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Die besten Ubuntu-Apps für Netz und Desktop S. 48<br />

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10.2012<br />

10.2012<br />

Das Magazin für die Praxis<br />

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DIE BESTEN LÖSUNGEN GEGEN DEN TÄGLICHEN STRESS IM BÜRO<br />

OFFICE PERFEKT<br />

Schlanke Lösungen S. 32, 36<br />

Thin Clients aufsetzen mit Thinlinc,<br />

stromsparender Nettop Giada i35G<br />

Hallo, Finanzamt! S. 38<br />

Umsatzsteuervoranmeldungen mit<br />

Geierlein elektronisch erledigen<br />

Alltagsarbeiten komfortabel abwickeln S. 20, 26<br />

Leichtgewichtige KDE-<strong>Office</strong>-Alternative Calligra im Praxistest,<br />

PostgreSQL als Datenquelle für Serienbriefe in Libre<strong>Office</strong> nutzen<br />

SSH-Anmeldung zusätzlich absichern S. 68<br />

So nutzen Sie hochsichere Passworte für alle Zugänge<br />

mit dem YubiKey und einer Zwei-Faktor-Authentifizierung<br />

Widelands S. 44<br />

Aufbauspiel mit<br />

Langzeit-Spaß<br />

Hdparm S. 73<br />

<strong>Perfekt</strong>es Tuning<br />

für Festplatten<br />

4 195111 005504 10<br />

Ausbaufähiger<br />

Dateimanager<br />

Thunar um individuelle<br />

Aktionen erweitern S. 54<br />

<br />

Stromfresser finden,<br />

Verbrauch optimieren<br />

Prozessor und GPU auf Herz und<br />

Nieren prüfen mit Powertop2 S. 78<br />

ERP-Komplettlösung Kivitendo S. 62<br />

Alles unter einem Dach: Kunden- und Projektverwaltung,<br />

Warenwirtschaft, Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung


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EDITORIAL<br />

Copywrong<br />

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,<br />

6. August 2012: Die Landestufe<br />

des Mars Science Laboratory mit<br />

dem 900 Kilo schweren Rover Curiosity<br />

setzt weich im Krater Gale<br />

auf. Wenig später präsentiert die<br />

NASA auf ihrer Youtube-Seite ein<br />

Video des Landemanövers – aber<br />

nur für zehn Minuten. Danach erscheint<br />

nur noch folgender Satz:<br />

„This Video contains content from<br />

Scripps Local News, who has blocked<br />

it on copyright grounds.“ [1]<br />

2. September 2012: Auf der 70.<br />

Worldcon in Chicago wird der<br />

Hugo-Award vergeben, einer der<br />

bedeutendsten Science-Fiction-<br />

Preise. Fans außerhalb des Saals<br />

verfolgen die Zeremonie als Live-<br />

Stream. Einer der Preisträger erhält<br />

den „Hugo“ für seine Arbeit<br />

als Autor an der TV-Serie „Doctor<br />

Who“, von der ein kurzer Clip zu<br />

sehen ist. Dann bricht der Live-<br />

Stream ab: „Worldcon banned due<br />

to copyright infringement“. [2]<br />

4. September 2012: Auf dem Parteitag<br />

der US-Demokraten stellt<br />

das Team um Präsident Barack<br />

Obama seine Pläne für die nächsten<br />

Jahre vor. Eine Aufzeichnung<br />

aller Reden erscheint kurz darauf<br />

auf der Youtube-Seite des Democratic<br />

National Congress. Wenig<br />

später ist sie verschwunden: „This<br />

video contains content from<br />

WMG, SME, Associated Press<br />

(AP), UMG, Dow Jones, New York<br />

Times Digital, The Harry Fox<br />

Agency, Inc. (HFA), Warner Chappell,<br />

UMPG Publishing and EMI<br />

Music Publishing, one or more of<br />

whom have blocked it in your<br />

country on copyright grounds“ [3].<br />

Dies sind nur die prominentesten<br />

Fälle rund um ein Phänomen,<br />

das seuchenartig um sich greift<br />

und verharmlosend „Copywrong“<br />

heißt. In Wirklichkeit läuft hier<br />

Habgier Amok, unter dem Deckmäntelchen<br />

des Copyright. Die<br />

Vorfälle zeigen unmissverständlich<br />

auf, wie dringend das Urheberrecht<br />

einer Reform bedarf, soll<br />

es nicht zur bloßen Profitgarantie<br />

für eine lobbystarke Content-Industrie<br />

verkommen. Bezeichnend<br />

ist, dass alle drei Zwischenfälle<br />

Ereignisse des öffentlichen Raums<br />

betreffen, vulgo: Nachrichten. Die<br />

selbe Selbstbedienungsmentalität<br />

legen bekanntlich auch deutsche<br />

Medienkonzerne an den Tag, die<br />

abgeschriebene Agenturmeldungen<br />

zur „Leistung“ hochstilisieren,<br />

für die ein „Schutzrecht“ geschaffen<br />

werden müsse.<br />

Um die Copyright-Amokläufer<br />

zu stoppen, bevor sie die Informationsfreiheit<br />

im Netz komplett<br />

umbringen, hilft offensichtlich<br />

nur noch ein finaler Rettungsschuss.<br />

Wie der aussehen könnte,<br />

zeigt ein Entwurf der Berliner Piraten<br />

zur Reform des deutschen<br />

Urheberrechtsgesetzes (UrhG). So<br />

hebelt das Papier [4] durch die<br />

Forderung einer „Gestaltungshöhe<br />

über dem Durchschnittsschaffen“<br />

ein Leistungsschutzrecht aus und<br />

fordert eine Stärkung der Autoren<br />

gegenüber der Content-Industrie.<br />

Daneben verlangt der Entwurf<br />

eine Rechte-Erschöpfung auch für<br />

die digitale Welt, sodass Anwender<br />

von ihnen erworbenen Content<br />

wie analoge Güter nutzen<br />

dürfen, etwa ihn verleihen oder<br />

weiterveräußern. Bildungseinrichtungen<br />

und Museen sollen in lokalem<br />

Rahmen Inhalte leichter nutzen<br />

dürfen. Verwerter wie die<br />

GEMA dürfen beim Liedabend im<br />

Kindergarten oder der Schulaufführung<br />

nicht mehr abkassieren.<br />

Apropos GEMA: Die soll endlich<br />

offenlegen, was sie warum an wen<br />

ausschüttet. Damit der Schöpfer<br />

eines Werks etwas von seiner Leistung<br />

hat, genügt eine Schutzfrist<br />

von 10 Jahren nach seinem Tod,<br />

statt der derzeit gültigen 70 Jahre,<br />

die auch noch den Urenkeln des<br />

Autors das Abkassieren gestatten.<br />

Dieses ambitionierte, aber nicht<br />

welfremde Konzept ließe sich mit<br />

minimalen Anpassungen des<br />

UrhG schnell realisieren, würde<br />

sofort die schlimmsten Copyright-<br />

Auswüchse dämpfen, die wirklichen<br />

Urheber sogar erheblich in<br />

ihren Rechten stärken und gleichzeitig<br />

Inhalte für Kultur und Lehre<br />

öffnen. Obendrein wäre es zweifellos<br />

konsensfähig, liegt es doch<br />

nicht weit davon entfernt, was andere<br />

Parteien (wenn auch weniger<br />

deutlich) formulieren.<br />

Schade, dass „Spiegel Online“<br />

den gelungenen Wurf der Berliner<br />

Piraten hämisch als „weichgespültes<br />

Reförmchen“ diskreditiert [5].<br />

Noch trauriger: Noch nicht einmal<br />

die Piratenpartei selbst will sich<br />

hinter das durchdachte Papier<br />

stellen [6]. Damit beweist sie einmal<br />

mehr, dass ihr Ideologie derzeit<br />

immer noch wichtiger ist als<br />

konkretes, zielorientiertes Handeln<br />

– schade eigentlich.<br />

Herzliche Grüße,<br />

Jörg Luther<br />

Chefredakteur<br />

[1] „Takedown statt Touchdown“: http:// heise. de/ -1661975<br />

[2] „Copyright-Maschine stoppt Live-Stream“: http:// heise. de/ -1698288<br />

[3] „Absurde Welle“: http:// heise. de/ -1699109<br />

[4] Entwurf der Piratenfraktion Berlin: http:// tinyurl. com/ lu1012-piraten<br />

[5] „Piraten legen Reförmchen vor“: http:// tinyurl. com/ lu1012-spon<br />

[6] „Entwurf nicht abgestimmt“: http:// heise. de/ -1698994<br />

INFO<br />

www.linux-user.de 10 | 12<br />

3


10 | 12<br />

82<br />

Die Idee, Software in<br />

einem Repository zu<br />

verwalten, besticht. Wir<br />

zeigen, welche Software-Projekte auf<br />

die intelligente Technik setzen.<br />

73<br />

Der Prozessor arbeitet am Anschlag,<br />

aber die Daten tröpfeln vor<br />

sich hin. Der richtige Zeitpunkt,<br />

um der Festplatte mit dem Programm Hdparm<br />

das notwendige Tuning zu verpassen, um die<br />

optimale Performance aus diesem zentralen<br />

Baustein des Computers herauszuholen.<br />

62<br />

Der ERP-Markt scheint fest in<br />

Windows-Hand. Mit Kivitendo<br />

existiert aber eine freie Lösung,<br />

die nicht nur alle wichtigen Bereiche mitbringt,<br />

sondern für die es bei Bedarf auch gegen Bares<br />

professionellen Support gibt.<br />

HEFT-DVD<br />

SCHWERPUNKT<br />

PRAXIS<br />

Jux 3.0 ................. 6<br />

Das Einsteiger-Betriebssystem<br />

für kleinere Kinder wartet mit<br />

einigen Schmankerln speziell für<br />

diese Zielgruppe auf.<br />

AKTUELLES<br />

Angetestet ............. 10<br />

Gsmartcontrol 0.8.7, Jajuk 1.10,<br />

NewsFeed 2.16, Nomacs 0.4.0<br />

Neues rund um Linux .... 12<br />

Telepathy 0.5 mit Bildvorschau,<br />

Flightgear 2.8 mit mehr Realismus,<br />

Texmaker 3.5 mit neuen<br />

Features, Editor Enki für Programmierer,<br />

Autoren-Software<br />

von Calligra, Italiens Behörden<br />

setzen auf Open-Source, Twitter<br />

wird Linux-Foundation-Mitglied<br />

REPORT<br />

LPI Linux Essentials ..... 14<br />

Mit einem Einsteigerkurs will das<br />

LPI vor allem dem Nachwuchs<br />

einen leichteren Einstieg in freie<br />

Alternativen ermöglichen.<br />

Calligra 2.5 ............. 20<br />

Bei der leichtgewichtigen <strong>Office</strong>-<br />

Alternative aus dem KDE-Umfeld<br />

arbeiten noch nicht alle Komponenten<br />

alltagstauglich.<br />

Briefe aus der DB ....... 26<br />

Mit einem einfachen Handgriff<br />

gewähren Sie den Benutzern<br />

in Libre<strong>Office</strong> Zugriff auf PostgreSQL<br />

und ermöglichen so den<br />

Druck von Serienbriefen.<br />

ThinLinc ............... 32<br />

Die leicht zu installierende und<br />

zu wartende Terminal-Server-Lösung<br />

lässt kaum Wünsche offen.<br />

Giada i35G ............. 36<br />

Mehr Platz auf dem Schreibtisch<br />

bei weniger Stromverbrauch – das<br />

verspricht der Giada i35G. Allerdings<br />

birgt die Installation von<br />

Linux einige Tücken.<br />

Geierlein .............. 38<br />

Mit der Software Geierlein senden<br />

Sie die Umsatzsteuervoranmeldung<br />

komfortabel über das<br />

Internet ans Finanzamt – und das<br />

plattformübergreifend und bei<br />

Bedarf über die Kommandozeile.<br />

Widelands ............. 44<br />

Der Aufbau einer Volkswirtschaft<br />

hängt von vielen Faktoren ab. Wer<br />

bei der Wirtschaftssimulation<br />

Widelands die Ressourcen richtig<br />

einsetzt, herrscht im Handumdrehen<br />

über ein florierendes Reich.<br />

App Showdown ......... 48<br />

Der Wettbewerb „Ubuntu App<br />

Showdown“ hat eine Menge<br />

interessanter Projekte hervorgebracht.<br />

Wir stellen kleine<br />

Juwelen abseits der von Jury<br />

und Community prämierten<br />

Showdown-Kandidaten vor.<br />

Geary ................. 51<br />

E-Mails auf einem IMAP-Server<br />

zu verwalten, gehört heute zum<br />

Alltag. Der schlanke Client Geary<br />

macht dies so einfach, wie es viele<br />

mobile Geräte heute vormachen.<br />

Thunar ................ 54<br />

Der Dateimanager des XFCE-<br />

Projektes kommt unscheinbar und<br />

gewöhnlich daher, aber seine Qualitäten<br />

blühen im Verborgenen.<br />

Redshift ............... 58<br />

Haben Sie wieder mal eine lange<br />

Nacht vor dem PC vor sich? Redshift<br />

hilft, die Augen zu entlasten.<br />

4<br />

10 | 12


Heft-DVDs<br />

Auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe befindet<br />

sich ausschließlich Anwendungssoftware.<br />

Die Datenträger enthalten keine jugendgefährdenden<br />

Inhalte.<br />

20<br />

Das moderne <strong>Office</strong><br />

besteht aus einem gesunden<br />

Mix: Die freie Büro-Suite Calligra springt bei Alltagsaufgaben<br />

ein, die Umsatzsteuervoranmeldung erledigen Sie mit Geierlein,<br />

Serienbriefe melken Sie mittels Libre<strong>Office</strong> aus einer PostgreSQL-<br />

Datenbank, und alles zusammen läuft auf einem Thin Client.<br />

Auf der Heft-DVD:<br />

Hauchen Sie dem Alt-PC<br />

mit AntiX Linux noch einmal<br />

neues Leben ein. Das<br />

superschlanke Desktop-<br />

System läuft selbst auf<br />

einem Pentium II.<br />

IM TEST<br />

Kivitendo ERP .......... 62<br />

Kivitendo bringt CRM, Warenwirtschaft,<br />

Rechnungswesen<br />

und Finanzbuchhaltung einfach<br />

bedienbar und flexibel anpassbar<br />

unter ein gemeinsames Dach.<br />

NETZ&SYSTEM<br />

YubiKey (Teil 2) ......... 68<br />

Wir zeigen, wie Sie den YubiKey<br />

mit eigenen Passworten versehen<br />

und auf diese Weise SSH-Zugänge<br />

zusätzlich absichern.<br />

Hdparm ............... 73<br />

Geht es um das Optimieren der<br />

Festplatten-Performance, führt<br />

kein Weg an Hdparm vorbei. Daneben<br />

kann das pfiffige Tool aber<br />

noch viel mehr.<br />

Powertop 2 ............. 78<br />

Das von Intel entwickelte Powertop<br />

hilft beim Stromsparen. Seit<br />

Version 2.0 kommt das Tool mit<br />

GPUs zurecht und bietet erweiterte<br />

Reporting-Funktionen.<br />

KNOW-HOW<br />

Quellcode-Repos ........ 82<br />

Etliche Software-Pakete und<br />

Programmiersprachen bringen<br />

abseits von DEB, RPM und Co.<br />

ihre eigene, komfortable Paketverwaltung<br />

mit.<br />

SERVICE<br />

Editorial ................ 3<br />

IT-Profimarkt .......... 88<br />

Events/Inserenten ...... 94<br />

Impressum ............. 95<br />

<strong>Vorschau</strong> 11/2012 ....... 96<br />

Heft-DVD-Inhalt ........ 97<br />

68Wer sichere<br />

Verbindungen will,<br />

der setzt auf SSH.<br />

Mit dem kleinen Token YubiKey<br />

erweitern Sie dessen Sicherheitsarchitektur<br />

um eine Zwei-Faktor-<br />

Authentifizierung.<br />

Pflichtprogramm für Audiound<br />

Video-Profis: Das aktuelle<br />

AV Linux 6.0 besticht<br />

durch einen handoptimierten<br />

Unterbau und bringt<br />

topaktuelle Builds von<br />

Kdenlive und VLC mit.<br />

Jetzt kommt‘s ganz<br />

dick: Die exklusive<br />

XXL-Edition von<br />

Ubuntu 12.04.1 erleichtert<br />

durch direkt<br />

integrierte Updates<br />

und zusätzliche<br />

Software auf<br />

dem Datenträger<br />

Update und Setup.<br />

Statt ein Standardsystem<br />

mühselig kindgerecht<br />

abzusichern, setzen Sie<br />

mit Jux 3.0 ein System<br />

auf, das speziell auf die<br />

Bedürfnisse Heranwachsender<br />

angepasst ist.<br />

<strong>LinuxUser</strong> DVD-Edition<br />

Hinweis: Haben Sie die DVD-Edition dieser Ausgabe erworben,<br />

finden Sie ab Seite 97 wei tere Informationen zu<br />

den Programmen auf den beiden Datenträgern. Haben Sie<br />

dagegen die güns tigere No-Media-Ausgabe erstanden,<br />

enthält dieses Heft keine Datenträger.<br />

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12 | 10 5


HEFT-DVD<br />

Jux 3.0<br />

Linux für Kinder: Jux 3.0<br />

Pädagogisch wertvoll<br />

Richtig konfiguriert eignet sich Linux als Einsteiger-Betriebssystem für kleinere Kinder. Das<br />

neue Jux 3.0 wartet mit einigen Schmankerln speziell für diese Zielgruppe auf. Erik Bärwaldt<br />

Jux 3.0 bootfähig<br />

auf Heft-DVD<br />

README<br />

Die aus Österreich<br />

stammende Linux-Distribution<br />

Jux für Kinder ist<br />

in der Version 3.0 erschienen.<br />

Wir zeigen,<br />

welche Neuerungen das<br />

System mitbringt.<br />

Die in Österreich entwickelte<br />

Linux-Distribution Jux [1] gehört<br />

bereits zu den älteren Semestern<br />

in der Geschichte freier Software<br />

und Betriebssysteme. Mit Jux 3.0<br />

hat das von der Stadt Wien geförderte<br />

Projekt Netbridge nach einer<br />

längeren Pause erneut eine<br />

Variante des Live-Systems vorgestellt.<br />

Jux 3.0 richtet sich an die<br />

Altersgruppe der sechs- bis zwölfjährigen<br />

Kinder.<br />

Runderneuert<br />

Bei der Neuauflage haben die<br />

Entwickler nicht nur auf dem<br />

Desktop, sondern auch unter der<br />

Haube massive Veränderungen<br />

vorgenommen: So basiert das<br />

System nun nicht mehr wie bislang<br />

auf Grml, sondern stattdessen<br />

auf Ubuntu 11.04. Damit umschifft<br />

man diverse Schwächen<br />

bei der Hardware-Unterstützung.<br />

Die Kehrseite der Medaille: Das<br />

System findet nun nicht mehr<br />

wie die Vorgänger auf einer CD-<br />

ROM Platz, sondern kommt als<br />

rund 1,43 GByte großes Image<br />

zum Download und Brennen auf<br />

eine DVD oder Aufspielen auf einen<br />

USB-Stick [2].<br />

Auch die Hardware-Anforderungen<br />

stiegen mit dem Wechsel des<br />

Basissystems: Als Minimalanforderungen<br />

nennt das Netbridge-<br />

Projektteam 1 GByte Hauptspeicher.<br />

Im Test zeigte sich zudem,<br />

dass sich Jux 3.0 tatsächlich erst<br />

mit Prozessoren deutlich jenseits<br />

der 1-GHz-Grenze und mit entsprechendem<br />

Arbeitsspeicher<br />

sinnvoll nutzen lässt. Weitere<br />

Voraussetzungen geben die Entwickler<br />

nicht an, da Ubuntu auf<br />

aktuellen Systemen über eine ordentlich<br />

arbeitende Hardware-<br />

Unterstützung verfügt.<br />

Oberflächliches<br />

Auch auf dem Bildschirm hat bei<br />

Jux 3.0 eher eine Revolution als<br />

eine Evolution stattgefunden.<br />

Während bislang ein eher spiele-<br />

6 10 | 12<br />

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Jux 3.0<br />

A Süßes im Fenster:<br />

Sugar integriert sich<br />

vollkommen in Jux.<br />

risch anmutender Desktop mit<br />

Symbolen als Programmstarter<br />

und ohne typische Merkmale herkömmlicher<br />

Oberflächen wie Panelleisten<br />

den leichten Einstieg<br />

für Kleinkinder ermöglichte,<br />

kommt in der neuen Jux-Version<br />

Gnome 2.32.1 zum Einsatz. Ungewöhnlich<br />

erscheinen die auf<br />

dem Desktop oben angeordneten<br />

großen Programmsymbole, die an<br />

die Sugar-Oberfläche des OLPC-<br />

Projektes erinnern [3].<br />

Tatsächlich nehmen die Entwickler<br />

von Jux 3.0 nicht nur grafische<br />

Anleihen bei Sugar, sondern<br />

implementieren dessen gesamtes<br />

System, das sich exzellent<br />

zur Förderung motorischer wie<br />

auch kognitiver Fähigkeiten bei<br />

kleineren Kindern eignet. Sugar<br />

läuft dabei unter Jux 3.0 in einem<br />

Fenster. Sie rufen die Oberfläche<br />

im Menü Anwendungen | Bildung<br />

| Sugar auf oder starten sie<br />

direkt auf dem Desktop durch einen<br />

Doppelklick auf das Sugar-<br />

Symbol (Abbildung A).<br />

Doch nicht nur die Integration<br />

von Sugar stellt sich als echte Innovation<br />

im Bereich der Lerndistributionen<br />

dar: Für die älteren<br />

Semester unter den Anwendern<br />

stellt Jux 3.0 die Bürosuite Open-<br />

<strong>Office</strong>4Kids bereit, die man ebenfalls<br />

vom Desktop oder über<br />

Anwendungen | Büro startet.<br />

Die Kiddie-Variante von Open-<br />

<strong>Office</strong> zeichnet sich nicht nur<br />

durch die Verwendung kindgerechter<br />

Symbole aus, sondern bietet<br />

im Vergleich zur ausgewachsenen<br />

Bürosuite zusätzlich stark<br />

vereinfachte Symbolleisten mit<br />

entsprechend reduziertem Funktionsumfang.<br />

Dadurch gelingt<br />

Schülern im Grundschulalter, die<br />

mit den wichtigsten Funktionen<br />

von Bürosoftware vertraut gemacht<br />

werden sollen, ein deutlich<br />

leichterer Einstieg in die <strong>Office</strong>-<br />

Suite als mit der Standardvariante<br />

mit ihren oft funktionell<br />

überladenen Menüs und Symbolleisten<br />

(Abbildung B).<br />

Lernsoftware<br />

Bereits seit den ersten Versionen<br />

der Distribution lag der Schwerpunkt<br />

der Netbridge-Produkte<br />

auf der Integration didaktisch<br />

möglichst ausgewogener Lernsoftware,<br />

die alle Aufgabenfelder<br />

und Anforderungen der jeweiligen<br />

Zielgruppe abdecken sollte.<br />

Auch in Jux 3.0 beschränkt sich<br />

daher die Softwareauswahl nicht<br />

nur auf Sugar und seine eher spielerisch<br />

zu bedienenden Programme,<br />

sondern bietet zudem eine<br />

angepasste Plattform für ältere<br />

Kinder mit bereits vertieften<br />

Computerkenntnissen sowie wie<br />

für Kinder mit Lerndefiziten.<br />

Ein Klick auf das Programmsymbol<br />

Lernspiele startet eine aktuelle<br />

Version von Gcompris, das<br />

für alle gängigen Unterrichtsfächer<br />

in der Grundschule einschließlich<br />

des Heimat- und Sachkunde-Unterrichts<br />

spielerische<br />

Übungen bereithält. Für Kinder<br />

mit feinmotorischen Defiziten ermöglicht<br />

das Tastatur- und Maussteuerungsprogramm<br />

Pysycache<br />

die Annäherung an den Computer.<br />

Auch die speziell bei Grundschülern<br />

äußerst beliebten Programme<br />

Tux Paint, Tux Math und<br />

Tux Typing finden sich im Fundus<br />

von Jux 3.0 im Menü Anwendungen<br />

| Bildung.<br />

Bei allen genannten Software-<br />

Suiten fällt die sorgfältige Integration<br />

multimedialer Bestandteile<br />

auf: So tragen sowohl Gcompris<br />

als auch Pysycache die Aufgabenstellungen<br />

auch akustisch vor, sodass<br />

Kinder, die noch nicht (richtig)<br />

lesen können, auch ohne die<br />

Unterstützung durch Erwachsene<br />

mit der Software klarkommen.<br />

Aus dem OLPC-Fundus ausgekoppelt<br />

wurden weiterhin die Applikationen<br />

eToys und TurtleArt,<br />

die Sie ebenfalls im Menü Anwendungen<br />

| Bildung finden.<br />

Standardsoftware<br />

Sie können Jux 3.0 bei Bedarf<br />

jedoch nicht nur als Live-CD zu<br />

Lernzwecken nutzen, sondern<br />

aufgrund der Basis Ubuntu auch<br />

dauerhaft auf der heimischen<br />

Festplatte installieren und als<br />

Allround-System einsetzen. Zwar<br />

fällt die Software-Auswahl in den<br />

Anwendungsmenüs in der Live-<br />

Variante deutlich reduziert aus,<br />

aber da Jux alle bekannten Ubuntu-Tools<br />

von Haus aus bereits<br />

mitbringt, passen Sie das System<br />

schnell Ihren Wünschen gemäß<br />

an. Synaptic erlaubt dabei den bequemen<br />

und unproblematischen<br />

Zugriff auf den gesamten Software-Fundus<br />

von Ubuntu.<br />

Die sorgfältige Konzeption des<br />

Systems im Hinblick auf die Zielgruppe<br />

fällt auch beim Internetzugang<br />

auf: Jux 3.0 bietet als<br />

Browser Firefox in Version 10.0,<br />

wobei dieser bereits im Lesezeichen-Menü<br />

eine stattliche Anzahl<br />

kindgerechter Seiten vorweist. Es<br />

empfiehlt sich jedoch, Firefox<br />

selbst einer grundlegenden Konfiguration<br />

zu unterziehen, da der<br />

Browser in der Standardeinstellung<br />

keinerlei zielgruppenspezifische<br />

Sicherheitsmechanismen<br />

bietet.<br />

So ist weder (wie etwa bei Kindertux)<br />

ein Proxy-Server vorgeschaltet,<br />

noch finden sich entsprechende<br />

Addons vorinstalliert.<br />

Auch andere Einstellungen des<br />

INFO<br />

[1] Jux-Projekt: http:// www. jux-net. info<br />

[2] Download: http:// www. jux-net. info/ index.<br />

php/ download/ jux3<br />

[3] OLPC-Projekt: http:// one. laptop. org/<br />

[4] Jux-Dokumentation: http:// www. jux-net.<br />

info/ index. php/ dokumentation/ installation<br />

8 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Jux 3.0<br />

HEFT-DVD<br />

Browsers, etwa hinsichtlich des<br />

Caches oder der Cookies, entsprechen<br />

den Standardeinstellungen.<br />

Sie sollten sie daher im Sinne verbesserter<br />

Sicherheit modifizieren,<br />

wenn die Kinder ohne Aufsicht<br />

im Internet surfen dürfen. Es<br />

empfiehlt sich in solchen Fällen<br />

zusätzlich der Einsatz eines<br />

Proxy-Servers wie Privoxy, der<br />

eine sehr feine Justierung der<br />

Nutzerrechte bietet.<br />

Festplatteninstallation<br />

Jux 3.0 bietet – anders als vergleichbare<br />

Programme – direkt<br />

keine eigene Routine, um die Distribution<br />

auf der heimischen<br />

Festplatte zu installieren. Sie<br />

können die dauerhafte Installation<br />

jedoch problemlos mithilfe<br />

des Befehls ubiquity in einem Terminal<br />

anstoßen.<br />

Die Routine führt Sie sodann in<br />

wenigen Schritten zu einem funktionsfähigen<br />

Jux-3.0-System auf<br />

der Festplatte. Je<br />

nach Rechenleistung<br />

und Ausstattung<br />

des Computers<br />

dauert die<br />

Grundinstallation<br />

zwischen 30 und<br />

45 Minuten. Eine<br />

detaillierte Hilfestellung<br />

zur dauerhaften<br />

Installation<br />

des Betriebssystems<br />

finden Sie in der Jux-<br />

Dokumentation [4].<br />

Fazit<br />

Durch den Wechsel zu Ubuntu als<br />

Basissystem sind die Schwächen<br />

der Vorgängerversion hinsichtlich<br />

der Hardware-Unterstützung<br />

komplett beseitigt. Die Integration<br />

von Sugar-Systems bietet eine<br />

echte Innovation für Kinder.<br />

Selbst wenn Sie lediglich einen<br />

Allrounder benötigen, liegen Sie<br />

bei Jux richtig.<br />

Einziges Manko – insbesondere<br />

für viele deutsche Schulen mit der<br />

typischen schlechten Hardware-<br />

Ausstattung – dürfte die Größe<br />

des ISO-Images darstellen: Ein<br />

Betrieb mit einem CD-ROM-<br />

Laufwerk kommt bei Jux 3.0<br />

nicht mehr infrage. Wer dagegen<br />

über eine halbwegs aktuelle Hardware-Ausstattung<br />

verfügt, der<br />

findet in Jux 3.0 eine der besten<br />

Linux-Distributionen für die Altersklasse<br />

zwischen sechs und<br />

zwölf Jahren. (jlu) n<br />

B Open<strong>Office</strong>4Kids<br />

macht Kinder fit für<br />

<strong>Office</strong>-Anwendungen.<br />

Kann eine<br />

Schulungseinrichtung<br />

für mehr als EINEN<br />

Themenbereich<br />

berühmt werden?<br />

Das Linuxhotel ist bekannt für erstklassige Open-Source-Schulungen. In den letzten Jahren kamen Java<br />

und andere Programmiersprachen hinzu - wie immer in Kooperation mit führenden Spezialisten, und in<br />

abgeschiedener, konzentrierter, aber auch ziemlich verspielter Umgebung. Es ist so naheliegend, auch<br />

Entwicklerthemen bei den OpenSource‘lern zu lernen, weil man dort schon immer sehr „unter die<br />

Haube“ guckte und mit viel Freude intensivst arbeitet. Das weiss ein Großteil der deutschen Admins, nur<br />

unter Entwicklern hat's sich noch nicht so ganz herumgesprochen.<br />

Mehr siehe www.linuxhotel.de<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 9


AKTUELLES<br />

Angetestet<br />

JJJJI<br />

Mit Gsmartcontrol erfassen<br />

Sie bequem die aktuellen<br />

SMART-Werte aller<br />

Festplatten.<br />

Gsmartcontrol behält die Festplatten im Auge<br />

Um Probleme und Fehler bei Festplatten<br />

frühzeitig zu erkennen,<br />

beherrschen alle gängigen Festplatten<br />

SMART. Auf die von dieser<br />

„Self-Monitoring, Analysis and<br />

Reporting Technology“ gesammelten<br />

Daten greifen Sie mit dem<br />

Konsolen-Tool Smartctl zu. Allerdings<br />

ist dessen Bedienung und<br />

Ausgabe etwas unübersichtlich.<br />

Mehr Komfort bietet hier Gsmartcontrol.<br />

Die grafische Oberfläche<br />

greift zur Ermittlung der Daten<br />

auf Smartctl<br />

zurück und<br />

ruft das Tool<br />

mit entsprechenden<br />

Parametern<br />

auf. Welche<br />

Parameter<br />

genau zum<br />

Einsatz kommen,<br />

können<br />

Sie dem Execution-Log<br />

entnehmen. Beim Programmstart<br />

ermittelt Gsmartcontrol<br />

alle vorhandenen Laufwerke<br />

und stellt sie als Symbole dar.<br />

Laufwerke ohne SMART-Funktion<br />

lassen sich in den Einstellungen<br />

ausblenden. Zudem besteht die<br />

Möglichkeit, über ein Device-<br />

Blacklist-Muster ganze Plattengruppen<br />

vor dem Tool zu verbergen.<br />

Für jede Festplatte hinterlegen<br />

Sie in den Programmeinstellungen<br />

individuelle Prüfparameter.<br />

Mit diesen ruft Gsmartcontrol<br />

dann Smartctl auf und ermittelt<br />

so nur die wirklich benötigten Daten.<br />

Alle wichtigen Aufgaben steuern<br />

Sie bequem über das Kontextmenü<br />

des Festplattensymbols.<br />

Über die Detailansicht werfen Sie<br />

einen Blick ins Error-Log, sehen<br />

die Plattenattribute ein oder fragen<br />

Plattenbezeichnung und<br />

Selbsttest-Logs ab. Attribute und<br />

Error-Log sind dabei von besonderem<br />

Interesse. Fehler und kritische<br />

Schwellenwerte hebt<br />

Gsmartcontrol farblich hervor.<br />

Weitere Funktionen im Kontextmenü<br />

des Festplattensymbols erlauben<br />

das (De-)Aktivieren von<br />

SMART für jede Platte, das Anstoßen<br />

von Selbsttests oder die automatische<br />

Datensammlung. Besonders<br />

praktisch ist die Möglichkeit,<br />

Smartctl-Ausgabedateien als virtuelle<br />

Festplatte einzubinden. So<br />

erfassen Sie die Daten auf jedem<br />

beliebigen Rechner und betrachten<br />

sie bequem mit Gsmartcontrol.<br />

Die neueren Versionen des<br />

Tools unterstützen außerdem<br />

zahlreiche RAID-Controller und<br />

können auch mit den Attributen<br />

von SSD-Platten umgehen.<br />

GSMARTCONTROL 0.8.7<br />

Lizenz: GPLv3<br />

Quelle:<br />

http:// gsmartcontrol. berlios. de<br />

JJJII<br />

Mit NewsFeed behalten<br />

Sie Nachrichtenkanäle<br />

bequem im Auge. Das<br />

Tool unterstützt alle gängigen<br />

Feed-Formate wie<br />

RSS, RDF und ATOM.<br />

RSS- und RDF-Feeds im Griff mit NewsFeed<br />

Wer Informationen von vielen<br />

Webseiten bezieht, für den sind<br />

RSS-Feeds genau das Richtige. In<br />

der Vielzahl der RSS-Reader besticht<br />

NewsFeed durch seine einfache<br />

Bedienbarkeit. Das Tool erfordert<br />

zudem keine aufwendige<br />

Installation, es benötigt lediglich<br />

die Python/ Tk-Bibliothek als<br />

Grundlage. Ein Navigationsbaum<br />

am linken Fensterrand listet alle<br />

Feeds auf, die das Programm regelmäßig<br />

abfragt. Eine Reihe voreingestellter<br />

Feeds bringt das Tool<br />

schon mit, die Liste lässt sich<br />

prob lemlos um eigene Einträge erweitern.<br />

Für jeden RSS-Feed stellen<br />

Sie individuell ein, wie oft<br />

NewsFeed nach neuen Nachrichten<br />

schaut und nach welcher Zeitspanne<br />

eine Nachricht als veraltet<br />

gilt. Der Wert hinter jedem RSS-<br />

Feed gibt an, wie viele Nachrichten<br />

dieses Feeds es noch zu lesen gilt.<br />

Die Navigationsleiste am oberen<br />

Fensterrand bietet Schaltflächen,<br />

um neue Feeds anzulegen, alte zu<br />

löschen, alle Einträge zu aktualisieren<br />

oder einzelne Nachrichten<br />

in einem Feed zu löschen. Um die<br />

Nachrichten eines Feeds zu lesen,<br />

reicht es, diesen im Navigationsbaum<br />

anzuklicken: Die Schlagzeilen<br />

der enthaltenen Nachrichten<br />

erscheinen in der Nachrichtenübersicht.<br />

Dabei steht hinter jeder<br />

Nachricht das Erscheinungsdatum.<br />

Klicken Sie eine Nachricht an, erscheint<br />

deren Inhalt im unteren<br />

Bereich des NewsFeed-Fensters.<br />

Dort gibt es eine eigene Navigationsleiste,<br />

mit deren Hilfe Sie<br />

durch die Artikel navigieren, die<br />

Schriftgröße verändern oder den<br />

Artikel als Textdatei exportieren.<br />

Mit dem Parameter --nogui aufgerufen,<br />

startet NewsFeed im Konsolenmodus,<br />

in dem Sie über die<br />

Eingabe von Ziffern durch die Artikel<br />

navigieren. Um einen Artikel<br />

zu lesen, benötigen Sie jedoch einen<br />

Webbrowser. Darüber hinaus<br />

stehen eine Reihe von Hilfsprogrammen<br />

zur Verfügung, mit denen<br />

Sie über Cron-Jobs Feeds aktualisieren<br />

oder veraltete Einträge<br />

löschen, den Speicherverbrauch<br />

ermitteln oder den Inhalt eines<br />

Feeds auf der Konsole ausgeben.<br />

NEWSFEED 2.16<br />

Lizenz: GPLv3<br />

Quelle: http:// home. arcor. de/<br />

mdoege/ newsfeed/<br />

10 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Angetestet<br />

AKTUELLES<br />

Mit Jajuk Musiksammlungen verwalten<br />

JAJUK 1.10<br />

Lizenz: GPLv2<br />

Quelle: http:// jajuk. info<br />

Der Musikverwalter Jajuk sorgt<br />

für Überblick in jeder MP3-Sammlung.<br />

Dabei kümmert sich die<br />

Java-Anwendung primär um das<br />

Verwalten der Tracks. Für die Wiedergabe<br />

greift es auf den MPlayer<br />

zurück, der zahlreiche Audio-Formate<br />

abspielen kann. Beim ersten<br />

Start geben Sie den Verzeichnisbaum<br />

an, in dem sich die Audio-<br />

Dateien befinden, und legen fest,<br />

wie oft Jajuk diesen auf Änderungen<br />

überprüfen soll. Nun erfasst<br />

Jajuk alle dort lagernden Audio-Dateien.<br />

Über den Quellen-<br />

Manager im Einstellungsmenü fügen<br />

Sie später weitere Verzeichnisse<br />

hinzu. Die Bedienung des<br />

Tools erfolgt über verschiedene<br />

Ansichten, auf die Sie über Symbolleisten<br />

am linken und unteren<br />

Rand des Fensters zugreifen. Die<br />

linke Leiste bietet Zugang zum<br />

Konfigurationsmenü und dem<br />

Player von Jajuk. Hier finden Sie<br />

auch Schalter zum Erstellen einer<br />

Playlist, zum Verwalten von Musikverzeichnissen<br />

sowie für die<br />

Albenübersicht. Die untere Leiste<br />

enthält Buttons zum Steuern der<br />

Wiedergabe. Daneben können Sie<br />

hier verschiedene Repeat-Modi<br />

aktivieren, die Lautstärke anpassen<br />

oder eine zufällige Wiedergabe<br />

starten. Auf Knopfdruck beschränken<br />

Sie die Wiedergabe auf<br />

die besten Stücke der Sammlung<br />

oder schalten einen Webradio-<br />

Sender ein. Für Letzteres legen Sie<br />

in der Ansicht Internet-Radios im<br />

Pulldown-Menüfenster Ihre eigene<br />

Senderliste an.<br />

JJJJI<br />

Das Musikverwaltungsprogramm<br />

Jajuk bietet<br />

einen reichen Funktionsumfang.<br />

Nomacs, der handliche Bildbetrachter<br />

Der kleine, besonders auf Geschwindigkeit<br />

getrimmte Bildbequemes<br />

Scrollen durch alle Bilder.<br />

Fensterrand und erlaubt ein betrachter<br />

Nomacs liest die 20 gängigsten<br />

Grafikformate, Ändetuelle<br />

Bild. Weitere Informationen<br />

Durch Anklicken laden Sie das akrungen<br />

lassen sich jedoch nur in zur Datei sowie die Metadaten des<br />

den Formaten BMP, JPG, PNG, Bildes blendet Nomacs transparent<br />

in das Bild ein. Auf Wunsch<br />

PPM, TIF, XBM und XPM speichern.<br />

Mit Nomacs laden Sie wahlweise<br />

einzelne Bilder oder durch-<br />

Show aller Bilder oder zeigt diese<br />

startet das Tool auch eine Diaforsten<br />

ganze Verzeichnisse mit im Vollbildmodus an. Daneben<br />

Bildern. Öffnen Sie ein Verzeichnis,<br />

zeigt das Programm automabeitungsfunktionen,<br />

wie das Dre-<br />

bietet Nomacs auch einige Beartisch<br />

das erste Bild an. Über Pfeilschaltflächen<br />

in der Naviga-<br />

sowie das Löschen von Bildern.<br />

hen, Skalieren und Zuschneiden<br />

tionsleiste navigieren Sie durch die Eine Besonderheit stellt die Synchronisationsfunktion<br />

dar, über<br />

Dateien. Auf Wunsch blendet Nomacs<br />

auch eine Thumbnail-Leis te die sich die Anzeigeparameter verschiedener<br />

Instanzen von Nomacs<br />

ein. Diese erscheint am oberen<br />

auf einem PC oder verschiedenen<br />

NOMACS 0.4.0<br />

Rechnern im LAN abgleichen lassen.<br />

So passen Sie beispielsweise<br />

Lizenz: GPLv3<br />

000_LU1106_F-Weber_neu1.qxd Quelle: http:// www. nomacs. 18.09.2006 org/ auf 19:00 allen Uhr Instanzen Seite den 1Zoom-<br />

Faktor einheitlich an. Für das Synchronisieren<br />

zweier Nomacs-<br />

Instanzen auf unterschiedlichen<br />

Rechnern müssen Sie auf einem<br />

davon die Server-Funktion in den<br />

Nomacs-Einstellungen aktivieren<br />

und den Server im Synchronisationsmenü<br />

starten. Nun können die<br />

Anwender Bilder von einem Rechner<br />

zum anderen senden. (jlu) n<br />

JJJII<br />

Der schnelle und kompakte<br />

Bildbetrachter<br />

Nomacs bietet eine pfiffige<br />

Synchronisationsfunktion<br />

fürs LAN.<br />

X23


AKTUELLES<br />

Neues rund um Linux<br />

Flightgear 2.8: Verbesserte<br />

Modelle für Licht und Schatten<br />

sorgen für noch mehr Realismus.<br />

Flightgear 2.8.0 sorgt für mehr Realismus<br />

Kurz nach seinem 15. Geburtstag<br />

hat das<br />

Flightgear-<br />

Projekt mit<br />

dem Release<br />

2.8.0<br />

eine neue<br />

Version des<br />

freien Flugsimulators<br />

vorgelegt.<br />

Die Änderungen<br />

im<br />

neuen Release<br />

zielen<br />

vor allem<br />

darauf ab, die Simulationsumgebung<br />

noch realistischer zu gestalten<br />

(http:// tinyurl. com/<br />

lu1012-flightgear). So passen<br />

sich etwa die zufällig platzierten<br />

Gebäude und Bäume jetzt<br />

besser an das jeweilige Terrain<br />

an, städtische Gebiete weisen<br />

eine merklich höhere Bebauungsdichte<br />

auf. Regionsspezifische<br />

Texturen etwa für USA<br />

und Europa, ein jederzeit möglicher<br />

Wechsel zwischen Sommer-<br />

und Winter-Texturen sowie<br />

verbesserte Modelle für<br />

Lichtbrechung und Dunst sorgen<br />

für mehr atmosphärische<br />

Stimmung. Mit dem brandneuen<br />

„Project Rembrandt“ halten<br />

zudem endlich in Echtzeit<br />

generierte Schatten und mehrfache<br />

Lichtquellen, etwa durch<br />

Landelichter, Einzug in den<br />

Flugsimulator. Selbst rotierende<br />

Leuchtfeuer illuminieren<br />

jetzt die Umgebung korrekt.<br />

Vorerst gilt „Rembrandt“ allerdings<br />

noch als experimentell<br />

und muss manuell aktiviert<br />

werden. Als neue Flugzeugtypen<br />

geben der Hängegleiter Airwave<br />

Xtreme 150 und der Push-<br />

Pull-Zweimot Cessna 337G in<br />

Flightgear 2.8 ihre Premiere.<br />

Daneben bringt die jüngste Version<br />

eine ganze Reihe kleiner<br />

Verbesserungen und Fehlerkorrekturen<br />

mit. (jlu)<br />

KURZ NOTIERT<br />

Ende August verschoben die Entwickler<br />

die erste Alpha-Release<br />

von Fedora 18 wegen zahlreicher<br />

Bugs zum zweiten Mal um eine<br />

Woche nach hinten (http:// tiny<br />

url. com/ lu1012-f18). Damit<br />

rutscht der vorgesehene Final-<br />

Termin auf den 20.11.2012.<br />

Mit Lazarus 1.0 stellt das Free-<br />

Pascal-Projekt nach über 10 Jahren<br />

das erste „offizielle“ Release<br />

seiner Entwicklungs umgebung<br />

vor (http:// lazarus. freepascal.<br />

org). Mit einer an die Delphi-VCL<br />

angelehnten Komponentenbibliothek<br />

unterstützt die Lazarus-IDE<br />

das Entwickeln plattformübergreifender<br />

Anwendun gen.<br />

Wer den Unity-Desktop scheut,<br />

wird Descent OS 3.0 lieben: Die<br />

auf Ubuntu 12.04 basierende<br />

Distribution liefert als Desktop<br />

den Gnome2-Fork Maté aus<br />

(http:// www. descentos. org).<br />

Allerdings gibt es lediglich eine<br />

32-Bit-Version des Betriebssystems,<br />

die aber immerhin mit<br />

einem PAE-Kernel aufwartet.<br />

Mit LFS 7.2 liegt jetzt ein neues<br />

Major-Release der Distributionsbauanleitung<br />

vor (http:// www.<br />

linuxfromscratch. org). Die<br />

Toolchain basiert auf Glibc 2.16.0<br />

und GCC 4.7.1, zu den aufgefrischten<br />

Paketen zählen unter<br />

anderem der Kernel 3.5.2, Grub<br />

2.00, Perl 5.16.1, Udev 188 und<br />

die Coreutils 8.19.<br />

Italien setzt auf Open-Source in Behörden<br />

Das von der Finanzkrise gebeutelte<br />

Italien schreitet in Sachen<br />

freier Software zügig voran<br />

und verpflichtet Behörden<br />

dazu, Open-Source-Software<br />

einzusetzen – außer in begründeten<br />

Ausnahmefällen. „Nur<br />

wenn im Einzelfall die Analyse<br />

Der KDE-Messaging-Client<br />

Telepathy (http:// telepathy.<br />

freedesktop. org) hat im aktuellen<br />

Release 0.5 ein paar interessante<br />

neue Funktionen erhalten.<br />

So hatten sich viele<br />

Nutzer eine<br />

kleinere Ansicht<br />

der Kontaktliste<br />

gewünscht.<br />

Diese<br />

Ansicht haben<br />

die Entwickler<br />

nun implementiert,<br />

indem<br />

Sie den<br />

kleinsten konfigurierten<br />

System-Font<br />

auswählen und<br />

auf dieser Ba-<br />

der technischen und ökonomischen<br />

Aspekte die Unmöglichkeit<br />

von Open-Source-Softwarelösungen<br />

erweist“, dürfen<br />

Behörden in Italien proprietäre<br />

Softwareprodukte kaufen. So<br />

legt es der „Codice dell’amminis<br />

trazione digitale 2 (http://<br />

Telepathy 0.5 mit Bildvorschau und schlanker Kontaktliste<br />

Telepathy 0.5. bringt unter anderem eine Inline-<strong>Vorschau</strong><br />

auf empfangene Bilder sowie eine minimalistische<br />

Kontaktansicht mit. (Bild: Martin Gräßlin)<br />

tinyurl. com/ lu1012-italien)<br />

fest, den das italienische Parlament<br />

bereits am 7. August beschlossen<br />

hat. Damit hat freie<br />

Software in Italien jetzt per<br />

Gesetz Priorität – in Deutschland<br />

ist derlei bislang noch Zukunftsmusik.<br />

(mfe)<br />

sis die weiteren Elemente berechnen.<br />

Da sich die minimale<br />

Fontgröße frei wählen lässt,<br />

hat auf diese Weise jeder Nutzer<br />

individuellen Einfluss auf<br />

das Feature. KRunner, der Programmstarter<br />

von KDE, reicht<br />

nun Eingaben wie „I’m away“<br />

direkt an Telepathy durch, sodass<br />

der Messenger dann den<br />

Status entsprechend ändert.<br />

Es stehen weitere Eingabemöglichkeiten<br />

bereit, die sich<br />

über die Hilfe von KRunner<br />

abfragen lassen. Zu den auffälligsten<br />

Änderungen an der<br />

Software zählt aber die Möglichkeit,<br />

empfangene Bilder<br />

direkt im Client anzuzeigen.<br />

Laut Entwickler Lasath Fernando<br />

eröffnet dies faszinierende<br />

Möglichkeiten, wie beispielsweise<br />

das Einbetten von<br />

Videos oder die Integration<br />

von LaTeX-Formeln. Auch sei<br />

ein Plugin denkbar, dass die<br />

Nachrichten laut vorliest. (agr)<br />

12<br />

10 | 12<br />

Das Neueste rund um Linux, aktuelle Kurztests und Artikel aus<br />

<strong>LinuxUser</strong> finden Sie täglich auf www.linux-community.de


Neues rund um Linux<br />

AKTUELLES<br />

Enki: Ein neuer Editor für Programmierer<br />

Mit Enki wirbt ein brandneuer<br />

Open-Source-Editor um die<br />

Gunst der Programmierer<br />

(http:// enki-editor. org). Die in<br />

Python und PyQt umgesetzte<br />

Software verwendet zwar eine<br />

grafische Oberfläche, lässt sich<br />

aber ganz ohne Maus komplett<br />

mit Tastaturkürzeln bedienen.<br />

Enki versteht sich auf das<br />

Highlighting für über 30 gängige<br />

Programmiersprachen und<br />

bringt außerdem einen Dateiöffnen-Dialog<br />

mit Tab-Vervollständigung<br />

mit. Zu den weiteren<br />

Features zählen Lesezeichen,<br />

Suchen und Ersetzen sowie<br />

eine Vervollständigung auf<br />

Basis des Datei-Inhalts. Enki<br />

lässt sich über ein Python-API<br />

mit Plugins erweitern und bietet<br />

kurioserweise auch eine interaktive<br />

Scheme-Kommandozeile.<br />

Für HTML- und Mark-<br />

Calligra arbeitet an Software für Autoren<br />

down-Doku-<br />

mente gibt es<br />

eine eingebaute<br />

<strong>Vorschau</strong>. Weitere<br />

Informationen,<br />

Pakete für<br />

Debian und<br />

Ubuntu sowie<br />

der Quelltext<br />

von Enki finden<br />

sich auf der<br />

Projekt-Webseite. (mhu)<br />

Das Calligra-Projekt möchte<br />

seine freie Bürosuite mit einem<br />

Autoren-Werkzeug namens<br />

Calligra Author erweitern. Die<br />

neue Komponente richtet sich<br />

an Sachbuchautoren, die damit<br />

E-Books inklusive 2D- und 3D-<br />

Animationen und eingebettete<br />

Webseiten erstellen sollen, sowie<br />

an Belletristikautoren, die<br />

mit Author ihre Plots und Personen<br />

verwalten möchten<br />

(http:// tinyurl. com/ lu1012-<br />

calligra). Die Roadmap sieht<br />

den Export in die E-Book-Formate<br />

MOBI und EPUB (Version<br />

2) vor, später soll die Software<br />

auch die EPUB-Version 3 unterstützen.<br />

In der Statuszeile<br />

der Anwendung soll der Anwender<br />

Statistiken zum Dokument<br />

finden, etwa die Wortund<br />

Zeichenzahl. Daneben<br />

wünschen sich die Teilnehmer<br />

des Author-Forums einen Modus,<br />

der möglichst wenig Ablenkung<br />

bietet. (mhu)<br />

Der für Programmierer konzipierte<br />

Editor Enki bietet ausgefeilte<br />

Funktionen zum Suchen<br />

und Ersetzen.<br />

LaTeX-Umgebung Texmaker 3.5<br />

Texmaker, eine Open-Source-<br />

Umgebung für den Textsatz<br />

mit LaTeX, ist in Version 3.5<br />

mit einigen Verbesserungen<br />

verfügbar (http:// www.<br />

xm1math. net/ texmaker/).<br />

Diese betreffen vor allem den<br />

eingebauten PDF-Betrachter.<br />

Der neue Viewer auf Basis von<br />

Qpdfview kann Seiten rotieren<br />

sowie Dokumente seitenweise,<br />

doppelseitig oder fortlaufend<br />

anzeigen. Auch einen Präsentationsmodus<br />

beherrscht er. Die<br />

neue Kommandozeilenoption<br />

-insert erlaubt, LaTeX-<br />

Kommandos in den Satzvorgang<br />

einzufügen. Reguläre<br />

Ausdrücke lassen sich nun<br />

auch im Ersetzen-Feld verwenden,<br />

um gefundene Zeichenketten<br />

auszugeben. Außerdem<br />

erhielt die Software<br />

auf Wunsch vieler Anwender<br />

die Tastenkombination<br />

[Strg]+[Umschalt]+[F8], um<br />

die vorige Sitzung wiederherzustellen.<br />

(mhu/jlu) n<br />

Der neue PDF-Viewer in Texmaker 3.5 basiert auf Qpdfview.


