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Kritik - Forschung & Lehre

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Kritik - Forschung &

6|10 Forschung & Lehre STANDPUNKT 385 Miloš Vec ist Jurist und forscht am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main. Kritik In Paris findet Ende dieses Monats ein ungewöhnlicherStrafprozess statt. Wegen Rufschädigung verantworten muss sich ein Wissenschaftler, der als Herausgeber eine kritische Rezension nicht von der Journal- Website entfernen wollte. Ungewöhnlich ist schon dieser Verhandlungsgegenstand, aber noch erstaunlicher wirkt der Vorgang nach Lektüre des Texts, der den Anlass zum Rechtsstreit gab. Die Rezension ist unter der Menge der veröffentlichten Kritiken wenig auffällig, was Schärfe und Angriffslust anbelangt. Juristische Rezensionen des 19. Jahrhunderts hingegen verstören den heutigen Leser nachgerade durch ihre Gnadenlosigkeit. Wie die Gelehrten sich danach wohl begegnet sind? Oder war gerade die größere kommunikative und räumliche Distanz eine Voraussetzung solch verklungener Tonlagen? Im historischen Vergleich scheint die heutige Wissenschaft moderater zu kritisieren. Jedenfalls dort, wo Stellungnahmen publiziert werden und namentlich gezeichnet sind. Nicht alle Fächer haben eine Rezensionskultur, die jener der Geistes- und Sozialwissenschaften vergleichbar ist. Aber alle kennen Institutionen der Kritik, mögen sie auch oft anders heißen. Heute sind Evaluation und Begutachtung fachüber- greifend zu den unangefochtenen Instanzen eines grauen Marktes der Kritik geworden. Viel Energie und Geistestätigkeit fließen in diese bestenfalls semi-publiken Foren, deren unmittelbare Konsequenzen allen Seiten bewusst sind, Gutachtern und Begutachteten wie auch den Ringrichtern, Ausrichtern und Forschungsfinanziers. Um Fairness zu gewährleisten, herrschen hier strengere Regeln, Kritik wird zum administrativ gehegten Geschäft. Anders im klassischen Rezensionswesen, wo ethische Standards und der Benimm der Wissenschaft die Grenzen setzen. Der Ethik des Rezensierens mit ihren Distanz- und Fairnessgeboten entspricht idealerweise eine Ethik des Rezensiert-Werdens mit Duldungspflichten. Ein funktionierendes Rezensionswesen ist somit formaler Ausdruck der Selbstregulierung der Wissenschaft, und Verrechtlichung der Konflikte ist nur bei extremen Fällen angesagt. Ob diese Wissenschaft auch inhaltlich einen hohen Standard der Kritik hält, steht freilich auf einem anderen Blatt. Verclusterung und zunehmende Drittmittelfinanzierung machen öffentliche Stellungnahmen zu mehr als bloßem intellektuellem Schlagabtausch. Die Anreize zu Kartellen sind groß, die Verbreitung von Seilschaften erschreckend. Verbindet sich dies mit der Neigung, Kritik an Werk, Methoden oder Zuständen als persönlichen Angriff oder gar als „Nestbeschmutzung“ zu deuten, ist ein wesentlicher Innovationsfaktor blockiert. Die Wissenschaft verkommt zur Normalfabrik, die Zustimmung als Selbstverständlichkeit erwartet, wo es doch eigentlich der Zweifel sein sollte. Originalität und Innovation sind ohne ihn nicht zu haben. Eine Kultur der Kritik scheint zwar ein Luxus, aber „das Überflüssige ist eine sehr notwendige Sache“ (Voltaire).

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