26.02.2014 Aufrufe

LinuxUser Optimales Office (Vorschau)

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

Zeroshell: Proxy-Server und<br />

Virenscanner für das LAN S. 63<br />

Maßgeschneiderter Desktop<br />

mit Pekwm und Bmpanel S. 82<br />

RAW-Daten mit Lightzone<br />

stressfrei entwickeln S. 46<br />

10.2013<br />

ACETONEISO • OPENARTIST • MINI-PC • LIGHTZONE • ZEROSHELL • OFFICE<br />

Die wichtigsten Bürosoftware-Pakete für Linux im Direktvergleich<br />

<strong>Optimales</strong> <strong>Office</strong><br />

Calligra: KDE-Suite<br />

wird erwachsen S. 32<br />

Gnome <strong>Office</strong>: Trotz<br />

Macken brauchbar S. 24<br />

Softmaker <strong>Office</strong>:<br />

Kann mit Microsoft S. 16<br />

Gründlich nachgezählt:<br />

Wo Libre<strong>Office</strong> gegen Open<strong>Office</strong> punktet S. 8<br />

So packen Sie im Nu DEB- und RPM-Archive S. 92<br />

Programme paketieren in wenigen Handgriffen mit Effing Package Management<br />

Mini-PC Cirrus7 Nimbus:<br />

Schick, lautlos, schnell S. 88<br />

Top-Distris<br />

auf zwei<br />

Heft-DVDs<br />

Die 8 Top-Spiele aus dem<br />

Ubuntu Software Center S. 68<br />

10<br />

www.linux-user.de<br />

EUR 8,50 EUR 9,35 sfr 17,00 EUR 10,85 EUR 11,05 EUR 11,05<br />

Deutschland Österreich Schweiz Benelux Spanien Italien 4 196067 008502 10


Editorial<br />

Finnischer Bumerang?<br />

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,<br />

„Microsoft kauft Nokia“ – diese Schlagzeile<br />

kam so wenig unerwartet, dass der<br />

bekannte Sysadmin-Kolumnist unserer<br />

Schwester Linux-Magazin, Charly Kühnast,<br />

daraufhin trocken „Redmond: Sack<br />

Reis umgefallen“ bloggte û. Keine Frage,<br />

dieser Schritt Microsofts war seit Längerem<br />

abzusehen: Schließlich baut Nokia<br />

rund 80 Prozent aller Windows-Phones,<br />

ein weiteres Dahinsiechen des maroden<br />

finnischen Ex-Handy-Giganten<br />

hätte also die Mobil-Strategen in Redmond<br />

vor arge Probleme gestellt.<br />

Ein Total-Flop der Windows-Phones<br />

wäre schon deshalb ärgerlich gewesen,<br />

weil Microsoft gerade erst seine PC-Anwender<br />

mit der „Modern UI“ von Windows<br />

8 gründlich verprellt hat, die man<br />

dem Desktop nur deshalb überzog, um<br />

krampfhaft ein einheitliches Windows-<br />

Aussehen auf Smartphone, Tablet und<br />

PC zu erzwingen. Schon jetzt reklamieren<br />

viele Windows-Nutzer, wenn sie Kacheln<br />

wollten, dann könnten sie auch ins<br />

Badezimmer gehen.<br />

Microsoft kauft Nokia – OK, hier kauft<br />

ein Zwerg (Windows Phone: 2 Prozent<br />

Marktanteil) einen Winzling (Nokia-<br />

Smartphones: 1,2 Prozent). Charly Kühnasts<br />

Vergleich der jüngsten Microsoft-<br />

Erwerbung mit einem umgefallenen<br />

Sack Reis halte ich trotzdem für ein wenig<br />

kurzsichtig. Auch wenn sich Redmond<br />

bei Nokias Mobiltelefon-Sparte<br />

und den zugehörigen Patenten jetzt ausgesprochen<br />

preiswert bedient û, spricht<br />

Vieles dafür, dass sich der Deal für den<br />

Software-Giganten langfristig eher als<br />

Schuss in den Ofen erweisen könnte.<br />

Microsofts Ansporn, sich zunehmend als<br />

Komplettanbieter von Soft- und Hardware<br />

zu etablieren, lässt sich in einem<br />

Wort zusammenfassen: Apple û. Allerdings<br />

wildert Redmond damit in fremden<br />

Revieren, in denen der klassischen<br />

Hardware-Hersteller, und das könnte sich<br />

schnell als Bumerang erweisen: Schon<br />

gerüchtelt es aus Fernost, ein ganze Reihe<br />

namhafter Kistenbauer plane, künftig<br />

Googles Chrome OS statt Windows als<br />

vorinstalliertes Betriebssystem auszuliefern<br />

û. Damit verlöre Microsoft sein<br />

wichtigstes Vertriebs- und Marketing-Instrument:<br />

Die geradezu zwanghafte Auslieferung<br />

von Windows mit so gut wie jedem<br />

neuen Rechner. Stattdessen erhielt<br />

jeder Kunde mit dem Neuerwerb Linux.<br />

Dass Microsoft mit Windows 8 dem<br />

potenziell Backdoor-verseuchten TPM-<br />

2.0-Standard û zwanghaft Tür und Tor<br />

öffnet, fördert die Akzeptanz des Betriebssystems<br />

bei Unternehmen und<br />

dem Staat in Zeiten von Prism auch nicht<br />

gerade. All zu genaue Medienberichte<br />

darüber machen Microsoft derart nervös,<br />

dass es sofort auf juristischem Weg dagegen<br />

vorgeht û. Erfreulicherweise steht<br />

auch hier Linux diesmal genau rechtzeitig<br />

Gewehr bei Fuß: Gerade haben sowohl<br />

das Kubuntu-Projekt û als auch<br />

Libre<strong>Office</strong> û bekannt gegeben, dass für<br />

ihre Software jetzt auf breiter Basis extrem<br />

erschwinglicher kommerzieller Support<br />

bereit steht. Damit löst sich endlich<br />

Jörg Luther<br />

Chefredakteur<br />

ein dicker Knoten, der bis jetzt die Verbreitung<br />

von Linux-Desktops in Unternehmen<br />

behinderte.<br />

Um Missverständnissen vorzubeugen:<br />

Nein, weder 2013 noch 2014 werden<br />

wohl das bereits x-mal ausgerufene „Jahr<br />

des Linux-Desktops“. Aber nur selten im<br />

vergangenen Jahrzehnt standen die<br />

Chancen für Linux derart gut, die Dominanz<br />

Microsofts im Betriebssystem-Markt<br />

endlich nachdrücklich aufzubrechen –<br />

und das auch noch mit freundlicher Unterstützung<br />

direkt aus Redmond.<br />

Herzliche Grüße,<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/30376<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

3


10<br />

92<br />

Statt umfangreiche Spec-Files zu<br />

füllen, nutzen Sie einfach FPM,<br />

um auf die Schnelle eine Software in DEBund<br />

RPM-Archive zu verpacken.<br />

68<br />

Zocken unter Linux, das ist schon<br />

lange kein Problem mehr. Viele<br />

Anbieter setzen dabei auf Steam als Vertriebsweg,<br />

aber einige Perlen finden sich<br />

auch im Software Center. Wir stellen die<br />

acht schönsten Games vor.<br />

78<br />

Trotz USB-Sticks und Flash-Medien<br />

hat sich die CD als Datenträger<br />

nicht überlebt. Mit AcetoneISO erstellen<br />

Sie die notwendigen Image-Dateien – bei<br />

Bedarf sogar aus Multimedia-Files.<br />

Aktuelles<br />

Angetestet .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6<br />

Shell-Konfigurator Bashstyle-NG 8.3,<br />

Zeitsynchronisierer Chrony 1.29,<br />

Paket-Sniffer Darkstat 3.0.716,<br />

Downtime-Protokollierer Downtimed 0.6<br />

So appetitlich wie die<br />

105 gleichnamige Süßspei se<br />

kommt das aktuelle Release von<br />

Sabayon daher. Das Gentoo-basierte<br />

System vereint komfortable<br />

Tools und<br />

die Option auf<br />

handoptimierte<br />

Komponenten.<br />

Schwerpunkt<br />

Shootout: LibO vs. OOo .. . . . . . . . . 8<br />

2010 trennten sich die Entwicklungswege<br />

von Open<strong>Office</strong> und Libre<strong>Office</strong>. Welche der<br />

beiden Bürosuiten hat heute die Nase vorn?<br />

Softmaker <strong>Office</strong>............... 16<br />

Softmaker sichert sich mit kontinuierlichen<br />

Verbesserungen, einer Vielzahl von Import-<br />

Filtern und der Unterstützung für viele<br />

Plattformen seit Jahren seinen Platz im Markt<br />

der <strong>Office</strong>-Suiten.<br />

Gnome <strong>Office</strong>. ................ 24<br />

Gnome setzt in vielen Punkten auf eigene<br />

Tools. In Sachen <strong>Office</strong> erweist sich diese<br />

Strategie als problematisch.<br />

Calligra 2.7.................... 32<br />

Calligra <strong>Office</strong> kommt langsam aus den<br />

Kinderkrankheiten heraus. Die Suite hat vor<br />

allem auf dem KDE-Desktop einen deutlichen<br />

Heimvorteil.<br />

Google Drive .. . . . . . . . . . . . . . . . . 40<br />

In Zeiten, in denen Autoren in Gruppen<br />

zusammenarbeiten, leistet die Cloud gute<br />

Dienste, vor allem mit einer Software, die das<br />

gleichzeitige Arbeiten an einem Dokument<br />

erlaubt, so wie Google Drive.<br />

Praxis<br />

Lightzone.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />

Die ehemals kommerzielle Bildbearbeitungs-<br />

Software Lightzone tritt an, Konkurrenten<br />

wie Rawtherapee und Darktable paroli zu<br />

bieten.<br />

Tools für wissenschaftliche Texte. 52<br />

Bei wissenschaftlichen Dokumenten spielen<br />

Open-Source-Tools ihre Stärken aus. Aber<br />

nur, wer die Details der Programme kennt,<br />

erspart sich beim Kombinieren der Daten<br />

viel Kopfzerbrechen.<br />

OpenArtist.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />

Brauchen wir wirklich noch ein Ubuntu-Derivat<br />

mehr? OpenArtist adressiert Künstler und<br />

andere Kreative, ist aber auch für Normalbenutzer<br />

interessant.<br />

Zeroshell (4). .................63<br />

Heterogene Netzwerke bieten Viren eine<br />

breite Angriffsfläche. Mit einem Duo aus<br />

Proxy-Server und Virenscanner weisen Sie<br />

Angriffe schon am Eingangstor ab.<br />

4 10.2013


Mathematische Formeln, chemische<br />

Symbole und Flussdia-<br />

52<br />

gramme – sie alle bilden das Salz in der<br />

Suppe der wissenschaftlichen Arbeit. Wir<br />

zeigen, wie Sie ein appetitliches Gericht<br />

mit ansprechenden Zutaten anrühren.<br />

8Seit dem Fork haben sich Libre<strong>Office</strong><br />

und das Pendant Open<strong>Office</strong> stark<br />

auseinanderentwickelt. Unser Vergleich<br />

prüft, was noch an Gemeinsamkeiten<br />

übrig ist und wer die Nase vorn hat.<br />

Kommerziell, kompakt, kompatibel<br />

– dank steter Entwicklung und<br />

16<br />

cleveren Ideen sichert sich Softmaker <strong>Office</strong><br />

seit Jahren seine Lücke im Markt.<br />

UBUNTU<br />

user<br />

Spiele.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />

Zwar zieht die Steam-Plattform immer mehr<br />

Spielehersteller an, doch stehen einige kommerzielle<br />

Games weiterhin ausschließlich<br />

im Ubuntu Software Center bereit. Die acht<br />

besten davon stellen wir Ihnen in unserem<br />

großen Übersichtsartikel vor, darunter „Broken<br />

Sword“, „Capsized“, „Dear Esther“, „Gravi“<br />

und „Hotline Miami“. Alle Games überzeugen<br />

durch originelle Konzepte und langanhaltenden<br />

Spielspaß.<br />

Netz&System<br />

AcetoneISO .. . . . . . . . . . . . . . . . . . 78<br />

Ein Abbild einer Distribution, die Videos des<br />

letzten Urlaubs oder einfach ein Backup<br />

aller wichtigen Daten – um ISO-Images zu<br />

erzeugen und zu bearbeiten, braucht man<br />

spezielle Tools. AcetoneISO bietet dabei<br />

Funktionen, die sogar das Bearbeiten von<br />

Multimedia-Dateien ermöglichen.<br />

DIY-Desktop (1): Pekwm .. . . . . . . 82<br />

Gome und KDE bieten eine Menge Komfort,<br />

XFCE verspricht etwas mehr Tempo, aber den<br />

großen Desktops ist eines gemein: Sie setzen<br />

beim Anwender voraus, dass er sich bis zu<br />

einem gewissen Grad an die Regeln hält. Entspricht<br />

keine der etablierten Arbeitsumgebungen<br />

Ihren Vorstellungen, bauen Sie sich<br />

einen eigenen Desktop mit dem Fenstermanager<br />

Pekwm und dem BMpanel.<br />

Hardware<br />

Cirrus7 Nimbus.. . . . . . . . . . . . . . . 88<br />

Schick wie ein Mac Mini – aber im Gegensatz<br />

zum Schmuckstück aus Cupertino ist der<br />

Cirrus7 Nimbus tatsächlich für die alltägliche<br />

Arbeit geeignet.<br />

Know-how<br />

Workshop FPM .. . . . . . . . . . . . . . . 92<br />

Effing Package Managers baut in wenigen<br />

Sekunden fertige RPM- und DEB-Pakete,<br />

ohne dass Sie sich mit Konfigurationsdateien<br />

herumschlagen müssten.<br />

Der Cirrus7 Nimbus verbindet eine<br />

88 schicke Optik mit einem kraftvollen<br />

Innenleben. Dank seines ausgeklügelten<br />

Designs läuft der PC im Mac-Mini-Format<br />

selbst unter Last komplett lautlos.<br />

Service<br />

Editorial.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3<br />

IT-Profimarkt.. . . . . . . . . . . . . . . . . 98<br />

Impressum...................102<br />

Events/Autoren/Inserenten.....103<br />

<strong>Vorschau</strong>. ...................104<br />

Heft-DVD-Inhalt ..............105<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

5


Aktuelles<br />

Angetestet<br />

Zeitgeist<br />

Auf mobilen Geräten und<br />

in abgeschlossenen Netzen<br />

bietet Chrony 1.29 eine gute<br />

Alternative zu den gängigen<br />

Zeitserver-Lösungen.<br />

Die richtige Systemzeit zu haben, erweist<br />

sich besonders bei der Fehlersuche<br />

als unverzichtbar. Mit Chrony halten<br />

Sie die Zeit auf einem Rechner via NTP<br />

aktuell oder setzen bei Bedarf einen eigenen<br />

Time-Server im heimischen Netz<br />

auf. Die Suite besteht aus einer Kernkomponente,<br />

dem Daemon Chronyd,<br />

und dem Client Chronyc. Als Dienst gestartet,<br />

gleicht Chronyd die Systemzeit<br />

permanent mit der Zeit der in /etc/<br />

chrony.conf angegebenen Zeitserver ab<br />

und justiert die lokale Zeit bei Bedarf.<br />

Das Quelltextarchiv enthält mehrere Beispiele<br />

für die Konfigurationsdatei als Vorlagen.<br />

In chrony.conf legen<br />

Sie nicht nur die zu<br />

verwendenden NTP-Server<br />

fest, sondern grenzen<br />

auch den Adressbereich<br />

für den Zugriff auf<br />

das System via Allow/​<br />

Deny-Parametern ein.<br />

Zum Anpassen der<br />

Chronyd-Konfiguration<br />

im laufenden Betrieb<br />

steht Chronyc bereit. Das<br />

Tool eignet sich nicht nur, um die Zeit<br />

manuell zu setzen: Mit seiner Hilfe fügen<br />

Sie neue NTP-Server als Quellen hinzu<br />

oder entfernen andere. Außerdem steuern<br />

Sie den Zugriff von anderen Rechnern<br />

im laufenden Betrieb. Sämtliche Änderungen<br />

bleiben jedoch temporär und<br />

landen nicht in der Konfiguration. Nach<br />

einem Neustart läuft Chronyd wieder mit<br />

den Einstellungen aus chrony.conf. Im<br />

Gegensatz zu anderen NTP-Diensten besteht<br />

bei Chronyd die Möglichkeit, den<br />

Zeitabgleich on- und offline zu schalten,<br />

ohne den Dienst zu deaktivieren. Damit<br />

eignet sich das Tool zum Einsatz auf mobilen<br />

Geräten wie Notebooks, die nicht<br />

permanent online sind. Setzen Sie standardmäßig<br />

auf Offline-Betrieb, verzögert<br />

das Tool den Systemstart nicht, obwohl<br />

es keinen Server im Internet findet. Es<br />

bietet sich an, den Befehl chronyc<br />

online mit dem Aktiveren von WLAN<br />

oder UMTS zu verknüpfen. Sie erhalten<br />

somit immer die aktuelle Zeit.<br />

Lizenz: GPLv2<br />

Quelle: http:// chrony. tuxfamily. org<br />

n<br />

Statistiker<br />

Mit Darkstat 3.0.716 erfassen<br />

Sie den Durchsatz im Netz und<br />

visualisieren ihn dank integrierter<br />

HTTP-Engine auch online.<br />

Mithilfe von Darkstat erfassen Sie statistisch,<br />

wie hoch der Durchsatz im Netzwerk<br />

ausfällt. Der Paket-Sniffer liest dazu<br />

im Hintergrund auf definierten Schnittstellen<br />

mit. Dazu schaltet er die Hardware<br />

in den „Promiscous Mode“, in dem sie den<br />

gesamten Verkehr mitliest. Das lässt sich<br />

mit dem Parameter ‐‐no‐promisc abschalten.<br />

Weitere Optionen beschränken<br />

das Erfassen der Daten auf bestimmte<br />

Interfaces oder unterdrücken das Auflösen<br />

von IP-Adressen. Die<br />

Konfiguration erfolgt<br />

komplett über die Kommandozeile,<br />

eine Konfigurationsdatei<br />

kennt<br />

Darkstat nicht. Fehlermeldungen<br />

reichen Sie<br />

mit ‐‐syslog an den<br />

Protokolldienst des Systems<br />

durch. Standardmäßig<br />

erzeugt das Programm<br />

seine Grafiken<br />

aus dem Live-Mitschnitt<br />

des Datenverkehrs. Mit dem Parameter<br />

‐r liest es PCAP-Dateien als Quelle ein –<br />

praktisch, wenn Sie Tcpdump-Mitschnitte<br />

auswerten möchten. Die von Darkstat erzeugten<br />

Grafiken zeigen den Durchsatz<br />

der letzten Minuten, Stunden, Tage oder<br />

Monate an. Daneben sehen Sie in einer<br />

Tabelle den Durchsatz für jedes System.<br />

Für mehr Übersicht begrenzen Sie mit<br />

dem Parameter ‐‐hosts‐max die Zahl der<br />

zu überwachenden Rechner. Per Browser<br />

greifen Sie komfortabel auf die generierten<br />

Grafiken zu, da Darkstat diese dank<br />

einer eigenen HTTP-Engine auf Port 667<br />

bereitstellt. Möchten Sie den Datenverkehr<br />

über einen längeren Zeitraum<br />

beobachten, speichern Sie mit ‐‐export<br />

die erfassten Daten beim Programmende<br />

und laden diese mit ‐‐import nach<br />

einem Neustart neu. Das ermöglicht<br />

lückenlose Statistiken trotz Reboot.<br />

Lizenz: GPLv2<br />

n<br />

Quelle: http:// unix4lyfe. org/ darkstat/<br />

6 www.linux-user.de<br />

10.2013


Angetestet<br />

Aktuelles<br />

Lizenz: GPLv3<br />

Quelle: http:// nanolx. org/ nanolx/​<br />

bashstyle‐ng<br />

nn<br />

Die Bash markiert unter Linux den Quasi-Standard,<br />

wenn es um den Einsatz<br />

einer Shell geht. Sie verfügt über einen<br />

großen Funktionsumfang, der viel Raum<br />

für individuelle Konfiguration bietet. Das<br />

Tool Bashstyle-NG stellt eine grafische<br />

Oberfläche bereit, mit der Sie Ihre persönliche<br />

Konfiguration komfortabel anlegen.<br />

Zur besseren Übersicht fasst die<br />

Software alle Optionen in Kategorien zusammen,<br />

auf die Sie über Reiter zugreifen.<br />

Die Palette reicht von Alias-Definitionen<br />

bis hin zu Anpassungen von Stil<br />

und Farben. Mit den Kategorien Stil und<br />

LS-Colors beeinflussen Sie das Erscheinungsbild<br />

der Shell direkt. So heben Sie<br />

verschiedene Dateiformate in der Ausgabe<br />

von ls farblich hervor oder gestalten<br />

den Prompt optisch um. Die Kategorie<br />

Advanced ermöglicht das Anpassen<br />

des Shell-Verlaufs sowie das Rücksetzen<br />

der kompletten History oder das Löschen<br />

doppelter Einträge. Bei Bedarf<br />

stellen Sie hier die Größe des Verlaufs<br />

ein. Weitere Optionen erlauben die Konfiguration<br />

der Prompts PS2 bis PS4 oder<br />

von verschiedenen SHELLOPTS. Das<br />

Tool ermöglicht darüber hinaus,<br />

einige Optionen der Editoren Vim<br />

und Nano einzustellen. So stellen<br />

Sie die Weite der Tabulatoren<br />

sowie die Länge der Zeilen hier<br />

ebenso einfach ein, wie Sie das<br />

Syntax-Highlighting oder die Zeilennummern<br />

aktivieren. Last but<br />

not least haben Sie in der Kategorie<br />

Custom die Möglichkeit, einen<br />

individuellen Prompt zu gestalten.<br />

Maßschneider<br />

In der übersichtlichen Oberfläche<br />

von Bashstyle-NG 8.3 gestalten<br />

Sie komfortabel die<br />

Funktionen und das<br />

Erscheinungsbild der Shell.<br />

Die Laufzeit eines Rechners ermittelt das<br />

bekannte Uptime. Wollen Sie jedoch wissen,<br />

wie lange ein System inaktiv war,<br />

brauchen Sie ein Tool wie Downtimed.<br />

Der Daemon erfasst jeden Shutdown<br />

oder Systemabsturz und protokolliert die<br />

zugehörigen Zeiten. Dazu erzeugt er<br />

eine Timestamp-Datei und aktualisiert<br />

deren Zeitstempel standardmäßig alle 15<br />

Sekunden. Die Größe dieses Intervalls<br />

legen Sie beim Start über den Parameter<br />

‐s beliebig fest. Doch Vorsicht: Zu kleine<br />

Intervalle verursachen eine höhere Systemlast,<br />

zu große verfälschen die Berechnung<br />

der Downtime-Zeiten. Um genaue<br />

Werte zu erfassen, führt Downtimed<br />

nach jedem Aktualisieren des Zeitstempels<br />

ein fsync aus, was Sie über ‐S deaktivieren.<br />

Die Timestamp-Datei legt der<br />

Lizenz: BSD Revised<br />

nn<br />

Quelle: http:// dist. epipe. com/ downtimed/<br />

Daemon im Verzeichnis / var/lib/<br />

downtimed ab, zusammen mit weiteren<br />

Files, die er nur beim Systemstart oder<br />

Shutdown aktualisiert. Um eine Liste der<br />

Standzeiten zu erhalten, steht das Programm<br />

Downtimes bereit, das dazu die<br />

Datenbank des Dienstes auswertet. Alternativ<br />

finden Sie entsprechende Einträge<br />

in der Log-Datei von Syslog. Um die<br />

aktiven und inaktiven Zeiten eines Systems<br />

automatisch zu erfassen, integrieren<br />

Sie Downtimed in<br />

den Init-Prozess. Das Verzeichnis<br />

start‐scripts/<br />

im Archiv mit den Quellen<br />

enthält hierzu die<br />

nötigen Skripte für alle<br />

gängigen Distributionen.<br />

Selbst eine XML-Datei für<br />

die Service Management<br />

Facility von Solaris ist<br />

enthalten. (agr) n<br />

Schlafwächter<br />

Mit Downtimed 0.6 überwachen<br />

Sie die Ausfallzeiten eines<br />

Systems ohne großen Aufwand<br />

und externes Monitoring.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

7


Open<strong>Office</strong> und Libre<strong>Office</strong> im Vergleich<br />

Nachgewogen<br />

© Corina Rosu, 123RF<br />

2010 trennten sich die Entwicklungswege<br />

von Openund<br />

Libre<strong>Office</strong>. Welche der<br />

beiden Bürosuiten hat inzwischen<br />

die Nase vorn?<br />

Vincze-Aron Szabo<br />

Readme<br />

Vor drei Jahren trennten sich die Wege von<br />

Open<strong>Office</strong> und Libre<strong>Office</strong>. In welche Richtungen<br />

sich die beiden Projekte im Laufe<br />

der Jahre entwickelten und was von ihnen<br />

mittelfristig zu erwarten ist, zeigt diese Bestandsaufnahme.<br />

Im Mai 2002 erschien die erste Version<br />

von Open<strong>Office</strong> û. Nun stand unter<br />

Linux endlich eine vollwertige <strong>Office</strong>-<br />

Suite bereit, die auch professionellen<br />

Ansprüchen gerecht wurde. Sun Microsystems<br />

sponserte das Projekt und sorgte<br />

damit für seine kontinuierliche Weiterentwicklung.<br />

Open<strong>Office</strong> blieb im ruhigen<br />

Fahrwasser, bis 2010 Sun von Oracle<br />

übernommen wurde. Der neue Eigner<br />

unterstützte Open<strong>Office</strong> bei Weitem<br />

nicht mehr so umfassend wie zuvor Sun<br />

und hüllte sich über dessen Entwicklung<br />

und Zukunft in Schweigen.<br />

Dies veranlasste einige führende Entwickler<br />

dazu, sich im September 2010<br />

vom Open<strong>Office</strong>-Projekt abzuspalten.<br />

Sie gründeten die Document Foundation<br />

und entschlossen sich dazu, die damals<br />

aktuelle Version von Open<strong>Office</strong><br />

unter dem neuen Namen Libre<strong>Office</strong><br />

weiterzuentwickeln û. Schnell erschien<br />

die erste Version, die zwar nur der Umetikettierung<br />

diente, aber auch zeigen<br />

sollten, dass es weitergeht. Oracle hingegen<br />

entschied sich dazu, das Open-<br />

<strong>Office</strong>-Projekt nicht weiterzuführen und<br />

übergab den Quellcode an die Apache<br />

Software Foundation û.<br />

Rund drei Jahre sind nun seit der Abspaltung<br />

ins Land gegangen, und mittlerweile<br />

zeigen sich deutliche Unterschiede<br />

zwischen beiden <strong>Office</strong>-Paketen.<br />

Freilich sehen sich die beiden Geschwister<br />

nach dem Start noch zum Verwechseln<br />

ähnlich – die Unterschiede<br />

verstecken sich hier im Detail.<br />

Worin die beiden <strong>Office</strong>-Pakete differieren,<br />

zeigen wir im Folgenden anhand<br />

der vier wichtigsten Werkzeuge der beiden<br />

Suiten: der Textverarbeitung Writer,<br />

der Tabellenkalkulation Calc, des Zeichenprogramms<br />

Draw und des Präsentationstools<br />

Impress. Wie Sie die neuesten<br />

Versionen auf einem Ubuntu-System<br />

einrichten, zeigt der Kasten Aktuelle Versionen<br />

installieren.<br />

Textverarbeitung<br />

Da sich Libre<strong>Office</strong> in der Tradition des<br />

„alten“ Open<strong>Office</strong> sieht, setzte die<br />

8 www.linux-user.de<br />

10.2013


Shootout: LibO vs. OOo<br />

Schwerpunkt<br />

Foundation die Versionierung einfach<br />

fort, die zu Redaktionsschluss bei Release<br />

4.1 angelangt war. Diese Version<br />

bietet gerade für die Textverarbeitung<br />

Writer einige nützliche Neuerungen.<br />

So erlaubt es die Kommentarfunktion<br />

jetzt, die Anmerkungen ein- oder auszublenden.<br />

Außerdem dürfen sie sich nun<br />

auch über mehrere Absätze erstrecken.<br />

Eingebettete Bilder drehen Sie jetzt<br />

schnell in 90-Grad-Schritten. Hintergründe,<br />

beispielsweise von Tabellen oder Absätzen,<br />

lassen sich nun auch mit Farbverläufen<br />

kolorieren.<br />

Statt der veralteten und nicht mehr<br />

gepflegten Text-Layout-Engine setzt die<br />

Software jetzt auf HarfBuzz û. Dieser<br />

Motor im Hintergrund unterstützt Open-<br />

Type-Schriftarten und besondere Schriften<br />

wie zum Beispiel Arabisch besser<br />

und steigert nach Angaben des Projektteams<br />

auch die Performance des Writers.<br />

Um Dateien mit anderen Anwendern<br />

besser auszutauschen, erlaubt die Software<br />

es nun auch, bei Bedarf Schriften in<br />

Writer-Dokumente einzubetten. Diese<br />

Funktion steht ebenfalls in der Tabellenkalkulation<br />

Calc und dem Präsentationstool<br />

Impress zur Verfügung.<br />

Die neue Seitenleiste<br />

Auffälligster Unterschied zwischen den<br />

beiden Textverarbeitungen ist aber die<br />

neue Seitenleiste in Open<strong>Office</strong> Writer<br />

1 . Sie erschien mit der aktuellen Version<br />

4.0 und soll den Platz auf den heute<br />

weit verbreiteten Breitbildschirmen besser<br />

ausnutzen. So stehen die wichtigsten<br />

Bearbeitungsfunktionen schnell zur Verfügung,<br />

ohne dass Sie die Menü- oder<br />

Symbolleisten bemühen müssen. Die<br />

Seitenleiste stellt vier Funktionsgruppen<br />

bereit, die Sie über die vier Symbole am<br />

rechten Fensterrand wechseln.<br />

In der Grundeinstellung zeigt der OO-<br />

Writer Funktionen zum Anpassen von<br />

Eigenschaften des Textes an. Es enthält<br />

die wichtigsten Textformatoptionen wie<br />

Fettdruck, Schriftauswahl und Schriftgröße.<br />

Außerdem noch Absatzeigenschaften<br />

wie linksbündig oder rechtsbündig<br />

ausrichten sowie Absatzabstände<br />

und Seiteneigenschaften. Arbeiten<br />

Sie dagegen beispielsweise an Grafiken<br />

oder anderen Objekten, passt die Software<br />

die Eigenschaften kontextbezogen<br />

an und zeigt die Optionen zum Einstellen<br />

der jeweiligen Objekteigenschaften.<br />

Die Seitenleiste zeigt außerdem Formatvorlagen,<br />

Galerien von Bildern, Videos<br />

und ähnliche Objekte sowie den hilfreichen<br />

Navigator an. Optional docken<br />

Sie die Seitenleisten auch vom Programmfenster<br />

ab, um sie zum Beispiel<br />

auf einen anderen Bildschirm zu schieben.<br />

Dazu dient das kleine Symbol in der<br />

oberen rechten Ecke der Seitenleiste.<br />

Libre<strong>Office</strong> fehlt auf den ersten Blick<br />

diese praktische Seitenleiste. Allerdings<br />

begannen die Entwickler damit, sie<br />

ebenfalls einzubauen, wodurch sie jetzt<br />

Listing 1<br />

$ sudo add‐apt‐repository<br />

ppa:libreoffice/ppa<br />

$ sudo apt‐get update<br />

$ sudo apt‐get upgrade<br />

Listing 2<br />

$ sudo apt‐get purge libreoffice*<br />

$ sudo add‐apt‐repository<br />

ppa:upubuntu‐com/openoffice<br />

$ sudo apt‐get update<br />

$ sudo apt‐get install<br />

apache‐openoffice<br />

1 Die neue Seitenleiste in Open<strong>Office</strong> Writer bietet kontextsensitiv schnellen Zugriff auf<br />

wichtige Funktionen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

9


Schwerpunkt<br />

Shootout: LibO vs. OOo<br />

markieren, bevor Sie einen Kommentar<br />

einfügen, erhält der ganze Absatz eine<br />

entsprechende Markierung. Darüber hinaus<br />

dürfen Kommentare in Version 4.10<br />

auch über mehrere Absätze reichen. Darüber<br />

hinaus erlaubt Libre<strong>Office</strong> das einfache<br />

Ein- und Ausblenden der Vermerke.<br />

Dazu platziert die Software rechts neben<br />

dem Lineal den länglichen Button<br />

Kommentare einblenden.<br />

Dass bei der Kommentarfunktion alte<br />

Bugs beseitigt wurden, zeigt sich beim<br />

Kommentieren beispielsweise in Fußnoten:<br />

Wenn Sie in Open<strong>Office</strong> eine Fußnote<br />

kommentieren, erscheint der Kommentar<br />

nicht wie erwartet neben der<br />

Fußnote, sondern am Anfang der aktuellen<br />

Seite. Dieser Bug wurde in Libre-<br />

<strong>Office</strong> behoben; er steht jetzt wie vorgesehen<br />

daneben.<br />

Wie das Beispiel der Kommentarfunktion<br />

in Libre<strong>Office</strong> zeigt, hielten vor allem<br />

Handhabungsverbesserungen Einzug<br />

in die Software. Diese finden Sie<br />

auch an anderen Stellen wieder, zum<br />

Beispiel beim Bearbeiten von Kopf- und<br />

Fußzeilen. In Open<strong>Office</strong> erledigen Sie<br />

das nach wie vor über Einfügen | Kopfzeile<br />

| Standard. In Libre<strong>Office</strong> geht das weschon<br />

zur Verfügung steht. Navigieren Sie<br />

dazu in den Einstellungsdialog Extras |<br />

Optionen | Libre<strong>Office</strong> | Erweitert, und setzen<br />

Sie ein Häkchen vor Experimentelle<br />

Seitenleiste aktivieren. Nach einem Neustart<br />

steht Ihnen dieselbe Seitenleiste im<br />

Libre<strong>Office</strong> Writer zur Verfügung.<br />

Kommentieren<br />

Beide Textverarbeitungen besitzen seit<br />

jeher eine vergleichsweise schlichte<br />

Kommentarfunktion. Über Einfügen |<br />

Kommentar setzen Sie an beliebiger Stelle<br />

im Text Ihre Vermerke, die der Writer<br />

an der rechten Dokumentseite anzeigt.<br />

In Open<strong>Office</strong> funktioniert dies auch<br />

ganz zuverlässig. Allerdings steckt hier<br />

der Teufel im Detail, denn dass es auch<br />

besser geht, zeigt Libre<strong>Office</strong>.<br />

Egal, ob Sie in Open<strong>Office</strong> für den<br />

Kommentar vorher einen ganzen Ansatz<br />

markieren oder einfach den Cursor an<br />

eine bestimmte Stelle setzen, Open-<br />

<strong>Office</strong> fügt lediglich eine kleine Einfügemarke<br />

ein, um zu kennzeichnen, dass an<br />

dieser Stelle ein Kommentar steht 2 .<br />

Libre<strong>Office</strong> geht hier schon ein paar<br />

Schritte weiter. Wenn Sie einen Absatz<br />

Aktuelle Versionen installieren<br />

Üblicherweise stellen die Linux-Distributionen<br />

nicht immer die aktuellste Version<br />

(zu Redaktionsschluss: Libre<strong>Office</strong> 4.1 und<br />

Open<strong>Office</strong> 4.0) der Bürosuiten in den Repositories<br />

zur Installation bereit. Entsprechend<br />

gilt es, die Software aus anderen<br />

Quellen einzurichten.<br />

Unter Ubuntu gestaltet sich das Update auf<br />

die neueste Libre<strong>Office</strong>-Version besonders<br />

einfach. Hier geben Sie der Reihe nach die<br />

Befehle aus Listing 1 ein. Ähnlich simpel<br />

klappt das für Open<strong>Office</strong> (Listing 2), vor<br />

dessen nachträglicher Installation Sie jedoch<br />

alle Libre<strong>Office</strong>-Pakete deinstallieren<br />

sollten (Listing 2, erste Zeile).<br />

2 In Open<strong>Office</strong> Writer (oben) fällt die Kommentarzuordnung schwer, weil er nur eine<br />

Stelle markiert. Libre<strong>Office</strong> (unten) erlaubt einen differenzierteren Einsatz, indem es die<br />

entsprechenden Passagen – auch mehrere Absätze hinweg – markiert.<br />

10 www.linux-user.de<br />

10.2013


Shootout: LibO vs. OOo<br />

Schwerpunkt<br />

Ergebnissen beim Öffnen von Word-Dokumenten<br />

im DOCX-Format, liefern aber<br />

brauchbare Ergebnisse. Die Formatvorlagentreue<br />

war in allen Tests gegeben,<br />

das bedeutet, dass beide <strong>Office</strong>-Pakete<br />

Formatvorlagen des Fließtextes so übersentlich<br />

einfacher. Hier klicken Sie mit<br />

der Maus in den Bereich, wo normalerweise<br />

eine Kopfzeile zu sehen ist. Nun<br />

erscheint ein blauer Kasten mit einem<br />

kleinen Plus-Symbol an der Kopfzeilengrenze.<br />

Ein Klick auf dieses Plus fügt die<br />

Kopfzeile direkt ein. Die Vorgehensweise<br />

für die Fußzeile funktioniert analog<br />

dazu 3 .<br />

Austausch mit Word<br />

Ein KO-Kriterium für den Einsatz beider<br />

<strong>Office</strong>-Suiten ist die Kompatibilität mit<br />

MS-<strong>Office</strong>-Formaten, insbesondere denen<br />

von Word. Schenkt man den Release<br />

Notes und Versionsankündigungen von<br />

Open- und Libre<strong>Office</strong> Glauben, arbeiten<br />

beide Projekte mit Hochdruck daran.<br />

Beide ermöglichen zum Beispiel in ihren<br />

aktuellen Versionen das Importieren von<br />

grafischen Nummerierungssymbolen.<br />

Beide <strong>Office</strong>-Suiten glänzen zwar<br />

nicht mit hundertprozentig fehlerfreien<br />

3 Kopf-und Fußzeilen fügen Sie in Libre<strong>Office</strong> bequem per Mausklick ein.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

11


Schwerpunkt<br />

Shootout: LibO vs. OOo<br />

einer sinnvollen aber immer noch abweichenden<br />

Position. Beide Tools haben<br />

dagegen Probleme mit verbundenen Tabellenzellen.<br />

Hier wurden einzelne Zellen<br />

verschluckt.<br />

4 Libre<strong>Office</strong> signalisiert durch Kursivschreibweise in der Symbolleiste, dass ihm eine<br />

der im Dokument verwendeten Schriftarten nicht zur Verfügung steht.<br />

nehmen wie sie zuvor in Word definiert<br />

wurden. Auch nummerierte, normale<br />

und verschachtelte Listen übernehmen<br />

beide zuverlässig. Open<strong>Office</strong> ersetzte<br />

allerdings fehlende Schriftarten ohne<br />

Ankündigung, während Libre<strong>Office</strong> dies<br />

in der Schriftenauswahl durch eine Kursivschreibung<br />

des Namens der fehlenden<br />

Schrift anzeigt 4 .<br />

Schwierigkeiten bekommen die Suiten<br />

aber bei layouttechnisch aufwendigen<br />

Dokumenten. In Word gedrehte<br />

Grafiken erscheinen zum Beispiel wieder<br />

in der normalen Position. Verschiedene<br />

Layoutelemente, etwa an den Seitenkanten<br />

positionierte gezeichnete Quadrate,<br />

zeigte Open<strong>Office</strong> gar nicht mehr<br />

an, der Libre<strong>Office</strong> Writer immerhin an<br />

Präsentieren mit Impress<br />

Das Präsentationswerkzeug Impress erhielt<br />

in Libre<strong>Office</strong> zwei wesentliche<br />

neue Funktionen: Ein Fotoalbum zum<br />

Einfügen mehrerer Bilder und eine Android-Fernbedienung<br />

zum Steuern einer<br />

Präsentation mit dem Smartphone.<br />

Um das Android-Smartphone als Fernbedienung<br />

zu nutzen, gilt es zunächst,<br />

darauf die App Libre<strong>Office</strong> Impress Remote<br />

aus dem Google Play Store zu installieren<br />

û. Danach aktivieren Sie Bluetooth<br />

auf beiden Geräten und koppeln<br />

sie über die Systemeinstellungen des jeweiligen<br />

Devices.<br />

Danach aktivieren Sie in Libre<strong>Office</strong><br />

Impress die Fernbedienung. Navigieren<br />

Sie dazu im Menü nach Extras | Optionen<br />

| Libre<strong>Office</strong> Impress | Allgemein. Hier<br />

setzen Sie das Häkchen bei Fernsteuerung<br />

aktivieren. Nach einem Neustart des<br />

5 Mit der Fotoalbum-Funktion erstellen Sie in Libre<strong>Office</strong> Impress auf Knopfdruck Diashows.<br />

Allerdings scheint diese Funktion noch nicht ganz ausgereift zu sein, da sie unter<br />

OpenSuse reproduzierbare Programmabstürze verursacht.<br />

12 www.linux-user.de<br />

10.2013


Shootout: LibO vs. OOo<br />

Schwerpunkt<br />

Programms versuchen Sie, mit dem<br />

Smartphone eine Verbindung zu Impress<br />

aufzubauen.<br />

In unseren Tests klappte das per Bluetooth<br />

nicht immer. Alternativ steht Ihnen<br />

die Möglichkeit offen, stattdessen eine<br />

Verbindung über WLAN herzustellen.<br />

Dazu müssen Sie in Libre<strong>Office</strong> in den<br />

Einstellungen unter Libre<strong>Office</strong> | Erweitert<br />

die Experimentellen Funktionen aktivieren<br />

und Impress neu starten. Dieses Feature<br />

ist noch nicht offiziell freigegeben, sodass<br />

auch hier keine Garantie besteht,<br />

dass es auch ohne Weiteres klappt.<br />

Wenn die Verbindung einmal steht,<br />

blättern Sie mit der Remote-App nicht<br />

nur zwischen den Folien, Sie zeigen damit<br />

beispielsweise auch in Impress erstellte<br />

Notizen in der App an. Ihre Folien<br />

sehen Sie als Thumbnails und verlieren<br />

so niemals den Überblick über Ihre Präsentation.<br />

Zwischen den Folien blättern<br />

Sie, indem Sie über den Bildschirm streichen<br />

oder die Lautstärke-Tasten Ihres<br />

Smartphones betätigen.<br />

Mithilfe der Fotoalbum-Funktion 5<br />

verwenden Sie Impress zum Erstellen<br />

von Diashows. Navigieren Sie dafür nach<br />

Performance-Messungen<br />

Startzeiten<br />

Einfügen | Bild | Fotoalbum | Erstelle Fotoalbum,<br />

und wählen Sie via Hinzufügen<br />

den oder die gewünschten Ordner aus.<br />

Über Folienlayout legen Sie fest, wie viele<br />

Fotos auf einer Seite erscheinen sollen.<br />

Nach einem Klick auf Erstelle Fotoalbum<br />

sollte Impress automatisch das<br />

Album erstellen. Bei Tests kam es dabei<br />

unter OpenSuse jedoch zu reproduzierbaren<br />

Programmabstürzen.<br />

Zeichnen mit Draw<br />

Open<strong>Office</strong><br />

Writer 4,7 s 4,9 s<br />

Calc 3,2 s 3,1 s<br />

Draw 3,5 s 2,9 s<br />

Speicherbedarf<br />

Ein großes Plus auf der Habenseite von<br />

Libre<strong>Office</strong> Draw ist der unterstützte Im-<br />

Libre<strong>Office</strong><br />

Writer 26,6 MByte 23,5 MByte<br />

Calc 32,0 MByte 25,2 MByte<br />

Draw 39,5 MByte 32 MByte<br />

Impress 44,2 MByte 32,3 MByte<br />

und Export von Microsoft-Visio-Dateien.<br />

Laut Release Notes erlaubt die Suite das<br />

Bearbeiten aller bestehenden Visio-Dateiformate<br />

ab Visio 1.0 bis Visio 2013 û.<br />

In unseren Tests ließen sich sowohl Visio-<br />

2013-Dateien als auch offizielle Visio-<br />

2003-Beispiele û erfolgreich öffnen und<br />

bearbeiten 6 . Das erneute Öffnen der<br />

bearbeiteten Dateien in Visio funktionierte<br />

ebenfalls reibungslos.<br />

Abgesehen von neu geordneten Farbpaletten<br />

blieb bei Open<strong>Office</strong> Draw alles<br />

beim Alten. Wie auch im Pendant von<br />

Libre<strong>Office</strong> gibt es viele kleine Detailverbesserungen,<br />

die für den einen oder an-<br />

6 Libre<strong>Office</strong> Draw unterstützt das fehlerfreie Importieren von Visio-Dateien.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

