalt und darum,

dass es uns gut geht.“ Mit ‚uns‘ sind neben ihm selbst

seine Ehefrau Sophie, die vier Kinder Carl-Anton (18),

Anna (16) Marie-Theres (14) und Otto (13), seine Tante

Tia sowie deren Pflegerin gemeint.

„Für uns ist das Umfeld wichtig“

„Als ich im Jahr 2008 mit meiner Familie zurück nach Ostwig

kam, um mich in die Geschäfte meines Vaters einzuarbeiten,

wollten wir uns einen Ankerpunkt schaffen, weil uns

unser Umfeld wichtig ist“, erinnert sich der Freiherr. „Dieses

Fleckchen Erde und seine herzlichen Bewohner haben uns

definitiv gefallen. Ist doch klar, dass wir uns engagieren.“

‚Kumm rin‘ – eine Erfolgsstory

Nach der 30-jährigen Abwesenheit fiel Carl Ferdinand allerdings

auch auf, was sich hier verändert hatte: „Es gab keine

Treffpunkte mehr für die Menschen - eine große Gefahr für

das Gemeinschaftsgefühl. Dem wollte ich unbedingt entgegenwirken.

Direkt auf unserem Gelände, gleich gegenüber

der Kirche, stand ein Viehstall seit Jahren leer. Mit viel Holz

aus meinen eigenen Wäldern und der fleißigen Unterstützung

der Helfer aus dem Ort haben wir ihn zur Ehrenamtskneipe

‚Kumm rin‘ umgebaut.”

Die feierliche Eröffnung am zweiten Weihnachtstag 2011

wurde legendär. “Ich erinnere mich daran, dass ich am nächsten

Morgen aus meinen Schlafzimmerfenster blickte und

dort Menschen sah. ‚Die machen ja schon sehr früh sauber’,

wunderte ich mich. Aber nein, die Ostwiger waren immer

94 - WOLL Sommer 2021


noch am Feiern. Da wusste ich, dass

eine Erfolgsstory begonnen hatte. Ich

freu mich über jeden Euro Gewinn,

der dem Ort und dessen Vereinen zufließt.“

Wirklichen Dank dafür will er

nicht. „Seien wir ehrlich, ich war in

der glücklichen finanziellen Lage, es

mir für meinen Ort leisten zu können.

Und ich mag halt Bier!“, sagt er

und lacht.

Familienleben und

gesellschaftliche Verpflichtungen

Und wie lebt ein Sauerländer Adeliger

sonst so? „Wir haben im Prinzip

den gleichen Tagesablauf wie andere

Fami-lien auch“, versichert der

Freiherr. „Der Wecker klingelt um

05:30 Uhr, damit die Kinder Frühstück

bekommen und es rechtzeitig

zum Schulbus schaffen. Das ist meine

erste Aufgabe des Tages, damit sich

meine Frau auf Ihren Arbeitstag als

Direktorin im Amtsgericht Warstein

vorbereiten kann. Aber dann … ja, ja

… die schönste Freizeitgestaltung im

Wald!

„Natürlich haben wir auch gesellschaftliche

Verpflichtungen. Treffen

mit der Familie oder mit Mitgliedern

von befreundeten Adelshäusern

sind obligatorisch. So habe ich seinerzeit

meine Frau, die als Baroness

von Mirbach aufgewachsen ist, kennengelernt,

was nicht nur für mich

selbst ein Glücksfall war, sondern

auch meine Eltern sehr gefreut hat“,

berichtet. „Für meine Frau und mich

wäre es aber in Ordnung, wenn sich

unsere Kinder einmal für bürgerliche

Partnerinnen oder Partner entscheiden

sollten. Es muss halt passen.“

Und wenn wir schon über unsere

Kinder sprechen – deren Wohlergehen

und ihre Entwicklung sind uns

als Eltern sehr wichtig. Unser Großer

wird wohl mal mein Nachfolger

werden, doch falls er lieber einen anderen

Weg ergreifen möchte, dann

hätten wir auch kein Problem damit,

wenn eine der Töchter oder der jüngere

Sohn einspringt. Da ticken wir

doch moderner als die Generationen

vor uns“, lacht er.

