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möbel kultur 3/22

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ZKZ 4937

3 I 2022

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Möbel-Missionar

So treibt Martin Wetscher sein

Business on- und offline voran

Mehr

Nachhaltigkeit

Foto: Agro

Wie die Branche mit innovativen

Konzepten grüner werden kann

UMSÄTZE-EXTRA

TOP 30 MIT

22,6 MRD. EURO

Ukraine-Krieg: Aus Möbler-Sicht

EuroComfort Group: Dynamisch

Emma: Omnichannel-Strategie

Katharina Hartmann: Frauen fördern!

Polstermöbel: Milliarde geknackt

Nobilia: Rückenwind aus dem Export


DES

FOTOMONATS

Der Angriffskrieg

auf die Ukraine erschüttert

auch die

Möbelwelt. Nicht nur

aufgrund der wirtschaft -

lichen Folgen, die noch

gar nicht absehbar sind.

Es gibt wohl kaum noch

jemanden in der Branche,

der einen Krieg in Europa

miterlebt hat. Wir alle

sehen fassungslos die

Bilder, die uns über die

unterschiedlichen Medien

erreichen. Erst die Corona-

Pandemie – die auch noch

nicht vorbei ist – und jetzt

dieser Krieg, bei dem schon

so vieles zerstört wurde.

Wir können nur hoffen,

dass der Albtraum bald

vorbei ist. Sicher ist,

dass unsere Sicht auf die

Welt bröckelt, wir alle

müssen umdenken.

8 möbel kultur 3/2022


Illustration: möbel kultur

3/2022 möbel kultur 9


PERSÖNLICHKATHARINA HARTMANN

Frau Hartmann, Sie sind vor knapp

1 einem Jahr als kaufmännische Leiterin

in das Familienunternehmen eingetreten.

Warum haben Sie sich zu diesem Schritt

entschieden?

Katharina Hartmann: Die Hartmann

Möbelwerke waren schon immer ein

wichtiger und zentraler Bestandteil

meiner Familie. Ich wurde ja sozusagen

in eine Massivholz-Wiege geboren

und bin mit unserem Familienunternehmen

aufgewachsen. Der

Schritt ins operative Geschäft war

also kein überraschender, ist aber

dennoch ein sehr bedeutsamer für

mich. Es ist für mich ein besonderes

Gefühl, dieses über drei Generationen

entwickelte und gewachsene

Unternehmen fortzuführen. Neben

der Familientradition war für mich

aber auch ein ausschlaggebender

Punkt, dass mich die Aufgabe enorm

reizt – großartige Produkte wie Massivholzmöbel,

die gleichzeitig handwerklich

und innovativ sein müssen,

zu entwickeln, zu produzieren und

zu vertreiben.

2

War Ihnen schon früh klar, dass Sie in

das elterliche Unternehmen einsteigen

werden?

Katharina Hartmann: Ich habe im

Laufe meiner Ausbildung und

meines bisherigen Arbeitslebens

festgestellt, dass ich den Wunsch

habe, als Unternehmerin tätig zu

sein und Verantwortung zu übernehmen.

Die Option, dass ich dies

Hartmann Möbelwerke

Frauen gezielt &

aktiv fördern

In der Möbelbranche gibt es immer noch viel zu wenige Frauen

in Führungspositionen. Katharina Hartmann zählt zu den Ausnahmen.

Seit rund einem Jahr ist die 29-Jährige für das

Controlling bei den Hartmann Möbelwerken verantwortlich. Im

Gespräch mit der „möbel kultur“ macht sie deutlich, warum sie

sich entschieden hat, in das Familienunternehmen einzutreten und

wie sie andere Frauen auf ihrem beruflichen Weg unterstützen will.

22 möbel kultur 3/2022


im elterlichen Unternehmen tue,

stand natürlich schon immer im

Raum. Vor einigen Jahren wurden

die Gespräche mit meinem Vater

bezüglich der Nachfolge im Unternehmen

immer konkreter und wir

waren uns einig, dass zeitnah eine

Entscheidung erfolgen und der Einstieg

geplant werden sollte.

Es ist für mich ein großes

Geschenk, die Möglichkeit zu

bekommen, in ein gewachsenes

Familienunternehmen mit vielen

großartigen und langjährigen Mitarbeiter:innen

in einer guten wirtschaftlichen

Verfassung einsteigen

zu können. Auf der anderen Seite

trägt man damit aber auch eine

große Verantwortung und bindet

sich (mindestens) bis zum Ende

seines Arbeitslebens an das Unternehmen

– mit allen Vorzügen und

Einschränkungen.

Um diesen Schritt zu gehen, muss

man sich sicher sein, dass man sich

voll und ganz mit dem Unternehmen

identifiziert und eine Leidenschaft

für die Branche und das Unternehmen

hat. Da ich das mit Sicherheit

sagen kann, war die Entscheidung

am Ende sehr einfach.

3

Was haben Sie sich in Ihrer Position

aktuell auf die Agenda geschrieben?

Katharina Hartmann: Wichtig ist mir

vor allem, für eine solide Finanzierung

in allen Bereichen zu

sorgen, um Investitionen in die

Weiterentwicklung des Unternehmens

zu ermöglichen. Unter dem

Schwerpunkt Controlling möchte

ich mir die Zusammenhänge, Kostenstrukturen,

Kalkulationen und

Preisgestaltung genauer vor Augen

führen und transparent machen, da

dies eine wichtige Grundlage ist,

um viele unternehmerische Entscheidungen

gut und zügig treffen

zu können.

Aktuellen Handlungsbedarf

sehe ich insbesondere in der

Digitalisierung von Prozessen in vielen

Bereichen. Daneben sind mir alle

Personalthemen sehr wichtig. Wir

sind darauf angewiesen, gute Nachwuchs-Fachkräfte

zu finden und

im Unternehmen zu halten. Dafür

müssen wir unsere Recruiting- und

Mitarbeiterengagement-Prozesse

ausbauen und verbessern. Passend

dazu startet in dieser Woche unsere

neue Recruiting-Kampagne „Naturtalente

gesucht“, mit der wir Aufmerksamkeit

für das Handwerk in

der Möbelbranche schaffen wollen.

4

Welche besondere Verantwortung haben

Frauen in Führungspositionen?

Katharina Hartmann: Ich möchte hier

insbesondere auf die Verantwortung

gegenüber anderen Frauen eingehen.

Frauen in Führungspositionen

müssen andere Frauen im Unternehmen

und im Umfeld unterstützen,

„empowern“ und inspirieren.

Dabei geht es vor allem um zwei

Punkte: Erstens hat man als Frau

in einer Führungsposition die Aufgabe

und die Verantwortung, den

Status Quo und bestehende, veraltete

Denkmuster aufzudecken, transparent

zu machen und zu hinterfragen.

Zweitens sollte man andere Frauen

gezielt und aktiv fördern.

5

Die Möbelbranche insgesamt wird nach

wie vor von Männern dominiert. Warum

ist das so? Zumal über den Möbelkauf in der

Regel die Frauen entscheiden.

Katharina Hartmann: Meiner Ansicht

nach gibt es mehrere Gründe,

warum die Möbelindustrie in

Deutschland von Männern dominiert

wird. Es gibt deutschlandweit

viele kleine mittelständische

familiengeführte Unternehmen in

der Branche. Hier ist es traditionell

üblich, dass Söhne die „natürlichen“

Nachfolger sind – ein veraltetes

Denkmuster, aber immer

noch vorherrschend.