13


Schwerpunkt<br />

Shootout: LibO vs. OOo<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30371<br />

deren sicher nützlich sind, aber keinen<br />

großen Sprung nach vorn bedeuten.<br />

Calc<br />

Auch bei der Tabellenkalkulation blieb<br />

bei beiden <strong>Office</strong>-Bundles scheinbar alles<br />

beim Alten. Dennoch arbeiteten die<br />

Projekte fleißig an dieser Baustelle und<br />

verbesserten die Kompatibilität. Wie in<br />

Writer lassen sich jetzt auch in Calc verwendete<br />

Schriften einbetten. Darüber<br />

hinaus erlaubt es Libre<strong>Office</strong> Calc nun,<br />

ausgewählte Zellen einfach automatisch<br />

nachzuzählen 7 .<br />

Besonderheiten<br />

Wer Libre<strong>Office</strong> ein wenig aufhübschen<br />

möchte, dem stellt die Suite die Möglichkeit<br />

bereit, Firefox-Themes zu installieren.<br />

Öffnen Sie dazu die Libre<strong>Office</strong>-<br />

Einstellungen via Extras | Optionen. Unter<br />

Libre<strong>Office</strong> | Personalisierung wählen<br />

Sie dann Eigenes Thema aus. Folgen Sie<br />

danach den Anweisungen des Dialogs,<br />

um die Oberfläche nach den eigenen<br />

Wünschen anzupassen.<br />

Gegenüber Open<strong>Office</strong> verbesserte<br />

Libre<strong>Office</strong> die Auswahl an Vorlagen.<br />

Während diese in Open<strong>Office</strong> noch Windows-XP-Charme<br />

ausstrahlt, präsentieren<br />

sich die Vorlagen in Libre<strong>Office</strong> in<br />

übersichtlichen, nach Themen sortierten<br />

Reitern (Dokumente, Tabellendokumente,<br />

Präsentationen und Zeichnungen).<br />

Innerhalb dieser Register lassen sich aus<br />

den Vorlagen gleich neue Dokumente<br />

erstellen und die Vorlagen direkt bearbeiten<br />

und verwalten. Das bietet Open-<br />

<strong>Office</strong> zwar auch an, aber das entsprechende<br />

Fenster dort erleichtert das Arbeiten<br />

nicht wirklich.<br />

Performance<br />

In Sachen Ressourcenbedarf unterscheiden<br />

sich die beiden Pakete nicht sonderlich.<br />

Wie die Tabelle Performance-Messungen<br />

demonstriert, liegen die Ladezeiten<br />

der einzelnen Anwendungen vergleichbar.<br />

Lediglich beim Speicherbedarf<br />

zeigen sich die Libre<strong>Office</strong>-Tools genügsamer<br />

als die Open<strong>Office</strong>-Pendants.<br />

Diese Messungen wurden unter Ubuntu<br />

13.04 vorgenommen, als Testrechner<br />

diente ein Desktop-PC mit 2-Kern-Prozessor<br />

und 4 GByte RAM.<br />

Fazit<br />

7 Libre<strong>Office</strong> Calc erlaubt in der neuen Version die Zellen per Auswahl nachzuzählen.<br />

Drei Jahre nach der Trennung von Open-<br />

<strong>Office</strong> zeigt sich, dass das Libre<strong>Office</strong>-<br />

Projekt zunehmend Fahrt aufnimmt und<br />

deutliche Verbesserungen realisiert, welche<br />

die Bürosuite weiterbringen und<br />

auch rundum entstauben.<br />

Open<strong>Office</strong> profitiert zwar derzeit<br />

noch von seinem bekannten Namen<br />

und der Marke, allerdings hat das Produkt<br />

sichtlich gelitten und außer der Einführung<br />

der Seitenleiste keine nennenswerten<br />

Schritte gemacht.<br />

Sowohl Libre<strong>Office</strong> als Anwendung als<br />

auch das dahinterstehende Projekt machen<br />

einen frischeren, lebhafteren und<br />

daher auch zukunftstauglicheren Eindruck<br />

als Open<strong>Office</strong>.<br />

Open<strong>Office</strong> nur aufgrund seines großen<br />

Namens einzusetzen, wäre daher<br />

eine falsche Entscheidung: Es ist heute<br />

deutlich abzusehen, dass Libre<strong>Office</strong> seinen<br />

Vorgänger bald von rechts überholt<br />

und abhängt. (tle) n<br />

14 www.linux-user.de<br />

10.2013


Schwerpunkt<br />

SoftMaker 2012<br />

SoftMaker <strong>Office</strong> 2012 für Linux im Test<br />

In der Nische<br />

© Onatos, sxc.hu<br />

SoftMaker <strong>Office</strong> hat die Lücke<br />

gesucht und erfolgreich<br />

gefunden. Ein Test zeigt, ob<br />

die aktuelle Version 2012<br />

diese nach mehreren kleineren<br />

Updates nach wie vor<br />

verteidigt. Thomas Drilling<br />

Readme<br />

Zu den festen Größen im Bürosoftware-<br />

Markt zählt SoftMaker <strong>Office</strong>, das sich seit<br />

1987 im von Microsoft dominierten Markt<br />

behauptet und über die Jahre beachtlich<br />

gereift ist. Mit zahlreichen Funktionen besteht<br />

es auch im professionellen Umfeld.<br />

Wer unter Linux angesichts der Dominanz<br />

von Libre<strong>Office</strong> Geld für ein <strong>Office</strong>-<br />

Programm ausgibt, braucht dafür gute<br />

Gründe. Andererseits gibt es gute Gründe<br />

dafür, dass sich ein kommerzielles<br />

<strong>Office</strong>-Paket für Linux seit Jahrzehnten<br />

im Markt hält. Abgesehen davon, dass<br />

eine Firma mit gerade einmal 20 Mitarbeiten,<br />

die eine Passion für Software zum<br />

Erstellen von Texten zu haben scheinen,<br />

weit weniger verkaufte Exemplare<br />

braucht, um wirtschaftlich erfolgreich zu<br />

sein, hat sich das <strong>Office</strong>-Paket seinen<br />

Platz unter anderem durch das geschickte<br />

Ausnutzen von Nischen erarbeitet.<br />

SoftMaker <strong>Office</strong> û steht als einziges<br />

Produkt auf dem Markt sowohl für Linux<br />

als auch für Windows, Windows Mobile<br />

und Windows CE bereit. Der Nürnberger<br />

Hersteller wirbt sogar damit, seine Software<br />

auf Wunsch relativ zeitnah auf andere<br />

Plattformen zu portieren, sofern ein<br />

entsprechender Kunde das nötige Kleingeld<br />

mitbringt. Das spricht für eine gut<br />

gepflegte Code-Basis.<br />

Gut gefiltert<br />

Die Suite besteht aus der Textverarbeitung<br />

TextMaker, der Tabellenkalkulation<br />

PlanMaker und dem Präsentationsprogramm<br />

Presentations. Sie arbeitet auch<br />

auf älteren Rechnern recht flott und<br />

stellt den Anwender – trotz der zahlreichen<br />

Funktionen – aufgrund eines eingängigen<br />

Bedienkonzeptes vor keine<br />

großen Probleme beim Eingewöhnen.<br />

Die bemerkenswerte Qualität der Import-<br />

und Exportfilter für die <strong>Office</strong>-Formate<br />

von Microsoft hat sich mittlerweile<br />

schon herumgesprochen.<br />

Letztere sind es, die angesichts der<br />

Dominanz von Microsoft <strong>Office</strong> im gesamten<br />

Markt häufig den Ausschlag dafür<br />

geben, dass das Alternativ-Produkt<br />

professionellen Anforderungen standhält<br />

und trotz der Verfügbarkeit von<br />

Libre<strong>Office</strong> in nahezu jeder Distribution<br />

die Investition von knapp 70 Euro rechtfertigt.<br />

Einzelheiten zu den verschiedenen<br />

verfügbaren Paketen nebst Preisen,<br />

Lieferumfang, den jeweiligen Testversio-<br />

16 www.linux-user.de<br />

10.2013


SoftMaker 2012<br />

Schwerpunkt<br />

nen sowie zur Installation finden Sie im<br />

Kasten SoftMaker <strong>Office</strong> ausprobieren.<br />

Da die Nürnberger in schöner Regelmäßigkeit<br />

alle zwei Jahre eine neue Version<br />

des Paketes veröffentlichen, liegt<br />

diesem Artikel das derzeit aktuelle Softmaker<br />

<strong>Office</strong> 2012 zugrunde. Wie schon<br />

vorangegangene Tests bestätigt haben,<br />

halten deren Import- und Export-Filter<br />

für Formate von Microsoft jedem Vergleich<br />

stand und arbeiten in einigen Fällen<br />

besser als die von Libre<strong>Office</strong> 1 .<br />

Benutzeroberfläche<br />

Sowohl TextMaker als auch PlanMaker<br />

und Presentations setzen auf ein klassisches<br />

Bedienkonzept mit einer Menüleiste,<br />

die sich hinsichtlich der Punkte an<br />

Bewährtem orientiert. Darunter finden<br />

Sie eine Symbol- sowie am unteren Rand<br />

eine Statusleiste. Was im Vergleich zu<br />

Libre<strong>Office</strong> oder Microsoft Word direkt<br />

negativ ins Auge fällt, sind die gerade<br />

mal 48x48 Pixel kleinen Icons. Die wecken<br />

unangenehme Erinnerungen an<br />

das Ende des 20. Jahrhunderts und erscheinen<br />

nicht zeitgemäß.<br />

Dass sich die Entwickler um ein komplett<br />

eigenes Erscheinungsbild bemühen,<br />

das sich auf sämtliche Dialoge inklusive<br />

dem Dateimanager erstreckt, ist in<br />

Bezug auf die Stringenz lobenswert, insgesamt<br />

aber gewöhnungsbedürftig 2 .<br />

Der Dialog zum Drucken von Dokumenten<br />

bietet nur die allernötigsten<br />

Funktionen. Dafür ist SoftMaker <strong>Office</strong><br />

vollständig unabhängig von etwaigen<br />

System-Bibliotheken und läuft klaglos<br />

unter jeder beliebigen Linux-Version. Als<br />

minimale Voraussetzung in Bezug auf<br />

das System genügt bereits eine betagte<br />

Glibc 2.2.5.<br />

Die Suite erlaubt es übrigens, sämtliche<br />

Dialog-Boxen unabhängig vom Arbeitsfenster<br />

frei zu platzieren und zu skalieren.<br />

In allen SoftMaker-Anwendungen<br />

gibt es eine Hilfe-Funktion im gleichnamigen<br />

Menü, die auf das PDF-Handbuch<br />

in der gewählten Sprache verweist.<br />

Darüber hinaus hilft die Applikation<br />

mit Quickinfos weiter, die eigentlich<br />

Slowinfos heißen müssten: Fahren Sie<br />

mit dem Mauszeiger über ein Icon, blendet<br />

die Software – im Gegensatz zur Konkurrenz<br />

wohltuend unaufdringlich – zunächst<br />

keine Hinweise ein. Erst, wenn Sie<br />

mehr als eine Sekunde auf dem jeweiligen<br />

Symbol verweilen, blendet das Programm<br />

die zugehörige Erläuterung ein.<br />

Ziehen Sie dann bei eingeblendeter<br />

Quickinfo den Mauszeiger über weitere<br />

Symbole, bekommen Sie jeweils gleich<br />

die zugehörige Kurzhilfe unter dem<br />

Symbol geliefert. Davon unabhängig<br />

blenden sowohl TextMaker als auch<br />

PlanMaker und Presentations links unten<br />

in der Statusleiste stets die passende Erklärung<br />

für das Icon ein, auf dem gerade<br />

der Mauszeiger verweilt. Nerven die<br />

Sprechblasen, schalten Sie sie in den<br />

Optionen einfach ab.<br />

Öffnen Sie in einer der Anwendungen<br />

mehrere Dokumente, ist jedes einzelne<br />

SoftMaker 2012 (Trial)<br />

LU/softmaker/<br />

1 Die Filter von TextMaker gehören zu den besten unter Linux und halten sowohl beim Import als auch beim Export von Formaten aus<br />

der Microsoft-Welt, was sie versprechen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

17


Schwerpunkt<br />

SoftMaker 2012<br />

Effekte einzubinden – eignet es sich<br />

selbst für kleinere DTP-Projekte 3 .<br />

Die klassische Bedienung mit klar<br />

strukturierter und logisch gegliederter<br />

Menüleiste ohne Ribbon-Schnickschnack<br />

stammt zwar ebenfalls aus der Zeit der<br />

altbackenen Pixel-Icons, orientiert sich<br />

aber an Bewährtem und von Word gewohnten<br />

Standards. So finden Sie die<br />

Optionen unter Weiteres | Einstellungen.<br />

Aufpolierte Oberfläche<br />

3 Mit TextMaker meistern Sie sogar kleinere DTP-Projekte.<br />

über den zugehörigen Reiter am oberen<br />

Blattrand zugänglich. Bei akuter Platznot<br />

deaktivieren Sie die Reiter in den Einstellungen<br />

und wechseln dann traditionell<br />

über das Fenstermenü zwischen den<br />

verschiedenen Dokumenten.<br />

TextMaker<br />

Der erste positive Eindruck von Text-<br />

Maker 2012 stellt sich schon beim Start<br />

ein, der äußerst rasant vonstatten geht.<br />

Wer diese Eigenschaft nicht aus der Vorgängerversion<br />

kennt, fürchtet im ersten<br />

Moment, es mit einer minimalistisch<br />

ausgestatten Sparversion zu tun zu haben.<br />

Lediglich beim ersten Start möchte<br />

das Programm seinen Vorschlag für das<br />

Arbeitsverzeichnis $HOME/SoftMaker bestätigt<br />

haben und fordert zum obligatorischen<br />

Ausfüllen des Dialogs Benutzer<br />

auf. Konfigurationsdateien landen unter<br />

$HOME/.softmaker.<br />

Beim Durchforsten der Menüs zeigt<br />

sich schnell, dass sich TextMaker funktional<br />

nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken<br />

braucht: Dank des sich intuitiv<br />

erschließenden Umgangs mit Rahmen<br />

oder Tabellen sowie vielen Zusatzfunktionen<br />

– darunter der Möglichkeit, 3D-<br />

Die Entwickler haben die Textverarbeitung<br />

im Vergleich zum Vorgänger aus<br />

dem Jahr 2010 auch an der Oberfläche<br />

aufpoliert: So verfügt das Programm<br />

jetzt über eine standardmäßig rechts angeordnete<br />

Seitenleiste, die ein komfortables<br />

Navigieren in der Dokumentstruktur<br />

oder in den Vorlagen für Absatz und<br />

Zeichen erlaubt 4 .<br />

In der Ansicht Dokumentstruktur schalten<br />

Sie über Dokumentinhalt zudem je<br />

nach Bedarf zwischen der Gliederung<br />

nach Überschriften, Textmarken, Tabellen,<br />

Bildern, Objekten, Fußnoten oder<br />

deren Referenzen um. Außerdem gibt es<br />

in allen Komponenten der Suite jetzt einen<br />

Zoom-Schieber in der Statuszeile,<br />

über den Sie die Vergrößerungsstufe<br />

stufenlos einstellen.<br />

Den Dialog für Absatz- und Zeichenvorlagen<br />

haben die Entwickler ebenso<br />

überarbeitet wie den Dialog für ein neues<br />

Dokument. Dieser bietet jetzt eine<br />

<strong>Vorschau</strong> für Vorlagen. Ferner gibt es bei<br />

im Text eingebetteten Tabellen jetzt wie<br />

beim Vorbild Microsoft Word eine Autoformat-Funktion.<br />

Zu den Stärken von TextMaker gehören<br />

die mitgelieferten linguistischen Hilfen.<br />

Über die für eine <strong>Office</strong>-Suite selbstverständliche<br />

Rechtschreibprüfung hinaus<br />

sind das bei TextMaker 2012 das<br />

Langenscheidt-Standardwörterbücher<br />

für Englisch, Französisch, Spanisch und<br />

Italienisch sowie das „Deutsche Universalwörterbuch“<br />

und das „Große Fremdwörterbuch“<br />

von Duden.<br />

Da der „Duden Korrektor“ der Professional-Version<br />

Windows vorbehalten ist,<br />

fällt TextMaker trotz der sehr guten Ausstattung<br />

mit Wörterbüchern bei der<br />

18 www.linux-user.de<br />

10.2013


SoftMaker 2012<br />

Schwerpunkt<br />

Rechtschreibprüfung etwas ab: Diese<br />

basiert nur auf Hunspell. Dafür unterscheidet<br />

sie zwischen alter und neuer<br />

deutscher Rechtschreibung und unterstreicht<br />

auf Wunsch Wörter in alter<br />

Rechtschreibung blau. Darüber hinaus<br />

enthält TextMaker ein Synonym-Wörterbuch<br />

(Thesaurus).<br />

Bei den Standardfunktionen gibt sich<br />

TextMaker keine Blöße und beherrscht<br />

Fuß- und Kopfzeilen, verschiedene Arten<br />

von Querverweisen wie Fuß- oder Endnoten<br />

und bietet Einstellungsmöglichkeiten<br />

für Spalten, Tabellen und Bilder.<br />

Über Normalmaß hinaus gehen die<br />

Funktionen im Bereich Typografie, die<br />

unter anderem sogar das Anpassen von<br />

Zeichenabständen erlauben. Daneben<br />

können Sie in TextMaker Textbausteine<br />

nutzen und auf eine Autovervollständigen-Funktion<br />

zurückgreifen, wobei<br />

„mfg“ für „Mit freundlichen Grüßen“ nur<br />

der Klassiker unter vielen weiteren Zuordnungen<br />

ist.<br />

Grafikfunktionen<br />

Zu den Highlights von TextMaker 2012<br />

gehören die umfangreichen Funktionen<br />

für den Bereich Grafik. So bietet das Programm<br />

nicht nur elementare Werkzeuge<br />

zum Zeichnen, sondern darüber hinaus<br />

auch vergleichsweise ausgefallene Features<br />

wie Schatten oder Spiegeleffekte.<br />

Bei Bedarf füllen Sie Objekte nicht nur<br />

mit Farben, sondern auch mit Mustern,<br />

Verläufen und sogar beliebigen Bildern.<br />

Textart-Objekte, das Pendant zu<br />

Micro softs WordArt, eröffnen weitere<br />

Möglichkeiten zum Gestalten 5 . Das<br />

zugehörige Symbol finden Sie bei markiertem<br />

Grafikobjekt in der Symbolleiste<br />

mit den Objekt-Funktionen.<br />

TextMaker unterscheidet zwischen einem<br />

Editier- und einem Objekt-Modus.<br />

Letzteren aktivieren Sie automatisch, sobald<br />

Sie ein Objekt markieren, wie etwa<br />

den Rahmen einer Grafik. Alternativ<br />

schalten Sie mit dem Symbol ganz links<br />

in der untersten Symbolleiste zwischen<br />

den beiden Modi um. Das Programm ersetzt<br />

dann die Symbolleiste für Zeichenund<br />

Absatzformatierung durch jene mit<br />

Funktionen zum Einfügen und Bearbeiten<br />

von Objekten.<br />

Die Software erlaubt es, Objekte mit<br />

Lauftext frei zu umfließen. Zwar finden<br />

Sie eine solche Funktion auch in Libre-<br />

<strong>Office</strong> oder Calligra, doch TextMaker<br />

meistert die Aufgabe optisch eine Nuance<br />

besser: Das Programm erkennt den von<br />

einzelnen Buchstaben benötigten Platz<br />

und rechnet ihn ein.<br />

Dateitypen und Filter<br />

Die Entwickler verweisen im Rahmen<br />

der umfangreichen Im- und Exportfunktionen<br />

von TextMaker 2012 insbesondere<br />

auf die Filter. Laut Hersteller liest und<br />

schreibt die Software faktisch alle Word-<br />

Formate. Darüber hinaus kommt sie mit<br />

dem OpenDocument-Standard (ODF)<br />

zurecht und unterstützt RTF, HTML,<br />

Pocket Word, ASCII und Unicode. Das<br />

Lesen und Schreiben des ODF-Formats<br />

klappt allerdings nur in TextMaker, nicht<br />

in PlanMaker oder Presentations.<br />

Dabei arbeiten die Filter gemäß den<br />

Tests mit aufwendig gestalteten Vorlagen<br />

aus MS-<strong>Office</strong> 2007 überdurchschnittlich<br />

gut oder sogar besser als die<br />

von Libre<strong>Office</strong>. Gängige <strong>Office</strong>-Dokumente<br />

aus der Microsoft-Suite importiert<br />

das Modul nahezu vollständig korrekt.<br />

Gleiches gilt für das Importieren von<br />

ODF-Dokumenten – immer unter der<br />

Voraussetzung, dass das Layout nicht zu<br />

komplex ausfällt. TextMaker exportiert<br />

auch nach PDF, besitzt aber keine entsprechende<br />

Funktion für den Import.<br />

Automatiken<br />

Bei Bedarf erstellen Sie automatisch<br />

Stichwortverzeichnisse, Literaturangaben<br />

oder ein Inhaltsverzeichnis. Letzteres<br />

basiert wie bei anderen Programmen<br />

auf den verwendeten Absatzformatierungen<br />

für Überschriften. Darüber hinaus<br />

haben Sie die Möglichkeit, im Inhaltsverzeichnis<br />

normalen Text einzufügen<br />

und diesen entsprechend zu formatieren.<br />

Dazu stehen die Formate Verzeichnis<br />

bis Verzeichnis 9 bereit, was den<br />

SoftMaker <strong>Office</strong> ausprobieren<br />

Die Professional-Variante von SoftMaker <strong>Office</strong>, die in der Windows-<br />

Version vor allem durch den enthaltenen Duden-Korrektor gefällt,<br />

gibt es unter Linux nicht. Immerhin enthält das Linux-Paket aber<br />

die zwei Duden-Wörterbücher und vier Langenscheidt-Wörterbücher<br />

der Pro-Version. Auf den ebenfalls in der Pro-Version enthaltenen<br />

Mail-Client dürften dagegen die meisten Linux-Anwender<br />

verzichten können.<br />

Heute nicht mehr selbstverständlich: Alle Softmaker-<strong>Office</strong>-Versionen<br />

enthalten ein gedrucktes Handbuch und weitere Anleitungen<br />

als PDF (Deutsch und Englisch) auf dem Installationsmedium. Die<br />

Seitenzahl der PDF-Handbücher für alle Module summiert sich auf<br />

beachtliche 1700 Seiten, wovon etwa 400 als gedrucktes Handbuch<br />

in der Schachtel liegen.<br />

Für diesen Beitrag kam die Trial-Version û von der Download-<br />

Seite û zum Einsatz. Der Hersteller versorgt die Testversionen nicht<br />

mit Patches, sondern aktualisiert sie laufend. Die aktuelle Testversion<br />

gleicht also nicht mehr der von vor einem Jahr. Die Kaufversionen<br />

(Box und Download) erhalten regelmäßig Service-Packs.<br />

Das Installieren der wahlweise als RPM- oder DEB-Paket für 32-<br />

und 64-Bit-Systeme verfügbaren Versionen haben Sie mit dem<br />

Paketmanager der jeweiligen Distribution schnell erledigt. Bei der<br />

64-Bit-Version installiert das Setup allerdings nur die x86-Variante<br />

mitsamt der benötigten Bibliotheken.<br />

Das komplette Paket belegt lediglich rund 300 MByte auf der Festplatte.<br />

Nach erfolgter Installation stehen TextMaker, PlanMaker und<br />

Presentations als eigenständige Anwendungen mit Icons im KDE-<br />

Menü im Bereich Anwendungen | Büroprogramme bereit.<br />

Auf dem Datenträger der Media-Ausgabe finden Sie ebenfalls die<br />

derzeit aktuelle Testversion, die Sie nach dem Registrieren im<br />

Web û freischalten. Danach stehen alle Komponenten uneingeschränkt<br />

zum Einsatz bereit.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

19


Schwerpunkt<br />

SoftMaker 2012<br />

Datenbank mit Ihren Adressen an und<br />

nehmen dann die Verknüpfung mit dem<br />

Textdokument vor.<br />

Allerdings erlaubt die Applikation es<br />

nicht, Serienbriefe gesammelt in einer<br />

PDF-Datei aufzubereiten, um sie etwa an<br />

einen externen Dienstleister weiterzugeben.<br />

Der Umweg über einen Pseudo-<br />

Drucker scheidet ebenfalls aus, weil das<br />

Speichern im PDF-Format ausschließlich<br />

über den Dialog PDF Export unter Datei |<br />

Als PDF-Dokument exportieren funktioniert.<br />

Das bedeutet, dass Sie Serienbriefe<br />

direkt ausdrucken müssen.<br />

PlanMaker<br />

4 Mithilfe der neuen Seitenleiste von Softmaker <strong>Office</strong> 2012 navigieren Sie zügig und<br />

recht komfortabel durch die Dokumentstruktur.<br />

Text unabhängig von bereits gewählten<br />

Überschrift-Formaten macht.<br />

Das Einfügen eines Literaturverzeichnisses<br />

funktioniert ähnlich wie bei anderen<br />

Applikationen, wobei das Programm<br />

vor dem ersten Einfügen Angaben zur<br />

Datenbank braucht. Dazu enthält die<br />

Software ein einfaches auf Tabellen<br />

basierendes Datenbankmodul, das als<br />

Grundlage des Literaturverzeichnisses<br />

Dateien im dBase-Format erzeugt. Über<br />

Weiteres | Bibliographie | Bibliographie-<br />

Einstellungen wählen Sie mit einem Klick<br />

auf Datei das passende File aus.<br />

Das Hinzufügen von Einträgen funktioniert<br />

über Weiteres | Bibliographie |<br />

Bibliographiefeld einfügen. Das Erstellen<br />

des Verzeichnisses veranlassen Sie nach<br />

dem Füllen der Datenbank über den<br />

Menüpunkt Weiteres | Bibliographie |<br />

Bibliographie. Halten Sie die Literaturdatenbank<br />

während der Arbeit am Text<br />

geöffnet, wechseln Sie mithilfe der<br />

Register-Reiter am oberen Rand komfortabel<br />

zwischen Text und Literaturliste.<br />

Die Serienbrieffunktion verwendet<br />

ebenfalls die integrierte Datenbank-<br />

Funktion. Hier legen Sie zunächst die<br />

PlanMaker, das Tabellenkalkulationsmodul,<br />

greift genau wie TextMaker bei der<br />

Bedienung auf die klassische Menüleiste<br />

zurück. Die selbst gestalteten Dialoge<br />

und Widgets geben auch hier den Ton<br />

an. Beim ersten Start kommt möglicherweise<br />

zunächst der Eindruck auf, das<br />

Programm böte nur einen eingeschränkten<br />

Funktionsumfang. Doch ebenso wie<br />

TextMaker entpuppt sich auch Plan-<br />

Maker beim zweiten Blick als funktional<br />

bestens gerüstet, um mit der Konkurrenz<br />

mitzuhalten.<br />

So bietet der Assistent in allen Kategorien<br />

insgesamt 335 Rechenfunktionen,<br />

darunter auch komplexe Zahlen und<br />

Matrizen. Da wundert es kaum, dass es<br />

das hervorragende deutsche Handbuch<br />

auf rund 770 Seiten bringt, inklusive<br />

alphabetischer Referenz.<br />

Das Diagramm-Modul gehört zu den<br />

Highlights von PlanMaker. Schon die<br />

verfügbaren 15 Diagrammtypen halten<br />

einen Vergleich mit Excel mehr als stand:<br />

Neben einfachen Balken und Säulen gibt<br />

es auch Flächen, Kreise, Ringe und Zylinder,<br />

wobei jeder Typ noch zahlreiche<br />

Varianten kennt 6 .<br />

Zudem besteht die Möglichkeit, jede<br />

der Varianten nach Belieben anzupassen,<br />

indem Sie sich aus dem riesigen<br />

Vorrat an Effekten bedienen, darunter<br />

Schatten, Transparenzen und Spiegelungen.<br />

Die 3D-Varianten bieten die Möglichkeit,<br />

sie im Raum zu drehen, zu strecken<br />

oder zu skalieren. Darüber hinaus<br />

dürfen Sie Diagramme nicht nur inner-<br />

20 www.linux-user.de<br />

10.2013


SoftMaker 2012<br />

Schwerpunkt<br />

Mit der Version 2012 von PlanMaker beherrscht<br />

das Programm auch das Konsolidieren<br />

von Daten. Neu ist auch die sehr<br />

praktische Funktion Text in Spalten, mit<br />

der Sie den Text von Zellen mithilfe eines<br />

von Ihnen gewählten Trennzeichens auftrennen<br />

und die Inhalte auf mehrere<br />

Spalten verteilen.<br />

Ferner gibt es seit der Version 2012<br />

wie auch bei TextMaker einen Zoom-<br />

Schieber in der Statusleiste. Darüber<br />

hinaus verfügt PlanMaker 2012 über<br />

eine neue Funktion zum automatischen<br />

Entfernen doppelter Daten oder leerer<br />

Zeilen in einem markierten Bereich. Ferner<br />

beherrscht auch PlanMaker das Ausgeben<br />

in verschiedenste Formate, dahalb<br />

eines Arbeitsblattes anlegen, sondern<br />

auch als eigenständiges Blatt.<br />

Wie andere Programme dieser Art legt<br />

PlanMaker beim Start – der übrigens bei<br />

Bedarf über das PlanMaker-Icon aus<br />

TextMaker erfolgt (und umgekehrt) –<br />

standardmäßig eine neue Arbeitsmappe<br />

an und aktiviert das erste Blatt darin. Wie<br />

bei Tabellenkalkulationen üblich formatieren<br />

Sie den angezeigten Wert einer<br />

Zelle mit Format | Zelle. So stehen bei<br />

den Formaten neben Standard, Text,<br />

Zahl, Währung oder Datum auch Buchhaltung<br />

(mit Tausenderpunkt), Prozent,<br />

Bruch, Wahrheitswert (Boolean) und Benutzerdefiniert<br />

bereit. Bei Bedarf weisen<br />

Sie außerdem markierten Bereichen<br />

über Format | AutoFormat auf Knopfdruck<br />

automatische Formatierungen aus<br />

einer reichhaltigen Auswahl zu.<br />

Das klappt inzwischen sogar mit dem<br />

Format Bruch fehlerfrei. So haben Sie die<br />

Möglichkeit, etwa den Wert „0,33“ auch<br />

als Bruch „1/​3“ einzugeben, beziehungsweise<br />

der Zelle das Format zuzuweisen.<br />

Beim Test der Vorabversion von Plan-<br />

Maker 2012 in der Ausgabe 04/​2012 unserer<br />

Schwesterzeitschrift EasyLinux<br />

zeigte sich bei dieser Funktion noch ein<br />

Bug, der aus dem Wert „0,1“ in der Bruch-<br />

Darstellung „1/​9“ machte, statt „1/​10“ û.<br />

Das passiert nun nicht mehr.<br />

Im Bereich der Analyse-Funktionen ist<br />

auch die klassische Zielwertsuche zu finden.<br />

Daneben eignet sich PlanMaker für<br />

den Einsatz als Pseudo-Datenbank, wozu<br />

Sie wie bei Microsoft Excel einen Tabellen-Bereich<br />

entsprechend deklarieren. In<br />

diesem Zusammenhang unterstützt die<br />

Softmaker-Applikation außerdem das Erstellen<br />

von Formularen und stellt dazu<br />

ein umfangreiches Instrumentarium mit<br />

Eingabefeldern, Ankreuz-Kästchen und<br />

Auswahllisten bereit.<br />

Neuerungen<br />

5 TextArt-Objekte eröffnen vielfältige Möglichkeiten zum Gestalten eines Textes.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

21


Schwerpunkt<br />

SoftMaker 2012<br />

lungen eines Layouts auflistet. Das<br />

macht es sehr komfortabel, wahlweise<br />

Änderungen an kompletten Layouts<br />

oder an einzelnen Bereichen vorzunehmen.<br />

Presentations bietet daneben viele<br />

Grafikfunktionen und bei Bildern die<br />

Möglichkeit, Helligkeit, Kontrast und<br />

Gamma direkt anzupassen.<br />

Fazit<br />

6 PlanMaker behandelt Diagramme auf die gleiche Weise wie andere Grafikobjekte,<br />

und bietet dementsprechend Effekte an, um die Diagramme optisch zu beeinflussen.<br />

Die dritte Applikation, Presentations,<br />

verhält sich ebenfalls zu den Formaten<br />

von Microsoft kompatibel. Neben der<br />

vorher schon vorhandenen Unterstützung<br />

für Powerpoint-Dateien (PPT)<br />

kommt Presentations 2012 mit dem<br />

PPTX-Format von Powerpoint 2007 und<br />

2010 zurecht. Zudem vermag Presentations<br />

Folien als Bilddatei in verschiedene<br />

Formate zu exportieren und außerdem<br />

HTML- oder PDF-Dokumente zu erzeugen.<br />

Wie PlanMaker muss jedoch auch<br />

Presentations beim ODF-Format passen.<br />

In der Summe handelt es sich um eine<br />

grundsolide Software, die alle wesentlichen<br />

Funktionen für den Alltag beherrscht.<br />

Sie hat im Vergleich zu Powerpoint<br />

aber nicht dasselbe Kaliber wie die<br />

anderen Komponenten in Bezug auf<br />

Word oder Excel.<br />

Nützliche Details finden sich dennoch,<br />

so etwa beim Erstellen eines Folienlayouts:<br />

So finden Sie auf der rechen Seite<br />

eine Leiste Folienlayout, die alle Einstelrunter<br />

zwar auch PDF, im Gegensatz zu<br />

TextMaker aber nicht das ODF-Format.<br />

Ein weiteres nicht unerhebliches Manko<br />

der Linux-Version von PlanMaker ist<br />

die gegenüber der Windows-Version<br />

fehlende Möglichkeit, Makros zu verwenden.<br />

In der Windows-Version gibt es<br />

dazu das Modul BasicMaker. Libre<strong>Office</strong><br />

dagegen beherrscht bekanntlich sehr<br />

wohl Makros.<br />

Kompatibilität<br />

Wie bei TextMaker gehört die Kompatibilität<br />

mit den Formaten von Microsoft<br />

zu den herausragenden Eigenschaften<br />

des Programms. Die Entwickler haben<br />

darüber hinaus die Kompatibilität mit<br />

Excel nach eigener Angabe in der Version<br />

2012 noch einmal verbessert, sodass<br />

diese auch das Lesen und Schreiben<br />

von XLSX-Dateien beherrscht.<br />

Zwar kommt Libre<strong>Office</strong> ebenfalls problemlos<br />

mit (nicht allzu komplexen) Excel-Arbeitsblättern<br />

klar, PlanMaker geht<br />

aber deutlich fixer ans Werk. Bleibt als<br />

einziges bedeutendes Manko die fehlende<br />

Unterstützung für Libre<strong>Office</strong>-Dateien:<br />

Der einzig praktikable Ausweg zum Bearbeiten<br />

von ODF-Dateien besteht momentan<br />

darin, die zu übernehmenden Berei-<br />

che in Libre<strong>Office</strong> zu markieren und via<br />

Copy & Paste in PlanMaker zu übertragen.<br />

Allerdings gehen dabei sämtliche<br />

Formatierungen und Formeln verloren.<br />

Presentations<br />

SoftMaker liefert mit TextMaker und<br />

PlanMaker ein Gespann aus vollwertiger<br />

Textverarbeitung und Tabellenkalkulation,<br />

die sich funktional nicht hinter<br />

Libre<strong>Office</strong> zu verstecken brauchen. Ein<br />

direkter Vergleich mit dem <strong>Office</strong>-Paket<br />

von Microsoft erübrigt sich unter Linux<br />

eigentlich, wenngleich die MS-Suite unter<br />

Crossover oder in einer VM zufriedenstellend<br />

läuft.<br />

SoftMaker <strong>Office</strong> punktet gegenüber<br />

dem Produkt von Microsoft durch den<br />

sehr viel günstigeren Preis und ein rasantes<br />

Tempo. Die über viele Jahre eingeflossenen<br />

Verbesserungen sorgen für<br />

hohe Stabilität, die selbst den Anforderungen<br />

im Unternehmenseinsatz genügt.<br />

Der große Funktionsumfang und<br />

die weitgehende Kompatibilität mit den<br />

Microsoft-Formaten stützen die Empfehlung<br />

ebenso wie die guten Filter für Import<br />

und Export.<br />

Dem Privatanwender stellt sich primär<br />

vor allem die Frage: Libre<strong>Office</strong> oder<br />

SoftMaker <strong>Office</strong>? Unter dem Strich<br />

muss hier jeder eine eigene Bilanz zwischen<br />

den Vor- und Nachteilen ziehen<br />

und nach individuellen Gesichtspunkten<br />

entscheiden, ob sich für ihn der Kaufpreis<br />

von rund 70 Euro lohnt. Das kommerzielle<br />

<strong>Office</strong>-Paket empfiehlt sich insbesondere<br />

dann, wenn es auf weitgehende<br />

Kompatibilität mit Dokumenten<br />

aus der MS-<strong>Office</strong>-Welt sowie hohe Geschwindigkeit,<br />

eine aufgeräumte Oberfläche<br />

und die Zu gaben von Duden und<br />

Langenscheidt ankommt. (agr) n<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30372<br />

