Komm mit in das gesunde Boot - Baden-Württemberg Stiftung

gesunde.kinder.bw.de

Komm mit in das gesunde Boot - Baden-Württemberg Stiftung

Schriftenreihe der Baden-Württemberg Stiftung

Soziale Verantwortung: Nr. 59

Gesundheitsförderung im Kindergarten

Evaluation des Programms „Komm mit in das gesunde Boot

der Baden-Württemberg Stiftung in Kindergärten in Baden-Württemberg

Ein Programm der


Soziale Verantwortung

Gesundheitsförderung im Kindergarten

Impressum

Evaluation des Programms „Komm mit in das gesunde Boot

der Baden-Württemberg Stiftung in Kindergärten in Baden-Württemberg

Gesundheitsförderung im Kindergarten

Herausgeberin

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH

Im Kaisemer 1 • 70191 Stuttgart

Verantwortlich

Birgit Pfitzenmaier

Autor

Dr. Freia De Bock

Prof. Dr. Joachim E. Fischer

Mannheimer Institut für Public Health, Universität Heidelberg

Bildmaterial

Baden-Württemberg Stiftung

Mannheimer Institut für Public Health, Universität Heidelberg

Konzeption und Gestaltung

FLAD & FLAD Communication GmbH

© September 2011, Stuttgart

Schriftenreihe der Baden-Württemberg Stiftung

Soziale Verantwortung: Nr. 59

ISSN 1610-4269


Soziale Verantwortung

Grußwort der Baden-Württemberg Stiftung 6

Christoph Dahl, Geschäftsführer

Birgit Pfitzenmaier, Abteilungsleiterin Soziale Verantwortung

1. Zusammenfassung 10

2. Die Herausforderung 16

2.1 Grundlegendes zu Übergewicht und Adipositas

2.2 Bewegungsmangel

2.3 Ernährung

3. Das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ 24

3.1 Das Ernährungsmodul „lecker essen und trinken“

3.2 Das Bewegungsmodul „locker hüpfen und lustig spielen“

4. Die Evaluation 32

4.1 Warum Evaluation?

4.2 Die Methodik der Evaluation von

Komm mit in das gesunde Boot

4.3 Der partizipative Elternbaustein

4.4 Welche Kindergärten und Kinder nahmen

an der Evaluation teil?

6. Was wurde erreicht, was ist noch zu tun? 80

6.1 Kinder mit Migrationshintergrund

6.2 Unterschiede zwischen städtischen und

ländlichen Kindergärten

6.3 Sozioökonomischer Hintergrund

6.4 Geschlechterunterschiede

6.5 Einbezug der Eltern

6.6 Integration und Qualifikation der Fachkräfte

6.7 Einbau in das Curriculum der Erzieherinnen-Ausbildung

6.8 Integrierter Ansatz

6.9 Förderung der Nachhaltigkeit

6.10 Abstimmung der Interventionen

6.11 Ownership, Leadership

6.12 Verankerung in der Alltagskultur

7. Methodenanhang 92

7.1 Rekrutierung der Kindergärten und Kinder

7.2 Messausfälle

7.3 Evaluationsbausteine – Zielparameter und Modelle

7.4 Ablauf der Messungen

7.5 Evaluationszeitplan

Fußnoten 106

5. Die Ergebnisse der Evaluation 52

5.1 Die Rückmeldungen der Erzieherinnen

5.2 Die Rückmeldungen der Eltern

5.3 Die Ergebnisse der objektiven Messungen

5.4 Vergleich mit anderen Projekten

Notizen 108

Schriftenreihe der Baden-Württemberg Stiftung 110

4 5


Soziale Verantwortung

Liebe Leserin, lieber Leser,

Das „gesunde Boot“ findet spielerisch in zwei Modulen – dem Ernährungsmodul

„lecker essen & trinken“ und dem Bewegungsmodul „locker hüpfen

& lustig spielen“ – statt. Von der Baden-Württemberg Stiftung ausgebildete

Ernährungs- und Bewegungsfachkräfte unterstützen die Kindergärten dabei,

die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung zu vermitteln.

Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb engagiert sich die Baden-Württemberg

Stiftung schon seit Jahren in der Gesundheitsförderung unserer Jüngsten.

Durch sich verändernde Familienstrukturen verbringen Kinder heute viel

mehr Zeit in den Lebenswelten Kindergarten und Schule. Gesundheitsbewusstes

Verhalten im Kindesalter wird maßgeblich von diesen Lebenswelten

beeinflusst. Diese Orte für die Förderung der Gesundheit unserer Kinder zu

nutzen, ist daher eine bedeutende gesellschaftliche Aufgabe. Ausreichende

und vielseitige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind für die

gesunde körperliche und geistige Entwicklung unserer Kinder unverzichtbar.

In den Modulen wird vor allem auf das gemeinsame Erleben und Mitmachen

Wert gelegt. Um die Kinder zu begeistern, führt die Figur eines Gesundheitspiraten

die Kinder spielerisch durch das Programm.

Im Ernährungsmodul „lecker essen & trinken“, das sich über sechs Monate

erstreckt, kommt eine externe Fachkraft einmal wöchentlich für zwei Stunden

in den Kindergarten, wo sie mit den Kindern Mahlzeiten zubereitet und

verschiedene Nahrungsmittel erklärt. Die Eltern werden über einen Elternabend

und verschiedene Termine, an denen Eltern und Kinder gemeinsam

kochen und backen, mit einbezogen.

Im Bewegungsmodul „locker hüpfen & lustig spielen“ erhalten die Kinder

ebenfalls über einen Zeitraum von sechs Monaten zweimal wöchentlich eine

strukturierte Bewegungsstunde. Darüber hinaus werden dem Kindergarten

in Beratungsgesprächen Möglichkeiten aufgezeigt, den Kindergartenalltag

bewegungsfreundlicher zu gestalten. Der Auftakt-Aktionstag und

„Der bewegte Elternabend“ laden die Eltern ein, selbst aktiv zu werden und

mehr Bewegung in ihren und in den Alltag der Kinder zu bringen.

Christoph Dahl

Geschäftsführer der

Baden-Württemberg Stiftung

Birgit Pfitzenmaier

Abteilungsleiterin Soziale Verantwortung der

Baden-Württemberg Stiftung

Die Baden-Württemberg Stiftung hat deshalb im Jahr 2006 mit dem Gesundheitsförderungsprogramm

Komm mit in das gesunde Boot“ ein umfassendes

Bewegungs- und Ernährungsprojekt entwickelt und flächendeckend für ganz

Baden-Württemberg umgesetzt. Seit 2009 wird das Kindergartenprogramm

auch auf die Grundschule ausgeweitet und inhaltlich entsprechend angepasst.

Im Programm „Komm mit in das gesunde Boot – Kindergarten“ lernen Kinder,

was es heißt, gemeinsam zu speisen, einfache Gerichte selbst zuzubereiten

sowie Freude an der Bewegung und an sportlicher Aktivität in der Gruppe

zu erfahren.

Die Erzieherinnen sind während dieser Zeit dazu eingeladen, sich aktiv an

den Stunden zu beteiligen. So sollen sie von den Fachkräften zur eigenständigen

Durchführung des Programms befähigt werden. Nach Ablauf der sechs

Monate, in denen die externe Fachkraft vor Ort ist, kann das Programm dann

idealerweise durch die Erzieherinnen fortgeführt werden.

Durch die breite Förderung von gesunder Ernährung und Bewegung soll vor

allem dem zunehmenden Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kindern

entgegengewirkt werden. Das Programm „Komm mit in das gesunde Boot

wurde auf möglichst breiter wissenschaftlicher Grundlage entwickelt, jedoch

gibt es in der Förderung von Ernährung und Bewegung in Kindergärten und

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Soziale Verantwortung

deren Effektivität bisher nur wenig gesichertes Wissen. Es existieren zahlreiche

Programme, die zur Bekämpfung der „Übergewichtsepidemie“ entwickelt

wurden, ob die Kinder und Familien davon aber wirklich profitieren,

muss jeweils durch eine begleitende Evaluation untersucht werden.

Die Baden-Württemberg Stiftung hat sich bewusst dafür entschieden, das

Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ einer solchen wissenschaftlichen

Prüfung zu unterziehen. Jede Evaluation dient letztlich dazu, eine Verbesserung

der Programme durch gesichertes Wissen über die Effektivität

der durchgeführten Maßnahmen zu erzielen.

Die vorliegende Broschüre bietet einen umfassenden Überblick über die Ergebnisse

der Evaluation des Programms „Komm mit in das gesunde Boot

Kindergarten“. Unser besonderer Dank gilt daher Professor Dr. med. Joachim

E. Fischer und seinem Team vom Mannheimer Institut für Public Health für

die Durchführung der wissenschaftlichen Untersuchung des Kindergartenprogramms

und der fundierten Aufarbeitung der Evaluationsergebnisse.

Unser Dank gilt auch dem Forschungszentrum für den Schulsport und den

Sport von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe sowie der Deutschen Gesellschaft

für Ernährung für die umfangreiche und kompetente Unterstützung

bei der Entwicklung der Konzeption der Kindergartenmodule. Wir möchten

auch dem Team um Professor Dr. Jürgen M. Steinacker vom Universitätsklinikum

Ulm herzlich für die Umsetzung und die wissenschaftliche Begleitung

des Programms „Komm mit in das gesunde Boot – Grundschule“ danken.

Nicht zuletzt geht der Dank und die Anerkennung der Baden-Württemberg

Stiftung an die zahlreichen Fachkräfte und Erzieherinnen, aber auch die

vielen Kinder, die mit ihrem Engagement und ihrer Begeisterung das Programm

Komm mit in das gesunde Boot“ lebendig werden lassen.

Christoph Dahl

Birgit Pfitzenmaier

8 9


Soziale Verantwortung

1. Zusammenfassung

Mangelnde Bewegung und Überernährung kennzeichnen den Alltag einer

zunehmenden Zahl von Kindern im Kindergartenalter. Da Kinder aber die für

ihre Gesundheit wichtigen Verhaltensweisen dort lernen, wo sie ihren Alltag

verbringen und gestalten, haben Kindertagesstätten für die Förderung der

kindlichen Gesundheit eine herausragende Bedeutung.

Verschiedene Programme versuchen, dem Bewegungsmangel und der ungünstigen

Ernährung vieler Kinder bereits im Kindergartenalter entgegenzuwirken.

Im Einklang mit dem Bildungsplan Baden-Württemberg hat die

Baden-Württemberg Stiftung ein Programm entwickelt, das unter dem Titel

Komm mit in das gesunde Boot“ sowohl in Kindergärten als auch in Schulen

einen Beitrag zur nachhaltigen Förderung gesünderer Ernährung und mehr

Bewegung im Alltag leisten soll.

Die Programme für Kindertagesstätten und für Grundschulen sind unterschiedlich

angelegt. Die Baden-Württemberg Stiftung griff bei der Entwicklung

der Programme die Erkenntnis auf, dass nur längerfristig angelegte

Maßnahmen eine Chance haben, nachhaltig das Verhalten von Kindern zu

verändern. Das Ziel des Kindergartenprogramms ist, den Anteil übergewichtiger

Kinder bei Schuleintritt durch ausgewogene Ernährung und Bewegung

zu vermindern. Kindergärten aus Baden-Württemberg konnten sich

wahlweise für das Ernährungs- oder Bewegungsprogramm bewerben. Jährlich

nehmen jeweils 100–200 Kindergärten am Ernährungs- oder Bewegungsprogramm

teil.

Die Ergebnisse –

eine kleine

Zusammenfassung

Das Ernährungsmodul hat zum Ziel, die Handlungskompetenz der Kinder

rund um das Essen und Trinken zu erhöhen. Eine externe, von der Baden-

Württemberg Stiftung ausgebildete Fachkraft führt die zehn Bausteine des

Moduls von je zwei Stunden Dauer für die Kinder durch und moderiert weitere

fünf Bausteine für Eltern und Kinder im Kindergarten. Die Bausteine des Ernährungsmoduls

erstrecken sich über 20 Wochen und sind als aufeinander abgestimmte

Einheiten konzipiert. Sie führen teils neue Themen wie etwa das

Kennenlernen von Obst und Gemüse ein, es gibt jedoch auch Wiederholungsmodule.

Lernen durch Vorleben und Erleben steht dabei im Mittelpunkt.

11


Soziale Verantwortung

Das Bewegungsmodul erstreckt sich ebenfalls über eine Dauer von 20 Wochen.

Ziel des Bewegungsmoduls ist, die kindliche Freude an Bewegung und sportlicher

Aktivität zu stärken und die koordinativen und konditionellen Fähigkeiten

der Kinder zu verbessern. Auch dieses Modul wird durch eine externe,

geschulte Bewegungsfachkraft durchgeführt, die zweimal wöchentlich eine

Bewegungsstunde im Kindergarten sowie einen Auftakt-Aktionstag und

einen „bewegten Elternabend“ abhält.

Die Evaluation war so angelegt,

dass die teilnehmenden Kindertagesstätten

den Programmen nach

dem Zufallsprinzip zugeteilt wurden

und auf diese Weise systematische

Verzerrungen der Ergebnisse

etwa durch Unterschiede im Alter

und Geschlecht, Unterschiede durch

städtisches oder ländliches Umfeld

oder Unterschiede durch Jahreszeiten

vermieden wurden.

Abbildung 1: Kinder mit Actihearts

Die Literatur zu Verhaltensänderungen in Lebenswelten legt nahe, dass

Verhaltensänderungen besonders dann nachhaltig verankert werden können,

wenn das Umfeld der Kinder aktiv miteinbezogen wird. Daher wurde

innerhalb des Bewegungsmoduls eine Erweiterung entwickelt, die gezielt

um die aktive Teilnahme der Eltern wirbt. Dieser partizipative Elternbaustein

erweiterte das Bewegungsmodul mit dem Ziel, die aufgegriffene Freude

an Bewegung und körperlicher Aktivitäten in diesem Modul weit in den

Alltag der Kinder und Familien zu überführen.

Nie zuvor ist in Deutschland ein Bewegungs- und Ernährungsinterventionsprogramm

so sorgfältig auf seine Wirksamkeit untersucht worden wie das

Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ der Baden-Württemberg

Stiftung. Die Evaluation ging in Umfang und Intensität weit über bisherige

Versuche, Nachhaltigkeit von Bewegungs- oder Ernährungsprogrammen

zu dokumentieren, hinaus. Neben einer qualitativen Untersuchung durch die

Befragung von Erzieherinnen wurden die Eltern zu drei Messzeitpunkten,

nämlich vor Programmbeginn, bei Programmende und sechs Monate nach

Programmende, zu mehr als 100 Punkten befragt. Ferner wurden zu allen

drei Messzeitpunkten an insgesamt 1030 Kindern in 52 Kindergärten objektive

Messungen der Bewegung und der Körpermaße durchgeführt. Für

die Bewegungsmessung trugen die Kinder jeweils über mehrere Tage ein

Messgerät, das Herzschlag und Bewegungsaktivität aufzeichnete und so

ermöglichte, objektiv das Ausmaß und die Intensität der Bewegung sowohl

im Kindergarten als auch zu Hause zu dokumentieren (Abb. 1).

Das Ernährungsmodul zeigte gegenüber der Kontrollgruppe folgende

Veränderungen:

Die Angaben aus dem Elternfragebogen legen nahe, dass der Konsum von

Obst, Gemüse und gesunden Lebensmitteln sich nach der Intervention verbesserte.

Dies steht im Einklang mit dem, was das Personal der Kindergärten

in Befragungen berichtete, die ebenfalls Teil der Evaluation waren. Bei den

Körpermaßen, namentlich dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Taillen-

Größen-Verhältnis, ließen sich in der Zeitdauer der Untersuchungen indes

keine statistisch gesicherten Veränderungen beobachten – je nach gewählter

Analysemethode wies allenfalls die Körperzusammensetzung (prozentualer

Körperfettgehalt) eine geringe, aber nicht statistisch gesicherte Verbesserung

auf.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass das Ernährungsmodul möglicherweise

die Einstellung zur Ernährung und das Essverhalten günstig

beeinflussen kann, dass dies jedoch nicht ausreicht, um nachhaltige Veränderung

von Körpermesswerten innerhalb von zwölf Monaten zu erreichen.

Dies steht im Einklang mit den in der wissenschaftlichen Literatur beschriebenen

Ergebnissen zu vergleichbaren Interventionen.

Das Standard-Bewegungsprogramm führte nach Aussagen der Eltern zu

mehr körperlicher Aktivität der Kinder und weniger, vor dem Fernseher verbrachter

Zeit. Bei den objektiven Messungen ließ sich eine Änderung des

12 13


Soziale Verantwortung

vention sogar mehr Zeit draußen als Kinder ohne Migrationshintergrund.

Bewegungsverhaltens allerdings nicht beobachten. Bei der um den partizipativen

Elternbaustein erweiterten Bewegungsintervention beobachteten

die Eltern ebenfalls mehr körperliche Aktivität und weniger, vor dem Fernseher

verbrachte Zeit. Dies ließ sich auch bei der objektiven Messung des

Bewegungsverhaltens nachverfolgen, bei der sich in der „angereicherten“

Bewegungsintervention insbesondere eine Zunahme der mittleren körperlichen

Aktivität und eine Abnahme der im Sitzen verbrachten Zeit zeigte

(Abb. 2). Bei beiden Programmen nahm bei fast gleichbleibendem BMI das

prozentuale Körperfett der Kinder ab. Dieser Effekt blieb auch nach Ende

des Programms erhalten.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die zukünftige Gestaltung von Kindertagesstätten

sowie eine Weiterentwicklung des Programms „Komm mit in

das gesunde Boot“ für Kindergärten? Die durch externe Fachkräfte abgehaltenen

Unterrichtseinheiten in der Kindertagesstätte konnten sowohl im

Ernährungs- als auch Bewegungsmodul noch keine nachhaltige und konsistente

Veränderung der objektiv messbaren Werte erreichen. Insbesondere

konnten Kinder mit Migrationshintergrund nicht von dem Programm in

gleicher Weise profitieren wie Kinder ohne Migrationshintergrund. Stärkere

Effekte zeigten sich überall dort, wo Kindergärten aktiv das Ergänzungsmodul

der Elternpartizipation aufnahmen und umsetzten (siehe Abb. 2).

Hier gab es keinen Unterschied des Interventionserfolges bezüglich des

Migrationshintergrundes. Die zukünftige Weiterentwicklung des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ sollte daher darauf abzielen, die Ernährungs-

und Bewegungselemente stärker in den Alltag der Kindertagesstätten

zu verankern und die Einbindung der Eltern zu intensivieren. Dies ist

dann am ehesten möglich, wenn die Leiterinnen und Mitarbeiterinnen der

Kindertagesstätten selbst befähigt werden, die Ernährungs- und Bewegungsmodule

im Kindergartenalltag umzusetzen und ihre Rolle als Brücke zu den

Familien nutzen zu können, um die Eltern „mit in das gesunde Boot zu nehmen“.

Besonders wertvoll scheint eine solche Ergänzung des Programms

im Hinblick auf Chancengleichheit zwischen Kindern mit Migrationshintergrund

und Kindern ohne Migrationshintergrund zu sein.

Abbildung 2: Vergleich der Entwicklung der täglich im Sitzen verbrachten Zeit im Studienarm mit

Standard-Bewegungsmodul und im Arm mit dem zusätzlichen partizipativen Elternbaustein.

(grün = Bewegungsprogramm plus Elternbaustein; blau = nur Bewegungsprogramm)

Bedeutsam waren die Unterschiede bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

So zeigte sich beim Bewegungs- und beim Ernährungmodul,

dass sich bei Kindern mit Migrationshintergrund bereits vor der Intervention

bestehende Unterschiede im Body-Mass-Index und beim Körperfett

zulasten der Kinder mit Migrationshintergrund vergrößerten. Dies gilt auch

für die täglich in hoher Aktivität verbrachte Zeit im Bewegungsmodul. Dieser

Zusammenhang war im Studienarm mit Elternbaustein nicht nachweisbar,

hier verbrachten die Kinder mit Migrationshintergrund nach Ende der Inter-

Die Evaluation zeigt, dass eine bessere Wahrnehmung der Gesundheitsbedürfnisse

der Kinder durch alle Programmbestandteile angestoßen werden

konnte, die Übersetzung von Bewusstseinsveränderung in nachhaltige Verhaltensänderung

jedoch einer Verankerung im Alltag der Kindergärten und

des elterlichen Umfelds bedarf, die durch externe Fachkräfte alleine im Rahmen

der zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht zu leisten ist. Im Sinne

des Bildungsplans Baden-Württemberg sollten daher dringend die Prioritäten

der Ausbildung und der Curricula für die Kindergärten dahingehend

überarbeitet werden, dass ein höheres Gewicht auf die Vermittlung von

Kompetenzen zu Bewegung und Ernährung gelegt wird.

14 15


Soziale Verantwortung

2. Die Herausforderung

Kinder erlernen die für ihre Gesundheit wichtigen Verhaltensweisen dort,

wo sie ihren Alltag verbringen und gestalten. Daher sind gerade Kindergarten

und Schule wichtige Orte, in denen die Gesundheit von Kindern

gefördert werden kann.