Zudem ist die Möbelindustrie

eine technische und handwerkliche

Branche, in der die Frauenanteile

in Deutschland über alle Ebenen

strukturell eher gering sind. Das

führt dazu, dass es ohne zusätzliche

Anstrengungen auch weniger

weibliche Führungskräfte gibt. Dass

das insbesondere ein Problem der

deutschen Industrie ist, zeigt ein

Blick nach Osteuropa. Wenn man

dort in produzierende Unternehmen

in der Möbelindustrie unterwegs

ist, fällt einem sehr schnell

der viel höhere Frauenanteil in

der Produktion, aber eben auch in

technischen und kaufmännischen

Leitungspositionen auf.

Drittens tut die Möbelindustrie

meiner Einschätzung nach aktuell

zu wenig dafür, um für Frauen

attraktiver zu werden. Die Branche

muss hier dringend aktiv werden,

um nicht den Anschluss an andere

Branchen zu verlieren und dadurch

mittel- und langfristig einen Wettbewerbsnachteil

zu haben.

Den Möbelhandel sehe ich übrigens

in diesem Punkt ein bisschen

weiter als die Industrie. Schon die

Tatsache, dass einige der großen Einzelhandelskonzerne

(Porta, Höffner)

von Nachfolgerinnen geleitet werden

bzw. diese dort in Führungspositionen

tätig sind, macht einen

großen Unterschied.

6

Wie kann die Branche dafür sorgen, dass

künftig mehr weibliche Fach- und Führungskräfte

in der Industrie und im Handel

arbeiten wollen?

Katharina Hartmann: Es fehlen immer

noch Rolemodels, an denen sich

junge Mädchen und Frauen orientieren

können. Wir müssen also ganz

klar für mehr weibliche Vorbilder in

der Branche sorgen. Studien zeigen,

dass mehr Frauen in Führungspositionen,

Unternehmen für Frauen

attraktiver machen und zu einer

Steigerung der Frauenquote beitragen.

Hinzu kommt, dass bessere

Möglichkeiten für die Vernetzung

weiblicher Fach- und Führungskräfte

in der Branche geschaffen

werden müssen. Ein Austausch

untereinander und miteinander ist

an dieser Stelle von großer Wichtigkeit.

Wir stellen fest, dass sich

viele Frauen, die zu Bewerbungsgesprächen

zu uns kommen, sehr

intensiv mit dem Produkt Möbel,

der Zielkundenansprache und dem

Storytelling beschäftigen und ein

großes Interesse für diese Themen

mitbringen. Allein das Produkt, mit

dem wir arbeiten, bietet viel Potenzial,

um mehr weibliche Fach- und

Führungskräfte zu gewinnen – das

müssen wir nutzen.

Ein weiterer Schritt ist es, die

Arbeitsbedingungen und das

-umfeld für Frauen attraktiver zu

machen. Es ist sehr wichtig, mehr

familienfreundliche Arbeitszeitmodelle

und Möglichkeiten für den

Wiedereinstieg nach der Elternzeit

zu schaffen.

Hinzu kommt, dass die aktuellen

Führungsetagen in der Möbelindustrie

an ihren Denkmustern arbeiten

müssen. Wenn im Jahr 2022 immer

noch anzügliche Witze über Praktikantinnen

oder ähnliches gemacht

werden, dann zeigt das, wie wenig

Bewusstsein und Sensibilität hier bei

männlichen Führungskräften zum

Teil herrschen. Das erschreckt mich.

7

Welche Möglichkeiten gibt es in der

Branche, um Frauen zu fördern?

Katharina Hartmann: Bisher sind

mir kaum Initiativen oder Ansätze

bekannt, um Frauen zu fördern.

Das Thema hat meiner Meinung

nach in der Branche bislang keine

hohe Relevanz. Aus diesem Grund

würde ich es sehr begrüßen, wenn

die Branche aufwacht und wir das

Thema ernst nehmen und aktiv

angehen. Hier möchte ich mich

auch ausdrücklich gerne persönlich

einbringen und Initiativen dieser Art

unterstützen. Ein Frauen-Netzwerk,

auf das ich vor kurzem gestoßen

bin, ist „Women in Furniture“, eine

Plattform, auf der sich Frauen aus

dem Home & Living-Bereich gegenseitig

stärken. Ein wichtiger Schritt

in die richtige Richtung.

8

Und wie sieht es bei den Hartmann

Möbelwerken in puncto Diversität aus?

Katharina Hartmann: Diversität ist uns

sehr wichtig und wir möchten sie

jeden Tag noch mehr leben. Das

Geschlecht ist im Übrigen nur eine

Dimension. Wir haben viele Mitarbeiter:innen

mit unterschiedlichen

kulturellen Hintergründen. Von

dieser Vielfalt, die wir gerne auch

weiter fördern möchten, profitiert

unser Unternehmen enorm.

Wir haben uns auch für die

Zukunft auf die Fahne geschrieben,

dass wir den Anteil von weiblichen

Nachwuchs- und Fachkräften

erhöhen möchten. Insbesondere in

technischen und produktionsnahen

Bereichen haben wir eine geringe

Frauenquote – dies möchten wir

ändern. Wir bauen zum Beispiel

unsere Ausbildungstätigkeiten deutlich

aus – auch mit einem Fokus auf

weibliche Nachwuchskräfte. Zudem

bieten wir dort, wo es möglich ist,

familienfreundliche Arbeitszeitmodelle

an, um möglichst viele qualifizierte

Frauen für uns zu gewinnen

und zu halten.

9

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Katharina Hartmann: Ich wünsche

mir, dass die Möbelindustrie die

Relevanz des Themas Diversität und

Frauen in Fach- und Führungspositionen

erkennt und anfängt,

Maßnahmen zu ergreifen, um

die Situation zu verbessern. Viele

Unternehmen in der Branche – wie

auch wir – schreiben sich aktuell

„Nachhaltigkeit“ groß auf die Fahnen.

Diese endet aber nicht bei

Klimaschutz und Umwelt, sondern

umfasst genauso ein aktives Diversity

Management. Das müssen wir

anpacken. Gemeinsam. Miteinander.

EVELYNE BECKMANN

www.moebel-hartmann.com

Foto: Hartmann Möbelwerke

3/2022 möbel kultur 23


TOP-THEMA/TOP 30

Umsätze

unter Druck

Viele der Großflächenanbieter haben im vergangenen Jahr unter dem langen Lockdown

gelitten. Die Umsatzeinbußen konnten zwar zum Teil durch Onlineaktivitäten wieder aufgeholt

werden, doch am Jahresende stand unterm Strich insgesamt bei den Top 30 ein Minus von

4,7 Prozent. Die größten Herausforderungen für die Zukunft: qualifiziertes Personal zu finden,

mangelnde Frequenzen sowie die Unsicherheit bezüglich der Konsumstimmung. Schon jetzt

zeichnet sich ab, dass sich der Krieg in der Ukraine empfindlich auf die Energieversorung und

-preise auswirkt. Gerade bei den niedrigen bis mittleren Einkommen steht zu befürchten, dass

der Möbelkonsum beeinträchtigt wird.

Küchenberatungen vor Ort,

wie hier bei Höffner, waren

auf der Großfläche Anfang

2021 aufgrund des langen

Lockdowns nicht möglich.

Foto: möbel kultur/ Christoph Hellwig

+++ Alles zur Entwicklung der Top 30 im deutschen Möbelhandel lesen Sie

24 möbel kultur 3/2022


3 2022

2022

UMSÄTZE

2. Pandemiejahr

mit Auswirkungen

> Top 30-Umsätze schrumpfen um

4,7 Prozent auf 22,6 Mrd. Euro

> Onliner gewinnen Marktanteile

hinzu und steigen im Ranking

> Personalsuche steht bei allen

ganz oben auf der Agenda

Noch mehr Umsätze-News!

