unternehmen März 2017

suedwest.presse

unternehmen März 2017

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 55 | März 2017 | 3,00 €

Macher und

Optimierer

Als Unternehmensberater macht Ingenics-Chef

Oliver Herkommer Kunden besser und raubt sich

selbst die Arbeit. Ein Gespräch über die digitale Welt.

4 197821 303000 5 5

Internet: Wie Unternehmen rechtliche Fallstricke umgehen SEITE 6

Architektur Wie Botschaften aus Stein und Glas wirken SEITE 36

Umfrage Was der Frühling mit Führungskräften anstellt SEITE 52


Brummen

ist einfach.

Weil die Sparkassen den

Motor unserer Wirtschaft

am Laufen halten.

Mittelstandsfinanzierer Nr. 1*

* bezogen auf die Sparkassen-Finanzgruppe

sparkasse-ulm.de

ksk-gp.de

S Sparkasse

Ulm

S Kreissparkasse

Göppingen


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

unsere Wirtschaft steckt in einem tiefgreifenden

Wandel. Die Digitalisierung befördert

die Art und Weise, wie Informationen

ausgetauscht und Prozesse gesteuert werden,

in eine neue Dimension. Jedes Unternehmen

muss bald analysieren, wo Risiken

für das eigene Geschäftsmodell lauern, betont

Oliver Herkommer, der Vorstandschef

der Ulmer Ingenics AG, im Titelinterview

(S. 10). Das eigene IT-System, aber auch die

Daten von Kunden und Geschäftspartnern

zu schützen, wird eine extrem herausfordernde

Aufgabe für Mittelständler. Denn

die EU verschärft 2018 die Regeln (S. 6).

Alles digital, oder was!? Den Titel des Ulmer

Unternehmertages hat Organisator Karl-

Heinz Raguse gut gewählt (S. 29). Absolut

digitalfrei hingegen sind unsere Geschichte

über den Vogelfutterhersteller Donath und

unsere Umfrage unter Führungskräften. Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[spezial]

6 Im Netz der Daten verstrickt Was die

neue Datenschutz-Verordnung der EU

für Unternehmen bedeutet

29 Ganz persönlich ins Digitalzeitalter

Der 18. Unternehmertag in Ulm

48 Der unterschätzte Standort

Göppingen und seine Wirtschaftskraft

[titelthema]

10 Lotse in Zeiten der Unberechen barkeit

Oliver Herkommer im Gespräch

[finanzieren]

20 Im digitalen Schraubstock

So können Mittel ständler eine drohende

Kreditklemme verhindern

[machen]

24 Ein Gartenhelfer, der nicht meckert

Der Robolinho von Alko Kober

34 Drehkreuz für mehr Halt Die Bossard-

Gruppe setzt auf Illerrieden

46 Kreativ sein im Grünen Warum

Konferenzen in der Natur gut tun

50 Bei dem piept’s wohl Firmenchef und

Idealist: Andreas Donath

[bauen]

36 Botschafter aus Stein und Glas

Wohlfühlen in guter Architektur

[gründen]

42 Gut gebrüllt Wie Marcus Ruoff aus

Riedlingen die „Löwen“ zähmte

[leben]

52 Tschüss Winter. Hallo Frühling!

Umfrage unter Führungskräften

56 Ein vergnüglicher Gala-Abend

Der Neujahrsempfang der

SÜDWEST PRESSE

[namen & nachrichten]

4 Buhlen um verwöhnte Verbraucher

4 Gründerzentrum startet im Herbst

5 Vetter investiert und modernisiert

28 Hotel in WLZ-Lager

45 Aus den Hochschulen: Großspende

von Rohde & Schwarz

58 Die Waldburg schließt bis 2018

58 Impressum

46 50

52 24

06

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Buhlen um verwöhnte Verbraucher

Braucht der stark unter Druck

stehende Ulmer Einzelhandel

einen gemeinsamen digitalen

Markt platz? Die Idee, die der

Schuh händler Michael Ratter

aufgebracht hat, wird intensiv

diskutiert. Ratter fordert einen

Gegenpol zu Shopping-Plattformen

wie Amazon zu entwickeln.

Solche Ansätze sieht Lars Hofacker

mit einer Portion Skepsis.

Er leitet den Forschungsbereich

E-Commerce des EHI, einem wissenschaftlichen

Handels- und

Marktforschungsinstitut in Köln.

Zwar komme kein Händler mehr

daran vorbei, online sichtbar zu

sein. „Ein stationäres Geschäft,

das über Google nicht zu finden

ist, gibt es für viele Kunden

schlichtweg nicht“, sagt Hofacker.

Doch die Zeiten, in denen

ein Händler „ein bisschen online

nebenher verkaufen konnte, sind

vorbei“. Amazon & Co investieren

immens und setzen die Standards

– von der Produktinformation

bis hin zur Retoure: „Die

Verbraucher sind verwöhnt und

scheinen zum Großteil preisgetrieben.“

Kleine Einzelhändler sollten sich

hüten, sich zu verzetteln und ihre

Kernkompetenz, die Beratung, zu

vernachlässigen. Vielmehr müssten

sie sich noch viel stärker als

bisher als Problemlöser der Kunden

verstehen. Bei regionalen

Plattformen gehe es immer auch

darum, welche Ziele man mit ihnen

erreichen will, sagt Hofacker.

Je regionaler die Produkte, die auf

solchen Plattformen angeboten

würden, desto größer seien die

Chancen.

Während IHK-Handelsexperte

Josef Röll und der Ulmer City

Marketing e.V. eine solches Portal

befürworten, hat Ulms Oberbürgermeister

Gunter Czisch betont,

die Stadt werde sich an einem solchen

Projekt keinesfalls auf Kosten

der Steuerzahler beteiligen.

Er sehe die Aufgabe der Stadt darin,

Ulm als Handelsstandort attraktiv

zu halten. [!] AMB

Sinnbild für Ulms Einzelhandel: die Hirschstraße. Derzeit wird in der Stadt

diskutiert, wie sinnvoll ein Shopping-Portal ist. Foto: Volkmar Könneke

Gründerzentrum startet im Herbst

Das Geislinger Innovations- und

Gründerzentrum steht in den

Startlöchern. Im Herbst soll das

Projekt der Zusammenarbeit zwischen

Wissenschaft und Wirtschaft

in Räumen auf dem WMF-

Areal beginnen. Dann sind Ideen

aller Art gefragt – auch ganz verrückte.

Wer hätte vor 10 Jahren

gedacht, dass es einmal Smartphones

geben wird, die das Leben

der meisten Menschen komplett

umkrempeln? Diese Frage war

Sinnbild bei der Kick-Off-Veranstaltung

dafür, warum das Innovations-

und Gründerzentrum

(GIGZ) der Region wichtige Impulse

geben kann. Um den Herausforderungen

der Zukunft begegnen

zu können, brauche es

Innovationen, sagte Isabella Jesemann

vom Fraunhofer Institut

für Arbeitswirtschaft und Organisation

(IAO). Im GIGZ wolle

man Ideen generieren und weiterdenken,

Visionen umsetzen,

Foto: Heike Siegemund

Geschäftsmodelle entwickeln

und Innovationen stärken. Dazu

sei ein Austausch zwischen Unternehmen

und Studierenden in

Form eines Netzwerks nötig. Geplant

sind Workshops, Seminare

Andreas Frey, Rektor der Hochschule Nürtingen-Geislingen, bei der Kick-Off-

Veranstaltung für das Innovations- und Gründerzentrum.

und Einzelcoachings. Vorteile für

Firmen seien, dass sie schnellen

Zugang zu Ideen und Personal erhalten

und dass sie ihre Mitarbeiter

qualifizieren könnten. Gründer

können ihre Ideen testen und

erhalten günstige Büros.

Finanziert wird das GIGZ über

einen Förderverein. Die Mitgliedsbeiträge

reichen von 50 bis

zu 20.000 Euro pro Jahr. Mit im

Boot sind die Hochschule für

Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen,

die Stadt Geislingen,

das Fraunhofer IAO, die

Sparkasse Göppingen und die

Hochschule der Medien Stuttgart.

Informationen gibt Michaela

Wiedmann-Misch, unter Telefon

07331/24300. [!] HSI

4


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[namen & nachrichten]

Vetter investiert und modernisiert die Logistik

Die Ravensburger Gruppe Vetter

Pharma gibt Ende 2017 ihren

langjährigen Standort in der Holbeinstraße

auf. Dafür wurde nun

das erweiterte Zentrum für optische

Kontrolle und Logistik im

Gewerbegebiet Erlen in Betrieb

genommen. Dies soll nicht zuletzt

auch den Verkehr in der Ravensburger

Innenstadt entlasten.

Knapp 100 Millionen Euro kostete

die Erweiterung des bereits

2012 eröffneten Standortes. Hier

befinden sich nun 800 Arbeitsplätze,

davon rund 500 in der manuellen

Endkontrolle und mehr

als 200 in der Verwaltung. Weitere

150 neue Stellen sind für 2017

geplant. Auf einer Nutzfläche

von 50.000 Quadratmetern stehen

rund 35.000 Palettenstellplätze

zur Verfügung – gekühlt

oder bei Raumtemperatur. Damit

hat sich die Kapazität Qualitätskontrolle

und Lagerung der Medikamente

verdoppelt.

Das 1950 als Apotheke gegründete

Familien-Unternehmen ist einer

der führenden Pharmadienstleister

für die keimfreie

Abfüllung und Verpackung von

Spritzen und anderen Injektionssystemen.

Neben den Fertigungsstätten

in der Region Ravensburg,

gibt es unter anderem einen Entwicklungsstandort

in Chicago

sowie Vertriebsbüros in Singapur

und Tokio. 2016 erhöhte Vetter

die Mitarbeiterzahl von 3600 auf

4100. 2015 erwirtschaftete Vetter

einen Umsatz von 460 Millionen

Euro. [!]

RIZ

Die Vetter-Gruppe hat den Bereich optische Kontrolle stark erweitert.

Rückkehr

rarer Stücke

von Märklin

Der belgische Unternehmer

Frans Bevers verfügt über eine

der größten Märklin-Sammlungen

weltweit. Er hat nun angekündigt,

dass die wertvollen Stücke

nach

seinem Tod

„in die Heimat

von Märklin

zurückkehren

sollen“. Die

Einer der größten

Märklin-Fans:

Franz Bevers.

Sammlung

solle in eine

Stiftung überführt

werden

und im Göppinger

Museum der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht werden,

sagt der 70-Jährige. Als Träger der

Stiftung seien das Land Baden-

Württemberg, die Stadt Göppingen

und Märklin selbst vorstellbar.

[!]

JOA

Eigentumswohnungen

in Ulm deutlich teurer

Der Wohnimmobilienmarkt in

Ulm ist durch hohe Nachfrage in

allen Lagen geprägt. Das schreibt

der bundesweit tätige Immobilienmakler

Engel & Völkers in seinem

Marktbericht 2016/17. Die

Angebotspreise für Eigenheime

erhöhten sich 2016 um 7,1 Prozent

auf durchschnittlich 504.000

Euro. Hier sei das Angebot immer

noch gering. Für Eigentumswohnungen

werden im Schnitt 3538

Euro pro Quadratmeter im Bestand

(plus 4,9 Prozent) und 4150

Euro (plus 10,6 Prozent) im Neubau

fällig. Die Angebote bei Neuvermietungen

lagen bei 9,36 Euro

pro Quadratmeter. [!] AMB

Handwerkskammer

investiert in Akademie

Die Handwerkskammer Ulm, deren

Gebiet von der Ostalb bis zum

Bodensee reicht, investiert 7,5

Millionen Euro in den Ausbau

und die Modernisierung ihrer Bildungsakademie

in Ulm. Dort entsteht

unter anderem eine neue

Werkhalle. Das Gebäude werde

mit modernster Technik gebaut,

damit die Auszubildenden für ihr

späteres Berufsleben lernen können,

sagt Hauptgeschäftsführer

Tobias Mehlich. Die Kosten teilen

sich der Bund (45 Prozent),

das Land (25 Prozent) und die

Handwerkskammer (30 Prozent).

Jährlich durchlaufen 2800 Auszubildende

420 Kurse. Hinzu

kommen Weiterbildungen für

1100 Handwerker. [!] JK

Liqui Moly:

11.000 Euro

Prämie

Der Ulmer Öl- und Additivhersteller

Liqui Moly hat im vergangenen

Jahr den Umsatz um 11

Prozent auf 489 Millionen Euro

gesteigert. Damit erreichte das

Unternehmen, wie schon in den

Jahren zuvor, einen Rekordwert.

„Als schwäbischer Mittelständler

haben wir uns im Wettbewerb

mit internationalen Großkonzernen

nicht nur behauptet, sondern

ihnen sogar Marktanteile

abgenommen“, sagte der geschäftsführende

Gesellschafter

Ernst Prost. „Die Mitarbeiter sind

der Kern unseres Erfolges“, sagte

Prost. Deren Zahl stieg um 60 auf

791. Sie erhalten fürs 2016 jeweils

eine Prämie von 11.000 Euro,

dreimal so viel wie im vergangenen

Jahr. Liqui Moly produziert

ausschließlich in Deutschland

und vertreibt seine Produkte in

mehr als 120 Ländern. [!] AMB

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Foto: © chombosan / Fotolia.com

In einer digital vernetzten Welt gewinnen die Themen Datenschutz und Datensicherheit an Bedeutung. Die EU schafft dafür eine neue Rechtsbasis.

Im Netz der Daten verstrickt

Alles ist mit allem verbunden im Internet der Dinge. Das birgt viele Chancen für neue Produkte und

Dienstleistungen. Doch es wächst auch die Gefahr des Missbrauchs von Daten. Die EU verschärft die

rechtlichen Anforderungen vom 1.Mai 2018 an. Was Unternehmer schon heute wissen sollten.

Ein wichtiger Aspekt war IT-Sicherheit schon immer. Doch was

jetzt auf Unternehmen und Konsumenten zukommt, hat ein

neues Niveau. „Die Gefahren sind vielleicht nicht größer geworden,

aber die Komplexität der Systeme hat zugenommen“, sagt Dr.

Walter Gillner. „Dadurch gibt es viel mehr Einfallstore und Möglichkeiten

für Angriffe.“ Gillner weiß, wovon er spricht. Seit 25 Jahren

arbeitet er in der IT, zunächst als Entwickler in der Autoindustrie.

Mittlerweile ist er sein eigener Chef. Mit seinem Unternehmen Viception

aus Langenau berät er Kunden bei IT-Projekten. Diese drehen sich

zunehmend um das Internet der Dinge.

Die Vernetzung von Produkten und Produktionsmitteln gewinnt insbesondere

im Anlagen- und Maschinenbau an Bedeutung. Bis zum

Jahr 2010 sollen einer Studie zufolge weltweit 20,8 Milliarden Geräte

mit dem Internet verbunden sein. Jede Schnittstelle ist ein potenzielles

Sicherheitsrisiko.

„Durch das Internet der Dinge ergeben sich

völlig neue Herausforderungen für den Datenschutz,

also das Recht der Betroffenen

selbst über ihre Daten zu bestimmen, und

für die Datensicherheit, also den Schutz

der Daten insgesamt“, erklärt Prof. Dr. Gerhard

Kongehl, Geschäftsführer und wissenschaftlicher

Leiter von Udis, der Ulmer

Akademie für Datenschutz und IT-Sicherheit.

Es gebe viele Verlockungen, vieles

werde für Konsumenten einfacher, beispielsweise

die Technik, die die Heizung,

Beleuchtung oder den Stromverbrauch.

Firmenchef Walter Gillner

aus Langenau.

steuert. Das Problem sei, dass durch diese Technik die Menschen zu

gläsernen Personen werden können.

6


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[spezial]

Strengere Vorschriften

Künftig müssen Firmen die Wahrscheinlichkeit und Schwere des Datenschutz-Risikos bewerten.

Foto: © zapp2photo / Fotolia.com

Kanzlei für IT-Recht und

gewerblichen Rechtsschutz (IP)

im Ulmer Stadtregal.

Datenschutzrecht

Softwareverträge

AGB I eCommerce

Wettbewerbsrecht

Markenanmeldungen

Urheberrecht I Designschutz

Lizenzverträge I Patente

IT-Kanzlei Twelmeier

Magirus-Deutz-Straße 12

89077 Ulm

Telefon 0731 2806 5630

info@kanzlei-it.com

Die neue Grundverordnung der EU zum

Datenschutz tritt im Mai 2018 in Kraft. Zu

ihren wichtigsten Elementen zählt das

Strafmaß bei Datenschutzverletzungen.

Bußgelder bis zu 20 Millionen Euro oder

4 Prozent des Gesamtumsatzes eines

Unternehmens sind möglich. Darüber hinaus

wird das Prinzip „Privacy by Design“

nun normiert. Neu ist auch die Datenschutz-Folgenabschätzung.

Diese muss

dann erfolgen, wenn die Verarbeitung von

Daten voraussichtlich ein hohes Risiko

für die persönlichen Rechte und Freiheiten

der betroffenen Personen bedeutet.

Auch Melde pflichten werden konkretisiert:

Wenn Unternehmen von einer Datenschutzverletzung

erfahren, müssen

sie die Verletzung unverzüglich und innerhalb

von 72 Stunden der zuständigen

Aufsichtsbehörde melden.

HZ

www.kanzlei-it.com

In der Regel müssen Nutzer einwilligen, bevor ihre Daten von einem

Unternehmen verwendet werden dürfen. Diese Einwilligung ist nicht

erforderlich, wenn die Daten anonymisiert werden und keine Rückschlüsse

auf konkrete Personen gezogen werden können. „Das Problem

ist jedoch Big Data“, erklärt Kongehl. „Je mehr Daten gesammelt

werden, desto schwieriger ist es, die Anonymität zu gewährleisten.“

KÜNFTIG DEUTLICH HÖHERE STRAFEN

Bisher sind die Strafen bei der Missachtung von Datenschutz gering .

Das ändert sich vom 1. Mai 2018 an. Dann ersetzt die EU-Datenschutzgrundverordnung

(DSGVO) wesentliche Teile des heute geltenden

Datenschutzrechts. Damit erhöhen sich die Bußgelder: Bis zu 20 Millionen

Euro oder 4 Prozent des Jahresumsatzes sind möglich. „Das wird

dazu führen, dass sich Unternehmen mehr Gedanken darüber machen

werden müssen, wie sie mit Daten umgehen“, sagt Kongehl.

Schon heute ist nach § 4 Bundesdatenschutzgesetz die Erhebung, Verarbeitung

und Nutzung personenbezogener Daten nur zulässig, soweit

sie rechtlich erlaubt ist oder Betroffene eingewilligt haben. Dazu

gehören alle Informationen, die einer Person oder Bezugsgruppe zugeordnet

werden können: Zum Beispiel Name, Adresse, Größe, Gewicht,

und politische Einstellungen. Sogar IP-Adressen zählen dazu.

Die Kriterien werden von der DSGVO weitgehend übernommen. Zudem

besteht ein Kopplungsverbot: Der Abschluss eines Vertrages darf

nicht von der Verarbeitung von Daten abhängig gemacht werden, die

für die Vertragsdurchführung nicht benötigt werden.

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[spezial] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Foto: © elenabsl / Fotolia.com

Wer darf eigentlich wann auf welche Daten zugreifen? In vielen Unternehmen fehlen Berechtigungskonzepte, sagt IT-Experte Gerd Schramm.

Systeme für die Datensicherheit machen derzeit große Fortschritte.

„Machine Learning“-Verfahren werden getestet, um Unregelmäßigkeiten

im Datenverkehr eines Netzwerks zu erkennen. Hardware wird

über einen Chip mit einer eindeutig identifizierbaren ID ausgestattet.

Diese ID kann dann nicht mehr von außen beeinflusst werden. Eingesetzt

wird diese Technik zum Beispiel in der Fahrzeugtechnik – und

beim autonomen Fahren. „Die Steuerungseinheit muss wissen, dass

die Informationen, die von einem Sensor geliefert werden, auch authentisch

sind“, sagt Gillner. Gleichzeitig ist diese ID die Basis für die

Verschlüsselung der Kommunikation zwischen den Bauteilen.

Wie mit den Daten umgegangen wird, ist nicht nur im Verhältnis zwischen

Unternehmen und Kunden relevant. „In Unternehmen haben

wir es zunehmend mit Maschinen zu tun, die untereinander vernetzt

sind, die von Computern gesteuert und aus der Ferne gewartet werden

können“, sagt Gerd Schramm, IT-Security-Manager und Inhaber des

Beratungsunternehmens Data-S aus Ulm. Seiner Meinung nach beschäftigen

sich viele Unternehmen noch nicht ausreichend mit dem

Thema Sicherheit: „Die Maschinen brauchen ein Update-Konzept, ein

Berechtigungskonzept und angemessene

Firewalls. Daran hapert es oft.“

Eine Schwierigkeit sieht er in den fehlenden

Zuständigkeiten innerhalb der Unternehmen.

Die IT-Abteilung werde beauftragt,

einen LAN-Zugang zu einer Maschine

zu legen. Aber mehr interessiere sie nicht,

schließlich ist ihr Aufgabengebiet die IT –

und nicht die Wartung der Maschinen.

Plötzlich hängen Maschinen und PCs an

Udis-Leiter

Prof. Dr. Gerhard Kongehl.

derselben Infrastruktur. Bereiche, die im

wirklichen Leben aus Sicherheitsgründen

streng voneinander getrennt sind. Daher

sind nach seinen Worten intelligente Netzwerk-Konzepte nötig. Die

Vernetzung von Produktionsanlagen wirft zudem rechtliche Fragen

auf, die insbesondere vertraglich gelöst werden müssen. Etwa beim

Thema Fernwartung: Auf welcher Basis wird der Datenaustausch vollzogen

wird? Welchen Teil der Maschinendaten braucht der Empfänger,

was darf er damit anstellen? Wer hier nichts vertraglich geklärt

hat, den erwarten womöglich sehr bald Konflikte. Noch komplizierter

wird es, wenn personenbezogene Daten hinzukommen. Das kann

schnell passieren. Wenn sich Mitarbeiter zum Beispiel einloggen müssen,

um eine Maschine zu nutzen. Dann liegen unmittelbar Namen

und Arbeitszeiten vor. Und was passiert, wenn Daten zusammengeführt

werden? Welche Schlüsse könnten daraus gezogen werden?

ES GILT DAS PRINZIP DER DATEN-VERMEIDUNG

Künftig werden die Aspekte des Datenschutzes noch mehr in der Entwicklung

und Produktion bedacht werden müssen. Der Grundsatz,

den die DSGVO vorgibt, lautet: „Privacy by Design“. Dieses Konzept

verlangt, dass Produkte so konzipiert werden, dass sie standardmäßig

nur solche Daten verarbeiten, die für die Basisfunktionalität nötig

sind. Alle weiteren Funktionen müssen aktiv vom Nutzer freigeschaltet

werden. Wenn Daten erhoben werden, muss dies für den Betroffenen

transparent sein, den technischen Sicherheitsstandards und in der

Grundeinstellung den Prinzipien der Datenvermeidung genügen.