REPORT<br />

LPI Essentials<br />

Linux Essentials:<br />

LPI-Zertifizierung für Einsteiger<br />

Feste<br />

Grundlage<br />

© Lev Kropotov, 123RF<br />

Mit einem neuen Zertifikat spricht das LPI vor allem Neueinsteiger in Sachen Linux an: Das Linux-Essentials-Programm<br />

zielt darauf ab, Alternativen zu etablierten Anwendungen und Systemen aufzuzeigen. Markus Feilner, Jörg Luther<br />

README<br />

Weil Bildungseinrichtungen<br />

eher das Nutzen<br />

von Software vermitteln<br />

als deren Funktionsweise,<br />

fehlen in Unternehmen<br />

gut ausgebildete<br />

IT-Spezialis ten. Mit<br />

den Linux Essentials,<br />

einer Prüfung für Einund<br />

Umsteiger, will das<br />

Linux Professional Institute<br />

dem Mangel begegnen<br />

und nachhaltiges<br />

Wissen zertifizieren.<br />

Einer der führenden Hirnforscher<br />

Deutschlands, Manfred<br />

Spitzer, brachte in der NDR-Talkshow<br />

vom 3. August [1] seine Ansicht<br />

so auf den Punkt: „Jungen<br />

Menschen in der Schule Anwendersoftware<br />

beizubringen, ist ein<br />

Verbrechen“. Spitzers Spezialgebiet<br />

ist die Neurodidaktik, ein<br />

Fach, das die Ansätze der Neuro-<br />

Wissenschaften mit praxisorientierten<br />

und pädagogischen Konzepten<br />

kombiniert und Lernerfolge<br />

empirisch misst, unter anderem<br />

anhand der Hirnfunktionen.<br />

Spitzer weist insbesondere darauf<br />

hin, dass sich die Programme<br />

von Microsoft „alle Nase lang“<br />

ändern. Deshalb bringe es nichts,<br />

Anwendungen zu lehren. Ähnliches<br />

beklagte bereits der schwedische<br />

Anwalt Mathias Klang auf<br />

der KDE Akademy 2012 in seiner<br />

Keynote: „Wir unterrichten das<br />

Benutzen, nicht den Code!“ [2].<br />

Die Experten sind sich einig: Dieses<br />

Vorgehen ist nicht nachhaltig.<br />

Derartige Methoden führen nicht<br />

nur zu „Digitaler Demenz“ (so<br />

lautet der Titel von Spitzers neuestem<br />

Bestseller), sondern auch<br />

zu einer „Generation Gap“. Besonders<br />

Letztere hat jetzt das<br />

Linux Professional Institute zum<br />

Handeln veranlasst.<br />

Generationslücke<br />

Emiel Brok vom LPI Niederlande<br />

bringt das in einer wissenschaftlichen<br />

Untersuchung [3] auf den<br />

Punkt: Ihm zufolge zeigt sich die<br />

„Open Generation Gap“ in der<br />

Kluft zwischen der stetig zunehmenden<br />

Anzahl an Open-Source-<br />

Anwendern und der trotzdem immer<br />

kleineren Menge an geschulten<br />

Open-Source-Professionals.<br />

Seine Studie belegt, dass dieser<br />

Mangel vor allem daher rührt,<br />

dass Schulen und andere Bildungseinrichtungen<br />

die Grundlagen<br />

der IT und insbesondere freie<br />

Software ignorieren. Weil diese<br />

Themen den Absolventen fremd<br />

bleiben, fragen Unternehmen erst<br />

gar nicht nach dieser Qualifikation<br />

und verzichten lieber ganz auf<br />

den Einsatz von Open-Source-<br />

Software.<br />

Sprung über die Hürde<br />

Strategien, um diese Hürde zu<br />

überwinden, sucht Brok in den<br />

Arbeiten von Everett Rogers [4]<br />

über Innovationszyklen und deren<br />

Verbreitung. Im Ergebnis präsentiert<br />

er Empfehlungen, wie<br />

sich diese Lücke überwinden ließe<br />

– nicht nur, aber vor allem für Bildungseinrichtungen.<br />

Die müssten<br />

umdenken, denn der Bedarf sei<br />

da, das zeigen Studien.<br />

Der Linux Foundation zufolge<br />

wollen 80 Prozent der Admins in<br />

den Unternehmen entweder auf<br />

14 10 | 12<br />

www.linux-user.de


LPI Essentials<br />

REPORT<br />

Open-Source-Software setzen<br />

oder mehr Programme aus diesem<br />

Umfeld nutzen. Zum gleichen<br />

Ergebnis kommen Accenture<br />

oder IBM. Allerdings fehlen<br />

Mitarbeiter mit dem richtigen<br />

Know-how.<br />

Die Innovationsforschung gibt<br />

Brok zufolge sechs Faktoren vor,<br />

die maßgebend die erfolgreiche<br />

Adaption neuer Technologien beeinflussen,<br />

und dabei schneidet<br />

Open-Source-Software eigentlich<br />

nicht schlecht ab. Vor allem in<br />

Sachen Nachhaltigkeit können<br />

Open-Source-Software und das<br />

damit verbundene Know-how<br />

punkten, meinen Brok und das<br />

LPI. Aber dafür braucht es ihrer<br />

Ansicht nach vor allem eines:<br />

mehr Anwender und mehr Linux-<br />

Ausbildung für diese.<br />

Deshalb hat sich das neue<br />

„Linux Essentials Certificate Program“<br />

[5] vor allen Dingen eines<br />

zum Ziel gesetzt: Linux auch in<br />

Schulen und Bildungseinrichtungen<br />

voranzubringen und eine einfache,<br />

anwendergerechte Zertifizierung<br />

für Lehrer, Schüler und<br />

Einsteiger zu bieten.<br />

Das Wiki auf der LPI-Website<br />

(Abbildung A) beschreibt den typischen<br />

Adressaten: Die Zertifizierung<br />

zielt auf Anwender, die<br />

ein Grundwissen zum kompetenten<br />

Einsatz von Linux auf dem<br />

Desktop oder auf einem mobilen<br />

Gerät aufbauen möchten. Das<br />

Programm richtet sich an<br />

Jugendliche und diejenigen, für<br />

die Linux und Open Source Neuland<br />

bedeutet, und hilft diesen,<br />

den Platz von Linux und Open<br />

Source im größeren Umfeld der<br />

IT- Branche zu verstehen [6].<br />

Aufbau<br />

Immer wieder taucht im Linux-<br />

Essentials-Curriculum das Wort<br />

„grundlegend“ auf, sei es bei den<br />

Konzepten freier und Open-<br />

Source- Software, Prozessen, Programmen<br />

oder der Hardware. Die<br />

Prüfung eignet sich nach Meinung<br />

des LPI explizit insbesondere<br />

für Jugendliche und Lehrer, die<br />

bereits über minimale<br />

Vorkenntnisse<br />

verfügen.<br />

Großen Wert<br />

legt das Institut<br />

darauf, dass Anwender<br />

wissen,<br />

welche Alternativen<br />

die gängigen<br />

Linux-Distributionen<br />

für<br />

typische Arbeiten<br />

am PC bieten.<br />

Betriebssysteme,<br />

Distributionen,<br />

<strong>Office</strong>-Varianten,<br />

Browser, Mailprogramme,<br />

sogar<br />

Bild- und Video-Bearbeitung<br />

stehen auf der Liste der Inhalte.<br />

Dabei teilen sich die Lernziele in<br />

fünf Bereiche auf:<br />

• Community, Karriere im Open-<br />

Source-Umfeld<br />

• Orientierung auf einem Linux-<br />

System<br />

• Umgang mit der Linux-Kommandozeile<br />

• Das Linux-Betriebssystem<br />

• Sicherheit und Dateiberechtigungen<br />

Die Teilbereiche weichen in Bezug<br />

auf den Grad der Schwierigkeit<br />

zum Teil stark<br />

voneinander<br />

ab: Dass einem<br />

eher oberflächlichen,<br />

konzeptorientierten<br />

Punkt wie<br />

„Community<br />

und Karriere“<br />

gleich zwei vergleichsweise<br />

tiefschürfende<br />

Kapitel mit vielen<br />

Befehlszeilenkommandos<br />

folgen, ist wohl<br />

der eiligen Zusammenstellung<br />

des Programms<br />

geschuldet<br />

– das<br />

Linux-Essentials-Konzept entstand<br />

innerhalb eines Jahres und<br />

dürfte in den nächsten Jahren einige<br />

Anpassungen erfahren.<br />

Das Thema „Betriebssystem“<br />

tendiert wieder eher zu allgemeineren<br />

Inhalten. Zwar vermittelt<br />

es viele Konzepte gängiger Linux-<br />

Systeme, beschreibt aber zusätzlich<br />

die Hardware und zeigt deren<br />

Funktion in modernen Rechnern.<br />

Der letzte Themenbereich arbeitet<br />

wieder fast ausschließlich an<br />

der Kommandozeile. Er gibt dem<br />

Prüfling Gelegenheit zu bewei-<br />

A Die Website des<br />

Linux Professional<br />

Institutes bietet detaillierte<br />

Informationen<br />

über die Inhalte des<br />

Essentials-Zertifikats.<br />

B Schulungsunterlagen<br />

unter Creative-<br />

Commons-Lizenz bietet<br />

– wie für alle LPI-<br />

Prüfungen – der Trainingsspezialist<br />

Linupfront<br />

an.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 15


REPORT<br />

LPI Essentials<br />

C Zukunftsweisendes<br />

Konzept: Die integrierte<br />

Linux-Zusatzausbildung<br />

der Städtischen<br />

Berufsschule<br />

für Informationstechnik<br />

in München.<br />

sen, wie gut sein das Wissen über<br />

Benutzer- und Rechtemanagement<br />

ausfällt.<br />

Die Spanne der vermittelten<br />

und geprüften Inhalte fällt beträchtlich<br />

aus: Zuerst lernt der<br />

Anwender einiges über die Philosophie<br />

und Geschichte von Linux<br />

und Open Source. Er erfährt, was<br />

Distributionen sind und wo Linux<br />

überall zum Einsatz kommt, zum<br />

Beispiel im noch recht jungen<br />

Embedded-Bereich. Neben den<br />

typischen Programmen soll er<br />

Lizenzen, Programmiersprachen<br />

und Software für Server zumindest<br />

kennen und die Alternativen<br />

aus der Welt der proprietären<br />

Produkte nennen können.<br />

Im zweiten und dritten Block<br />

geht es auf die Konsole. Hier stehen<br />

grundlegende Kommandos<br />

BERUFSSCHULE MÜNCHEN: LINUX ALS ZUSATZANGEBOT<br />

Wie sich Linux-Zertifizierungen organisch in das Bildungsangebot<br />

einer Berufsschule integrieren lassen,<br />

macht bereits seit 2005 die Städtische Berufsschule<br />

für Informationstechnik München beispielhaft<br />

vor: Sie bietet über den Pflichtunterricht hinaus als<br />

Ergänzung für die Schüler an dieser Schule Wahlunterricht<br />

in Linux an (Abbildung C).<br />

Ab dem Schuljahr 2012/ 13 besteht die Möglichkeit,<br />

das Wahlfach Linux mit dem Schwerpunkt Linux Essentials<br />

zu besuchen und im Anschluss die Zertifizierungsprüfung<br />

Linux Essentials abzulegen. Im<br />

Zeugnis wird eine Bemerkung über den erfolgreichen<br />

Besuch eingetragen. Linux Essentials richtet sich vor<br />

wie ls, man, grep, find und Bash-<br />

Interna wie history sowie Umgebungsvariablen<br />

auf dem Lehrplan,<br />

aber auch das Erstellen eigener<br />

Shell-Skripte mit regulären<br />

Ausdrücken, Tests, Schleifen und<br />

Bedingungen sowie das Auswerten<br />

von Eingaben der Benutzer.<br />

Hardware, Netzwerk, Datenspeicher<br />

und generell die Wahl<br />

des richtigen Betriebssystems bilden<br />

den Mittelpunkt des vierten<br />

Bereichs – immer im Vergleich<br />

mit den Platzhirschen von Microsoft<br />

und Apple. Wer sich da<br />

durchgekämpft hat, erfährt im<br />

Endspurt der Prüfungsvorbereitung<br />

die Konzepte der Benutzerverwaltung<br />

auf Linux, lernt, was<br />

der Systemadministrator alles<br />

darf, wie er Benutzer, Gruppen<br />

und Dateirechte sinnvoll einsetzt,<br />

und wie sich der Verzeichnisbaum<br />

eines Linux-Systems gliedert.<br />

Die Prüfung<br />

In Kooperation mit den Virtual<br />

University Enterprises [7] bietet<br />

das LPI die Essentials-Prüfung<br />

weltweit an – allerdings steht derzeit<br />

die Infrastruktur noch nicht.<br />

Wer in Deutschland als einer der<br />

Ersten die Linux Essentials-Zertifizierung<br />

erwerben will, muss den<br />

Test im Linux-Hotel [8] ablegen,<br />

andere Prüfungszentren sollen<br />

folgen. Die Teilnahmegebühr von<br />

50 Euro ist unabhängig vom Erfolg:<br />

Wer durchfällt, zahlt erneut.<br />

Die Aufgaben liegen wie bei den<br />

anderen LPI-Tests typischerweise<br />

im Multiple-Choice-Format vor,<br />

aber auch als offene Fragen, bei<br />

allem an diejenigen Schüler, deren Schwerpunkt<br />

nicht auf der technischen Seite liegt, oder die, die<br />

Linux-Grundkenntnisse erlangen wollen.<br />

Ergänzend zu diesem Linux-Essentials-Angebot haben<br />

die Lehrer Michael Niedermair und Joachim<br />

Wolf ein umfangreiches Übungsskript erstellt, das<br />

die von der Zertifizierung behandelten Themen anhand<br />

des Szenarios einer Schülerklassenfahrt behandelt.<br />

Es vermittelt den Lehrstoff in fünf Bereichen<br />

mit Text, Übungen und Fragen. Das<br />

Skript [11] steht öffentlich-rechtlichen Schulen zur<br />

nichtkommerziellen Nutzung frei, andere Lizenzvereinbarungen<br />

sind nach Absprache möglich. (jlu)<br />

denen der Proband eigenen Text<br />

eingeben muss. Zum Bearbeiten<br />

bleiben 60 Minuten Zeit, also<br />

etwa anderthalb Minuten für jede<br />

der 40 Fragen, wobei ein Tutorial<br />

den Einstieg erleichtert.<br />

Fazit<br />

Das Linux Professional Institute<br />

versucht die Quadratur des Kreises<br />

– und es hat dabei einen guten<br />

Kompromiss gefunden. Wenn<br />

jetzt Lehrer und Bildungseinrichtungen<br />

die Vorlage aufnehmen,<br />

stehen die Chancen nicht<br />

schlecht, für mehr und besser<br />

ausgebildeten Linux-Nachwuchs<br />

zu sorgen.<br />

Die offiziellen, frei verfügbaren<br />

Schulungsunterlagen [9] (Abbildung<br />

B) oder von Verlagen produzierte<br />

Werke [10] bieten da<br />

eine gute Grundlage – selbst für<br />

die, die die eigentliche Prüfung<br />

scheuen, ihre Linux-Kenntnisse<br />

aber auf ein solides Fundament<br />

stellen wollen. (agr/jlu) n<br />

[1] NDR-Talkshow: http:// www. ndr. de/<br />

INFO<br />

fernsehen/ sendungen/ ndr_talk_show/<br />

videos/ ndrtalkshow1481. html<br />

[2] „We teach use, but not code“:<br />

Markus Feilner, „Steiniger Weg“,<br />

Linux-Magazin 09/ 2012, S. 20<br />

[3] Emil Brok: http:// atcomputing. nl/ Training/<br />

Publicaties/ ogg. php<br />

[4] „Diffusion of Innovations“ (Zusammenfassung):<br />

http:// en. wikipedia. org/ wiki/<br />

Everett_Rogers<br />

[5] LPI Essentials:<br />

http:// www. lpi. org/ linux-certifications/<br />

introductory-programs/ linux-essentials<br />

[6] Linux Essentials-Inhalte:<br />

http:// wiki. lpi. org/ wiki/ LinuxEssentials(DE)<br />

[7] Pearson VUE:<br />

http:// www. pearsonvue. com/ lpi<br />

[8] Linux-Hotel: http:// www. linuxhotel. de<br />

[9] Freies Schulungsmaterial:<br />

http:// shop. linupfront. de/ product/ lxes/<br />

[10] Buch zu Linux Essentials:<br />

Christian Hesse, Michael Gisbers,<br />

„Linux Essentials“, Open Source Press,<br />

https:// www. opensourcepress. de/ index.<br />

php? 26& backPID=178& tt_products=354<br />

[11] Linux-Essentials-Übungsskript:<br />

http:// www. bsinfo. musin. de/ index. php/<br />

zusatzangebote/ linux-zertifizierung<br />

16 10 | 12<br />

www.linux-user.de


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SCHWERPUNKT<br />

Calligra 2.5<br />

Calligra: KDE-<strong>Office</strong> aus einem Guss<br />

Kleinere Baustelle<br />

Die KDE-Bürosuite Calligra positioniert sich bewusst als leichtgewichtige <strong>Office</strong>-Alternative für den praktischen<br />

Alltagseinsatz. Noch arbeiten allerdings nicht alle Komponenten der Sammlung alltagstauglich. Thomas Drilling<br />

Calligra 2.5.0<br />

LU/calligra/<br />

README<br />

Vor Kurzem erschien<br />

Calligra 2.5, die zweite<br />

stabile Version des<br />

freien KDE-<strong>Office</strong>-Paketes.<br />

Dieser Artikel<br />

stellt die Konzepteen<br />

und Ideen hinter der Bürosuite<br />

vor und führt<br />

in die grundsätzliche<br />

Arbeitsweise von<br />

Calligra ein.<br />

Die freie KDE-Bürosuite Calligra<br />

ging 2010 durch Abspaltung aus<br />

dem KDE-<strong>Office</strong>-Paket K<strong>Office</strong><br />

hervor und speichert wie Libre-<br />

<strong>Office</strong> alle Dokumente im Open<br />

Document Format ODF. Derzeit<br />

besteht Calligra aus der Textverarbeitung<br />

Words, der Tabellenkalkulation<br />

Sheets, dem Datenbank-<br />

Modul Kexi sowie dem Zeichenprogramm<br />

Krita. Dazu gesellen<br />

sich das Diagramm- und Flowchart-Tool<br />

Flow, das Präsentationsprogramm<br />

Stage, der Projektplaner<br />

Plan, der Vektorzeichner<br />

Karbon und die Notizverwaltung<br />

Braindump. Beim jüngst erschienenen<br />

Calligra 2.5 handelt es sich<br />

um die zweite offiziell stabile Version<br />

des Projektes.<br />

Das Calligra-Projekt [1] tritt mit<br />

der Absicht an, dem zunehmend<br />

überfrachteten Libre<strong>Office</strong> eine<br />

leichtgewichtige und intuitiv bedienbare<br />

Alternative entgegenzustellen,<br />

die trotzdem den Alltagsanforderungen<br />

genügt. Das Vorstellen<br />

aller neun Module von Calligra<br />

würde den Rahmen<br />

dieses Beitrages sprengen. Wir haben<br />

uns daher auf die Kernmodule<br />

Textverarbeitung, Tabellenkalkulation<br />

und Datenbank konzentriert<br />

– wohl wissend, dass die<br />

einzelnen Module in Calligra<br />

durchaus einen unterschiedlichen<br />

Reifegrad aufweisen und gerade<br />

das Zeichenprogramm Krita oder<br />

das Diagramm-Tool Flow ganz<br />

spezifische Stärken haben.<br />

Was die Gewichtung innerhalb<br />

der von uns fokussierten Module<br />

Textverarbeitung, Tabellenkalkulation<br />

und Datenbank angeht, haben<br />

wir uns mit Calligra Words<br />

am intensivsten befasst, da Textverarbeitung<br />

die funktional wichtigste<br />

Komponente jeder Bürosuite<br />

darstellt und Words der jüngste<br />

Spross der Calligra-Familie ist.<br />

<strong>Office</strong> für KDE<br />

Calligra ist eine waschechte KDE-<br />

Suite: Alle Programme<br />

setzen auf Qt auf, verwenden<br />

Qt-Widgets,<br />

bedienen sich der in KDE üblichen<br />

Dialoge zum Speichern und Laden,<br />

kennen KDE-typische Shortcuts<br />

und integrieren sich allgemein<br />

besonders gut in KDE. Calligra<br />

profitiert also von allen wichtigen<br />

KDE-Funktionen wie D-Bus,<br />

KParts, Flake und anderen mehr.<br />

So können alle Calligra-Komponenten<br />

mithilfe der Flake-Technologie<br />

jede beliebige Calligra-Komponente<br />

in jedes Calligra-Dokument<br />

einbetten. So fügen Sie etwa<br />

eine in Sheets erstellte Tabelle direkt<br />

in ein Words-Dokument ein<br />

und gestalten so komplexe zusammengesetzte<br />

Dokumente.<br />

Als besonders angenehm erweist<br />

sich die weitgehend einheitliche<br />

Bedienung fast aller Programme<br />

mit auf der rechten Seite andockbaren<br />

Dialogen. Auch beim Start<br />

präsentieren sich die Calligra-Module<br />

weitgehend einheitlich und<br />

bieten jeweils die Möglichkeit, ein<br />

bestehendes Dokument zu bearbeiten,<br />

ein leeres Dokument zu<br />

erzeugen oder eine Dokumentvor-<br />

20 10 | 12<br />

www.linux-user.de<br />

© Chode, 123RF


Calligra 2.5<br />

SCHWERPUNKT<br />

A Angedockte Dialoge entlasten<br />

Menüs und Symbolleisten.<br />

lage auszuwählen. Einen gemeinsamen<br />

Launcher für alle Anwendungen<br />

gibt es jedoch nicht.<br />

Grundlagen<br />

Die Oberfläche der meisten Calligra-Module<br />

wirkt auf den ersten<br />

Blick wohltuend schlicht, erschließt<br />

aber nach Ansicht der<br />

Entwickler alle für den Alltagsbetrieb<br />

benötigten Funktionen. Die<br />

Symbolleiste enthält nur einen<br />

minimalen Satz an Icons. Sie können<br />

aber die Werkzeugleiste fast<br />

jedes Calligra-Programms über<br />

Einstellungen | Werkzeugleiste einrichten<br />

Ihren individuellen Wünschen<br />

anpassen. Dazu lagern die<br />

meisten Calligra-Programme häufig<br />

benötigte Werkzeuge in Dialoge<br />

aus, die sie auf der rechten<br />

Fensterseite andocken.<br />

Erfahrene KDE-Anwender können<br />

die Oberfläche von Calligra<br />

auch individuell anpassen. Das<br />

funktioniert allerdings nicht mithilfe<br />

grafischer Dialoge, sondern<br />

über das Bearbeiten der beiden<br />

XML-Dateien calligra_shell.rc<br />

und words.rc – je eine für das GUI<br />

und für die Rahmendateien, die<br />

das Aussehen der jeweiligen Calligra-Komponente<br />

ohne geöffnetes<br />

Dokument beschreiben.<br />

Calligra Words<br />

Der erste Härtetest für Calligra<br />

Words, das Importieren eines<br />

mehrere 100 Seiten langen ODT-<br />

Dokumentes mit zum Teil aufwendigen<br />

Formatierungen, gelang<br />

problemlos. Calligra Words<br />

unterstützt alle wichtigen Meta-<br />

Dateiformate, neben ODF und<br />

ODT auch DOC und DOCX, Letztere<br />

aber nur lesend.<br />

Man merkt an vielen Stellen,<br />

dass die Calligra-Entwickler die<br />

Arbeit mit Words so intuitiv und<br />

einfach wie möglich gestalten,<br />

überflüssige Zwischenschritte vermeiden<br />

und Funktionen nicht zu<br />

tief in Menüs verstecken wollen.<br />

Gut gefallen hat uns, dass die im<br />

Folgenden demonstrierte Arbeitsweise<br />

beim Umgang mit Objekten<br />

mit den jeweils zugehörigen angedockten<br />

Dialogen durchgängig für<br />

alle Objekttypen und Calligra-Anwendungen<br />

funktioniert.<br />

Neben per Voreinstellung angedockten<br />

Dialogen wie Objekt hinzufügen<br />

können Sie unter Einstellungen<br />

| Andockbare Dialoge weitere<br />

auswählen. Der gesamte Bereich<br />

Angedockte Dialoge lässt sich<br />

mit dem kleinen Raute-Icon oben<br />

rechts auch ablösen und beliebig<br />

auf dem Bildschirm platzieren.<br />

Das gilt auch für den Bereich Objekt<br />

hinzufügen. Sie können die angedockten<br />

Dialoge auch überlappend<br />

nebeneinander platzieren<br />

und erreichen sie dann über entsprechende<br />

Reiter (Abbildung A).<br />

Text und Bild<br />

Möchten Sie in Words ein Bild<br />

einfügen, müssen Sie dazu lediglich<br />

rechts oben im angedockten<br />

Dialog Objekt hinzufügen auf das<br />

Symbol Bild klicken und dann per<br />

Drag & Drop einen blau hinterlegten<br />

Bereich aufziehen (Abbildung<br />

B). Der zugehörige Dateiauswahl-Dialog<br />

öffnet sich automatisch,<br />

und nach dem Auswählen<br />

des Bildes platzieren Sie dieses<br />

mit gedrückter Maustaste beliebig<br />

GLOSSAR<br />

D-Bus: Standardisiertes<br />

Framework für die Interprozesskommunikation<br />

in grafischen Benutzeroberflächen.<br />

Über D-Bus<br />

können verschiedenste<br />

Programme miteinander<br />

kommunizieren.<br />

KParts: Das Komponenten-Framework<br />

von KDE.<br />

Eine einzelne Komponente<br />

heißt KPart. Mit<br />

KParts lassen sich<br />

Funktionen eines als<br />

KPart implementierten<br />

Programms in die Oberfläche<br />

eines anderen<br />

Programms einbetten.<br />

Flake: Bibliothek, die beliebige<br />

Inhalte als Vektorformen<br />

(Quadrat,<br />

Kreis, …) verschiedenen<br />

KDE-Anwendungen zur<br />

Verfügung stellt.<br />

B Das Einfügen von<br />

Bildern und anderen<br />

Objekten ist sehr einfach<br />

und intuitiv gelöst.<br />

CALLIGRA 2.5<br />

Für den Test richteten wir Calligra<br />

2.5 unter Kubuntu 12.04 ein, was<br />

zurzeit nur durch Hinzufügen der<br />

PPA-Backport-Repositories [2] funktioniert,<br />

dann aber problemlos über<br />

die Paketverwaltung klappt. Das<br />

Hinzufügen des PPAs gelingt am einfachsten<br />

über den Befehl<br />

$ sudo add-apt-repository ppa:U<br />

kubuntu-ppa/backports<br />

Alle Calligra-Komponenten lassen<br />

sich auch einzeln installieren. Sie<br />

müssen dabei jedoch umsichtig vorgehen,<br />

da in den Paketquellen der<br />

meisten Distributionen auch K<strong>Office</strong><br />

zur Verfügung steht.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 21


SCHWERPUNKT<br />

Calligra 2.5<br />

C Im Text eingefügte<br />

Bilder beeinflussen<br />

schon beim Platzieren<br />

sichtbar das Verhalten<br />

beim Umfließen.<br />

D Diagrammdaten<br />

lassen sich direkt aus<br />

dem Dokument heraus<br />

anpassen.<br />

im Text, der je nach gewähltem<br />

Textfluss-Modus dabei „mitläuft“<br />

(Abbildung C). Achten Sie darauf,<br />

dass Words bei dieser Aktion automatisch<br />

den angedockten Dialog<br />

Werkzeug für Objekte aktiviert.<br />

Möchten Sie ein weiteres Bild auf<br />

die gleiche Weise einfügen, müssen<br />

Sie zuvor wieder den Dialog<br />

Textbearbeitung aktivieren.<br />

Die Calligra-Entwickler haben in<br />

der aktuellen Words-Version den<br />

Textfluss um Objekte gegenüber<br />

der Vorgängerversion verbessert,<br />

sodass Text jetzt enger um das<br />

eingebettete Bild herumfließt. Allerdings<br />

stürzte Words beim Ändern<br />

der den Textfluss beeinflussenden<br />

Objekteigenschaften im<br />

gleichnamigen Kontextmenü<br />

(Rechtsklick) des Bildes wiederholt<br />

mit einem Segmentation-<br />

Fault ab. Zudem offenbart der<br />

Textfluss-Dialog, dass noch nicht<br />

sämtliche Elemente des Programms<br />

deutsch lokalisiert sind.<br />

Die Funktionen zum feineren<br />

Steuern des Textflusses finden<br />

sich in den Reitern Smart Positioning<br />

und Textumfluss. Am flexibelsten<br />

arbeitet die Option Floating<br />

Free. Auch beim Einsatz der<br />

Funktion Objekt hinzufügen kam<br />

es im Test wiederholt zum Absturz<br />

von Calligra Words. Befremdlich<br />

erscheint, dass die<br />

Funktion auch mit dem Kritaeigenen<br />

Bildformat nicht richtig<br />

funktioniert.<br />

Haben Sie den Bildrahmen im<br />

Text markiert, taucht im Bereich<br />

der angedockten Dialoge sofort<br />

der Dialog Bildbearbeitung auf.<br />

Über diesen beschneiden Sie das<br />

eingefügte Bild gegebenenfalls<br />

mithilfe der Eingabefelder im Bereich<br />

Crop. Wahlweise können Sie<br />

das Bild mithilfe von Replace<br />

Image durch ein anderes ersetzen<br />

oder den Farbmodus bestimmen.<br />

Möchten Sie das eingefügte Objekt<br />

mit der Maus an eine andere<br />

Position schieben oder fließend<br />

skalieren, müssen Sie im Bereich<br />

der angedockten Dialoge zunächst<br />

wieder den Dialog Werkzeug für<br />

Objekte aktivieren.<br />

Im Dialog stehen Optionen zur<br />

Anordnung, Größe und Positionierung<br />

von Objekten zur Verfügung.<br />

Daneben verwandelt sich<br />

der Mauszeiger beim Überfahren<br />

des Objektes mit dem Mauszeiger<br />

im Dokument-Fenster in eine<br />

Hand. Sie können das Objekt<br />

dann mit gedrückter Maustaste<br />

verschieben oder an den Anfassern<br />

vergrößern, verkleinern und<br />

stufenlos drehen. Das funktioniert<br />

genauso bei Tabellen.<br />

Tabellen<br />

In der neuen Version<br />

haben die Words-Entwickler<br />

unter anderem<br />

das Bearbeiten von<br />

Tabellen im Text verbessert.<br />

So lassen sich<br />

Tabellen jetzt mit der<br />

Maus in der Größe anpassen.<br />

Zum Einfügen<br />

einer Tabelle klicken Sie<br />

im Bereich Objekt hinzufügen<br />

oben rechts auf<br />

das Symbol zum Ausklappen<br />

weiterer Objekttypen<br />

(rechts neben<br />

den Standardsymbolen<br />

künstlerischer Text, Text<br />

und Bild) und wählen<br />

den Eintrag Tabellenkal-<br />

22 10 | 12<br />

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Calligra 2.5<br />

SCHWERPUNKT<br />

kulation. Dann ziehen Sie an der<br />

gewünschten Textposition einen<br />

blauen Rahmen auf.<br />

Nach dem Loslassen der Maus<br />

erscheint an der gewählten Position<br />

eine Tabelle, die sich mit den<br />

Anfassern stufenlos skalieren<br />

lässt – die Anzahl der Spalten und<br />

Zeilen wächst dabei mit. Gleichzeitig<br />

verhält sich der Textfluss<br />

so, wie Sie es im Kontextmenü<br />

Objekteigenschaften der Tabelle in<br />

den Reitern Smart Positioning und<br />

Textumfluss eingestellt haben. Mit<br />

den Anfassern drehen Sie die Tabelle<br />

wie jedes andere Objekt stufenlos.<br />

Außerdem taucht bei dieser<br />

Aktion automatisch der angedockte<br />

Dialog Tabellenbearbeitung<br />

rechts unten auf, in dem Sie zum<br />

Beispiel nachträglich die Zeilenund<br />

Spaltenzahl verändern oder<br />

weitere Tabellen einfügen.<br />

Interessanter erscheint die Möglichkeit,<br />

ein bestehendes Words-<br />

Dokument mit einer existierenden<br />

Tabelle zu verknüpfen, wozu<br />

im Dialog Tabellenbearbeitung die<br />

Schaltfläche Importieren zur Verfügung<br />

steht. Im Test stürzte<br />

Words aber bei dieser Aktion reproduzierbar<br />

ab, ebenso wie bei<br />

einem direkten Doppelklick auf<br />

eine eingefügte Tabelle.<br />

Diagramme<br />

Der Vorgang beim Einfügen eines<br />

Diagramms gleicht in seiner Eleganz<br />

den bisherigen Beispielen.<br />

Sie wählen im Dialog Objekt einfügen<br />

den Eintrag Diagramm, ziehen<br />

den blau hinterlegten Bereich an<br />

der gewünschten Postion auf, und<br />

nach dem Loslassen finden Sie im<br />

Text ein ansehnliches Balkendiagramm.<br />

Den Textfluss bestimmen<br />

Sie wie gehabt über das Kontextmenü<br />

Objekteigenschaften. Auch<br />

das stufenlose Drehen und Skalieren<br />

des Diagramms funktioniert<br />

wie bei den anderen Objekttypen.<br />

Haben Sie ein Diagramm eingefügt,<br />

erscheint automatisch der<br />

Dialog Diagrammbearbeitung im<br />

Bereich der angedockten Dialoge.<br />

Möchten Sie die dem Diagramm<br />

zugehörigen Daten festlegen, klicken<br />

Sie auf<br />

Daten bearbeiten,<br />

worauf<br />

Calligra einen<br />

neuen Dialog<br />

in einem eigenen<br />

Fenster<br />

startet, in<br />

dem Sie die<br />

zugehörigen<br />

Daten bearbeiten.<br />

Fügen<br />

Sie anstelle<br />

der Zeilen<br />

und Spaltenköpfe<br />

nebst<br />

eingetragener<br />

Beispieldaten<br />

mithilfe der<br />

entsprechenden<br />

Schaltflächen neue Zeilen<br />

und Spalten mit Ihren Daten ein,<br />

zeigt Words diese unmittelbar im<br />

Diagramm an (Abbildung D).<br />

Stile und Profile<br />

Words verfügt als rahmenorientiertes<br />

Textverarbeitungsprogramm<br />

über einige weitere Besonderheiten.<br />

So unterstützt es Autoren-Profile<br />

und kennt außerdem<br />

eine Versionsverwaltung. Formatvorlagen<br />

heißen im Calligra-Jargon<br />

„Stile“ und gliedern sich in<br />

Absatz- und Zeichenstile. Beide<br />

können Sie unter Stile | Stilvorlagen<br />

einrichten und anpassen. Stile<br />

umfassen Schriftart, Einzüge, Abstände,<br />

das Layout (zentriert,<br />

recht, links, Blocksatz), das Aussehen<br />

von Listen sowie Nummerierungen<br />

oder Dekorationen (Abbildung<br />

E).<br />

Words bringt eine beachtliche<br />

Auswahl an vordefinierten Stilen<br />

mit. Allein die Auswahl an Stilen<br />

für Nummerierungen und Aufzählungen<br />

geht über das Übliche<br />

hinaus. Das direkte Zuweisen von<br />

Stilen gelingt am schnellsten im<br />

Dialog Textbearbeitung. Eine weitere<br />

interessante Funktion verbirgt<br />

sich unter Datei | Google Onlinedokumente<br />

…: Nach Eingabe<br />

Ihrer Google-Login-Daten können<br />

Sie Online-Dokumente in Calligra<br />

direkt herunterladen.<br />

Calligra Sheets<br />

Die Neuerungen in Calligra 2.5 erstrecken<br />

sich nicht nur auf Words.<br />

Bei der Tabellenkalkulation<br />

Sheets haben die Entwickler dem<br />

Zelleneditor ein eigenes Fenster<br />

spendiert, das Sie oberhalb der<br />

Arbeitsfläche andocken können.<br />

Ferner wurden die am häufigsten<br />

verwendeten Format-Optionen in<br />

einem eigenen Dialog zusammengefasst<br />

(Abbildung F), ähnlich<br />

wie die Formatierungsfunktionen<br />

in Words.<br />

Ansonsten handelt es sich bei<br />

Calligra Sheets (dem ehemaligen<br />

KPresenter) um eine der ausgereifteren<br />

Calligra-Komponenten,<br />

obgleich auch Sheets im Test<br />

mehrere Male abstürzte. Die Be-<br />

E Words enthält eine<br />

große Anzahl vordefinierter<br />

Stile.<br />

F Format-Optionen<br />

sind in Sheets 2.5 jetzt<br />

zusammengefasst.<br />

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10 | 12 23


SCHWERPUNKT<br />

Calligra 2.5<br />

G Sheets kann Reihen<br />

automatisch ausfüllen.<br />

portieren. Dies setzt allerdings<br />

voraus, dass es einen passenden<br />

Datenbank-Treiber gibt. Die gängigen<br />

Linux-Distributionen liefern<br />

eine Reihe von Kexi-Datenbank-Treibern<br />

mit, die es aber in<br />

der Regel erst zu installieren gilt.<br />

Das erledigen Sie, wie im Beispiel<br />

aus Abbildung H für MySQL, im<br />

Handumdrehen über die Paketverwaltung.<br />

H Alle gängigen Distributionen<br />

liefern eine<br />

Auswahl an Datenbank-Treibern<br />

für<br />

Kexi mit.<br />

dienung orientiert sich mit den<br />

rechts andockbaren Dialogen einheitlich<br />

und weitgehend so, wie<br />

bei Words beschrieben. Der Funktionsumfang<br />

reicht nicht an jenen<br />

von Microsoft Excel heran, genügt<br />

aber für den Alltag.<br />

Der Funktionsassistent ist gut<br />

bestückt. Daneben gibt es das<br />

eine oder andere Schmankerl,<br />

etwa die Funktion Reihe im Menü<br />

Einfügen, die es erlaubt, nahezu<br />

beliebige Reihen automatisch zu<br />

füllen. Dazu geben Sie neben Anfangs-<br />

und Endwert noch die<br />

Schrittweite an und nutzen einen<br />

der Reihen-Typen logisch (2, 4, 6,<br />

8, …) und geometrisch (2, 4, 8, 16,<br />

…). Das automatische Ausfüllen<br />

klappt sowohl zeilen- als auch<br />

spaltenweise (Abbildung G).<br />

Ebenfalls so von keinem anderen<br />

Programm dieser Art bekannt:<br />

Klicken Sie doppelt auf einen<br />

Spaltenkopf, wählt Sheet automatisch<br />

die optimale Spaltenbreite.<br />

Datenbank Kexi<br />

Einige Neuerungen gab es auch im<br />

Datenbank-Modul Kexi, das wie<br />

Krita zu den Lichtblicken der Calligra-Suite<br />

gehört. Wir haben bereits<br />

in Ausgabe 04/ 2012 zusammen<br />

mit anderen semiprofessionellen<br />

Datenbanksystemen für<br />

den Heimbereich Kexi einem ausführlichen<br />

Test unterzogen [3].<br />

Kexi unterstützt das Anbinden<br />

der Datenbanksysteme MySQL,<br />

PostgreSQL und SQLite, lässt sich<br />

also als komfortables Frontend<br />

zum Bearbeiten oder Abfragen<br />

existenter Datenbanken nutzen.<br />

Wahlweise kann es auch lokale<br />

Datenbanken öffnen und speichern,<br />

wobei ein komfortabler Assistent<br />

hilft. Bei einem neuen Projekt<br />

speichert Kexi die Daten im<br />

SQLite-Format.<br />

Das Programm bietet im Import-Assistenten<br />

die Möglichkeit,<br />

Daten von einem lokalen oder externen<br />

Datenbank-Server zu im-<br />

Datenbanken importieren<br />

Zum Starten des Assistenten markieren<br />

Sie im Menü Kexi den Eintrag<br />

Importieren, Exportieren oder<br />

Senden und wählen dann rechts<br />

davon die Schaltfläche Datenbank<br />

importieren an. Klicken Sie nun im<br />

Assistenten zunächst auf Weiter<br />

und im Schritt Adresse für Quelldatenbank<br />

wählen auf die Option<br />

Auf einem Datenbank-Server gespeicherte<br />

Projekte.<br />

Im noch leeren Bereich Wählen<br />

Sie die Verbindung zum Datenbank-<br />

Server … klicken Sie auf die<br />

Schaltfläche Hinzufügen und füllen<br />

den Reiter Parameter im Dialog<br />

so aus, dass ein Zugriff auf<br />

den fraglichen Datenbank-Server<br />

gelingt. Wichtig sind dabei der<br />

Datenbank-Treiber/ Typ, die IP-<br />

Adresse (auf dem lokalen Rechner<br />

oder bei funktionierendem DNS<br />

genügt der Name), der TCP-Port<br />

(falls er vom Standard abweicht)<br />

sowie die Zugangsdaten eines<br />

zum Zugriff berechtigten Nutzers.<br />

Daneben müssen Sie gegebenenfalls<br />

die Option Entfernter Server<br />

aktivieren, sollte der Datenbank-Server<br />

nicht auf dem lokalen<br />

Rechner laufen (Abbildung I).<br />

Im nächsten Schritt suchen Sie<br />

eine der auf dem konfigurierten<br />

Server verfügbaren Datenbanken<br />

aus und wählen danach den Typ<br />

der Ziel-Datenbank. Sie können<br />

dabei die vom entfernten Server<br />

importierte Datenbank erneut auf<br />

einem MySQL-Server ablegen<br />

oder in einer lokalen Datenbank<br />

speichern. Nach Wahl von Projekt-<br />

und Dateiname für die Ziel-<br />

Datenbank entscheiden Sie, ob Sie<br />

Struktur und Daten oder nur Daten<br />

24 10 | 12<br />

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Calligra 2.5<br />

SCHWERPUNKT<br />

importieren möchten. Anschließend<br />

startet Kexi den Import.<br />

[1] Calligra-Projekt:<br />

http:// www. calligra-suite. org/<br />

INFO<br />

[2] Calligra-2.5-PPA für Kubuntu:<br />

http:// ppa. launchpad. net/ kubuntu-ppa/<br />

backports/ ubuntu<br />

[3] Kexi und Glom im Vergleichstest:<br />

Frank Hofmann, „Halb-Fliegengewichte“,<br />

LU 04/ 2012, S. 50, http:// www.<br />

linux-community. de/ 25405<br />

Arbeiten mit Kexi<br />

Einen korrekt eingerichteten Datenbank-Treiber<br />

vorausgesetzt,<br />

können Sie ebenso einfach neue<br />

Datenbanken auf dem Server ablegen,<br />

indem Sie unter Kexi | Neu<br />

.. im Dialog Speichermethode den<br />

Assistenten für Server starten und<br />

dann im Dialog Datenbankverbindung<br />

die bereits konfigurierte Verbindung<br />

wählen. Achtung: Die<br />

Links für Zurück und Weiter finden<br />

Sie jetzt im oberen Teil des<br />

Dialogs. Man übersieht sie leicht,<br />

weil es sich nicht um Schaltflächen<br />

handelt, sondern um gewöhnliche<br />

URLs.<br />

Jetzt legen Sie einen Projekttitel<br />

und Datenbanknamen fest und<br />

klicken abschließend auf den Link<br />

Erstellen. Danach finden Sie sich<br />

im Hauptfenster von Kexi mit<br />

dem Projekt-Navigator wieder, in<br />

dem Sie wahlweise mit Tabellen,<br />

Abfragen und den anderen Elementen<br />

arbeiten. Der Navigator<br />

residiert als angedockter Dialog<br />

links, während rechts – ganz im<br />

Stil von Words und Sheets – der<br />

Eigenschaftseditor andockt. Die<br />

Kexi-Oberfläche passt in Aussehen<br />

und Bedienung nicht ganz so<br />

einheitlich in das bisher erläuterte<br />

Calligra-Konzept, ihre Kinderstube<br />

ist aber nicht zu verkennen.<br />

Dass in Kexi die Kommunikation<br />

mit externen Datenbanken so<br />

reibungslos klappt, liegt an der<br />

starken Modularisierung des Programms,<br />

das sich eher als Datenbank-Abstraktionslayer<br />

versteht<br />

denn als in sich geschlossenes<br />

DBMS. Die Hauptlast der Anbindung<br />

an externe<br />

Datenbanken trägt<br />

der jeweilige Datenbank-Treiber.<br />

Derzeit<br />

eignet sich Kexi<br />

– auch aufgrund<br />

der ebenfalls zu<br />

verzeichnenden Instabilitäten<br />

– eher<br />

für kleinere Projekte<br />

und kann im<br />

Funktionsumfang<br />

nicht mit Libre-<br />

<strong>Office</strong> Base mithalten,<br />

wenn auch das<br />

eine oder andere<br />

Detail gefällt.<br />

Bleibt noch ein<br />

Blick auf die nützlichen,<br />

aber wenig<br />

spektakulären Neuerungen in<br />

Kexi 2.5: [F11] schaltet in einen<br />

Vollbildmodus, und der Formular-<br />

Editor besitzt eine Reihe neuer<br />

Formularelemente wie Schieberegler,<br />

Fortschrittsbalken oder<br />

Felder zum Auswählen eines Datums<br />

(Abbildung J).<br />

Fazit<br />

Calligra positioniert sich bewusst<br />

als leichtgewichtige <strong>Office</strong>-Alternative<br />

für den praktischen Alltagseinsatz<br />

und versteht sich<br />

schon von daher eher als Komplement<br />

denn als Konkurrent zu<br />

Libre <strong>Office</strong>. Das aktuelle Calligra<br />

2.5 lässt sich als Gesamtpaket<br />

momentan allerdings noch nicht<br />

empfehlen, was größtenteils am<br />

Schwächeln der Kernkomponente<br />

Words liegt. Keine<br />

Calligra-Komponente<br />

verschonte<br />

uns im Test gänzlich<br />

von Abstürzen,<br />

jedoch nahm<br />

deren Häufigkeit<br />

bei Words ein Ausmaß<br />

an, das uns<br />

veranlasst, Ihnen<br />

das Programm<br />

nicht für den Alltag<br />

zu empfehlen.<br />

Das über fast alle<br />

Komponenten hinweg<br />

einheitliche<br />

Bedienerkonzept und die oft verblüffend<br />

intuitiven Workarounds<br />

sowie die übersichtliche Menüstruktur<br />

gefallen dagegen gut. Die<br />

Qualität der einzelnen Module bewegt<br />

sich allerdings auf sehr unterschiedlichem<br />

Niveau.<br />

Wer wie das Calligra-Projekt anpeilt,<br />

„die beste auf offenen Standards<br />

aufsetzende <strong>Office</strong>-Suite“<br />

anzubieten, muss sich nicht nur<br />

im Büroalltag bewähren, sondern<br />

auch mit dem einen oder anderen<br />

Alleinstellungsmerkmal oder Bonbon<br />

locken. Hier könnte sich die<br />

Unterstützung mobiler Geräte als<br />

prominentes Alleinstellungsmerkmal<br />

Calligras erweisen: Es gibt bereits<br />

Versionen der Suite für Android<br />

(Calligra Mobile) und Plasma<br />

Active (Calligra Active). (jlu) n<br />

I Kexi importiert bei<br />

passendem Treiber<br />

problemlos Datenbanken<br />

von einem lokalen<br />

oder externen MySQL-<br />

Server.<br />

J Die neuen Schieberegler<br />

im Formular-<br />

Editor von Kexi.<br />

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10 | 12 25


SCHWERPUNKT<br />

Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

© Ayla87, sxc.hu<br />

Serienbriefe mit Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

In einer Reihe<br />

Mit einem Handgriff gewähren Sie Benutzern in Libre<strong>Office</strong> Zugriff auf eine zentrale PostgreSQL-<br />

