Schulzeitung Frühling/ Sommer 2013 - Freie Interkulturelle ...

fiw.mannheim.de
  • Keine Tags gefunden...

Schulzeitung Frühling/ Sommer 2013 - Freie Interkulturelle ...

Schulzeitung

Ausgabe Herbst/Winter 201 3


EDITORIAL

Liebe Schulgemeinschaft,

das Schuljahr hat mit einem großen Ereignis begonnen,

das von großer Bedeutung für unsere Schule war.

Bereits am dritten Tag nach den Sommerferien fanden

sich Schüler/innen, Eltern, Kollegen/innen sowie

Förder/innen und Gäste aus Politik und Gesellschaft in

der Freien Interkulturellen Waldorfschule ein, um das 1 0-

jährige Bestehen der Bildungseinrichtung in der

Mannheimer Neckarstadt zu feiern.

Die Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim hat

sich mit ihrer Gründung am 11 . September 2003 zum Ziel

gesetzt, Lebens- und Begegnungsräume zwischen

Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft,

Nationalität und Religion zu schaffen. Doch die

Gründung der Schule in einem Stadtteil, in dem große

sprachliche und soziale Integrationsprobleme herrschen,

galt als eine gewagte Initiative. So richtig glauben wollte

niemand, dass es der Schule tatsächlich gelingen würde,

sich an diesem Standort zu halten – groß waren die

pädagogischen, sozialen und finanziellen

Herausforderungen. Es ist dem Willen und der Flexibilität

des internationalen Schulkollegiums, dem Vertrauen von

privaten Stiftungen und der Würdigung durch die

Kommunalpolitik und dem Vertrauen der Eltern unserer

Schule zu verdanken, dass sich die Ganztags- und

Gesamtschule mit ihrem modellhaften Charakter zu einer

namhaften Bildungseinrichtung mit großer Signalwirkung

über die Landesgrenzen hinaus entwickelt hat.

Durch die Gründung der Freien Interkulturellen

Waldorfschule Mannheim ist in der Waldorf-

Schulbewegung eine Debatte über die Bedeutung des

interkulturellen Ansatzes in der Waldorf-pädagogik

entstanden. Seither sind viele Menschen nach

Mannheim gereist, um sich ein Bild von der

pädagogischen Arbeit in der Neckarstadt zu machen. Die

Pionierschule hat mit ihrem interkulturellen Profil den

zentralen Gründungs-impuls zu weiteren interkulturellen

Initiativen bundesweit gegeben, bisher ist es aber nur in

Mannheim gelungen. Ich wünsche unserer

Schulgemeinschaft nun, dass uns die Visionen dieser

Schule auch in Zukunft leiten und inspirieren werden.

Gunhild Daecke

für das Redaktionsteam


INHALT

Neue Kolleginnen und Kollegen stellen sich vor

Alexander Rogowski 4

Jean-Robert Manseau 4

Hannah Martin 5

Zeynap Solak 5

Sabine Reul 6

Maria Laus 6

Mathis Heidger 7

Aus der Schule

Geschichten - Das Geheimnis von Schattenfels 7

Der Ring - Theateraufführung der 11 . Klasse 9

Die Alhambra, über den Dächern Granadas - Klassenreise der 1 2. Klasse 1 0

Zu neuen Ufern - Die Abschlüsse der 1 2. Klasse 1 2

Traubenlese im Herbst 1 3

Die Oberstufe wandelt auf politischen Wegen 1 4

Kooperationsprojekte

Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim kooperiert mit

Hochschule der Wirtschaft für Management 1 6

Besondere Anlässe

Politisches

...weil wir kein deutsch konnten! 1 7

BAKTAT-Bildungsbrücke spendet Lebensmittel 1 7

Rumänische Waldorfschule für Roma-Minderheit zu Besuch 1 8

KIWANIS-Club Mannheim-Ludwigshafen spendet 4.000 Euro für eine

gezielte Deutschförderung 1 9

Freiwilligendienste mit Erlebnispädagogik 20

Zuschusserhöhung für freie Schulen steht bevor 22

Impressum 22


NEUE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN STELLEN SICH VOR Seite 4

Alexander Rogowski

Mein Name ist Alexander Rogowski. Ich bin 48 Jahre alt

und unterrichte an unserer Schule die Fächer Deutsch,

Deutsch als Vertiefungsfach und Geschichte in den

Klassen 7 bis 1 2. Ich lebe in Heidelberg und bin Vater

von zwei Söhnen.

Aufgewachsen bin ich in Karlsruhe und Heidenheim, wo

ich 1 985 das Abitur machte. Nach der Schule arbeitete

ich zwanzig Monate als Zivildienstleistender an der

Uniklinik Freiburg. Danach studierte ich Alte Sprachen,

Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Geschichte

in Tübingen und München. Bevor ich meine

pädagogische Zusatzausbildung an der Akademie für

Waldorfpädagogik in Mannheim absolvierte, war ich in

München viele Jahre in der Medienbranche als

Kameraassistent, Kameramann und Produktionsleiter

tätig.

Unsere Schule ist eine junge Schule, in der es auch im

elften Jahr ihres Bestehens noch viele

Herausforderungen zu meistern gilt. Das ist normal,

denn eine Schule ist ein lebendiges Wesen, das niemals

fertig ist, sondern sich stets in einem Prozess der

Entwicklung und des Wachstums befindet. Ich wünsche

mir, dass ich zum Gelingen dieses Prozesses beitragen

kann.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den

Schülern, den Kollegen und den Eltern dieser Schule

und hoffe, dass wir aus unserer Schule einen inspirierten

Lern- und Lebensraum schaffen, in dem Wissenserwerb,

handwerklich-künstlerische Arbeit und soziales

Engagement gleichermaßen ihren Platz haben werden.

Das ist ein hoher Anspruch, dem wir nicht immer

genügen können, den wir aber nicht aus den Augen

verlieren dürfen. Denn wie heißt es doch so schön: Nicht

für die Schule lernen wir, sondern fürs Leben.

Jean-Robert Manseau

Als ich mir im letzten Winter die Homepage der Freien

Interkulturellen Waldorfschule Mannheim angeschaut

habe, las ich die Stellenausschreibung für einen

Französischlehrer mit großem Interesse. Die berufliche

Perspektive, als Lehrer in der Interkulturellen Waldorfschule

zu arbeiten, sprach mich besonders an.

Ich komme ursprünglich aus der schönen Stadt Montréal

im Bundesland Québec im Osten Kanadas. Vor 1 6

Jahren bin ich während meines Studiums nach München

gekommen und seitdem glücklich in Deutschland geblieben.

Seit sieben Jahren lebe ich mit meiner Familie in

Mannheim. Die Stadt ist uns ans Herz gewachsen.

An der Universität von Montréal habe ich Geschichte und

Germanistik studiert und meine Masterarbeit über das

Thema „Golo Mann und die Geschichtsschreibung“

geschrieben. Nach einem Jahr Aufenthalt in München

zog ich nach Stuttgart und später nach Dresden, wo ich

meine Frau kennenlernte.

Ich habe eine mehr als achtjährige Erfahrung als

Gymnasiallehrer für Französisch und Geschichte in den

Bundesländern Sachsen, Baden-Württemberg,

Rheinland-Pfalz und Hessen. Unterrichtet habe ich in

allen Klassenstufen, unter anderem auch in englischer

Sprache. Darüber hinaus war ich Klassenlehrer,

Internatsmentor für die Oberstufe und Pädagoge von

Schülern mit Migrationshintergrund. Neben meiner

Muttersprache Französisch spreche ich noch Deutsch

und Englisch. Am Lehrerberuf gefällt mir das besondere

Gefühl für Verantwortung, Mediation und Teamarbeit. In

meiner Freizeit genieße ich am liebsten die gemeinsame

Zeit mit meiner Familie und das Reisen.


Seite 5

NEUE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN STELLEN SICH VOR

Hannah Martin

Ich freue mich, dass ich mich Ihnen an dieser Stelle

vorstellen darf: Mein Name ist Hannah Martin, ich bin 25

Jahre alt und vertrete in diesem Schuljahr Frau Höfer als

Förderlehrerin. Hierbei arbeite ich mit Kleingruppen der

Klassen eins bis sechs in Mathematik und Deutsch

(Lesen und Rechtschreibung).

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf in der Pfalz

und beendete die Schulzeit 2007 mit dem Abitur am

Gymnasium. Danach konkretisierte ich meinen

Berufswunsch, pädagogisch tätig zu sein, durch

Praxiserfahrungen. Hierfür war ich zunächst für drei

Monate in einer KiTa der Lebenshilfe Grünstadt,

anschließend ein halbes Jahr in einer 1 . Klasse einer

Förderschule in Rockenhausen. In dieser intensiven Zeit

des (heil-)pädagogischen Arbeitens sah ich mich in

meiner beruflichen Vorstellung bestätigt. In jenem Jahr

lernte ich das Institut für Waldorfpädagogik in Mannheim

kennen und war begeistert von der Studienatmosphäre

und den Studieninhalten.

So begann 2008 mein insgesamt fünfjähriges Studium

zum Klassenlehrer an Waldorfschulen mit Schwerpunkt

Inklusion/Heilpädagogik. Während dieser langen und

sehr fruchtbaren Zeit konnte ich aufgrund der zehn

Praktika viele Erfahrungen an Waldorfschulen in den

Klassen eins bis acht sammeln. Des Weiteren

verbrachte ich mittwochs regelmäßig die Nachmittage im

Interkulturellen Hort der Langstraße, Neckarstadt West,

und war immer gerne auch mit Schülern der Schule

kreativ tätig. Einen Einblick in den Alltag der Schule

erhielt ich schließlich im letzten Praktikum bei Frau Höfer

im Förder- und DaV-Bereich. Ich hatte sie bereits an der

Hochschule durch einen ihrer Kurse kennengelernt. Es

war mir ein Anliegen, die dort theoretisch beschriebene

Arbeit in der Praxis zu erleben.

Nun ist es für mich eine große Freude, diese Arbeit

übernehmen zu können. Es ist schön, direkt nach

meinem Studium diesen Platz an dieser Schule

gefunden zu haben und mich nebenher noch auf das

Fertigstellen meiner Masterarbeit konzentrieren zu

können.

Zeynep Solak

Mein Name ist Zeynep Solak und ich bin 32 Jahre alt. Ich

wurde als Tochter türkischer Einwanderer in pfälzischen

Frankenthal geboren. Meine Eltern kamen in den 70er

Jahren im Zuge der Einwanderungswelle nach

Deutschland, wo ich und meine beiden Schwestern (36

und 38) zur Welt kamen.