++ FACTS & FIGURES ++ STATISTIKEN ++ UMFRAGEN ++ PROGNOSEN ++


TOP-THEMA/WETSCHER

Der Dialog ist

das Sinnbild unseres

Geschäfts und das

persönliche Gespräch

ein Erlebnis – das

ist das anti-digitale

Element. Martin Wetscher

26 möbel kultur 3 /2022


Der Möbel-

Missionar

aus dem Zillertal

Fotos: Stefan Wolf

Im idyllischen Zillertal liegt eines der renommiertesten

Möbelhäuser Europas. Die Familie Wetscher

betreibt hier seit fünf Generationen das Geschäft mit

Einrichtungsgegenständen. Mit „Wetscher Max“ hat

Martin Wetscher mit seinem Team vor vier Jahren

ein neues, stylisches Format geschaffen, in dem die

Kollektionen des Europa Möbel-Verbunds besonders

gut funktionieren und viele Probleme lösen, wie die

möbel kultur“ vor Ort erfahren konnte.

möbel kultur: Herr Wetscher, was ist das

für ein Standort, an dem wir uns hier treffen

und den Sie 2018 neu entwickelt haben?

Martin Wetscher: Fügen im Zillertal

ist seit jeher Firmensitz. Auf der

einen Seite der Talstraße liegt unser

Hochwert-Haus, der Ursprung

unseres Handelsgeschäfts, auf der

anderen Seite liegt der heutige

Wetscher Max, der zuvor lange ein

„Avanti“-Mitnahmemarkt gewesen

ist. Das neue Konzept haben wir

2018 umgesetzt und 2019 auch auf

unsere einzige Filiale in Innsbruck

übertragen.

möbel kultur: Ihr Ruf als passionierter

Möbelhändler mit Sendungsbewusstsein

reicht über das Zillertal weit hinaus...

Martin Wetscher: Wir stehen seit der

Gründung einer kleinen Tischlerei

im Jahre 1912 für Handwerk und

Qualität. Das sind unsere Leitmotive.

In den 1960er Jahren haben wir

damit begonnen, italienische De -

signermöbel wie B&B Italia, Cassina

und andere große Marken zu verkaufen.

Damit haben wir uns einen

Namen gemacht. Wir wollten

demonstrieren, dass Wohnen und

Einrichten eine sinnliche Disziplin

der Innenarchitektur ist.

möbel kultur: Und dennoch war Mitnahme

auch schon lange bei Ihnen ein Thema.

Martin Wetscher: Das kaufmännische

Herz schlägt bei uns seit den 1970er

Jahren in diesem Segment. Das hat

aber auch etwas mit Respekt vor den

Menschen zu tun. Es gibt Situationen,

in denen Möbel eben nur einen

gewissen Preis haben dürfen. Mit

dem reinen SB ist es uns dann aber

im Laufe der Jahre zu fad geworden.

Uns hat auch schon lange gestört,

dass sich die Bereiche immer weiter

auseinanderdividiert haben. Früher

haben sich unsere Kund:innen

noch in beiden Häusern bewegt.

Das hat sich immer stärker zu

einem Entweder-Oder entwickelt,

was uns nicht gefallen hat und so

haben wir über ein neues Konzept

nachgedacht.

möbel kultur: Was macht den Wetscher

Max aus?

Martin Wetscher: Da gab es einen

Schlüsselmoment in einem Einkaufszentrum

in Bangkok. Da war

ich in einem Geschäft eines Mobilfunkanbieters,

das aber gar nicht

danach aussah, sondern eher nach

einem Café oder einer Lounge. Die

Prämisse dieses Ladengeschäfts war,

dass alle Umsätze bereits online

getätigt werden und der Store deshalb

eine ganz andere Rolle spielen

muss. Es geht nicht mehr um die

Warenpräsentation, sondern um

Beratung, Information und Aufenthaltsqualität.

Das haben wir

versucht, auf unseren Store zu

übertragen.

möbel kultur: Und wie haben Sie dieses

Konzept erarbeitet?

Martin Wetscher: Ganz typisch für

uns: Wir haben gezeichnet. Und wir

haben digitale Anknüpfungspunkte

im Store geschaffen wie beispielsweise

einen Küchen-Konfigurator,

den wir den Kund:innen am POS

zur Verfügung stellen. Oder mit

unserer Beratungs-App. Wir haben

für den Store drei Stilwelten definiert:

Modern, Loft und Natur.

Die einzigen Warengruppen, die

wir zusammengefasst haben, sind

Küchen und Schlafzimmer. Ansonsten

sind alle Artikel einer Stilwelt

zugeordnet. Über die App können

sich die Verbraucher:innen schon

vor dem Besuch im Store für einen

Stil entscheiden und ist so zielgerichtet

unterwegs.

Das ist die große Chance, die

uns die digitale Welt gibt: Wir können

die Kund:innen schon zuhause

inspirieren und das Versprechen

dann im Store direkt einlösen. Der

erste Eindruck ist dabei der entscheidende.

Der Eingangsbereich

wirkt wie eine Hotellobby oder eine

Mailänder Bar, aber nicht wie ein

Möbelhaus. Das war unsere Absicht,

weshalb wir auch die Hilfe eines

renommierten Wiener Architekturbüros

in Anspruch genommen

haben, um diese besondere Raumwirkung

zu erzielen.

möbel kultur: Der Store wirkt mit den

hohen Decken und den langen Sichtachsen

in der Tat deutlich größer als 2.000 qm.

Und was mir auch auffällt: Jeder Kunde

wird mit Betreten des Ladens freundlich

in Empfang genommen.

Martin Wetscher: Diese Geste haben

wir aus unserem Hochwerthaus

übernommen. Alle Kund:innen werden

persönlich begrüßt, nach ihren

Wünschen befragt oder auf einen

Kaffee eingeladen. Wir sind Gastgeber.

Der Dialog ist das Sinnbild

unseres Geschäfts und das persönliche

Gespräch ein Erlebnis – das ist

das anti-digitale Element.

3 /2022 möbel kultur 27


TOP-THEMA/GO GREEN

ist die Branche

wirklich?

30 möbel kultur 3/2022


Nachhaltigkeit ist eines der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Topthemen, das endlich

auch auf der Agenda der deutschen Möbelbranche ganz oben steht. Grund genug für die

möbel kultur“ eine Serie zu starten, in der es um die unterschiedlichen Ansätze gehen soll,

den ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Den Start macht die Unternehmensberatung

Dr. Wieselhuber & Partner, die das Thema auf der diesjährigen Branchenwerkstatt diskutierte.

Wie ausgewählte Teilnehmer der Veranstaltung darüber denken, welche Dimensionen die

grüne Ausrichtung hat und wie die Gestaltungsfelder der Unternehmen aussehen, finden Sie

auf den folgenden Seiten. W&P Partner Dr. Stephan Hundertmark rät: „Die Unter nehmen

sollten das Thema nutzen und sich erfolgsstiftend zu eigen machen: Disruptiv, wenn wegbrechende

Märkte durch neue Geschäfte ersetzt werden können und natürlich als Wachstumschance

über nachhaltige Innovation in Produkten und Serviceangeboten.“

Foto: Romolo Tavani, shutterstock.com

3/2022 möbel kultur 31


KÜCHE

Nobilia: Wieder 112 Millionen mehr in der Kasse

Rückenwind aus dem Export

Dass 2021 ein gutes und auch herausforderndes Jahr war, lässt sich an der Bilanz des Branchenprimus

ablesen: Mit 1,482 Mrd. Euro Produktionsumsatz und damit 8,2 Prozent Zuwachs konnte sich Nobilia

einmal mehr selbst übertreffen. Viel Rückenwind kam ins besondere aus dem Ausland – nicht zuletzt

durch das stetig wachsende Retailgeschäft.

Umsätze der Nobilia-Gruppe

inklusive internationalem Handelsgeschäft

1.715

1.542

1.378

1.448

1.228 1.260

1.150

970 1.003 1.031

2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021

Angaben in Mio. Euro. Quelle: Nobilia. Grafik: möbel kultur.