Datenbank und ermöglichen so den Druck von Serienbriefen direkt aus den Stammdaten. Harald Zisler<br />

README<br />

Mit wenigen Klicks verbinden<br />

Sie Libre<strong>Office</strong><br />

einer PostgreSQL-Datenbank.<br />

Für die tägliche<br />

Arbeit mit diesem<br />

Gespann benötigen Sie<br />

keinerlei SQL-Kenntnisse<br />

– alle notwendigen<br />

Datenzugriffe erfolgen<br />

von der <strong>Office</strong>-<br />

Ebene aus. Nur das Einrichten<br />

von Datenbank<br />

und Benutzern geschieht<br />

über die Kommandozeile.<br />

Wer mit großen Datenbeständen<br />

arbeitet, tut sich dabei mit einer<br />

Datenbank leichter. Libre-<br />

<strong>Office</strong> [1] bringt zwar eine eigene<br />

mit, deren Funktionalität in vielen<br />

Fällen ausreicht. Sollen aber<br />

mehrere Benutzer gleichzeitig<br />

und dazu von mehreren Rechnern<br />

aus auf einen Datenstamm zugreifen,<br />

dann benötigen Sie ein ausgewachsenes<br />

relationales Datenbanksystem<br />

(RDBMS) wie PostgreSQL<br />

[2]. Das eröffnet zudem<br />

die Möglichkeit, über weitere<br />

Schnittstellen wie Webfrontend<br />

oder Skripte die Daten gleichzeitig<br />

zum Be- und Verarbeiten anzubieten.<br />

Die Beispiele in diesem<br />

Workshop entstanden auf einem<br />

aktuellen Debian-System.<br />

Datenbank-Superuser<br />

Zunächst installieren Sie mithilfe<br />

der Paketverwaltung der verwendeten<br />

Distribution das Postgre-<br />

SQL-Paket. Normalerweise läuft<br />

anschließend der Datenbank-<br />

Daemon und steht für die weitere<br />

Konfiguration bereit. Aus Sicherheitsgründen<br />

erlauben es viele<br />

Distributionen nicht, diesen<br />

Daemon mit Root-Rechten zu betreiben.<br />

Fast alle legen einen Benutzer<br />

postgres als Eigentümer<br />

der Verzeichnisse und Prozesse<br />

an, wie Sie unschwer auf der Shell<br />

durch Eingabe von ps uax | grep<br />

postgres herausfinden (Abbildung<br />

A). In der linken Spalte der<br />

Ausgabe sehen Sie den Eigentümer<br />

des Prozesses, hier kartei. Sie<br />

dürfen einen anderen Benutzer<br />

anlegen und für die Datenbank<br />

einsetzen. In diesem Fall geben<br />

Sie im Startskript des Daemons<br />

zusätzlich dessen Heimatverzeichnis<br />

als Ablageort für Daten<br />

und Konfigurationsdateien an.<br />

Nehmen Sie nun für die Datenbank<br />

die Identität des Benutzers<br />

an. Dazu öffnen Sie zuerst ein<br />

Terminal und wechseln mit su -<br />

oder Sudo in den Account (etwa<br />

per su - postgres). Nun legen Sie<br />

den Datenbank-Superuser an.<br />

Dies erledigen Sie in der Form<br />

createuser Benutzer und beantworten<br />

die folgenden Fragen alle mit<br />

[Y]. Schließlich beenden Sie die<br />

Sitzung und nehmen dann die<br />

folgenden Schritte als Datenbank-Superuser<br />

(im Beispiel<br />

harald) vor.<br />

Anlegen der Datenbank<br />

Zunächst legen Sie mit dem Kommando<br />

createdb die Datenbank an<br />

(Listing 1, Zeile 1). Um für Datums-<br />

und Zeitangaben das hierzulande<br />

gebräuchliche Format zu<br />

verwenden, nutzen Sie die Anweisung<br />

alter database (Listing 1,<br />

Zeile 6). Dabei arbeiten Sie mit<br />

dem Shell-Client PSQL. Als Option<br />

geben Sie die neue Daten-<br />

A Läuft der Datenbank-Daemon nur mit User-Rechten, droht bei Zwischenfällen keine systemweite Katastrophe.<br />

26 10 | 12<br />

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Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

SCHWERPUNKT<br />

B Die Auswahl der Optionen für eine PostgreSQL-Datenbank im Assistenten<br />

für das Verbinden mit einer Datenbank.<br />

C Der Name des Feldes Datenquellen-URL vermittelt einen anderen<br />

Eindruck vom Inhalt, als die Software konkret erwartet.<br />

bank (hier: kunden) mit -d an. Alle<br />

Kommandos schließen Sie mit einem<br />

Strichpunkt ab; den Client<br />

beenden Sie mit \q.<br />

Datenbankbenutzer<br />

Als Datenbank-Superuser legen<br />

Sie mit dem Kommando createuser<br />

in der Shell weitere Benutzer an.<br />

Antworten Sie auf die folgenden<br />

Fragen stets mit [N]. Um den Benutzern<br />

den Zugriff auf die Datenbank<br />

zu ermöglichen, gewähren<br />

Sie ihnen die notwendigen Rechte.<br />

Dazu verwenden Sie wieder den<br />

Client und vergeben mittels grant<br />

die Privilegien. Ein Kenn wort für<br />

den Zugriff auf die Datenbank definieren<br />

Sie mit alter user. Listing<br />

2 zeigt den Ablauf.<br />

Liegen die Prozesse und Benutzer<br />

der Datenbank auf dem gleichen<br />

Rechner und sind diese mit<br />

den System- und Datenbankbenutzern<br />

identisch, genügt für den<br />

Datenbankzugriff in der Regel<br />

das erfolgreiche Anmelden am<br />

System. Für den Zugriff über das<br />

LISTING 1<br />

01 harald@ze4:~$ createdb kunden<br />

02 harald@ze4:~$ psql -d kunden<br />

03 psql (8.4.8)<br />

04 Type "help" for help.<br />

05<br />

06 kunden=# alter database<br />

kunden set datestyle =<br />

german;<br />

07 ALTER DATABSE<br />

08 kunden=# \q<br />

Netzwerk benötigen die Benutzer<br />

das Kennwort. Möchten Sie höhere<br />

Hürden für den Zugang zur Datenbank<br />

legen, finden Sie in der<br />

umfangreichen Dokumentation<br />

von PostgreSQL alles, was Sie in<br />

der Konfigurationsdatei pg_hba.<br />

conf eintragen müssen.<br />

Zugriff über das Netzwerk<br />

In einem ausreichend geschützten<br />

und überschaubaren Netzwerk<br />

reichen die hier gezeigten<br />

Konfigurationsschritte aus. Damit<br />

Sie über einen einzelnen<br />

Rechner oder ein Netz auf den<br />

Datenbank-Server zugreifen können,<br />

gilt es, einige Einstellungen<br />

in der Datei pg_hba.conf zu treffen.<br />

Die Zeilen verteilen sich auf die<br />

Spalten TYPE, DATABASE, USER,<br />

CIDR-ADDRESS und METHOD (siehe<br />

Tabelle Zugriffe konfigurieren).<br />

Im folgenden Beispiel dürfen<br />

sich alle Datenbankbenutzer von<br />

den Rechnern aus dem lokalen<br />

Netz 192.168.0.0 mit der Datenbank<br />

kunden verbinden. Das notwendige<br />

Kennwort überträgt die<br />

Software mittels md5 verschlüsselt:<br />

host kunden all 192.168.0.0/24 md5<br />

Wollen Sie nur einzelnen PCs den<br />

Zugriff erlauben, fügen Sie für jeden<br />

davon einen Eintrag mit dessen<br />

IP in spezieller Form ein:<br />

host kunden all 192.168.0.41/32 md5<br />

Damit der Daemon der Datenbank<br />

auf der Netzwerkschnittstelle<br />

lauscht, tragen Sie deren IP-<br />

Adresse in die Datei postgresql.<br />

conf ein. Sie finden die entsprechende<br />

Stelle unter # CONNECTIONS<br />

AND AUTHENTICATION. Hier geben Sie<br />

bei Bedarf einen abweichenden<br />

Port an. Nach dem Komma<br />

schreiben Sie ohne Leerzeichen<br />

sofort die IP-Adresse und schließen<br />

mit einem Hochkomma ab:<br />

listen_addresses = 'localhost,U<br />

IP-Adresse'<br />

harald@ze4:~$ createuser monika<br />

Shall the new role be a superuser? (y/n) n<br />

Shall the new role be allowed to create databases? (y/n)<br />

n<br />

Shall the new role be allowed to create more new roles?<br />

(y/n) n<br />

harald@ze4:~$ psql -d kunden<br />

psql (8.4.8)<br />

Type "help" for help.<br />

kunden=# grant all on database kunden to monika;<br />

GRANT<br />

kunden=# alter user monika password 'linuxuser';<br />

ALTER ROLE<br />

kunden=# \q<br />

Feld<br />

TYPE<br />

DATABASE<br />

USER<br />

CIDR-ADRESS<br />

METHOD<br />

LISTING 2<br />

ZUGRIFFE KONFIGURIEREN<br />

Eintrag<br />

local (Zugriff vom lokalen Rechner), host (Zugriff<br />

von anderem Rechner aus)<br />

Datenbankname<br />

Datenbanknutzer<br />

Netzwerk oder IP-Adresse<br />

Authentifizierungsmethode<br />

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10 | 12 27


SCHWERPUNKT<br />

Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

D Der Assistent für<br />

Datenbankverbindungen<br />

in Libre<strong>Office</strong> bietet<br />

die Möglichkeit, die<br />

Informationen zum Anmelden<br />

am Server zu<br />

testen.<br />

F Mit wenigen Mausklicks<br />

legen Sie in der<br />

Datenbank eine neue<br />

Tabelle an.<br />

Nun wechseln Sie in den Account<br />

zum Administrieren des Rechners<br />

und starten den PostgreSQL-<br />

Daemon mit den Mitteln Ihrer<br />

Distribution neu. Testen Sie von<br />

einem anderen Rechner im Netzwerk<br />

mit dem PSQL-Client den<br />

Zugriff auf die Datenbank (Listing<br />

3). Dazu melden Sie sich nur<br />

an und beenden den Client wieder.<br />

Für das Anmelden über das<br />

Netzwerk übergeben Sie dem<br />

Client die Angaben zum Server<br />

mit der Option -h IP-Adresse. Mit<br />

-U nennen Sie den Datenbankbenutzer,<br />

am Ende des Aufrufes<br />

steht der Datenbankname.<br />

In Listing 3 sehen Sie einmal<br />

den Aufruf mit dem gültigen<br />

Hostnamen und einmal mit der<br />

IP-Adresse. In beiden Fällen verläuft<br />

das Anmelden erfolgreich.<br />

Die Warnung bezieht sich auf unterschiedliche<br />

Versionsstände von<br />

Client und Server und ist hier<br />

ohne Belang.<br />

<strong>Office</strong> meets Datenbank<br />

Starten Sie nun Libre<strong>Office</strong> und<br />

klicken Sie auf Datenbank. Wählen<br />

Sie in diesem Menü die Punkte<br />

Verbindung zu einer bestehenden<br />

E Über den Dialog für die Interaktion mit Datenbanken bietet sich die Möglichkeit,<br />

neue Tabellen in der Datenbank anzulegen.<br />

Datenbank herstellen und in der<br />

Auswahl darunter PostgreSQL<br />

(Abbildung B, vorige Seite). Klicken<br />

Sie anschließend auf Weiter.<br />

Das Feld Datenquellen-URL erfordert<br />

eine etwas ungewöhnliche<br />

Angabe. Hier verwenden Sie nicht<br />

eine an bekannte URLs angelehnte<br />

Form, sondern geben die Daten<br />

in zwei Teilen in der folgenden<br />

Form ein:<br />

dbname=Datenbankname host=Server<br />

Statt des Hostnamens des Servers<br />

können Sie auch dessen IP-Adresse<br />

verwenden. Abbildung C auf<br />

der vorigen Seite zeigt dies für<br />

das Beispiel in diesem Workshop.<br />

Arbeiten Sie auf dem Rechner, auf<br />

dem die PostgreSQL-Datenbank<br />

läuft, verwenden Sie für den Eintrag<br />

host den Wert localhost. Klicken<br />

Sie auf Weiter.<br />

Geben Sie nun den Datenbank-<br />

Benutzernamen ein. Wenn Sie<br />

sich über das Netzwerk mit der<br />

Datenbank verbinden, setzen Sie<br />

im Kontrollkästchen Kennwort<br />

erforderlich ein Häkchen. Laufen<br />

Libre<strong>Office</strong> und die Datenbank<br />

auf dem gleichen Rechner, sparen<br />

Sie das Kästchen aus. Klicken Sie<br />

auf Verbindungstest. Daraufhin<br />

fordert die Software Sie auf, das<br />

Kennwort für die Datenbank einzugeben.<br />

Abbildung D zeigt den<br />

erfolgreichen Verlauf der Aktion.<br />

Bestätigen Sie die Meldung mit<br />

OK und klicken Sie auf Weiter.<br />

Der Datenbankassistent bietet<br />

Ihnen die nächste Maske bereits<br />

ausgefüllt an. Er meldet die Datenbank<br />

in Libre<strong>Office</strong> an und<br />

möchte diese zum Bearbeiten öffnen.<br />

Bestätigen Sie hier einfach<br />

mit Fertigstellen. Geben Sie einen<br />

Dateinamen an, um die Einstellungen<br />

für den Datenbankzugriff<br />

in Libre<strong>Office</strong> abzulegen. Es öffnet<br />

sich der allgemeine Datenbank-Dialog<br />

(Abbildung E).<br />

Nachdem Sie bisher keine eigenen<br />

Tabellen angelegt haben, sehen<br />

Sie nur die Systemtabellen<br />

der Datenbank. In der untersten<br />

G Über ein an eine Tabellenkalkulation angelehntes Interface geben Sie die Daten in die neu angelegte<br />

Tabelle ein oder bearbeiten bestehende.<br />

28 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

SCHWERPUNKT<br />

Zeile finden Sie alle Angaben zur<br />

Verbindung. Mit einem Mausklick<br />

auf den Pfeil links schließen Sie<br />

diese Ansicht. Anschließend wählen<br />

Sie Tabelle in der Entwurfsansicht<br />

erstellen.<br />

Tabelle anlegen<br />

Um Serienbriefe zu erstellen,<br />

brauchen Sie eine Tabelle mit<br />

Adressdatensätzen. Legen Sie<br />

dazu eine Tabelle wie in Abbildung<br />

F gezeigt an. Klicken Sie<br />

auf den jeweiligen Eintrag unter<br />

Feldtyp und bestimmen Sie den<br />

Datentypen. Im Beispiel sind alle<br />

Zeilen bis auf die letzte vom Typ<br />

Text [text]. Für das Feld orgnr verwenden<br />

Sie den Typ Int [Int4].<br />

Um jeden Datensatz eindeutig<br />

zu identifizieren, legen Sie einen<br />

Primärschlüssel an. Dies geschieht,<br />

indem Sie beim Feld orgnr<br />

auf dem Zeilenkopf über einen<br />

Rechtsklick das Kontextmenü<br />

aufrufen und darin Primärschlüssel<br />

wählen. Sie benutzen das Kontextmenü<br />

gegebenenfalls auch,<br />

um vergessene Felder einzufügen.<br />

Nach dem Klick auf Speichern vergeben<br />

Sie den Tabellennamen<br />

(hier: adr). Anschließend schließen<br />

Sie den Tabellenentwurf.<br />

Im Datenbank-Dialog ist die<br />

Tabellenkategorie public hinzugekommen.<br />

Mit einem Klick öffnen<br />

Sie diese, und die Applikation<br />

zeigt die gerade angelegte Tabelle<br />

an. Mit einem Doppelklick auf adr<br />

öffnen Sie die Tabelle zur Eingabe<br />

von Daten oder zum Bearbeiten.<br />

Nun geben Sie die Adressen ein<br />

(Abbildung G).<br />

Ist Ihr Datenbestand einmal angewachsen,<br />

helfen Ihnen Sortierund<br />

Suchfunktionen, in den Beständen<br />

einen bestimmten Datensatz<br />

aufzuspüren. Diese erreichen<br />

Sie über die entsprechenden<br />

Symbole in der oberen Leiste. Im<br />

Prinzip sind damit die Arbeiten<br />

an der Datenbank abgeschlossen.<br />

Der nächste Schritt liegt darin,<br />

die Datenbank mit der Vorlage<br />

für den Serienbrief zu verbinden.<br />

Serienbriefvorlage<br />

Starten Sie die Textverarbeitung<br />

von Libre<strong>Office</strong>. Klicken Sie auf<br />

Bearbeiten und Datenbank austauschen.<br />

Wählen Sie hier public:adr<br />

aus und bestätigen die Wahl mit<br />

harald@zme01:~$ psql -h ze4 -U monika kunden<br />

Password for user monika:<br />

psql (9.1.2, server 8.4.8)<br />

WARNING: psql version 9.1, server version 8.4.<br />

Some psql features may not work.<br />

Type "help" for help.<br />

kunden=# \q<br />

harald@zme01:~$ psql -h 192.168.0.34 -U monika kunden<br />

Password for user monika:<br />

psql (9.1.2, server 8.4.8)<br />

WARNING: psql version 9.1, server version 8.4.<br />

Some psql features may not work.<br />

Type "help" for help.<br />

kunden=# \q<br />

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SCHWERPUNKT<br />

Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL<br />

H Durch einen Doppelklick fügen Sie einen Eintrag aus der Liste der<br />

Datenbankfelder als Feld in den Serienbrief ein.<br />

I Bereit für einen ersten Testlauf: Das Muster für den Serienbrief enthält<br />

nun alle benötigten Felder.<br />

DER AUTOR<br />

Harald Zisler beschäftigt<br />

sich seit rund<br />

zwanzig Jahren mit<br />

Linux und FreeBSD.<br />

Zu Technik- und EDV-<br />

Themen verfasst er<br />

Beiträge für Zeitschriften<br />

und schreibt<br />

Bücher. Sein aktuelles<br />

Werk „Computer-Netzwerke“<br />

ist bei Galileo<br />

Press erschienen.<br />

Festlegen. Nun erstellen Sie den<br />

eigentlichen Serienbrieftext. Anschließend<br />

klicken Sie auf Einfügen<br />

| Feldbefehl | Andere.<br />

Im Fenster Feldbefehle wählen<br />

Sie unter Feldtyp Seriendruckfeld<br />

und die Tabelle public.adr aus.<br />

Hier klicken Sie auf den Pfeil neben<br />

der Tabelle, um die Feldnamen<br />

anzuzeigen. Über einen Doppelklick<br />

auf einen der Einträge in<br />

der Liste fügen Sie das entsprechende<br />

Feld in das Dokument ein<br />

(Abbildung H).<br />

Libre<strong>Office</strong> hinterlegt die Felder<br />

im Serienbrief grau. Darüber<br />

hinaus haben Sie die Möglichkeit,<br />

diese mit gängigen Attributen für<br />

Zeichensatz, Schriftschnitt oder<br />

Farbe zu versehen. Speichern Sie<br />

das Dokument als Vorlage unter<br />

Datei | Dokumentenvorlage | Speichern<br />

| Meine Dokumentenvorlagen<br />

ab. Abbildung I zeigt das daraus<br />

entstandene Muster.<br />

Ab zum Drucker<br />

Zum Ausdrucken eines Serienbriefes<br />

starten Sie Libre<strong>Office</strong><br />

und fordern die erstellte Vorlage<br />

an, indem Sie auf Vorlagen… und<br />

dann auf das gewünschte Template<br />

klicken (Abbildung J). Nun<br />

wählen Sie den Punkt Datei Drucken<br />

aus und bestätigen die darauffolgende<br />

Frage (…enthält<br />

Adressfelder) mit Ja.<br />

Es öffnet sich das Fenster für<br />

den Seriendruck (Abbildung K).<br />

Darin wählen Sie bei Bedarf einzelne<br />

Datensätze aus und bestimmen,<br />

ob Sie die Ausgabe auf einen<br />

Drucker oder in eine Datei beziehungsweise<br />

in mehrere einzelne<br />

Dateien leiten wollen.<br />

Fazit<br />

Libre<strong>Office</strong> und PostgreSQL zur<br />

Zusammenarbeit zu bewegen,<br />

funktioniert leichter als gedacht.<br />

Vor allem benötigen Sie keinerlei<br />

zusätzliche Konfigurationsdatei,<br />

um die <strong>Office</strong>-Suite mit der Datenbank<br />

zu verbinden, da Libre-<br />

<strong>Office</strong> über eine native Anbindung<br />

für PostgreSQL verfügt. Die Datenbank<br />

lässt sich beliebig erweitern<br />

und nutzen, auch außerhalb<br />

der <strong>Office</strong>-Umgebung. (agr) n<br />

INFO<br />

[1] Libre<strong>Office</strong>: http:// de. libreoffice. org<br />

[2] PostgreSQL: http:// www. postgresql. org<br />

J Haben Sie sie einmal angelegt, steht die Vorlage für den Serienbrief<br />

jederzeit für den Einsatz bereit.<br />

K Der Dialog für den Seriendruck erlaubt es, bei Bedarf lediglich<br />

einzelne Datensätze für den Druck auszuwählen.<br />

30 10 | 12<br />

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E-Mail<br />

Ja, bitte informieren Sie mich über weitere Neuheiten aus dem Bereich Linux<br />

und OpenSource


SCHWERPUNKT<br />

ThinLinc<br />

Arbeit und Kosten<br />

mit dem Terminal-Server<br />

ThinLinc reduzieren<br />

Schnell<br />

und zentral<br />

ThinLinc präsentiert sich als leicht zu installierende und zu wartende<br />

© AKS, Fotolia<br />

Terminal-Server-Lösung, die keine Wünsche offenlässt. Falko Benthin<br />

README<br />

Zwar handelt es sich<br />

bei ThinLinc um proprietäre<br />

Software, doch für<br />

bis zu zehn Nutzer lässt<br />

sich die schwedische<br />

Terminal-Server-Lösung<br />

kostenlos einsetzen.<br />

Dabei kooperiert sie<br />

bestens mit freier Software,<br />

lässt sich einfach<br />

aufsetzen sowie verwalten<br />

und glänzt mit<br />

einem beeindruckenden<br />

Funktionsumfang.<br />

Ein Terminal-Server erleichtert<br />

das Leben des Admins deutlich:<br />

Alle Nutzer arbeiten mit denselben,<br />

zentral gepflegten Programmen<br />

und Einstellungen. Statt teurer<br />

und pflegeintensiver PCs genügen<br />

als Arbeitsplatz auch preiswerte<br />

Thin-Clients oder umfunktionierte<br />

ältere Rechner. So lässt<br />

sich nicht nur Geld sparen: Die<br />

Anwender finden an jedem Rechner<br />

im Netz ihren gewohnten<br />

Desktop vor und können ohne<br />

großen Aufwand einen häuslichen<br />

Tele-Arbeitsplatz erhalten.<br />

Für Linux gibt es mehrere Terminal-Server-Lösungen.<br />

In diesem<br />

Artikel geht es um Thin-<br />

Linc [1], ein Produkt der schwedischen<br />

Cendio AB. Weitere Vertreter<br />

sind NX Nomachine [2], das<br />

Linux Terminal Server Project<br />

(LTSP) [3] und X2Go [4]. Zwar<br />

nutzt ThinLinc viel freie Software,<br />

beim Terminal-Server selbst handelt<br />

es sich jedoch um proprietäre<br />

Software. Für kleine Installationen<br />

bis zehn Nutzern ist die Terminal-Lösung<br />

kostenlos, danach<br />

fallen gestaffelte Gebühren an.<br />

Cendio hat ThinLinc mit vielen<br />

Features ausgestattet. Dazu zählen<br />

einerseits Standardfunktionen<br />

wie Kommunikation über SSH,<br />

VPN, Hochverfügbarkeit, Skalierbarkeit,<br />

Authentifizierung gegen<br />

Verzeichnisdienste und die Unterstützung<br />

von Sound, lokalen Datenträgern<br />

oder seriellen Ports<br />

über Netzwerkverbindungen. Andererseits<br />

offeriert ThinLinc auch<br />

eine integrierte OpenGL-Implementierung<br />

für beschleunigte 3D-<br />

Grafiken auf den Clients, Smartcard-Unterstützung<br />

sowie einen<br />

integrierten VDI-Broker und kooperiert<br />

mit den Windows-Dateiund<br />

Terminal-Services sowie<br />

A ThinLinc lässt sich bequem über den Browser steuern.<br />

Microsofts Active Directory. Läuft<br />

auf dem ThinLinc-Server ein Webserver,<br />

lassen sich Sitzungen auch<br />

in einem Browser starten.<br />

Bei ThinLinc handelt es sich um<br />

ein Framework, als dessen zentrale<br />

Komponente der von Cendio<br />

entwickelte VNC Session Manager<br />

(VSM) fungiert. Der VSM kümmert<br />

sich um die Nutzerauthentifizierung,<br />

die Sitzungen, den<br />

Lastausgleich sowie die Hochverfügbarkeit<br />

und dient als Schnittstelle<br />

zwischen den verschiedenen<br />

Terminal-Servern („Agents“) und<br />

deren Anwendungen. Grafische<br />

32 10 | 12<br />

www.linux-user.de


ThinLinc<br />

SCHWERPUNKT<br />

B Der Thin-<br />

Linc-Client<br />

läuft während<br />

einer Sitzung<br />

im Hintergrund.<br />

C Das Optionsmenü<br />

des ThinLinc-Clients.<br />

Informationen tauschen Server<br />

und Client via TigerVNC [5] aus.<br />

Auf dem Server läuft der VNC-<br />

Server Xvnc, der für Anwendungen<br />

als X-Server fungiert.<br />

Dieser Artikel zeigt, wie eine<br />

Terminal-Server-Lösung für den<br />

Hort einer Ganztagsschule aussehen<br />

könnte. In dessen Bibliothek<br />

stehen mehrere alte Rechner, welche<br />

die Kinder für Internetrecherchen<br />

und ihre Hausarbeiten nutzen<br />

können. Als Grundlage für die<br />

ThinLinc-Installation dient ein<br />

Server mit Ubuntu 12.04.<br />

Installation<br />

ThinLinc setzt auf dem Server<br />

lediglich ein halbwegs aktuelles<br />

Linux voraus. Cendio hat den Terminal-Server<br />

ausgiebig mit den<br />

64-Bit-Versionen von Suse Linux<br />

Enterprise Desktop 11 SP2, Red<br />

Hat Enterprise Linux Server 6<br />

und Ubuntu 12.04 getestet.<br />

Der Hardware-Hunger des Thin-<br />

Linc-Servers hängt von den Anforderungen<br />

der Anwender ab.<br />

Erfahrungsgemäß sollte die CPU<br />

150 bis 300 MHz Taktfrequenz<br />

sowie 100 bis 200 MByte Arbeitsspeicher<br />

pro aktivem Nutzer bereitstellen.<br />

So lassen sich die<br />

meisten Büroarbeiten gut bewältigen.<br />

Für rechen- und speicherintensive<br />

Anwendungen muss der<br />

Server etwas üppiger ausfallen.<br />

Um den ThinLinc-Server herunterzuladen,<br />

müssen Sie sich registrieren.<br />

Anschließend wird das in<br />

einem ZIP-Archiv verpackte Thinlink-Server-Bundle<br />

heruntergeladen<br />

und entpackt. Aktuell liegt<br />

ThinLinc in Version 3.4 vor. Thin-<br />

Linc bringt DEB- und RPM-Pakete<br />

mit, sodass Sie es auf vielen Systemen<br />

mithilfe der Paketverwaltung<br />

installieren können. Anderenfalls<br />

starten Sie die Installation<br />

im neu entstandenen<br />

Verzeichnis<br />

tl-3.4.0-server<br />

manuell mit<br />

./ install-server.<br />

Nach dem Einrichten<br />

der Pakete bietet der Installer<br />

an, gleich mit der Konfiguration<br />

fortzufahren. Diesen Schritt können<br />

Sie auch später nachholen, indem<br />

Sie als Root /opt/thinlinc/<br />

sbin/tl-setup aufrufen. Sie müssen<br />

Lizenzen akzeptieren und sich<br />

entscheiden, ob der Server ein<br />

Master oder Agent sein soll. Bei<br />

Mastern handelt es sich um die<br />

Server, mit denen sich Clients verbinden,<br />

Agenten führen die Tasks<br />

der Anwender aus. In unserem<br />

Szenario genügt ein Server, der<br />

sowohl die Aufgaben des Masters<br />

als auch des Agents übernimmt.<br />

Nach der Wahl werden eventuelle<br />

Abhängigkeiten aufgelöst, was<br />

eine Weile dauern kann.<br />

Gegebenenfalls installiert das<br />

Setup-Programm neben den Abhängigkeiten<br />

auch noch einen<br />

NFS-Client (für Local Drive Redirection),<br />

PyGTK, PyGlade oder<br />

Python LDAP. Erstere dienen<br />

dazu, an Clients Daten auf USB-<br />

Sticks zu speichern oder die Bildschirmauflösung<br />

am Terminal zu<br />

ändern. Python LDAP brauchen<br />

Sie nur dann,<br />

wenn Sie Anwender<br />

gegen Novells<br />

NDS/ eDirectory<br />

oder Microsofts<br />

Active Directory<br />

authentifizieren<br />

müssen. Anschließend<br />

fragt<br />

ThinLinc noch<br />

nach der E-Mail-<br />

Adresse des<br />

Admins sowie einem Passwort für<br />

die webbasierte Admin-Oberfläche<br />

und richtet die Firewall sowie<br />

vorhandene Drucker ein. Zu guter<br />

Letzt starten die ThinLinc-Services.<br />

Sie erreichen die webbasierte<br />

Oberfläche unter https://thinlinc-server:1010/<br />

(Abbildung A).<br />

ThinLinc-Client<br />

Die Terminals verbinden sich über<br />

den ThinLinc-Client [6] mit dem<br />

Server. Diesen erhalten Sie in<br />

Form separater, 5 bis 6 MByte<br />

großer Dateien für Linux, Mac<br />

OS X, Solaris und Windows. Gibt<br />

es keinen Rechner mit vorinstalliertem<br />

Betriebssystem, kann das<br />

Client Operating System (TLCOS)<br />

eine interessante Alternative zur<br />

Neuinstallation darstellen: Das<br />

knapp 460 MByte große ISO-<br />

Image basiert auf Fedora 8 und<br />

begnügt sich bereits mit einem<br />

Pentium-Rechner mit 128 MByte<br />

Arbeitsspeicher und 3 GByte<br />

freiem Festplattenspeicher.<br />

Nach dem Einrichten des Clients<br />

starten Sie diesen mit dem Aufruf<br />

D Qual der Wahl:<br />

Profi le beim Start<br />

ein er Session.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 33


SCHWERPUNKT<br />

ThinLinc<br />

E ThinLinc-Profile<br />

zaubern Desktop-<br />

Umge bungen, Window<br />

Manager oder auch<br />

nur einzelne Anwendungen<br />

auf die Monitore<br />

der Terminals.<br />

sung bringt bereits vorkonfigurierte<br />

Profile für KDE, Gnome,<br />

XFCE und VDI-Sitzungen mit.<br />

Meist dürften auf dem Server<br />

aber nicht mehrere Desktops und<br />

Window-Manager installiert sein,<br />

sodass Sie einige Profile löschen<br />

und gegebenenfalls neue hinzugefügen<br />

sollten. Neben Desktop-<br />

Umgebungen und Window-Managern<br />

dürfen solche Profile auch<br />

aus einzelnen Anwendungen bestehen,<br />

wie etwa einem Webbrowser<br />

(Abbildung E).<br />

F Um am Thinclient<br />

hängende Speichermedien<br />

mit dem Server<br />

bekannt zu machen, ist<br />

dem Client nur der<br />

Pfad mitzuteilen.<br />

tlclient oder – bei manueller Installation<br />

– mit /opt/thinlinc/bin/<br />

tlclient. Anschließend präsentiert<br />

sich ein Fenster, das außer<br />

drei Eingabefeldern noch drei (in<br />

TLCOS vier) Schaltflächen zeigt<br />

(Abbildung B, vorige Seite). Sie<br />

können sich jetzt bereits auf dem<br />

ThinLinc-Server einloggen und<br />

gegen alle Methoden authentifizieren,<br />

die das Pluggable Authentication<br />

Modules (PAM) unterstützt.<br />

ThinLinc nutzt in der Voreinstellung<br />

die normale Passwd-<br />

Datei des Linux-Rechners, um<br />

Anwender zu authentifizieren.<br />

Mit einem Klick auf die Systemeinstellung<br />

ändern Anwender mit<br />

TLCOS als Betriebssystem die<br />

Bildschirm-Auflösung oder das<br />

Maus- und Tastatur-Verhalten.<br />

Die Einstellungsmöglichkeiten<br />

unter Optionen fallen vielfältig<br />

aus (Abbildung C, vorige Seite).<br />

Hier legen Sie beispielsweise fest,<br />

ob eine bestehende Session automatisch<br />

weiter genutzt wird, am<br />

Thin Client befindliche lokale Geräte<br />

wie Drucker, Speicherlaufwerke<br />

oder Sound Devices an den<br />

Server durchgeschleift werden<br />

und über welchen Port der Client<br />

mit dem Server kommuniziert.<br />

Weiterhin lassen sich hier noch einige<br />

Optimierungen hinsichtlich<br />

der Bandbreite vornehmen, etwa<br />

SSH-Komprimierung aktivieren<br />

oder die Farbtiefe reduzieren.<br />

Eine Session beginnt mit dem<br />

Login und endet mit dem Logout.<br />

ThinLinc ermöglicht es dabei, Sitzungen<br />

zu unterbrechen. Wechselt<br />

ein Anwender dann beispielsweise<br />

den Rechner, kann er mit<br />

seiner Arbeit so fortfahren, als<br />

hätte er nur eine kleine Pause eingelegt.<br />

Der ThinLinc-Client läuft<br />

fortwährend im Hintergrund, mit<br />

[F8] holen Sie ihn jederzeit auf<br />

den Schirm – etwa, um eine Sitzung<br />

zu unterbrechen oder Einstellungen<br />

zu ändern.<br />

Profile<br />

ThinLinc ermöglicht es, beim Login<br />

ausgewählte Profile zu laden.<br />

Mit diesen dürfen Anwender zwischen<br />

verschiedenen Desktops<br />

und Window-Managern wählen<br />

(Abbildung D, vorige Seite). Die<br />

Profile lassen sich bequem in der<br />

Webadmin-Oberfläche unter dem<br />

gleichnamigen Menüpunkt verwalten.<br />

Die Terminal-Server-Lö-<br />

Speichermedien<br />

Über das Optionsmenü Lokale Geräte<br />

| Laufwerke können Anwender<br />

Dateien von eigenen Speichermedien<br />

lesen oder dort speichern.<br />

Dazu gilt es, lediglich den Pfad<br />

zum Speichermedium anzugeben,<br />

den Rest erledigt der auf dem<br />

Thin-Client laufende NFS-Server<br />

(Abbildung F). Im Home-Verzeichnis<br />

gibt es einen Link thindrives,<br />

der auf die am Client gemounteten<br />

Laufwerke zeigt.<br />

Solange die standardmäßig bei<br />

der Installation angelegten Links<br />

/opt/thinlinc/etc/xstartup.d und<br />

/ opt/thinlinc/etc/xlogout.d existieren,<br />

werden die in den Optionen<br />

angegebenen Laufwerke automatisch<br />

ein- und ausgehängt, sobald<br />

eine Session startet. Daneben<br />

können Anwender die Laufwerke<br />

mithilfe der Befehle tl-mount-localdrives<br />

und tl-umount-localdrives<br />

selbst ein- und aushängen.<br />

Bei der manuellen Mount-Variante<br />

gilt es zu beachten, dass sich<br />

ein eingehängtes Laufwerk immer<br />

nur für die Dauer einer Sitzung<br />

nutzen lässt. Beendet man die<br />

Session, ohne das Laufwerk aus-<br />

INFO<br />

[1] ThinLinc:<br />

http:// www. cendio. com/ products/ thinlinc/<br />

[2] NX Nomachine: http:// www. nomachine. com<br />

[3] LTSP: http:// www. ltsp. org/<br />

[4] X2Go: http:// www. x2go. org/<br />

[5] TigerVNC: http:// sourceforge. net/ apps/<br />

mediawiki/ tigervnc/ index. php<br />

[6] ThinLinc-Client: http:// www. cendio. com/<br />

downloads/ clients/<br />

34 10 | 12<br />

www.linux-user.de


ThinLinc<br />

SCHWERPUNKT<br />

zuhängen, muss man es bei einer<br />

neuen Sitzung trotzdem neu<br />

mounten, zudem kann es zu Datenverlusten<br />

kommen.<br />

Drucker<br />

Lokale Drucker zum Zusammenspiel<br />

mit ThinLinc zu überreden,<br />

gestaltet sich geringfügig aufwendiger.<br />

Auf dem ThinLinc-Server<br />

muss ein Cups-Daemon laufen,<br />

der an der Netzwerkkarte lauscht.<br />

Zusätzlich sind spezielle Drucker<br />

thinlocal oder nearest nötig, die<br />

tl-setup nachträglich anlegt, sofern<br />

das nicht gleich bei der Installation<br />

erledigt wurde.<br />

Über thinlocal spricht ThinLinc<br />

die an einem lokalen Rechner<br />

hängenden Drucker an. Standardmäßig<br />

läuft der Drucker im<br />

geräteunabhängigen Modus: Cups<br />

weiß also nicht, mit was für einem<br />

Drucker es zu tun hat. Es wandelt<br />

die Drucksachen in ein PDF um<br />

und sendet sie an den lokalen<br />

Drucker. Dabei kommt der Generic<br />

Postscript Printer Driver zum<br />

Einsatz, um bestmögliche Ergebnisse<br />

zu erzielen und Schriftstücke<br />

ins korrekte Format umzuwandeln,<br />

bevor sie am Client-<br />

Drucker ausgegeben werden.<br />

Verfügt der lokale Drucker über<br />

Duplex, Farbe oder sonstige spezielle<br />

Eigenschaften, kommt der geräteabhängige<br />

Modus zum Einsatz.<br />

Damit ThinLinc die Daten<br />

dann ohne Veränderung an den<br />

lokalen Drucker übergibt, müssen<br />

Sie auf dem Server den Druckertreiber<br />

installieren (Listing 1)<br />

Gibt es im Netzwerk viele<br />

Clients, aber nur wenige Drucker,<br />

lässt sich ThinLinc auch so konfigurieren,<br />

dass es die Daten zu<br />

demjenigen Drucker sendet, der<br />

am nächsten beim Client liegt<br />

(„nearest printer“). Dazu müssen<br />

Sie ThinLinc in der Weboberfläche<br />

unter Locations mit Druckern,<br />

Orten und Terminals bekannt machen<br />

(Abbildung G).<br />

Status<br />

In der webbasierten<br />

Administrationsoberfläche<br />

des ThinLinc-<br />

Servers können<br />

Sie auch nachsehen,<br />

wie es um<br />

Ihre(n) Server<br />

bestellt ist. Neben<br />

der Anzahl<br />

der freien Lizenzen<br />

und aktiven<br />

Sitzungen sehen<br />

Sie auch Daten<br />

zur Auslastung<br />

des Systems und<br />

der Nutzung der<br />

Lizenzen.<br />

Unter dem Menüpunkt Status |<br />

Sessions lassen sich detailliertere<br />

Informationen zu einzelnen Sitzungen<br />

abrufen und diese gegebenenfalls<br />

beenden (Abbildung H).<br />

Der System-Health-Check zeigt,<br />

wie es um Master und Agent(s)<br />

bestellt ist. Hier fragen Sie zudem<br />

bequem ab, ob bestimmte Nutzer<br />

oder Gruppen vorhanden sind.<br />

Fazit<br />

ThinLinc präsentiert sich als<br />

leicht zu installierende und zu<br />

wartende Terminal-Server-Lösung,<br />

die keine Wünsche offenlässt<br />

und eine ausgezeichnete Anleitung<br />

für Administratoren mitbringt.<br />

Die webbasierte Admin-<br />

Oberfläche lässt sich intuitiv bedienen,<br />

sodass<br />

sich auch Neulinge<br />

schnell<br />

einarbeiten. In<br />

diesem Artikel<br />

haben wir lediglich<br />

eine Installation<br />

mit einem<br />

Server betrachtet,<br />

der zugleich<br />

als Master und<br />

Agent fungiert.<br />

Entsprechende<br />

Kapazitäten vorausgesetzt,<br />

lässt sich der Server<br />

zu einem Cluster erweitern, sodass<br />

Sie das System ohne große<br />

Unkosten skalieren können.<br />

Die zehn frei verfügbaren Lizenzen<br />

reichen in vielen Fällen völlig<br />

aus: Sie sind nicht etwa an Nutzer<br />

gebunden, sondern legen lediglich<br />

die maximale Anzahl der simultanen,<br />

aktiven Sitzungen fest. Brauchen<br />

Sie mehr als zehn davon,<br />

werden Gebühren fällig, die für<br />

die ersten zehn zusätzlichen Nutzer<br />

(also Verbindung 11 bis 20)<br />

bei 65 US-Dollar pro Jahr und Lizenz<br />

liegen. Ab 300 Nutzern kostet<br />

eine Lizenz dann nur noch 30<br />

Dollar pro Nutzer und Jahr, Bildungseinrichtungen<br />

erhalten<br />

50 Prozent Rabatt. (jlu) n<br />

G Nearest Printer:<br />

Auch bei vielen Clients<br />

und wenigen Druckern<br />

müssen Anwender aus<br />

dem Dachgeschoss ihre<br />

Druckaufträge nicht im<br />

Keller abholen.<br />

H ThinLinc zeigt die<br />

Anwender und deren<br />

aktive Sitzungen.<br />

LISTING 1<br />

# lpadmin -p thinlocal-label -v 'thinlocal:/' -P<br />

/ media/cd/label-printer.ppd<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 35