Ich habe die Grundschule und das Gymnasium in

Frankenthal besucht und habe dort 2001 mein Abitur

gemacht. Daraufhin habe ich mein Jurastudium an der

Universität Mannheim begonnen und anschließend 5

Jahre im Vertrieb gearbeitet.

Für den Beruf der Lehrerin entschied ich mich recht spät,

diese Entscheidung habe ich aber nicht im Geringsten

bereut. Nach dem zweijährigen Studium der

Waldorfpädagogik an der Akademie in Mannheim habe

ich im September diesen Jahres mein einjähriges

Praxisjahr an der Interkulturellen Waldorfschule in

Mannheim begonnen.

Die Arbeit an dieser Schule macht mir sehr großen

Spaß. Dabei kann ich meine humanistische Art und

meine soziale Ader voll ausleben, was in meinem

vorherigen Beruf nicht möglich war. Es liegt mir am

Herzen, Kinder und Jugendliche bei ihrer Entwicklung

und Kreativität zu unterstützen und zu fördern. Dabei ist

es mir sehr wichtig eine Verbindung auf persönlicher

Ebene zu den Kindern aufzubauen. Am Schönsten ist es

dann zu sehen, dass der Unterricht den Kindern

ebenfalls Spaß macht. Wenn man nach dem Unterricht

von seinen Schülern eine selbstgebastelte Karte mit der

Aufschrift 'Frau Solak, wir haben Sie gerne' geschenkt

bekommt, weiß man, dass man einen guten Job

gemacht hat. Das ist ein sehr schönes Gefühl.


NEUE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN STELLEN SICH VOR Seite 6

Sabine Reul

Ich bin seit dem neuen Schuljahr an der Freien

Interkulturellen Waldorfschule (FIW) als ausgebildete

Klassenlehrerin und Fachlehrerin für Musik und mache

dort ein Praxisjahr.

Nach dem Abitur 1 994 und meinem Kirchenmusikstudium

studierte ich an der Universität Koblenz/

Landau Grund und Hauptschulpädagogik mit den

Fächern katholische Religion und Musik. Schnell merkte

ich, dass dieses Studium nicht mit meinen

pädagogischen Vorstellungen übereinstimmte und

orientierte mich neu, um therapeutisch im Bereich der

Beschäftigungs- und Arbeitstherapie mit seelisch

kranken Menschen zu arbeiten. Nebenbei unterrichtete

ich Klavier und Keyboard oder betreute Kinder von 3 bis

6 Jahren in musikalischer Früherziehung.

Am Wochenende begleitete ich in mehreren Gemeinden

den Gottesdienst an der Orgel und engagierte mich

bereits im Alter von 1 7 Jahren in Vorstand von Vereinen

zur Förderung der Kirchenmusik. Durch Beruf und

Familie zog ich mich immer mehr von meinen Ämtern

zurück. Von 2005 bis 2008 leitete ich eine Musikschule

mit über 1 00 Schülern und sieben freischaffenden

Musikern.

Danach arbeitete ich nicht mehr im pädagogischen und

musikalischen Bereich, sondern qualifizierte mich weiter,

um dann bei der Stadt Mannheim Fuß zu fassen. Jedoch

fehlte mir bald die Arbeit mit Kindern. So führte mich

mein Weg an die Akademie für Waldorfpädagogik. Dort

absolvierte ich meine Weiterbildung zur Klassenlehrerin

und Fachlehrerin für Musik.

Die FIW lernte ich bereits durch die Soziale Arbeit im

ersten Jahr meiner Ausbildung kennen. Es gefiel von

Anfang an, da die Schule eine andere Atmosphäre auf

mich ausstrahlte, als alle Schulen, die ich bisher kannte.

Momentan bin ich in der fünften Klasse, habe die letzten

drei Wochen Pflanzenkunde unterrichtet und freue mich

schon auf die nächste Epoche in Geografie in der 5.

Klasse.

Maria Laus

Mein Name ist Maria Laus und ich mache dieses Jahr

meinen Bundesfreiwilligendienst in der 2. Klasse bei

Frau Pekala an der Interkulturellen Waldorfschule.

Vor fast genau 20 Jahren wurde ich hier in Mannheim

geboren. Mit vier Jahren fing meine Waldorflaufbahn an:

Ich kam in den Waldorfkindergarten Gänsweide in

Neckarau und besuchte anschließend die 1 . Klasse der

Waldorfschule Mannheim-Neckarau. Ich verbrachte dort

1 2 schöne Waldorfschuljahre und absolvierte 201 3 den

schulischen Teil der Fachhochschulreife. Im Rahmen des

Bundesfreiwilligendienstes absolviere ich nun mein

praktisches Jahr zur Anerkennung meiner

Fachhochschulreife.

Ich war lange Zeit Artistin im Mannheimer Kinder- und

Jugendzirkus Paletti. Dort habe ich hauptsächlich

jongliert, was ich bis jetzt auch immer noch ab und an

mache. Meine Verbundenheit mit der Natur und mein

Gemeinschaftssinn brachten mich zu den Pfadfindern,

wo ich viele Abenteuer und tolle Fahrten erleben durfte,

u.a. Seenwanderungen in Schweden. Die schönen

gemeinsamen abendlichen Runden am Lagerfeuer mit

viel Gesang und deren besinnliche Stimmung sind mir

ans Herz gewachsen. Ich liebe die klassische Musik, sie

ist der größte Bestandteil meiner Freizeit. Seit sieben

Jahren spiele ich Klarinette und habe schon in vielen

Orchestern mitgewirkt. Zurzeit spiele ich in der

Mannheimer Bläserphilharmonie, dem Mannheimer

Klarinetten-Ensemble und dem JugendSinfonieOrchester

Mannheim. Musik zu machen macht mich glücklich.

Dass Musik verbindet, erfahre ich immer wieder.

„Rumgekommen“ bin ich hauptsächlich durch die Musik:

Konzertreisen, z.B. nach Rom, München, Frankreich

oder auch Kolumbien waren großartige Erlebnisse. Auch

Orchesteraustausche, wie mit dem Queensland Youth

Orchestra aus Australien, brachten interessante

Begegnungen. Die weit über Europa hinaus

entstandenen Freundschaften sind wunderbare

Erfahrungen, die immer noch bestehen und mich

bereichern. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und vor

allem mit Kindern zusammen, da man hierbei etwas sehr

Wertvolles zurückbekommt, selbst viel dazulernen und

vor allem anderen Menschen helfen und ihnen Freude

bereiten kann. Ich bin jetzt schon seit vier Wochen hier

und fühle mich herzlich von den Schülern und dem

Kollegium aufgenommen. Die Arbeit macht mir sehr viel

Spaß, braucht aber auch viel von meiner Energie.

Ich freue mich auf das Jahr und erhoffe mir viele neue

Erfahrungen, Momente, in denen ich an meine Grenzen

stoße und sie so weiter stecken kann. Auch möchte ich

Eigenes einbringen und so die Kinder mit meinen

Fähigkeiten bereichern.


Seite 7

NEUE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN STELLEN SICH VOR

Mathis Heidger

Geboren bin ich 1 992 in Münster, aufgewachsen mit

zwei älteren Schwestern in Rottweil im Schwabenland.

Im Grunde hatte ich eine sehr durchwachsene

Kindergarten- und Schulzeit. Vom Waldorfkindergarten

auf den staatlichen, von der Waldorfschule auf die

staatliche und wieder zurück und dann zum Schluss

noch ein Schulwechsel. Ich bin absolut sportbegeistert

(Basketball, Sportklettern, u.v.m.), und immer ist Musik

dabei. Für Neues bin ich bin immer offen, stehe aber

auch zu meiner Meinung und diskutiere dann gerne auch

mal etwas aus.

Nach der Schule hatte ich eigentlich vor, nach Afrika zu

gehen. Da meine Fachhochschulreife aber erst durch ein

praktisches Jahr abgeschlossen wird und ich erst dann

damit studieren kann, entschied ich mich, erst die Schule

komplett abzuschließen. Ein FSJ im Ausland war mein

erster Gedanke, doch dann bin ich zufällig über die

Interkulturelle Waldorfschule in Mannheim gestolpert.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Deutschland von

einem interkulturellen Einfluss bereichert wird, und wenn

das Interkulturelle an einem Ort so sehr lebt wie an

dieser Schule, dann macht mich das neugierig.

Mannheim als Universitätsstadt hat neben der Schulzeit

einen ganz besonderen Reiz für mich. Ich kann das

Studentenleben jetzt schon beschnuppern, ohne an eine

Uni gehen zu müssen - eine sehr interessante

Erfahrung.

In meinen ersten drei Wochen habe ich schon so einiges

erlebt und gelernt. Schöne Dinge sowie auch etwas

unangenehme Erfahrungen. Auch wenn die Arbeit mit

den Kindern oft sehr kräftezehrend ist, sind da dann

doch diese Momente, in denen sich alles auszahlt und

man zufrieden mit sich sein kann. Ich bin sehr gespannt,

was mein Jahr an der Interkulturellen noch alles für mich

bereithält, was ich lernen und lehren werde, auf das

Wachsen meiner dritten Klasse und die vielen

Begegnungen.

Das Geheimnis von Schattenfels (...Fortsetzung aus dem letzten Heft)

3. ZUM LANDSCHULHEIM

Am Donnerstagmorgen verkündete Herr Meyer, der

Biologielehrer fröhlich, dass sie heute frei hätten, damit

sie ihre Koffer packen könnten. „Und morgen früh fahrt

ihr mit Professor Laugen, dem Schulleiter, und Frau

Waldrut im Schulbus nach Schattenfels“, sagte Herr

Meyer. „Was ist bitte schön Schattenfels“, fragte

Melissa, zickig wie immer. Friedrich, der Klassenstreber,

saß wie üblich auf seinem Stuhl, als hätte er einen Stock

verschluckt und ratterte eine Wikipedia-Informationsseite

nach der anderen herunter: „Schattenfels ist ... (murmel,

murmel, murmel...).“ Friedrich war bekannt für seine

langen, ausführlichen Vorträge. Er hatte zurückgegeltes,

blondes Haar, trug eine dunkelbraune Latzhose und

darunter ein glattgebügeltes, weiß blitzendes Hemd.

„Schattenfels trägt diesen Namen, weil der Wald dort von

hohen Felsen umgeben ist.“ - „Das genügt, Friedrich“,

sagte Herr Meyer streng. „Wenn wir es kurz nehmen,

Melissa: Schattenfels ist ein Waldstück in der Nähe von

Kirchental, in dem ein altes Landschulheim steht. In

diesem Haus werdet ihr zwei Wochen verbringen.“ Alle

Kinder fingen an, laut durcheinander zu reden. Sie

packten ihre Schulsachen in den Ranzen und liefen aus

dem Klassenzimmer. Susan und Sophie liefen den Gang

entlang zu dem Zimmer, in dem Sophie mit Susan und

ihrer besten Freundin Marie wohnte.