Mit 19,4 Prozent Plus im Ausland

bestätigte sich Nobilia

wiederum als „Europameister“.

Allein 786,6 Mio. Euro

von insgesamt 1,482 Mrd. Euro

Produktionsumsatz entfielen auf

den Export, was einer Quote von

53,1 Prozent entspricht. Im Inland

sank der Umsatz hingegen um 2,2

Prozent auf 695,5 Mio. Euro –

„pandemiebedingt“, wie der vorsitzende

Geschäftsführer Dr. Lars Bopf

betonte. Denn durch den Corona-

Lockdown war vor allem der Verkauf

in den großflächigen Möbelhäusern,

in denen Nobilia stark vertreten ist,

eingeschränkt, sodass diese entsprechend

weniger Umsatz einbrachten.

Erfreulicher verlief dagegen

das Retailgeschäft im Ausland,

wo Nobilia über eigene Shops

bzw. Betei li gungen an Handelsketten

selbst B2C verkauft. Diese

eingeschlossen, erzielte Nobilia

als Gruppe im vergangenen Jahr

konsolidiert 1,715 Mrd. Euro, was

immerhin einem Plus von 11,2

Prozent entspricht. Neben den

eigenen Küchenstudios in Schweden

und England unter den Namen

Northern Kitchen Sverige AB und

Kütchenhaus sowie der Minderheitsbeteiligung

an der belgischen

Handelskette Menatam (èggo), die

mittlerweile auch in Afrika und im

Mittleren Osten aktiv ist, kam 2021

eine Minderheitsbeteiligung an der

Aviva-Gruppe, die überwiegend in

Frankreich tätig ist, hinzu. Auch

die Franchise-Organisation FBD,

an der Nobilia mehrheitsbeteiligt

ist, baute ihr Terrain aus: Mit ihren

Vertriebsschienen Ixina, Cuisine

Plus, Cuisines Références und Van-

44 möbel kultur 3/2022


den Borre Kitchen überschritt die

Gruppe kürzlich die Schwelle von

500 Studios.

Im Inlandsgeschäft ist insbesondere

eine Verschiebung in Richtung

der Küchenspezialisten bemerkenswert.

Wie schon in den letzten Jahren,

aber eben gerade auch befeuert

durch den Lockdown, der die Studios

weniger einschränkte, gehörte

es zur Strategie, diesen Vertriebskanal

auszubauen. Neben dem Engagement

in den Exportmärkten. „Beides

ist uns gut gelungen,“ zeigte

sich Dr. Lars Bopf zufrieden.

Knapp 50 Prozent der Inlandsumsätze

entfallen inzwischen auf

Küchenspezialhäuser, 38 Prozent

auf Einrichtungshäuser und die

verbleibenden 13 Prozent verteilen

sich auf den Vertriebskanal SB/

Discount und auf die sonstigen

Vertriebswege. Zu diesen zählen

das Objektgeschäft, Umsätze bei

Elektro- oder Badspezialisten und

Online-Vermarktungsformen.

Angetrieben durch das Ausland,

erweitert sich auch das Sortiment

immer stärker über die Küche hinaus,

wie die Hausmesse im September

2021 deutlich machte. Unter

dem Motto „Our Passion. Your

Solution“ wurden auf rund 5.000

qm insgesamt 111 raumübergreifende

Planungen für die Bereiche

Küche, Bad und Wohnen gezeigt. Die

Präsentation des neuen Living-Sortiments

mit smarten Features sowie

Lösungen für Hauswirtschaftsraum,

Garderoben, Homeoffice und Bad bis

hin zu Gleittüren wurde vom Handel

positiv angenommen. Dies gilt

ebenso für die Eigenentwicklung der

„Xtra Ceramic“-Keramik-Arbeitsplatte

mit ihrem innovativen und

patentierten Materialauſtau oder die

publikumswirksame Kooperation

mit Bosch und der bekannten Food-

Bloggerin Sally, wobei der Bosch-

Backofen dank Home Connect mit

der „Sallys Welt“-App vernetzbar ist.

Über imposante Zahlen kann auch

Frank Kramer, Geschäftsführer Technik,

berichten: „Mit einem Mengenzuwachs

von rund 500.000 Schränken

hat Nobilia das Produktionsvolumen

im Jahr 2021 deutlich erhöht.

Gemeinsam haben unsere Werke mit

etwa 830.000 Küchenkommissionen,

8,3 Millionen Schränken und

1,75 Millionen Arbeitsplatten neue

Spitzenwerte realisiert.“ Die Produktionsleistung

stieg parallel auf

etwa 38.000 Holzteile pro Arbeitstag.

Damit werden von Nobilia mehr als

3.800 Küchenkommissionen jeden

Tag produziert und ausgeliefert.

Die Investitionen beliefen sich

2021 auf rund 107 Mio. Euro. Im

Fokus standen das Werk III Am

Hüttenbrink in Gütersloh und das

neue Werk V in Saarlouis sowie der

Bau einer Autobahnbrücke über die

A2, die die Werke in Verl-Sürenheide

und Am Hüttenbrink in Gütersloh

miteinander verbindet und in Kürze

befahrbar sein wird. Ganzheitlich

wird das Unternehmen künftig auch

das Thema Nachhaltigkeit fokussieren,

strukturiert nach den vier

Kernbereichen Technik, Lieferkette,

Produkt und Soziales.

Inlandsumsatz nach Vertriebswegen

Umsatzanteile in Prozent

49

13

%

Die Zahl der Mitarbeiter:innen

vergrößerte sich um 328 auf insgesamt

4.273 Beschäftigte. Mit

ausdrücklichem Dank für das

Engagement im herausfordernden

Pandemiejahr erhielten alle in

der Belegschaft 2021 neben dem

Urlaubs- und Weihnachtsgeld eine

Sonderprämie in Höhe von 1.700

Euro. Der Aufwand für das Unternehmen

belief sich dabei auf mehr

als sechs Mio. Euro.

38

Nicht zuletzt durch den

Lockdown, der die Großfläche

mehr betroffen hat

als die Studios, verschob

sich der Vertrieb der

Nobilia Küchen immer

stärker in Richtung der

Spezialisten.

EHS

KSP

SB / Discount / Sonstige

Quelle: Nobilia. Grafik: möbel kultur.

3/2022 möbel kultur 45


ZKZ 4937

3 I 2022

Foto: Himolla

SPECIAL

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

POLSTER

PREMIUM


KARTELL

News mit Patricia Urquiola

Polsterelemente haben mittlerweile einen festen Platz in der

Kollektion von Kartell. Jetzt bringt das Unternehmen zusammen

mit Designerin Patricia Urquiola neue Kreationen auf den Markt.