SCHWERPUNKT<br />

Giada i35G<br />

Schlanker Büroclient Giada i35G im Kurztest<br />

Mit kleinen<br />

Rucklern<br />

© Giada<br />

Mehr Platz auf dem Schreibtisch bei weniger Stromverbrauch –<br />

das verspricht der Giada i35G. Allerdings birgt die Installation einer<br />

aktuellen Linux-Distribution in einigen Fällen Tücken. Andreas Bohle<br />

README<br />

Für die virtuelle Büroarbeit<br />

braucht es keinen<br />

Boliden. Der Giada i35G<br />

besticht durch eine<br />

kompakte Bauweise,<br />

ansprechende Optik<br />

und sparsamen Verbrauch.<br />

Unser Test<br />

zeigt, wie sich der<br />

Client unter Linux<br />

schlägt und inwieweit<br />

die schlanke Hardware<br />

für den Alltag ausreicht.<br />

Das vernetzte Büro erfordert<br />

schon lange keine leistungshungrige<br />

Hardware mehr. Der moderne<br />

<strong>Office</strong>-Client braucht nicht größer<br />

zu sein als das Paperback, das in<br />

Zeiten von E-Books kaum noch jemand<br />

in die Hand nimmt. Fallen<br />

allerdings doch einmal arbeitsintensive<br />

Aufgaben an, dann gerät<br />

die Hardware jedoch schnell an<br />

ihre Grenzen.<br />

Passend zum Schwerpunkt hat<br />

unser Testlabor eines der neuen<br />

Modelle des Herstellers Giada erhalten.<br />

Der i35G setzt auf eine<br />

2,13 GHz getaktete Atom-CPU<br />

mit zwei Kernen (4 Threads) aus<br />

der Cedar-Trail-Serie, die über<br />

zweimal 512 KByte L2-Cache verfügt.<br />

Die verbauten 2 GByte Arbeitsspeicher<br />

erscheinen angemessen<br />

dimensioniert (siehe<br />

Tabelle Spezifikationen).<br />

Gut vernetzt<br />

Den integrierten WLAN-Chip, einen<br />

PCIe-Adapter von Atheros<br />

(AR9285), erkennt Linux problemlos.<br />

Damit kommuniziert der<br />

kleine Rechenknecht drahtlos via<br />

802.11b/ g/ n, hinzu kommen<br />

Gigabit-Ethernet und Bluetooth.<br />

Das Einbinden in ein Netzwerk<br />

und die Integration drahtloser<br />

Hardware gelingen damit spielend<br />

einfach.<br />

Wem die Leistungsdaten der<br />

Maschine insgesamt etwas zu gering<br />

erscheinen, den bedient der<br />

Hersteller mit einer<br />

zweiten Linie, die dann<br />

eine Mobil-CPU aus der<br />

Core-I-Serie mit Ivy-<br />

Bridge-Architektur mitbringt.<br />

Der verwendete<br />

Chipsatz ermöglicht<br />

den Anschluss von<br />

USB-3.0-Geräten, was<br />

das vorliegende Modell<br />

nicht unterstützt. Dafür<br />

kostet der Giada i35G lediglich<br />

320 Euro, während die Preise für<br />

die höherwertige Klasse erst bei<br />

rund 450 Euro beginnen.<br />

Der Lieferumfang umfasst neben<br />

dem eigentlichen Rechner einen<br />

Standfuß aus durchsichtigem<br />

Plastik sowie eine VESA-Halterung,<br />

welche die Montage an der<br />

Rückseite eines Bildschirms erlaubt.<br />

Auf diese Weise verschwindet<br />

das Gerät zwar vom Schreibtisch,<br />

allerdings erschwert dies<br />

dann im laufenden Betrieb das<br />

Anschließen von zusätzlichen Peripheriegeräten.<br />

Wer jedoch weiß,<br />

dass er in der nächsten Zeit nichts<br />

zusätzlich an den kleinen Kasten<br />

andockt, gewinnt so etwas Platz.<br />

Hinsichtlich der Gehäuse-Optik<br />

macht der Klein-PC durchaus eine<br />

gute Figur: Verspielte Muster im<br />

hellen Grau lenken von der ansonsten<br />

unvermeidlich technischen<br />

Anmutung der Hardware<br />

ab. Dank Klavierlack-Oberfläche<br />

gerät andererseits aber jeder Fingerabdruck<br />

zum Ärgernis, und der<br />

mitgelieferte<br />

Standfuß wirkt im Gegensatz zum<br />

edleren Gehäuse etwas billig.<br />

Erster Start<br />

Mit einem Druck auf den runden<br />

Einschaltknopf an der Frontseite<br />

erwecken Sie die Hardware zum<br />

Leben. LEDs signalisieren Betriebszustand<br />

sowie Aktivitäten<br />

der Festplatte oder des drahtlosen<br />

Netzwerks. Ein Surren verrät,<br />

dass die CPU ihre Arbeit aufgenommen<br />

hat.<br />

Der i35G geht in der vorliegenden<br />

Konfiguration nicht gerade<br />

übermäßig schnell zu Werke. Der<br />

unvermeidliche Selbsttest und die<br />

Anzeige von Informationen über<br />

verbaute Komponenten nervt<br />

etwas. Im BIOS fand sich keine<br />

Option, um dies zu verkürzen.<br />

Da der PC über kein optisches<br />

Laufwerk verfügt, bleiben für eine<br />

Installation von Linux nur prinzipiell<br />

zwei Wege: einmal via zu-<br />

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Giada i35G<br />

SCHWERPUNKT<br />

sätzlich angeschlossenes<br />

Laufwerk oder über einen<br />

USB-Stick. Beide Varianten<br />

funktionierten im<br />

Test. Bei der USB-Variante<br />

kamen die meisten Pakete<br />

über das Netzwerk.<br />

Hürden<br />

Giada verbaut eine GPU<br />

von Nvidia mit der Modellnummer<br />

GF119. Diese<br />

erwies sich allerdings als<br />

Stolperstein bei der<br />

System einrichtung. So<br />

zeigte das Live-System sowie<br />

die installierte Version<br />

von Ubuntu 12.04 durchweg<br />

beim Booten nur breite<br />

schwarz-weiße Streifen.<br />

Fedora 17 kapitulierte<br />

ebenfalls vor dem Grafikchip.<br />

Lediglich Open-<br />

Suse 12.1 kam mit der Hardware<br />

klar (Abbildung A).<br />

Bei der GF119 handelt es sich eigentlich<br />

um eine GT 520, die ein<br />

neues Label erhalten hat. Open-<br />

Suse spricht diese über den Nouveau-Treiber<br />

an, für die 3D-Effekte<br />

verwendet es swrast, allerdings<br />

ohne dabei die Hardware-Beschleunigung<br />

zu nutzen. Entsprechend<br />

langsam reagiert der Desktop.<br />

Abhilfe schafften hier das Abschalten<br />

der Effekte sowie der<br />

Umstieg auf LXDE.<br />

Einsatz im Alltag<br />

Der KDE-Desktop von OpenSuse<br />

erwies sich im Test angesichts der<br />

Hardware als erstaunlich flott.<br />

Kleinere Hänger traten zwar auf,<br />

waren allerdings eher selten.<br />

Zwar starten die großen Brocken<br />

wie <strong>Office</strong>-Suite, Mail-Programm<br />

oder Browser etwas langsamer<br />

als auf einem Rechner im<br />

INFO<br />

[1] Giada: http:// www. giada-deutschland. de<br />

[2] Cedar Trail: http:// de. wikipedia. org/ wiki/<br />

Intel_Atom# Cedar_Trail<br />

[3] Ivy Bridge: http:// en. wikipedia. org/ wiki/<br />

Ivy_Bridge_%28microarchitecture%29<br />

[4] Nvidia GF119: http:// www. gpureview. com/<br />

nvidia-gf119-chip-181. html<br />

Standardformat, aber in der Regel<br />

laufen diese Applikationen zu Beginn<br />

des Tages einmal los und<br />

bleiben dann den Rest des Tages<br />

im Hauptspeicher.<br />

Im Test kamen sich ein Browser<br />

mit laufendem Flash-Film sowie<br />

die Textverarbeitung aus dem<br />

Libre <strong>Office</strong>-Paket kaum in die<br />

Quere. Lediglich beim Verschieben<br />

der Fenster zeigten sich kurz<br />

Artefakte auf dem Bildschirm und<br />

das Video begann zu ruckeln, fing<br />

sich aber wieder. Ansonsten reagierte<br />

der Desktop so schnell,<br />

dass es als flüssig durchgeht.<br />

Wer den Rechner alleine nutzt,<br />

dem bietet sich über die Tiefschlaf-Option<br />

beim Abmelden die<br />

Möglichkeit, etwas Zeit beim<br />

nächsten Einschalten zu sparen.<br />

Im Test fuhr der Rechner problemlos<br />

alle Programme und das<br />

System herunter und schaffte es,<br />

diese beim nächsten Einschalten<br />

wieder in einen betriebsbereiten<br />

Zustand zu versetzen.<br />

Als etwas störend erwies sich im<br />

Test der Geräuschpegel des Lüfters.<br />

Zwar dreht dieser selbst bei<br />

anspruchsvollen Aufgaben nicht<br />

hoch, ist aber kontinuierlich zu<br />

hören. Vor der Geräuschkulisse eines<br />

Großraumbüros fällt das nicht<br />

weiter auf, an einem Einzelplatz<br />

in einem kleinen Büroraum erweist<br />

sich das Geräusch eventuell<br />

auf Dauer als nervig.<br />

Fazit<br />

Der Giada i35G erweist sich als<br />

eine rundum solide Wahl, wenngleich<br />

etwas mehr Leistung die<br />

Arbeit im Alltag erleichtern würde.<br />

Für einfache Büroaufgaben<br />

wie etwa das Bearbeiten von<br />

Mails oder die Eingabe von Daten<br />

in ein Webfrontend reichen die<br />

Spezifikationen aus. Wer mehr<br />

möchte, sollte auf die kraftvollere<br />

Variante umsteigen. Damit steigen<br />

aber die Kosten für den laufenden<br />

Betrieb. (agr) n<br />

CPU<br />

Chipsatz<br />

GPU<br />

RAM<br />

Massenspeicher<br />

Anschlüsse<br />

Netzwerk<br />

Audio<br />

Leistungsaufnahme<br />

Größe<br />

Preis (ca.)<br />

Intel Atom D2700 (2,13 GHz)<br />

Intel NM10 Express<br />

Nvidia GF119<br />

A OpenSuse erkennt<br />

während der Installation<br />

die verbaute Grafik-Hardware<br />

und nutzt<br />

Treiber, die ein Arbeiten<br />

mit dem Mini-PC<br />

ermöglichen.<br />

2 GByte DDR3-1066/ 1333 (1 SO-DIMM Slot,<br />

maximal 4 GByte), 512 MByte VRAM onboard<br />

HDD 320 GByte, 2,5 Zoll (optional Intel mSATA<br />

SSD)<br />

5 x USB 2.0, 1 x Cardreader (SD/ MMC/ MS/ MS<br />

PRO), 1 x HDMI, 1 x VGA<br />

Gigabit-LAN + IEEE 802.11n + Bluetooth<br />

Audio-Out/ Mic-In<br />

30 Watt<br />

192 x 155 x 26 mm<br />

320 Euro<br />

SPEZIFIKATIONEN<br />

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10 | 12 37


SCHWERPUNKT<br />

Geierlein<br />

Mit Geierlein<br />

senden Sie die<br />

Umsatzsteuervoranmeldung<br />

komfortabel ans<br />

Finanzamt – plattformübergreifend<br />

und bei Bedarf<br />

sogar über die<br />

Kommandozeile.<br />

Hanno Böck<br />

Umsatzsteuer plattformübergreifend<br />

voranmelden mit Geierlein<br />

Federvieh<br />

Seit 2012 sind Unternehmen<br />

verpflichtet, die Steuererklärung<br />

elektronisch abzugeben. Bereits<br />

seit 2005 gilt dies für die Umsatzsteuervoranmeldung,<br />

welche Unternehmen<br />

und Freiberufler in<br />

der Regel monatlich ans Finanzamt<br />

übertragen.<br />

Mit Geierlein [1] steht eine neue<br />

Software bereit, die diese Kommunikation<br />

mit dem Finanzamt<br />

übernimmt. Dahinter verbirgt<br />

sich eine in HTML5 und Javascript<br />

geschriebene Anwendung,<br />

für die es unter anderem ein in<br />

der UI-Sprache XUL programmiertes<br />

Frontend gibt. Dieses<br />

läuft unabhängig von der Plattform<br />

in einem Browser auf<br />

Mozilla-Basis.<br />

Bislang erledigt die Software<br />

nur die Umsatzsteuervoranmeldung.<br />

Für die Einkommensteuererklärung<br />

müssen Sie weiter auf<br />

Windows-Software Elster-Formular<br />

zurückgreifen, die jedoch dank<br />

Wine unter Linux läuft.<br />

Von Taxbird zu Geierlein<br />

Geierlein entstand aus dem Taxbird-Projekt<br />

[2]. Die seit 2004<br />

entwickelte Software Taxbird<br />

haben die Entwickler noch für<br />

Gnome 2 programmiert. Allerdings<br />

ersetzen viele Distributionen<br />

dies durch Gnome 3, somit<br />

verschwinden die benötigten Bibliotheken<br />

aus den Repositories.<br />

Anstatt nun ebenfalls auf<br />

Gnome 3 zu wechseln, entschied<br />

sich der Taxbird-Entwickler Stefan<br />

Siegl für einen Neustart. Der<br />

Nachfolger Geierlein setzt dabei<br />

auf Javascript und XUL. Der Vorteil<br />

liegt auf der Hand: Geierlein<br />

läuft damit nicht nur unter<br />

Linux, sondern unter jedem System,<br />

für das Programm XUL Runner<br />

oder der Browser Firefox bereitsteht.<br />

Damit kommen ebenso Windows-<br />

wie MacOS-Nutzer in den<br />

Genuss einer freien Software für<br />

die Abgabe der Umsatzsteuervor-<br />

© Thomas Leichtenstern, LNM AG<br />

README<br />

Um Umsatzsteuervoranmeldungen<br />

an das<br />

Finanz amt zu übermitteln,<br />

gab es für Linux<br />

bisher die Software Taxbird.<br />

Das Projekt endet,<br />

lebt aber im Nachfolger<br />

Geierlein weiter.<br />

INSTALLATION<br />

Eine Installation im eigentlichen Sinne benötigt Geierlein<br />

nicht. Laden Sie zunächst die jüngste Version des Programms<br />

von der Projektseite herunter. Bei Redaktionsschluss<br />

war das die Version 0.3.2. Die Datei, beispielsweise<br />

geierlein-0.3.2.zip, entpacken Sie in einem Verzeichnis<br />

Ihrer Wahl. Anschließend wechseln Sie in das entsprechende<br />

Verzeichnis und starten das Programm mit dem<br />

Befehl firefox -app application.ini.<br />

Um die Software zu betreiben, brauchen Sie einen Browser<br />

mit der richtigen Version der Gecko-Engine, also jenem Modul,<br />

das die Elemente letztendlich in ein Bitmap umwandelt.<br />

Im Test mit der Version 0.3.2 verlangte das Programm mindestens<br />

eine Gecko-Version 3.5.<br />

Alternativ zum Betrieb in einem Browser läuft die Software<br />

Geierlein außerdem auf einem Rechner mit einem Webserver,<br />

wie Apache oder dem leichtgewichtigeren Nginx [7]. Da<br />

dieser aber die Kommunikation mit dem Server des Finanzamts<br />

durchreicht, braucht es eine spezielle Konfiguration<br />

des Servers. Beispiele für diese Konfigurationsvariablen finden<br />

Sie auf der Projektseite [8].<br />

38 10 | 12<br />

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Geierlein<br />

SCHWERPUNKT<br />

anmeldung. Besonders für Letztere<br />

ist das spannend, da die offizielle<br />

Formular-Software bislang<br />

nur für Windows bereitsteht.<br />

Erste Schritte<br />

Einmal gestartet stellt das Programm<br />

Geierlein Ihnen keine großen<br />

Hürden in den Weg (Abbildung<br />

A). Im oberen Bereich tragen<br />

Sie Stammdaten wie Name,<br />

Adresse und die vom Finanzamt<br />

zugeteilte Steuernummer ein. Bei<br />

Bedarf speichern Sie diese über<br />

den Button Als Standard speichern<br />

dauerhaft ab.<br />

Darunter geht es weiter mit dem<br />

Formular für die eigentliche Umsatzsteuer.<br />

Standardmäßig steht<br />

ein vereinfachtes Formular bereit,<br />

das nur die wesentlichen Felder<br />

zeigt. Wer mehr benötigt, klickt<br />

auf Vollständiges Formular: Dann<br />

zeigt die Software das umfangreichere<br />

Formular mit allen Feldern.<br />

Nach dem Ausfüllen wählen Sie<br />

zwischen Daten senden und Als<br />

Testfall senden. Letzterer hilft<br />

beim Prüfen der Eingaben. Dabei<br />

überträgt das Programm die Daten<br />

zwar ans Finanzamt, wo der<br />

Server sie jedoch gleich wieder<br />

verwirft. Zuvor prüft Geierlein einige<br />

der Angaben und warnt zum<br />

Beispiel, wenn Sie in Feldern für<br />

Zahlenwerte Buchstaben eingetragen<br />

haben. Nach dem Absenden<br />

erhalten Sie ein Protokoll des<br />

Transfers (Abbildung B).<br />

Um die CLI-Version von Geierlein<br />

zu starten, benötigen Sie noch die<br />

beiden Node.js-Module iconv und<br />

optimist. Diese installieren Sie am<br />

besten direkt im Verzeichnis von<br />

Geierlein mit npm install minimalist<br />

iconv. Anschließend rufen Sie<br />

aus dem gleichen Verzeichnis mit<br />

bin/geierlein ganz einfach die<br />

Software auf.<br />

Bei der Version für die Kommandozeile<br />

hinterlegen Sie die<br />

Daten zur Umsatzsteuer als Textdatei.<br />

Geierlein bringt eine kommentierte<br />

Datei ustva im Verzeichnis<br />

doc/examples mit (Abbildung<br />

C). Diese editieren Sie nach<br />

eigenen Bedürfnissen und übertragen<br />

sie anschließend auf der<br />

Kommandozeile mit dem Aufruf<br />

bin/geierlein Datei.<br />

Bislang ist Geierlein nicht in der<br />

Lage, die Umsatzsteuervoranmeldungen<br />

digital zu signieren. Geierlein-Entwickler<br />

Stefan Siegl bestätigte<br />

auf Nachfrage aber, an<br />

diesem Projekt mit Hochdruck zu<br />

arbeiten. Ab Januar 2013 akzeptieren<br />

die Steuerbehörden nämlich<br />

nur noch signierte Datentransfers.<br />

Bis dahin möchte er die<br />

Funktionalität auf jeden Fall implementiert<br />

haben. Wer bereits<br />

jetzt auf die Funktion angewiesen<br />

ist, greift vorläufig auf die alte<br />

Taxbird-Software zurück.<br />

Eine Implementation der Jahressteuererklärung<br />

hängt von der<br />

Bereitschaft zur Kooperation bei<br />

den Behörden ab und diese erlauben<br />

bislang keine freie Software<br />

(siehe Kasten Coala oder Eric).<br />

A Geierlein kommt<br />

spartanisch daher,<br />

bietet aber alles, was<br />

Sie zum Voranmelden<br />

der Umsatzsteuer<br />

benötigen.<br />

Geierlein 0.3.2<br />

LU/geierlein/<br />

GLOSSAR<br />

XUL: XML User Interface<br />

Language. Eine im<br />

Mozilla-Projekt entwickelte<br />

Sprache zum Beschreiben<br />

von Oberflächen,<br />

die mittlerweile in<br />

anderen Programmen<br />

zum Einsatz kommen.<br />

Auf der Kommandozeile<br />

Für Freunde der Kommandozeile<br />

bietet Geierlein ein Schmankerl:<br />

Alle Funktionen stehen ohne grafische<br />

Oberfläche bereit. Hierfür<br />

nutzen Sie die Javascript-Bibliothek<br />

Node.js [3]. Diese ermöglicht<br />

den Einsatz von Javascript<br />

auf der Kommandozeile und in<br />

Server-Applikationen. Dabei setzt<br />

sie auf die von Google entwickelte<br />

Engine V8. Sie installieren Node.<br />

js am einfachsten über einen Paketmanager<br />

der Distribution. Das<br />

Paket heißt meist nodejs ohne<br />

Punkt, da Sonderzeichen in den<br />

Namen oft verboten sind.<br />

B Nach Abschluss des<br />

Transfers zeigt die Software<br />

im Protokoll alle<br />

relevanten Daten an.<br />

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10 | 12 39


SCHWERPUNKT<br />

Geierlein<br />

D Die Windows-Software ElsterFormular läuft dank Wine unter Linux.<br />

C Über eine<br />

Textvorlage melden<br />

Sie die Daten zur Umsatzsteuer<br />

über die<br />

Kommandozeilenvariante<br />

von Geierlein.<br />

GLOSSAR<br />

Elster: Elster steht für<br />

Elektronische Steuererklärung<br />

und bezeichnet<br />

das System der Finanzbehörden<br />

zum papierlosen<br />

Übertragen von<br />

Erklärungen und Voranmeldungen.<br />

Die zugehörige<br />

kostenlose (aber<br />

proprietäre) Software<br />

heißt ElsterFormular.<br />

Wer seine Jahressteuererklärung,<br />

als Privatperson oder als Unternehmen,<br />

elektronisch übermitteln<br />

möchte, ist somit nach wie<br />

vor auf proprietäre Software angewiesen.<br />

Neben einigen kommerziellen<br />

Produkten, die diese<br />

Funktionalität bieten, stellen die<br />

Steuerbehörden hierfür ein eigenes<br />

Programm bereit, das das Elster-Verfahren<br />

[4] unterstützt. Mit<br />

einer aktuellen Version von Wine<br />

klappt der Betrieb der kostenlosen<br />

Software [5] auch unter<br />

Linux-Systemen (Abbildung D).<br />

Unter Wine<br />

ElsterFormular (derzeit aktuellste<br />

Version 13.2.0.8623k) steht in<br />

drei Versionen zum Download bereit:<br />

eine Variante für Privatanwender,<br />

die nur die normale Steuererklärung<br />

erlaubt, eine Variante<br />

für Unternehmen, in der beispielsweise<br />

die Umsatzsteuervoranmeldung<br />

oder eine Gewerbesteuererklärung<br />

möglich ist sowie<br />

eine dritte Variante, die alle notwendigen<br />

Funktionen bereithält.<br />

Wer die Variante mit dem kompletten<br />

Umfang wählt, macht auf<br />

jeden Fall nichts falsch. Außer einem<br />

etwas größeren Download<br />

gibt es keinerlei Nachteile.<br />

Nach dem Herunterladen wechseln<br />

Sie auf der Kommandozeile<br />

in das Verzeichnis, in dem sich<br />

die heruntergeladene Datei befindet,<br />

und starten das Programm<br />

mit dem Aufruf<br />

$ wine ElsterFormular-13.2.0.862U<br />

3k.exe<br />

Für die Installation brauchen Sie<br />

lediglich die Lizenz der Software<br />

akzeptieren und ein Zielverzeichnis<br />

im virtuellen Laufwerk C: der<br />

Wine-Installation angeben. Anschließend<br />

taucht die Software<br />

automatisch im Menü des jeweiligen<br />

Window-Managers auf.<br />

ElsterFormular bietet daneben die<br />

Möglichkeit, eine Steuererklärung<br />

als Testfall zu übermitteln. Wer<br />

sich also zunächst nur davon<br />

überzeugen möchte, dass das Programm<br />

auch korrekt arbeitet, der<br />

wählt den Menüpunkt Datenermittlung<br />

| Test der Datenübermittlung<br />

an das Finanzamt (Musterfall<br />

senden), und sieht auf diese Weise,<br />

ob die Kommunikation mit den<br />

Servern der Finanzbehörden<br />

funktioniert. Anschließend steht<br />

dem Transfer der Daten nichts<br />

mehr im Wege.<br />

Direkt online<br />

Die Finanzbehörden bieten mit<br />

ElsterOnline [6] auch die Möglichkeit,<br />

einige der Daten direkt<br />

über den Browser ans Finanzamt<br />

zu übertragen. Das hilft aber bei<br />

der persönlichen Einkommensteuererklärung<br />

nicht weiter,<br />

denn diese steht bislang in Elster-<br />

Online nicht bereit. (tle/ agr) n<br />

COALA ODER ERIC<br />

Für die elektronische Kommunikation mit den Finanzbehörden<br />

existieren zwei Protokolle: Coala und Eric.<br />

Ersteres erlaubt zurzeit ausschließlich das Übermitteln<br />

von Umsatzsteuervoranmeldungen. Der Einsatz<br />

des Protokolls ist für freie Projekte möglich, die Spezifikationen<br />

hierfür stellen die Finanzbehörden kostenlos<br />

bereit. Programmierer alternativer Software<br />

erhalten vom Bayerischen Landesamt für Steuern<br />

eine entsprechende Hersteller-ID.<br />

Die Abgabe der Jahressteuererklärung läuft nur mit<br />

dem Protokoll Eric. In diesem Fall lehnen die<br />

Finanzbehörden aber eine alternative Implementation<br />

durch andere Software ab. Es darf nur in offiziellen<br />

von den Behörden bereitgestellten Bibliotheken<br />

zum Einsatz kommen. Diese stehen aber unter<br />

einer proprietären Lizenz. Als Grund nennt die<br />

Behörde, dass nur in diesem Fall geeignete serverseitige<br />

Prüfungen auf Plausibilität greifen. Das bedeutet,<br />

dass die Eric-Server letztendlich eine ungültige<br />

Steuererklärung akzeptieren. Daher setzen die<br />

Finanzbehörden darauf, dass der Client die Steuererklärung<br />

vor dem Übermitteln überprüft.<br />

Dieses Vorgehen erweist sich nicht nur in Bezug auf<br />

die Implementation freier Software als problematisch,<br />

es ist außerdem aus Sicherheitsgründen nicht<br />

empfehlenswert. Jemand, der vorsätzlich eine fehlerhafte<br />

Steuererklärung abgeben möchte, wäre in<br />

der Lage, dies mit manipulierter Software zu tun.<br />

INFO<br />

[1] Geierlein-Projekt:<br />

http:// stesie. github. com/ geierlein/<br />

[2] Taxbird: http:// www. taxbird. de<br />

[3] Node.js: http:// nodejs. org<br />

[4] Elster: http:// www. elster. de<br />

[5] ElsterFormular:<br />

https:// www. elster. de/ elfo_home. php<br />

[6] ElsterOnline: https:// www. elsteronline. de<br />

[7] Nginx: Falko Benthin, „Auf der<br />

Über hol spur“, LU 08/ 2012, S. 38,<br />

http:// www. linux-community. de/ 26390<br />

[8] Konfigurationen für Apache und Nginx:<br />

https:// github. com/ stesie/ geierlein/ wiki<br />

40 10 | 12<br />

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PRAXIS<br />

Widelands<br />

Wirtschaftssimulation Widelands<br />

Baumeister<br />

Der Aufbau einer Volkswirtschaft hängt von vielen Faktoren ab. Wer bei<br />

der Wirtschaftssimulation Widelands die Ressourcen richtig einsetzt,<br />

herrscht im Handumdrehen über ein florierendes Reich. Erik Bärwaldt<br />

© Xavier Gallego Morell, 123RF<br />

Widelands Build 17<br />

LU/widelands/<br />

README<br />

Für Liebhaber von Strategiespielen<br />

hält sich<br />

die Auswahl unter Linux<br />

derzeit in Grenzen. Eine<br />

Ausnahme und zudem<br />

ein Vertreter der Spitzenklasse<br />

aus dem<br />

Genre nennt sich Widelands<br />

und bietet für<br />

viele Stunden Spiel,<br />

Spaß und Spannung auf<br />

hohem Niveau.<br />

Linux gilt gemeinhin nicht als<br />

bevorzugte Plattform für Gamer.<br />

Vor allem kommerzielle Spiele<br />

stehen bislang in vielen Fällen<br />

nicht für das freie Betriebssystem<br />

zur Verfügung. Aber anspruchsvolle<br />

Spiele für Linux, die kostenlos<br />

bereitstehen, gibt es auch unter<br />

GPL-Lizenz. Eines davon ist<br />

das seit Jahren kontinuierlich<br />

entwickelte Widelands [1]. Ähnlich<br />

wie das seit DOS-Zeiten bekannte<br />

Spiel „Die Siedler“ simuliert<br />

es den Aufbau einer Volkswirtschaft<br />

und fordert vom Spieler<br />

strategisches wie taktisches<br />

Denken gleichermaßen.<br />

Installation<br />

Widelands findet sich inzwischen<br />

in den Repositories der meisten<br />

großen Distributionen. Sie installieren<br />

es entsprechend komfortabel<br />

über den Paketmanager des<br />

Systems. In der Regel handelt es<br />

sich dabei jedoch nicht um die aktuelle<br />

Version Build17. Möchten<br />

Sie diese verwenden, nutzen Sie<br />

den Quellcode [4] des neuesten<br />

Releases von der Website des Projektes,<br />

den Sie auch auf der Heft-<br />

DVD finden. Für OpenSuse gibt<br />

es darüber hinaus ein inoffiziellen<br />

Repository. Dies stellt das<br />

Spiel in der neuesten Version via<br />

1 click install zum Einrichten bereit<br />

[2]. Eventuelle Abhängigkeiten<br />

löst das System dabei selbstständig<br />

auf.<br />

Im Web finden Sie eine ausführliche<br />

Anleitung für unterschiedliche<br />

Linux-Distributionen, die beschreiben,<br />

wie Sie Widelands aus<br />

dem Quellcode kompilieren [3].<br />

Diese detaillierten Hinweise sind<br />

dringend nötig, denn die Software<br />

weist eine stattliche Anzahl von<br />

Abhängigkeiten auf und setzt daher<br />

bei den meisten Distributionen<br />

zunächst die Installation<br />

zahlreicher Pakete vo raus. Im Test<br />

unter Mandriva 2010.2 zog das<br />

System genau 99 zusätzliche Pakete<br />

mit einem Gesamtumfang<br />

von knapp 200 MByte auf die<br />

Platte.<br />

Dabei tauchte ein weiteres Hindernis<br />

auf: Einige der Bibliotheken,<br />

die Widelands voraussetzt,<br />

stehen nicht in den erforderlichen<br />

Versionen bereit, sondern<br />

nur in neueren Varianten. Da die<br />

neuen teils andere Abhängigkeiten<br />

und Namen besitzen, bleibt<br />

als Ausweg nur, das Spiel mit dem<br />

Schalter --nodeps aus dem Quellcode<br />

zu kompilieren. Dieser bewirkt,<br />

dass das Setup sämtliche<br />

Abhängigkeiten ignoriert.<br />

Die neueste Version<br />

Eine saubere Installation der<br />

Software ist allerdings unter diesen<br />

Umständen nicht mit vertretbarem<br />

Aufwand möglich. Da im<br />

Test jedoch die neueste Variante<br />

des Spiels zum Einsatz kommen<br />

sollte, ging dem Test eine manuelle<br />

Installation der geforderten<br />

Bibliotheken voraus. Das gut 160<br />

MByte große Tar-Archiv mit dem<br />

Quellcode des Spiels entpacken<br />

Sie mit dem Befehl:<br />

$ tar -xjvf widelands-build17-srU<br />

c.tar.bz2<br />

Wechseln Sie in das Unterverzeichnis<br />

widelands-build17-src,<br />

und öffnen Sie in diesem ein Ter-<br />

44 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Widelands<br />

PRAXIS<br />

minal. Starten Sie jetzt das Skript<br />

./ compile.sh mit Root-Rechten. Im<br />

Test ließ sich das Spiel umgehend<br />

und problemlos kompilieren. Im<br />

Anschluss starten Sie die Software<br />

mit der Eingabe von<br />

./ widelands in der Konsole.<br />

Die brandneue Build 17 überzeugte<br />

jedoch trotz des erheblichen<br />

Aufwands bei der Installation<br />

weder unter Mandriva noch<br />

unter der aktuellen Version 12.1<br />

von OpenSuse. Nach dem Vorspann<br />

und dem Beginn eines<br />

Spiels zeigten sich wiederholt auf<br />

beiden Systemen massive Fehler<br />

in der Grafik. So flackerte das<br />

Bild, es traten Artefakte auf, und<br />

beim Öffnen von Fenstern überdeckte<br />

eine Schraffur Textteile<br />

und zum Teil Symbole, sodass<br />

diese unleserlich waren.<br />

Nicht einsatzfähig<br />

Zudem fiel auf, dass während des<br />

Ladens der Animationen und der<br />

Auswahl eines Szenarios die CPU-<br />

Last bei 100 Prozent verharrte,<br />

und der Mauszeiger sich nur ruckelnd<br />

und unpräzise bewegen<br />

ließ. In dieser Form war das Spiel<br />

nicht einsatzfähig. Für den weiteren<br />

Test kam die Version aus den<br />

Repositories zum Einsatz.<br />

Zum Einsatz kam deshalb unter<br />

Mageia 1 die Variante Build 16<br />

aus den Repositories, die aus dem<br />

Stand tadellos funktionierte. Bei<br />

der Installation legte das Skript<br />

automatisch im Unterverzeichnis<br />

Spiele des Menüs einen entsprechenden<br />

Starter an, sodass Sie<br />

das Spiel komfortabel per Mausklick<br />

aktivieren. Widelands präsentiert<br />

sich danach in einem<br />

übersichtlichen Programmfenster<br />

(Abbildung A).<br />

Über die Schaltfläche Optionen<br />

erreichen Sie Einstellungen zur<br />

Sprache, zur Bildschirmauflösung<br />

und zur akustischen Untermalung.<br />

Die Entwickler haben die<br />

Darstellung auf SVGA-Auflösung<br />

optimiert, was insbesondere für<br />

schwächere Grafikkarten oder<br />

aber WXGA- und XGA-Bildschirme<br />

von Vorteil ist.<br />

Sofern Sie einen höher auflösenden<br />

Bildschirm nutzen, lohnt es<br />

sich, die vorgegebenen Werte entsprechend<br />

heraufzusetzen. Auf<br />

diese Weise sehen Sie einen deutlich<br />

umfangreicheren Bildausschnitt<br />

und einen besseren Überblick<br />

über das Spielgeschehen.<br />

Immer komplexer<br />

Das Spiel kennt zwei Modi: für einen<br />

einzelnen Spieler oder zu<br />

mehreren über das Netz. Die Software<br />

gestattet dabei das kooperative<br />

Spiel sowohl in einem Intranet<br />

als auch über das Internet.<br />

Nach Auswahl der gewünschten<br />

Spielart müssen Sie noch entsprechende<br />

Angaben zur IP-Adresse,<br />

zu den Account-Daten sowie zum<br />

Server im Netz machen.<br />

Möchten Sie stattdessen alleine<br />

gegen den Computer spielen,<br />

dann wählen Sie den Menüpunkt<br />

Einzelspieler. Damit haben Sie die<br />

Möglichkeit, Ihr Geschick gegen<br />

einen oder mehrere virtuelle Gegner<br />

zu beweisen.<br />

Widelands hat sich – gemessen<br />

an den frühen Versionen [5] – zu<br />

einer deutlich anspruchsvolleren<br />

Simulation gemausert. Es bestehen<br />

nun innerhalb der simulierten<br />

Volkswirtschaft erheblich<br />

mehr wirtschaftliche Abhängigkeiten<br />

als bei früheren Varianten,<br />

sodass es ähnlich wie beim<br />

Schachspiel gilt, die Folgen bestimmter<br />

Spielzüge unter Berücksichtigung<br />

unterschiedlichster<br />

Aspekte genau abzuwägen.<br />

Das ursprüngliche Konzept<br />

blieb jedoch gleich: ausgehend<br />

von einem Hauptquartier oder einem<br />

Dorf bei einer Burg eine florierende<br />

Wirtschaft begründen,<br />

die sich nach entsprechender<br />

räumlicher Expansion gegen Eindringlinge<br />

zu behaupten weiß.<br />

Dazu spielen Sie entweder Kampagnen,<br />

die auf einer vorgegebenen<br />

Historie beruhen, oder Sie<br />

versuchen im freien Spiel Ihr Geschick.<br />

Dazu wählen Sie aus einer<br />

stattlichen Liste bereits vorhandener<br />

Karten die passende aus.<br />

Karten selbst erstellen<br />

Die Karten weisen unterschiedliche<br />

Größen mit einer jeweils eigenen<br />

Topographie auf. Sagt Ihnen<br />

keine der zahlreichen Landkarten<br />

zu, so erlaubt es der Editor, den<br />

Sie aus dem Hauptmenü heraus<br />

erreichen, eigene Karten zu entwerfen<br />

oder vorhandene zu bearbeiten.<br />

Dabei legen Sie neben den<br />

topographischen Merkmalen die<br />

Größen von Gebäuden und das<br />

Vorkommen von Rohstoffen fest.<br />

Anschließend entscheiden Sie,<br />

welcher Volksgruppe Sie angehören<br />

möchten. Zur Auswahl stehen<br />

Barbaren, Atlanter oder Imperium.<br />

Im nächsten Schritt definieren<br />

Sie, wie sich der Computer als<br />

A Das Startfenster von<br />

Widelands beschränkt<br />

sich aufs Nötigste.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 45


PRAXIS<br />

Widelands<br />

B Anhand der Statistiken<br />

stellen Sie auf<br />

einen Blick fest, ob<br />

Ihre Wirtschaft floriert<br />

oder nicht.<br />

C Um Soldaten auszubilden,<br />

gilt es, darauf<br />

zu achten, dass genügend<br />

Proviant und<br />

Waffen bereitstehen.<br />

Gegner verhält. Daneben legen<br />

Sie den Typ des Spiels fest. Durch<br />

Anklicken der Schaltfläche Typ<br />

wählen Sie aus, ob Sie ein Endlosspiel<br />

bevorzugen oder beispielsweise<br />

die Alleinherrschaft anstreben.<br />

Sammler und Jäger entscheiden<br />

sich dagegen vermutlich für<br />

das Ziel, einen möglichst großen<br />

Waren- oder Baumbestand zu erreichen.<br />

Daneben steht der Besitz<br />

möglichst großer Ländereien als<br />

weiteres Ziel bereit.<br />

Ein Klick auf die Schaltfläche<br />

Spiel starten öffnet das eigentliche<br />

Spiel. Widelands benötigt<br />

zum Vorbereiten des Szenarios<br />

einige Sekunden und präsentiert<br />

Ihnen anschließend das Hauptquartier<br />

beziehungsweise das<br />

Burg- oder Zitadellendorf. Sofern<br />

Sie als Startbedingung ein Dorf<br />

anstelle des herkömmlichen<br />

Hauptquartiers<br />

gewählt haben,<br />

bestehen bereits<br />

einige wichtige Gebäude,<br />

die allerdings<br />

nicht miteinander<br />

verbunden sind. Sie<br />

müssen zwischen den<br />

Anwesen zunächst<br />

Wege bauen und<br />

Gewerbe ansiedeln.<br />

Um im Spiel zu bestehen<br />

und dem Computer<br />

als Gegner gewachsen<br />

zu sein, gilt<br />

es, die Ressourcen ausgewogen zu<br />

nutzen. Dabei spielt es keine Rolle,<br />

wo Sie beginnen. Zunächst<br />

sollten Sie Häuser für Holzfäller<br />

bauen und Steinbrüche erschließen,<br />

um wichtige Rohstoffe auszubeuten.<br />

Für die Expansion<br />

brauchen Sie Forsthäuser, einen<br />

Steinmetz sowie ein Sägewerk.<br />

Der Bau größerer Gebäude setzt<br />

behandeltes Holz aus einem solchen<br />

voraus.<br />

Auf keinen Fall sollten Sie gleich<br />

nach dem Start in Ihrem Einflussbereich<br />

ausschließlich mittlere<br />

und große Gebäude bauen, da<br />

diese viele Ressourcen benötigen,<br />

und diese unter Umständen in<br />

dieser Phase nicht bereitstehen.<br />

Die im Hauptquartier oder einem<br />

Warenlager befindlichen Rohstoffe<br />

erschöpfen sich schnell, wenn<br />

der Nachschub<br />

ausbleibt.<br />

Das Programm<br />

bietet einige Hilfen<br />

an, um Ihnen<br />

auf einen Blick<br />

den aktuellen Bestand<br />

der Rohstoffe<br />

anzuzeigen:<br />

In der mittig<br />

angeordneten<br />

Symbolleiste am<br />

unteren Bildschirmrand<br />

greifen<br />

Sie über das<br />

zweite Symbol<br />

von links auf ein<br />

Menü mit Statistiken<br />

zu. Nach<br />

dem Öffnen klicken Sie erneut auf<br />

die zweite Schaltfläche von links<br />

und erhalten nun ein Fenster mit<br />

detaillierten Angaben zu den vorhandenen<br />

Warenbeständen.<br />

Die Auslastung der einzelnen<br />

Gebäudegruppen ermitteln Sie<br />

durch Anklicken der dritten<br />

Schaltfläche von links. Hier sehen<br />

Sie neben der in Prozentwerten<br />

angezeigten Effizienz die Anzahl<br />

der vorhandenen sowie der im<br />

Bau befindlichen Gebäude eines<br />

Typs. So besitzen Sie stets einen<br />

besseren Überblick über die Ökonomie<br />

und vermeiden Engpässe<br />

in einzelnen Bereichen, indem Sie<br />

weitere Gebäude eines Typs bauen<br />

(Abbildung B).<br />

Als eine weitere nützliche Hilfe<br />

erweist sich die Nachrichtenfunktion:<br />

Wenn Sie in der Symbolleiste<br />

unten im Spielfeld auf die rechte<br />

Schaltfläche klicken, öffnet<br />

sich eine Liste mit Nachrichten,<br />

die das System für Sie generiert<br />

hat. Neben Mitteilungen mit eher<br />

informativem Charakter erfahren<br />

Sie auf diesem Weg unter anderem,<br />

wenn ein Bergwerk keinen<br />

Rohstoff mehr fördert.<br />

In diesem Falle sollten Sie die<br />

betreffende Mine schleunigst abreißen,<br />

da ansonsten die Bergleute<br />

weiterhin Nahrungsmittel in<br />

erheblichem Umfang geliefert bekommen,<br />

die unnütz vergeudet<br />

wären. Zudem steigt mit der Zeit<br />

der Grad der Erfahrung eines<br />

Bergmanns, womit er in neuen<br />

Minen effizienter arbeitet. Zu<br />

den in den einzelnen Nachrichten<br />

genannten Gebäuden gelangen<br />

Sie ohne Umwege durch einen<br />

Klick auf die kleine Schaltfläche<br />

mit einem kleinen Haus oben<br />

rechts im Nachrichtenfenster.<br />

Das Militär<br />

Die Szenarien enthalten je nach<br />

Größe der Karte zwischen einem<br />

und drei Computergegner, gegen<br />

die Sie sich behaupten müssen.<br />

Früher oder später erreicht die<br />

räumliche Expansion Ihrer Gruppe<br />

die Grenze eines solchen Gegners.<br />

Sofern Sie die Grenze nicht<br />

46 10 | 12<br />

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Widelands<br />

PRAXIS<br />

ausreichend gesichert haben,<br />

greift der Feind Sie an<br />

und erobert Gebäude Ihres<br />

Militärs. Anschließend zerstören<br />

die feindlichen<br />

Truppen alle zivilen Gebäude<br />

in unmittelbarer Nähe.<br />

Der Angriff zieht also neben<br />

den Verlusten an Territorium<br />

einen wirtschaftliche<br />

Schaden nach sich.<br />

Der Computer agiert als<br />

Gegner meist sehr aggressiv,<br />

sodass es sich empfiehlt,<br />

Soldaten von Beginn<br />

an gut auszubilden und zu<br />

versorgen. Nur so sind Sie<br />

einem quantitativ überlegenen<br />

Angriff gewachsen.<br />

Die Ausrüstung und Ausbildung<br />

des Militärs setzt neben<br />

einer Waffen- und einer Rüstungsschmiede<br />

ein Gelände für<br />

das Training sowie eine Ausbildungsstätte<br />

voraus. Um beides<br />

sinnvoll zu betreiben, benötigt<br />

Ihre kleine Welt eine sehr große<br />

Menge an Proviant und Gerätschaften,<br />

was wiederum eine gut<br />

entwickelte Wirtschaft voraussetzt<br />

(Abbildung C).<br />

Wollen Sie in einer Offensive<br />

Gebäude des gegnerischen Militärs<br />

erobern, so klicken Sie einfach<br />

auf das betreffende Objekt.<br />

Anschließend definieren Sie mithilfe<br />

des in einem gesonderten<br />

Fenster erscheinenden Schiebereglers,<br />

wie viele Ihrer Soldaten<br />

Sie in den Angriff schicken möchten.<br />

Reicht die Anzahl an Soldaten<br />

in der Umgebung des Ziels<br />

nicht aus, so müssen Sie zunächst<br />

in Ihren Kasernen die Anzahl der<br />

stationierten Soldaten erhöhen.<br />

Kampfhandlungen schmälern<br />

die Kraft der Soldaten. Diese erholen<br />

sich aber bei Rückkehr in<br />

die Kaserne nach einer gewissen<br />

Zeit wieder. Warten Sie lange genug,<br />

erhalten die Kämpfer die<br />

volle Vitalität zurück. Ein kleines<br />

Symbol über dessen Kopf zeigt<br />

die Ausrüstung und Kampfstärke<br />

jedes Soldaten an. Auf diese Weise<br />

unterscheiden Sie Soldaten<br />

leicht von Zivilisten.<br />

Sie haben nur dann die Möglichkeit,<br />

neue Soldaten auszubilden,<br />

wenn Ihre Wirtschaft die dazu<br />

nötigen Ressourcen bereitstellt.<br />

Dazu gehören vor allem ausreichend<br />

Nahrungsmittel, aber auch<br />

Werkzeug. Auf diese Weise erhöht<br />

sich die Bevölkerung und somit<br />

die Anzahl potenzieller Rekruten<br />

(Abbildung D).<br />

Navigation<br />

Mit zunehmender Dauer des<br />

Spiels und bei großen Landkarten<br />

wird das Spiel rasch unübersichtlich.<br />

Hier hilft eine Miniatur der<br />

Karte, die Sie durch Anklicken<br />

des kleinen Symbols mit der<br />

Landkarte in der Symbolleiste am<br />

unteren Bildschirmrand einblenden.<br />

Einzelne Spieler kennzeichnet<br />

die Software darauf durch<br />

verschiedene Farben.<br />

Im sichtbaren Gebiet navigieren<br />

Sie durch Mausklicks. Widelands<br />

verändert entsprechend der Anzeige<br />

innerhalb der Karte die Position<br />

im Programmfenster. Als<br />

ein weiteres nützliches Tool erweist<br />

sich die Bauhilfe: Ein Klick<br />

auf diesen Button bedeckt Ihr Gelände<br />

mit roten, gelben und grünen<br />

Häusern. Diese Symbole zeigen,<br />

wo Sie ein Gebäude mit welcher<br />

Größe erbauen dürfen. Außerdem<br />

zeigt das Programm, sobald<br />

Sie sich für einen Typ von<br />

Gebäude entschieden haben, den<br />

Wirkungsgrad oder den Platzbedarf<br />

mithilfe von blauen Ellipsen<br />

um den Standort an.<br />

Fazit<br />

Widelands hat gegenüber früheren<br />

Varianten enorm zugelegt.<br />

Das Spiel überzeugt durch ein intuitives<br />

Bedienkonzept, schön gestaltete<br />

Grafiken und ein sehr<br />

komplexes Konzept, das stets für<br />

spannende Aktionen sorgt und<br />

Strategen dauerhaft fordert.<br />

Den positiven Eindruck trüben<br />

lediglich die teils schwer verständlichen<br />

Texte der Nachrichten und<br />

einige kleine Schwächen im Endspiel<br />

bei sehr großen Szenarien.<br />

Positiv fallen stabilen Versionen<br />

auf: Diese ließen sich – im Gegensatz<br />

zur aktuellen Build – aufgrund<br />

der geringen Hardware-Anforderungen<br />

ohne Ruckeln auf einem<br />

Pentium 4 spielen. (tle) n<br />

INFO<br />

[1] Widelands: http:// wl. widelands. org<br />

[2] Widelands für OpenSuse: http:// software.<br />

opensuse. org/ package/ widelands<br />

[3] Kompilieranleitungen: http:// wl. widelands.<br />

org/ wiki/ BuildingWidelands/<br />

[4] Wideland Quellcode: https:// launchpad.<br />

net/ widelands/ +download<br />

[5] Widelands: Erik Bärwaldt, „Stein für Stein“,<br />

<strong>LinuxUser</strong> 04/ 2008, S. 58,<br />

http:// www. linux-community. de/14994<br />

D Den Zustand der<br />

Soldaten erkennen Sie<br />

– wie bei diesem<br />

Kampf – leicht an den<br />

Symbolen über den<br />

Köpfen der Kämpfer.<br />

TIPP<br />

Bergwerke fördern<br />

nur dann Rohstoffe,<br />

wenn die Bergleute<br />

Proviant erhalten. Neben<br />

Rationen, die Tavernen<br />

herstellen, benötigt<br />

der Bergmann<br />

je nach Rohstoff<br />

auch Bier oder Wein.<br />

Der effiziente Betrieb<br />

einer Mine hängt also<br />

von der Existenz einer<br />

Reihe anderer<br />

Gebäude ab.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 47


PRAXIS<br />

App Showdown<br />

Verborgene Schätze aus dem Ubuntu App Showdown<br />

Seltene Perlen<br />

Nützliche Tools aus dem Ubuntu App Showdown erleichtern die Arbeit mit dem Desktop. Wir stellen<br />

Kandidaten vor, die es nicht in die finale Runde des Wettbewerbs geschafft haben. Thomas Drilling<br />