AUS DER SCHULE

Sie fingen an, ihre Koffer für die Klassenfahrt zu packen.

„Sophie, wo kommst du eigentlich her“, fragte Susan

neugierig. „Ich komme aus Heidelberg. Mein Vater

beschäftigt sich viel mit Astronomie, deshalb bin ich auch

so gut in Sternenkunde“, sagte Sophie stolz. „Ja, das

stimmt, du bist wirklich ziemlich gut“, bestätigte Marie.

Am Freitagmorgen um 8.30 Uhr traf sich die Klasse 8b

mit Frau Waldrut und dem Schulleiter, Professor Laugen,

vor dem Internat Erlenfeld. Unter lautem Jubel stiegen

sie mit ihrem Gepäck in den Schulbus, der soeben vor

ihnen Halt gemacht hatte.

Während der fünf Stunden Fahrt hatte Sophie

Rumenlopf keine Ruhe: „Sophie Rumenlopf hat statt

einem Hirn einen Blumentopf und der hat einen

Riesensprung, deswegen ist Sophie so dumm! Heul

doch!“, trällerten voller Leidenschaft die Jungs aus

Jasons Clique. Doch Professor Laugen kümmerte sich

nicht im Geringsten darum, denn Jason war sein Sohn,

den er schon immer bevorzugt hatte. Eine Weile

nachdem sie Kirchental hinter sich gelassen hatten,

tauchte hinter einem Hügel ein dichter und dunkler Wald

auf. Als sie auf einem Schotterweg durch den fast

undurchdringlichen Wald fuhren, hielt der Bus ruckartig

an. Alle Schüler stürmten aus den Türen, die sich soeben

geöffnet hatten. Als die ersten Schüler draußen waren,

stutzten sie. >>>


AUS DER SCHULE Seite 8

Sie hatten sich das Haus wie ein großes Landschulheim

vorgestellt. Aber es war das genaue Gegenteil: eine alte

Holzhütte, die aussah, als ob sie jeden Moment

einstürzen würde. Sie hatte alte, klapprige Fensterläden

und auf dem windschiefen Dach ragte ein ebenso

schiefer Schornstein hervor. Das Haus war aus

schimmligem Holz gebaut und die Lücken waren mit

klumpigem Zement verputzt.

Es gab keinen sonderlich grünen Garten, sondern er sah

eher nach einem längst vergessenen, alten Friedhof aus.

Davor stand ein verrostetes, schiefes Tor. Es war aus

Eisen und hatte viele verschnörkelte Verzierungen.

Susan bekam beim Anblick des Hauses das Gefühl,

dass sie dieses Haus schon einmal gesehen hatte. Doch

ein Kreischen unterbrach ihre Gedanken: „Iiiih, wie

ekelhaft!“, beklagte sich Melissa. „Da drin sollen wir

schlafen In dieser Bruchbude halte ich es keine

Sekunde aus!“ - „ Mensch Melissa, hab dich nicht so!“,

sagte Claudia, ein blondes Mädchen aus der Klasse.

„Das sieht doch ganz gemütlich aus.“, meinte Jason

grinsend und marschierte mit seiner Gang im Schlepptau

durch das Tor.

Die Klasse, mehr oder weniger begeistert, folgte ihnen

zögernd. Doch Sophie machte eine beunruhigte Miene

und sagte ängstlich zu Marie und Susan: „Meint... meint

ihr... ehem, äh,... meint ihr, dass das Haus nicht ganz

geheuer ist Es könnten vielleicht so etwas wie... nun

ja... Geister oder Dämonen dort hausen.“ - „Das glaube

ich nicht“, sagte Marie beschwichtigend. Doch Susan

hatte ein ungutes Gefühl im Bauch. Aber sie folgte ihren

Freundinnen. Zum Schluss stand nur noch Melissa vor

der Tür und redete sich ein: „Also, ich denke, wenn

Jason vorgeht, wird er mich schon beschützen! Ich geh

ihm einfach hinterher.“

Leider hatte Susan das Pech, mit Melissa in ein Zimmer

zu kommen. Doch Marie, Sophie und Carolin, auch Caro

genannt, waren auch mit dabei. Das Zimmer war

ziemlich eng, dafür, dass es für fünf Leute gedacht war.

Es hatte zwei Stockbetten, die in die Ecken des Zimmers

gedrängt waren. Neben der Tür stand ein großer

Kleiderschrank für fünf Personen und vor dem Fenster

stand noch ein normales Einzelbett. Melissa schnappte

sich gleich das Einzelbett, und ohne die anderen zu

fragen schob sie es in die Mitte des Zimmers. Und was

diese Unverschämtheit noch übertraf: im Kleiderschrank

nahm sie den Platz für drei Personen ein.

Am nächsten Morgen wachten die vier Freundinnen nicht

sehr erholt auf. Melissa machte schon seit geschlagenen

1 0 Minuten Frühsport. Susan, Marie, Sophie und Caro

gingen zum Frühstück.

4. DAS GERÄUSCH UM MITTERNACHT

Die Tage flogen dahin und Susan wurde immer genervter

von Melissa, die sie immer wieder dazu zwang, über

Haarpflegeprodukte, Schminke und Designerkleider zu

tratschen. Die Jungs unterdessen machten sich einen

Spaß daraus, alle Mädchen zu ärgern und Spinnen auf

sie zu werfen, wobei die größte Oberzicke der Welt,

Melissa, kreischend durchs Haus trippelte.

In der Zeit erkundete Susan den nahe liegenden, dichten

Wald und ärgerte sich insgeheim immer noch darüber,

dass Jason ihr das spannende Buch geklaut hatte.

Als sie wieder ins Haus ging, kam ihr Sophie mit

kreidebleichem Gesicht entgegen und stotterte: „D-Du,

Susan i-ich hab wieder dieses, dieses... dieses... na,

dieses Geräusch gehört. In der Nacht!“ - „Ja, Sophie, ich

weiß“, sagte Susan. „Aber es sind halt Geräusche. Was

hast du denn erwartet von einem Haus in diesem

Zustand Außerdem hast du mir das schon fünf Mal

gesagt!“ Doch Sophie gab nicht nach und jammerte:

„Aber das könnten doch Einbrecher oder – oder Geister

sein!“ - „Oh Sophie, meinst du allen Ernstes, dass in

diese Bruchbude jemand einbrechen will“, fragte Susan

etwas genervt. „Aber – aber – das könnte doch ein

Hausgeist sein. So was habe ich mal in einem Buch

gelesen.“ - „Aber“, doch sie wurde von Professor

Laugen unterbrochen, der um eine Ecke bog. Als er sie

sah, rief er ungewohnt zornig: „Ihr wagt es, hier im

Korridor zu stehen, während alle anderen beim

Abendessen sind Das ist unerhört. Ihr wisst doch, dass

es strenge Regeln gibt, wann Essen ist. Für euer

empörendes Verhalten werdet ihr Strafarbeiten

schreiben. Und jetzt ab zum Essen!“ Susan schluckte.

Professor Laugen hatte zwar schon immer die Jungen

bevorzugt, doch dass er so zornig und griesgrämig war,

fand sie wirklich ungewöhnlich. Schnell lief Susan zur

kleinen Mensa und ärgerte sich über die unfaire

Strafarbeit.

Am Abend lag Susan auf dem Bauch in ihrem Bett und

las zum fünften Mal „Der kleine Hobbit“. Während die

anderen um sie herum schon schliefen, rasten ihr noch

viele Gedanken im Kopf herum: „‘Der kleine Hobbit‘ war

zwar immer schon mein Lieblingsbuch, aber langsam

kann ich es schon auswendig. Hätten die Jungs mein

Buch nicht ins Klo geschmissen, könnte ich das jetzt

lesen. Komisch, dass dieses Haus in meinem Buch

genau so beschrieben wird wie unser Landschulheim

aussieht. Dass Sophie immer diese Geräusche hört, ist

auch seltsam. Und Professor Laugen war heute so

mürrisch wie der Krähenfuß... Er ist doch sonst nicht so!

Und Sophie ist immer noch nicht da. Ich hab sie schon

seit dem Abendessen nicht mehr gesehen.“ Doch bald

fiel auch Susan in einen unruhigen Schlaf.

Plötzlich schreckte sie hoch: „War da nicht etwas“. Da

durchbrach plötzlich ein erstickter Schrei die Stille.

Melissa saß aufrecht in ihrem Bett. „Was ist los“, fragte

Susan. „Ich habe geträumt, dass ich meinen Mp3-Player

vergessen habe!“. Hektisch kramte Melissa in ihren

Taschen. „Puh! Da ist er ja!“ Sie hielt ein pinkfarbenes

Gerät hoch. „Jetzt kann ich beruhigt weiterschlafen.“ -

„Meine Güte!“, dachte Susan und legte sich wieder hin.

Kurz darauf schreckte sie abermals aus dem Schlaf.

„Melissa, was ist denn jetzt schon wieder“ Doch Melissa

lag friedlich in ihrem Bett und schlief. Da war es wieder:

ein Tropfen (tropf- tropf- tropf). „Eindeutig, das kommt

aus dem Bad!“, stellte Susan erstaunt fest. Sie stand auf

und ging dem Geräusch nach. Natürlich! Jemand hatte

vergessen den Wasserhahn zuzudrehen. Gerade als sie

ihn zudrehte, hörte sie eindeutig Schritte, die auf einer

Diele knarrten. „Sophie, bist du das Was machst du

denn hier“ Sophie sah aus, als hätte sie einen Geist

gesehen. Besorgt nahm Susan ihre Freundin in den Arm.

„Sophie, was ist passiert Du bist ja ganz bleich. Wo

warst du nur“ - „Da war es... und Blut und die Leichen

und – und – und die Blumen – und – und- dann...“

...Fortsetzung folgt

Loreen Heisel - 7. Klasse


Seite 9

Der Ring - Theateraufführung der 11 . Klasse

Als mir im Schuljahr 201 0/11 die Klassenbetreuung der

9. Klasse anvertraut wurde, stand für mich bereits fest,

dass ich ein Klassenspiel mit der Klasse aufführen

wollte. Ich selbst liebe das Theater und halte

Theaterspielen für eine der besten Methoden sich selbst

wahrzunehmen, seine Grenzen auszuloten und im Spiel

freier zu werden. Für die Schüler (11 .-Klässler sind junge

Erwachsene) eine großartige Chance, in eine Rolle zu

schlüpfen, dabei sich selbst zu betrachten, sich zu

erleben und im Miteinander spielend etwas entstehen zu

lassen. So lange, bis die Szenen so gewachsen sind,

dass aus dem Spiel ein heiliger Ernst geworden ist und

auf der Bühne real stattfinden kann. Nun war es so weit

...