Mit dabei: „Lunam“ (Foto). Die Living-Serie soll an eine mondähnliche

Landschaft erinnern. Die großzügig gestalteten Polsterelemente

werden von einem auf das Wesentliche reduzierte

Gestell aus lackiertem Metall getragen. Sofa, Sessel und Pouf sind

in weichem Bouclé oder in der Contract-Option mit Mélange

Stoff in den Farben Olivgrün, Petrol, Siena-Erde sowie in verschiedenen

Grautönen erhältlich. Ergänzt wird das Ensemble

durch den neuen Beistelltischen „Undique“ im

„Terrazzo schwarz“-Finish. www.kartell.com

BRETZ

Flagship-Store

in Frankfurt

Mitte Februar hat Bretz seinen

Flagship-Store in Frankfurt a.M.,

genauer gesagt in der Schäfergasse

50, ans Netz gebracht. Auf rund 400

qm zeigt das Unternehmen präzise

mit den farbenfrohen Möbeln abgestimmte

Farbverläufe, die den

Verkaufsraum unterteilen, und

spannende Perspektiven und Ausblicke

auf die Möbel schaffen. Jede

Koje hat ihr eigenes Gesicht. „Der Entschluss sich von vormals rund 280 qm entsprechend

zu vergrößern, ermöglicht die Kollektionsvielfalt ganzheitlicher und verständlicher zu

präsentieren. Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Zusatzinvestition lohnen wird. Uns

freut es außerdem mit der neuen Location eine Immobilie mit über 100-jähriger Frankfurter

Handelstradition gefunden zu haben“, erklärt Carolin Kutzera, Geschäftsführerin bei

Bretz. Inhaber der Immobilie, Dr. Joachim Stoll, führte hier bis vor kurzem sein eigenes

Ladengeschäft Leder-Stoll in vierter Generation. www.bretz.de

FATBOY

Mit Shop-in-Shop bei Calligaris

in München

Der Flagship-Store von Calligaris am Münchner Lenbachplatz bietet künftig auch

Fatboy eine neue Heimat. Die Marke präsentiert dort seit Ende Februar in einem

Shop-in-Shop ihre

Outdoor-Kollektion

– inklusive

dem schmutz- und

sonnenresistenten

Sitzsack, der Aufstellhängematte,

dem modularen

Loungesofa und

vielem mehr. Im

Herbst wechselt das

Sortiment. Dann

können Münchens

Design-Liebhaber dort die ebenfalls umfangreiche Indoor-Kollektion von Fatboy

erleben. Die niederländische Lifestyle-Marke Fatboy, 2002 gegründet, gehört seit

August 2021 zu 100 Prozent zur Calligaris-Gruppe und ist das erste nicht-italienische

Unternehmen, das sich dem Konzern angeschlossen hat. www.fatboy.com

JORI

Dynamischer Jahresstart

Gleich drei neue Modelle erweitern in diesem Jahr die Jori-Kollektion.

Mit der Markteinführung des „Cosy Ghost“-Relaxsessels

startet die Marke ihre erste Zusammenarbeit mit der deutschen

Designagentur Murken + Hansen. Außerdem wird die erfolgreiche

„Daydreamer“-Familie um einen Lounge Sessel

(Foto) vergrößert. Mit dem praktischen

Hebel unten am Möbel kann die Position

der Rückenlehne stufenlos verstellt

und die ideale Komforteinstellung

gewählt werden. Und das neue Sofa

„Obsession“ richtet sich an Designliebhaber

des aktiven und kompakteren

Sitzkomforts.

www.jori.com

IMPRESSUM

Vincentz Network GmbH & Co. KG

Weidestraße 120a, 22083 Hamburg

Tel. (040) 632018-0, Fax (040) 6307510

moebelkultur@vincentz.net, www.moebelkultur.de

Geschäftsführer: Jonas Vincentz;

Verlagsleiter: Fabian Schlankardt;

Redaktion: Evelyne Beckmann (Redaktionsleitung, CvD), Silja Bernard, Rita

Breer, Susanne Kraft, Heike Lorenz, Doris Schmidt, Kristina Tapken;

Assistenz: Beate Feldweg, Simone Raith;

Gestaltung: Marlon Armbröster, Marion Schult, Yannick Sindt, ;

DTP-Operating: Kerstin Kühl (Ltg.), Jill Märtens;

Anzeigen: Jutta Friedrichsen-Devakar (Ltg.), Julia Jütting, Christoph Pacholski

Gesamtherstellung:

Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG

Gewerbering West 27, 39240 Calbe

möbel kultur Polster Premium“

erscheint als Special in der

möbel kultur“ 3/2022

3 /2022 möbel kultur 59


POLSTER PREMIUM

HIMOLLA: TREIBT INNOVATIONEN VORAN

Verantwortung

neu denken

Himolla widmet sich kleinen und großen Herzensprojekten.

Dinge, die den Unterschied ausmachen, aber auch die kleinen

und feinen Details, die einfach glücklich machen.

Unsichtbar integriert verfügt das Sofa

„Cumurex 6270“ über eine praktische

Aufstehhilfe.

E

ine stärkere Beachtung der Menschenrechte, ein höheres

Engagement im Umweltschutz, mehr Nachhaltigkeit

– und das entlang der gesamten Lieferkette: Das

ist der Anspruch der Politik an die Unternehmen. Diese

Forderung wurde am 11. Juni 2021 als „Gesetz über die

unternehmerische Sorgfaltspflicht in Lieferketten“ oder kurz

„Lieferkettengesetz“ in bindende Form gegossen. Damit

sollen deutsche Unternehmen ab einer

bestimmten Größe dazu verpflichtet

werden, die Verantwortung für ihre

gesamte Lieferkette zu übernehmen.

Sie müssen mit einem Berichts- und

Risikomanagementsystem sicherstellen,

dass bei ihren ausländischen

Zulieferern keine Rechtsverletzungen

auftreten.

„Gerade die Ereignisse um die

Invasion der Ukraine durch Russland

in den vergangenen Wochen zeigen,

dass das Gleichgewicht bereits

jetzt empfindlich gestört ist“, erklärt

Tamara Härty, Chefdesignerin/ Head

of Product and Marketing bei Himolla.

„Die Konsequenzen für die Kriegsopfer

sind fürchterlich. Wenn gelebte

gesellschaftliche Regeln, Menschlichkeit,

Empathie und Moral unilateral

missachtet und gebrochen werden,

ist Rationales kaum mehr möglich.“

Bei dem Traditionshersteller aus Taufkirchen führe die

Verantwortung für das eigene Unternehmen und die Mitarbeiter

desto mehr dazu, dass bisherige Prozesse neu gedacht

werden müssten, damit die Resilienz gegenüber Störungen

des Handelsgleichgewichts erreicht wird. Dabei geht Himolla

einen Schritt voraus. Schließlich ist das Unternehmen stark in

internationale Handelsmärkte eingebunden und weltweit aktiv.

54 möbel kultur 3/2022


„Cumurex 6270“ von Himolla überzeugt nicht nur mit einem modernen Design,

sondern auch mit einer komfortablen Relax funktion.

Rohstoffverbände und auch Zertifizierungsinstitutionen

stehen vor neuen Herausforderungen: Sie werden einerseits

in ihren Ansichten gestärkt, andererseits gerade wegen

der aktuellen Entwicklung in Frage gestellt. Unternehmen

sehen sich dem Druck ständig verändernder Herausforderungen

im Einkauf, der Beschaffung und explodierenden

Preisentwicklung ausgesetzt. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein

ist kein exklusives Thema der „Fridays for

Future“-Bewegung mehr, sondern heute – im Zeitalter

des Green Deals – in allen Lebensbereichen und Industriezweigen

angekommen.

„Unsere Aufgabe ist es Himolla progressiv nach vorn zu

entwickeln, dabei unsere geschätzten Kunden zu begeistern,

hervorragende Produkte anzubieten, um die Lebensräume

der Menschen des 21. Jahrhunderts aktiv mitzugestalten.

Der persönliche Lieblingsort, das Zuhause wird immer

wichtiger“, betont Tamara Härty. „Besonders im Umfeld

mit zahlreichen Fast Followern, einem intensiven Preiswettbewerb

und zahlreichen Konkurrenten, welche

Ideen und Designs ja sogar Slogans am Rande der Legalität

kopieren, bleibt uns als ein in Bayern produzierendes

und entwickelndes Unternehmen nur die Flucht nach

vorn und die Fähigkeit ökologische, sowie kreative Trends

zu setzen.“

Die Strategie des Polstermöbel-Produzenten ist es, neben

Produkt, Branding und Unternehmensauftritt Himolla auch

nach innen konsequent zukunftsorientiert aufzustellen. Dabei

forciert das Unternehmen umso mehr seine beim Kunden

verankerten Stärken wie Design, Entwicklungskompetenz,

Qualität, Langlebigkeit, Komfort sowie Umweltbewusstsein,

die Möglichkeit der Reparatur und Nachhaltigkeit.