22 www.linux-user.de<br />

10.2013


Schwerpunkt<br />

Gnome <strong>Office</strong><br />

Die Bürosuite des Gnome-Projektes<br />

Kleine Macken<br />

Gnome setzt in vielen Punkten auf eigene Tools. In Sachen<br />

<strong>Office</strong> erweist sich diese Strategie als problematisch.<br />

Dr. Karl Sarnow<br />

© Andrewatla, sxc.hu<br />

Readme<br />

Wer viel textet, wählt seine Bürosuite mit<br />

Bedacht – ein späterer Software-Wechsel<br />

bedeutet Unmengen zu konvertierender<br />

Texte. Das Open-Document-Format ODF hat<br />

die Wahl der Software etwas entschärft. So<br />

lohnt ein Blick auf das Angebot von Gnome:<br />

Abiword, Gnumeric und Inkscape.<br />

Das standardisierte Open-Document-<br />

Format ODF ermöglicht es heute relativ<br />

sorgenfrei, eine fast beliebige <strong>Office</strong>-<br />

Software zu nutzen und gegebenenfalls<br />

schnell auf eine andere Bürosuite umzusteigen.<br />

Es stellt sich im Einzelfall allerdings<br />

die Frage, ob sich ein Wechsel<br />

auch lohnt. Wir versuchen die Frage für<br />

die Gnome-Alternative zum Standard<br />

Open/​Libre<strong>Office</strong> zu klären: das Dreigestirn<br />

Abiword, Gnumeric und Inkscape.<br />

Abiword<br />

Als Textverarbeitung bildet Abiword den<br />

zentralen Baustein der Gnome-Bürosuite.<br />

Die Installation der Anwendung gestaltet<br />

sich einfach, in den meisten Linux-<br />

Distributionen genügt dazu ein Knopfdruck.<br />

Interessant ist ein Blick auf die<br />

Versionsnummer der Software, die der<br />

Paketmanager auf die Festplatte bringt.<br />

Auf unserem Testsystem Ubuntu 12.04<br />

LTS ist es Abiword 2.9.2.<br />

Das Projekt hinter Gnome-<strong>Office</strong> offeriert<br />

auf seiner Homepage û zwar einen<br />

Link auf Abiword, der führt jedoch ins<br />

Leere: Die Seite datiert noch auf das<br />

Jahr 2010. Dagegen nennt die Homepage<br />

von Abiword û Version 2.9.4 als<br />

aktuelle experimentelle Version (Datum:<br />

25.11.2012), als letzte stabile Version<br />

weist sie das Release 2.8.6 aus. Aus dieser<br />

Perspektive erscheint die Version 2.9.2<br />

24 www.linux-user.de<br />

10.2013


Gnome <strong>Office</strong><br />

Schwerpunkt<br />

1 Abiword öffnet beim Start ein übersichtliches Fenster.<br />

trotz ihres für freie Software geradezu<br />

biblischen Alters als akzeptabel.<br />

Nach dem Start von Abiword gestaltet<br />

sich die Ansicht übersichtlich 1 . Die<br />

Funktion der Bedienelemente erschließt<br />

sich in der Regel auf den ersten Blick, sodass<br />

man direkt anfangen kann, Text einzugeben.<br />

Im Menü fallen die drei Einträge<br />

Extras, RDF und Collaborate ins Auge,<br />

die man so aus anderen Textverarbeitungen<br />

eher nicht kennt oder die Ungewöhnliches<br />

enthalten.<br />

Das Menü Extras hält beispielsweise<br />

einen Plugin-Manager bereit 2 , der es<br />

unter anderem erlaubt, Texte im E-Book-<br />

Format EPUB zu exportieren oder Texte<br />

zu importieren. Eine Übersicht aller angebotenen<br />

Funktionen – dazu zählen<br />

neben Import/​Export-Filtern für mehr<br />

oder weniger exotische Formate auch<br />

Werkzeuge wie ein Kommandozeileninterpreter<br />

– findet sich auf der Abiword-<br />

Homepage û. Die Plugins flanschen<br />

sich in den Menüs von Abiword an verschiedensten<br />

Stellen an, großenteils jedoch<br />

im Abschnitt Extras.<br />

Von Vorteil für Autoren sind dabei<br />

sicher das Synonymwörterbuch (der<br />

Thesaurus), die Möglichkeit zum Übersetzen<br />

von Texten mittels Free Translator<br />

und Babelfish sowie die Suche bei<br />

Google und Wikipedia. Die Einträge im<br />

Menü erscheinen manchmal in Deutsch,<br />

manchmal aber auch in Englisch.<br />

Der Menüpunkt RDF (Resource Description<br />

Framework) ist das Angebot<br />

eines theoretisch zwar mächtigen, praktisch<br />

aber recht komplex einzusetzenden<br />

Tripels aus Subjekt, Prädikat und<br />

Objekt. In der Abiword-Hilfe suchen Sie<br />

vergeblich nach Anleitungen, wie sich<br />

das Konzept nutzen lässt. Eine Erläuterung<br />

der Theorie hinter dem Kürzel findet<br />

sich bei Wikipedia û.<br />

Das Menü Collaborate versammelt Einträge,<br />

die es erlauben, Dokumente mit<br />

anderen Benutzern zu teilen. Allerdings<br />

finden Sie dort nur Vorgaben für den<br />

Dienst Telepathy. Andere Services müssen<br />

Sie bei Bedarf manuell eintragen. Es<br />

wäre wünschenswert, wenn wenigstens<br />

Ubuntu One oder ähnliche moderne<br />

Cloud-Dienste ebenfalls ihren Eingang<br />

ins Menü fänden.<br />

Brot und Butter<br />

Zum Alltag jeder Textverarbeitung gehören<br />

aber in der Regel nicht nur komplexe<br />

Kollaborationsprojekte, sondern auch<br />

2 Die Plugins erweitern den Einsatzbereich<br />

von Abiword erheblich.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

25


Schwerpunkt<br />

Gnome <strong>Office</strong><br />

3 Das Programm Gnumeric fungiert als Tabellenkalkulation innerhalb<br />

von Gnome-<strong>Office</strong>.<br />

4 Die Auswahl der Funktion mit dem Assistenten fällt leicht und<br />

zeigt den eindrucksvollen Umfang der Bibliothek.<br />

das Schreiben von Dokumenten, oft in<br />

Verbindung mit dem Einfügen von Bildern.<br />

Letzteres erlaubt die Integration<br />

selbst recht komplexer Elemente wie<br />

mathematischer oder chemischer Formeln<br />

sowie von Diagrammen.<br />

Im Fall von Abiword sollten die eingefügten<br />

Bilder jedoch tunlichst nicht zu<br />

groß ausfallen, denn sonst erschweren<br />

häufige Abstürze die praktische Arbeit.<br />

Generell verankert das Programm die<br />

Bilder als Zeichen und ohne Umfließen.<br />

Nach dem Einfügen eines Bildes haben<br />

Sie die Möglichkeit, die Größe des Rahmens<br />

zu verändern.<br />

Das Strukturieren des Textes mittels<br />

Überschriften verschiedener Hierarchien<br />

klappt tadellos. Dabei nimmt die Software<br />

neu eingefügte Überschriften automatisch<br />

ins Inhaltsverzeichnis auf, sofern<br />

Sie diese aus dem Menü Einfügen<br />

erstellen. Dieses automatische Aktualisieren<br />

des Inhaltsverzeichnisses erweist<br />

sich als angenehme Eigenschaft, weil<br />

diese Aufgabe von Hand allzu oft im Eifer<br />

des Gefechtes in Vergessenheit gerät.<br />

Auffällig ist das Fehlen der Stilvorlagen<br />

Titel und Untertitel, welche in jedem<br />

besseren Textdokument zum Einsatz<br />

kommen. Sie haben theoretisch zwar die<br />

5 Der Assistent für Formeln zeigt in verblüffend einfacher und<br />

präziser Weise, wie das Berechnen der Wahrscheinlichkeit einer<br />

Binominal-Verteilung klappt.<br />

26<br />

www.linux-user.de<br />

10.2013


Gnome <strong>Office</strong><br />

Schwerpunkt<br />

Möglichkeit, Stilelemente neu zu definieren,<br />

praktisch blieb die Software im<br />

Test dabei aber stets hängen. Das verhinderte<br />

es, systemweite Stilelemente zu<br />

erzeugen und zu speichern.<br />

Das Einfügen von Tabellen erledigen<br />

Sie mithilfe der Menüs Einfügen und Tabelle.<br />

Anschließend besteht die Möglichkeit,<br />

die Tabelle mit den üblichen Mitteln<br />

zu bearbeiten – etwa, Zellen miteinander<br />

zu verbinden, um komplexe Strukturen<br />

zu erstellen. Die Logik dahinter ist<br />

einfacher als in anderen Programmen:<br />

Sie klicken einfach in die Zelle, rufen den<br />

Menüpunkt Tabelle | Zellen verbinden auf<br />

und wählen die Schaltfläche an, welche<br />

die gewünschte Verbindung ermöglicht.<br />

Eine Automatik beim Nummerieren<br />

der Bilder fehlt ebenso wie ein automatischer<br />

Index für Tabellen. Folglich ist es<br />

nicht möglich, Querverweise darauf zu<br />

automatisieren: Die gilt es von Hand in<br />

den Text einzufügen.<br />

Das Speichern des Dokumentes erfolgt<br />

normalerweise im Abiword-eigenen<br />

gepackten Format mit dem Suffix<br />

.abw. Die vielen Filter für den Import und<br />

Export erlauben darüber hinaus das Abspeichern<br />

in anderen Formaten wie<br />

etwa ODT. Das klappt mit einfachen Dokumenten,<br />

wie Abiword sie normalerweise<br />

erzeugt, recht gut.<br />

Umgekehrt impliziert bereits das Fehlen<br />

automatischer Referenzen zu Bildern<br />

und Tabellen nur dann einen erfolgrei-<br />

chen Import von anderen Texten aus<br />

ande ren Programmen, wenn diese eine<br />

ähnlich simple Struktur besitzen wie<br />

Abiword-Dokumente.<br />

Gnumeric<br />

Die Tabellenkalkulation Gnumeric bildet<br />

das zweite Standbein der Gnome-<strong>Office</strong>-<br />

Suite. Die Ansprüche an derartige Software<br />

sind enorm hoch. Schließlich basieren<br />

viele Entscheidungen auf der Simulation<br />

und Prognose von Daten, die aus<br />

solchen Programmen stammen. Unsere<br />

Ubuntu-12.04-Testumgebung führte<br />

Gnumeric 1.10.17 im Repository, aktuell<br />

wäre die Version 1.12.04.<br />

Die Eingabe der Daten erfolgt bei<br />

Gnumeric wie in anderen Tabellenkalkulationen<br />

durch Eintragen der Werte in<br />

die Zellen, inklusive des relativen und<br />

absoluten Adressierens mittels [F4]. Das<br />

Auffüllen von Zellen mit Daten erfolgt<br />

bei Bedarf über den Menüpunkt Daten |<br />

Füllen entweder als Datenreihe oder als<br />

Kopieren des Reihenstarts. Beim Füllen<br />

als Reihe passt die Software automatisch<br />

die Breite der Zellen an. Falls diese Eigenschaft<br />

stört, schalten Sie sie in den<br />

Optionen ab.<br />

Der Einsatz des Assistenten zum Berechnen<br />

von Funktionen gestaltet sich in<br />

Gnumeric vorbildlich: Sie klicken in eine<br />

Zelle, in der Sie den berechneten Wert<br />

ablegen möchten, rufen den Assistenten<br />

6 Der Diagrammeditor ermöglicht das Erzeugen eines Diagramms mit <strong>Vorschau</strong> auf die<br />

Anzeige, sofern Sie den entsprechenden Datenbereich ausgewählt haben.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

27


Schwerpunkt<br />

Gnome <strong>Office</strong><br />

7 Nach dem Erzeugen des Diagramms platzieren Sie die Grafik durch Aufziehen<br />

der gewünschten Fläche mit gedrückter linker Maustaste.<br />

8 Nach dem Start zeigt Inkscape eine leere Seite, deren Größe Sie zunächst<br />

einmal passend einstellen müssen.<br />

auf, der sich hinter dem Symbol mit der<br />

Beschriftung f(x) oder im Menüpunkt<br />

Einfügen | Funktion verbirgt, und wählen<br />

die gewünschte Funktion aus. Die Erläuterung<br />

zu der Funktion erscheint allerdings<br />

häufig in einer Mischung aus<br />

Deutsch und Englisch 4 .<br />

Der Umfang der Bibliothek beeindruckt:<br />

Neben den üblichen mathematischen<br />

Funktionen stehen auch eher exotische<br />

parat, wie etwa das Umwandeln<br />

arabischer Zahlen in römische. Haben Sie<br />

sich für eine Funktion entschieden und<br />

diese durch Mausklick ausgewählt, öffnet<br />

sich der entsprechende Dialog 5 .<br />

Dieser ist ein rechtes Sahnestückchen:<br />

Selbst komplexe Funktionen, wie etwa<br />

die binominale Wahrscheinlichkeitsverteilung,<br />

füllen Sie bei entsprechender<br />

mathematischer Kenntnis aufgrund der<br />

sorgfältigen Anzeige der Struktur und<br />

der ausführlichen Kontextinformation<br />

sehr einfach aus. Ebenso simpel gestaltet<br />

sich das Erzeugen von Diagrammen:<br />

Abbildung 6 zeigt beispielsweise ein<br />

Balkendiagramm zur Binominal-Verteilung<br />

mit p=0,5 und n=20.<br />

Sie wählen zunächst den Datenbereich<br />

in der Tabelle aus und aktivieren<br />

dann im Menüpunkt Einfügen | Diagramm<br />

den Editor. Nach der Auswahl<br />

des geeigneten Typs und dessen Feintuning<br />

wählen Sie in der Tabelle den<br />

Bereich für die Ausgabe.<br />

Um allerdings ein Gitter einzufügen,<br />

wie im Ergebnis in Abbildung 7 dargestellt,<br />

müssen Sie zum Reiter Hinzufügen<br />

greifen, um – nach X- und Y-Achse getrennt<br />

– die Linien zu definieren. Gleiches<br />

gilt für das Beschriften der Achsen.<br />

Bei Bedarf exportieren Sie die fertigen<br />

Diagramme und importieren diese in andere<br />

Anwendungen, wie Abiword (das<br />

dabei jedoch gern abstürzt) oder Openbeziehungsweise<br />

Libre<strong>Office</strong>.<br />

Möchten Sie das erzeugte Dokument<br />

ausdrucken, erledigen Sie das über die<br />

<strong>Vorschau</strong>, die allerdings direkt auf den<br />

Standarddrucker ausdruckt. Möchten Sie<br />

einen anderen Drucker benutzen, wählen<br />

Sie dazu den Menüpunkt Datei | Drucken,<br />

der die Auswahl eines Druckers ermöglicht.<br />

Hier wechselt manchmal innerhalb<br />

von Beschriftungen die Sprache<br />

28 www.linux-user.de<br />

10.2013


Gnome <strong>Office</strong><br />

Schwerpunkt<br />

(Blatt 1, Page 1). Mittels Datei | Seiteneinstellungen<br />

korrigieren Sie dies.<br />

Bleibt noch zu erwähnen, dass auch<br />

die Möglichkeit besteht, Daten in verschiedene<br />

Blätter einzutragen, die Sie<br />

miteinander verlinken und umbenennen<br />

dürfen. Das Speichern der Dateien erfolgt<br />

entweder im Gnumeric-eigenen Format<br />

oder per Export in die Formate üblicher<br />

Tabellenkalkulationen. Ein Export der Datei<br />

aus Abbildung 7 ins ODF-Format<br />

verlief prinzipiell erfolgreich, wenn auch<br />

beim Öffnen in Libre<strong>Office</strong> der Titel des<br />

Diagramms verloren ging.<br />

Inkscape<br />

Inkscape kam auf dem Testsystem in der<br />

Version 0.48.3.1r9886 zum Einsatz; aktuell<br />

ist Version 0.48.4. Die dritte Säule des<br />

Büropaketes liegt also bei Ubuntu in einer<br />

halbwegs aktuellen Version vor. Inkscape<br />

eignet sich zwar auch zum Erstellen<br />

von Diagrammen, in diesem Beitrag<br />

geht es aber vorrangig um den Einsatz<br />

als Vektorzeichenprogramm.<br />

Das Programm zeigt nach dem Start<br />

eine leere Zeichenfläche 8 , deren Größe<br />

Sie am besten sofort nach dem Start<br />

einstellen und speichern. Das Programm<br />

arbeitet wie jedes gute Grafikprogramm<br />

mit Layern: Sie haben also die Möglichkeit,<br />

beliebig viele transparente Ebenen<br />

übereinanderzulegen, diese aber einzeln<br />

zu bearbeiten.<br />

Abbildung 9 zeigt ein Diagramm aus<br />

Gnumeric, eingebettet in Inkscape. Auf<br />

diese Weise entsteht eine neue Ebene<br />

für den Hintergrund, um das Diagramm<br />

mit ein wenig Grafik aufzupeppen. In<br />

dieser Ebene nehmen Sie nun die Verzierungen<br />

vor. Auf der linken Seite des Arbeitsbereiches<br />

finden Sie die Elemente,<br />

die zur Auswahl stehen.<br />

Da die aktuelle Zeichenebene unterhalb<br />

des Layers mit dem Diagramm<br />

liegt, überdeckt das importierte Element<br />

die nachträglich eingefügten Elemente<br />

(Abbildung 0 zeigt einige davon). Bei<br />

Bedarf bauen Sie das so aufgepeppte<br />

Diagramm nun wieder in eine Präsentation<br />

oder einen Text ein.<br />

Auf der rechten Seite des Fensters finden<br />

sich die Werkzeuge zum Modifizie-<br />

ren der Objekte sowie Schaltflächen für<br />

den raschen Import und Export von Daten.<br />

Da es sich um ein Vektorzeichenprogramm<br />

handelt, verändern Sie bei Bedarf<br />

alle Eigenschaften der Objekte – im<br />

Extremfall mit einem einfachen Editor.<br />

Das Speichern der Datei erfolgt zunächst<br />

im SVG-Format, anschließend in<br />

einem der vielen angebotenen Formate<br />

für den Export, unter anderem für Open/​<br />

Libre<strong>Office</strong>. Dieser Filter ließ aber sehr zu<br />

wünschen übrig: Das Diagramm erschien<br />

nur noch als „nacktes“ Gitter, alle Objekte<br />

verschmolzen zu einem einzigen. Letzteres<br />

ließ sich immerhin wieder in seine<br />

Einzelteile zerlegen. Inkscape trifft aber<br />

keine Schuld: Weder Open- noch Libre-<br />

<strong>Office</strong> kennen Ebenen. Der Export nach<br />

PDF klappte dagegen fehlerfrei.<br />

Präsentation<br />

Kurz gesagt: Eine Software für Präsentationen<br />

fehlt der Gnome-Bürosuite noch.<br />

Zwar findet sich auf der Homepage die<br />

Ankündigung einer Software namens<br />

9 Nach dem Import des Diagramms aus Gnumeric erhält es in Inkscape einen attraktiven<br />

Hintergrund, um es später in einer Präsentation zu verwenden.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

29


Schwerpunkt<br />

Gnome <strong>Office</strong><br />

0 Die Elemente aus Inkscape peppen das Diagramm optisch auf. Bei Bedarf importieren<br />

Sie das so modifizierte Element in ein Textdokument oder eine Präsentation.<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30381<br />

Ease û, seit 2010 beschäftigt sich das<br />

Projekt jedoch lediglich mit der Dokumentation<br />

der ersten Betaversion. Hier<br />

suchen Sie also vergebens.<br />

Um dennoch zu einer Präsentation zu<br />

kommen, besteht die Möglichkeit, sich<br />

mit Inkscape und Abiword zu behelfen:<br />

Mit Inkscape lässt sich schnell ein passender<br />

Hintergrund erzeugen, den Sie in<br />

Abiword laden. Dann legen Sie darüber<br />

die Präsentationsinhalte inklusive Diagramme<br />

oder anderes Material und exportieren<br />

das Dokument anschließend<br />

als PDF. Die Datei laden Sie dann im Präsentationsmodus<br />

des PDF-Readers.<br />

Fazit<br />

Das Gnome-<strong>Office</strong>-Paket befindet sich<br />

nicht im besten Zustand: Zwar funktioniert<br />

im Prinzip alles, aber speziell Abiword<br />

leidet unter einer erheblichen Instabilität.<br />

Zu den Glanzstücken der Suite<br />

gehört zweifellos Gnumeric, das durch<br />

Stabilität und hervorragende mathematische<br />

Funktionen insbesondere für Statistik<br />

auffällt. Auch Inkscape tut stabil<br />

und mit vielen einfach zu erzeugenden<br />

Figuren seinen soliden Dienst als Grafikprogramm.<br />

Die fehlende Software für Präsentationen<br />

gleichen Sie bei Bedarf durch<br />

das Duo Abiword und Inkscape aus.<br />

Die hier getestete Software überzeugt<br />

also nur partiell. Sobald Sie einen Blick<br />

auf die Gnome-Projektliste û werfen,<br />

wird auch klar, warum: Zwar erscheinen<br />

dort die vorgestellten Komponenten einzeln,<br />

aber unter dem Stichwort „<strong>Office</strong>“<br />

findet sich … Libre<strong>Office</strong>. Ein Schelm,<br />

wer Böses dabei denkt! (agr) n<br />

Der Autor<br />

Karl Sarnow ist seit den Tagen<br />

des TRS-80 Model 1 ein<br />

Fan des eigenen Computers.<br />

Der Lehrer für Mathematik,<br />

Physik und Informatik entwarf früher Vernetzungskonzepte<br />

unter Linux sowie entsprechende<br />

Anwendungen für Schulen<br />

und Unterricht. Darüber hat er auch ein<br />

Buch geschrieben. Seit seiner Pensionierung<br />

widmet er sich seinen Hobbys Fotografie,<br />

Reisen und Astronomie.<br />

30 www.linux-user.de<br />

10.2013


Schwerpunkt<br />

Calligra 2.7<br />

<strong>Office</strong>-Suite Calligra 2.7 im Überblick<br />

Auf dem Gaspedal<br />

© Mudmaxx, sxc.hu<br />

Calligra <strong>Office</strong> schüttelt langsam<br />

seine Kinderkrankheiten<br />

ab. Die Suite hat vor allem<br />

auf dem KDE-Desktop einen<br />

deutlichen Heimvorteil.<br />

Thomas Drilling<br />

Readme<br />

Die freie Bürosuite Calligra integriert sich<br />

gut in KDE und erfährt seit ihrem Fork aus<br />

K<strong>Office</strong> viel Engagement aus der Entwicklergemeinde.<br />

Die aktuelle Version 2.7.1 weckt<br />

nach verzeihlichen Kinderkrankheiten große<br />

Erwartungen.<br />

Die Auswahl freier und kommerzieller<br />

<strong>Office</strong>-Programme unter Linux fällt groß<br />

aus: Open- und Libre<strong>Office</strong>, Gnome <strong>Office</strong><br />

(Gnumeric, Abiword, Inkscape), Calligra<br />

û und das kommerzielle SoftMaker<br />

<strong>Office</strong> gehören zu den populärsten. Zwar<br />

hat sich insbesondere Libre<strong>Office</strong> in den<br />

vergangenen Jahren bei vielen Distributionen<br />

als Standard etabliert. Das spricht<br />

den anderen Vertretern der Gattung aber<br />

nicht ihre Daseinsberechtigung ab, denn<br />

die jeweiligen individuellen Eigenschaften<br />

erweisen sich manchmal als Vorteil.<br />

Steckbrief<br />

Bürosuiten wie Microsoft <strong>Office</strong> oder<br />

Libre<strong>Office</strong> waren von vorne herein als<br />

integrierte Büropakete konzeptioniert.<br />

Das erlaubt es Benutzern, sich schnell<br />

einzuarbeiten und ermöglicht das Einbetten<br />

gemeinsamer Komponenten. Außerdem<br />

profitiert dieser Ansatz im Unterbau<br />

von einer gemeinsamen Code-Basis<br />

und geteilten Bibliotheken. Beim KDE-<br />

<strong>Office</strong> Calligra oder dessen Gnome-Pendant<br />

dagegen handelt es sich salopp gesagt<br />

um nichts anderes als um zusammengewürfelte<br />

Programme, wenngleich<br />

Calligra vom KDE-Unterbau profitiert.<br />

Calligra besteht aus der rahmenbasierten<br />

Textverarbeitung Words, der Tabellenkalkulation<br />

Sheets, dem Präsentationsprogramm<br />

Stage, den Pixel- beziehungsweise<br />

Vektorgrafikprogrammen Krita und<br />

Karbon, der integrierten Datenbank Kexi,<br />

der Projektverwaltung Plan sowie Flow,<br />

einer Anwendung zum Erstellen von<br />

Flussdiagrammen.<br />

Außerdem ermöglicht Calligra, wiederkehrende<br />

Aufgaben mithilfe verschiedener<br />

Skriptsprachen zu automatisieren,<br />

darunter Javascript, Python und Ruby.<br />

Neu seit der Version 2.6 ist zudem das Autorenwerkzeug<br />

Calligra Author. Das Textverarbeitungsprogramm<br />

– derzeit ähnelt<br />

es noch stark Calligra Words – soll Schriftsteller<br />

und Autoren beim Schreiben von<br />

Büchern oder E-Books unterstützen.<br />

Mit der Software lassen sich Charaktere<br />

und Szenen verwalten, Textstatistiken<br />

erzeugen und Dokumente in den E-Book-<br />

32 www.linux-user.de<br />

10.2013


Calligra 2.7<br />

Schwerpunkt<br />

Formaten EPUB2 sowie Mobi speichern.<br />

Die Version 2.7.1 ermöglicht sogar das<br />

Einfügen von Multimedia-Elementen –<br />

eine Funktion, die die Developer künftig<br />

noch weiter ausbauen wollen.<br />

Calligra ging 2010 per Fork aus K<strong>Office</strong><br />

hervor. Das galt zwar viele Jahre als KDE-<br />

Standard-Büropaket, dümpelte aber lange<br />

Zeit ohne nennenswerte Evolution vor<br />

sich hin, weil die „Suite“ aus zahlreichen<br />

unabhängigen Programmen bestand, die<br />

wenig miteinander harmonierten.<br />

Erst der Neuanfang mit Calligra 2.4,<br />

dessen Versionsnummer sich aus der<br />

letzten damals freigegebenen Version<br />

2.3 von K<strong>Office</strong> ableitet, hauchte dem<br />

Projekt mit der nagelneuen Textverarbeitungskomponente<br />

Calligra Words<br />

frischen Elan ein. Version 2.5 setzte dann<br />

den ersten Meilenstein û.<br />

Wurzeln<br />

Die Bemühungen der Entwickler der einzelnen<br />

Programme, Calligra insgesamt<br />

als homogenes System im Stil von Libre-<br />

<strong>Office</strong> oder Microsoft <strong>Office</strong> zu gestalten,<br />

zeigen Früchte. Version 2.6 schnitt im<br />

Test besser ab als seine Vorgänger, wenngleich<br />

noch nicht befriedigend û.<br />

Nach Kinderkrankheiten, wie häufiger<br />

Abstürze bei der Version 2.5 und den<br />

Problemen der Version 2.6 beim Umgang<br />

mit großen Dokumenten, sollte<br />

sich Calligra 2.7 nun langsam in Sachen<br />

Stabilität und Funktionsumfang auf einem<br />

professionellen Level einpendeln.<br />

Für diesen Test kam Calligra 2.7.1 zum<br />

Einsatz. Um die Vergleichbarkeit mit den<br />

anderen <strong>Office</strong>-Pakete im Schwerpunkt<br />

zu gewährleisten, nahmen wir primär<br />

Words, Sheets und Stage unter die Lupe.<br />

Einen Tag vor Redaktionsschluss erschien<br />

die Version 2.7.2. Einen Überblick<br />

über die Neuerungen in Calligra 2.7.1<br />

und 2.7.2 finden Sie im Kasten Das ist<br />

neu. Letztere Version kommt übrigens<br />

mit KDE SC 4.11 in gängige Distributionen.<br />

Der Kasten Auf dem neuesten Stand<br />

zeigt, wie Sie Version 2.7.1 schon jetzt<br />

mit vertretbarem Aufwand installieren.<br />

Handling<br />

Den Vorteil, Bibliotheken sowie andere<br />

Bestandteile gemeinsam zu verwenden,<br />

bietet KDE mit dem Qt-Unterbau von<br />

Haus aus. Bei Calligra gehen die Integrationsbemühungen<br />

– obwohl die einzelnen<br />

Programme von unterschiedlichen<br />

Autoren stammen – aber wesentlich<br />

weiter als beim Gnome-<strong>Office</strong>.<br />

Es spricht zwar nichts dagegen, auch<br />

GTK-Programme wie Gnumeric unter<br />

KDE zu verwenden, aber vieles dafür,<br />

sich nur auf Calligra zu konzentrieren. Zu<br />

den Gründen gehören neben den gewohnte<br />

Dialogen und Tastenkürzeln die<br />

Integration in KDE und das weitgehend<br />

einheitliche Bedienkonzept. Es basiert<br />

auf einem in allen Modulen rechts angeordneten<br />

Dock, das wiederverwendbare<br />

Dialoge enthält, darunter die ab Calligra<br />

2.6.0 enthaltene Toolbox 1 .<br />

1 Neu seit Calligra 2.6 ist der in Words,<br />

Author und Sheets enthaltene Docker<br />

Toolbox.<br />

Fork: Das Aufspalten eines Projektes in zwei<br />

sich unterschiedlich entwickelnde Zweige.<br />

In manchen Fällen führen die Entwickler<br />

diese wieder zusammen, in anderen Fällen<br />

bleiben diese weiterhin eigenständig.<br />

Das ist neu<br />

Neben Fehlerkorrekturen und Sicherheitsaktualisierungen bringt Calligra<br />

2.7.1 û die schon erwähnte Unterstützung für den Export ins<br />

EPUB3-Format. Calligra Author ermöglicht die Integration von Multimedia-Inhalten<br />

in E-Books. Darüber hinaus haben Sie die Möglichkeit,<br />

bei einem in Author erstellten elektronischen Buch für den Umschlag<br />

Bilder zu verwenden.<br />

Die Projektverwaltung Plan unterstützt in der aktuellen Version 2.7.1<br />

den Export in die Formate ODS und CSV und verfügt über Verbesserungen<br />

beim Anlegen von Aufgaben. Die Datenbank-Komponente<br />

Kexi importiert nun bei Bedarf Daten aus CSV-Dateien in eine existierende<br />

Tabelle. Die Entwickler haben außerdem die Eingabe für<br />

Passwörter so umgestaltet, dass keine modalen Dialoge mehr erforderlich<br />

sind.<br />

Das pixelorientierte Zeichenprogramm Krita verfügt jetzt über neue<br />

Masken für Graustufen und ein verbessertes Werkzeug zum Erstellen<br />

von Freihandpfaden, inklusive einer Funktion zur Linienglättung. Darüber<br />

hinaus haben die Entwickler die Schnitt- und Transformationswerkzeuge<br />

verbessert.<br />

Ferner besteht jetzt die Möglichkeit, Photoshop-Dateien (PSD) zu importieren<br />

und PSD- sowie QML-Dateien zu exportieren. Die meisten<br />

Calligra-Programme gleichermaßen betreffen verbesserte allgemeine<br />

Formen in „Shapes“. Außerdem besteht die Möglichkeit, mathematische<br />

Formeln im Latex- oder Matlab/​Octave-Modus einzugeben. Die<br />

einen Tag vor Redaktionsschluss erschienene Calligra-Version 2.7.2<br />

ist dagegen ein reines Bugfix-Release û, das die Entwickler aber<br />

dringend empfehlen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

33


Schwerpunkt<br />

Calligra 2.7<br />

Allerdings haben die Entwickler die Toolbox<br />

in der Version 2.7.0 schon wieder<br />

grundlegend renoviert, was deren Benutzbarkeit<br />

weiter verbessert. Sie enthält<br />

jetzt Kontrollelemente, mit denen<br />

Sie zum Beispiel Formen sehr einfach<br />

bearbeiten („Shapes“), sowie eine einfach<br />

benutzbare Stil-Auswahl. Die Entwickler<br />

haben die Toolbox daneben<br />

auch in andere Komponenten wie Author<br />

und Sheets übernommen. Oberhalb<br />

der Toolbox finden Sie die übrigen<br />

andockbaren Dialoge.<br />

Listing 1<br />

In der Voreinstellung ist das lediglich der<br />

Docker Objekt hinzufügen. Mit ihm fügen<br />

Sie Bilder, Texte, Diagramme, Videos,<br />

Webobjekte, Formeln oder Vektorobjekte<br />

ins Dokument ein. Dabei haben Sie<br />

die Möglichkeit, die Positionen der Toolbox<br />

und der übrigen Dialoge via<br />

Drag & Drop zu bestimmen.<br />

Objekte einfügen<br />

Als waschechtes KDE-Programm profitiert<br />

Calligra von vielen KDE-Funktionen,<br />

[kde]<br />

name=kde<br />

mirrorlist=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/fedora/<br />

mirrors‐stable<br />

gpgkey=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/kde‐redhat.RPM‐GPG‐KEY<br />

skip_if_unavailable=1<br />

enabled=1<br />

[kde‐testing]<br />

name=kde‐testing<br />

mirrorlist=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/fedora/<br />

mirrors‐testing<br />

gpgkey=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/kde‐redhat.RPM‐GPG‐KEY<br />

skip_if_unavailable=1<br />

enabled=1<br />

[kde‐unstable]<br />

name=kde‐unstable<br />

mirrorlist=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/fedora/<br />

mirrors‐unstable<br />

gpgkey=http://apt.kde‐redhat.org/apt/kde‐redhat/kde‐redhat.RPM‐GPG‐KEY<br />

skip_if_unavailable=1<br />

enabled=0<br />

wie KParts und dem Flake-Shapes-Konzept.<br />

Letzteres übernimmt unter KDE<br />

das Einbetten von Objekten. Alle Module<br />

sind dank dieser Technologie in der<br />

Lage, jede andere Komponente einzubetten,<br />

etwa eine in Sheets erstellte<br />

Tabelle in einem ODS-Dokument.<br />

Umsteiger von Libre<strong>Office</strong> stoßen auf<br />

eine rahmenbasierte Arbeitsweise, ähnlich<br />

wie beim DTP-Programm Scribus.<br />

Die gute Integration sämtlicher Module<br />

untereinander zeigt sich auch beim ersten<br />

Start der meisten Calligra-Module:<br />

Sie bieten dabei in der Regel einen einheitlich<br />

gestalteten Dialog zum Erzeugen<br />

eines neuen oder Öffnen eines bestehenden<br />

Dokumentes sowie zum Laden<br />

einer Vorlage.<br />

Im Gegensatz zu SoftMaker <strong>Office</strong>, das<br />

neue Dokumente in je einem neuen Reiter<br />

des Hauptfensters anzeigt, öffnet Calligra<br />

bei jedem neuen Dokument eine<br />

weitere Instanz der gesamten Software.<br />

Ansonsten gibt sich das Programm alle<br />

Mühe, mit nur fünf Einträgen im Hauptmenü,<br />

dem Docker Objekt einfügen und<br />

der erwähnten Toolbox möglichst übersichtlich<br />

zu bleiben.<br />

Sie haben aber die Möglichkeit, sowohl<br />

Words als auch die meisten anderen<br />

Komponenten weitgehend zu individualisieren.<br />

So legen Sie im Menü Einstellungen<br />

| Andockbare Dialoge fest, was<br />

sich zu Objekt einfügen ins Dock gesellt.<br />

Das vermittelt einen guten Eindruck des<br />

Funktionsumfanges 2 .<br />

Das Einfügen haben die Entwickler<br />

gut gelöst: Möchten Sie etwa ein Bild in<br />

Words einbauen, wählen Sie im Docker<br />

Auf dem neuesten Stand<br />

Calligra unterliegt der GPL und steht als Quellcode û auf der Projektseite<br />

zum Herunterladen bereit. Weniger erfahrene Anwender<br />

sollten aber besser warten, bis Version 2.7.2 mit KDE SC 4.11 als<br />

Binär-Paket in den Quellen der gängigen Distributionen auftaucht.<br />

Wer Calligra 2.7.1 trotzdem vorab ausprobieren, aber nicht aus den<br />

Quellen übersetzen möchte, der greift zu Backports. Die Projektseite<br />

verweist dazu auf Pakete von Calligra 2.7.1 für die wichtigsten Distributionen<br />

und liefert die nötigen Informationen zum Hinzufügen der<br />

benötigten Paket-Quellen.<br />

Für die aktuelle stabile Fedora-Version 19 galt es dazu, das Unstable-<br />

Repository û des KDE-Packaging-Projektes von Fedora einzubinden.<br />

Dazu genügt es, eine Datei mit dem Inhalt aus Listing 1 anzulegen<br />

und unter /etc/yum.repos.d/kde.repo abzuspeichern.<br />

Ein Update der Paketquellen-Liste ist bei Yum nicht notwendig,<br />

sodass Sie Calligra 2.7.1 anschließend mit yum list calligra<br />

suchen und mit yum install calligra installieren. Dies sollten<br />

Sie dennoch nicht auf einem Produktivsystem tun, weil Yum zum<br />

Auflösen diverser Abhängigkeiten ein Teil-Update auf KDE SC 4.11<br />

vornimmt.<br />

Auf der Calligra-Downloadseite der KDE-Userbase finden Sie Anleitungen<br />

und Angaben zu Paketquellen für Debian, Gentoo, Arch<br />

Linux, OpenSuse und FreeBSD.<br />

34 www.linux-user.de<br />

10.2013


Calligra 2.7<br />

Schwerpunkt<br />

Objekt hinzufügen den Typ Bild und ziehen<br />

mit der Maus einen blau hinterlegten<br />

Bereich auf. Calligra öffnet dann automatisch<br />

den Auswahldialog. Das Bild<br />

platzieren Sie mit gedrückter Maustaste,<br />

wobei der Text je nach gewähltem Modus<br />

entsprechend läuft 3 .<br />

Stile<br />

Egal, wie viele Funktionen eine Textverarbeitung<br />

mitbringt – ein professionelles<br />

Arbeiten ermöglichen nur einheitliche<br />

Definitionen für Zeichen und Absätze.<br />

Gerade bei längeren Texten wie Büchern<br />

oder wissenschaftlichen Arbeiten erzielen<br />

Sie ein entsprechendes Layout nur,<br />

wenn die verwendeten Schriften, Schriftgrößen,<br />

Formate für Absätze zueinander<br />

passen und den Anforderungen im Bereich<br />

Typografie genügen, also durchgängig<br />

im gesamten Dokument zum Einsatz<br />

kommen.<br />

Satzsysteme wie LaTeX bauen Dokumente<br />

ausschließlich ausgehend von<br />

solchen Stildefinitionen auf. Calligra<br />

Words widmet der Unterstützung für Stile<br />

einen eigenen Eintrag im Hauptmenü<br />

(Stile). Im zugehörigen Dialog ordnen Sie<br />

jedem Format ein aufeinander abgestimmtes<br />

Set an Schriftarten, Einzügen<br />

und anderen Attributen zu.<br />

Darüber hinaus stehen in Calligra<br />

Words schon wegen der guten KDE-Integration<br />

zahlreiche, fortgeschrittene Zeichenfunktionen<br />

bereit. Auf diese Weise<br />

erstellen Sie unter anderem Pfade, verbinden<br />

Objekte, manipulieren Formen in<br />

mannigfacher Weise und versehen diese<br />

mit Effekten, wie Schatten, Füllungen<br />

und Transparenzen 4 . Dabei finden<br />

sich interessante Ideen und Konzepte,<br />

etwa die Möglichkeit, die Position des<br />

Schattens fließend mithilfe eines Stellrades<br />

einzustellen.<br />

Dank des rahmenbasierten Konzeptes<br />

haben Sie die Möglichkeit, bei nahezu<br />

jedem Objekt über das jeweilige Kontextmenü<br />

in den Objekteigenschaften<br />

den Textumfluss und die Position des jeweiligen<br />

Objektes relativ zum Text individuell<br />

festzulegen. Auf diese Weise<br />

stemmen Sie mit Calligra selbst kleinere<br />

DTP-Projekte – die gelegentlichen, nicht<br />

reproduzierbaren Abstürze sorgen hier<br />

aber bisweilen für Probleme 5 .<br />

Importfilter<br />

Die Importfilter von Calligra Words<br />

schlugen sich im Test mit dem gleichen<br />

mittelmäßig komplex gestalteten<br />

Word-Dokument broschuere.docx (es<br />

stammt aus dem Template-Fundus von<br />

MS <strong>Office</strong> 2007 und kam auch im Softmaker-<strong>Office</strong>-Test<br />

in dieser Ausgabe zum<br />

Einsatz) zwar besser als die von Libre-<br />

<strong>Office</strong>, erreichen aber nicht die Qualität<br />

von SoftMaker <strong>Office</strong> 6 .<br />

Dies ließ sich aber nur mit Mühe beurteilen,<br />

weil Calligra Words mehrfach abstürzte.<br />

Echte Abstürze sind zwar weitaus<br />

seltener als bei den in dieser Hinsicht<br />

unbrauchbaren Versionen 2.4 und<br />

2.5, treten aber zumindest in Words immer<br />

noch auf. Da für den Test KDE<br />

SC 4.11 und Calligra 2.7.1 aus dem Backport-Repository<br />

unter Fedora 19 zum<br />

Einsatz kam, mag die Ursache hierfür<br />

eventuell anderswo liegen.<br />

Bessere Ergebnisse beim Import von<br />

Word-Dokumenten gab es (erwartungsgemäß)<br />

bei weniger DTP-lastigen Layouts.<br />

Allerdings kam es beim Öffnen<br />

2 Andockbare Dialoge gehören in den<br />

meisten Anwendungen der Calligra-Suite<br />

zu den elementaren Bedienelementen.<br />

3 In den Text eingefügte Abbildungen beeinflussen bereits während des Platzierens<br />

das Verhalten beim Umfließen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

35


Schwerpunkt<br />

Calligra 2.7<br />

4 In Calligra Words stehen fortgeschrittene Funktionen zum Zeichnen bereit.<br />

größerer Dokumente trotzdem gelegentlich<br />

zu Abstürzen. Die Entwickler<br />

haben nach eigener Angabe für Calligra<br />

2.7.1 die Exportfilter für Textdateien<br />

und für das DOCX-Format sowohl in<br />

Words als auch in Author verbessert.<br />

Neben dem PDF-Export beherrschen<br />

beide Module nun auch den Export ins<br />

ODT-Format sowie in die beiden E-Book-<br />

Formate EPUB und Mobi. Einen PDF-<br />

Import gibt es nicht.<br />

Calligra Sheets<br />

5 Calligra Words<br />

bietet weitreichende<br />

Funktionen<br />

zum Steuern<br />

des Textflusses<br />

um ein Objekt.<br />

Auch Calligra Sheets ärgerte zunächst<br />

beim Import eines leidlich komplexen Excel-Dokumentes<br />

(XLSX) aus dem Vorlagenfundus<br />

von MS <strong>Office</strong> 2007. Das gleiche<br />

Dokument, zuvor nach XLS exportiert,<br />

ließ sich dann aber einwandfrei öffnen.<br />

Die Benutzeroberfläche von Sheets erinnert<br />

an klassische Tabellenkalkulationen<br />

und verfügt über eine reichlich bestückte<br />

Menüleiste. Lediglich die Symbolleiste<br />

darunter fehlt: Wie bei Words<br />

übernehmen andockbare Dialoge auf<br />

der rechten Seite diesen Job. An Funktionen<br />

mangelt es gegenüber Excel,<br />

PlanMaker und Libre<strong>Office</strong> Calc nicht, im<br />

Assistenten finden Sie über 400 Einträge.<br />

Dazu gibt es numerische und analytische<br />

Funktionen wie die Zielwertsuche<br />

oder – seit Calligra 2.6 – im Menü Extras<br />

ein Funktionsoptimierung genanntes<br />

Feature, das dem Solver von Excel ähnelt<br />

und so etwas wie „Was-wäre-wenn“-Analysen<br />

erlaubt.<br />

Hinter dem gleichen Eintrag im<br />

Hauptmenü finden sich auch die Skript-<br />

Funktionen von Calligra Sheets. Hier haben<br />

Sie die Möglichkeit, Skripte auszuführen,<br />

diese zu importieren oder exportieren<br />

oder einen Blick in die Skriptverwaltung<br />

zu werfen. Über Einstellungen |<br />

Andockbare Dialoge schalten Sie den<br />

Docker Skripte zu, der die meisten Funktionen<br />

in die Seitenleiste holt 7 .<br />

Auch im Bereich der Diagrammfunktionen<br />

zeigt sich Sheets keineswegs<br />

schlechter ausgestattet als die Konkurrenz.<br />

Diagramme fügen Sie in Sheets<br />

über den Docker Objekt einfügen ein.<br />

Dazu klicken Sie neben den Symbolen<br />

für Text und Bild auf das mit dem kleinen<br />

Pfeil, der das Menü für weitere Objekte<br />

entfaltet. Dann ziehen Sie das Diagramm<br />

genau wie ein Bild an die gewünschte<br />

Position auf dem Blatt.<br />

Den Typ, die Formatierung und das<br />

Auswählen der zugehörigen Daten nehmen<br />

Sie aber im Docker Toolbox vor, in<br />

dem Sie unten die Lasche Diagrammbearbeitung<br />

finden. Am oberen Rand residiert<br />

ein Ausklappmenü für die einzelnen<br />

Diagrammtypen. Über die Checkbox<br />

rechts davon erweitern Sie die Liste<br />

um solche mit 3D-Effekt 8 .<br />

So bringt es Sheets auf 20 verschiedene<br />

Diagrammtypen und übertrifft in dieser<br />

Hinsicht sogar PlanMaker. Die über<br />

den vorgefertigten Typ hinausgehenden<br />

Möglichkeiten zum Gestalten fallen allerdings<br />

nicht ganz so umfangreich aus<br />

wie bei der Konkurrenz. Sie müssen sich<br />

mit den von der Toolbox gebotenen<br />

Funktionen etwa im Reiter Shape Handling<br />

begnügen.<br />

36 www.linux-user.de<br />

10.2013


Calligra 2.7<br />

Schwerpunkt<br />

6 Die Filter für den Import von Microsoft-Formaten bieten durchaus noch Raum für Verbesserungen.<br />

Vom eingangs erwähnten Absturz beim<br />

Importieren eines XLSX-Dokumentes abgesehen,<br />

erweist sich Sheets als eine<br />

ausgereifte Calligra-Komponente. Ein<br />

paar interessante Zusatzfunktionen gibt<br />

es darüber hinaus: So bietet das Menü<br />

Einfügen neben dem Assistenten für<br />

Funktionen auch einen zum automatischen<br />

Ausfüllen von Reihen.<br />

Sie legen lediglich im zugehörigen<br />

Dialog Anfangs- und Endwert sowie die<br />

Schrittweite fest und wählen den gewünschten<br />

Reihentyp linear (2,4,6,8)<br />

oder geometrisch (2,4,8,16). Das automatische<br />

Ausfüllen funktioniert zeilen- oder<br />

spaltenweise. Nette Idee: Klicken Sie<br />

doppelt auf einen Spaltenkopf, wählt<br />

Sheets automatisch die optimale Spaltenbreite.<br />

Im Gegensatz zu Words und Sheets sind<br />

in der Voreinstellung sowohl rechts als<br />

auch links Dialoge angedockt, wie beispielsweise<br />

der Docker Dokument auf<br />

der linken Seite, der in der Normal- oder<br />

Anmerkungen-Ansicht ein schnelles Navigieren<br />

oder Anpassen der Foliensortierung<br />

erlaubt 0 .<br />

Das Tool für Animationen finden Sie<br />

im links oben angeordneten Docker<br />

Werkzeuge, wenn Sie auf das Filmklappen-Symbol<br />

klicken. Das erscheint etwas<br />

verwirrend, würde man doch eine solche<br />

oder ähnliche Funktion gemäß der ge-<br />

Calligra Stage<br />

Die Präsentationskomponente Stage besitzt<br />

jetzt ein neues Framework für Animationen,<br />

verfügt über ein gut gefülltes<br />

Sortiment an Vorlagen und erlaubt es,<br />

das optische Erscheinungsbild wie in<br />

den meisten KDE-Anwendungen mithilfe<br />

von Designs anzupassen 9 .<br />

Stage verwendet per Default das von<br />

Libre<strong>Office</strong> genutzte ODP-Format, importiert<br />

aber problemlos aus Powerpoint<br />

stammende Dateien und Vorlagen,<br />

und zwar sowohl im PPT- als auch im<br />

PPTX-Format. Der Arbeitsbereich verteilt<br />

sich auf die drei über Reiter erreichbaren<br />

Ansichten Normal, Anmerkungen und<br />

Foliensortierung.<br />

7 Calligra Sheets unterstützt Skripte bei<br />

Berechnungen in den Tabellenblättern.<br />

8 Calligra Sheets kennt 20 verschiedene<br />

Diagramm-Typen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

37


Schwerpunkt<br />

Calligra 2.7<br />

schilderten Bedienmetaphern eher im<br />

Docker Objekt einfügen suchen.<br />

Der Werkzeuge-Docker von Stage bildet<br />

das Pendant zur Toolbox in Words,<br />

Author und Sheets. Er bietet zahlreiche<br />

Funktionen zum Bearbeiten – neben<br />

Textbearbeitung die erwähnten Grafikfunktionen<br />

wie Pfad erstellen, Shape<br />

Handling oder Objekte verbinden. Sogar<br />

ein Kalligraphiemodul findet sich hier,<br />

mit dem Sie wahlweise via Maus oder<br />

Grafikstift freihändig schreiben.<br />

Stage erlaubt es Ihnen dabei, einem<br />

vordefinierten Pfad zu folgen. Die zugehörige<br />

Einstellung finden Sie im Docker<br />

Calligraphy, der rechts unten in der Seitenleiste<br />

erscheint. Insgesamt erweist<br />

sich Stage als solide und ausreichend<br />

stabile Anwendung.<br />

Fazit<br />

9 Calligra Stage bringt eine reichhaltige Auswahl an Vorlagen mit.<br />

Calligra präsentiert sich rein quantitativ<br />

als eines der umfangreichsten Büropakete<br />

für Linux und entwickelt sich rege<br />

weiter. Das gilt nicht nur für die in den<br />

einzelnen Anwendungen enthaltenen<br />

Funktionen (insbesondere bei Sheets),<br />

sondern für die Anzahl der Anwendungen<br />

insgesamt. In der aktuellen Version<br />

2.7.1 glänzt die Suite zudem – abgesehen<br />

von einigen Schwächen bei Words<br />

– mit guter Stabilität.<br />

Allerdings gibt es bei den einzelnen<br />

Modulen große Unterschiede in Bezug<br />

auf den Reifegrad und Umfang, wobei<br />

Words und Author deutlich zu den jüngeren<br />

Vertretern gehören. Überdies ist<br />

Author in seiner Art bisher relativ einzigartig:<br />

Wer tatsächlich plant, sich als Autor<br />

an E-Books zu versuchen, sollte sich<br />

das Tool unbedingt ansehen.<br />

Calligra empfiehlt sich insbesondere<br />

für KDE-Nutzer, die sich über die gute<br />

Integration mit dem Desktop freuen dürfen.<br />

Auch Anwender, die neuen Konzepten<br />

aufgeschlossen gegenüberstehen,<br />

denen Libre<strong>Office</strong> zu überfrachtet ist<br />

oder die hier und da kleine DTP-Projekte<br />

realisieren, werden Calligra schätzen.<br />

Kommt es dagegen auf größtmögliche<br />

Kompatibilität mit Microsoft <strong>Office</strong><br />

an, sollten Sie vom Einsatz absehen und<br />

sich Softmaker <strong>Office</strong> zuwenden – vor allem<br />

beim professionellen Einsatz in kleinen<br />

Unternehmen. (agr) n<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

0 Die Reihenfolge der Folien ändern Sie bei Bedarf über den Docker Dokument.<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30382<br />