Im Juli 201 3 führte die 11 . Klasse ihr Klassenspiel auf.

Das Stück ist eine Kurzversion des Opern-Zyklus von

Richard Wagner, welcher im Original in vier

Vorstellungen á 4 Stunden auf der Bühne aufgeführt

wird.

Das Stück handelt von Macht, Habgier, Liebe, Eifersucht,

Intrige, Rache und einem Ring, geschmiedet aus dem

Rheingold. Er gibt seinem Träger größtmögliche Macht

und die Weltherrschaft dazu. Und genau von dieser

Herrschaft träumt Wotan, der alles dafür tun würde,

diesen Ring an seinem Finger zu spüren. Doch da hat er

seine Rechnung ohne den tapferen Siegfried und die

toughe Brünnhilde gemacht.

Bereits ein Jahr zuvor begann die Suche nach einem

geeigneten Stück. Im Dezember 201 2 fiel die

Entscheidung. Der Ring beinhaltete vielfältige

Charaktere, die recht schnell einzelnen Schülern

zugeordnet werden konnten. Die Schüler zeigten hier ein

gutes Gespür, sich oder die anderen in einzelnen Rollen

zu sehen. Die Planung des Klassenspiels von der

Rollenverteilung bis hin zu den verschiedenen Arbeiten,

die für das Gelingen eines Theaterstückes nötig sind,

wurde von nun an wöchentlich besprochen. Dazu

gehörten Plakate, Kostüme, Bühnenbild, Kulissen,

Beleuchtung, Musik und später auch die Probepläne und

viele wichtige Details. Nach den Osterferien war Text

Lesen und auswendig Lernen angesagt, und das war ein

schwieriges Unterfangen. Für mich eine Zeit, mich in

Geduld zu üben. Mittlerweile war das Plakat entworfen

und von zwei Schülerinnen zu Ende geführt worden und

konnte zum Drucken gegeben werden. Die Ausstattung

AUS DER SCHULE

wurde besprochen: Kulissen, Requisiten, Kostüme. Die

Pfingstferien kamen und danach begann endgültig die

vierwöchige Theaterepoche: Ein Probenplan strukturierte

den Tag von 8.00 Uhr bis 1 6.00 Uhr, manchmal länger

und an manchem Samstag wurde auch geprobt. Dann

natürlich zur allgemeinen Freude mit Pizza zum

Mittagessen.

Da die Aufführung im „Jugendkulturzentrum FORUM“

stattfinden würde, waren die Proben aufgeteilt und

fanden zum Teil im Keller der Schule und zum Teil auf

der Bühne statt. In der Schreinerei wurden von den

Schülern unter Anleitung des Werklehrers die Kulissen

hergestellt. Die Kostüme wurden besprochen, genäht

und bearbeitet. Für die Walküren wurden Trenchcoats

mit Farbe besprüht, die Rheinweiber bekamen eigene

Entwürfe, die von Schülerinnen umgesetzt wurden.

Requisiten wurden gesucht, gekauft, bearbeitet oder

angefertigt. An Arbeit mangelte es nicht. Auch die Musik

und die Beleuchtung durften nicht vergessen werden.

Die Probenzeit war durchwachsen von Hochs und Tiefs

für alle Beteiligten. Es gab Erfolge und Rückschläge.

Aber schon bald nach Beginn konnte man erahnen,

welche Fähigkeiten und Potenziale in den jungen

Menschen verborgen sind. Eine wahre Freude! In der

letzten Woche waren wir dann ausschließlich im FORUM

und die Proben wurden zu einer wahren

Herausforderung. Endlich kamen die ausgewählte Musik

und die Beleuchtung hinzu und gaben uns neuen Mut.

Endlich Freitag, die Schüleraufführung war ein Erfolg.

Die Schüler belohnten die Schauspieler mit viel Applaus

für das Dargebotene. Am Freitagabend und am Samstag

gab es zwei weitere Aufführungen, die ebenso mit viel

Applaus beschenkt wurden.

Eine gelungene Theaterepoche und Aufführung, wie ich

meine. Ich habe Schüler wachsen sehen, ringen um den

richtigen Ausdruck, die richtige Geste, und jedem

Einzelnen ist dies gelungen!

Vielen Dank an dieser Stelle an die LehrerInnen und

Eltern, die zum Gelingen der Aufführung beigetragen

haben, physisch und moralisch!

Serafina Leon Castro - Lehrerin


AUS DER SCHULE Seite 1 0

Die Alhambra, über den Dächern Granadas - Klassenreise der 1 2. Klasse im Juli 201 3

Die Abschlussfahrt der Klasse 1 2 hatte als Ziel, die Stadt

Granada und Umgebung zu sehen und zu besuchen.

Granada ist die Hauptstadt der Provinz Granada in

Andalusien, weit im Süden des großen Landes Spanien.

Von den Anhöhen der Stadt aus ist mit Blick nach Süd-

Ost die berühmte Sierra Nevada zu sehen. Ehe wir aber

so weit waren, haben wir das Flugzeug von Baden-

Baden, Flughafen Söllingen, Richtung Malaga, Spanien

genommen. Bei der Ankunft in Malaga früh morgens ließ

sich bereits erahnen, dass der Tag warm werden würde.

Es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass wir in

Spanien sind. Nachdem alle Koffer im Flughafen

eingesammelt worden waren, machten wir unsere erste

Pause. Da der Bus, der uns zum eigentlichen Ziel fahren

sollte, erst später abfuhr, hatten wir Zeit ans Meer zu

gehen. Die Koffer wurden in die Schließfächer des

Bahnhofes gestellt und die Gruppe von Schülern und

Lehrern ging auf einer „Avenue“ Richtung Meer. Die

Pause am Strand erwies sich als gut und manch einer

sprang ins Wasser. Bald sammelten wir uns wieder und

stiegen in den Bus, der uns nach Granada fuhr. Müde

kamen wir endlich im „Hostel Maktub“ an.

sieht sehr anders aus als bei uns in Mannheim. Wir

Lehrer bemerkten, dass die Schüler einen Eindruck

bekamen von diesen ganz anderen südlichen

Verhältnissen. Die Menschen dort, der andere

Tagesrhythmus, die Farben in den Straßen und an den

Fassaden der Häuser, die verschiedenen Baustile.

Unser Weg führte uns zu schönen Bauten, die das

Besondere der spanischen Zeitgeschichte zeigten. Wir

kamen an das Tor des „Corral del Carbón“ und traten in

den Hof hinein. Mit seinem großen, geradezu

monumentalen Eingangstor ist dieser Bau aus der

Maurenzeit recht beeindruckend.

unser Hostel " Maktub"

(Gebäude links)

Aufgrund der Hitze und der Anstrengungen der Reise

hielt sich die Freude der Schülerschaft bei der ersten

Begegnung mit der Stadt an diesem Ankunftsabend

zunächst in bescheidenen Grenzen. Das ist schon

verständlich, denn wir waren in einem Land mit anderen

klimatischen Bedingungen und anderer Lebensart. Das

Hostel schien zunächst zu klein und nicht komfortabel

genug. Innerhalb des Hauses waren dann die berühmten

Gespräche, „Wer mit wem und überhaupt wie soll es

gehen“ zu hören und zu verkraften. Es kam wieder

Leben in der Gruppe! Wir waren in einer anderen

kulturellen Lebensweise angekommen. Wunderbar!

Etwas später an diesem Abend erkundeten einige

Schülergruppen die Umgebung. Eine Gruppe, die aus

Schülern und Lehrern gebildet wurde, suchte die Nähe

der Alhambra. Wir standen am Fuß des Sabikah-Hügels,

auf dem die berühmte Alhambra grandios steht. Ein Flair

von Geschichte, von vergangenen Zeiten in unserer

modernen Epoche. Etwas Neues und Altes zugleich lag

in der Luft und in den Herzen. Ein Ort voller

Erzählungen.

Die erste Nacht zeigte, dass morgens gegen 5.00 Uhr

die Temperatur am angenehmsten schien. In den

kommenden Tagen sollten die Temperaturen hoch

bleiben, meistens 40 Grad. Es war beschwerlich, die

Konzentration in diesem südlichen Klima aufrecht zu

erhalten. Das Programm musste geändert werden. Und

die Wetterverhältnisse sollten so bleiben, die Nächte

waren warm und die Tage noch heißer!

Am ersten Tag fingen wir an, die Stadt zu erkunden.

Breite Straßen und dunkle Gassen zeigten sich. Ja, es

Corral del Carbón

die Kathedrale von Granada

Der Name Corral del Carbón (deutsch: Kohlenhof)

stammt aus der Zeit der Reconquista, der christlichen

Rückeroberung Granadas. Gebaut wurde der Corral del

Carbón 1 336 im Stile eines arabischen Gästehauses im

typischen Aufbau eines „corral de vecinos“: Wohnräume

sind um einen zentralen Innenhof angeordnet.

Durchreisenden Händlern diente die Karawanserei als

Unterkunft und Warenlager. Später nutzten Holzkohlebrenner

das Gebäude, was zum heutigen Namen

führte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude

für verschiedene Zwecke umfunktioniert.

Viele Gassen sind sehr eng gebaut um Schatten zu

gewinnen und erträglichere Temperaturen zu erzielen.

Bei manchen breiteren Straßen hingen weit oben Stoffe

gespannt, die als Sonnenschutz dienten. Das Anschauen

und das Beobachten ist eine Tätigkeit, die sehr anstrengend

werden kann, wenn die Temperaturen dazu in

die Höhe steigen, dann waren Pausen dringend nötig.