„Noch befindet sich die Technik in einer Phase, in der erst einmal neue

Anwendungen erfunden werden, und dann irgendwann später geschaut

wird, mit welchen Gefahren und Risiken das verbunden ist“,

sagt IT-Sicherheitsexperte Schramm. Es sieht so aus, als würde spätestens

mit der DSGVO eine neue Phase eingeleitet, in der Datenschutz

und Datensicherheit einen höheren Wert bekommen. Unternehmen,

die hohe Bußgelder vermeiden wollen, sollten das Thema daher bald

angehen. [!]

HENNING ZANDER

8


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Hilfe im Kampf gegen Viren

Die digitale Welt wächst. Doch im sogenannten Internet der Dinge verbreiten sich auch Com puterviren,

Würmer und Trojaner mit rasanter Geschwindigkeit. In Anbetracht der steigenden Bedrohungen von

Rechnern und Netzwerken setzt die IHK Ulm auf eine umfassende Aufklärung und Weiterbildung.

Der Kühlschrank piepst, wenn die Milch zur

Neige geht – und bestellt automatisch nach.

Das Hundehalsband erinnert Herrchen und

Frauchen blinkend an einen Termin beim Tierarzt

und der Regenschirm verfärbt sich blau,

wenn Gewitterwolken aufziehen.

Das Internet der Dinge, die zunehmende digitale

Vernetzung von Gegenständen, kann Segen

und Fluch zugleich sein. Denn es bietet auch

eine Plattform für Cyber-Kriminelle, die mit

schädlichen Software-Programmen vor nichts

und niemandem Halt machen. Auch nicht vor

der Region der Industrie- und Handelskammer

Ulm (IHK). Doch diese ist nicht nur gewarnt,

sondern auch aktiv und setzt mit verschiedenen

Workshops und Veranstaltungen auf eine

umfassende Aufklärung vor Hacker-Angriffen.

So bietet die Kammer ab dem Herbst 2017 unter

anderem die Weiterbildung zum „Informationssicherheitsbeauftragten

IHK“ an. Dieser

bundeseinheitliche Zertifikatslehrgang richtet

sich branchenübergreifend an alle Mitarbeiter,

die in ihrem Betrieb oder in ihrer Organisation

für die Informationssicherheit verantwortlich

sind.

Denn die digitale Sicherheit kann nach Meinung

von Gernot Schnaubelt nicht hoch genug

eingeschätzt werden: „Wir müssen unsere Mitgliedsfirmen

nicht

nur über aktuelle

Angriffsmuster

informieren, sondern

sie ganz gezielt

auch für das

Thema IT-Sicherheit

sensibilisieren.

Denn viele Unternehmen

sind sich

zwar der Tragweite

des Problems

Gernot Schnaubelt,

IHK Ulm

bewusst, wissen

jedoch nicht, wie

sie es lösen können. Da muss man unbedingt

weiterdenken“, mahnt der IHK-Referent für IT

und Umwelt an. „Vertrauliche Unterlagen und

persönliche Daten können von Angreifern häufig

fast ungehindert eingesehen, kopiert und

manipuliert werden. Die Folgen kann man sich

leicht ausrechnen.“ Dabei ist es für den IHK-

Referenten beileibe nicht damit getan, hin und

wieder die Passwörter zu ändern.

Beim Kampf gegen Hacker lassen sich die IT-

Die IHK informiert ihre Mitgliedsbetriebe nicht nur über aktuelle Angriffsmuster, sondern sensibilisiert

sie auch gezielt für IT-Sicherheit.

Foto: © putilov_denis / fotolia.com

Spezialisten auf ein langes Katz- und Mausspiel

ein. Gernot Schnaubelt: „Kaum sind neue

Technologien gegen Netzattacken gefunden,

werden Sie von Cyber-Kriminellen wieder ausgehebelt.“

Gerade diese schier aussichtlos

erscheinende Spirale fordert von allen Beteiligten

höchste Aufmerksamkeit und auch die

Bereitschaft, sich mit diesem leidigen Thema

auseinanderzusetzen: „Hierfür will die IHK die

Basis schaffen. Den Betrieben muss klar sein,

dass es sich bei IT-Sicherheit beileibe nicht nur

um einen unangenehmen Kostenfaktor handelt,

sondern um einen Wertschöpfungsfaktor.

Die zunehmende Digitalisierung ist mit einem

unzureichendem Datenschutz nicht denk- und

machbar“, hebt Schnaubelt hervor.

Das Potenzial der Mitarbeiter nutzen

Doch die modernsten Technologien, die zum

Schutz beitragen, sind eben nur eine Seite.

Auf der anderen Seite steht der Mensch. „Die

Mitarbeiter stellen ein nicht zu unterschätzendes

Sicherheitspotenzial dar. Denn wenn sich

eine Schadsoftware einmal an Sicherungssystemen

wie Firewalls vorbeigemogelt hat, dann

hilft nur noch der gesunde Menschenverstand

und ausreichend Kenntnis darüber, welche

Links man anklicken darf und welche nicht“,

erläutert Gernot Schnaubelt.

Für den IT-Spezialisten der IHK Ulm ist es

deshalb das A und O beim Schutz gegen

Computerviren, Würmer und Trojaner, dass

alle Beschäftigten eines Unternehmens, Geschäftsführung

und Büromitarbeiter, die Risiken

kennen, entsprechend handeln und so aus

einem Fluch einen Segen machen.

STEFAN LOEFFLER

Betrug und

digitale Attacken

244 000 Delikte mit dem „Tatmittel

Internet“ hat das Bundeskriminalamt

im Jahr 2015 registriert. Unter diese

Rubrik fallen auch Angriffe mit Trojanern,

die Festplattenbereiche verschlüsseln,

oder DDoS-Attacken, die

Computer lahmlegen. Drei Viertel der

Fälle waren Betrugsstraftaten.

Quelle: Bundeskriminalamt

IHK Ulm

Olgastraße 95-101 · 89073 Ulm

Telefon : 0731 / 173-0

Telefax : 0731 / 173-173

info@ulm.ihk.de · www.ulm.ihk24.de

9


[titelthema] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

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10


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[titelthema]

Lotse in Zeiten der

Unberechenbarkeit

Das Tempo der Veränderung ist hoch. Die Ulmer Unternehmensberatung Ingenics

und ihr Vorstandschef Oliver Herkommer helfen Unternehmen auf drei

Kontinenten, die richtigen Dinge in möglichst kurzer Zeit zu tun. Ein Gespräch

über die Bedeutung von Mentalität, Mehrwert und Mitarbeitern.

Als Unternehmensberater helfen Sie Kunden, Abläufe

zu verbessern. Optimieren Sie auch zu Hause?

Manchmal, ich denke an das Office-Kanban, das wir bei

Ingenics realisiert haben. Das ist ein System, bei dem Büromaterial

über Karten nachgesteuert wird. Diese Vorgehensweise

hab ich auch meiner Frau ans Herz gelegt.

Wie kam das bei Ihrer Frau an?

(lacht) Weniger gut. Auch das Zwei-Behälter-Prinzip

für Kaffee konnte ich bei uns Zuhause noch nicht

durchsetzen.

Das Zwei-Behälter-Prinzip?

Dabei haben Sie auf einen Behälter Zugriff. Ist dieser

leer, nehmen sie Sie den zweiten und beschaffen in dieser

Zeit das Material. In der Automobilindustrie ist dieses

Prinzip Standard. Deshalb geht an den Montagebändern

zu 99,9 Prozent kein Material aus.

Gab es andere Versuche bei Ihnen Zuhause – auch

in Richtung Digitalisierung?

Bei uns Zuhause geht es noch weitgehend analog zu.

Das wird sich aber bald ändern. Im Herbst ziehen wir in

ein neues Haus. Da steckt einiges an digitaler Technik

drin, angefangen bei der digitalen Schließanlage bis zu

Heizungssteuerung und Belüftung. Früher sagte man,

ein Drittel der Gesamtkosten entfällt auf den Rohbau.

Heute reduziert sich dieser Anteil auf 20 Prozent. Der

Technik-Anteil hingegen steigt. Wir haben beispielsweise

zwei Ladestationen für E-Autos geplant.

Auch die Wirtschaft steht vor einer Digitalisierungswelle.

Was kommt auf die Firmen zu?

Beim Thema Digitalisierung spielt das Mooresche Gesetz

eine wichtige Rolle.

Was besagt das?

Dass sich die Rechenleistung von Computern ungefähr

alle 18 Monate verdoppelt. So ergibt sich eine exponentielle

Kurve. Aus meiner Sicht ist das die große Herausforderung

für uns. Je mehr die Geschwindigkeit zunimmt,

desto weniger können wir die Zukunft

berechnen. Heute sind Dinge möglich, die vor fünf

Jahren nicht vorstellbar waren. Das beschäftigt die

Menschen – und es beunruhigt sie.

Der Begriff Industrie 4.0 ist in Fachkreisen mittlerweile

verpönt. Warum?

Der Begriff stammt aus einer Untersuchung der Deutschen

Akademie der Naturwissenschaften im Jahr

2012. Es ging darum, die Vernetzung über das Internet

der Dinge mit Anlagen, Betriebsmitteln und Konsumenten

abzubilden. Industrie 4.0 war damals ein griffiger

Begriff. Im Laufe der Jahre wurden immer mehr

Marketingaktionen unter dem Schlagwort gefahren.

Aus diesem Grund spreche ich lieber von der Digitalisierung.

Wo stehen deutsche Unternehmen in Sachen Digitalisierung?

Die Ausgangsbasis ist sehr gut. Wir haben weltweit die

am besten qualifizierten Mitarbeiter. Das liegt an den

guten Universitäten und Hochschulen. Zudem haben

wir die weltweit einzigartige duale Ausbildung.

Wie sieht es in der Region aus?

Auch die ist gut aufgestellt, das zeigen Wettbewerbe

wie „Die Fabrik des Jahres“. Für ihre Digitalisierungskompetenz

wurden beispielsweise Bosch in Bleichach

oder Rohde und Schwarz in Memmingen ausgezeichnet.

Die Mentalität im Südwesten ist besonders. Es gibt

Zur Person

Oliver Herkommer

arbeitet seit 25 Jahren

im Familienunternehmen

und stieg –

nach dem Tod seines

Vaters – schnell in

den Vorstand auf.

Sein Bruder wechselte

vor fünf Jahren in

den Aufsichtsrat. Der

gebürtige Leutkircher

studierte Prod ukt i-

ons technik an der FH

Ulm, Wirtschaftsingenieurwesen

Export an

der FH Pforzheim und

setzte vor sieben Jahren

ein Masterstudium

an der Hochschule

Neu-Ulm drauf.

Dort ist er seit 2001

Dozent, seit 2002 leitet

er die VDI-Bezirksgruppe

Donau-Iller.

Herkommer fährt

Mountainbike und segelt

gerne im Mittelmeer.

Er ist verheiratet

und hat zwei

Töchter (13 und 17).

Der Älteren kommt er

beim Skifahren noch

hinterher, der Jüngeren

nicht mehr.

Plant und optimiert für Kunden: Oliver Herkommer, Vorstandsvorsitzender der Ingenics AG.

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[titelthema] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Der Ingenics-Chef unterrichtet

an der Hochschule Neu-

Ulm: „Für uns ist es wichtig,

einen Zugang zu potenziellen

Mitarbeitern zu finden.“

viele „Hidden Champions“ in der Automatisierungstechnik.

Oft sind das kleine und mittelständische Unternehmen

mit 100 bis 200 Mitarbeitern.

Was macht diese Mentalität aus?

Eine gewisse Gründlichkeit. Wir wollen Dinge richtig

machen. Der Qualitätsanspruch ist hoch. Damit differenzieren

wir uns etwa von China oder den USA.

Worin liegt der Unterschied zu den USA?

Die USA hat nach wie vor ein Facharbeiter-Problem.

Das muss jetzt – wenn die USA sich wieder industrialisieren

wollen – gelöst werden. Es stellt sich die Frage:

Wie schaffe ich es, die immer komplexeren Produktionssysteme

mit geeigneten Fachkräften zu betreiben.

In Deutschland sind die Lohnkosten wesentlich höher.

Allerdings betreiben wir unsere Produktionssysteme

weitaus effizienter als die Kollegen in Übersee. Dort

werden für gleiche Abläufe mehr Mitarbeiter benötigt.

Und verglichen mit China?

Die Mitarbeiter dort haben eine andere Mentalität.

Hinzu kommt, dass die wenigsten Angestellten dort

keine nennenswerte Problemlösungskompetenz besitzen.

In Betrieben gibt es aber zahllose, auch unvorhergesehene

Situationen zu meistern. Das chinesische

Schulsystem, das stark auf Auswendiglernen aufgebaut

ist, fördert diese Kompetenz nicht.

Was machen Unternehmen im Südwesten besser?

Innovative Mittelständler beschäftigen sich einerseits

strategisch mit der Digitalisierung. Sie reichern Produkte

digital an. Das heißt, ich verkaufe nicht nur eine

Heizung, sondern zusätzlich eine digitale Schnittstelle,

über die ich einen Mehrwert biete und einen guten Zugang

zum Kunden behalte. Andererseits arbeiten diese

Firmen daran, Logistik und Prozesse zu digitalisieren.

An dieser Stelle sehe ich derzeit das größte Potenzial.

Aber es gibt auch Firmen, die abwarten …

Das ist keine gute Idee. Denn sich mit der Digitalisierung

zu beschäftigen, bedeutet eigene, individuelle

Lösungen zu entwickeln. Es wird nie das eine Softwarepaket

geben, das ich aufspiele und plötzlich bin ich digital.

Jedes Unternehmen hat andere Rahmenbedingungen,

muss sich über seine Erfolgsfaktoren klar sein

und überlegen, wie es diese digital umsetzen kann.

Warum unterrichten Sie trotz langer Arbeitstage

an der Hochschule Neu-Ulm?

Für Ingenics ist es wichtig, einen Zugang zu potenziellen

Mitarbeitern zu finden. Wir arbeiten deshalb intensiv

mit der Hochschule Neu-Ulm zusammen, dort habe

ich einen Lehrauftrag. An der Hochschule Ulm – dort

fokussieren wir uns auf Produktionstechniker – unterrichtet

mein Bruder. Vergangenes Jahr haben wir weltweit

mehr als 100 Leute eingestellt. Ein Zugang zu den

Talenten ist daher essenziell. Wir stehen im Wettbewerb

mit allen großen Unternehmen in Deutschland.

Lassen sich die Früchte ihrer Arbeit an den Hochschulen

in Zahlen messen?

Wir haben in Ulm und Neu-Ulm etwa fünf bis acht Leute

rekrutiert. Wir sind bundesweit unterwegs und stellen

auch Mitarbeiter ein, die von anderen Hochschulen

kommen. Trotzdem ist der Zugang zu den Studenten

unser Hauptmotiv hier vor Ort präsent zu sein.

Wie geht ein Mittelständler die Digitalisierung am

besten an?

Er benötigt einen pragmatischen Ansatz. Grundsätzlich

– das haben auch unsere Industrie 4.0-Befragungen

2014 und 2016 bestätigt – lässt sich das über einen Top-

Down-Ansatz vorantreiben, also über Ideen vom Management.

Die Befragung ergab aber auch, dass viele

Unternehmen einen von Mitarbeitern getriebenen Ansatz

verfolgen. Das heißt, sie versuchen, diesen komplexen

Sachverhalt, der mit vielen Unsicherheiten belastet

ist, mit so vielen Mitarbeitern wie möglich zu

diskutieren.

12


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

Und mit welchem Ziel?

Es geht darum herauszufinden, wo Risiken für das eigene

Geschäftsmodell lauern. Die Perspektive des Managements

reicht hierfür nicht aus. Vor allem, weil

vielen Managern altersbedingt die digitale Kompetenz

fehlt. Daher kommt es darauf an, interdisziplinäre

Teams zu bilden und Risikopotenziale zu analysieren.

Was ist der nächste Schritt?

Unternehmen müssen Bereiche identifizieren, in denen

ihr technischer Stand ausreicht, um Pilotprojekte

umzusetzen. Digitalisierung passiert nicht über Nacht.

Jedes Unternehmen muss seine eigenen Lösungen entwickeln.

Letztlich braucht es eine Start-Up-Mentalität.

Wir müssen Digitalisierung ausprobieren. Dazu gehört

es auch, Pilotprojekte wieder zu beenden, wenn sie

nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Was sind die Kernthemen, mit denen sich Ihr Team

beschäftigt?

Im Bereich Engineering liegt unser Schwerpunkt auf

der Planung von Automobilfabriken inklusive der Gestaltung

von entsprechender Logistik und Geschäftsprozessen.

Die Management-Beratung zielt eher auf

Effizienzsteigerung ab. Es geht darum, Produktionssysteme

weiterzuentwickeln und auch indirekte Prozesse

– wie die Verwaltung – optimal zu integrieren.

Wie autolastig ist Ihr Geschäft?

60 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Autoindustrie.

Dieses Volumen teilt sich auf 40 Prozent Deutschland,

10 Prozent China und 10 Prozent USA auf.

Die Autoindustrie und ihre Zulieferer stehen vor einem

Umbruch …

Das stimmt. Durch den Dieselskandal und die Luftver-

„Die Ausgangsbasis der deutschen

Unternehmen für die

Digitalisierung ist gut“, sagt

der Unternehmensberater

Oliver Herkommer.

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13


[titelthema] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

„Theoretisch kommt viel Arbeit

auf uns zu“, sagt der Ingenics-Vorstandschef,

„aber

auch die Gefahr, dass wir uns

überflüssig machen.“

schmutzungsprobleme des Verbrennungsmotors,

kommt die Elektrifizierung schneller als gedacht. Angesichts

des Tempos der Veränderung kann man ein

mulmiges Gefühl bekommen.

Wie wirkt sich das auf Ingenics aus?

Diese Entwicklung kann für uns eine große Chance

sein, da alle Fabriken umgerüstet werden müssen. Das

ist eine riesige Herausforderung, auch weil Elektrofahrzeuge

in einer anderen Reihenfolge montiert werden.

Theoretisch also viel Arbeit für uns.

Aber?

Die Automobilhersteller wollen

auch unsere Tätigkeiten digitalisieren.

Wie meinen Sie das?

Wenn wir eine neue Fertigung gestalten

geht es oft darum mit drei,

vier Kollegen die Materialversorgung

des Montagebands zu planen.

Diese planerische Tätigkeit möchten

die Unternehmen zukünftig digitalisieren. Das

heißt, es gibt theoretisch viel Geschäft, aber auch ein

Risiko, dass planerische Tätigkeiten künftig durch

künstliche Intelligenz automatisch erfolgen.

Sie machen sich also selbst überflüssig?

Genau. Wenn ein Kunde im Strategiegespräch erzählt,

welche Tätigkeiten er in fünf bis zehn Jahren automatisieren

will, gibt das einem schon zu denken. Vieles, was

Bei Banken

werden viele

Tätigkeiten

automatisiert

werden

heute mit hohem manuellem Aufwand läuft, wird automatisiert

werden. Das ist heute schon sichtbar, beispielsweise

in der Bankenbranche. Der Anteil der Tätigkeiten,

die direkt in der Kundenberatung liegen, ist im

Vergleich zum Administrationsaufwand gering. Von

diesem Verhältnis kann man ablesen, dass hier künftig

deutlich weniger Mitarbeiter benötigt werden.

Nochmal zurück zum Automobil. Was kommt auf

die Zulieferer durch die E-Mobilität zu?

In der Übergangszeit ein Mehraufwand: Die Fertigung

für Elektrokomponenten wird aufgebaut, während die

Produktion von klassischen Motoren

weiterläuft. Mittelfristig lautet

die Frage: Wie viel Prozent der Tätigkeit

fallen weg? In naher Zukunft

werden die Unternehmen

an einen Punkt gelangen, an dem

sie Personal abbauen müssen. Das

ist aus meiner Sicht unvermeidbar.

Wann kommt dieser Umbruch?

Wir gehen davon aus, dass die E-Mobilität in fünf bis

zehn Jahren den Verbrennungsmotor überholt. Natürlich

hängt das auch von der Infrastruktur ab.

Wie gefährlich ist es für den Standort Deutschland,

dieses Know-how zu verlieren?

Bei der Elektrifizierung fangen wir alle auf einem ähnlichen

Level an. Nehmen wir das Beispiel China. Die

Regierung dort hat erkannt, dass es in Punkto Verbren-

14


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[titelthema]

nungsmotor nicht möglich ist, zu den Technologieführern

in Europa aufzuschließen. Deshalb fördert der

chinesische Staat Elektrofahrzeuge und Start-ups mit

mehreren Milliarden Euro. So bauen sie den Wettbewerbsnachteil

der vergangenen Jahre ab.

Wie beurteilen Sie die Konkurrenzfähigkeit des

Standorts Deutschland?

Die Integrationsfähigkeit, wie sie deutsche Unternehmen

haben, lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre

aufbauen – also mit vielen Partnern und Lieferanten,

ein perfektes Produkt herzustellen. Daher bin ich zuversichtlich,

dass deutsche Automobilhersteller weiterhin

erfolgreich sein werden. Allerdings werden sie

nicht mehr den gleichen Vorsprung wie in der Vergangenheit

haben.

Jetzt geht es darum, Unternehmen effizienter zu

machen. Gibt es eine Blaupause, wenn Ihre Berater

einen neuen Kunden besuchen?

Insofern als wir Projekte ähnlich strukturieren. Sprich

wir stellen Analyse, Konzeption, Umsetzung und Erfolgskontrolle

immer in eine Reihe. Die Aufgabenstellung

beim Kunden ist dagegen jedes Mal individuell.

Uns zeichnet vor allem die starke Integration der Mitarbeiter

des Kunden aus.

Was heißt das?

Wir sind keine klassische Top-Management-Beratung,

die mit einem Top-Down-Ansatz Produktionssysteme

verändert oder neue Prozesse einführt. Unsere Stärke

ist es, Mitarbeiter einzubinden, zu qualifizieren, zu trainieren

und so eine hohe Akzeptanz zu schaffen. Denn

letztendlich ist die Mitarbeiterakzeptanz der größte

Erfolgsfaktor von Projekten. Nur so lässt sich die Effizienzsteigerung

umsetzen.

Haben Sie ein eigenes Qualifizierungsteam?

Ja, wir haben die Ingenics Academy, die diese Transformationsprozesse

begleitet. Schwerpunkt sind Themenfelder,

die für den Erfolg der Effizienzsteigerungsprojekte

wichtig sind. Natürlich bilden wir auch unsere

eigenen Mitarbeiter in der Academy weiter. Die Mitarbeiterqualifizierung

ist ein Grund, warum wir im Ranking

„Top Arbeitgeber für Ingenieure“ immer im vorderen

Feld auftauchen.