© Krysek, sxc.hu<br />

Variety 0.4.8,<br />

Nitroshare 0.2,<br />

DayJournal 12.06.16,<br />

Menulibre 12.08.9,<br />

Gnome-modemmanager<br />

0.0.1<br />

LU/app/<br />

README<br />

Der Wettbewerb Ubuntu<br />

App Showdown hat vielen<br />

interessanten Projekten<br />

einen ordentlichen<br />

Anschub verpasst.<br />

Wir stellen kleine<br />

Juwelen abseits der von<br />

Community und Jury<br />

prämierten Kandidaten<br />

vor.<br />

Canonical hat im Juni 2012 einen<br />

Wettbewerb für Programmier<br />

mit dem Titel Ubuntu App Showdown<br />

ausgerufen, den die Ubuntu-Gemeinschaft<br />

mit großer Begeisterung<br />

aufnahm. Obwohl die<br />

Teilnehmer nur drei Wochen zum<br />

Umsetzen ihrer Ideen hatten,<br />

fällt die mit 130 Projekten große<br />

Anzahl der Teilnehmer ins Auge.<br />

Die vollständige Liste der eingereichten<br />

Programme findet sich<br />

im Ubuntu-Wiki [1], nebst einer<br />

Beschreibung der zum Hinzufügen<br />

des jeweiligen Personal Package<br />

Archives (PPA) erforderlichen<br />

Befehle. Meist genügt zum<br />

Hinzufügen der Quelle und zum<br />

Installieren des jeweiligen Tools<br />

ein Besuch der entsprechenden<br />

Seite auf Ubuntuupdates, wie<br />

zum Beispiel für Variety [2]. Ein<br />

Klick auf die Schaltfläche APT IN-<br />

STALL zeigt das gewünschte Programm<br />

im Software Center.<br />

Die Teilnehmer durften übrigens<br />

keineswegs aus dem Vollen<br />

schöpfen und einfach ihre bereits<br />

fertigen oder in Entwicklung befindlichen<br />

Programme einsenden,<br />

denn der Fokus auf „Apps“ ist<br />

nicht nur ein Wortspiel, sondern<br />

weist darauf hin, dass die Veranstalter<br />

vor allem auf leichtgewichtige<br />

und gut gemachte Miniprogramme<br />

aus waren, die sich nicht<br />

nur von den Teilnehmern innerhalb<br />

der gesetzten Frist erstellen,<br />

sondern von den Gutachtern<br />

sinnvoll bewältigen ließen.<br />

Ohne die Gewinner<br />

Die drei offiziellen Sieger stehen<br />

inzwischen fest: Der Sieger Lightread<br />

[3], ein kompakter Client für<br />

Google Reader, stammte aus der<br />

Hand von Jono Cooper und<br />

George Czabania. Er erlaubt das<br />

komfortable Verwalten von RSS-<br />

Feeds unter Ubuntu. Interessant<br />

ist, dass die Entwickler bei<br />

Lightread auf die Programmiersprache<br />

Quickly gesetzt haben, einem<br />

Mix aus HTML, CSS und Python.<br />

Das zweitplatzierte Tool<br />

Fogger [4] will den Unterschied<br />

zwischen Desktop- und Web-Anwendungen<br />

einebnen und erleichtert<br />

den Einsatz von Facebook auf<br />

dem Ubuntu-Desktop. Das Programm<br />

stellt die Funktionen von<br />

Facebook in Form einer App in einem<br />

Fenster bereit und integriert<br />

diese zusätzlich in den Launcher.<br />

Auf dem dritten Rang landete<br />

die Spiele-Software Picsaw [5] von<br />

Robert Ancell, die Motive direkt<br />

aus einem Ordner mit Bildern<br />

zum Erzeugen der Puzzles benutzt.<br />

Mit Erscheinen dieser Ausgabe<br />

von <strong>LinuxUser</strong> sollten übrigens<br />

auch drei weitere, von der<br />

Community unter Ausschluss der<br />

bereits offiziell gekürten Sieger<br />

gewählte Gewinner feststehen.<br />

Variety<br />

Neben diesen Siegern, die aus der<br />

Menge der Programme hervorstechen,<br />

existieren unter den Einsendungen<br />

aber noch verborgene<br />

Schätze, wie zum Beispiel Variety<br />

[6]. Der Wallpaper-Changer<br />

stammt von Peter Levi. Zum Zeit-<br />

48 10 | 12<br />

www.linux-user.de


App Showdown<br />

PRAXIS<br />

punkt des Tests war die Version<br />

0.4.8 aktuell. Dieser lädt automatisch<br />

Hintergrundbilder von ausgewählten<br />

Webseiten, deren Bezugsquellen<br />

Sie in den Einstellungen<br />

des Programms eintragen.<br />

Das Tool bringt eine Reihe von<br />

Quellen für Hintergrundbilder<br />

mit. Darüber hinaus haben Sie<br />

die Möglichkeit, Quellen wie<br />

Flickr, Wallpaper.net oder eigene<br />

Ordner mit Bildern anzugeben.<br />

Sie sollten zudem in den Einstellungen<br />

den für Variety maximal<br />

verfügbaren Platz auf der Festplatte<br />

beschränken, damit das<br />

Programm nicht durch die Downloads<br />

allen Platz belegt.<br />

Variety klinkt sich unter Unity<br />

oder KDE Unity ins Panel ein. Ein<br />

Rechtsklick darauf zeigt das Kontextmenü,<br />

über das Sie via Preferences<br />

den Dialog mit den Einstellungen<br />

öffnen. Die Einträge Next<br />

und Previous dienen zur Navigation<br />

durch die Bilder. Ferner können<br />

Sie Bilder zu den Favoriten<br />

hinzufügen oder im Bildbetrachter<br />

öffnen.<br />

Unter Kubuntu ließ sich im Test<br />

Variety via Launchpad nur in der<br />

Version 0.4.7 installieren. Es<br />

lohnt sich aber durchaus, die Version<br />

0.4.8 mit einigen interessanten<br />

Neuerungen auszuprobieren.<br />

Da es sich um Python-Code handelt,<br />

entpacken Sie einfach das<br />

Tar-Archiv der aktuellsten Version.<br />

Zum Starten genügt ein Klick<br />

auf die ausführbare Datei.<br />

Die Version 0.4.8 bietet gegenüber<br />

der Version 0.4.7 in den Einstellungen<br />

zwei neue Reiter Sharing<br />

und Effects (Abbildung A).<br />

Letzterer ersetzt den alten Reiter<br />

Filters und bietet die Möglichkeit,<br />

eine Uhr auf dem Desktop anzuzeigen.<br />

Dabei handelt es sich aber<br />

um ein experimentelles Feature.<br />

Außerdem bietet das Programm<br />

eine History der heruntergeladenen<br />

oder hinzugefügten Bilder.<br />

Aktivieren Sie hier die Optionen<br />

Enable sharing on Facebook for images<br />

from online source und Display<br />

dialog to customize the Facebook<br />

post before publishing, haben Sie<br />

die Möglichkeit, Ihre favorisierten<br />

Wallpaper auf elegante Weise<br />

über Facebook zu teilen.<br />

Nitroshare<br />

Mit Nitroshare [7] von Nathan<br />

Osman versenden Sie auf einfache<br />

Weise Dateien und Verzeichnisse<br />

ohne komplexe Konfiguration an<br />

andere Linux- oder Windows-<br />

Rechner im Netz, auf denen ebenfalls<br />

das Programm läuft. Das Tool<br />

tauscht problemlos selbst Dateien<br />

mehrere GByte große Dateien aus.<br />

Die aktuelle Version 0.2 gibt es<br />

nicht nur in Form von Debian-Paketen,<br />

sondern daneben auch als<br />

RPM-Paket sowie in jeweils einer<br />

Windows-Version für 32- und<br />

64-Bit-Systeme.<br />

Die Linux-Version installieren<br />

Sie wie gewohnt über den Paketmanager<br />

der Distribution, etwa<br />

dem Software Center, während<br />

die Windows-Version als selbstentpackendes<br />

Executables bereitsteht.<br />

Nach dem Start signalisiert<br />

die Software ihre Anwesenheit<br />

über ein Symbol im Panel.<br />

Beim ersten Start leitet zudem<br />

ein Assistent durch die Konfiguration.<br />

Per Voreinstellung sucht<br />

Nitroshare im lokalen Netzwerk<br />

nach anderen Clients und richtet<br />

außerdem auf dem Desktop eine<br />

sogenannte Sharebox ein (Abbildung<br />

B). Möchten Sie Dateien an<br />

einen anderen Rechner senden,<br />

ziehen Sie diese einfach auf die<br />

Sharebox und wählen den Empfänger.<br />

Das funktioniert alternativ<br />

über das Symbol im Panel.<br />

Der Empfänger muss die empfangenen<br />

Dateien bestätigen. Daneben<br />

bietet die Software die<br />

Möglichkeit, über eine Option<br />

Anfragen automatisch zu akzeptieren<br />

und optional eine eigene<br />

Sharebox einzurichten. Ein Fortschrittsbalken<br />

auf dem Symbol<br />

der Sharebox des Absenders zeigt<br />

den Verlauf beim Übertragen der<br />

Daten.<br />

DayJournal<br />

Die Notizverwaltung DayJournal<br />

[8] stammt von Zach Burnham<br />

und liegt aktuell in der Version<br />

12.06.16 vor. Zweifelsohne<br />

gibt es eine ganze Reihe Programme<br />

dieser Art. DayJournal gefällt<br />

einerseits durch seine Einfachheit<br />

und außerdem dadurch, dass das<br />

Tool die einzelnen Einträge nach<br />

Datum sortiert speichert.<br />

Klicken Sie auf ein Datum, öffnet<br />

die Software den Dialog zum<br />

Eingeben von Notizen, die das<br />

Programm anschließend automatisch<br />

als einfache Textdatei im<br />

TIPP<br />

Wer in seinem<br />

Ubuntu-System automatische<br />

Updates erlaubt,<br />

findet mit Erscheinen<br />

des Heftes<br />

viele der für den<br />

Showdown eingereichten<br />

Programme,<br />

die übrigens nicht<br />

ausschließlich unter<br />

Ubuntu laufen, bereits<br />

im Software<br />

Center.<br />

A Variety erlaubt es,<br />

auf einfache Weise das<br />

Wallpaper auf dem<br />

Desktop zu wechseln.<br />

B Nitroshare erlaubt<br />

das einfache Tauschen<br />

von Dateien im Netz.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 49


PRAXIS<br />

App Showdown<br />

C Mit dem Gnome<br />

Modem Manager steuern<br />

Sie das 3G-Modem<br />

im Smartphone vom<br />

Ubuntu-Desktop aus.<br />

GLOSSAR<br />

IMEI: International Mobile<br />

Equipment Identity.<br />

Eine 15-stellige Seriennummer,<br />

die jedes<br />

GSM- und UMTS-Gerät<br />

eindeutig identifiziert.<br />

IMSI: International Mobile<br />

Subscriber Identity.<br />

Eine Teilnehmernummer,<br />

deren fünfzehn<br />

Stellen sich aus Länderkennung,<br />

Netzwerkkennung<br />

sowie der eigentlichen<br />

Identifikationsnummer<br />

des Teilnehmers<br />

zusammensetzen.<br />

USSD: Die Abkürzung<br />

steht für „Unstructured<br />

Supplementary Service<br />

Data“. Dabei handelt es<br />

sich um ein spezielles<br />

GSM-Protokoll, das wie<br />

SMS zum Austauschen<br />

von Informationen und<br />

Nachrichten zwischen<br />

Smartphone und Netz<br />

dient, aber bis zu fünf<br />

Mal schneller arbeitet.<br />

Ordner DayJournal im Home-Verzeichnis<br />

ablegt und dabei Unterverzeichnisse<br />

für das Jahr und die<br />

Monate verwendet.<br />

Das simple Format erlaubt es,<br />

dass Sie jeden Eintrag auch mit<br />

einem beliebigen Editor bearbeiten<br />

können. Die Benutzeroberfläche<br />

ist allerdings wenig aufregend<br />

und bietet nur das Nötigste. Einen<br />

Dialog für Einstellungen gibt<br />

es auch nicht; Sie haben also keine<br />

Möglichkeit, den Speicherort<br />

zu verändern.<br />

MenuLibre<br />

Der Menüeditor MenuLibre [9]<br />

ermöglicht es unter anderem, die<br />

Quicklist-Einträge im Kontextmenü<br />

des Unity-Launchers zu bearbeiten<br />

oder zu erweitern, etwa<br />

um den Zugriff auf weitere Parameter<br />

des entsprechenden Programms<br />

zu bekommen. Zum<br />

Zeitpunkt des Tests war die Version<br />

12.08.9 der Software aktuell.<br />

Das Programm erweist sich aber<br />

auch unter anderen Distributionen<br />

als sinnvolle Hilfe, steht für<br />

diese aber nur im Quellcode bereit.<br />

Das bedeutet, Sie müssen<br />

diesen übersetzen, um in den Genuss<br />

des Programms zu kommen.<br />

Unabhängig von Unity legen Sie<br />

mit dem Tool neue Menüeinträge<br />

für Gnome, LXDE oder XFCE an<br />

oder bearbeiten vorhandene.<br />

Dazu müssen Sie lediglich im Reiter<br />

General Settings einen Namen<br />

sowie eine kurze Beschreibung<br />

eingeben und zudem das Kommando<br />

nebst Pfad eintragen.<br />

Darüber hinaus<br />

legen Sie das Arbeitsverzeichnis<br />

fest und ordnen<br />

den neu erstellten<br />

Launcher einer<br />

oder mehreren<br />

Kategorien<br />

zu. Autor Sean<br />

Michael Davis<br />

demonstriert<br />

den Einsatz der<br />

Software in einem<br />

Youtube-<br />

Video [10].<br />

Gnome Modem Manager<br />

Der Gnome Modem Manager<br />

(GMM) bietet die Möglichkeit,<br />

ein 3G-Modem des Smartphones<br />

vom Gnome-Desktop aus zu steuern<br />

[11]. Das funktioniert für<br />

mehrere verbundene Mobiltelefone.<br />

Die Applikation arbeitet ähnlich,<br />

wie etwa die Programme<br />

„Megafon Internet“ oder „MTS<br />

Connect“ unter Windows.<br />

Steuern bedeutet in diesem Zusammenhang,<br />

dass Sie zum Beispiel<br />

den Status und andere Informationen<br />

des 3G-Modem einsehen<br />

(IMEI, IMSI, Operator-Name,<br />

Version, Hardware-Treiber)<br />

oder die Möglichkeit haben,<br />

USSD-Requests zu senden und<br />

zusätzlich die zugehörigen Antworten<br />

zu betrachten.<br />

GMM zeigt unter anderem die<br />

aktuellen Kurznachrichten der<br />

SIM-Karte des Smartphones an.<br />

Für künftige Versionen planen<br />

die Entwickler eine Funktion, die<br />

das Bearbeiten der auf der SIM-<br />

Karte gespeicherten Kontakten<br />

vom Desktop aus ermöglicht.<br />

Das Programm verwendet das<br />

von Novell entwickelte „Modem-<br />

Manager D-Bus Interface“ und<br />

setzt daher einen laufenden NetworkManager-Daemon<br />

und einen<br />

installierten ModemManager voraus.<br />

Welche Geräte die Software<br />

unterstützt, hängt von der Version<br />

des ModemManagers ab,<br />

denn bei GMM handelt es sich lediglich<br />

um eine Oberfläche für<br />

über via NetworkManager-Applet<br />

nicht adressierbare Funktionen,<br />

die aber im Prinzip bereitstehen.<br />

Aus Sicht der Entwickler interessant<br />

ist, dass GMM komplett in<br />

Vala geschrieben ist. Die Oberfläche<br />

basiert auf GTK+ 3.<br />

Fazit<br />

Die Liste der Teilnehmer hält viele<br />

weitere spannende Kandidaten<br />

bereit, etwa das Spiel „Let It<br />

Flow“, eine GTK-Oberfläche für<br />

die Programmiersprache Quickly<br />

oder die ClamAV-Oberfläche<br />

Glamour. Mit dem Konverter Format<br />

Junkie [12] wandeln Sie<br />

Video-, Audio-, ISO- oder Bilddateien<br />

in viele Formate um.<br />

Einige Programme wie den Dateimanager<br />

Ridual [13] wies das<br />

Reviewer-Team von Ubuntu allerdings<br />

aufgrund der Größe ab, weil<br />

der Fokus des Wettbewerbs explizit<br />

auf Apps lag, also auf eher<br />

handlichen Tools. (agr) n<br />

INFO<br />

[1] Alle eingereichte Programme:<br />

https:// wiki. ubuntu. com/ AppDevelopers/<br />

AppShowdown/ CommunityVote#<br />

Applications<br />

[2] Variety auf Ubuntuupdates:<br />

http:// www. ubuntuupdates. org/ package/<br />

extras/ precise/ main/ base/ variety<br />

[3] Lightread:<br />

http:// www. ubuntuupdates. org/ package/<br />

extras/ precise/ main/ base/ lightread<br />

[4] Fogger: http:// www. ubuntuupdates. org/<br />

package/ extras/ precise/ main/ base/ fogger<br />

[5] Picsaw: https:// launchpad. net/ picsaw<br />

[6] Variety: https:// launchpad. net/ variety<br />

[7] Nitroshare:<br />

https:// launchpad. net/ nitroshare<br />

[8] DayJournal:<br />

https:// launchpad. net/ dayjournal<br />

[9] MenuLibre: https:// launchpad. net/<br />

~menulibre-dev/ +archive/ devel<br />

[10] Video zu MenuLibre:<br />

http:// www. youtube. com/ v/ Mivm51pLuJY?<br />

fs=1& hl=de_DE& rel=0<br />

[11] Gnome Modem Manager:<br />

https:// launchpad. net/<br />

~gnome-modem-manager-team/ +archive/<br />

gnome-modem-manager-stable<br />

[12] Format Junkie: https:// launchpad. net/<br />

~hakermania/ +archive/ format-junkie<br />

[13] Dateimanager Ridual:<br />

https:// github. com/ Riateche/ ridual<br />

50 10 | 12<br />

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Geary<br />

PRAXIS<br />

E-Mails via IMAP verwalten mit Geary<br />

Schicker Postkasten<br />

E-Mails auf einem IMAP-Server zu verwalten, gehört heute zum<br />

© Suze, Photocase.com<br />

Alltag. Der schlanke Client Geary macht dies so einfach, wie es<br />

viele mobile Geräte heute vormachen – trotz kleiner Mängel, die<br />

die Software noch hat. Vincze-Aron Szabo<br />

Immer häufiger ertönen Stimmen,<br />

die sich in den Chor derer<br />

einreihen, der das Ende der klassischen<br />

E-Mail voraussagt [1].<br />

Stattdessen sollen künftig soziale<br />

Netzwerke und andere Dienste,<br />

die in deren Dunstkreis arbeiten,<br />

die Funktion als Überbringer von<br />

Nachrichten übernehmen. Allerdings<br />

sorgen gerade moderne<br />

Smartphones wie Android-Geräte<br />

oder das iPhone dafür, dass es<br />

noch nie so einfach war, eine Mail<br />

zu schreiben.<br />

A Nach dem Start nehmen Sie über<br />

diesen Dialog die Grundeinstellungen<br />

für den Mailclient vor.<br />

Das alte Ritual, die Website des<br />

Providers aufzurufen und sich<br />

umständlich anmelden zu müssen,<br />

oder Thunderbird zu starten<br />

und mit diesem die Mails abzurufen,<br />

verändert sich mit dem Einsatz<br />

der mobilen Technik: Vieles<br />

geht einfacher, denn die Übersichtlichkeit<br />

der mobilen Mail-<br />

Clients hilft, sich aufs Wesentliche<br />

zu konzentrieren.<br />

Da aber nicht alle Provider eine<br />

schlanke Benutzerschnittstelle<br />

für mobile Clients bereitstellen,<br />

haben die klassischen Mailprogramme<br />

nach wie vor ihren Sinn,<br />

vor allem, wenn Sie Ihre Mails in<br />

den eigenen Händen haben<br />

möchten, indem Sie auf der lokalen<br />

Festplatte eine Kopie ablegen.<br />

Doch selbst hier zeichnet sich<br />

ein neuer Trend ab. So hat sich<br />

das Mozilla-Projekt jüngst dazu<br />

entschieden, die Arbeit am Platzhirsch<br />

Thunderbird nicht mehr so<br />

stark voranzutreiben [2]. Darüber<br />

hinaus bekommt das Projekt starke<br />

Konkurrenz. So hat sich das<br />

Entwicklerteam Yorba (siehe Kasten<br />

An einem Strang) im Jahr<br />

2011 dazu entschieden, einen eigenen<br />

Mailclient zu entwickeln.<br />

Dieser Client mit dem Geary eignet<br />

sich vorrangig für den Einsatz<br />

auf dem Gnome-Desktop.<br />

Geary steht in der Version 0.1<br />

bereit, der ersten freigegebenen<br />

Version, die Anfang Mai 2012 erschienen<br />

ist. Zum einen bedeutet<br />

dies, dass Sie diese Version bereits<br />

einsetzen können, zum anderen,<br />

dass einige typische Funktionen<br />

noch nicht eingebaut sind.<br />

Mit der vorliegenden Version<br />

stehen die Grundfunktionen bereit,<br />

das heißt, Sie haben die<br />

Möglichkeit, mit Geary Mails zu<br />

senden, zu empfangen und natürlich<br />

zu lesen und zu schreiben.<br />

Darüber hinaus erlaubt es die<br />

Software, Nachrichten direkt zu<br />

beantworten und weiterzuleiten.<br />

README<br />

Mit dem Mailclient<br />

Geary verwalten Sie<br />

Ihre elektronische Post<br />

auf einem IMAP-Server<br />

auf einfache Weise. Die<br />

Software bietet den nötigen<br />

Komfort, ohne<br />

dass das Interface unnötige<br />

Funktionen mitbringt.<br />

Allerdings gibt<br />

die frühe Version noch<br />

einigen Anlass zu Kritik.<br />

AN EINEM STRANG<br />

Bei der Gemeinschaft mit dem Namen Yorba handelt es sich um<br />

einen Zusammenschluss von Software-Entwicklern aus dem<br />

Raum San Francisco, die ihren Schwerpunkt auf die Arbeit an<br />

freien Anwendungen für Gnome gelegt haben [3].<br />

Die Gruppe finanziert ihre Arbeit aus Spenden von Anwendern<br />

und anderen Quellen. Einen Namen hat sich die Gruppe mit dem<br />

Bildarchivar Shotwell gemacht, der seit Ubuntu 10.10 in der Distribution<br />

die Standardanwendung zum Verwalten von Fotos ist.<br />

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10 | 12 51


PRAXIS<br />

Geary<br />

B Geary bietet auf seiner<br />

dreigeteilten Oberfläche<br />

einen Überblick<br />

über die Ordner, Mails<br />

in diesen und den Inhalt<br />

einer Nachricht.<br />

INSTALLATION<br />

Da Yorba mit Shotwell bereits eine Ubuntu sehr nahestehende Anwendung<br />

betreut, kommen Ubuntu-Anwender mit Geary schnellstens<br />

in den Genuss, das Programm zu installieren. Die erforderlichen<br />

Pakete stehen in einem eigenen Repository bereit. Sie öffnen<br />

eine Konsole und geben folgendes Kommando ein:<br />

$ sudo add-apt-repository ppa:yorba/ppa<br />

Aktualisieren Sie nun mit sudo apt-get update und installieren<br />

Sie mit sudo apt-get install geary die Software.<br />

Unter anderen Distributionen laden Sie mithilfe von Git die Quellen<br />

zum Kompilieren herunter. Geben Sie dazu das folgende<br />

Kommando in eine Konsole ein:<br />

$ git clone git://yorba.org/geary<br />

Eine vollständige Übersicht über benötigte Pakete für das Kompilieren<br />

von Geary finden Sie im Geary-Wiki [4] unter der Überschrift<br />

Building & Running. Darunter befinden sich die Entwicklungspakete<br />

von Vala und Cmake.<br />

Um Geary zu kompilieren, müssen Sie mit cd geary in das entsprechende<br />

Verzeichnis wechseln und mit ./configure die Konfiguration<br />

starten. Anschließend führen Sie das Kommando make<br />

aus. Nach dem Kompilieren hieven Sie Geary mit dem Befehl<br />

make install ins System. Die letzten Befehle müssen Sie mit<br />

Root-Rechten ausführen.<br />

Optional steht eine Rechtschreibprüfung<br />

bereit, und Tastenkürzel<br />

erleichtern den Zugriff auf etliche<br />

Funktionen. Besonders erwähnenswert<br />

ist die bereits vorhandene<br />

Fähigkeit, Mails zu Konversationen<br />

zusammenzufassen, um<br />

so etwas mehr Überblick im Posteingang<br />

zu erhalten.<br />

Nach der Installation starten Sie<br />

Geary in der Regel über das Startmenü<br />

oder über eine Konsole mit<br />

dem Kommando geary. Bei ersten<br />

Start fragt Geary in einem Dialog<br />

die Grundeinstellungen ab (Abbildung<br />

A, vorherige Seite). Sie können<br />

auf alle Konten zugreifen, die<br />

IMAP unterstützen. POP3 unterstützt<br />

Geary generell nicht.<br />

Für Nutzer von Yahoo Mail und<br />

Google Mail geht das Einrichten<br />

komfortabel vonstatten: Wählen<br />

Sie aus der Auswahlliste Service<br />

den Dienst und geben Sie in die<br />

drei folgenden Eingabefelder Ihren<br />

Namen, die E-Mail-Adresse<br />

und das Passwort für den<br />

Account ein. Danach klicken Sie<br />

auf OK, und Geary übernimmt alles<br />

Weitere. Allerdings sollten<br />

Yahoo-Mail-Nutzer den wichtigen<br />

Hinweis aus der Online-Hilfe von<br />

Geary berücksichtigen: Das Verwalten<br />

von Konten bei Yahoo<br />

Mail ist derzeit experimentell.<br />

Nutzer anderer Mail-Dienste<br />

wählen aus der Auswahlliste Service<br />

den Eintrag Other aus und<br />

füllen anschließend die entsprechenden<br />

Felder mit Inhalt. Die<br />

Informationen über die Adresse<br />

des IMAP-Servers für eingehende<br />

Mails und des SMTP-Servers für<br />

ausgehende Mails erfahren Sie<br />

gegebenenfalls aus den Hilfeseiten<br />

des Providers.<br />

Nachdem Sie die Einstellungen<br />

über OK bestätigt haben, startet<br />

Geary die Programmoberfläche<br />

und schließt die Konfiguration<br />

ab. Die Oberfläche teilt sich in<br />

drei Spalten auf: In der linken<br />

Spalte finden Sie den Zugang zum<br />

Posteingang (Inbox) und die sogenannten<br />

Labels. Klicken Sie auf<br />

Inbox listet die Software die darin<br />

enthaltenen E-Mails in der zweiten<br />

Spalte auf. In dieser Liste sehen<br />

Sie neben dem Namen des<br />

Absenders oder seiner Adresse<br />

das Sendedatum, den Betrag und<br />

einen Auszug aus der Mail.<br />

Klicken Sie auf eine dieser E-<br />

Mails, zeigt das Programm in der<br />

dritten Spalte den Inhalt der ausgewählten<br />

Nachricht an (Abbildung<br />

B). Handelt es sich bei der<br />

Mail in der mittleren Spalte um<br />

einen Teil einer Konversation,<br />

zeigt eine kleine graue Zahl die<br />

Anzahl in dieser Konversation<br />

enthaltenen Nachrichten an.<br />

Wählen Sie eine Mail aus dieser<br />

Konversation aus, zeigt die Lesespalte<br />

die gesamte Konversation<br />

an. Einzelne Mails klappen Sie<br />

durch Klicken in den Kopfbereich<br />

ein oder aus.<br />

Schreiben und antworten<br />

Um eine E-Mail zu schreiben, klicken<br />

Sie einfach auf das Symbol<br />

mit Brief in der Symbolleiste mit<br />

dem kleinen grünen Plus. Daraufhin<br />

öffnet sich ein Fenster, in<br />

dem Sie in gewohnter Weise, eine<br />

Nachricht verfassen.<br />

Hier zeigt sich der erste wirklich<br />

große Nachteil des frühen Stadiums,<br />

in dem sich Geary befindet:<br />

Es ist kein Adressbuch hinterlegt.<br />

Außerdem merkt sich Geary nicht<br />

die Adressen der E-Mails, die Sie<br />

bereits empfangen haben, sodass<br />

die Applikation diese nicht auf<br />

Ihre Eingaben im Feld für die<br />

Adresse automatisch vorschlägt.<br />

Ansonsten geben Sie in gewohnter<br />

Weise den Text ein und formatieren<br />

diesen bei Bedarf über die<br />

Symbolleiste.<br />

Sofern Sie eine Mail beantworten<br />

oder weiterleiten möchten,<br />

tun Sie dies über das kleine Symbol<br />

mit dem Pfeil rechts im Kopfbereich<br />

der geöffneten E-Mail<br />

oder über die Symbolleiste des<br />

Hauptfensters. Hier finden Sie jeweils<br />

einen Eintrag oder ein Sym-<br />

52 10 | 12<br />

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Geary<br />

PRAXIS<br />

bol für das direkte Antworten<br />

(Reply to sender), das Antworten<br />

an alle Adressaten der geöffneten<br />

Mail (Reply to all) und das Weiterleiten<br />

(Forward email).<br />

Einstellungssache<br />

Die derzeit spärlichen Parameter<br />

passen Sie an, indem Sie auf das<br />

Symbol mit dem Zahnrad oben<br />

rechts im Hauptfenster klicken<br />

und im Menü Preferences auswählen.<br />

Im folgenden Dialog stehen<br />

derzeit lediglich drei Optionen<br />

bereit (Abbildung C): Sie haben<br />

die Möglichkeit, die Rechtschreibprüfung<br />

zu deaktivieren (Spell<br />

Checking) oder mit Autoselect Next<br />

Message Geary so einzustellen,<br />

dass das Programm immer die<br />

neueste Nachricht auswählt,<br />

wenn Sie in einen anderen Ordner<br />

wechseln. Außerdem deaktivieren<br />

Sie bei Bedarf die <strong>Vorschau</strong><br />

des Mail-Inhalts in der mittleren<br />

Spalte (Display Message Preview).<br />

Das vielleicht größte Manko dieser<br />

noch frühen Version ist die<br />

fehlende Unterstüzung von mehreren<br />

Accounts. Außerdem bietet<br />

das Programm keine Möglichkeit,<br />

die beim ersten Start eingegebenen<br />

Parameter für das Konto<br />

nachträglich über das Interface zu<br />

ändern. Hier bleibt Ihnen nichts<br />

anderes übrig, als das Unterverzeichnis<br />

.local/share/geary im<br />

Home-Verzeichnis umzubenennen<br />

und beim nächsten Start die<br />

Daten erneut einzugeben.<br />

Fazit<br />

Die Applikation ist übersichtlich<br />

gestaltet und bietet alle wichtigen<br />

Grundfunktionen. Dass sie allerdings<br />

nicht mehrere Konten unterstützt,<br />

erweist sich in der Praxis<br />

als Nachteil. Ein Blick auf die<br />

Roadmap von Geary macht hier<br />

aber Hoffnung [5]. Die Version<br />

0.2 verspricht unter anderem das<br />

Anhängen von Dateien, die Integration<br />

von Adressbüchern, eine<br />

Suche und die Möglichkeit, die<br />

Software in anderen Sprachen zu<br />

lokalisieren. (agr) n<br />

INFO<br />

[1] Abgesang auf die E-Mail:<br />

http:// www. nytimes. com/ 2010/ 12/ 21/<br />

technology/ 21email. html<br />

[2] Status Thunderbird-Entwicklung: http://<br />

blog. lizardwrangler. com/ 2012/ 07/ 06/ thun<br />

derbird-stability-and-community-innovation/<br />

[3] Yorba: http:// www. yorba. org<br />

[4] Geary-Wiki: http:// redmine. yorba. org/<br />

projects/ geary/ wiki<br />

[5] Roadmap: http:// redmine. yorba. org/<br />

projects/ geary/ wiki/ Geary_roadmap<br />

C Derzeit stehen in<br />

Geary nur wenige<br />

Möglichkeiten zum<br />

Konfigurieren der<br />

Software bereit.<br />

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PRAXIS<br />

Thunar<br />

Den Dateimanager Thunar mit individuellen Aktionen erweitern<br />

Schlankes Werkzeug<br />

Dank individu -<br />

eller Aktionen und<br />

zahlreicher Plugins<br />

bauen Sie den<br />

Dateimanager<br />

Thunar im Nu zu<br />

einem maß geschnei<br />

derten<br />

Werkzeug für alle<br />

Aufgaben im<br />

Dateisystem aus.<br />

Mario Blättermann<br />

README<br />

Der Name des XFCE-Dateimanagers<br />

Thunar leitet<br />

sich vom nordischen<br />

Donnergott Thor ab.<br />

Aber während dieser<br />

sein Handwerk mit viel<br />

Getöse verrichtet, erweist<br />

sich der Dateimanager<br />

als stiller und verlässlicher<br />

Arbeiter im<br />

PC-Alltag.<br />

Erst mit XFCE Version 4.4 erblickte<br />

der Dateimanager Thunar<br />

[1] mit dem nordisch klingenden<br />

Namen und dem Symbol mit<br />

dem Hammer das Licht der Welt.<br />

Bis dahin versah XFFM diesen<br />

Dienst, wich aber in seinen Verhaltensweisen<br />

deutlich von dem<br />

ab, was sich entweder als Explorer<br />

oder als Commander in die<br />

Landschaft der Dateischieber einordnen<br />

ließe. Seit XFCE 4.4 gehörte<br />

XFFM nicht mehr zum Projekt,<br />

lebt aber unter dem Namen<br />

Rodent [2] weiter.<br />

Der erste Eiindruck<br />

Thunar zählt auf den ersten Blick<br />

zu jenen gesichtslosen Werkzeugen,<br />

wie man sie häufig in den<br />

Repositories findet (Abbildung<br />

A). Dolphin, Nautilus, PC-<br />

ManFM – wie auch immer die<br />

Mitbewerber heißen, Thunar hält<br />

sowohl optisch wie in Bezug auf<br />

die grundlegenden Funktionen<br />

locker mit, ragt aber auch nicht<br />

über die Konkurrenz hinaus.<br />

Selbstverständlich beherrscht<br />

Thunar die einfachen Übungen,<br />

wie Dateien verschieben, kopieren,<br />

löschen oder öffnen. Doch<br />

die interessanten Features verbirgt<br />

das Programm unter der<br />

Haube: Ein Werkzeug zum gesteuerten<br />

Umbenennen mehrerer<br />

Dateien oder auch ganzer<br />

Ordnerhierarchien gehört bereits<br />

zum Basispaket. Wollen Sie es<br />

ohne den kompletten Dateimanager<br />

nutzen, finden Sie es im<br />

Start menü unter Bulk-Rename<br />

oder rufen Sie es in einer Befehlszeile<br />

mit thunar --bulk-rename auf.<br />

Sie fügen die Dateien, die Sie<br />

umbenennen möchten, über das<br />

Plus-Symbol links oben hinzu<br />

oder ziehen sie mit der Maus aus<br />

einem Dateimanager in den zunächst<br />

leeren weißen Bereich. Im<br />

unteren Teil des Fensters finden<br />

Sie einige ausklappbare Menüs, in<br />

denen Sie die gewünschte Aktion<br />

auswählen. So ermöglicht die<br />

Software das Suchen und Ersetzen<br />

bestimmter Bestandteile des<br />

Dateinamens oder das einfache<br />

Nummerieren von Dateien.<br />

Bei Audio-Dateien dürfen Sie<br />

beim Umbenennen auf die enthaltenen<br />

Metatags zurückgreifen<br />

(Abbildung B). Damit reparieren<br />

Sie auf elegante Weise die von<br />

CD-Ausleseprogrammen erzeugten<br />

Dateinamen.<br />

Eingestöpselt<br />

Wie es sich für eine ordentliche<br />

Software gehört, bringt Thunar<br />

eine Plugin-Schnittstelle mit,<br />

doch glänzt er nicht mit einer<br />

Vielzahl von Erweiterungen,<br />

wie es sie zum Beispiel für Nautilus<br />

gibt. Neben dem unabdingbaren<br />

Modul zum Verwalten von<br />

Datenträgern und einigen anderen<br />

Tools, die vom Projekt selbst<br />

kommen, gibt es eine kleine, aber<br />

feine Auswahl an Plugins von externen<br />

Programmierern.<br />

Das thunar-archive-plugin [3] ist<br />

an sich nichts Besonderes, denn<br />

der Umgang mit Archiven gehört<br />

zu den Brot-und-Butter-Aufgaben<br />

eines Dateimanagers. Fehlt die<br />

Funktion jedoch, fällt das sofort<br />

unangenehm auf. Bemerkenswert<br />

ist, dass Thunar über diese Brücke<br />

nicht nur den hauseigenen<br />

Xarchiver, sondern auch den Archivmanager<br />

von Gnome und<br />

selbst das KDE-Packprogramm<br />

Ark einbindet.<br />

Entwickeln Sie selbst Programme<br />

oder verwenden aus anderen<br />

Gründen Versionsverwaltungen<br />

wie Git oder SVN, bietet sich der<br />

Einsatz von thunar-vcs-plugin [4]<br />

an. Das Plugin versteht sich nur<br />

auf die beiden erwähnten Systeme,<br />

Revisionierer wie Bazaar oder<br />

Mercurial bleiben außen vor. Git<br />

und SVN dürften allerdings<br />

viele Fälle abdecken.<br />

© Kirsty Pargeter, 123RF<br />

54 10 | 12<br />

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Thunar<br />

PRAXIS<br />

Das Kontextmenü einer Datei bildet<br />

praktisch das ganze Portfolio<br />

der möglichen Befehle ab (Abbildung<br />

C, folgende Seite), erscheint<br />

aber selbst dann, wenn die markierte<br />

Datei gar nicht unter Versionsverwaltung<br />

steht. Eine Unterscheidung<br />

versionierter und gewöhnlicher<br />

Dateien unterstützt<br />

das Addon offensichtlich nicht.<br />

Wenn Sie das nicht stört, erspart<br />

das Plugin das Auswendiglernen<br />

zahlloser Optionen von Git- oder<br />

SVN-Befehlen. Gelegentlich sind<br />

die Aktionen etwas unglücklich<br />

ins Deutsche übersetzt.<br />

Hin und wieder hilft eine Prüfsumme<br />

dabei, die Integrität von<br />

Dateien zu prüfen oder einen<br />

Hash-Wert zu erstellen. Thunar<br />

macht diese Arbeit mithilfe des<br />

Plugins gtkhash-thunar so komfortabel<br />

wie möglich. Es ist ein<br />

Teil des originalen Gtkhash [5]<br />

und fügt sich so nahtlos in Thunar<br />

ein, als wäre es ein Teil davon.<br />

Nach der Installation des Plugins<br />

und einem Neustart von Thunar<br />

finden Sie im Dialog zu den<br />

Eigenschaften einer Datei (sie erreichen<br />

ihn via Kontextmenü)<br />

den neuen Reiter Digests. Eine<br />

Vielzahl von Formaten für Prüfsummen<br />

steht hier bereit (Abbildung<br />

D, folgende Seite). Benötigen<br />

Sie oft Prüfsummen in verschiedenen<br />

Formaten, erweist<br />

sich das kleine Tool als unabdingbarer<br />

Begleiter. Schließlich versorgt<br />

Sie thunarx-python mit einer<br />

Schnittstelle zu der beliebten<br />

Skriptsprache. Derzeit verwendet<br />

allerdings lediglich RabbitVCS [6]<br />

dieses Framework.<br />

Werkzeugmacher<br />

Im Menü finden Sie den Eintrag<br />

Bearbeiten | Benutzerdefinierte<br />

Aktionen, unter dem sich ein interessantes<br />

Werkzeug verbirgt.<br />

Falls Ihnen Thunar bis hierhin etwas<br />

mager erschien, haben Sie<br />

den Punkt erreicht, um Ihre eigenen<br />

Kreationen einzubringen.<br />

Klicken Sie in den Einstellungen<br />

für dieses Werkzeug auf das Plus-<br />

Symbol rechts oben. Es öffnet<br />

sich ein Dialog, der die Vielzahl<br />

der möglichen Aktionen schon<br />

andeutet. Name und Beschreibung<br />

bedürfen dabei keiner weiteren<br />

Erklärung – sie haben die<br />

freie Wahl. Auf die Funktion haben<br />

beide keinen Einfluss.<br />

Es ist möglich, im Namen einen<br />

Unterstrich vor jenen Buchstaben<br />

zu setzen, den Sie als Schnellzugriff<br />

für die Aktion verwenden<br />

wollen. Achten Sie jedoch darauf,<br />

dass dieser im Kontextmenü<br />

nicht doppelt vorkommt.<br />

Im zweiten Reiter, Dateizuordnung,<br />

erweist sich das korrekte<br />

Zuweisen zuweilen als etwas kritisch.<br />

Es empfiehlt sich, zunächst<br />

die Voreinstellung auf dem im<br />

Eingabefeld bereits angezeigten<br />

Asterisk zu belassen und die neue<br />

Aktion erst einmal ausgiebig im<br />

laufenden Betrieb zu testen.<br />

Thunar schafft es in einigen Fällen<br />

nicht, die ausgewählten Dateien<br />

den richtigen Kategorien zuzuordnen.<br />

Oft trägt daran aber<br />

nicht er die Schuld daran, sondern<br />

das Backend, das die MIME-<br />

Typen der Dateien verarbeitet.<br />

Dieses scheitert wiederum an oft<br />

fehlerhaften Angaben in den Dateien<br />

selbst.<br />

Eine Aktion zum Öffnen eines<br />

Terminals liefert Thunar bereits<br />

mit. Sie ruft intern einen etwas<br />

längeren Befehl auf:<br />

exo-open --working-directory %f U<br />

--launch TerminalEmulator<br />

So weit, so gut – nur hat die Sache<br />

einen Haken: Eigentlich sollte<br />

das Terminal gleich zum in Thunar<br />

geöffneten Arbeitsordner<br />

wechseln. Haben Sie aber einen<br />

Unterordner markiert, dann<br />

wechselt das Terminal stattdessen<br />

in diesen, und bei einer markierten<br />

Datei versagt die Aktion<br />

den Dienst komplett. Hier schafft<br />

folgender Befehl Abhilfe:<br />

terminal --default-working-direcU<br />

tory=%D<br />

Allerdings setzt das voraus, dass<br />

eine oder mehrere Dateien markiert<br />

sind. Anschließend haben<br />

Sie die Möglichkeit, über das<br />

Kontextmenü das Terminal zu<br />

öffnen. Dabei wechselt die Applikation<br />

automatisch in jenen Ordner,<br />

den die aktuelle Ansicht<br />

zeigt. Das Verfahren funktioniert<br />

A Thunar, eine<br />

graue Maus unter vielen<br />

– aber im Alltag<br />

zählen Verlässlichkeit<br />

und Stabilität, nicht<br />

nur Optik.<br />

B Das Werkzeug zum<br />

Umbenennen von Dateinamen<br />

bringt Ordnung<br />

ins Dateisystem.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 55


PRAXIS<br />

Thunar<br />

C Ein Plugin verbindet Thunar direkt mit den Versionsverwaltungssystemen<br />

Git und Subversion.<br />

Mercurial oder Bazaar bleiben derzeit außen vor.<br />

E Das Skript hat<br />

die Herkunft der Datei<br />

korrekt ermittelt. Wenn<br />

die Datei unbekannt ist,<br />

gibt eine Fehlermeldung<br />

von RPM darüber<br />

Auskunft.<br />

nicht so reibungslos, wie die entsprechenden<br />

Pendants in Nautilus<br />

oder PCManFM, als Workaround<br />

genügt es aber.<br />

Setzen Sie nun noch den besagten<br />

Unterstrich im Aktionsnamen<br />

vor das „T“, ergibt sich dadurch<br />

das Tastenkürzel [Super]+[T] für<br />

die Aktion. Den Aufruf terminal<br />

für das XFCE-Terminal tauschen<br />

Sie dabei gegebenenfalls gegen<br />

den Pfad zum Terminalemulator<br />

Ihrer Wahl aus. Die Optionen zum<br />

Öffnen des richtigen Ordners passen<br />

Sie auf dessen Syntax an. Informationen<br />

dazu liefert die Manpage<br />

des jeweiligen Terminals.<br />

Zuweilen kommt es vor, dass Sie<br />

eine Datei im System finden, zu<br />

der Sie gern das zugehörige Softwarepaket<br />

ermitteln möchten. Ist<br />

die grafische Skript-Schnittstelle<br />

Zenity installiert, können Sie das<br />

für RPM-basierte Systeme ganz<br />

einfach lösen: Speichern Sie eine<br />

Datei mit dem Inhalt von Listing<br />

1 im Ordner ~/.local/bin<br />

oder in einem anderen Ordner Ihrer<br />

Wahl, wobei der genannte<br />

Pfad dafür prädestiniert ist.<br />

Eine neue benutzerdefinierte<br />

Aktion sollte dann den Namen<br />

D Mit dem Gtkhash-Plugin erstellen Sie per<br />

Mausklick eine Prüfsumme in verschiedenen Formaten<br />

für eine gewünschte Datei.<br />

des gespeicherten Skripts tragen.<br />

Vergessen Sie nicht, das Skript<br />

mit den entsprechenden Rechten<br />

zu versehen. Klappt alles, finden<br />

Sie beim Auswählen der entsprechenden<br />

Aktion ein Fenster wie<br />

in Abbildung E vor.<br />

In einer abgewandelten Form<br />

ließe sich das Skript durchaus<br />

auch für Debian-basierte Systeme<br />

implementieren, entsprechendes<br />

Know-how vorausgesetzt. Die Abhängigkeit<br />

zu Zenity ist ohnehin<br />

in vielen Fällen gegeben, da dieses<br />

Werkzeug beispielsweise im<br />

Login-Manager GDM zum Einsatz<br />

kommt sowie in etlichen anderen<br />

Gtk-Programmen.<br />

Ausblick<br />

Subjektiv entwickelt sich Thunar<br />

langsamer als der Rest des XFCE-<br />

Projekts. In der letzten Version<br />

1.4.0 kam für den Benutzer nur<br />

wenig Greifbares an der Oberfläche<br />

oder an Funktion hinzu [7].<br />

Solange das Programm aber zum<br />

Projekt gehört, erhält es auf jeden<br />

Fall die notwendige Pflege, woraus<br />

zunehmende Stabilität resultiert.<br />

Diese hat sich gegenüber<br />

früheren Versionen bedeutend<br />

LISTING 1<br />

#!/bin/sh<br />

PACKAGE=$(rpm -qf $@)<br />

zenity --info --title="Herkunft<br />

der Datei" --text="$PACKAGE"<br />

verbessert, Abstürze in heiklen<br />

Situationen treten seltener auf<br />

als in der Vergangenheit.<br />

Dennoch stellt sich die Frage, ob<br />

die Selbstbeschränkung der Entwickler,<br />

keine Reiteransicht anzubieten<br />

[8], noch zeitgemäß ist.<br />

Natürlich ermöglicht es die Tiling-Funktion<br />

diverser Fenstermanager<br />

– einschließlich des<br />

XFWM4 in der neuesten Version<br />

– ein zweites Thunar-Fenster neben<br />

dem bereits geöffneten anzuordnen,<br />

doch bei Bildschirmen<br />

mit geringer Auflösung hilft dieser<br />

Workaround kaum weiter.<br />

Symbole auf dem Desktop<br />

Momentan besorgt Xfdesktop die<br />

Anzeige der Symbole auf dem<br />

XFCE-Schreibtisch. Das Kopieren<br />

und Verschieben von Dateien und<br />

Ordnern vom Desktop ins Thunar-Fenster<br />

oder in den Papierkorb<br />

funktioniert reibungslos,<br />

und das bleibt voraussichtlich<br />

auch in der nächsten XFCE-Version<br />

so, wenn beide Werkzeuge<br />

miteinander verschmelzen.<br />

Das bedeutet aber auch, dass es<br />

das eine nicht mehr ohne das andere<br />

gibt. Das kommt all jenen<br />

Anwendern nicht gerade entgegen,<br />

die Thunar nicht mögen oder<br />

die den in weiten Teilen konfigurierbaren<br />

Xfdesktop in einer anderen<br />

Desktop-Umgebung nutzen<br />

möchten. (agr) n<br />

INFO<br />

[1] Thunar: http:// thunar. xfce. org<br />

[2] Rodent: http:// sourceforge. net/ projects/<br />

xffm/ files/ 4. 7. 4/<br />

[3] Archiv-Plugin für Thunar:<br />

http:// goodies. xfce. org/ projects/<br />

thunar-plugins/ thunar-archive-plugin<br />

[4] Versionsverwaltung:<br />

http:// goodies. xfce. org/ projects/<br />

thunar-plugins/ thunar-vcs-plugin<br />

[5] Prüfsummenwerkzeug:<br />

http:// gtkhash. sourceforge. net<br />

[6] RabbitVCS: http:// www. rabbitvcs. org<br />

[7] Release Notes der neuesten Ausgabe:<br />

http:// mail. xfce. org/ pipermail/ xfce/<br />

2012-April/ 030369. html<br />

[8] Pferd ohne Reiter: http:// forum. xfce. org/<br />

viewtopic. php? id=4780<br />

56 10 | 12<br />

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PRAXIS<br />

Redshift<br />

Die Farbtemperatur des Bildschirms anpassen mit Redshift<br />

Augenfreundlich<br />

Haben Sie wieder mal eine lange Nacht vor dem PC vor sich? Das Programm Redshift<br />

hilft dabei, Ihre Augen beim Blick auf den Monitor zu entlasten. Vincze-Aron Szabo<br />