Hohe Akzeptanz im eigenen Dorf

Modern und in die Zeit passend - so

scheint das auch die Ostwiger Bevölkerung

zu sehen. Man spricht mit

Hochachtung über ihn, ist aber auch

voller Dankbarkeit hinsichtlich des

‚‘Kumm rin‘. Sympathisch, natürlich,

freundlich und humorvoll – das sind

die anerkennenden Attribute, die ihm

die Dorfbewohner zuschreiben - und

dass er „irgendwie mittendrin“ ist. Ein

(fast) ganz normaler Ostwiger halt. ■

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„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, einen

gepäppelten Vogel wieder in seine Freiheit

zurücklassen zu können“

- Nina Karpinski

Nina Karpinski

Silvia Padberg

W

ildvogelnotfall was tun? Nina Karpinski, 38

Jahre alt, aus Messinghausen widmet sich in ihrer

freien Zeit der Pflege von verletzten und kranken

Wildvögeln. Wann immer es an der Haustür klingelt

oder das Telefon bimmelt, lässt sie alles stehen und liegen,

da sie bereits ahnt, dass ihr ein verletzter Vogel

gebracht wird.

WOLL: Frau Karpinski, woher kommt Ihr Engagement

für verletzte Vögel?

Nina Karpinski: Das Fundament, Interesse an Tieren

und Natur, war schon lange gelegt. Über das Hobby

der Fotografie bin ich immer aufmerksamer gegenüber

unseren Wildvögeln geworden. Ein paar Jahre habe ich

mich belesen und mich mit anderen Wildvogelpäpplern

ausgetauscht. Ein gewisses Grundwissen sowie gute Kontakte,

u.a. zu vogelkundigen Tierärzten, müssen gewährleistet

sein.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl einen gepäppelten Vogel wieder

in seine Freiheit zurücklassen zu können oder aber eine Aufzucht

auf den Weg in sein eigenes Leben begleiten zu können. Aber wir können

leider nicht jedes Leben retten, auch damit muss man umgehen können,

auch das gehört dazu.

WOLL: Seit wann helfen Sie Wildvögel in Not?

Nina Karpinski: Dass ich tatsächlich Wildvögel

päppeln würde, stand für mich

bereits vor ein paar Jahren fest,

jedoch sah der zeitliche Plan

etwas anders aus. Nach dem

Umzug nach Brilon sollte

zunächst das Haus fertig

renoviert werden und

WOLL Sommer 2021 - 97


dann wollte

ich beginnen.

Mein erster

Patient ließ jedoch

nicht lange

auf sich warten.

Ich fand ihn

im Frühjahr 2020

vor meiner eigenen Tür.

Das war im Grunde der

Start in die eigenständige Wildvogelpflege.

Denn ich fand heraus, dass

es im größeren Umkreis keinerlei Anlaufstellen für gefundene

Wildvögel gab, die Nachfrage aber durchaus groß ist.

WOLL: Wie finanzieren Sie ihre Projekte?

Nina Karpinski: Das ist eine sehr kostenintensive Angelegenheit.

Es sind die Unterbringungsmöglichkeiten, hier werden

keine Käfige genommen, da sie dem Gefieder schaden,

sondern z. B. Flexarien, Softboxen und Moskitozelte. Die Futter-,

Tierarzt-, und Spritkosten. Es können auch immer mal

Sonderfälle sein, die in einer Tierklinik versorgt werden müssen

oder längerfristige Spezialbehandlungen benötigen. Wir,

ich nutze das „wir“, weil es allen Wildtierpäpplern so ergeht,

finanzieren das aus den eigenen Portemonnaies und sind daher

natürlich auch auf Spenden angewiesen. Wir haben häufig

Kosten von mehreren hundert Euro im Monat, wobei ich hier

von der Hauptsaison, im Sommer, spreche. Ja, so ein junger

und kleiner Pieps hat einen gesunden Hunger auf dem Weg in

sein eigenes Leben in Freiheit.