Wie gehen Sie vor?

An erster Stelle steht die Überlegung: Mit welchen

Tools gestalte ich meinen Strategieprozess und wie

hinterfrage ich mein Geschäftsmodell. Es gibt bestimmte

Modelle, die Unternehmen anwenden können.

Hier in Ulm hat zum Beispiel Professor Daniel

Schallmo ein eigenes Modell entwickelt, das wir bei

Ingenics getestet haben. Solche Modelle helfen strukturiert

darüber nachzudenken, wie sich Kunden- oder

Partnerwelten verändern.

Was ist das schwierigste Thema?

Meistens werden die Unternehmen nicht von der Veränderung

selbst überrascht, sondern davon, wie schnell

diese kommt. Wer darauf strategisch nicht vorbereitet

ist, tut sich schwer, schnell genug zu reagieren. Deshalb

überlegen wir uns, was die Digitalisierung für unsere

Ingenics-Vorstandschef Oliver

Herkommer. Das Bild im

Hintergrund stammt von

dem belgischen Künstler

Arne Quinze.

15


[titelthema] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Fotos: © Cavan Images/ Shutterstock und Ingenics AG

Die Effizienz durch geeignete IT- und Prozessberatung zu erhöhen, ist eines der Ziele der Ingenics AG, die ihren Sitz in Ulm hat.

Spezialisten fürs Optimieren und für digitale Lösungen

Vier Uhren hängen im Eingangsbereich

der Ingenics AG am Stammsitz in Ulm. Sie

zeigen die jeweilige Ortszeit in Atlanta,

London, Shanghai und Ulm an. Die im Jahr

1979 gegründete Unternehmensberatung

verfügt über 15 Standorte. In Süddeutschland

ist sie in München, Ingolstadt, Stuttgart

und Heilbronn aktiv, zu dem in Wolfsburg

und Hamburg sowie an acht

Standorten im Ausland. Zuletzt erwirtschaftete

das Familienunternehmen mit

455 Mitarbeitern einen Umsatz von 53

Millionen Euro. Unter dem Motto: „Planen,

Optimieren und Qualifizieren“ steigern die

Ingenics-Berater die Effizienz ihrer Kunden

in den Bereichen Verwaltung, Fabrik

und Logistik. Rund 60 Prozent des Umsatzes

erzielt Ingenics mit Aufträgen aus der

Autoindustrie. Die Bandbreite reicht von

der Managementberatung über Ingenieurs-

und Servicedienst leis tung en bis hin

zur Entwicklung und Im ple men tierung digitaler

Lösungen in Pro duk tion und Logistik.

Das Unternehmen ist unter anderem

an einem Projekt des Bundesforschungsministeriums

beteiligt. Das Thema: Mi grations

unterstützung für die Umsetzung

menschenzentrierter Cyber-Physical-Systems

als Beitrag zur Industrie-4.0-Plattform

der Bundesregierung.

AMB

Kunden mit sich bringt. Auf der anderen Seite steht die

Veränderung unserer internen Prozesse. Wenn ich diese

beiden Überlegungen kombiniere, kann ich planen,

wie die Beratung der Zukunft aussehen muss und mich

darauf vorbereiten.

einfach ein 3D-Objekt des bestellten Möbels zu zeigen.

Das heißt, auch für kleine Unternehmen wird sich etwas

ändern. Vielleicht weniger als für Betriebe mit 100

und mehr Mitarbeitern, aber zu meinen, die Digitalisierung

trifft mich nicht, das wird nicht funktionieren.

Haben Sie hierfür ein Beispiel?

Nehmen Sie das Thema Büroarbeit,

das sich stark verändert. Wie also

soll die Bürowelt bei Ingenics in Zukunft

aussehen? In unserer Verwaltung

in Ulm sind wir bei einer 80

prozentigen Auslastung der Arbeitsplätze.

In Hamburg, wo vorwiegend

Berater sitzen, sind es nur

10 Prozent. Wir müssen daher andere

Zusammenarbeitsmodelle finden und damit neue

Bürowelten schaffen. Solche Veränderungen gibt es in

unterschiedlichen Bereichen in einer hohen Taktzahl.

Digitalisierung trifft doch aber nicht alle Firmen?

Ein kleiner Handwerksbetrieb wird natürlich seine

Produktionsabläufe nicht digitalisieren. Aber er muss

beispielsweise in der Lage sein, seinem Kunden relativ

Nicht die

Veränderung,

sondern

deren Tempo

überrascht

Wie sieht die Produktion bei einem

solchen Mittelständler in

zehn Jahren aus?

Die Fabrik der Zukunft wird genauso

wenig menschenleer sein,

wie das heutige Büro papierlos ist.

Vielmehr werden sich die Anforderungen

an Mitarbeiter deutlich

verschieben. Die IHK Ulm hat vor

kurzem ein Projekt gestartet, das

herausfinden will, wie sich Berufsbilder durch die Digitalisierung

ändern. Übrigens: Auch das ist ein Standortfaktor:

Wir haben jemanden, der sich für alle Firmen

überlegt, in welche Richtung die Qualifizierung gehen

muss.

Was heißt das für Mittelständler?

Sie benötigen andere Kompetenzen. Die Fabrik der Zu-

16


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[titelthema]

kunft ist nicht mehr ein flexibles optimales Layout mit

toller Logistik und passender Organisation. Der Anteil

digitaler Kompetenz wird höher sein. Also lautet die

Frage: Wie steuere ich meine Fabrik digital? Wie sieht

die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine aus?

Welche Entscheidungen vergebe ich an einen Algorithmus?

Diese Kompetenz aufzubauen ist für unsere Kunden

und uns selbst wichtig. Deshalb haben wir vor zwei

Jahren den Bereich „Digital Solutions“ gegründet. Wir

haben erkannt, wenn wir keine digitale Kompetenz

mitbringen, braucht uns der Kunde in Zukunft weniger

stark als heute.

Wann wird der Roboter der bessere Mitarbeiter als

der Mensch sein?

Die Fortschritte der künstlichen Intelligenz sind

enorm. Dass die Maschine eines Tages dem Mensch

sagt, was er zu tun hat, glaube ich dennoch nicht. Der

Die Blaupause für mehr Effizienz:

„Analyse, Konzeption,

Umsetzung und Erfolgskontrolle

stehen immer in einer-

Reihe.“

An der INTERNATIONAL SCHOOL ULM/NEU-ULM

wird nach folgenden Lehrplänen unterrichtet:

Kindergarten (3 bis 6 Jahre)

IB Primary Years Program

(1. bis 5. Klasse)

UNIVERSITY of CAMBRIDGE

International Examinations

Cambridge International School

Middle School Curriculum

(6. bis 8. Klasse)

IGCSE Curriculum

(9. bis 10. Klasse)

IB Diploma Program

(11. bis 12. Klasse)

Bereits im Kindergartenalter wird den Kindern spielerisch die englische Sprache vermittelt. Bis zur

5. Klasse werden keine Grundkenntnisse in Englisch vorausgesetzt. Alle Fächer werden in englischer

Sprache unterrichtet, dadurch werden bilinguale Fähigkeiten erworben.

In der Mittel- und Oberstufe legt unsere Schule mit ihren weltweit anerkannten Abschlüssen (IGCSE und

IB-Diploma) nicht nur Wert auf höchste Lehrqualität, sondern unterstützt junge Menschen bei ihrer positiven

Entfaltung. Somit erhalten unsere Schüler sowohl die akademische Grundlage als auch die sozialen Kompetenzen

um bestens für ein Studium an führenden deutschen und internationalen Universitäten vorbereitet zu sein.

INTERNATIONAL SCHOOL ULM/NEU-ULM | Schwabenstraße 25 | 89231 Neu-Ulm | Tel: 0731 37 93 53-0 | E-Mail: info@is-ulm.de | www.is-ulm.de

17


[titelthema] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Am Besprechungstisch mit

Monitortafel: Oliver Herkommer

und Alexander

Bögelein, Redaktionsleiter

unternehmen[!].

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN[!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

MARC HÖRGER

Mensch wird dem Computer noch eine lange Zeit in

seiner Intelligenz und Flexibilität überlegen sein …

Aber?

Bei den bisherigen industriellen Revolutionen wuchs

die Zahl der Beschäftigten. Dieses Mal bin ich skeptisch.

Die Digitalisierung erlaubt es, einfache Tätigkeiten wegzurationalisieren.

Meiner Mei nung nach ist das der

Grund für die Arbeitsverdichtung, über die sich viele

Mitarbeiter beschweren: Einfache Tätigkeiten, die Angestellte

früher entlastet haben, nehmen

wir ihnen weg und automatisieren

sie.

Schon heute sind viele Menschen

mit den Berufsanforderungen

über fordert. Wie ist das künftig?

Es wird immer Helfertätigkeiten geben,

bei denen sich eine automatisierte

Lösung nicht rechnet. Auch

im öffentlichen Bereich wird es

weiterhin vieles geben, das nur Menschen bearbeiten

können.

Was heißt das für die anderen Bereiche?

Wir müssen die Ausbildung der Mitarbeiter deutlich

optimieren. Das klassische Niveau eines Facharbeiters

wird nicht mehr ausreichen. Gleichzeitig müssen wir

uns verstärkt um Weiterbildung kümmern, weil sich

die Halbwertszeit des Wissens verkürzt.

Wir brauchen

in Schulen

mehr Praxis

und Erfolgserlebnisse

Im Zeitalter der Algorithmen gesteuerten Produktion

müssen doch die MINT-Fächer in der Schule attraktiver

werden?

Auf jeden Fall. Im VDI versuchen wir schon lange, den

Schülern zu vermitteln, welche Chancen Technikberufe

bieten. Jedoch werden wir an den Schulen nicht mit

offenen Armen empfangen. Meiner Meinung nach ist

das Bewusstsein, dass wir einen höheren Anteil an

MINT-Berufen brauchen, noch nicht flächendeckend

angekommen. Wir bräuchten viel mehr Praxis in den

Schulen, mehr Erfolgserlebnisse.

Aber leider haben viele Lehrer

selbst wenig Technikbewusstsein

und können es daher auch schwer

vermitteln.

Welches Technik-Projekt würde

Sie reizen?

Am meisten Spaß machen mir Projekte

mit emotionalen Produkten,

bei denen wir mit dem Kunden

neue Produktionsphilosophien entwickeln dürfen. In

der Automobilindustrie ist derzeit das große Thema, ob

es künftig noch ein Fließbandgeben wird. Die Varianz

steigt enorm – durch Kundenspezifika, Shared Economy-Ansätze

oder die E-Mobilität. Möglich, dass das

Fließband irgendwann nicht mehr das wirtschaftliche

Produktionssystem ist. Wir haben erst kürzlich den Begriff

Schwarmmontage entwickelt. Solche Themen

fordern mich und machen mir Spaß.

18


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[finanzieren] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Im digitalen Schraubstock

Immer mehr Unternehmen wollen in das Thema Digitalisierung investieren. Doch häufig melden deren

Hausbank Bedenken an. Wer einige Punkte beachtet, steigert seine Chancen beträchtlich, eine Finanzierung auf

die Beine zu stellen. Zwei Unternehmensberater und zwei Bank-Experten geben Tipps.

Die Digitalisierung und Investitionen in die digitale Welt stehen

bei mittelständischen Unternehmen in diesem Jahr

ganz oben auf der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt

eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft

PwC, die 220 Geschäftsführer und Vorstände von

Familienunternehmen und mittelständischen Gesellschaften zu ihrer

Unternehmensagenda befragt hat. Über die Hälfte der Unternehmen

wollen demnach in den kommenden Monaten ihre Produkte digitalisieren

oder ihre Mitarbeiter entsprechend weiterbilden. Allerdings:

Ein Großteil der Betriebe kann seine Digitalisierungsprojekte nicht so

schnell abarbeiten wie geplant.

Unternehmen mit durchschnittlicher Bonität,

tun sich schwer, digitale Investitionen mit einem

Kredit von der Hausbank finanzieren zu

lassen. Sie stecken in einer Art digitalen Kreditklemme.

MITTELSTÄNDLER VERLIEREN DEN ANSCHLUSS

Dies prognostiziert auch die Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young)

in einer weiteren Studie vom Herbst vergangenen Jahres. Für diese Untersuchung

hatten die EY-Berater mehr als 700 Unternehmen des verarbeitenden

Gewerbes und der Informationstechnologie interviewen

lassen. Das Fazit: Viele Mittelständler drohen damit beim Megatrend

Industrie 4.0, also beim Aufbau intelligenter Fabriken, individualisierter,

hoch automatisierter Produktionsprozesse und bei der Vernetzung

von Maschinen und Menschen, den Anschluss zu verlieren.

In dem Grund dafür sind sich die Beratungsexperten einig: „Gerade bei

kleineren und mittelgroßen Betrieben ist die Einstiegshürde nach wie

vor sehr hoch“, beobachtet EY-Partner Christoph Kilger. „Sie haben oft

nicht das nötige Geld oder die nötigen Leute,

um ihre Produktion intelligenter zu machen.“

Außerdem steht nach seinen Worten

häufig nur die Optimierung der

internen Prozesse im Fokus. Die Entwicklung

neuer oder verbesserter Produkte oder

eine Veränderung des eigenen Geschäftsmodells

wird dagegen vernachlässigt –

auch deshalb, weil diese Vorhaben größere

Investitionen erfordern.

EY-Partner

Christoph Kilger

Ein Kredit von der Hausbank wäre in vielen

Fällen die klassische Finanzierungsvariante.

Doch damit tun sich viele Institute

schwer – vor allem bei Unternehmenskunden

mit durchschnittlicher oder schlechter Bonität. Denn das Problem

vieler digitaler Investitionen ist: Bei ihnen fallen häufig hohen einmalige

Kosten an – etwa für externes Know-how und immaterielle Vermögensgegenstände,

die sich im Fall einer Insolvenz kaum verwerten

lassen. Ein Großteil der investierten Mittel ist faktisch verloren. Und

20


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[finanzieren]

selbst wenn der Betrieb eine Maschine angeschafft hat, ist diese technologisch

nicht selten in ein paar Jahren überholt und damit nahezu

wertlos. Daher verlangen die Banken vom Unternehmer meist zusätzliche

Sicherheiten, damit der Kredit genehmigt wird. In vielen Fällen

ein K.o.-Kriterium.

VOLLE AUFTRAGSBÜCHER, ABER KEIN KREDIT

So wie bei den beiden Brüdern Klaus und Thomas Ayerle, die vor gut

zwei Jahren 150.000 Euro für den Aufbau einer volldigitalisierten Produktionsstraße

in ihrem Betrieb nahe Stuttgart benötigten. Die Anlage

sollte eine neue LED-Produktlinie fertigen, die sie selbst entwickelt

haben. Doch bei ihrer Hausbank blitzen die Ayerles, die ihren wirklichen

Namen nicht an dieser Stelle lesen wollen, ab. Auch die Gespräche

bei anderen Instituten verliefen wenig erfolgversprechend, weil

die beiden Jungunternehmen zwar volle Auftragsbücher und bereits

einen guten Namen am Markt hatten, aber über das übliche Betriebsvermögen

hinaus keine Sicherheiten bieten konnten. Am Ende besorgten

sie sich das Geld erfolgreich über eine Online-Finanzierungsplattform

bei Schwarminvestoren im Internet. Doch für diesen Weg

kommt nicht jeder Betrieb und jedes Projekt in Frage. Zudem ist der

Erfolg bei dieser Art der Geldgeber kaum planbar.

„Es ist zu befürchten, dass eine Art digitale Kreditklemme auf uns zukommt“,

befürchtet daher Christian Groschupp, Leiter Kompetenzzentrum

Finanzierung bei der Unternehmensberatung

Dr. Wieslhuber & Partner:

Dass sich die Banken bei der Finanzierung

digitaler Investitionen zieren, liegt nämlich

meist nur zum Teil an fehlenden Sicherheiten.

Viele Institute haben Groschupp

zufolge bislang keine produkt- und

prozessseitigen Antworten auf die Herausforderungen

bei der Finanzierung von Digitalisierungsprojekten

ihrer Unternehmenskunden.

„Es werden immer noch die Christian Groschupp, Dr.

Standardprodukte und Standardprozesse Wieslhuber & Partner.

verwendet, aber die Anforderungen der

Kunden werden sich jetzt schnell ändern“, sagt der Experte.

Denn auf lange Sicht wird fast jedes Unternehmen seine Strukturen an

die Digitalisierung anpassen müssen oder sein Geschäftsmodells ändern

müssen. Wer heutzutage noch standardmäßig Produkte verkauft,

kann unter Umständen morgen einen Großteil seines Geschäftes mit

Service machen. Der Kunde bezahlt nicht mehr für das Produkt, sondern

für die Inanspruchnahme. Firmen, die sich so wandeln, brauchen

automatisch auch eine andere Finanzierung. Denn der Umsatz fließt

dann nicht mehr auf einen Schlag, sondern erfolgt über einen längeren

Zeitraum in kleineren Portionen, so wie der Kunde die Leistung

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21


[finanzieren] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Vielen Banken tun sich mit Digital-Investitionen

ihrer Kunden schwer. Die

Unternehmen fahren in der Folge notgedrungen

eine Sparstrategie.

abruft. „Damit tun sich Banken heute noch extrem schwer“, weiß

Groschupp.

So fahren viele Unternehmer in Sachen Digitalisierung notgedrungen

eine Art Sparstrategie: Sie investieren in eher kleinere Projekte,

aber diese werden in kürzeren Zyklen durchgeführt – häufig stark

über den Cash-flow finanziert. „Das kann zu einer schleichenden Verschlechterung

der Finanzierungsstruktur führen“, warnt Groschupp.

Die Gefahr ist daher groß, dass sich Unternehmen auf lange Sicht in

ins Abseits manövrieren. Sie müssen laufend Geld in ihre Digitalisierung

stecken und sich unter Umständen neu aufstellen, doch weil sich

dadurch gleichzeitig ihre Bonität verschlechtert, wird es immer

schwieriger, notwendige Investition mit Hilfe der Bank zu finanzieren.

Strategisch denkende Firmenlenker und Finanzvorstände steuern

daher rechtzeitig gegen, um eine digitale Kreditklemme zu verhindern.

Ein paar Punkte helfen dabei:

Dialog suchen

Firmen, die ihre Digitalisierung forcieren wollen, tun gut daran, proaktiv

auf ihre Hausbank zugehen, wenn absehbar ist, dass sie dafür

über kurz oder lang Fremdmittel benötigen. „Wenn wir als Bank rechtzeitig

mit eingebunden werden, können wir den Prozess mitgestalten“,

sagt Heimo Koch, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse

Ulm und Leiter des Firmenkundengeschäfts. Das erhöht die

Erfolgswahrscheinlichkeit eines späteren Kreditantrags. Der Kreditprüfungsprozess

hat sich Koch zufolge dabei verändert. „Wir fokussieren

uns nicht unbedingt auf die Sicherheitenbasierung einer Finanzierung,

sondern schauen uns auch an, ob der Cash-flow, den ein

Digitalisierungsprojekt generiert, die Kapitaldienstfähigkeit abdecken

kann.“

Transparent sein

Wer eine digitale Sprunginvestition plant, tut nicht nur gut daran,

engen Kontakt zu seinem Bankberater zu halten, sondern auch alle

Karten auf den Tisch zu legen. „Der Unternehmer muss sich darauf

vorbereiten, dass er mehr Informationen für den Bankpartner zur Verfügung

stellt“, sagt Martin Keller, Head of Product Management Mittelstandsbank

bei der Commerzbank. Dazu gehört vor allem, dass er

zukunftsgerichtete Daten liefert, wie zum Beispiel einen mittelfristigen

Business- und Liquiditätsplan. In einem gesonderten Business-

Plan sollte er die digitale Investition beschreiben, eine Investitionsrechnung

erstellen und darstellen, wie sich der Cash-flow in den

kommenden Jahren planmäßig entwickelt. „Der Unternehmer sollte

auch Angaben machen, wo er im Markt steht und wie seine Investition

dazu beiträgt, dass er zukünftig in seinem

Markt bestehen kann“, sagt Wolfgang

Jung, Mitglied des Vorstandes der Südwestbank.

„Je nachvollziehbarer diese Angaben

sind, desto einfacher ist es für die Bank in

die Finanzierung einzusteigen und den

Kredit zu genehmingen.“

Heimo Koch,

Sparkasse Ulm.

Digitalisierungsstrategie zurechtlegen

Bevor ein Unternehmer auf den Digitaliserungstrend

springt, sollte er eine ehrliche

Standortbestimmung vornehmen. Wo

steht mein Betrieb beim Thema Digitalisierung?

Was sind die Herausforderungen in meiner Branche? „Die Antworten

darauf muss der Unternehmer kennen, um sein Geschäftsmodell

zukunftsfähig zu machen und seinen Finanzierungsbedarf

abschätzen zu können“, sagt Beratungsexperte Groschupp. „So ist er in

der Lage, seinen Finanzierungspartnern die strategischen Wirkungen

und Notwendigkeiten der Digitalisierung sichtbar zu machen und zu

quantifizieren.“ Und Heimo Koch rät: „Der Unternehmer sollte ganz

klar darstellen können, wozu er das Projekt benötigt, welchen Nutzen

und Ertrag er damit erzielen kann und welche betriebswirtschaftliche

Verbesserung auf Dauer erreicht wird.“ [!] THOMAS LUTHER

L-Bank und Bürgschaftsbank

fördern innovative Mittelständler

Zur Finanzierung von Digitalisierungsinvestitionen bietet die

L-Bank spezielle Förderprogramme an. Die „Innovationsfinanzierung“

ist ein Förderdarlehen mit Zinsverbilligung und einem

Tilgungszuschuss. Gefördert werden Innovationsaufwendungen

zur Einführung neuer Produkte, Dienstleistungen oder

Verfahren oder deren wesentliche Weiterentwicklung. Förderfähig

sind Betriebe, die seit zwei Jahren am Markt sind und die

die Innovation überwiegend selbst entwickeln. Der Förderantrag

sollte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt über die

Hausbank gestellt werden. Denn gefördert werden nur anstehende

Investitionen. Lässt die Bonität des Unternehmen eine

Finanzierung über die Hausbank zunächst nicht zu, kommt

unter Umständen das Programm „InniFin70“ in Frage. Gefördert

werden damit innovative kleine und mittlere Unternehmen.

70 Prozent der Finanzierung durch die Hausbank werden

nach Genehmigung mit einer Bürgschaft der L-Bank beziehungsweise

der Bürgschaftsbank abgesichert. LU

22


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23


Robuster Rasenmäher: Ein Mitarbeiter beschießt die Messerkreisbahn mit Stahlkugeln und prüft, ob Gehäuse und Fangkorb die Sicherheitsvorgaben erfüllen.