© Vladyslav Starozhylov, 123RF<br />

Redshift 1.7<br />

LU/redshift/<br />

README<br />

In diesem Artikel erfahren<br />

Sie, wie Sie mithilfe<br />

von Redshift die Farbtemperatur<br />

Ihres Bildschirms<br />

automatisch<br />

der jeweiligen Tageszeit<br />

anpassen.<br />

Nicht jeder Aufstellort eignet<br />

sich ideal für den PC, will man zu<br />

jeder Tages- und Nachtzeit optimale<br />

Arbeitsbedingungen vorfinden.<br />

Strahlt nachmittags die Sonne<br />

von der Seite auf den Bildschirm,<br />

sollte dieser heller sein<br />

als abends oder nachts, wenn von<br />

draußen nur noch der Mond für<br />

Licht sorgt. Müssen Sie trotzdem<br />

ein solches Plätzchen nutzen, gilt<br />

es, manuell mehrmals täglich die<br />

Einstellungen an die wechselnden<br />

Lichtverhältnissen anzupassen.<br />

Eleganter klappt das Nachjustieren<br />

allerdings mit Redshift.<br />

INSTALLATION<br />

Unter Ubuntu und dessen Derivaten<br />

findet sich Redshift in den Repositories<br />

der Distribution, sodass Sie es<br />

dort über die Paketverwaltung einrichten.<br />

Hier installieren Sie entweder<br />

das Paket redshift oder besser gleich<br />

gtk-redshift. Das bringt ein Tray-Icon<br />

mit, über das Sie Redshift per Maus<br />

ein- und ausschalten (Abbildung A).<br />

Fedora stellt die aktuelle Redshift-Version<br />

1.7 bereits in der distributionseigenen<br />

Software-Verwaltung bereit,<br />

sodass Sie auch hier das Tool einfach<br />

via Paketmanager installieren.<br />

Das Tool passt – beispielsweise<br />

bei Sonnenuntergang und einsetzender<br />

Dunkelheit – die Monitor-<br />

Einstellungen an, indem es nicht<br />

etwa die Helligkeit des Displays<br />

verändert, sondern vielmehr dessen<br />

Farbtemperatur. Das ist wesentlich<br />

angenehmer für die Augen,<br />

wenn man nachts einmal<br />

länger am PC sitzen muss.<br />

Das liegt daran, dass sich mit<br />

dem Stand der Sonne und dem<br />

Übergang vom Tag zur Nacht und<br />

umgekehrt nicht nur die Helligkeit<br />

ändert, sondern zusätzlich<br />

auch die Farbtemperatur. Das<br />

Findet sich in den Repos der von Ihnen<br />

eingesetzten Distribution kein<br />

passendes Paket, oder möchten Sie<br />

auf die aktuellste Redshift-Version<br />

setzen, bedienen Sie sich direkt auf<br />

der Projekt-Website unter http:// jonls.<br />

dk/ redshift/. Dort finden Sie im Abschnitt<br />

Download Pakete für Ubuntu,<br />

Fedora und Debian.<br />

Nach Abschluss der Installationen<br />

steht das Programm Redshift im<br />

Startmenü des Desktops unter Zubehör<br />

bereit, von wo aus Sie es mit<br />

einem Mausklick starten.<br />

menschliche Auge ist es gewohnt,<br />

sich an diese natürlichen Umstände<br />

jederzeit anzupassen.<br />

Funktionsweise<br />

Auf der Website des Redshift-Projekts<br />

lässt sich nachlesen, was<br />

dies in Zahlen bedeutet: Nachts<br />

ist typischerweise eine niedrige<br />

Farbtemperatur zwischen 3000<br />

und 4000 Kelvin erforderlich, die<br />

der Arbeitsumgebung und den<br />

künstlichen Lichtquellen entspricht.<br />

Tagsüber muss sich die<br />

Farbtemperatur nach dem Einfluss<br />

der Sonne richten, die bekanntermaßen<br />

von außen für<br />

Licht sorgt. Hier liegen die notwendigen<br />

Werte zwischen 5500<br />

und 6500 Kelvin.<br />

Redshift greift mithilfe einer X-<br />

Server-Erweiterung auf die Bildschirmeinstellungen<br />

zu und stellt<br />

entsprechend der Tageszeit passende<br />

Gammakorrekturkurven<br />

ein. Dabei nimmt die Anwendung<br />

an, dass der Bildschirm Licht mit<br />

einer Farbtemperatur von 6500<br />

Kelvin bereitstellt. Drehen Sie die<br />

Farbtemperatur höher, so wird<br />

das Licht immer blauer; verrin-<br />

58 10 | 12<br />

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Redshift<br />

PRAXIS<br />

A Über das Icon im Systempanel schalten Sie Redshift<br />

komfortabl per Maus ein und aus.<br />

gern Sie sie, erhöht sich der Rotanteil.<br />

Je mehr sich also der Tag<br />

seinem Ende zuneigt, desto mehr<br />

reduziert Redshift die Farbtemperatur<br />

(Abbildung B). Dafür<br />

greift es auf einen geolokalen<br />

Dienst zu, um Ihre genaue Position<br />

zu ermitteln.<br />

Gemäß den Angaben des Entwicklerteams<br />

müssen der Treiber<br />

der Grafikkarte und der X-Server<br />

dazu mindestens die Erweiterung<br />

RandR in der Version 1.3 unterstützen.<br />

Die RandR-Version erfahren<br />

Sie, indem Sie den Befehl<br />

xrandr --version auf der Konsole<br />

eingeben. Steht RandR nicht zur<br />

Verfügung, greift Redshift automatisch<br />

auf die Erweiterung Vid-<br />

Mode zurück – Sie müssen in diesem<br />

Fall dazu nichts weiter tun.<br />

Erste Schritte<br />

Nach der Installation rufen Sie<br />

Redshift via Startmenü auf, woraufhin<br />

die Software sich mit einem<br />

kleinen Glühbirnen-Icon im<br />

Systempanel verankert. Sollte<br />

Redshift sich gleich nach dem<br />

Start verabschieden, starten Sie<br />

es auf der Konsole mit dem Kommando<br />

gtk-redshift. So können<br />

Sie anhand der nun folgenden<br />

Ausgaben auf der Kommandozeile<br />

Fehleranalyse betreiben. Alternativ<br />

nutzen Sie mit dem Aufruf<br />

redshift die „nackte“ Variante des<br />

Tools, müssen dann aber auf das<br />

Panel-Icon verzichten.<br />

Einige mögliche Fehler betreffen<br />

den Dienst Geoclue, den<br />

Redshift nutzt, um Standortinformationen<br />

für das automatische<br />

Anpassen der Bildschirmeinstellungen<br />

zu erfragen. Gerade<br />

unter Ubuntu häuften sich im<br />

Test Fehler dieser Art. Durch einen<br />

einfachen Befehl umgehen<br />

Sie diese Problemquelle: Dazu rufen<br />

Sie mit gtk-redshift -r list<br />

eine Liste an<br />

möglichen<br />

Diensten für<br />

das Bereitstellen<br />

der Standortinformationen<br />

auf.<br />

Über das<br />

Kommado<br />

gtk-redshift -l gnome-clock liest<br />

Redshift die Standortinformationen<br />

aus der lokalen Gnome-Uhr<br />

heraus. Hilft auch das nicht weiter,<br />

oder bevorzugen Sie eine präzise<br />

Einstellung, geben Sie über<br />

einen Befehl wie gtk-redshift -l<br />

52.4:9.7 die genaue Standortposition<br />

anhand von Breiten- und<br />

Längengrad an.<br />

Farbtemperatur anpassen<br />

Im Normalbetrieb stellt Redshift<br />

die Farbtemperatur tagsüber auf<br />

5500 Kelvin ein und reduziert sie<br />

nachts auf 3700 Kelvin. Alternativ<br />

geben Sie dem Tool beim Start<br />

in Form eines Aufrufs wie etwa<br />

gtk-redshift -t 5000:3700 manuell<br />

die gewünschten Farbtemperaturen<br />

mit auf den Weg. Als Faustregel<br />

gilt hier: Den ersten Wert, die<br />

Farbtemperatur für den Tagesbetrieb,<br />

sollten Sie immer anpassen,<br />

wenn Sie den Rechner in eher<br />

dunklen Räumen einsetzen.<br />

Nach dem Start passt Redshift<br />

die Farbtemperatur<br />

kontinuierlich<br />

der<br />

Tageszeit an.<br />

Sofern Sie die<br />

Anwendung<br />

mit der Option<br />

-v gestartet<br />

haben,<br />

können Sie<br />

den Verlauf<br />

der Anpassung<br />

live verfolgen.<br />

Falls Ihnen<br />

dieser Automatismus nicht zusagt<br />

oder zum Beispiel Wolken<br />

den Lichteinfall verringern, passen<br />

Sie mit der Option -O die<br />

Farbtemperatur auf die Schnelle<br />

an. So wechseln Sie beispielsweise<br />

mit gtk-redshift -O 3700 in den<br />

„nachttauglichen“ Modus.<br />

Sie dürfen die Optionen kombinieren.<br />

Um etwa den genauen<br />

Standort und eine fixe Farbtemperatur<br />

vorzugeben, rufen Sie<br />

Redshift mit dem Befehl gtk-redshift<br />

-l 52.4:9.7 -O 3700 auf.<br />

Alles automatisch<br />

Bei Bedarf starten Sie Redshift<br />

automatisch. Dann können Sie<br />

die Anwendung jederzeit über das<br />

Panel-Icon kontrollieren. Unter<br />

Ubuntu gelingt dies, indem Sie im<br />

Startmenü nach Startprogramme<br />

suchen und die Anwendung über<br />

das entsprechende Icon starten<br />

(Abbildung C). Dort fügen Sie<br />

über Hinzufügen Redshift als neue<br />

Anwendung hinzu. (jlu) n<br />

B Durch die angepasste<br />

Farbtemperatur<br />

ermüden Ihre Augen<br />

nicht so schnell wie bei<br />

den Standardeinstellungen.<br />

GLOSSAR<br />

Farbtemperatur: Ein<br />

Maß für den Farbeindruck,<br />

den eine Lichtquelle<br />

hinterlässt. Die<br />

Farbtemperatur wird in<br />

Kelvin angegeben.<br />

Gammakorrektur: Potenzfunktion<br />

zum Transformieren<br />

einer linear<br />

wachsenden Größe in<br />

eine dem menschlichen<br />

Empfinden gemäß nichtlinear<br />

anwachsende<br />

Größe. Dabei verändert<br />

sich nur der Exponent<br />

der Funktion („Gamma“).<br />

C Indem Sie Redshift<br />

automatisch beim Systemstart<br />

ausführen<br />

lassen, können Sie auf<br />

manuelle Starts verzichten.<br />

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10 | 12 59


IM TEST<br />

Kivitendo ERP<br />

Kivitendo ERP: Betriebswirtschaftliche Software für Linux<br />

Vitamine<br />

fürs Büro<br />

© Denis Tabler, 123RF<br />

Kivitendo bringt CRM, Warenwirtschaft, Rechnungswesen<br />

und Finanzbuchhaltung einfach bedienbar und<br />

flexibel anpassbar unter ein Dach.<br />

Thomas Drilling<br />

Lx-<strong>Office</strong>-ERP 2.7.0,<br />

PDF-Dokumentation<br />

LU/kivitendo/<br />

README<br />

Das aus Lx-<strong>Office</strong>-ERP<br />

hervorgegangene Kivitendo<br />

ist eine betriebswirtschaftliche<br />

Open-<br />

Source-Software für<br />

Warenwirtschaft,<br />

Finanz buchhaltung und<br />

Customer Relationship<br />

Management.<br />

Nur ein Markt<br />

wird derart von Windows-Software<br />

dominiert, wie der<br />

der betriebswirtschaftlichen Anwendungen.<br />

Das liegt zum einen<br />

daran, dass man sich mit der Entscheidung<br />

zum Kauf und Einsatz<br />

eines Systems für Warenwirtschaft<br />

oder Finanzbuchhaltung<br />

stets längerfristig festlegt, sodass<br />

hier wenig Raum für Experimente<br />

bleibt. Zum anderen befürchten<br />

Unternehmer bei einer Anschaffungsentscheidung<br />

einen hohen<br />

Aufwand für Migration und Schulung.<br />

Darüber hinaus muss sich<br />

die Software mit den bestehenden<br />

Schnittstellen und Formaten<br />

im Betrieb verstehen.<br />

Da insbesondere kleine Unternehmen<br />

ohne spezialisierte IT-<br />

Abteilung hinsichtlich ihrer betriebswirtschaftlichen<br />

Anwendungen<br />

auf Support angewiesen<br />

sind, vertrauen sie lieber auf die<br />

etablierten Hersteller, verkennen<br />

dabei aber, dass Open-Source-<br />

Software gerade eine Chance verdient,<br />

weil der Einsatz offener<br />

Standards und Formate höchstmögliche<br />

Flexibilität bietet.<br />

Lx-<strong>Office</strong><br />

Bei Kivitendo [1] alias Lx-<strong>Office</strong><br />

handelt es sich um eine freie Software<br />

für Warenwirtschaft und<br />

Finanzbuchhaltung, welche die<br />

Braunschweiger Linet Service<br />

GmbH [2] speziell für den deutschen<br />

Markt entwickelt. Das Produkt<br />

basiert auf der in Kanada<br />

entstandenen freien ERP-Lösung<br />

SQL-Ledger.<br />

Im Jahr 2003 entschlossen sich<br />

eine Reihe von SQL-Ledger-Entwickler<br />

unter Federführung von<br />

Linet zu einer Abspaltung der<br />

ERP-Lösung unter der Bezeichnung<br />

Lx-<strong>Office</strong>-ERP, weil sich die<br />

Software nicht vernünftig an die<br />

Anforderungen des deutschen<br />

Steuerrechts anpassen ließ. Die<br />

Linet Service GmbH verdient ihr<br />

Geld mit kundenspezifischen Anpassungen<br />

und Erweiterungen<br />

für SQL-Ledger und Lx-<strong>Office</strong>.<br />

Daneben entwickelt das Unternehmen<br />

aber auch federführend<br />

die Codebasis der freien Version<br />

und koordiniert die von externen<br />

Firmen und Entwicklern beigesteuerten<br />

Komponenten, wie<br />

zum Beispiel das FiBu-Modul von<br />

Richardson&Büren oder das von<br />

LX-System aus Ulm in PHP geschriebene<br />

CRM-Modul. Künftig<br />

sollen laut Linet möglicherweise<br />

von Auftraggebern finanzierte<br />

Anpassungen in den öffentlichen<br />

Programmcode einfließen.<br />

So oder so ist Lx-<br />

<strong>Office</strong>-ERP eine<br />

deutschsprachige Software mit<br />

frei definierbaren Kontenrahmen<br />

und einer Datev-Exportschnittstelle,<br />

womit es sich als interessante<br />

Alternative speziell für den<br />

deutschen Markt positioniert.<br />

Wie viele andere ERP-Anwendungen<br />

arbeitet Lx-<strong>Office</strong>/ Kivitendo<br />

als Client-Server-Lösung.<br />

Dabei läuft der Client im Webbrowser,<br />

während der Server auf<br />

Linux aufsetzt und den Webserver<br />

Apache sowie die freie Datenbank<br />

PostgreSQL voraussetzt.<br />

Das ERP-Modul von Lx-<strong>Office</strong> unterliegt<br />

der GPL, eine Kassenanbindung<br />

steht als kommerzielles<br />

Modul zur Verfügung.<br />

Kivitendo<br />

Die Linet Service GmbH entwickelte<br />

LX-<strong>Office</strong> seit der Abspaltung<br />

von SQL-Ledger kontinuierlich<br />

weiter bis zur Version 2.6 aus<br />

dem Jahr 2009, die zahlreiche<br />

Neuerungen und Erweiterungen<br />

mitbrachte, wie etwa eine verbesserte<br />

Benutzerverwaltung. Außerdem<br />

enthielt die Version 2.6<br />

erstmals die zuvor nur kommerziell<br />

verfügbaren Schnittstellen zu<br />

osCommerce, olCommerce, xt-<br />

Commerce und PhPepperShop als<br />

freie Komponenten, allerdings<br />

noch nicht für den Einsatz mit<br />

62 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Kivitendo ERP<br />

IM TEST<br />

Lx-<strong>Office</strong> 2.6.0 angepasst. Die<br />

vorerst letzte Version unter der<br />

Bezeichnung Lx-<strong>Office</strong> mit der<br />

Versionsnummer 2.7.0 erschien<br />

am 1. März dieses Jahres und<br />

brachte einen neuen CSV-Import,<br />

eine Aktualisierung des mit der<br />

Version 2.6.1 eingeführten SEPA-<br />

Exports und Mehrsprachigkeit.<br />

Zwar wurde Lx-<strong>Office</strong>-ERP 2.7.0<br />

im Mai dieses Jahres in Kivitendo<br />

umbenannt, es handelt sich aber<br />

nach wie vor um dieselbe Software.<br />

Die Umbenennung betrifft<br />

also vorerst nur die überarbeitete<br />

Präsentation der Software und<br />

nur den von Linet Service entwickelten<br />

ERP-Teil. Die Software<br />

selbst steht auf Sourceforge unter<br />

der Bezeichnung Lx-<strong>Office</strong>-ERP<br />

2.7.0 zum freien Download zur<br />

Verfügung. Die Umbenennung<br />

war laut Hersteller notwendig geworden,<br />

weil der Name Lx-<strong>Office</strong><br />

bei vielen Nutzern falsche Erwartungen<br />

geweckt hatte. Der Name<br />

Kivitendo entstammt dem<br />

Suaheli und bedeutet so viel wie<br />

„praktisch“, womit man sich offenbar<br />

am Namensfindungskonzept<br />

von Ubuntu anlehnt.<br />

Was ist was<br />

Lx-<strong>Office</strong> besteht im Wesentlichen<br />

aus zwei Komponenten:<br />

Dem von Linet Service in Perl geschriebenen<br />

Warenwirtschaftsmodul<br />

Lx-<strong>Office</strong>-ERP (inklusive<br />

Finanzbuchhaltung), das aktuell<br />

in der Version 2.7.0 verfügbar ist<br />

und jetzt Kivitendo heißt, sowie<br />

dem von Holger Lindemann (LX<br />

System) in PHP entwickelten<br />

CRM-Modul, das nicht Gegenstand<br />

dieses Beitrages ist.<br />

Die Installation des ERP-Moduls<br />

funktioniert nach Angabe des<br />

Herstellers zuverlässig unter<br />

Ubuntu ab 10.04 bis 11.10,<br />

Debian 5 und 6, OpenSuse 11.2<br />

und 11.3, Suse Linux Enterprise<br />

Server 11 und Fedora 13 bis 15.<br />

Hilfreich zur Seite steht dabei die<br />

Online-Dokumentation im<br />

PDF- [3] und HTML-Format [4],<br />

die das manuelle Installieren der<br />

aktuellen Version von Git beschreibt.<br />

Zwar gibt es auch ein<br />

Wiki, das ebenfalls Informationen<br />

zur Installation unter Ubuntu<br />

oder Debian enthält, diese<br />

scheinen aber nicht mehr taufrisch<br />

zu sein. Als Vorab-Fazit<br />

lässt sich festhalten, dass weder<br />

das Aufsetzen von Webserver,<br />

Datenbank und Perl-Modulen<br />

noch das Anpassen von Lx-<strong>Office</strong><br />

an die eigenen Wünsche und Anforderungen<br />

schnell erledigt sind:<br />

Diese Aufgabe nimmt je nach<br />

Umfang und Anforderungen einen<br />

Arbeitstag oder mehr in Anspruch.<br />

Support erhalten Sie entweder<br />

von der Community im Forum<br />

[6], oder Sie schließen einen<br />

professionellen Support-Vertrag<br />

mit garantierter Reaktionszeit<br />

mit der Linet Service GmbH<br />

(ERP) oder LX <strong>Office</strong> (CRM) ab.<br />

Möchten Sie erst einmal vorab<br />

ausprobieren, ob die Software Ihren<br />

Anforderungen genügt, finden<br />

Sie auf der Website eine Online-Demo<br />

[7] der ERP-Suite.<br />

Installation<br />

Die Inbetriebnahme (weniger die<br />

Installation) von Kivitendo unter<br />

Ubuntu gestaltet sich relativ aufwendig.<br />

Dabei gliedert sich das<br />

Einrichten in das Aufsetzen und<br />

Konfigurieren von Webserver<br />

und Datenbank sowie das Einrichten<br />

der Perl-Module.<br />

Sie installieren zuerst den<br />

Apache-Webserver sowie die Datenbank<br />

PostgreSQL, sofern noch<br />

nicht geschehen. Perl ist in der<br />

Regel bereits eingerichtet, Sie<br />

müssen es jedoch um die Pakete<br />

libarchive-zip-perl, libbit-vectorperl,<br />

libclass-factory-util-perl, libclone-perl,<br />

libdatetime-perl, libdbdpg-perl,<br />

libdbi-perl, libparent-perl,<br />

libpg-perl sowie libsub-exporterperl<br />

ergänzen.<br />

Danach laden Sie Lx-<strong>Office</strong> 2.7.0<br />

von Sourceforge herunter [8] und<br />

entpacken es im Document-Root-<br />

Verzeichnis des Webservers, bei<br />

Ubuntu also in /var/www (Abbildung<br />

A). Es empfiehlt sich, das<br />

Verzeichnis mit einem aussagekräftigen<br />

Kurznamen wie kivitendo<br />

oder lx-erp zu benennen, weil<br />

der Pfad später einen Teil der<br />

Aufruf-URL bildet.<br />

Je nach Distribution kann es<br />

sein, dass die Installation von<br />

Kivitendo/ Lx-<strong>Office</strong> neben den<br />

oben genannten noch weitere<br />

Perl-Pakete voraussetzt. Die PDF-<br />

Dokumentation [3] gibt im Detail<br />

darüber Auskunft. So braucht die<br />

aktuelle Version 2.7.0 beispielsweise<br />

zwingend die Module URI<br />

und XML::Writer, ohne die Lx-<br />

<strong>Office</strong> überhaupt nicht startet.<br />

Außerdem brauchen Sie noch<br />

die Perl-Erweiterungen parent,<br />

DateTime, Rose::Object, Rose::DB<br />

und Rose::DB::Object sowie JSON.<br />

Dazu kommen noch das CSS-<br />

Framework YAML und das Paket<br />

libxml zum Verarbeiten von XML-<br />

GLOSSAR<br />

ERP: Enterprise Resource<br />

Planning. Die<br />

unternehmerische Aufgabe,<br />

die vorhandenen<br />

Ressourcen wie Kapital,<br />

Betriebsmittel und<br />

Personal möglichst<br />

effizient für den<br />

betrieblichen Ablauf<br />

einzusetzen.<br />

CRM: Customer Relationship<br />

Management.<br />

Pflege der Kundenbeziehungen<br />

inklusive Kundengewinnung,<br />

Bestandskundenpflege,<br />

Angebotswesen und<br />

Marketing.<br />

A Sie entpacken die<br />

Lx-<strong>Office</strong>-ERP am besten<br />

gleich im Document<br />

Root des Webservers.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 63


IM TEST<br />

Kivitendo ERP<br />

B In der Post greSQL-<br />

Konfiguration müssen<br />

Sie die passenden<br />

TCP/ IP-Verbindungen<br />

aktivieren.<br />

LISTING 1<br />

Formaten. Bei Ubuntu finden Sie<br />

die meisten Pakete in der Sektion<br />

Programmiersprache Perl (Universe).<br />

Installieren Sie also mit Aptget<br />

nach und nach libyaml-perl,<br />

libxml-writer-perl, Libxml-perl,<br />

librose-perl, librose, liburi* und so<br />

fort. Das Meiste davon ergibt sich<br />

ohnehin durch das Auflösen von<br />

Abhängigkeiten. Übrigens bringt<br />

Lx-<strong>Office</strong> das Skript installation_<br />

check.pl mit, mit dessen Hilfe Sie<br />

leicht überprüfen, ob alle benötigten<br />

Perl-Module installiert<br />

sind. Es befindet sich im Unterverzeichnis<br />

scripts des Installationsverzeichnisses.<br />

AliasMatch ^/URL/von/Lx-<strong>Office</strong>-ERP/[^/]+\.pl /Pfad/zu/<br />

Lx-<strong>Office</strong>-ERP/dispatcher.fcgi<br />

Alias /URL/von/Lx-<strong>Office</strong>-ERP/ /Pfad/zu/Lx-<strong>Office</strong>-ERP/<br />

<br />

AllowOverride All<br />

Options ExecCGI Includes FollowSymlinks<br />

Order Allow,Deny<br />

Allow from All<br />

<br />

<br />

Order Deny,Allow<br />

Deny from All<br />

<br />

Webserver-Konfiguration<br />

Hinsichtlich der Berechtigungen<br />

gilt es zu beachten, dass der Benutzer,<br />

in dessen Rechtekontext<br />

der Webserver läuft, schreibend<br />

auf die Verzeichnisse users, templates,<br />

spool und webdav unterhalb<br />

des Lx-<strong>Office</strong>-ERP-Verzeichnisses<br />

zugreifen können muss. Bei allen<br />

anderen Unterverzeichnissen genügt<br />

Lesezugriff. Bei Ubuntu und<br />

Debian heißt der Webserver-Benutzer<br />

www-data.<br />

Jetzt benötigen Sie noch eine<br />

Konfigurationsdatei für den Webserver.<br />

Eine einfache Variante<br />

(„CGI“) und eine etwas aufwendigere<br />

(„Fast-CGI“) finden Sie in der<br />

Dokumentation. Das Einschalten<br />

von Fast-CGI erfolgt bei Apache2<br />

mit a2enmod fcgid, was jedoch das<br />

vorherige Installieren des zuständigen<br />

Apache-Moduls (libapache2-<br />

mod-fcgid) voraussetzt.<br />

Zur weiteren Vorgehensweise<br />

sollten Ubuntu-Nutzer wissen,<br />

LISTING 2<br />

[authentication]<br />

admin_password = Passwort<br />

[authentication/database]<br />

host = localhost<br />

port = 5432<br />

db<br />

= lxerp_auth<br />

user = postgres<br />

password =<br />

[system]<br />

dbcharset = UTF-8<br />

LISTING 3<br />

local all all trust<br />

host all all 127.0.0.1 255.0.0.0<br />

trust<br />

dass Apache auf Ubuntu in der<br />

Vorgabe eine Virtual-Host-Konfiguration<br />

verwendet. So lassen<br />

sich mehrere unterschiedliche<br />

Websites auf dem Apache-Webserver<br />

zur Verfügung stellen.<br />

Deshalb finden Sie in der<br />

Apache-Konfigurationsdatei /etc/<br />

apache2/apache2.conf nur wenige<br />

global gültige Einstellungen. Alle<br />

spezifischen Einstellungen der jeweiligen<br />

Webseite stehen dagegen<br />

in je einer Konfigurationsdatei<br />

unter /etc/apache2/sites-available,<br />

auch die des Default-Webservers<br />

mit dem Namen default, in der<br />

sich unter anderem der Pfad zum<br />

jeweiligen Document-Root findet<br />

(bei default ist das /var/ www).<br />

Zur Konfiguration von Lx- <strong>Office</strong><br />

mit Fast-CGI müssen Sie daher<br />

zunächst eine entsprechende<br />

Konfigurationsdatei /etc/apache2/<br />

sites-available/kivitendo anlegen,<br />

in die Sie die Code-Schnipsel aus<br />

Listing 1 kopieren. Beachten Sie,<br />

dass Sie darin die Pfadangaben<br />

bei Alias und die Directory-Direktiven<br />

an Ihre Gegebenheiten anpassen<br />

müssen.<br />

Die Konfiguration unterscheidet<br />

allerdings zwischen dem Installationspfad<br />

des Lx-<strong>Office</strong>-Verzeichnisses<br />

im Dateisystem<br />

(/ Pfad/zu/Lx-<strong>Office</strong>-ERP) und der<br />

URL unter der Lx-<strong>Office</strong> im Webbrowser<br />

erreichbar sein soll ( / URL/<br />

von/Lx-<strong>Office</strong>-ERP).<br />

In unserem Beispiel sind beide<br />

identisch, da wir das Installationsverzeichnis<br />

direkt unter /var/<br />

www entpackt haben, damit das<br />

Beispiel auch ohne Verwendung<br />

von virtuellen Hosts und Aliasen<br />

allgemeingültig bleibt. Daher<br />

rührt auch die oben genannte<br />

Empfehlung, den zu verwendenden<br />

Verzeichnisnamen vorausschauend<br />

anzupassen: Das macht<br />

die Konfiguration übersichtlicher.<br />

Lx-<strong>Office</strong>-Konfiguration<br />

Auch die Software selbst erfordert<br />

eine gewisse Basiskonfiguration.<br />

Immerhin gibt es bei der<br />

Version 2.7.0 nur noch eine einzige<br />

zen trale Konfigurationsdatei<br />

64 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Kivitendo ERP<br />

IM TEST<br />

namens Ins-<br />

tallationsver-<br />

zeichnis/con-<br />

fig/lx_office.<br />

conf, die Sie<br />

selbst erstellen<br />

müssen.<br />

Allerdings<br />

enthält Lx-<br />

<strong>Office</strong> im selben Verzeichnis ein<br />

Muster lx_office.conf.default, das<br />

Sie für erste Gehversuche einfach<br />

kopieren und anpassen.<br />

Die Datei enthält unter anderem<br />

Pfade und Authentifizierungsdaten<br />

zur Postgres-Datenbank,<br />

deren detaillierte Erläuterung<br />

den Rahmen des Beitrags<br />

sprengt. Allerdings ist auch diese<br />

Datei gut dokumentiert und außerdem<br />

in der PDF-Dokumentation<br />

beschrieben. Für einen ersten<br />

Test sollten Sie auf jeden Fall<br />

den Abschnitt [authentication]<br />

kon trollieren, der mit der im Folgenden<br />

beschriebenen Basiskonfiguration<br />

von PostgreSQL übereinstimmen<br />

muss (Listing 2).<br />

Postgres-Konfiguration<br />

So müssen Sie in der Konfigurationsdatei<br />

von PostgreSQL (bei<br />

Ubuntu 11.10 ist das /etc/postgresql/9.1/main/postgresql.conf)<br />

dafür sorgen, TCP/ IP-Verbindungen<br />

zu aktivieren, wozu Sie den<br />

Parameter listen_address entsprechend<br />

setzen müssen.<br />

Laufen PostgreSQL und Lx-<strong>Office</strong><br />

wie im Beispiel auf der gleichen<br />

Maschine, genügt der Wert<br />

localhost, wozu Sie den vorbereiteten<br />

Eintrag einfach nur entkommentieren<br />

(Abbildung B).<br />

Außerdem müssen Sie in der Datei<br />

pg_hba.conf im gleichen Verzeichnis<br />

die Zugriffsberechtigungen<br />

für den Client anpassen, im<br />

einfachsten Fall mit den beiden<br />

Zeilen aus Listing 3.<br />

Über weitere, deutlich sicherere<br />

Möglichkeiten gibt die Dokumentation<br />

Auskunft. Sie beschreibt<br />

des Weiteren auch, wie Sie die für<br />

den Betrieb von Lx-<strong>Office</strong> benötigten<br />

Datenbanken anlegen. In<br />

diesem Zusammenhang müssen<br />

Sie in der Datenbank template1<br />

beispielsweise auch Unterstützung<br />

für sogenannte Stored Procedures<br />

einrichten. Dazu melden<br />

Sie sich als Benutzer postgres an<br />

der Datenbank an und führen<br />

dann den Befehl create language<br />

'plpgsql'; aus.<br />

Möchten Sie nicht permanent<br />

unter dem Account des Datenbankadministrators<br />

postgres auf<br />

Lx-<strong>Office</strong> zugreifen, legen Sie außerdem<br />

mit<br />

$ su - postgres createuser -d -PU<br />

lxoffice<br />

einen eigenen Benutzer lxoffice<br />

an. Die Dokumentation der Software<br />

schildert ausführlich das<br />

weitere Vorgehen.<br />

Funktionsumfang<br />

Der Funktionsumfang von Kivitendo<br />

umfasst eine Stammdatenverwaltung,<br />

Module für Ein- und<br />

Verkauf sowie eine Lagerverwaltung.<br />

Einzelheiten zu den einzelnen<br />

Funktionsgruppen finden<br />

sich auf der überarbeiteten Kivitendo-Webseite<br />

[1].<br />

Die Stammdaten-Verwaltung<br />

(Abbildung C) bietet Eingabemasken<br />

für das Verwalten von<br />

Kunden, Lieferanten, Waren,<br />

Dienstleitungen, Erzeugnissen<br />

und Projekten, was für die meisten<br />

Zwecke ausreichen dürfte.<br />

Außerdem können Sie von hier<br />

aus auf recht komfortable Weise<br />

Preise aktualisieren.<br />

Die Kundenverwaltung mit<br />

Rechnungs- und Lieferadresse,<br />

Ansprechpartner sowie Bemerkungen<br />

erlaubt das Erfassen einer<br />

Fülle an Informationen und<br />

lässt auf den ersten Blick keine<br />

Wünsche offen (Abbildung D).<br />

Ebenso umfangreich zeigt sich<br />

etwa die Maske zum Erfassen von<br />

Artikeln (Erzeugnissen), die<br />

Preisgruppen (Online-Shop, Laden,<br />

etc.), Warengruppen (etwa<br />

Dienstleistungen, Hardware,<br />

C Die umfangreiche<br />

Stammdatenverwaltung<br />

von Kivitendo<br />

schließt auch Projekte<br />

ein.<br />

D Beim Speichern<br />

eines neuen Kunden<br />

haben Sie mit den<br />

entsprechenden<br />

Schaltflächen die<br />

Möglichkeit, unmittelbar<br />

Aufträge, Rechnungen,<br />

Angebote oder<br />

Debitoren-Buchungen<br />

zu erfassen.<br />

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10 | 12 65


IM TEST<br />

Kivitendo ERP<br />

E Das Drucken<br />

einer neu erstellten<br />

Rechnung geht normalerweise<br />

mit deren<br />

Verbuchung einher.<br />

Allerdings gibt es eine<br />

auf LaTeX basierende<br />

Druckvorschau, die in<br />

diesem Fall keine<br />

Buchung auslöst.<br />

Software) und Buchungsgruppen<br />

(ganze oder reduzierte Steuersätze).<br />

Außerdem berücksichtigt die<br />

Artikelverwaltung Verrechnungseinheiten,<br />

Lagerplätze oder Bestände.<br />

Im Verkaufsmodul lassen<br />

sich Angebote, Aufträge, Lieferscheine,<br />

Rechnungen, Gutschriften<br />

und Mahnungen erfassen und<br />

verwalten (Abbildung E).<br />

Lieferscheine lassen sich nicht<br />

nur im Verkaufsmodul erfassen:<br />

Auch das Einkaufsmodul kennt<br />

Lieferscheine und unterstützt neben<br />

Preisanfragen auch das Erfassen<br />

von Lieferantenaufträgen. Interessant<br />

ist, dass sich jede Lieferantenrechnung<br />

mithilfe einer<br />

Projektnummer gezielt einem bestimmten<br />

Projekt zuordnen lässt<br />

(Abbildung F).<br />

Das Finanzbuchhaltungsmodul<br />

umfasst Debitoren- und Kreditorenbuchungen,<br />

wobei Sie wahlweise<br />

vorgefertigte Kontenrahmen<br />

(SKR03/ 04) verwenden oder<br />

eigene Kontenrahmen auf deren<br />

Basis individuell anpassen. Kivitendo<br />

unterstützt daneben auch<br />

Auswertungen wie Bilanz, Gewinn-<br />

und Verlustrechnung<br />

(GuV) oder betriebswirtschaftliche<br />

Auswertung (BWA), die Sie<br />

allerdings im Modul Berichte finden.<br />

Drüber hinaus lassen sich<br />

alle steuerrelevanten Daten über<br />

die vorhandene Datev-Schnittstelle<br />

an ein entsprechendes Programm<br />

exportieren.<br />

Weniger komfortabel fällt das<br />

Modul Zahlungsverkehr aus. Es gestattet<br />

lediglich ein manuelles<br />

Holen von Buchungen und Kontoauszügen<br />

beziehungsweise einen<br />

Import/ Export. Hier wäre<br />

eine Anbindung an ein HBCI-Online-Banking-System<br />

von Vorteil.<br />

Immerhin beherrscht LX-<strong>Office</strong><br />

seit der Version 2.6.1 einen SEPA-<br />

Export. Das SEPA-Modul erlaubt<br />

das Verwalten von Einkaufsrechnungen<br />

und den Export der Rechnungsdaten,<br />

die Sie bei Ihrer<br />

Bank zur Zahlung einreichen.<br />

F Über eine Projektnummer<br />

lassen sich<br />

im Einkaufsmodul<br />

Kosten von Wareneinkäufen<br />

leicht einem<br />

Projekt zuordnen.<br />

66 10 | 12<br />

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Kivitendo ERP<br />

IM TEST<br />

G Das umfangreiche<br />

Finanzbuchhaltungsmodul<br />

unterstützt Sie<br />

in allen steuerrelevanten<br />

Fragen und ermöglicht<br />

neben dem klassischen<br />

Dialogbuchen<br />

auch den Export aller<br />

Buchungsdaten im Datev-Format.<br />

Außerdem besitzt Lx-<strong>Office</strong> eine<br />

Lagerverwaltung, die beliebig viele<br />

Lager und Lagerplätze umfasst<br />

und die Verbindung zwischen<br />

Einkaufs- und Verkaufsmodul<br />

darstellt. Auch die Lagerverwaltung<br />

verwaltet als Beleg eigene<br />

Lieferscheine.<br />

Zudem können Sie über Lx-<br />

<strong>Office</strong> eine Vielzahl von Berichten<br />

generieren, darunter auch die<br />

erwähnte Bilanz, Gewinn- und<br />

Verlustrechnung (GuV) oder betriebswirtschaftliche<br />

Auswertung<br />

(BWA), aber auch eine Kontenübersicht<br />

oder die fällige Umsatzsteuervoranmeldung.<br />

Die genannten<br />

Berichte stehen als feste<br />

Menüpunkte im Modul Berichte<br />

zur Verfügung.<br />

Neben der Möglichkeit, Daten<br />

für die Umsatzsteuervoranmeldung<br />

an die Elster-Programme<br />

Taxbird4 oder Winston3 zu exportieren,<br />

beherrscht Kivitendo<br />

auch die direkt Ausgabe als PDF<br />

(Abbildung H), was allerdings das<br />

vorherige Einrichten von TeX/ La-<br />

TeX erfordert. Unter Ubuntu<br />

müssen Sie dazu die Pakete texlive-generic-extra,<br />

texlive-latex-extra<br />

und texlive-lang-german, texlive-latex-recommended<br />

und texlive-fonts-recommended<br />

installieren.<br />

Kivitendo/ Lx-<strong>Office</strong> lässt<br />

sich individuell an Ihre Geschäftsprozesse<br />

anpassen. Die dazu bereitstehenden<br />

Funktionen finden<br />

Sie im Menü System. Sie umfassen<br />

sowohl das Anpassen von<br />

Sys tem einstellungen als auch das<br />

Verändern von Parametern wie<br />

Waren- oder Buchungsgruppen.<br />

Fazit<br />

Für Kivitendo spricht der große<br />

Funktionsumfang mit Kunden-,<br />

Lieferanten- und Artikelverwaltung,<br />

Angeboten, Ausgangs- und<br />

Eingangsrechnungen, Gutschriften,<br />

Bestellverwaltung und Preisgruppen<br />

für Waren und Erzeugnisse.<br />

Außerdem lässt sich Lx-<br />

<strong>Office</strong> einfach bedienen und flexibel<br />

anpassen, etwa mit individuellen<br />

mehrsprachigen Druckvorlagen<br />

und Artikellangtexten sowie<br />

frei konfigurierbare Einhei-<br />

ten. Der große Funktionsumfang<br />

hat aber auch seinen Preis, der<br />

sich in einer gewissen Unübersichtlichkeit<br />

und teilweise umständlichen<br />

Workarounds insbesondere<br />

im Zusammenhang mit<br />

dem CRM-Modul äußert. Installation<br />

und Basiskonfiguration lassen<br />

sich zudem nicht ohne tiefer<br />

gehende Linux-Systemkenntnisse<br />

bewältigen, sodass Selbstständige<br />

und Kleinstunternehmen wohl<br />

eher zu kompakter Kauf-Software<br />

unter Windows greifen werden,<br />

die oft auch gleich das Onlinebanking<br />

mit erledigt.<br />

Für kleine und mittlere Unternehmen<br />

stellt das ERP-System<br />

Kivitendo dennoch eine ernstzunehmende<br />

Alternative zu weit<br />

kostspieligerer Software dar,<br />

selbst wenn man zusätzlich kostenpflichtigen<br />

Support beim<br />

Hersteller bucht. Die Optik der in<br />

Perl programmierten Lösung<br />

wirkt aber trotz tadelloser Performance<br />

und Bedienung mit klickbaren<br />

Dropdown-Menüs im Vergleich<br />

recht altbacken. (jlu) n<br />

GLOSSAR<br />

SEPA: Single Euro Payments<br />

Area. Das vereinheitlichte<br />

Zahlungswesen<br />

für den Euro-Raum<br />

erleichtert finanzielle<br />

Transaktionen innerhalb<br />

der EU-Mitgliedsstaaten<br />

sowie Island, Liechtenstein,<br />

Norwegen, der<br />

Schweiz sowie Monaco.<br />

H Kivitendo exportiert<br />

die Daten für die Umsatzsteuervoranmeldung<br />

entweder für Elster-Programme<br />

oder<br />

gibt die UStVA via La-<br />

TeX direkt als PDF aus.<br />

INFO<br />

[1] Kivitendo: http:// www. kivitendo. de/<br />

produkt/ leistungsumfang. html<br />

[2] Linet Service GmbH:<br />

http:// www. linet-services. de/<br />

[3] PDF-Dokumentation:<br />

http:// tinyurl. com/ lu1012-kivitendo-pdf<br />

[4] HTML-Dokumentation:<br />

https:// demo. kivitendo. de/ doc/ html/<br />

[6] Kivitendo-Forum: https:// forum. kivitendo. de<br />

[7] Online-Demo:<br />

https:// demo. kivitendo. de/ login. pl<br />

[8] Kivitendo herunterladen:<br />

http:// sourceforge. net/ projects/ lx-office<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 67