WOLL: Was ist zu tun, wenn man einen hilflosen oder

verletzten Vogel findet?

Nina Karpinski: Das Allerwichtigste ist: Ruhe bewahren!

Dann ist zu klären, ob das gefundene Tier tatsächlich hilfebedürftig

ist - und schon hier helfen die richtigen Anlaufstellen

weiter. Ganz wichtig, gar überlebenswichtig für das Fundtier:

Keineswegs Futter oder Wasser geben!

WOLL: Wie bringe ich einen Fundvogel unter?

Nina Karpinski: Einen ausgewachsenen Wildvogel gibt man

in einem Karton, der mit Luftlöchern versehen ist und stellt

ihn an einen ruhigen Ort. Bei jungen Vögeln sind Wärme

und ein Nest wichtige Faktoren. Wenn das Vögelchen noch

nicht sein vollständiges Federkleid hat, sollte dieser warm gehalten

werden. Für das Nest nimmt man eine Schale oder

Schüssel, legt diese mit Küchenpapier, einer wärmenden Socke

oder einem Fleecelappen aus. Dieses Nest platziert man

in einer Box, Wanne oder Schale, darunter eine Wärmequelle

z. B. eine Wärmflasche. Zusätzlich legt man einen feuchten

Waschlappen in die Box/Schale, neben das Nest, da auch die

Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle spielt. Ist alles gerade

nicht umsetzbar, wärmt man den kleinen Pieps mit der eigenen

Hand.

An dieser Stelle möchte ich erneut betonen, dass es extrem

wichtig ist, dem Fundtier weder Wasser noch Futter zu geben.

Was viele nicht wissen, die Luftröhre liegt direkt unter der

Zunge. Gerade Jungvögel können dies nicht steuern, daher

trinken sie auch nicht. Wird Wasser verabreicht, gelangt dieses

sofort in die Lunge – Lebensgefahr!

WOLL: Worauf ist zu achten bei einem noch nicht voll

befiedertem Jungvogel?

Nina Karpinski: Wir Vogler unterscheiden zwischen einem

Nestling und einem Ästling. Ein Nestling sitzt noch komplett

auf seinen Beinen und besitzt noch kein vollständiges Federkleid.

Ein Ästling ist voll befiedert und kann sich schon auf

seinen Füßen halten und ist mindestens hüpfend unterwegs.

Ein Nestling ist außerhalb seines Nestes schutzlos gegenüber

Feinden und wird von seinen Eltern nicht mehr versorgt, hier

ist Hilfe gefragt. Bei einem Ästling gilt zu beobachten, ob dieser

versorgt wird. Die Elterntiere halten sich in der Regel in

unmittelbarer Nähe auf.

WOLL: Man sagt, wenn man einen Jungvogel in der Hand

gehalten hat, dass Vogeleltern die Kleinen nicht mehr versorgen,

stimmt diese Aussagen?

Nina Karpinski: Es ist grundsätzlich ein lange überholter

98 - WOLL Sommer 2021


Irrglaube. Findet man einen jungen Pieps an einer Gefahrenstelle,

wie an einer Straße, kann man diesen umsetzen. Man

kann ihn in unmittelbarer Nähe zum Beispiel an eine Hecke

oder unter einen Strauch absetzen, so dass er geschützter sitzt.

Ist man der Ansicht dass der Pieps aber noch in ein Nest gehört,

sollte man ohne Anleitung, die die beratenden Fachleute

gerne geben, keine eigenständige Rückführung unternehmen,

auch nicht wenn man sich sicher ist, um welches Nest es sich

handelt.

WOLL: Suchen Vogeleltern ihre Sprösslinge, wenn sie verloren

gegangen sind?

Nina Karpinski: Ja. Sie suchen, und zwar rund 24 Stunden

lang. Diese Zeit hat natürlich nicht jeder Jungvogel, je kleiner

er ist, desto schneller sollte er von seinen Elterntieren gefunden

werden. Bei Jungvögeln, die von den Eltern gefüttert

werden, sollte man gute zwei Stunden beobachten, ob sich die

Elterntiere kümmern. Ist dies nicht der Fall sollte man helfend

einschreiten oder sich, schon vorab, an eine fachkundige Stelle

wenden.