Wir besuchten verschiedene Plätze und sahen zum

Beispiel die Kathedrale von Granada, die wir zu einem

späteren Zeitpunkt auch von innen besuchten. Nach der

Reconquista wurde die Kathedrale von Granada, die

bedeutendste der vier großen Renaissancekirchen

Andalusiens, gebaut. Sehr groß wirkt dieses Bauwerk

zwischen den vielen Häusern, die es umgeben. An

diesen prägnanten Bau schließt sich zudem die „Capilla

Real“ an, die Grabstätte der katholischen Könige. Zuerst

wurde die Grabkapelle „Capilla Real“ errichtet, die 1 51 7

vollendet wurde. Die Grundsteinlegung für den Neubau

der Kathedrale erfolgte im Jahr 1 523. Die 11 5 Meter

lange und 65 Meter breite Kathedrale wurde vom

Baumeister Egas im gotischen Stil angelegt. Nach seiner

Entlassung im Jahr 1 528 änderte der nächste

Baumeister Diego de Siloé den Grundriss in einen mit

kreisförmigem Chor und einer fünfschiffigen Basilika im

Renaissance-Stil. Die Hauptfassade stammt aus dem

Barock. 1 704 wurde der Bau für beendet erklärt, 1 81

Jahre nach der Grundsteinlegung. >>>


Seite 11

Im Lauf der Tage machten wir mehrere Exkursionen

außerhalb der Stadt. Südlich von Granada machten wir

Ausflüge zu einem Wasserfall oder auch ans Meer nach

Solobrena um uns zu erfrischen.

AUS DER SCHULE

„Torre de Comares“ in dem lang gestreckten

Wasserbecken, das von immergrünen, duftenden

Myrtenhecken gesäumt wird.

Der „Patio de los Leones“, zu Deutsch: Löwenhof, ist

einer der schönsten Momente bei dem Besuch. Der

Herrscher Mohammed V. schuf sich hier sein ganz

privates Königreich. 1 24 grazile Säulen bilden einen

traumhaften Arkadenumgang. In der Mitte des Hofs steht

der namengebende Brunnen, der von 1 2 Löwenfiguren

getragen wird. Die Festung wurde 1 238 von Ibn al Ahmar

auf den Fundamenten eines Vorgängerbaus errichtet.

Ausflug zum Wasserfall

Wir haben in dieser Zeit viele Einblicke, kleine wie große,

gewonnen. Etwas Größeres wartete noch auf uns: der

Besuch der Alhambra.

Die bedeutendsten Bauten aus der maurischen Zeit

gehören zur Festung Alhambra. Man nimmt an, dass die

Herkunft des Wortes Alhambra die arabische

Bezeichnung qasr al-hamrā: der rote Palast, sein könnte.

Dies wäre eine mögliche Übersetzung. Die Alhambra

wurde im Laufe der Zeit eine Ansammlung von Palästen

und ist die größte Anlage dieser Art in Spanien. Für den

Besuch der Alhambra sollte man schon drei Stunden

einplanen, ohne dabei den Anspruch zu stellen alles

gesehen zu haben. Die Eindrücke sind großartig! Zu

sehen gab es die Festung „Alcazaba“, den

Nasridenpalast „Palacios nazaries“ und das Landgut

„Generalife“ mit den Gärten. Der Weg zum

Nasridenpalast führt vorbei am Palast von Karl V., dem

„Palacio Carlos V.“, dem ein Teil der alten Alhambra zum

Opfer fiel.

Nach maurischer Tradition konzentriert sich im

Nasridenpalast die ganze Prachtentfaltung im Inneren

der Anlage. Die einzelnen Paläste sind um Innenhöfe

herum angeordnet. Das Wasser als Fläche im Becken

oder als Brunnen spielt eine große Rolle als Moment der

Stille. Hier ist nur das Plätschern der Brunnen zu

vernehmen. Wasser steht symbolisch für Reichtum und

Wohlstand, fördert aber auch den Gleichklang der Seele.

namengebender Brunnen mit Löwenfiguren

Auf dem Weg zum „Generalife“, dem Sommerpalast,

gingen wir weiter zu Fuß. Der Weg führt an der Kirche

Santa Maria vorbei, wo sich früher die Moschee der

Alhambra befand. Der Name der hübschen

Gartenanlage „Generalife“ bedeutet „Garten des

Architekten“, womit wohl Allah gemeint ist. Im obersten

Bereich liegt die nasridische Sommerresidenz mit ihren

zauberhaften Wasserspielen.

Während des Besuches, an einer Stelle auf dem Plateau

der Alhambra, schauten Yusuf und ich uns begeistert und

zufrieden an. Schön, dass wir hier sein dürfen! Diese

Fahrt wird allen noch lange in Erinnerung bleiben.

Jean-Luc Lasnier - Lehrer

Impressionen der Alhambra

Der „Patio de los Arrayanes“, der Myrtenhof, ist das

eigentliche Kernstück der unter Jusuf I. entstandenen

Palastanlage. Traumhaft spiegelt sich die Fassade des

Antritt der Rückreise


AUS DER SCHULE Seite 1 2

Zu neuen Ufern - Die Abschlüsse der 1 2. Klasse

Im vergangenen Schuljahr 201 2/1 3 war es erstmals

möglich, den SchülerInnen unserer ersten 1 2. Klasse die

beiden Schulabschlüsse RSA (Realschulabschluss,

mittleres Bildungsniveau) und FHSR

(Fachhochschulreife/ Fachabitur, gehobenes

Bildungsniveau) anzubieten.

Während der RSA im „traditionellen Strom“ der staatlich

verordneten Lehr- und Prüfungsplanbestimmungen für

Baden-Württemberg „schwimmt“ und die Waldorfschulen

somit keinen Einfluss auf Fachinhalte oder

Durchführungsmodalitäten nehmen können, sieht es bei

der FHSR anders aus: Hier können die SchülerInnen

einen Abschluss erlangen, der neben den kognitiven

Begabungen auch die handwerklich-künstlerischen

Fähigkeiten integriert. Betrachtet man die

Voraussetzungen für diesen Abschluss, dann wird

deutlich, dass er dem Ansatz der Waldorfpädagogik in

stärkerem Maße gerecht wird als alle anderen

Abschlüsse.

Die SchülerInnen müssen in vier aufeinanderfolgenden

Oberstufenklassen eine Waldorfschule besucht haben,

denn nur so addieren sich die Epochen der

handwerklich-künstlerischen Unterrichte zu der

Stundenzahl (1 .300), was einem Jahr praktischer

Tätigkeit bzw. zweien an den Berufskollegien entspricht.

Im Vorbereitungsjahr für die FHSR nehmen die

SchülerInnen an sechs bis acht Wochenstunden in

einem handwerklich-künstlerischen Bereich teil – an

unserer Schule ist es das Fach „Gestaltung in Holz“. Hier

fertigen sie eine Jahresarbeit aus dem gewählten

Material an und beweisen ihre erworbenen Fähigkeiten

in einer praktischen und theoretischen Prüfung.

Der zweite Teil der Vorbereitung umfasst sieben

schulische Fächer, die sich in zwei Gruppen gliedern:

Drei Fächer werden durch Leistungen aus der laufenden

Klasse 1 2 und einer Hospitation (Fach Geschichte)

abgedeckt; vier Fächer werden durch den Unterricht zur

FHSR vertieft und abschließend durch schriftliche und

mündliche Prüfungen bestätigt. Diese Fächer sind

Deutsch, Englisch, Mathematik und eine

Naturwissenschaft, bei uns Biologie.

Nach der abschließenden schulischen Prüfung haben

die SchülerInnen noch ein Jahr praktische Tätigkeit in

einem Betrieb der Wirtschaft oder des sozialen Bereichs

abzuleisten oder eine Lehre zu machen. Danach können

sie ihr Studium an einer Fachhochschule in Baden-

Württemberg oder Rheinland-Pfalz aufnehmen. Mit

anderen Bundesländern bestehen zwar noch keine

KMK-Vereinbarungen zur Anerkennung der FHSR an

Waldorfschulen in BW, die Gespräche darüber jedoch

laufen. Will ein Schüler dort studieren, muss er über den

individuellen Weg der Bewerbung und Vorstellung an der

gewählten Fachhochschule gehen - meist klappt das

dann.

Hat ein Schüler ein Fachhochschulstudium erfolgreich

abgeschlossen, dann hat er damit den allgemeinen

Hochschulzugang erworben und kann an einer

Universität studieren. Soweit also der äußere Rahmen

der FHSR. Was aber macht den Wert dieses

Abschlusses an einer Waldorfschule aus

>>>


Seite 1 3

Von den untersten Klassen an führen wir die Kinder in

die handwerklichen Fächer ein. Nicht um sie zu

Handwerkern zu machen, denn das hier erworbene

Können ist lediglich ein nützlicher Nebeneffekt, sondern

um ihre Wahrnehmungs-, Empfindungs- und

Willenskräfte zu entwickeln und zu stärken. Durch

eigenes Tun erfahren und erleben sie, wie die Kultur

(lat.: cultus = Pflege des Ackers und Verehrung der

Götter) unserer Welt sich gebildet hat. Sie durchlaufen

die Entwicklungsschritte der Menschheit und des

Einzelmenschen. In der Oberstufe werden die

handwerklich-technischen und die künstlerischen

Akzente verstärkt: Die Beherrschung des Materials wird

Grundlage der künstlerischen Gestaltung – und das in

der Reihenfolge von „weichen“ zu immer „härteren“

Materialien, schließlich gipfelnd im Steinmetzen.

Gleichwertig zu diesen „praktischen“ Fächern stehen die

kognitiven Fächer: Im lernenden Üben, Vertiefen und

Wiederholen wird Wissen erworben, vor allem aber

werden Erkenntnisfähigkeiten geschult, die dann den

SchülerInnen nach Maßgabe ihrer individuellen

Möglichkeiten in abschließenden Prüfungen zur

Verfügung stehen.

Nun der entscheidende Gesichtspunkt: Während in den

staatlichen Zentralprüfungen (HSA, RSA, Abitur)

einseitig die kognitiven Fähigkeiten überprüft werden, hat

der Schüler in der FHSR die Möglichkeit, sowohl seine

kognitiven Fähigkeiten zu demonstrieren als auch zu

zeigen, was er an handwerklich-künstlerischem

Vermögen erworben hat; er zeigt sich in seinem Können

als „Voll-Mensch“, nicht nur als „Kopffüßler“. Darüber

hinaus ist es ein erfreulicher Vorteil der FHSR an

Waldorfschulen, dass wir - im Gegensatz zu den

zentralen Prüfungen - die Prüfungsaufgaben aus

unserem Lehrplan selbst erstellen und im Gespräch mit

AUS DER SCHULE

staatlichen KollegInnen nur die Gleichwertigkeit der

nachzuweisenden Leistungen feststellen. Hier wird

endlich der Grundsatz verwirklicht: „Geprüft wird, was

gelehrt wurde“.

Als eine Schule, die ins Leben führen will, ist es unser

Anliegen, jedem Schüler, jeder Schülerin die Möglichkeit

zu bieten, seine Anlagen rundum zu entwickeln und zu

entfalten. Gerade in dem Doppelangebot der FHSR -

sowohl im Willens- und Empfindungs-stärkenden Bereich

des Handwerklich-Künstlerischen als auch dem die

Denkkräfte schulenden Gebiet der kognitiven Fächer -

liegt die Chance für die Waldorfschule, ihrem Ur-Auftrag

der „Menschenbildung“ gerechter zu werden.