Eine der entscheidenden Aufgaben

ist dabei die Förderung von Bewegung

und gesunder Ernährung. Dies

ergibt sich aus der in den letzten

20 Jahren stark angestiegenen Zahl

kindlichen Übergewichts und den

zunehmenden motorischen Defiziten

bei Kindern.

Anliegen der Baden-Württemberg

Stiftung ist es daher, bestehende

Programme zur Verbesserung von

Abbildung 3: Poster zur Ankündigung des Messtermins

Bewegung- und Ernährungsverhalten

in Kindergärten in Baden-

Württemberg zu implementieren und wissenschaftlich auszuwerten, um

die Programme nach Maßgabe des Stands der wissenschaftlichen Forschung

weiterentwickeln zu können.

Warum fördern wir

gesunde Ernährung und

Bewegung im Kindergarten?

2.1 Grundlegendes zu Übergewicht

und Adipositas

Liegt ein Kind mit dem Gewicht oder dem Body-Mass-Index (BMI) für sein

Alter und Geschlecht oberhalb der 90 %-Perzentilenkurve, so gilt es als übergewichtig

(ganz grob liegt sein Körpergewicht dann etwa ein Fünftel über

dem „Mittelgewicht“ seiner gleichgeschlechtlichen Altersgenossen). Viele

dieser Kinder haben langfristig mit Gesundheitsproblemen zu rechnen. Bei

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Soziale Verantwortung

Überschreiten der 97. Perzentilenkurve spricht man von Adipositas (auch als

Fettleibigkeit bezeichnet). Die meisten adipösen Kinder haben ein noch deutlicher

erhöhtes Risiko, während ihrer

Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter

gesundheitliche Probleme

zu entwickeln.

Abbildung 4: Markierung der Wade zur

Hautfaltenmessung

Die Häufigkeit von Übergewicht

und Adipositas ist in Deutschland,

wie in den anderen Industrieländern

auch, seit etwa 1980 angestiegen.

Heute sind in Deutschland

etwa 15 % der Schulkinder übergewichtig,

6 % sind adipös 1 .

Übergewicht entsteht, wenn über längere Zeit mehr Kalorien mit der Nahrung

zugeführt werden, als durch den Grundumsatz und körperliche Aktivität

verbrannt werden. Übergewicht ist deshalb immer die Folge einer relativ

zu hohen Kalorienzufuhr und/oder zu geringer körperlicher Aktivität, also

ein Ungleichgewicht von Energieaufnahme und Energieverbrauch.

Die Balance zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch ist von Natur aus fein

austariert. Untersuchungen an Kindern zeigen, dass 125 kcal Überschuss

pro Tag (etwa 2 % der zugeführten Kalorien bzw. 15 Minuten Fernsehen statt

Bewegung) zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen 2 .

Weil die Kinder ihren Körper weniger belasten, sind sie auch insgesamt

weniger fit 4 . Das lässt sich mit Zahlen belegen: Zehnjährige Jungs, die 1970

im Schnitt bei einem Sechs-Minuten-Sprint noch 1.150 Meter weit kamen,

schaffen es heute nicht einmal mehr zur 900-Meter-Marke. Eine Übersichtsarbeit

kommt zu demselben Schluss 5 : Nach neueren Untersuchungen beginnt

der Bewegungsmangel schon sehr früh im Kleinkindalter 6 .

2.2.1 Grundbaustein der Entwicklung

Bewegung ist weit mehr als ein Mittel, um schlank und gesund zu bleiben.

Bewegung ist vielmehr ein Grundbaustein der kindlichen Entwicklung. Denn

Kinder brauchen Bewegung zum einen, um ihre überschüssige Energie loszuwerden

– um sich „auszutoben“. So schlafen Kinder eindeutig besser, wenn

sie sich tagsüber im Spiel anstrengen dürfen. Sie sind zudem emotional ausgeglichener.

Aber Bewegung ist auch die Eintrittskarte in eine spannende Erfahrungswelt,

die Eintrittskarte in neue Lernräume – indem Kinder ihre Umgebung mit

ihrem Körper erforschen, lernen sie sich auch selbst kennen. Diese Selbstwahrnehmung

ist nach Ansicht der heutigen Hirnforschung eine wichtige

Voraussetzung, um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Es ist also nicht nur der Körper, der durch mangelnde Belastung unbeweglich

wird, sondern auch das Gehirn, oder anders gesagt: Durch Bewegung

wachsen Körper und Seele zusammen. Kein Wunder also, wenn Lehrer berichten,

dass die Entwicklung von Lern- und Konzentrationsfähigkeit von einem

ausreichenden körperlichen Auslauf und regelmäßiger körperlicher „Entladung“

abhängt. Wer Kindern Belastung und Auslauf vorenthält, nimmt

also nicht nur ihrem Körper, sondern auch ihrer Seele den Schwung.

2.2 Bewegungsmangel

Sicher ist: Kinder bewegen sich heute weniger als früher. Dies scheint vor

allem durch einen Mangel an Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder in

unserer modernen Gesellschaft bedingt zu sein 3 .

Noch ein Weiteres kommt dazu: Für Kinder ist Bewegung Teil des Spiels,

und das Spielen ist häufig eine Gemeinschaftserfahrung. Durch das gemeinsame

Erforschen der Umgebung wachsen Kinder deshalb auch in die

Gruppe hinein, übernehmen Aufgaben und Rollen – kurz: Sie werden sozial

kompetent.

18 19


Soziale Verantwortung

tergrund mehr beeinflusst durch die veränderte „Ernährungsumgebung“

von heute als Kinder aus ressourcenreichen Umfeldern.

Bei so vielem, was für Bewegung spricht, überrascht eines nicht: Kinder

WOLLEN sich bewegen! Sie sind von Natur aus dazu motiviert. Tatsächlich

ist der Spiel- und Erforschertrieb der stärkste Antrieb für Bewegung. Dieser

kindliche Bewegungsdrang ist so stark, dass er erst erlischt, wenn Kinder

richtig krank oder erschöpft sind. Der Grund: Der Spieltrieb ist die Voraussetzung

dafür, dass Kinder LERNEN – dass sie Kompetenzen erwerben und

ihre Entwicklung altersgerecht abläuft.

Das beginnt schon im Säuglings- und Kleinkindalter. Kinder, die nicht gestillt

werden, haben ein erhöhtes Risiko, später übergewichtig zu seininsbesondere

dann, wenn früh mit der Beifütterung begonnen wird 7, 8 . Auch eine

ungünstige Wahl der Säuglings- und Kleinkindgetränke (zu süß, zu eiweißund

kalorienreich 9 ) oder die auch im Kleinkindalter fortgesetzte Ernährung

mit der Babyflasche sind bekannte Risikofaktoren 10 . Tatsächlich zeigen

Erhebungen aus den USA, dass Übergewicht sehr häufig schon im Säuglingsund

Kleinkindalter beginnt 11 .

2.2.2 Hindernisse im modernen Alltag

Alles spricht also dafür, dass sich Kinder gerne bewegen. Warum bewegen sich

Kinder heute so wenig? Die Forschungsergebnisse der letzten Untersuchung

weisen darauf hin, dass die abnehmende Bewegung bei Kindern vor allem ein

Spiegel des sozialen Wandels ist, der mit einer deutlich veränderten Bewegungsumgebung

einhergeht. Die Straßen, auf denen früher gespielt wurde,

sind heute meistens zu gefährlich, die unbebauten Flächen und Grundstücke

sind „saniert“. Kinder, mit denen man spielen könnte, sind weniger geworden –

und sie wohnen oft ein ganzes Stück weg. Viele Wege werden den Kindern

heute abgenommen, auch weil sie zu gefährlich sind. Und die großen Bewegungskonkurrenten

wie Computer und Fernseher nehmen im Leben von Kindern

(wie natürlich auch Erwachsenen) immer mehr Platz ein. Die meisten

dieser Faktoren sind in den ressourcenschwachen Schichten besonders ausgeprägt.

Tatsächlich betreffen zumindest die stärkeren Formen des Übergewichts

(Adipositas) in erster Linie eine Risikogruppe von Kindern aus ressourcenschwachen

Familien oder aus Einwandererfamilien.

2.3 Ernährung

Auch bei der Ernährung unserer Kinder hat sich der soziokulturelle Wandel

der letzten 20 Jahre ausgewirkt. Und: Wie auch beim Übergewicht, sind

Kinder aus ressourcenschwachen Familien oder Kinder mit Migrationshin-

Aber auch der weitere Lebensweg findet oft in einem „adipogenen“ Umfeld

statt. Kinder und Jugendliche verzehren insgesamt wenig pflanzliche

Lebensmittel wie Gemüse und Obst. Nur 33 % der sechs- bis elfjährigen Mädchen

und 27 % der Jungen erreichen die Verzehrsempfehlungen für Obst

und Gemüse 12 . Die Ergebnisse von EsKiMo, einer repräsentativen Studie zur

Ernährung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 12 belegen, dass

außerdem zu viele fettreiche, tierische Lebensmittel (Fleisch und Wurst) und

deutlich zu viele Süßigkeiten gegessen werden. Obwohl in Ernährungsempfehlungen

die letzteren nur etwa 10 % der täglich aufgenommenen Gesamtenergie

ausmachen sollten, liegen viele Kinder bis um das Dreifache darüber.

Als gesichert gilt zudem, dass bei älteren Kindern und Jugendlichen der Anteil

von gesüßten Getränken wie Limonaden, die eine erhebliche Kalorienzufuhr

darstellen, zu hoch ist.

Ungünstige Einflüsse gehen auch von der in den letzten Jahren zu verzeichnenden

starken Zunahme der kommerziellen Portionsgrößen sowie der heute

weitaus höheren Kaloriendichte der industriell fertig zubereiteten Nahrung

aus – die heute einen immer größeren Teil der Kinderernährung ausmacht.

Über die Hälfte der Kleinkinder nehmen regelmäßig zu süße „Kindernahrung“

(dazu gehören auch speziell für Kinder beworbene „Kinderprodukte“) zu sich.

Diese Risikofaktoren für ungünstige Ernährung lassen sich auf verschiedenen

Ebenen beeinflussen. Die Eltern spielen dabei insbesondere im Säuglings-

und Kleinkindalter eine erhebliche Rolle – am Lebensanfang bilden

20 21


Soziale Verantwortung

insbesondere Mutter und Kind eine Art „Ernährungseinheit“. Ernährungsgewohnheiten

lassen sich nur in diesem gemeinsamen Gewohnheitsrahmen

verschieben 13 .

Im späten Kleinkindalter wird das soziale Lernen im Kindergarten als prägender

Faktor für die Ernährungsgewohnheiten wichtig. Kinder orientieren

sich bei der Wahl der Nahrungsmittel jetzt stark an Vorbildern unter den

Erwachsenen und den anderen Kindern, etwa im Kindergarten.

22 23


Soziale Verantwortung

3. Das Programm

Komm mit in das gesunde Boot

Komm mit in das gesunde Boot“ ist ein durch die Baden-Württemberg

Stiftung finanziertes Programm. Das langfristige Ziel ist die Unterstützung

einer gesunden Entwicklung der Kinder und die Reduktion des Anteils

übergewichtiger Kinder bei Schuleintritt, was durch eine ausgewogene

Ernährung und Bewegung erreicht werden soll. Die Module des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ stehen im Einklang mit den Bildungs- und

Entwicklungsfeldern, die im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung

Baden-Württemberg formuliert sind (Ministerium für Kultus, Jugend und

Sport, 2006), hier vor allem in den Entwicklungsfeldern „Körper“ und „Sinne“.

Kindergärten aus Baden-Württemberg können sich für das Ernährungsund/oder

das Bewegungsmodul bewerben. Eine Fachkraft, die für das Projekt

von der Baden-Württemberg Stiftung geschult wird, übernimmt die Durchführung

der Intervention im Kindergarten vor Ort. Die Kosten für Fachkraft

und Organisation des Programms übernimmt die Baden-Württemberg

Stiftung. Jährlich nehmen ca. 100–200 Kindergärten entweder am Ernährungs-

oder Bewegungsmodul teil.

Im Folgenden werden die beiden Module des Programms kurz vorgestellt.

Was gibt’s für die Kinder

im Programm „Komm mit

in das gesunde Boot“?

3.1 Das Ernährungsmodul

„lecker essen und trinken“

Das Ernährungsmodul hat zum Ziel, die Handlungskompetenz der Kinder

rund um Essen und Trinken zu erhöhen, das kindliche Verhaltensrepertoire

zu erweitern und zu vermitteln, dass Essen und Trinken Spaß macht. Im

Modul werden diese Ziele so umgesetzt, dass die Kinder mit ihnen unbekannten

gesunden Lebensmitteln wiederholt in Kontakt gebracht werden,

und die Fachkraft den Kindern und teilweise auch den Eltern die Zubereitung

dieser Lebensmittel vermittelt. Außerdem üben die Kinder im Modul

immer wieder alltägliche Situationen, wie etwa das Helfen beim Tisch-

25


Soziale Verantwortung

abräumen oder Spülen (Abb. 5) und

Abtrocknen.

ein gesundheitsförderliches Ernährungsverhalten unterstützen. „Lernen beinhaltet

hierbei alle Vorgänge, die durch Erfahrungen entstehen und zu Verhaltensänderung

führen“ 14 . Dieses Ziel soll vorrangig durch die Erhöhung

des Konsums löslicher Faserstoffe (in Obst, Gemüse, Vollkorn, ...), die Erhöhung

des Wasserkonsums und die Verminderung des Konsums kalorienhaltiger

Getränke erreicht werden.

Das Ernährungsmodul erstreckt sich

über eine Dauer von 20 Wochen und

enthält Bausteine für Kinder und

Eltern. Das Programm wird von den

externen Fachkräften durchgeführt

und von Erzieherinnen begleitet. Das

Modul für Kinder ist in zehn Bausteine

à zwei Stunden gegliedert,

Abbildung 5: Abspülen im Kindergarten

die sich jeweils mit einem Schwerpunkt der Ernährung befassen. Diese Bausteine

umfassen folgende Themen:

- das Kennenlernen von Obst und Gemüse (Bausteine 1 und 2)

- Erzeugung von Lebensmitteln/Anbau von Pflanzen (Bausteine 3 und 4)

- Lebensmittelvielfalt im Supermarkt (Baustein 5)

- Zubereitung von Essen (Baustein 6)

- Kennenlernen von Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Essgewohnheiten

(Baustein 7)

- Zusammenhänge von Essen/Trinken und dem Körper (Baustein 8)

- die Bedeutung von Wasser für den Körper (Baustein 9)

- gemeinsames Essen und Wiederholung der vorherigen Bausteine

(Baustein 10)

Kinder sollen durch das Ernährungsmodul

lernen, sich gesünder zu ernähren.

Dies soll aber nicht durch

die direkte Wissensvermittlung

stattfinden. Den Kindern soll nicht

vorgegeben werden, was gesund

ist und was nicht. Vielmehr sollen

nach dem Konzept der partizipativen

Gesundheitserziehung Kompetenzen

vermittelt werden, Abbildung 6: Essen im Kindergarten

welche

Lernen durch Vorleben und Erleben steht im Mittelpunkt. Dies soll durch eine

speziell entwickelte „Piratenkultur“ unterstützt werden. Das Ernährungsmodul

steht unter dem Motto der „Lebensmittelpiraten“. Zwei Piratenpuppen

( jeweils ein Mädchen und ein Junge) begleiten die Kinder durch die

Module, und jede Einheit wird mit einer Piratengeschichte untermalt.

Da Eltern den größten Einfluss auf die Ernährung ihrer Kinder haben 15–18 ,

werden diese aktiv mit in das Projekt einbezogen. Hierfür wurden fünf

Elternbausteine konzipiert, welche die Kinderbausteine unterstützen bzw.

ergänzen. Diese Elternbausteine umfassen:

- Knackig und bunt – schnelle Obst- und Gemüsesnacks

(Baustein 1 mit Kindern)

- Ess- und Trinkoase 1 – Ernährung nach optimiX®* (Baustein 2)

- Väter backen mit ihren Kindern (Baustein 3 mit Kindern)

- Ess- und Trinkoase 2 – Essverhalten der Kinder (Baustein 4)

- Ess- und Trinkoase 3 – Erfahrungsaustausch unter Eltern (Baustein 5)

Durch den Einbezug der Eltern soll gewährleistet sein, dass das gesundheitsbewusste

Ernährungsverhalten über die Lebenswelt im Kindergarten hinaus,

also zu Hause, weitergelebt und unterstützt wird. Das Ernährungsmodul

soll zudem die Erzieherinnen inspirieren, Teile des Programms nach Ende

der Tätigkeit der Fachkraft in ihrem Kindergarten eigenständig fortzusetzen.

* optimiX® = Optimierte Mischkost, ein Konzept für die gesunde Ernährung von Kindern und

Jugendlichen des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund

26 27


Soziale Verantwortung

3.2 Das Bewegungsmodul

„locker hüpfen und lustig spielen“

Das Bewegungsmodul erstreckt sich über eine Dauer von 20 Wochen.

Hauptziel des Bewegungsmoduls ist es, die kindliche Freude an Bewegung

und sportlicher Aktivität aufzunehmen und zu stärken sowie dadurch die

konditionellen und koordinativen Fähigkeiten der Kinder zu verbessern.

Hauptzielgruppe der Intervention sind die Kinder, die Tageseinrichtung für

Kinder wird jedoch an zwei Terminen hinsichtlich „Bewegungsfreundlichkeit“

beraten. Mittels des Elternabends und des Auftakt-Aktionstag sollen

die Eltern dafür sensibilisiert werden, wie wichtig Bewegung für die Entwicklung

ihrer Kinder ist. Die Intervention wird durch externe, speziell geschulte

Bewegungsfachkräfte durchgeführt, die mit maximal drei Kindergruppen

à maximal 15 Kindern pro Kindergarten zweimal wöchentlich über 60 Minuten

eine Bewegungsstunde abhalten. Während der Bewegungsstunden

sind die zuständigen Erzieherinnen anwesend, um bei der Organisation

der Stunde zu helfen, vor allem aber, um zu lernen, wie das Bewegungsprogramm

durchgeführt wird, und um teilweise selbst die Bewegungsstunden

unter Anleitung durchzuführen. Wenn die Fachkraft im Kindergarten

das Programm beendet hat, soll die zuständige Erzieherin darauf

vorbereitet sein, die Bewegungsstunden selbst im Rahmen des normalen

Kindergartenalltags fortzusetzen.

Bausteine des Bewegungsmoduls

1) Erstkontakt vor Ort

Zu diesem Termin wird vor allem die Organisation der folgenden Bewegungsstunden

besprochen sowie eine sogenannte Ist-Analyse durchgeführt.

Bei der Ist-Analyse geht es darum, welche Bewegungsrituale, -möglichkeiten

und -angebote sowie Personalfortbildungen zu „Bewegung“

es vor der Intervention im Kindergarten schon gibt.

2) Beginn der Bewegungsstunden und anfänglicher bzw. abschließender

Piraten-Fitnesstest

Über einen Zeitraum von 20 Wochen führt die Bewegungsfachkraft zwei

Bewegungsstunden wöchentlich (2 x 60 Minuten) durch. Dabei werden

die Bewegungsstunden – analog zu den Ernährungsstunden im Ernährungsmodul

in Form einer durchgängigen Piratengeschichte umgesetzt.

Dazu wird mit den teilnehmenden Kindern (ab vier Jahren) ein Piratentanz

einstudiert. Die Piratengeschichte enthält als Stundenthemen beispielsweise

die Vorbereitung des Schiffs, eine Reise mit vielen Landgängen,

Aktivitäten an Bord und die Rückkehr in den Heimathafen. Für eine genauere

Beschreibung der Stundenabläufe verweisen wir auf das Arbeitshandbuch

zum Bewegungsmodul, das Sie bei Interesse an der Tätigkeit einer

Bewegungsfachkraft bei der Baden-Württemberg Stiftung anfragen

können und das alle Bewegungsstunden von 1 „ Komm mit auf das Piratenboot

– die Mannschaft lernt sich kennen“ bis 40 „Eine Ball-WM als

Abschiedsfest“ enthält. Alle verwendeten Materialien sind Alltagsmaterialien

und einfach zu beschaffen. Die Stunden beginnen mit einem Aufwärmspiel,

gehen in einen Hauptteil über und klingen entspannend aus.

Dieser Ablauf und die Dauer von 60 Minuten sind Qualitätskriterien gemäß

den sportwissenschaftlichen Vorgaben, die von der Baden-Württemberg

Stiftung formuliert wurden und von den Bewegungsfachkräften eingehalten

werden sollen. Zu Beginn wie auch zum Schluss des 20-Wochen-

Zeitraums (in Bewegungsstunde 3 und 38) führt die Bewegungsfachkraft

einen Piraten-Fitnesstest durch, der die Kinder vor allem motivieren

soll, und mit dessen Hilfe die Eltern eine kleine Rückmeldung über

ihr Kind bekommen. Angelehnt an sportmotorische Tests werden vor

allem die koordinativen Fähigkeiten der Kinder getestet. Die Testaufgaben

umfassen daher beispielsweise, wie gut die Kinder auf einem Bein stehen,

rückwärts auf einer Langbank balancieren und wie häufig sie seitlich hin

und her springen können. Weiter wird überprüft, wie weit die Kinder sich

mit ihrem Rumpf vornüber beugen,wie weit sie aus dem Stand springen,

und wie viele Liegestütze sie in 40 Sekunden durchführen können. Die

Ergebnisse des Piraten-Fitnesstests werden jedoch nicht standardisiert

erhoben und sind somit für eine Ergebnisevaluation des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ nicht geeignet.