WOLL: Gibt es Sonderfälle?

Nina Karpinski: Schwalben sowie Alpen- und Mauersegler

sind Ausnahmefälle. Findet man eine Schwalbe oder einen

Segler am Boden, egal wie alt, braucht dieser Vogel immer

Hilfe!

WOLL: Auf einem Ihrer Fotos erkennt man den wunderschönen

farbenprächtigen Eisvogel, bei welcher Verletzung

haben sie ihn wieder aufgepäppelt?

Nina Karpinski: Dieses wunderschöne Prachtexemplar wurde

mir von einer engagierten Finderin aus Hallenberg gebracht.

Er war mit einem Auto kollidiert. Er hatte recht viel

Glück gehabt und sich nichts gebrochen. Eine ordentliche

Prellung legte sein Flugvermögen jedoch für ein paar Tage

lahm. Nach etwas mehr als 14 Tagen konnte er aber wieder in

sein Revier zurückkehren.

WOLL: Werden Sie vom Naturschutzbund NABU in irgendeiner

Form unterstützt?

Nina Karpinski: Wir arbeiten nicht direkt zusammen, stehen

allerdings regelmäßig in Kontakt. Der NABU wird durch uns

Päppler informiert, wenn wir gewisse Krankheitsbilder bei

Wildvögeln feststellen, so dass der NABU Meldungen herausgeben

kann. ■

Ehrenamtliche Wildvogelpäppler im HSK

Nina Karpinski 0152 - 34031282

Wildvogelhilfe Sundern, Esther Rossa

0152 - 54231461

BUND Greifvogelhilfe HSK in

Sundern, Falknerin Claudia

Haardt, 0171 – 6430249.

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Facebook-Gruppe:

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Nina Karpinski

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WOLL Sommer 2021 - 99


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“...ein Strandkorb von Nordoder

Ostsee, der passt nicht

wirklich hierher” Manuel

Müller, Tischlermeister

Strandkorb war gestern

GÖNNEN SIE SICH DOCH MAL

EINE PAUSE(N-BUTZE)

Christel Zidi

sabrinity

Ein Strandkorb – der Inbegriff

vom Urlaub an der See. Wind,

Sonne, Wellen – wunderbare

Stunden der Muße, gut geschützt

vor Wind, Hitze und Regen. Allein

mit einem guten Schmöker oder in

lieber Gesellschaft. Runterkommen,

entspannen. Sich am Rauschen des

Meeres, dem Anblick der untergehenden

Sonne erfreuen – das ist Erholung

pur.

Einmal erlebt, reicht das Wort Strandkorb

aus, um sekündlich in Urlaubsstimmung

zu fallen. Aber das Meer

ist weit weg … Stimmt. Wäre es nicht

trotzdem möglich, zumindest dieses

ganz bestimmte Strandkorb-Urlaubsfeeling

ins Sauerland holen?

„Auf jeden Fall“, dachte sich Manuel

Müller aus Brilon-Radlinghausen „Wir

haben hier eine völlig andere, aber nicht

weniger schöne Landschaft. Doch ein

Strandkorb von Nord- oder Ostsee, der

passt nicht wirklich hierher.“ Der Radlinghauser

Tischlermeister hatte schon

bald die passende Idee für einen „Sauerländer

Strandkorb“. Strand und Korb –

beide Begriffe passten natürlich nicht so

ganz. Also benannte er sein Werk nach

dem Äußeren (Butze – kleine Bude)

und nach der Verwendung: Pausenbutze.

Und das hat er sich sogar als Marke

schützen lassen.

Manuel Müller verwendet ausschließlich

hochwertige Materialien. Die

Pausenbutze besteht überwiegend aus

22mm Fichten-Massivholz, nordische

Fichte. Das Dach fertigt der Tischlermeister

aus Sibirischer Lärche. Während

das Grundteil komplett in einem

Stück geliefert wird, besteht das Dach

aus zwei Teilen, die ganz einfach mit

zwei mal vier Schrauben befestigt werden.