Und wie viele Wege des Sich-selbst-Erkennens, des

Sich-Orientierens kann der Schüler in dem „Jahr

praktischer Tätigkeit“ in Wirtschaft, Handwerk oder

sozialen Einrichtungen gehen; welche Welt-Erfahrungen

kann er gewinnen, bevor er sich endgültig für einen

beruflichen Weg entscheidet!

Die ersten Rückmeldungen unserer „Schützlinge“ aus

dem letzten Schuljahr sind bereits eingetroffen:

spannend ihre Berichte, erfrischend ihre Besuche in den

letzten Wochen. So anders stehen sie jetzt vor mir als

noch vor einem Jahr. Und die jetzigen 1 2er, denen

langsam die Köpfe rauchen und der Schweiß auf der

Stirn steht, lauschen ihren Ausführungen...

Auf ein ereignisreiches, erstes Jahr mit vielen Hochs und

Tiefs blicken wir zurück: Die Freude war groß, als der

Gesamtdurchschnitt bekannt wurde: 2,4! Und das beim

ersten Anlauf und unter der schwierigen Bedingung, in

Räumen untergebracht zu sein, die einer ruhigen und

zielorientierten Vorbereitung abträglich sind.

Annette Wälz-Brink - Prüfungsbeauftragte der Schule

Traubenlese im Herbst

Jedes Jahr gehe ich mit einer Klasse auf unser

Hanggrundstück in Hemsbach zur Wein- und Apfelernte.

Dieses Jahr also mit der Klasse von Herrn Redzic.

Schwer hängen die Wolken über Mannheim und wir

fragen uns, ob das Wetter mitspielen wird Sind alle

Schüler wetterfest angezogen Nun, wir wagen es und

hoffen auf einen gnädigen Wettergott.

Nach einer kurzen Zugfahrt und einer stärkenden

Brotzeit, wandern wir den Fußweg zum Berg hinauf. Auf

dem steilen Hang werden die verschiedenen Aufgaben

verteilt: Eimer und Gartenscheren für die Schüler, welche

die Trauben schneiden und sammeln. Bäume werden

kräftig geschüttelt und die Körbe und Säcke verteilt. Alle

füllen nun ihre Eimer mit Trauben oder Äpfel und am

Fuße des Steilhangs nimmt das kleine Auto alles

Gesammelte auf. Eifrig sind alle Schüler am Werk.

Endlich bricht die Sonne durch die Wolken und plötzlich

schillert das Herbstlaub in intensiven Rot - und

Gelbtönen. Der Herbst zeigt sein schönes Gesicht.

Unten im Hof sind Schredder und Presse bereits

aufgebaut. Alles Obst wird gewaschen, klein geschnitten,

zerstückelt und zum Schluss gepresst. Jeder mag mal

am großen Schwungrad drehen!

Gibt es beim Schneiden der Äpfel noch große Aufregung

um die Würmer und fauligen Stellen (die alle Schüler mit

den Messern entfernen), so ist dies schnell vergessen,

wenn der goldene Saft aus der Presse läuft. Alle Becher

werden gefüllt und alle Schüler sind sich einig, dass der

Saft besonders lecker schmeckt. Zur Belohnung gibt es

noch Apfelkuchen mit Sahne, der wurde nebenher auch

noch von fleißigen Küchenhelferinnen gemacht. Unser

Dank geht an Anita und Herbert Marz, die uns jedes

Jahr diesen besonderen Tag ermöglichen.

Ann Marz - Lehrerin für Projektunterricht


AUS DER SCHULE Seite 1 4

Die Oberstufe wandelt auf politischen Wegen

Im Artikel 21 der Verfassung Baden-Wüttembergs heißt

es: „Die Jugend ist in den Schule zu freien und

verantwortungsfreudigen Bürgern zu erziehen und an

der Gestaltung des Schullebens zu beteiligen.“

Diesem Gedanken haben sich in den vergangenen

Wochen die SchülerInnen der 11 . Klasse mutig gestellt.

Im Rahmen des Politik-Unterrichts und parallel zu den

Bundestagswahlen bereiteten sie die Wahl zur neuen

SMV (Schülermitverwaltung) der Oberstufe vor, führten

diese vom 1 4. - 1 6.1 0.201 3 durch und teilten die

Ergebnisse auf dem ersten Oberstufenforum mit. Alle

gewählten MandatsträgerInnen nahmen die Wahl an und

erhielten durch die Hand der 11 .-Klässlerin Sabrina den

von den Wählern aufgestellten Aufgabenkatalog. Somit

kann die Arbeit beginnen ... Anders als das lange

Sondieren, Taxieren und Abwarten der Politiker in Berlin

gehen unsere Jugendliche mit Eifer, Ernst und

Engagament ans Werk.

Die Wahlbeteiligung war hoch: 78% - kein Wahlzettel

ungültig, da das berühmte „Zettelfalten“ fehlte.

Hier die Mitglieder der SMV:

Lesedi (9. Kl.); Chiara, Leon (1 0. Kl.); Anna, Shari, Lukas

(11 . Kl.); Anna, Jonas, Baris, Tancred (1 2. Kl.).

Die WahlhelferInnen gratulieren und wünschen frohes

Schaffen, gute Laune und mutige Taten!

A. Wälz-Brink - Politiklehrerin

Die Schülermitverwaltung (SMV)

Nachdem mehrere Beschwerden in der Schülerschaft

laut wurden, dass die Schüler zu wenig Mitspracherecht

in der Schulgestaltung haben; schlug unsere

Politiklehrerin (A. Wälz-Brink) uns eine Schülermitgestaltung

vor. Daraufhin führten wir geheime Wahlen

durch, die deren Mitglieder bestimmen sollten. Vom 1 4. -

1 6.1 0.201 3 hatte die Oberstufe (9. - 1 2. Klasse) die

Möglichkeit, vier SchülerInnen aus vier verschiedenen

Klassen zu wählen.

Die große Wahlbeteiligung (78%) der Schüler lässt

darauf schließen, dass dieses Mitgestaltungsrecht schon

lange nötig gewesen ist.

Dabei sind: aus der 9. Klasse Lesedi mit 34 Stimmen, in

der 1 0. Klasse Chiara (30 Stimmen) und Leon (20

Stimmen). Die 11 . Klasse wird vertreten von Anna (22

Stimmen), Shari (1 9 Stimmen) und Lukas (8 Stimmen)

und die 1 2. Klasse von Jonas (20 Stimmen), Baris (1 8

Stmmen), Tancret (6 Stimmen) und Anna (6 Stimmen).


KOOPERATIONSPROJEKTE Seite 1 6

Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim kooperiert mit Hochschule der Wirtschaft für

Management

Die Hochschule der Wirtschaft für Management (HdWM)

unterzeichnete im Oktober einen Kooperationsvertrag

mit der Freien Interkulturellen Waldorfschule in der

Neckarstadt. Ziel der Kooperation ist, die Studierneigung

von Studienberechtigten aus nicht-akademischen

Familien und solchen mit Migrationserfahrung zu fördern.

Durch eine Partnerschaft mit der Hochschule der

Wirtschaft für Management (HdWM) will die Freie

Interkulturelle Waldorfschule ihren Schülern neben

vielfältiger Berufsorientierung auch die Möglichkeit

bieten, Hochschulluft zu schnuppern. Die Mannheimer

Bildungseinrichtungen verbindet der zukunftsweisende

Ansatz, Potenziale von Schülern und jungen

Erwachsenen aus nicht-akademischen Familien und

solchen mit Migrationserfahrungen gezielt zu fördern und

damit Chancengleichheit für alle zu verwirklichen. Durch

die Kooperation soll der Übergang vom Bildungs- ins

Ausbildungssystem optimiert werden. Dazu gehören die

Unterstützung von Schülern bei der Studien- und

Berufswahl sowie die Heranführung von Schülern an die

Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens. Ein

besonderer Fokus ist auf „Studienpioniere“ gerichtet.

Dies sind Schüler, die das Potenzial für ein Studium

haben, aber von ihren Eltern keine einschlägigen

Erfahrungen übernehmen können. Mit Unterstützung des

Deutsch-Türkischen Instituts für Arbeit und Bildung e.V.

(DTI) können insbesondere Schüler mit

Migrationserfahrung gefördert werden.

„Beide Kooperationspartner profitieren von einer engen

Zusammenarbeit“, freut sich Klaus Hesse,

Vorstandsmitglied der Freien Interkulturellen

Waldorfschule, bei der Vertragsunterzeichnung. Mit der

Kooperation der beiden Bildungseinrichtungen können

den Schülern neben Ausbildungsmöglichkeiten auch

Studienmöglichkeiten aufgezeigt werden, so Hesse.

Auch der Präsident der HdWM, Prof. Dr. Franz Egele,

sieht große Chancen in der Kooperation, denn „unser

Selbstverständnis besteht darin, Potenziale früh zu

erkennen, Begabung und Leistungswillen gezielt zu

fördern und als Chancen für die Zukunft zu nutzen.“

Die HdWM ist eine private Hochschule der Wirtschaft für

Management in Mannheim, die ihren Studienbetrieb im

April 2011 aufgenommen hat. Die Hochschule zählt

schon jetzt 400 Studierende, Tendenz weiter steigend.

Die HdWM zeichnet sich durch ein neuartiges Konzept

aus, das eine innovative Mischform von dualem und

klassischem Fachhochschulstudium darstellt. Die

staatlich anerkannte Hochschule bietet drei innovative

Bachelor-Studiengänge (B.A.) an:

- Management und Unternehmensführung

- Beratung und Vertriebsmanagement

(bundesweit singulär)

- Management in International Business

(englischsprachig)

Gunhild Daecke - Öffentlichkeitsarbeit

hinten von links: Prof. Dr. Dorothee Karl (HdWM), Susanne Piwecki und Gunhild Daecke (FIW),

Setzgin Giaprakas (Deutsch-Türkisches Institut für Arbeit und Bildung), Prof. Dr. Lars Castellucci (HdWM)

Vorne von links: Prof. Dr. Franz Egele (Präsident HdWM), Klaus Hesse (Vorstand FIW)


Seite 1 7

...weil wir kein deutsch konnten!

lautete der Titel einer Veranstaltung, die am 25.06.201 3

in der Freien Interkulturellen Waldorfschule stattfand.