38 www.linux-user.de<br />

10.2013


Schwerpunkt<br />

Google Drive<br />

Cloud-<strong>Office</strong> Google Drive im Test<br />

Global verbunden<br />

Wollen Autoren in Gruppen zusammenarbeiten, begeben<br />

sie sich dazu am besten in die Cloud. Hier gibt es Bürosoftware,<br />

die das gleichzeitige Arbeiten an einem<br />

Dokument erlaubt – beispielsweise Google Drive.<br />

Dr. Karl Sarnow<br />

© stylephotographs, 123RF<br />

Readme<br />

Wer mit einem Team rund um den Globus<br />

arbeitet, der profitiert vom Arbeiten in der<br />

Cloud. Google Drive eröffnet diese Möglichkeiten<br />

und bringt viele wichtige Werkzeuge<br />

in einer vernünftigen Form mit. Aber in<br />

Zeiten von Prism ist mit vertraulichen Daten<br />

Vorsicht geboten.<br />

Google Drive ging aus dem Projekt<br />

Google Docs hervor. Das erlaubte ursprünglich<br />

lediglich, via Browser <strong>Office</strong>-<br />

Dokumente zu erzeugen. Seit dem Umbenennen<br />

in Drive fungiert die Komponente<br />

zusätzlich als Datenspeicher. Drive<br />

bietet darüber hinaus die Möglichkeit,<br />

dass mehrere Autoren ein Dokument<br />

gleichzeitig bearbeiten – egal, ob diese<br />

über den Globus verteilt arbeiten oder<br />

nur am Schreibtisch nebenan.<br />

Um den Dienst zu nutzen, brauchen<br />

Sie lediglich ein Konto bei Google. In<br />

diesem Zusammenhang ist der Hinweis<br />

unumgänglich, dass sich im Zeitalter<br />

von Prism das Speichern und Bearbeiten<br />

von Dokumenten persönlichen oder anderweitig<br />

schützenswerten Charakters<br />

auf Drive aus Prinzip verbietet.<br />

Erste Schritte<br />

Nach der Anmelden auf https://drive.<br />

google.com dürfen Sie direkt loslegen.<br />

Um Drive im Browser aufzurufen, müssen<br />

Sie Javascript einschalten. Nach dem<br />

Einloggen landen Sie auf einer Seite, die<br />

eine Übersicht über die gespeicherten<br />

Dateien gibt.<br />

Links im Fenster fallen zwei breite,<br />

orangefarbene Knöpfe auf, die es ermöglichen,<br />

ein neues Dokument anzufertigen<br />

oder hochzuladen. Der Upload<br />

gestaltet sich trivial: Über die Schaltflä-<br />

1 Text, Präsentation,<br />

Tabellenkalkulation,<br />

mathematischer<br />

Formelsatz<br />

und Zeichnungen<br />

– Sie haben<br />

die Auswahl,<br />

was für einen Typ<br />

von Dokument<br />

Sie in Google<br />

Drive anlegen<br />

möchten.<br />

40 www.linux-user.de<br />

10.2013


Google Drive<br />

Schwerpunkt<br />

che fügen Sie die Datei der Drive-Cloud<br />

hinzu. Danach besteht die Möglichkeit,<br />

diese mit anderen Anwendern zu teilen.<br />

Drive erlaubt es, die Daten über verschachtelte<br />

Verzeichnisse zu ordnen.<br />

Interessanter ist dagegen das Erstellen<br />

einer neuen Datei. Ein Klick auf den entsprechenden<br />

Knopf zeigt die Auswahl<br />

möglicher Dokumente, die Sie anlegen<br />

dürfen 1 : Text, Präsentation, Tabellenkalkulation,<br />

mathematischer Formelsatz<br />

und Zeichnungen stehen zur Auswahl,<br />

dazu eine Fülle an Formaten, die durchaus<br />

mit dem Angebot von Open/​Libre-<br />

<strong>Office</strong> mitzuhalten vermag.<br />

Sicher in der Cloud<br />

Sie fertigen alle Dateien im Browser an.<br />

Im Moment des Erzeugens liegen diese<br />

in der Cloud, und Software speichert sie<br />

periodisch ab. Das schließt einen Datenverlust<br />

zwar nicht grundsätzlich aus,<br />

aber im Alltag kommt es kaum zu Problemen.<br />

Sobald Sie das Fenster schließen,<br />

speichert die Software die Datei im<br />

aktuellen Zustand. Beim nächsten Besuch<br />

der Drive-Seite finden Sie sie dementsprechend<br />

wieder vor.<br />

Vom ersten Moment des Erzeugens eines<br />

Dokumentes an besteht die Möglichkeit,<br />

dieses mit anderen Google-Nutzern<br />

zu teilen – entweder passiv (zum Lesen)<br />

oder aktiv (zum Mitarbeiten). Es hat einen<br />

eigenen Charme, das Dokument an<br />

einer anderen Stelle wachsen zu sehen,<br />

als an der, an der Sie gerade arbeiten.<br />

Möchten Sie die erzeugten Dokumente<br />

parallel auf der Festplatte in einem<br />

nativen Format vorliegen haben, so legt<br />

Ihnen der Suchmaschinen-Betreiber keine<br />

Steine in den Weg: Drive erlaubt das<br />

Herunterladen im MS-<strong>Office</strong>- oder ODF-<br />

Format. Zumindest unter Open/​Libre-<br />

<strong>Office</strong> gibt es keine Probleme beim anschließenden<br />

Einlesen.<br />

Tabellen und mathematischen Termen.<br />

Es fehlt nichts, was Sie von einer guten<br />

Textverarbeitung erwarten 2 .<br />

Das Bedienkonzept setzt vollständig<br />

auf Menü leisten. Freundlicherweise informiert<br />

Drive stets über den Zustand<br />

des Dokumentes, Sie brauchen nicht<br />

selbst zu speichern. Nach kurzer Zeit erfolgt<br />

eine automatische Sicherung. Verlust<br />

durch Absturz oder eine schlechte<br />

Verbindung ist somit unwahrscheinlich.<br />

Im Notfall starten Sie einfach den Browser<br />

neu, verbinden sich mit Google, öffnen<br />

das Dokument und machen da weiter,<br />

wo Sie aufgehört haben.<br />

Tabellenkalkulation<br />

Zu den zentralen Büroanwendungen gehört<br />

die Tabellenkalkulation. In diesem<br />

Feld mischt Drive ordentlich mit. In der<br />

Hilfe der Google-Tabellenkalkulation findet<br />

sich ein Hinweis auf Calc. Das schürt<br />

die Erwartung an einen ähnlichen Umfang<br />

an Funktion und ein ähnliches Bedienkonzept<br />

wie bei der Libre<strong>Office</strong>-<br />

Tabellenkalkulation – und das Online-<br />

<strong>Office</strong> enttäuscht diese Erwartung nicht.<br />

Störend wirkt lediglich, dass Drive das<br />

automatische Füllen von Datenreihen<br />

nicht unterstützt, was gerade bei Simulationen<br />

ein wichtiges Thema ist. Hier<br />

bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als<br />

diese von Hand zu füllen oder mit eigenen<br />

Füllformeln zu improvisieren.<br />

Textbearbeitung<br />

Nach dem Anlegen eines Dokumentes<br />

erscheint eine leere Seite mit dem Titel<br />

Unbenanntes Dokument. Das Textmodul<br />

hält eine Unmenge an Stilen bereit und<br />

ermöglicht das Einfügen von Bildern,<br />

2 Ein Beispieldokument mit einigen Stilen, einem Bild und einem mathematischen Term.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

41


Schwerpunkt<br />

Google Drive<br />

Möglichkeit, das X-Achsengitter bei Säulendiagrammen<br />

zu setzen. Bei Liniendiagrammen<br />

bietet die Software das an.<br />

Immerhin erlaubt es das Programm,<br />

das Diagramm jederzeit vollständig zu<br />

ändern – und das sogar einfacher als mit<br />

Open/​Libre<strong>Office</strong>, weil weniger Möglichkeiten<br />

der Modifikation bestehen. Möchten<br />

Sie nur Titel oder Achsen umbenennen,<br />

klicken Sie lediglich mit der Maus<br />

auf das Diagramm und dann auf das zu<br />

ändernde Element 4 .<br />

Präsentationen<br />

3 Die Adressen erscheinen farbig markiert, was das Zuordnen vereinfacht.<br />

Fügen Sie eine Funktion durch Kopieren<br />

in eine Zelle ein, besteht wie üblich die<br />

Möglichkeit, die relative Adresse durch<br />

Anklicken und die absolute Adresse<br />

durch Anklicken und anschließendes<br />

Drücken von [F4] anzupassen 3 .<br />

Das Einfügen von Diagrammen gleicht<br />

dem bei Open/​Libre<strong>Office</strong>, wobei das<br />

Formular für das Feintuning ein wenig<br />

anders aussieht. Darüber hinaus fehlt die<br />

Für einige <strong>Office</strong>-Anwender sind sie das<br />

Ein und Alles: Präsentationen. Folglich<br />

steht hier Google Drive unter besonderer<br />

Beobachtung. Auch hier haben sich<br />

die Entwickler an Open/​Libre<strong>Office</strong> orientiert.<br />

Sie wählen zuerst das Design<br />

aus. Danach öffnet sich ein Fenster, das<br />

dem der bekannten <strong>Office</strong>-Applikationen<br />

ähnelt. Wer sich mit dieser Software<br />

auskennt, hat mit Google-Drive-Präsentationen<br />

kaum Probleme 5 .<br />

Die Präsentation selbst starten Sie mit<br />

Ansicht | Präsentieren oder [Strg]+[F5].<br />

Unter Ubuntu stört noch die Startleiste;<br />

wählen Sie aber den Vollbildmodus, füllt<br />

die Folie den Bildschirm ganz und gar<br />

aus. Bewegen Sie die Maus, erscheint am<br />

unteren linken Rand das Minimenü, mit<br />

dem Sie wieder in den Fenstermodus<br />

springen oder eine beliebige andere<br />

Folie aufrufen. Die Google-Software erzeugt<br />

bei Bedarf Übergänge verschiedenster<br />

Typen und Geschwindigkeiten.<br />

Auf den einzelnen Folien lassen sich<br />

neben Text auch Bilder und grafische<br />

Elemente einfügen.<br />

Der offensichtliche Vorteil einer Präsentation<br />

in der Cloud ist deren Omnipräsenz:<br />

Wo Internet ist, da lässt sich<br />

auch jede Folienorgie abfeiern. Sie benötigen<br />

dazu nur ein Smartphone, ein<br />

Tablet oder ein Netbook sowie eine einigermaßen<br />

flotte Internetverbindung.<br />

Grafiken<br />

4 Durch Anklicken des Diagramms und des entsprechenden Elementes ändern Sie auf<br />

die Schnelle Titel oder Achsbeschriftung. Bei Bedarf wenden Sie jedoch ein komplett<br />

neues Design auf die Daten an.<br />

Das Zeichenprogramm von Drive unterstützt<br />

Vektordaten. Sie haben also die<br />

Möglichkeit, alle Elemente nachträglich<br />

42 www.linux-user.de<br />

10.2013


Google Drive<br />

Schwerpunkt<br />

5 Ganz wie bei Open/​Libre<strong>Office</strong>: Neue Folien einfügen, dabei<br />

den Stil angeben und dann die Inhalte per Mausklick hinzufügen.<br />

6 Das Vektorzeichenprogramm ist nützlich, aber nicht ganz so<br />

leistungsfähig wie Open/​Libre<strong>Office</strong>, Inkscape oder Dia.<br />

ohne Verlust an Qualität zu ändern. Allerdings<br />

fällt der Funktionsumfang relativ<br />

gering aus, das entsprechende Drive-<br />

Modul vermag weder mit Open/​Libre-<br />

<strong>Office</strong> noch mit Inkscape oder Dia mitzuhalten.<br />

Besonders einfach funktioniert<br />

aber der Import von Bildern aus dem<br />

Netz, wie etwa von Schaltzeichen aus<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

43


Schwerpunkt<br />

Google Drive<br />

7 Das Formular klicken Sie aus wenigen Elementen zusammen.<br />

8 Das Auswerten des Formulars zeigt die Zusammensetzung der<br />

Antworten als Tortendiagramm, tabellarisch und die zeitliche Reihenfolge<br />

als Liniendiagramm.<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30584<br />

Wikipedia. Es besteht die Möglichkeit,<br />

diese über einen Link direkt in die Zeichnung<br />

einzubinden 6 .<br />

Formulare<br />

Ein großes Highlight ist die Möglichkeit,<br />

Tabellen mithilfe eines Formulars zu füllen<br />

und anschließend auszuwerten.<br />

Drive bietet hier ein einmalig einfach zu<br />

bedienendes Werkzeug zur Analyse, welches<br />

Sie öffentlich zugänglich machen<br />

oder einem geschlossenen Kreis von Benutzern<br />

bereitstellen. Der erste Schritt<br />

der Formularerstellung informiert über<br />

die Arbeitsweise, dann geht es sofort<br />

ans Erstellen 7 .<br />

Haben Sie das Formular aus den Elementen<br />

erstellt, veröffentlichen Sie es.<br />

Die angezeigte URL kopieren Sie bei Bedarf<br />

auf eine Webseite oder versenden<br />

sie per Mail. Zusätzlich besteht die Möglichkeit,<br />

einzelnen Benutzern eine Einladung<br />

zum Besuch des Formulars zuzusenden.<br />

Die Software sammelt alle Antworten<br />

aus dem Formular und stellt diese<br />

zum Auswerten bereit – als Tortendiagramm,<br />

als Tabelle oder Liniendiagramm<br />

der zeitlichen Entwicklung 8 .<br />

Fazit<br />

Google Drive ist weit mehr als nur ein<br />

Cloud-Speicher. Es bietet ein komplettes<br />

Bürosoftwarepaket von erstaunlicher<br />

Leistungsfähigkeit. Dessen Umfang liegt<br />

zwar unterhalb dem von Open/​Libre-<br />

<strong>Office</strong>, die als Vorbild gedient haben.<br />

Dazu gesellen sich aber mächtige Cloud-<br />

Funktionen, die globales Zusammenarbeiten<br />

ermöglichen.<br />

Seinesgleichen sucht das Formular:<br />

Noch nie war es so einfach, einen Fragebogen<br />

zu erstellen und auszuwerten.<br />

Dass eine so geniale Software mit den<br />

strengen deutschen Datenschutzvorgaben<br />

kollidiert, erfüllt den einen mit Erleichterung,<br />

den anderen mit Verdruss.<br />

Das Einzige, das einen ungebremsten<br />

Aufschrei des Jubels ob der tollen Online-<strong>Office</strong>-Suite<br />

unterdrückt, ist die Vorstellung,<br />

dass alle guten Ideen zuerst<br />

schnüffelnden Drei-Buchstaben-Diensten<br />

unter die Augen kommen und erst<br />

dann den Mitautoren. (agr) n<br />

Der Autor<br />

Karl Sarnow ist seit den Tagen<br />

des TRS-80 Model 1 ein<br />

Fan des eigenen Computers.<br />

Der Lehrer für Mathematik,<br />

Physik und Informatik hat früher Vernetzungskonzepte<br />

unter Linux und entsprechende<br />

Anwendungen für Schulen und<br />

Unterricht entworfen. Seit seiner Pensionierung<br />

widmet er sich seinen Hobbys<br />

Fotografie, Reisen und Astronomie.<br />

44 www.linux-user.de<br />

10.2013


Praxis<br />

Lightzone<br />

Fotokorrekturen mit Lightzone<br />

Farbenspiel<br />

Die ehemals kommerzielle<br />

Bildbearbeitungs-Software<br />

Lightzone tritt an, Konkurrenten<br />

wie Rawtherapee und<br />

Darktable paroli zu bieten.<br />

Hat sie wirklich das Zeug<br />

dazu? Peter Kreußel<br />

Readme<br />

Der Markt an brauchbarer Bildbearbeitungssoftware<br />

für Linux-Anwender ist nicht zuletzt<br />

mit Rawtherapee und Darktable stark<br />

besetzt. Wer sich in diesem Umfeld behaupten<br />

will, muss gute Argumente vorweisen.<br />

Das tut Lightzone mit einem innovativen<br />

und leicht erlernbaren Workflow, der<br />

in seiner Art wohl einzigartig ist.<br />

Mit Adobes Lightroom û etablierte<br />

sich bei Fotoprofis wie Amateuren<br />

eine Softwaregattung,<br />

welche die Kunstfertigkeiten<br />

analoger Fotolabore<br />

bei der Farb-,<br />

Belichtungs- und Kontrastkorrektur für<br />

die Digitalfotografie erschließt. Prinzipiell<br />

gelingen solche Anpassungen auch in<br />

Bitmap-Editoren wie Photoshop oder<br />

Gimp, doch mit den Spezialprogrammen<br />

gehen sie wesentlich schneller von der<br />

Hand. Zu den freien Lightroom-Alternativen<br />

Rawtherapee û und Darktable û<br />

gesellte sich im Juli 2013 das erste freie<br />

Release des ehemals kommerziellen Programms<br />

Lightzone û.<br />

Vorhang auf<br />

Lightzone startet im Dateibrowser-Modus<br />

1 , der es nicht zuletzt wegen der<br />

fehlenden Tagging- und Suchfunktion<br />

nicht mit der komfortablen Fotoverwaltung<br />

beispielsweise von Digikam û aufnehmen<br />

kann. Ein Doppelklick auf eine<br />

<strong>Vorschau</strong> öffnet ein Bild im Editor-Modus.<br />

Im Bearbeitungsmodus 2 fällt zunächst<br />

die Styles-Liste am linken Fensterrand<br />

ins Auge. Sie bündelt eine Abfolge<br />

mehrerer Bearbeitungsschritte ähnlich<br />

einem Batch-Skript. Im Browse-Modus<br />

fügen Sie über den Eintrag Apply Style<br />

zügig mehreren Fotos den gewünschten<br />

zu. Aus den im Moment aktiven Effekten<br />

erzeugen Sie auf Knopfdruck benutzerdefinierte<br />

Styles, die Sie bei Bedarf auf<br />

jedes geladene Foto anwenden.<br />

Die elementaren Effekte erreichen Sie<br />

nach einem Klick auf den Reiter Tools am<br />

rechten Fensterrand. Die darin enthaltene<br />

Schalterleiste teilt die Funktionen in<br />

verschiedene Kategorien auf, deren Namen<br />

Sie erfahren, wenn Sie mit dem<br />

© Rangizzz, 123RF<br />

Mauszeiger einen Augenblick darauf verweilen.<br />

Ganz links finden Sie das leistungsstärkste<br />

Lightzone-Werkzeug, den<br />

ZoneMapper. Er teilt das Foto in 16 Helligkeitszonen,<br />

deren Belichtung Sie<br />

durch Ziehen mit der Maus gesondert<br />

beeinflussen 3 , was eine äußerst sensible<br />

Anpassung von Ausleuchtung, Helligkeitsverteilung<br />

und Kontrast erlaubt.<br />

Weniger differenziert, aber zügiger arbeitet<br />

das Relight-Tool, bei dem Sie Lichtund<br />

Schattenverteilung, Detailkontrast,<br />

Kontrastumfang sowie die Härte der<br />

Übergänge zwischen hellen und dunklen<br />

Stellen per Schieberegler einstellen.<br />

Die Werkzeugpalette von Lightzone<br />

enthält zudem einen Schärfen-Filter, einen<br />

Weichzeichner sowie Werkzeuge<br />

zum Einfärben, für Farbbalance und<br />

Weißpunktkorrektur. Dazu kommen<br />

noch ein Schwarz-Weiß-Konverter, eine<br />

Rauschreduzierung sowie Tools zum Klonen<br />

von Bildbereichen, Entfernen von<br />

Staub oder Flecken und zur Rote-Augen-<br />

Korrektur. Künstlerische oder verfremdende<br />

Effekte wie in Gimp oder Photoshop<br />

bietet die Software aber nicht.<br />

46 www.linux-user.de<br />

10.2013


Lightzone<br />

Praxis<br />

Auch eine Perspektiv-Korrektur fehlt, lediglich<br />

Beschneiden- und Drehen-Funktionen<br />

sind mit an Bord.<br />

Qualität statt Quantität<br />

Lightzone stellt nur wenige Bildbearbeitungsfunktionen<br />

zur Verfügung. Doch in<br />

der Zwölferpalette der Icons verbergen<br />

sich einige echte Highlights, die mit vergleichsweise<br />

geringem Aufwand professionelle<br />

Ergebnisse liefern, allen voran<br />

der schon erwähnte Zone-Mapper.<br />

Er basiert auf dem für die Schwarz-<br />

Weiß-Fotografie entwickelten Zonen-System<br />

der amerikanischen Fotografen Fred<br />

Archer und Ansel Adams. Sie benutzten<br />

in den 1940er-Jahren einen in elf Belichtungszonen<br />

eingeteilten Graustufenkeil<br />

als Richtschnur für gleichmäßig ausgeleuchtete,<br />

den Kontrastumfang des Filmmaterials<br />

voll ausschöpfende Abzüge.<br />

Dieser Graukeil ist auch die Basis des<br />

Zone-Mappers von Lightzone. Er erlaubt,<br />

die Begrenzungen der Grauschattierungen<br />

einfach mit der Maus nach oben<br />

oder unten zu verschieben. Bildbereiche,<br />

die dem Helligkeitswert dieser Grauschattierung<br />

entsprechen, hellt die Software<br />

auf (Ziehen nach oben) oder dunkelt<br />

sie ab (Ziehen nach unten).<br />

Jede Verschiebung fixiert das Programm<br />

als dunkle Linie, die rechts in einem<br />

gelben X ausläuft. Ein Klick darauf<br />

löscht diese bei Bedarf wieder. Das Programm<br />

skaliert alle Helligkeitszonen<br />

oberhalb und unterhalb der Verschiebung<br />

gleichmäßig, es sei denn, sie sind<br />

bereits durch eine Begrenzungslinie aus<br />

einer früheren Anpassung blockiert.<br />

So bleibt die Kontinuität des Helligkeitsspektrums<br />

gewahrt. Durch wiederholtes<br />

Verschieben mit der Maus lässt<br />

sich der Graukeil dennoch so differenziert<br />

wie gewünscht manipulieren.<br />

Anschaulich<br />

Der Zone-Mapper besitzt die gleiche<br />

Funktion wie das Gradations- oder Farbkurven-Werkzeug<br />

in Gimp: Bereiche, bei<br />

denen die Kurve unterhalb der grau dargestellten<br />

Geraden liegt, dunkelt das<br />

Programm ab, Kurvenbereiche oberhalb<br />

1 Der Browse-Modus in Lightzone erleichtert die Auswahl der zu öffnenden Datei, bietet<br />

aber deutlich weniger Komfort als beispielsweise Digikam.<br />

der Geraden hellt es auf. Dabei repräsentieren<br />

kleine X-Werte die dunklen Bildelemente,<br />

große X-Werte die hellen. Um<br />

die Wirkung der Gradationskurve abzuschätzen,<br />

vergleichen Sie Punkt für<br />

Punkt den Ton des Graukeils auf der<br />

X-Achse (ursprüngliche Helligkeit) mit<br />

dem der Y-Achse (veränderter Wert). Der<br />

Zone-Mapper arbeitet anschaulicher:<br />

Hier zeigt der Grauwert des kleinen<br />

unveränderlichen Belichtungsstreifens<br />

links den ursprünglichen Helligkeitswert,<br />

der breite, mit der Maus veränderte<br />

Graustreifen gibt den Helligkeitspegel<br />

nach der Anpassung wieder.<br />

Öffnen Sie beim Arbeiten mit dem<br />

Zone-Mapper stets die Ansicht Zones<br />

rechts oben im Programmfenster. Das<br />

<strong>Vorschau</strong>fenster teilt das Bild dann in<br />

Graustufen auf, die den Zonen entsprechen.<br />

Zusätzlich hebt die <strong>Vorschau</strong> den<br />

aktuellen Grauwert gelb hervor.<br />

Eine gute Wahl<br />

Den Lightzone-Entwicklern gebührt das<br />

Verdienst, das Zonen-System aus der<br />

Analogfotografie in die Welt der digitalen<br />

Bildbearbeitung übertragen zu haben.<br />

Inzwischen adaptierte es das ebenfalls<br />

freie Darktable mit geringen Änderungen.<br />

Ungeschlagen bleibt Lightzone<br />

jedoch bei der Auswahl von Bildbereichen<br />

für das gezielte Anwenden von<br />

Effekten. Das Programm bringt hierfür<br />

zwei Verfahren mit: die Auswahl nach<br />

Farbe und Helligkeit sowie die Auswahl<br />

mithilfe von Vektorkurven, wie sie in Zeichenprogrammen<br />

wie Inkscape zum Einsatz<br />

kommen. Auch Gimp kennt diese<br />

beiden Methoden, doch lassen sich diese<br />

in Lightzone viel leichter kombinieren.<br />

Das braune Top der Tänzerin in Abbildung<br />

4 ist wegen der feinen Spitzen der<br />

Federboa mit formbasierten Auswahlwerkzeugen<br />

nur mühsam zu isolieren.<br />

Auch eine Auswahl nach der Farbtönung<br />

scheitert, denn das Braun des Kleidungsstückes<br />

kehrt an mehreren Stellen des<br />

Bildes wieder. Die Kombination beider<br />

Verfahren führt schnell zu einem exakten<br />

Ergebnis: Zum Glück unterscheiden sich<br />

die feinen roten Federn farblich deutlich<br />

vom auszuwählenden Objekt. Es genügt<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

47


Praxis<br />

Lightzone<br />

2 Mithilfe der Button-Leiste (rot ) gelangen Sie zu den verschiedenen Bearbeitungsmodi<br />

der Software. Die bisher auf das Bild angewandten Arbeitsschritte und ihre Einstellungen<br />

speichern Sie bei Bedarf als „Style“ ab, um sie danach auf andere Fotos anzuwenden.<br />

also, mithilfe eines groben Vektorumrisses<br />

alle wie das Top der Tänzerin gefärbten<br />

Bildteile auszuschließen und die Feinheiten<br />

der Farbauswahl zu überlassen.<br />

Das Farbprofil des Bildes setzt Lightzone<br />

als gesperrten Zone-Mapper um,<br />

der sich aber entsperren und dann verändern<br />

lässt. Zusätzlich stehen Einstellungen<br />

für Farbtemperatur und Tönung,<br />

Farbrauschunterdrückung sowie eine<br />

Weißpunktauswahl zur Verfügung.<br />

Freigestellt<br />

Für die Farbauswahl zeichnet der Reiter<br />

Color Selection zuständig, den Sie in den<br />

3 Beide Werkzeuge, der Zone-Mapper aus Lightzone (links) und das Farbkurven-Werkzeug aus Gimp<br />

(rechts) fügen der bei trüben Wetter abgelichteten Blüte einen Sonnenschein-Effekt hinzu. Das Verschieben<br />

der Graukeile geht leichter von der Hand als das Formen der Gradationskurve mit Kontrollpunkten in Gimp.<br />

48<br />

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10.2013


Praxis<br />

Paletten aller Lightzone-Effekte unten<br />

parallel zu den Tool Settings finden 5 .<br />

Das hier für das Hue/​Saturation-Werkzeug<br />

(Farbton/​Sättigung) gezeigte Verfahren<br />

funktioniert analog auch bei allen<br />

anderen Effekten.<br />

Die Auswahlfarbe setzt das mit dem<br />

Pipetten-Button links unten in der Effektpalette<br />

aktivierbare Werkzeug per<br />

Klick auf einen durchschnittlich hellen<br />

Bereich des auszuwählenden Kleidungsstückes.<br />

Nun wählen Sie die Range (Farbtoleranz)<br />

so, dass im Color Mask-Fenster<br />

oben rechts soweit wie möglich bloß das<br />

auszuwählende Objekt weiß erscheint.<br />

Die Schieberegler auf dem Graustreifen<br />

unterhalb des Farbfeldes beschränken<br />

den Ausschnitt zusätzlich noch auf einen<br />

Helligkeitsbereich.<br />

Beide Helligkeitsbereichsregler lassen<br />

sich aufsplitten. Dadurch entsteht ein<br />

Übergangsbereich, in dem die Wirkung<br />

des Effektes kontinuierlich nachlässt. In<br />

unserem Beispiel ist eine exakte Begrenzung<br />

der Einfärbung gefragt. Viel häufiger<br />

gefragt sind in der Bildbearbeitung<br />

jedoch fließende Übergänge, sodass die<br />

splittbaren Bereichsregler in der Praxis<br />

Gold wert sind.<br />

Pi mal Daumen<br />

Die Einstellungen in Abbildung 4 wurden<br />

so gewählt, dass die Color Mask-Ansicht<br />

möglichst wenige direkt an das auszuwählende<br />

Objekt angrenzende weiße<br />

Stellen zeigt, denn diese muss die um das<br />

Top herumgezogene Auswahlkurve passgenau<br />

abschneiden. Im Beispiel folgt die<br />

Kurve daher nur an diesen wenigen<br />

Punkten exakt dem Umriss des Kleides.<br />

Ansonsten genügt ein loses Umfahren<br />

der Kontur, um die weiter entfernten<br />

Brauntöne im Hintergrund abzutrennen.<br />

Die Umriss-Zeichenfunktion schalten<br />

Sie mithilfe des in der Abbildung 4 rot<br />

markierten Buttons am oberen Fensterrand<br />

ein. Dann erscheint rechts in der<br />

Leiste eine Auswahl der Kurvenmodi. In<br />

der Abbildung ist der für eine exakte Auswahl<br />

von gekrümmten Bildelementen am<br />

besten geeignete Bézier-Kurvenmodus<br />

aktiv (orange). Der Spline-Modus (Polynomkurven-Modus)<br />

erzeugt diffusere<br />

Formen mit glatten Übergängen, der Polygon-Modus<br />

Kurvenzüge aus Geraden.<br />

Nach dem Justieren der Kontrollpunkte<br />

der Kurve mittels Drag & Drop gilt es,<br />

die Einstellungen des Einfärben-Effektes<br />

vorzunehmen: Eine um 70 Einheiten<br />

nach links verschobene Tönung (Hue) sowie<br />

voll aufgedrehte Saturation (Sättigung),<br />

Vibrance (Lebhaftigkeit) und Luninosity<br />

(Helligkeit) verwandeln das Braun<br />

in ein leuchtendes Lila. Die Färbung<br />

überkleistert dabei nicht die feinen Verästelungen<br />

der Federboa, erfasst aber<br />

trotzdem die winzigen Fransen der Naht<br />

unter der Achsel der Tänzerin – eine<br />

technisch einwandfreie Fotoretusche.<br />

Abbildung 4 zeigt auch die doppelte<br />

Begrenzungslinie der vektorkurvenbasierten<br />

Regionen. Im Bereich zwischen<br />

diesen Linien nimmt die Wirkung des<br />

Effektes kontinuierlich ab. Die Breite des<br />

Überganges lässt sich durch Ziehen mit<br />

der Maus an der inneren Linie einstellen.<br />

Auch Gimp kennt fließende Auswahlübergänge.<br />

Dort müssen Sie deren Breite<br />

allerdings ohne optisches Feedback<br />

als Zahlenwert eingeben. Erst nach dem<br />

Anwenden des Effektes zeigt sich, wie<br />

breit der Übergangsbereich ausfällt.<br />

Lightzone dagegen führt den Effekt live<br />

allen Anpassungen der Form der Auswahl<br />

nach und hebt zusätzlich den<br />

Grenzbereich optisch hervor.<br />

Um einem ausgewählten Bereich mehrere<br />

Effekte zuzuweisen, lassen sich bestehende<br />

Auswahlkurven mit Edit | Copy<br />

Region sowie Edit | Paste Region und Edit |<br />

Paste Region linked per Zwischenablage<br />

übertragen. Die Formen von als linked<br />

eingefügten Kopien bleiben beim Bearbeiten<br />

synchron. Allerdings lassen sich<br />

die Einstellungen der Farbauswahl nicht<br />

so einfach kopieren – hier besteht Nachbesserungsbedarf.<br />

Liveshow<br />

Wenn sich eine in Gimp oder Photoshop<br />

vorgenommene Kontrastanhebung einige<br />

Arbeitsschritte später als zu stark erweist,<br />

bleibt ihnen nichts anderes übrig,<br />

als alle Zwischenschritte rückgängig zu<br />

machen. In Lightzone dagegen bleiben<br />

die Einstellungen aller aktiven Effekte in<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

49


Praxis<br />

Lightzone<br />

den Unterfenstern der Effektpipeline am<br />

rechten Fensterrand verfügbar.<br />

Das Schließen eines Unterfensters aus<br />

der Tools-Leiste löscht den zugehörigen<br />

Effekt, ein Deaktivieren des Kontrollkästchens<br />

neben dem Schließen-Button<br />

schaltet ihn temporär aus. Der Fragezeichen-Button<br />

öffnet das passende Handbuchkapitel.<br />

Außerdem lässt sich der<br />

Titel nach einem Doppelklick editieren.<br />

Die Reihenfolge der Effekte in der Pipeline<br />

kann man durch Ziehen mit der<br />

Maus verändern.<br />

Dieses Prinzip, das Ergebnis live aus einer<br />

Effekt-Kette aufzusummieren, die an<br />

jedem Glied Zugriffe auf die Einstellungen<br />

zulässt, heißt nichtlinear. Es lässt der<br />

Kreativität mehr Freiraum als das lineare,<br />

bei dem frühere Arbeitsschritte erst<br />

nach dem Rückgängigmachen aller folgenden<br />

Veränderungen wieder erreichbar<br />

werden. Die History-Funktion am linken<br />

Fensterrand garantiert, dass das bei<br />

der Fotoaufbereitung unverzichtbares<br />

Herumprobieren nicht das bereits Erreichte<br />

zerstört. Allerdings geht diese<br />

beim Schließen des Bildes verloren.<br />

Wählen Sie aus der History einen Arbeitsschritt<br />

und verändern das Bild danach,<br />

setzt dieser die Chronik fort. Die bis dahin<br />

absolvierten Arbeitsschritte gehen<br />

dabei verloren.<br />

Lightzone erlaubt sich die Merkwürdigkeit,<br />

verlustbehaftete JPEGs als natives<br />

Dateiformat zu nutzen. In diese Dateien,<br />

die der Dateinamensbestandteil<br />

lnz kennzeichnet, bettet die Software die<br />

Parameter aller hinzugefügten Filter ein.<br />

Beim erneuten Öffnen greift das Programm<br />

allerdings nicht auf das JPEG-<br />

Bild in niedriger Qualität zurück, sondern<br />

erzeugt das Bild aus dem unangetasteten<br />

Original neu, das Sie deshalb<br />

nicht umbenennen oder verschieben<br />

sollten. Zur Weiterverwendung mit anderen<br />

Programmen bietet die Software<br />

lediglich das TIFF- und JPEG-Format an.<br />

Ungewöhnlich daran ist, dass die freie<br />

Software nicht einmal das ebenfalls freie<br />

Format PNG kennt.<br />

4 Mit einer Kombination von farb- und formbasierter Auswahl lässt sich das braune Kleidungsstück<br />

schnell und genau von den hellroten Federn trennen und separat einfärben.<br />

5 Alle Lightzone-Tools bringen den Reiter<br />

„Color Selection“ mit, der den Effekt<br />

auf einen bestimmten Farb- und Helligkeitsausschnitt<br />

beschränkt.<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30224<br />

Summa Summarum<br />

Lightzone gibt sich meisterlich im partiellen<br />

Anpassen von Helligkeit und Farbe.<br />

Mehr braucht man für nichtverfremdende<br />

Fotoaufbereitung in aller Regel nicht.<br />

Eine Ausnahme bilden hier lediglich<br />

Architekturaufnahmen, wo Fotografen<br />

häufig eine Perspektivkorrektur benötigen.<br />

Die fehlt aber in Lightzone ebenso<br />

wie Profile für Kameras oder Objektive,<br />

welche deren Fehler automatisch ausgleichen.<br />

Ähnlich verhält es sich mit<br />

Metadaten. Während die Software die<br />

Exif-Informationen noch rudimentär anzeigt,<br />

fehlen die IPTC-Infos komplett.<br />

Die Software arbeitet durchgängig im<br />

16-Bit-Farbraum, der gut zehnmal mehr<br />

Schattierungen unterscheidet als der<br />

Kamerasensor. Daher sind in dieser Hinsicht<br />

keine Detailverluste durch einen<br />

eingeschränkten Farbraum zu befürchten<br />

wie in der stabilen Gimp-Version, die<br />

noch mit 8-Bit rechnet.<br />

Beim Funktionsumfang kommt Lightzone<br />

zwar nicht an die Konkurrenten<br />

Darktable und Rawtherapee heran.<br />

Dafür punktet es mit seiner übersichtlichen,<br />

konsistenten Benutzeroberfläche,<br />

in der Sie sich schon nach kurzer Zeit zurechtfinden.<br />

(tle) n<br />

50 www.linux-user.de<br />

10.2013


Praxis<br />

<strong>Office</strong>-Tools<br />

Software für wissenschaftliche Texte<br />

Von Meisterhand<br />

© Gtrfrkbob, sxc.hu<br />

Bei wissenschaftlichen Dokumenten<br />

spielen Open-<br />

Source-Tools ihre Stärken<br />

aus. Wer die Details der Programme<br />

kennt, erspart sich<br />

beim Kombinieren der Daten<br />

viel Kopfzerbrechen.<br />

Karl Sarnow<br />

Readme<br />

<strong>Office</strong>-Dokumente für den wissenschaftlichen<br />

Bereich bergen besondere Fallstricke.<br />

Formeln, Grafiken und Diagramme stellen<br />

ganz spezielle Anforderungen an die Software.<br />

Gut, dass Linux die passenden Werkzeuge<br />

mitbringt.<br />

Ob Diplomarbeit, Postdoc-Paper oder<br />

die Hausarbeit für die Schule – schnell<br />

kommt der Bedarf nach spezieller Bürosoftware<br />

auf, die das Eingeben von Formeln<br />

oder das Erstellen von Diagrammen<br />

vereinfacht. Um das Ganze ansprechend<br />

zu gestalten, bietet sich LaTeX an.<br />

Aber trotz seiner Stärken erweist sich das<br />

komplexe Satzsystem nicht immer als die<br />

erste Wahl. Ein wissenschaftliches Dokument<br />

enthält im Regelfall neben dem<br />

Text in einigen Fällen mathematische<br />

Gleichungen, chemische Formeln sowie<br />

Skizzen vom Aufbau der Versuche. Für<br />

alle Komponenten stehen entsprechende<br />

Programme bereit. Daneben benötigen<br />

Sie eine Basissoftware, über die Sie<br />

den eigentlichen Text bearbeiten.<br />

Bei der Basissoftware handelt es sich<br />

um den zentralen Teil der Gruppe, die für<br />

das Schreiben von wissenschaftlichen<br />

Dokumenten infrage kommt. Drei unterschiedliche<br />

Ansätze, die allesamt zusätzlich<br />

den Satz von mathematischen Formeln<br />

ermöglichen, kamen in diesem Vergleich<br />

zum Einsatz.<br />

Das Duo Open/​Libre<strong>Office</strong> liegt vom Bedienkonzept<br />

dicht am amerikanischen<br />

Monopolisten Microsoft. Es sollte wenig<br />

Probleme bereiten, auf diese Software<br />

umzusteigen. Der Nachteil der Instabilität<br />

durch umfangreiche Dateien bleibt<br />

erhalten. Der Vorteil dieser Art Programme<br />

liegt jedoch auf der Hand: Sie klicken<br />

sich ein Dokument zusammen, ohne sich<br />

mit der Dateistruktur zu beschäftigen.<br />

Bei LyX dagegen handelt es sich um<br />

ein Programm, das versucht, einen Mittelweg<br />

zwischen TeX und einem WYSIWIG-<br />

Editor zu gehen. Sie sehen auf dem Bildschirm<br />

eine Ausgabe, die annähernd dem<br />

Druckbild gleicht. Durch den Einsatz des<br />

Satzsystems LaTeX weicht das Endergebnis<br />

aber in der Regel etwas ab. Möchten<br />

Sie wissen, wie der Ausdruck exakt aussieht,<br />

aktivieren Sie die <strong>Vorschau</strong>.<br />

Üblicherweise enthalten LyX-Dateien<br />

nur Text; sowohl Gleichungen als auch<br />

Formeln und Bilder binden Sie als Links<br />

in die Textdatei ein. Aus diesem Grund<br />

fallen die Dateien TeX-typisch klein aus,<br />

und die Software läuft stabil.<br />

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10.2013


<strong>Office</strong>-Tools<br />

Praxis<br />

LyX bietet ebenfalls die Möglichkeit, ein<br />

Dokument per Mausklick zu erstellen.<br />

Das erfordert aber etwas mehr Wissen,<br />

etwa wenn die Software bestimmte Formate<br />

nicht mehr anbietet, weil Sie eine<br />

bestimmte Klasse für das Dokument eingestellt<br />

haben. Die Struktur orientiert<br />

sich am angestrebten Ziel und findet in<br />

der Struktur der Formate ihren Widerhall.<br />

Als Letztes gesellt sich Kile zum Trio,<br />

ein reiner Texteditor, der allerdings über<br />

TeX-Funktionen verfügt. Die Struktur des<br />

Dokumentes legen Sie bei Bedarf mittels<br />

entsprechender Einträge im Menü fest.<br />

Als Ergebnis erhalten Sie ASCII-Text mit<br />

den entsprechenden TeX-Makros. Am<br />

Bildschirm sehen Sie das Ergebnis allerdings<br />

nicht mal im Ansatz – es sei denn,<br />

Sie haben ein außergewöhnliches visuelles<br />

Vorstellungsvermögen.<br />

Das Berechnen der <strong>Vorschau</strong> gehört<br />

bei der Arbeit mit TeX-Editoren zum<br />

Standard. In vielen Fällen geschieht das<br />

mindestens einmal pro Druckseite. Der<br />

Vorteil liegt aber in einem Dokument,<br />

das alle TeX-basierten Systeme verstehen.<br />

Wer eine akademische Arbeit abgibt,<br />

steht mit Kile auf der sicheren Seite<br />

in Bezug auf die Software.<br />

Begrenzter Umfang<br />

Zumindest den Satz mathematischer Formeln<br />

beherrschen alle drei Programme<br />

ohne Probleme. Bei Erstellen von chemischen<br />

Formeln geht den Kandidaten jedoch<br />

die Luft aus. Skizzen von Versuchsaufbauten<br />

bewältigen Sie mit Libre/​<br />

Open<strong>Office</strong> einigermaßen solide; LyX und<br />

Kile bieten hier keine Möglichkeiten.<br />

Die Formeleditoren für mathematischen<br />

Formelsatz benutzen das WYSI-<br />

WIG-Konzept oder ein reines Textkonzept.<br />

Der Editor von Libre/​Open<strong>Office</strong><br />

arbeitet nach dem WYSIWIG-Konzept:<br />

Über Mausklicks wählen Sie die Elemente<br />

aus dem entsprechenden Fenster aus.<br />

Gleichzeitig erscheint der Text der Formel<br />

im unteren Fenster. Hier schreiben<br />

Sie bei Bedarf direkt hinein 1 .<br />

Das Verfahren hat den Vorteil, dass ungeübte<br />

Anwender wie geübte Anwender<br />

die Aufgabe schnell erledigen. Die<br />

Autoren der <strong>Office</strong>-Suite haben hier aber<br />

1 Open<strong>Office</strong>/​Libre<strong>Office</strong> setzen auf WYSIWIG, erlauben aber gleichzeitig Texteingabe.<br />

die Chance vergeben, einen Lernpfad<br />

zum oft unersetzlichen TeX zu ebenen:<br />

Der Text der Formel verhält sich nicht<br />

kompatibel zur Syntax in LaTeX.<br />

Ein fast reines WYSIWIG-Konzept bietet<br />

LyX 2 . In der Regel klicken Sie einen<br />

mathematischen Term aus dem Angebot<br />

an Formeln zusammen. Gleichzeitig erscheint<br />

bei Bedarf unterhalb ein Textfenster<br />

mit der zugehörigen LaTeX-Ausgabe.<br />

Dies schalten Sie mit dem Menü-<br />

2 Der Formeleditor von LyX arbeitet fast ausschließlich nach dem WYSIWIG-Konzept.<br />

Auf Wunsch zeigt die Software aber den LaTeX-Quelltext.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