“Wir verwenden das gleiche Material

wie für Holzfassaden – das hält

quasi ewig dicht”, erzählt Müller begeistert.

Alle Kanten sind abgerundet,

auch das spricht für die hochwertige

Verarbeitung. Rustikal-gemütlich wird

die Pausenbutze durch zwei Sprossenfenster,

Blumenkästen und Sitzpolster

mit Bezügen aus hochwertigem Outdoorstoff.

Wer seine Pausenbutze ganz individuell

ausstatten möchte, bestellt Gardinen,

Anstecktisch oder Fußstützen.

Natürlich kann man die Pausenbutze

in Holz-Natur belassen, sie gegen Verwitterung

ölen oder auch anstreichen

lassen. Zum Beispiel in der Trendfarbe

100 - WOLL Sommer 2021


Manuel Müller

Tischlermeister

Am Ruhberg 26

59929 Brilon

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Grau. Auch die Gardinen gibt es in mehreren

Varianten: im modischen Anthrazit,

kariert in rot-weiß oder grün-weiß. Auf

Wunsch aber auch noch in vielen anderen

Farben und Mustern.

Ganz ausgefallen war diese Ausstattung:

„Eine Kunde wollte ihren Mann zum 50.

Geburtstag mit einer Pausenbutze überraschen“,

berichtet uns Manuel Müller.

„Deshalb ließ sie die Butze in Rot-Weiß

streichen, die Gardinen in den gleichen

Farbtönen. Ihr Mann ist erklärter FCK-

Fan“, erzählt uns Manuel Müller.

In der Pausenbutze kann man jederzeit

ganz schnell Entspannung finden. Wie der

Name schon sagt: in den Pausen, nach Feierabend.

Mal kurz, mal länger. Urlaubsstimmung

aus dem Sauerland. ■

WOLL Sommer 2021 - 101


Robert geht wandern:

Südlich von Velmede und Bestwig

Robert Hinkel

1Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz an der Spielund

Freizeitanlage Halbeswiger Straße am südlichen

Ortsausgang von Velmede. Dieser ist 500 m entfernt

von der Bushaltestelle Veledastraße. Wem 14 km zu weit

sind, der kann die Tour um bis zu 7 km verkürzen (siehe

Anmerkungen im Text).

2Erst einmal geht es links von der

Halbeswiger Straße recht ordentlich

bergauf. Nach 900 m Strecke kommt

man an der Veledahöhle vorbei. Wer im

Sommer eine Abkühlung benötigt, der buche

eine Führung.

3Noch weitere 50 Höhenmeter bergauf, dann habt ihr es vorerst

geschafft und umrundet den Ostenberg, bevor ihr über den

Bestwiger Panoramaweg wieder absteigt. Allerdings empfehle

ich, an der folgenden Weggabelung nach knapp 3 km nochmal links

leicht bergauf zu gehen (rechts wäre 1,4 km kürzer).

4Links kommt man nämlich erst durch ein nettes Waldstück und hat später

eine schöne Aussicht auf Heringhausen und die 700er Berge dahinter.

102 - WOLL Sommer 2021


5Beide Varianten führen an einem Taubenhaus vorbei,

in dessen Nähe eine Bank steht (am rechten Bildrand).

6Unten in Heringhausen an der Gevelinghauser

Straße bietet sich wieder eine Abkürzungsmöglichkeit:

Einfach links über den Radweg bzw. den

Wanderweg X14 durchs Valmetal gehen, und keine 2

km weiter ist man in Bestwig. Die hier vorgestellte

14-km-Wanderung führt aber nochmal rechts Richtung

Gevelinghausen, über den Weg H6.

71 km weiter biegt ihr aber doch links ab, überquert

die Gevelinghauser Straße und umrundet

den Breberg über seine Ost- und Nordseite. Allen

Widrigkeiten zum Trotz, geradeaus geht’s weiter.