Ein Gartenhelfer, der nicht meckert

Robolinho heißt der kleine Kerl von Alko Kober, der Rasen mäht, ohne Schweiß zu vergießen. Die Einstellung zum

Garten verändert sich – und damit auch die Technik, sagt Sparten-Geschäftsführer Wolfgang Hergeth.

Wolfgang Hergeth werkelt gerne im

Garten, „im Durchschnitt ein bis

zwei Stunden am Wochenende“,

sagt der Geschäftsführer des Alko-Unternehmensbereichs

Gartentechnik. „Das ist ein

wunderbarer Ausgleich zu einem stressigen

Job.“ Rasenmähen gehört jedoch nicht zu seinen

bevorzugten Tätigkeiten. „Das überlasse

ich unserem Robolinho – er mäht besser als

ich es könnte und das völlig geräuschlos und

ohne Meckern“, erzählt Hergeth schmunzelnd.

Der kleine Roboter ist für ihn ein Beispiel

dafür, dass technische Hilfsmittel mehr

sein können, als sachlich-funktionale Werkzeuge.

„Bei uns dreht sich alles um Lebensqualität,

Freude und Komfort.“ Neben dem Bereich

Lufttechnik ist die Sparte Gartentechnik

die tragende Säule des Familienunternehmens

aus Kötz (Kreis Günzburg).

Die Sparte beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter,

davon 730 in Deutschland. Die Bandbreite

reicht von der Elektro-Heckenschere bis zum

Holzspalter. Seit der Übernahme des Gartengeräteherstellers

„Solo“ bietet Alko neben

Hobby- und Freizeitgärtnern auch semi-professionellen

Anwendern, die in Wald und Flur

Robolinho benötigt ein Begrenzungskabel, um sich auf dem

Rasen zurechtzufinden. Sonnenliege und andere Hindernisse

erkennt der Mähroboter dank Stoßsensoren.

zugange sind, eine Heimat. In der Branche ist

Alko eine feste Größe. Hergeth begründet das

mit dem Bekenntnis zu Qualität, Innovation

und Kundenservice.

Um dies zu gewährleisten,

werden die

24


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[machen]

Von der Schlosserei zum Technologiekonzern

Der Firmensitz der Alko Kober SE in Kötz.

Was 1931 mit dem Schlossereibetrieb

Alois Kobers in Großkötz zwischen Günzburg

und Ulm begann, hat sich innerhalb

von 86 Jahren zu einem global agierenden

Technologie-Konzern entwickelt, der

gegenwärtig 45 Standorte besitzt und

3900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Alko

Kober Group gilt als einer der führenden

Anbieter in den Bereichen Fahrzeugtechnik,

Garten & Hobby und Lufttechnik.

2015 hat der Konzern einen Gesamtumsatz

von 667 Millionen Euro erwirtschaftet.

Davon entfielen 23 Prozent auf den

Bereich Garten & Hobby, 17 Prozent auf

die Lufttechnik und 60 Prozent auf die

Sparte Fahrzeugtechnik.

RI

Foto: Marc Hörger

Produkte im eigenen Technologiezentrum

konstruiert und zur Serienreife gebracht. Die

Fertigung erfolgt sowohl in Fernost, als auch

im eigenen Werk in der Steiermark, unweit

von Spielberg. Zudem werden Kunden mit ihren

Neuerwerbungen nicht alleine gelassen,

sondern von fachlicher Hand im Bedarfsfall

mit dem Produkt vertraut gemacht. Zu diesem

Zweck hat Alko ein europaweites Händlernetz,

das mit geschultem Personal zur Seite

steht.

MANUELLE ARBEIT ADE

Um erfolgreich zu sein, ist es nach Hergeths

Worten unerlässlich, Trends und Bedürfnisse

der Kunden frühzeitig zu erkennen

und aufzunehmen. „Heute

hat nicht mehr jeder die

Muße für manuelle

Gartenarbeit. Das Verhältnis

zum Garten

hat sich verändert

hat“, sagt Hergeth.

Die Themen Zeitmanagement

und Bequemlichkeit

gewinnen

an Bedeutung. Alko

setzt daher auch auf autonome Technik. Im

Jahr 2012 brachte das Unternehmen die ersten

Mähroboter in Eigenentwicklung heraus und

entwickelt sie seither weiter. „Roboter sind im

ganzen Rasensegment das am stärksten wachsende

Thema“, sagt Hergeth. Alko stelle aber

weiterhin auch konventionelle Geräte her. In

der 51-Jährigen Geschichte des Rasenmähers

hat das Unternehmen bis 2016 rund 7,5 Millionen

Benzinrasenmäher verkauft. Auch Akku-betriebene

Geräte gewinnen an Beliebtheit.

Daher haben die Entwickler ein Konzept

für universell einsetzbare Akkus entworfen.

So lassen sich mit demselben Akku eines Rasenmähers

fünf weitere Handgeräte des Unternehmens

betreiben.

DER ROBOTER WIRD CLEVER

Auch das Thema Vernetzung erreicht den Garten:

vom Robomäher über den Rasensprenkler

bis zur Teichpumpe – die neue Produktgeneration

ist via Smartphone oder Tablet

steuerbar, und zwar eingebunden über ein

zentrales Gateway in einer Smart-Home-Plattform.

Im Frühjahr sollen die ersten cleveren

Mähroboter auf den Markt kommen, nach

und nach gefolgt von anderen Geräten.

Was Interessenten

nicht zwingend

zum Erwerb neuer

Produkte nötigt.

„Wer bereits einen

Roboter besitzt,

muss keinen neuen

kaufen, sondern

kann ihn mit

einem Chip nachrüsten“,

sagt Her-

Sparten-Geschäftsführer

Wolfgang Hergeth. geth. Zudem werden

die

Gartengeräte intelligent. Sie sammeln, während

des Einsatzes Daten, werten diese aus

und geben dem Nutzer Tipps, beispielsweise

wie er das Gerät richtig einsetzt, ob er es zum

richtigen Zeitpunkt tut und wann eine Wartung

oder ein Messerwechsel sinnvoll ist.

Künftig sind Szenarien denkbar, in denen der

Rasen-Roboter den geplanten Mähvorgang

selbständig verschiebt, weil er über den Terminkalender

erfährt, dass zu diesem Zeitpunkt

ein Grillfest geplant ist. Oder der

Sprenkler legt eine Pause ein, weil die Wetter-

App Regen ankündigt. Schöne neue Gartenwelt

… [!]

BERND RINDLE

25


Sonderveröffentlichung

Effektive Gesundheitsförderung in

Betrieben – ganzheitlich mit NIMAS

Viele Menschen nehmen den Berufsalltag immer häufiger als nervenaufreibend und stressig wahr.

Leistungs- und Termindruck sind an der Tagesordnung. Es geht auch anders: Neun Experten aus der

Region Ulm helfen Unternehmen dabei, ihre Mitarbeiter nachhaltig gesund und fit zu halten.

„Gesundheit beginnt am Arbeitsplatz“ – so

das Motto von NIMAS. Seit 2013 steht das

mittlerweile neunköpfige Team für ganzheitliche

betriebliche Gesundheitsförderung

(BGF), von der Arbeitnehmer wie Arbeitgeber

gleichermaßen profitieren. Motivierte,

arbeitsfähige Mitarbeiter sorgen zum einen

dafür, dass sich das Unternehmen auf dem

Markt behaupten kann. Zum anderen sind

Unternehmen, die sich für betriebliche Gesundheitsvorsorge

einsetzen, attraktive Arbeitgeber.

Bei einem individuell vereinbarten

„NIMAS-Gesundheitstag“ können sich

Firmen, Betriebe und Unternehmen aus der

Region von den erfahrenen Fachleuten des

NIMAS-Teams beraten und dahingehend

schulen lassen, wie gesundes Arbeiten funktioniert.

Allgemeinarzt Dr. Florian Brückner behandelt

sowohl schulmedizinisch als auch naturheilkundlich.

Neurostressdiagnostik, Stoffwechselanalyse

und Orthomolekulare

Medizin sind seine Beratungsschwerpunkte.

Er weiß, wie der Körper während stressiger

Arbeitsphasen und auch sonst mit den notwendigen

Nährstoffen versorgt werden

muss. Nur dann verfügt der Mensch über die

Energie, die zum Arbeiten und fürs Wohlbefinden

notwendig ist.

KÖRPER, SEELE, RAUM

Manchmal sind es auch die Gedanken, die

sich bei der Arbeit nicht in die richtige Richtung

lenken lassen. Stapeln sich im Büro die

Akten zu riesigen Papierbergen auf dem

Schreibtisch, kann man schon mal den Überblick

verlieren und man arbeitet gegen die

Uhr. Die Konzentration fällt schwer, weil zum

Beispiel private Probleme zusätzlich belasten.

Die Vitalität im Ganzen lässt nach. Roswitha

Birk-Becht ist Analytische Gestalttherapeutin

und europäisch zertifiziert

Psychotherapeutin (ECP). Ihre Behandlungsmethoden

zielen darauf, die Stresskompetenz

zu erweitern und darauf, bewusstes Entspannen

zu lernen. Gestaltcoaching kann

parallel zum Arbeitsalltag eine Möglichkeit

sein, sich selbst wieder zu erkennen, oder

seinem Leben eine neue erfrischende Richtung

zu geben.

Im eigenen Körper zuhause sein – bei Belastungen

durch den Beruf gerät man schnell

mal außer sich. Seit 1991 unterrichten Elisabeth

Wörsing und Ralph Heber Tai Chi und

Qigong in ihrer eigenen Schule in Neu-Ulm.

Die zertifizierten Trainer wissen, wie man mit

diesen Bewegungsformen seine Balance

wiederfindet und neue innere Kraft gewinnt.

Kleine Trainingseinheiten zwischendurch am

Arbeitsplatz oder in ausgedehnterer Form

während der Mittagspause wirken ausgleichend

und schenken neuen Elan für den restlichen

Arbeitstag.

Die Gestaltung der Arbeitsräume beeinflusst

unser Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit

im Job – so vermittelt es die traditionelle

Dr. med Florian Brückner (links) und Dr. Clemens

Reizel zeigen im Vortrag, wie Mitarbeiter

von der ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsfürsorge

profitieren.

26


Sonderveröffentlichung

Lehre des Feng Shui. Individuelle Raumkonzepte

gibt es vom „Feng Shui Institut Stein“.

Helmut und Karin B. Stein sind zertifizierte

Feng-Shui-Experten. Sie beraten Unternehmen

nicht nur bei der Innenraumgestaltung

von Büro- und Kommunikationssräumen. Architekturberatung

bei Neubauten gehört

ebenso zum Profil der beiden. Ihr Motto: „Gesunde

Arbeitsplätze für vitale Mitarbeiter!“.

TRAINIEREN ODER VERLIEREN

Wenn der Rücken mal wieder schmerzt, der

Nacken weh tut oder man sich einfach

schlapp, müde und antriebslos fühlt kommt

Alexander Brender vom P 15 Fitness Club ins

Spiel. Ob im Studio oder als BGM-Maßnahme

im Betrieb, der Experte für Muskeltraining

und IHK-zertifizierte Fachkraft für Betriebliches

Gesundheitsmanagement hat

eine Lösung. Alexander Brender weiß: „Was

man in der Zahnpflege bereits gelernt hat –

mindestens zweimal täglich die Zähne putzen

– muss in Bezug auf das Training der

Muskulatur noch verstanden werden. Trainiere

sie oder verliere sie.“ Hier braucht man

jedoch nicht zweimal täglich ran. Zweimal in

zehn Tagen genügt und hält fit.

Neben Schulmedizin, körperlicher Fitness

und fernöstlicher Raumgestaltungslehre bietet

NIMAS darüber hinaus auch ganzheitliche

Gesundheitsberatung und Projektcoaching

an. „LichtPuls“ heißt das Unternehmen

von Corinna und Dr. Clemens Reizel. Es versteht

sich als Zentrum für fortschrittliche

Gesundheitsarbeit und ganzheitliche Unternehmensberatung

zur betrieblichen Gesundheitsförderung.

Projektcoaching von

„LichtPuls“ unterstützt bei der Umsetzung

zielgerichteter Maßnahmen und bietet klassisches

Projektmanagement kombiniert mit

den menschlichen Aspekten des Coachings.

Im Vordergrund des betrieblichen Beratungs-

und Schulungsprogramms von

„LichtPuls“ stehen eine moderne Arbeitskultur

und zukunftsfähige Führungskonzepte.

Die neun Experten von NIMAS beraten jedes

Unternehmen individuell und persönlich. Gemeinsam

mit der Führungsebene besprechen

sie, welche Bausteine des NIMAS-Angebots

für das jeweilige Unternehmen in Frage

kommen. Basierend darauf wird dann ein

NIMAS-Gesundheitstag für die Belegschaft

ausgearbeitet.

Gesundheitsfürsorge

ganzheitlich, modular

Die Experten von NIMAS präsentieren

sich am 30.März 2017 beim Unternehmertag

auf dem Ulmer Messegelände. .

Interessierte Unternehmen können

sich dort direkt über einen individuellen

Gesundheitstag für ihren Betrieb

informieren. NIMAS begleitet sie sowohl

bei der Planung als auch bei der

Umsetzung des Gesunundheitstages.

Darüberhinaus bieten die Experten ihre

Leistungen auch parallel zum normalen

Arbeitsalltag an.

ihr individueller Firmen-Gesundheitstag

mit Experten aus der Region – modular, nachhaltig und aus einer Hand

KöRPeR

seele

RauM

Besuchen Sie uns auf dem

unternehmertaG in ulm

am 30. März 2017

oder rufen Sie uns an:

Telefon 0174 1705 866

dr. med.

Florian Brückner

Praxis für

allgemeinmedizin

Roswitha

Birk-Becht

Praxis für

Psychotherapie

Karin B. stein und

Helmut stein

Feng shui institut stein

Wir gestalten mit Ihnen

einen individuellen

Gesundheitstag.

Gesundheit beginnt

am Arbeitsplatz

www.nimas-ulm.de

Vitalität

leBenseneRGie

GesundHeit

alexander Brender

Fachkraft für BGM (iHK)

inhaber P 15

Fitness Club

elisabeth Wörsing

und Ralph Heber

taiChi QiGong schule

ulm/neu-ulm

Corinna Reizel

und dr. rer. nat.

Clemens Reizel

lichtPuls

27


[namen & nachrichten] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

KSK Ravensburg

schließt 11 von

51 Filialen

Elf ihrer 51 Niederlassungen

will die Kreissparkasse Ravensburg

2017 schließen. Fünf weitere

werden es bis 2019 sein.

Betroffen sind unter anderem

Bad Waldsee, Wangen, Isny und

Leutkirch. Dies ist eine Reaktion

auf die zunehmende Digitalisierung

der Bankgeschäfte. Bereits

jetzt nutzen 43 Prozent der

192.000 Kunden zum überwiegenden

Teil die digitalen Angebote

der Bank. Alle 66 betroffenen

Mitarbeiter sollen

weiterhin beschäftigt werden.

Das Kundengeschäftsvolumen

beträgt 7,6 Milliarden Euro.

Website des

Jahres kommt

aus Tettnang

Ein Jahr lang darf sich der Online-Shop

von Layer-Großhandel

aus Tettnang „Beste Website

des Jahres“ in der Kategorie

„Shopping“ nennen. Mehr als

eine halbe Million Nutzer

stimmten ab und bewerteten

228 Webseiten in 19 Kategorien.

Das Lager-Sortiment von

Layer umfasst rund 40.000 Artikel

– von der Schraube über

Werkzeuge aller Art bis hin zu

Arbeitskleidung. Der Online-

Shop führt 180.000 Artikel. Neben

dem Stammhaus in Tettnang

gibt es sechs Standorte.

Mit 250 Mitarbeitern erwirtschaftet

Firmenchef Jürgen Layer

einen Jahresumsatz von 40

Millionen Euro, 35 Prozent davon

im Netz.

Vorarlberger

erwerben

Schuler-Areal

Zwei Jahre hat die Schuler AG

aus Göppingen nun Zeit, das

mehr als 36.000 Quadratmeter

Hotel in WLZ-Lager

große südliche Betriebsgelände

in Weingarten „besenrein“ an

den Investor übergeben. Dabei

handelt es sich um die 800 Mitarbeiter

große Unternehmensgruppe

I+R aus Vorarlberg, die

das Projekt über ihre Lindauer

Tochterfirma I+R Dietrich

Wohnbau umsetzt. Entstehen

wird eine Mischung aus Wohn-

Gewerbe-, und Dienstleistungsflächen.

20 Prozent der Wohnflächen

müssen dem „Bündnis

für sozialen Wohnraum“ zufolge,

mindestens 14 Prozent unter

der ortsüblichen Vergleichsmiete

angeboten werden. Über den

Kaufpreis wurde Stillschwiegen

vereinbart, Gerüchten zufolge

könnte es sich um etwa zwölf

Foto: Felix Kästle

Mit einer Verzögerung von eineinhalb Jahren ensteht im ehemaligen

WLZ-Gebäude in Ravensburg ein Apartmenthotel mit

60 Zimmern. Im Zweiten Weltkrieg hatte das historische Bauwerk

als Liebesgaben-Depot gedient. Geplante Fertigstellung

ist Ende 2018. Die Eigentümer Andreas Weishaupt und Mario

Boss investieren rund 10 Millionen Euro.

Millionen Euro handeln. Die

Schuler AG bleibt mit 500 Mitarbeitern

in Weingarten vertreten.

Schuler ist Weltmarktführer

in der Umformtechnik und

beschäftigt weltweit rund 6800

Mitarbeiter.

Turkish Airlines

kehrt an den

Bodensee zurück

Dank neuer Ziele und erweitertem

Angebot im Sommerflugplan

und der Rückkehr von Turkish

Airlines blickt die

Flughafen Friedrichshafen

GmbH positiv in die Zukunft.

Für 2017 rechnet sie wieder mit

steigenden Passagierzahlen am

Bodensee Airport, nachdem

hier 2015 und auch 2016 weniger

Menschen ins Flugzeug stiegen

als in den Vorjahren. 2016

handelte es mit 523.888 Passagieren

um einen Rückgang um

6,4 Prozent. Hauptursachen des

Rückgangs waren die Insolvenzen

der Regional Carrier Intersky

und VLM.

Reck Technik

baut Standort für

Medizintechnik

Ende Mai will die Reck Technik

GmbH aus Betzenweiler (Kreis

Biberach) die neue 11Millionen

Euro teure Montagehalle beziehen.

In der 6.500 Quadratmeter

großen Halle in Dür mentingen

ist in Zukunft die Montage der

Medizintechnik sowie die Forschungs-

und Entwicklungsabteilung

untergebracht. Eine

dringend notwendige Erweiterung

am Stammsitz in Betzenweiler

konnte dagegen noch

nicht realisiert werden. Das

weltweit agierende Agrartechnik-Unternehmen

beschäftigt

rund 260 Mitarbeiter.

Habisreutinger

kauft in

Konstanz zu

Anfang April eröffnet die Franz

Habisreutinger GmbH in Konstanz

ihre zehnte Ausstellung.

Der oberschwäbische Holzspezialist

übernimmt den Standort

und alle Mitarbeiter von „Holzland

Renner“. Auf 2500 Quadratmetern

gibt es Türen, Böden,

Terrassenbeläge und Fassaden.

Seinen Hauptsitz hat Habisreutinger

seit 1822 in Weingarten

und erzielte zuletzt mit 300

Mitarbeitern einen Umsatz von

mehr als 80 Millionen Euro. Andere

Holzzentren sind unter anderem

in Friedrichshafen, Neu-

Ulm, Biberach, Nürtingen,

Kempten und Freiburg. [!] RIZ

28


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[rubrik]

Polit-Prominenz bei der Eröffnung des Unternehmertags 2016. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer wird eingerahmt – zu ihrer Linken von Ulms OB

Gunter Czisch, Ronja Kemmer (MdB, CDU) und Rechtsanwalt Thomas Kienle; zu ihrer Rechten von Karl-Heinz Raguse und Jürgen Filius (MdL, Grüne).

Ganz persönlich ins Digitalzeitalter

Der Unternehmertag wird volljährig. „Alles digital – oder was!?“ lautet der Titel des Info- und Netzwerk-Treffens. Der

Mix aus klassischem Messeauftritt, Vorträgen, Podiumsrunde und Gesprächen kommt auch in der 18. Auflage gut an.

Wer Karl-Heinz Raguse, den treibenden

Motor hinter dem Stelldichein

der regionalen Wirtschaft, genauer

kennt, wird die Doppelbödigkeit des Mottos

des 18. Unternehmertages auf den ersten Blick

erkennen. Selbst trägt er seit neuestem eine

Smartwatch am Handgelenk, die ihn mit Gott

und der Welt verbindet, notfalls immer und

überall und auf allen möglichen Kanälen.

„Man muss ja alles ausprobieren, um dann zu

wissen, was das mit einem macht“, kommentiert

Raguse seine Anschaffung. An der Digitalisierung

führt im Wirtschaftsleben kein Weg

vorbei.

Aber alles digital? Keinesfalls. Dauerhaft tragfähige

Geschäftsbeziehungen würden immer

noch „analog“ eingefädelt, sprich in persönlichen

Treffen, durch persönliche Kontakte.

Wer sein Gegenüber schon mal in einem anderen

Rahmen außerhalb des tagtäglichen

Getriebes getroffen und gesprochen hat, könne

eben doch die besseren Einschätzungen

treffen, betont Raguse. Das Kapital „Vertrauen“

sei im Wirtschaftsleben nicht in seiner

Wichtigkeit zu unterschätzen, digitales Zeitalter

hin oder her.

IT IN ALL IHREN ASPEKTEN

Sich ihm aber zu verschließen, geht gar nicht.

Oder doch? Einige Spannung verspricht der

Auftritt von Ulms Alt-OB Ivo Gönner, ein steter

Protegé der Ulmer Wissenschaftsstadt. Einerseits.

Und andererseits? Was seine Gepflogenheiten

im Büro- und Verwaltungsalltag

angeht, wird ihm kein übermäßiger Hang zu

digitalen Spiel- und Werkzeugen nachgesagt.

Anders als seinem Nachfolger Gunther

Czisch, der extrem digitalaffin und unter anderem

Mitglied im Nationalen

E-Government-Kompetenz-Zentrum ist.

Keine Frage, die Digitalisierung ist derzeit das

bestimmende Thema in Wirtschaft und Gesellschaft.