NETZ&SYSTEM<br />

YubiKey (Teil 2)<br />

YubiServer<br />

LU/yubiserver/<br />

README<br />

Der YubiKey-Token von<br />

Yubico dient als USB-<br />

Stick zum Übermitteln<br />

von Einmalpasswörtern<br />

für das Authentifizieren<br />

über unsichere Kanäle<br />

und löst damit Passwort-Probleme.<br />

Wir zeigen,<br />

wie Sie den Yubi-<br />

Key mit eigenen Passworten<br />

versehen und<br />

damit SSH-Zugänge zusätzlich<br />

absichern.<br />

Der erste Teil dieses Beitrags in<br />

LU 09/ 2012 [1] beschrieb die<br />

Prinzipien des YubiKey, die zugehörige<br />

Client-Server-Architektur<br />

zur Authentifizierung sowie die<br />

möglichen Einsatzbereiche. Der<br />

vorliegende Artikel widmet sich<br />

der Einbindung des YubiKey in<br />

die eigene Infrastruktur, der Verwendung<br />

als Pluggable Authentication<br />

Module (PAM) und dem<br />

Zusammenspiel mit einem Yubi-<br />

Key-Authentifizierungsserver.<br />

Sichere Authentifizierung<br />

mit dem YubiKey (Teil 2)<br />

Schlüsselerlebnis<br />

SSH-Zugänge gelten als sicher – sofern die Zugangsdaten<br />

in den richtigen Händen bleiben. Mit dem YubiKey<br />

ergänzen Sie ihr Sicherheitskonzept um eine wirksame<br />

2-Faktor-Authentifizierung. Thomas Osterried, Frank Hofmann<br />

YubiKey-Tools<br />

Grundsätzlich können Sie die auf<br />

dem YubiKey gespeicherten Daten<br />

nicht direkt auslesen. Sie erhalten<br />

lediglich die temporären<br />

Schlüssel als Ergebnis der entsprechend<br />

den beiden Slots zugewiesenen<br />

Aktionen, indem Sie<br />

den Knopf auf dem YubiKey drücken<br />

– weniger als 1,5 Sekunden<br />

für den ersten Slot und rund 3 Sekunden<br />

für den zweiten Slot. Die<br />

ersten zwölf Zeichen des dynamisch<br />

generierten Schlüssels beinhalten<br />

die Geräteidentifikation<br />

des YubiKey („Public ID“), die<br />

man in der Regel administrativ<br />

eindeutig einem Nutzer zuweist.<br />

An dieser Public ID orientiert sich<br />

der Autorisierungsserver zur<br />

Schlüsselüberprüfung.<br />

Die Konfiguration des YubiKey<br />

nehmen Sie entweder über die<br />

Kommandozeile mit dem Werkzeug<br />

Ykpersonalize aus dem Paket<br />

yubikey-personalization [2] vor<br />

oder mit dem grafischen YubiKey<br />

Personalization Tool (YKPT, [3]),<br />

einer Qt-Anwendung (Abbildung<br />

A). Neben kostenlos von<br />

der Herstellerwebseite verfügbaren<br />

Binärversionen für Linux, OS<br />

X und MS Windows stehen bereits<br />

seit Längerem fertige Pakete<br />

für Red Hat, Fedora, Ubuntu und<br />

Debian zur Verfügung. Letztere<br />

gibt es erst ab dem kommenden<br />

Debian-Release als Paket. Beide<br />

Programme liefen in Tests jedoch<br />

soweit fehlerfrei, obwohl die Pakete<br />

bislang nur zum Teil als stabil<br />

klassifiziert wurden. Auf Github<br />

[4] befindet sich ein Repository<br />

mit dem dazugehörigen<br />

Quellcode zum Selberbauen.<br />

Für das Ausführen sowohl von<br />

Ykpersonalize als auch YKPT benötigen<br />

Sie unter Debian und<br />

Ubuntu Root-Rechte (aufgrund<br />

einer vermurksten Udev-Regel),<br />

unter Mac OS X genügen bereits<br />

normale Benutzerrechte. Beide<br />

Werkzeuge zeigen die Seriennummer<br />

des YubiKey, die Versionsnummer<br />

der Firmware und damit<br />

auch die unterstützten Verfahren<br />

zur Authentifizierung an (Abbildung<br />

A, rechts).<br />

© Nikolai Sorokin, Fotolia<br />

68 10 | 12<br />

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YubiKey (Teil 2)<br />

NETZ&SYSTEM<br />

Sie rufen YKPT über das Shellskript<br />

YubiKey Personalization<br />

Tool.sh auf. Das Programm startet<br />

auch ohne angeschlossenen Token<br />

und gestattet eine Evaluation<br />

des Funktionsumfangs, was für<br />

eine erste Einschätzung ausreicht.<br />

Im Advanced Mode wird es<br />

etwas unübersichtlich – etwas<br />

Entdeckerfreude hilft hier weiter.<br />

Das legt in Ihrem Home-Verzeichnis<br />

die Datei configuration_log.csv<br />

an. Sie enthält die Konfiguration<br />

des zuletzt von Ihnen bearbeiteten<br />

YubiKeys und somit auch die<br />

verwendeten Passworte. Verfahren<br />

Sie mit dieser Datei entsprechend<br />

Ihrer Sicherheitsrichtlinien,<br />

etwa indem Sie die Lese- und<br />

Schreibrechte der Datei radikal<br />

auf sich selbst einschränken oder<br />

die Datei regelmäßig löschen:<br />

$ chmod go -rwx ~/configuration_U<br />

log.csv<br />

Unter dem Menüpunkt Settings |<br />

Logging Settings können Sie im<br />

YubiKey Personalization Tool<br />

eine andere Datei festlegen oder<br />

das Speichern der Daten vollständig<br />

deaktivieren (Abbildung B).<br />

Passworte hinzufügen<br />

Im Folgenden besprechen wir die<br />

beiden Varianten „statisches<br />

Passwort“ und „Yubico OTP“ (siehe<br />

[1]). Die Programmierung beider<br />

Varianten gestaltet sich in der<br />

Praxis recht ähnlich.<br />

Beide Speicher auf dem YubiKey<br />

lassen sich getrennt voneinander<br />

programmieren. Üblich ist, den<br />

Speicher 1 für Einmalpassworte<br />

(Yubico OTP) und den Speicher 2<br />

für ein statisches Passwort zu<br />

verwenden. Sie sind allerdings<br />

keineswegs an diese Gepflogenheit<br />

gebunden.<br />

Yubico konfiguriert den Speicher<br />

1 mit einem Schlüssel vor,<br />

mit dem Sie beispielsweise den<br />

Yubico-eigenen Autorisierungsdienst<br />

YubiCloud [5] nutzen können.<br />

Falls Sie den Inhalt dieses<br />

Speichers verändern, steht Ihnen<br />

dieser Dienst nicht mehr zur Verfügung.<br />

Haben Sie sich jedoch<br />

vorher bei YubiCloud angemeldet,<br />

können Sie Ihren neuen Yubico-<br />

OTP-Schlüssel aus dem Speicherort<br />

1 in Ihrem YubiCloud-Profil<br />

nachtragen und Ihren YubiKey<br />

wie gewohnt verwenden.<br />

Indem Sie auf dem YubiKey ein<br />

statisches Passwort speichern, lagert<br />

dieses schon mal sicherer als<br />

auf dem Zettel am Monitor. Der<br />

YubiKey wirkt dabei allerdings<br />

nur wie eine Art Sichtschutz. Das<br />

Drücken des Knopfes auf dem<br />

YubiKey ist identisch zur Eingabe<br />

über die Tastatur, nur: Es sieht<br />

keiner, was Sie eingeben. Damit<br />

stellen auch längere, kompliziertere<br />

Passworte kein Problem<br />

mehr dar. Das gewählte statische<br />

Passwort kann auf dem YubiKey<br />

aus bis zu 38 Zeichen bestehen.<br />

Sowohl mit Ykpersonalize als<br />

auch mit YKPT lassen sich der<br />

YubiKey programmieren und entsprechende<br />

Schlüssel speichern.<br />

Allerdings verhielten sich in unserem<br />

Test Kommandozeilentool<br />

und Qt-Anwendung nicht identisch.<br />

Bei den Versuchen mit dem<br />

Kommandozeil2entool stellten<br />

wir fest, dass bei der Konfiguration<br />

eines statischen Passwortes<br />

dieses nicht im Klartext auf dem<br />

Key landete, sondern stattdessen<br />

eine zufällige Zeichenkette.<br />

Statisches Passwort<br />

Daher starten Sie zum Setzen eines<br />

statischen Passwortes am<br />

besten die Qt-Anwendung. Danach<br />

wählen Sie nacheinander die<br />

Menüpunkte Static Password und<br />

Scan Code aus. Aus den Eingabefeldern<br />

wählen Sie den Configuration<br />

Slot 2 für den zweiten Speicherplatz<br />

auf dem YubiKey. Die<br />

angezeigte Auswahl unprotected<br />

(keep it that way) belassen Sie unverändert<br />

und erhalten sich damit<br />

die Möglichkeit, weiter mit<br />

dem YubiKey zu experimentieren.<br />

Nun geben Sie in das Feld Password<br />

das Passwort ein. Mit der<br />

darüber angeordneten Checkbox<br />

Hide Password entscheiden Sie, ob<br />

dieses bei Ihrer Eingabe im Klartext<br />

sichtbar bleibt oder stattdessen<br />

eine entsprechende Anzahl<br />

Sternchen erscheint. Dabei zeigt<br />

A Qt-Anwendung zur<br />

YubiKey-Konfiguration<br />

– das YubiKey Personalization<br />

Tool.<br />

B Im YubiKey Personalization<br />

Tool legen<br />

Sie den Pfad zur Logging-Datei<br />

fest.<br />

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NETZ&SYSTEM<br />

YubiKey (Teil 2)<br />

C Das Festlegen des<br />

Ausgabeformats in der<br />

Qt-Anwendung.<br />

D Ein Überblick über<br />

die Bibliotheksstruktur<br />

rund um den YubiKey<br />

auf einen Blick.<br />

die Software auch die Länge der<br />

eingegebenen Zeichenkette an.<br />

Mit der Schaltfläche Clear löschen<br />

Sie den Inhalt des Eingabefelds,<br />

Write Configuration überträgt<br />

die Daten auf den YubiKey.<br />

Stop hält die Aktion an, und Reset<br />

setzt die Werte zurück. Welche<br />

Aktionen auf dem YubiKey ablaufen,<br />

zeigt das Fenster Resultats<br />

am unteren Rand an. Die Schaltfläche<br />

Back ermöglicht die Rückkehr<br />

zum übergeordneten Auswahlmenü<br />

(Abbildung A, rechts).<br />

Eingabeoptionen<br />

Beim Aufruf des Kommandozeilentools<br />

können Sie diesem eine<br />

Reihe von Optionen mitgeben.<br />

Im Auslieferungszustand ist auf<br />

dem YubiKey die Option append-cr<br />

gesetzt. Sie sorgt dafür, dass das<br />

Token nach dem „Eingeben“ des<br />

Passwortes automatisch ein Carriage<br />

Return (CR) sendet, was einem<br />

Druck auf die Eingabetaste<br />

entspricht. Ist dieses Verhalten<br />

beim vorgesehenen Einsatzzweck<br />

nicht sinnvoll, deaktivieren Sie es<br />

im Aufruf über -o-append-cr.<br />

Möchten Sie die Zeichenkette<br />

für zwei aufeinanderfolgende Eingabefelder<br />

in einem Webformular<br />

zuschneiden – beispielsweise Benutzername<br />

und Passwort – geben<br />

Sie ihr dazu Tabulatoren als<br />

Trennzeichen mit. Die zugehörigen<br />

Optionen heißen -o-tab-first,<br />

-o-append-tab1 und -o-append-tab2.<br />

Im Webbrowser wird die Eingabe<br />

in das erste Feld übertragen, das<br />

simulierte [Tab] springt zum<br />

nächsten Eingabefeld und trägt<br />

dort den Rest der gespeicherten<br />

Zeichenkette ein.<br />

In der Qt-Anwendung erfolgt<br />

die entsprechende Einstellung<br />

über den Menüpunkt Settings |<br />

Output Settings | Output Format.<br />

Die einzelnen Flags sind in der<br />

GUI als Schaltflächen realisiert.<br />

Erscheint die Schaltfläche gedrückt,<br />

setzt YKPT das jeweilige<br />

Flag (Abbildung D).<br />

Über die beiden Kommandozeilenoptionen<br />

-oman-update und<br />

-oprotect-cfg2 schützen Sie den<br />

Speicher 2 vor nachträglicher Veränderung<br />

mit einem zusätzlichen<br />

Passwort. Eine Korrektur gelingt<br />

nur dann, wenn Sie das im<br />

YubiKey hinterlegte Auflösungspasswort<br />

kennen. Im der Qt-Anwendung<br />

verstecken sich diese<br />

Einstellmöglichkeiten in den<br />

Advanced-Modi der jeweiligen Autorisierungsverfahren.<br />

Einmalpassworte<br />

In der Qt-Anwendung heißen die<br />

beiden Menüpunkte zum Erzeugen<br />

von Einmalpassworten Yubico<br />

OTP Mode und Quick. Zum Testen<br />

wählen Sie hier ebenfalls den Configuration<br />

Slot 2 aus. Den Aufbau<br />

eines passenden Passwort-Strings<br />

entnehmen Sie dem ersten Teil<br />

dieses zweiteiligen Beitrags [1].<br />

Die einzelnen Bestandteile reduzieren<br />

sich auf die drei Felder Public<br />

Identity (6 bytes ModHex), Private<br />

Identity (6 bytes Hex) und Secret<br />

Key (16 Bytes Hex).<br />

Die Schaltflächen sind analog<br />

wie im Static-Modus beschriftet,<br />

Write Configuration schreibt die<br />

Daten auf den YubiKey. Sollten<br />

Sie einmal nicht weiterwissen,<br />

helfen Ihnen auch die blau-weißen<br />

Symbole mit dem Fragezeichen<br />

weiter. Darüber erhalten Sie<br />

eine sehr ausführliche Hilfe zum<br />

jeweiligen Schalter.<br />

OATH-Integration<br />

Beim HMAC-Based One-Time<br />

Password Algorithm (OATH<br />

HOTP) handelt es sich um ein offenes,<br />

nicht patentbehaftetes und<br />

durch den RFC4226 standardisiertes<br />

Autorisierungsverfahren<br />

für Einmalpassworte. Sie können<br />

den YubiKey anstelle von Yubico<br />

OTP für OATH HOTP konfigurieren<br />

und so blitzschnell in eine bereits<br />

bestehende OATH-Infrastruktur<br />

einbinden. Die Konfiguration<br />

erfolgt über die Qt-Anwendung<br />

ebenso einfach wie bei<br />

YubiKey OTP.<br />

Zwei-Faktor-Autorisierung<br />

Die Verteilung der Geheimnisse<br />

in zwei Faktoren wurde bereits<br />

mehrfach genannt – nun setzen<br />

wir das endlich in die Praxis um.<br />

Im Fallbeispiel „statisches Passwort“<br />

zerlegen wir dieses Passwort<br />

in zwei Teile. Dabei landet<br />

ein Teil als statisches Passwort<br />

auf dem YubiKey (Faktor 1), den<br />

zweiten Teil (Faktor 2 oder PIN)<br />

hingegen merken Sie sich und fügen<br />

diesen bei der Eingabe wieder<br />

hinzu. Wie Sie die Zeichenkette<br />

in zwei Faktoren zerlegen, steht<br />

Ihnen frei. Bewährt haben sich im<br />

Alltag die beiden Kombinationen<br />

„Passwort auf dem YubiKey/ PIN“<br />

und „PIN/ Passwort auf dem<br />

YubiKey“. Wichtig ist, dass Sie<br />

den YubiKey dabeihaben und sich<br />

an Ihre PIN sowie bei der Eingabe<br />

an die korrekte Reihenfolge der<br />

beiden Faktoren erinnern.<br />

Bei Yubico OTP können Sie die<br />

PIN vor den YubiKey-OTP-String<br />

stellen – in der Bibliothek Libpam-yubico<br />

ist diese Abfolge fest<br />

einprogrammiert. Dank dieser Sicherheitsvorkehrung<br />

kann ein<br />

Anwender, der in den Besitz eines<br />

fremden YubiKey gelangt, sich<br />

mangels Kenntnis der zugehörigen<br />

PIN nicht an dem damit gesicherten<br />

System anmelden.<br />

70 10 | 12<br />

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YubiKey (Teil 2)<br />

NETZ&SYSTEM<br />

Bei dieser Art der Anwendung<br />

entspricht die PIN praktisch dem<br />

Unix-Passwort. Das sollten Sie<br />

bedenken: Der zusätzliche Faktor<br />

erhöht zwar den Schutz, jedoch<br />

sollten Sie der PIN nicht für andere,<br />

nicht durch den YubiKey abgesicherte<br />

Dienste benutzen (zum<br />

Beispiel zum Autorisieren an einem<br />

Mail-Server).<br />

YubiKey-Bibliotheken<br />

Die C-Bibliothek Libyubikey [6]<br />

kapselt die Kommunikation zwischen<br />

Betriebssystem und dem<br />

YubiKey. Sie dient zum Entschlüsseln<br />

und Parsen der<br />

YubiKey-OTPs. Dazu interagiert<br />

sie mit den Bibliotheken Lib ykpers<br />

(für „YubiKey Personalization“)<br />

und Libpam-yubico.<br />

Die Bibliothek Libpam-yubico<br />

interagiert als Middleware mit<br />

der Benutzerschnittstelle (Frontend)<br />

sowie mit der Libykclient3,<br />

die als Verbindung zum Auto ri sierungs<br />

backend dient, wie etwa der<br />

YubiCloud. Abbildung D und Abbildung<br />

E veranschaulichen die<br />

Abhängigkeiten.<br />

PAM-Integration<br />

Im Folgenden zeigen wir die Konfiguration<br />

für den YubiKey mit<br />

2-Faktor-Autorisierung über Libpam<br />

für ein SSH-Login. Nach der<br />

Einrichtung können Sie sich über<br />

die Secure Shell auf dem Zielsystem<br />

anmelden, indem Sie PIN<br />

und YubiKey OTP miteinander<br />

kombinieren. Die Abbildung F<br />

stellt den Ablauf und das Zusammenspiel<br />

der Dienste dar.<br />

Damit diese Form der Anmeldung<br />

gelingt, sind mehrere<br />

Schritte notwendig. Das beinhaltet<br />

insbesondere Eingriffe am Autorisierungssystem<br />

PAM – als jener<br />

Instanz, die dafür sorgt, dass<br />

sich nur die Personen auf ihrem<br />

System anmelden, die auch über<br />

die dazu notwendigen Berechtigungen<br />

verfügen und diese tatsächlich<br />

vorweisen können.<br />

Als ersten Schritt stellen Sie sicher,<br />

dass auf dem Zielsystem das<br />

Paket libpam-yubico installiert ist.<br />

Libpam-yubico benötigt weitere<br />

Pakete wie beispielsweise libpamruntime<br />

und libyubikey0, welche<br />

die Paketverwaltung bei richtig<br />

gesetzten Abhängigkeiten automatisch<br />

nachzieht.<br />

Im zweiten Schritt konfigurieren<br />

Sie den SSH-Daemon Sshd<br />

auf dem Zielsystem. Zunächst<br />

überprüfen Sie die Datei /etc/ssh/<br />

sshd_config: Sie muss die Zeilen<br />

UsePAM yes und ChallengeResponseAuthentication<br />

no enthalten. Im<br />

Auslieferungszustand ist das in<br />

der Regel bereits der Fall, und<br />

SSH führt eine Authentifizierung<br />

über PAM durch.<br />

In Schritt 3 passen Sie das PAM-<br />

Modul für SSH auf dem Zielsystem<br />

an. Dazu öffnen Sie als Root<br />

die Datei /etc/pam.d/sshd mit einem<br />

Texteditor und suchen darin<br />

den Eintrag @include common-account<br />

(Zeile 11 in Abbildung G,<br />

folgende Seite). Diese Zeile kommentieren<br />

Sie mit einem „#“ aus.<br />

Danach fügen Sie darunter die<br />

folgenden beiden Zeilen hinzu:<br />

auth required pam_yubico.so id=16<br />

auth required pam_unix.so nullokU<br />

_secure try_first_pass<br />

Die Reihenfolge der zwei Zeilen<br />

ist wichtig – bitte behalten Sie<br />

diese daher unbedingt bei, weil<br />

ansonsten die Anmeldung am<br />

System schiefgeht.<br />

Die erste Zeile legt das PAM-Modul<br />

pam_yubico.so als erste Stufe<br />

zur Authentifizierung fest. Dieses<br />

Modul verarbeitet zunächst alle<br />

Passwortangaben bei der Anmeldung<br />

über SSH. Dabei zerlegt es<br />

die Passwortangaben wieder in<br />

die zwei Bestandteile PIN und<br />

Yubico OTP und sendet Letzteres<br />

über HTTP(S) an die Validierungsinstanz<br />

YubiCloud. Die<br />

nachgestellte Option id=16 signalisiert<br />

der YubiCloud, dass es sich<br />

um einen YubiKey im Auslieferungszustand<br />

handelt, dessen<br />

YubiKey OTP sie auf Gültigkeit zu<br />

überprüfen hat.<br />

Die zweite Zeile übergibt die<br />

vorher separierte PIN an das<br />

PAM-Modul pam_unix.so, das die<br />

Zeichenkette mit dem Passwort<br />

auf dem Zielsystem vergleicht.<br />

Liefern beide PAM-Module ein<br />

OK zurück, übermittelt PAM den<br />

Rückgabewert PAM_SUCCESS, die Authentifizierung<br />

war erfolgreich.<br />

E Paketabhängigkeiten<br />

der Libpam-yubico,<br />

dargestellt in der Apt-<br />

Shell.<br />

GLOSSAR<br />

PAM: Pluggable Authentication<br />

Modules (PAM).<br />

Eine Softwarebibliothek,<br />

die eine gemeinsame<br />

Programmierschnittstelle<br />

für Authentisierungsdienste<br />

zur Verfügung<br />

stellt.<br />

F Das Zusammenspiel<br />

zwischen den Komponenten<br />

zur Authentifizierung.<br />

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NETZ&SYSTEM<br />

YubiKey (Teil 2)<br />

G Ein Ausschnitt aus<br />

der Datei /etc/pam.d/<br />

sshd mit den eingefügten<br />

PAM-Modulen.<br />

DIE AUTOREN„<br />

Thomas Osterried<br />

verwendet Linux seit<br />

Anfang der 90er-Jahre<br />

und arbeitet als Freelancer<br />

mit Linux systemnah<br />

in den Bereichen<br />

Virtualisierung<br />

und Embedded-<br />

Systeme in LAN und<br />

WLAN.<br />

Frank Hofmann<br />

(http:// www. efho. de)<br />

hat Informatik an der<br />

Technischen Universität<br />

Chemnitz studiert.<br />

Der Spezialist für<br />

Druck und Satz koordiniert<br />

seit 2008 das<br />

Regionaltreffen der Linux<br />

User Groups aus<br />

der Region Berlin-<br />

Brandenburg.<br />

Beide Autoren arbeiten<br />

in Berlin im<br />

Büro 2.0, einem<br />

Open-Source Experten-Netzwerk,<br />

und<br />

sind darüber hinaus<br />

Mitgründer des Schulungsunternehmens<br />

Wizards of FOSS.<br />

DANKSAGUNG<br />

Die Autoren bedanken<br />

sich bei Wolfram<br />

Eifler für Kritik, Anmerkungen,<br />

Kommentare<br />

und Ergänzungen<br />

im Vorfeld der Arbeit<br />

an diesem Artikel.<br />

Nachdem Sie die modifizierte<br />

/ etc/pam.d/sshd gespeichert haben,<br />

sollten Sie noch die Benutzerrechte<br />

der Datei einschränken:<br />

Mit chmod 600 /etc/pam.d/ssh sorgen<br />

Sie dafür, dass nur root die<br />

Datei lesen und schreiben darf.<br />

Damit auf dem Zielsystem ein<br />

Abgleich erfolgen kann, müssen<br />

Sie noch die Private-ID ihres<br />

YubiKey hinterlegen. Dazu legen<br />

Sie als normaler Benutzer in Ihrem<br />

Home-Verzeichnis auf dem<br />

Zielsystem das Verzeichnis .yubico<br />

und darin die Textdatei authorized_yubikeys<br />

an. In der Datei<br />

identifizieren Sie alle YubiKeys,<br />

mit denen Sie sich am System anmelden<br />

wollen. Nach dem jeweiligen<br />

Benutzernamen folgen die<br />

Private-IDs der zugehörigen<br />

YubiKeys, jeweils durch einen<br />

Doppelpunkt voneinander getrennt<br />

(Listing 1).<br />

Um zu verhindern, dass ein anderer<br />

Benutzer diese Datei lesen<br />

und damit kopieren kann, um<br />

sich unberechtigt mit Ihrem<br />

Schlüssel anmelden zu können,<br />

ändern Sie noch die Zugriffsrechte<br />

entsprechend:<br />

$ chmod 700 $HOME/.yubico; chmodU<br />

600 $HOME/.yubico/authorized_yuU<br />

bikeys<br />

Danach testen Sie die Anmeldung<br />

über SSH und bauen dazu von Ihrem<br />

lokalen System aus eine Verbindung<br />

zum Zielsystem auf.<br />

Geben Sie Ihre PIN sowie Ihr<br />

Yubico-OTP als Geheimnisse ein.<br />

Auf dem Zielsystem nimmt der<br />

SSH-Daemon die Eingaben entgegen,<br />

verifiziert diese via PAM und<br />

gibt bei Erfolg eine Shell frei.<br />

Haken und Ösen<br />

Die Anmeldung und Authentifizierung<br />

via YubiKey hat Vor- und<br />

Nachteile. Implementieren Sie<br />

das oben beschriebene<br />

Verfahren,<br />

müssen<br />

sich fortan alle<br />

Benutzer, die sich<br />

per SSH auf das<br />

Zielsystem verbinden, mit einer<br />

2-Faktor-Autorisierung anmelden<br />

und sich dazu mit ihrem eigenen<br />

YubiKey ausweisen. Ist der<br />

Schlüssel nicht zur Hand oder<br />

ging verloren, können sie sich<br />

nicht mehr anmelden. Das Login<br />

klappt erst wieder, nachdem mit<br />

administrativer Hilfe der bestehende<br />

Schlüssel in der Datei authorized_yubikeys<br />

ausgetragen, ein<br />

Ersatzschlüssel ergänzt und dem<br />

Benutzer der neue YubiKey ausgehändigt<br />

wurde.<br />

Die Authentifizierung gelingt<br />

nur im Zusammenspiel mit einem<br />

Validierungsserver, in unserem<br />

Beispiel mit der YubiCloud. Wir<br />

haben diese hier gewählt, weil Sie<br />

dadurch sofort mit dem vorgestellten<br />

YubiKey experimentieren<br />

können. Bedenken Sie aber, dass<br />

es sich bei der YubiCloud um einen<br />

Dienst außerhalb Ihres Netzwerks<br />

handelt und daher zur erfolgreichen<br />

Anmeldung stets eine<br />

Internetverbindung vom Zielsystem<br />

aus dahin bestehen muss.<br />

Eigener Validierungsserver<br />

Als Administrator geben Sie freilich<br />

ungern die Validierung aus<br />

der Hand. Als eigene Lösungen<br />

für den Server kommt der in C<br />

geschriebene YubiServer ([7],[8])<br />

infrage, von dem alternative Implementierungen<br />

in Python [9],<br />

Java [10] und PHP [11] zur Verfügung<br />

stehen. Der YubiServer<br />

versteht sich als „simpler und<br />

leichtgewichtiger Validierungsserver<br />

für Yubico-OTP und<br />

HOTP/ OATH“ und bringt die<br />

Oberfläche Yubiserver-admin<br />

mit, mit deren Hilfe Sie Nutzer<br />

und deren Keys verwalten.<br />

LISTING 1<br />

$ cat /home/fho/.yubico/<br />

authorized_yubikeys<br />

fho:ccccccbavaev:vvkiknackeil<br />

Im Unternehmensumfeld ist die<br />

PHP-Variante die erste Wahl, die<br />

zusätzlich das HSM-Protokoll<br />

zum Hardware Key Storage Module<br />

YubiHSM [12] implementiert.<br />

Eine Authentifizierung via<br />

Radius (Modul YubiRadius [13])<br />

und die Anbindung an den freien<br />

Dienstleister OpenID [14] ergänzen<br />

die Palette.<br />

Fazit<br />

Mit dem YubiKey gelingt eine<br />

sinnvolle und sichere Erweiterung<br />

jedes Sicherheitskonzepts<br />

um eine 2-Faktor-Authentifizierung.<br />

Die geschilderten Beispiele<br />

zeigen recht anschaulich, an welchen<br />

Schrauben es zu drehen gilt.<br />

Passende Debian-Pakete und Tutorials<br />

stehen zum Einsatz bereit,<br />

was den Einstieg erleichtert. Das<br />

effektive Einrichten setzt jedoch<br />

ein Grundwissen rund um die<br />

Protokolle zur Authentifizierung<br />

voraus. (jlu) n<br />

INFO<br />

[1] YubiKey (Teil 1): Thomas Osterried,<br />

Frank Hofmann, „Ausbuchstabiert“,<br />

<strong>LinuxUser</strong> 09/ 2012, S. 18,<br />

http:// www. linux-community. de/ 25925<br />

[2] Debian-Paket yubikey-personalization:<br />

http:// packages. debian. org/ squeeze/<br />

yubikey-personalization<br />

[3] Debian-Paket yubikey-personalization-gui:<br />

http:// packages. debian. org/ wheezy/<br />

yubikey-personalization-gui<br />

[4] Github-Repository von Yubico:<br />

https:// github. com/ Yubico/<br />

[5] YubiCloud:<br />

http:// www. yubico. com/ yubicloud<br />

[6] Debian-Paket libyubikey: http:// packages.<br />

debian. org/ squeeze/ libyubikey0<br />

[7] YubiServer: http:// yubiserver. include. gr<br />

[8] YubiKey Validation Server (C):<br />

http:// err. no/ personal/ blog/ 2010/ Mar/ 16<br />

[9] YubiKey Validation Server (Python): http://<br />

code. google. com/ p/ yubico-yubiserve/<br />

[10] YubiKey Validation Server (Java):<br />

http:// code. google. com/ p/ yubikey-server-j<br />

[11] YubiKey Validation Server (PHP): http://<br />

code. google. com/ p/ yubikey-val-server-php/<br />

[12] Yubico HSM Module:<br />

http:// www. yubico. com/ YubiHSM<br />

[13] YubiRadius:<br />

http:// www. yubico. com/ yubiradius<br />

[14] OpenID: http:// openid. net<br />

72 10 | 12<br />

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Hdparm<br />

NETZ&SYSTEM<br />

© Amy Walters, 123RF<br />

Laufwerke abfragen und steuern mit Hdparm<br />

Platteninspektor<br />

Geht es um das Tuning der Festplatten-Performance, führt kein Weg an Hdparm vorbei.<br />

Daneben kann das kleine, aber praktische Tool jedoch noch viel mehr. Tim Schürmann<br />

Hdparm greift direkt auf das Laufwerk<br />

zu, weswegen sein Einsatz leicht zu<br />

Datenverlust und in extremen Fällen<br />

sogar zu einem defekten Datenträger<br />

führen kann. Zudem weist die Dokumentation<br />

viele Funktionen als experimentell<br />

oder gefährlich aus. Bevor Sie<br />

Der Kanadier Mark Lord entwickelte<br />

2005 das kleine Werkzeug<br />

Hdparm [1], um die Linux-Treiber<br />

für IDE-Festplatten zu testen. Im<br />

Lauf der Zeit entwickelte sich das<br />

Tool zu einem wertvollen Werkzeug<br />

für die Diagnose und das<br />

Einstellen von Laufwerken. So<br />

testet es unter anderem die Geschwindigkeit<br />

von Festplatten<br />

und Solid State Disks (SSDs), versetzt<br />

diese Geräte auf Wunsch in<br />

den Schlafmodus oder schaltet<br />

die Energiesparmodi ein und aus.<br />

Bei modernen Festplatten aktiviert<br />

es den sogenannten Akustikmodus,<br />

zudem räumt es auf<br />

SSDs auf. Vor den ersten Experimenten<br />

mit Hdparm lesen Sie einige<br />

Sicherheitshinweise zum<br />

Programm im Kasten Warnung!.<br />

Mitteilungsbedürfnis<br />

Alle halbwegs aktuellen Distributionen<br />

bringen Hdparm bereits in<br />

der Grundinstallation mit. Sie<br />

müssen lediglich ein Terminalfenster<br />

öffnen und als Administrator<br />

hdparm -I /dev/sda | more<br />

aufrufen (Abbildung A). Damit<br />

WARNUNG!<br />

mit dem Programm arbeiten, sollten<br />

Sie also immer ein Backup des kompletten<br />

Laufwerks anlegen. Setzen<br />

Sie zudem nur solche Funktionen ein,<br />

deren Bedeutung Sie verstehen. Verlag<br />

und Autor übernehmen keine Haftung<br />

für Schäden oder Datenverluste.<br />

liefert Ihnen das Tool sämtliche<br />

greifbaren Daten über das gewählte<br />

Laufwerk, hier die erste<br />

Festplatte sda. Das angehängte |<br />

more sorgt dafür, dass die durchaus<br />

zahlreichen Informationen<br />

nicht einfach ungesehen durch<br />

das Terminal rauschen.<br />

Als Gerät akzeptiert Hdparm jeden<br />

Massenspeicher, der an einer<br />

(E)IDE-, SATA- oder SAS-Schnittstelle<br />

hängt, also auch DVD-Laufwerke<br />

und SSDs. USB-auf-IDE-<br />

Adapter bereiten häufiger Probleme,<br />

weil diese die ATA- beziehungsweise<br />

ATAPI-Befehle nicht<br />

oder nur unvollständig an das<br />

Laufwerk weiterreichen.<br />

Die von Hdparm zurückgelieferten<br />

Informationen hängen vom<br />

jeweiligen Gerät ab. Stets vorhanden<br />

sind ganz am Anfang die Bezeichnung<br />

und Versionsnummer<br />

der Firmware (hinter Model Num-<br />

README<br />

Hdparm, das „Schweizer<br />

Messer“ für Festplatten,<br />

SSDs und sogar<br />

DVD-Laufwerke liefert<br />

wertvolle Informationen<br />

über die Geräte,<br />

misst deren Geschwindigkeit<br />

beim Lesen, ändert<br />

wichtige Laufwerkseinstellungen<br />

und kann<br />

sogar Solid State Disks<br />

sicher löschen.<br />

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10 | 12 73


NETZ&SYSTEM<br />

Hdparm<br />

A Hier listet<br />

Hdparm die Hardwareeigenschaften<br />

einer<br />

sechs Jahre alten<br />

Festplatte mit einer<br />

Kapazität von 320<br />

GByte auf.<br />

Hdparm liest die Daten immer<br />

vom Anfang des Datenträgers.<br />

Festplatten tendieren jedoch<br />

dazu, die Daten von den äußeren<br />

Bereichen der Magnetscheiben<br />

etwas langsamer zu liefern. Das<br />

Programm Hdparm erlaubt es<br />

deshalb ab Version 9.29, noch<br />

einen Offset anzugeben:<br />

# hdparm -t --direct --offset 50U<br />

0 /dev/sda<br />

B Diese SATA-Festplatte<br />

erreichte durchschnittliche<br />

Leseraten<br />

von 80,48 MByte/s.<br />

ber und Firmware Revision). Vor<br />

allem Besitzer einer SSD können<br />

so sehr schnell in Erfahrung bringen,<br />

ob sie die aktuellste Firmware-Version<br />

besitzen.<br />

Bei neueren Festplatten sollten<br />

Sie nachsehen, ob sich in der Rubrik<br />

Commands/ features das Native<br />

Command Queueing (NCQ) findet.<br />

Diese Technik ermöglicht es der<br />

Festplatte, die Anfragen des Systems<br />

so umzusortieren, dass der<br />

Schreibkopf möglichst kurze<br />

Wege zurücklegen muss. SSDs<br />

wiederum verteilen damit die<br />

Schreibzugriffe effizienter auf die<br />

Speicherblöcke. Im Idealfall führt<br />

dies zu einer Geschwindigkeitssteigerung.<br />

Sollte NCQ deaktiviert<br />

sein, dann prüfen Sie, ob im<br />

BIOS das Laufwerk im AHCI-Modus<br />

läuft. Dieser ist übrigens auch<br />

eine Voraussetzung für viele andere<br />

Funktionen, etwa das Energiemanagement.<br />

Wie schnell ein Laufwerk Daten<br />

liefert, verrät der Befehl hdparm -t<br />

/dev/sda. Nach ein paar Sekunden<br />

erscheint die Datentransferrate<br />

in MByte/ s. Das kleine Programm<br />

liest dazu ohne Rücksicht auf das<br />

Dateisystem eine Weile Daten direkt<br />

vom Laufwerk. Die ermittelte<br />

Geschwindigkeit fällt folglich<br />

etwas höher aus als in der Praxis.<br />

Um ein unverfälschtes Ergebnis<br />

zu erhalten, sollten während der<br />

Messung keine anderen Programme<br />

laufen und genügend freier<br />

Hauptspeicher zur Verfügung stehen.<br />

Wiederholen Sie zudem die<br />

Messung mindestens drei Mal,<br />

und ermitteln Sie den Durchschnittswert.<br />

Bei einem aktuellen<br />

Laufwerk sollte das Resultat mindestens<br />

80 MByte/ s erreichen<br />

(Abbildung B).<br />

Der Linux-Kernel legt die von<br />

der Festplatte geholten Daten in<br />

einem Pufferspeicher ab. Um die<br />

„nackte“ Laufwerksgeschwindigkeit<br />

zu ermitteln, nutzen Sie den<br />

Befehl hdparm -t --direct /dev/sda.<br />

Hdparm liest die Daten dann<br />

ohne Umwege von der Platte. Die<br />

Messwerte fallen um einiges geringer<br />

aus als ohne --direct, dafür<br />

sehen Sie die reine Übertragungsleistung<br />

der Platte (Abbildung C).<br />

Die Zahl steht für die Anzahl der<br />

zu überspringenden GByte. Bei<br />

einer 1 TByte großen Festplatte<br />

würde der obige Befehl folglich<br />

Daten von der Mitte der Festplatte<br />

liefern. Wie Abbildung C zeigt,<br />

bricht die Leserate in den äußeren<br />

Bereichen einer Festplatte<br />

normalerweise recht deutlich ein.<br />

Alle vorgestellten Geschwindigkeitstests<br />

geben nur erste Hinweise<br />

auf Probleme und Flaschenhälse.<br />

Für einen vollständigen<br />

Benchmark fehlt aber beispielsweise<br />

die Ermittlung der Schreibgeschwindigkeit.<br />

Tempo, tempo<br />

Einige Laufwerkseigenschaften<br />

lassen sich während des Betriebs<br />

verändern. So erlauben es die<br />

meisten Platten, das Powermanagement<br />

ein- und auszuschalten.<br />

Welche Funktionen Hdparm<br />

bei einer Festplatte ändern und<br />

aktivieren kann, zeigt die Ausgabe<br />

von hdparm -I /dev/sda im Bereich<br />

Commands/ features.<br />

Alle dort mit einem Sternchen<br />

versehenen Funktionen sind gerade<br />

im System aktiv, die übrigen<br />

kann Hdparm nutzen oder zumindest<br />

einschalten.<br />

Um die Datenübertragung zu<br />

beschleunigen, liest eine Festplatte<br />

in der Regel mehrere Sektoren<br />

gleichzeitig aus. Wie viele sie auf<br />

einmal anliefern kann, verrät hdparm<br />

-I /dev/sda hinter R/ W multiple<br />

sector transfer: Max =. Dieser<br />

Wert sollte auch in der gleichen<br />

Zeile hinter Current = stehen. Sofern<br />

dies nicht der Fall ist, setzen<br />

Sie die Anzahl mit dem Befehl<br />

74 10 | 12<br />

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Hdparm<br />

NETZ&SYSTEM<br />

hdparm -m16 /dev/sda hoch. Das<br />

weist die Festplatte an, immer 16<br />

Sektoren auf einmal zu liefern.<br />

Kurioserweise laufen einige<br />

Festplatten mit höheren Werten<br />

langsamer: Die Manpage von Hdparm<br />

nennt diesbezüglich vor allem<br />

ältere Caviar-Festplatten von<br />

Western Digital. In solch einem<br />

Fall sollten Sie die Anzahl der<br />

Sektoren wieder reduzieren oder<br />

sogar ganz abschalten, Letzteres<br />

geschieht per hdparm -m0 /dev/sda.<br />

Moderne Laufwerke können<br />

überdies ein paar Sektoren im Voraus<br />

von der Platte holen („read<br />

ahead“). Wie viele es sein sollen,<br />

bestimmen Sie mit dem Schalter<br />

-a, beispielsweise hdparm -a256<br />

/ dev/sda. In diesem Beispiel liest<br />

das Laufwerk diejenigen 256 Sektoren<br />

im Voraus, die wahrscheinlich<br />

als Nächstes angefordert werden.<br />

Höhere Werte beschleunigen<br />

vor allem das Lesen von größeren<br />

Dateien – allerdings zu dem Preis,<br />

dass das Lesen kleinerer dafür<br />

länger dauert. Die derzeit aktuelle<br />

Einstellung verrät der Befehl<br />

hdparm -a /dev/sda.<br />

Viele Laufwerke besitzen darüber<br />

hinaus noch einmal eine fest<br />

eingebaute, zusätzliche Read-<br />

Ahead-Funktion. Sie können daher<br />

in der Regel den bereits vorgegebenen<br />

Wert belassen.<br />

Wie schnell die Anfragen des<br />

Betriebssystems zum Festplatten-Controller<br />

gelangen, zeigt der<br />

Befehl hdparm -c /dev/sda. Der<br />

Wert sollte auf 32-bit stehen. Sie<br />

erzwingen das optional mit dem<br />

Schalter -c3.<br />

Volle Pulle<br />

Viele moderne Festplatten erlauben<br />

es, die Bewegungen des<br />

Schreibkopfes zu verlangsamen.<br />

Dadurch sinken zwar die Zugriffszeiten,<br />

im Gegenzug sinkt<br />

jedoch auch die Lautstärke. Ob<br />

die eigene Festplatte diesen<br />

„Akustikmodus“ anbietet, verrät<br />

hdparm -M /dev/sda. Folgt hinter<br />

dem Gleichheitszeichen eine Zahl<br />

wie in Abbildung D, folgende Seite,<br />

lässt sich das Laufwerk mit<br />

dem Befehl hdparm -M 128 /dev/sda<br />

in einen leisen Modus schalten.<br />

Die Höchstgeschwindigkeit erreichen<br />

Sie mit hdparm -M 254 /dev/<br />

sda. Erlaubt sind auch Werte zwischen<br />

128 und 254, die dann einen<br />

Kompromiss zwischen Lautstärke<br />

und Geschwindigkeit ergeben.<br />

Neben dem Laufwerk muss<br />

übrigens auch der Linux-Kernel<br />

das Akustikmanagement unterstützen<br />

– das sollte jedoch bei allen<br />

aktuellen großen Distributionen<br />

der Fall sein.<br />

Manche CD- und DVD-Laufwerke<br />

erweisen sich als wahre Turbinen:<br />

Ihre hohen Drehzahlen stören<br />

vor allem beim Audio- und Video-Genuss.<br />

Für Ruhe sorgt der<br />

Befehl hdparm -E 4 /dev/sr0. Der<br />

Parameter 4 gibt die Geschwindigkeit<br />

vor, /dev/sr0 das DVD-Laufwerk.<br />

Das Beispiel bremst das<br />

Laufwerk auf die neunfache Lesegeschwindigkeit.<br />

Write-Back-Caching<br />

Beim sogenannten Write-Back-<br />

Caching merkt sich die Festplatte<br />

zu schreibende Daten zunächst in<br />

einem Zwischenspeicher. Auf diese<br />

Weise nimmt sie die Daten wesentlich<br />

schneller an, was die<br />

Schreibrate verbessert. Ob Write-<br />

Back-Caching aktiviert ist, verrät<br />

der Befehl hdparm -W /dev/sda. Hinter<br />

dem Gleichheitszeichen sollte<br />

eine Eins stehen. Andernfalls aktivieren<br />

Sie die Funktion mit dem<br />

Schalter -W1.<br />

Sperrt sich Hdparm gegen diese<br />

Änderung, dann prüfen Sie, ob im<br />

BIOS das Write-Back-Caching aktiviert<br />

ist. Allerdings empfiehlt<br />

sich diese Funktion nicht in allen<br />

Lebenslagen: Bei einem Stromausfall<br />

gehen die Daten im Zwischenspeicher<br />

unwiederbringlich<br />

verloren. Läuft auf dem System<br />

ein Programm, bei dem es auf Datensicherheit<br />

ankommt, wie etwa<br />

eine Datenbank, sollten Sie deshalb<br />

den Write-Back-Cache mit<br />

dem Schalter -W0 abschalten. Die<br />

Dokumentation der Datenbank<br />

PostgreSQL empfiehlt das sogar<br />

ausdrücklich.<br />

Hat eine Festplatte oder SSD eine<br />

Weile nichts zu tun, versetzt sie<br />

sich automatisch in den Schlafmodus.<br />

Diese Stromsparfunktion<br />

beeinflussen Sie mit dem Parameter<br />

-B. So bewirkt ein hdparm -B255<br />

/dev/sda ein Deaktivieren des<br />

Energiemanagements, was aber<br />

nicht alle Laufwerke gestatten.<br />

Anstelle von 255 sind auch Werte<br />

von 1 bis 254 erlaubt. Ein höherer<br />

Wert kostet mehr Strom,<br />

verspricht aber auch eine höhere<br />

Leistungsbereitschaft beziehungsweise<br />

Geschwindigkeit.<br />

Werte zwischen 1 und 128 erlauben<br />

das Abschalten des Laufwerks,<br />

solche von 129 bis 254<br />

verbieten es. Am meisten Strom<br />

sparen Sie mit dem Wert 1, den<br />

höchsten Datendurchsatz (I/ O-<br />

Performance) erhalten Sie mit<br />

254. Den aktuellen Wert ermitteln<br />

Sie per hdparm -B /dev/sda.<br />

Unter Strom<br />

Die genauen Auswirkungen der<br />

jeweiligen Werte hängen vom<br />

Laufwerk ab. Sie sollten jedoch<br />

im Hinterkopf behalten, dass<br />

Desktop-Festplatten nicht beliebig<br />

viele Ein- und Ausschaltvorgänge<br />

verkraften: Die Festplatte<br />

muss dabei den Schreibkopf immer<br />

wieder in die Parkposition<br />

bringen, was wiederum den Verschleiß<br />

erhöht. Folglich sollten<br />

Sie die Festplatte nicht alle zwei<br />

Sekunden wieder aufwecken –<br />

was zudem immer etwas dauert.<br />

Nach wie vielen Sekunden der<br />

Untätigkeit sich die Festplatte in<br />

den Ruhezustand begeben soll, legen<br />

Sie mit dem Schalter hdparm -S<br />

128 /dev/sda fest. Hier handelt es<br />

sich nicht etwa um eine Angabe<br />

in Sekunden, sondern um einen<br />

Wert zwischen 1 und 253. Diesen<br />

Wert multipliziert die Festplatte<br />

mit einem weiteren. Die im Bei-<br />

C Ohne Pufferspeicher<br />

bricht die Übertragungsrate<br />

drastisch<br />

ein. In der Mitte der<br />

320 GByte großen<br />

Festplatte sind weitere<br />

Einbußen zu verzeichnen.<br />

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10 | 12 75


NETZ&SYSTEM<br />

Hdparm<br />

D Hier steht das Read-<br />

Ahead auf 256, das<br />

Akustikmanagement<br />

ist entsprechend derzeit<br />

noch deaktiviert.<br />

spiel gewählte<br />

128 liegt zwischen<br />

1 und<br />

240, wofür die<br />

Platte den Multiplikationsfaktor<br />

5 verwendet.<br />

Folglich würde sie sich nach<br />

640 Sekunden Untätigkeit in den<br />

Schlafmodus begeben.<br />

Ab 241 erhöht sich der Multiplikator<br />

stetig. Bei 251 hat sich die<br />

Wartezeit so auf 5,5 Stunden erhöht.<br />

Bei 253 gibt sie der Festplattenhersteller<br />

vor, in der Regel<br />

mit zwischen 8 und 12 Stunden.<br />

Der Wert 254 bleibt reserviert,<br />

bei der 255 wartet die Festplatte<br />

21 Minuten und 15 Sekunden.<br />

Ein Wert von Null deaktiviert den<br />

Schlafmodus komplett.<br />

Um die Festplatte sofort in den<br />

Ruhezustand zu versetzen, tippen<br />

Sie hdparm -y /dev/sda. Mit<br />

großem Y schläft die Platte noch<br />

etwas tiefer ein. Je nach Laufwerk<br />

kommt es vor, dass das<br />

Laufwerk aus dem letztgenannten<br />

Zustand erst nach einem Reset<br />

des kompletten Systems wieder<br />

aufwacht.<br />

Aufräumarbeiten<br />

Unabhängig vom Betriebssystem<br />

führen SSDs selbst Buch über die<br />

Speicherorte der angelieferten<br />

Daten. Das führt mitunter zu der<br />

kuriosen Situation, dass eine Datei<br />

zwar eigentlich gelöscht ist,<br />

die SSD den von ihr belegten<br />

Speicher aber weiterhin als belegt<br />

auffasst. Um solche Konflikte<br />

aufzuheben, liegt neueren Versionen<br />

von Hdparm das Skript wiper.sh<br />

bei. Es ermittelt alle nicht<br />

mehr benutzten beziehungsweise<br />

belegten Blöcke und teilt diese<br />

der SSD mit. Der Aufruf lautet<br />

wiper.sh /dev/sda.<br />

Allerdings gilt es, das Skript mit<br />

Vorsicht zu genießen: Die Dokumentation<br />

warnt ausdrücklich<br />

vor möglichen Datenverlusten,<br />

vom Einsatz mit dem Dateisystem<br />

Btrfs rät sie sogar komplett<br />

ab. Laufwerke mit Ext2/ 3/ 4, Reiser3<br />

und XFS gilt es zuvor nur lesend<br />

einzuhängen. Am besten<br />

hängen Sie das Laufwerk komplett<br />

aus oder starten wiper.sh<br />

von einem Live-System aus. Zudem<br />

sollten Sie unbedingt vorher<br />

ein Backup der SSD anfertigen<br />

und das Skript nur im Notfall einsetzen.<br />

Aufgrund der Gefährlichkeit<br />

liegt es übrigens in einigen<br />

Distributionen gar nicht erst bei.<br />

Sicher löschen<br />

Um höhere Transferraten zu erzielen<br />

und die Speicherchips<br />

gleichmäßig auszulasten, nutzen<br />

SSDs zusätzliche, reservierte<br />

Speicherbereiche („Wear-Leveling“).<br />

Dies hat zur Folge, dass ein<br />

einfaches Formatieren nur selten<br />

die komplette SSD löscht. Die<br />

meisten SSDs bieten deshalb eine<br />

Secure Erase genannte Funktion,<br />

bei der das Laufwerk selbst sämtliche<br />

Speicherzellen leert. Das erweist<br />

sich unter anderem dann<br />

als nützlich, wenn Sie die SSD<br />

einmal verkaufen möchten.<br />

Allerdings gibt es zwei Stolperfallen:<br />

Hdparm kann Secure Erase<br />

nur dann auslösen, wenn das<br />

BIOS dies auch erlaubt. Darüber<br />

hinaus gilt das Verfahren (noch)<br />

als experimentell – die Dokumentation<br />

des Tools warnt ausdrücklich<br />

vor dem Einsatz. Secure Erase<br />

macht im schlimmsten Fall die<br />

komplette SSD unbrauchbar.<br />

Passwort zurücksetzen<br />

Möchten Sie die Löschfunktion<br />

dennoch nutzen, rufen Sie vorab<br />

hdparm -I /dev/sdb auf. Im Bereich<br />

Security muss jetzt die Zeile supported:<br />

enhanced erase auftauchen,<br />

andernfalls unterstützt die SSD<br />

kein Secure Erase. Als Nächstes<br />

schalten Sie die Sicherheitsfunktionen<br />

des Laufwerks ein, indem<br />

Sie (vorübergehend) ein Passwort<br />

wie etwa 123456 setzen:<br />

# hdparm --user-master u --securU<br />

ity-set-pass 123456 /dev/sdb<br />

Rufen Sie nun erneut hdparm -I<br />

/ dev/sdb auf, erscheint im Bereich<br />

Security die Zeile enabled. Jetzt<br />

löschen Sie die Solid State Disk<br />

mittels folgendem Befehl:<br />

# hdparm --user-master u --securU<br />

ity-erase 123456 /dev/sdb<br />

Dabei entfernt Hdparm gleichzeitig<br />

auch wieder das Passwort. Der<br />

gesamte Vorgang dauert je nach<br />

SSD-Größe einige Minuten, in denen<br />

keine Rückmeldungen erfolgen.<br />

Rufen Sie anschließend hdparm<br />

-I /dev/sda auf, sollte der Bereich<br />

Security wieder wie vor dem<br />

Setzen des Passworts aussehen.<br />

Altlasten<br />

Bei älteren Festplatten mit IDE-<br />

Anschluss (auch als PATA bezeichnet)<br />

sollten Sie in der Ausgabe<br />

von hdparm /dev/hda einen Blick<br />

auf die Zeile using_dma werfen.<br />

Das DMA steht für Direct Memory<br />

Access: Mithilfe dieser Technik<br />

befördert die Festplatte die Daten<br />

eigenständig und direkt in den<br />

Hauptspeicher. Steht das entsprechende<br />

Flag auf 0 (off), bremst<br />

das die Datenübertragung. Im<br />

Laufe der Jahre wurden immer<br />

schnellere DMA-Standards eingeführt,<br />

den jeweils schnellstmöglichen<br />

aktiviert der Befehl hdparm<br />

-d1 /dev/hda.<br />

Auf einigen sehr alten Systemen<br />

bereitet der DMA-Modus allerdings<br />

Probleme. Sie sollten daher<br />

nach dem Aktivieren testweise<br />

ein paar größere Daten von und<br />

auf das Laufwerk kopieren. Bei<br />

Problemen oder Abstürzen deaktivieren<br />

Sie den DMA-Modus per<br />

hdparm -d0 /dev/hda wieder. Moderne<br />

SATA-Platten nutzen übrigens<br />

immer DMA.<br />

Bleibende Werte<br />

Bis die Festplatte die angeforderten<br />

Daten übertragen hat, kann<br />

das restliche System weiteren Arbeiten<br />

nachgehen – allerdings nur<br />

dann, wenn in der Ausgabe von<br />

hdparm /dev/sda hinter unmaskirq<br />

ein on steht. Sie erzwingen diesen<br />

Modus mit dem Schalter -u1.<br />

Nach einem Neustart des Systems<br />

gehen alle mit Hdparm vor-<br />

76 10 | 12<br />

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Hdparm<br />

NETZ&SYSTEM<br />

genommenen Einstellungen verloren.<br />

Um diese dauerhaft zu aktivieren,<br />

tragen Sie den entsprechenden<br />

Hdparm-Befehl in die<br />

Startskripte ein. Das genaue Vorgehen<br />

hängt von der verwendeten<br />

Distribution ab, meist ist aber<br />

ein Eintrag in der Datei /etc/rc.<br />

local notwendig.<br />

Sonderweg Debian<br />

Auf Debian basierende Systeme<br />

werten hingegen beim Systemstart<br />

die Konfigurationsdatei<br />

/ etc/ hdparm.conf aus. Dort steht<br />

für jede Festplatte ein eigener Abschnitt<br />

der Form:<br />

/dev/sda {<br />

...<br />

}<br />

Moderne Linux-Systeme vergeben<br />

die Gerätenamen (sda, sdb)<br />

zufällig. Wenn die Hdparm-Einstellungen<br />

fest einem Laufwerk<br />

zuordnen möchten, müssen Sie<br />

die eindeutige UUID verwenden,<br />

wie etwa:<br />

/dev/disk/by-id/ata-SAMSUNG_HD10U<br />

3SJ_S246J1RZB00034 {<br />

...<br />

}<br />

In jedem Fall gehören zwischen<br />

die geschweiften Klammern die<br />

Einstellungen. Jeder Kommandozeilenparameter<br />

des Programms<br />

besitzt dabei einen eigenen Namen.<br />

Das Akustikmanagement<br />

setzt beispielsweise acoustic_management<br />

= auf den Wert 128.<br />

Welcher Name hier zu welchem<br />

Hdparm-Parameter gehört, das<br />

verraten die Kommentare am Anfang<br />

der Datei.<br />

Fazit<br />

Hdparm kennt noch viele weitere<br />

Parameter, die allerdings häufig<br />

recht gefährlich sind. So lassen<br />

sich etwa viele SSDs mit einem<br />

Passwort schützen, was aber unter<br />

Umständen zu Datenverlust<br />

führt. Die Manpage (man hdparm)<br />

warnt daher nicht umsonst vor<br />

den Gefahren.<br />

Das Programm Hdparm ist übrigens<br />

nur ein nützliches Werkzeug<br />

unter vielen: So ermitteln beispielsweise<br />

die Smartmontools<br />

den Gesundheitszustand einer<br />

Festplatte [2]. Besitzer einer SSD<br />

finden unter [3] weitere Tipps,<br />

um die Leistung des Laufwerks zu<br />

optimieren. (tle) n<br />

INFO<br />

[1] Hdparm: http:// hdparm. sourceforge. net<br />

[2] Integrität gespeicherter Daten sicherstellen:<br />

Thomas Leichtenstern,<br />

„Schau genau!“, LU 08/ 2010, S. 74,<br />

http:// www. linux-community. de/ 21374<br />

[3] Solid State Disks optimal einstellen:<br />

Ferdinand Thommes, „Alte Mythen“,<br />

<strong>LinuxUser</strong> 07/ 2011, S. 72,<br />

http:// www. linux-community. de/ 23617<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 77