Keine Sorge, bei näherem Hinsehen ist das ein gepflegter

markierter Wanderweg.

8Diese Streckenführung hat den Vorteil, dass man

an einer Bank am Ortsrand von Bestwig wieder

Aussicht ins Valmetal hat.

WOLL Sommer 2021 - 103


9

Jetzt geht’s runter zum Bestwiger Bahnhof, wo man

in den Bus steigen und an der Veledastraße aussteigen

kann. Wer möchte kann sich hier im Ort mit einem Imbiss

stärken. Danach gibt es noch einen einzigen Anstieg links

rauf durchs Wohngebiet bis zum Wanderweg V3.

Diese Strecke wandere ich am 14.8.2021 um

10 Uhr. Weitere Geschichten mit ~5 Minuten

Lesezeit gibt’s auf www.sauerland-wandernund-wetter.blogspot.com

letzten 500 m führen bergab über den V1

und den Bestwiger Panoramaweg.

10Die

104 - WOLL Sommer 2021


Alte

Christel Zidi

S. Droste

Bahnhöfe

Oeventrop

Seit 1870 gibt es einen Bahnhof an der Oberen Ruhrtalbahn. Für Oeventrop ist er von besonderer Bedeutung, denn

von hier aus bestehen Verbindungen nach Hagen, Dortmund, Winterberg, Warburg und Kassel. Diese Anbindung ist

sowohl für Pendler, Schüler und auch für den Freizeit- und Tourismusverkehr wichtig.

WOLL Sommer 2021 - 105


Brilon-Alme

Am 1. April 1901 erreicht der erste Zug den Bahnhof Alme. Hier entlang führte die Almetalbahn, eben jene Eisenbahnstrecke,

die von Paderborn über Büren nach Brilon führte. Der Personenverkehr auf der Strecke wurde 1981

eingestellt. Güterzüge kamen noch bis 1991 an.

Eslohe

Eröffnet wurde der Güterbahnhof Eslohe 1911. Nach der Einstellung des durchgehenden Güterverkehrs 1965 wurde

Eslohe nur noch aus Richtung Wennemen bedient. Der Personenverkehr endete 1966, letztmalig fuhr 1972 ein

Sonderzug von Finnentrop den Bahnhof an. 1998 erfolgt die Gesamtstilllegung.

106 - WOLL Sommer 2021


Rüthen

Die Bahnstrecke Möhnetalbahn war eine überwiegend eingleisige Bahnstrecke, die 1898 eröffnet wurde. Von Soest

über den Haarstrang, hielt sie an den Bahnhöfen in Wamel, Allagen, Belecke und Rüthen und fuhr weiter bis nach

Brilon. 1960 wurde der planmäßige Personenverkehr eingestellt.

Warstein

Der Warsteiner Bahnhof wird nur noch für den Güterverkehr genutzt. Die Bahnverbindung Warstein–Lippstadt

wurde 1883 eröffnet, als Teil des Streckennetzes der Westfälischen Landeseisenbahn. Der Personenverkehr auf dieser

Strecke wurde 1975 eingestellt. Vom Bahnhof Warstein werden einige der Warsteiner Kalksteinbrüche sowie, seit

Frühjahr 2005, auch die Warsteiner Brauerei erschlossen.


Sundern

1900 wurde die Eröffnung der Röhrtalbahn mit den Endbahnhof Sundern gefeiert. Hier gab es auch ein kleines Bahnbetriebswerk

zur Versorgung und Reparatur der hier eingesetzten Lokomotiven und Triebwagen. Später errichtete man für

die Triebwagen eine Halle, wo sich auch die Dieseltankstelle befand. Neben dem starken Stückgutverkehr liefen bis zum

Mai 1966 auch eine ganze Reihe Personenzüge auf der Röhrtalbahn.