Wer dafür eines zusätzlichen Beweises

bedarf, wird auch bei diesem Meeting

rasch fündig. IT in allen ihren Aspekten ist

präsent wie nie zuvor, etwa in Gestalt von Beratungsfirmen,

aber auch eines Haushaltsroboters,

den ein Aussteller aus München zu

Demonstrationszwecken mit nach Ulm bringen

wird. Was hat sich in der Wirtschaft seit

der Premiere des Unternehmertags sonst

29


[spezial] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

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30. März 2017

Ulm Messe

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Der Unternehmertag ist Treffpunkt, Bühne und eine gute Gelegenheit zum

Netzwerken. Statt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Bündnis 90/

noch verändert? „Alles ist extrem kurzlebig geworden“, meint Raguse.

„Auch die Handelslandschaft hat sich stark verändert.“ Das zeige sich

im Rückgang der inhabergeführten Geschäfte ebenso wie an der geringeren

Zahl von Existenzgründungen in diesem Bereich. Hier hinterlässt

nach seinen Worten der Online-Handel sichtbare Spuren aber

auch die Banken, die bei Krediten stark auf der Bremse stünden.

Gleichzeitig beschleunige die Digitalisierung den Alltag und lasse die

„Informationsfülle“ zunehmen, sagt er aus eigener Erfahrung. Bis zu

100 Mails empfängt Raguse täglich, neuerdings am Handgelenk.

DIGITAL ÜBERFORDERT

„Gleichzeitig sollte man immer alle Kanäle gleichzeitig bespielen“,

fügt er hinzu „Doch viele sind damit überfordert.“ Wer im „aktiven

Management“ tätig ist, fände heute weniger Zeit denn je zum Abschalten.

Schöne neue digitale Welt?

Auf dem von ihm organisierten Unternehmertag richtete Raguse seit

jeher den Blick nach vorne. „Zukunftslösungen für Unternehmen“,

lautete das Motto beim allerersten. Später ging es um „Strategische

Allianzen“, um „Netzwerke für die Zukunft“, um „Freiraum für neues

Denken“, alles Themen, die so aktuell sind wie eh und je.

Wer den Wandel des Unternehmertags selbst sucht, schaut am besten

nach, wer sich unterm Themenschirm so alles getummelt hat an Gästen,

speziell auf der Liste von Ministerpräsidenten und Ministern. Einer

– den Name nennt Raguse nicht – sei einmal derart erbost gewesen

über eine Rede des Vertreters des Bundesverbands mittelständische

30


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[spezial]

Der 18. Unternehmertag am 30. März

in der Ulmer Donauhalle im Überblick

90 Aussteller sind beim Unternehmertag am 30. März vertreten.

36 Vorträge in vier „Speakers’ Corner“ und eine Podiumsrunde

(Beginn 13.30 Uhr) runden das Programm ab. Nach dem

Messetag (9 Uhr bis 17 Uhr) steigt eine Business Party mit den

„Lounge Cats“ (bis 21 Uhr). www.unternehmertag.de

Die Grünen) begrüßt Karl-Heinz Raguse in diesem Jahr den stellvertretenden

Ministerpräsidenten Thomas Strobl (CDU) auf der Messe.

Wirtschaft (BVMW), dass er mit seiner sofortigen Abreise drohte –

„wäre ich jetzt nicht im Wahlkampf.“ Erstmals musste der Messesaal

seinerzeit vor der Eröffnung auf Sprengstoff untersucht werden. Noch

so eine Anekdote.

TRADITIONELL UND AUSGEBUCHT

Über mangelndes Teilnehmerinteresse am diesjährigen Unternehmertag

kann Raguse nicht klagen. Auch dieses Jahr gab es eine Vielzahl

von Anfragen. 90 Firmen sind mit Ständen vertreten, mehr als 100

Firmen beteiligen sich insgesamt. Die Donauhalle ist damit ausgebucht.

Die Bespielung einer zweiten Halle aber hätte das bewährte

Format gesprengt, sagt Raguse, und damit die besondere Atmosphäre

der Veranstaltung beschnitten, bei der sich „alles auf einer Fläche“ abspielt.

Die „Speakers‘ Corner“ für Impuls-Vorträge oder die große Podiumsdiskussion

mittendrin im Geschehen zu platzieren, bringe ja gerade

den besonderen Charme „als Marktplatz“ hervor.

Alles digital? Weiteres Gegenargument ist, dass nach Raguses Beobachtung

so mancher Aussteller beim Unternehmertag auch schon

neue Mitarbeiter gefunden hat. Unter Jobwechselwilligen oder Hochschulabsolventen

habe sich herumgesprochen, dass sich beim einen

oder anderen Aussteller Chancen auftun. „Echter Austausch und wirkliches

Kennenlernen“, ist der Organisator überzeugt, funktionierten

nicht allein über Online-Aktivitäten. Die nachhaltigste Art der Kommunikation

sei immer noch das persönliche Gespräch – Face to Face.

Traditionell, aber bewährt. [!]

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31


[spezial] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Gestatten, Mister Mittelstand

Er ist Netzwerker, „Informations-Broker“ und Helfer für Firmen: Karl-Heinz Raguse leitet die Ulmer

Geschäftsstelle des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und gibt persönliche Einblicke.

Die Raguse & Partner GmbH organisiert

seit jeher den „Unternehmertag“ in

Ulm. Hauptgesellschafter Karl-Heinz

Raguse, Jahrgang 1955, ist zugleich die Verbindung

zum Bundesverband mittelständische

Wirtschaft (BVMW), „dem größten, auf freiwilliger

Basis organisierten Mittelstandsverband“.

Seit Mitte der 1990er Jahre leitet der

gelernte Maschinenbauer freiberuflich von

Neu-Ulm aus die von ihm ins Leben gerufene

BVMW-Geschäftsstelle – eine von bundesweit

300 –und betreut 200 Mitgliedsfirmen.

Raguse ist Netzwerker und „Informations-

Broker“, der Kontakte vermittelt oder selbst

die angefragten Informationen beschafft. Für

seine Tätigkeit, darunter auch die Vermittlung

direkter Kontakte, erhält er einen Anteil

an den Beiträgen. Vor dem Sprung in die Selbständigkeit

war unter anderem für Liebherr,

Vollmer und Siemens, im Vertrieb tätig. TV

Wann und womit beginnt Ihr Tag?

Aufstehen, ins Bad, dann die Zeitung aus dem

Briefkasten holen.

Was gibt es zum Frühstück?

Kaffee und Vollkornbrot sind obligatorisch.

Wie verschaffen Sie sich einen ersten

Überblick über die Nachrichtenlage?

Die Tageszeitung gehört zum morgendlichen

Ritual fest dazu, so wie meistens das Radio.

Anschließend gucke ich Online-News überregionaler

Medien.

Welchen Leitsatz führen Sie öfters an?

Gute Frage. „Heute kennt man von allem den

Preis und von nichts den Wert.“

Was nervt andere an Ihnen?

Vielleicht mein Perfektionismus, vielleicht

aber auch der Umstand, dass ich vieles hinterfrage

und zu oft nachfrage.

Die heikelste Aufgabe im Berufsleben?

Der Sprung in die Selbstständigkeit aus sicherer

Angestelltenposition.

Der klügste Rat, den Sie je bekamen?

„Wenn du Hilfe brauchst, dann schau’ ans Ende

deiner Arme. Da gibt’s Hände.“ Stammt von

meinem Vater.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

In der Lehre als Maschinenschlosser.

Ihre Lieblingsspeise?

Ein gutes Steak – und natürlich Linsen mit

Spätzle.

Ihr Traumland?

Als Urlaubsziel Südafrika und die USA, zum

Arbeiten ist Deutschland ganz wunderbar.

Berufswunsch als Kind?

Pilot.

Ihr Lieblingsbuch?

„Das Café am Rande der Welt“ von

John Strelecky, eine Erzählung,

so der Untertitel, über den Sinn

des Lebens.

Wie entspannen Sie sich ?

Mit Bogenschießen. Man

braucht dazu eine gute Kontrolle

über seinen Körper,

Kraft und Konzentration.

Ihr Lebensmotto?

Wir sind auch verantwortlich

für das, was

wir nicht tun. So kam es

etwa zum Brexit,

weil zu wenige Jugendliche

zur

Wahl gingen.

Netzwerker und Fürsprecher des Mittelstands: Karl-Heinz Raguse.

32


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Corporate Design Objekta Real Estate Solutions

Neue Marke – vertraute Werte

Objekta Real Estate Solutions, einer der führenden Ulmer Immobiliendienstleister für die Vermittlung

von Gewerbeimmobilien, tritt am 18. Unternehmertag in Ulm erstmals mit neuem Erscheinungsbild auf

Objekta ist Ansprechpartner für die optimale

Positionierung einer Gewerbefläche – ob nun

aus Sicht des Eigentümers oder des Nachfragers.

Die neue Wort-Bild-Marke ersetzt

ein seit 2006 existierendes Logo und soll zur

besseren Identifikation der Auftraggeber und

Kunden mit dem Unternehmen beitragen.

Gründe für den Markenrelaunch

Michael Wägerle, geschäftsführender Gesellschafter

der Objekta, erklärt, warum die

Überarbeitung der gesamten Marke unumgänglich

wurde: „Aufgrund des sich ständig

ändernden Marktes für Gewerbeflächen entwickeln

sich auch die Anforderungen unserer

Auftraggeber und Kunden und damit das

gesamte Unternehmen ständig weiter. Dem

haben wir u. a. dadurch Rechnung getragen,

dass wir der NAI apollo group, dem führenden

Netzwerk unabhängiger Immobilienberatungsunternehmen

in Deutschland, beigetreten

sind. Als solcher Partner werden wir

vermehrt von internationalen Investoren und

Nachfragern angesprochen. Deshalb auch

die neue Firmierung als „Objekta Real Estate

Solutions“. Den Zusatz „Solutions“ – also „Lösungen“

– haben wir ganz bewusst gewählt,

da wir nicht nur beratend tätig sind, sondern

insbesondere Vermarktungskonzepte entwickeln

und diese dann auch verantwortlich

umsetzen. Dem wurde der bisherige Zusatz

„Immobilienkontor“ nicht mehr gerecht.“ Das

demzufolge neugestaltete Logo und das gesamte

Corporate Design stehen für Innovationsstärke

und Effizienz sowie Geradlinigkeit

und Authentizität.

Markendesign entwickelt sich

Begonnen hatte alles mit einem Logo-Pitch,

bei dem eine bayrische Agentur als Sieger

hervorging. Dazu Michael Wägerle: „Das neue

Logo spiegelt unser Selbstverständnis wider

und überzeugt durch prägnante Typografie

und klare Bildmarke. Die konzeptionelle, grafische

und textliche Umsetzung des Corporate

Designs inklusive neuem Webauftritt lag

selbstredend bei den eigenen Marketingund

Grafik-Spezialisten in den allerbesten

Händen.“

Neues Logo, Neuer Name, Neues CD

Das neue Corporate Design bringt die visuelle

Identität des Unternehmens auf den Punkt.

Michael Wägerle erklärt: „Die Kreation des

Logos ist nur Teil des gesamten Redesigns.

Ein großer Mehrwert steckt für mich v. a. in

der kompletten Neuentwicklung des kommunikativen

Auftritts.“ Der Werbespruch

„Raum trifft Anspruch“ hat dabei endgültig

ausgedient – mit dem neuen Claim „Weil wir

aus Gewerbeimmobilien Marken machen“

positioniert sich Objekta als Spezialist für die

zielgruppengerechte und individuelle Vermarktung

von Gewerbeimmobilien.

Kontakt

info@objekta-realestate.de

www.objekta-realestate.de

33


[rubrik] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Die Bossard-Gruppe ist Spezialist für Befestigungstechnik. Sie versorgt Kunden mit Kleinteilen, hilft diesen aber auch bei der Produktentwicklung.

Drehkreuz für mehr Halt

Die Schweizer Bossard-Gruppe beschäftigt sich mit Dingen, die die Welt im Innersten verbinden. In Illerieden hat sie

KVT-Fastening übernommen und den Standort zur Logistik-Drehscheibe für Deutschland und Osteuropa ausgebaut.

Wenn Bossard-Geschäftsführer Hans

van der Velden seinen Wagen zum

Reifenwechsel bringt, kann es

durchaus vorkommen, dass er dem Mechaniker

den Drehmomentschlüssel aus der Hand

nimmt, wenn dieser die Schrauben zu fest anzieht.

Denn überdrehte Schrauben wirken auf

ihn wie eine schmerzhafte Behandlung beim

Zahnarzt. Schrauben und alles, was damit

zusammenhängt, das räumt der Schweizer

schmunzelnd ein, verfolgen ihn regelmäßig

bis in die Freizeit. Fündig wird er bei den

Strom-Flitzern von Tesla, bei Kaffeemaschinen,

Nähmaschinen, Schienenfahrzeugen

und überhaupt auf vielen Einsatzgebieten,

darunter Automotive, Bau, Elektrotechnik,

Energietechnik, Feinmechanik, Hydraulik,

Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau, Medizintechnik,

Transport oder Marine.

ZIEGELSTEINDICKER KATALOG

Die Bossard-Gruppe ist in Deutschland außerhalb

der Fachwelt wenig bekannt. An zu geringer

Größe kann es nicht liegen, steht diese

doch für einen Jahresumsatz, der sich in 2016

weltweit auf knapp 700 Millionen Schweizer

Franken belief. Dabei dreht sich das Geschäft

nicht zwangsläufig nur um Schrauben. Im

Jahr 2012 kaufte Bossard die KVT-Fastening

GmbH aus Illerrieden (Alb-Donau-Kreis), weil

sie ihr Angebot auf die Niet- und Einpresstechnik

sowie ergänzende Ingenieursdienstleistungen

erweitern wollte.

Verbindungselemente wie Schrauben, Niete

und mehr – es gibt sie in einer Vielzahl von

Standard- und in einer noch größeren als Sonderausführungen,

in schier uferloser Fülle

also. Um sie zu ermessen, genügt ein

Blick in den ziegelsteindicken Hauskatalog.

Rund eine Million Teile befinden

sich ständig auf Lager.

Ein elektronisches Etikett zeigt in Echtzeit Informationen

über den Lieferstatus und die bestellte

Menge an.

34


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[machen]

Neben Zug (Schweiz), Straßburg und Kopenhagen

ist Illerrieden das vierte Logistikdrehkreuz

von Bossard in Europa. Unlängst wurde

hier der Grundstein für ein neues und gemeinsames

Zentrallager für Bossard und KVT-

Fastening gelegt. Die Eröffnung ist für Mitte

2017 geplant. Rund 14 Millionen Euro haben

die Schweizer seit der Übernahme in den

Standort Illerrieden investiert.

LÖSUNGEN STATT NUR NIETEN

„Wir wachsen sehr gut“, zieht der Geschäftsführer

eine Zwischenbilanz der beiden getrennt

geführten Firmen. Der Umsatz von

Bossard habe sich seit dem Einstieg in Illerrieden

glatt verdoppelt. KVT-Fastening erziele

mit dem bestehenden Kundenstamm ebenso

wie durch Neukunden ein solides Wachstum

zwischen vier und fünf Prozent im Jahr. Von

Illerrieden aus erfolgen alle Produktlieferungen

innerhalb Deutschlands sowie noch weiterer

Regionen. Im Visier stehen insbesondere

die osteuropäischen Märkte.

Bossard/KVT-Fastening führen ein mehrstufiges

Geschäftsmodell. Sie sind zum einen

Großhändler mitsamt den damit verknüpften

Logistik-Lösungen. Doch haben sie, gemäß

dem vielfach zu beobachtenden Trend bei Zulieferern,

diese Grenzen längst überschritten.

Von immer stärkerer Relevanz sind begleitende

Ingenieursdienstleistungen. „Von dem Moment

an, da unsere Kunden beginnen, ein

neues Produkt zu entwickeln, können unsere

Anwendungsingenieure die besten Lösungen

für alle möglichen Herausforderungen im

Rahmen der Verbindungstechnik liefern“, erläutert

Hans van der Velden.

Er sieht darin eine Win-Win-Situation. Kunden,

die über (zu) wenig Know-how auf dem

Spezialgebiet der Verbindungs- und Befestigungstechnik

verfügen, bekommen so bei der

Optimierung des Produktionsprozesses Hilfe.

Wie immer geht es vorrangig darum, effektiver,

schneller und kostengünstiger zu werden.

Hans van der Velden verdeutlicht dies an

einem simplen Beispiel,

formuliert als

Frage: „Brauch’ ich 30

Befestigungspunkte,

Schweizer Ableger in Illerrieden

Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut übergab Hans van der Velden, Geschäftsführer

Bossard Deutschland, die Auszeichnung „100 Orte für Industrie 4.0 in Baden-Württemberg“.

oder reichen nicht auch fünf? Und welche Art

der Befestigung ist dabei die zweckmäßigste?“

Selbstredend sei es dabei am besten, seine Leute

möglichst frühzeitig in den Entwicklungsprozess

mit einzubinden. „Sie dienen den

Kunden als Sparringspartner.“ Abgesehen

davon sei Unterstützung durch sein Unternehmen

auch deshalb gefragt, weil Befestigungstechnik

in den einschlägigen Ingenieurstudiengängen

eher ein Randthema sei,

erläutert der Geschäftsführer.

Die KVT-Fastening (bis 2010 Koenig Verbindungstechnik

AG) geht zurück auf ein

1927 in Zürich gegründetes Leichtbauunternehmen.

Der Bereich Verbindungstechnologie

der 1973 gegründeten Niederlassung

in Illerrieden wurde 2012 von

der Schweizer Bossard-Gruppe übernommen,

operiert aber eigenständig. Im

Moment sind bei beiden Unternehmenstöchtern

am Standort Illerrieden rund

160 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bossard

Holding AG mit Sitz in Zug beschäftigt an

etwa 75 Standorten in Europa, Amerika

und Asien/Pazifik knapp 2100 Mitarbeiter

und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz

von knapp 700 Millionen Schweizer

Franken, davon rund 76 Millionen Euro

über den Standort Illerrieden. TV

IN DIGITALZEIT ANGEKOMMEN

Das bedeutet umgekehrt, dass die Bossard-

Gruppe ihre Spezialisten maßgeblich über

„Training on the job“ heranzieht. In vielen Fällen

und sehr gerne seien das Leute mit praktischen

Erfahrungen in der Produktion: „Bis

man auf dem Gebiet richtig gut ist, braucht es

Zeit, auf jeden Fall mehrere Jahre.“ Hans van

der Velden wünscht sich daher Techniker

„mit einem breiten Horizont“, die viele Themengebiete

abdecken. Auch, um mit immer

neuen anspruchsvollen Aufgaben gegen das

Vorurteil anzugehen, Verbindungstechnik

wäre nicht ausreichend interessant.

In den Logistikdienstleistungen ist Bossard

seit den 1990er Jahren schon im Digital-Zeitalter

angekommen. Die damals erfundenen Behälter

mit Gewichtssensoren übermitteln in

Realzeit den Bedarf an Teilen. Diese Daten

werden von einer eigenen Analyse-Software

erfasst und dem Lieferanten zugestellt, der automatisch

Nachschub liefert. „Natürlich besteht

für den Kunden jederzeit die Möglichkeit

einzugreifen“, sagt der Geschäftsführer.Er

könne beispielsweise über Apps auf dem

Smartphone oder Tablet, ein Dashboard am

PC oder ein intelligentes Etikett direkt vor Ort

feststellen, wann die Bestellung bei ihm eintrifft,

es herrsche „vollständige Transparenz“.

Nicht ausgeschlossen sei, dass künftig solche

smarten Lösungen als dritte Säule auf den

Markt gebracht werden. [!] THOMAS VOGEL

35


[rubrik] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Botschafter

aus Stein und Glas

Verwaltungsgebäude und Fabriken sind immer häufiger ein Spiegelbild des

Selbstverständnisses von Unternehmen. Beim Thema Corporate Architecture

geht es beileibe nicht nur um die Fassade, sondern vor allem um Werte.

Hochwertig und präzise: Das Gebäude spiegelt die

Werte des Grünkrauter Prüftechnikherstellers

Blum-Novotest wider. Fotos auf diesen Seiten,

sowie auf Seite 40: Gessler Bossert Architekten

PartGmbB/www.buettner-film.de

36


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[bauen]

Sie sind die Visitenkarten eines Unternehmens,

lassen sich jedoch nicht in

die Tasche stecken und bleiben dem

Betrachter dennoch lange in Erinnerung. Für

viele Betriebe sind ihre Verwaltungs- oder Produktionsgebäude

beileibe keine reinen Funktionsbauten,

sondern architektonisch gestaltete

Imageträger.

Dies gilt auch für die Blum-Novotest GmbH.

Wer vor dem 2014 eröffneten Mitarbeiterund

Kundenzentrum im oberschwäbischen

Grünkraut-Gullen steht, kann leicht erkennen,

welche Firmenphilosophie sich hinter

der akkurat geschnittenen Fassade mit anthrazitfarbenen

Aluminiumverbundplatten

verbirgt. Nämlich die einer Firma, die sich auf

die Herstellung präziser Mess- und Prüfmaschinen

spezialisiert hat.

WERTE IN FORM UND FARBE

Mit der Gebäudehülle zu zeigen, was sich hinter

ihr verbirgt, ist Trend und nennt sich Corporate

Architecture. Für Geschäftsführer Alexander

Blum war es wichtig, das Selbstbild des

Unternehmens mit zeitgemäßer Außen- und

Innenarchitektur zu verbinden: „Das komplette

Look & Feel des Gebäudes, die verbauten

Materialien, die Formen, die Farben spiegeln

unsere Corporate Identity wider“,

erläutert der Firmenchef. Die Markenkern-

Attribute Qualität und Präzision werden nach

seinen Worten von der geradlinigen und futuristischen

Gebäudeform und von den hochwertigen

Materialien aufgegriffen, „aber auch

von der Liebe zum Detail, die man an jeder

Stelle des Gebäudes spüren kann.“

Blum weiß, dass ein Unternehmen nur dann

erfolgreich sein kann, wenn die dahinter ste-

Futuristisch mutet auch die Empfangshalle von Blum-Novotest an.

37


[bauen] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Ingenieurbüro für Gebäudetechnik I Energietechnik I Umwelttechnik

Innovative

Gebäudeplanung

am Puls der Zeit:

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Handel und

den öffentlichen

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Diese Fassade in Biberach symbolisiert: Die Vollmer-Welt ist offen.

ckende Philosophie und die Identität tagtäglich

gelebt wird: „Die gewünschte Markenbotschaft

muss sowohl den Kunden als auch den

Mitarbeitern mit jedem zur Verfügung stehenden

Medium vermittelt werden.“ Egal, ob

das auf dem Ausstellungsstand einer internationalen

Fachmesse sei, in Broschüren, Anzeigen

oder auch mit dem Internetauftritt. „Jeder,

der mit der Blum-Novotest GmbH in Berührung

kommt, soll ein einheitliches Bild vom

Unternehmen bekommen.“ Dabei leiste das

Thema Corporate Architecture einen wichtigen

Beitrag.

Doch wie kann die Vereinigung von Firmenwerten

und Architektur am besten gelingen?