3) Eingangsberatung

Das Ziel der Beratung durch die Bewegungsfachkraft ist, dass der Kindergarten

bewegungsfreundlicher wird. Im Gespräch mit den Erzieherinnen

greift die Bewegungsfachkraft damit im Sinne eines Moderators die Wünsche

28 29


Soziale Verantwortung

des Teams auf und stößt Veränderungsprozesse an. Diese beinhalten

beispielsweise eine bewegungsfreundliche Umgestaltung des Außengeländes

oder von Räumen, um mehr Platz für Bewegung im Kindergarten

zu schaffen etc.

4) Auftakt-Aktionstag

Der Auftakt-Aktionstag soll alle Eltern des Kindergartens über das Förderprogramm

Komm mit in das gesunde Bootinformieren und die Freude

am gemeinsamen Aktivsein von Eltern, Kindern und Erzieherteam fördern.

Nach einer Piratenrallye in verschiedenen Gruppen wird der Auftakt-

Aktionstag mit einem gemeinsamen Familienpicknick abgerundet.

5) Der bewegte Elternabend

Im Verlauf des Elternabends werden den Eltern die Vielfalt der kindlichen

Bewegung und die Notwendigkeit von Bewegung für die kindliche Entwicklung

bewusst gemacht, sowie ihre eigene Vorbildfunktion thematisiert.

Der Elternabend wird von der Bewegungsfachkraft durchgeführt,

eingeladen dazu sind alle Eltern der Kindergärten, nicht nur die Eltern der

am Programm teilnehmenden Kinder. Mittels mehrerer kleiner Spiele, die

auch zu Hause durchgeführt werden können, soll bei den Eltern selbst die

Freude an gemeinsamer Aktivität, Bewegung und Spiel geweckt werden.

Abbildung 7: Kindergartenstimmung

6) Abschlussberatung

Hier haben die Erzieherinnen Raum für ein Feedback zum Programm und

zur Bewegungsfachkraft. Die Bewegungsfachkraft selbst stellt die durch

das Eingangsgespräch erzielten Veränderungen für mehr Bewegung im

Kindergartenalltag dar und gibt einen Ausblick zur dauerhaften Verankerung

von Bewegung im Kindergarten, beispielsweise durch Kooperationen

mit Sportvereinen oder eine Bewerbung für das Zertifikat „Bewegungskindergarten“.

30 31


Soziale Verantwortung

4. Die Evaluation

4.1 Warum Evaluation?

Welche Methoden oder Maßnahmen am besten geeignet sind, um Kindergartenkinder

nachhaltig zu einem gesünderen Verhalten zu motivieren, weiß

auch die Forschung nicht bis ins

letzte Detail. Zwar sind einzelne

Elemente bekannt, die allen Kindern

helfen, sich mehr zu bewegen und

ein vielfältiges, also nicht einseitiges

Nahrungsangebot zu nutzen – aber

bekannt ist auch, dass diese Elemente

möglicherweise in sehr unterschiedlichem

Maße wirken und dass

diese Elemente stets auch verbessert

werden können. Jedes Projekt ist

damit eine Chance, die Gesundheitsförderung

an Kindergärten zu

verbessern und noch stärker auf die

Abbildung 8: Blutdruckmessung

Bedürfnisse und Motivation der

Kinder zuzuschneiden, es ist sozusagen ein „lernendes System“. Dieses Potenzial

wird durch eine methodisch hochwertige Evaluation optimal genutzt.

Wie wir die

Veränderungen

darstellen können ...

4.2 Die Methodik der Evaluation von

Komm mit in das gesunde Boot

Das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ besteht aus zwei Modulen,

die beide unterschiedliche Ziele haben. Daher teilt sich die Evaluation in

zwei getrennte Analysen auf, nämlich in die Analyse der Effekte des Ernährungsmoduls

und in diejenige der Effekte des Bewegungsmoduls.

33


Soziale Verantwortung

4.2.1 Fragestellungen

Das Ernährungsmodul hat zum Ziel, die Handlungskompetenz der Kinder

rund um Essen und Trinken zu erhöhen, das kindliche Verhaltensrepertoire

zu erweitern und zu vermitteln, dass Essen und Trinken Spaß machen. Im

Modul werden diese Ziele so umgesetzt, dass die Kinder mit neuen, gesunden

Lebensmitteln wiederholt vertraut gemacht werden, und die Fachkraft

den Kindern und teilweise auch den Eltern die Zubereitung dieser Lebensmittel

vermittelt. Außerdem kommen im Modul immer wieder alltägliche

Situationen zum Zuge, wie etwa Tisch abräumen, spülen und abtrocknen.

Daraus resultieren für die Evaluation des Ernährungsmoduls folgende

Fragestellungen:

1. Verändert sich durch das Ernährungsmodul des Programms „Komm mit

in das gesunde Boot“ der kindliche Konsum von Obst und Gemüse, Wasser

und gesunder Indikator-Lebensmittel?

Daraus resultieren für die Evaluation des Bewegungsmoduls folgende

Fragestellungen:

1. Verändert das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ die Einschätzung

der kindlichen Bewegung durch die Eltern?

2. Ändert sich durch das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ die

objektiv gemessene Bewegung der Kinder? Die objektive Bewegung wird

eingeteilt in 1) im Sitzen verbrachte Zeit; 2) in hoher Aktivität verbrachte

Zeit; 3) mittlere tägliche Aktivität.

3. Ändern sich durch das Programm die Körpermaße der Kinder?

Um diese Fragestellungen beantworten zu können, sind komplexe Berechnungen,

Modelle und Variablendefinitionen vonnöten, deren Beschreibung

den Umfang dieses vorliegenden Berichts sprengt, jedoch beim Mannheimer

Institut für Public Health (MIPH) erfragbar ist. Eine kurze Darstellung der

erhobenen Parameter ist in Abb. 9 gegeben.

Primäre Zielparameter

Parameter

Wie erhoben?

Operationalisierung

2. Konsumieren die Kinder nach dem Programm „Komm mit in das gesunde

Boot“ weniger gesüßte Getränke?

Bewegung

Ernährungsverhalten

Actiheart – Accelerometrie und

Puls über 6 Tage

Fragebogen

Objektiv gemessene Bewegung

Gemüse- und Obstkonsum

3. Ändert sich nach dem Programm „Komm mit in das gesunde Bootdas

Ausmaß, in dem die Kinder im Haushalt mithelfen?

Parameter

Sekundäre Zielparameter

Wie erhoben?

Operationalisierung

4. Gibt es durch das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ Zeichen

dafür, dass sich Body-Mass-Index, Körperfettgehalt oder Taillen-Größen-

Verhältnis signifikant ändern?

Das Bewegungsprogramm hat zum Ziel, die Kinder spielerisch und durch

Einbinden in eine Piratengeschichte altersgerecht in Bewegung zu bringen,

in ihnen die Lust an Bewegung und sportlicher Aktivität zu entfachen und

die Erzieherinnen in den Kindergärten zu beraten, wie sie mehr Bewegung

in den Kindergartenalltag bringen können.

Körpermessdaten

Ernährungsverhalten

Bewegungsverhalten

Größe, Länge

Hautfaltendicken

Taillen- und Hüftumfang

Fragebogen

Fragebogen

Body-Mass-Index

Körperfettanteil

Wasserkonsum, Konsum gesüßter

Getränke, Mithelfen im Haushalt

Draußen verbrachte Zeit,

Fernsehzeit, von Eltern eingeschätzte

Bewegung

Abbildung 9: Primäre und sekundäre Zielparameter

34 35


Soziale Verantwortung

4.2.2 Die Methodik: Kontrollierte,

randomisierte Evaluation

Die Evaluation beruht auf einem kontrollierten Design. Dies bedeutet, dass

die Effekte der Module mittels einer Kontrollgruppe beurteilt werden. Es wird

also überprüft, ob durch das Programm über eine gewisse Zeit der Beobachtung

mehr Veränderung erreicht werden kann als in Kindergärten, die diese

Programme nicht bekommen. In Untersuchungen mit Kontrollgruppen gibt

es immer zwei Studienarme, einen Interventionsarm und einen Kontrollarm.

Der Kontrollarm ist in der vorliegenden Untersuchung ein Wartelisten-Kontrollarm.

Dies bedeutet, dass in den Kindergärten im Kontrollarm erst nach

sechs Monaten Wartezeit das Programm „Komm mit in das gesunde Boot

stattfindet und diese in der vorangehenden Wartezeit als Kontrollgruppe

dienen, während in den restlichen Kindergärten das Programm durchgeführt

wird (Abb. 10).

Ein weiteres Qualitätskriterium für wissenschaftliche Untersuchungen ist,

dass es dem Zufall überlassen bleibt, ob eine Person direkt an der Intervention

teilnimmt oder der Kontrollgruppe zugewiesen wird. Das Verfahren,

bei dem die Versuchspersonen unter Verwendung eines Zufallsmechanismus

entweder der Interventionsgruppe oder der Kontrollgruppe zugeteilt

werden, nennt man Randomisierung.

In der vorliegenden Untersuchung, bei der ja alle Kinder eines teilnehmenden

Kindergartens die gleiche „Intervention“ erhalten, wird nicht das einzelne

Kind, sondern der teilnehmende Kindergarten per Zufall in einen der

beiden Studienarme verteilt. Man nennt diese Form der Evaluation auch eine

„cluster-randomisierte“ Untersuchung („cluster“ bedeutet wortwörtlich

„Ansammlung“, siehe auch Methodenteil bei weitergehendem Interesse).

ligten und weniger benachteiligten sozialen Umfeldern dem Kontroll- oder

Interventionsarm zugeteilt wurden. Bei Interesse finden Sie mehr zur Bildung

der Kontrollgruppen, zu Randomisierung und Stratifizierung im Methodenanhang.

4.2.3 Die Zeitpunkte der Messungen

Bestimmte Messgrößen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch das Programm

Komm mit in das gesunde Boot“ beeinflusst werden könnten, werden

vor Beginn des Programms, gegen Ende des Programms und noch einmal

sechs Monate nach Programmende von allen teilnehmenden Kindern

erhoben. Da die Kindergärten im Kontrollarm eine Warteperiode von sechs

Monaten durchlaufen, bevor sie mit dem Programm starten können, gibt

es für diese Kindergärten also insgesamt vier Messungen: zwei vor Start

des Programms, eine gegen Ende des Programms und eine sechs Monate

nach Programmende.

Diese Messzeitpunkte, relativ zur Intervention, sind im Folgenden durch

bestimmte Buchstaben bezeichnet (systematisch dargestellt in Abb. 10):

Z: Messzeitpunkt sechs Monate vor Intervention (nur in Kontrollkindergärten)

A: Messzeitpunkt direkt vor Beginn der Intervention (0 Monate)

B: Messzeitpunkt gegen Ende der Intervention (6 Monate)

C: Messzeitpunkt sechs Monate nach Ende der Intervention (12 Monate)

Veränderungen im Ernährungs- und Bewegungsverhalten können auch

durch andere Faktoren wie beispielsweise die Jahreszeit beeinflusst werden.

Aus diesem Grund wurden Kindergärten in zwei Wellen in die wissenschaftliche

Untersuchung einbezogen, einmal im Herbst 2008 und einmal im

Frühjahr 2009 (Abb. 10).

Da die teilnehmenden Kindergärten in unterschiedlichen Regionen Baden-

Württembergs lokalisiert sind, wurde durch eine wissenschaftliche Methode

(genannt Stratifizierung) dafür gesorgt, dass ungefähr gleich viele städtische

wie ländliche Kindergärten sowie gleich viele Kindergärten aus benachtei-

36 37


Soziale Verantwortung

Aus diesem Grund wurde beschlossen, Kindergärten des Bewegungsmoduls

die Möglichkeit zu einer Teilnahme an einem durch Elternpartizipation

intensivierten Programm zu geben. Für diese „Anreicherung“ des Bewegungsmoduls

wurde ein spezielles, eigenes Projekt entwickelt: ENE MENE FIT,

der partizipative Elternbaustein im Bewegungsmodul.

4.3.1 Beschreibung des partizipativen Elternbausteins

Abbildung 10: Studiendesign und Ablauf – Ernährungs- und Bewegungsprogramm

4.3 Der partizipative Elternbaustein

Bei der Planung der Evaluation wurde klar, dass eine wichtige Frage allein

durch die geschilderte Methodik nicht würde beantwortet werden können –

nämlich ob nicht durch eine stärkere

Einbeziehung der Eltern eine höhere

Wirksamkeit des Programms erreicht

werden kann. Dies liegt nach

dem in 1.2 und 1.3 Geschilderten

nahe: Viele Aspekte des Gesundheitsverhaltens

der Kinder prägen

sich auch am elterlichen Vorbild

oder werden durch die Mitwirkung

der Eltern verstärkt oder gefestigt.

Abbildung 11: Beim Badetag – ein von den Eltern neu konzipiertes Projekt

im Rahmen des Elternbausteins im Kindergarten in Plochingen

Dieser Ansatz zur Elterneinbindung wurde zusätzlich in der Hälfte der evaluierten

Kindergärten angeboten. Diesem – nach dem Zufallsprinzip, also

randomisiert zugeteilten – Zusatzangebot lag die Idee des sogenannten

„Empowerments“ zugrunde. Empowerment bedeutet hier die „Ermächtigung“

der Eltern, selbst für die gesunde Bewegung ihrer Kinder zu sorgen.

Dazu müssen Eltern nach den Vorstellungen der Verhaltensforschung Erfahrungen

machen, die sie zu neuen Einstellungen und Gewohnheiten führen.

Diese Erfahrungen konnten sie bei gemeinsamen Projekten im Rahmen des

Elternbausteins machen. Ziel des partizipativen Elternbausteins war, das

Umfeld der Kinder (Eltern, Erzieherin, Lebensverhältnisse) in die Lage zu

versetzen, durch gemeinschaftliche Aktivitäten, die allen Kindern zugute

kommen, für mehr Bewegung und gesündere Ernährung zu sorgen. Gemeinschaftlich

bedeutet dabei der Einbezug von Kindern, engagierten Eltern,

Fachkräften („Komm mit in das gesunde Boot“, als Moderatoren und lokale

Vermittler), Erzieherinnen (auf freiwilliger Basis, nicht bezahlt) und Großeltern.

Der Elternbaustein war durch seinen partizipativen Ansatz auf die vor

Ort vorgefundenen Fragestellungen, Probleme und Ressourcen zugeschnitten.

Um in den lokalen Evaluationskindergärten einen solchen partizipativen

Elternbaustein durchführen zu können, wurden Fachkräfte aus dem Pool

der Bewegungsfachkräfte von „Komm mit in das gesunde Boot“ rekrutiert

und geschult. Der partizipative Elternbaustein umfasste Elternabende und

Workshops, in denen die Idee der Erarbeitung und Durchführung gemeinsamer

Bewegungsprojekte im Rahmen des Kindergartens besprochen wurde.

Alle vorgestellten Projektideen stellten Möglichkeiten dar, gemeinsam Bewegungsräume

für Kinder zu öffnen, Kinder mit anderen Kindern zusammenzubringen,

in die Natur zu gehen, alltägliche Transportwege bewegt zu

gestalten. Aus der „Good Practice-Toolbox“, die Eltern und Erzieherinnen

38 39


Soziale Verantwortung

4.4 Welche Kindergärten und Kinder

nahmen an der Evaluation teil?

4.4.1 Teilnehmende Kindergärten nach Region

mittels einer Internetseite (www.ene-mene-fit.de, Abb. 12) zugänglich gemacht

wurde, konnten die Eltern für „ihren“ Kindergarten abhängig von den

vorhandenen Möglichkeiten, Angeboten und Problemen ein jeweils individuelles

„Menü“ zusammenstellen. Weitere Aufgabe der Fachkräfte war die

Begleitung und Unterstützung von Eltern sowie eine gründliche Dokumentation

der Projekte, die von den Eltern vorgeschlagen oder gewählt wurden.

Mittels dieser Projektdokumentationen konnten die Projekte auch von einem

Elternbeirat zum nächsten weitergegeben werden.

Die Bewegungs- und Ernährungskindergärten in der Evaluation sind wie in

Abb. 13 dargestellt über Baden-Württemberg verteilt. Die meisten Kindergärten

befinden sich in eher ländlichen Regionen, nämlich Göppingen,

Rottweil und Horb. Als Landeshauptstadt trägt Stuttgart insgesamt 17 Kindergärten

bei, die Regionen Karlsruhe und Heidelberg insgesamt zehn.

Region MA/HD: n=2

Region Karlsruhe: n=8

Region Stuttgart: n=17

Region Göppingen: n=11

Region Horb: n=6

Abbildung 12: Die Website des partizipativen Elternbausteins ENE MENE FIT

Region Rottweil: n=8

4.3.2 Wie wurde dieser partizipative Baustein für

die Evaluation genutzt?

Um den zusätzlichen partizipativen Elternbaustein in das Studiendesign

einschließen zu können, bekamen die Bewegungskindergärten im Kontrollarm

nach Abschluss der Wartezeit zusätzlich zum Standard-Bewegungsmodul

des Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ eine partizipative

Elternintervention. Zur Evaluation dieser Elternintervention wird also der

Effekt des Standard-Moduls verglichen mit dem Effekt der Kombination

Standard-Modul plus Elternbaustein (also sozusagen die „Normalintervention“

mit der „angereicherten“ Intervention, Abb. 10).

Abbildung 13: Regionale Verteilung der Kindergärten

40 41


Soziale Verantwortung

Merkmal

Warteliste

Kontrolle

Komm mit in

das gesunde Boot

Ländliche Kitas

5

5

4.4.2 Weitere Charakterisierung der

teilnehmenden Kindergärten

Städtische Kitas

Gesamtzahl

2

7 (145 Kinder)

3

8 (144 Kinder)

Nach der Planung (siehe 3.2) sollten sich aufgrund der stratifizierten Randomisierung

möglichst gleich viel ländliche und städtische sowie gleich viele

Kindergärten aus den verschiedenen sozialen Hintergründen im Kontrollund

im Interventionsarm befinden. Dieses Ziel wurde auch – in etwa – erreicht:

nach der Randomisierung im Rahmen der Evaluation des Bewegungsmoduls

befanden sich elf ländlich gelegene Kindergärten im Interventionsarm verglichen

mit 14 Kindergärten im Kontrollarm (Abb. 14). In beiden Armen finden

sich sechs städtisch gelegene Kindergärten.

Auch die Stratifizierung des sozialen Hintergrunds der Kindergärten in

beiden Armen scheint ausgeglichen (Abb. 14).

Merkmal

Ländliche Kitas

Städtische Kitas

Gesamtzahl

hoher sozioökonom. Status

mittlerer sozioökonom. Status

niedriger sozioökonom. Status

ENE MENE

FIT-Arm

Standardarm

Bewegungsmodul

Bei der Evaluation des Ernährungsmoduls wurden ebenfalls ausgeglichene

Zahlen für städtisch/ländlich gelegene Kindergärten sowie Kindergärten

mit verschiedenem sozialen Hintergrund erreicht (Abb. 15).

11

6

17 (381 Kinder)

Abbildung 14: Regionale und sozioökonomische Verteilung der Bewegungskindergärten.

Kindergärten, die beide Module durchlaufen haben, sind in dieser Tabelle nicht enthalten.

4

7

6

14

6

20 (383 Kinder)

4

9

7

hoher sozioökonom. Status

mittlerer sozioökonom. Status

niedriger sozioökonom. Status

4.4.3 Charakteristika der teilnehmenden Kinder

Um die Übertragbarkeit der Stichprobe im Rahmen der Evaluation des

Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ beurteilen zu können, sind

Informationen über die Zusammensetzung der Stichprobe wichtig. Im Folgenden

stellen wir deshalb dar, inwiefern sich die Kinder in der Evaluation

in puncto Bildungsstatus, Migrationshintergrund und Vorkommen von Übergewicht

von den Kindern im bundesweiten Kindergesundheitssurvey von

2006 (KiGGs, Robert-Koch-Institut) unterschieden. Da Ernährungs- und Bewegungsmodul

in getrennten Analysen ausgewertet wurden, sind auch die

folgenden Charakteristika der Kinder für beide Module getrennt dargestellt.

„lecker essen & trinken“ – das Ernährungsmodul

Beim Ernährungsmodul waren etwa 80 % aller Kinder vier oder fünf Jahre alt,

was zu einem mittleren Alter von 4,3 Jahren führt. Zwischen Mädchen und

Jungen gibt es keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Altersverteilung.

Der Bildungsstatus wurde definiert anhand der Ausbildung der Mutter des

Kindes. Von den Jungen in der Untersuchung sind etwa 40 % aus einer mittleren

Bildungsschicht, etwa 11 % aus niedrigen Bildungsschichten und ein

relativ hoher Anteil (ca. 46 %) aus hoch gebildeten Familien. Bei den Mädchen

hingegen finden sich signifikant mehr in der mittleren Bildungsschicht,

3

3

1

Abbildung 15: Regionale und sozioökonomische Verteilung der Ernährungskindergärten.