108 - WOLL Sommer 2021


Wennemen

1911 fuhr zum ersten Mal ein Zug durch Wennemen. Der dortige Bahnhof bildete den Endpunkt der Nebenstrecken

von Finnentrop und Altenhundem ausgehend und damit auch den der Querverbindungen von der Ruhr-Sieg-Strecke

zur Oberen Ruhrtalbahn. Der Personenverkehr wurde 1966, der Güterverkehr 1996 eingestellt. ■

Grillsaison

Ran an die Grillzange!

Rauf auf den Rost!

Ausgerechnet beim Grillen an der

Qualität sparen, wo man Frische

doch so gut herausschmecken

kann? Nicht bei uns! In unserer

Kühltheke bekommen Sie viel Gutes

für Ihr Geld: Grillgut in hausgemachten

Marinaden, Würste nach eigener

Rezeptur und exzellente Fleischqualität

für einen wunderbaren Grillabend.

Testen Sie mal:

• Lummersteaks mit

süßlich-rauchiger Note

• Honey BBQ- oder

Pfeffer-Nackensteaks

• Spicy Lemon-Hähnchenbrust

• Putensteaks »Las Vegas«

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oder feurig-käsige »Brandstifter«

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Schön sind nun die Abendstunden...

Sommerzeit

Robert Dröge

Ein jeder liebt wohl ohne Frage

warme helle Sommertage.

Dicke Pullover, Mantel, Anorak

sind wohlverwahrt und weggepackt.

Luftig ist die Kleidung jetzt,

der Fuchs trägt Sommerpelz zuletzt.

Vögel zwitschern, jubilieren,

keiner muss mehr draußen frieren.

Freibäder laden zum Schwimmen ein.

Corona muss ja bald mal am Ende sein.

Schön sind nun die Abendstunden,

allein und in geselligen Runden,

am Gartenteich, am Grill mit feuriger Glut,

Ruhe und Stille, sie bedeuten uns viel, sie tun uns gut.

Wir genießen die Stunden beim Bier, beim Wein,

wünschen, es könnte immer so sein.

Doch die Zeit, sie bleibt leider nicht stehen

Herbst und Winter sind bald schon zu sehen.

Aber seien wir fröhlich, seien wir Optimist,

für den heute heute und nicht schon morgen ist.

110 - WOLL Sommer 2021


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WOLL Sommer 2021 - 111


Sophie Kroll-Fiedler

Monika Loerchner

S. Droste

Das

Schicksal der

Geschwisterkälber

Von Kälbern und Kühen auf einem Belecker Hof

N

ormalerweise werden die männlichen Kälber

eines Milchviehbetriebes mit zwei Wochen verkauft

und mit 22 Wochen geschlachtet. Wie sie

während der 20 Wochen in einem Kälbermastbetrieb leben,

ist oft leider ungewiss. Um das zu ändern, hat Sophie

Kroll-Fiedler auf ihrem Bioland-Milchviehbetrieb das

Projekt „Geschwisterkälber“ ins Leben gerufen.

Pferde, zahlreiche Katzen und Border-Collie-Hündin Levi leben

mit Familie Kroll-Fiedler auf dem zehn Hektar großen

Biolandhof am Südhang des Haarstrangs. Herzstück des Betriebes

in Warstein-Belecke aber sind die Milchkühe. „Wenn

das Wetter mitspielt, sind sie am liebsten draußen“, erzählt

Sophie Kroll-Fiedler. Abends können wir vom Wohnzimmerfenster

aus sehen, wie die Kälber noch mal rausgehen und

toben.“

Ohne Kälbchen keine Milch

„Alle Menschen, die Fleisch essen, auch die, die sich vegetarisch

ernähren, sollten über Tierwohl nachdenken“, sagt die

28-Jährige. „Für jedes Milchprodukt, jede Scheibe Käse, muss

es auch immer ein Kälbchen gegeben haben.“ Die weiblichen

Kälber in der Milchviehhaltung werden großgezogen und

nach gut zwei Jahren in die Milchviehherde integriert. Für die

männlichen Kälber sieht die Sache ganz anders aus.