Für den Chef des familiengeführten Betriebes

spielte dabei der Teamgedanke die größte Rolle:

„Grundvoraussetzung war es, dass alle Beteiligten

ein gutes Gespür und Geschmack

bewiesen haben sowie die Corporate Identity

des Betriebes verinnerlicht hatten.“

GEBÄUDE MIT GESICHT

Die Mannschaft für das neue Kundenzentrum

bestand neben ihm aus dem Architekten

Roch Bossert von der Gessler Bossert Architekten

PartGmbH sowie aus Vertretern der

Geschäftsleitung, des Marketings und der

Bauleitung: „Gemeinsam konnten wir dem

Gebäude ein Gesicht geben, das 1:1 die Blum-

Novotest GmbH widerspiegelt. Wenn alle

Mitwirkenden ein Gefühl dafür haben, wie

unterschiedliche Personen Räume wahrnehmen,

muss man nur noch wissen, wie man

sich nach außen hin präsentieren möchte.“

So sieht das auch die Architektenkammer Baden-Württemberg,

die das Gebäude in ihrem

Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen“

würdigte. In der Begründung der Jury

heißt es: „Der leicht erhöhte Wartebereich mit

weichem Bodenmaterial und wohnlichen

Sitzgelegenheiten wirkt einladend und versinnbildlicht

das Willkommen bei Blum-Novotest.

Von diesem Punkt aus sind sowohl alle

Firmenbereiche in den angrenzenden Gebäuden,

als auch die Produkte im „Schaufenster“

des Tech-Centers zu überblicken.“

Im Obergeschoss des 800 Quadratmeter umfassenden

Gebäudes befindet sich das Mitarbeiter-Restaurant

für rund 150 Personen. Es ist

in verschiedene Zonen wie Lounge, Bistro,

Terrassenplätze und konventionelle Sitzgruppen

gegliedert. Besucher und Angestellte können

hier zwanglos zusammensitzen und Ideen

austauschen – mit gleichzeitigem Blick auf

die nicht weit entfernten Alpen.

Für die Dipl.-Ing. Architektin Carmen

Mundorff sind Betriebsgebäude,

die

die Firmenwerte

durch Corporate

Architecture symbolisieren

mit gebauten

Visitenkarten

gleichzusetzen.

„Sie verkörpern

das Selbstverständnis

eines Unternehmens

für Architektin

Kunden und Mit- Carmen Mundorff.

Foto: Architektenkammer B-W. / René Müller


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

arbeiter gleichermaßen“, erläutert die Bereichsleiterin

Architektur und Medien der

Architektenkammer Baden-Württemberg:

Dabei sei es wichtig, dass eine gut durchdachte

Gestaltung mit einer nachhaltig geprägten

Bauweise in Einklang gebracht werde. Viele

Unternehmer planten ökonomisch vorausschauend

und investierten lieber mehr Geld

in einen ökologisch-effizienten Neubau, mit

dem sie langfristig Betriebskosten sparen können.

„Wenn ein Betrieb ökologisch wertvolle

Produkte herstellt und vertreibt“, so Mundorff,

„dann soll sich das doch auch im Firmensitz

widerspiegeln.“

Ästhetik am Bau: das Technologie- und Dienstleistungszentrum der Vollmer Werke GmbH in Biberach.

Foto: CLEA GROSS ARCHITEKTEN GmbH / Gretzinger

ATTRAKTIVE ARBEITSPLÄTZE

Stichwort Langfristigkeit. Nur wer Mitarbeiter

gut schult und über viele Jahre hinweg im

Unternehmen halten kann, ist wirtschaftlich

auf einer sicheren Seite. Auch bei diesem Aspekt

spielt die Ausgestaltung des Bürotraktes

oder der Produktionshalle eine entscheidende

Rolle. Auf dem Facharbeitermarkt wird es zunehmend

enger, so dass es für Betriebe immer

schwieriger wird, spezialisierte Arbeiter und

Angestellte zu bekommen und auch an das

Unternehmen zu binden. „Ein lichtdurchfluteter

Arbeitsplatz kann hier oftmals schon

Tür und Tor öffnen. So etwas spricht sich herum“,

sagt Mundorff. Speziell für mittelständische

Betriebe, die zwar oftmals Weltmarktführer

sind, aber dennoch traditionell in

ländlichen Gebieten angesiedelt sind, sei es

wichtig, durch ein nachweislich attraktives

Arbeitsumfeld Fachkräfte aus größeren Städten

zu sich zu holen.

Das meint auch der Autor Till Schröder, der

dem Thema Corporate Architecture ein ganzes

Buch gewidmet hat (siehe Kasten). Auch










39


[bauen] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

für kleinere Unternehmen biete das Bewusstsein

für Corporate Architecture einen Mehrwert,

meint Schröder. Nach seiner Einschätzung

fallen nicht nur die großen Baustrukturen

ins Gewicht. „Auch die Wahl der Möblierung

sowie die Wand-, Boden- und Fenstergestaltung

kann einen Betrieb prägen. Innen- und

Landschaftsarchitektur spielen in Planungskonzepten

genauso eine Rolle, wie die Wirkung

der Fassade“, erklärt er. Wenn eine Firma

keinen großen Einfluss auf die Gestalt des

Gebäudes habe,

lasse sich die Gesamtwirkung

über

die Inszenierung

Buchautor

Till Schröder.

der Räume beeinflussen.

Viele Firmen

hätten erst

spät erkannt, dass

es nicht nur wirtschaftlich

von Vorteil

sei, den Kunden

gegenüber ein

hochwertiges Äußeres

zu präsentieren.

„Auch auf die eigenen Angestellten hat es

einen positiven Effekt, wenn das nach außen

präsentierte Bild eines Unternehmens sich

mit dem Inneren deckt. Ein guter Umgang mit

dem Personal sorgt für mehr Zufriedenheit

und so für höheres Engagement für den Arbeitgeber“,

sagt Schröder. Nicht nur faire Löhne

und gute Sozialleistungen, sondern auch

ein angenehm gestalteter Arbeitsplatz sei hier

relevant – „und dieser fällt eben in den Bereich

der Corporate Architecture.“

Repräsentative Wirkung

Auch die Innenraumgestaltung und die Möblierung prägen das Bild eines Unternehmens.

Der Begriff „Corporate Architecture“

ist erst seit einigen Jahren im Architektur-,

Design- und Marketingdiskurs gängig.

„Häufig wird die intensive Auseinandersetzung

mit Architektur als relevantem

Träger einer Firmen- oder Markenidentität

auf die in den 1970er Jahren von dem österreichischen

Industriedesigner Hans

von Klier konzipierten Designmanuals für

die Firma Olivetti zurückgeführt. Neben

ausführlich ausgearbeiteten Vorgaben für

eine einheitliche, firmenspezifische Logo-

PARKETT IN DER PRODUKTION

Klarheit und Offenheit sind auch für Carmen

Mundorff wichtige Aspekte des Corporate Architecture:

„Für viele Unternehmen gehört es

zum positiven Image, wenn sie ganz bewusst

den Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl

innerhalb der Belegschaft fördern.

Wenn alle Bereiche des Betriebes durch offene

Gestaltungen jederzeit für jedermann einsehbar

sind, bauen sich auch in den Köpfen der

Mitarbeiter keine Mauern auf.“ So könne eine

Geschäftsführung vermitteln, dass man keine

Wertunterschiede zwischen den Beschäftigten

und derer Aufgaben macht und die Botschaft

senden: Alle sind gleich. „Ich habe

schon Betriebe gesehen, in denen die Produktionshallen

mit Parkettböden ausgelegt waren“,

erzählt Carmen Mundorff.

Ein weiteres Beispiel für transparente Architektur

bietet die Vollmer Werke GmbH an ihrem

Standort Biberach. Das 2009 mit Clea

und Verpackungsgestaltung wurden dabei

auch bauliche Ideale festgelegt.

Ein Bewusstsein für die repräsentative

Wirkung von Gebäuden lässt sich seit den

Anfängen der Architekturgeschichte voraussetzen,

aber eine Zunahme stark individualisierter

Firmenbauten gibt es erst

seit dem 20. Jahrhundert“, sagt Till Schröder,

Autor des Buches „Corporate Architecture

–Identität durch Architektur“,

Deutscher Architektur Verlag,

ISBN 978-3-946154-00-6. LOE

Gross Architekten in Zürich und Gurland und

Seher Architekten aus Biberach errichtete

Technologie- und Dienstleistungszentrums

des Maschinenbauers übernimmt neben den

funktionalen Anforderungen die Aufgabe die

für jedermann offene Vollmerwelt zu repräsentieren.

Durch die geschosshohe und großzügige

Verglasung erhält die Fassade die Funktion

einer Vitrine, in der die Maschinen von

der Straße zu sehen sind. Eine bessere Visitenkarte

kann man sich kaum vorstellen.“ man

sich kaum vorstellen. [!] STEFAN LOEFFLER

40

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BANTLEON eröffnet FORUM für Wissen & Dialog

Neue Plattform für Austausch, Dialog und Netzwerk

Die weltweit agierende Hermann Bantleon GmbH, Ulm hat ihren Tätigkeitsschwerpunkt

in den Bereichen Schmierstoffe, Reinigung und

Korrosionsschutz sowie in ganzheitlichen Dienstleistungen zur Prozessoptimierung.

Die durch den Abriss zweier Hochtanks auf dem Ulmer BANTLEON-

Gelände entstandene Freifläche, wurde durch den Neubau des BANT-

LEON Forums für Wissen & Dialog geschlossen. Mit dem Bezug des

Neubaus vollzog sich nun auch offiziell der Wandel von der bereits

seit 2012 bestehenden BANTLEON Akademie zum BANTLEON Forum

für Wissen & Dialog.

Rund 130 Gäste waren am 10.02.2017 zugegen, als das Gebäude offiziell

seiner Bestimmung übergeben wurde. Ulms erster Bürgermeister

Marcus Bendel überbrachte Grüße und die Glückwünsche der Stadt

Ulm und lobte hierbei das starke Engagement des Ulmer Traditionsunternehmen

BANTLEON im Bereich Forschung und Bildung. Deutschlands

höchster Sportfunktionär, DOSB-Präsident Alfons Hörmann

schilderte in seinem fesselnden Vortrag die Synergien und Abhängigkeiten

von Sport, Wirtschaft und Wissenschaft. Er verwies dabei

auch auf wichtige ethische und soziale Werte und die Wichtigkeit von

Plattformen, aber in erster Linie Menschen, welche dafür einstehen.

Welche Tricks beim vermitteln und lernen von Wissen besonders effektiv

sind erläuterte kein geringerer als Gedächtnis-Weltmeister Dr.

Boris Nicolai Konrad. Sein Vortrag „Alles nur in meinem Kopf – Die

Geheimnisse meines Gehirns“ löste bei den Zuhörern Staunen aber

auch Hoffnung aus, denn sein Fazit lautete: „Mein Können ist kein

Talent oder eine besondere Gabe. Das kann jeder lernen.“

Die ersten beiden Etagen des nun fertiggestellten Gebäudes in der

Blaubeurer Straße beheimatet das neue BANTLEON Forum für Wissen

& Dialog. Eine Plattform für Austausch, Schulung und Netzwerk. Das

BANTLEON Forum bietet zusätzlich Potential für interessierte Firmen,

Verbände und weitere Partner und kann von diesen als Veranstaltungsräumlichkeit

genutzt werden. Insgesamt stehen im „Kommunikations-

und Schulungsbereich“ vier Räume, mit unterschiedlichen

Belegkapazitäten, je nach Tisch-/Stuhlanordnung zu Verfügung. Im

Erdgeschoss befinden sich der Empfangs- und Bewirtungsbereich. In

der Gestaltung und Konzeption wurde versucht, die größtmögliche

Schnittmenge aus moderner Medientechnik, Design, Funktionalität

und Wohlfühlambiente zu erreichen. Die hervorragende Verkehrsanbindung

unmittelbar am Blaubeurer Ring an die B10 und somit auch

an die A8 sowie die neu geschaffene Parkplatzsituation verschaffen

dem Forum zusätzlichen Charme. Das 2. und 3. Obergeschoss bietet

viel Platz für Büroräume, welche durch die Fachbereiche Anwendungstechnik,

HSE, Personalmanagement sowie dem Produkt- und Qualitätsmanagement

bezogen wurden.

Auch personell hat BANTLEON aufgestockt. Mit Jörg Spaniel wurde

der Fachbereich Personal und Training neu strukturiert. Er trägt zum

einen Verantwortung für das gesamte Personalmanagement, aber

auch für die Mitkonzeption und die entsprechende Umsetzung des

Forum-Konzepts. Unterstützt wird er hierbei von Kirsten Kodura, seit

vielen Jahren Personalreferentin bei BANTLEON.

Das BANTLEON Forum steht nicht nur für ein branchennahes Themenkonzept,

sondern soll branchenübergreifend in verschiedenste

Bereiche greifen. Jörg Spaniel beschreibt die Idee wie folgt: „Mit dem

BANTLEON-Forum bieten wir den verschiedensten interessierten Kreisen

eine große Spielwiese, mit viel Freiraum für kulturelle, sozialethische

und fachbezogene Zwecke.“

BANTLEON Geschäftsführer Heribert Großmann ergänzt: „Unser Ziel

ist nicht, ein Wettbewerber für etablierte Schulungseinrichtungen zu

sein, wir wollen vielmehr unseren eigenen, speziellen Weg gehen.

Dafür suchen wir die Kooperation und das Miteinander mit den entsprechenden

Einrichtungen. Am Ende des Tages haben wir ein großes

gemeinsames Ziel, nämlich Aus-/Weiterbildung, Qualifikation und Information.

Wir gehen hier unseren Weg des modernen Wissensmanagements.

Das Schulungsprogramm startet im Laufe des zweiten

Quartals 2017.“

Detaillierte Informationen, samt Terminkalender,

zum BANTLEON Forum für Wissen & Dialog sind

online unter www.bantleon-forum.de abrufbar.

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Blaubeurer Straße 32 . 89077 Ulm

Tel. 0731. 39 90-130 . Fax -8130

forum@bantleon.de . www.bantleon-forum.de

41


[gründen] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Gut gebrüllt

Mit der Erfindung seiner Schlafweste „Nachtwaechter“ liegt Marcus Ruoff goldrichtig. In der Vox-Gründershow „Höhle

des Löwen“ bewährte sich der Gründer und kurbelte damit sein Geschäft an. Ein Erfahrungsbericht.

Marcus Ruoff ist in seinem Leben schon oft

falsch gelegen, nämlich auf dem Rücken. Und

das raubte seiner Freundin oftmals den Schlaf

– und manchmal auch ein bisschen den Verstand.

Um es ganz ehrlich zu sagen: der Diplom-Hydrologe

war ein richtiger Schnarcher.

Doch die Betonung liegt auf der Vergangenheitsform.

Heute ist Marcus Ruoff nicht nur

ein ausgeschlafener, sondern auch ein aufgeweckter

Existenzgründer, der aus der Not eine

Tugend und aus seinem nächtlichen Sägen

eine gewinnbringende Geschäftsidee gemacht

hat.

„Die meisten Menschen schnarchen, wenn sie

auf dem Rücken liegen“, weiß der zweifache

Familienvater eben auch aus eigener Erfahrung

und setzte an dieser Position den Hebel

für seine Erfindung an, der atmungsaktiven

Schlafweste, die den passenden Namen

„Nachtwaechter“ trägt.

Die Weste mit einem ergonomischen Kaltschaum-Keil

verhindert, dass sich ihre Träger

im Schlaf auf den Rücken drehen. Das führt

auch zu einem Lerneffekt für das Gehirn.

Nach drei bis sechs Monaten gewöhnt man

sich daran, in der Seitenlage zu bleiben. Und

in dieser Position kann nun in vielen deutschen

Schlafzimmern wieder Ruhe einkehren

und der Haussegen gerade gerückt werden.

PROTOTYPEN SELBST GENÄHT

„Von der Idee bis zur Serienreife vergingen

über zwei Jahre“, erzählt Marcus Ruoff. Ein

Jahr benötigte er alleine dafür einen Dienstleister

zu finden, der seine Wünsche umsetzen

konnte. Fündig wurde Ruoff in Österreich.

Die Prototypen seiner Schlafweste hatte der

findige Schwabe aus Riedlingen noch eigenhändig

zusammengenäht, in der ehemaligen

Sattler-Werkstatt seines Großvaters. Gemeinsam

mit Experten aus drei Schlaflaboren in

Süddeutschland, darunter auch einem in

Fotos auf diesen Seiten: Bernd-Michael

Maurer, André Schrieber (beide VOX)

und Markus Sontheimer

War mit seinem Fernsehauftritt in der „Höhle der

Löwen“ erfolgreich: Marcus Ruoff.

42


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[gründen]

Blaubeuren, tüftelte der Existenzgründer

dann an der Perfektionierung seines Produkts.

Das Startkapital von 30.000 Euro, das er für die

erste Kleinserie sowie für erste Marketing-

Maßnahmen benötigte, hatte er schnell zusammen.

„Die Anfangsfinanzierung stand relativ

einfach und auch die Banken waren

nicht abgeneigt, mich und mein Vorhaben zu

unterstützen. Bereits die selbst genähten Prototypen

haben hier schon einiges geholfen“,

erklärt Marcus Ruoff. Die größte Schwierigkeit

für einen Existenzgründer ist es nach seinen

Worten, mit bescheidenen Mitteln einen

gut funktionierenden Vertrieb aufzubauen.

Keine Frage. Hilfe musste her. Und diese holte

sich der 47-Jährige auf eine ganz besondere

Art und Weise. Ruoff, der zurzeit noch als angestellter

Online-Marketingmanager in Teilzeit

arbeitet, stürzte sich Hals über Kopf in die

„Höhle der Löwen“, bewarb sich mit ein paar

knackigen Sätzen bei der Redaktion der

gleichnamigen Vox-Gründershow – und wurde

durch den Gittergang eingelassen. 186 seiner

schlafbringenden Westen hatte er bis zur

Aufzeichnung, im April 2016, bereits verkauft.

Zu diesem Zeitpunkt war Ruoff seit drei

Monaten auf dem Markt.

RESPEKT JA, ANGST NEIN

Im Fernsehstudio sah er sich mit einem Schlag

15 Kameras und einem mehr als einstündigen

Kreuzverhör der Investoren Judith Williams,

Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Frank

Thelen und Jochen Schweizer ausgesetzt –

und das ganz ohne Pause. Gerade einmal 20

Minuten davon wurden ausgestrahlt. Marcus

Ruoff: „Wenn man solchen Profis gegenübersteht,

muss man bei der Intensität der Befragung

schon sehr genau aufpassen, dass man

nicht den Faden verliert. Denn jede Frage der

Löwen ist zielführend.“

Dennoch: Angst hatte der Erfinder nicht, aber

Respekt: „Wenn man von seinem Produkt

überzeugt ist, kann einem nichts passieren.

Jedoch muss man gut vorbereitet in die ‚Höhle

der Löwen‘ gehen und auch eine gute Geschichte

rund um

sein Produkt haben.“

Und die hatte er.

Eine Geschichte,

die sich quasi im

Schlaf erzählen

lässt. Auch wenn

Carsten Maschmeyer

Ruoffs

Schlafweste als ein

Nischenprodukt

abtat und Judith

Juror Carsten Maschmeyer

war skeptisch.

Williams sie gar als unsexy bezeichnete, so

schnappte Vertriebsprofi Ralf Dümmel zu.

Der Geschäftsführer der DS Produkte GmbH

in Stapelfeld bei Hamburg ging zwar nicht auf

das Angebot von Marcus Ruoff ein, der 200.000

Euro für dringend erforderliche Marketingund

Vertriebsmaßnahmen wollte und im Gegenzug

15 Prozent Firmenanteile bot. Dümmel

gab 300.000 Euro und forderte 30 Prozent

des Unternehmens. Dieses Angebot ließ sich

43


[gründen] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Marcus Ruoff nicht entgehen, er schlug mit

dem erfolgreichen Unternehmer ein und ist

seitdem glücklich. Der Verkauf der Nachtwaechter-Westen,

die es seit Ausstrahlung der

Sendung im Herbst vergangenen Jahres auch

bei vielen Handelsketten im Einzelhandel sowie

in unzähligen Online-Shops zu kaufen

gibt, ist um ein Vielfaches gestiegen. Die Verkaufs-

und Umsatzzahlen darf Marcus Ruoff

nicht nennen. So steht es in dem Vertrag, den

die Firma von Ralf Dümmel mit dem Neugründer

ausgehandelt hat. Und wenn er es

dennoch tun würden? Marcus Ruoff: „Das

würde wohl auf jeden Fall zum Ende der Zusammenarbeit

führen.“ Dies möchte der alleinige

Geschäftsführer der Nachtwächter

Schlafprodukte GmbH & Co. KG auf keinen

Fall riskieren. Denn neben der finanziellen

und organisatorischen Unterstützung bei Produktion

und Verkauf, profitiert Marcus Ruoff,

der von Anfang an für die medizinische Vertriebsschiene

alleinverantwortlich war, auch

in vielen anderen Dingen von Ralf Dümmel:

„Speziell in den Bereichen Argumentation

und kaufmännisches Denken, konnte ich einiges

von ihm lernen.“ So wurde der anfängliche

Preis von 199 Euro von Ralf Dümmel auf

69,90 Euro herabgesetzt. Damit dies dennoch

gewinnbringend ist, handelte der norddeutsche

Unternehmer eine preiswerte Produktion

in China aus und ließ die Ware vor der

Auslieferung nach Deutschland durch ein firmeneigenes

Qualitätsmanagement-System

prüfen.

MIT NEUEN IDEEN INS AUSLAND

Mit so viel fachmännischem Know-how ausgestattet

stehen für Marcus Ruoff zukünftig

auch die Länder Schweiz und Österreich auf

der stetig wachsenden Vertriebskarte: „Mein

großes Ziel ist der internationale Markt.“ Den

möchte er auch mit einer verbreiteten Produktpalette

erobern.

Neue Ideen gibt es schon. Unter anderem tüftelt

er, wieder gemeinsam mit seiner Freundin,

die auch schon bei der Schlafweste mit

Rat und Tat zur Seite stand, an einem speziellen

Schlafkissen, das in Verbindung mit der

Nachwächter-Weste, den Schlafkomfort speziell

in der Seitenlage erhöhen soll.

Ob Ralf Dümmel auch bei diesem Produkt seine

Vertriebskanäle öffnen wird, steht noch nicht

fest. An den Erfolg seiner neuen Schlafzimmer-

Utensilien glaubt Ruoff jedoch auf jeden Fall.

Schließlich lag er ja auch bei seiner ersten Erfindung

genau richtig. [!] STEFAN LOEFFLER

„Er muss dranbleiben“

Fünf Fragen an Ralf Dümmel. Er ist Chef des Handels unter nehmens

DS Produkte GmbH und Juror in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“.