Kindergärten, die beide Module durchlaufen haben, sind in dieser Tabelle nicht enthalten.

3

2

3

42 43


Soziale Verantwortung

Alter der Kinder

weniger in der niedrigeren und in der hohen Bildungsschicht. Im Vergleich

zu gesamtdeutschen Zahlen aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey

(KiGGs) stammen insgesamt bei den teilnehmenden Jungen und

Mädchen weniger Kinder aus sozial schwachen Familien und mehr aus den

hohen Bildungsschichten (Abb. 16). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass

in Baden-Württemberg insgesamt weniger Familien mit niedrigem sozialen

Status leben als in anderen Bundesländern.

3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

N

Jungen

144

Ernährungskindergärten

Prozentanteil

der

Jungen

19,4

50,5

27,8

2,8

N

Mädchen

132

Prozentanteil

der

Mädchen

15,2

43,2

36,4

5,3

nicht signifikant

n. s.

n. s.

n. s.

Übergewicht

Altersklasse

Body-Mass-

Index (kg/m 2 )

P-Wert für

Geschlechterunterschied

3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

N

Jungen

28

72

40

4

Ernährungskindergärten

P-Wert für

Geschlechterunterschied

Prozentanteil

der

Jungen

N

Mädchen

Anteil der Kinder mit Übergewicht

Verglichen mit den drei- bis sechsjährigen Kindern im KiGGs (6,4 % bei den

Jungen, 6 % bei den Mädchen 1 ) sind dies über alle Kinder hinweg etwas

weniger Übergewichtige wie im gesamtdeutschen Durchschnitt. Dies könnte

mit dem relativ großen Anteil an Kindern aus Familien mit höherem Bildungshintergrund

zusammenhängen.

3,8

9,7

12,5

0

20

57

48

7

Mittelwerte für BMI

Prozentanteil

der

Mädchen

5,0

5,3

2,1

14,3

nicht signifikant

n. s.

0,05

n. s.

144 15,7 131

15,2

< 0,05

Abbildung 17: Verteilung von Übergewicht und Body-Mass-Index über die Altersgruppen

Bildungsstatus

der Mutter

Migrationshintergrund

niedrig

mittel

hoch

ja

nein

141

11,3

42,6

46,1

25,6

74,4

127

7,9

58,3

33,9

33,1

66,9

< 0,05

< 0,05

< 0,05

n. s.

n. s.

Obwohl es unter den Mädchen im Ernährungsmodul kein vermehrtes Übergewicht

gibt, ist die Hautfaltensumme der Mädchen signifikant höher als

die der Jungen. Dies ist jedoch auf die weibliche Fettverteilung zurückzuführen.

Beim BMI liegen nämlich die Jungen vorn: Sie haben einen signifikant

höheren BMI als die Mädchen.

Abbildung 16: Charakteristika der Kinder in Ernährungskindergärten

Kinder mit Migrationshintergrund wurden in unserer Untersuchung mit

25 % bei den Jungen und 33 % bei den Mädchen (Unterschied nicht statistisch

gesichert) repräsentativ für Baden-Württemberg rekrutiert (33 % 19, 20 ).

Wie vergleichen sich nun die Körpermaße der teilnehmenden Kinder mit

denen des deutschen „Normalkindes“? In der Tabelle ist die Verteilung von

Übergewicht über die Altersgruppen in der Untersuchung dargestellt (Abb. 17).

Der prozentuale Anteil an Übergewicht nimmt mit steigendem Alter zu

und liegt bei Jungen und Mädchen zusammen bei 5,45 %.

„locker hüpfen & lustig spielen“ – das Bewegungsmodul

Beim Bewegungsmodul waren mehr als 80 % aller Kinder vier oder fünf Jahre

alt, was zu einem mittleren Alter von 4,5 Jahren führt (Abb. 18). Zwischen

Mädchen und Jungen gibt es keine statistisch gesicherten Unterschiede

bezüglich der Altersverteilung.

Auch beim Bewegungsmodul (genaue Zahlen siehe Abb. 18) finden sich mehr

Kinder aus höheren Bildungsschichten als in gesamtdeutschen Untersuchungen:

Bei letzteren kommen 22 % der Kinder (null bis 17 Jahre) aus sozial

niedrigen Schichten und 30 % aus hohen Bildungsschichten 21 . Bei Migranten

44 45


Soziale Verantwortung

Bewegungskindergärten

ist dies deutlich anders: es kommen 53 % aus niedrigen und 10 % aus hohen

Bildungsschichten 21 . Da die Kinder für die Evaluation des Programms „Komm

mit in das gesunde Boot“ jedoch in Baden-Württemberg rekrutiert wurden,

wo insgesamt weniger Familien mit niedrigem sozialen Status leben als

in anderen Bundesländern, scheinen die sozial schwachen Familien nicht

Übergewicht

P-Wert für

Geschlechterunterschied

Altersklasse

3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

N

Jungen

37

167

143

23

Prozentanteil

der

Jungen

N

Mädchen

Anteil der Kinder mit Übergewicht

5,4

4,8

6,3

13

30

145

142

15

Prozentanteil

der

Mädchen

3,3

3,4

8,5

0,0

nicht signifikant

n. s.

n.s.

n.s.

unbedingt unterrepräsentiert.

Mittelwerte für BMI

In dieser Evaluation hatten 34 % der Kinder einen Migrationshintergrund. Das

ist nahezu identisch mit dem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund

in ganz Baden-Württemberg (33 % 19, 20 ). Weder für Bildungsstatus noch für

Migrationshintergrund gibt es statistisch gesicherte Unterschiede in der

Verteilung zwischen Jungen und Mädchen.

N

Jungen

Prozentanteil

der

Jungen

Alter der Kinder 3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

370 10

45,1

38,7

6,2

Bildungsstatus

der Mutter

P-Wert für

Geschlechterunterschied

Migrationshintergrund

niedrig

mittel

hoch

ja

nein

375 14,6

48,7

36,7

427 34,2

65,8

Abbildung 18: Charakteristika der Kinder in Bewegungskindergärten

Bewegungskindergärten

N

Mädchen

Prozentanteil

der

Mädchen

333 9

43,9

42,6

4,5

329 17,3

45,6

4,5

395 35,4

64,6

nicht signifikant

n. s.

n. s.

n. s.

n. s.

n. s.

n. s.

n. s.

n. s.

In dieser Stichprobe sind ca. 5 % der Jungen gegenüber 5,9 % der vier- und

fünfjährigen Mädchen übergewichtig. Verglichen mit den drei- bis sechsjährigen

Kindern im KiGGs (6,4 % bei den Jungen, 6 % bei den Mädchen 1 )

sind dies bei den Jungen etwas weniger, bei den Mädchen in etwa derselbe

Anteil an Übergewichtigen wie im gesamtdeutschen Durchschnitt. Die

drei- bis sechsjährigen Kinder in der Evaluation sind zu wenige, als dass die

in den Spalten genannten Prozentzahlen interpretierbar sind (Abb. 19).

Body-Mass-

Index (kg/m 2 )

371 15,3 333

15,3

n.s.

Abbildung 19: Verteilung von Übergewicht und Body-Mass-Index über die Altersgruppen

Obwohl es beim BMI keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt,

haben Mädchen (wie auch beim Ernährungsmodul) eine statistisch gesicherte

höhere Hautfaltendicke als Jungen (Zahlen nicht in Abb. 19). Die Erklärung

ist der physiologisch höhere Körperfettgehalt beim weiblichen

Geschlecht.

Außer den Körpermaßen haben wir die Bewegung der Kinder objektiv mittels

der oben beschriebenen Accelerometrie gemessen. Im Vergleich der Accelerometriewerte

von Jungen und Mädchen wird deutlich, dass es im Kindergartenalter

keine Unterschiede zwischen der Bewegung von Jungen und

Mädchen gibt.

Im Studienarm, in dem der partizipative Elternbaustein zusätzlich zum

Bewegungsmodul lief, befanden sich 15 Kindergärten. Hier wurden 18 Projekte

durchgeführt (Abb. 21). Nur vier dieser 18 Projekte waren Ideen, die auf der

Website des partizipativen Elternbausteins schon vorgestellt worden waren.

Damit handelte es sich bei der Mehrzahl aller umgesetzten Ideen um Projekte,

die auf eigenen Vorstellungen der Eltern in den jeweiligen Kindergärten

beruhten. Viele Projekte bestanden aus Bewegung in der freien Natur

in Gruppen von Kindern und Eltern, entsprechend der ursprünglichen Idee

des partizipativen Elternbausteins. Leider wurden die wenigsten Projekte

wirklich regelmäßig durchgeführt, die meisten liefen wenige Male, wurden

46 47


Soziale Verantwortung

aber dann nicht weiter fortgesetzt. Oftmals waren die Abstände zwischen

den einzelnen Terminen so groß, dass man nicht von einer regelmäßigen

„Bewegungskultur“ sprechen kann.

4.4.4 Der Elternbaustein – Wie wurde

der Elternbaustein genutzt?

Nur in drei Kindergärten wurden mehr als drei Projekte gewählt, in zweien

hiervon wurden sogar vier bzw. fünf Projekte umgesetzt. In zwei von 14

Kindergärten wurden weder Projekte gewählt noch umgesetzt, in einem

weiteren wurde von den gewählten kein einziges umgesetzt. Für eine

regelmäßige und nachhaltige Durchführung schienen beispielsweise die

Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieherinnen sowie die Identifikation

der Erzieherinnen mit dem Programm ausschlaggebend.

Ein Problem war daher, dass der

Elterbaustein von bestimmten

Kindergärten als von außen aufgezwungen

empfunden wurde, so

dass die Erzieherinnen sich die Idee

des partizipativen Elternbausteins

nicht zu eigen machen wollten

oder konnten.

Abbildung 20: Kinder nach dem Badetag – einem neuen Projekt im

Rahmen des partizipativen Elternbausteins

In den meisten Kindergärten waren drei bis maximal zwölf Eltern, meist

Mütter, aktiv bei der Umsetzung des partizipativen Elternbausteins dabei

(Abb. 21). Bei den Kindergärten, in denen die Projekte sehr gut und wiederholt

liefen, bildete sich ein festes Projektteam, das über die Zeit auch noch

Zuwachs interessierter Eltern erhielt. Obwohl durch den partizipativen

Elternbaustein alle Kinder und Eltern im Kindergarten angesprochen waren,

nahmen maximal 50 % der Kinder teil.

Die meisten Projekte wurden einmal bis wenige Male durchgeführt und

werden daher in der Spalte fünf (Abb. 21) als 100 % umgesetzt beschrieben.

Trotzdem hat nur ein Kindergarten ein Projekt so entwickelt und dokumentiert,

dass es als Elternprojekt auf die Website aufgenommen wurde und

dort als Idee für andere Kindergärten und Eltern zur Verfügung steht.

Auch wenn der partizipative Elternbaustein primär auf das Engagement

der Eltern baut, sind die Erzieherinnen als Drehscheibe, über welche die

Aktivitäten organisiert werden, wichtig für das Gelingen des Programms.

48 49


Soziale Verantwortung

Kindergarten

Anzahl

gewählter

Projekte bei

Workshop

Gewählte Projekte

letztendlich

realisierte

Projekte

Grad der Umsetzung

der Projekte

Anzahl von

Müttern

Anzahl von

Großeltern

Anzahl von

Vätern

Anzahl

teilnehmender

Kinder

Für das Programm

Komm mit in das

gesunde Boot

gemeldete Kinder

1

0


0






30

2

3

Tanzen, Klanghaus,

Minifahrschule

1

100 %

10

0

0

10

21

3

1

Fußballturnier

1

25 % (nur einmal

stattgefunden)

0

0

0

0

38

4

4

Kinderdisco, Lagerfeuer mit

Wandern, bewegter Leseabend,

Firmenbesichtigung

mit Hinlaufen

4

75 % (mehrere Male

stattgefunden)

12

0

2

10 bis 25

50

5

4

Singen für Senioren, Baumhütte

bauen, bewegte Spiele,

Abenteuerwanderung

3

100 % (mehrere Male

stattgefunden)

12

0

3

5 bis 12

30

6

0


0

0





15

7

2

Abenteuer im Wald für die

ganze Familie, Barfußparcours

1

100 %

4

0

2

10

26

8

1

Musik- und Tanzprojekt

1

2x stattgefunden

1




20

9

3

Fahrradparcours,

Spielenachmittag

3

100 %

7

0

0

7 bis 10

13

10

4

Kostümwanderung, Osterinsel,

Poolparty, Bewegungsbaustelle

2

100 %, zwei letzte Projekte

in konkreter Planung

8

0

0

15

50

11

1

Fahrzeugnachmittag

1

50 %

2

0

0

8

36

12

6

Badetag, Barfußpark,

Blumen und Gemüsebeet,

Lagerfeuer-Wald-Natur

5

100 %

9

1

2

15 bis 20

30

13

1

Outdoortag

1

100 %

12

0

0

10

26

14

3

Tanzprojekt, Gartenprojekt,

Jahreszeitenprojekt

2

75 %

12

0

0

25

35

15

3

Bus auf Beinen, Wasserlandschaft,

Wasserspiele

0

0 %

3

0

0

0

18

Abbildung 21: Projekte, die im Rahmen des partizipativen Elternbausteins im Bewegungsmodul liefen

50 51


Soziale Verantwortung

5. Die Ergebnisse der Evaluation

5.1 Die Rückmeldungen der Erzieherinnen

Was hat sich nach dem Programm

Komm mit in das gesunde Boot

bei Kindern und Kindergärten verändert?

Die Ergebnisse sind aufgeteilt

in Rückmeldungen der Erzieherinnen,

der Eltern und die objektiven

Messungen. Zuerst kommen

wir zu den Rückmeldungen der Erzieherinnen,

die in standardisierten

Interviews erhoben wurden.

5.1.1. Ernährungsmodul

Abbildung 22: Standardisiertes Interview

einer Wissenschaftlerin mit einer Erzieherin

Rückmeldungen der

Erzieherinnen und Eltern

sowie Ergebnisse der

objektiven Messungen

Die meisten Erzieherinnen berichten, dass die Kinder seit dem Programm

deutlich mehr Lust haben, Neues auszuprobieren und sich durch andere

Kinder im Kindergarten auch zum Probieren anregen lassen. Dies erscheint

als ein guter Erfolg, besteht doch die Chance, dass Kinder dadurch einen

breiteren „Geschmackshorizont“ entwickeln, der auch nicht-süße Speisen

mit einbezieht. Außerdem stellten die Erzieherinnen fest, dass sich die Kinder

mit dem Trinken „nicht mehr so schwer tun“ (Abb. 23). Durch den Elternabend

scheint in vielen Kindergärten auch das Bewusstsein der Eltern für

gesunde Ernährung inklusive Werbestrategien für Kinderprodukte gestiegen

zu sein. Bemerkenswert ist, dass manche Erzieherinnen deutlich machen,

dass sie vor allem Veränderungen im Sprachgebrauch bei den Kindern erkennen.

So benennen die Kinder Gegenstände und Nahrungsmittel mit

deutlich mehr Sicherheit. Diese Beobachtung mag Ergebnis dessen sein,

dass die Fachkräfte in ihren Ernährungsstunden auch viel Wert auf Ernährungswissen

gelegt haben.

53


Soziale Verantwortung

Die Rückmeldungen zu den Veränderungen durch ein so aktives Bewegungsprogramm

scheinen einstimmig. Wir können davon ausgehen, auch wenn

es nicht objektiv gemessen wurde, dass das Bewusstsein der Erzieherinnen

für die Wichtigkeit von Bewegung durch das Programm gestärkt wurde. Die

Erzieherinnen gehen zudem davon aus, dass vor allem motorisch-koordinativ

schwächere Kinder von einem solch intensiven Bewegungsprogramm

profitieren können (Abb. 24).

Abbildung 23: Verbesserungen durch das Programm

5.1.2 Bewegungsmodul

Die Rückmeldungen aus den Erzieherinnen-Interviews zu den Veränderungen

durch das Bewegungsmodul sind sehr zahlreich und sehr positiv. Fast

alle Kindergärten stellen eine Verbesserung der Motorik und des Selbstbewusstseins

vieler Kinder fest. Vor allem Kinder, die Defizite hatten, sind nach

Angaben der Erzieherinnen durch das Programm einen großen Schritt weiter

gekommen. Auch fordern die Kinder nach dem Programm mehr Bewegung,

z.B. durch die Öffnung des Bewegungsraums (in dem auch die Turnstunden

abgehalten wurden). Außerdem hätten die Kinder gelernt, dass Bewegung

mit allen Materialien möglich ist, und sie seien kreativer in ihrem Spiel geworden.

Auch die Piratengeschichte, die im Rahmen des Programms „Komm

mit in das gesunde Boot“ im Kindergarten über sechs Monate Thema war,

lebt in den Köpfen der Kinder weiter. Die Erzieherinnen können also weiterhin

das Bild des Piraten benutzen, um die Kinder in Bewegung zu bringen. In

manchen Kindergärten werden die Stunden getreu dem Ordner der Baden-

Württemberg Stiftung noch einmal von vorne durchgeführt.

Abbildung 24: Verbesserungen durch das Programm (1)

54 55


Soziale Verantwortung

Abbildung 26: Bewertung des partizipativen Elternbausteins

Abbildung 25: Verbesserungen durch das Programm (2)

5.1.3 Elternbaustein im Bewegungsmodul

Insgesamt waren die Erzieherinnen angetan von der Projektidee des partizipativen

Elternbausteins. Wichtig scheint jedoch aus Sicht der Erzieherinnen,

dass der Anstoß zu solchen Veränderungen durch derartige Projekte

von außen kommt. Durch eine gute Fachkraft können die neuen Impulse

dann von den Eltern (und Erzieherinnen) umgesetzt werden. Möglicherweise

spielt hier auch mit hinein, dass eine von außen kommende Fachkraft

den Erzieherinnen Arbeit abnimmt. Trotzdem war ein Kritikpunkt am

Programm des Elternbausteins, dass es von den Erzieherinnen zusätzliches

Engagement und Zeit erfordert.

5.2 Die Rückmeldungen der Eltern

In diesem Abschnitt werden die

Ergebnisse der Fragebogenuntersuchung

beschrieben, welche die

Eltern vor Beginn der Intervention

(null Monate), zum Ende der Intervention

(sechs Monate) und zum

Messen der Nachhaltigkeit sechs

Monate nach Ende der Intervention

(zwölf Monate) ausgefüllt haben.

Bei der Darstellung der Ergebnisse

Abbildung 27: Fragebögen in Kinderhänden

vergleichen wir jeweils die Interventionsgruppe,

d. h. Kindergärten die das Ernährungsmodul oder das Bewegungsmodul

erhalten haben, mit der sogenannten Kontrollgruppe. Die Kontrollgruppe

waren Kindergärten, die vor Beginn des Bewegungsmoduls,

während der ersten sechs Monate, noch keine Intervention erhielten (Warte-

56 57


Soziale Verantwortung

liste), aber bereits zweimal im Abstand von sechs Monaten den vollständigen

Messzyklus von Fragebogen und objektiver Messung durchliefen. Auf diese

Weise können für alle nachfolgend dargestellten Ergebnisse die Veränderungen,

die sich durch Altern der Kinder, durch Jahreszeit oder durch andere

systematische Effekte ergaben, berücksichtigt werden. So bereinigen wir um

Veränderungen, die auch ohne das Programm zustande gekommen wären.

In einem weiteren Schritt haben wir zusätzliche Verzerrungen herausgerechnet,

die sich aus der etwas unterschiedlichen Zusammensetzung der einzelnen

Kindergartengruppen ergeben könnten, etwa durch unterschiedliches

Alter der Kinder, Geschlechtszusammensetzung, Jahreszeit bei der Messung,

der Lage des Kindergartens (städtisch oder ländlich). Dieses Herausrechnen

von Verzerrungen benennen wir im Text mit „Berücksichtigen von Fremdeinflüssen“.

Während wir im Text die um mögliche Verzerrungen und Fremdeinflüsse

bereinigten Ergebnisse berichten, zeigen wir in den Abbildungen die

tatsächlichen Rohdaten, so wie sie gemessen wurden.

Bei der Darstellung der Ergebnisse unterscheiden wir zwischen „bedeutsam“

und sogenannter „statistischer Signifikanz“. Anders als im umgangssprachlichen

Gebrauch, bei dem mit signifikant oft ein bedeutsames und für die

Praxis relevantes Ergebnis bezeichnet wird, benennt der statistische Begriff

der Signifikanz eine Irrtumswahrscheinlichkeit. Statistisch signifikant bedeutet

nichts anderes, als dass die vorliegenden Ergebnisse mit einer Wahrscheinlichkeit

von weniger als 5 % durch den Zufall bedingt sein können. Um diese

begriffliche Verwirrung so gering wie möglich zu halten, beschreiben wir die

Ergebnisse in diesem Abschnitt daher mit den Worten „bedeutsam“, um

einen wichtigen Zusammenhang darzustellen. „Statistisch gesichert“ bezeichnen

wir alle Ergebnisse, bei denen die Wahrscheinlichkeit unter 5 % liegt,

dass dieses Ergebnis allein durch Zufall hätte zustande kommen können.