53


Praxis<br />

<strong>Office</strong>-Tools<br />

3 Der Formeleditor kann LaTeX-Code für ein spezielles Symbol einfügen.<br />

eintrag Ansicht | Quelle ansehen ein. Diese<br />

Ansicht bietet die Möglichkeit, einzelne<br />

Elemente des Terms direkt als Text<br />

einzugeben 3 .<br />

Dies erweist sich insbesondere dann<br />

als wichtig, wenn das gewünschte Element<br />

nicht im Angebot vorhanden ist,<br />

aber in Form eines LaTeX-Ausdruckes bereitsteht.<br />

In früheren Versionen von LyX<br />

galt dies unter anderem für die Menge<br />

der reellen Zahlen (\mathbb R). Sofort<br />

nach der Eingabe sehen Sie das Ergebnis<br />

im Fenster, und der Editor wechselt wieder<br />

in den WYSIWIG-Modus.<br />

Einen komplett anderen Ansatz verfolgt<br />

Kile: Dieses Programm akzeptiert<br />

keine Eingabe von Makros, das gilt auch<br />

für alle mathematischen Terme. Allerdings<br />

sehen Sie zur Kontrolle gleich das<br />

Ergebnis. Klicken Sie mit der Maus auf<br />

den Textteil des mathematischen Terms,<br />

taucht sofort das passende Bild auf 4 .<br />

Über einen Klick auf den Link unterhalb<br />

des Fensters öffnen Sie KLaTeXFormula<br />

5 . Im oberen Fenster sehen Sie<br />

den LaTeX-Text, unten die gerenderte<br />

Version. KLaTeXFormula erlaubt das Zusammenstellen<br />

der mathematischen Terme<br />

mittels Mausklick. Das fällt nicht ganz<br />

so komfortabel aus wie bei LyX oder<br />

Open/​Libre<strong>Office</strong>. Nach dem Zusammenstellen<br />

des Terms kopieren Sie den Text<br />

aus dem oberen Fenster in Kile und integrieren<br />

ihn damit ins TeX-Dokument.<br />

Deutlich komfortabler als KLaTeXFormula<br />

arbeitet EqualX. Dieses Programm<br />

erlaubt das Zusammenklicken des mathematischen<br />

Terms genauso wie die<br />

direkte Texteingabe im unteren Fenster<br />

und besitzt eine übersichtlich gestaltete<br />

Bibliothek von Standardtermen aus verschiedenen<br />

Bereichen der Wissenschaft<br />

6. Das Ergebnis speichern Sie bei Bedarf<br />

als Bild oder als TeX-Datei.<br />

Beim Speichern erzeugt EqualX eine<br />

Datei, die neben dem gerenderten Bild<br />

den eigentlichen Term enthält, sodass<br />

beim erneuten Laden der zugehörige<br />

LaTeX-Code bereitsteht und Sie den<br />

Term verändern können – für Arbeiten<br />

an komplexen Termen unerlässlich. Die<br />

Dokumentation fällt knapp aus. In der<br />

derzeit aktuellen Version 0.5.1 gibt es<br />

keine Möglichkeit, die vorgegebenen<br />

Bibliotheken zu verändern.<br />

TIPP<br />

4 Kile versteht die TeX-Syntax und hebt die Syntax automatisch farblich hervor. Die Eingabe<br />

erfolgt ausschließlich als Text, dafür zeigt das Programm das Ergebnis sofort an.<br />

KLaTeXFormula bietet die Möglichkeit, den<br />

gerenderte Term als Bild in einer Vielzahl<br />

von Formaten zu speichern. Dieses Bild<br />

eignet sich für den Einsatz in anderen<br />

Textverarbeitungen.<br />

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10.2013


<strong>Office</strong>-Tools<br />

Praxis<br />

Formulator ist ein weiterer Editor für mathematische<br />

Terme, der nicht nur Bilder,<br />

sondern bei Bedarf auch MathML-Code<br />

erzeugt. Er steht in zwei Versionen bereit,<br />

einer kostenpflichtigen und einer kostenlosen<br />

(nicht freien) Version, die Sie in<br />

nichtkommerziellen Umgebungen nutzen<br />

dürfen. Das Programm erlaubt ebenfalls<br />

die Eingabe des Terms als Text, allerdings<br />

in der MathML-Syntax, die Sie im<br />

rechten oberen Teilfenster sehen 7 .<br />

Da es keine Schnittstelle zu TeX gibt,<br />

eignet sich dieses Programm vor allem<br />

für diejenigen, die MathML-Code erzeugen<br />

wollen. Der kommt allerdings weniger<br />

in gedruckten Dokumenten als im<br />

Web zum Einsatz.<br />

Anhand einer Testgleichung, der Lösung<br />

einer quadratischen Gleichung,<br />

mithilfe der drei Formelsprachen aus<br />

Open/​Libre<strong>Office</strong> (Listing 1), LaTeX (Listing<br />

2) und MathML (Listing 3) zeigt sich,<br />

dass die Formelsprachen von Open/​<br />

Libre <strong>Office</strong> und LaTeX sehr viel einfacher<br />

zu verstehen sind als MathML.<br />

Chemischer Formelsatz<br />

Wer nur Summenformeln schreiben will,<br />

kommt mit den beschriebenen Editoren<br />

aus. Chemische Strukturformeln benötigen<br />

mehr Aufwand. Hier erweist sich<br />

GChemPaint als ein geeignetes Programm:<br />

Es ist leicht zu bedienen und besitzt<br />

eine umfangreiche Bibliothek an<br />

Molekülmodellen. Abbildung 8 zeigt<br />

die Furan-Strukturformel, die in zehn<br />

Schritten erzeugt wurde: 1. Klick auf Fünferring.<br />

2. Klick auf Zeichenfläche und<br />

Ausrichten des Gerüstes. 3. Auswahl des<br />

5 KLaTeXFormula erzeugt aus LaTeX-Code ein Bild der fertigen Formel. Den LaTeX-Code<br />

klicken Sie durch Auswahl zusammen, allerdings ist die Auswahl der Elemente noch nicht<br />

vollständig. Funktionen und Operatoren sind noch nicht integriert.<br />

Wasserstoffs als einzusetzendes Atom.<br />

4. Auswahl der Bindung als einzusetzendes<br />

Element. 5. Klick auf Molekülgerüst<br />

erzeugt die H-Bindungen. 6. Auswahl des<br />

Sauerstoffs als einzusetzendes Atom.<br />

7. Auswahl des Atom als einzusetzendes<br />

Element. 8. Anklicken des Molekülgerüstes,<br />

um Sauerstoff einzusetzen. 9. Auswahl<br />

der Bindung, um deren Stärke zu<br />

Listing 1<br />

x^2+p*x+q=0 dlrarrow x_{1,2}=‐{p<br />

over 2} plusminus sqrt{{p^2} over<br />

4 ‐q}<br />

Listing 2<br />

x^2+p*x+q=0\Leftrightarrow<br />

x_{1,2}=‐\frac{p}{2}\pm\sqrt{\<br />

frac{p^2}{4}‐q}<br />

6 EqualX erlaubt auf komfortable Weise, die Eingabe von LaTeX-Code oder das Zusammenklicken<br />

der Formel aus vordefinierten Elementen.<br />

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55


Praxis<br />

<strong>Office</strong>-Tools<br />

Listing 3<br />

<br />

<br />

<br />

x<br />

2<br />

<br />

&plus;<br />

p<br />

&lowast;<br />

x<br />

&plus;<br />

q<br />

=<br />

0<br />

&hArr;<br />

<br />

x<br />

1,2<br />

<br />

=<br />

&minus;<br />

<br />

p<br />

2<br />

<br />

&PlusMinus;<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

p<br />

2<br />

<br />

4<br />

<br />

&minus;<br />

q<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

7 Formulator erlaubt es, die Terms mithilfe der Objektknöpfe im oberen Menübereich des<br />

Fensters zusammenzustellen, das rechte obere Teilfenster zeigt den zugehörigen MathML-Code.<br />

ändern. 10. Anklicken der Bindungen, die<br />

als Doppelbindung erscheinen sollen.<br />

Besonders hilfreich ist, dass die Software<br />

die Bindungen beim Einfügen der<br />

Atome automatisch ausrichtet. Das gilt<br />

auch für die Valenzen der eingefügten<br />

Atome. So erscheinen entsprechende<br />

Plus- und Minuszeichen an den Atomen<br />

für den Fall, dass die Bindungen nicht gesättigt<br />

sind. Komplexe Moleküle fügen<br />

Sie aus der umfangreichen Bibliothek ein<br />

9 und modifizieren sie bei Bedarf.<br />

Zum Speichern steht eine Vielzahl<br />

chemischer Standardformate bereit:<br />

ChemDraw, Brookhaven Molekülformat,<br />

MDL-Format oder das native Format von<br />

GChemPaint. Für das Einfügen in Texten<br />

eignet sich am besten eine Bild. Das exportieren<br />

Sie ebenfalls in einer Vielzahl<br />

von Formaten, darunter PNG und SVG.<br />

8 Einfaches Klicken erzeugt in zehn Schritten die Strukturformel des Furan-Moleküls.<br />

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10.2013


<strong>Office</strong>-Tools<br />

Praxis<br />

9 Isoleucin aus der Bibliothek steht zum<br />

Einfügen in GChemPaint bereit.<br />

Schaltungen & Co.<br />

Nahezu jeder Aufsatz zu naturwissenschaftlichen<br />

Themen enthält neben mathematischen<br />

Termen oder chemischen<br />

Formeln die Skizzen eines Versuchsaufbaus<br />

oder eines Schaltkreises. Die entsprechenden<br />

Grafiken erzeugen Sie am<br />

besten mit einer Vektorzeichensoftware,<br />

für die Bibliotheken mit den passenden<br />

Symbolen bereitstehen. Open/​Libre-<br />

<strong>Office</strong> enthält ein solches Programm bereits,<br />

allerdings ohne die notwendigen<br />

Symbole mitzubringen.<br />

In Bezug auf die Symbole für elektrische<br />

Schaltkreise besteht die Möglichkeit,<br />

sich aus der Wikipedia-Bibliothek û<br />

zu bedienen. Die dort abgelegten Zeichen<br />

stehen im Vektorformat SVG bereit<br />

und eignen sich daher für den Einsatz in<br />

Dia, Inkscape oder anderen Programmen.<br />

Xfig versteht sich zwar nicht auf<br />

SVG-Dateien, dafür besitzt es eine eigene<br />

umfangreiche Bibliothek.<br />

In unserem Test bestand die Aufgabe<br />

darin, die Skizze eines einfachen Stromkreises<br />

samt Spannungsquelle anzufertigen.<br />

Bis auf die Symbole für Messgeräte<br />

für Spannung und Stromstärke sind alle<br />

benötigten Elemente in der Wikipedia-<br />

Bibliothek vorhanden. Sie importieren<br />

Sie einfach in das Modul Draw. Das Erzeugen<br />

des noch fehlenden Symbols für<br />

die Messgeräte gelingt mit Bordmitteln:<br />

Sie zeichnen einen Kreis und fügen den<br />

entsprechenden Buchstaben einfach als<br />

Beschriftung ein.<br />

Das Problem liegt in der Verbindung<br />

der Symbole. Hierfür bietet das Programm<br />

zwar ein Werkzeug an. Haben Sie<br />

dieses gewählt, dann klicken Sie mit der<br />

Maus die Verbindungspunkte auf jedem<br />

der zu verbindenden Symbole an. Ein<br />

rechtwinkliger Polygonzug verbindet<br />

diese Stellen nun automatisch. Allerdings<br />

stehen die Punkte auf den Symbolen<br />

nicht genau dort, wo sie dem Aufbau<br />

der Schaltung entsprechend zu sein hätten.<br />

Als Ergebnis zeigen sich im Schaltplan-Design<br />

unschöne Lücken 0.<br />

Im Gegensatz zu Draw enthält Dia bereits<br />

eine umfangreiche Bibliothek, die<br />

Sie zudem selbst erweitern dürfen. Mit<br />

dieser haben Sie die Schaltung mit ein<br />

paar Mausklicks zusammengestellt. In<br />

Abbildung q sehen Sie die Symbole für<br />

ein Spannungsmessgerät und ein Stromstärkemessgerät<br />

als SVG-Dateien, die in<br />

die Dia-Bibliothek für Schaltkreise importiert<br />

wurden.<br />

Im Gegensatz zu Draw bereitet Dia<br />

beim Verbinden der Symbole keinerlei<br />

Probleme. Als Ergebnis erhalten Sie einen<br />

sauberen Schaltkreis. Das Diagramm<br />

fügen Sie ganz einfach in Dokumente<br />

ein, indem Sie es entweder als Dia-Datei<br />

abspeichern oder in eine SVG- oder<br />

PNG-Datei exportieren.<br />

Inkscape gehört wie Dia zu den Vektorzeichenprogrammen,<br />

die Dateien im<br />

SVG-Format abspeichern. Deshalb fällt<br />

der Import der Schaltzeichen aus der<br />

Wikipedia-Bibliothek einfach. Bei Bedarf<br />

drehen Sie die Symbole in die richtige<br />

Position und bringen sie auf die passende<br />

Größe. Das Fehlen einer Bibliothek<br />

zeigt aber, dass Inkscape sich für diesen<br />

Zweck nur bedingt eignet. Folglich fällt<br />

die Arbeit zeitraubend aus.<br />

Auch Xfig bereitet das Importieren der<br />

benötigten Elemente keine großen Probleme.<br />

Fehlende Elemente zeichnen Sie<br />

zunächst nach und legen sie dann im<br />

entsprechenden Pfad /usr/share/xfig/<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

57


Praxis<br />

<strong>Office</strong>-Tools<br />

0 Open/​Libre<strong>Office</strong>-Draw besitzt alle Werkzeuge zum Zeichnen eines Schaltplans – allerdings<br />

erscheint dieser nicht ganz lückenlos.<br />

Libraries ab. Dann stehen sie in der<br />

passenden Bibliothek bereit.<br />

Ein Verbindungswerkzeug gibt es allerdings<br />

nicht. Die Verbindungen setzen Sie<br />

wie bei Draw und Inkscape manuell mit<br />

dem Polyline-Werkzeug. Gegen Xfig<br />

spricht sonst nur das völlig veraltete Design,<br />

dessen Bedienkonzept stark von bekannten<br />

Applikationen abweicht. Es ist<br />

nicht unzweckmäßig, aber ungewohnt.<br />

Fazit<br />

Mit Open/​Libre<strong>Office</strong>, LyX und Kile erstellen<br />

Sie naturwissenschaftliche Dokumente<br />

samt aller benötigten Komponenten<br />

in bester Qualität, insbesondere da<br />

alle den Export nach PDF ermöglichen.<br />

Nur LyX und Kile schreiben aber tatsächlich<br />

TeX-Dokumente. Die Auswahl der ergänzenden<br />

Programme richtet sich nach<br />

der Wahl des Programms zum Texten.<br />

Setzen Sie auf die großen <strong>Office</strong>-Suiten,<br />

bietet sich für den mathematischen<br />

Formelsatz das mitgelieferte Math-Programm<br />

an. Gleiches gilt für LyX, das einen<br />

in der Applikation verankerten Editor<br />

mitbringt. Kile setzt voll auf das Erzeugen<br />

mathematischer Terme als Text.<br />

Wer zum Lernen ein graphisches Werkzeug<br />

sucht, ist mit EqualX hervorragend<br />

bedient. Für den chemischen Formelsatz<br />

gibt es keine Alternative zu GChemPaint.<br />

Obwohl Open/​Libre<strong>Office</strong> ein gutes<br />

Vektorzeichenprogramm bereitstellt, erweist<br />

sich zum Zeichnen von Schaltungen<br />

Dia als das Tool der Wahl. Kein anderes<br />

ermöglicht es so einfach, eine Skizze<br />

zu erstellen und in eine Bilddatei umzuwandeln.<br />

Insbesondere die Möglichkeit,<br />

die mitgelieferten Bibliotheken zu erweitern,<br />

ist ein wertvolles Detail.<br />

Geht es um die Frage, ob sich TeX-basierende<br />

Software für den Einsatz in der<br />

Schule eignet, so ist zu beachten, dass<br />

reine TeX-Software tatsächlich einen steilen<br />

Lernpfad impliziert. LyX bringt eine<br />

Benutzeroberfläche mit, die den vertrauten<br />

<strong>Office</strong>-Systemen ähnelt, sich technisch<br />

aber im TeX-System bewegt. Daher<br />

wäre es der ideale Einstiegspunkt, um<br />

Schüler an das System heranzuführen.<br />

Am weitesten von TeX entfernt, aber<br />

mit einem guten mathematischen Formeleditor<br />

versehen, erweist sich Open/<br />

Libre<strong>Office</strong> als einzig realistisches Programm<br />

für den Schulbereich – zumal die<br />

Suite Tools für den mathematischen Formelsatz<br />

und Skizzen mitbringen. (agr) n<br />

q Eine umfangreiche Bibliothek macht es leicht, mit Dia Schaltkreise zu zeichnen. Bei<br />

Bedarf erweitern Sie die Bibliothek leicht um eigene Kreationen.<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 29929<br />

58 www.linux-user.de<br />

10.2013


Praxis<br />

OpenArtist<br />

OpenArtist bündelt Programme für Kreative<br />

Klassische Kunst<br />

Brauchen wir wirklich noch<br />

ein Ubuntu-Derivat mehr?<br />

OpenArtist adressiert Künstler<br />

und andere Kreative, ist<br />

aber auch für Normalbenutzer<br />

interessant.<br />

Karsten Günther<br />

Readme<br />

Das auf Ubuntu LTS 12.04 basierende<br />

OpenArtist erweist sich als interessantes<br />

und leistungsfähiges System, mit dem sich<br />

nicht nur künstlerische Ambitionen schnell<br />

umsetzen lassen.<br />

Ubuntus LTS-Versionen erfreuen sich<br />

bei Entwicklern abgeleiteter Distributionen<br />

großer Beliebtheit. Das liegt zum einen<br />

an der stabilen Basis, die über eine<br />

gute Hardware-Unterstützung verfügt,<br />

und zum anderen an dem riesigen Software-Angebot,<br />

das die Ubuntu-Repositories<br />

bereithalten. Daher verwundert es<br />

nicht, dass auch die Entwickler von<br />

OpenArtist û auf diese Basis setzen.<br />

Nach dem Booten des Live-Systems<br />

oder einer Festplatteninstallation erwartet<br />

Sie zunächst ein ziemlich düsteres<br />

Theme 1 . Das ist so gewollt, da bei der<br />

Bildbearbeitung helle, farbige Elemente<br />

auf dem Desktop nur ablenken und deren<br />

Farben das Auge täuschen können.<br />

Nicht zufällig setzen auch Darktable und<br />

andere RAW-Konverter auf eine analoge<br />

Farbgebung.<br />

Als Oberfläche dient Gnome 3 im klassischen<br />

Gnome-2-Look mit Panel. Alternativ<br />

stehen aber auch Openbox und im<br />

Prinzip alle von Ubuntu unterstützten<br />

Desktops zur Verfügung. Für diese Umgebungen<br />

haben die Entwickler allerdings<br />

nicht alle der zusätzlichen Features<br />

bereitgestellt, sodass Ihnen einige<br />

Informationen und Annehmlichkeiten<br />

vorenthalten bleiben.<br />

Das Live-System meldet Sie als hero (mit<br />

identischem Passwort) an. Für diesen<br />

User erzeugt auch Ubiquity bei einer<br />

Festplatteninstallation automatisch<br />

einen Account.<br />

Besondere Vielfalt<br />

Die Besonderheit von OpenArtist besteht<br />

zum einen in der umfassenden<br />

Sammlung an Programmen zu den kreativen<br />

Themen Grafik, Video und Musik<br />

und zum anderen in der Art und Weise,<br />

wie die Distribution diese in vielstufigen<br />

Menüs 2 bereitstellt.<br />

Hier bricht OpenArtist mit dem alten<br />

Ubuntu-Prinzip, für jede Aufgabe genau<br />

ein Programm bereitzustellen: Hier gibt<br />

es für jede Aufgabe mehrere Programme,<br />

die jeweils über eigene Features verfügen.<br />

So lassen sich die Unzulänglichkeiten<br />

des einen Programmes mithilfe<br />

des anderen ausgleichen.<br />

Freilich lassen sich auf einer CD nicht<br />

alle relevanten Softwarepakete unterbringen.<br />

Daher wählten die Entwickler<br />

einen anderen Weg: Sie stellen für die<br />

Mehrzahl der Programme unter /opt/<br />

nur Skripts bereit, die Fehlendes mittels<br />

apt‐get (oder auch anderen Verfahren<br />

60 www.linux-user.de<br />

10.2013


OpenArtist<br />

Praxis<br />

© Sergey_Nivens, 123RF<br />

1 Mit einem düsterem Gnome-Theme begrüßt Sie OpenArtist nach dem Start. Sie können<br />

es mit dem Gnome-Tweak-Tool im Detail verändern.<br />

wie wget) nachladen und nach erfolgreicher<br />

Installation automatisch starten.<br />

Das funktioniert in den meisten Fällen<br />

sehr gut, lediglich einige wenige Programme<br />

erfordern manuelle Nacharbeit.<br />

Die Entwickler haben das Konzept sogar<br />

so weit ausgebaut, dass sie auch Windows-Programme<br />

(sowohl Freeware als<br />

auch Demos) integriert haben, die dann<br />

mittels Wine laufen. Auch via Adobe Air<br />

betriebene Programme unterstützt<br />

Open Artist direkt.<br />

Zusätzlich steht eine sinnvolle Vorkonfiguration<br />

der installierten Programme<br />

auf der Agenda von OpenArtist. Dieser<br />

Punkt hat maßgeblichen Einfluss auf die<br />

gute Bedienbarkeit der Distribution,<br />

auch wenn sich hier noch das eine oder<br />

andere verbessern ließe.<br />

Opulentes Menü<br />

Ein Überblick der vorhandenen Software<br />

gibt Abbildung 2 : Die Menüs 2D und<br />

3D fassen die üblichen Grafikprogramme<br />

und vieles mehr zu diesem Thema<br />

zusammen. Audio enthält neben den Rekordern<br />

Audacity und Ardour auch zahlreiche<br />

Programme zum Erzeugen und<br />

Bearbeiten von Sounds und Klängen.<br />

Analog verhält es sich für Video, wo sich<br />

so ziemlich alles versammelt, was es derzeit<br />

an Video-Software gibt. Unter dem<br />

Menüpunkt VJ gibt es zahlreiche Tools,<br />

um Multimedia-Shows zu erstellen. Dort<br />

findet sich auch eine um Praxisbeispiele<br />

erweiterte Version der Multimedia-Programmiersprache<br />

Processing.<br />

Hardware enthält Programme, um<br />

spezielle Hardware nutzen zu können,<br />

wie Joysticks, Grafiktablets oder Arduino-<br />

Boards. Mit Domotica findet sich hier<br />

auch eine zur elektronischen Haussteuerung<br />

entwickelte Software. Collaboration<br />

versammelt die zum Datenaustausch<br />

und verteilten Bearbeiten verwendeten<br />

Programme. Neben Dropbox gibt es<br />

dort die zur gemeinschaftlichen Arbeit<br />

vorgesehenen Editor-Varianten von<br />

Gobby und Abiword sowie Freemind,<br />

Genode und MixNode.<br />

Das Menü Einstellungen enthält beinahe<br />

ebenso viele Einträge wie das Hauptmenü<br />

selbst. Diese dienen nicht nur zur<br />

Konfiguration der Desktop-Umgebung<br />

oder der installierten Programme: Dort<br />

finden sich daneben auch Tools für Backup<br />

und Daten rettung, darunter Photo-<br />

Rec, Foremost und weitere. Tuning umfasst<br />

unter anderem die Installation er-<br />

Installation<br />

Das ISO-Image der installationsfähigen<br />

OpenArtist-Live-CD finden Sie auf den<br />

Sourceforge-Servern û. Es gibt lediglich<br />

eine 64-Bit-Version der Distribution. Mittels<br />

unetbootin oder dem USB-Startmedienersteller<br />

lässt sich das Image auch auf<br />

einem USB-Stick installieren.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

61


Praxis<br />

OpenArtist<br />

weiterter Kernel und des ZFS-Dateisystems<br />

sowie einige Top-artige Tools.<br />

Security/​Privacy bietet mehrere Firewalls,<br />

Tor und Verschlüsselungssoftware<br />

an. Unter Special erhalten Sie direkten<br />

Zugriff auf die diversen Konfigurationsdateien<br />

und Log-Files. Das ist insbesondere<br />

für Einsteiger interessant, die hier<br />

überhaupt erst erfahren, was sie wo einstellen,<br />

ändern oder erfahren können.<br />

Bei der voreingestellten Gnome-Ober-<br />

fläche helfen die wirklich vorbildlich umfangreichen<br />

Menübeschreibungen, den<br />

richtigen Eintrag zu finden 3 .<br />

Das Eingemachte<br />

Was sich wirklich hinter den einzelnen<br />

Menüpunkten verbirgt, zeigt das Gnome-<br />

Menü-Konfigurationsprogramm Alacarte.<br />

Unter Eigenschaften stehen dort die aufgerufenen<br />

Skripts, die das Know-how<br />

der Entwickler enthalten. Sie liegen großenteils<br />

unter /opt/ und lassen sich bei<br />

Bedarf anpassen.<br />

Für die Software greifen die Entwickler<br />

auf die unterschiedlichsten Repositories<br />

zurück. So integriert OpenArtist PPAs<br />

von „Karmic“ bis „Precise“ und bindet dabei<br />

auch Quasi-Rolling-Releases ein. Das<br />

macht es möglich, auch viele neuere<br />

Programmversionen zu verwenden als<br />

die ursprünglich von Ubuntu LTS vorgesehenen.<br />

So bietet OpenArtist auch einen<br />

ziemlich aktuellen Kernel 3.8.0 in<br />

den Varianten Generic, Lowlatency und<br />

als signierte Varianten an. Gimp ist beispielsweise<br />

in der erst kürzlich erschienen<br />

Version 2.8.6 mit an Bord.<br />

Fazit<br />

2 Die OpenArtist-Menüs sind vielfach gestaffelt und gut vorsortiert.<br />

Sie finden für fast jede kreative Aufgabe ein passendes Pro.<br />

Nach einen mit OpenArtist verbrachten<br />

Wochenende ist der Autor versucht zu<br />

sagen, es handle sich bei der Distribution<br />

um ein großes, intelligent gemachtes<br />

Online-Spiel. Es gibt wirklich viel zu<br />

entdecken und auszuprobieren. Zwar<br />

funktioniert nicht alles auf Anhieb, aber<br />

meist lässt es sich mit ein wenig Kopfund<br />

Handarbeit zum Laufen bringen.<br />

OpenArtist taugt jedoch für mehr als<br />

nur kreative Spielereien, etwa zum Reparieren<br />

beschädigter Systeme. Über die<br />

größtenteils gut gepflegten Repositories<br />

stehen auch hochaktuelle Kernel und<br />

Programme zur Verfügung. Wegen der<br />

wirklich großen Programmvielfalt wendet<br />

sich OpenArtist allerdings eher an<br />

fortgeschrittene Anwender. (jlu) n<br />

3 Vorinstallierte Programme bei OpenArtist verfügen unter Gnome über eine umfangreiche<br />

Hilfe, für die alternativen Desktops ist das bisher nicht der Fall.<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30624<br />

62 www.linux-user.de<br />

10.2013


Zeroshell<br />

Praxis<br />

Zeroshell-Workshop Teil 4:<br />

Transparenter Proxy-Server mit Virenscanner<br />

Strenge Wache<br />

© lettieb, sxc.hu<br />

Heterogene Netzwerke bieten<br />

Viren eine breite Angriffsfläche.<br />

Mit einem Duo aus<br />

Proxy-Server und Virenscanner<br />

weisen Sie Angriffe<br />

schon am Eingangstor ab.<br />

Erik Bärwaldt<br />

Readme<br />

Mit einem zentralen Proxy-Server auf einem<br />

Rechner mit Zeroshell sichern Sie ein heterogenes<br />

Netzwerk ab, indem Sie den Datenverkehr<br />

filtern und bei Bedarf den Zugriff<br />

auf unerwünschte Websites komplett verbieten.<br />

Dabei erleichtert die eingängige<br />

Oberfläche die Konfiguration.<br />

Linux gilt als konzeptionell sicheres Betriebssystem,<br />

das Schädlinge kaum aus<br />

der Ruhe bringen. Viren, Trojaner, Rootkits<br />

und andere unerwünschte Begleiter<br />

auf der heimischen Festplatte gelingt es<br />

unter dem freien Betriebssystem nur selten,<br />

destruktive Aktivitäten zu entfalten.<br />

Ganz anders sieht es dagegen aus,<br />

wenn Sie in Ihrem Heim- oder Firmennetz<br />

zusätzlich Windows-Rechner einsetzen:<br />

Diese bieten reichlich Angriffsfläche.<br />

Der administrative Aufwand, solche<br />

Computer aus der Schusslinie zu nehmen,<br />

steigt mit der Anzahl installierter<br />

Windows-PCs signifikant.<br />

Doch es geht einfach und professionell:<br />

Statt auf jedem gefährdeten Client<br />

im Netz zeit- und arbeitsaufwendig<br />

Serie: Zeroshell-Workshop<br />

Virenscanner, URL-Filter und weitere Zusatzsoftware<br />

zu installieren und zu pflegen,<br />

bietet es sich an, einen Zeroshell-<br />

Server als zentralen Proxy mit integriertem<br />

Scanner zu konfigurieren, der jeglichen<br />

Datenstrom untersucht und<br />

dann entsprechend weiterleitet oder<br />

blockiert.<br />

Proxy-Server<br />

Unter Linux hat sich Squid als Proxy-Server<br />

einen guten Namen gemacht. Er ist<br />

meistens als Caching-Proxy konfiguriert,<br />

der Webseiten zwischenspeichert und<br />

bei einem erneuten Zugriff schneller für<br />

den Client bereitstellt. Obendrein spart<br />

das Puffern Bandbreite.<br />

Zentrale Dienste LU 07/​2013, S. 22 http:// www. linux‐community. de/ 29626<br />

Routing und WLAN LU 08/​2013, S. 38 http:// www. linux‐community. de/ 29993<br />

Firewall einrichten LU 09/​2013, S. 66 http:// www. linux‐community. de/ 30220<br />

Proxy und AV-Scanner LU 10/​2013, S. 63 http:// www. linux‐community. de/ 30471<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

63


Praxis<br />

Zeroshell<br />

Zeroshell beschreitet jedoch andere<br />

Wege: Als HTTP-Proxy kommt hier nicht<br />

Squid zum Einsatz, sondern dessen weniger<br />

bekannter Kollege HAVP û. Das Programm<br />

ist als transparenter Proxy konzipiert,<br />

den die Clients im Intranet nicht als<br />

solchen bemerken. Er übernimmt die<br />

Aufgabe, mithilfe des nachgeschalteten<br />

Antivirus-Programms ClamAV û alle Inhalte<br />

auf Integrität zu prüfen.<br />

Konfiguration<br />

Um auf dem Zeroshell-Rechner HAVP<br />

mit ClamAV aufzusetzen, rufen Sie die<br />

grafische Zeroshell-Oberfläche auf und<br />

wechseln in das Menü Security | HTTP<br />

Proxy. Sie gelangen in ein übersichtlich<br />

aufgebautes Fenster, das sowohl die Installation<br />

des Proxy-Servers als auch des<br />

Virenschutzes gestattet.<br />

Zunächst definieren Sie die Schnittstelle,<br />

deren Anfragen Sie durch den Server<br />

leiten wollen. Es handelt sich hierbei<br />

um jenes Interface, das die Client-Anfragen<br />

aus dem Intranet weiterleitet. Das<br />

setzt voraus, das Sie diese Schnittstelle<br />

in Zeroshell als Gateway konfigurieren.<br />

Das erledigen Sie im Menü Setup | Network<br />

| GATEWAY.<br />

Anschließend klicken Sie im Menü<br />

Security | HTTP Proxy unter HTTP Capturing<br />

Rules auf den Plus-Schalter. Im sich<br />

nun öffnenden Fenster geben Sie die<br />

1 Mit wenigen Mausklicks definieren Sie in der Weboberfläche<br />

von Zeroshell die Proxy-Schnittstelle.<br />

3 Über die Blacklist sperren Sie im Handumdrehen den Zugriff<br />

auf unerwünschte Webseiten. Wildcards erleichtern hier die Arbeit.<br />

2 ClamAV bringt<br />

nach dem Start zunächst<br />

die Datenbank<br />

mit den<br />

Signaturen der<br />

bekannten Viren<br />

auf den aktu ellen<br />

Stand.<br />

64 www.linux-user.de<br />

10.2013


Zeroshell<br />

Praxis<br />

überwachte Schnittstelle ein 1 . Im Feld<br />

Action aktivieren Sie zusätzlich den Eintrag<br />

Capture Request. Nach Abschluss der<br />

Konfiguration sichern Sie die Einstellungen<br />

mit einem Klick auf Save.<br />

In diesem Fenster haben Sie auch die<br />

Möglichkeit, zusätzlich Quell- und Zielnetze<br />

sowie einzelne IP-Adressen einzugeben,<br />

um den Bereich der zu scannenden<br />

Clients einzuschränken. Möchten Sie<br />

den Datenverkehr zu einer Schnittstelle<br />

oder IP-Adresse von der Umleitung über<br />

den Proxy-Server ausnehmen, tragen Sie<br />

diese ebenfalls in der Liste ein, und zwar<br />

mit der Option Do not Capture Request<br />

im Feld Action.<br />

Der Ausschluss von IP-Adressen aus<br />

bestimmten Subnetzen ist dann sinnvoll,<br />

wenn im Teilnetz oder mit der betroffenen<br />

IP-Adresse ein Webserver arbeitet,<br />

der den Zugriff auf seine Inhalte mithilfe<br />

von ACLs steuert. Würden Anfragen an<br />

diesen Webserver aus dem Intranet über<br />

den Proxy-Server geleitet, so müsste dieser<br />

alle entsprechenden Anfragen blockieren,<br />

wenn die einzelnen IP-Adressen<br />

der anfragenden Clients in den ACL-Listen<br />

hinterlegt sind.<br />

Zeroshell zeigt die konfigurierten Regeln<br />

nach dem Sichern in Form einer Liste<br />

an. Starten Sie nun in einem weiteren<br />

Schritt den Proxy-Dienst durch Setzen<br />

eines Häkchens in der Box Enabled. Der<br />

Start des Servers nimmt dabei einige<br />

Zeit in Anspruch.<br />

Warteschleife<br />

Im Test blieb der Jetway-PC beim Start<br />

des Proxys zunächst einmal in einer<br />

Schleife hängen. Eine Prüfung der Protokolldateien<br />

– Sie erreichen diese in der<br />

Konfiguration über die Schaltflächen<br />

Proxy Log und AntiVirus Log – ergab, dass<br />

ClamAV nicht in der Lage war, die Signaturdatenbank<br />

beim Start des Proxys automatisch<br />

auf den aktuellen Stand zu<br />

bringen, da es deren Quelle im Internet<br />

nicht erreichte.<br />

In diesem Fall sollten Sie zunächst prüfen,<br />

ob die Konfiguration des Netzwerks<br />

korrekt ist, denn zum Update von Clam-<br />

AV ist ein funktionierender Internetzugang<br />

Pflicht. Klappt trotz korrekter Konfiguration<br />

kein Zugriff auf den voreingestellten<br />

Server, stellen Sie im rechten Bereich<br />

der Konfiguration im Feld Country<br />

of the Mirror einen anderen Spiegel-Server<br />

ein, der die Virensignaturen liefert.<br />

Im Test gelang es schließlich, den deutschen<br />

Server zu erreichen 2 .<br />

Im gleichen Bereich – ClamAV Antivirus<br />

Configuration – haben Sie zudem die<br />

Möglichkeit, das automatische Update<br />

zu deaktivieren (was sich nicht empfiehlt)<br />

und die tägliche Frequenz für Updates<br />

festzulegen. Zeroshell arbeitet diese<br />

Aufgaben sodann zuverlässig im Hintergrund<br />

ab.<br />

Zusätzlich Sie legen in diesem Bereich<br />

noch fest, ob die Antiviren-Software<br />

ACL: Access Control List. Solche Zugriffssteuerungslisten<br />

erlauben, den Zugang einzelner<br />

Benutzer und Prozesse zu Systemobjekten<br />

wesentlich feiner abgestuft zu regeln,<br />

als dies die regulären Zugriffsrechte<br />

(owner/group/others) erlauben.<br />

Wildcards: Zeichen, die im Kontext von regulären<br />

Ausdrücken Zeichengruppen erfassen<br />

und so unter anderem das Erstellen<br />

von Suchbegriffen erleichtern. Zu den bekanntesten<br />

Zeichen dieser Art gehört der<br />

Asterisk (das „Sternchen“).<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