NETZ&SYSTEM<br />

Powertop 2<br />

Energiesparen mit Powertop 2.0<br />

Stromdiebe entlarvt<br />

Das von Intel entwickelte Powertop hilft beim Stromsparen. In der neuen Version 2.0 kommt es<br />

auch mit GPUs zurecht und bietet erweiterte Tracking-Funktionen. Thomas Drilling<br />

Powertop 2.0<br />

LU/powertop/<br />

README<br />

Das von Intel entwickelte<br />

Powertop hilft in<br />

Version 2.0 noch besser<br />

beim Stromsparen.<br />

Galt es bei älteren Versionen<br />

noch, auf die<br />

passende Kombination<br />

von CPU und Kernel zu<br />

achten, ist das bei der<br />

aktuellen obsolet.<br />

Powertop setzt einen<br />

Kernel ab Version<br />

2.6.36 voraus. Das Tool<br />

kommt jetzt mit GPUs<br />

zurecht und bietet erweiterte<br />

Tracking- sowie<br />

Reporting-Funktionen.<br />

Wer Linux auf einem Notebook<br />

nutzt, stellt im Vergleich zu einer<br />

auf dem gleichen Gerät installierten<br />

Windows-Version möglicherweise<br />

fest, dass der Akku unter<br />

Windows länger durchhält. Das<br />

legt den Schluss nahe, dass Linux<br />

nicht optimal von den Funktionen<br />

zum Stromsparen wie etwa<br />

der CPU Gebrauch macht.<br />

Das Problem tritt umso häufiger<br />

auf, je älter der Laptop oder die<br />

verwendete Distribution ist. Mitunter<br />

hilft ein mühevolles und in<br />

der Regel schlecht zu systematisierendes<br />

Tuning, die Probleme in<br />

den Griff<br />

zu bekommen.<br />

Einfacher<br />

ist es<br />

© Sellingpix, 123RF<br />

hingegen, die Vorschläge eines<br />

Experten zu Rate zu ziehen, der<br />

in diesen Fragen die Fähigkeiten<br />

moderner CPUs und des Kernels<br />

einbezieht. So ein Experte ist das<br />

von Intels Open Source Division<br />

entwickelte Powertop [1].<br />

Powertop<br />

Das Tool stammt aus den Labors<br />

von Intel und eignete sich ursprünglich<br />

nur dazu, den Stromverbrauch<br />

der eigenen CPUs zu<br />

messen und Vorschläge zum Optimieren<br />

zu unterbreiten. Seit<br />

2007 steht Powertop unter der<br />

GPLv2 zum freien Download bereit<br />

und unterstützt neben<br />

Intel-CPUs auch AMD-,<br />

ARM- und UltraSP-<br />

ARC-Prozessoren.<br />

Ursprünglich zeigte Powertop nur<br />

den aktuellen und geschätzten<br />

Langzeit-Verbrauch der aktiven<br />

Prozesse an. Damit ließen sich<br />

beispielsweise Programme ermitteln,<br />

die den Prozessor und die<br />

Festplatte unnötigerweise aus<br />

dem Schlaf holen. Im Laufe der<br />

Zeit haben immer mehr Anwender<br />

Powertop eingesetzt. Intel hat<br />

deren Wünschen entsprochen<br />

und zusätzliche Funktionen implementiert.<br />

Das führte jedoch<br />

über die Zeit dazu, dass die Code-<br />

Basis sich stetig vergrößerte, was<br />

wiederum den Hauptentwickler<br />

Arjan van de Ven dazu veranlasste,<br />

das Tool weitgehend<br />

neu zu schreiben.<br />

Ein weiterer Grund<br />

für die Neuimplementation<br />

lag allerdings<br />

darin, dass moderne<br />

Distributionen die<br />

meisten Funktionen<br />

zum Stromsparen<br />

heute automatisch<br />

nutzen.<br />

Der Fokus des Programms<br />

liegt daher<br />

heute eher auf der<br />

Systemdiagnose,<br />

obwohl das Programm<br />

nach wie<br />

vor mehr vermag<br />

und unter anderem<br />

Vorschläge<br />

zum Stromsparen<br />

unterbreitet.<br />

Eine erste Beta-Version<br />

von<br />

Powertop 2<br />

stand bereits<br />

78<br />

www.linux-user.de


Powertop 2<br />

NETZ&SYSTEM<br />

seit Anfang dieses Jahres zum<br />

Testen bereit. Seit Anfang Mai<br />

bietet das Projekt die finale Version<br />

2.0 offiziell zum Download<br />

an [2]. Inzwischen liefern fast alle<br />

Distributionen die Software mit.<br />

Installation<br />

In den Repositories von Ubuntu<br />

12.04 finden Sie wahlweise die<br />

Beta-Version 1.97, die bereits die<br />

Codebasis von Powertop 2 nutzt,<br />

und die stabile Version 1.13 der<br />

alten Serie 1.0. Beide installieren<br />

Sie via Synaptic oder apt-get install<br />

powertop, beziehungsweise<br />

apt-get install powertop-1.13 für<br />

die ältere Version. Jedoch sollten<br />

Sie dem aktuelleren Programm<br />

den Vorzug geben. Legen Sie Wert<br />

auf die brandaktuelle Version,<br />

kompilieren Sie Powertop aus den<br />

Quellen. Dazu entpacken Sie zuerst<br />

das Archiv mittels<br />

$ tar -xfzv powertop-2.0.tar.bz2<br />

Als Abhängigkeiten fordert<br />

Power top curses-base, curses-bin<br />

beziehungsweise libcurses5 sowie<br />

automake und autoconf und dhautoreconf.<br />

Diese installieren Sie<br />

über Ihren Paketmanager. Anschließend<br />

wechseln Sie ins Verzeichnis<br />

der entpackten Quellen<br />

und geben die Befehle aus Listing<br />

1 ein.<br />

Powertop 2 ermittelt wie der<br />

Vorgänger das CPU-Modell sowie<br />

Moderne Prozessoren bieten die Möglichkeit,<br />

mithilfe spezieller Register,<br />

sogenannter Performance Counter,<br />

bestimmte Ereignisse in der Hardware<br />

in Echtzeit zu überwachen. Dabei<br />

spielt das Subsystem Performance<br />

Counter (Perf) eine wichtige Rolle. Es<br />

abstrahiert im Linux-Kernel die Fähigkeiten<br />

aktueller CPUs zur Diagnose<br />

der Hardware. Das gleichnamige Programm<br />

Perf stellt die Schnittstelle im<br />

Userspace zum Subsystem bereit.<br />

Powertop 2 arbeitet nun mit der Bibliothek<br />

Libparseevents zusammen, die<br />

es ermöglicht, Daten aus der Perf-Infrastruktur<br />

zu verarbeiten. Das ist ein<br />

wichtiger Schritt, denn die so gewonnenen<br />

Informationen sollen laut Intel<br />

$ sudo ./autogen.sh<br />

$ sudo ./configure<br />

$ sudo ./make<br />

$ sudo ./make install<br />

LISTING 1<br />

PERFORMANCE-COUNTER-SUBSYSTEM<br />

wesentlich exakter sein, als bei<br />

früheren Versionen. Ein nicht zu unterschätzender<br />

Nebeneffekt des Zusammenspiels<br />

besteht darin, dass ein<br />

Anpassen von Powertop an die Kernel-<br />

Entwicklung leichter fällt.<br />

Da Powertop das Tool Perf für die Diagnose<br />

heranzieht, profitiert die Software<br />

so von den erheblich erweiterten<br />

Tracing- und Performance-Monitoring-<br />

Fähigkeiten neuerer Linux-Kernel. Allerdings<br />

setzt das zwingend einen Kernel<br />

ab Version 2.6.36 voraus, da erst<br />

diese die von Perf benötigte Infrastruktur<br />

bereitstellen. Möchten Sie<br />

das Tool Perf direkt nutzen, etwa in<br />

der Form perf stat, installieren Sie<br />

die Pakete linux-tools oder linux-base.<br />

sonstige Geräte<br />

und Software,<br />

und zeigt eine<br />

ungefähre Leistungsaufnahme<br />

mithilfe der<br />

ACPI-Informationen<br />

über den<br />

Verbrauch an.<br />

Daneben nutzt<br />

die aktuelle Version<br />

jetzt das<br />

Kernel-Subsystem<br />

Perf zum<br />

Auslesen von Informationen<br />

über die Hardware<br />

(siehe Kasten Performance-Counter-Subsystem).<br />

Neu in Version 2.0 von Powertop<br />

sind die Tracking-Funktionen,<br />

mit deren Hilfe das Tool ermittelt,<br />

welche Komponenten<br />

hinsichtlich des Verbrauches<br />

prob lematisch erscheinen. Dabei<br />

schließt die Software Messungen<br />

an der GPU mit ein, wenn der<br />

Kernel diese Daten liefert. Zu diesem<br />

Zweck bringt es neue Treiber<br />

mit, etwa den i915-Treiber für<br />

Intel-Chipsätze und -CPUs.<br />

Die Applikation ist jetzt in der<br />

Lage, mehrere WLAN-Schnittstellen<br />

abzufragen und Hot-Plugging-USB<br />

in Echtzeit zu messen.<br />

Darüber hinaus verbesserten die<br />

Entwickler das Auslesen der Daten<br />

von Notebook-Akkus. Die<br />

zweite große Verbesserung des<br />

Programms bezieht sich auf die<br />

Fähigkeit zum Erstellen von Reports:<br />

Powertop generiert jetzt<br />

beispielsweise Berichte im<br />

HTML- und demnächst (je nach<br />

Version) im CSV-Format.<br />

Bedienkonzept<br />

Die dritte große Block an neuen<br />

Funktionen gegenüber der Vorgängerversion<br />

besteht in der<br />

komplett überarbeiteten Ncurses-<br />

Oberfläche, die die Informatio-<br />

A Die erste Seite der<br />

neuen Oberfläche zeigt<br />

eine grobe Übersicht<br />

darüber, mit welchen<br />

Programmen und Aufgaben<br />

sich die CPU gerade<br />

beschäftigt.<br />

C-STATES<br />

Die ACPI-Spezifikation definiert vier Betriebszustände, nämlich<br />

die des gesamten Systems (S-States), des Prozessors (P- und C-<br />

States) und sonstiger Komponenten (D-States). Je höher die Ziffer<br />

der Zustände, desto sparsamer arbeiten die Komponenten.<br />

Allerdings benötigen diese dann eine längere Zeit, um den Normalzustand<br />

wiederherzustellen.<br />

Die Processor Performance States (P-States) und die Processor<br />

Operating States beziehen sich auf die Fähigkeit moderner CPUs,<br />

je nach Auslastung des Prozessors, zwischen den verschiedenen<br />

Frequenzen und Spannungen zu wechseln, was ausschlaggebend<br />

für die Mechanismen des Prozessors zum Stromsparen ist.<br />

Befindet sich der Prozessor (oder einzelne Kerne) im Leerlauf,<br />

drosseln moderne CPUs von selbst die Leistungsaufnahme oder<br />

versetzen einen Teil der Kerne in den Energiesparmodus. Je<br />

nach Dauer des Leerlaufs schaltet die CPU dabei nach und nach<br />

in immer tiefere Idle-Zustände, die durch aufsteigende Nummern<br />

gekennzeichnet sind.<br />

In den C-States C3 und C6 trennt die CPU ganze Bereiche des<br />

Kerns von der Versorgungsspannung, was erheblich Strom spart<br />

und zu den zentralen Bestandteilen von Intels Turbo-Boost-Konzept<br />

gehört. Wie viele und welche der bei Intel aktuell neun C-<br />

States ein Prozessor unterstützt, hängt von dessen Alter ab. Ältere<br />

Single-Core-Prozessoren besitzen beispielsweise nur vier C-<br />

States. Darüber hinaus gibt es noch Unterschiede zwischen den<br />

Herstellern bei der Implementation der C-States.<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 79


NETZ&SYSTEM<br />

Powertop 2<br />

B Die Seite Untätig -<br />

keits statistik zeigt detaillierte<br />

Informationen<br />

zu den Schlafzeiten<br />

in den Prozessorkernen.<br />

C Das Register<br />

Tunables ermöglicht<br />

es, interaktiv Empfehlungen<br />

von Powertop<br />

zu übernehmen. Allerdings<br />

verwirft das System<br />

diese Änderungen<br />

nach einem Neustart.<br />

nen jetzt auf fünf Tabs verteilt.<br />

So listet Overview (Übersicht) alle<br />

aktivierten Prozesse nach Leistungsaufnahme<br />

sortiert auf (Abbildung<br />

A, vorherige Seite). Der<br />

Tab Idle Stats (Geräte im Leerlauf)<br />

liefert Informationen zum<br />

Einsatz der CPU beziehungsweise<br />

der Verweildauer in den C-States<br />

(siehe Kasten C-States). Oben im<br />

Fenster zeigt Powertop an, wie<br />

lange die CPU in einem C-State<br />

verweilt, was es ermöglicht, abzuschätzen,<br />

wie sich etwa eine geänderte<br />

Option für den Kernel auswirkt.<br />

Das Register Frequency<br />

Stats (Frequenz) widmet sich dagegen<br />

der CPU-Last. Der Tab Device<br />

Stats (Statistiken der Geräte)<br />

listet die Leistungsaufnahme der<br />

einzelnen Komponenten auf, wobei<br />

Sie hier sehen, ob es sich im<br />

Einzelfall um einen Prozess oder<br />

ein Gerät (Treiber) handelt. Der<br />

letzte Tab Tunables (Einstellmöglichkeiten)<br />

zeigt Werte, um die<br />

Energieaufnahme der verbauten<br />

Hardware zu optimieren. Dieser<br />

Teil von Powertop bezieht seine<br />

Informationen aus dem virtuellen<br />

Dateisystem Sysfs. Aktuelle Distributionen<br />

nutzen heute die<br />

meisten Stromsparfunktionen<br />

automatisch, weshalb sich der<br />

Schwerpunkt der Nutzung von<br />

Powertop 2.0 Richtung Diagnose<br />

verschiebt. Starten Sie Powertop<br />

2.0 zum ersten Mal, hat sich auf<br />

den ersten Blick nicht viel zur<br />

Vorgängerversion geändert. Auch<br />

dieses Release zeigt nach dem<br />

Start zunächst im Tab Overview<br />

einen Überblick darüber, welche<br />

Programme die CPU gerade wie<br />

oft in Anspruch nehmen, was<br />

letztendlich die Zeit verkürzt, in<br />

der die CPU in Strom sparenden<br />

Schlafzustand verweilen könnte.<br />

Oberhalb der Prozessliste steht<br />

die gesamte Arbeitslast des Prozessors.<br />

Daneben und damit neu<br />

bei der Version 2.0 ist eine Anzeige,<br />

wie häufig der Grafikchip<br />

(GPU) im letzten Messabschnitt<br />

seine Arbeitskraft beisteuern<br />

musste (im Bild 0,0 GPU) und<br />

wie oft das Virtual File Systems<br />

VFS die Datenträger angesprochen<br />

hat. Die Rubrik<br />

Idle stats (Untätigkeits)<br />

liefert detaillierte<br />

Informationen zu den<br />

Schlafzeiten (C-States)<br />

der verschiedenen Prozessorkerne<br />

(Abbildung<br />

B).<br />

Das nächste Register<br />

Frequency stats zeigt Ihnen,<br />

wie oft welche Taktfrequenzen<br />

anliegen oder<br />

wie häufig (prozentual)<br />

die CPU gegebenenfalls<br />

in den Turbo-Boost-Frequenzen<br />

schaltet. Unter<br />

Device stats finden Sie einen<br />

Überblick der Aktivität<br />

der einzelnen Geräte.<br />

Bei Geräten, die keine<br />

Stromspartechniken unterstützen<br />

beziehungsweise nutzen,<br />

steht immer 100 Prozent.<br />

Interaktiv<br />

Neben der reinen Diagnose enthält<br />

das letzte Register Tunables<br />

(Einstellmöglichkeiten) Regler,<br />

über die Sie Stromsparfunktionen<br />

ein- oder ausschalten. Das Umschalten<br />

eines Status von Bad auf<br />

Good und umgekehrt erfolgt über<br />

[Eingabe] (Abbildung C). Allerdings<br />

verrät Intel nicht, was<br />

Power top im Einzelnen macht. Abgesehen<br />

davon gehen die Einstellungen<br />

beim Neustart verloren.<br />

Im Übrigen verrät die Datei<br />

README im Verzeichnis der entpackten<br />

Quellen von Powertop<br />

noch einige Besonderheiten und<br />

Parameter. So starten Sie etwa<br />

durch den Aufruf von powertop<br />

--calibrate die Kalibrierung der<br />

Energieschätzung. Das erhöht die<br />

Zuverlässigkeit der angezeigten<br />

Werte, weil die Software nun<br />

etwa den Einfluss von Display-<br />

Helligkeit oder der USB-Aktivität<br />

in die Messung einbezieht.<br />

Um von den neuen Report-<br />

Funktionen Gebrauch zu machen,<br />

verwenden Sie den Parameter<br />

--html, der einen HTML-Report<br />

im Home-Verzeichnis ablegt. Den<br />

versprochenen CSV-Report ermöglichte<br />

die im Test verwendete<br />

Beta-Version 1.97 noch nicht.<br />

Fazit<br />

Da die meisten Distributionen inzwischen<br />

viele Möglichkeiten<br />

zum Stromsparen automatisch<br />

nutzen, hat sich der Wert von<br />

Powertop in den vergangenen<br />

zwei bis drei Jahren relativiert.<br />

Sind ältere Distributionen im<br />

Einsatz, lohnt sich der Griff zu<br />

Powertop allemal. Darüber hi naus<br />

aktiviert nicht jeder Distributor<br />

alle Funktionen zum Senken des<br />

Verbrauchs. (tle) n<br />

[1] Powertop: https:// 01. org/ powertop<br />

[2] Download: https:// 01. org/ powertop/<br />

downloads/ 2012/ powertop-v2. 0<br />

INFO<br />

80 10 | 12<br />

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KNOW-HOW<br />

Quellcode-Repositories<br />

© stefanovicigor, 123RF<br />

CTAN, CPAN, Pear & Co.: Paketverwaltungen für Quellcode<br />

Sprudelnde Quellen<br />

Einige Software-Pakete und Programmiersprachen bringen abseits der bekannten Systeme<br />

DEB, RPM und Co. ihre eigene, komfortable Paketverwaltung mit. Wolfgang Dautermann<br />

README<br />

Für Programmiersprachen<br />

wie Perl und PHP<br />

und für Software wie<br />

das Textsatzsystem<br />

LaTeX gibt es sehr viel<br />

mehr Pakete, als eine<br />

typische Distribution<br />

mitbringt. Die Perlen<br />

der jeweiligen Programmierkunst<br />

lagern in eigenen<br />

Repositories,<br />

über die sie sich komfortabel<br />

nutzen lassen.<br />

Aktuelle Distributionen machen<br />

es einem sehr einfach, Software<br />

einzurichten und auch sauber<br />

wieder zu entsorgen. Die Distributoren<br />

verpacken Programme in<br />

RPM- oder DEB-Pakete, und es<br />

gibt zentrale Repositories, aus denen<br />

man Software bequem nachinstallieren<br />

kann. Abhängigkeiten<br />

werden dabei automatisch aufgelöst<br />

und auch Security-Updates<br />

(für eine gewisse Frist) vom Distributor<br />

gepflegt. Eine feine Sache,<br />

die unter anderem auch dafür<br />

sorgt, dass Linuxer Viren probleme<br />

nur aus Unterhaltungen mit<br />

Windows-Nutzern kennen.<br />

Die Distributoren treffen beim<br />

Paketieren von Software eine Vorauswahl,<br />

die möglichst viele Anwender<br />

ansprechen soll. Freilich<br />

CPAN-PLUS: WICHTIGE BEFEHLE<br />

Befehl<br />

Funktion<br />

cpanp m Modul suche Modul<br />

cpanp a Autor suche Module des Autors Autor<br />

cpanp i Modul installiere oder aktualisiere Modul<br />

cpanp u Modul deinstalliere Modul<br />

cpanp o finde veraltete Module<br />

können Sie nicht jede frei verfügbare<br />

Software paketieren – ihre<br />

Zeit- und Festplattenressourcen<br />

sind begrenzt. Das jeweils neueste<br />

Release der Distribution soll ja<br />

auch zu einem gewissen Termin<br />

erscheinen, neue Software-Projekte<br />

und Programmversionen erscheinen<br />

dagegen täglich.<br />

Insbesondere für Programmiersprachen<br />

wie Perl und PHP, aber<br />

auch für Software wie das Textsatzsystem<br />

LaTeX gibt es sehr viel<br />

mehr Pakete, als eine typische<br />

Distribution mitbringen könnte.<br />

Die Perlen der jeweiligen Programmierkunst<br />

lagern in eigenen<br />

Repositories, über die sie sich<br />

komfortabel nutzen lassen.<br />

Perl-Module<br />

Die Programmiersprache Perl genießt<br />

unter anderem wegen ihrer<br />

umfangreichen Modulsammlung<br />

hohe Akzeptanz. Mit dem Befehl<br />

use Mein::Lieblingsmodul<br />

verwenden Sie solche Module<br />

problemlos in eigenen Programmen.<br />

Die Perl-Sammlung finden<br />

Sie auf CPAN [1], dem seit Oktober<br />

1995 aktiven Comprehensive<br />

Perl Archive Network, dessen<br />

Motto: „You can never have too<br />

many Perl modules“ lautet.<br />

Dieses Motto ist wohl nicht so<br />

falsch: Zu Redaktionsschluss dieser<br />

Ausgabe umfasste das CPAN<br />

laut eigener Statistik mehr als<br />

100 000 Perl-Module in knapp<br />

25 000 „Distributionen“, geschrieben<br />

von fast 10 000 Autoren<br />

und auf rund 300 Servern gespiegelt.<br />

Bis Sie diese Zeilen lesen,<br />

sind sicher wieder einige<br />

neue Module dazugekommen.<br />

Vergleicht man diese Zahlen mit<br />

der Anzahl der Pakete, die beispielsweise<br />

OpenSuse 12.1 standardmäßig<br />

paketiert – eine grobe<br />

Schätzung liefert das Kommando<br />

zypper search perl- | wc -l – so<br />

findet man lediglich 634 RPM-Pakete,<br />

deren Namen mit perl- beginnt,<br />

die also wohl Perl-Module<br />

enthalten.<br />

Für Perl-Entwickler stellt Open-<br />

Suse ein eigenes Repository namens<br />

devel:languages:perl bereit<br />

82 10 | 12<br />

www.linux-user.de


Quellcode-Repositories<br />

KNOW-HOW<br />

A OpenSuse bietet ein eigenes Perl-Repository.<br />

B Der praktische Perl Package Manager von Activestate.<br />

(Abbildung A), das etwa 2 200<br />

Pakete umfasst. Zwar kann ein<br />

RPM-Paket durchaus mehrere<br />

Perl-Module enthalten, aber<br />

trotzdem sieht man deutlich, dass<br />

OpenSuse bei Weitem nicht alle<br />

Module paketiert. In anderen<br />

Distributionen dürfte das Verhältnis<br />

ähnlich ausfallen.<br />

Um die Vielfalt des CPAN für Sie<br />

selbst zu nutzen, greifen Sie am<br />

besten zu einem der drei gängigen<br />

Paketmanager für Perl-Module:<br />

cpan, cpanm (CPAN-Minus) und<br />

cpanp (CPAN-Plus).<br />

Im Folgenden beschreiben wir<br />

die Verwendung von Cpanp, dessen<br />

wichtigste Befehle die Tabelle<br />

CPAN-Plus: Wichtige Befehle aufführt.<br />

Zwei Beispiele zur Funktion<br />

von CPAN-Plus – die Installation<br />

und Deinstallation des Moduls<br />

Archive::Tar, mit dem Sie Tarballs<br />

bearbeiten – zeigt Listing 1.<br />

Rufen Sie CPAN-Plus ohne Optionen<br />

auf, gelangen Sie in eine<br />

Shell, wo Sie anschließend beispielsweise<br />

mit dem Befehl i<br />

Archive::Tar das gewünschte Modul<br />

installieren. h zeigt einen Hilfetext,<br />

mit q verlassen Sie die<br />

CPAN-Plus-Shell wieder. Auch<br />

wenn ein Aufruf von cpanp o viele<br />

Module zeigt, von denen es neuere<br />

Versionen gibt, ist es nicht<br />

zwangsläufig ratsam, sofort alle<br />

zu aktualisieren. Einerseits: Never<br />

change a running system –<br />

warum sollten Sie etwas ändern,<br />

wenn ohnehin alles funktioniert,<br />

und Sie neue Features (und neue<br />

Bugs) gar nicht brauchen? Andererseits<br />

kommen Sie damit möglicherweise<br />

dem System-Perl (das<br />

über RPM, DEB oder sonstwie bei<br />

der Installation eingerichtet wurde)<br />

in die Quere: Dann können<br />

Sie eventuell Module, die Sie über<br />

das Distributionspaketmanagement<br />

installiert haben, nicht<br />

mehr sauber aktualisieren oder<br />

deinstallieren.<br />

Um solche Problemchen zu vermeiden,<br />

bietet es sich gegebenenfalls<br />

an, Perl von der Projekt-<br />

Webseite [2] herunterzuladen<br />

und aus dem Quellcode eine zweite<br />

Perl-Installation einzurichten –<br />

etwa unter /opt/perl. So umgehen<br />

Sie Schwierigkeiten mit der<br />

System installation der Distribution.<br />

Damit steht eigenen Experimenten<br />

mit den aktuellsten Versionen<br />

der neuesten Module über<br />

die selbst installierte Version in<br />

/ opt/perl nichts mehr im Weg.<br />

Dazu rufen Sie danach das selbst<br />

installierte Perl mit /opt/perl/bin/<br />

perl auf, Cpanp über /opt/perl/<br />

bin/cpanp. Auf diese Weise verhindern<br />

Sie auf elegante Weise , dass<br />

neuere Versionen von Modulen<br />

eventuell inkompatible Änderungen<br />

einführen und damit Probleme<br />

durch einen Versionskonflikt<br />

im System verursachen. Die Firma<br />

Activestate [3] stellt eine bi-<br />

# cpanp i Archive::Tar<br />

Installing Archive::Tar (1.84)<br />

...<br />

Result: PASS<br />

*** Install log written to:<br />

/root/.cpanplus/install-logs/<br />

Archive-Tar-1.84-1336416866.log<br />

Module 'Archive::Tar' installed successfully<br />

No errors installing all modules<br />

# cpanp u Archive::Tar<br />

This will uninstall the following modules:<br />

Archive::Tar<br />

Note that if you installed them via a package manager,<br />

you probably<br />

should use the same package manager to uninstall them<br />

Are you sure you want to continue? [y/N]: y<br />

Uninstalling 'Archive::Tar'<br />

Module 'Archive::Tar' uninstalled successfully<br />

All modules uninstalled successfully<br />

LISTING 1<br />

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10 | 12 83


KNOW-HOW<br />

Quellcode-Repositories<br />

C Das Installationsmenü<br />

von TeX Live bietet<br />

zahlreiche Optionen.<br />

GLOSSAR<br />

Pear: Das Kürzel steht<br />

für PHP Extension and<br />

Application Repository.<br />

Daneben gibt es für<br />

PHP auch noch PECL,<br />

die PHP Extension Community<br />

Library.<br />

näre Distribution von Perl (und<br />

auch anderen Programmiersprachen)<br />

zur Verfügung, die es auch<br />

als Community-Edition gibt. Diese<br />

Perl-Distribution bringt zusätzlich<br />

einen komfortablen grafischen<br />

Modul-Manager mit, den<br />

Perl Package Manager ppm. Mit<br />

ihm installieren Sie komfortabel<br />

Module, die dann allerdings nicht<br />

wie gewohnt direkt von CPAN<br />

kommen, sondern vielmehr als<br />

PPMs von der Activestate-Site<br />

(Abbildung B, vorherige Seite).<br />

PEAR: WICHTIGE BEFEHLE<br />

Befehl<br />

Funktion<br />

pear help<br />

Hilfetext anzeigen<br />

pear search Paket suche Paket<br />

pear install Paket installiere Paket<br />

pear upgrade Paket aktualisiere Paket<br />

pear upgrade<br />

aktualisiere alle Pakete<br />

pear uninstall Paket deinstalliere Paket<br />

LISTING 2<br />

$ wget http://mirror.ctan.org/systems/texlive/tlnet/<br />

install-tl-unx.tar.gz<br />

$ tar xvf install-tl-unx.tar.gz<br />

$ cd install-tl-Version<br />

$./install-tl -gui=perltk<br />

LISTING 3<br />

octave:1> pkg install -forge strings<br />

For information about changes from previous versions of<br />

the strings package, run 'news ("strings")'.<br />

Pear – Extensions für PHP<br />

Auch für die Programmiersprache<br />

PHP gibt es eine Menge Erweiterungsmodule,<br />

die sich über den<br />

eigenen Paketmanager pear installieren<br />

lassen. Haben Sie PHP ab<br />

Version 4.3.0 installiert, steht in<br />

der Regel Pear bereit. Die wichtigsten<br />

Befehle finden Sie in der<br />

Tabelle Pear: Wichtige Befehle.<br />

Pear [4] bietet zusätzlich zu den<br />

Hauptmodulen auch noch diverse<br />

alternative Channels an, über die<br />

Sie bei Bedarf weitere Module installieren,<br />

vergleichbar beispielsweise<br />

mit weiteren Software-<br />

Repositories in OpenSuse.<br />

Pakete bei TeX Live<br />

Das Textsatzsystem TeX richten<br />

Sie üblicherweise über das Standard-Paketmanagement<br />

der Distribution<br />

ein – mit genau den Optionen,<br />

die der Distributor dafür<br />

ausgewählt hat. Die TeX-Distribution<br />

TeX Live [5], die Standard-<br />

TeX-Distribution unter Linux, liefert<br />

einen umfangreichen Paketmanager<br />

mit, dieser wird bei den<br />

RPM/ DEB-Paketen aber in der<br />

Regel nicht mitgeliefert. Daher<br />

lohnt es sich, TeX selbst über das<br />

Web einzurichten (Listing 2).<br />

Das Installationsskript install-tl<br />

offeriert normalerweise<br />

nur eine Textoberfläche, die Option<br />

-gui=perltk startet die grafische<br />

Installation. Im Installationsbildschirm<br />

(Abbildung C)<br />

wählen Sie ein Installationsschema<br />

aus, das die einzurichtenden<br />

Pakete festlegt, sowie ein Hauptinstallationsverzeichnis.<br />

Für Installationsorte<br />

wie /usr/local benötigen<br />

Sie Root-Rechte, Sie können<br />

TeX damit aber auch beispielsweise<br />

in Ihr Home-Verzeichnis<br />

installieren. Abschließend klicken<br />

Sie auf Install TeX Live.<br />

Der Installer lädt die Pakete nun<br />

über das Netz und richtet die<br />

TeX-Distribution im gewünschten<br />

Verzeichnis ein. In der Vorgabe<br />

landen die Binaries dann (zumindest<br />

auf 64-Bit-Systemen) unter<br />

/ usr/local/texlive/2011/bin/<br />

x86_64-linux. Sie ergänzen in der<br />

Bash noch den Suchpfad um dieses<br />

Verzeichnis (oder lassen mit<br />

der Option Create Symlinks in System<br />

directories TeX beispielsweise<br />

in /usr/local/bin Links selbst setzen),<br />

und das frisch installierte<br />

TeX Live ist einsatzfähig.<br />

Den Paketmanager von TeX Live<br />

starten Sie mit dem Kommando<br />

tlmgr --gui im grafischen Modus<br />

(Abbildung D). Hier wählen Sie<br />

bequem über ein Menü einzelne<br />

Pakete oder auch ganze Schemas<br />

zur Installation oder Deinstallation<br />

aus und aktualisieren Pakete.<br />

Auch die Optionen, die Sie bei der<br />

Grundinstallation ausgewählt haben,<br />

passen Sie gegebenenfalls<br />

mithilfe von Tlmgr an.<br />

Octave-Forge<br />

Das Mathematikprogramm GNU<br />

Octave [6] glänzt durch weitgehende<br />

Kompatibilität zum kom-<br />

INFO<br />

[1] CPAN: http:// www. cpan. org<br />

[2] Perl-Source: http:// www. perl. org/ get. html<br />

[3] Activestate Perl:<br />

http:// www. activestate. com<br />

[4] PHP PEAR: http:// pear. php. net<br />

[5] TeX Live: http:// www. tug. org/ texlive/<br />

[6] GNU Octave:<br />

http:// www. gnu. org/ software/ octave/<br />

[7] Octave-Forge:<br />

http:// octave. sourceforge. net<br />

84 10 | 12<br />

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Quellcode-Repositories<br />

KNOW-HOW<br />

merziellen Matlab. Auch für<br />

Octave gibt es eine Sammlung an<br />

zusätzlichen Paketen, die Sie über<br />

einen eigenen Paketmanager<br />

nachinstallieren können: Octave-<br />

Forge. Eine Übersicht über die zusätzlichen<br />

Pakete finden Sie auf<br />

der Octave-Forge-Webseite [7].<br />

Der Octave-Befehl pkg dient zur<br />

Paketadministration, seine wichtigsten<br />

Optionen zeigt die Tabelle<br />

Pkg: Wichtige Befehle. Um etwa<br />

das Paket strings einzurichten, geben<br />

Sie den Befehl aus Listing 3<br />

ein. Im Erfolgsfall liefert er nur<br />

eine schmallippige Meldung.<br />

Tauchen dagegen zahlreiche<br />

Meldungen auf, wie in Listing 4,<br />

ist etwas schiefgegangen. Um das<br />

Paket zu kompilieren, benötigt<br />

Octave die Datei hdf5.h, und diese<br />

wurde nicht gefunden (Zeile 10).<br />

In so einem Fall benötigt man oft<br />

etwas Fantasie, um herauszufinden,<br />

wo es hapert. In diesem Fall<br />

fehlte das Paket hdf5-devel (also<br />

die Header-Dateien zur Bibliothek<br />

hdf5), das Sie nachinstallieren<br />

müssen.<br />

LISTING 4<br />

01 octave:1> pkg install -forge strings<br />

02 In file included from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

ov.h:43:0,<br />

03 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

oct-obj.h:34,<br />

04 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

ov-fcn.h:32,<br />

05 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

ov-builtin.h:28,<br />

06 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

defun-int.h:28,<br />

07 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

defun-dld.h:30,<br />

08 from /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/<br />

oct.h:36,<br />

09 from pcregexp.cc:24:<br />

10 /usr/include/octave-3.6.1/octave/../octave/oct-hdf5.h:27:18: fatal<br />

error: hdf5.h: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden<br />

11 compilation terminated.<br />

12 make: *** [pcregexp.oct] Fehler 1<br />

13 'make' returned the following error: make: Entering directory `/<br />

tmp/oct-iUl5nt/strings/src'<br />

14 mkoctfile -Wall pcregexp.cc<br />

15 make: Leaving directory `/tmp/oct-iUl5nt/strings/src'<br />

16 error: called from `pkg>configure_make' in file /usr/share/<br />

octave/3.6.1/m/pkg/pkg.m near line 1385, column 9<br />

17 error: called from:<br />

18 error: /usr/share/octave/3.6.1/m/pkg/pkg.m at line 827, column 5<br />

19 error: /usr/share/octave/3.6.1/m/pkg/pkg.m at line 383, column 9<br />

Verwenden Sie selbst nachinstallierte<br />

Module und Pakete, gilt es<br />

gut aufzupassen, sobald man etwas<br />

über das Distributionspaketmanagement<br />

deinstalliert: Die<br />

händisch eingerichteten Module<br />

benötigen zwar oft diverse Bibliotheken<br />

und Programme, die entsprechenden<br />

Abhängigkeiten sind<br />

jedoch nicht in der RPM- oder<br />

Dpkg-Datenbank registriert. Es<br />

entfällt also im Falle einer Deinstallation<br />

von RPM/ DEB-Paketen<br />

jede Warnung, dass dadurch möglicherweise<br />

eine Abhängigkeit<br />

verletzt wird.<br />

Fazit<br />

Viele Software-Projekte bieten<br />

eingebaute Erweiterungsmöglichkeiten,<br />

die der Distributor häufig<br />

nicht alle paketieren und zur Verfügung<br />

stellen kann. Ähnliche<br />

Mechanismen für Erweiterungsmodule<br />

wie die vorgestellten gibt<br />

es für die populären Skriptsprachen<br />

Python (pip, easy_install)<br />

und Ruby (RubyGems).<br />

Der Einsatz solcher projektspezifischen<br />

Zusatzpakete kann viel<br />

Programmierarbeit ersparen und<br />

Anwendungen komfortabler machen.<br />

Sie müssen aufpassen, dass<br />

sich das software- und das distributionseigene<br />

Paketmanagement<br />

nicht ins Gehege kommen. Im<br />

Gegenzug erhalten Sie leistungsfähigere<br />

Software, als sie der Distributor<br />

je liefern könnte. (jlu) n<br />

Befehl<br />

help pkg<br />

pkg install Paket.tar.gz<br />

pkg install -forge Modul<br />

pkg uninstall Paket<br />

pkg update<br />

pkg list<br />

pkg describe Paket<br />

pkg describe all<br />

D Der komfortable<br />

grafische Paketmanager<br />

von TeX Live.<br />

TIPP<br />

Falls Sie bereits eine<br />

TeX-Instanz über das<br />

Paketmanagement<br />

der Distribution eingerichtet<br />

haben,<br />

könnte es sein, dass<br />

diese im Suchpfad<br />

vor der selbst installierten<br />

Variante gefunden<br />

wird.<br />

DER AUTOR<br />

Der Systemadministrator<br />

Wolfgang Dautermann<br />

hat neben<br />

vielen Linux-Varianten<br />

auch schon diverse<br />

andere Unix-Systeme<br />

gebändigt, darunter<br />

Solaris, Irix und<br />

Tru64. Er zählt zu den<br />

Organisatoren der<br />

Grazer Linux-Tage.<br />

PKG: WICHTIGE BEFEHLE<br />

Funktion<br />

Hilfetext ausgeben<br />

bereits heruntergeladenes Paket<br />

installieren<br />

Paket Modul direkt von Octave-<br />

Forge installieren.<br />

Paket deinstallieren<br />

Update aller Pakete<br />

zeige installierte Pakete<br />

beschreibe Paket<br />

beschreibe alle Pakete<br />

www.linux-user.de<br />

10 | 12 85


SERVICE<br />

IT-Profimarkt<br />

PROFI<br />

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Linux-Systeme sowie kompetente Ansprechpartner<br />

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Netzwerk/TK sowie Schulung/Beratung.<br />

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D-81739 München<br />

Tel: +49 (0) 89 / 99 34 11-23<br />

Fax: +49 (0) 89 / 99 34 11-99<br />

E-Mail: anzeigen@linux-user.de<br />

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Schlittermann internet & unix support 01099 Dresden, Tannenstr. 2 0351-802998-1 www.schlittermann.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

imunixx GmbH UNIX consultants 01468 Moritzburg, Heinrich-Heine-Str. 4 0351-83975-0 www.imunixx.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Heinlein Professional Linux Support GmbH 10119 Berlin, Schwedter Straße 8/ 9b 030-405051-0 www.heinlein-support.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

TUXMAN Computer 10369 Berlin, Anton-Saefkow-Platz 8 030-97609773 www.tuxman.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Hostserver GmbH 10405 Berlin, Winsstraße 70 030-47375550 www.hostserver.de ✓<br />

Compaso GmbH 10439 Berlin, Driesener Strasse 23 030-3269330 www.compaso.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

elego Software Solutions GmbH 13355 Berlin, Gustav-Meyer-Allee 25 030-2345869-6 www.elegosoft.com ✓ ✓ ✓ ✓<br />

verion GmbH 16244 Altenhof, Unter den Buchen 22 e 033363-4610-0 www.verion.de ✓ ✓ ✓<br />

Logic Way GmbH 19061 Schwerin, Hagenower Str. 73 0385-39934-48 www.logicway.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Sybuca GmbH 20459 Hamburg, Herrengraben 26 040-27863190 www.sybuca.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

iTechnology GmbH 22083 Hamburg, Osterbekstrasse 90b 0)40 20 22 62 10 www.itechnology.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

JEL Ingenieurbuero 23911 Einhaus, Hauptstr. 7 04541-8911-71 www.jeltimer.de ✓<br />

beitco - Behrens IT-Consulting 26197 Ahlhorn, Lessingstr. 27 04435-9537330-0 www.beitco.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

talicom GmbH 30169 Hannover, Calenberger Esplanade 3 0511-123599-0 www.talicom.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

teuto.net Netzdienste GmbH 33602 Bielefeld, Niedenstr. 26 0521-96686-0 www.teuto.net ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

MarcanT GmbH 33602 Bielefeld, Ravensberger Str. 10 G 0521-95945-0 www.marcant.net ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Hostserver GmbH 35037 Marburg, Biegenstr. 20 06421-175175-0 www.hostserver.de ✓<br />

LINET Services GmbH 38122 Braunschweig, Am alten Bahnhof 4b 0531-180508-0 www.linet-services.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

OpenIT GmbH 40599 Düsseldorf, In der Steele 33a-41 0211-239577-0 www.OpenIT.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Linux-Systeme GmbH 45277 Essen, Langenbergerstr. 179 0201-298830 www.linux-systeme.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Linuxhotel GmbH 45279 Essen, Antonienallee 1 0201-8536-600 www.linuxhotel.de ✓<br />

OpenSource Training Ralf Spenneberg 48565 Steinfurt, Am Bahnhof 3-5 02552-638755 www.opensource-training.de ✓<br />

Intevation GmbH 49074 Osnabrück, Neuer Graben 17 0541-33508-30 osnabrueck.intevation.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Sigs Datacom GmbH 53842 Troisdorf, Lindlaustraße 2c 02241-2341-201 sigs-datacom.de ✓<br />

uib gmbh 55118 Mainz, Bonifaziusplatz 1b 06131-27561-0 www.uib.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

LISA GmbH 55411 Bingen, Elisenhöhe 47 06721-49960 www.lisa-gmbh.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

saveIP GmbH 64283 Darmstadt, Schleiermacherstr. 23 06151-666266 www.saveip.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

LAMARC EDV-Schulungen u. Beratung GmbH 65193 Wiesbaden, Sonnenberger Straße 14 0611-260023 www.lamarc.com ✓ ✓ ✓ ✓<br />

ORDIX AG 65205 Wiesbaden, Kreuzberger Ring 13 0611-77840-00 www.ordix.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

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www.linux-user.de


IT-Profimarkt<br />

SERVICE<br />

IT-PROFIMARKT (FORTSETZUNG VON S. 88)<br />

Firma Anschrift Telefon Web 1 2 3 4 5 6<br />

LinuxHaus Stuttgart 70565 Stuttgart, Hessenwiesenstrasse 10 0711-2851905 www.linuxhaus.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Manfred Heubach EDV und Kommunikation 73728 Esslingen, Hindenburgstr. 47 0711-4904930 www.heubach-edv.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Waldmann EDV Systeme + Service 74321 Bietigheim-Bissingen, Pleidelsheimer Str. 25 07142-21516 www.waldmann-edv.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

in-put Das Linux-Systemhaus 76133 Karlsruhe, Moltkestr. 49 0721-6803288-0 www.in-put.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Bodenseo 78224 Singen, Pomeziastr. 9 07731-1476120 www.bodenseo.de ✓ ✓ ✓<br />

Linux Information Systems AG 81739 München, Putzbrunnerstr. 71 089-993412-0 www.linux-ag.com ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

LinuxLand International GmbH 81739 München, Putzbrunnerstr. 71 089-99341441 www.linuxland.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Synergy Systems GmbH 81829 München, Konrad-Zuse-Platz 8 089-89080500 www.synergysystems.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

B1 Systems GmbH 85088 Vohburg, Osterfeldstrasse 7 08457-931096 www.b1-systems.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

ATIX AG 85716 Unterschleißheim, Einsteinstr. 10 089-4523538-0 www.atix.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

OSTC Open Source Training and Consulting GmbH 90425 Nürnberg, Waldemar-Klink-Str. 10 0911-3474544 www.ostc.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Dipl.-Ing. Christoph Stockmayer GmbH 90571 Schwaig, Dreihöhenstr. 1 0911-505241 www.stockmayer.de ✓ ✓ ✓<br />

pascom - Netzwerktechnik GmbH & Co.KG 94469 Deggendorf, Berger Str. 42 0991-270060 www.pascom.net ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

fidu.de IT KG 95448 Bayreuth, Ritter-v.-Eitzenb.-Str. 19 09208-657638 www.linux-onlineshop.de ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Computersysteme Gmeiner 95643 Tirschenreuth, Fischerhüttenweg 4 09631-7000-0 www.gmeiner.de ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

RealStuff Informatik AG CH-3007 Bern, Chutzenstrasse 24 0041-31-3824444 www.realstuff.ch ✓ ✓ ✓<br />

CATATEC CH-3013 Bern, Dammweg 43 0041-31-3302630 www.catatec.ch ✓ ✓ ✓<br />

Syscon Systemberatungs AG CH-8003 Zürich, Zweierstrasse 129 0041-44-4542010 www.syscon.ch ✓ ✓ ✓ ✓ ✓<br />

Würth Phoenix GmbH IT-39100 Bozen, Kravoglstraße 4 +39 0471 56 41 11 www.wuerth-phoenix.com ✓ ✓ ✓ ✓<br />

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SERVICE<br />

10 | 12<br />

90<br />

Usergroups<br />

Aachen<br />

AachenerLinux-Usergroup<br />

(ALUG)<br />

http://www.alug.de<br />

Aachen<br />

Computer-ClubanderRWTH<br />

Aachene.V.(CCAC)<br />

http://www.ccac.rwth-aachen.<br />

de<br />

Ahaus<br />

Linux-UsergroupAhaus(LUGAH)<br />

http://www.lugah.de<br />

Ahlen/Westfalen<br />

LUGAhlen<br />

http://linuxahlen.li.funpic.de/<br />

Ahrtal<br />

Linux-UsergroupAhrtal(Ahrlug)<br />

http://www.ahrlug.de<br />

Aichach<br />

Linux-UsergroupAichach<br />

http://www.lug-aichach.de<br />

Allershausen<br />

Linux-UsergroupAmpertal<br />

(LUGA)<br />

http://www.luga.net<br />

Altdorf/<br />

Nürnberg<br />

GNU/<strong>LinuxUser</strong>GroupAltdorf<br />

(GLUGA)<br />

http://www.gluga.de<br />

Amberg<br />

Open-Source-Stammtisch<br />

Amberg(amTuxTisch)<br />

http://www.amtuxtisch.de/<br />

Ansbach<br />

Linux-UsergroupAnsbach<br />

(LUGAN)<br />

http://www.lug-an.de<br />

Aschaffenburg<br />

Linux-UsergroupAschaffenburg<br />

(LUGAB)<br />

http://www.lugab.de<br />

Augsburg<br />

Linux-UsergroupAugsburg<br />

(LUGA)<br />

http://www.luga.de<br />

Backnang<br />

Linux-UsergroupBacknang<br />

http://www.lug-bk.de<br />

BadBrückenau<br />

Linux-UsergroupBadBrückenau<br />

BrunoZehe@web.de<br />

BadDriburg<br />

Linux-UsergroupBadDriburg<br />

http://www.bdpeng.de.vu<br />

BadHersfeld<br />

Linux-UsergroupHersfeld<br />

http://www.lugh.de<br />

BadWildungen<br />

Linux-UsergroupBadWildungen<br />

http://linuxheaven.cjb.net<br />

Bamberg<br />

Linux-UsergroupBamberg<br />

(GLUGBA)<br />

http://www.lug-bamberg.de<br />

Basel(CH)<br />

Linux-UsergroupBasel(BLUG)<br />

http://www.blug.ch<br />

Bautzen<br />

Linux-UsergroupBautzen<br />