Mehr als 60 Besucherinnen und Besucher wollten gern

wissen, was die Schriftstellerin und Sozialarbeiterin

Mehrnousch Zaeri ihnen zu sagen hat. Mehrnousch

Zaeri ist Mitte der 80er Jahre als Kind mit ihren Eltern

und Geschwistern aus dem Iran nach Deutschland

geflohen. Die Familie hat erst nach vielen Jahren des

vergeblichen Wartens das ersehnte Anerkennungspapier

bekommen. Auch ihr Bruder, der international bekannte

Künstler und Illustrator Mehrdad Zaeri, hat dieses Thema

künstlerisch auf seine ganz besondere Weise umgesetzt.

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als

Mehrnousch aus ihren spannenden autobiografischen

Texten las, die im kommenden Jahr als Bücher

erscheinen sollen: als Jugendbuch und als Sachbuch.

Während der Lesung setzte Mehrdad Zaeri das

vorgetragene Thema „live“ als Zeichnung an der Wand

bildlich um in einer Mischung aus naiver Malerei und

Karikatur. Das Lachen blieb einem dabei allerdings im

Halse stecken.

In der anschließenden Diskussion erläuterte Mehrdad

Zaeri, warum er seinen Eltern bis heute dankbar ist. Sie

hatten um seinetwillen ihre gute Existenz als

angesehene Arztfamilie in Isfahan aufgegeben, um den

Sohn wieder zu heilen, der durch die Auswirkungen der

militaristisch-theokratischen Diktatur krank geworden

war. Das Warten auf Asyl erst in Istanbul und später in

Heidelberg dauerte allerdings so lange, dass die

BESONDERE ANLÄSSE

Erlaubnis für den Vater, als Arzt in Deutschland tätig sein

zu dürfen, abgelaufen war. Der Vater musste sich mit

Mitte 50 einen neuen Beruf suchen, um seine

sechsköpfige Familie in Deutschland durchzubringen.

Die lebhafte Diskussion, bei der sich neben den Eltern

der beiden auch andere KünstlerInnen, Flüchtlinge und

zahlreich erschienene Unterstützer der Flüchtlingsarbeit

beteiligten, verlief in einer Atmosphäre hoher

Einfühlsamkeit. Das schlug sich auch in dem guten

Sammelergebnis für die Mannheimer Flüchtlingsarbeit

nieder.

Veranstalter waren der Verein KulturQuer QuerKultur

Rhein-Neckar und die Save-Me-Kampagne Mannheim,

mit freundlicher Unterstützung der Freien Interkulturellen

Waldorfschule Mannheim-Neckarstadt.

Stefan Bergmann – Save Me

BAKTAT-Bildungsbrücke spendet Lebensmittel an Interkulturelle Waldorfschule

Bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Schülern und

Vertretern der Freien Interkulturellen Waldorfschule

machte sich Mustafa Baklan, Geschäftsführer der Firma

BAKTAT, ein Bild davon, wie aus seinen

Lebensmittelspenden köstliche und gesunde Speisen

zubereitet werden.

Seit diesem Jahr spendet BAKTAT-Bildungsbrücke e.V.

der Schule am Neuen Messplatz 1 .200 kg Lebensmittel

für die regelmäßige Schulspeisung der Kinder und

Jugendlichen an der Ganztagsschule. Der Koch Markus

Britzius freut sich über ein vielfältiges Sortiment an

Hülsenfrüchten, Couscous, Bulgur, Reis, Nudeln und

vielem mehr. „So kann ich den Schülern jeden Tag ein

gesundes und ausgewogenes Essen zubereiten“, betont

der Koch der Bildungseinrichtung. Täglich werden an der

Freien Interkulturellen Waldorfschule Mannheim etwa

250 Essen frisch zubereitet. Alles, nur kein Fleisch steht

auf der Speisekarte an der Schule in der Neckarstadt.

„Bei uns wird nur vegetarisch gekocht, um auch den

muslimischen und jüdischen Schülern gerecht zu

werden“, sagt Gunhild Daecke, die an der Schule für die

Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Seit 1 0 Jahren

versorgen ein Koch und zwei Küchenhilfen die Kinder

und Jugendlichen mit Essen an der Ganztagsschule.

Mustafa Baklan freut sich, dass seine

Lebensmittelspenden in der Schule Anklang finden. Bei

einem gemeinsamen Mittagessen mit der 4. Klasse

dürfen er und Vertreter des Vereins BAKTAT-

Bildungsbrücke e.V. selbst einmal probieren. Auf dem

Speiseplan steht „Bezelye yemegi ve Bulgur pilavi“, ein

türkischer Erbseneintopf mit Bulgur.

Die Firma BAKTAT ist mit weltweit über 1 500

Mitarbeitern der größte türkische Lebensmittelhändler in

Deutschland. In ihrer Unternehmenszentrale in

Mannheim arbeiten allein 1 00 Mitarbeiter. BAKTAT bietet

ca. 3000 verschiedene Nahrungsmittelprodukte an. Und

es werden von der Unternehmenszentrale in Mannheim-

Neckarau längst nicht mehr nur türkische Märkte

beliefert. Zu den Kunden gehören auch die großen

deutschen Lebensmittelketten von Metro bis Edeka. Die

Firma BAKTAT engagiert sich in Mannheim in vielfältigen

sozialen Institutionen und Bildungseinrichtungen. Das

Fundament des Unternehmens ist die Nähe zu und das

multikulturelle Verständnis für seine Kunden und das

macht es zu einem guten Partner für die Freie

Interkulturelle Waldorfschule Mannheim.

Gunhild Daecke - Öffentlichkeitsarbeit

Mustafa Baklan (Firma BAKTAT) mit Schülerinnen der jetzigen 5. Klasse


BESONDERE ANLÄSSE Seite 1 8

Rumänische Waldorfschule für Roma-Minderheit zu Besuch an der Freien Interkulturellen

Waldorfschule Mannheim

Lehrer einer Schulinitiative für die Roma-Minderheit aus

dem rumänischen Rosia hospitierten im Juli an Freien

Interkulturellen Waldorfschule Mannheim. Mit ihrem

zweiten Besuch an der Schule in der Neckarstadt wird

eine Partnerschaft zwischen den Schulen besiegelt.

1 0 Lehrer aus Rumänien besuchen die Freie

Interkulturelle Waldorfschule Mannheim, um zu

hospitieren und in einen pädagogischen Austausch mit

der Schule am Neuen Messplatz zu treten. Žan Redžić,

Vorstand und Lehrer an der Freien Interkulturellen

Waldorfschule, freut sich, dass mit dem Besuch der

Kollegen aus Rumänien nun eine Partnerschaft besiegelt

werden kann. Seit drei Jahren reist er mit seinem

Kollegen Jean-Luc Lasnier einmal im Jahr nach Rosia,

um Lehrerfortbildungen zu geben und einen Austausch

mit der Schule zu intensivieren.

Die rumänische Hans Spalinger Waldorfschule engagiert

sich seit 1 998 für die Roma-Minderheit in Rosia. Impuls

zur Gründung dieser Initiative war die Not unzähliger

Menschen der Roma-Minderheit in den ländlichen

Gebieten in Siebenbürgen. Auch sie sollten Bildungsund

Zukunftschancen erhalten. Mit der Hans Spalinger

Waldorfschule wurde eine Schulform gefunden, in der

sich die Menschen der Roma-Minderheit respektiert und

wahrgenommen fühlten. Begonnen hatte die Schule mit

Alphabetisierungsprogrammen, die bis heute zu einer

funktionierenden Schule mit 1 00 Schülern in acht

Klassen angewachsen sind. Im Jahr 2000 wurde die

Schule vom Schulinspektorat Sibiu als staatliche

Waldorfschule anerkannt, die dann 2004 durch einen

berufsbildenden Zweig mit dem Profil Landwirt-schaft

erweitert wurde. 2009 wurden alle Berufsschulen in

Rumänien abgeschafft, so dass die Schule jetzt dafür

kämpfen muss, eine adäquate Ausbildung vom

Ministerium genehmigt zu bekommen. „Daher sind die

Fortbildungen durch die Lehrer der Freien

Interkulturellen Waldorfschule Mannheim wichtig für

uns“, so Cӑtӑliu Dumitru, Lehrer an der neuen

Partnerschule in Rumänien. Seit September 201 0 hat die

Schule auch eine Kindergartengruppe.

Ziel einer Partnerschaft sei es nun, so Redžić, „den

pädagogischen Austausch zwischen den Schulen zu

intensivieren und eine dauerhafte Partnerschaft

zwischen den Schulen aufzubauen.“

Gunhild Daecke - Öffentlichkeitsarbeit

Hintere Reihe von rechts: Jean-Luc Lasnier (Lehrer FIW), Cataliu Dumitru (Lehrer der Hans Spalinger

Waldorfschule) Zan Redzic (Lehrer und Vorstand der FIW), weitere Kollegen daus Rumänienöln


BESONDERE ANLÄSSE

KIWANIS-Club Mannheim-Ludwigshafen

spendet 4.000 Euro für eine gezielte

Deutschsprachförderung

Der KIWANIS-Club Mannheim-Ludwigshafen

unterstützt die Freie Interkulturelle Waldorfschule

Mannheim bereits zum zweiten Mal mit einer

großzügigen Spende. Mit der Unterstützung soll

eine gezielte Deutschsprachförderung an der

Schule ermöglicht werden.

Sprache ist die Grundvoraussetzung für eine

erfolgreiche Bildungsbiographie. Viele Kinder und

Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund

benötigen Sprachförderung, um ihr Potenzial voll

ausschöpfen zu können, so Alexander Rogowski,

Lehrer an der Freien Interkulturellen Waldorfschule.

„Der KIWANIS-Club Mannheim-Ludwigshafen

engagiert sich seit vielen Jahren für eine gezielte

Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen in

Mannheim und Ludwigshafen“, so der Präsident

des Serviceclubs Ralf Busch. Die Schule in der

Neckarstadt darf sich daher über eine Spende in

Höhe von 4.000 Euro freuen. Die Schule am Neuen

Messplatz setzt seit dem letzten Schuljahr ein

neues Unterrichtsfach um, „Deutsch als

Vertiefungssprache“, um Voraussetzungen für

einen optimalen Spracherwerb für alle Kinder und

Jugendlichen zu schaffen, die aus insgesamt 33

verschiedenen Nationen stammen.

Insgesamt 1 4 Mitglieder des KIWANIS-Clubs

fanden sich in der Schule ein, um sich persönlich

über die Arbeit der Neckarstädter

Bildungseinrichtung zu informieren. Bei

Hospitationen im Unterricht, einem Rundgang

durch die Schule und Gesprächen mit Schülern und

Lehrern erhielten die Gäste einen guten Einblick in

die Arbeit der Schule. Die Besucher zeigten sich

sehr zufrieden mit der Arbeit der Freien

Interkulturellen Waldorfschule.