65


Praxis<br />

Zeroshell<br />

Bilddateien auf Viren hin untersuchen<br />

soll. Die Software unterstützt dabei die<br />

Formate JPG, GIF und PNG, was die<br />

wichtigsten im Internet genutzten Bilddateien<br />

abdeckt.<br />

Schwarze Liste<br />

4 HAVP gibt eine Nachricht bei geblockten Webseiten aus.<br />

Neben dem reinen Prüfen auf Schadsoftware<br />

bringt Zeroshell zusätzlich einen<br />

URL-Filter mit. Er ermöglicht, unerwünschte<br />

Webseiten anhand einer<br />

Blacklist zu blockieren. Da der Filter dabei<br />

Wildcards unterstützt, müssen Sie<br />

nicht jede zu blockierende URL einzeln<br />

in die Liste eintragen, sondern sperren<br />

bei Bedarf mit einem einzigen Eintrag<br />

ganze Adressräume.<br />

Außerdem bietet die Software die<br />

Möglichkeit, mithilfe einer Whitelist, die<br />

Zugriff auf einzelne Webseiten gewährt,<br />

den URL-Filter zu verfeinern. Die Whitelist<br />

genießt gegenüber der Blacklist in<br />

Zeroshell eine höhere Priorität, sodass<br />

die Software – falls sie ein auf eine Website<br />

zutreffendes Muster in beiden Listen<br />

findet – den Zugriff freischaltet.<br />

Sie erreichen den URL-Filter in den<br />

Einstellungen des Proxy-Servers unten<br />

rechts unter URL Management. Direkt<br />

nach der Installation sind beide Listen<br />

inaktiv. Sie aktivieren die gewünschte<br />

Liste mit einem Klick auf die Schaltfläche<br />

Disabled und anschließender Auswahl<br />

von Enabled.<br />

Danach klicken Sie auf die Schaltfläche<br />

Manage und geben im Fenster Proxy<br />

BlackList die zu blockierenden Adressen<br />

ein. Sobald Sie die Liste vervollständigt<br />

haben, sichern Sie diese durch einen<br />

Klick auf Save. Der URL-Filter ist nun einsatzbereit.<br />

Analog dazu schalten Sie bei<br />

Bedarf einzelne Adressen durch einen<br />

Eintrag in der Whitelist frei 3 .<br />

Filter testen<br />

5 Das Duo HAVP/​ClamAV hat hier einen Virus blockiert.<br />

Nach dem Konfigurieren sollten Sie die<br />

Funktion des Servers testen, um sicherzugehen,<br />

dass die HTTP-Anfragen aus<br />

Ihrem Intranet wirklich den Proxy-Server<br />

durchlaufen und dieser die Pakete zuverlässig<br />

überprüft.<br />

Um den URL-Filter zu testen, rufen Sie<br />

dazu aus Ihrem LAN eine der per Blacklist<br />

gesperrten Webseiten auf. HAVP<br />

blendet dann eine schlichte Seite mit<br />

dem dezenten Hinweis ein, dass die URL<br />

blockiert ist 4 . Deutlich aufwendiger<br />

fallen Tests der Antiviren-Software aus,<br />

da Sie hierbei versehentlich Clients im<br />

Intranet kompromittieren könnten,<br />

wenn Sie den Filter nicht korrekt konfiguriert<br />

haben.<br />

66 www.linux-user.de<br />

10.2013


Zeroshell<br />

Praxis<br />

Prüfen Sie deshalb zunächst, ob Sie das<br />

Zeroshell-System korrekt als Router oder<br />

Bridge konfiguriert haben. Insbesondere<br />

interessieren dabei die Einstellungen zur<br />

Network Address Translation (NAT) im<br />

Menü Setup | Network | NAT: Achten Sie<br />

darauf, dass die entsprechenden Ethernet-Schnittstellen,<br />

durch die Sie die Pakete<br />

leiten wollen, aktiviert sind.<br />

Anschließend prüfen Sie die Einstellung<br />

zum Standard-Gateway, um sicherzugehen,<br />

dass Sie auch einen Zugang<br />

zum Internet haben. Vergewissern Sie<br />

sich, dass im Konfigurationsfenster HTTP<br />

Proxy | HTTP Capturing Rules die Interfaces<br />

eingetragen und die Dienste aktiviert<br />

sind. Der Proxy-Server zeigt in diesem<br />

Fall im Feld Status den grünen<br />

Schriftzug ACTIVE an.<br />

AV-Signaturen<br />

In einem letzten Schritt vergewissern Sie<br />

sich, dass die Signaturen der Antiviren-<br />

Software auf dem aktuellen Stand sind.<br />

Zeroshell hat nach der Installation von<br />

einem optischen Datenträger oder USB-<br />

Stick veraltete Signaturen mit an Bord,<br />

welche die Distribution nach Aktivieren<br />

des Proxys jedoch eigenständig zu aktualisieren<br />

versucht.<br />

Ist zu diesem Zeitpunkt der Zeroshell-<br />

Rechner nicht korrekt konfiguriert und<br />

hat deshalb keinen Zugriff auf das Internet,<br />

dann sind die Signaturen nicht auf<br />

dem neuesten Stand. Sie sollten daher in<br />

den Einstellungen des Proxys prüfen, ob<br />

ClamAV aktuell ist. Klicken Sie dazu auf<br />

die Schaltfläche Proxy Log, und wählen<br />

Sie oben mittig im Feld Section die Option<br />

freshclam.<br />

Der Log Viewer präsentiert nun alle<br />

zum Update der Virensignaturen nötigen<br />

Informationen. Finden Sie hier im<br />

unteren Bereich der Liste eine Zeile mit<br />

dem Beginn Database updated …, so befinden<br />

sich Ihre Signaturen auf dem aktuellen<br />

Stand.<br />

Stimmen alle Voraussetzungen, steht<br />

einem Test nichts mehr entgegen. Rufen<br />

Sie dazu von einem Client im LAN die<br />

URL http://meineipadresse.de/html/<br />

testvirus.php auf. Hier finden Sie Archive,<br />

die mit einem Testvirus infiziert<br />

6 Die Logdatei zeigt alle problematischen Daten an.<br />

sind. Ein Klick auf eine der Dateien resultiert<br />

bei aktivem ClamAV-Scanner anstelle<br />

des Downloads in einer schlichten<br />

Meldung vom Proxy, dass das Herunterladen<br />

der Datei nicht erlaubt ist 5 .<br />

Zusätzlich besteht die Möglichkeit,<br />

zentral auf dem Zeroshell-System alle<br />

wegen Virenbefalls blockierten Seitenaufrufe<br />

aus dem Intranet anzusehen.<br />

Dazu klicken Sie im Fenster mit den Einstellungen<br />

des Proxy-Servers oben<br />

rechts auf die Schaltfläche AntiVirus Log.<br />

Im Log Viewer zeigt Ihnen Zeroshell<br />

nun alle von ClamAV entdeckte Schadsoftware<br />

ebenso wie die IP-Adresse der<br />

aufrufenden Arbeitsstation, die gesuchte<br />

URL und die Uhrzeit. Das ermöglicht, den<br />

Filter durch sorgfältiges Studieren der<br />

Log-Daten detaillierter zu justieren 6 .<br />

Fazit<br />

Insbesondere in heterogenen Umgebungen<br />

geht von Schadsoftware eine<br />

hohe Gefahr aus. Zeroshell bietet hier<br />

dank des freien Proxys HAVP und der<br />

ebenfalls freien Antiviren-Software<br />

ClamAV einen wirkungsvollen Schutz.<br />

Der Server ermöglicht darüber hinaus<br />

die Option, den Aufruf unerwünschter<br />

Webseiten zu blockieren.<br />

Im Test arbeitete das Duo HAVP/​Clam-<br />

AV mit geringen Latenzzeiten, was den<br />

Schutz stark frequentierter Intranets<br />

mittlerer Größe erlaubt, ohne dass sich<br />

der Zugriff auf Webseiten merklich verlangsamt.<br />

Dank der grafischen Oberfläche<br />

haben Sie den Proxy und die Antiviren-Software<br />

innerhalb weniger Minuten<br />

konfiguriert. (agr) n<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30471<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

67


Schwerpunkt<br />

UBUNTU<br />

user<br />

Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

Acht günstige Spiele aus dem Ubuntu Software Center<br />

Spiele, Spaß<br />

und Spannung<br />

Zwar zieht die Steam-Plattform immer mehr Spielehersteller<br />

an, doch stehen einige kommerzielle Spiele weiterhin<br />

ausschließlich im Ubuntu Software Center bereit.<br />

Die acht besten stellen wir vor. Tim Schürmann<br />

© ratoca, 123RF<br />

68 www.linux-user.de<br />

10.2013


Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

UBUNTU<br />

Schwerpunkt<br />

user<br />

Sind Sie Knobelexperte, Fingerakrobat<br />

oder Action-Liebhaber? Dann sollten Sie<br />

unbedingt einen Blick auf die kommerziellen<br />

Spiele im Ubuntu Software Center<br />

werfen. Gegenüber ihren kostenlosen<br />

Pendants bieten sie eine bessere Grafik<br />

und ausgefallenere Spielekonzepte. Der<br />

Kauf über das Ubuntu Software Center<br />

bietet zudem den Vorteil, dass das Auflösen<br />

aller Abhängigkeiten automatisch<br />

erfolgt. Einige Spiele sind sogar exklusiv<br />

nur dort erhältlich.<br />

Das galt zum Redaktionsschluss auch<br />

für die im Folgenden vorgestellten acht<br />

Titel. Sie decken die verschiedensten<br />

Genres ab und kosten jeweils nicht mehr<br />

als 10 US-Dollar. Welche Konsequenzen<br />

der Umstieg Canonicals vom altbewährten<br />

X-Server hin zu Mir demnächst für<br />

Spielenutzer mitbringt, erörtert der Kasten<br />

Raumstation.<br />

Broken Sword: Director’s Cut<br />

1 Hier stehen im Broken Sword: Director’s Cut die Protagonisten Nico und George vor<br />

dem zerstörten Café. In Gesprächen wählen Sie mit einem Klick auf eines der Symbole<br />

das gewünschte Thema.<br />

George Stobbart genießt gerade vor einem<br />

malerischen Café seinen Urlaub in<br />

Paris, als plötzlich ein Clown in das Lokal<br />

stürmt, eilig wieder herausläuft und die<br />

Schaufenster in einer gewaltigen Bombenexplosion<br />

bersten. Das Ergebnis ist<br />

ein komplett verwüstetes Lokal und ein<br />

Toter 1 . Da die Polizei reichlich inkompetent<br />

zu Werke geht, stellt George kurzerhand<br />

eigene Ermittlungen an. Tatkräftige<br />

Unterstützung erhält er dabei<br />

von der Journalistin Nicole Collard, die<br />

eine große Geschichte wittert.<br />

Warum der Clown in das Café stürmte<br />

und welche Rolle die Tempelritter dabei<br />

spielen, das klärt das Point-and-Click-Adventure<br />

Broken Sword û, hierzulande<br />

besser bekannt unter seinem deutschen<br />

Titel Baphomets Fluch. Die erste Version<br />

des Spiels erschien bereits im Jahr 1996<br />

für Windows. Im Software Center verkauft<br />

Hersteller Revolution jetzt einen<br />

überholten und um zusätzliche Szenen<br />

erweiterten Director’s Cut. Unter anderem<br />

darf der Spieler nun mehrfach mit<br />

Nico rätseln und erfährt, was vor der Explosion<br />

geschah 2 .<br />

Die beiden Protagonisten dirigieren<br />

Sie mit dem Mauszeiger durch die liebevoll<br />

gezeichneten Szenen. Ein Klick auf<br />

einen Gegenstand genügt, damit der<br />

Held ihn benutzt oder aufhebt. Auf diese<br />

Weise müssen Sie zahlreiche Rätsel lösen,<br />

was wiederum die Hintergrundgeschichte<br />

sukzessive vorantreibt.<br />

Baphomets Fluch zählt zu Recht zu<br />

den bekanntesten und beliebtesten<br />

Adventures aller Zeiten. Die Grafik des<br />

Director’s Cut ist immer noch ansehnlich,<br />

wenngleich sie auf modernen Monitoren<br />

je nach Fenstergröße entweder<br />

extrem klein oder arg verwaschen wirkt.<br />

Zur Atmosphäre tragen die professionellen<br />

deutschen Sprecher bei, die allerdings<br />

meistens ziemlich dumpf klingen.<br />

Darüber hinweg trösten die durchweg<br />

logischen Rätsel sowie die extrem spannend<br />

inszenierte Hintergrundgeschichte.<br />

Wer schon die alte Windows-Version<br />

besitzt, kann sie übrigens mit ScummVM<br />

zum Leben erwecken und sich so die<br />

5 US-Dollar für den Director’s Cut sparen.<br />

Capsized<br />

Langenscheidt übersetzt den englischen<br />

Begriff „capsizing“ als kentern. Im gleichnamigen<br />

Spiel û passiert genau das einem<br />

Raumschiff. In allerletzter Sekunde<br />

Readme<br />

Acht hochwertige Spiele stehen derzeit nur<br />

in Ubuntus Software Center zur Installation<br />

bereit: Broken Sword: Director’s Cut, Capsized,<br />

Dear Esther, Edge, Gravi, Hotline<br />

Miami, Motorbike und RC Mini Racers.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

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Schwerpunkt<br />

UBUNTU<br />

user<br />

Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

Dieses Vorhaben erschweren jedoch<br />

zahlreiche feindlich gesinnte Kreaturen.<br />

Der Astronaut wehrt sich zunächst nur<br />

mit einer einfachen Pistole, aber immerhin<br />

mit unendlich viel Munition. Zusätzlich<br />

steht ihm eine Art Plasma-Haftseil<br />

zur Verfügung, mit dem er sich über tiefe<br />

Abgründe hinwegschwingt oder aber dicke<br />

Steine vor Höhleneingängen wegzieht<br />

3 . Apropos Höhlen: Einige von ihrettet<br />

sich die Mannschaft mithilfe von<br />

Rettungskapseln auf einen dicht bewaldeten<br />

Planeten. Dort übernimmt nun<br />

der Spieler die Kontrolle des Astronauten<br />

aus der Rettungskapsel. Auf der Suche<br />

nach den übrigen Be satz ungs mitglie<br />

dern lässt er den kleinen Helden<br />

durch die wunderschön gezeichnete,<br />

zweidimensionale Dschungellandschaft<br />

hüpfen und rennen.<br />

Gurkensalat<br />

Noch vor einem Jahr bot das Software<br />

Center fast ausschließlich hochklassige<br />

Spiele zum Kauf an. Mittlerweile stapeln<br />

sich dort jedoch auch kostenpflichtige<br />

Titel, die selbst als kostenfreie Varianten<br />

nicht der Rede wert wären.<br />

Mit den Verkaufsplattformen Desura û<br />

und Steam û erhielt das Software Center<br />

zudem zwei mächtige Konkurrenten. Viele<br />

Spiele, wie etwa das berühmte Portal û,<br />

erscheinen nur noch exklusiv auf Steam.<br />

Im Software Center bleiben somit zahlreiche<br />

Gurken zurück. Bevor Sie ein Spiel<br />

kaufen, sollten Sie sich daher auf den Seiten<br />

der Hersteller nach bereitgestellten Informationen,<br />

Bildern und Videos umsehen.<br />

Werfen Sie auch unbedingt noch einmal<br />

einen Blick auf den Preis: So verlangen<br />

die Macher des Strategiespiels Eufloria HD<br />

satte 50 000 US-Dollar, die ein paar unbedarfte<br />

Klicks tatsächlich abbuchen û. Der<br />

Entwickler Omni Systems wählte diesen<br />

Preis absichtlich so hoch, um Käufer abzuschrecken<br />

– angeblich sei die Entwicklung<br />

des Spiels noch nicht abgeschlossen. Unklar<br />

bleibt, warum Omni Systems das<br />

Spiel dann überhaupt schon im Software<br />

Center anbietet und Canonical diesen<br />

Nonsense-Eintrag freischaltet.<br />

2 Anders als das Original beginnt der Director’s Cut von Broken Sword noch vor der Explosion<br />

im Café mit Nicos Berichterstattung über einen Mord. Hier untersucht Nico eine<br />

zertrümmerte Scheibe.<br />

3 Um über den Abgrund zu gelangen, zieht der Astronaut den Stein einfach mit dem<br />

Plasma-Haftseil zu sich herüber.<br />

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10.2013


Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

UBUNTU<br />

Schwerpunkt<br />

user<br />

nen erhellt lediglich die Taschenlampe<br />

des Helden, was die Orientierung zusätzlich<br />

erschwert.<br />

Im Laufe des Spieles findet der Protagonist<br />

aber zahlreiche weitere Waffen,<br />

da runter eine Plasma-Kanone und ein<br />

Maschinengewehr. Im Gegensatz zur<br />

Standardwaffe verbrauchen diese<br />

Schießprügel jedoch Munition, die der<br />

Held erst mühsam aufspüren und einsammeln<br />

muss. Zu den Waffen gesellen<br />

sich verschiedene nützliche Gegenstände,<br />

wie ein Schutzschild oder ein Jet-<br />

Pack. Letzterer ermöglicht es dem Astronauten,<br />

einige Zeit durch die Luft zu fliegen<br />

– vorausgesetzt, er hat zuvor genügend<br />

Treibstoff gefunden.<br />

Im Laufe des Spieles lassen sich spezielle<br />

Arcade-Spielmodi freischalten. In ihnen<br />

gilt es, unter anderem ohne Waffen<br />

auszukommen oder sich möglichst lange<br />

gegen unablässig heranströmende<br />

Gegner zu wehren. Es gibt sogar einen<br />

Mehrspielermodus, in dem zwei Spieler<br />

vor einem Bildschirm sitzen und sich<br />

gegenseitig zu eliminieren versuchen.<br />

Das actionbetonte Jump-and-Run-<br />

Spiel 4 wartet mit riesigen verschlungenen<br />

Leveln auf, klaut allerdings viele<br />

Spielelemente bei der Konkurrenz. Die<br />

beiden Entwickler Jesse McGibney und<br />

Lee Vermeulen begeistern vor allem mit<br />

den extrem detaillierten, liebevoll gezeichneten<br />

Landschaften. Aufgrund einiger<br />

ziemlich schwierig zu meisternden<br />

Stellen richtet sich das 10 US-Dollar teure<br />

Capsized an erfahrene oder frustresistente<br />

Plattform-Akrobaten, die gerne<br />

neue Planeten erkunden.<br />

4 Capsized besticht vor allem durch seine riesigen, detailreichen Landschaften, in denen<br />

man allerdings die Gegner auch schnell einmal übersieht. Haben Sie hier Held und<br />

Ureinwohner gefunden?<br />

ler, der Briefe an eine Frau namens Esther<br />

sowie Tagebucheinträge der verschwundenen<br />

Bewohner vorliest. Der Erzähler ergreift<br />

immer dann das Wort, wenn der<br />

Spieler bestimmte Punkte auf der Insel<br />

erreicht. Welchen Text er dann rezitiert,<br />

hängt vom Zufall ab. Um die komplette<br />

Geschichte zu erfahren, muss man die<br />

Insel folglich mehrfach durchqueren.<br />

Dear Esther<br />

Für 10 US-Dollar setzt der Entwickler The<br />

Chinese Room den Spieler auf einer verlassenen<br />

Insel aus 5 . Dort vollkommen<br />

allein gelassen und ohne jegliche Erinnerung<br />

bleibt ihm nichts anderes übrig,<br />

als die wenig idyllische Umgebung auf<br />

eigene Faust zu erkunden.<br />

Dabei trifft er immer wieder auf eingefallene<br />

Häuser, rostende Schiffswracks,<br />

merkwürdige Wandmalereien und andere<br />

Hinterlassenschaften der früheren Bewohner.<br />

Ab und zu meldet sich ein Erzäh-<br />

5 In Dear Esther streifen Sie über eine völlig verlassene Insel. Meist schlendern Sie dabei<br />

wie hier an der Küste entlang.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

71


Schwerpunkt<br />

UBUNTU<br />

user<br />

Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

Atmosphäre. Zusammen mit der nur<br />

häppchenweise erzählten Geschichte<br />

treibt sie den Spieler dazu an, immer<br />

weiterzulaufen. Außerdem gibt es da<br />

auch noch diesen mysteriösen blinkenden<br />

Sendemast in der Ferne …<br />

Da eine deutsche Übersetzung des<br />

Spieles fehlt, erfordert Dear Esther vom<br />

Spieler sehr gute Englischkenntnisse.<br />

Das nach dem einstündigen Spaziergang<br />

über den Bildschirm flimmernde<br />

Ende dürfte zudem viele Spieler enttäuschen<br />

– sofern sie Dear Esther nicht als<br />

Kunstwerk verstehen.<br />

6 In Edge muss der Spieler mit dem hier lilafarbenen Würfel die kleineren Würfel einsammeln<br />

und dann zu einem Ziel rollen. Die umrandeten, weißen Blöcke bewegen sich.<br />

Dear Esther û wandelt auf dem schmalen<br />

Grat zwischen Spiel und Kunstwerk.<br />

Obwohl die 3D-Grafik und Steuerung an<br />

ein Horror-Actionspiel erinnern, gibt es<br />

weder Gegner noch ein explizites Spielziel.<br />

Der Spieler darf lediglich eine bedrückende<br />

Landschaft durchstreifen,<br />

wobei er sukzessive mehr über die Insel<br />

und seine Bewohner erfährt. Die Grafik<br />

ist zwar nicht auf der Höhe der Zeit, erzeugt<br />

aber eine extrem stimmungsvolle<br />

Edge<br />

In Edge û rollt der Spieler einen Würfel<br />

durch eine aus weißen Quadern aufgebaute,<br />

dreidimensionale Landschaft 6 .<br />

Das Ziel der Reise ist ein farbiges Quadrat,<br />

das zum nächsten von insgesamt<br />

48 Leveln führt.<br />

Den Weg dorthin spicken allerdings<br />

zahlreiche Hindernisse. So brechen lose<br />

Platten unter dem Würfel weg, Quader<br />

bewegen sich hin und her oder ändern<br />

sogar ihre Formation. Das Überrollen<br />

von Schaltern verändert die Landschaft<br />

oder löst Fallen aus. In jedem Level gibt<br />

es zudem kleine blinkende Würfel, die<br />

Raumstation<br />

Ubuntu 13.10 setzt erstmals Mir als Unterbau<br />

für die grafische Benutzeroberfläche<br />

ein. Dank einer Zwischenschicht namens<br />

XMir starten bisherige X11-Programme<br />

und somit auch Spiele weiterhin. Dummerweise<br />

arbeitet Mir jedoch nur mit den<br />

freien Grafikkartentreibern zusammen.<br />

Die wiederum bieten auf AMD- und<br />

Nvidia-Grafikkarten nicht alle Funktionen<br />

ihrer proprietären Kollegen an.<br />

In der Folge laufen die meisten Spiele<br />

nicht, nur sehr langsam oder mit abgespeckter<br />

Grafikpracht. Nach den derzeitigen<br />

Plänen soll Ubuntu 13.10 deshalb<br />

von Mir auf X11 zurückwechseln können.<br />

Ab Ubuntu 14.04 fällt aber auch diese<br />

Notlösung weg. Sollten die proprietären<br />

Treiber dann Mir immer noch ignorieren,<br />

werden Spieler auf eine andere Distribution<br />

umsteigen müssen.<br />

7 Die blaue Energiekugel rechts an der Wand zieht den kleinen einäugigen Gravi an.<br />

72 www.linux-user.de<br />

10.2013


Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

UBUNTU<br />

Schwerpunkt<br />

user<br />

Auch wenn Hotline Miami û auf den<br />

ersten Blick aussieht wie ein relativ<br />

harmloses Arcade-Spiel aus den frühen<br />

90er-Jahren, handelt es sich um ein<br />

knallhartes und äußerst brutales<br />

Actionspiel für Erwachsene.<br />

Der Spieler übernimmt in ihm die Rolle<br />

eines namenlosen Auftragskillers, der<br />

im Jahr 1989 in Miami arbeitet. Seine<br />

Mordaufträge enden durchweg in einem<br />

Amoklauf, in dem er im Alleingang zahlsich<br />

nur schwer erreichen lassen und die,<br />

komplett eingesammelt, Bonus-Level<br />

freischalten.<br />

Seinen eigenen Würfel kippt der Spieler<br />

über die Kanten eines Quaders. Dabei<br />

klappt der Klotz entweder nach oben<br />

um oder stürzt in die Tiefe. Mit etwas<br />

Feingefühl lässt er sich auch auf der Kante<br />

balancieren – in einigen Situationen<br />

sogar zwingend. Rollt der Würfel versehentlich<br />

über den Rand der Landschaft,<br />

setzt ihn das Spiel wieder ein paar Blöcke<br />

vor die verpatzte Stelle. Edge stoppt<br />

allerdings die Zeit, die der Spieler zum<br />

Durchqueren des Levels benötigt. Für<br />

Balanceakte auf der Kante zieht das Spiel<br />

netterweise wieder etwas Zeit ab. Wer<br />

besonders schnell war, erhält schließlich<br />

eine Auszeichnung und Zugang zu weiteren<br />

Bonus-Leveln.<br />

Edge stellt für knapp 6 US-Dollar eine<br />

pfiffige Mischung aus Knobel- und Geschicklichkeitsspiel<br />

dar. Schnell ertappt<br />

man sich dabei, nur noch eben den<br />

nächsten Level lösen zu wollen. Der<br />

Schwierigkeitsgrad steigt genau im richtigen<br />

Maße an, für Abwechslung sorgen<br />

immer wieder neue Spielelemente und<br />

Hindernisse. Die Zeitmessung motiviert<br />

dazu, bereits gespielte Level noch einmal<br />

in Angriff zu nehmen. Die karge Grafik<br />

besitzt ihren ganz eigenen Charme,<br />

die piepsige Retro-Musik zerrt durch die<br />

ständige Wiederholung allerdings<br />

irgendwann an den Nerven.<br />

der Protagonist wie Indiana Jones mit<br />

seiner Peitsche über Abgründe und Fallen<br />

hinweg oder gelangt auf höher gelegene<br />

Plattformen.<br />

Der Spieler muss seinen kleinen Ball<br />

durch insgesamt 40 Level navigieren, in<br />

denen der Schwierigkeitsgrad ziemlich<br />

schnell ansteigt. Um die späteren Level<br />

zu bestehen, ist eine gute Kontrolle des<br />

Gravitations-Lassos Voraussetzung. Grafisch<br />

bietet das 8 US-Dollar teure Gravi<br />

wenig Abwechslung. Die Kulisse besteht<br />

aus einer kargen Industrieanlage, die<br />

sich zudem aus den immer gleichen Blöcken<br />

zusammensetzt. Ungeachtet dessen<br />

gibt sich Gravi als ein netter Geschicklichkeitstest<br />

für zwischendurch.<br />

Hotline Miami<br />

Gravi<br />

Während in Edge ein Würfel durch die<br />

Landschaft holpert, steuert der Spieler in<br />

Gravi û eine einäugige blaue Energiekugel<br />

7 . Die gilt es, durch eine mit zahlreichen<br />

Fallen gespickte Testanlage für<br />

Außerirdische zu navigieren. Zu den dort<br />

vorhandenen tödlichen Hindernissen<br />

gehören unter anderem Flammen, Stacheln,<br />

Walzen und Lavaströme.<br />

Im Gegensatz zu anderen Jump-and-<br />

Run-Spielen hüpft der Held hier nicht.<br />

Stattdessen besitzt er eine Art Magnet-<br />

Lasso: Per Mausklick schleudert der kleine<br />

Ball eine blaue Plasmakugel heraus,<br />

die dann umgehend den blauen Ball zu<br />

sich zieht. Auf diese Weise hangelt sich<br />

8 Wer's mag: In Hotline Miami gibt es für besonders brutale Morde Punkte. Zudem geizt<br />

das Ballerspiel im Arcade-Stil auch nicht gerade mit Pixelblut.<br />

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Schwerpunkt<br />

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user<br />

Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

reiche Gegner ins Jenseits prügeln oder<br />

schießen muss 8 . Jeder Treffer eines<br />

Gegners wirkt dabei tödlich: Sobald der<br />

Antiheld stirbt, fängt der komplette Abschnitt<br />

von vorne an. Folglich gilt es, den<br />

Weg durch das Level gut zu planen, mitunter<br />

ist sogar Schleichen angeraten.<br />

Zur Wehr setzt sich der Antiheld mit bis<br />

zu 35 verschiedenen Waffen, angefan-<br />

gen bei einem Bleirohr bis hin zur Pumpgun.<br />

Letztgenannte erzeugt allerdings<br />

auch Lärm, der wiederum patrouillierende<br />

Gegner anlockt.<br />

Im Laufe des Spieles erhält der Akteur<br />

immer wieder Tiermasken, von denen er<br />

vor jedem Einsatz eine überzieht. Jede<br />

Maske verleiht dem Auftragskiller ganz<br />

bestimmte Fähigkeiten oder verändert<br />

9 Motorbike:<br />

Über die Kiste<br />

kommen Sie nur,<br />

indem Sie das Gewicht<br />

des Fahrers<br />

geschickt und im<br />

richtigen Moment<br />

verlagern.<br />

0 In RC Mini Racers<br />

gilt es, diese<br />

Checkpoints zwingend<br />

in der richtigen<br />

Reihenfolge zu<br />

durchfahren. Den<br />

Weg zum nächsten<br />

Punkt zeigt der<br />

grüne Pfeil links unten<br />

an.<br />

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10.2013


Ubuntu-Spiele-Roundup<br />

UBUNTU<br />

Schwerpunkt<br />

user<br />

sogar seine Umgebung. So lässt ihn beispielsweise<br />

die Hasenmaske schneller<br />

rennen, während die Schweinemaske<br />

mehr Waffen auf der Karte deponiert.<br />

Für jeden Mord und insbesondere das<br />

gewählte Vorgehen schreibt das Spiel<br />

Punkte gut. Je nach erreichtem Punktestand<br />

erhält der Spieler weitere Waffen.<br />

Wer hinter den ganzen Mordaufträgen<br />

steckt, enthüllt das Spiel nur scheibchenweise.<br />

Vor allem durch Zwischensequenzen<br />

im Comic-Stil entspinnt sich<br />

um den Protagonisten eine spannende<br />

Geschichte, die Sie sogar mit Ihrem eigenen<br />

Handeln beeinflussen. Je nachdem<br />

wie Sie sich entscheiden, sehen Sie eines<br />

von zwei alternativen Enden.<br />

Der Schwierigkeitsgrad des 10 US-Dollar<br />

teuren Spieles ist extrem hoch: In der<br />

Regel gilt es, die einzelnen Abschnitte<br />

mehrmals zu wiederholen. Hotline Miami<br />

glorifiziert Gewalt und Mord, ist aber<br />

gleichzeitig so surreal, dass es schon fast<br />

als Satire durchgeht. Die Hintergrundgeschichte<br />

regt zudem gerade im zweiten<br />

Teil ein wenig zum Nachdenken an.<br />

Motorbike<br />

Das Spiel Motorbike û legt dem geneigten<br />

Motocross-Fahrer geradezu<br />

aberwitzige Hindernisse in den Weg.<br />

Unter anderem gilt es, Frachtcontainer<br />

und Bierfässer zu überspringen 9 sowie<br />

durch verrostete Loopings einer<br />

Achterbahn zu brettern. Neben explodierenden<br />

Minen gibt es auch Plattformen,<br />

die der Fahrer nur durch einen<br />

Salto rückwärts erreicht. Ziel ist es, möglichst<br />

schnell den vom Spiel gestellten<br />

Parcours zu durchqueren. Insgesamt<br />

warten in Motorbike 80 Strecken mit<br />

rasch ansteigendem Schwierigkeitsgrad.<br />

Wem das nicht ausreicht, der darf sich<br />

mit dem eingebauten Editor eigene<br />

Herausforderungen basteln.<br />

Auch wenn das Spiel eine recht ansehnliche<br />

3D-Grafik bietet, sieht der<br />

Spieler das Geschehen ausschließlich<br />

von der Seite. Mit einem Tastendruck<br />

lässt sich die Kamera immerhin leicht<br />

schräg stellen. Für optische Abwechslung<br />

sorgen verschiedene Landschaften,<br />

darunter etwa ein Canyon oder eine eisi-<br />

ge Berglandschaft. Die Steuerung beschränkt<br />

sich auf die vier Pfeiltasten,<br />

über die Sie Gas geben, bremsen und<br />

den Fahrer nach vorne und hinten beugen.<br />

Da stets die physikalischen Gesetze<br />

gelten, hat jede Gewichtsverlagerung<br />

auch Auswirkungen auf das Verhalten<br />

der Maschine.<br />

Für 5 US-Dollar bekommt man mit<br />

Motorbike ein ziemlich forderndes Geschicklichkeitsspiel,<br />

dessen Streckeneditor<br />

zum stundenlangen Basteln und Tüfteln<br />

einlädt. Wer erst einmal das Spiel<br />

antesten möchte, der findet auf der Projektseite<br />

û eine Trial-Version.<br />

RC Mini Racers<br />

Motorsportspaß im Miniaturformat verspricht<br />

der Entwickler Decane: In RC<br />

Mini Racers û heizt der Spieler mit einem<br />

kleinen, ferngesteuerten Auto<br />

durch die Straßen und Gärten eines<br />

amerikanischen Vorortes 0 . Um möglichst<br />

schnell ins Ziel zu gelangen, darf<br />

er die gegnerischen Wagen mit Raketen<br />

und Minen in die Luft sprengen oder<br />

dank eines Turbo-Boosters davonziehen.<br />

Gemeinerweise stehen diese Hilfsmittel<br />

nur limitiert zur Verfügung, sodass man<br />

sich genau überlegen muss, wann es<br />

welche davon einzusetzen gilt. Neben<br />

den klassischen Rennen, die über fünf<br />

Runden gehen, gibt es auch Sprints, bei<br />

denen man einfach so schnell wie möglich<br />

das Ziel erreichen muss.<br />

Neue Strecken und Wagen muss der<br />

Spieler freikaufen. Das Geld dafür verdient<br />

er sich durch Siege, Rempler und<br />

gezieltes Ausschalten beziehungsweise<br />

Abschießen der Gegner. Boni gibt es unter<br />

anderem für die schnellste Rundenzeit<br />

und einen Sieg. In der Werkstatt<br />

(dem Pimp-Shop) darf der Spieler seinem<br />

Vehikel schließlich noch andere Reifen<br />

aufziehen und es umlackieren.<br />

Optisch wirkt RC Mini Racers veraltet.<br />

Man sieht dem Spiel deutlich an, dass<br />

Hersteller Decane es ursprünglich für<br />

Smartphones entwickelte. Aufgrund der<br />

mangelnden Abwechslung motiviert<br />

das Spiel zudem nicht langfristig; da hilft<br />

auch kein simpler Pimp-Shop. Nichtsdestotrotz<br />

bietet RC Mini Racers schnelle,<br />

unkomplizierte und durchaus auch spaßige<br />

Rennen, für die 5 US-Dollar durchaus<br />

angemessen erscheinen. Dank der<br />

vier verschiedenen Schwierigkeitsgrade<br />

haben auch Einsteiger eine Chance.<br />

Fazit<br />

Im Software Center finden Spieler einige<br />

exklusive Perlen, die an den Bildschirm<br />

fesseln, einfach nur etwas die Zeit verkürzen<br />

oder sogar richtig süchtig machen.<br />

Dabei ist für jeden Geschmack etwas<br />

dabei: Adventure-Fans werden mit<br />

Broken Sword und Dear Esther glücklich,<br />

das Jump-and-Run-Genre bedienen Capsized<br />

und Gravi, Knobelfreunde greifen<br />

zu Edge, während Motorsportfreunde<br />

wahlweise mit Motorbike oder den RC<br />

Mini Racers auf die Piste gehen. (tle) n<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 29930<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