„Bullenkälber unserer einseitigen Milchviehrassen verkommen

immer mehr zum Abfallprodukt“, erzählt Sophie Kroll-

Fiedler traurig. Um die Bullenkälber groß zu ziehen, geht den

Bauern die Milch verloren, die die Tiere trinken und es fehlt

an Platz, sie aufzuziehen. Daher werden sie meist im Alter von

zwei Wochen für einen Preis von nur 0 bis 80 € an eine spe-

112 - WOLL Sommer 2021


BIO-KALBFLEISCH

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Weitere Termine werden auf unserer Website

bekannt gegeben.

Wir bieten folgende Produkte an:

Bestes Kalbfleisch (auch toll

für den Grill) von Kälbern aus

unserem Aufzuchtprojekt

„Geschwisterkälber“.

Dazu Hanföl, Dinkelmehl, Dinkelnudeln

und Haferflocken in Bioland-Qualität aus

eigenem Anbau.

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WOLL Sommer 2021 - 113

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zialisierte Kälbermast verkauft. Dort treffen die Tiere zahlreiche

Artgenossen und somit auch auf Krankheitserreger, die oft

nur durch prophylaktische Antibiotikagaben im Griff gehalten

werden können. „Diese Form der Kälberhaltung mit dem

begrenzten Platzangebot und der Fütterung mit Milchersatzprodukten

konnte ich für unsere Kälber nicht mehr ertragen“,

erzählt Sophie Kroll-Fiedler. „Ich habe meine Eltern davon

überzeugt, dass wir auch die männlichen Kälber aufziehen.“

Das war Anfang 2020. Mittlerweile hat sich das Projekt „Geschwisterkälber“

auf dem Hof fest etabliert; die männlichen

Kälber leben auf dem Biohof nun länger als in der Kälbermast.

Nach sieben Monaten werden sie geschlachtet. Bis dahin

haben sie schon ordentlich an Gewicht und Größe zugelegt.

Dem Nutzvieh mit

Wertschätzung begegnen

„Es ist immer schwierig, den Leuten zu erklären, dass das keine

kleinen Kälbchen sind, die wir schlachten, sondern schon

richtig große Tiere“, erzählt die Landwirtin. „Wenn die Leute

ihre Bestellung abholen, führen wir sie auch gern hier herum.

Jeder ist herzlich eingeladen, sich unseren Hof und die Tiere

anzusehen.“

Dennoch bleiben die Rinder Nutzvieh, ihr Schicksal ist vorherbestimmt.

Eine Tatsache, mit der die Hofnachfolgerin

noch immer zu kämpfen hat. „Am Anfang habe ich die Kälber

noch gezähmt. Das ging aber nicht mehr, das ging mir

dann zu nahe.“ Wenn es für die Tiere heißt, zum Schlachter

gebracht zu werden, tröstet sich die Landwirtin mit dem Gedanken,

alles für das Tierwohl getan, sie freundlich und mit

Achtung behandelt zu haben. „Die Konsequenz der Veganer,

ganz auf die Tierhaltung zu verzichten, bedeutet auch den

Verzicht auf artgerechte Tierhaltung und auf den so wichtigen

Nährstoffkreislauf für den Biopflanzenbau. Wenn wir die

Tiere nicht irgendwann essen, gibt es sie auch nicht mehr; das

wäre zu schade.“

„Mit Hilfe von Freunden bieten wir hier eine schöne Möglichkeit,

auch beim Fleischessen aufs Tierwohl zu achten.“ Ein

Angebot, das bei den Verbrauchern gut ankommt. Dennoch

ist die Aufzucht der männlichen Kälber kein lukratives Unterfangen.

Sophie Kroll-Fiedler und ihre Familie nehmen dieses

Risiko jedoch gern in Kauf. „Wir wünschen uns, dass die Verbraucher

uns weiterhin so gut unterstützen“, so die Landwirtin.

„Es ist viel Arbeit, die sich lohnt.“ ■

„Für jedes Milch produkt, jede Scheibe

Käse, muss es auch immer ein

Kälbchen gegeben haben.“

- Sophie Kroll-Fiedler

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114 - WOLL Sommer 2021


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