Judith Williams probierte den „Nachtwaechter“ an, fand die Weste aber „unsexy“. Ihr Mit-Juror Ralf

Dümmel war überzeugt und investierte.

Foto: Bernd-Michael Maurer / VOX

Was hat Sie am Produkt von Marcus Ruoff

überzeugt?

Schnarchen ist ein Problem für 30 Millionen

Menschen. Viele fangen an zu schnarchen,

wenn sie auf dem Rücken liegen. Diese sogenannten

„Sozialschnarcher“ sind besonders

für die Partner ein Grauen. Dafür hat Marcus

Ruoff eine Lösung gefunden – und das Gute

daran: Man trägt die Weste nur eine Zeit lang

und gewöhnt sich so die Rückenlage ab.

Das Produkt und der Gründer dazu, haben

mich sofort überzeugt.

Wie kann Herr Ruoff auch zukünftig im

Markt eine Rolle spielen?

Er muss am Thema dran bleiben. Die Nachtwaechter-Weste

ist nicht unbedingt das klassische

Mitnahmeprodukt, sondern eben auch

erklärungsbedürftig. Daher sind Sanitätshäuser,

Schlaflabore & Co. die richtigen Vertriebswege

für das Produkt.

Wann ist eine Idee für Sie zündend?

Das Produkt muss innovativ sein und die richtige

„Story“ haben. Mein Fokus liegt auf großen

Märkten und weniger in Nischenmärkten.

Ideal sind immer Problemlöser. Wenn die

Gründer dahinter noch die Richtigen sind,

dann bin ich nicht mehr zu halten.

Welche Eigenschaften muss ein Unternehmer

in sich tragen?

Durchhaltevermögen, Biss, Mut und vor allem

Fleiß. Es kostet viel Zeit und Muße ein

Unternehmen aufzubauen. Dazu muss man

bereit sein.

Welchen Fehler dürfen Start-ups auf keinen

Fall machen?

Pauschal kann man das nicht sagen. Man

kann immer mal auf die falschen Menschen

setzen. Es hilft strategische Partner an Bord zu

haben, die im Zweifel ihr Lehrgeld schon bezahlt

haben. Besonders Start-ups, die viel Working

Capital brauchen, können von solch einer

Erfahrung sehr profitieren und damit

auch vermeiden, dass sie auf das falsche Pferd

setzen. [!]

STEFAN LOEFFLER

44


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[aus den hochschulen]

Herrenknecht

kommt an die

Hochschule Ulm

Die Erfolgsgeschichte von Martin

Herrenknecht beeindruckt

Ingenieure, Betriebswirte und

auch Prof. Dr. Steffen Wettengl

von der Hochschule Ulm. 1975

machte sich der Maschinenbau-

Ingenieur selbstständig, heute

beschäftigt sein Unternehmen

5000 Mitarbeiter. Auf Einladung

von Wettengl kommt der

erfolgreiche Unternehmer am

Mittwoch,17. Mai 2017, um

17:45 Uhr in die Aula der Hochschule

Ulm (Prittwitzstraße 10).

Der Vortrag ist öffentlich, Gäste

sind willkommen.

Boehringer will

Wärmekonzept

optimieren

Der Pharmakonzern Boehringer

Ingelheim will mit Hilfe der

Hochschule Biberach sein Wärme-

und Kälteversorgungssystem

optimieren und automatisieren.

Die Kooperation ist Teil

eines breitangelegten Energieforschungsprogramms

des Instituts

für Gebäude- und Energiesysteme.

Mit gleich vier

Projekten und 20 Industriepartnern

analysieren die Forscher

Effizienzmaßnahmen im Wärme-/Kältebereich.

Erste Ergebnisse

sollen im Herbst präsentiert

werden. Kontakt: ige@

hochschule-bc.de.

Studenten

entwickeln

Ausstiegshilfe

Großspende von Rohde & Schwarz

Eine Mobilfunk-Basisstation im Wert von

100.000 Euro hat das Memminger Unternehmen

Rohde & Schwarz der Hochschule Ulm

gespendet. Das Gerät nimmt Verbindung zu

mobilen Endgeräten auf, um Leistung, Modulation

und Empfindlichkeit zu messen. „Es erlaubt

Studenten, Mobilfunk-Messversuche auf

Ein stabile Ausstiegshilfe, die

bezahlbar ist: Angehende Wirtschaftsingenieure

der DHBW

Heidenheim haben sich zum

Ziel gesetzt, Menschen mit Handicap

den Alltag zu erleichtern.

„Unser Produkt soll sich sowohl

preislich als auch technologisch

zwischen den beiden, bereits

am Markt erhältlichen,

Produkten platzieren“, erklärt

Student Marius Pietsch. Die

Ausstiegshilfe wird über einen

elektrisch betriebenen Griff realisiert.

Ein erster Prototyp befindet

sich momentan in der Testphase.

Lebenszyklus von

Produkten wird

digital abbildbar

In der Entwicklungsabteilung

der ZF Friedrichshafen hat man

genug von ineffizienter Doppelarbeit.

Wie elf weitere regionale

Unternehmen unterstützt der

Spezialist für Antriebs- und

Fahrwerktechnik aus Friedrichshafen

mit Realdaten das

Forschungsprojekt „Digitaler

Produktlebenszyklus“ der

Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Ziel ist es, künftig den

vollständigen Produktlebenszyklus

digital abbilden und maschinell

ausführen zu können.

Das soll vor allem die Entwicklungszeiten

verkürzen und Kosten

sparen. Kontakt: stetter@

hs-weingarten.de.

Internet der

Dinge: Angebot

für Ingenieure

Das Internet der Dinge ist auf

dem Vormarsch. Der Bedarf an

Ingenieuren, die interdisziplinäre

Zusammenhänge identifizieren

und Systeme, Anlagen

und Maschinen miteinander

vernetzen können, ist groß. Experten

gibt es bislang wenige.

Das soll der vom Verband Deutscher

Maschinen- und Anlagenbauer,

der HS Biberach und der

FH Münster konzipierte Masterstudiengang

Gebäudeautomation

ändern. Berufsbegleitend

Foto: Marc Hörger

höchstem Niveau durchzuführen“, sagt Prof.

Dr. Roland Münzner, Leiter des Instituts für

Kommunikationstechnik. Rohde & Schwarz

will durch das Sponsoring auf sich als Hersteller

von Produkten der Hochfrequenz-Messtechnik

und als potenziellen Arbeitgeber für

Ingenieure aufmerksam machen.

können sich 15 Ingenieure pro

Semester weiterbilden. Start:

Sommersemester 2017. Informationen:

www.master-ga.de.

Weiterbildung für

Vertriebsleute im

Mittelstand

An 14 Terminen von Mitte

März bis Ende Juni bietet die

Hochschule für Wirtschaft und

Umwelt Nürtingen-Geislingen

Kurse für Vertriebsmanagement

an. Mit einer Mischung aus Vertriebstechniken,

Kommunikationskonzepten

und psychologischen

Ansätzen wendet sich die

Weiterbildungsmaßnahme an

Vertriebsleute aus B2B-Firmendie

nicht nur ihre Produkte,

sondern auch die Anforderungen

ihrer Geschäfts kunden im

Blick haben müssen. Informationen:

www.hfwu.de/weiterbildungkurse

. [!]

GYS

45


Besprechung einmal anders: Coach Jochen Schmidt (re.), das Team von Sport Klamser und Pointslook-Gründer Axel Fischer (2.von li.).

Fotos: Oliver Schulz

Kreativ sein im Grünen

Der Ulmer Sportfachhändler Michael Klamser führt ein digitales Empfehlungsmarketing ein. Dabei setzt er auf den

Einfallsreichtum und die Takraft seiner Mitarbeiter – sowie auf die positiven Effekte von Konferenzen im Freien.

Antonio Minosa wippt von einem Bein

aufs andere. Nach 90 Minuten im Freien

kriecht an diesem feucht-kalten

und leicht windigen Tag die Kälte durch die

Schuhe und Jacke. Die Idee von seinem Chef

Michael Klamser findet er dennoch gut. Der

Chef des gleichnamigen Intersportgeschäfts

in Ulm bespricht sich mit einer Handvoll Mitarbeitern

im idyllischen Glacis Park.

Klamser ist Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes

„Ulmer City Marketing“ und offen

für neue Themen. Mit seinen Mitarbeitern

geht es heute darum, wie das Sporthaus ein

Empfehlungsmarketing-System namens

Pointslook umsetzt und mit Leben füllt. Ihm

zur Seite steht Jochen Schmidt, Mentaltrainer

und Coach, der die Gruppe durch verschiedene

Stationen der Kreativarbeit und gleichzeitig

durch den Glacis Park führt.

NICHTS, DAS STÖRT

„Das macht richtig Spaß und ich merke, dass

ich kreativer bin“, sagt Minosa. Der Hausleiter

und Verantwortliche fürs Teamsportgeschäft

ist sich mit seinem Kollegen Nuno Dacosta

einig. „Im Geschäft besprechen wir uns häufiger,

aber man bekommt so nicht viel hin. Da

wird man zu oft durchs Telefon und Durchsagen

gestört – ganz im Gegensatz zu hier“, sagt

Dacosta. Jochen Schmidt freuen solche Aussagen,

er hat der

Gruppe zu Beginn

des Treffens erklärt,

was sie heute

erwartet und warum

Bewegung in

der Natur kreativ

macht. Vorbereitung

gehört zu

solch einer Besprechung

zwingend

dazu. Klamser und

Schmidt haben

Sportfachhändler

Michael Klamser.

Minosa und dessen Kollegen eine Hausaufgabe

gegeben: Wie war der erste Eindruck von

46


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[machen]

Pointslook? Wo gab es Schwierigkeiten? Wie

war das beim Posts schreiben und beim Bilder

hochladen? Schmidt hat zu diesem Zeitpunkt

auch inhaltlich die Führung übernommen.

Auf einer Holzbühne inmitten des Parks hat

er drei fiktive Räume angelegt: Die Zimmer

der Träumer, der Realisten und der Kritiker.

Schritt für Schritt erabeitet das Klamser-

Team, das an diesem Tag von Pointslook-

Gründer Axel Fischer verstärkt wird, Visionen

und Ziele, formuliert Kritik und Bedenken,

diskutiert über den Zeitaufwand, den Effekt

der Kundenbindung und vieles mehr.

Was dem Gehirn guttut

Frische Luft und Bewegung in der Natur machen das Gehirn leistungsfähig.

Zahlreichen Studien zufolge macht

leich te Bewegung in der Natur Menschen

kreativer. „Diese aktiviert unsere dopaminproduzierenden

Zellen im Gehirn“,

erklärt der Neu-Ulmer Coach Jochen

Schmidt. Das erhöht nach seinen Worten

die Motivation, die Neugierde, die Aufmerksamkeit

und die Konzentration. Die

Farbe Grün sei zudem postiv besetzt, stehe

für Ruhe und Gelassenheit. Im Vergleich

zum Büro müssten weniger Reize

von außen ausgeblendet werden. „Dadurch

hat das Gehirn Raum für alternative

Lösungen und für neue Ideen“, erläutert

Schmidt. Leichte Bewegung (Gehen, Wandern,

leichtes Joggen, Radeln) ver bes sere

und fördere zudem die Merkfähigkeit. Untersuchungen

belegten, dass gerade bei

Schülern leichte Bewegung vor Prüfungen

zu besseren Ergebnissen führen. AMB

KUNDEN WERDEN BELOHNT

Klamser erhofft sich viel von dem Empfehlungsmarketing

samt Reservierungssystem.

Im harten Wettbewerb – auch gegen große

Online-Anbieter – will er seine Stärken ausspielen.

Im Internet gefunden zu werden, reiche

nicht. Klamser will seine Mitarbeiter, aber

auch Kunden zu Botschaftern machen. „Empfehlungen

im Freundeskreis sind für Händler

wie uns die stärkste Währung“, sagt er. Daher

werden Kunden, die sich auf „mein sport

klamser“ anmelden und aktiv sind, mit Punkten

belohnt. Voraussetzung ist, dass sie sportliche

Erlebnisse in sozialen Netzwerken teilen,

Erfahrungsberichte schreiben oder

Produkte empfehlen. Das gute alte Treue-Rabattmarken-Büchlein

wird so digital.

Klamser hatte geplant, das Thema im ersten

Quartal voranzubringen. Ein Wasserschaden

und ein Einbruch beziehungsweise deren Folgen

bremsen ihn. „Für ein Zwischenfazit ist es

zu früh“, sagt er. Doch sieht er in diesem Ansatz

eine Chance, engere Beziehungen zu bestehenden

Kunden aufzubauen, leichter Neukunden

zu gewinnen und den umfassenden

Service seines Geschäfts darzustellen, in dem

er 27 Mitarbeiter beschäftigt.

Der reicht vom Express-Schleifen der Skier

mit einem Vollautomaten über das individuelle

Anpassen der Ski-Innenschuhe oder der

Sohlen von Fußballschuhen bis zum Beflocken

ganzer Mannschaftsausstattungen. Die

Konferenzen im Freien bezeichnet er als tolle

Erfahrung, die auch bei den Mitarbeitern

nachhaltige Eindrücke hinterlassen haben.

„Die haben immer wieder nachgefragt, wie

weit das Projekt ist.“ Im März geht es jetzt richtig

los. [!]

ALEXANDER BÖGELEIN

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47


[spezial] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Der unterschätzte Standort

Die Wirtschaft im Landkreis Göppingen ist besser als ihr Ruf. Die Region beherbergt viele wachstumsstarke Firmen und

hat Potenzial. Eine Bestandsaufnahme mit Peter Saile und Gernot Imgart von der IHK-Bezirkskammer.

Die Sorge der Unternehmer in der Region

Göppingen war groß: Die Nähe zu

Stuttgart und die gute Verkehrsanbindung

über B10 und A8, so befürchteten sie,

ließen die Löhne steigen und die Mitarbeiter

abwandern. Ohnehin hatte der Landkreis

Göppingen den Ruf weg, nur die verlängerte

Werkbank der Region Stuttgart zu sein. Doch

mittlerweile läuft die Entwicklung anders.

„Göppingen hat sich zu einem High-Tech-

Standort entwickelt“, sagt Peter Saile, Chef der

IHK-Bezirkskammer Göppingen. Wie er und

sein Stellvertreter Gernot Imgart im Gespräch

mit unternehmen[!] berichten, gebe es mittlerweile

etliche Firmen, deren Mitarbeiter aus

der Region Stuttgart kommen. Der Landkreis

Foto: Giacinto Carlucci

punktet mit der Nähe zu Kunden und zum

Flughafen, wenigen Staus, aber auch mit Natur,

hohem Freizeitwert und vergleichsweise

günstigen Grundstückspreisen. Zwar sind im

Rahmen des Strukturwandels seit den 1990er

Jahren viele Stellen weggefallen. Gleichzeitig

gibt es aber erfolgreiche und wachstumsstarke

Firmen, angefangen von Allgaier über Carl

Stahl, Emag, Kleemann, Schuler, Teamviewer

und Wackler bis hin zu Wala.

MIT LERNFABRIK VORREITER

Alles in allem beurteilen die beiden die Aussichten

für den Landkreis Göppingen als gut:

Die Wirtschaftsstruktur sei stabil, im Kern

immer noch stark industriell und von vielen

metallverarbeitenden Unternehmen geprägt.

Viele von diesen seien Zulieferer für Bosch

und Daimler. „Auch wenn diese Unternehmen

keine eigenen Produkte herstellen, sind

sie hochinnovativ und verfügen über großes

Know-how in Sachen Produktionsverfahren“,

erläutert Saile. Hinzu kommen die Nähe zu

den Kunden, zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen

sowie gut ausgestatteten

Berufsschulen mit Lernfabriken. „Wir hatten

im Kreis Göppingen bundesweit die erste

Lernfabrik“, sagt Saile. Diese kleinen cyberphysischen

Fabriken bilden reale Produktionsanlagen

ab und bereiten Auszubildende

auf die Anforderungen der zunehmend digitalisierten

Industrie vor.

Mit Blick auf die Weiterentwicklung des

Standortes sei eine gute Infrastruktur unerlässlich,

auch dem ÖPNV und dem angedachten

Metropolexpress komme eine Schlüsselrolle

zu. Die Anbindung an die Kernregion

Stuttgart müsse S-Bahn-ähnlich sein. Der

Druck in die Fläche werde anhalten, sagen

Saile und Imgart mit Blick auf die mangelnden

Entwicklungsmöglichkeiten von Firmen

Dr. Peter Saile (links) und Gernot Imgart freuen

sich auf den Einzug in den Neubau der IHK-Bezirkskammer

in zentraler Lage in Göppingen.

48


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[spezial]

in der Region Stuttgart. In etlichen Gewerbegebieten

im Kreis gebe es freie Grundstücke,

im Filstal entlang der B10 seien diese aber rar.

PROJEKT IN SACHEN BREITBAND

Bei der jüngsten Umfrage haben die Unternehmen

der Wirtschaftsregion Göppingen

ein ordentliches Zeugnis ausgestellt. Knapp

zwei Drittel sind nach der jüngsten Umfrage

zufrieden. Dennoch gibt es noch viel zu tun.

Schwächen sehen die befragten Firmen vor

allem im Öffentlichen Nahverkehr und in der

Breitbandversorgung.

Wie nahezu überall tun sich Betriebe auch im

Filstal schwer, qualifizierte Fach- und Führungskräfte

zu finden. Das gilt als drängendstes

und wichtigstes Thema, dicht gefolgt von

der Internetanbindung per Breitband. Bisher

verfügen allerdings sechs von zehn Unternehmen

lediglich über eine Zugangsgeschwindigkeit

von bis zu maximal 50 MB pro Sekunde.

Angesichts der anstehenden

Digitalisierung ist das ein echter Wettbewerbsnachteil.

„Manche Unternehmen behelfen

sich mit Richtfunk“, sagt Gernot Imgart,

der stellvertretende Geschäftsführer der IHK-

Bezirkskammer Göppingen. Bisher hätten die

Firmen einzeln bei den privaten Netzanbietern

wie Telekom und Unitymedia angefragt,

die im Südwesten für den Netzausbau zuständig

sind. Allein schon für das Verlegen des

Glasfaserkabels würden Beträge in der Größenordnung

von 80.000 Euro fällig. Daher hat

die IHK laut Imgart mit drei Unternehmen im

Gewerbegebiet Jebenhausen ein Projekt gestartet,

wie Firmen als Interessensgemeinschaft

auftreten und so Kosten sparen können.

Derzeit gehören die Gewerbegebiete im

ländlichen Raum zu den am schlechtesten

versorgten Gebieten im Südwesten. .

Mit einiger Arbeit ist der Umzug der IHK-Bezirkskammer

in ihren Neubau verbunden:

Das 5,6 Millionen Euro teure Projekt (inklusive

Grundstück) in Bahnhofsnähe macht die

IHK leichter erreichbar. Auf einer Fläche von

knapp 1500 Quadratmetern sind mehr und

flexibler nutzbare Räume untergebracht als

im bisherigen Domizil. Saile und Imgart setzen

künftig vermehrt auf Veranstaltungen für

Unternehmer vor Ort. Eingeweiht wird der

Bau im Juni. [!] ALEXANDER BÖGELEIN

Der kleinste von

sechs Bezirken

Die IHK Region Stuttgart ist ein wirtschaftliches

Machtzentrum, von den

sechs Bezirken ist Göppingen nach der

Zahl der Gewerbetreibenden (13640

ins gesamt, davon 3960 Firmen) der

kleinste. Die Zahl der Firmen ist zwischen

2010 und 2016 um 430 gestiegen,

die der nicht eingetragenen Gewerbetreibenden

um 670 auf 9680 gesunken.

Die Zahl der Beschäftigten beträgt

rund 76.400. Die Bruttowertschöpfung

pro Erwerbstätigem betrug 2014 knapp

57.000 Euro, im Bundesdurchschnitt

waren es 61.400 Euro.

AMB

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49


Foto: Hoezo-Kado V.O.F.

Ein seltener Anblick: Ein Grauspecht bedient sich an Meisenknödeln – und lässt sich dann auch noch von dessen Hersteller Andreas Donath fotografieren.

Bei dem piept’s wohl

Andreas Donath ist ein Idealist und Überzeugungstäter. Im oberschwäbischen Weingarten stellt der Unternehmer mit

28 Mitarbeitern erfolgreich Premium-Vogelfutter her – trotz vieler Schwierigkeiten.

Andreas Donath hat nicht nur einen Vogel,

sondern mehrere. Sie flattern,

zwitschern und futtern direkt vor den

Fenstern seiner Firma im oberschwäbischen

Weingarten. Immer wieder schauen er und

seine Mitarbeiter nach, was da draußen so passiert

– nicht als Zeitvertreib, sondern aus Interesse.

Denn der eingetragene Kaufmann Andreas

Donath ist Marktführer im Segment des

Premium-Vogelfutters – Made in Germany. Er

und seine Mitarbeiter schauen, welches Futter

bei welchen Vogelarten ankommt.

„Ohne einen Schuss Idealismus wäre es nicht

möglich, die Firma zu führen“, sagt er. Die Infrastruktur

ist nicht optimal. Vor allem seit der

Bahnhof geschlossen und der firmeneigene

Gleisanschluss keinen Nutzen mehr hat. Die

deutschen Löhne sind vergleichsweise hoch.

Die meisten Konkurrenten lassen günstig in

Osteuropa produzieren. Einen über Jahre gewachsenen

Familienbetrieb, in den Millionen

investiert wurden, und treue Mitarbeiter, die

verpflanzt man nicht so einfach. Das will der

gebürtige Stuttgarter auch nicht. „Billig können

wir hier nicht, wir können nur gut“, sagt

Donath. „In unserer Nische möchten wir eine

Führungsposition haben. Marktführer im

Premium-Segment – das können wir, da kennen

wir uns aus. Und so produziert er in Weingarten,

vieles noch von Hand – mit Herzblut

und Begeisterung.

GETREIDE AUS DER REGION

Die angelieferten Rohstoffe werden im hauseigenen

Labor geprüft und Proben davon eingelagert.

Getreideflocken kommen von Mühlen

aus der Region, zum Beispiel der

Schapfen-Mühle aus Ulm. Vorgaben, Richtlinien

oder Gesetze

darüber, was in

Vogelfutter drinzustecken

hat und

was nicht, gibt es

nicht. Manche

strecken ihre Meisenknödel

mit

Sand, gerüchteweise

sogar mit

Betonpulver. Donath

hat sich seine Andreas Donath.