75


Netz&System<br />

AcetoneISO<br />

ISO-Images erzeugen und bearbeiten<br />

Individualist<br />

© EichingerHannes, 123RF<br />

Um ISO-Images zu erzeugen<br />

und zu bearbeiten, braucht<br />

man spezielle Werkzeuge.<br />

AcetoneISO bietet dabei<br />

Funktionen, die sogar das<br />

Bearbeiten von Multimedia-<br />

Dateien ermöglichen.<br />

Erik Bärwaldt<br />

Readme<br />

ISO-9660-Abbilder sind jedem Linux-Anwender<br />

geläufig. Sollen sie jedoch nicht nur<br />

auf eine DVD oder CD gebrannt, sondern<br />

zuvor auch noch bearbeitet werden, bietet<br />

sich AcetoneISO als Allround-Werkzeug an.<br />

ISO-Images sind aus dem Linux-Universum<br />

nicht mehr wegzudenken. Sie bieten<br />

nicht zuletzt die Möglichkeit, ein<br />

komplettes Distributionsabbild auf CD/​<br />

DVD zu brennen, und bilden deswegen<br />

seit jeher eines der wichtigsten Medien<br />

zur Verbreitung des freien Betriebssystems.<br />

Daneben dienen sie inzwischen<br />

oft als Grundlage für das Anlegen eines<br />

bootfähigen USB-Sticks, und schließlich<br />

lassen sie sich auch in virtuellen Maschinen<br />

direkt nutzen.<br />

Das kleine Programm AcetoneISO ermöglicht,<br />

jedes ISO-Abbild den individuellen<br />

Bedürfnissen anzupassen: Damit<br />

erzeugen Sie aus einem Standard-Image<br />

schnell und einfach Ihr ganz persönliches<br />

Betriebssystem – und AcetoneISO<br />

kann noch einiges mehr. Das Programm<br />

findet sich in den Repositories aller gängigen<br />

Distributionen, aus denen Sie es<br />

samt aller Abhängigkeiten bequem über<br />

den jeweiligen Paketmanager einrichten.<br />

Im Bedarfsfall finden Sie unter<br />

http:// sourceforge. net/ projects/​<br />

acetoneiso/ den Quellcode der Software.<br />

Los geht’s<br />

Beim ersten Start öffnet AcetoneISO<br />

nach einem entsprechenden Hinweis zunächst<br />

ein Fenster mit unterschiedlichen<br />

Einstelloptionen 1 . Hier geben Sie im<br />

ersten Schritt den zu verwendenden Dateimanager<br />

an. Danach sollten Sie die<br />

grundlegenden Datenbankeinstellungen<br />

vornehmen. In der Vorgabe verortet<br />

AcetoneISO alle Images im Home-Ordner<br />

des aktiven Benutzers.<br />

Arbeiten Sie allerdings viel mit ISO-<br />

Abbildern, empfiehlt es sich, diese in einer<br />

eigenen Partition in einem dedizierten<br />

Ordner abzulegen. Ansonsten besteht<br />

die Gefahr, dass sich die Speicherkapazität<br />

des Home-Verzeichnisses<br />

schnell erschöpft.<br />

Hängepartie<br />

Um auf ein ISO-Image zuzugreifen, müssen<br />

Sie es erst einmal in die vorhandene<br />

Dateistruktur einbinden. Da ISO-Images<br />

nicht über ein herkömmliches Dateisystem<br />

verfügen, gilt es, das Abbild manuell<br />

einzuhängen. Das Programmfenster<br />

von AcetoneISO zeigt dazu auf der rechten<br />

Seite alle ISO-Archive an, die im per<br />

Einstellung definierten Pfad liegen.<br />

Ein Doppelklick auf das gewünschte<br />

Image oder ein Rechtsklick über dem<br />

Abbild und die anschließende Wahl des<br />

Menüpunktes mount bin-<br />

78 www.linux-user.de<br />

10.2013


AcetoneISO<br />

Netz&System<br />

den das ISO ins System ein. In Ihrem<br />

Home-Ordner legt AcetoneISO dazu einen<br />

Unterordner virtual‐drives/ an,<br />

der mehrere weitere Ordner beinhaltet.<br />

Nach dem Einhängen des betreffenden<br />

ISO-Images trägt AcetoneISO es im Programmfenster<br />

in den Bereich Abbilder<br />

einhängen sowie in die History unten im<br />

Fenster ein.<br />

Ein Doppelklick auf das eingehängte<br />

Abbild öffnet nun den Dateimanager<br />

und macht die Datenstruktur wie auf einem<br />

herkömmlichen Laufwerk zugänglich.<br />

Alternativ starten Sie den Dateimanager<br />

durch einen Rechtsklick auf das<br />

Abbild und das anschließende Auswählen<br />

der Option open in file<br />

manager 2 . AcetoneISO erlaubt dabei<br />

das simultane Arbeiten mit bis zu sieben<br />

ISOs, die es jeweils in eigenen durchnummerierten<br />

Verzeichnissen im Ordner<br />

virtual‐drives/ öffnet.<br />

Um ein gemountetes ISO-Image nach<br />

dem Bearbeiten aus dem System auszuhängen,<br />

klicken Sie einfach auf die<br />

Schaltfläche Aushängen .<br />

Nach einer Sicherheitsabfrage<br />

kann auf das Abbild nicht mehr zugegriffen<br />

werden.<br />

Eigene Images<br />

Mit AcetoneISO verwalten Sie nicht nur<br />

bestehende ISO-Abbilder, sondern stellen<br />

im Handumdrehen auch eigene Images<br />

zusammen. Dazu speichern Sie zunächst<br />

die für das neue ISO-Image vorgesehenen<br />

Dateien in einer Ordnerstruktur<br />

auf der Festplatte. Anschließend<br />

klicken Sie oben links im Programmfenster<br />

auf den Menüpunkt Abbild-Umwandlung<br />

| Abbild in ISO umwandeln. Die Software<br />

führt Sie nun in zwei Schritten über<br />

Dateiauswahl und Abbildablage hin zum<br />

fertigen ISO-Image.<br />

Umgekehrt beherrscht das Programm<br />

die Option, aus einem optischen Datenträger<br />

schnell und unkompliziert ein<br />

ISO-Abbild herzustellen. Dazu geben Sie<br />

lediglich über das Menü Abbild-Umwandlung<br />

| ISO aus CD/​DVD erstellen in<br />

einem kleinen Dialog den Pfad zum optischen<br />

Laufwerk an und definieren die<br />

Blockgröße sowie den Namen des anzulegenden<br />

Abbildes. Auf diese Weise lassen<br />

sich nicht nur Daten-DVDs nutzen,<br />

sondern auch Audio- und Spiele-CDs<br />

(auch solche der Playstation-1).<br />

AcetoneISO speichert anschließend<br />

die Inhalte des optischen Mediums in einem<br />

Abbild ab, wobei je nach Umfang<br />

der Daten durchaus geraume Zeit verstreichen<br />

kann. Vorsicht ist jedoch geboten,<br />

wenn es sich beim Quelldatenträger<br />

um ein bootfähiges Medium handelt:<br />

Um ein solches CD/​DVD in ein ISO-Abbild<br />

zu konvertieren, verwenden Sie das<br />

Menü Werkzeuge.<br />

Im Untermenü Bootfähigkeit | Bootfähiges<br />

Abbild entpacken fragt die Software<br />

zunächst nach dem Quellmedium, das<br />

Sie mit einem Klick auf die Schaltfläche<br />

CD/​DVD definieren. Nun fragt Acetone-<br />

ISO noch den Speicherort auf der Festplatte<br />

ab, danach konvertiert und speichert<br />

es das bootfähige Abbild. Insbesondere<br />

bei DVDs kann dieser Vorgang<br />

längere Zeit beanspruchen.<br />

Es brennt!<br />

Aus AcetoneISO heraus brennen Sie ISO-<br />

Abbilder ohne Umwege über externe<br />

Software direkt auf einen optischen<br />

Datenträger. Dazu klicken Sie im Hauptfenster<br />

des Programms oben auf den<br />

Reiter Burn CD/​DVD. AcetoneISO öffnet<br />

nun einen Bereich, in dem Sie lediglich<br />

1 AcetoneISO bietet nur wenige Einstelloptionen.<br />

AcetoneISO 2.3<br />

LU/acetoneiso/<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

79


Netz&System<br />

AcetoneISO<br />

2 Im übersichtlichen Programmfenster von AcetoneISO hängen Sie ISO-Abbilder per<br />

Mausklick ins System ein.<br />

Oft kommt es vor, dass ein fertiges ISO-<br />

Image die Speicherkapazität eines optischen<br />

Datenträgers sprengt. Sie können<br />

daher mit AcetoneISO auch ISO-Abbilder<br />

teilen. Dies bietet sich vor allem dann an,<br />

wenn nur ältere optische Laufwerke mit<br />

geringer Kapazität zur Verfügung stehen.<br />

In diesem Fall splitten Sie über das Menü<br />

Abbildmanager | Abbild teilen | Teilen das<br />

ISO-Image auf. Über dasselbe Menü, jeauswählen<br />

können, ob Sie zunächst einen<br />

wiederbeschreibbaren Datenträger<br />

löschen oder gleich das Abbild auf ein<br />

neues Medium schreiben möchten. Dieses<br />

Medium kann auch mehrfach beschreibbar<br />

sein, wobei AcetoneISO allerdings<br />

Blu-ray-Rohlinge bislang noch<br />

nicht unterstützt. Nach der Eingabe von<br />

Dateinamen und Pfad befördert Acetone<br />

ISO das Image auf das optische<br />

Medium und gibt nach dessen Fertigstellung<br />

eine Meldung aus 3 .<br />

Speicheroptionen<br />

doch den Eintrag Geteiltes Abbild zusammenfügen,<br />

fügen Sie umgekehrt geteilte<br />

Abbilder erneut zusammen.<br />

Über das Menü des Abbild-Managers<br />

können Sie zudem durch Komprimieren<br />

der ISO-Images Platz sparen, insbesondere<br />

wenn diese Texte oder bestimmte<br />

Multimedia-Formate enthalten. Über die<br />

Menüoptionen Abbild komprimieren |<br />

Komprimieren oder Entpacken bearbeiten<br />

Sie die vorhandenen Images und dürfen<br />

diese auch ver- und entschlüsseln.<br />

AcetoneISO bietet dazu einen äußerst<br />

einfach gehaltenen Dialog, in dem Sie lediglich<br />

die Passphrase eingeben und einmal<br />

wiederholen müssen, um ein Image<br />

zu verschlüsseln. Beim Entschlüsseln geben<br />

Sie die Passphrase nur einmal ein.<br />

Das verschlüsselte Image mit der Endung<br />

.gpg legt die Software im vordefinierten<br />

Datenbankverzeichnis ab. Daher sollten<br />

Sie vorab prüfen, ob dort genügend freier<br />

Speicherplatz bereitsteht.<br />

Zu guter Letzt besteht im Abbildungsmanager<br />

auch noch die Möglichkeit,<br />

passwortgeschützte RAR-Archive zu entpacken.<br />

Dazu muss allerdings zwingend<br />

das Paket unrar-nonfree auf dem System<br />

installiert sein. AcetoneISO mahnt gegebenenfalls<br />

zwar dessen Fehlen an, kann<br />

es aber nicht eigenständig nachziehen.<br />

Da das Unrar-Paket jedoch in den gängigen<br />

Distributionen über die „non-free“-<br />

Repositories bereitsteht, können Sie es<br />

bequem über den jeweiligen Paketmanager<br />

installieren.<br />

Multimediales<br />

3 Mit AcetoneISO brennen Sie Images schnell und einfach auf<br />

einen optischen Datenträger.<br />

In den Menüs Video und Audio stellt AcetoneISO<br />

einige nützliche Funktionen<br />

zum Bearbeiten von Multimedia-Inhalten<br />

bereit. Dabei liegt der Schwerpunkt<br />

auf der Datenkonvertierung, wobei das<br />

Programm primär auf Video-DVDs und<br />

Inhalte der Dienste YouTube und Meta-<br />

Cafe fokussiert.<br />

Da AcetoneISO keine eigenen Konvertierroutinen<br />

und Codecs beinhaltet,<br />

müssen Sie zunächst einmal MPlayer<br />

und den dazugehörigen Encoder Mencoder<br />

installieren – beide finden sich in<br />

den Repositories aller gängigen Distributionen.<br />

Anschließend können Sie von<br />

80 www.linux-user.de<br />

10.2013


AcetoneISO<br />

Netz&System<br />

YouTube oder MetaCafe heruntergeladene<br />

Videos, die meist im FLV-Format vorliegen,<br />

über den Menüpunkt Video | FLV<br />

in AVI umwandeln konvertieren. Während<br />

der Konvertierung zeigt AcetoneISO unten<br />

links im Fenster Process Progress den<br />

Fortschritt der laufenden Aktion an.<br />

Auch Video-DVDs und XVID-Videos<br />

können Sie über die entsprechenden<br />

Einträge in der Gruppe Video in einen<br />

XVID-AVI-Container konvertieren. Da das<br />

AVI-Format wesentlich verbreiteter ist als<br />

FLV und zudem AVI-Videos auch von vielen<br />

DVD-Playern abgespielt werden können,<br />

eignen sich die entsprechend konvertierten<br />

Dateien besser zum Archivieren<br />

auf einem optischen Datenträger, der<br />

sowohl auf einem Computer als auch im<br />

Heimkino abgespielt werden kann.<br />

Haben Sie DVD-Abbilder mit multimedialem<br />

Inhalt angelegt und möchten die<br />

darin enthaltenen Videos ansehen, ohne<br />

das Image zuvor konvertieren zu müssen,<br />

dann gelingt das über das Menü<br />

Video | DVD-Abbild wiedergeben | Wiedergeben.<br />

Die Titelauswahl dazu treffen Sie<br />

wie gewohnt im Dateimanager.<br />

Im Menü Audio findet sich lediglich<br />

der Eintrag Tonspur aus Video extrahieren,<br />

der die extrahierte Audio-Spur als<br />

WAV-Datei an einem wahlfreien Ort ablegt.<br />

Sie können so beispielsweise Musikstücke<br />

aus einem Video auskoppeln<br />

und Ihrer Musiksammlung hinzufügen.<br />

Beim Format der Videodatei zeigt sich<br />

AcetoneISO flexibel: Im Test gelang das<br />

Extrahieren der Audio-Spur sowohl aus<br />

AVI- als auch aus FLV-Dateien.<br />

Fazit<br />

AcetoneISO ermöglicht das unkomplizierte<br />

Bearbeiten von ISO-9660-Abbildern,<br />

indem es diese ins herkömmliche<br />

Dateisystem einbindet. Das Abbild lässt<br />

sich anschließend je nach Gusto modifizieren,<br />

ohne dazu umständlich auf der<br />

Kommandozeile zu hantiert.<br />

Neben der Arbeit mit ISO-Images erleichtert<br />

die Software jedoch auch den<br />

Umgang mit Multimedia-Inhalten: Insbesondere<br />

Nutzer von Online-Diensten<br />

wie YouTube oder MetaCafe können mit<br />

AcetoneISO Videos einfach herunterladen<br />

und konvertieren, ohne dabei spezielle<br />

Browser-Plugins oder Zusatzsoftware<br />

bemühen zu müssen. Zudem führt<br />

die Software über das auch von vielen<br />

DVD-Playern genutzte AVI-Format Computer<br />

und Unterhaltungselektronik näher<br />

zusammen.<br />

Zu guter Letzt lassen sich Images jeglicher<br />

Form auf optische Datenträger<br />

brennen, wobei eine nützliche Split-<br />

Funktion auch Anwender mit CD-Laufwerken<br />

nicht im Regen stehen lässt. Als<br />

einziges Manko fällt die stellenweise<br />

noch holprige deutsche Lokalisation auf.<br />

Da AcetoneISO jedoch über eine sehr<br />

übersichtliche Bedienoberfläche verfügt,<br />

erschließen sich die meisten Funktionen<br />

intuitiv. (jlu) n<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

81


Netz&System<br />

Desktop im Eigenbau (Teil 1)<br />

Eigenbau-Desktop mit Pekwm und Bmpanel2<br />

Traumpaar mit Anhang<br />

Keine der etablierten Arbeitsumgebungen<br />

entspricht Ihren<br />

Vorstellungen? Bauen Sie<br />

sich Ihren Desktop einfach<br />

selbst! Mario Blättermann<br />

Gnome ist so komfortabel wie das ungefederte<br />

Hinterrad einer Vorkriegs-Harley,<br />

will aber nicht auf die oft ruckelnden<br />

3D-Effekte verzichten. KDE ähnelt der<br />

Schaltzentrale eines Großkraftwerkes,<br />

bei der es die einzelnen Schalter erst einmal<br />

mühsam zu ergründen gilt. Zudem<br />

verbraucht es ordentlich Systemressourcen<br />

für sich selbst. XFCE ist ein passables<br />

Framework, schießt aber zu kurz. Razor-<br />

QT ist bestenfalls eine <strong>Vorschau</strong> auf das,<br />

was die Zukunft bringt.<br />

Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor?<br />

Dann leiden Sie vermutlich unter einer<br />

Integrierter-Desktop-Allergie. Wärmstens<br />

zu empfehlen ist in diesem Fall, einen<br />

Blick über den erfreulich niedrigen<br />

Gartenzaun der vorkonfigurierten Desktops<br />

der Distributionen zu werfen und<br />

sich eine individuelle Arbeitsumgebung<br />

selbst zusammenzustellen.<br />

Vor knapp zwei Jahrzehnten, als Gnome<br />

und KDE nur als Idee existierten, war<br />

es vor allem dem Engagement der Distributoren<br />

der ersten Stunde zu verdanken,<br />

dass der Benutzer nicht mit einer<br />

Arbeitsumgebung im Regen stand, die<br />

den Namen nicht verdiente.<br />

Der damals neue Fenstermanager<br />

Fvwm markierte den Standard, und zahlreiche<br />

Erweiterungen und Zusatzprogramme<br />

verhalfen zu komfortablen Arbeitsabläufen.<br />

Noch heute bauen sich<br />

Anwender und Entwickler ihre Umgebungen<br />

selbst, ohne eine einzige nicht<br />

konfigurierbare Eigenschaft eines integrierten<br />

Desktops zu benötigen.<br />

Was macht eigentlich einen Desktop<br />

aus? Natürlich die Anwendungen, wobei<br />

Firefox, Thunderbird und Libre<strong>Office</strong> Bei-<br />

spiele für das sind, womit wir tagtäglich arbeiten<br />

und das Drumherum eher in den Hintergrund<br />

tritt. Das ist der Punkt: Letztendlich<br />

brauchen wir etwas, das uns unterstützt, das<br />

wir aber nur bemerken, wenn es nötig ist.<br />

Der Grundstein<br />

Der Fenstermanager gehört in fast jedem Fall<br />

zur Basis, denn er fügt sich als Zwischenschicht<br />

in die Ebene oberhalb des X-Servers<br />

und unterhalb der Anwendungen ein. Er kümmert<br />

sich nicht nur um das Öffnen, Schließen<br />

und Verschieben von Fenstern, sondern bringt<br />

fast immer von Haus aus eine Sitzungsverwaltung<br />

und ein Anwendungsmenü mit. Nur auf<br />

jene, deren Einsatz in integrierten Umgebungen<br />

liegt, trifft das nicht zu – also KWin, Metacity/​Mutter<br />

und XFWM4.<br />

Es fällt schwer, aus der Vielzahl der Fenstermanager<br />

den richtigen zu wählen. Pekwm û<br />

ist einer, der zwar für die meisten Distributionen<br />

als Paket bereitsteht, sich aber auf der<br />

Stufe des ewigen Geheimtipps bewegt.<br />

In der Regel finden Sie nach der Installation<br />

einen entsprechenden Eintrag im Menü des<br />

Dialogs zum Anmelden, sofern das Paket einen<br />

Eintrag für die Software mitbringt. Das<br />

Readme<br />

Etablierte Desktops bestechen durch Komfort,<br />

setzen aber dem Wunsch nach Individualität<br />

Grenzen. Mit dem Duo Pekwm und<br />

Bmpanel2 kreieren Sie dagegen eine Arbeitsoberfläche,<br />

die Sie bei Bedarf komplett<br />

an die eigenen Bedürfnisse anpassen.<br />

© Spekulator, sxc.hu<br />

82 www.linux-user.de<br />

10.2013


Desktop im Eigenbau (Teil 1)<br />

Netz&System<br />

Projekt selbst liefert diesen nicht mit.<br />

Sollten Sie nichts Brauchbares vorfinden,<br />

erstellen Sie eine Datei wie in Listing 1<br />

und speichern diese unter /usr/share/<br />

xsessions/pekwm.desktop.<br />

Starten Sie nun in eine neue Pekwm-<br />

Sitzung, sehen Sie erst einmal gar nichts<br />

– außer das voreingestellte Hintergrundbild<br />

der Distribution. Über einen Klick<br />

mit der rechten Maustaste öffnen Sie das<br />

Menü, das den Zugriff auf einige Standardanwendungen<br />

gewährt. Selbst ein<br />

XDG-basiertes Menü steht aus dem<br />

Stand nicht bereit, lediglich Debian und<br />

dessen Derivate verwenden einen Mechanismus<br />

zur Erzeugung eines Menüs<br />

aus den installierten Anwendungen.<br />

Zwar gibt es bereits seit einigen Jahren<br />

in Form des Projektes Pekwm_<br />

menu_tools û einen Ansatz, um dieses<br />

Problem zu beheben, aber in der Praxis<br />

erwies sich das Erstellen des Menüs als<br />

recht fehlerträchtig und noch zu weit<br />

von echter Alltagstauglichkeit entfernt.<br />

So bleibt Ihnen aber immer noch das<br />

Anlegen eigener Menüeinträge in der<br />

Konfigurationsdatei ~/.pekwm/menu.<br />

Vermutlich werden Sie die meisten der<br />

schon vorhandenen Einträge nicht brauchen,<br />

sodass Sie diese einfach nach Ihren<br />

Erfordernissen ändern. Einen als Untermenü<br />

hinzugefügten Ausschnitt finden<br />

Sie in Listing 2.<br />

Im erwähnten Ordner finden Sie alle<br />

weiteren Stellschrauben für Pekwm:<br />

Standardmäßig folgt die Software dem<br />

Sloppy-Focus-Prinzip. Das bedeutet,<br />

dass der Fokus auf den Fenstern dem<br />

Mauszeiger folgt. In früherer Zeit war dies<br />

in anderen Umgebungen der Standard,<br />

steht aber heute in den großen integrierten<br />

Desktops nur als Option bereit.<br />

Wenn Sie die Fenster lieber durch einen<br />

ausdrücklichen Mausklick aktivieren<br />

wollen, entfernen Sie in der Datei ~/.pekwm/mouse<br />

vor der Zeile INCLUDE = "$_<br />

PEKWM_ETC_PATH/mouse_click das Raute-Zeichen<br />

und setzen es vor die darüberliegende<br />

Zeile.<br />

Mit der Tastatur<br />

Obwohl gegenwärtig vor allem Gnome<br />

dafür in der Kritik steht, den Benutzer regelrecht<br />

an die Tastatur zu zwingen, sollte<br />

andersherum betrachtet ein Fenstermanager<br />

es ermöglichen, diesen mit der<br />

Tastatur zu bedienen. Pekwm steht hier<br />

nicht hintenan: Für sämtliche aus anderen<br />

Umgebungen bekannten Vorgänge,<br />

die in der Regel ein Tastenkürzel haben,<br />

steht hier ebenfalls eines bereit.<br />

Die Konfiguration dazu finden Sie in<br />

der Datei ~/.pekwm/keys, welche die<br />

Software beim ersten Start aus der Systemkonfiguration<br />

erzeugt. Im Wesentlichen<br />

hält sich Pekwm dabei an übliche<br />

Standards. Allerdings ist die in anderen<br />

Welten zum Öffnen einer Schnellstartzeile<br />

bekannte Tastenkombination nicht<br />

belegt. Abhilfe schaffen Sie schnell mit<br />

einer Definition wie in Listing 3.<br />

Der interne Befehl ShowCmdDialog öffnet<br />

die in Pekwm eingebaute Eingabezeile.<br />

Wenn Ihnen die zu funktionsarm<br />

erscheint (was sie tatsächlich ist) erset-<br />

XDG: Die XDG-Standards stammen aus dem<br />

Freedesktop-Projekt und beziehen sich in<br />

diesem Fall auf das Erzeugen eines Anwendungsmenüs,<br />

bei dem das System nach installierten<br />

grafischen Programmen sucht.<br />

Listing 3<br />

KeyPress = "Mod1 F2" { Actions =<br />

"ShowCmdDialog" }<br />

Listing 1<br />

[Desktop Entry]<br />

Name=PekWM<br />

Comment=Kleiner und schneller<br />

Fenstermanager<br />

Exec=pekwm<br />

TryExec=pekwm<br />

Type=XSession<br />

<br />

Listing 2<br />

Submenu = "Favoriten" {<br />

Entry = "Dateimanager" { Actions = "Exec spacefm" }<br />

Entry = "Webbrowser" { Actions = "Exec qupzilla" }<br />

Entry = "E‐Mail" { Actions = "Exec thunderbird" }<br />

Entry = "Terminal" { Actions = "Exec konsole" }<br />

}<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

83


Netz&System<br />

Desktop im Eigenbau (Teil 1)<br />

Listing 4<br />

[Settings]<br />

gtk‐application‐prefer‐dark‐theme<br />

= false<br />

gtk‐theme‐name = Zukitwo<br />

gtk‐fallback‐icon‐theme = gnome<br />

gtk‐icon‐theme‐name = [Zukitwo]<br />

TIPP<br />

Falls Sie ein Thema insgesamt mögen, Sie<br />

aber ein Detail stört, klonen Sie den betreffenden<br />

Ordner, benennen ihn um und<br />

ändern die entsprechende Definition.<br />

zen Sie den Befehl – zum Beispiel durch<br />

xfrun4, sofern Sie den XFCE-Schnellstarter<br />

auf dem System installiert haben.<br />

Alles unter Kontrolle<br />

Pekwm hat mit seinem Menü schon einige<br />

Grundfunktionen zu bieten, aber ein<br />

Panel ermöglicht darüber hinaus, ständig<br />

diverse Informationen im Blick zu<br />

behalten. Bmpanel2 û ist ein passender<br />

Vertreter aus der Familie der Informationsbalken.<br />

Außerdem treten die Themendateien<br />

für Pekwm und Bmpanel2<br />

oft paarweise auf, was ein optisch ansprechendes<br />

Ganzes deutlich erleichtert.<br />

Das besagte Panel starten Sie einfach<br />

mit dem Befehl bmpanel2, woraufhin sich<br />

ein Balken am unteren oder oberen<br />

Rand des Bildschirms öffnet – je nachdem,<br />

welches Thema Sie eingestellt haben.<br />

Am linken Rand finden Sie einen<br />

Umschalter für die Arbeitsflächen, daneben<br />

aktivieren Sie einzelne Fenster, und<br />

rechts sehen Sie die aktuelle Zeit.<br />

Wahrscheinlich möchten Sie nicht bei<br />

jedem Anmelden das Panel neu starten.<br />

Wie es sich für einen ordentlichen Fenstermanager<br />

gehört, hält daher auch<br />

Pekwm dafür ein Startskript in ~/.pekwm/<br />

start bereit. Der Fenstermanager legt<br />

es automatisch beim ersten Aufruf an,<br />

aber bis auf einen erklärenden Text<br />

bleibt diese Datei zunächst leer.<br />

Hier schreiben Sie den Befehl bmpanel2<br />

hinein sowie weitere Programme, die Sie<br />

nicht immer wieder einzeln aufrufen<br />

wollen. Eine einfache Liste genügt, aber<br />

wenn nötig, dürfen Sie hier Shell-Syntax<br />

verwenden, um unter verschiedenen<br />

Umgebungen unterschiedliche Programme<br />

zu starten.<br />

Bmpanel2 hält hinsichtlich der Features<br />

kaum mit den Leisten der großen<br />

Umgebungen mit. Hier springt bei Bedarf<br />

Pekwm in die Bresche: Die ursprünglich<br />

für den Fenstermanager Windowmaker<br />

entwickelten, aber von anderen<br />

wie Openbox oder Fluxbox adaptierten<br />

Dockapps finden in Pekwm ihren<br />

Platz, im sogenannten Harbour.<br />

Fehlt Ihnen eine bestimmte paneltypische<br />

Funktion, wie ein Netzwerkmonitor<br />

oder eine Prozessliste mit drei Zeilen,<br />

rüsten Sie diese in Form der Dockapps<br />

Wmnet und Wmtop einfach nach 1 .<br />

Insbesondere Debian und dessen Derivate<br />

sowie Mageia sind mit diesen Applets<br />

gut bestückt, sodass viele Wünsche<br />

sicher in Erfüllung gehen.<br />

Einen gewissen Teil der Konfiguration<br />

erledigen Sie sogar grafisch: Das Programm<br />

Bmpanel2cfg kommt mit dem<br />

Panel selbst mit. Erwarten Sie jedoch<br />

nicht zu viel davon. Bis auf das Löschen<br />

nicht mehr benötigter und das Anlegen<br />

neuer Programmstarter sowie die Konfiguration<br />

einiger Werte für Drag & Drop<br />

1 Bei Bedarf erweitern<br />

Sie Bmpanel2 mit<br />

Dockapps aus der Windowmaker-Welt.<br />

2 Das grafische Tool zum Konfigurieren des Panels<br />

Bmpanel2 erweist sich in der Praxis als sparsam ausgestattet<br />

und unglücklicherweise fehleranfällig.<br />

3 Die Applikation Gtk-chtheme hilft bei Bedarf<br />

beim Umkleiden nach Wunsch für GTK 2.<br />

84 www.linux-user.de<br />

10.2013


Desktop im Eigenbau (Teil 1)<br />

Netz&System<br />

ist es nicht besonders leistungsfähig 2 .<br />

Die bei Fedora 19 mitgelieferte Version<br />

war nicht einmal in der Lage, die im System<br />

verfügbaren Themen zu erkennen<br />

und zur Auswahl anzubieten.<br />

Neue Klamotten<br />

Pekwm versteht auch Themes und leistet<br />

dabei mehr als viele minimalistische<br />

Vertreter seiner Art, bei denen Sie kaum<br />

mehr als Farben und die Breite der Linien<br />

zu ändern vermögen. Wie einige Mitbewerber<br />

vermag er seine Fensterdekoration<br />

aus PNG-Grafiken zu erstellen. Das<br />

eröffnet die Möglichkeit, Themen mit<br />

vertretbarem Aufwand zu portieren.<br />

Der bekannteste unabhängige Themenpool<br />

im Internet û hält derzeit<br />

etwa 150 Pakete bereit, wobei viele davon<br />

praktischerweise gleich einen Part<br />

für Bmpanel enthalten oder zumindest<br />

darauf verweisen.<br />

Der Windowmanager Pekwm setzt<br />

aber voraus, dass Sie ein heruntergeladenes<br />

Archiv in ~/.pekwm/themes entpacken.<br />

Das erschwert die Übersicht etwas,<br />

da solche Dateien meist in ~/.themes<br />

liegen. Zum Wechsel des Themas hält<br />

das Desktopmenü in Pekwm | Themes einen<br />

Eintrag bereit. Danach brauchen Sie<br />

nur noch mit Pekwm | Reload die Konfiguration<br />

neu einzulesen und schon erscheint<br />

das neue Thema.<br />

4 Das Einstellungswerkzeug für Qt-Oberflächen ist gelegentlich schwer zu finden.<br />

Auch das Panel versteht sich auf Themen,<br />

obwohl die Entwickler hier von<br />

den Standards abweichen. Die Software<br />

sucht in / usr/share/bmpanel2/themes<br />

und in ~/.local/share/bmpanel2/themes<br />

nach verwertbaren Daten. Bei Archiven<br />

aus dem Web, die beide Varianten<br />

enthalten, verwenden Sie nur die Unterordner,<br />

die den Themennamen tragen.<br />

Installation<br />

Da Pekwm für die meisten großen Distributionen und deren Ableger<br />

in ziemlich aktuellen Versionen bereitsteht, dürfte sich das<br />

Kompilieren meist erübrigen. Nur OpenSuse-Benutzer gehen leer<br />

aus, sodass jene und alle anderen mit dem üblichen Dreischritt<br />

configure && make && make install zum Ziel gelangen.<br />

Es empfiehlt sich, vor dem Aufruf, mit ./configure ‐‐help einen<br />

Blick auf die Optionen zu werfen. Zahlreiche Fähigkeiten müssen<br />

Sie auf diesem Wege explizit aktivieren, zum Beispiel Xinerama für<br />

mehrere Bildschirme oder den PNG-Support, den viele Themen benötigen.<br />

Erforderlich sind neben den Development-Dateien zu X11<br />

weitere Pakete, die sich aus den gewünschten Features ergeben.<br />

Fehlende Dateien mahnt das Configure-Skript an.<br />

Bei Bmpanel sieht es dagegen eher trübe aus: Lediglich Fedora und<br />

Slacky vertreiben es über ihre offiziellen Bezugsquellen, und die<br />

Projektseite hält keine Links zu weiteren paketierten Versionen<br />

bereit. So bleibt Ihnen nur der Griff zum Compiler. Die Installation<br />

startet nach dem Entpacken des Tarballs mit cmake, gefolgt von<br />

make und make install.<br />

Die Abhängigkeiten halten sich im Rahmen: Pango für Schriften<br />

und Cairo für Grafiken sowie natürlich Cmake selbst dürften für alle<br />

Distributionen bereitstehen. Wichtig ist das Entwicklerpaket für Python2,<br />

sofern Sie nicht auf das grafische Tool zum Konfigurieren für<br />

das Panel verzichten wollen. Zu guter Letzt sollte Asciidoc nicht fehlen,<br />

um die Dokumentation zu erzeugen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

85


Netz&System<br />

Desktop im Eigenbau (Teil 1)<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30234<br />

Während Sie bei Pekwm die Möglichkeit<br />

haben, das Thema im laufenden Betrieb<br />

über das Menü auszuwählen und sofort<br />

anzuwenden, verlangt das Panel nach<br />

einem Neustart. Der klappt zwar nicht<br />

über ein Kontextmenü oder Ähnliches,<br />

aber der Eintrag in das erwähnte Startskript<br />

von Pekwm sorgt dafür, dass der<br />

Fenstermanager diese Programme mit<br />

beendet und neu aufruft.<br />

Sowohl bei Pekwm wie bei Bmpanel<br />

beeinflussen die Themen in einigen Fällen<br />

diverse Einstellungen, die üblicherweise<br />

die Programme kontrollieren. Falls<br />

bei einem Wechsel des Themes das Panel<br />

nach oben flutscht oder die Knöpfe<br />

im Fenstertitel nach links springen oder<br />

gleich ganz verschwinden, spielt also<br />

nicht das System verrückt.<br />

Sicherlich würden Sie nichts dagegen<br />

haben, wenn GTK- und Qt-basierten Anwendungen<br />

in einem einheitlichen Kleid<br />

daherkommen. Natürlich besteht die<br />

Möglichkeit, die Konfigurationsdateien<br />

zu bearbeiten – aber es geht komfortabler:<br />

Für GTK-Oberflächen der Version 2<br />

steht mit Gtk-chtheme û ein Tool zum<br />

Wechsel der Oberfläche bereit 3 .<br />

Allerdings hat die Applikation rein gar<br />

keine Ahnung, wie sie mit GTK 3 umzugehen<br />

hat. Freilich sind solche Oberflächen<br />

außerhalb der Gnome-Welt noch<br />

nicht sehr weit verbreitet, doch mittler-<br />

weile haben immer mehr Entwickler entdeckt,<br />

dass Sie auf Dauer mit der alten<br />

GTK-Version nicht mehr auskommen.<br />

Deshalb heißt es wohl oder übel: zum<br />

Texteditor greifen, um GTK 3 im gleichen<br />

Kleid zu sehen wie die Programme der<br />

Vorgängerversion. Öffnen Sie die Datei<br />

~/.config/gtk‐3.0/settings.ini,<br />

oder legen Sie sie an, falls sie noch nicht<br />

existiert. Der Inhalt der Datei sollte so<br />

aussehen wie in Listing 4, wobei Sie natürlich<br />

Zukitwo durch den Namen des<br />

gewünschten Themas ersetzen.<br />

Bei Qt-Programmen haben Sie es in<br />

der Regel etwas leichter. Bei vielen Distributionen<br />

sind die Einstellungen so gesetzt,<br />

dass Qt sich außerhalb von KDE<br />

bei den Widgets von GTK 2 bedient und<br />

diese zum Darstellen der Oberflächen<br />

benutzt. Das funktioniert fast reibungslos<br />

und ohne Eingriffe von Ihrer Seite.<br />

Sollten Sie dennoch ein Werkzeug dafür<br />

brauchen, weil GTK-Programme vielleicht<br />

für Sie keine Rolle spielen oder<br />

Ihre Distribution sich um das Anpassen<br />

nicht bemüht hat, bietet sich Qtconfig<br />

an 4 . Gelegentlich kursiert es unter etwas<br />

anderem Namen in den Paketquellen:<br />

Fedora nennt es qt-config; bei Ubuntu<br />

und Debian heißt es qt4-qtconfig.<br />

Der Reiter Appearance bietet die Möglichkeit,<br />

mit den verfügbaren Themen zu<br />

spielen, und in Interface gibt es noch einige<br />

Feineinstellungen, zum Beispiel<br />

Animationen beim Öffnen von Menüs,<br />

die außerhalb der Qt-Welt einen Compositing-Manager<br />

erfordern würden.<br />

Fazit<br />

5 Der neue Desktop mit einigen Anwendungen: Beim Dateimanager rechts im Hintergrund<br />

handelt es sich um SpaceFM.<br />

Pekwm bietet eine Menge Möglichkeiten,<br />

wenngleich Sie immer daran denken<br />

sollten, dass Sie für das Anpassen<br />

nicht um den Texteditor herumkommen.<br />

Das Ergebnis 5 ist aber in der Regel die<br />

Mühe wert: Ein einheitliches optisches<br />

Erscheinungsbild, gepaart mit einer<br />

grenzenlosen Konfigurierbarkeit.<br />

Nichts ist vollkommen, doch noch immer<br />

sind eigene Kreationen nicht anachronistisch.<br />

Bemühungen in dieser<br />

Richtung fördern oft unkonventionelle<br />

Lösungen zutage – sofern Sie willens<br />

sind, neue Wege zu gehen. (agr) n<br />

86 www.linux-user.de<br />

10.2013


Hardware<br />

Cirrus7 Nimbus<br />

© Medialinx AG<br />

Er ist schick wie ein Mac Mini.<br />

Im Gegensatz zum Schmuckstück<br />

aus Cupertino eignet<br />

sich der Cirrus7 Nimbus aber<br />

Silent-PC Cirrus7 Nimbus im Test<br />

Kraftpaket<br />

tatsächlich für die alltägliche<br />

Arbeit. Christoph Langner<br />

Readme<br />

Der Cirrus7 Nimbus steckt einen Mac Mini<br />

in Bezug auf die Performance locker in die<br />

Tasche. Dabei nimmt sein kompaktes Alugehäuse<br />

kaum mehr Raum ein als der Kleinst-<br />

PC aus Cupertino. Alle Komponenten sind<br />

zudem perfekt auf Linux abgestimmt.<br />

Wenn es um stromsparende, kompakte<br />

und leise Rechner geht, dann handelt es<br />

sich meist um leistungsschwache Mini-<br />

PCs oder Mac Minis, aber nur selten um<br />

wirklich ausgewachsene Computer mit<br />

ausreichend Leistung für den Betrieb<br />

von virtuellen Maschinen oder gar genügend<br />

Vortrieb zum zügigen Kompilieren<br />

von Programmen.<br />

Cirrus7 setzt diesem Trend mit dem<br />

Nimbus û einen leistungsfähigen PC<br />

entgegen, der obendrein in einem todschicken<br />

Gehäuse daherkommt und ab<br />

Werk mit Linux läuft. Der Hersteller bietet<br />

eine individuelle Konfiguration mit<br />

Intel-Prozessoren bis hin zu einem<br />

Core i7 bei 3,7 GHz an – viel schnellere<br />

Desktop-CPUs findet man aktuell auch<br />

nicht auf dem Markt. Beim Betriebssystem<br />

fiel die Wahl auf Ubuntu.<br />

Neuauflage<br />

Der Nimbus ist nicht der erste kompakte<br />

Computer von Cirrus7, den <strong>LinuxUser</strong><br />

genauer unter die Lupe nimmt: Schon<br />

vor über zwei Jahren stand bei uns der<br />

Cirrus7 One auf dem Prüfstand û. Das<br />

Fazit von damals ließe sich als „teuer,<br />

aber lohnenswert“ zusammenfassen:<br />

88 www.linux-user.de<br />

10.2013


Cirrus7 Nimbus<br />

Hardware<br />

Der One erwies sich als leistungsstarker,<br />

sehr leiser und kompakter Computer,<br />

der mit einem schicken Gehäuse und<br />

Extras wie regelbaren LEDs glänzte.<br />

Der neue Cirrus7 Nimbus führt diese<br />

Tugenden kompakt und leise fort. Dank<br />

eines durchdachten Gehäuses arbeitet er<br />

jedoch nicht nur leise, sondern tatsächlich<br />

komplett lautlos: Kein einziger Lüfter<br />

dreht sich im Inneren des Gehäuses. Die<br />

Abwärme der CPU – zur Wahl stehen<br />

beim Nimbus Prozessoren bis hin zum<br />

Intel Core i7-3770T mit maximal 3,7 GHz<br />

Taktrate – gibt der Rechner über ein aus<br />

elf verschiedenen Bauteilen zusammengesetztes<br />

Gehäuse aus massiven Aluminium-Platten<br />

1 ohne jede Geräuschentwicklung<br />

an die Umgebung ab 2 .<br />

Die Länge und Breite des Cirrus7 Nimbus<br />

(22 x 22 x 5,1 cm) fallen ähnlich aus<br />

wie beim Cirrus7 One (21,8 x 21,8 x 10,8<br />

cm), doch die Höhe hat sich gegenüber<br />

dem Vorgänger halbiert. An den noch<br />

kleineren Mac Mini von Apple (mit Abmaßen<br />

von lediglich 19,6 x 19,6 x 3,6 cm)<br />

kommt aber selbst der kompakte Nimbus<br />

nicht heran.<br />

Dennoch dürfte sich selbst auf dem<br />

kleinsten und vollgepacktesten Schreibtisch<br />

problemlos noch ein geeignetes<br />

Plätzchen für den Nimbus finden. Alternativ<br />

bietet es sich an, den schlanken PC<br />

per VESA-Halterung hinter einem Bildschirm<br />

zu verbauen. Aufgrund der kompakten<br />

Bauform bleiben optische Laufwerke<br />

und USB-Ports auf der Frontseite<br />

zwar auf der Strecke, dafür ist das Gerät<br />

aber auf der Rückseite reich bestückt 3 .<br />

Das von uns getestete Nimbus-Modell<br />

besitzt ein Intel DQ77KB als Mainboard,<br />

eine Intel Core i5-3570T als CPU und<br />

8 GByte RAM. Mit dabei sind WLAN und<br />

Bluetooth via Centrino Advanced-N<br />

6235 sowie als Datenträger eine Solid-<br />

State-Disk des Typs Samsung SSD 840<br />

mit 250 GByte Speicherplatz. In dieser<br />

Konfiguration würde der Nimbus<br />

865 Euro kosten. Das Basismodell mit<br />

der einfachsten CPU und ohne Datenspeicher<br />

schlägt mit 449 Euro zu Buche.<br />

Für SSD und Festplatten stehen zwei<br />

Slots für 2,5-Zoll-Speicher (S-ATA) bereit.<br />

Darüber hinaus verbleibt auf dem Board<br />

noch Platz für eine mSATA-Platine, nicht<br />

jedoch für eine dedizierte Grafikkarte.<br />

Die Abwärme einer solchen GPU wäre<br />

mit den passiven Kühlelementen auch<br />

nicht zu bewältigen.<br />

Die Wahl auf den Intel Core i5-3570T<br />

mit seinen vier bis zu 3,3 GHz schnellen<br />

Kernen fiel aufgrund dessen Thermal Design<br />

Power (TDP) von maximal 45 Watt.<br />

Dieser Wert ist identisch zur Core-i7-Variante<br />

– selbst die schnellste für das Gerät<br />

verfügbare CPU generiert also bei typischer<br />

Höchstbeanspruchung im realen<br />

Einsatz nicht mehr Abwärme als der im<br />

Testgerät verbaute Prozessor.<br />

1 Das Gehäuse haben die Entwickler aus mehreren Schichten<br />

Aluminium konstruiert. Viel Platz bleibt da nicht mehr.<br />

2 Schlitze erlauben es, die Abwärme über die Umgebungsluft<br />

aus dem Gehäuse zu ziehen.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

89


Hardware<br />

Cirrus7 Nimbus<br />

Rechners selbst zu vergeben. Ansonsten<br />

gibt es zum System nicht viel zu sagen:<br />

Dank der Intel-Chipsätze brauchen Sie<br />

keine proprietären Treiber. Grafik, Sound,<br />

Bluetooth, WLAN und Standby funktionierten<br />

im Test ohne weiteres Zutun.<br />

Stromsparend<br />

3 Auf der Rückseite des Cirrus7 Nimbus stehen je vier USB-2.0- und USB-3.0-Ports für<br />

den Anschluss von Peripherie bereit.<br />

Windows gegen Aufpreis<br />

Wie alle Rechner von Cirrus7 kommt der<br />

Nimbus von Haus aus mit Linux. Käufer<br />

haben im Online-Store die Wahl zwischen<br />

Ubuntu 12.04 LTS und dem aktuellen<br />

Ubuntu 13.04. Andere Linux-Distributionen<br />

laufen freilich auch auf dem<br />

Nimbus; auf Wunsch installiert der Anbieter<br />

diese vor. Windows gibt es in<br />

Form von Windows 8 nur gegen Aufpreis,<br />

aber selbst hier finden Sie als Option,<br />

Linux und Windows parallel als Dual-<br />

Boot-System zu betreiben.<br />

Das auf dem Testsystem vorinstallierte<br />

Ubuntu ist unverändert. Dank der OEM-<br />

Installation haben Käufer die Möglichkeit,<br />

den Namen des Benutzers und des<br />

Es gab mal Zeiten, da galt in Bezug auf<br />

Gehäuse und Netzteil die Devise: Je stärker,<br />

desto besser. Unförmige Big-Tower<br />

mit einem enormen Stromverbrauch beherrschten<br />

das Bild. Heute sind es nur<br />

noch Hardcore-Spieler, die leistungsstarke<br />

und topaktuelle Grafikkarten benötigen.<br />

Die meisten Anwender wünschen<br />

sich dagegen einen leisen, stromsparenden<br />

und kompakten Rechner, der jedoch<br />

genügend Leistung für virtuelle Maschinen<br />

oder die eine oder andere komplexe<br />

Aufgabe mitbringt.<br />

Besonders interessant waren daher im<br />

Rahmen des Testes die beiden Punkte<br />

Stromverbrauch und Abwärme. Ein lautloser<br />

Rechner läuft tendenziell länger als<br />

ein lärmender Tower in der Ecke. Und<br />

natürlich stellt sich die Frage: Was passiert,<br />

wenn Sie den lüfterlosen Rechner<br />

richtig stressen?<br />

Das Testgerät mit dem i5-3470T verbraucht<br />

den Daten eines Fritz!Dect-200-<br />

Adapters von AVM entsprechend im<br />

Leerlauf etwa 16,5 Watt und unter Volllast<br />

etwas über 32 Watt. Im Standby zog<br />

der Nimbus nur etwa 1,8 Watt aus der<br />

Steckdose. Bei 28 Cent/​kWh teurem<br />

Ökostrom und acht Stunden Laufzeit mit<br />

im Schnitt 20 Watt kostet der Betrieb<br />

also etwa 2,70 Euro im Monat. An einen<br />

Raspberry Pi kommt der Nimbus nicht<br />

heran, dafür ist er aber ein ausgewachsener<br />

Rechner mit allem Drum und Dran.<br />

Im Leerlauf<br />

4 Ab einer bestimmten Temperatur regelt die CPU automatisch herunter.<br />

Um die Wärmeentwicklung zu testen,<br />

kam der Rechner auf die Stresstest-<br />

Folter bank. Mitten im Hochsommer, bei<br />

annähernd 30 Grad im Büro, ließen wir<br />

den Nimbus im Leerlauf auf Temperatur<br />

kommen. Nach einer Einlaufphase von<br />

etwa einer Stunde pendelte sich die CPU<br />

bei etwa 50 Grad Celsius ein. Das Gehäu-<br />

90 www.linux-user.de<br />

10.2013


Cirrus7 Nimbus<br />

Hardware<br />

se des Nimbus fühlte sich dabei warm<br />

an, aber bei Weitem nicht zu warm.<br />

Interessant wird es natürlich, wenn<br />

das System Gas gibt und die Taktrate der<br />

CPU anzieht. Im Test gönnten wir der<br />

Hardware eine Einlaufphase, danach erhöhten<br />

wir die Last. In der Kurve, die<br />

Taktrate und Temperatur korreliert 4 ,<br />

sehen Sie deutlich das Hochtakten der<br />

CPU. Infolgedessen steigt über anderthalb<br />

Stunden die Temperatur kontinuierlich<br />

an, bis sie bei etwa 85 Grad Celsius<br />

an ein Maximum kommt.<br />

Überschreitet sie dieses, greifen automatisch<br />

die Schutzmechanismen der<br />

CPU ein. Die Taktrate und damit die Energieaufnahme<br />

sinken deutlich ab, demzufolge<br />

fällt auch die Temperatur der Prozessorkerne<br />

recht schnell. Letztendlich<br />

pendelte sie sich im Test bei etwas über<br />

75 Grad Celsius ein. Das Gehäuse fühlt<br />

sich währenddessen deutlich heiß an.<br />

Im Alltag dürfte es praktisch unmöglich<br />

sein, an die thermischen Grenzen<br />

der CPU zu kommen. Erst nach über eineinhalb<br />

Stunden sinnloser Lastgenerierung<br />

ist der Prozessor so heiß, dass er<br />

sich automatisch herunterregelt. Würden<br />

Sie zu einer der angebotenen CPUs<br />

mit nur 35 Watt TDP greifen, etwa zum<br />

Beispiel dem Core i3 3220T, käme das<br />

Temperaturmanagement des Nimbus<br />

vermutlich nie an seine Grenzen.<br />

Wer also nicht gerade stundenlang<br />

Raytracing-Bilder berechnet oder gierig<br />

nach Bitcoins buddelt, kommt mit dem<br />

lüfterlosen PC gut aus, selbst wenn er<br />

einen noch stärkeren Core i7 nutzt.<br />

Fazit<br />

Der Cirrus7 Nimbus ist kein günstiger PC<br />

– aber das erwartet auch niemand, denn<br />

kompakte Boards mit stromsparenden,<br />

aber schnellen CPUs kosten nun mal<br />

mehr. Viele Alternativen zum Nimbus,<br />

die ähnlich kompakt ausfallen und ohne<br />

Lüfter auskommen, existieren ohnehin<br />

nicht. Sie könnten auf Basis eines ebenfalls<br />

lüfterlosen Akasa-Euler-Gehäuses<br />

unter Umständen ein ähnliches Gerät<br />

aufziehen, doch mit ähnlichen Komponenten<br />

kämen Sie selbst im Eigenbau<br />

fast auf den gleichen Preis.<br />

Rechnen Sie die aktuellen Straßenpreise<br />

der in unserem Testgerät verbauten<br />

Hardware (Motherboard, Prozessor,<br />

Speicher, Centrino-WLAN, SSD) zusammen<br />

und addieren den Preis eines ebenfalls<br />

lüfterlosen Euler-Cases, dann kommen<br />

Sie auf über 810 Euro. Gegenüber<br />

einem identisch ausgestatteten Nimbus<br />

für 865 Euro lohnt sich damit der Eigenbau<br />

eines Silent-PCs also kaum. Zudem<br />

dürfte die Wärmeabfuhr des aus massivem<br />

Alu gebauten Nimbus-Gehäuses<br />

deutlich besser funktionieren. (agr) n<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 30477<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