Vorbehalt. Verändertes Antwortverhalten im Fragebogen kann jedoch den

ersten Anfang einer Haltungs- und Bewusstseinsänderung widerspiegeln.

In der Kette von verändertem Bewusstsein, veränderten Handlungsabsichten,

Beginn einer Verhaltensänderung und nachhaltiger Verstetigung einer

Verhaltensänderung stehen daher die geänderten Fragebogenauskünfte

am Anfang.

5.2.1 Ernährungsmodul

Essen die Kinder mehr Portionen Gemüse pro Tag?

In der ersten Abbildung (Abb. 28) ist dargestellt, wie viel Prozent der Kinder im

Ernährungsmodul keine, weniger als eine, eins bis drei oder mehr Portionen

Gemüse pro Tag essen, jeweils gemessen zum Zeitpunkt vor Beginn (A) der

Intervention (=Ernährungsmodul), zum Ende der Intervention (B) und sechs

Monate nach Ende der Intervention (C). Deutlich wird vor allem, dass es eine

Verschiebung nach Ende der Intervention gibt: Wo vor Beginn der Intervention

die meisten Kinder eine Portion Gemüse pro Tag aßen, konsumierten

sie unmittelbar nach der Intervention (Zeitpunkt B) zwei und mehr Portionen

Gemüse pro Tag. Dieser Effekt entspricht einer Zunahme von etwa 0,2 Portionen

pro Tag (ca. 6 %) über alle Kinder gemittelt und scheint damit bedeutsam.

Abbildung 28: Gemüsekonsum der Kinder (Rohdaten)

Bei allen im Fragebogen berichteten Ergebnissen muss berücksichtigt werden,

dass Eltern um die Teilnahme am Programm „Komm mit in das gesunde Boot

wussten. Es ist daher nicht abschließend nachprüfbar, ob die im Fragebogen

gemachten Angaben den Tatsachen entsprechen oder durch soziale Erwünschtheit

beeinflusst wurden. Wir berichten die Ergebnisse unter diesem

Weitere sechs Monate später (C) sind es nur noch 0,1 Portionen mehr, was

kein sicherer Effekt mehr ist. Der Effekt der Intervention auf den Gemüsekonsum

direkt nach Intervention der Kinder ist statistisch gesichert.

58 59


Soziale Verantwortung

Essen die Kinder mehr Portionen Obst pro Tag?

In der Abbildung (Abb. 29) ist sichtbar, dass zum Ende der Intervention (Messzeitpunkt

B) deutlich mehr Kinder zwei und drei Portionen Obst pro Tag essen.

Dadurch gibt es zum Ende der Intervention weniger Kinder, die nur eine Portion

Obst pro Tag essen. Sechs Monate nach Ende der Intervention scheint

sich dieser Effekt jedoch etwas verwischt zu haben. Langfristig sind nun aber

mehr Kinder in der höchsten Kategorie: 10 % der Kinder essen nach der Intervention

mehr als drei Portionen Obst pro Tag, verglichen mit 5 % vorher.

Trinken die Kinder weniger gesüßte Getränke?

Unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse gibt es keine statistisch gesicherte oder bedeutsame

Veränderung durch die Intervention, weder direkt nach dem

Programm (B) noch weitere sechs Monate nach Ende des Programms (C).

Essen die Kinder mehr gesunde Lebensmittel pro Tag?

In der folgenden Abbildung (Abb. 30) ist dargestellt, wie viel Prozent der

Kinder zum jeweiligen Messzeitpunkt wie häufig gesunde Lebensmittel

verzehren. Zu den gesunden Lebensmitteln werden beispielsweise Reis,

Salat, Rohkost und Naturjoghurt gezählt.

Beim Blick auf die Abbildung zeigt sich, dass anfangs (d.h. zum Zeitpunkt (A),

vor der Intervention) mehr Kinder gesunde Nahrungsmittel weniger als

einmal pro Woche zu sich nahmen. Es lässt sich nach Ende des Programms (B)

eine Verschiebung von etwa 6 % der Kinder hin zur Kategorie „1- bis 3-mal/

Woche gesunde Nahrungsmittel wie Rohkost und Salat/Woche“ beobachten.

In der Abbildung sind noch nicht die Veränderungen in der Kontrollgruppe

berücksichtigt.

Abbildung 29: Obstkonsum der Kinder (Rohdaten)

Zusammengefasst zeigt sich, dass die Kinder unter Berücksichtigung der

Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie auch weiterer Fremdeinflüsse

(siehe oben) nach der Intervention etwa 0,2 Portionen mehr Obst essen als

vorher, entsprechend ca. 6 % mehr über alle Kinder gemittelt ein bedeutsamer

Befund. Auch diesen statistisch gesicherten Effekt gibt es jedoch sechs

Monate später (C) nicht mehr.

Trinken die Kinder mehr Gläser Wasser pro Tag?

Unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie auch

weiterer Fremdeinflüsse wie Alter der Kinder zeigte sich keine statistisch

gesicherte oder bedeutsame Verbesserung durch die Intervention, weder

direkt nach dem Programm (B) noch weitere sechs Monate später (C).

Abbildung 30: Konsum gesunder Nahrungsmittel (Rohdaten)

Unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse konnten wir eine statistisch gesicherte und

bedeutsame Erhöhung des Verzehrs von gesunden Lebensmitteln um 0,13

Portionen täglich durch das Ernährungsmodul zeigen, jedoch nur zum

60 61


Soziale Verantwortung

Zeitpunkt (C), also sechs Monate nach Ende der Intervention.

Helfen die Kinder mehr mit beim Zubereiten der Mahlzeiten?

Unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse konnten wir nachweisen, dass es einen statistischen

Trend dahingehend gibt, dass die Kinder nach der Intervention mehr

bei den Mahlzeiten oder beim Tischdecken mithelfen als vor der Intervention.

Ein statistisch gesicherter Effekt fehlt jedoch zu beiden Messzeitpunkten

zum Ende der Intervention (B) und sechs Monate nach Ende der Intervention

(C).

Abbildung 31: Täglicher Fernsehkonsum (Standard-Modul, Rohdaten)

Das Mithelfen bei den Mahlzeiten spiegelt eine Intention des Ernährungsmoduls

wider. Dessen Ziel ist, dass die Kinder mehr Kompetenz rund ums

Essen entwickeln. Eine gesteigerte Kompetenz der Kinder hätte sich beispielsweise

darin manifestieren können, dass sie nach dem Modul mehr

bei der Zubereitung der Mahlzeiten mitgeholfen hätten.

5.2.2 Bewegungsmodul

Nach Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse verbringen die Kinder in beiden Studienarmen

zum Ende der Intervention (B) und auch noch sechs Monate nach Ende der

Intervention (C) laut Elternangaben unter der Woche statistisch gesichert

weniger Zeit vor dem Fernseher. Sichtbar wird dies in Abbildung 31 an

einer Verschiebung der Verteilung in Richtung der Kategorien „keine“ oder

„weniger als eine halbe Stunde pro Tag Fernsehzeit“. Dieser Befund gilt

auch für den Arm mit dem zusätzlichen Elternbaustein.

Nach Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse schätzen statistisch gesichert mehr Eltern

ihre Kinder bei der ersten Messung nach Intervention (B) sowie auch sechs

Monate nach Ende der Intervention (C) als aktiver ein (Abb. 32). Dies gilt

auch für den Arm mit dem zusätzlichen Elternbaustein.

Abbildung 32: Einschätzung der Aktivität durch die Eltern (Standard-Modul, Rohdaten)

Nach Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse verbringen die Kinder in beiden Studienarmen

laut Elternangaben weder zum Ende der Intervention (B) noch sechs

Monate nach Ende der Intervention (C) mehr Zeit draußen. Es ergibt sich

für das Standard-Bewegungsmodul keine sichere Veränderung der draußen

verbrachten Zeit. Im Arm mit dem zusätzlichen Elternbaustein gibt

es im Gegensatz wohl eine statistisch gesicherte und auch bedeutsame

Zunahme der draußen verbrachten Zeit.

62 63


Soziale Verantwortung

5.2.3 Elternbaustein im Bewegungsmodul

Es gab einen Trend dazu, dass Kinder im Studienarm mit zusätzlichem Elternbaustein

weniger fernsehen und mehr draußen spielen als Kinder im Standard-Bewegungsmodul

(Abb. 33 und 34). Die Unterschiede waren statistisch

jedoch nicht völlig gesichert. Bei der Fernsehzeit unter der Woche gab es

keine Unterschiede zwischen den Kindergärten mit und denen ohne Elternbausteine.

Abbildung 34: Draußen verbrachte Zeit im Standard-Bewegungsarm und im Studienarm

mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Abbildung 33: Fernsehzeit am Wochenende im Standard-Bewegungsarm und im Studienarm

mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Abbildung 35: Von Eltern berichtete Lebensqualität von Kindern im Standard-Bewegungsarm

und im Studienarm mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Zusätzlich wurde von uns noch überprüft, wie sich der partizipative Elternbaustein

auf die von den Eltern berichtete Lebensqualität, Schlafqualität

und allgemeine Gesundheit der Kinder auswirkt. Hier schnitten Kinder im

Studienarm mit partizipativem Elternbaustein statistisch gesichert bedeutsam

besser ab als Kinder im Standard-Bewegungsmodul ohne Elternbaustein

(Abb. 35–37).

64 65


Soziale Verantwortung

Abbildung 36: Von Eltern berichtete Schlafqualität von Kindern im Standard-Bewegungsarm

und im Studienarm mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

5.3 Die Ergebnisse der objektiven Messungen

In diesem Abschnitt berichten wir die Ergebnisse der objektiven Messungen,

die vor Beginn der Intervention, unmittelbar nach der Intervention (sechs

Monate) und zum Nachweis der Nachhaltigkeit sechs Monate nach Ende

der Intervention durchgeführt wurden. Um diese objektiven Messungen zu

erhalten, reisten jeweils Messteams mit zwei leitenden Fachpersonen zu

den teilnehmenden Kindergärten. Die Messungen umfassen die Körpermaße,

eine genaue Ermittlung des Körperfettanteils mittels Hautfaltendicken,

das Messen der Körpermaße wie Gewicht, Größe, Taillenumfang sowie das

Messen des Blutdrucks. Im Bewegungsmodul erhielten alle Kinder zusätzlich

ein miniaturisiertes Aufzeichnungsgerät, das über mehrere Tage den

Pulsschlag und die Bewegungsaktivität aufzeichnete. Eine Aufzeichnung

des Bewegungsverhaltens und des Pulses über mehrere Tage an drei unterschiedlichen

Messzeitpunkten und dies bei nahezu 1.000 Kindern ist weltweit

derzeit die umfassendste Untersuchung zum Bewegungsverhalten bei

Kindern im Kindergartenalter. Bei der Betrachtung der objektiven Ergebnisse

ist wichtig, die Wirkungskette im Blick zu behalten: Zuerst ändern sich

die Einstellung und das Wissen von Kindern und Eltern. Dies wird durch veränderte

Antworten im Fragebogen dokumentiert. Auf eine veränderte Haltung

und Einstellung folgt verändertes Verhalten. Dies kann sich bei den

objektiven Messungen niederschlagen durch die im Sitzen verbrachte Zeit,

die mittlere Bewegungsaktivität oder die Zeit mit hoher Bewegungsaktivität.

Erst als Folge und daher mit einer zeitlichen Verzögerung wird sich das geänderte

Bewegungsverhalten auch in geänderten Messwerten für Körperfett

und Body-Mass-Index niederschlagen.

Abbildung 37: Von Eltern geschätzte allgemeine Gesundheit von Kindern im Standard-Bewegungsarm

und im Studienarm mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Aus der Vielfalt der Ergebnisse beschränken wir uns bei der Darstellung in

diesem Bericht auf diejenigen, bei denen es im Vergleich zur Kontrollgruppe

(keine Bewegungs- oder Ernährungsintervention) statistisch gesicherte

Veränderungen gab. Ferner berichten wir diejenigen Messwerte, die bedeutsam

sind.

66 67


Soziale Verantwortung

5.3.1 Ernährungsmodul

Verändert sich der mittlere Body-Mass-Index der Kinder?

In der folgenden Abbildung ist dargestellt, wie sich der mittlere Body-

Mass-Index der Kinder über die Messzeitpunkte verändert hat (Abb. 38).

als der BMI. So hat sich gezeigt, dass ein Verhältnis von über 0,5 bei Kindern

mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung des sogenannten metabolischen

Syndroms (mit Übergewicht nicht selten einhergehende, ungünstige

Stoffwechsellage) verbunden ist. Allerdings wird deutlich, dass unter

Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie weiterer

Fremdeinflüsse zu beiden Messzeitpunkten nach Intervention keine signifikante

Abnahme des Taillen-Größen-Verhältnisses der Kinder festgestellt

werden kann.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe ergaben sich also für Body-Mass-Index und

Taillen-Größen-Verhältnis keine statistisch gesicherten oder bedeutsamen

Veränderungen zwischen der Kontroll- und Interventionsgruppe. Die Analyse

des Körperfettanteils bei Kindern im Ernährungsmodul zeigte ebenfalls

keine statistisch gesicherte Abnahme (Abb. 39), aber einen Trend zur

Abnahme zum Zeitpunkt 6 Monate (B = direkt nach Ende der Intervention),

nicht aber weitere sechs Monate später (Zeitpunkt C = sechs Monate nach

Ende der Intervention = zwölf Monate).

Abbildung 38: Veränderung des mittleren BMI (Rohdaten)

Wie zu sehen ist, haben die Kinder im Mittel zum Ende des Programms

(Messzeitpunkt B) einen niedrigeren BMI, was ein erwünschter Effekt sein

könnte, jedoch hält dieser Effekt nach Ende des Programms nicht an. Sechs

Monate später scheint der BMI wieder auf das Ausgangsniveau zurückgekehrt

zu sein. Die Abbildung enthält jedoch keine Korrektur für die Veränderungen

in der Kontrollgruppe und damit auch nicht für den natürlichen,

entwicklungsbedingten Verlauf des BMI.

Abbildung 39: Körperfettanteil bei Kindern im Ernährungsmodul vor Intervention (0 Monate) und zum Ende der

Intervention (6 Monate) im Vergleich zur Wartelistekontrollgruppe (adjustierte für Kontrollvariablen)

Unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie

auch weiterer Fremdeinflüsse nimmt der BMI weder direkt nach dem Ernährungsmodul

(B) noch weitere sechs Monate später signifikant ab.

Verändert sich das Verhältnis von Taille zu Größe der Kinder?

Das Verhältnis von Taille zu Größe ist bei Kindern möglicherweise ein besserer

Anhaltspunkt für die mit Übergewicht verbundenen Gesundheitsrisiken

68 69


Soziale Verantwortung

zusätzlich der Elternbaustein lief. Alles in allem gibt es also keine statistisch

gesicherte Veränderung des Body-Mass-Indexes in beiden Armen des Bewegungsmoduls.

5.3.2 Bewegungsmodul

Objektiv gemessene Bewegung

Im Bewegungsmodul ohne Elternbaustein zeigte sich keine statistisch gesicherte

oder bedeutsame Änderung der im Sitzen oder in hoher Aktivität

verbrachten Zeit oder des mittleren Aktivitätsniveaus (Abb. 40). Allenfalls

war direkt nach Ende des Programms ein Trend zur Zunahme der in hoher

Aktivität verbrachten Zeit zu verzeichnen, dieser Unterschied war jedoch

statistisch nicht gesichert und ließ sich nach weiteren sechs Monaten nicht

mehr beobachten.

Abbildung 41: Veränderung des Body-Mass-Indexes im Standard-Bewegungsmodul (Rohdaten)

Abbildung 40: Veränderung der in hoher Aktivität verbrachten Zeit

im Standard-Bewegungsmodul (Rohdaten)

Verändert sich der mittlere Körperfettanteil oder das Taillen-Größen-

Verhältnis der Kinder?

Nach Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie auch

weiterer Fremdeinflüsse wie Alter und Geschlechtsverteilung hatten die Kinder

im Standard-Bewegungsarm zum Ende der Intervention (B) wie auch

sechs Monate nach Ende der Intervention (C) einen statistisch gesicherten

Trend zu weniger Körperfett als vor der Intervention. Dies gilt ebenfalls für

den Studienarm, in dem zusätzlich der Elternbaustein lief. In der Abb. 42

sind nicht die statistisch gesichert verbesserten adjustierten Werte, sondern

die Rohwerte ohne Berücksichtigung der Fremdeinflüsse dargestellt.

Körpermaße

Bewegung, Sport oder Inaktivität haben bekanntlich Einfluss auf Körpergewicht

und andere Körpermaße wie Body-Mass-Index und Körperfett. Nachfolgend

wird berichtet, ob sich Body-Mass-Index, Körperfettanteil und Taillen-

Größen-Verhältnis der Kinder durch die Intervention verändern.

Verändert sich der mittlere Body-Mass-Index der Kinder?

Nach Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe sowie auch

weiterer Fremdeinflüsse nahm der Body-Mass-Index im Standardarm zum

Zeitpunkt (C) nicht bedeutsam zu. Zum Zeitpunkt (B) gab es eine nicht bedeutsame

Abnahme (Abb. 41). Dies gilt auch für den Studienarm, in dem

Abbildung 42: Veränderung des Körperfettgehalts im Standard-Bewegungsmodul (Rohdaten)

70 71


Soziale Verantwortung

Das Taillen-Größen-Verhältnis der Kinder blieb in beiden Studienarmen mit

Bewegungsmodul statistisch unverändert.

Abbildung 44: Täglich im Sitzen verbrachte Zeit (Minuten) im Standard-Bewegungsarm und

im Studienarm mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Abbildung 43: Veränderung des Taillen-Größen-Verhältnisses im Standard-Bewegungsmodul (Rohdaten)

5.3.3 Elternbaustein im Bewegungsmodul

Im Gegensatz zum Standard-Bewegungsmodul hat sich das objektiv gemessene

Bewegungsverhalten der Kinder in den Kindergärten, in denen es den

zusätzlichen, partizipativen Elternbaustein gab, statistisch gesichert positiv

verändert.

Verglichen mit dem Standard-Bewegungsmodul zeigte sich sowohl bei einer

Analyse nach Gruppenzuteilung wie einer Analyse nach tatsächlich durchgeführtem

Programm eine statistisch gesicherte Wirkung des Programms

mit Elternbaustein im Hinblick auf die täglich im Sitzen verbrachte Zeit. Diese

nahm über zwölf Monate statistisch gesichert ab, während die mittlere tägliche

Aktivität bei den Kindergärten, die tatsächlich den Elternbaustein umsetzten,

in statistisch gesicherter Weise zunahm (Abb. 44 und 45.) Im Vergleich

zu Kindern im Standard-Bewegungsmodul verbringen die Kinder im

Elternbaustein täglich mehr als fünf Minuten weniger Zeit im Sitzen und

haben auch bedeutsam höhere Werte für die mittlere tägliche Aktivität. Der

Elternbaustein schafft es damit, die für die psychomotorische Entwicklung

von Kindern ausschlaggebende Bewegung unabhängig von Migrationsoder

sozialem Hintergrund zu erhöhen.

Abbildung 45: Mittlere Aktivität täglich im Standard-Bewegungsarm und im Studienarm

mit zusätzlichem Elternbaustein (adjustiert für Kontrollvariablen)

Weder die in hoher Aktivität verbrachte Zeit noch die objektiven Körpermaße

(Body-Mass-Index und prozentuales Körperfett) waren statistisch gesichert

unterschiedlich im Studienarm mit dem Elternbaustein verglichen

mit dem ohne Elternbaustein. Damit haben weder das Bewegungsprogramm

mit noch das ohne Elterbaustein einen eindeutigen und nachhaltigen Effekt

auf die Körpermaße der Kinder. Bewegung muss jedoch gerade bei den sich

noch in der motorischen Entwicklung befindlichen Kindern unabhängig

gesehen werden von der Gewichtsentwicklung alleine.

72 73


Soziale Verantwortung

Bewegung ist ein Grundbedürfnis von Kindern, das über die Prävention von

Übergewicht hinaus ein sehr breites Spektrum von positiven Einflüssen auf

die kognitive, motorische und psychische Entwicklung von Kindern ausübt.

5.3.4 Gruppen mit besonderem Risiko

Migrationshintergrund

Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund schnitten bei den Untersuchungen

schlechter ab und profitierten weniger sowohl vom Ernährungsprogramm

wie auch vom Bewegungsprogramm. Die schon vor Intervention

bestehenden Unterschiede in BMI und Körperfett vergrößern sich nach dem

Ernährungsmodul zulasten der Kinder mit Migrationshintergrund (Abb. 48).

Sechs Monate nach der Bewegungsintervention verändert sich für Kinder

mit Migrationshintergrund die Zeit in hoher Aktivität pro Tag nicht, Kinder

ohne Migrationshintergrund können sich jedoch teils verbessern (Abb. 47).

Kinder mit Migrationshintergrund verbringen gleich viel Zeit täglich im Sitzen,

Kinder ohne Migrationshintergrund können sich eher verbessern (Abb. 46).