Firmenchef und Idealist:

hohen Qualitätsstandards

selbst auferlegt. Die Erfahrung hat

gezeigt, dass die Firma damit besser fährt. Nur

ein Beispiel: Schlechtes Fett wird schneller

ranzig. Das Mindesthaltbarkeitsdatum kann

damit nicht garantiert werden. Beschwerden

sind programmiert. „Wir verzichten lieber auf

50


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[machen]

Ob Rotkehlchen (links) oder Schwanzmeisen: Das Futter mit Getreide aus der Region scheint zu schmecken.

einen Kunden, als unser System über Bord zu

werfen“, sagt der Chef. Verständlich, denn sein

Name prangt groß auf allen Produkten.

Der Erfolg gibt Donath recht: Mit seinem Unternehmen

beliefert er Groß- und Einzelhändler.

Deutschlandweit steht sein Vogelfutter

bei Baumarkt-Riese Obi in den Regalen. Zu

den weiteren Kunden zählen Raiffeisenmärkte,

Zoohandlungen, Gartencenter und Supermärkte.

Cartoonist Uli Stein füttert seinen

Vögeln Futter der Firma Donath. Sogar „Die

Sendung mit der Maus“ war schon da. Der

neueste Clou: veganes Bio-Vogelfutter.

Einfach ist es trotzdem nicht. Es gibt weder

eine Lobby noch einen Branchenverband.

Ehemalige Kunden sind zu Konkurrenten geworden,

die Produkte dreist nachmachen.

Fällt der Winter aus, kaufen die Endverbraucher

weniger Vogelfutter. „Dem Klimawandel

können wir nicht davonlaufen“, sagt Assistent

Jan Ottenbacher. Auch von den internationalen

Rohstoffpreisen ist der Betrieb abhängig.

ÜBERZEUGUNGSARBEIT NÖTIG

Herausforderungen gab und gibt es auch da,

wo man auf den ersten Blick keine erwartet.

Stichwort Mindestlohn. „Der administrative

Aufwand, das Mindestlohngesetz in einer Firma

wie dieser zu implementieren, war

enorm“, sagt Andreas Donath. „Über Jahrzehnte

hatten wir ein Stücklohnsystem.

Durch die Umstellung von Akkordlohn auf

Stundenlohn ist die Produktivität gesunken.

Und mehr Geld haben die Leute trotzdem

nicht in der Tasche.“

Trotzdem macht er seine Arbeit gerne und

steht voller Begeisterung hinter seinem Betrieb:

„Wir machen gerne und mit Überzeugung

richtig gutes Vogelfutter“, sagt er, gibt

aber zu bedenken: „Wir haben aber auch eine

Firma, die überleben muss.“ Potenzial im

Markt ist laut Jan Ottenbacher vorhanden.

Nun gelte es nicht nur, die Marktführer-Position

zu verteidigen und die Marken-Bekanntheit

ausbauen, sondern darum, Überzeugungsarbeit

zu leisten: Wie man

Qualitäts-Unterschiede erkennt, zum Beispiel.

Oder dass die Fütterung nicht nur bei

Hersteller mit Premiumanspruch

Firmenchef Andreas Donath mit einem Großteil seiner Belegschaft.

1964 pachtete Werner Donath eine Ölmühle

in Weingarten und produzierte erstes

Vogelfutter. 1997 übernahm Andreas

Donath den Betrieb seines Vaters. 1999

wurde der Gleisanschluss der Firma

durch die Schließung des Weingartener

Bahnhofes obsolet. 2000 fand der erste

Messe-Auftritt mit der Bezeichnung

„Premium“-Vogelfutter statt. Seit 2016

Schnee und Eis sinnvoll sei. Denn gerade im

Frühjahr, wenn die Aufzucht der Bruten eine

Menge Kraft verlangt, hilft nach seinen Worten

Futter von Menschenhand. Ebenso wie es

im Oktober dabei hilft, die Energiereserven

aufzubauen und die Futterplätze rechtzeitig

vor dem Winter bekannt zu machen. Und

auch Überzeugungsarbeit auch darin, dass es

Sinn macht, hochwertiges Vogel-Futter zu

kaufen. [!]

JULIA RIZZOLO

ist das vegane Bio-Vogelfutter „EinTopf“

im Sortiment – mit Sonnenblumenöl

statt Rindertalg. Die Firma Donath erwirtschaftet

einen Jahresumsatz im mittleren

einstelligen Millionenbereich. Neben

28 festen Mitarbeitern kommen je

nach Auftragslage diverse Saisonkräfte

mit dazu. Große Teile des Personals sind

seit Jahrzenten mit dabei.

RIZ

51


[leben] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Tschüss Winter.

Hallo Frühling!

Hurra, die Welt wird wieder bunter, wärmer und

auch ein bisschen lauter. Unser Mitarbeiter Stefan

Loeffler erfuhr in unserer Umfrage von sechs

Führungskräften, weshalb sich diese mitunter tierisch

auf den Frühling freuen.

Claudia Kastner zieht es im

Frühling an die Ufer des Bodensees.

Die freiberufliche Beraterin

für Office Management ist

erste Vorsitzende des Ulmer

Forums für Unternehmerinnen

und Gründerinnen e.V.

1) Der Duft. Nach dem Winter kann man riechen, dass die Natur Kraft

getankt hat und nun in den Startlöchern steht.

2) Ich wohne in einem Vorort mit vielen Gärten, in denen hohe Bäume

stehen. Deswegen haben wir auch viele Vögel in der Nachbarschaft.

Wenn sie nach dem Winter zurückkommen, kann man den bevorstehenden

Frühling sehen und hören. Der Garten wird wieder bevölkert

und das Vogelgezwitscher verbreitet gleich frühmorgens

gute Laune. Mit den steigenden Temperaturen trifft man auch die

Nachbarn wieder mehr und das Leben verlagert sich wieder vermehrt

nach draußen.

3) Raus, bewegen, Freunde treffen und das Wissen, dass die Tage nun

wieder wärmer werden. Also, das Leben zu genießen nicht vergessen

– aber das wäre sowieso mein Rat fürs ganze Jahr.

4) Am Ufer des Bodensees oder irgendwo in den Bergen in der Sonne

sitzen.

5) Bon Voyage und bis zum nächsten Mal.

52


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[leben]

Foto: © Eric Isselée / Fotolia.com

1) Was ist für Sie Sinnbild und Inbegriff des Frühlings?

2) Auf was freuen Sie sich persönlich am meisten?

3) Was raten Sie gegen Frühjahrsmüdigkeit?

4) Wie sieht ihr perfekter Frühjahrsurlaub aus?

5) Was rufen Sie dem Winter hinterher?

1) Das Lächeln. Ich behaupte ja immer, in Ulm und Neu-Ulm ist die

Zahl lächelnder Menschen bundesweit am höchsten. Im Frühling

ist das besonders deutlich zu sehen, weil die Menschen hier gern

draußen sind.

2) Wenn die Bäume auf unserem Hochschulparkplatz austreiben und

die Erstsemester im März zum Beginn des Sommersemesters an die

Hochschule strömen. Sobald es warm genug ist, sitzen die Studierenden

wieder an der Seeterrasse über ihren Büchern und Skripten

– das ist ein schönes „Campusfeeling“.

3) Was ist Frühjahrsmüdigkeit? Im Ernst: Orchideen umtopfen - eine

Für Frühjahrsmüdigkeit hat

Dr. Julia Kormann keine Zeit.

Die Professorin für Unternehmenskommunikation

und Vizepräsidentin

der Hochschule

Neu-Ulm ist zu Beginn der warmen

Jahreszeit mit ihren Orchideen

beschäftigt.

meiner schönsten Orchideen hat diesen Winter arg gelitten. Da verfliegt

Müdigkeit gleich.

4) Ausgedehnte Spaziergänge mit meinem kleinen Hund bringen in

jeden Tag ein bisschen Urlaub. Unsere Gegend hat viele zauberhafte

Orte für erholsame Spaziergänge – hier liegt der Urlaub direkt vor

der Haustür.

5) Komm bald wieder – damit es danach wieder Frühling werden kann.

Denn ohne Winter kein Frühling.

.

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ist einfach.

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man für Investitionen einen

Finanzpartner hat, der Ideen von

Anfang an unterstützt.

„Die Kreissparkasse Biberach versteht am Besten meine Bedürfnisse und

bot deshalb das optimale strategische Finanzierungskonzept.“

Marcus Ruoff aus Riedlingen, Erfinder der Nachtwaechter Schlafweste.

Bekannt aus der erfolgreichen TV Sendung

„Die Höhle der Löwen“ bei VOX.

53


[leben] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Foto: © eyetronic / Fotolia.com

Dieter Danks überwindet seinen

inneren Schweinehund mit

Bewegung in der frischen Bergluft.

Der ehemalige technische

Leiter der Fernwärme Ulm

(FUG) ist seit 2005 erster Vorsitzender

der Neu-Ulmer Sektion

des Deutschen Alpenvereins

(DAV).

Horst Höfle genießt nach

einem langen Winter, dass das

Tageslicht wieder spürbar länger

wird. Der Obermeister der

Schreinerinnung Göppingen

hat sich mit seiner Firma auf

den Saunabau spezialisiert.

1) Das Erwachen der Natur mit den Frühlingsblühern, den Vogelstimmen

und den Düften in Wald und Flur.

2) Mein Traum ist jedes Jahr der Bergfrühling mit den letzten Skitouren

mit Sonne und idealem Firnschnee.

3) Den inneren Schweinehund überwinden und sich möglichst oft an

der frischen Luft bewegen.

4) Radeln in der Obstblüte am Bodensee, es ist jedes Jahr aufs Neue ein

Erlebnis.

5) Es war ein Winter der Extreme. Zuerst ohne Schnee zu warm, dann

mit Schnee extrem kalt, aber unwahrscheinlich sonnig! Jetzt fehlen

nur noch beste Bedingungen für Frühjahrstouren.

1) Alle Jahreszeiten sind bei uns reizvoll. Für mich sind es bekannte Sträucher

und Bäume auf meinem täglichen Weg, die mich mit ihrem frischen

Grün und fantastischen Blüten jedes Jahr aufs Neue faszinieren.

2) Dass nach der dunklen Jahreszeit das Tageslicht wieder spürbar länger ist.

3) Nicht auf den Kalender schauen und sich normal aktiv verhalten

und leben.

4) Wenn möglich, noch in der Frühlingssonne Ski fahren und dann das

Fahrrad wieder rausholen und in unserer schönen Heimat touren.

5) Mal wieder ein richtiger Winter mit klirrender Kälte und Schnee. Schön.

Foto: © motorlka / Fotolia.com

54

Monika Kaess

vertreibt mit Blumen

und Pflanzen

die winterliche Tristesse.

Die Floristin leitet mit ihrem

Mann Martin den Betrieb

„Gewächshausflorist Kaess“ in

Albershausen.

1) Hyazinthen, Orchideen, Narzissen … Überall blüht und sprießt es. Die

Natur erwacht mit bunten Farben, Blumendüften, grünen Wiesen,

mehr Sonnenschein und Vogelgezwitscher am Morgen.

2) Auf die vielen Blüten. Die Menschen brauchen ein blühendes Zuhause.

Das Frühjahr ist auch eine besonders gute Zeit für unser Geschäft.

3) Wenn man genügend Blumen und Pflanzen in der Wohnung und

auf dem Balkon hat, verschwindet die Tristesse des Winters schnell.

Die vielen Farben helfen mir dabei, die Frühjahrsmüdigkeit zu überwinden.

Ganz wichtig ist es auch, dass man sich viel an der frischen

Luft bewegt.

4) So etwas kennen wir als Gärtner nicht.

5) Tschüss Winter. Gut, dass Du nun endlich vorbei bist.

Steffen Wettengl

freut sich

schon auf die erste

Tasse Kaffee auf

der Terrasse. Der

47-Jährige ist seit 2003

Professor für Betriebswirtschaftslehre

an der

Hochschule Ulm.

1) Frühling ist, wenn unsere Zwergkaninchen an einem sonnigen

Märztag durch den Garten hoppeln.

2) Nicht unbedingt auf das Vertikutieren des Rasens und das Zurückschneiden

der Apfelbäume, eher auf eine Tasse Kaffee auf der Terrasse.

3) In puncto Frühjahrsmüdigkeit bin ich kein Experte. Ein bisschen

Sport oder Bewegung kann eigentlich nie schaden. Außerdem

darf man durchaus auch mal müde sein und eine

Pause einlegen.

4) Der perfekte Urlaub ist einer mit meiner Ehefrau und

unseren beiden Söhnen, und das nicht nur im Frühjahr.

Es ist leider nicht mehr so einfach, alle Terminpläne

unter einen Hut zu kriegen.

5) Du kannst Anfang Dezember wiederkommen,

gerne mit viel Schnee! Dann lohnen sich

die Langlaufski, die wir uns im Januar gekauft

haben.

Foto: © womue / Fotolia.com


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Doppelt Gold für Gold-Ochsen-Biere

Brauerei Gold Ochsen gewinnt Goldmedaillen für die Biere Oxx Lager

und Gold Ochsen Special bei Europas bedeutendstem Bierwettbewerb

(dpr 10.11.2016). Nürnberg/Ulm

– „So schwer wie in diesem Jahr

war es noch nie, beim European

Beer Star eine Medaille zu erringen“,

bilanziert Oliver Dawid,

Geschäftsführer der Privaten

Brauereien Bayern, die diesen

Wettbewerb seit 2004 ausrichten.

Denn mit 2.103 Bieren aus

44 Ländern verzeichnet einer

der bedeutendsten Bierwettbewerbe

der Welt einen neuen

Teilnehmerrekord. Umso bedeutsamer

ist die Auszeichnung

für die Brauerei Gold Ochsen aus

Ulm. Gleich zwei Biere der Ulmer

Traditionsbrauerei konnten

beim European Beer Star 2016

in den Kategorien European-

Style Mild Lager und European-

Style Export eine Gold-Medaille

erringen! „Das gesamte Gold

Ochsen Team ist überglücklich

über diesen Preis“, freute sich

Gold Ochsen-Geschäftsführerin

Ulrike Freund bei der Preisverleihung

am 09.11.2016 auf der

BrauBeviale in Nürnberg.

„Beim European Beer Star eine

Gold-Medaille zu erhalten ist

Ziel jedes ambitionierten Braumeisters.

Was es aber heißt,

gleich zwei Gold-Medaillen mit

nach Hause zu nehmen, sprengt

jegliche Vorstellungskraft. Offensichtlich

war die Jury beeindruckt

von unseren Bierspezialitäten,

die durch ihre schonende

Brauweise, Regionalität und

Nachhaltigkeit bestechen.“, sagt

die Brauereichefin des Ulmer

Traditionsbrauhauses.

v. l. Gerhard llgenfritz (Präsident Private Brauereien Bayern), Frank U. Schlagenhauf (Leiter für Marketing und Vertrieb), Ekkehard Freund, Ulrike Freund (Gold

Ochsen Geschäftsführerin), Stephan Verdi (Gold Ochsen Braumeister und technischer Leiter) und Detlef Projahn (Präsident Private Brauereien Deutschland)

55


[leben] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Ein vergnüglicher Gala-Abend

Sechste Auflage des Winterleuchten: 350 Gäste feiern beim Neujahrsempfang der SÜDWEST PRESSE im

festlich illuminierten Passigatti Werk III: Angeregte Gespräche, hochklassige Unterhaltung und das drittbeste

Spendenergebnis in der Geschichte der Aktion 100 000 und Ulmer helft.

Einen unterhaltsamen Abend in stilvoller

Atmosphäre haben die 350 Gäste des

„Winterleuchten“ erlebt. Der Neujahresempfang

der SÜDWEST PRESSE fand zwar

zum sechsten Mal statt, bot aber dennoch eine

Premiere. Thomas Brackvogel, der Geschäftsführer

der Neuen Pressegesellschaft hatte dieses

Mal ins Passigatti Werk III nach Neu-Ulm

eingeladen – zur ersten Großveranstaltung in

der ehemaligen Industriehalle.

In seiner Begrüßung fragte Thomas Brackvogel

nachdenklich „Was ist aus meinen USA

geworden, dem Land von Bob Dylan, John Irving,

Woodstock, der Luftbrücke?“ Das Land

habe immer etwas Bewundernswertes und

Vorbildhaftes gehabt, sagte Brackvogel mit

Blick auf die Wahl von Donald Trump zum

US-Präsidenten. Doch müsse man zur Kenntnis

nehmen, dass es eine große Zahl an Menschen

gebe, die sich von der Politik nicht

mehr vertreten fühlt und den Glauben an die

Demokratie verloren haben. Er appellierte daher

an die Gäste: „Wir dürfen nicht müde werden

für unsere Werte zu werben, sie zu erläutern

– und wenn es sein muss dafür zu

kämpfen.“.

Bevor Gastredner Michael Theurer, FDP-Europaabgeordneter,

den großen Bogen schlug, erläuterte

SWP-Chefredakteur Ulrich Becker,

wie die Redaktion mit dem Phänomen des

Postfaktischen umgeht: „In einer Zeit, in der

gefühlte Wahrheiten mehr zählten als Fakten,

komme es mehr denn je auf Aufklärung an.“

Traditionell stellt der Neujahresempfang

auch den Abschluss der Aktion 100 000 und

Ulmer helft dar. Mit einer Vielzahl von Initiativen

und Spenden von Privatleuten und Firmen

ist in diesem Jahr der stolze Betrag von

873.763 Euro zusammengekommen. Das ist

das drittbeste Ergebnis in der 46-jährigen Geschichte

der Hilfsaktion. Das Geld geht an

2000 Menschen in Not und rund 100 caritative

und soziale Einrichtungen. Für die Aktion

kann selbstverständlich das ganze Jahr gespendet

werden: Nähere Informationen unter

www.aktion100000.de [!]

AMB

NPG-Geschäftsführer Thomas

Brackvogel, OB Gunter Czisch und

SWP-Verleger Eberhard Ebner.

Fotos: Lars Schwerdtfeger und Volkmar Könneke,

Hintergrund: © Natalia Klenova / Fotolia.com

56

Wolf-Dieter Frenzel vom gleichnamigen

Fotogeschäft und seine Frau

Rita.

Catering-Chef Harald Laatsch servierte

seine Kreationen.


unternehmen [!] Ausgabe 55 | März 2017

[leben]

Er schüttelte, die Gäste genossen:

Der bliebteste Cocktail war der „Ulm

Mule“.

Alice Merton sorgte für hochklassige

Hintergrundmusik.

NPG-Verlagsleiter Andreas Simmet (li.)

im Gespräch mit dem Seniorchef des

Möbelhauses Mahler, Gerhard Mahler

und dessen Ehefrau Maria.

Verkünden das Spendenergebnis (v.

li): Aktionsleiter Karl Bacherle, OB

Gunter Czisch (Schirmherr) und SWP-

Chefredakteur Ulrich Becker.

Unternehmer Alexander Passigatti

mit Miriam Lenzen.

Der Ulmer Groß-Gastronom Ebbo

Riedmüller (li.) und Architekt Adrian

Hochstrasser.

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[namen & nachrichten] Ausgabe 55 | März 2017 unternehmen [!]

Energie-Potenzial

für ländliche

Gebiete

Eine Master-Studentin aus Ulm

zeigt, dass Entwicklung und

Nachhaltigkeit

sich

nicht ausschließen.

Im Rahmen

einer Bachelorarbeit

im

Geehrt: Valerie

Pabst von der

Hochschule Ulm.

Studiengang

Energiesysteme

erforschte

Valerie

Pabst

das Potenzial und die Ausbauperspektiven

von kleinen, auf

erneuerbaren Energien basierenden

Energieversorgungsnetzen

speziell für den ländlichen

Raum von Peru. Für ihre

Lösungsansätze zeichnete die

Carl Duisberg Gesellschaft Valerie

Pabst mit einem Preis und

1500 Euro aus.

Zimmer

Medizinsysteme

wächst rasant

Die Waldburg schließt bis 2018

Ein Jahr lang wird fast die gesamte Waldburg

für Besucher geschlossen sein. Einzig der Burgkeller

und die Hochzeitssuite bleiben geöff net.

Ein mangelhafter Brandschutz hatte diese

Maßnahme nötig gemacht. Rund 100.000 Euro

werden die Baumaßnahmen wohl kosten. Die

Die Zimmer Medizinsysteme

GmbH (Neu-Ulm) bleibt auf rasantem

Wachstumskurs. Der

Umsatz kletterte im Jahr 2016

um 18 Prozent auf 47,8 Millionen

Euro – 24,5 Millionen Euro

davon wurden in Deutschland

erwirtschaftet. Die Zahl der Mitarbeiter

stieg um 14 auf 276, die

der Lehrlinge um 2 auf 17. Angesichts

der guten Ertragslage

erhielten die Mitarbeiter eine

Dividende von mehr als 10 Prozent

auf ihre Beteiligung und

eine Erfolgsprämie.

Strassacker

streicht 120

Stellen

Die Süßener Kunstgießerei

Strassacker will bis zum Jahresende

120 von 450 Arbeitsplätzen

abbbauen. „Wir hängen an

unserer Belegschaft und haben

lange gekämpft“, sagt Geschäftsführerin

Edith Strassacker.

Das Unternehmen, das einen

hohen Lohnkosten an teil

hat, sieht sich einem grundlegenden

Wandel seiner wichtigsten

Märkte konfrontiert.

Durch alternative Bestattungsformen

und immer kleinere

oder keine Gräber sei im Bereich

Grabmalgestaltung der

Umsatz merklich gesunken.

Deshalb müsse die Kostenstruktur

angepasst werden. Teile der

Teile der Produktion sollen ins

Ausland verlagert werden.

Betriebsgesellschaft Museum auf der Waldburg

gGmbH wird zu gleichen Teilen vom Landkreis

Ravensburg, der Gemeinde Waldburg und dem

Fürstlichen Haus Waldburg-Wolfegg-Waldsee

getragen. Die jährlichen Aufwendungen belaufen

sich auf etwa 70.000 Euro.

CHG Meridian

legt zu und

erweitert

Foto: Felix Kästle

Die CHG-Meridian AG, hersteller-und

bankenunabhängiger

An bieter von IT-Leasing und

Services, hat das Neui nves titions

volu men 2016 um 9 Prozent

auf 1,155 Milliarden Euro

gesteigert. CHG ist in 23 Ländern

aktiv und weiht im Juni

am Stammsitz in Weingarten

einen Erweiterungsbau ein.

Dort arbeiten 290 der 910 Mitarbeiter.

[!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Andreas Simmet

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director),

Eva Maria Bittner (Layout)

Bozena Demski (Bild)

Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

Matthias Kessler,

Volkmar Könneke, Werkfotos,

Getty Images, PR, Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18.000 Exemplare

Nächste Ausgabe

19. Mai 2017

Die Themen

· Gepflegte Außenanlagen –

Visitenkarte für Unternehmen

· 20 Jahre Entwicklung:

Große Vielfalt im Gewerbegebiet

Ulmer Norden

· Liquidität schonen –

Maschinen und Anlagen leasen

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Anzeigenschluss

26. April 2017

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58


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