„Dieser Ansatz der dauerhaften Innovations-Weiterentwicklung

ist sicherlich anstrengender, als einfach zu folgen.

Wir sehen das aber als Chance für das Unternehmen und die

Region, unsere Heimat, die wir nicht verstreichen lassen“,

verspricht Tamara Härty.

Die aktuell wohl größte Innovation bei Himolla ist sicherlich

die Integration einer Aufstehhilfe in eine Sofagarnitur,

in der gleichzeitig relaxt werden kann. Die patentierte

Funktion ist derart raffiniert eingebaut, dass sie von außen

quasi nicht sichtbar ist. Sogar die Kopfstütze lassen sich

verstecken. „Somit können moderne und attraktive Möbel

mit unserer heiß begehrten Designsprache gestaltet werden,

um neue Zielgruppen zu erschließen: Menschen, die dem

Alter vorbeugen wollen, ein körperliches Handicap haben

und trotzdem schick sein wollen. Best Ager sind heute noch

lange nicht ,alt‘. Eine Zielgruppe, die wir bisher nur bei

den Fernsehsesseln erreichen konnten“, so Tamara Härty.

Bei der Entwicklung und Implementierung von Innovationen

bindet der Polstermöbel-Experte alle Ebenen des

Produktes ein: So werden eine signifikante, neuartige Form,

außergewöhnliches Design im Zusammenspiel mit handwerklichen

Details und speziellen Funktionen perfekt miteinander

vereint. „Selbstverständlich mit Komfort, Langlebigkeit,

Umweltbewusstsein und den perfekten Bezug aus unserer

riesigen Stoff- und Lederkollektion“, betont Tamara Härty.

www.himolla.com

3/2022 möbel kultur 55


SCHLAFEN

FACTS

❯ Unternehmen: EuroComfort Holding

GmbH, Vennweg 22, 46395 Bocholt

❯ Geschäftsführer: Thomas Bußkamp,

Andreas Buß und Rainer Brockmöller

❯ Umsatz: 370 Mio. Euro (2021),

420 (Plan 2022)

❯ Werke: 9; Lück in Bocholt, Badenia

in Friesenheim, Eurocomfort,

Euroline, Textil Boleslawiec und

Brinkhaus Polska in Polen, Asia

Pacific in China, UAB Vilnika in

Litauen, Abeil in Frankreich

❯ Vertriebsgesellschaften: Lück und

Brinkhaus in Bocholt , Badenia

Bettcomfort in Friesenheim, Abeil in

Frankreich und Euroline in Polen

❯ Sortiment: Innenkissen für Polsterund

Outdoormöbel sowie Caravans,

Medizinprodukte wie Matratzen und

Lagerungsprodukte, Steppartikel,

Decken und Funktionskissen,

Boxspring- und Polsterbetten,

Polstermöbel

www.eurocomfort.de

62 möbel kultur 3/2022


EuroComfort Group: Nachhaltigkeit und Logistik als Wettbewerbsvorteile

„Wir sehen noch

sehr viel Potenzial“

Die EuroComfort Group steigerte ihren Umsatz allein in den letzten zehn Jahren um

85 Prozent auf zuletzt 370 Mio. Euro. Wachstum entstand dabei nicht nur von innen

heraus, sondern auch durch Zukäufe – zuletzt von der Polstermöbelmarke Ewald

Schillig. Neben den angestammten Feldern Bettwaren und Matratzen will die Gruppe

vor allem den Möbelbereich weiter ausbauen.

Thomas Bußkamp (o.), Geschäftsführender

Gesellschafter der EuroComfort

Group, setzt weiterhin auf Expansion.

Rainer Brockmöller (CCO, Mitte) und

Lück-Vertriebsleiter Ralf Werner richten

ihr Augenmerk stark auf den Einrichtungsfachhandel.

Der neue, großzügige

Showroom soll dabei helfen.

E

in ereignisreiches Jahr liegt hinter

der EuroComfort Group, das

der geschäftsführende Gesellschafter

Thomas Bußkamp in seiner

prägnanten Art so zusammenfasst:

„Umsatzmäßig alles gut, aber vom

Ergebnis her eine Katastrophe.“ Und

das hat seinen Grund: Zwar konnte

der Umsatz um beachtliche 48 auf

370 Mio. Euro gesteigert werden –

und damit 10 Mio Euro über Plan –,

doch die Materialbeschaffung mit all

ihren problematischen Ausprägungen

trieb den Beteiligten doch die

Sorgenfalten auf die Stirn. „Solch

eine Preisrallye in dermaßen vielen

Bereichen, sei es Holz, Metall,

Schäume, aber auch Verpackungen

und Container, habe ich in den letzten

20 Jahren noch nicht erlebt“,

bringt es Geschäftsführer Rainer

Brockmöller auf den Punkt. Und

Lück-Vertriebsleiter Ralf Werner

ergänzt: „Die höheren Preise sind

eine Sache, aber auch die komplette

Fertigungsorganisation ist davon

betroffen. Selbst aktuell können wir

nicht mehr ein bis zwei Wochen

im voraus planen, weil dann immer

irgendwo Material fehlt. Das führt

zwangsläufig zu wirtschaftlich un -

effektiven Abläufen.“

Die allerdings die Unternehmensgruppe

aus dem westfälischen

Bocholt mit neun Produktionsstandorten

in Deutschland, Polen, Litauen,

Frankreich und China zweifelsohne

besser abfedern kann, als so mancher

Wettbewerber. Gleichwohl sind die

Auswirkungen des Krieges in der

Ukraine derzeit noch nicht absehbar.

Insofern werden die Entwicklungen

weiterhin kritisch beobachtet.

Und so bemüht sich die Unternehmensleitung

möglichst Synergien

in der Gruppe zu nutzen, um

die hohe Liefer zuverlässigkeit zu

gewährleisten. „Zwar zum Teil zu

höheren Preisen im Einkauf, aber

dafür immer zum vereinbarten Zeitpunkt“,

sagt Rainer Brockmöller, der

auf langfristige Geschäftsbeziehungen

setzt. „Für den Handel ist Verlässlichkeit

extrem wichtig.“

Kundenorientierung stand ohnehin

2021 ganz klar im Fokus, als die

Gruppe nach dem Ausfall der „imm

cologne“ entschieden hatte, einen

eigenen Showroom am Standort

Bocholt zu installieren. Auf 1.600

qm über zwei Etagen wird im Parterre

mit Ewald Schillig der Bereich

Wohnen auf 800 qm präsentiert,

im ersten Stock – ebenso auf 800

qm – das Segment Schlafen mit Bettwaren,

Matratzen sowie Boxspringund

Polsterbetten. „Viele Kunden

haben uns seitdem besucht und nutzen

die Möglichkeit, unser gesamtes

Sortiment live zu erleben“, erzählt

Rainer Brockmöller. „Dabei konnten

wir viele Module, die eigentlich

auf dem Messestand verbaut worden

wären, auch hier einsetzen“,

ergänzt Ralf Werner. Die Reaktionen

waren durchaus erstaunlich: „Selbst

langjährige Kunden, die uns relativ

gut kennen, waren trotzdem überrascht

von der Sortimentsbreite“, so

Brockmöller.

Wer in den Pandemiezeiten

noch keine Termine vor Ort machen

möchte, kann zudem zu einem virtuellen

360-Grad-Rundgang auf der

Homepage aufbrechen. Denn auch

in die digitalen Tools hat das Unternehmen

investiert.