Beide Programme scheinen also Kinder mit Migrationshintergrund zu

„vernachlässigen“, wobei es sich beim Bewegungsmodul nur um statistische

Trends und nicht gesicherte Ergebnisse handelt.

Abbildung 47: In hoher Aktivität verbrachte Zeit in Minuten vor und 6 Monate nach der Intervention für Kinder mit

und ohne Migrationshintergrund (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe = Rohdaten)

Abbildung 48: Body-Mass-Index in kg/m 2 vor und 6 Monate nach der Intervention für Kinder mit und ohne

Migrationshintergrund (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe = Rohdaten)

Abbildung 46: Im Sitzen verbrachte Zeit in Minuten vor und 6 Monate nach der Intervention für Kinder mit und

ohne Migrationshintergrund (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe = Rohdaten)

Abbildung 49: Körperfettgehalt in Prozent vor und 6 Monate nach der Intervention für Kinder mit und ohne

Migrationshintergrund (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der Kontrollgruppe = Rohdaten)

74 75


Soziale Verantwortung

Sozialer Status

Kinder aus ressourcenreichen Familien haben schon vor den Modulen einen

deutlich niedrigeren BMI als Kinder aus ressourcenarmen Familien. Es besteht

eine lineare Abhängigkeit des BMI vom sozialen Status. Gleiches gilt für den

Anteil an übergewichtigen Kindern und dem prozentualen Körperfett. Diese

anfänglichen Unterschiede zwischen den Bildungsschichten werden eher

größer nach Ende der beiden Module (Abb. 50–52).

Abbildung 52: Prozent an übergewichtigen Kindern vor und 6 Monate nach der Intervention bei Kindern aus

ressourcenschwachen, mittleren und ressourcenreichen Familien (keine Berücksichtigung

der Veränderungen in der Kontrollgruppe = Rohdaten)

Abbildung 50: Body-Mass-Index vor und 6 Monate nach der Intervention bei Kindern aus ressourcenschwachen,

mittleren und ressourcenreichen Familien (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der

Kontrollgruppe = Rohdaten)

Abbildung 51: Körperfettgehalt vor und 6 Monate nach der Intervention bei Kindern aus ressourcenschwachen,

mittleren und ressourcenreichen Familien (keine Berücksichtigung der Veränderungen in der

Kontrollgruppe = Rohdaten)

5.4 Vergleich mit anderen Projekten

Unsere Ergebnisse zeigen: Erzieherinnen wie auch Eltern berichten über Verbesserungen

im Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Kinder nach dem

Programm. Unsere objektiven Messungen aber können keine Veränderung

beim relativen Gewicht (Body-Mass-Index), kaum Veränderung beim Körperfettanteil

und keine Verbesserung beim objektiv gemessenen Bewegungsverhalten

durch das Ernährungs- und Bewegungsmodul dokumentieren.

Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit denen anderer Programme zur Förderung

von gesunder Ernährung und Bewegung im Kindergarten in Deutschland

und weltweit. Beispielsweise konnte auch bei einem anderen deutschen

Kindergartenprogramm festgestellt werden, dass die Kinder nach Elternangaben

mehr Obst und Gemüse nach dem Programm aßen als vorher. Jedoch

konnten auch dort die objektiven Messungen weder eine Veränderung beim

BMI noch bei der motorischen Geschicklichkeit der Kinder zeigen 22 . Damit

lässt sich zusammenfassen, dass die bisher mittels objektiver Maße evaluierten

Programme zur Bewegungs- und Ernährungsförderung im Kindergarten

in Deutschland zwar sehr gut von den Erzieherinnen akzeptiert wurden

und gute Rückmeldungen der Eltern bekamen, aber keine „harten“

Daten zur Wirksamkeit bieten.

76 77


Soziale Verantwortung

Die Veränderung des BMIs in Programmen während der Kindergartenzeit

nachzuweisen, ist keine leichte Aufgabe: Der BMI nimmt gerade in diesem

Alter der sogenannten „adiposity rebounds“ von Natur aus ab 23 : Mit ca.

fünf bis sieben Jahren haben die meisten Kinder den niedrigsten BMI ihrer

gesamten Kindheit. Wenn Programme durch Förderung gesunder Ernährung

und Bewegung versuchen, den BMI in dieser Altersspanne positiv zu beeinflussen,

müssen sie den natürlichen Abfall des BMI noch übertrumpfen. Sicherlich

wäre es daher wichtig, den BMI bei kommenden Evaluationen von Programmen

später noch einmal zu messen, z.B. im Alter von neun Jahren. Veränderungen

in der Ernährung, z.B. der Konsum von mehr Obst und Gemüse,

schlagen sich eher langfristig im BMI nieder.

Der Vorteil des aufwändigen Studiendesigns zeigt sich nun darin, dass unsere

Daten es der Baden-Württemberg Stiftung erlauben, das Programm zu verbessern

und effektiver zu machen. Durch Einbau eines partizipativen Elternbausteins

konnten wir klären, wie effektiv die Einbindung von Eltern sein

kann. Wir liefern Ergebnisse zur bisher ungeklärten Frage, ob ein partizipativer

Ansatz, der Eltern als „aktive Player“ in die Gesundheitsförderung einbezieht,

angeboten werden muss, damit die Intervention gelingt. Wir können

klären, inwiefern der Erfolg eines Programms von der Qualität der Fachkräfte

abhängt. Die Auswertung liefert zudem Information darüber, wie nach Einschätzung

der Erzieherinnen das Programm verbessert werden könnte. Dies

ist insbesondere wichtig, da sie Dreh- und Angelscheibe für Kindergartenprogramme

darstellen. Mehr dazu finden Sie in Kapitel 6.

Die Evaluation des Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ durch das

MIPH unterscheidet sich vor allem durch ein sehr ausgefeiltes Studiendesign

und durch die objektive Messung von Bewegung von anderen Evaluationen.

Damit geht sie weit über das, was andere Programme zum Kriterium von

Wirksamkeit akzeptiert haben, hinaus. Durch ein kontrolliert-randomisiertes

Design wird der Zufall und der Einfluss von Fremdeinflüssen als Ursache für

beobachtete Veränderungen so weit wie möglich ausgegrenzt. Durch Kontrolle

(also methodische Berücksichtigung) von Faktoren wie Saison und

Lokalisation der einzelnen Kindergärten konnten wir unterscheiden zwischen

einem echten und einem vorgetäuschten Effekt: z.B. hängt das Bewegungsausmaß

von Kindern von der Saison ab. Kinder sind am aktivsten im Frühling,

etwa gleich aktiv im Sommer und Herbst und deutlich weniger aktiv im

Winter 24 . Wenn Studien also bei der objektiven Messung von Bewegung

nicht kontrollieren, in welcher Saison die Bewegung gemessen wurde und

das Programm im Winter begonnen hat, kann es sich um einen vorgetäuschten

Effekt handeln. Zusätzlich können wir in unserer Evaluation zwischen

Meinungen über das Programm und den objektiven Tatsachen unterscheiden,

da wir auch qualitative Daten aus Interviews mit Erzieherinnen herangezogen

haben, die mit neuesten qualitativen Methoden der Inhaltsanalyse

bearbeitet wurden.

78 79


Soziale Verantwortung

6. Was wurde erreicht, was ist noch zu tun?

Unsere Ergebnisse zeigen, dass beide Module, sowohl das Ernährungs- als

auch das Bewegungsprogramm, nachhaltig sensibilisierten für gesunde

Ernährung und Bewegung. Die objektiven Messungen zeigen, dass insbesondere

der Elternbaustein eine sinnvolle Ergänzung des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ darstellt.

Was bedeuten

die Ergebnisse und

wie können wir sie

in Zukunft nutzen?

Der Befund, dass beide Standard-Module nachhaltig für die Themen gesunde

Ernährung und Bewegung stimulierten, wird gestützt durch die Fragebogenantworten

der Eltern und insbesondere durch die qualitative Auswertung

der Interviews mit den Erzieherinnen. Das zusätzliche Einbinden der Eltern

im partizipativen Elternbaustein verstärkte die bewegungsförderlichen

Effekte: Im Studienarm mit Elternbaustein zeigten sich zusätzlich zu Verbesserung

bei den subjektiven Parametern auch nachhaltige Veränderungen

der objektiv messbaren Werte, etwa eine Abnahme der täglich inaktiven

Zeit und einer Zunahme der hohen Aktivität. Hingegen erreichte das Programm

Komm mit in das gesunde Boot“ im Ernährungsmodul keine statistisch

gesicherte nachhaltige Verbesserung der objektiven Körpermaße und

im Standard-Bewegungsmodul nur eine geringe Abnahme des Körperfetts,

nicht aber eine Steigerung objektiv gemessener Bewegung oder eine Verbesserung

in anderen Körpermaßen. Diese Befunde deuten darauf, dass die

beobachtbaren Effekte des von allen weitgehend als positiv und stimulierend

erlebten Programms in drei Stufen erfolgen: 1) Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung,

2) Beginn einer Verhaltensänderung, die aber nicht nachhaltig

durchgehalten wird, 3) nachhaltige und sich selbst verstärkende Verhaltensänderung,

die über veränderte Alltagsgewohnheiten schließlich auch zu

veränderten objektiven Messwerten führt. Die parallele qualitative Untersuchung

durch das MIPH liefert einige Hinweise für eine Optimierung des

Programms, die nachstehend ausführlich diskutiert werden. Es ist essenziell,

die Erzieherinnen als die zentralen Multiplikatoren und Akteure möglichst

bereits in der Ausbildung mit den Themen Gesundheits-, Ernährungs- und

Bewegungsförderung sowie Eltern-Empowerment vertraut zu machen. Dies

sollte angesichts der vielfältigen Aufgaben der Erzieherinnen durch geändertes

Setzen von Prioritäten von Seiten der Träger unterstützt und gefördert

werden. Ein Aufbürden als zusätzliche Aufgabe oder Verlagerung rein

81


Soziale Verantwortung

auf externe Kräfte ist, wie diese Untersuchung zeigt, kein zielführender Weg.

Anregungen gibt das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ für Schulkinder,

das von Anfang an über die Lehrer als Multiplikatoren und unter Einbindung

von Eltern umgesetzt wird.

6.2 Unterschiede zwischen städtischen

und ländlichen Kindergärten

Im Gegensatz zu unserer Ausgangsvermutung fanden wir keine bedeutenden

Unterschiede zwischen Kindergärten im städtischen Umfeld und Kindergärten

im ländlichen Umfeld, insbesondere auch im Hinblick auf die Wirkung

des Bewegungsmoduls. Das Ernährungs- und das Bewegungsprogramm

sind offenbar in gleicher Weise geeignet, sowohl in ländlichen wie in städtischen

Tagesstätten eingesetzt zu werden.

6.1 Kinder mit Migrationshintergrund

Die Analysen von Gruppen mit besonderen Risiken zeigen, dass Kinder mit

Migrationshintergrund von dem Programm nicht in gleicher Weise profitierten

wie Kinder ohne Migrationshintergrund.

Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund schnitten bei den Untersuchungen

schlechter ab und profitierten weniger, sowohl vom Ernährungsprogramm

als auch vom Bewegungsprogramm. Die bereits vor der Intervention

bestehenden Unterschiede im Body-Mass-Index und beim Körperfett

vergrößerten sich nach dem Ernährungsmodul zulasten der Kinder mit

Migrationshintergrund. Kinder mit Migrationshintergrund können ebenfalls

nicht vollständig vom Bewegungsmodul profitieren: Im Gegensatz zu

Kindern ohne Migrationshintergrund verbringen die Kinder mit Migrationshintergrund

nach dem Modul täglich gleich viel Zeit in hoher Aktivität und

Sitzen und haben gleich viel Körperfett wie vor dem Modul. Bei der Weiterentwicklung

des Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ im Hinblick

auf Kinder mit Migrationshintergrund ist daher zu berücksichtigen, dass,

nach der verfügbaren Literatur, vorteilhafte Effekte bei Kindern mit Migrationshintergrund

mehr durch Veränderungen der Verhältnisse (Gestaltung

eines bewegungsförderlicheren Kindergartens durch z.B. Verbesserung der

Grundstücke, festen Einbau von Bewegung in Kindergartencurricula und

gezielte Schulung von Erzieherinnen) zu erreichen sind als durch individuelle

Verhaltensprävention.

6.3 Sozioökonomischer Hintergrund

Durch das Programm profitierten Kinder aus ressourcenstarken Familien

stärker als Kinder aus ressourcenarmen Familien. Die ohnehin bestehenden

Unterschiede zwischen den Bildungsschichten im Anteil übergewichtiger

Kinder oder im Body-Mass-Index akzentuierten sich beispielsweise nach

Ende des Ernährungsprogramms. Dies wird möglicherweise dadurch erklärt,

dass in ressourcenreichen Familien externe Einflüsse wie externe Impulse

rascher aufgegriffen und in Verhalten umgesetzt werden als in ressourcenarmen

Familien. Dies unterstreicht die Bedeutung, das Umfeld der Kinder

gezielt mit einzubeziehen. Offenbar findet der Transfer in das Umfeld beim

derzeitigen Programm leichter bei ressourcenstarken Familien als bei ressourcenfernen

Familien statt.

Im Gegensatz dazu können im Studienarm mit dem partizipativen Elternbaustein

Kinder mit Migrationshintergrund und aus ressourcenarmen Bildungsschichten

sogar mehr profitieren (keine Abbildung): Sie verbringen nach dem

Programm mehr Zeit draußen als Kinder ohne Migrationshintergrund oder

aus ressourcenreichen Familien. Dieser Zusammenhang konnte jedoch nicht

für das objektive Bewegungsverhalten nachgewiesen werden. Trotzdem

scheint das intensive, über die Wissensvermittlung hinausgehende Einbeziehen

der ressourcenärmeren Familien durch den Elternbaustein eine Umkehr

der „Benachteiligung“ von sozialen Randgruppen zu ermöglichen.

82 83


Soziale Verantwortung

6.4 Geschlechterunterschiede

Bei beiden Geschlechtern verbesserte sich objektiv die gemessene Zeit der

hohen Aktivität im Bewegungsmodul leicht. Das Bewegungsmodul hilft

Mädchen und Jungen gleich gut und ist damit wirksam unabhängig vom

Geschlecht. Dies gilt, obschon Jungen grundsätzlich mehr Zeit in hoher Aktivität

über den Tag hinweg verbringen als Mädchen.

6.5 Einbezug der Eltern

Das zusätzliche Einbinden der Eltern im Bewegungsprogramm durch einen

partizipativen Elternbaustein verstärkte die bewegungsförderlichen Effekte.

Der bedeutsamste Zugewinn durch den Elternbaustein zeigte sich in einer

Zunahme der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität der Kinder. Dies

ging einher mit einer verbesserten subjektiven Schlafqualität, einer verbesserten

subjektiven Wahrnehmung der allgemeinen Gesundheit und einer

verbesserten subjektiven Lebensqualität der Kinder. Die Veränderung des

Bewegungsverhaltens zeigt sich einerseits in einer statistisch gesicherten

stärkeren Abnahme der täglich im Sitzen verbrachten Zeit sowie einer statistisch

gesicherten und bedeutsamen Zunahme der mittleren Aktivität täglich.

Dieser Befund ist unabhängig vom Verlauf des Gewichts für die Kinder

bedeutsam, da viele Studien zeigen, dass mehr Bewegung bei Kindern einhergeht

mit besseren koordinativen Fähigkeiten, besserer psychomotorischer

Entwicklung und damit verbunden auch besserer Entwicklung der kognitiven

sowie sprachlichen Fähigkeiten. Außerdem wird die psychische Gesundheit

und das Selbstbewusstsein von jüngeren Kindern durch ein Mehr

an Bewegung gestärkt.

Lebensweg: Beispielsweise konnten Studien zeigen, dass die Lebensqualität

von Jugendlichen umso höher ist, je mehr sie sich im Kindergartenalter bewegt

hatten. Eine Zunahme von objektiv gemessener Bewegung durch das

Einbinden der Eltern im partizipativen Elternbaustein ist daher ein großer

Erfolg, auch wenn die nach zwölf Monaten gemessene Gewichtsentwicklung

nicht unterschiedlich scheint bei Kindern mit und ohne Elternbaustein.

Bewegung im Kindesalter ist wie erwähnt als mehr zu sehen, als nur die

Verhinderung von Übergewicht.

In dieser Untersuchung wurde somit erstmals weltweit anhand objektiver

Messung gezeigt, dass über eine Standard-Bewegungsintervention hinausgehendes

Einbeziehen der Eltern zu messbaren und auch bedeutsamen

Veränderungen im Bewegungsverhalten der Kinder führt.

Das bisherige Programm „Komm mit in das gesunde Bootmit der Vermittlung

der Inhalte über Fachkräfte stellt eine wegweisende grundsätzliche

Entwicklung dar. Die Untersuchung zeigte jedoch auch, dass ohne nachhaltige

und langfristige Verankerung im Kindergarten, am besten durch entsprechende

Modifikation der Curricula und Aufgaben der Betreuerinnen

sowie Einbinden der Eltern, nachhaltige langfristige Effekte nicht zu verankern

sind. Auch die Erzieherinnen selbst meldeten in der qualitativen Auswertung

zurück, dass Eltern – vor allem beim Bewegungsmodul – stärker

einbezogen werden sollten. Die Erzieherinnen könnten hier als die zentralen

Multiplikatoren und Akteure möglichst bereits in der Ausbildung in den

Themen Gesundheitsförderung über Ernährung und Bewegung sowie Eltern-

Empowerment geschult werden. Durch ein partizipatorisches Einbeziehen

von Eltern wird eine Brücke in die Alltagskultur der Familien geschlagen,

die dadurch als Gesamtheit für mehr Bewegung „beimpft“ werden könnten.

Dies würde die Nachhaltigkeit des Programms unterstützen.

Die Bewegung im jungen Kindesalter hat nicht nur sofortige Wirkungen für

die jungen Kinder selbst, sondern beeinflusst positiv den gesamten weiteren

84 85


Soziale Verantwortung

6.6 Integration und Qualifikation der Fachkräfte

Wählten wir die eingeschätzte Qualifikation der Fachkräfte nach Auskunft

der Kindergärtnerinnen als zusätzliche Variable, so zeigten Sekundäranalysen

einen Zusammenhang zwischen dem Engagement und der Qualifikation

der Fachkraft und der Wirkung des Standard-Bewegungsmoduls im

Kindergarten. In Kindergärten, in denen die Fachkraft als sehr gut qualifiziert

bewertet wurde, zeigten die Kinder statistisch gesichert mehr Zeit in

hoher Aktivität und weniger in Inaktivität als in Kindergärten mit schlechter

bewerteter Fachkraft. Dies unterstreicht die Bedeutung, das Curriculum

möglichst von gut ausgebildeten Fachkräften, am besten von den Erzieherinnen

selbst durchführen zu lassen und die Inhalte des Ernährungs- und

Bewegungsmoduls in den Alltag der Kindertagesstätten zu integrieren. Die

strukturierte Durchführung des Programms „Komm mit in das gesunde Boot

durch die Erzieherinnen des Kindergartens selbst ist derzeit nicht verankert.

Jedoch könnte eine Schulung mindestens einer Erzieherin pro Kindergarten

zur „Bewegungsfachkraft“ dazu führen, dass Kindergärten nachhaltig

Bewegungsstunden durchführen und insgesamt „bewegungsfreundlicher“

werden.

bei Familien mit Migrationshintergrund oder Kindern aus ressourcenarmen

Familien nicht genügend Übersetzungswahrscheinlichkeit in den gelebten

Alltag.

Sollte in der Zukunft der partizipative Elternbaustein in Kindergärten von

den Erzieherinnen umgesetzt werden, so können die in der qualitativen

Untersuchung geäußerten Gesichtspunkte der Erzieherinnen aufgegriffen

werden (siehe Abb. 53).

Abbildung 53: Aussagen der Erzieherinnen bezüglich Bereitschaft zur Übernahme

des partizipativen Elternbausteins durch Erzieherinnen

Im Rahmen des jetzigen Evaluationsprojekts war es nicht möglich, die Erzieherinnen

selbst zu schulen, so dass die Erzieherinnen selbst mit den Eltern in

ihrem Kindergarten Aktivitäten des Elternbausteins initiieren und verstetigen

konnten. Daher war der Elternbaustein darauf angewiesen, dass die Inhalte

über eine lokale Fachkraft, die häufig gleichzeitig die Bewegungsfachkraft des

Bewegungsmoduls war, einzubringen. Da die Daten eindeutig zeigen, dass die

aktive Teilnahme am Elternbaustein die Wirksamkeit des Bewegungsprogramms

erheblich steigerte, sollte in der Zukunft darauf hingewirkt werden,

Möglichkeiten zu finden, die Umsetzung des Elternbausteins durch die Erzieherinnen

zu ermöglichen. Dazu notwendige zusätzliche Ressourcen wären

sicherlich eine sinnvolle Investition in die Zukunft der Kinder des Landes

Baden-Württemberg. Nur auf diese Weise lässt sich die Elternbeteiligung

verstetigen. Die von außen durch eine externe Fachkraft hineingetragene

Intervention entfaltet insbesondere in ressourcenferneren Kontexten wie

6.7 Einbau in das Curriculum

der Erzieherinnen-Ausbildung

Das Thema Bewegung und Ernährung sowie das praktische Vorgehen zur

Umsetzung von Gesundheitszielen kann auch dadurch Nachhaltigkeit und

Aufwind erhalten, dass es in Schulungen des Kindergartenpersonals und

in der Ausbildung stärker berücksichtigt werden. So wäre zu überlegen, ob

die Organisation partizipativer Projekte, wie sie etwa im Rahmen des partizipativen

Elternbausteins angeboten wurden, nicht ein wichtiger Inhalt für

86 87


Soziale Verantwortung

die Weiterbildung von Erzieherinnen sein sollte. Die Verankerung von Themen

der Gesundheitsförderung in die Aus- und Weiterbildung des Kindergartenpersonals

würde auch das bei der Durchführung des partizipativen Elternbausteins

immer wieder beobachtete Phänomen entschärfen, dass sich Erzieherinnen

durch das externe Angebot überfordert, bedrängt oder in ihrer

Kompetenz geschmälert fühlen.

6.10 Abstimmung der Interventionen

Ein immer wiederkehrendes Problem, das sowohl der Umsetzung des Standardprogramms

als auch der partizipativen Eltern-Intervention im Wege

stand, war das Parallelangebot an weiteren Förderprogrammen oder -initiativen.

Von außen kommenden Initiativen zur Gesundheitsförderung ist zu

empfehlen, wo immer möglich, das vor Ort bestehende „Projekt-Umfeld“ zu

kennen und nach möglichen Synergien zu suchen. Auch hier ist die aktive

Beteiligung des Kindergartens bzw. Kindergartenpersonals von Vorteil.

6.8 Integrierter Ansatz

Vom Ansatz der Gesundheitsförderung her gehören die Themen Ernährung

und Bewegung zusammen – und auch in der Durchführung ließen sich durch

die „Piratenkultur“ Synergien schaffen (Beispiel: Was trinkt ein Pirat, nachdem

er sich angestrengt hat? Wasser ...). Das heißt, idealerweise würden

beide Module gleichzeitig oder nacheinander angeboten. Hier müsste überlegt

werden, ob und wie die Module verbunden werden und/oder über einen

längeren Zeitraum durchgeführt werden können.

6.9 Förderung der Nachhaltigkeit

Eine solche Verlängerung des Interventionszeitraums würde auch einem

zweiten Ziel entgegenkommen: der Verbesserung der Nachhaltigkeit. Ein

halbes Jahr ist zu kurz, um Verhaltensänderungen zu konsolidieren. Denn

nur, wenn die neu erlernten Verhaltensweisen wirklich Eingang in die lokale

„Kindergartenkultur“ finden, ist für eine Transmission von Kindergruppe

zu Kindergruppe, von Elterngeneration zu Elterngeneration und auch unter

den Erzieherinnen gesorgt. Bei einem kurzen Interventionszeitraum ist

zudem zu befürchten, dass auch die didaktische Leitkultur (Piraten) wieder

„einschläft“.

6.11 Ownership, Leadership

Jede Veränderung braucht nach den Modellen der auf Gruppen bezogenen

sozialen Lerntheorie einen „Eigentümer“ und einen „Führer“. Dies bedeutet,

dass Veränderungen nur dann nachhaltig sind, wenn die Ideen auch „Eigentümern“

zuzuordnen sind, die für ihr Gut dann eine geeignete Führerschaft

organisieren. Dies stellt von außen in den Kindergarten getragene Projektideen

nicht grundsätzlich in Frage, wirft aber die Frage auf, wer den Prozess

wirklich „trägt“. Externe Fachkräfte können einen Veränderungsprozess möglicherweise

anstoßen, dieser kann sich jedoch nur verstetigen, wenn sich

innerhalb des Kindergartens früher oder später „Eigentümer“ und „Führer“

finden, die den Prozess weiter entwickeln und innerhalb des Kindergartens

verstetigen. Hier bieten sich Erzieherinnen als Hauptakteure, im Zusammenspiel

mit den Eltern, an. Die Evaluation des Programms unterstützt diese

theoretische Einschätzung: Die von den Eltern mit getragenen Interventionen

(soweit sie tatsächlich umgesetzt wurden) waren tendenziell effektiver, als

die von externen Fachkräften getragene Standard-Intervention. Auch von

Seiten der Kindergärten besteht durchaus das Interesse, dass sich Erzieherinnen

stärker in der Gesundheitsförderung engagieren. Dieses Potenzial ließe

sich nutzen, etwa indem pro Kindergarten eine oder zwei interessierte

Erzieherinnen für die kontinuierliche Implementierung von Aspekten der

Gesundheitsförderung in den Kindergartenalltag zuständig sind. Dies würde

insbesondere die Elternbeteiligung fördern, die im Rahmen der gewohnten

88 89


Soziale Verantwortung

Erziehungspartnerschaft weitaus leichter sicherzustellen ist, als wenn externe

Fachkräfte die Eltern ansprechen.

6.12 Verankerung in der Alltagskultur

Die moderne Interventionsforschung hat wiederholt gezeigt, dass gerade

die Flexibilität und lokale Anpassbarkeit von Interventionen zu mehr Erfolg,

Motivation und Selbsterhaltung von Interventionen und Projekten führt. Da

die Fachkräfte in der Standard-Intervention jedoch strenge Vorgaben zur

Durchführung des Programms haben, kann eine Anpassung des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ an das lokale Umfeld nur in sehr begrenztem

Maße stattfinden. Andererseits können externe Fachkräfte sehr wohl

Impulse von außen bringen, was in der Auswertung von den Erzieherinnen

auch gelobt wurde. Sollte weiter mit Fachkräften gearbeitet werden, dann

sollten sie genutzt werden, um Erzieherinnen zu schulen und in der Anfangsphase

bei der Durchführung des Programms zu unterstützen.

Die Piratengeschichte wurde von den Erzieherinnen allgemein als ein didaktisch

hochwertiges und identifikationsstiftendes Mittel angesehen. Hier

wäre zu überlegen, wie sich die „Piratenkultur“ weiter in den Kindergartenalltag

einbauen ließe.

90 91


Soziale Verantwortung

7. Methodenanhang

In den folgenden Abschnitten findet der interessierte Leser mehr Information

zum methodischen Vorgehen bei der Evaluation des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“.

Eine wichtige Maßnahme, um Kontrollgruppen zu etablieren und für andere

Fremdeinflüsse zu kontrollieren, war die Entwicklung eines adäquaten

Studiendesigns (Abb. 54). Um zu überprüfen, was sich ohne den Einfluss eines

Programms verändert (= Kontrollgruppe), wurden Kindergärten per Zufall

in einen Wartelistenarm und einen Interventionsarm eingeteilt (sogenannte

Wartelistenkontrolle).

Da Veränderungen von Ernährungsverhalten und Bewegung auch durch andere

Faktoren wie beispielsweise die Jahreszeit beeinflusst werden können,

wurden Kindergärten in zwei Wellen in die wissenschaftliche Untersuchung einbezogen,

einmal im Herbst 2008 und einmal im Frühjahr 2009 (Abb. 54).

Für Leser, die ins

Detail gehen wollen –

ein paar Worte zu den

Messungen ...

Abbildung 54: Rekrutierungs- und Messphasen

93


Soziale Verantwortung

7.1 Rekrutierung der Kindergärten und Kinder

Die Kindergärten wurden in Rücksprache mit der Baden-Württemberg

Stiftung in den Landkreisen Stuttgart, Karlsruhe, Rottweil und Mannheim/

Heidelberg rekrutiert. Kindergärten konnten eingeschlossen werden, wenn

sie in einer der genannten Regionen lagen, mindestens 15 Kinder am Programm

Komm mit in das gesunde Boot“ teilnahmen und eine Fachkraft

für die Durchführung des Programms „Komm mit in das gesunde Boot“ zur

Verfügung stand.

Die sogenannten Einschlusskriterien erfüllenden Kindergärten wurden gefragt,

ob sie mit einer Teilnahme des Kindergartens und der Kinder einverstanden

wären. Vor der Einverständnisvergabe wurden die Erzieherinnen

intensiv mittels schriftlicher und mündlich-persönlicher Information über

den Aufbau der Evaluation, die Belastung der Kinder, die Anzahl der Messungen,

die Handhabung der Bewegungsmessgeräte etc. aufgeklärt. Aus

dem Pool der mit der Teilnahme einverstandenen Kindergärten wurden

dann getrennt für Bewegung und Ernährung per Zufall die Kindergärten in

den Kontroll- und den Interventionsarm eingeteilt.

Die Abbildung 55 zeigt die genauen Teilnahmeverläufe auf Kindergartenebene.

Bei der Evaluation der Ernährungskindergärten konnten von 20 die Einschlusskriterien

erfüllenden Kindergärten 15 rekrutiert werden. Acht dieser 15 Kindergärten

wurden nach Stratifizierung nach Region und sozialem Hintergrund

per Zufall in den Interventionsarm eingeordnet, sieben in den Kontrollarm.

Somit enthielt der Interventionsarm 144 Kinder (im Mittel 18 Kinder pro

Kindergarten) und der Kontrollarm 150 Kinder (im Mittel 21 Kinder pro Kindergarten).

Für alle diese Kinder wurden die schriftlichen Einverständniserklärungen

der Eltern eingeholt. Von diesen rekrutierten Kindern wurden

im Interventionsarm 123 (85 %) und im Kontrollarm 122 (81 %) bei der ersten

Messung die Daten erhoben.

Bewerbungen Einschlusskriterien erfüllende Kitas in der Region

Stuttgart/Rottweil/Karlsruhe (n=20)

Intervention (n=8)

Mittlere Clustergröße: 18 (11-27)

Kinder N=144

Gemessene Kinder 1. Messung

N=123 (85,42 %)

Ausschluss (n=5)

Davon Verweigerung der Teilnahme: n=3

Rekrutierung (n=15)

Stratifizierung, Randomisierung

Kontrolle (n=7)

Mittlere Clustergröße: 21 (9-36)

Kinder N=150

Gemessene Kinder 1. Messung

N=122 (81,33 %)

Abbildung 55: Randomisierung und Stratifizierung von Ernährungskindergärten

Prozent rekrutierte Kinder 77,84 %; Prozent gemessene Kinder 89,07 %

Bei der Evaluation der Bewegungskindergärten konnten von 44 die oben

genannten Einschlusskriterien erfüllenden Kindergärten 37 Kindergärten

für die Evaluation rekrutiert werden (Abb. 56). 20 dieser 37 Kindergärten

wurden nach Stratifizierung nach Region und sozialem Hintergrund per

Zufall in den Interventionsarm eingeordnet, 17 in den Kontrollarm. Somit

enthielt der Interventionsarm 371 Kinder (im Mittel 19 Kinder pro Kindergarten)

und der Kontrollarm 370 Kinder (im Mittel 23 Kinder pro Kindergarten).

Für alle diese Kinder wurden die schriftlichen Einverständniserklärungen

der Eltern eingeholt. Von diesen rekrutierten Kindern wurden im

Interventionsarm 335 (88 %) und im Kontrollarm 322 (84 %) bei der ersten

Messung die Daten erhoben.

94 95


Soziale Verantwortung

Bewerbungen Einschlusskriterien erfüllende Kitas in der Region

Stuttgart/Rottweil/Karlsruhe (n=44)

Ausschluss (n=7)

Davon Verweigerung der Teilnahme: n=5

Rekrutierung (n=37)

dass 79 % aller Kinder, die auch Turn- und Ernährungsstunden mitgemacht

haben, von uns berücksichtigt werden konnten und dass deren Werte auch

in den Ergebnissen widergespiegelt werden. Diese hohe Beteiligung hat zur

Folge, dass unsere Daten belastbar und generalisierbar auf andere Kindergärten

und Regionen Baden-Württembergs scheinen.

Ernährung

Bewegung

Studienarm

Intervention

Kontrolle

Intervention

Kontrolle

Anzahl

eligibler

Kindergärten

12

8

24

20

Anzahl vor

der ersten

Messung

8

7

20

17

Rekrutierung

in Prozent

66,67

87,50

83,33

85

Stratifizierung, Randomisierung

Ernährung + Bewegung

2

2

100

Bewegung + Ernährung

1

1

100

Intervention (n=20)

Mittlere Clustergröße: 19 (9–46)

Kinder N=371

Gemessene Kinder 1. Messung

N=336 (90,57 %)

Abbildung 56: Randomisierung und Stratifizierung von Bewegungskindergärten

Prozent rekrutierte Kinder 84 %; Prozent gemessene Kinder 83,33 %

Kontrolle (n=17)

Mittlere Clustergröße: 23 (15–50)

Kinder N=370

Gemessene Kinder 1. Messung

N=324 (87,57 %)

Zusätzlich zu den reinen Bewegungs- und Ernährungskindergärten wurden

noch drei Kindergärten rekrutiert, in denen die Kinder beide Programme

durchliefen. In den in Abb. 57 in der vorletzten Zeile genannten Kindergärten

bekommen die Kinder in den ersten sechs Monaten das Ernährungsmodul

und in den zweiten sechs Monaten ab Messbeginn das Bewegungsmodul.

Die beiden Kindergärten in der letzten Zeile der Abb. 57 dagegen durchlaufen

die Module in genau umgekehrter Reihenfolge.

Insgesamt konnten in allen rekrutierten Kindergärten somit 1.113 von 1.438

Kindern, die für das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ angemeldet

waren, für die Untersuchung motiviert werden (siehe Abb. 58, aufgeschlüsselt

für Kindergärten im Ernährungs- und Bewegungsmodul). Dies bedeutet,

Gesamt

Ernährung

Bewegung

Ernährung + Bewegung

Bewegung + Ernährung

Gesamt

Studienarm

Intervention

Kontrolle

Intervention

Kontrolle

Anzahl ausgeschieden

nach

erster Messung

Im Verlauf der gesamten Untersuchung und über fünf Messzeitpunkte im

Abstand von einem halben Jahr wurden bei 1.113 Kindern somit über 4.000

Messungen durchgeführt.

67

1

1

1

0

0

3

Anzahl Kindergärten

nach erster

Messung

Abbildung 57: Rekrutierungsrate Ernährungs- und Bewegungskindergärten

55

7

7

19

16

2

1

52

82,09

96 97


Soziale Verantwortung

7.2 Messausfälle

Von den 1.113 rekrutierten Kindern waren zu den jeweiligen Messzeitpunkten

in den lokalen Kindergärten aus verschiedenen Gründen nicht immer alle

Kinder anwesend. Am häufigsten fehlten die Kinder wegen Krankheit oder

Urlaub bei den Messungen. Vor allem bei den ersten Messungen, bei denen

die Kinder im Schnitt auch jünger waren als bei den darauffolgenden Messungen,

wollten einige Kinder auch die Messung nicht mitmachen. Ein

weiterer Grund, vor allem bei den letzten Messungen (M3 bis M5), für einen

Messausfall bei rekrutierten Kindern, war der Schulbeginn. Damit waren

die Kinder eigentlich nicht mehr im Kindergarten und, je nachdem, ob der

Kindergarten nahe bei der Grundschule lag und die Erzieherinnen weiterhin

den Kontakt zu den Kindern und ihren Eltern (eventuell über Geschwisterkinder)

pflegten, kamen diese Schulkinder noch zur Messung hinzu. In

seltenen Fällen wurden Kinder nicht mehr gemessen, da die Familien umgezogen

waren oder die Eltern die Einverständniserklärung zu den Messungen

zurückgezogen hatten.

In den folgenden zwei Abbildungen (Abb. 59 und 60) wird gezeigt, wie viele

Kinder vom Messzeitpunkt 1 (M1) bis zum Messzeitpunkt 5 (M5) wegen der

oben genannten Gründe nicht an den Messungen teilnahmen und damit

auch keine Daten beigetragen haben. Die Zahlen sind aufgetragen für die

beiden Rekrutierungsphasen, nämlich für die Kindergärten, die ab September

2008 mit den Messungen begonnen hatten, sowie die Kindergärten,

die erst im Januar 2009, also ein halbes Jahr später, mit den Messungen

begonnen hatten (siehe oben, saisonale Gruppen). Dabei wird sichtbar, dass

die Messausfallraten über alle Kindergärten hinweg von minimal 1 % bis

hin zu 19 % reichen. Die hohen Messausfälle finden sich jedoch erwartungsgemäß

vor allem in den letzten zwei Messphasen (M4, M5), da hier für viele

Kinder der Schulanfang liegt und sie damit gewohnheitsmäßig nicht mehr

im Kindergarten sind.

Ernährung

Gesamt

Grund

Krank oder Urlaub

Drop out*

Will nicht

Messung 1

(n=580)

10

0

14

24 (4,14 %)

Messung 2

(n=572)

15

8

9

32 (5,59 %)

Messung 3

(n=531)

15

30

2

47 (8,85 %)

Messung 4

(n=312)

3

2

1

6 (1,92 %)

Bewegung

Krank oder Urlaub

24

43

44

20

Anzahl Kinder

inKomm mit

in das gesunde

Boot

Für Evaluation

rekrutierte

Kinder

Prozent

rekrutierte

Kinder

Gesamt

Drop out*

Will nicht

0

19

43 (7,41 %)

8

12

63 (11,01 %)

22

5

67 (12,62 %)

32

1

53 (16,99 %)

Ernährung

Intervention

Kontrolle

198

152

144

149

72,73

98,03

Bewegung + Ernährung

Krank oder Urlaub

Drop out*

4

0

5

0

9

0

14

6

Bewegung

Intervention

Kontrolle

494

471

380

377

76,92

80,04

Gesamt

Will nicht

2

6 (1,03 %)

0

5 (0,87 %)

1

10 (1,88 %)

2

22 (7,05 %)

Ernährung + Bewegung

Bewegung + Ernährung

76

47

50

33

65,79

70,21

* Drop out infolge von Umzug, Schulbeginn, Rücknahme der Einverständniserklärung

Abbildung 59: Rekrutierungswelle 1

Gesamt

1.438

1.133

78,79

Abbildung 58: Rekrutierungsrate Kinder

98 99


Soziale Verantwortung

Bewegung

Ernährung

Gesamt

Gesamt

Grund

Krank oder Urlaub

Drop out*

Will nicht

Krank oder Urlaub

Drop out*

Will nicht

Messung 1







Messung 2

(n=572)

Messung 3

(n=531)

* Drop out infolge von Umzug, Schulbeginn, Rücknahme der Einverständniserklärung

Abbildung 60: Rekrutierungswelle 2

9

2

4

15 (2,73 %)

29

5

24

58 (10,56 %)

10

1

1

12 (2,32 %)

21

15

8

44 (8,49 %)

Messung 4

(n=312)

25

4

3

32 (5,2 %)

67

49

2

118 (19,19 %)

Messung 5

(n=267)

4

5

16

25 (9,36 %)

16

20

3

39 (14,61 %)

Bewegung waren das von den Eltern berichtete Bewegungsausmaß der

Kinder und die draußen und vor dem Fernseher verbrachte Zeit. Durch statistische

Methoden und Analysen wurde untersucht, ob die Module des Programms

Komm mit in das gesunde Boot“ statistisch gesicherte („statistisch

signifikante“) und bedeutsame („klinisch relevante“) Veränderungen

in den oben erwähnten Parametern zur Folge haben. Anders ausgedrückt:

Es wurde geprüft, ob die Programme wirksam sind oder nicht.

Zur Anwendung kamen hier vor allem Regressionsmodelle, welche erlauben,

für die Effekte anderer Einflüsse zu kontrollieren. Für die Evaluation der

Ernährungsintervention wurden Random-Effects-Panel-Regressionsmodelle

herangezogen, für die Bewegungsintervention Multi-Level-Regressionsmodelle.

Kontrollvariablen bei den Modellen waren Alter, Geschlecht, Lokalisation

der Kindergärten (städtisch/ländlich), Saison, sozialer Status (Bildung

der Mutter) und Migrationshintergrund. Bei weiterführendem Interesse am

methodischen Vorgehen können Sie uns gerne kontaktieren (Mannheimer

Institut für Public Health und Präventivmedizin, MIPH).

7.4

7.3 Evaluationsbausteine –

Zielparameter und Modelle

Anhand welcher Bausteine oder – wissenschaftlich – Parameter soll nun

gemessen werden, ob die Programme effektiv sind?

Hierzu wurden von uns primäre und sekundäre Zielparameter definiert.

Primäre Zielparameter bezeichnen Parameter, anhand derer die Fallzahl

für eine Evaluation berechnet wird und die am wichtigsten zur Beurteilung

eines Interventionserfolgs sind. Hierfür wurde für die Evaluation des Ernährungsmoduls

der Obst- und Gemüsekonsum der Kinder herangezogen. Weitere

sekundäre Zielparameter für Ernährung waren der Konsum von Wasser

und gesüßten Getränken, der Verzehr von gesunden und ungesunden Indikatornahrungsmitteln,

das Mithelfen der Kinder im Haushalt sowie anthropometrische

Parameter (BMI, Taillen-Größen-Verhältnis). Im Bewegungsmodul

wurde als primärer Zielparameter die über ein objektives Messgerät

gemessene Bewegung der Kinder herangezogen. Weitere Parameter für

7.4 Ablauf der Messungen

Die Messungen fanden etwa alle sechs Monate in den lokalen Kindergärten

statt und wurden in den alltäglichen Kindergartenablauf integriert. Ein

Messteam (drei bis fünf geschulte studentische Hilfskräfte und wissenschaftliche

Mitarbeiter) kam morgens in den Kindergarten und führte die

Messung bei einem Kind nach dem anderen durch. Im Messzimmer waren

immer mindestens zwei Kinder. Die Messungen selbst dauerten 15–20 Minuten

maximal.

Spätestens zwei Wochen vor Ankunft des Messteams wurde dem Kindergarten

ein Poster zur Verfügung gestellt, auf dem der Messtag für alle Eltern

sichtbar am Kindergarteneingang angekündigt wurde.

100 101


Soziale Verantwortung

7.4.1 Was heißt Messung?

Die Messungen umfassten drei Blöcke:

1) Fragebogenmessung (Ernährungs- und Bewegungsverhalten)

2) Messung der anthropometrischen Parameter

3) Objektive Messung von Bewegung über das Bewegungsmessgerät

Actiheart (CamNtech, Cambridge, UK)

Die Hautfaltendicken an verschiedenen Körperregionen wurden mit einem

sogenannten Caliper gemessen, einer Messlatte für kleinste Messgrößen

im Millimeterbereich. Die Hautfaltendicken spiegeln den Unterhautfettgehalt

des Körpers wider und lassen eine Schätzung des Gesamtkörperfetts

anhand bestimmter Formeln zu.

Im letzten Teil der Messung klebten wir anschließend mit zwei kleinen Haftringen

(Elektroden) das kleine, zehn Gramm schwere Bewegungsmessgerät

(Actiheart) auf den Bauch des Kindes. Das Actiheart ist das weltweit

kleinste Gerät dieser Art und wird in vielen Untersuchungen bei Kindern

eingesetzt.

Zuallererst bekamen die Eltern von uns einen Fragebogen über Bewegung,

Ernährung und gesundheitsbezogenes Verhalten ihres Kindes, den sie in

Ruhe zu Hause ausfüllen konnten und spätestens sechs Tage nach Erhalt

wieder im Kindergarten abgeben sollten.

Darüber hinaus erhoben wir am Messtag in dieser Reihenfolge folgende

Körpermessdaten der Kinder: Gewicht, Größe, Taillen- und Hüftumfang,

Hautfaltendicke, Blutdruck, Bewegung, Herzfrequenz.

Abbildung 63: Positionierung von

Elektroden und Actiheart

Abbildung 64: Kind mit Actiheart

Abbildung 61: Messen des Taillenumfangs

Abbildung 62: Messen der Hautfaltendicke

Danach wurde das Gerät mit einer „zweiten Haut“ abgedeckt, einer hautfreundlichen,

durchsichtigen Folie. Da das Actiheart-Gerät wasserfest ist,

konnten die Kinder damit ohne Probleme baden oder duschen. Die Eltern

wurden über die richtige Art der Befestigung der Elektroden und andere

Anwendungsdetails mündlich und/oder schriftlich aufgeklärt. Wenn das Actiheart

nicht störte, wurde es für weitere sechs Tage von den Kindern getragen.

Der Blutdruck wurde mit einem automatischen Blutdruckgerät und Kindermanschetten

gemessen.

102 103


Soziale Verantwortung

bestimmten Kindergärten der partizipative Elternbaustein. Die finale Auswertung

der erhobenen Daten erfolgte von August bis Oktober 2010.

7.4.2 Datenverarbeitung

Die Messdaten jedes einzelnen Kindes wurden pseudonymisiert erhoben.

Dabei kam ein Code zur Anwendung, der für Außenstehende nicht identifizierbar

ist. Die so geschützten Daten wurden in Datenbanken gespeichert

und mittels statistischer Methoden, wie oben beschrieben, ausgewertet. Für

jedes Kind, das Daten beigetragen hatte, wurde überprüft, ob eine schriftliche

Einverständniserklärung der Eltern für die Teilnahme vorliegt. Diese

Einverständniserklärungen wurden zentral im MIPH (für Außenstehende

nicht einsehbar) verwahrt.

7.5 Evaluationszeitplan

Das MIPH erhielt Ende Januar 2008 von der Baden-Württemberg Stiftung

den Auftrag, das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ zu evaluieren.

Bis Ende August 2008 wurde vom MIPH im Rahmen der Evaluation ein neuartiger,

partizipativer Elternbaustein

(Abb. 65) entworfen. Im gleichen

Zeitraum wurde ein wissenschaftliches

Konzept für die Messungen,

die statistische Analyse, die logistische

Organisation der Messungen,

aber auch der Implementierung des

Elternbausteins entwickelt. Die Materialien

zum Elternbaustein (DVD,

Website) waren bis Ende Oktober

2008 erstellt. Die erste Messung

fand im September 2008 statt, die

letzte im Juli 2010. Vom Frühjahr

2009 bis Frühjahr 2010 lief zusätzlich

zum Bewegungsprogramm

Abbildung 65: Erzieherin mit Kindern und

Actiheart-Bewegungsmessgerät

in

104 105


Soziale Verantwortung

Fußnoten

1 Kurth B.-M., Schaffrath Rosario A. (2007): The prevalence of overweight and obese children and

adolescents living in Germany. Results of the German Health Interview and Examination Survey

for Children and Adolescents (KiGGS). Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz.

2007 (50): 736–43.

2 Korsten-Reck U. (2007): Sport zur Prävention und Therapie von Übergewicht bei Kindern.

Deutsches Ärzteblatt. 104: 35–9.

3 Lioret S.; Maire B.; Volatier JL.; Charles MA. (2007): Child overweight in France and its relationship

with physical activity, sedentary behaviour and socioeconomic status. Eur J Clin Nutr. 61: 509–16.

4 Raczek J. (2002): Entwicklungsveränderungen der motorischen Leistungsfähigkeit der Schuljugend

in drei Jahrzehnten (1975–1995). Sportwissenschaften. 32: 201–16.

5 Hebebrand JuB, K. (2005): Umgebungsfaktoren – Körperliche Aktivität. In: Wabitsch M, ed.

Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Grundlagen und Klinik. Berlin: Springered, 50–60.

6 Reilly JJ. JD.; Montgomery C.; Kelly LA.; Slater C.; Grant S.; Paton JY. (2004): Total energy expenditure

and physical activity in young Scottish children: mixed longitudinal study. Lancet. 363: 211–2.

7 Seach KA.; Dharmage SC.; Lowe AJ.; Dixon JB. (2005): Delayed introduction of solid feeding reduces

child overweight and obesity at 10 years. International Journal of Obesity. 34 (10):1475–9.

8 von Kries R.; Koletzko B.; Sauerwald T.; von Mutius E.; Barnert D.; Grunert V.; et al. (1999):

Breast feeding and obesity: cross sectional study. BMJ (Clinical Research Ed).; 319 (7203): 147–50.

9 Koletzko B.; Schiess S.; Brands B.; Haile G.; Demmelmair H.; von Kries R.; et al.: [Infant feeding

practice and later obesity risk. Indications for early metabolic programming]. Bundesgesundheitsblatt,

Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz. 53 (7): 666–73.

10 Gooze RA.; Anderson SE.; Whitaker RC.: Prolonged Bottle Use and Obesity at 5.5 Years of Age

in US Children. The Journal of Pediatrics.

11 Kitsantas P.; Gaffney KF.: Risk profiles for overweight/obesity among preschoolers. Early Human

Development. 86 (9): 563–8.

12 Mensink G.; Kleiser, C.; Richter, A. (2007): Lebensmittelverzehr bei Kindern und Jugendlichen

in Deutschland. Ergebnisse des Kinder- und Jugendsurveys (KIGGS).

14 Hurrelmann K. (2000): Gesundheitssoziologie. Weinheim: Juventa

15 Lindsay AC.; Sussner KM.; Kim J.; Gortmaker S.: The role of parents in preventing childhood obesity.

Future Child. 2006 Spring; 16 (1): 169–86.

16 Birch LL.; Davison KK.: Family environmental factors influencing the developing behavioral

controls of food intake and childhood overweight. Pediatr Clin North Am. 2001 Aug; 48 (4):

893–907.

17 Olivera SAE.; R.C.; Moore, L.L.; Gillman, M.W.; Garrahie, E.J.; Singer, M.R. (1992): Parent-childrelationship

in nurient intake: the Framingham Children’s Study. American Journal of Clinical

Nutrition; 56: 593–8.

18 Scaglioni S.; Salvioni M.; Galimberti C.: Influence of parental attitudes in the development

of children eating behaviour. Br J Nutr. 2008 Feb; 99 Suppl 1: S. 22–5.

19 Baden-Württemberg SBL. (2008): Mikrozensus 2005. Familien in Baden-Württemberg. (3): 03.

20 Baden-Württemberg SL. (2008): Bevölkerung Baden-Württembergs am 31. Dezember 2008

nach Alters- und Geburtsjahren. Available from: www.statistik.baden-wuerttemberg.de/

BevoelkGebiet/Landesdaten/bev_altersjahre.asp.

21 Lange M.; Kamtsiuris P.; Lange C.; Schaffrath Rosario A.; Stolzenberg H.; Lampert T.:

[Sociodemographic characteristics in the German Health Interview and Examination Survey

for Children and Adolescents (KiGGS) – operationalisation and public health significance,

taking as an example the assessment of general state of health]. Bundesgesundheitsblatt

Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2007 May–June; 50 (5–6): 578–89.

22 Bayer O.; von Kries R.; Strauss A.; Mitschek C.; Toschke AM.; Hose A.; et al.: Short- and midterm

effects of a setting based prevention program to reduce obesity risk factors in children:

a cluster-randomized trial. Clin Nutr. 2009 Apr; 28 (2): 122–8.

23 Rolland-Cachera MF.; Deheeger M.; Bellisle F.; Sempe M.; Guilloud-Bataille M.; Patois E.:

Adiposity rebound in children: a simple indicator for predicting obesity. Am J Clin Nutr. 1984 Jan;

39 (1): 129–35.

24 Riddoch CJ.; Mattocks C.; Deere K.; Saunders J.; Kirkby J.; Tilling K.; et al.: Objective measurement

of levels and patterns of physical activity. Arch Dis Child. 2007 Nov; 92 (11): 963–9.

13 Klohe-Lehman DM.; Freeland-Graves J.; Clarke KK.; Cai G.; Voruganti VS.; Milani TJ.; et al.:

Low-income, overweight and obese mothers as agents of change to improve food choices, fat

habits, and physical activity in their 1-to-3-year-old children. J Am Coll Nutr. 2007 Jun; 26 (3):

196–208.

106 107


Soziale Verantwortung

Notizen

108 109


Soziale Verantwortung

Schriftenreihe der Baden-Württemberg Stiftung

Nr. Titel erschienen Nr. Titel erschienen

58 Kompetenzen fördern – Erfolge schaffen – Dokumentation des Programms 2011

„KOMET 2 – Kompetenz- und Erfolgstrainings für Jugendliche“

57 Sag’ mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder – Zur Evaluation 2011

des Programms der Baden-Württemberg Stiftung

56 Nanotechnology – Fundamentals and Applications of Functional Nanostructures – 2011

Th. Schimmel, H. v. Löhneysen, M. Barczewski

55 Fit für den Wiedereinstieg – wie sich Beruf und Familie unter einen Hut 2010

bringen lassen – Tipps für eine erfolgreiche Rückkehr in den Beruf

54 „Neue Brücken bauen ... zwischen Generationen, Kulturen und Institutionen“ – 2010

Programmdokumentation

53 Erzähl uns was! Kinder erzählen Geschichten und hören einander zu – 2010

Eine Förderinitiative der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

52 Am Anfang ist es eine Idee – am Ende eine große Erfindung – Ein Leitfaden für 2010

die Planung und Umsetzung von naturwissenschaftlich-technischen Projekten

51 Nachhaltigkeit macht fit für die Zukunft – Energie nutzen, Umwelt schützen 2011

50 Männer für erzieherische Berufe gewinnen: Perspektiven definieren und umsetzen – 2010

Impulse und Anregungen für eine größere Vielfalt in Tageseinrichtungen für Kinder

49 Strategische Forschung 2010 – Studie zur Struktur und Dynamik der 2010

Wissenschaftsregion Baden-Württemberg

48 Expeditionsziel: Nachhaltigkeit – Ihr Reiseführer in die Zukunft 2011

47 Familiäre Einflüsse als prägender Faktor: Herausforderung für die Suchtprävention – 2010

Wie Familien für die familienorienierte Suchtprävention zu gewinnen und welche

Veränderungen möglich sind

46 Qualifizierung von Prüfern: Entwicklung innovativer Weiterbildungskonzepte. – 2010

Wie neuen Herausforderungen im Bildungswesen begegnet und Prüfungsqualität

gesichert werden kann.

45 Neue Generationennetzwerke für Familien – Wissenschaftliche Evaluation des 2010

Förderprogramms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

44 Kinder und ihr Umgang mit Geld und Konsum – Dokumentation und Evaluation 2009

des Förderprogramms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

43 Musisch-ästhetische Modellprojekte in Kindergärten und anderen 2009

Tageseinrichtungen für Kinder – Dokumentation des Programms der Stiftung

Kinderland Baden-Württemberg

42 Training bei Demenz – Dokumentation zum Kongress „Training bei Demenz“ 2009

Dezember 2008

41 Hilfen und schulische Prävention für Kinder und Jugendliche bei häuslicher Gewalt – 2009

Evaluation der Aktionsprogramme „Gegen Gewalt an Kindern“ 2004–2008 in

Baden-Württemberg

40 Kommunen auf dem Weg zu mehr Familienfreundlichkeit – Dokumentation des 2009

Projekts der Landesstiftung Baden-Württemberg „ZUKUNFTSFORUM Familie,

Kinder & Kommune“

39 Naturwissenschaftlich-technische Modellprojekte in Kindergärten – 2009

Dokumentation des Programms der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

38 Erfolgsgeschichten – Nachwuchswissenschaftler im Porträt – Ergebnisse 2009

des Eliteprogramms für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der

Landesstiftung Baden-Württemberg

37 „Kinder nehmen Kinder an die Hand“ – Dokumentation des Programms 2009

der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

36 Zeit nutzen – Innovative pädagogische Freizeitangebote für Kinder und 2008

Jugendliche während der Ferienzeit – Dokumentation des Förderprogramms

der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

35 E-LINGO – Didaktik des frühen Fremdsprachenlernens – Erfahrungen und 2008

Ergebnisse mit Blended Learning in einem Masterstudiengang (erschienen im

gnv Gunter Narr Verlag Tübingen)

34 Visionen entwickeln – Bildungsprozesse wirksam steuern – Führung professionell 2008

gestalten – Dokumentation zum Masterstudiengang Bildungsmanagement der

Landesstiftung Baden-Württemberg (erschienen im wbv W. Bertelsmann

Verlag Bielefeld)

33 Forschungsprogramm Klima- und Ressourcenschutz – Berichte und Ergebnisse 2008

aus den Forschungsprojekten der Landesstiftung Baden-Württemberg

110 111


Soziale Verantwortung

Nr. Titel erschienen

32 Nanotechnology – Physics, Chemistry, and Biology of Functional Nanostructures – 2008

Results of the first research programme Kompetenznetz „Funktionelle

Nanostrukturen“ (Competence Network on Functional Nanostructures)

31 „Früh übt sich …“ – Zugänge und Facetten freiwilligen Engagements 2008

junger Menschen – Fachtagung am 21. und 22. Juni 2007 in der Evangelischen

Akademie Bad Boll

30 beo – 6. Wettbewerb Berufliche Schulen – Ausstellung, Preisverleihung, 2007

Gewinner und Wettbewerbsbeiträge 2007

29 Forschungsprogramm Mikrosystemtechnik der Landesstiftung 2007

Baden-Württemberg – Berichte und Ergebnisse aus den Forschungsprojekten

28 Frühe Mehrsprachigkeit: Mythen – Risiken – Chancen – Dokumentation zum 2007

Kongress am 5. und 6. Oktober 2006 in Mannheim

27 „Es ist schon cool, wenn man viel weiß!“ KOMET – Kompetenz- und Erfolgstrainings 2007

für Jugendliche – Dokumentation der Programmlinie der Landesstiftung

Baden-Württemberg 2005–2007

26 Jugend und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Gesellschaft – 2007

Untersuchungsbericht des Forschungsinstituts tifs e. V.

25 jes – Jugend engagiert sich und jes | connection – Die Modellprojekte der 2007

Landesstiftung Baden-Württemberg – Bericht der wissenschaftlichen Begleitung

2002–2005

24 Suchtfrei ins Leben – Dokumentation der Förderprogramme zur Suchtprävention 2007

für vorbelastete Kinder und Jugendliche

23 Häusliche Gewalt beenden: Verhaltensänderung von Tätern als Ansatzpunkt – 2006

Eine Evaluationsstudie von Monika Barz und Cornelia Helfferich

22 Innovative Familienbildung – Modellprojekte in Baden-Württemberg – 2006

Aktionsprogramm Familie – Förderung der Familienbildung

21 Förderung der Selbständigkeit und Eigenverantwortung von Menschen 2006

mit Behinderung – Dokumentation der Projekte der Ausschreibung der

Landesstiftung Baden-Württemberg 2002–2006

20 Raus aus der Sackgasse! – Dokumentation des Programms „Hilfen für 2006

Straßenkinder und Schulverweigerer“

Nr. Titel erschienen

19 „Erfahrungen, die’s nicht zu kaufen gibt!“ – Bildungspotenziale im freiwilligen 2006

Engagement junger Menschen – Fachtagung 16. und 17. Juni 2005 in der

Evangelischen Akademie in Bad Boll

18 beo – 5. Wettbewerb Berufliche Schulen – Dokumentation über die 2006

Wettbewerbsbeiträge der Preisträgerinnen und Preisträger 2006

17 Forschungsprogramm Nahrungsmittelsicherheit der Landesstiftung 2006

Baden-Württemberg – Berichte und Ergebnisse aus den Forschungsprojekten

16 Medienkompetenz vermitteln – Strategien und Evaluation – 2006

Das Einsteigerprogramm start und klick! der Landesstiftung Baden-Württemberg

15 Forschungsprogramm Optische Technologien der Landesstiftung 2005

Baden-Württemberg – Zwischenberichte aus den Forschungsprojekten

14 Jugend. Werte. Zukunft. – Wertvorstellungen, Zukunftsperspektiven und 2005

soziales Engagement im Jugendalter – Eine Studie von Dr. Heinz Reinders

13 4. Wettbewerb Berufliche Schulen – Dokumentation des Wettbewerbs 2005 mit 2005

den Preisträgerinnen und Preisträgern

12 „Beruf UND Familie“ – wie gestalten wir das UND? – Ein Leitfaden für Praktiker 2005

und Praktikerinnen aus Unternehmen und Kommunen

11 Strategische Forschung in Baden-Württemberg – Foresight-Studie und Bericht 2005

an die Landesstiftung Baden-Württemberg

10 Jugend und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Gesellschaft – 2005

Untersuchungsbericht des Forschungsinstituts tifs e. V.

9 Dialog Wissenschaft und Öffentlichkeit – Ein Ideenwettbewerb zur Vermittlung 2005

von Wissenschaft und Forschung an Kinder und Jugendliche

8 Selbstvertrauen stärken – Ausbildungsreife verbessern – Dokumentation 2005

innovativer Projekte im Berufsvorbereitungsjahr 2001/2002

7 FAUSTLOS in Kindergärten – Evaluation des Faustlos-Curriculums für den 2004

Kindergarten – dokumentiert im Zeitraum von Januar 2003 bis Oktober 2004

6 Hochschulzulassung: Auswahlmodelle für die Zukunft – Eine Entscheidungshilfe 2005

für die Hochschulen

112 113


Soziale Verantwortung

Nr. Titel erschienen

5 3. Wettbewerb Berufliche Schulen – Dokumentation des Wettbewerbs 2004 mit 2004

den Preisträgerinnen und Preisträgern

4 JUGEND und verantwortungsvolle Mediennutzung – Medien und Persönlich- 2004

keitsentwicklung – Dokumentation des Fachtags, 4. Dezember 2003,

Gospel Forum Stuttgart

3 2. Wettbewerb Berufliche Schulen – Dokumentation des Wettbewerbs 2003 mit 2003

den Preisträgerinnen und Preisträgern

2 Neue Wege der Förderung freiwilligen Engagements von Jugendlichen – 2003

Eine Zwischenbilanz zu Modellen in Baden-Württemberg

1 1. Wettbewerb Berufliche Schulen – Dokumentation des Wettbewerbs 2002 2005

mit den Preisträgerinnen und Preisträgern

114


Die Baden-Württemberg Stiftung setzt sich für ein lebendiges und lebenswertes Baden-

Württemberg ein. Sie ebnet den Weg für Spitzenforschung, vielfältige Bildungsmaßnahmen

und den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Baden-Württemberg

Stiftung ist eine der großen operativen Stiftungen in Deutschland. Sie ist die einzige, die

ausschließlich und überparteilich in die Zukunft Baden-Württembergs investiert – und damit

in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger.

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