91


Know-how<br />

FPM<br />

FPM baut parallel RPM- und DEB-Pakete<br />

Alles gut verpackt<br />

Das Tool Effing Package Management baut binnen weniger Sekunden fertige RPM- und DEB-<br />

Pakete, ohne dass Sie sich mit Konfigurationsdateien herumschlagen müssen. Tim Schürmann<br />

Im Gegensatz zu Windows-Anwendern<br />

kommen Linux-Nutzer in den Genuss<br />

eines Paketmanagements. Zwei Mausklicks<br />

genügen, und schon landet eine<br />

Software einsatzbereit auf der Platte, das<br />

Handbuch am dafür vorgesehenen Ablageort<br />

oder der neue Stapel Hintergrundbilder<br />

im passenden Order. Die reibungslose<br />

Installation setzt voraus, dass<br />

Entwickler, Autoren und Grafiker die Ergebnisse<br />

zu einem Paket verschnüren.<br />

Dummerweise haben sich in der Praxis<br />

mehrere Formate für das Paketieren<br />

etabliert: Debian-basierte Distributionen<br />

verwenden das DEB-Format; OpenSuse,<br />

Fedora und Co. nutzen das RPM-Format.<br />

Möchten Sie beide Varianten unterstützten,<br />

gilt es folglich, sich mit beiden Spezifikationen<br />

und den Konfigurationsdateien<br />

zu beschäftigen. Ein Programm<br />

namens Effing Package Management,<br />

kurz FPM û, vereinfacht die Arbeit.<br />

(der Fluch „effing“ bedeutet sinngemäß<br />

„verdammt“). Das Tool schnürt in einem<br />

Arbeitsgang Pakete für unterschiedliche<br />

Distributionen, ohne dass Sie dafür weitere<br />

Angaben zu machen bräuchten.<br />

Wie einfach das funktioniert, zeigte<br />

der Entwickler Jorden Sissel auf einer<br />

Konferenz, auf der er den Quellcode der<br />

Software Memcached in nur 60 Sekunden<br />

in ein DEB- und ein RPM-Paket verwandelte<br />

û. FPM eignet sich damit<br />

ideal, um während des Entwickelns<br />

einer Software schnell<br />

und automatisiert Pakete<br />

zum Testen zu erstellen.<br />

Neben Entwicklern<br />

spricht das<br />

Werkzeug auch<br />

Anwender an, die<br />

zu einer Software<br />

kein passendes Paket finden und<br />

sich kurzerhand selbst eines bauen<br />

möchten. Einen kleinen Haken hat das<br />

FPM allerdings: Es ist auf das schnelle,<br />

unkomplizierte Erzeugen von Paketen<br />

ausgelegt. Die von ihm ausgespuckten<br />

Pakete folgen daher nicht notwendigerweise<br />

exakt den Richtlinien von Debian<br />

Fluchen hilft<br />

Wie sein Name andeutet, richtet<br />

sich FPM zunächst an alle, die<br />

schon einmal am Bau eines Paketes<br />

schimpfend verzweifelt sind<br />

Readme<br />

Das Tool Effing Package Management erstellt<br />

RPM- und DEB-Pakete mit einem einfachen<br />

Kommandozeilenbefehl. Stößt es<br />

dabei auf keine größeren Probleme, dann<br />

liegen nach gut einer Minute fertige Archive<br />

für die beiden Plattformen vor.<br />

92<br />

© Bekas007, 123RF<br />

10.2013


FPM<br />

Know-how<br />

det. Über ‐t deb erzeugen Sie ein DEB-<br />

Paket; analog würde ‐t rpm zu einem<br />

RPM-Paket führen. Hinter ‐n steht<br />

schließlich noch der Dateiname des Paketes,<br />

die Endung ergänzt fpm selbst 2 .<br />

Unter OpenSuse heißt das Programm<br />

übrigens nicht fpm, sondern fpm1.9.<br />

Das Ergebnis ist ein Paket mit allen<br />

Hintergrundbildern, die Sie nun leicht<br />

auf anderen Rechnern einspielen. Dort<br />

landen die Dateien aus dem Paket wieder<br />

ordnungsgemäß im Unterverzeichnis<br />

/usr/share/backgrounds. Das fertige<br />

Archiv besitzt jedoch gleich mehrere<br />

Schönheitsfehler.<br />

Zunächst bemängelt vermutlich der<br />

Paketmanager die schlechte Qualität 3 .<br />

Diese Warnung klicken Sie einfach weg<br />

beziehungsweise unterdrücken sie. Des<br />

Weiteren hat FPM einfach alle Bilddateien<br />

aus dem Verzeichnis /usr/share/<br />

backgrounds eingepackt, auch die ursprünglich<br />

dort von Ubuntu installierten.<br />

Der Paketmanager versucht folglich<br />

auf dem Zielsystem diese Hintergrundbilder<br />

mit denen aus dem selbst gebaubeziehungsweise<br />

RPM. Dies ließe sich<br />

aber mit einigem Aufwand und zahlreichen<br />

Parametern erreichen.<br />

Kleiner Rubin<br />

FPM selbst ist in der Skriptsprache Ruby<br />

geschrieben. Sie spielen es bei Bedarf<br />

über den Ruby-eigenen Paketmanager<br />

Gem ein. Dazu wiederum benötigen Sie<br />

die passende Laufzeitumgebung, die<br />

Entwicklerpakete sowie Make und den<br />

C-Compiler. Die Pakete holt unter Ubuntu<br />

der folgende Befehl herbei:<br />

$ sudo apt‐get install ruby ruby‐U<br />

dev build‐essential<br />

Unter OpenSuse und Fedora installieren<br />

Sie ruby, ruby-devel, make und gcc, bei<br />

CentOS und Red Hat sind es ruby, rubydevel,<br />

rubygems, make und gcc. FPM installieren<br />

Sie über folgendes Kommando:<br />

$ sudo gem install fpm<br />

Das zieht unter Umständen die Installation<br />

weiterer Ruby-Pakete nach sich 1 .<br />

Abschließend spielen Sie die Werkzeuge<br />

ein, die zum Bau der Pakete notwendig<br />

sind. Nutzt Ihre Distribution DEB-Pakete,<br />

benötigen Sie zusätzlich Rpmbuild, um<br />

später RPM-Pakete zu bauen. Unter<br />

Ubuntu steckt Rpmbuild im Paket rpm.<br />

Sind Sie nicht sicher, welche Pakete<br />

Sie benötigen, versuchen Sie mit FPM<br />

ein Paket zu bauen: Fehlt ein Werkzeug,<br />

nennt das Tool den Namen.<br />

Bildersammlung<br />

Möchten Sie eine Sammlung von Hintergrundbildern<br />

in einem RPM- oder DEB-<br />

Paket konservieren, finden Sie zuerst heraus,<br />

in welchem Verzeichnis im System<br />

die Bilder lagern. Unter Ubuntu liegen<br />

diese in /usr/share/backgrounds. Auf<br />

dieses Verzeichnis setzen Sie fpm an:<br />

1 Die Installation<br />

des Ruby-<br />

Gems fpm holt<br />

je nach Distribution<br />

zahlreiche<br />

Gems nach.<br />

$ fpm ‐n hintergrundbilder ‐s dirU<br />

‐t deb /usr/share/backgrounds<br />

Der Parameter ‐s dir zeigt an, dass ein<br />

Verzeichnis seinen Weg in das Paket fin-<br />

2 Ein kurzer Befehl reicht aus, um den Inhalt von /usr/share/backgrounds in ein<br />

Debian- oder RPM Paket zu packen, das Sie leicht auf einem anderen PC installieren.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

93


Know-how<br />

FPM<br />

ten Paket zu überschreiben, was wiederum<br />

mit einer Fehlermeldung endet.<br />

Sie haben jetzt die Möglichkeit, den<br />

Paketmanager dazu zu zwingen, die Bilder<br />

zu ersetzen. Das führt unter Umständen<br />

jedoch zu einem kleinen Chaos –<br />

erst recht, wenn es sich nicht mehr nur<br />

um Bilder, sondern etwa um die mühsam<br />

angepassten Konfigurationsdateien<br />

aus dem Verzeichnis /etc handelt.<br />

Im Dschungel<br />

Sie sollten sich folglich gut überlegen,<br />

welche Verzeichnisse Sie einpacken. Auf<br />

Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie hinter<br />

fpm alle selbst hinzugefügten Hintergrundbilder<br />

auflisten:<br />

$ fpm ‐n hintergrundbilder ‐t debU<br />

/usr/share/backgrounds/wueste.pnU<br />

g /usr/share/backgrounds/wald.png<br />

Bei vielen Bildern fällt das natürlich recht<br />

umständlich aus. Abhilfe schafft ein kleiner<br />

Trick: Erstellen Sie im Ordner / tmp<br />

das Unterverzeichnis usr/share/backgrounds,<br />

der komplette Pfad lautet somit<br />

/tmp/usr/share/backgrounds.<br />

In dieses neue Verzeichnis hinein kopieren<br />

Sie die eigenen Hintergrundbilder.<br />

Anschließend wechseln Sie in das<br />

Verzeichnis /tmp und weisen den Packer<br />

an, die kompletten Dateien aus dem Unterverzeichnis<br />

usr/share/backgrounds<br />

in das Archiv einzupacken:<br />

$ cd /tmp<br />

$ fpm ‐n hintergrundbilder ‐t debU<br />

usr/share/backgrounds<br />

Bei der Installation des Paketes landen<br />

die Hintergrundbilder damit wieder ordnungsgemäß<br />

in /usr/share/backgrounds<br />

und nicht unterhalb von /tmp​.<br />

Den Wechsel ins Verzeichnis übernimmt<br />

bei Bedarf FPM für Sie:<br />

$ fpm ‐C /tmp ‐n hintergrundbildeU<br />

r ‐t deb usr/share/backgrounds<br />

Hier funktioniert der Parameter ‐C genauso<br />

wie beim allseits bekannten Tar.<br />

Architektur<br />

FPM erstellt automatisch immer ein<br />

Archiv mit der Architektur des Systems<br />

zum Paketieren verwendeten Systems.<br />

Nutzen Sie das Programm auf einem<br />

32-Bit-System, erhalten Sie folglich ein<br />

entsprechendes Paket. Die gewählte<br />

Architektur lesen Sie direkt am Dateinamen<br />

ab. Im Fall der Bilder wäre allerdings<br />

ein von der Architektur unabhängiges<br />

Paket eher wünschenswert. Genau<br />

dafür sorgt der Parameter ‐a all beim<br />

Aufruf auf der Kommandozeile.<br />

FPM vergibt für das Paket zudem standardmäßig<br />

die Versionsnummer 1.0.<br />

Über den Parameter ‐v geben Sie stattdessen<br />

selbst eine eigene vor. An die<br />

Versionsnummern schließt sich häufig<br />

noch ein Bindestrich und eine Release-<br />

Bezeichnung an, wie etwa 1.7‐3. Diese<br />

nachgestellte Nummer geben Sie mit<br />

dem Parameter ‐‐iteration vor:<br />

$ fpm ‐n hintergrundbilder ‐a allU<br />

‐v 1.7 ‐‐iteration 3 ‐s dir ‐t deU<br />

b /usr/share/backgrounds<br />

Neben Zahlen nimmt dieser Parameter<br />

auch Texte entgegen, die Sie in Anführungszeichen<br />

einschließen. Auf diesem<br />

Weg erzeugen Sie beispielsweise ein Paket<br />

mit der Versionsnummer 1.7‐meines.<br />

Bauplatz<br />

Auf ähnlich einfache Weise tüten Sie<br />

komplette Programme ein. Dazu laden<br />

Sie den Quellcode herunter, übersetzen<br />

diesen, installieren ihn in ein Verzeichnis<br />

und setzen FPM darauf an. Als Beispiel<br />

dient das Strategiespiel „Curse of<br />

War“ û. Es ist recht klein, besitzt wenige<br />

Abhängigkeiten und liegt den großen<br />

Distributionen noch nicht bei 4 .<br />

Den Quellcode für das Spiel erhalten<br />

Sie auf der Website û. Den folgenden<br />

Ausführungen liegt die Version 1.2 zu-<br />

3 Das fertige Paket hält sich nicht an die Richtlinien, was das<br />

Ubuntu Software Center hier beim Einspielen bemängelt.<br />

4 Das Strategiespiel „Curse of War“ kann anstelle der schicken Grafiken<br />

auch ASCII-Zeichen verwenden.<br />

94 www.linux-user.de<br />

10.2013


FPM<br />

Know-how<br />

grunde. Das Archiv mit dem Quellcode<br />

entpacken Sie und wechseln in einem<br />

Terminal in das entstandene Verzeichnis.<br />

Anschließend spielen Sie alle Entwicklerpakete<br />

und Werkzeuge ein, die Sie zum<br />

Übersetzen des Programmes benötigen.<br />

„Curse of War“ setzt lediglich die SDL-<br />

Bibliothek voraus. Das Paket heißt unter<br />

Ubuntu libsdl1.2-dev. Nachdem Sie es<br />

mit dem Paketmanager eingespielt haben,<br />

übersetzen Sie das Programm wie<br />

gewohnt. In der Regel geschieht das per<br />

./configure, gefolgt von make; bei<br />

„Curse of War“ genügt ein make SDL=yes.<br />

Das Spiel nimmt dabei als Verzeichnis für<br />

die Installation /usr/bin an, was Sie<br />

nicht ändern sollten.<br />

Normalerweise würden Sie jetzt das<br />

fertig übersetzte Ergebnis mit make<br />

install im System installieren. Im Fall<br />

von FPM braucht es jedoch etwas Gehirnschmalz,<br />

denn das Programm erkennt<br />

nicht selbst, welche Dateien zum<br />

Spiel gehören und in welche Systemverzeichnisse<br />

diese gehören. Sie kommen<br />

nicht umhin, das Spiel erst einmal in ein<br />

temporäres Verzeichnis zu installieren:<br />

$ mkdir /tmp/curseofwar<br />

$ make install SDL=yes DESTDIR=/tU<br />

mp/curseofwar<br />

Der erste Befehl erstellt das Verzeichnis<br />

/ tmp/curseofwar. Der zweite installiert<br />

das Spiel nicht wie sonst üblich im Verzeichnis<br />

/usr, sondern unter /tmp/<br />

curseofwar/usr. Der Trick mit dem angehängten<br />

DESTDIR=/tmp/curseofwar<br />

funktioniert durchweg bei allen Programmen,<br />

die auf Make setzen. Bei allen<br />

anderen Anwendungen gilt es, die<br />

Dokumentation zu studieren.<br />

Eingepackter Krieg<br />

Anschließend weisen Sie FPM mit dem<br />

Befehl aus Listing 1 an, die Dateien im<br />

Verzeichnis /tmp/curseofwar in ein DEB-<br />

Paket zu verpacken. Der erste Aufruf im<br />

Listing sieht ziemlich kryptisch aus, ist<br />

aber schnell entwirrt: Der Packer erstellt<br />

ein Debian-Paket (‐t deb) mit dem Namen<br />

curseofwar. Das Spiel liegt in der<br />

Version 1.2 vor, folglich bietet es sich an,<br />

5 Mit dpkg überprüfen Sie auf die Schnelle, ob das geschnürte Paket alle Dateien enthält<br />

und diese in den korrekten Verzeichnissen liegen.<br />

diese Versionsnummer ins Paket zu<br />

übernehmen (‐v 1.2). Spielt die Version<br />

keine Rolle, verzichten Sie auf die komplette<br />

Klammer.<br />

FPM wechselt ins Verzeichnis /tmp/<br />

curseofwar, wo es die Verzeichnisse<br />

usr/bin und usr/share/curseofwar ins<br />

Paket steckt. Das erste Verzeichnis enthält<br />

das Programm, unter usr/share/<br />

curseofwar lagern die Grafiken 5 .<br />

Alternativ hätte es sich angeboten, das<br />

komplette Verzeichnis usr/ einzupacken.<br />

Im Beispiel soll die Dokumentation<br />

aber in ein eigenes Paket wandern.<br />

„Curse of War“ setzt die SDL-Bibliothek<br />

voraus, die unter Debian und Ubuntu im<br />

Paket libsdl1.2debian steckt. Genau das<br />

impft ‐d libsdl1.2debian ein. In den<br />

Klammern steht dabei hinter >= die Versionsnummer,<br />

in der die Bibliothek mindestens<br />

vorliegen muss.<br />

Im Beispiel verlangt das Spiel nach<br />

einer SDL-Bibliothek in der Version 1.2<br />

oder höher. Alternativ setzen Sie nur ein<br />

Größer-Zeichen ein: (> 3.4.5). In diesem<br />

Fall müsste die Bibliothek eine Versionsnummer<br />

größer als 3.4.5 tragen.<br />

Sofern Ihr Programm weitere Abhängig-<br />

6 FPM gibt ein paar Standard-Metadaten<br />

vor, insbesondere fehlt dabei eine vernünftige<br />

Beschreibung.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

95


Know-how<br />

FPM<br />

7 Die Meta-Informationen eines Paketes<br />

öffnet FPM auf Wunsch im voreingestellten<br />

Texteditor – wie hier ist das meist Vi.<br />

keiten besitzt, hängen Sie entsprechend<br />

weitere Parameter ‐d an. Die Dokumentation<br />

wandert mit dem zweiten Aufruf<br />

aus Listing 1 in ein von der Architektur<br />

unabhängiges Paket.<br />

Garnierung<br />

Unschön ist, dass die fertigen DEB-Pakete<br />

keine Beschreibung aufweisen 6<br />

und die Paketmanager die schlechte<br />

Qualität bemängeln. Ersteres beheben<br />

Sie leicht mit dem Parameter ‐‐description,<br />

dem Sie einfach einen entsprechenden<br />

Text anhängen:<br />

$ fpm ‐s dir ‐t deb ‐‐descriptionU<br />

"Die Dokumentation zum Spiel CursU<br />

e of War" ...<br />

Weitere Infos und<br />

interessante Links<br />

www. linux‐user. de/ qr/ 29931<br />

Über den Parameter ‐‐url legen Sie<br />

analog eine Website fest, über ‐m den<br />

Maintainer, also den Ersteller des Paketes,<br />

mit ‐‐license die Lizenz, über ‐‐vendor<br />

das Unternehmen und via ‐‐category<br />

die Kategorie, zu der das Paket gehört.<br />

Sind Ihnen das zu viele Parameter, verwenden<br />

Sie den Parameter ‐e. Effing<br />

Package Management öffnet dann vor<br />

dem Erstellen des Paketes einen Editor<br />

(in der Regel Vi) mit dem Spec-File, das<br />

alle Infos zusammenfasst. Wie der Inhalt<br />

dieses Spec-Files aussieht, hängt vom<br />

Paketformat ab. Abbildung 7 zeigt die<br />

noch gut verständliche Debian-Fassung,<br />

das RPM-Pendant liest sich wesentlich<br />

kryptischer. Sie sollten daher nur Optionen<br />

ändern, die Sie kennen.<br />

FPM stellt für jedes Paketformat spezielle<br />

Parameter bereit. Die für das DEB-<br />

Format beginnen allesamt mit ‐‐deb‐.<br />

So gibt ‐‐deb‐user root vor, dass alle<br />

Dateien im Paket dem Benutzer root gehören<br />

sollen. Analog setzt ‐‐deb‐group<br />

root die Zugehörigkeit zur Gruppe.<br />

Verwenden Sie das RPM-Format, heißen<br />

die entsprechenden Parameter<br />

‐‐rpm‐user beziehungsweise<br />

‐‐rpm‐group. Beide Parameter sollten<br />

Sie im vorliegenden Beispiel verwenden,<br />

andernfalls bemängelt der Paketmanager<br />

falsche Benutzerrechte.<br />

Der komplette Befehl für das Spiel<br />

„Curse of War“ besteht aus dem Bandwurm,<br />

den Sie in Listing 2 sehen. Sämtliche<br />

Parameter listen die Manpage von<br />

FPM und das Wiki auf û. Letztgenanntes<br />

hält zudem noch ein paar komplexere<br />

Beispiele aus der Praxis bereit.<br />

Bislang hat FPM die Dateien für ein<br />

Paket immer aus einem Verzeichnis<br />

genommen. Es besteht aber auch die<br />

Möglichkeit, ein anderes Paket als Ausgangspunkt<br />

zu nehmen. Auf diese Weise<br />

wandeln Sie bei Bedarf ein RPM-Paket in<br />

ein DEB-Paket um:<br />

fpm ‐s deb ‐t rpm ‐n curseofwar cU<br />

urseofwar_1.2_i386.deb<br />

Auf diesem Weg manipulieren Sie auf<br />

die Schnelle ein Paket. So tauscht etwa<br />

die folgende Kommandozeile die ursprüngliche<br />

Beschreibung des Paketes<br />

gegen den String „Keine“ und die Versionsnummer<br />

gegen 1.1 aus:<br />

$ fpm ‐s deb ‐t deb ‐n curseofwarU<br />

‐‐description "Keine" ‐v 1.1 cursU<br />

eofwar_1.2_i386.deb<br />

Neben rpm und deb dürfen Sie als Eingabeformate<br />

auch Tar-Archive, Ruby Gems<br />

und Python-Module verwenden. FPM<br />

erstellt darüber hinaus noch Pakete für<br />

Solaris und Puppet.<br />

Fazit<br />

Wer FPM nutzen möchte, sollte sich<br />

einiger Restriktionen bewusst sein und<br />

muss teils mit zahlreichen Parametern<br />

jonglieren. Zudem arbeitet das Tool nur<br />

dann reibungslos, wenn es einen Haufen<br />

Dateien verpackt – die Sie im schlimmsten<br />

Fall einzeln nennen müssen. Außerdem<br />

produziert es nicht ganz standardkonforme<br />

Pakete.<br />

Dennoch gelangen Sie mit FPM oft extrem<br />

schnell zu fertigen Paketen. Zudem<br />

eignet sich das Programm äußerst gut<br />

zum Einbinden in Shell-Skripte, die zum<br />

Beispiel einmal in der Nacht neue DEBund<br />

RPM-Pakete erzeugen. (agr) n<br />

Listing 1<br />

$ fpm ‐s dir ‐t deb ‐n curseofwar ‐v 1.2 \<br />

‐C /tmp/curseofwar \<br />

‐d "libsdl1.2debian (>= 1.2)" \<br />

usr/bin usr/share/curseofwar<br />

$ fpm ‐s dir ‐a all ‐t deb ‐n curseofwar‐doc \<br />

‐v 1.2 ‐C /tmp/curseofwar \<br />

usr/share/man usr/share/doc<br />

Listing 2<br />

$ fpm ‐‐category "games" \<br />

‐m "Max Mustermann " \<br />

‐‐url "http://a‐nikolaev.github.io/curseofwar/" \<br />

‐‐description "Das Spiel Curse of War" \<br />

‐‐deb‐user root ‐‐deb‐group root \<br />

‐s dir ‐t deb ‐n curseofwar ‐v 1.2 \<br />

‐C /tmp/curseofwar \<br />

‐d "libsdl1.2debian (>= 1.2)" \<br />

usr/bin usr/share/curseofwar<br />

96 www.linux-user.de<br />

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07142-21516 www.waldmann-edv.de √ √ √ √ √<br />

Pleidelsheimer Str. 25<br />

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Bodenseo 78224 Singen, Pomeziastr. 9 07731-1476120 www.bodenseo.de √ √ √<br />

Linux Information Systems AG 81739 München, Putzbrunnerstr. 71 089-993412-0 www.linux-ag.com √ √ √ √ √<br />

LinuxLand International GmbH 81739 München, Putzbrunnerstr. 71 089-99341441 www.linuxland.de √ √ √ √ √ √<br />

Synergy Systems GmbH 81829 München, Konrad-Zuse-Platz 8 089-89080500 www.synergysystems.de √ √ √ √ √<br />

B1 Systems GmbH 85088 Vohburg, Osterfeldstraße 7 08457-931096 www.b1-systems.de √ √ √ √ √<br />

ATIX AG 85716 Unterschleißheim, Einsteinstr. 10 089-4523538-0 www.atix.de √ √ √ √ √ √<br />

Tuxedo Computers GmbH 86343 Königsbrunn, Zeppelinstr. 3 0921-16498787-0 www.linux-onlineshop.de √ √ √ √<br />

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durch die Redaktion – vom Verlag nicht übernommen werden. Mit der Einsendung<br />

von Manuskripten oder Leserbriefen gibt der Verfasser seine Einwilligung zur<br />

Veröffent lich ung in einer Publikation der Medialinx AG. Für unverlangt eingesandte<br />

Manuskripte oder Beiträge übernehmen Redaktion und Verlag keinerlei Haftung.<br />

Autoreninformationen finden Sie unter http://www.linux-user.de/Autorenhinweise.<br />

Die Redaktion behält sich vor, Einsendungen zu kürzen und zu überarbeiten. Das exklusive<br />

Urheber- und Verwertungsrecht für angenommene Manus kripte liegt beim<br />

Verlag. Es darf kein Teil des Inhalts ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in<br />

irgendeiner Form vervielfältigt oder verbreitet werden.<br />

Copyright © 1999 - 2013 Medialinx AG ISSN: 1615-4444<br />

102 www.linux-user.de<br />

10.2013


Veranstaltungen/Autoren/Inserenten<br />

Service<br />

Veranstaltungen<br />

16.-18.09.2013<br />

LinuxCon North America 2013<br />

New Orleans, LA, USA<br />

http://events.linuxfoundation.org<br />

11.-13.10.2013<br />

Ubucon 2013<br />

SRH Berufsförderungswerk Heidelberg<br />

Bonhoefferstraße 6<br />

69115 Heidelberg<br />

http://www.ubucon.de<br />

14.-19.10.2013<br />

PyCon.DE 2013<br />

KOMED<br />

Im MediaPark 7<br />

50670 Köln<br />

https://2013.de.pycon.org/<br />

21.-23.10.2013<br />

LinuxCon Europe 2013<br />

Edinburgh, Großbritannien<br />

http://events.linuxfoundation.org<br />

24.-25.10.2013<br />

Embedded Linux Conference Europe 2013<br />

Edinburgh, Großbritannien<br />

http://events.linuxfoundation.org<br />

03.-08.11.2013<br />

USENIX LISA ’13<br />

Washington, DC, USA<br />

https://www.usenix.org/conference/lisa13<br />

08.11.2013<br />

Deutsche PostgreSQL Konferenz 2013<br />

LVR-Industriemuseum<br />

Hansastraße 20<br />

46049 Oberhausen<br />

http://2013.pgconf.de<br />

09.-10.11.2013<br />

OpenRheinRuhr<br />

LVR-Industriemuseum<br />

Hansastraße 20<br />

46049 Oberhausen<br />

http://openrheinruhr.de<br />

15.-16.11.2013<br />

7. Linux-Informationstage Oldenburg<br />

Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg<br />

Elsässer Straße 66<br />

26121 Oldenburg<br />

http://lit-ol.de<br />

17.-22.11.2013<br />

SC13<br />

Denver, CO, USA<br />

http://sc13.supercomputing.org<br />

23.11.2013<br />

14. Vorarlberger LinuxDay<br />

HTL Dornbirn<br />

Höchsterstraße 73<br />

6851 Dornbirn, Österreich<br />

http://www.linuxday.at<br />

01.-02.02.2014<br />

FOSDEM‘14<br />

Brüssel, Belgien<br />

http://sc13.supercomputing.org<br />

Autoren<br />

Inserenten<br />

Erik Bärwaldt Zeroshell-Workshop (4): Proxy und Virenschutz (63),<br />

ISOs erzeugen und bearbeiten mit AcetoneISO (78)<br />

Mario Blättermann Eigenbau-Desktop (1): Fenstermanager Pekwm (82)<br />

Andreas Bohle Inhalt (4), <strong>Vorschau</strong> <strong>LinuxUser</strong> 11/2013 (104)<br />

Thomas Drilling Softmaker <strong>Office</strong> 2012 für Linux im Praxistest (16),<br />

KDE-<strong>Office</strong>-Suite Calligra 2.7 im Überblick (32)<br />

Karsten Günther Distribution OpenArtist für Künstler und Kreative (60)<br />

Peter Kreußel Bildbearbeitungssoftware Lightzone im Test (46)<br />

Christoph Langner Kompakter Power-Rechner Cirrus7 Nimbus (88)<br />

Thomas Leichtenstern Neues auf den Heft-DVDs (105)<br />

Jörg Luther Editorial (3)<br />

Dr. Karl Sarnow Gnome-<strong>Office</strong>: Abiword, Gnumeric und Inkscape (24),<br />

Cloud-<strong>Office</strong> und Datenspeicher Google Drive (40),<br />

Formelsatz für wissenschaftliche Texte (52)<br />

Tim Schürmann Die besten Games aus Ubuntus Software Center (68)<br />

DEB- und RPM-Pakete erzeugen mit FPM (92)<br />

Vincze-Aron Szabo Open<strong>Office</strong> und Libre<strong>Office</strong> im direkten Vergleich (8)<br />

Uwe Vollbracht Angetestet: Aktuelle Software im Kurztest (6)<br />

1&1 Internet AG www.einsundeins.de 108<br />

ADMIN www.admin-magazin.de 15, 23<br />

Android User GY www.android-user.de 49, 57<br />

Fernschule Weber GmbH www.fernschule-weber.de 7<br />

Linux Magazine www.linux-magazine.com 101<br />

Linux-Community www.linux-community.de 99<br />

Linux-Hotel www.linuxhotel.de 11<br />

Linux-Magazin www.linux-magazin.de 100<br />

Linux-Magazin Online www.linux-magazin.de 65<br />

<strong>LinuxUser</strong> www.linuxuser.de 31, 103<br />

Medialinx IT-Academy www.medialinx-academy.de 81, 91, 101<br />

OpenRheinRuhr www.openrheinruhr.de 43<br />

PlusServer AG www.plusserver.de 39, 45, 51, 59, 76, 87, 97<br />

Raspberry Pi Geek www.raspi-geek.de 2<br />

Schlittermann internet www.schlittermann.de 99<br />

Spenneberg Training & Consulting www.spenneberg.com 101<br />

Stockmayer GmbH www.stockmayer.de 101<br />

Tuxedo Computers GmbH www.linux-onlineshop.de 107<br />

Webtropia www.webtropia.com 21, 27<br />

Einem Teil dieser Ausgabe liegt eine Beilage der Firma 1&1 Internet AG (www.einsundeins.<br />

de) bei. Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.<br />

08.2013 www.linux-user.de<br />

103


<strong>Vorschau</strong><br />

auf 11/2013<br />

Die nächste Ausgabe<br />

erscheint am 17.10.2013<br />

Virtuelle Maschinen im Griff<br />

Wer Software testet oder eine sichere<br />

Umgebung braucht, kommt um den Einsatz<br />

einer virtuellen Maschine kaum<br />

he rum. Aktuelle Hardware bringt in der<br />

Regel die notwendige Power mit, um<br />

Ins tanzen sinnvoll zu betreiben. Allerdings<br />

gibt es beim Setup und bei der<br />

Auswahl der Host-Software einiges zu<br />

beachten, wenn der Zugriff auf Shares<br />

oder das Durchschleifen von Hardware-<br />

Komponenten reibungslos klappen soll.<br />

Damit Sie keine Bauchlandung erleiden,<br />

hilft der kommende Schwerpunkt mit einem<br />

Überblick über aktuelle Techniken.<br />

Uberwriter<br />

Der Autor genießt das Privileg, den Blick<br />

aus dem Fenster als Arbeit verbuchen zu<br />

dürfen. Starrt er jedoch ins (PC-)Fenster,<br />

wünscht er möglichst wenig Störendes.<br />

Hier hilft Uberwriter, der ein ablenkungsfreies<br />

Schreiben von Texten erlaubt.<br />

Buffalo WZR-HP-AG300N<br />

Im Prinzip handelt es sich beim Dualband-WLAN-Router<br />

von Buffalo schon<br />

um eine eierlegende Wollmichsau. Wem<br />

die Unzahl an Funktionen nicht reicht,<br />

der nutzt die offene Firmware DD-WRT<br />

als Grundlage für eigene Experimente.<br />

© Mart1n, sxc.hu<br />

Die Redaktion behält sich vor,<br />

Themen zu ändern oder zu streichen.<br />

Ausgabe 04/2013 erscheint am 10.10.2013<br />

© Ktsdesign, Fotolia<br />

DSL-Zugang aufbohren<br />

Dank DSL oder Kabel sind Sie schnell im<br />

Netz, so weit nichts Neues. Im Schwerpunkt<br />

der kommenden Ausgabe verraten<br />

wir aber Tricks, die Ihren Zugang<br />

nützlicher machen: mit Fernzugriff auf<br />

den heimischen PC oder dynamischem<br />

DNS – all das so sicher wie möglich, damit<br />

Ihre Daten privat bleiben.<br />

Neue Schriftarten für Linux<br />

TrueType-Fonts, die Sie im Internet oder<br />

auf Ihrem Windows-PC finden, können<br />

Sie leicht unter Linux nutzen. Wir zeigen,<br />

wie die Einrichtung geht, und haben uns<br />

Schriftensammlungen im Internet angesehen:<br />

Nicht jeder Font ist brauchbar.<br />

Trotzdem gibt es viele wunderschöne<br />

Schriften zu entdecken.<br />

MAGAZIN<br />

Ausgabe 11/2013 erscheint am 02.10.2013<br />

© Andrey Prokhorov, Fotolia<br />

Websites selbst erweitern<br />

Wer eine Website aufsetzt, fängt nicht<br />

mehr mit einem leeren File und einer<br />

HTML-Syntax-Referenz an. In den langen<br />

Featurelisten der CMS-Projekte fehlt jedoch<br />

häufig das Plugin für den eigenen<br />

Spezialfall. Das Linux-Magazin zeigt beispielhaft,<br />

wie Sie mit aktuellen Systemen<br />

eigene Erweiterungen programmieren<br />

und fachgerecht integrieren.<br />

Klingende Brücke<br />

Audio-Video-Bridging soll die Ouvertüre<br />

für die durchgängige Digitalisierung in<br />

Tonstudios und Konferenzräumen spielen.<br />

Die Multimedia-Netzwerknorm<br />

sorgt für einheitliche Taktung, unterbrechungsfreie<br />

Übertragung und Geräte-<br />

Discovery. Erste Hardware gibt es schon,<br />

eine Linux-Implementierung steht bereits<br />

in den Startlöchern.<br />

104 www.linux-user.de<br />

10.2013


Heft-DVD-Inhalt<br />

Service<br />

Neues auf den Heft-DVDs<br />

Gentoo made eays: Sabayon Linux 13.08 KDE<br />

Das auf Gentoo basierende Sabayon Linux<br />

13.08 legt besonderen Wert auf eine überdurchscnittlich<br />

gute Hardware-Erkennung<br />

sowie ausgefallene grafische Desktop-Effekte.<br />

Die aktuelle Version wartet mit einer<br />

ganzen Reihe von Neuerungen auf, wie<br />

etwa dem Init-System Systemd. Daneben<br />

besteht die Unterstützung für OpenRC<br />

fort. Das System verwendet Kernel 3.10.4<br />

mit dem I/​O-Scheduler BFQ und Unterstützung<br />

für externes ZFS. Als Desktop dient<br />

KDE 4.10.5, als Büropaket kommt Libre-<br />

<strong>Office</strong> 4.1 zum Einsatz. Auf Seite A der<br />

Heft-DVD finden Sie den 32-Bit-Ableger<br />

der Live-Distribution, Seite B enthält die<br />

64-Bit-Variante. Da die Distribution auf<br />

dem Rolling-Release-Modell basiert, aktualisiert<br />

sie sich von selbst. Ein späteres Upgrade<br />

über eine neuere Sabayon-Version<br />

ist entsprechend nicht mehr erforderlich.<br />

Multimedialer Allrounder: OpenArtist 2012.10.31<br />

An alle multimedial Interessierten richtet<br />

sich der Ubuntu-Ableger OpenArtist<br />

2012.10.31. Er enthält eine beeindruckende<br />

Vielfalt von Programmen aus allen Bereichen<br />

rund um die Bild-, Audio- und Video-Bearbeitung.<br />

Dazu zählen unter anderem<br />

Gimp, Blender, Rosegarden, Audacity,<br />

Ardour, Shotwell und F-Spot. Viele der Programme,<br />

etwa Gimp, enthalten bereits<br />

eine stattliche Sammlung an Plugins, womit<br />

deren nachträgliche Installation entfällt.<br />

Insgesamt versammeln sich weit über<br />

hundert Programme dieser Couleur auf<br />

der Distribution, die Sie sowohl im Live-<br />

Modus nutzen oder bei Gefallen auch auf<br />

Ihrem Rechner installieren können.<br />

Mandriva Business Server SOHO 1.0<br />

Als Kommunikationszentrale für zu Hause<br />

dient der Mandriva Business Server SOHO<br />

1.0. Die auf der Heft-DVD enthaltene Version<br />

fürs Home-<strong>Office</strong> beschränkt sich auf<br />

den Einsatz mit fünf Nutzern, bringt daneben<br />

aber beinahe den vollen Funktionsumfang<br />

ihrer Enterprise-Brüder mit. Dazu<br />

zählt nach Herstellerangaben auch die volle<br />

Updatefähigkeit. Die französische Distribution<br />

fungiert unter anderem als Mailund<br />

File-Server sowie als Firewall und VPN-<br />

Knoten. Zusätzliche Funktionen installieren<br />

Sie über meist kostenfreie Addons<br />

nach. Dank des schlicht gehaltenen Installationsdialogs<br />

bereitet das erste Setup<br />

auch Einsteigern keine Mühe. Die nachfolgende<br />

Konfiguration findet komplett auf<br />

dem mitgelieferten Webfrontend statt.<br />

Schlank und rank: Netrunner 13.06 „Stealth“<br />

Steht Ihnen der Sinn nach einer aufgeräumten,<br />

hochfunktionalen Desktop-Distribution,<br />

dann werfen Sie doch mal einen<br />

Blick auf das Kubuntu-Derivat Netrunner<br />

13.06. Die installierbare Live-Distro bietet<br />

eine Vielzahl von Programmen, darunter<br />

Mozillas Thunderbird und Firefox, den Mediaplayer<br />

VLC und den Videochat Skype.<br />

Diverse weitere unfreie Pakete wie Flash,<br />

Java oder Multimedia-Codecs enthält die<br />

Distribution ebenso. Darüber hinaus legten<br />

die Maintainer Wert auf eine möglichst<br />

einfache Nutzerführung des Systems. Die<br />

vorliegende „Stealth“-Variante wartet zusätzlich<br />

mit diversen Sicherheitsfeatures<br />

auf. So wurde Firefox um sicherheitsrelevante<br />

Plugins erweitert und so konfiguiert,<br />

dass er direkt via vorinstalliertem Tor-Proxy<br />

auf das Internet zugreift. Thunderbird enthält<br />

eine GPG-Unterstützung.<br />

10.2013 www.linux-user.de<br />

105


Service<br />

Heft-DVD-Inhalt<br />

Sparky Linux 3.0<br />

Auf der Eco-Disk finden Sie die Distribution<br />

Sparky Linux 3.0. Das System verwendet<br />

den Linux-Kernel 3.9.8, die enthaltenen<br />

Programmversionen entsprechen<br />

dem Stand von Debian<br />

Testing-Zweigs vom 2. August<br />

dieses Jahres. Da das System<br />

das Rolling-Release-Prinzip<br />

verfolgt, aktualisiert sich<br />

das System beim Erscheinen<br />

von Updates jeweils<br />

von selbst. Neben diversen<br />

Lern- und Unterhaltungsprogrammen<br />

enthält<br />

die Distribution einen<br />

nahezu vollwertigen Desktop<br />

auf Basis der schlanken<br />

LXDE-Oberfläche, die sich<br />

auch zum Einsatz auf älteren<br />

Rechnern eignet. Zum Login<br />

ins Live-System geben Sie als<br />

Nutzernamen und Passwort live<br />

ein. Die Distribution eignet sich sowohl<br />

für den Live-Betrieb als auch die<br />

Installation auf der Festplatte. (tle) n<br />

Bei der DVD-Edition von <strong>LinuxUser</strong> ist an dieser Stelle der zweite Heft-Datenträger eingeklebt.<br />

Bitte wenden Sie sich per E-Mail an cdredaktion@linux-user.de, falls es Probleme mit der Disk gibt.<br />

Neue Programme<br />

FreeNAS 9.1.1 dient in erster Linie zum Speichern von Dateien. Der<br />

Server unterstützt die Dateisysteme ZFS, UFS, Ext2/​Ext3, FAT32 und<br />

NTFS. Das System startet wahlweise von einer CF-Karte, einem<br />

USB-Stick oder einer Festplatte. Sie finden die Distribution als ISO-<br />

Image im Verzeichnis /LU/freenas/ des Datenträgers.<br />

Das Programm Bashstyle-NG 8.3 bietet Ihnen eine grafische<br />

Oberfläche zum Anpassen der Bash-Konfiguration. Mit deren Hilfe<br />

legen Sie neben dem Erscheinungsbild auch Shell-spezifische<br />

Umgebungsvariablen fest.<br />

Chrony 1.29 hält die Systemzeit des Rechners via NTP aktuell.<br />

Dazu gleicht es sie mit vordefinierten NTP-Servern ab und dient<br />

daneben bei Bedarf selbst als solcher. Sein Funktionsumfang prädestiniert<br />

das Tool für den Einsatz auf mobilen Geräten oder in<br />

abgeschotteten Umgebungen.<br />

Das Analysetool Darkstat 3.0 sammelt im Hintergrund Informationen<br />

über den aktuellen Datenverkehr auf den Netzwerkschnittstellen.<br />

Aus diesen generiert das Tool übersichtliche Statistiken. So<br />

erkennen Sie schnell, wenn es im Netzwerk Probleme gibt.<br />

Bei Downtimed 0.6 ist der Name Programm: Das Tool ermittelt,<br />

wie lange ein System ausgeschaltet war. Es erfasst dabei sowohl<br />

Systemabstürze als auch reguläre Shutdown/​Neustart-Zyklen.<br />

SoftMaker-<strong>Office</strong> 2012 hat die Lücke im Bürosoftware-Segment erfolgreich<br />

gefunden. Die Suite überzeugt unter anderem mit einer<br />

sehr guten Unterstützung fremder Formate wie Microsofts DOCX.<br />

Mit dem 4K Slideshow Maker 1.2 stellen Sie mit wenigen Mausklicks<br />

eine ansehnliche Diashow aus Ihren Bildern zusammen.<br />

Möchten Sie ISO-9660-Images nicht nur auf eine DVD oder CD<br />

brennen, sondern zuvor auch noch bearbeiten, bietet sich<br />

AcetoneISO 2.3 als Allround-Werkzeug an.<br />

Der Markt an brauchbarer Bildbearbeitungssoftware für Linux-Anwender<br />

ist nicht zuletzt mit Rawtherapee und Darktable stark besetzt.<br />

Wer sich in diesem Umfeld behaupten will, muss gute Argumente<br />

vorweisen. Das tut Lightzone 4.0 mit einem innovativen<br />

Workflow. Darüber hinaus bringt die Software außergewöhnliche<br />

Werkzeuge mit, wie etwa den Zone-Mapper, der ein schnelles Anpassen<br />

der partiellen Bildhelligkeit erlaubt.<br />

106 www.linux-user.de<br />

10.2013

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