Mit 36 Prozent machen Bettwaren

immer noch den größten

Umsatzanteil in der EuroComfort

Group aus. 24 Prozent gehen auf

das Konto Matratzen/Lattenroste

und 26 Prozent auf Polstermöbel

und Boxspringbetten. Dabei fing

3/2022 möbel kultur 63


SCHLAFEN

IRLAND

Händler: 2

Top-Händler:

Home Store+More

Shops/POS: 31

UNITED KINGDOM

Händler: 12

Top-Händler: Furniture

Village, John Lewis

Shops/POS: 220

BENELUX

Händler: 2

Top-Händler: Beter Bed

Shops/POS: 135

Auch im stationären Handel ist

Emma inzwischen breit aufgestellt

(siehe Grafik). Europaweit arbeitet

das Unternehmen mit mehr als 200

Handelspartnern zusammen und

ist an rund 3.500 physikalischen

Touchpoints vertreten.

FACTS

FRANKREICH

Händler: 37

Top-Händler: Conforama,

La Halle au Sommeil

Shops/POS: 327

DEUTSCHLAND

Händler: 32

Top-Händler: Jysk

Shops/POS: 2.284

❯ Umsatz 2021: 645 Mio. Euro (+59 %),

2020: 405 Mio. Euro (+170 %)

❯ Anteilseigner: Franz Haniel & Cie.

(50,1 %) seit Juli 2020

❯ Zahl der Mitarbeiter:innen: 850

❯ Standorte: Firmensitz in Frankfurt

am Main, Lissabon (Portugal),

Manila (Philippinen), Mexiko-Stadt

(Mexiko), Shanghai (China)

❯ Marken: Emma und Dunlopillo

(seit 2016)

❯ Anzahl verkaufter Matratzen 2020:

mehr als 1,5 Mio.

❯ Märkte: in mehr als 30 Ländern

präsent, zuletzt kamen u.a.

Indonesien, Kolumbien und die

Philippinen hinzu

PORTUGAL

Händler: 19

Top-Händler:

El Corte Inglés, Jysk

Shops/POS: 66

SPANIEN

Händler: 86

Top-Händler:

El Corte Inglés, Jysk

Shops/POS: 336

ITALIEN

Händler: 19

Top-Händler: Emporio del

Materasso, Jysk

Shops/POS: 106

❯ Stationäres Geschäft:

– in Deutschland wegen Dunlopillo

bereits seit Jahren stationär aktiv

– wichtigster Partner hierzulande:

Jysk (in allen Filialen präsent)

– weltweit: mehr als 200 Handelspartner

mit rd. 3.500 physischen

Touchpoints

www.emma-matratze.de

Emma – The Sleep Company: Omnichannel-Strategie

Online und offline

international verzahnt

Die weltweit führende Schlafmarke zu werden, ist das Ziel von Emma – The Sleep

Company. Dafür forciert das 2013 in Frankfurt am Main gegründete Unternehmen

aktuell seine internationale Omnichannel-Strategie. Neben den Online-Aktivitäten in

mehr als 30 Ländern setzt das Unternehmen verstärkt auf den stationären Handel.

Neu sind unter anderem spezielle Einzelhandels-Teams in verschiedenen Märkten,

die Zusammenarbeit mit lokalen Jysk-Geschäften in Europa sowie ein eigener

Flagship-Store in Shanghai. Ein Wachstumsplan, der unter Pandemie-Bedingungen

gestemmt werden musste.

Der Möbel-E-Commerce konnte

aufgrund der Pandemie in

den vergangenen zwei Jahren

deutlich zulegen. Eine Entwicklung,

die sich nicht mehr umkehren lässt,

ist Manuel Müller, zusammen mit

Dr. Dennis Schmoltzi Gründer und

Geschäftsführer von Emma – The

Sleep Company, überzeugt. Denn

neben den steigenden Umsätzen hat

bei vielen Verbraucher:innen zudem

ein fundamentales Umdenken stattgefunden:

„E-Commerce ist für viel

mehr Menschen inzwischen völlig

normal, als das noch vor der Pandemie

der Fall war. Und dieser langfristige

Effekt wird meiner Meinung

nach bestehen bleiben.“

2021 steigerte das Unternehmen

seinen Umsatz um 59 Prozent auf

68 möbel kultur 3 /2022


645 Mio. Euro (2020: 405 Mio.

Euro). Damit konnte die Marke im

vergangenen Geschäftsjahr zum

vierten Mal in Folge profitabel und

aus dem eigenen Cashflow wachsen.

Zu den zentralen Herausforderungen

in den Pandemie-Jahren

gehörte das Hochfahren der Produktion

und die damit verbundene

Lieferketten-Thematik. „Wir konnten

Engpässe bei den Zulieferern

durchgehend ausgleichen. Dabei

haben wir davon profitiert, dass

wir bereits vor der Pandemie ein

sehr gutes und diverses Herstellernetzwerk

aufgebaut hatten, bei dem

die Skalierung gut möglich war“, so

Manuel Müller. Daneben musste das

personelle Wachstum von rund 300

Beschäftigten (2019) auf aktuell

850 unter Corona-Bedingungen realisiert

werden. „Emma ist ein komplett

digitales Unternehmen und de

facto muss niemand ins Büro kommen.

Trotzdem war das eine Bewährungsprobe.

Wir haben die Angebote

für unsere Mitarbeiter:innen stark

ausgebaut – von virtuellen Partys

über Teambuilding-Initiativen bis

hin zu neuen Diskussionsformaten.“

Zusätzlich zum Stammsitz in

Frankfurt am Main unterhält das

Unternehmen inzwischen Standorte

in Lissabon, Manila, Shanghai und

Mexiko-Stadt und produziert auf

drei Kontinenten mit jeweils vier

Partnern in China und Südamerika

sowie 25 in Europa. Zusätzlich ist

für jedes Land ein einzelnes Team

verantwortlich. „So können alle

Aktivitäten auf den jeweiligen Status

ausgerichtet werden. Generell

zielen wir darauf ab, die individuellen

Schlafgewohnheiten in unseren

verschiedenen Märkten zu treffen.

Hierbei profitieren wir von unserer

Forschungs- und Entwicklungskompetenz:

Die Entwicklung neuer

und eigens für Märkte konzipierter

Produkte bilden wir in-house ab.“

So aufgestellt, sorgt Emma für

eine anhaltende Wachstumsdynamik

mit ungebremster Expansion.

Seit 2019 startete die Marke in 15

neuen Ländern. Strategisch setzt

Emma dabei auf digitale Wettbewerbsfähigkeit

in den Zielmärkten

sowie auf Skaleneffekte (bestimmte

Kostenvorteile) durch regionale

Marktvertiefungen. Seit Mitte des

vergangenen Jahres ist die Marke

in Südostasien neben Singapur nun

auch in Malaysia, Indonesien und

auf den Philippinen mit Webshops

vertreten. Der E-Commerce wächst

Der weltweit erste Emma-Flagship-Store ist Anfang Januar in Shanghai an den Start gegangen, weil die Markenbekanntheit bei chinesischen

Konsument:innen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung hat. Die Verkaufsfläche des 265 qm großen Shops ist kreisförmig angeordnet. Im

Mittelpunkt steht eine drehbare Konstruktion mit allen Matratzenmustern, die sich herunterklappen und testen lassen (o.). Zusätzlich umfasst

das Sortiment Zubehör wie Kissen, Schlafsets für Büro und Reise, Schlafbekleidung und Duftkerzen (u.). Des weiteren will der Store mit zwei

Erlebnisräumen überzeugen – einem Schlaflabor und einem „Experience Center“, das die Technologie hinter den Produkten zeigt.

3/2022 möbel kultur 69


lifestyle

Foto: Messe Frankfurt/Petra Welzel

Ambiente, Christmasworld und Creativeworld

Neues Konzept

fürs nächste Jahr

Unter dem Motto „Home of Consumer Goods“ bietet die Messe Frankfurt ab 2023 ein innovatives

Messeformat, das die drei Konsumgütermessen Ambiente, Christmasworld und Creative world

vom 3./4. bis 7. Februar 2023 unter einem Dach auf dem Frankfurter Messegelände vereint.

Aus dem One-Stop-Shop ergeben sich auch zwangsläufig neue Hallenaufteilungen.

Stellten das neue One-Stop-Shop-Konzept vor:

Philipp Ferger, Bereichsleiter Consumer Goods

Fairs, Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe

Frankfurt und Erdmann Kilian, Leiter Marketingkommunikation/Presse

(v. l.).

Nachdem die Christmasworld/

Cre a tive world und Paperworld sowie

die Ambiente pandemiebedingt zwei

Jahre nicht stattfinden konnten, sich

außerdem die Rahmenbedingungen verändert

haben, sah sich die Messe Frankfurt herausgefordert,

über ein neues Konzept für die Konsumgüterbranche

nachzudenken. Während einer

virtuellen Pressekonferenz erklärten Detlef

Braun, Geschäftsführer Messe Frankfurt, und

Philipp Ferger, Bereichsleiter Consumer Goods

Fairs, die Chancen der neuen Idee.

Das neukonzipierte Angebot soll ein einzigartiges,

umfassendes Produkt- und Lösungsportfolio

zeigen und aktiv Synergieeffekte für Aussteller,

Besucher und Medien heben. In einem

zweiten Schritt wird der Global Sourcing- Bereich

der drei Leitmessen zu einem gemeinsamen Angebot

verschmolzen und international vermarktet.

Ergänzt wird dieser strategische Entwicklungsschritt

durch ein neues, regional bezogenes

Design- & Lifestyle-Angebot in Frankfurt in der

zweiten Jahreshälfte, in der früher die Tendence

stattfand. Hier sollen kleine Manufakturen und

hochwertige Marken eine neue Heimat finden.

Neu ist auch, dass es die Paperworld in dem

bisherigen Format nicht mehr geben wird. Da

sich das Kaufverhalten der Konsumenten in

der Pandemie gewandelt habe, müsse sich auch

der Marktplatz verändern. Die neue Ausgestaltung

des Produktbe reiches Working unter dem

Dach der Weltleitmesse Ambiente schaffe zukunftsorientierte

Impulse für Hersteller wie

für Händler, Designer, Architekten und Büroeinrichter.

Gleichzeitig positioniere sich die

Weltleit messe mit dem neuen Lebensbereich

Ambiente Working und lade dessen Angebot in

all seinen Facetten neu auf.

76 möbel kultur 3 /2022


„Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben“,

hatte Philipp Ferger, Bereichsleiter Consumer

Goods Fairs, bereits während der Presse konferenz

angekündigt. Nach intensivem Austausch mit

Ausstellern und Branchenvertretern präsentierte

die Messe Frankfurt dann am 11. März die neue

Hallenaufteilung. Auf insgesamt 16 Hallenebenen

werden die neuesten Trends gezeigt. Bei der

Aufplanung stand in erster Linie im Fokus, den

Besucher:innen effiziente Wege fürs Ordern zu

bieten. Ein käufer:innen finden in der Halle 12

bei „Table und Table Select“ alles rund um Glas,

Porzellan, Keramik, Gold, Silber, Tischdekoration

oder Tischtextilien. In der Halle 11.0 präsentiert

sich das HoReCa-Segment inklusive der HoReCa

Academy. Produkte wie Töpfe, Pfannen, Messer,

Bestecke, Elektrokleingeräte oder BBQ-Zubehör

gibt es bei „Cook & Cut“ in der Halle 8.0. „Clean

Home“ zeigt in der Halle 9.0 Reinigungsgeräte,

Haushaltsmöbel, Aufbewahrungsboxen oder

Ordnungssysteme. Das Trendthema Backen findet

bei „Kitchen, Accessories & Baking“ in den Hallen

9.1 und 9.2 seinen eigenen Platz. Besucher:-

innen können hier Produkte wie Backformen

und -zubehör, Trinkflaschen, Bar equipment oder

Küchentextilien entdecken. Ein breites Angebot

an Aktionswaren bietet die neue Plattform „Top

Deals“ in der Halle 9.3.

Im Ostgelände macht der Bereich Living

auf der Fläche bei „Interiors & Decoration“ in

der Halle 3.0 sowie bei „Interior Design“ in

der Halle 3.1 alle Stilrichtungen rund um die

Themen Wohnen, Einrichten und Dekorieren

erlebbar. Die Living-Hallen sorgen mit ihrer

Platzierung und der Nähe zur Christmasworld

für zielgruppengerechte Besucherführung und

-effizienz, heißt es aus Frankfurt.

Geschenke und persönliche Accessoires zeigt

der Bereich Giving, in dem jetzt neu hochwertige

Papeterie sowie Artikel rund um den

Schulbedarf präsentiert werden. In der 4.0

dreht sich alles rund um das Thema klassische

Geschenkartikel und Schulbedarf. Die Halle

4.1 präsentiert moderne design- und trendorientierte

Geschenkartikel.

Dem Thema der Arbeitswelten von morgen

widmet sich der neue Bereich Working der

Ambiente. Gleichberechtigt neben Dining, Living

und Giving stellt dieser Bereich relevante

Lösungsangebote ab 2023 noch intensiver in

den Fokus. In der Halle 4.2 zeigen Aussteller

Produkte rund um den Büro bedarf, die Büroausstattung

sowie Remanexpo. Ebenfalls zeigen

Sonderpräsentationen und Vortragsreihen zu

Modern Work, New Work und Future of Work

was zukünftig angesagt ist.

Im Bereich „Global Sourcing“ finden Importeure

zuverlässige Partner für das Volumengeschäft

– und zwar sowohl aus der industriellen

als auch der handwerklichen Produktion.

Seit Jahren ist der Bereich auf der Ambiente die

größte Sourcing-Plattform außerhalb Chinas.

Global Sourcing Dining finden Besucher:innen

in den Hallen 11.1 und 10.3. Global Sourcing

Living präsentiert sich in der Halle 10.2 und

Die Ambiente belegt im Februar 2023 mit 16 Hallen ebenen den größten Teil des Frankfurter Messegelände

. Der neue Bereich „Ambiente Working“ präsentiert sich in der Halle 4.2 mit Office, Remanexpo

und Future of Work. Die Christmasworld belegt die 5.0, 5.1, 6.0, 6.1 und 6.2. Die Creativeworld

präsentiert sich in den Hallen 1.1 und 1.2.l. www.consumergoods-frankfurt.com

Giving/Living in der Halle 10.1. „Die Ambiente

ist der Dreh- und Angelpunkt der Konsumgüterindustrie.

Die Optimierung der Struktur

und die neue Hallenplanung bietet allen Teilnehmer:innen

neue Perspek tiven und damit

neue, unerwartete geschäftliche Chancen. Als

international führende Konsumgütermesse

bildet die Ambiente den Wandel im Markt

zukunfts orientiert ab und zeigt einen einzigartigen

Mix an Ideen und Produkten. Damit gehen

wir gezielt auf die Bedürfnisse der Branche ein“,

so Philipp Ferger.

Darüber hinaus belegt die Christmasworld die

Hallen 5.0, 5.1, 6.0, 6.1 und 6.2. Der Bereich

„Bänder und Verpackungen“ ist zukünftig in der

Halle 6.1 platziert. Die Creative world präsentiert

sich mit Schreib-, Mal- und Zeichengeräten in

den Hallen 1.1 und 1.2.

RITA BREER

3 /2022 möbel kultur 77


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