Schüler mit geringen Sprachkompetenzen im

Deutschen erhalten ab der 1 . Klasse eine gezielte

Förderung in ihrer Zweitsprache. „Deutsch als

Vertiefungssprache“ birgt eine große Chance, da

durch die Vertiefung der Unterrichtssprache das

wichtigste Medium für nahezu alle Schulfächer, die

Sprache, gefestigt wird. Später kann auf diesem so

erworbenen soliden Sprachfundament eine weitere

Fremdsprache erlernt werden. Mit der Förderung

durch den KIWANIS-Club kann das

Sprachförderangebot weiter ausgebaut werden.

KIWANIS ist eine internationale Service-Club-

Organisation von Freiwilligen und unterstützt und

fördert Kinder und Jugendliche sowie deren

Projekte, Kinderheime und Schulen. Jeder Club

pflegt neben den sozialen Aktivitäten ein

individuelles gesellschaftliches und kulturelles

Programm.

Gunhild Daecke - Öffentlichkeitsarbeit


BESONDERE ANLÄSSE Seite 20

Freiwilligendienste mit Erlebnispädagogik

EOS-Erlebnispädagogik e.V. in Freiburg vermittelt

Freiwillige ins In- und Ausland

Mit einem besonderen Angebot wartet EOS-

Erlebnispädagogik in Freiburg auf: Der Verein ist nicht

nur einer der größten Anbieter und Ausbildungsinstitut

für Erlebnispädagogik in Deutschland, sondern auch

anerkannter Träger für das Freiwillige Soziale Jahr

(FSJ), den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und den

Internationalen Jugend Freiwilligendienst (IJFD).

Junge Menschen zwischen Schule und Beruf werden

in den Seminaren konsequent erlebnispädagogisch

begleitet.

Aus den Organisationen im Sozial- und Non-Profit-

Bereich sind die Freiwilligen inzwischen nicht mehr

wegzudenken, denn sie übernehmen wertvolle

Tätigkeiten, für die sonst oft zu wenige Mittel zur

Verfügung stehen würden. Das EOS-Team unterstützt

tatkräftig und unbürokratisch, damit Einrichtung und

Freiwillige möglichst passgenau zusammenfinden.

Auch im weiteren Verlauf des Einsatzes begleitet EOS

sowohl die Jugendlichen als auch die Einsatzstellen

professionell und engagiert in allen Fragen. Die

Einrichtungen, die zu großen Teilen im

anthroposophischen Umfeld angesiedelt sind,

arbeiten seit Jahren eng mit dem EOS-Team

zusammen und profitieren wie die Teilnehmer von

dessen kompetenter Unterstützung. Einsatzstellen

sind Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser sowie

Einrichtungen im Bereich der Sozialtherapie und

Heilpädagogik. Auch bei EOS selbst kann ein

interessantes Jahr als Freiwilliger verbracht werden -

zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit, der

Verwaltung oder der Organisation von Seminaren und

Veranstaltungen.

Freiwilligendienste sind als umfassendes Bildungsjahr

konzipiert. Die jungen Erwachsenen sollen nicht nur

erste Praxiserfahrungen und Einblicke ins „wahre

Leben“ erhalten, sondern auch bei der Entwicklung

von sozialen Fähigkeiten, ihrer Persönlichkeitsbildung

und ihrer allgemeinen Orientierung kompetent

unterstützt und kontinuierlich begleitet werden. Hierzu

sind vom Gesetzgeber 25 Seminartage vorgesehen,

die EOS als anerkannte Bildungseinrichtung in fünf

Seminarblöcken à fünf Tagen im eigenen

Seminarhaus am Kaiserstuhl leistet. Die unverwechselbare

Kombination aus Arbeitsleben und

Erlebenspädagogik von EOS wird von den Freiwilligen

als außergewöhnlich inspirierend und oftmals sogar

als biografisch entscheidend erlebt: „Für mich war es

ein Hauptgewinn“, sagt eine Absolventin in der

Rückschau. Sie habe sich und ihre Vorstellungen auf

den Prüfstand stellen können und endlich erste

realistische berufliche und persönliche Perspektiven

entwickelt.

Über EOS Erlebnispädagogik e.V. und das

Seminarkonzept im Freiwilligendienst

EOS vertritt einen erlebnispädagogischen Ansatz, bei

dem es nicht um die schlichte Anhäufung von

Erlebnissen als 'Kicks' geht, sondern vielmehr um eine

nachhaltige Kultivierung der Erlebnisfähigkeit. Am

EOS-Erlebnispädagogik-Institut in der „Villa Mez“ in

Freiburg-Ebnet finden Lehre, Ausbildung, Forschung

und Öffentlichkeitsarbeit statt. Die Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter sind Pädagogen, Sportlehrer,

Historiker und Sozialpädagogen mit jahrelanger

Erfahrung im erlebnispädagogischen Bereich und

einer Vision, die sie verbindet.

In diesem Kontext wurde auch das Seminarkonzept

für die Freiwilligendienste entwickelt. Während der

Seminartage, die den Freiwilligendienst flankieren,

wird den Teilnehmern viel Raum geboten, um

Perspektiven für den eigenen Lebensweg zu

erkunden, soziale Kompetenzen zu entwickeln und die

gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Berichte aus

den Einsatzstellen, supervisorische Begleitung sowie

die Arbeit an der eigenen Biographie und Person sind

grundsätzlich immer Bestandteile der Seminare. Ob

mit künstlerischen Mitteln, bei sportlichen Aktivitäten

oder erlebniszentrierten Abenteuern – der Spaß darf

auch nicht fehlen! Spielerisch werden so das

Sozialgefüge der Gruppe und die Teamfähigkeit der

Einzelnen gestärkt. Kulturelle, soziale und politische

Themen sowie die Vermittlung von psychologischem

und pädagogischem Wissen kommen ebenfalls nicht

zu kurz.

Christoph Herrmann - EOS

Kontakt:

EOS Erlebnispädagogik e.V.

Villa Mez

Wildbachweg 11 , 7911 7 Freiburg

Telefon: 07 61 /600 800-6

kontakt@eos-fsj.de

www.eos-fsj.de

www.eos-freiburg.de


AUS DER POLITIK Seite 22

Zuschusserhöhung für freie Schulen steht bevor

In der Tagespresse konnte man in letzter Zeit lesen,

dass Waldorfschulen vom Land Baden-Württemberg

höhere Zuschüsse erhalten: Dies stimmt tatsächlich, in

der Koalitionsvereinbarung von 2011 hatte das Land

Baden-Württemberg den Schulen in freier Trägerschaft

zugesichert, die finanzielle Förderung auf 80% der

Kosten eines staatlichen Schülers, dem sogenannten

Bruttokostenmodell, stufenweise anzuheben. Das

Bruttokostenmodell enthält die Ausgaben für die

beamteten Lehrer, einen Versorgungszuschlag und eine

Beihilfepauschale. Auch Kosten für die Schulverwaltung

und die Lehrer-Fortbildung etc. werden hinzugezählt.

Nicht enthalten hingegen sind die Ausgaben für die

Sprachförderung, den Ganztagsbetrieb sowie für die

Verwaltung, Hausreinigung, Hausmeisterei und die

Küche.

Die grün-rote Regierung hat ihr Wort gehalten und bis in

das laufende Jahr 201 3 die Zuschüsse für freie Schulen

in 2 Schritten um 8,8% angehoben. Eine weitere

Erhöhung ist zum 01 .08.201 4 geplant, so dass die

Zuschüsse dann insgesamt um 39,5 Mio € angehoben

wurden.

Was bedeutet das für unsere Schule Wir sind um diese

Erhöhungen sehr froh, allerdings wird dadurch unser

Defizit, wie bei anderen Waldorfschulen auch, nicht

ausgeglichen, es tritt allenfalls eine leichte Entspannung

ein. Ganztagsschulbetrieb, kleinere Klassen, Einführung

von Deutsch als Vertiefungssprache und das geringere

durchschnittliche Elterngeld sind Faktoren, die uns nach

wie vor große finanzielle Herausforderungen stellen.

Gemeinsames Lernen, Lernen für alle und

Ganztagesschulen forderte unser Ministerpräsident

Winfried Kretschmann auf einer Wahlkampfveranstaltung

in Mannheim vor der Bundestagswahl. Drei

Bedingungen, die unsere Schule schon immer erfüllt.

Dennoch ist weiterhin nicht vorgesehen, dass diese

Besonderheiten für freie Schulen durch das Land

finanziert werden.

Obwohl die derzeitige baden-württembergische

Landesregierung die Zuschüsse beträchtlich erhöht hat,

befindet sich Baden-Württemberg im bundesweiten

Vergleich laut dem Gesamtjahresabschluss der Freien

Waldorfschulen in Deutschland in 2011 auf dem

drittletzten Platz (Bundesdurchschnitt € 4.387, Baden-

Württemberg € 3.945). Außerdem gibt es immerhin auch

schon fünf Bundesländer, die den

Ganztagesschulbetrieb den freien Schulen erstatten,

Baden-Württemberg gehört leider noch nicht dazu,

obwohl es ein erklärtes Regierungsziel ist

flächendeckend Ganztagesschulen einzuführen.

Was können wir noch tun Wir haben uns mit unserem

Anliegen, dass Sprachförderung und

Ganztagesschulbetrieb unserer Meinung nach vom Land

gefördert werden müssen, im September 201 3

schriftlich an den Ministerpräsidenten gewandt. Eine

recht allgemeine, für uns nicht zufriedenstellende

Antwort hat uns daraufhin aus dem Staatsministerium

erreicht. Diese haben wir bereits wieder beantwortet,

verbunden mit einer Einladung des Ministerpräsidenten

an unsere Schule.

Grundsätzlich werden wir nicht aufhören daran zu

arbeiten, dass für Schulen mit besonderem

pädagogischem Profil im sozial und kulturell integrativen

Bereich eine neue „Bezuschussungsformel“ gesetzlich

verankert wird.

Susanne Piwecki - Geschäftsführung

IMPRESSUM

Herausgeber:

Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim e.V.

Maybachstr. 1 6

681 69 Mannheim

Tel.: 0621 /30099830

E-Mail: info@fiw-mannheim.de

Webseite: www.fiw-mannheim.de

Redaktion: Gunhild Daecke, Petra Baier

Layout: Jörg Haider

Spendenkonto:

Freie Interkulturelle Waldorfschule Mannheim e.V.

Sparkasse Rhein-Neckar-Nord

Konto-Nr.: 381 201 23

BLZ.: 670 505 05

Auflage:500

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine