Die biber Oktober Ausgabe

dasbibermitscharf
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Wahlen in Wien, Politiker beim Kaffeesud lesen, Wahlgängs, Koreaner in Kroatien

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

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für neue

Österreicher

OKTOBER

2015

WIEN

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/ MIT SCHARF / 1


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minuten

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OSKAR

Ilker Catak hat den

„Studenten-Oskar“

gewonnen. Der

Deutschtürke über

seinen Film, zwei Pässe

und wie man seinen

Traumberuf auf dem

Arbeitsamt findet.

Von Delna Antia

Paul A. Hebert / AP / picturedesk.com

BIBER: Herzlichen Glückwunsch, Ilker, du bist

Oskar-Gewinner. Wie war die Oskarnacht in

L.A.?

ILKER CATAK: (lacht) Wenn du einmal in Berlin

feiern warst, dann ist das Kindergarten. Du

stehst da in Beverly Hills in einer Roof-Top-Bar

und trinkst aus Plastikbechern Cocktails. Um 1

Uhr gehen alle nach Hause.

Du hast die Trophäe für deinen Kurzfilm „Sadakat“

(„Loyalität“) erhalten. Er spielt in Istanbul,

zur Zeit der Proteste im Gezi-Park. Bist du selbst

dabei gewesen?

Nein, weil ich in Deutschland sein musste. Der

Film ist daher auch ein Versuch, meinen Beitrag

zu leisten. Was 2013 passiert ist, hat meine

Familie und mich sehr bewegt. Es war so neu,

dass Menschen in der Türkei auf die Straße

gehen. Ich habe zum ersten Mal so etwas wie

Nationalstolz gespürt und wollte mich filmisch

solidarisieren.

Im Film kommt die Frage auf, in welcher Gesellschaft

das eigene Kind aufwachsen soll.

Was wünschst du dir für die türkische Gesellschaft?

Eine Diskussionskultur – dass die Leute miteinander

sprechen, ohne miteinander zu streiten.

Wenn Politiker ihren Hass zur Schau stellen,

gehört das vielleicht dazu. Aber dass die Zensur

mitten aus unserer Gesellschaft kommt, dass

wir gegeneinander so hetzen, beunruhigt mich.

– Ich sage bewusst „wir“, denn ich sehe mich

auch als Teil der türkischen Gesellschaft.

Du kennst ja beide Welten. Ist das in Deutschland

anders?

Ja, kein Vergleich. Hier kannst du alles sagen,

ohne fürchten zu müssen, dass dir etwas

geschieht. Mir gefällt in Deutschland, dass die

Hierarchien in der Gesellschaft flacher sind. Hier

fahren Politiker mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Hast du eigentlich beide Pässe?

Ja, die habe ich. Irgendwann möchte ich auch in

der Türkei leben, aber im Moment geht es mir in

Deutschland besser. Da habe ich mehr Seelenfrieden.

Zurück zum Film. Wolltest du immer schon

Regisseur werden?

Nee, gar nicht. Nach dem Abi habe ich BWL studiert,

aber das war nicht meine Welt. Dann saß

ich zur Beratung beim Arbeitsamt. Der Kerl dort

fragt mich nach meinen Hobbys. Ich antworte,

dass ich gerne ins Kino gehe. Er hat mir meinen

ersten Job als „Runner“ verschafft – ich hab

Straßen blockiert, Kabel getragen und Kaffee

gekocht. Das war meine Welt!

Dein nächster Film ist eine insgeheime Liebeserklärung

an Hamburg. Wann kommt Wien dran?

(lacht) Ich war noch nie in Wien. Aber mein

Drehbuchautor ist Wiener, Georg Lippert. Ich

mag den schlitzohrigen Humor. Und ich bin offen

für Angebote.

WER IST ER:

Name: Ilker Catak

Alter: 31

Geburtsort: Berlin

Heimatgefühl: Berlin, Istanbul, Hamburg, Köln

Besonderes: Alle Filmhochschulen haben ihn zunächst abgelehnt.

/ 3 MINUTEN / 3


6 FACES OF THE MONTH

Collage unserer Wahlgängs

10 IVANAS WELT

„Was hast du gefickt, Bruder?“

So sprechen also 13-Jährige.

POLITIKA

12 KARIM EL-GAWHARY

über die Rolle der arabischen Staaten in der

Flüchtlingskrise.

16 SO SEHEN WAHLGÄNGS AUS:

Die Gewinner unseres Foto-Contests.

22 KAFFEESUD 2

Ein Mann, dessen Name mit S beginnt, könnte

ihr gefährlich werden: Grünen-Chefin Maria

Vassilakou beim Kaffeesud-Lesen.

12

REFUGEES

Kaum ein deutschsprachiger

Journalist

hat einen derart

außereuropäischen Blick

auf die Flüchtlingskrise

wie Karim El-Gawhary.

Für biber schreibt er

über die Rolle der

arabischen Staaten in

der Flüchtlingskrise..

24 WAHL-NEWS

Migrantische Kandidaten, Rapper und

ein Gynäkologe

25 MEINUNG

Wer nicht wählen geht, ist kein Rebell,

sondern einfach nur fahrlässig.

26 EXKLUSIV

Das Exklusivinterview mit Österreichs

erstem Militär-Imam.

IN

RAMBAZAMBA

32 NATUR-SHOOTING

mit der frischgekürten Miss Earth Air, sie zeigt

Ethno-Looks und erzählt im Interview, wie es in

einer „Model-Beziehung“ so läuft.

38 FIGHT CLUB

Er war die rechte Hand von Jugendbanden-

Anführer Max Goldenberg. Heute möchte

Mansur ein neues Leben beginnen und

seine Aggressionen nur noch im Fight-Club

auslassen - doch der wurde geschlossen.

FIGHT CLUB

Ohne Eltern in Kirgistan aufgewachsen,

wurde Mansur in Wien Mitglied der

gefürchteten Goldenberg-Jugendbande.

Jetzt will er nur mehr

im Ring kämpfen und damit

andere Jungkriminelle retten.

38

4 / MIT SCHARF /


KARRIERE

44 KARRIERE & KOHLE

Redakteurin Alex rät allen, so früh wie

möglich Arbeitserfahrung zu sammeln.

46 MEIN BESTER RAT:

Diesmal Vorstandsdirektorin der

österreichischen Lotterien:

Bettina Glatz-Kremsner.

51 „NEUSTART SCHULE“

bringt Bewegung in die Bildungspolitik.

32

HALT OKTOBER

2015

MISS

EARTH AIR

Natur-Shooting mit

der frischgekürten

Miss Earth Air.

Sie präsentiert

angesagte Ethno-

Looks und erzählt

im Interview, wie

es in einer Model-

Beziehung mit ihrem

Freund so läuft.

TECHNIK

54 WAS GIBT ES NEUES?

Adam über tragbare Solarzellen, das Ende der

Selfies und die besten Games auf der Game

City 2015.

LIFE & STYLE

56 LIFESTYLE-TIPPS:

Über die Vielfalt von Komplimenten

und Kopftüchern.

KULTUR

63 KULTUR MIT SCHARF

Jelena über osteuropäische Filme

und brennende Fragen.

70

KOREANER EROBERN KROATIEN

Der Hype um die Reality Show „Noonas over flowers“,

in der koreanische Schauspielerinnen mit einem

Sänger durch Kroatien trampen, lockt immer mehr

asiatische Touristengruppen nach Kroatien.

Christoph Liebentritt, Dragan Tatic, Marko Mestrovic, Susanne Einzenberger

66 REGEN AUF DEM BALKAN

Die serbische Bestseller-Autorin Gordana Kuić

im Interview.

68 LIEBESBAUCH

Beziehungsbäuchlein: Wenn Paare nur noch

gemeinsam essen und auf der Couch liegen.

69 MEKKA-BUSINESS

Shoppen statt pilgern: Der Materialismus

macht auch vor Mekka keinen Halt.

70 KOREANER IN KROATIEN:

Auf einmal waren sie da. Mit Selfie-Sticks und

Kameras erobern sie das Land an der Adria.

/ MIT SCHARF / 5


FACES

OF THE MONTH

WÄHLEN LÄUFT

BEI UNS!

Von Alexandra Stanić

Bei dir auch? Wir haben die Jungwähler-Kampagne

#Wahlgäng ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es,

junge Wiener und Wienerinnen zu motivieren, von ihrer

Stimme Gebrauch zu machen. Hier sind sie also, ein

Teil unserer #Wahlgängs – ab Seite 16

findet ihr die Gewinner!

6 / MIT SCHARF /


MIT SCHARF / 7


Liebe LeserInnen,

Es ist DAS Thema der letzten Monate. Der Ansturm von Flüchtlingen.

Häufiger Tenor dabei: „Wir haben schon genug aufgenommen und was

ist mit den arabischen Staaten?“ Gastkommentator und ORF-Auslandskorrespondent

Karim El-Gawhary gibt einen ungewöhnlichen,

weil nicht euro-zentristischen Einblick in die komplexe Thematik. Ab

S. 12

Viele Erst- bzw. Jungwähler pfeifen auf den sonntäglichen Gang zur

Wahlurne. Lieber den Kater auskurieren oder das neue Fifa zocken.

Genau deswegen gibt es die #Wahlgäng. Wir haben junge Leute aufgerufen,

ein Foto von ihrer „Wahlgäng“ auf Instagram hochzuladen. Die

besten Schnappschüsse könnt ihr ab S. 16 bestaunen.

Pfuu, ganz schön heavy geht es auf der Welt zu. Zeit für etwas Entspannung.

Die österreichische Miss-Earth „Air“ lässt uns an ihrer Schönheit

teilhaben und appelliert an alle Leser, in Not geratenen Menschen zu

helfen. So, wie sie das mit ihren Charity-Projekten tut. Ab S. 32

Mansur ist traurig, dass der Ort auf der Copa Cagrana, wo er seine

Aggressionen im Ring auslassen konnte, für andere Zwecke verwendet

wird. Der Fight-Club ist Geschichte. Das ehemalige Mitglied

der „Goldenberg“-Bande erhebt Vorwürfe und befürchtet, dass die

Jugendlichen wieder kriminell werden. Ring frei ab S. 38

Bleibt uns gesonnen und geht wählen!

Bussis,

die Redaktion

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Museumsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

STV. CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia

ONLINE:

Alexandra Stanić

KOLUMNIST/INNEN:

Ivana Martinović, Todor Ovtcharov

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Sarah Al-Hashimi, Melisa Aljović,

Muhamed Beganović, Adam Bezeczky,

Milena Borovska, Ayper Cetin, Amélie

Chapalain, Maida Dedagić, Amra Ducić,

Ali Cem Deniz, Nana Egger, Susanne

Einzenberger, Menerva Hammad, Tina

Herzl, Markus Hollo, Mahir Jamal,

Lyudmila Gyurova, Sophie Kirchner,

Maria Matthies, Marko Mestrović, Ivana

Martinović, Marie-Noel Ntwa,Anastasia

Osipova, Todor Ovtcharov, Jelena

Pantic, Michele Pauty, Marian Smetana,

Vanessa Spanbauer, Daniel Spreitzer,

Alexandra Stanić, Teoman Tiftik,

Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LAYOUT: Dieter Auracher, Viktoria Platzer

LEKTORAT: Christina Gaal

ANZEIGEN: Adam Bezeczky

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger, Simon Kravagna

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1,

E-1.4, 1070 Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

marketing@dasbiber.at

abo@dasbiber.at

INTERNET: www.dasbiber.at

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DISKRIMINIERUNG

050 11 50-42 42

/ MIT SCHARF / 9


In Ivanas WELT berichtet biber-Redakteurin

Ivana Martinović über ihr daily life.

IVANAS WELT

Foto: Igor Minić

„WAS HAST DU GEFICKT, BRUDA?“

Der Sommer ist vorbei. Man trifft sie wieder - Schüler. Vor allem aber hört man sie

und man hört Einiges. Täglich grüßen “Missgeburt, Hurensohn, Opfa, Behinderter”.

Vokabularische Einlagen vom Feinsten. Das Interessensgebiet, was Freund den

ganzen Sommer getrieben hat, äußerte sich letztens im Bus in Form von “Was hast

du Sommer gefickt, Bruda?”

So ein kleiner Knirps, nicht mal Barthaare im Gesicht, fragte den Kumpel, was

sich in der Horizontalen getan hat. Um seine coole Truppe herum waren Eltern mit

Kindern, ältere Menschen, ich! Kein Genierer, nicht mal den Funken Rücksicht, wer

da alles mithört. Dann folgte Gelächter, als paar Namen von Mädchen gefallen sind.

ANGST STATT RESPEKT

Und ehrlich! Ich trau mich ja gar nicht etwas zu sagen, mich einzumischen. Kann ich

abschätzen, wie die auf mich reagieren? Schließlich könnt sein Ego drunter leiden

und der Versuch gestartet werden, sein Gesicht zu wahren. Gehört er zur Kategorie

“Ja, bin doch in der Lage mich bisschen zu schämen, wenn Ältere aufmucken.” oder

ist es einer, der mich noch Schlampe nennt und mir ins Gesicht spuckt? Konsequenzen

fürchten sie null. Eh klar, wenn schon ein Zwölfjähriger die Eier hat, dem

Lehrer wegen Fehlstunden in der Schule zu sagen “Hab geschwäääänzt, Bruda!” Vor

wem soll er Respekt haben, außer vor einem, der stärker ist und ihm in die Fresse

haut? Und das ist dann nicht mehr Respekt, sondern Angst nach dem Motto “Fressen

und gefressen werden!”

Was spielt sich in der Schule ab? Gibt es noch Respekt vor der Autorität des Lehrers?

Sind sie in der Lage zweisprachig zu funktionieren, zwischen Schuldeutsch und

Park-Slang? Und wo wirst du enden, Junge, wenn mal die Zeit kommt, erwachsen

zu werden, wenn du beim Bewerbungsgespräch den Mund aufmachen musst und

daraus kein brauchbarer Satz herauskommt? Bushido sein ist kein Beruf, ein Alaba

wird nicht jeder und Austrias Next Topmodel ist keine Karriereleiter.

LÄNGER KIND

Ja, ja, das soll kein Angriff auf die naive Jugend sein, die scheinbar viel ärger drauf

ist als früher. Wie sagt man so schön, wir waren alle mal jung, haben Blödsinn

gemacht und haben g’schissn geredet. Fehler darf jeder machen, aus denen lernt

man. Aber seid ein bisschen länger Kind, weil ihr zu unreif im Schädel seid, erwachsen

zu sein. Und seid trotzdem erwachsen genug, um zu wissen, dass die Jugend

die prägendste Zeit ist, wo ihr am besten lernen könnt und Vorbilder braucht. Nur

nicht die falschen!

Chillen im Park füllt keinen Lebenslauf. Das tun Praktika, auch wenn sie ehrenamtlich

sind. Und ein leerer Lebenslauf bringt keinen Job. Zumindest keinen guten.

Und lasst doch bitte dieses dumme Geschimpfe. Es klingt einfach nur dumm und

peinlich. Oder willst du Hurensohn genannt werden?

martinovic@dasbiber.at

10 / MIT SCHARF /


POLITIKA

Aussichten für Wien: eisig blau.

Foto von Alex Dietrich


WARUM WIR

UND NICHT

DIE?

Die arabischen Staaten haben die meisten und wenigsten Flüchtlinge aufgenommen. Klingt blöd, ist so.

MANDEL NGAN / AFP / picturedesk.com, Dragan Tatic, bereitgestellt

12 / POLITIKA /


„Warum macht ihr ihnen nicht auf, ihr trägen Schnarchnasen?“

„Warum sollen wir in Europa

die Welt retten und all

diese syrischen Flüchtlinge

aufnehmen, wenn sich ihre

arabischen Brüder und

Schwestern im Glauben nicht

um sie kümmern?“

Gastkommentar von Karim El-Gawhary

Fakt ist, die arabische Welt ist derzeit in

der Aufnahme und Hilfe für die syrischen

Flüchtlinge zweigeteilt. Die Nachbarländer

Syriens, mit derzeit vier Millionen registrierten

Flüchtlingen, tragen in dieser Krise eine Bürde, die

jenseits der europäischen Vorstellungskraft liegt. Das

kleine Jordanien hat 630.000 aufgenommen. Im kleinen

Libanon ist derzeit mindestens jeder vierte Bewohner

ein syrischer Flüchtling. Das wären umgerechnet

auf Österreich zwei Millionen Flüchtlinge. Da wär was

los am Wiener und Salzburger Hauptbahnhof. In der

Türkei leben zwei Millionen Syrer. Von diesen Ländern

aus betrachtet ist die europäische Flüchtlingskrise ein

Flüchtlingskrislein.

VERLORENE GENERATION

Und gerade diese Länder, die das Gros der Flüchtlinge

aufgenommen haben, fühlen sich vom Rest der Welt

und auch vom europäischen Nachbarn alleine gelassen.

Das UN-Flüchtlingswerk bräuchte für das laufende Jahr

4,5 Milliarden Dollar, um die dortigen Flüchtlinge mit

dem Nötigsten zu versorgen. Bisher wurden weniger

als 40 Prozent dieser Summe eingezahlt. Das heißt

konkret, dass Flüchtlingsprogramme, etwa im Libanon,

zurückfahren werden müssen, zum Beispiel bei Schulprogrammen.

Im Moment gehen 750.000 syrische

schulpflichtige Kinder nicht zur Schule. Da geht gerade

eine ganze Generation vor die Hunde, die eigentlich

später ihr Land wieder aufbauen sollte. Wer heute also

schreit, dass das europäische Boot voll sei, der sollte

wenigsten finanziell dafür sorgen, dass das libanesische,

türkische und jordanische Boot nicht untergeht.

Von der Nahostregion aus gesehen ist das europäische

Flüchtlingsproblem also relativ.

Und doch gibt es da auch jenen zweiten Teil der

arabischen Welt, der sich bisher aus der Flüchtlingskrise

fein herausgehalten hat. Ausgerechnet die ölreichen

Golfstaaten nehmen keine Flüchtlinge auf. Wenngleich

/ POLITIKA / 13


Das kleine Jordanien hat 630.000 Menschen aufgenommen

KARIM EL GAWHARY

ist langjähriger Auslandskorrespondent

und berichtet für TV,

Radio und Print aus

den Krisengebieten

in Nahost. In Kairo

leitet er das Studio des

ORF. Der Sohn einer

deutschen Mutter und

eines ägyptischen

Vaters hat kürzlich sein

Buch "Auf der Flucht"

veröffentlicht.

sich das Bild ein wenig relativiert, wenn diese darlegen,

wie viele Syrer in den letzten vier Jahren zu ihnen als

Arbeitsmigranten gekommen sind, und wenn diese

Staaten immer wieder betonen, dass sie beispielsweise

in Jordanien ganze Flüchtlingslager

finanzieren. Aber das alles

ist bisher für sie ein Klacks.

Allein letztes Jahr haben die

Golfstaaten 110 Milliarden Dollar

für Waffen ausgegeben.

„SCHÄMT EUCH-KAMPAGNE“

Eine Diskrepanz, die auch der

arabischen öffentlichen Meinung

nicht entgangen ist. Gerade die

Bilder von der Hilfsbereitschaft

in Deutschland und Österreich

haben dazu geführt, dass

man sich kritisch dem eigenen

zuwendet. Auf den arabischen

Facebook-Seiten kursieren

seitdem zahlreiche bissige Karikaturen oder Fotomontagen:

Wie etwa die Ikone des an einen Strand

angeschwemmten Flüchtlingskindes, das auf den

Konferenztisch der Arabischen Liga drapiert wurde,

meist versehen mit dem Kommentar „Und was macht

ihr?“ Die Hauptkritik geht dabei an Golfstaaten, die das

Syrienproblem zwar mitverursacht haben, aber sich nun

fein raushalten und die überforderten Nachbarstaaten

Syriens nicht unterstützen. Es kursiert auf den arabischen

Sozialen Medien auch ein angebliches Merkel-

Zitat: „Morgen werden wir unseren Kindern erzählen,

dass die syrischen Flüchtlinge zu uns gekommen sind,

obwohl Mekka, das Herz des Islam, viel näher liegt.“

Merkel hat das nie gesagt, aber neue soziale Medien

sind auch in der arabischen Welt nicht nur eine Reflexion

der Wirklichkeit, sondern der Wahrnehmung dergleichen.

So ist nun auch in der arabischen Welt eine

Diskussion losgetreten worden, warum die Golfstaaten

zwar Höherekorde mit blitzenden Wolkenkratzern brechen,

aber keine Lager für Flüchtlinge aufbauen können?

Es brauchte für die arabische Öffentlichkeit nicht

nur der Berichte von Syriens überforderten Nachbarstaaten,

sondern der Bilder von den helfenden Händen

Europas, um die Golfstaaten jetzt mit einer „Schämt

euch-Kampagne“ zu überziehen. Noch nie sind die

Golfstaaten so in der innerarabischen Kritik gestanden.

Das Fazit: In der EU muss man gewahr sein, dass man

dort trotz voller Bahnhöfe und Toten am Rande der

Autobahn nur einen relativ kleinen Teil des Flüchtlingsproblems

schultert. Und ja, die arabische Welt, allen

voran die Golfstaaten, kann mehr tun, um die Nachbarländer

Syriens zu entlasten. Mit dem Finger jeweils auf

die anderen zu zeigen, um damit sein eigenes Gewissen

zu entlasten, ist sicherlich keine weiterführende

Strategie, genauso wenig wie sich an den faulen Äpfeln

am Golf zu orientieren. Es geht nicht um ein „entweder

Europa oder die Golfstaaten“. Diese Flüchtlingskrise ist

zu groß, als das s irgendjemand nicht mit anpackt. ●

14 / POLITIKA /


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DAS SIND UNSERE

#WAHLGÄNG-

GEWINNER

Wow, mehr als 1.200 Jungwähler sind unserem Aufruf gefolgt, haben

Wahlgängs gebildet und Fotos auf Sozialen Medien geteilt.

Ziel der Aktion ist es, möglichst viele junge Menschen zu motivieren, am

11. Oktober wählen zu gehen. Übrigens: Die Gewinner unseres Wahlgäng-

Contests sind der beste Beweis dafür, dass Wählen nicht nur wichtig,

sondern auch verdammt cool ist.

von Alexandra Stanić

JOHANNES FEUERSÄNGER (18)

MELIKE YAHSI (18)

ANESA PEZEROVIC (17)

ALI KAPAN (19)

Geht ihr wählen?

Alle: Ja.

Ist wählen wichtig?

Melike: Ja, es ist nicht nur wichtig, sondern auch

zukunftsorientiert. Ich möchte unsere gemeinsame

Zukunft mitgestalten.

Anesa: Ja, ist es, damit keine Stimme verloren

geht.

Ali: Natürlich, jeder einzelne von uns soll mitbestimmen,

was in Wien passiert bzw. passieren

wird. Anschließend ist dazu sagen, dass es auch

wichtig ist, sich über die verschiedenen Parteien

und Politiker zu informieren, bevor man wählen

geht.

Wo informiert ihr euch über die Wahlen?

Melike: Ich lese mir meistens die Wahlprogramme

durch und sehe mir die vergangenen Jahre an, ob

die Versprechen wirklich eingehalten wurden.

Johannes: Hauptsächlich im Internet.

Marko Mestrovic, Susanne Einzenberger

16 / POLITIKA /


„Ich möchte unsere

Zukunft mitgestalten.“

JULIA GRININGER (17)

SANDRO FALCOCINI (16)

HASAN KOYUN (17)

MEHDI FIKRI (17)

NATASA TOCAKOVIC (16)

MOMO HASSAN (18)

MERYEM YILDIRM (16)

Seid ihr wahlberechtigt?

Meryem: Ich bin die einzige von uns drei, die wählen

darf.

Was sagt ihr dazu, dass ihr nicht wählen dürft?

Momo: Nicht so gerecht, ich lebe schon zehn Jahre in

Österreich, ich sollte auch das Recht haben abzustimmen.

Natasa: Ich finde es unfair, ich bin mit einem Jahr

nach Österreich gekommen. Jeder darf seine Meinung

sagen und wählen, nur ich nicht - so funktioniert

Demokratie eigentlich nicht.

Welchen Rat gebt ihr jemandem, der wählen dürfte,

aber nicht geht?

Meryem: Später nicht aufregen, wenn man mit dem

Wahlergebnis nicht zufrieden ist!

Natasa: Genau, später halt nicht ärgern.

Seid ihr interessiert an Politik?

Mehdi: Ich liebe Politik, meine ganze Familie ist sehr

politikinteressiert.

Hasan: Ehrlich gesagt nicht so sehr.

Geht ihr wählen?

Julia: Ja, ich gehe dieses Jahr das erste Mal.

Wo informiert ihr euch über die Wahlen?

Sandro: Im Unterricht. Das Problem ist aber, dass es

ziemlich langweilig gestaltet ist. Wenn du kein Interesse

an Politik hast, wirst du auch in der Schule nicht

aufpassen.

„Ich lebe schon zehn

Jahre in Österreich, ich

sollte auch das Recht

haben abzustimmen.“

/ POLITIKA / 17


„Wir sollten wählen

gehen, weil es unsere

Zukunft ist.“

BIONDA ILJAZI (16)

EZGI KESKIN (16)

ANDREI IGNACIO (18)

SELMA ROMANIC (16)

YASEMIN DILIBAL (18)

MAJDE AKTAS (17)

VIKTORIA GALLI (16)

SANDRA NEJETLIK (16)

Wie entscheidet ihr, wen ihr wählt?

Majde: Ich erkundige mich bei meinen Eltern. Wenn

die einer Partei vertrauen, glaube ich den Politikern

auch eher.

Geht ihr wählen?

Viktoria: Ja, ich gehe dieses Jahr das erste Mal

zusammen mit meinen Eltern wählen.

Sandra: Ich habe vor, hinzugehen. Ich frage mich nur

noch, wen ich wählen soll.

Warum ist wählen wichtig?

Majde: Wir sollten wählen gehen, weil es unsere

Zukunft ist.

Viktoria: Weil man seine Stimme nutzen muss!

Sandra: Wo wären wir denn, wenn keiner wählen

gehen würde?

Geht ihr wählen?

Alle einstimmig: Ja, auf jeden Fall.

Warum?

Selma: Weil jede Stimme zählt.

Ezgi: Weil wir so mitbestimmen können.

Wie findet ihr es, dass Menschen, die jahrelang in

Österreich leben, nicht wählen dürfen?

Bionda: Ziemlich schade, immerhin lebt er ja auch hier.

Andrei: Jeder, der hier lebt, sollte das Recht haben zu

wählen.

„Wo wären wir denn,

wenn keiner wählen

gehen würde?“

18 / POLITIKA /


FELIX WURZER (15)

MELANIE MARHADO (16)

ALI AL-SAYED (17)

RICHARD ERTL (15)

Findet ihr, man sollte schon mit 15 wählen

gehen dürfen?

Felix und Richard: Nein, eigentlich nicht.

Ist es wichtig, wählen zu gehen?

Ali: Ja, man sollte sein Wahlrecht nutzen.

Sonntag, 11. Oktober

WÄHLEN

GEHEN!

Eine Aktion von biber mit

Unterstützung der Stadt Wien

Eintritt

frei!

23. Oktober 2015

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19


DU HAST DIE WAHL!

Am 11. Oktober finden die Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen

statt. Um mögliche Unklarheiten aus dem Weg zu schaffen,

haben wir alle wichtigen Informationen hier zusammengefasst:

von Alexandra Stanić

WAS WIRD

GEWÄHLT?

Die Wiener Gemeinderatsund

Bezirksvertretung

WER DARF

WÄHLEN?

Den Gemeinderat und die

Bezirksvertretung dürfen

alle österreichischen Staatsbürger

über 16 wählen, die

ihren Hauptwohnsitz in Wien

haben. Zusätzlich sind nur für

die Bezirksvertretungswahl

auch nichtösterreichische

EU-Bürger wahlberechtigt, die

über 16 sind und ihren Hauptwohnsitz

in Wien haben.

WER DARF

NICHT WÄHLEN?

In Wien leben knapp 400.000

Personen im wahlfähigen

Alter, die allerdings nicht den

Gemeinderat wählen dürfen.

Grund: Sie sind nichtösterreichische

Staatsbürger. 180.000

stammen aus EU-Ländern, sie

dürfen also auf Bezirksebene

wählen. Die restlichen 220.000

kommen aus Drittstaaten und

dürfen gar keinen Gebrauch

von ihrer Stimme machen.

Somit sind 26 Prozent der

Wiener von der Gemeinderatswahl

ausgeschlossen.

WER WIRD AUF

GEMEINDERATSEBENE

GEWÄHLT?

SPÖ

Sozialdemokratische Partei Österreichs

FPÖ

Freiheitliche Partei Österreichs

ÖVP

Österreichische Volkspartei

GRÜNE

Die Grünen - Grüne Alternative Wien

NEOS

NEOS - Veränderung für Wien

WWW

Wir wollen Wahlfreiheit -

Liste Pollischansky

ANDAS

Wien Anders - KPÖ, Piraten,

Echt Grün und Unabhängige

GFW

Gemeinsam für Wien

SLP

Sozialistische LinksPartei

(nur Wahlkreis Brigittenau)

WIFF

Wir für Floridsdorf

(nur Wahlkreis Floridsdorf)

M

Männerpartei - Für ein faires

Miteinander (nur Wahlkreis Donaustadt)

FREIE

Freidemokraten (nur Wahlkreis Zentrum)

WIE WÄHLE ICH?

Mitzubringen ist ein amtlicher

Lichtbildausweis, den der Wahlleiter

erhält. Dann bekommst

du zwei Stimmzettel, einen für

die Wiener Gemeinderats- und

einen für die Bezirksvertretungswahl.

Du wählst jeweils

eine Partei und kannst eine

Vorzugsstimme an einen Kandidaten

dieser Partei ver-geben.

Deinen Stimmzettel in das Kuvert

stecken, einwerfen und fertig.

WO WÄHLE ICH?

In welchem Wahllokal du wählen

kannst, erfährst du in der „amtlichen

Wahlinformation“ per Post.

WAS IST DIE

BRIEFWAHL?

Die Briefwahl soll allen Wählern

ermöglichen wählen zu gehen,

auch wenn sie am Wahltag nicht

im Wahllokal sein können. Der

ausgefüllte Stimmzettel und die

Wahlkarte müssen bis spätestens

11. Oktober um 17 Uhr bei der

Wahlbehörde ankommen. Die

Adresse der zuständigen Wahlbe-hörde

ist auf der Wahlkarte

aufgedruckt. Einen Wahlkartenantrag

kann man bis zum 7. Oktober

schriftlich oder bis zum 9.

Oktober, 12 Uhr, persönlich beim

zuständigen Magistrat stellen.

20 / POLITIKA /


DER TOP-EVENT

FÜR JOBS MIT ZUKUNFT!

Karriere mit Lehre zahlt sich aus – alle Infos zu den Jobs der Zukunft.

• Rund 50 Topunternehmen und Institutionen informieren über moderne Lehrberufe.

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Eine Initiative des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

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„Bin ein Ku ltur-

Flüchtling!“

„Unbequem aber wirkt.“ So lässt sich der schonungslose

Blick unserer Wahrsagerin Zeynep in die den Kaffeesud

zusammenfassen. Dieses Mal nahm die Grüne-

Spitzenkandidatin und Vize-Bürgermeisterin Maria

Vassilakou Platz in unserer orientalischen Lounge.

Von Simon Kravagna, Onur Kas und Marko Mestrović (Foto)

22 / POLITIKA /


Name:

MARIA VASSILAKOU

Alter:

45

Partei:

Die Grünen

Möchte am liebsten:

So viele Flüchtlinge wie

möglich aufnehmen

Geht gar nicht:

Selber twittern

DAS SAGT ZEYNEP:

„Frau Vassilakou, ich sehe

bei Ihnen ein großes und

menschliches Herz. Sie sind

darin bestrebt, den Menschen

zu helfen. Es scheint so, dass

sie diesen Weg im Großteil ihres

Lebens gegangen sind und das

dieser nun abgeschlossen ist. Oft

befindet sich um Sie herum eine

Gruppe von Menschen, die um sie

herumschwirren. Ganz besonders

tut es ein Mann, dessen Name

mit einem „S“ beginnt. Aber sie

haben es mittlerweile geschafft,

sich von diesen Menschen

abzukapseln, was ihnen früher

nicht immer gelungen war. Diese

Menschen werden sie weiterhin

nerven, was aber nicht ihren

Weltuntergang bedeutet. Sie

bauen eine Brücke und versuchen

sie fertig zu stellen. Aber ein

Mann versucht diese zu brechen.

Ds gelingt ihm kurzfristig. Sie

lassen sich nicht davon abbringen

und werden weiter bauen.“

MARIA VASSILAKOU ÜBER

… DEN BEGRIFF „WIRTSCHAFTSFLÜCHTLING“:

Einer der perfidesten Wortschöpfungen der letzten Jahre. Es handelt sich um

Menschen, die vor Armut fliehen, um nach einer neuen Perspektive, Arbeit

und Erfolg zu suchen.

… DIE ANZAHL DER FLÜCHTLINGE, DIE AUFGENOMMEN WERDEN SOLLTEN:

Unsere Kapazitäten sind groß: Anfang der 1980er Jahre hat Österreich innerhalb

weniger Monate bis zu 150.000 Polen ohne Probleme untergebracht, zu

Beginn der 1990er Jahre konnten wir binnen weniger Monate 90.000 Kriegsflüchtlinge

aus Bosnien und Herzegowina versorgen.

… DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN STRACHE UND GUDENUS:

Für mich sind die beiden gruselig genug. Der Eine durchwanderte die Wälder

in der Gesellschaft von anderen vorbestraften Nazis und der Andere verbringt

die Hälfte seiner Zeit in Russland und findet tschetschenische Despoten ganz

nett.

… DIE VOREILIGE MEDIENPANIK:

Warum war die Aufregung um die Fußgängerzone in der Mahü so groß?

Warum erhitzten sich die Gemüter wegen zwei Ampelmännchen? Warum

verfiel man in eine Weltuntergangsstimmung, als Syriza die Parlamentswahl in

Griechenland gewonnen hat? Dank den sozialen Netzwerken kann man seiner

Aufregung ganz leicht Luft machen und sich über jede Kleinigkeit empören.

Die treuen Biber-Leser haben es gemerkt. Wie im letzten Heft angekündigt, haben wir

Frau Vassilakou eine zweite Chance gegeben, ein Interview für biber zu geben. Die hat

sie genutzt – in Gegensatz zum FPÖ-Obmann HC Strache.

/ POLITIKA / 23


+++WAHL NEWS+++

NEUER

STRACHE-

RAP FÜR DIE

WIEN-WAHL

Sirvan Ekici mobilisiert türkische Wähler.

SCHWARZE AUSTRO-

TÜRKIN BRAUCHT

1200 STIMMEN

Traditionell finden sich türkischstämmige Kandidaten

eher bei SPÖ und Grünen. Mit Sirvan Ekici

hat aber auch eine ÖVP-Kandidatin Chancen

in den Wiener Gemeinderat einzuziehen. „Im

Gegensatz zu den anderen Parteien, wo mehr

als 10.000 Stimmen gesammelt werden müssen,

reichen bei der ÖVP 1.200 Vorzugsstimmen aus,

um in der Liste vorgereiht zu werden und ins

Rathaus einzuziehen“, sagt die 42-Jährige. Ob

sie nicht Angst habe, die Quotentürkin für die

ÖVP zu sein? „Wenn ich meine Arbeit gut mache

und Migranten ein Gesicht gebe, lasse ich mich

gerne als Quotenmigrantin bezeichnen.“ Die ÖVP

sei ihre politische Heimat und soll für Migranten

attraktiver werden. Um nicht nur auf Integration

reduziert zu werden, will Ekici ihren Fokus auch

auf Themen wie Bildung, Arbeit und Wohnen

setzen. Ekici saß bereits von 2005 bis 2010 im

Wiener Gemeinderat. Damals konnte sie nach

Johannes Hahn (damaliger Chef der Wiener

ÖVP) die zweitmeisten Vorzugsstimmen innerhalb

der Partei auf sich vereinigen.

Simmeringer Arzt Taskiran fehlt

Unterstützung aus Ankara.

TÜRKEN-LISTE

GEHT PUSTE AUS

Die Ankündigung hat in diesem

Sommer für Furore gesorgt. Der

Simmeringer Arzt Turgay Taskiran

will mit einer türkischen Liste

kandidieren. „Gemeinsam für

Wien“ soll einen Rechtsruck in

Wien verhindern, so das erklärte

Ziel. Doch kaum wurde die

Unterschriftenanzahl für einen

Antritt erreicht, ist die Liste unter

die Wahrnehmungsschwelle

gefallen. Der Spitzenkandidat,

der einst Vorsitzender der AKPnahen

UETD war, kann offenbar

kaum mit Unterstützung aus

Ankara rechnen. Kein Wunder:

Dort ist man mehr mit der PKK

beschäftigt als mit der Wiener

Wahl.

Wie schon bei den

vergangenen Wahlen,

versucht FPÖ-Chef

Heinz-Christian Strache

mit einem Rap die

Herzen seiner Anhänger

zu gewinnen.

Im aktuellen „Good

Men(sch) Rap“ sagt er

wieder einmal Bürgermeistermeister

Michael

Häupl den Kampf

an. Zu Donauwalzer-

Klängen benutzt der

Sänger Bruno Kreiskys

Standardfloskel „Ich

bin der Meinung“,

bevor im Refrain „Ganz

Wien wählt die Blau’n“

angestimmt wird. Als

Sänger firmiert zum

größten Teil „MC Blue“.

Strache greift nur

gelegentlich zum Mikro,

wenn er gegen „Scheinasylantn“

wettert. Im

Folgenden ein Textauszug

aus dem Rap:

„Millionen für a Mahü,

de kana wü, des is des

Produkt von Grün und

z’vü Promü. (...) Bruno,

wos sogst du dazua?

(...) Doch sie tan uns

schimpfn, sogn wir san

Faschistn. Sorry, wir

stengan afoch ned auf

Terroristen.“

Franz Gruber / KURIER / picturedesk.com, Susanne Einzenberger

24 / POLITIKA /


MEINUNG

NICHTWÄHLER - MITTÄTER

Von Melisa Erkurt

Philipp Tomsich

„Mir sagt keine der Parteien zu, also gehe

ich auch nicht wählen.“ So lautet zurzeit der

Grundtenor in meinem Bekanntenkreis. Auch

viele Erstwähler zeigen sich unbeeindruckt

von der bevorstehenden Wien-Wahl: „Ich

finde die alle scheiße, wieso sollte ich dann

wählen gehen?“ Eine Lehrerin fordert die

Schüler gar auf, ungültig zu stimmen und

damit ein Zeichen zu setzen.

Mir kommt es vor, als wäre Nichtwählen

noch nie gesellschaftlich so akzeptiert

gewesen wie jetzt. Das sind keine desinteressierten

Menschen aus sozial schwächeren

Familien – all diese Menschen haben einen

akademischen Background, studieren, lesen

Zeitung, sind interessiert an Politik. Sie sprechen

offen darüber, wie unzufrieden sie mit

der aktuellen politischen Lage sind und dass

sie keine Lust mehr haben für das geringste

Übel zu stimmen. Sie haben hohe Ansprüche

und wollen eine Partei wählen, hinter der sie

auch voll und ganz stehen. Gibt es die zurzeit

nicht, bleiben sie am 11. Oktober lieber

zuhause und fühlen sich dabei ein bisschen

wie Revolutionäre, die die Politiker wissen

lassen, dass sie die Schnauze voll von ihnen

allen haben.

IHR SEID KEINE REBELLEN

Blöd nur, dass das die Politiker nicht interessiert.

Nichtwähler können ihnen nichts. Denn

selbst wenn nur eine Person in dieser Stadt

wählen ginge, würde es trotzdem zu einer

gültigen Wahl kommen – es würde eben die

erkurt@dasbiber.at

Partei gewinnen, für die diese eine Person

gestimmt hat.

Wer nicht wählt, ist also kein Rebell,

setzt damit kein Zeichen – wer nicht wählt,

handelt einfach nur fahrlässig und darf sich

nicht beklagen, wenn er am 11. Oktober ein

blaues Wunder erlebt.

TOTSCHLAGARGUMENT

Das Problem dabei ist nur, dass genau auch

dieses Totschlagargument mein einziges ist.

Der einzige Grund, wieso ich weiß, wen ich

am 11. Oktober wähle, ist, dass Strache als

Bürgermeister das absolute Horror-Szenario

für mich wäre. Ich stehe dabei nicht einmal

zur Hälfte hinter dem Wahlprogramm der

Partei, die ich wähle. Die Partei, die mir noch

am ehesten zusagen würde, kann nichts

gegen Blau anrichten, deswegen bekommt

sie meine Stimme nicht. Ist es also nicht

scheinheilig von mir, Nichtwähler zu verurteilen?

Im Gegensatz zu mir sind sie wenigstens

ehrlich – ich dagegen stehe nicht wirklich

hinter dem Kreuzerl, das ich am Wahltag

mache.

Und trotzdem, einfach zuhause bleiben

und von anderen entscheiden lassen, was

aus unserer Stadt wird, das kommt für mich

nicht in Frage. Ich möchte nicht mitverantwortlich

dafür sein, wenn Wien von einer

Partei regiert wird, die für Hass und Hetze

steht. Mit dieser Mitschuld müssen dann die

klarkommen, die am 11. Oktober zuhause

bleiben. ●

/ MIT SCHARF / 25


Exklusiv:

Bundesheer-Imam

Sijamhodzic

„Nur

Gott weiß,

wer wirklich

gläubig

ist.“

26 / POLITIKA /


Adbulmedzid Sijamhodzic ist Österreichs erster

Militär-Imam. Der studierte Jurist über seine Zeit

im Krieg, Grundwehrdiener mit Bart und warum der

wahre Islam nicht nur bei Muslimen zu finden ist.

Von Simon Kravagna, Sümeyye Özmen und Christoph Liebentritt (Fotos)

Rund jeder fünfte Grundwehrdiener

in Wien ist

Muslim. Anders als für

katholische, evangelische

oder orthodoxe Soldaten gab

es für Muslime im Bundesheer aber

bisher keine Seelsorge. Nach langer

Suche nach einem geeigneten Kandidaten

ist Adulmedzid Sijamhodciz

seit kurzem der erste Militär-Imam

des Bundesheeres. In der k.u.k.

Armee gab es übrigens bis 1918

– dem Ende der Habsburger-Monarchie

– bereits einen Imam. So wie

damals stammt auch der heutige

Imam aus Bosnien. Für das biber

gab der Vater von vier Töchtern sein

erstes Interview seit Amtsantritt.

BIBER: Herr Sijamhodzic, kennen Sie

den Krieg?

ADBULMEDZID SIJAMHODZIC: Ich

habe als 16-Jähriger in Bosnien erlebt,

was Krieg bedeutet. Mein Vater war

Soldat, zwei Brüder meiner Mutter sind

getötet worden und wir waren 1200

Tage vom Feind eingekesselt. Ich weiß

daher nur zu gut, wie schrecklich Krieg

ist.

Sie haben Jus studiert, warum sind Sie

jetzt Imam?

Ich glaube daran, dass das von Gott so

gelenkt wurde. Nachdem ich die islamische

Schule abgeschlossen hatte,

wollte ich aus dem geistlichen Bereich

herauskommen und habe nach dem

Krieg in Bosnien Jus studiert. Später

habe ich mein Studium in Österreich

fertig gemacht und auch das Gerichtsjahr

absolviert. Allerdings wollte mir

damals niemand einen Job als Jurist

geben. Ich begann also, als Religionslehrer

zu arbeiten und als Imam zu

wirken.

Was macht ein Militär-Imam?

So wie meine katholischen und

evangelischen Kollegen bin ich für die

Sorgen, Anliegen und Orientierung

junger Rekruten da. Ich bin erst seit

kurzem im Amt und kann

daher noch nicht genau

sagen, was alles auf mich

zukommt. Jetzt in der

Anfangszeit hatte ich oft

mit Rekruten zu tun, die

eine Bestätigung brauchen,

dass sie „besonders

streng gläubig“ sind,

damit sie einen Bart tragen

oder fünf Mal am Tag

beten dürfen.

Wer stellt so eine Bestätigung

aus?

Die Islamische Glaubensgemeinschaft.

Wir nehmen an, Sie sind ebenfalls

streng gläubig. Trotzdem tragen Sie

keinen Bart.

Wer entscheidet letztendlich, wer

streng gläubig ist? Wenn wir davon

ausgehen, dass der Glaube im Herzen

ruht, kann nur Gott wissen, wer wirklich

streng gläubig ist. Aber das sind

eben einige äußere Merkmale, die vom

Gesetzgeber so festgelegt wurden.

„DEN ZEIGE­

FINGER

ZU HEBEN,

BEDEUTET

NICHT, DASS

MAN RADIKAL

IST.“

Bei der Unterzeichnung Ihres Vertrages

gab es einige muslimische

Soldaten, die Ihren Zeigefinder

demonstrativ in die Höhe hielten. Da

in Österreich viele diese Geste nur von

IS-Terroristen kennen, gab es gleich

viel Aufregung.

Ich habe das vor Ort gar nicht

bemerkt. Aber den Zeigefinger zu

heben, bedeutet nicht, dass man

radikal ist. Denn das macht man auch

beim Beten, dadurch bekennt ein

Muslim sich zum Glauben

an den einen Gott.

Es gibt auch Fußballer,

die das machen, wenn

sie ein Tor schießen, wie

früher Zinedine Zidane. Es

ist oft auch ein Zeichen

von Freude oder Stolz.

Diese IS-Extremisten sind

eine Katastrophe – für

Syrien, den Irak und die

Welt, aber auch für das

Bild des Islams. Ich habe

hier eine klare Sicht der

Dinge: Es gibt keinen Widerspruch

zwischen der islamischen Lebensweise

und dem Gefühl der Zugehörigkeit

zu Österreich. Das heißt, dass ich ein

guter Moslem und gleichzeitig auch

ein guter loyaler Bürger dieses Landes

sein kann. Dieses Bild möchte ich auch

im Bundesheer vertreten.

Warum sind radikale Strömungen im

Islam so attraktiv?

Viele junge Menschen haben soziale

und gesellschaftliche Probleme. Sie

/ POLITIKA / 27


WER IST ER

Name: Abdulmedzid Sijamhodzic

Wurzeln: Bosnien

Studium: Rechtswissenschaften

Reichtum: Hat vier Töchter

fallen oft falschen Gelehrten in die

Hände, die eine eindimensionale Lehre

predigen. Es gibt zudem sehr viel

Unwissen oder oberflächliches Wissen

über den Islam. Zudem haben wir auch

ein Problem mit Konvertiten, die gleich

mal in den Dschihad ziehen wollen.

Wir können nur in den Familien, in den

Schulen, in der Islamischen Glaubensgemeinschaft

und in staatlichen

Institutionen dagegen

ankämpfen.

„MICH

Die syrischen Flüchtlinge

sind überwiegend Muslime.

Warum helfen die

Golfstaaten weniger als

Deutschland oder Österreich?

Man muss unterscheiden.

Viele muslimische Länder

wie die Türkei oder Jordanien

haben die meisten

syrischen Flüchtlinge im

Land. Auch die Muslime in

Österreich sind sehr stark

engagiert. Aber mich wundert ebenfalls

sehr, dass die reichen Golfstaaten

WUNDERT

EBENFALLS

SEHR, DASS

DIE REICHEN

GOLFSTAATEN

SO WENIG

FÜR DIE

FLÜCHTLINGE

TUN.“

Sijamhodzic: „Es gibt zu viel Unwissen über den Islam.“

so wenig tun. Da fällt mir

ein Sprichwort von einem

islamischen Gelehrten ein.

Der hat

einmal gesagt: „Ich

komme von Muslimen, wo

es keinen Islam gibt und

gehe zu Nichtmuslimen,

wo es den Islam gibt.“

Dafür helfen Deutschland

und Österreich den

Flüchtlingen.

Deutschland und Österreich haben bei

diesem Thema jedenfalls die Prüfung

bestanden. Ich selbst war auch Flüchtling

und bin Österreich für immer sehr

dankbar. Alle bosnischen Flüchtlinge,

die nach Österreich gekommen sind,

hatten die Möglichkeit ihr Leben hier

weiterzuführen. Viele von diesen

Leuten haben sich in Österreich gut

gefunden und ihren Beitrag für die

Gesellschaft geleistet. Deshalb denke

ich auch, dass jetzt diese Flüchtlinge

würdig behandelt werden sollten. Wir

müssen ihnen helfen. Wir sollten auch

nicht vergessen. Wenn ich einem

Menschen Gutes tue, dann habe ich

auch mir Gutes getan. ●

fr, 30.10.2015 ab 22:00 im rathaus

28 / POLITIKA /


ezAHlte Anzeige

mitten in wien

klein-michi und mini-heinz-christian

sPielen im Park.

Michi, Heinz-Christian und Mustafa spielen im Park.

komm, brenn‘

ma dem mustafa

ane aufe!

Heinz-Christian plappert immer seinem Papa nach.

mein Papa sagt

immer „daham

statt islam“.

geh bitte, hast

das in einem

schlechten comic

gelesen?

Zum Schluss:

Produktion: Alexandra Stanic

Fotos: Christoph Liebentritt

Styling: Hristina Micevska

(www.fleurdemode.com)

Make-Up: Jasmina Hamulic

Models: Dragana Stankovic

Heinz-Christian hat für Gleichberechtigung

nicht viel übrig.

aber die Jelena

der genderwahn

findest doch ur

geht ma sowieso

und Khalifa

am

hübsch, obwohl sie

Dampha

nerv. ich spiel eh viel

noch nicht so gut

lieber mit buben.

deutsch kann.

dein Papa sagt

aber auch immer,

„frauen g‘hern an

den herd.“ was

auch dumm ist.

Es gibt scheinbar Ausnahmen.

ich spiel

aber nicht mit

fremden.

ich spiel mit

jedem, der ned

deppert ist.

Fotos : L


ezAHlte Anzeige

Heinz-Christian hat wieder ein Problem.

boah schau,

da ist die eine mit

den zwei Vätern!

das ist echt nicht

normal.

Während Heinz-Christian nur schimpft, hat Michi

eine schöne Sandburg gebaut.

du kannst

echt nix außer

blöd reden.

das sind halt

ihre eltern, was

geht’s dich an?

Heinz-Christian zerstört aus Wut Michis Sandburg und klagt:

ich versteh

echt nicht, warum

niemand mit mir

spielen mag.

Jetzt muss Bürgermeister Häupl einschreiten.

kinder,

ned streiten.

in wien halten wir alle

zusammen.

was würde Passieren,

wenn blau das sagen

hat?

Wien ist heute eine der lebenswertesten

Städte der Welt: sozial,

weltoffen und vielfältig. Das kommt

nicht von ungefähr, sondern ist das

Ergebnis sozialdemokratischer Politik.

Aber was wäre, wenn die FPÖ in Wien

das Sagen hätte? Gespalten, konfliktreich

und unsozial – so würde Wien

aussehen, wenn Blau regiert. Denn

die FPÖ sagt sehr deutlich, was sie

mit Wien vorhat. Den Wienerinnen

und Wienern würde es schlechter

gehen. Durch steigende Armut sowie

Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich.

Genauso würde die

Arbeitslosigkeit zunehmen und die

Umverteilung von unten nach oben.

Blau würde strikt nach „Freund/Feind

-Schema“ regieren und „Inländer“

gegen „Ausländer“ ausspielen. Und

die Schwächsten in unserer Gesellschaft

hätten am meisten zu leiden:

Die FPÖ würde nicht zögern

Flüchtlinge auf der Straße stehen

zu lassen.


RAMBAZAMBA

„Wos is? Gemma boxn?“

Foto von Susanne Einzenberger


MISS

AIR

Virginia Rohrhan ist Österreichs neue Miss Earth Air. Was das

bedeutet erzählt die Halb-Philippinerin beim biber-Natur-Shooting.

Ethno ist „in the Air“.

von Delna Antia (Produktion) / Dragan Tatic (Fotos) / Natalija Stojanovic (Interview)

32 / Mit Scharf /


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/ Mit Scharf / 33


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Feder-Krause von

Lulu O‘Neil‘s um 45€

Etno Weste vo

IVKO um 120€

Kleid von Stefanel

um 89€

biber: Virginia, du bist die diesjährige

Miss Earth Air! Was heißt das?

Virginia rohrhan Man könnte

denken, es ist nur einer von diesen

vielen Schönheitswettbewerben – aber

wir nutzen gutes Aussehen für den

guten Zweck! Um eine Miss Earth zu

sein, reicht es nicht nur hübsch zu

sein, man muss sich auch für soziale

Projekte und die Umwelt interessieren.

Das Air ist nur ein Beigeschmack, weil

es vier Finalistinnen gibt, die nach den

vier Elementen Erde, Luft, Wasser und

Feuer benannt sind.

Welche Projekte stehen bei dir in

nächster Zeit an?

Momentan sind wir in Österreich

unterwegs, aber schon im Winter geht

es in meine Heimat, die Philippinen.

Dort werden wir Kindern beibringen

Essen anzubauen und sich selber zu

versorgen. Ich war selbst schon in der

Region aktiv, wir haben Wasserpumpen

gebaut, eine Schule neu errichtet.

Danach geht’s nach Brasilien, wo wir

auch dafür sorgen werden, dass die

Menschen leichter an Trinkwasser

kommen.

bob.

Seit September bist du Miss Earth Air.

Wie verlief der Wettkampf?

Als erstes wurde online abgestimmt.

Die 15 Mädchen mit den meisten

Votings wurden dann zu einem viertägigen

Bootcamp eingeladen. Das war

ziemlich verrückt. Bei einem Shooting

hatte ich Bienen auf meinem ganzen

Körper. Ich hatte Glück, einige Mädzusammen

um nur

29,9O € mtl.

bob wartet

auf dich bei

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Ring von Pierre Lang um 80€


chen sind ziemlich schlimm gestochen

worden. Und nach diesem Shooting

steht auch noch Pole-Dance an. Missen

machen schon crazy Sachen!

Ein anderes Thema: Dein Freund

Benedikt macht zurzeit bei Austrias

Next Topmodel mit. Wie ist das für

dich, ihn mit den vielen hübschen

Mädchen zu sehen?

Ich sehe das ganz locker. Er ist dort,

um Erfahrungen zu sammeln und gute

Fotos zu machen. Und wenn er für ein

gutes Foto ein anderes Mädchen küssen

muss, dann habe ich kein Problem

damit. Aber Hand aufs Herz: Vermissen

tu ich ihn schon. Bei der letzten

Show bin ich vor allen Zuschauern am

Telefon weinend zusammengebrochen.

Und obwohl ich nicht eifersüchtig bin,

wär es mir lieber, wenn er mich küsst!

In einer Modelbeziehung: Wie ist das

so mit einem anderen Model zusammen

zu sein?

Wir sind beide sehr selbstbewusst,

da kann es schon mal krachen. Ich

bin sein größter Fan, aber wenn ich

was schlecht finde, sage ich ihm das

gleich. Er sagt immer, dass niemand

ihn so arg kritisiert wie ich – aber das

gehört zu einer „Modelbeziehung“

dazu! Jeder hat seine eigenen Termine,

Verpflichtungen, Ziele. Aber am

Abend kommen wir zusammen und da

vergessen wir unsere Arbeit gerne.

Dein Vater ist Österreicher und deine

Mutter von den Philippinen. Wie war

es für dich zwischen zwei Kulturen und

Sprachen aufzuwachsen?

Als ich jünger war, hatte ich es nicht

einfach. Ich wusste nicht, wer ich bin,

wurde oft gehänselt. Oft haben die

anderen zu mir „Schlitzauge“ oder

„Chinesin“ gesagt, und ich dachte

immer: „Hä? China liegt doch ganz wo

anders!“ Heute bin ich umso stolzer,

multikulturell aufgewachsen zu

sein. Ich bin zwar in Österreich groß

geworden, aber meine Mutter hat mir

philippinische Werte wie Gastfreundschaft

und Respekt immer eingetrichtert.

Außerdem kann es manchmal von

Vorteil sein ein Mischling zu sein:

Wie bei einer Misswahl zum Beispiel! ●

Credits:

Produktion:

Delna Antia

Fotos:

Dragan Tatic

Styling:

Sophie Andersen

Make-Up & Hair:

Nadine Mayerhofer

Super-Assistenz:

Natalija Stojanovic

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Wünscht sich

den „Fight Club“

zurück: Mansur M.

38 / RAMBAZAMBA /


„Gebt

uns

den

Fight-Club

zurück!“

Ohne Eltern in Kirgistan

aufgewachsen, wurde

Mansur in Wien Mitglied der

gefürchteten Goldenberg-

Jugendbande. Jetzt

will er nur mehr im Ring

kämpfen und damit andere

Jungkriminelle retten.

Text: Sarah Al Hashimi

Fotos: Christoph Liebentritt und Helena Manhartsberger

Früher hat sich Mansur M.

mit Max Goldenberg* und

anderen Jungs im Park

zum Sparring getroffen.

„Ständig ist die Polizei

oder die Wega gekommen, weil sie

geglaubt haben, dass wir in einer

Massenschlägerei verwickelt sind“,

erinnert sich der junge Mann mit

Stoppelfrisur. Vergangenen Sommer

konnten die boxbegeisterten Teenager

endlich in den Ring steigen. Da,

wo Mansur bei unserem Treffen auf

der Copa Cagrana fürs Foto posiert,

floss noch vor zwei Monaten Blut und

Schweiß. Im Rahmen des „Fight Clubs“

trafen sich Afghanen, Tschetschenen,

Albaner und Altwiener zum archaischen

Faustkampf. Selbst Frauen und

betagte Herren trauten sich in den

Ring, um für kurze Zeit ihren Alltag zu

vergessen und ihre Aggressionen in

positive Bahnen zu lenken. Der „Fight

Club“ ist jetzt Geschichte und Mansur

verzweifelt. Er glaubt, dass die meisten

„Fight-Club“-Besucher nun auf der

Straße Stunk machen, wenn ihnen der

Raum zum Austoben fehlt.

VATER HAT DAS

BOXEN GELIEBT

Die Leidenschaft zum Boxen hat Mansur

von seinem Vater mitbekommen. Er

war professioneller Boxer in Russland

und lernte seinen Sohn erst mit 12

Jahren kennen. Davor wuchs Mansur

ohne Eltern in Kirgistan auf, wo „du

auf der Straße kämpfen musstest, um

zu überleben“. In Wien angekommen,

stieg er sofort in den Ring. Mit seinen

zwei Brüdern schauten sie ihrem Vater

beim Box-Training zu. „Mein Vater hat

das Boxen geliebt“, erinnert er sich.

Und Mansur tat es ihm nach, bis sein

Vater vor zwei Jahren verstarb. Mit

dem Tod starb auch die Begeisterung

zum Boxen. „Das bereue ich heute

sehr“, beklagt Mansur. Denn Mansur

war 2012 österreichischer Junioren-

Staatsmeister in der Kategorie bis

54kg. Aber dann lernte er Magamend

M., alias Max Goldenberg kennen.

JUGENDBANDE

GOLDENBERG?

Als brutale Jugendgang und kriminelle

Vereinigung werden die Goldenbergs

/ RAMBAZAMBA / 39


Im „Fight Club“ sind Alter und Geschlecht egal.

von der österreichischen

Presse und der Polizei

bezeichnet. „Aber das

stimmt nicht“, verteidigt

sich Mansur und fährt mit

entschlossener Stimme fort:

„Wenn ich wehrlose Menschen

und Kinder beraubt

hätte, würden mich die Leute

nicht respektieren. Die

Medien haben alles kaputt

gemacht!“ Er wird wieder

leiser: „Mir hat Max G. beigebracht,

dass wir nicht rauben sollen

und so.“ Der Anführer der berüchtigten

Jugendgang, der momentan

wegen Raubbeteiligung, Erpressung

und Körperverletzung seine dreijährige

„Max hätte

sich gefreut,

wenn er den

Fight Club

miterlebt

hätte. Das

war immer

sein Traum“

Haft verbüßt, war ein wichtiger

Mensch für Mansur.

Wiederholt beteuert er die

Unschuld seines Freundes

Magamed M., wie er mit

bürgerlichem Namen heißt.

TSCHETSCHENEN IM

VISIER DER POLIZEI

Die Sozialarbeiterin Birgit

hatte es schon mit Mansur

und Max zu tun, als noch

keine polizeilichen Ermittlungen

gegen sie liefen. Sie unterhielten

sich damals über Fremdenrecht

und Statusfragen. Bald kamen strafrechtlich

relevante Themen dazu.

„Sie haben das zuerst nicht so ernst

genommen und nicht verstanden, dass

aus mitgegangen schnell mitgefangen

werden kann“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Gleichzeitig haben „die meisten

ihrer Eltern oder sie selbst Kriegserfahrungen

und verharren jahrelang

im österreichischen Asylsystem. Dort

erfahren sie Erniedrigung und Rassismus.“

Und dann ist da noch die

Polizei, fährt Birgit fort, denn „wenn

du als junger Tschetschene in Wien

eine Dummheit machst, bist du derzeit

schnell im Visier polizeilicher Ermittlungen.“

ISIS IST BEHINDERT

„Und wieder Tschetschenen! Der

Boss der Bande, ein begeisterter

40 / RAMBAZAMBA /


Boxen als Ablenkung zum oft frustrierenden Alltag.

Kampfsportler, soll auch ein radikaler

Islamist sein“, so textete der FPÖ-

Politiker Johann Gudenus in einer

Presseaussendung im April dieses

Jahres. Gerade wurden etliche Goldenberg-Mitglieder

verhaftet. Ein Fall,

der landesweit für Aufsehen sorgte.

Dabei steht im Verfassungsschutzbericht

2014, dass „ kein einheitliches

Profil eines aus Österreich

aufbrechenden Kämpfers

festgestellt werden kann,

der seine dschihadistischen

Bestrebungen im Ausland

verwirklichen will.“ Mansur

hat eine eindeutige Meinung

zu den IS-Schergen: „Was

die machen, ist unnötig.

Muslime führen Krieg gegen

Muslime. Mein Vater hat

mich immer gewarnt und

gesagt: ‚Wir sind vor dem

Krieg davon gelaufen. Was

willst du dort?´“ Mansur wird noch einmal

deutlicher: „Wenn ein Freund von

mir zu ISIS gehen würde, würde ich ihn

fragen, ob er behindert ist.“

FIGHT CLUB

Nach dem Tumult um die Verhaftungen

wurde es um Mansur ruhig.

Er stand vor dem Nichts, bis er von

der Eröffnung eines Boxringes auf der

Donauinsel erfuhr. Mansur hat dort „ab

dem zweiten Tag jeden Tag gekämpft.

„Wenn ein

Freund von

mir zu ISIS

gehen würde,

würde ich ihn

fragen, ob

er behindert

ist.“

Dennis Dewall (Anm.: Der Besitzer des

Fight-Clubs) musste mich nach Hause

schicken, damit ich mich ausruhe.“

Der pfeilschnelle Boxer bestritt 51

Kämpfe und verlor keines. 30 davon

entschied er durch vorzeitiges K.O.

seines Gegners. Mansur relativiert: „Es

wurde niemand verletzt, weil Dennis

immer darauf geachtet hat, dass wir

nicht hart zuschlagen“, so

DER GOLDENBERG-PROZESS

STRAFTATEN: Seit Dezember 2013 wurden

unter dem Namen „Goldenberg“ mehrere

bewaffnete Überfälle verübt.

PROZESS: Im Mai 2015 wurde der Prozess

gegen acht „Goldenberg“-Mitglieder eröffnet.

Ihnen wurden Raubüberfälle, Erpressung

und Drogen-Geschäfte vorgeworfen.

URTEIL: Im Juni 2015 wurde Magamed M.

wegen Raubbeteiligung, Erpressung und

Körperverletzung zu drei Jahren unbedingter

Haft verurteilt. Ein weiterer wurde

zu einer sechsjährigen Strafe und zwei

andere zu zwölf Monaten teilbedingt bzw.

sechs Monaten bedingt verurteilt. Die restlichen

Beschuldigten waren geständig. Die

Verfahren wurden gegen sie ausgeschieden

und abgeschlossen.

Mansur.

Das Prinzip des Fight-

Clubs war schlicht. Vor

jedem Kampf mussten die

Herausforderer eine Abtretungserklärung

unterschreiben.

Sie mussten gesund

und volljährig sein, den

Anweisungen des Schiedsrichters

folgen, nicht mit

unangemessener Härte

vorgehen und den Betreiber

bei Verletzungen nicht vor

den Richter zerren.

Der Grund, warum hier vom „Fight

Club“ in Vergangenheitsform geschrieben

wird - den „Fight Club“ gibt es

nicht mehr. Die Behörden der Stadt

Wien sperrten den Laden zu. Begründung:

Der Betreiber hätte weitere

Schutzmaßnahmen, drei Sanitäter

und einen Rettungswagen mit Notarzt

aufstellen müssen. „Das sind 1.400

Euro pro Tag. Für mich unbezahlbar.

Jetzt wird wohl die Kriminalitätsrate

wieder steigen“, äußert sich der

Besitzer Dennis sauer. Mansur steht

nun vor den Trümmern seines früheren

zweiten Wohnzimmers. „Max hätte

sich gefreut, wenn er den Fight Club

miterlebt hätte. Das war immer sein

Traum“, ist Mansur enttäuscht.

KÄMPFEN GEGEN

KRIMINALITÄT

„Der Fight Club war ärger nötig“, blickt

Mansur traurig zurück. „Früher waren

Tschetschenen und Afghanen Feinde

und haben sich am Praterstern geprü-

/ RAMBAZAMBA / 41


Der Betreiber des „Fight Club“ kann auch ordentlich austeilen.

gelt und sich mit Messern

verletzt. Dort wurden sie

plötzlich zu Brüdern und

gingen mit einem lächelnden

Gesicht nach Hause“,

erzählt er. Mansur hofft,

dass Dennis einen neuen

Club aufmacht. Und das hat

der Unternehmer im Herbst

auch vor. Wo und wann

genau steht aber noch nicht

fest.

Die Jugendlichen stehen

wieder auf der Straße. Aber zurück in

den Park zu gehen ist für Mansur ausgeschlossen,

„weil ich keine Probleme

„Ich

bin dank bar,

dass wir hier

aufgenommen

wurden

und einen

Schlafplatz

haben.“

mit der Polizei brauche, die

das wieder falsch versteht.

Und wenn ich nicht gehe,

geht sonst auch keiner“,

ist er sich sicher. Er will

jetzt einen Job finden und

weiter professionell boxen.

Das erweist sich nicht nur

aufgrund des angespannten

Job-Marktes als schwierig:

„Als die Goldenberg-Bande

in die Zeitungen kam, wurde

ich aus meiner Ausbildung

geschmissen.“ Auch Mansurs Mutter

macht Druck. Wenn ihr Sohn in den

nächsten Monaten keine Arbeit findet,

„schickt sie mich zurück nach Tschetschenien,

um Ziegelsteine zu bauen.“

Dabei hat Mansur Großes vor. Er hat

einen begeisterten Trainer hinter sich

und das Kampfsport-Fachgeschäft

„Daniken“, aber ohne österreichischen

Pass bleibt der Traum von der

Boxerkarriere weit entfernt. Mansur

nutzt den öffentlichen Auftritt, um sich

bei Österreich zu bedanken: „Ich bin

dankbar, dass wir hier aufgenommen

wurden und einen Schlafplatz haben.“

Sein Name ist schon schmutzig genug,

er will „ihn nicht noch schmutziger

machen.“ ●

42 / RAMBAZAMBA /


DER BESTE

PREIS.

OHNE

FEILSCHEN.

/ MIT SCHARF / 43


GanZ SchÖn erfOLGreich

Der 14-jährige Ahmed Mohamed aus Texas wurde

Mitte September festgenommen, weil er eine

selbstgebaute Uhr in die Schule mitgebracht hat.

Nach einem medialen Aufschrei wollte ihn Mark

Zuckerberg treffen, namhafte Unternehmen boten

ihm Praktika an, sogar Barack Obama lud ihn ins

Weiße Haus ein. Eine Karriere im Silicon Valley ist

dem Sohn eines sudanischen Migranten sicher.

Mehr Infos auf www.dasbiber.at

studieren statt

saunieren.

Von Alexandra Stanic

Karriere

& Kohle

MeInUng:

Sei kein Faulsack!

Samstagabend, ich sitze an einem Tisch mit

einer Gruppe von Mid- und End-Zwanziger. Wir

sprechen darüber, was sie unter der Woche

gemacht haben. „Chillen“ ist die häufigste

Antwort. Wie, keiner von denen arbeitet? „Nein,

ich studiere ja noch“, antwortet einer. Ich verkneife

mir ein „Ja, und?!“ Meinen ersten Job

hatte ich mit 15. Ich habe damals am Wochenende

in einem Café gekellnert und absolvierte

im Sommer mein erstes Praktikum in einem

Unternehmen. Mit 16 arbeitete ich jeden

Samstag. Kurz darauf folgten die ersten Honoraraufträge

für von mir verfasste Texte. Meine

Eltern haben mich immer unterstützt, aber ich

war früh eigenständig und weniger abhängig

vom meinem Taschengeld. Nun sitze ich an

einem Tisch mit bald 30-jährigen Personen, die

höchstens im Sommer einen Monat „aushelfen“

oder nebenbei „jobben“. Ich habe meine

Jugendfreunde, die zu faul zum Arbeiten

waren, schon nicht verstanden. Noch weniger

verstehe ich die, die Mitte bzw. Ende 20 nur

studieren. Mindeststudienzeit hin oder her,

Arbeitserfahrung ist mindestens genauso wichtig.

Also seid keine Faulsäcke und hackelt was!

Damit kann man

geld verdienen

kunSt trifft

GeSchMack:

Nach einem Kunststudium

folgte für Alexandra

Marischka die Ausbildung

zur Patissière in Wien,

Zürich und Paris. Nun ist

Alexandra verantwortlich

für die Patisserie im Wiener

Restaurant NASCHA’S.

3 FRAgEN AN

Soti Rolo

Digital-Marketer, Unternehmens-berater

und Gründer aus Wien

Wird man auch als junger Unternehmensberater

von älteren Kunden

ernstgenommen?

Wenn man gute Referenzen vorweisen

kann, definitiv ja. Auf der einen Seite

denken viele, dass man wegen dem

Alter noch „grün hinter den Ohren“ ist.

Andererseits sieht ein Unternehmer,

wie viel in jungen Jahren bereits

geleistet wurde und ist positiv

überrascht.

Was zählst du zu deinen größten

Erfolgen?

Clusterhaus, eine der größten Start-Up

Communities Europas, welches ich mitbegründet

habe. Klarerweise auch das

Restaurant Soprano. Mit noch nicht mal

30 eine Gastronomie auf der Kärntner

Straße zu besitzen macht stolz.

Welchen Tipp kannst du jungen

Menschen bei ihrem Werdegang

mitgeben?

Arbeite immer mit Leuten, die „klüger“

sind als du. Nur so kann man wachsen.

Fotos : LM Otero / AP / picturedesk.com, bereitgestellt, Jahan Saber

44 / Mit Scharf /


wissen

wirkt

Rekordinvestitionen in Forschung

heuer 10 Milliarden Euro

Viertbeste Forschungsquote von 3% in Europa

Erreicht von mehr als 100.000 Forschenden

Wir wollen noch höher hinaus und

weitere 10.000 Stellen schaffen.

Denn Wissen allein erhöht die Lebensqualität,

sichert Wachstum und Beschäftigung.

Entgeltliche Einschaltung

www.jahrderforschung.at

Eine Initiative des Bundesministeriums

für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft


MEIN BESTER RAT

Schlechte Ratschläge gibt es genug. Für biber verraten daher Top-

Manager jene Weisheiten, die sie im Leben weiter gebracht haben.

DIESMAL:

BETTINA GLATZ-KREMSNER Vorstandsdirektorin der österreichischen Lotterien

DAS PRINZIP DER FÜNF A’S

von Gerrit Wilhelm und Amar Rajković. Fotos: Christoph Liebentritt

BIBER: Frau Glatz-Kremsner, hat Ihnen jemand einen guten

Rat mit auf den Weg gegeben?

BETTINA GLATZ-KREMSNER: Viele – schon seit meiner

Kindheit. Gott sei Dank kriege ich viele gute Ratschläge,

ohne die würde man sich gar nicht weiterentwickeln. Meine

Eltern haben mir mitgegeben, dass ich an mich selbst und

meine Ziele glauben muss und mich nicht vom Weg abbringen

lassen darf.

Und, haben Sie sich auch brav an den Rat Ihrer Eltern

gehalten?

Natürlich gibt’s immer wieder Zeiten, in denen man zweifelt,

ob das jetzt wirklich so ganz der richtige Weg ist. Aber

ich glaube, wenn man ganz gut geerdet ist und weiß, wo

seine Wurzeln sind, dann kann man daran wachsen.

Gibt es einen Rat, den sie Ihrem 18-jährigen Ich geben

würden?

Ich habe im Laufe der Zeit das Prinzip der 5 A‘s für mich

entwickelt.

Auslandserfahrung. Ich bin selbst im Ausland aufgewachsen.

Das heißt aber nicht nur, dass man die Sprache lernt.

Viel wichtiger ist die Auslandserfahrung, weil es einfach

eine Horizonterweiterung bringt und das würde ich jedem

jungen Menschen raten. Ganz wichtig ist, dass du neue

Leute und andere Mentalitäten kennenlernst. Ich glaube,

das ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die man machen

kann – sowohl für das Leben, als auch für die Karriere.

Ausbildung. Alles was man hier in Anspruch nehmen kann,

fachlich als auch bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung,

sollte man machen.

Authentizität. Bei dem bleiben, wie man ist. Sich nicht ver-

46 / KARRIERE /


iegen. Und das sage ich jetzt auch als Frau: Wenn man als

Frau in einer Führungsposition ist, sollte man nicht versuchen

so zu agieren wie ein Mann.

Aufzeigen. Was ich damit meine? Gerne Verantwortung

übernehmen. Einfach seine Fähigkeiten offenlegen und

sagen „Hier bin ich!“ Und ganz wichtig: Das Quäntchen

Humor dabei nicht vergessen.

Das letzte A steht für: Alles ist möglich, wenn du an dich

glaubst! Auch wenn man mal stolpert, schnell wieder aufstehen

und weitergehen.

Wer ist der bessere Ratgeber: Zahlen oder Bauchgefühl?

Die Mischung aus beidem. Aber wenn es um wirklich wichtige

Entscheidungen geht, dann ist mir mein Bauchgefühl

wichtiger.

Von Frau zu Frau, was braucht es für diesen Top-Job unter

Männern?

Also ich sage immer, es führen nicht Geschlechter, sondern

Persönlichkeiten. Ich habe nicht das Gefühl, dass

sich Frauen verstellen sollten. Man muss einfach auch mal

Entscheidungen treffen, die härter sind.

Würden Sie in Ihrem Team für ein großes Projekt eher Männer

aufnehmen oder eher Frauen?

In der jetzigen Situation würde ich wahrscheinlich zu einem

leichten Frauenübergewicht neigen, weil ich dafür bin, dass

man Frauen fördert. Das ist aber der einzige Grund, sonst

bin ich absolut für gemischte Teams.

Delegieren oder selber machen?

Natürlich viel delegieren, ist ganz klar, sonst könnte ich

meinen Job gar nicht machen. Ich bin wahnsinnig angewiesen

auf gute Mitarbeiter - jeder ist nur so gut wie sein

Team.

Waren Sie schon einmal zu nett zu Mitarbeitern?

Das wird sicher vorgekommen sein. Dass man zu lange

geduldig war oder dass man schon vorher Grenzen hätte

setzen müssen.

Darf ein Chef Witze machen?

Ja! Bei Entscheidungen - auch bei ernsten Entscheidungen

– sollte man das Lächeln oder das Augenzwinkern nicht

verlieren. Man muss die Entscheidungen sowieso treffen,

aber es fällt einem leichter, wenn man das mit einem

Augenzwinkern macht.

Und wie viel Glück braucht man in der Karriere?

Das notwendige Quäntchen Glück ist ganz wichtig. Glück

alleine ist es aber sicher nicht. Glück ist, wenn der Zufall

auf gute Vorbereitung trifft.

Wie viel schlafen Sie?

Zwischen sechs und sieben Stunden. Sechs Stunden sind

für mich persönlich die Untergrenze. ●

/ KARRIERE / 47


Vielseitig

durchstarten –

Lehre beim Bundesheer

Panzer oder Helikopter

warten und auch

noch die Matura

abschliessen? Mit einer

Lehre beim Bundesheer

stehen dir unendlich

viele Möglichkeiten

offen. Und das ganz

ohne Liegestütze und

Wachdienste!

Die Funken fliegen,

Fabio bleibt cool.

Deine Lehre beim Bundesheer

zu machen hat viele

Vorteile. Du kannst aus

mehr als 30 Lehrberufen wählen

und diese auch mit Matura

abschließen. Nur hier kannst du

an Flugzeugen, Helikoptern oder

Panzer schrauben. Die Lehre

beim Heer enthält viele Extras wie

Truppenbesuche, Bewerbungstrainings,

Exkursionen und Lehrlingssporttage.

Außerdem ist der

Ausbildungsplatz sicher, denn das

Heer wird immer bestehen.

Vergiss die Geschichten über

den Grundwehrdienst: Mit der

Ausbildung zum Soldaten hat

eine Lehrausbildung beim Bundesheer

gar nichts zu tun. Beim

Bundesheer werden neben ganz

klassischen Lehrberufen wie ElektronikerIn,

KFZ-TechnikerIn oder


Dieser Artikel ist ein Teil einer Serie über Karrieren beim Heer. Die Serie wird vom Bundesheer

finanziell unterstützt und von der biber-Redaktion unabhängig gestaltet.

Auch Fahrzeuge

beim Heer müssen

zum „Pickerl“.

MechatronikerIn auch außergewöhnliche

Berufe wie LuftfahrzeugtechnikerIn

oder BerufsjägerIn

angeboten.

Lernen und

Betreuung in

entspannter

Atmosphäre

Fotos: Susanne Einzenberger

Derzeit werden im österreichischen

Bundesheer rund 250

Lehrlinge ausgebildet, 30 davon

in der Hessenkaserne in Wels.

Die KandidatInnen werden durch

eine einheitliche Lehrlingstestung

ausgewählt. Es gibt einen

Aufnahmetest in Mathematik,

Speed-Memory-Test, Deutsch und

Grundwissen. Das sind wichtige

Skills um die Berufsschule abzuschließen,

die Teil des dualen

Ausbildungssystems ist und in

jedem Lehrjahr zwei Monate

durchgehend besucht wird. Die

MitarbeiterInnen des Bundesheers

finden mit dir gemeinsam heraus,

was für dich am besten ist und in

welcher Lehrstelle du dein Talent

und deine Stärken am besten einsetzen

kannst.

Du denkst vielleicht immer

noch: „Aber ich will doch nichts

Militärisches machen.“ Die Lehre

beim Bundesheer ist absolut keine

Ausbildung zum/zur SoldatIn. Ob

die Ausbildung beim Bundesheer

denn etwas Militärisches an sich

hat? „Überhaupt nicht. Wir sind

natürlich höflich und bekommen

die Disziplin mit, aber von uns

wird keiner gedrillt“, erzählt der

19-jährige Lackiererlehrling Peter.

Und das spiegelt sich auch in der

Stimmung im Heereslogistikzentrum

Wels wieder. Es herrscht

eine entspannte Atmosphäre, der

Umgang zwischen Ausbildern

und Lehrlingen ist locker und

scherzhaft, sie begegnen einander

auf Augenhöhe. Es wird fleißig

gearbeitet, aber auch viel gelacht.

In der Regel sind in einer Gruppe

4-10 Lehrlinge, sodass sich Ausbilder

und Vorarbeiter gut um ihre

Schützlinge kümmern können.

Von Kochen bis

Programmieren

Doch was genau macht man bei

einer Lehre im Bundesheer? In

so einem großen „Unternehmen“

ist immer etwas zu tun, und alle

HandwerkerInnen tragen ihren

Teil bei, auch die Lehrlinge. In

der Tischlerwerkstatt werden an

modernen Geräten die benötigten

Teile für einen Reperaturauftrag

gefertigt. Durch die Arbeitserfahrung

sind diese Lehrlinge in der

Privatwirtschaft hoch angesehen.


Melanie arbeitet in

der Werkstatt an

einem Auftrag

Doch die meisten wollen wegen

der guten Bezahlung und der

angenehmen Arbeitszeiten beim

Bundesheer bleiben. Lehrlinge

schätzen die fixen Dienstzeiten:

Abenddienste oder gar Nachtschichten

sind sehr selten, in

der Privatwirtschaft hingegen

gang und gäbe. Durch Kooperationen

mit Vier- und Fünf-Sterne-

Restaurants bekommen zum

Beispiel Koch-Lehrlinge zusätzlich

einen fundierten Einblick in

die gehobene Küche. Auch für

andere Handwerke gibt es einen

Lehrlingsaustausch mit lokalen

Fabriken.

Die Sicherheit des Arbeitsplatzes

ist ein großes Thema: „In der

Privatwirtschaft kann eine Firma in

Konkurs gehen und man kann die

Lehrstelle verlieren. Das passiert

beim Bundesheer nicht“ sind sich

Pia, Melanie und Denise einig.

Leider können nicht alle Lehrlinge

bleiben, aber die Chancen auf eine

Übernahme sind auf jeden Fall

gegeben.

Alle drei Monate

mehr Lohn

Während Pia gerne die Lehre mit

Matura machen möchte, um eventuell

in ein paar Jahren ein Informatik-Studium

zu beginnen, hat

der 18-jährige Fabio einen anderen

Plan. Da er sich zum Militär

schon immer hingezogen gefühlt

hat, möchte Fabio nach dem

Grundwehrdienst auch in Uniform

arbeiten. Ihm gefällt, dass es beim

Bundesheer so viel Abwechslung

gibt. Fabio erzählt auch dass Lehrlinge

alle drei Monate mehr Lohn

bekommen. „Das Urlaubs- und

Weihnachtsgeld bekommen wir

im Form von Gehaltserhöhungen.

Da freut man sich viel mehr“, sagt

der auszubildende Metalltechniker

Fabio. Der Verdienst richtet sich je

nach Lehrjahr von ca. 500 (im 1.

Lehrjahr) bis 1100 Euro netto (im

4. Lehrjahr). Außerdem gibts in

der Kasernen-Cafeteria in Wels ein

günstiges Mittagessen. Deshalb ist

die Abbruchrate bei Lehrlingen im

Bundesheer auch äußerst gering.

Man kann gut sehen, dass jene

Lehrlinge in fortgeschrittenen

Lehrjahren ein sehr sichereres

Auftreten haben. Vor allem die

jungen Frauen haben eine sehr

selbstbewusste Ausstrahlung.

Dem Bundesheer liegt das Eingliedern

der Frauen sehr am Herzen,

denn die beste Gruppendynamik

herrscht, wenn die Gruppen

gemischtgeschlechtlich sind. Derzeit

sind circa ein Drittel der Lehrlinge

Frauen, diese Zahl möchte

man durch Quoten steigern. Pia,

Melanie und Denise fühlen sich

hier ausgezeichnet aufgehoben.

„Generell sollten Frauen mehr in

die Technik gehen“, sagen sie.

Fakt ist, dass das Bundesheer eine

abwechslungsreiche und spannende

Lehre und viele weitere

Möglichkeiten für Frauen und

Männer gleichermaßen bietet.

Jetzt bewerben!

Aktuelle offene Ausbildungsplätze

und weitere Infos

findest du unter

lehrlinge.bundesheer.at.

Bewerben kannst du dich

elektronisch über die

Jobbörse des Bundes oder

der eJob-Room des AMS.

Fragen?

infopoint des

Heerespersonalamt

050201 991640

hpa.lehrling@bmlvs.gv.at

Wir sind für Dich da:

Montag - Freitag (werktags)

07.30 - 16.00 Uhr


Neustart Schule

NEUSTART

SCHULE

„Wir brauchen keine Bildungsreform,

sondern schon

eine Bildungsrevolution“,

meint Georg Kapsch, Präsident

der Industriellenvereinigung,

angesichts der

schlechten Zeugnisse, die

Österreichs Schulwesen seit

Jahren ausgestellt werden.

Von Simone Egarter

Das österreichische Bildungssystem

ist im europäischen Vergleich sowohl

teuer als auch ineffizient. Kinder aus

sozio-ökonomisch schwachen Familien

fällt der schulische Aufstieg statistisch

schwerer, da Bildung in Österreich

stärker vererbt wird als in anderen

Ländern Europas. Noch immer haben

Kinder mit Migrationshintergrund

schlechtere Chancen auf höhere

Bildungsabschlüsse. Dabei sei gerade

Bildung das wichtigste Mittel für

Integration, meint Georg Kapsch zur

Initiative „Neustart Schule“.

„LEBENDIGE SCHULE“

„Neustart Schule“ will mehr Autonomie

für Österreichs Schulen, damit

diese rasch und unbürokratisch handeln

können. Wenn Kinder aus sozial

benachteiligten Familien oder Kinder

mit Migrationshintergrund spezielle

Förderung an einer Schule benötigen,

sollen das die Schulen eigenverantwortlich

und unbürokratisch entscheiden

können, sagt Christiane Spiel von

der Universität Wien. Schulen sollen

über mehr personelle, finanzielle und

pädagogische Entscheidungsfreiheit

verfügen. Von dieser Autonomie

erhofft man sich eine lebendige Schule,

denn „Schule ist für die Kinder da“

und nicht umgekehrt, meint Diakonie-

Direktor Michael Chalupka.

KEINE ALTERNATIVEN

Durch Vielfalt an Lernmethoden und

individueller Förderung der unterschiedlichen

Begabungen und Talente

sollen die Zukunftspotenziale unserer

Schüler nicht weiter verschenkt werden,

so das Ziel der Initiative. Kein Kind

mehr ohne Abschluss, ohne Zukunft

und ohne individuelle Förderung,

wünschen sich die Experten. Dafür

braucht es weniger Bürokratie und die

beste pädagogische Ausbildung für die

Lehrenden.

„Nur so können wir die Zukunftswende

meistern“ und das geht nur

mit dem „Rohstoff“ einer gebildeten

Jugend, weiß Initiator des Bildungsvolksbegehrens

Hannes Androsch. ●

wgkk.at

www.wgkk.at

Enorm in Form: WGKK-Abnehmprogramm geht in die nächste Runde

Im Februar 2016 starten die neuen Enorm-in-Form-Kurse.

Auf Grund der großen Nachfrage ist die Anmeldung

schon jetzt möglich.

Am kostenlosen Abnehmprogramm der Wiener Gebietskrankenkasse

(WGKK) teilnehmen können übergewichtige

Mädchen und Burschen von 10 bis 14 Jahren, die bei der

WGKK versichert sind.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.wgkk.

at/enorminform bzw. telefonisch unter +43 1 601 22-3838

(Mo bis Do von 13.00 Uhr bis 14.30 Uhr).

/ MIT SCHARF / 51


NEWS

AUS DER

FINANZWELT

biber-Service zu Semester beginn:

Wie Banken oder Versicherungen

das Studentenleben noch ein

Stück schöner machen können.

Von Dajana Marunić

FÜNF KONTEN FÜR FÜNF TYPEN

Sag uns wer du bist, und wir sagen dir, welches

Studentenkonto zu dir passt

COUCHPOTATO Wer ein Studentenkonto bei der Hello

Bank abschließt, kassiert zwei Monate nach der Kontoeröffnung

einen 50€-Startbonus direkt aufs Konto! Noch ein großes Plus:

Das Konto kannst du bequem von zuhause aus online eröffnen.

Ziegenfreund

ZIEGENFREUND Ein Studentenkonto bei der Raiffeisen

öffnet dir gratis die Pforten zum Raiffeisen Club, der viele

Vergünstigungen mit sich bringt. Einen 50€ Startbonus bietet

die Raiffeisen auch an, aber nur wenn du eine VISA Karte dazu

nimmst, und auch viele andere Vorteile. Das Highlight: für jedes

eröffnete Studentenkonto wird eine Ziege an eine Familie in

Burundi gespendet!

GLOBETROTTER Bei der Ersten Bank kannst du dich

gleich auf 5 gratis Features freuen! Bei der Eröffnung eines

Studentenkontos samt George bekommst du einen 20€

Startbonus, Ermäßigungen bei Events, deine Bankomatkarte

ist gleichzeitig internationaler Studentenausweis, eine

Haftpflichtversicherung bei der Wiener Städtischen UND die ÖBB

Vorteilscard Jugend noch dazu!

SCHNÄPPCHENJÄGER Bank Austria lockt mit einem

70€ Geschenkgutschein, zum Beispiel für Thalia. Auch hier

winken Ermäßigungen bei Events und falls du eine Kreditkarte

gleichzeitig dazu nimmst, darfst du dich auf 25€ Startguthaben

freuen.

GEEK Wer sich für ein Studentenkonto bei der Bawag

entscheidet, den erwartet neben gratis Kontoführung,

Bankomatkarte und eBanking wie bei jedem Studentenkonto,

zusätzlich eine Versicherung für elektronische Geräte!

LEVEL UP YOUR LIFE

Hier die Neuheiten bei den

Versicherungen

VIDEOBERATUNG

Sich zum Beratungsgespräch schleppen war

gestern! Die Wiener Städtische bietet jetzt

Videoberatung an! Außerdem gibt es die

neue „Level up Living“-Studentenversicherung,

die Hab und Gut schützt und bei Haftungs-

und Rechtsfragen unterstützt, schon

ab 4,90€ im Monat!

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HANDYVERSICHERUNG

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Toronto bis Sydney sicher unterwegs bist.

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52 / KARRIERE /


„WIR SIND WIE EIN OLYMPISCHES DORF“

Wie wichtig ist Vielfalt in einem Finanzberatungsunternehmen?

Wir haben bei FiNUM-Chef Ali Eralp

nachgefragt.

Von Dajana Marunic

Susanne Einzenberger

BIBER: Ihr habt 12.000 Kunden

- Was ist euer Erfolgsrezept?

ALI ERALP: Wir geben unser

Bestes, um jeden einzelnen

Kunden kennenzulernen und

zu verstehen - nur so können

wir ihn erfolgreich beraten. In

anderen Worten: Wir wollen

unsere Sache gut machen.

Euer Team scheint sehr bunt

gemischt zu sein.

Ja, ich sage immer, dass wir

wie ein olympisches Dorf

sind. Je mehr verschiedene

Kulturen aufeinander treffen,

desto vielfältiger ist das

Ergebnis, weil jeder andere

Inputs mitbringt.Dass wir Leute

mit unterschiedlichen Wurzeln

haben, ist aber kein Resultat

einer neuen Strategie, um

neue Kunden anzuwerben oder

Ähnliches. Wir sind Finanzdienstleister

und wollen uns

durch gute Arbeit beweisen.

Was muss man erfüllen, um

bei euch arbeiten zu können?

Man sollte Talent mitbringen

und uns durch Qualität überzeugen.

Das sind die einzig

wichtigen Kriterien.

Wie steht es um euer soziales

Engagement?

Wir kooperieren mit „Licht für

die Welt“ und engagieren uns

für den Aufbau der Wasserversorgung

für einen Kindergarten

in Westafrika. Wir unterstützen

auch Deutschkurse für

Flüchtlinge in Österreich. ●

Vorstand Ali Eralp und sein vielfältiges Team. (Emre

Ömerbas, Ewelina Sobolewska und Bernhard Anesi)

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Karriere mit Versicherungslehre

„Profitiere Von eineM Krisensicheren beruf!“

Mit einer Lehre zur/zuM VersicherungsKauffrau/-Mann bei der Wiener

städtischen Wird der grundstein für einen beruf Mit VerantWortung geLegt.

bettina Macadangdang, LehrLing der Wiener städtischen, iM interVieW.

Fotos: Ludwig Schedl

Fotos: ALDO, Sanderson

Warum haben Sie sich für eine Lehre zur

Versicherungskauffrau entschieden?

Die Lehre ist ein guter Einstieg in ein dynamisches

Geschäft. Der Job ist krisensicher, das

ist mir wichtig. Neben der Berufsschule wird

eine praxisorientierte Ausbildung mit nach

oben hin offenen Karrierechancen geboten.

Ein Mentor begleitet mich während der gesamten

Ausbildung. Das ist sehr hilfreich.

Wie hoch sind die Verdienstmöglichkeiten?

Als Versicherungsberaterin hat man eine

hohe soziale Absicherung und ein fixes Angestelltenverhältnis.

Wie hoch das Einkommen

schlussendlich ist, hängt vom persönlichen

Engagement ab.

Welche Eigenschaften sollte man für diesen

Beruf mitbringen?

Wer kommunikativ und kontaktfreudig ist,

Abwechslung liebt, Eigenverantwortung zeigt,

gerne im Team arbeitet und Ausdauer und Zielstrebigkeit

mitbringt, der sollte sich unbedingt

bei der Wiener Städtischen bewerben.

„Wer engagiert, zielstrebig ist und

VerantWortung übernimmt, der ist

in der Wiener städtischen Versicherung

richtig. ich persönlich

freue mich schon sehr auf meine

berufliche zukunft in der Wiener

städtischen Versicherung, nicht

zuletzt, Weil ich als Versicherungsberaterin

Von einem krisensicheren

beruf profitiere!“

Bettina Macadangdang

Lehrling in der Wiener Städtischen

Landesdirektion Wien

/ MIT SCHARF / 53


Häuser mit

Jutesäcken dämmen

Jutesäcke sind voll öko und dämmen jetzt

auch Häuser. Dazu verarbeitet das Geboltskirchener

Unternehmen Reichel & Naar

gebrauchte Transportsäcke. Mehr info auf

www.dämmjute.at

Technik

Alt+F4 und der

& Mobil

Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

US Piloten werden zu Cyborgs

Das US Militär rüstet auf. Mit dem neuen Jäger

F-35 setzen sie ganz auf High-Tech: der neue

Helm der Piloten hat ein Head Up-Display

(HUD) integriert, damit haben die Piloten immer

alle wichtigen Informationen im Blick. Sie

können Ziele mit ihren Augen anvisieren, haben

automatische Nachtsicht und sehen dank 6

Kameras direkt durch den Flugzeugrumpf

durch. Der Helm wiegt 2.2 Kilo, also sind gute

Nackenmuskeln wichtig.

Meinung:

Heißer Herbst auf

dem Mobilmarkt

Die Zeit der Selfies ist offiziell vorbei. Der

neue Trend sind „Dronies“ – das sind

Bilder oder kurze Videos, die mit der

Kamera einer Drohne im Flug aufgenommen

werden. Anstatt „nur“ sich selbst

(was eh das schönste Motiv ist, geben

wir es zu) zu fotografieren, kann man mit

der Drohne auch die umgebende Landschaft

mitfilmen. Ein „Dronie“ ist aber zur

Zeit noch sehr exklusiv: brauchbare Bilder

und Videos machen nur recht teure

Drohnen. Dabei wird es aber nicht bleiben,

denn genauso wie bei den Handys

ist unter den Drohnenherstellern

ein Wettbewerb

im Gang, der sich mit den

Worten „günstiger, besser,

hochauflösender“

beschreiben lässt.

bezeczky@dasbiber.at

Handy laden und

fesch aussehen

Die niederländische Designerin

Pauline von Dongen vereint

Mode und Technik. Mit 120

dünnen Solarzellen erzeugt das

nachtblaue Oberteil 1 Watt an

Energie bei Sonnenschein. Damit

lässt sich das Handy notfalls

schnell um ein paar Prozent

aufladen. Weitere Infos: http://

paulinevandongen.nl/sales/

3 Fragen an

Ahmad Shah Mujadidi,

er erfüllt Kundenwünsche im T-Mobile

Shop in der SCS. Ahmad ist vor acht

Jahren aus Afghanistan geflüchtet, hat

vor zwei Jahren seinen Lehrabschluss

bei T-Mobile mit Auszeichnung bestanden

und konnte sich mit Unterstützung

von lobby.16 und T-Mobile eine

Zukunft in Österreich aufbauen.

Welches Mobiltelefon verwenden Sie?

Iphone 6

Welche App haben Sie zuletzt auf

Ihr Handy geladen und warum?

Willhaben, weil ich eine Wohnung

suche.

Welches Gadget haben Sie gekauft,

aber nie verwendet? Die Xbox habe

ich mir gekauft und nie verwendet

Fotos : T-Mobile, instagram.com/wrenees, Rockwell Collings, Liselotte Fleur

54 / Mit Scharf /


games

für die Stadt

Auch auf der diesjährigen game City im Rathaus

gibt’s die besten games für alle Konsolen. Einige der

spannendsten Spiele haben wir uns angeschaut.

The Division:

Bild: The Division.jpg

Ubisofts Ende-der-Welt-

Game spielt im desolaten

New York. Als Undercover-Agent

müssen wir

die Quelle einer tödlichen

Seuche ausfindig machen

– zum Glück nicht alleine.

Im Koop-Modus können

wir mit Freunden Teams

bilden und uns gemeinsam

gegen feindliche

Kräfte wehren.

Fotos : EA, Ubisoft

Rainbow 6: Siege

Gut gegen Böse, Cops gegen

Banditen: im taktischen Shooter

machen wir uns die Welt, wie

sie uns gefällt. Wir zertrümmern

Wände und Decken und öffnen

uns unsere eigenen Wege, um

den „Zugriff“, also die Festnahme

der Gangster, zu erreichen.

Negotiation is over!

fifa 16

Torjäger aufgepasst: das neue FIFA von EA bringt

euch gehörig ins Schwitzen. Das jährliche Update

bringt eine Reihe von Verbesserungen mit sich. Das

Motto der heurigen Ausgabe ist Realismus. Wenig ist

zu bemerken vom Arcade-Fußball des Vorjahres. Das

Spiel ist langsamer geworden und findet jetzt stärker

im Mittelfeld statt – Taktik ist gefragt, um Tore zu

erzielen.Stadien, Spieler und Sound bringen Dribbling

auf Weltklasseniveau ins Wohnzimmer. Erstmals

überhaupt sind auch Damen-Mannschaften aus aller

Welt mit dabei – der Dresstausch nach einem Match

wurde aber nicht integriert. FIFA 16 hat natürlich den

„Ultimate Team“-Modus integriert, was langfristige

Motivation sichert: wir bauen uns das eigene Dreamteam

zusammen, um uns online zu messen und

Münzen zu sammeln. Dadurch können wir Verträge

verlängern und neue Spieler kaufen. Fazit: Kleine

Veränderungen machen aus FIFA 16 wieder den

Champion in Sachen Fußball-Simulation.

Reparatur-Center für:

■ Smartphones und Tablets

■ Notebooks und PCs

■ Hardwareaufrüstung

■ Datenrettung

01 34 34 333

www.techbold.at

/ Mit Scharf / 55


MODe-TIPP

Cape-Town

Herbstzeit ist Poncho-Zeit.

Ethno-Muster, Fransen,

Karos – hauptsache Cape.

Das Interessante: Die Decke

mit Armlöchern tragen auch

Männer. Wie finden wir das?

Männer-Poncho von Reclaimed

Vintage im Aztekenmuster bei

Asos um 78,99€

Life

& Style

mache mir die Welt,

wie sie mir gefällt.

Von Delna Antia

MeInUng:

Komplimente von Frauen

Letztens schrieb die deutsche Journalistin Julia Rothh aar,

warum Italienurlaub die Weiblichkeit aufblühen lasse. Bella

Italia, einmal über die Piazza flanieren und ein Gelato kaufen,

schon fühlen wir uns als Madonna. In Deutschland wanderten

wir hingegen durch die Serengeti. „Ein seltsames Land ist es

geworden, in dem sich Frauen eine Portion Aufmerksamkeit

allein im Urlaub abholen können (...). Die deutsche Männlichkeit

presst die Lippen aufeinander und guckt auf den Boden, wenn

sie Frauen auf der Straße oder im Büroflur begegnet. Bloß nicht

lächeln, bloß nichts sagen, das gilt doch gleich wieder als doofe

Anmache. Ist das die Richtung, in die uns der Feminismus

hineingetrieben hat? Schöner Scheiß.“ Hach, der liebe Feminismus

verdirbt doch so manches, was Spaß macht. Aber selbst

ist die Frau: Kind, Karriere, Komplimente – alles kein Problem.

Mangelnde männliche Aufmerksamkeit wird mit übertönender

weiblicher kompensiert: Entzückendes Kleid, so schöne Haare,

Top-Popo. Kein Wunder, dass Instagram ein Weiberhaufen ist.

Männliche Angst sei es, meint Kolumnist Martenstein, statt

charmant als unverschämt dazustehen.

Andere argumentieren, dass

sie etwas Offensichtliches nicht

auch noch benennen müssen und

erst recht nicht einer von vielen sein

wollen. #tsss. Können alle bitte mal

nach Italien?! Inkl. uns Frauen. Denn

Danke sagen, gehört mit dazu.

antia@dasbiber.at

AYURVeDA-TIPP

kardaMOMMMM

Ich liebe die grünen Kapseln. Ob im

Ingwertee oder Milchreis, sie machen

das gewisse Etwas aus. Und zwar

nicht nur geschmacklich. Kardamom

wirkt gegen aufgeblähten Bauch, kalte

Hände, Erkältungsschleim und Menstruationskrämpfe.

Überzeugt?

3 FRAgEN AN

Asma Aiad

Fotografin, die im Herbst das Projekt

„Hijabistas“ auf die Beine stellt.

Worum geht es bei Hijabistas?

Ich bilde muslimische Frauen ab,

die Kopftuch tragen – so wie es ihnen gefällt. In

den Medien wird das ja immer noch verkrampft

dargestellt: Das arme Mädchen, das gezwungen

wird. Mich hat es selbst überrascht, wie vielfältig

die Frauen sind. Manche tragen es aus religiösen

Gründen, andere aus traditionellen, Frauen, die

das Tuch nur samstags zur Moschee anziehen

oder Mädchen, den dieser Lifestyle gefällt.

Warum trägst du es?

Mein Kopftuch ist Teil meiner Identität.

Sowohl meiner muslimischen, als auch meiner

feministischen. Zum einen gehört es zu

den religiösen Praktika, die ich ausübe, zum

anderen bin ich eine selbstbestimmte Frau, die

entscheidet, wie ich mich kleide.

Was ist denn tuchmäßig grad „in“?

Viele Mädels passen ihr Tuch der Mode an.

Andere unterstreichen ihren persönlichen Style

damit. So war ein Mädchen darunter, die Metal-

Rock liebt und sich deshalb am liebsten ganz

in schwarz kleidet. Ein anderes ist in der Sufi-

Hippie-Szene und stylt es mit viel Schmuck.

Die Fotos kannst du dir auf www.asmaaiad.com

ansehen. Auch als Wanderausstellung buchbar!

Fotos : bereitgestellt, asos

56 / Mit Scharf /


Fotos : Photomasi / Camera Press / picturedesk.com, [e]Rahel Patrasso Xinhua / Eyevine / picturedesk.com

Du bist,

was du isst.

Von Artur Zolkiewicz

Mann

& Body

Tipp

Schlaf!

Ein ordentliches Workout bedeutet viel

Stress für den Körper und, wie nach jedem

Stress, braucht der Körper seine Zeit, um

sich davon zu erholen. Außerdem wachsen

die Muskeln in der Regenerationsphase.

Wer also effizienter trainieren will, darf die

Erholung nicht vergessen!

MeInUng:

Plus Size ist auch

keine Lösung

„Gesund ist das neue schlank!“,

schreien die Titel der führenden Fitness-Magazine.

Doch viele Menschen

scheinen die Definition des Wortes

‚gesund‘ falsch zu verstehen. Auf

Instagram postet eine führende Modelagentur ein

Foto einer übergewichtigen Frau, einem Plus-Size-

Model. Don’t get me wrong – ich finde es auch nicht

in Ordnung, ein Foto eines abgemagerten Models

zu veröffentlichen. Warum glaubt man aber, dass es

OK ist, das Image eines übergewichtigen Menschen

zu promoten? Ich bin der Meinung, dass man keine

ungesunden Körperbilder vermitteln darf. Übergewichtig

ist genauso wenig gesund wie abgemagert.

ZahL deS

MOnatS:

2,5

Millionen Liter – so viel

Blut transportiert der Herzmuskel

in einem Jahr.

fun fact

Jeder Mensch hat

zwei Sorten Fett: dick

machendes weißes

Fett und schlank

machendes braunes

Fett. Das braune Fett

verbraucht Energie.

www.oevp-wien.at

Für Sie da: 01-51543-980

MANFRED JURACZKA, SiRvAN EKiCi:

ES ZÄHLT, WAS JEMAND LEISTET – UND NICHT,

WOHER JEMAND KOMMT.


„DER STANDARDkompakt hat

genauso viel Gewicht wie der große.

Aber deshalb abonniere ich ihn ja.“

Dienstag, 15. September 2015

Jederzeit kündbar – mit SoftStorno

Qualität im Handformat

Österreichs unabhängige Tageszeitung

Flexibel im Format,

unbeugsam

im Inhalt

der Standard: als Klassik,

Kompakt oder E-Paper

Liechtenstein/Wien – Kompakte

Länder wie Liechtenstein können

aufatmen: Kompaktheit

wurde jetzt erstmals offiziell

als nützlich nachgewiesen.

Dies gelang einer 19-jährigen

Abonnentin aus dem Wiener

Alsergrund, die nach der

neun wöchigen Lektüre des

Standardkompakt einen deut -

lich en Wissensvorsprung ge -

genüber ihrem sozialen Umfeld

aufwies, dabei aber die vorteilhaften

Inhalte weiterhin unterwegs

und in kürzester Zeit konsumieren

konnte.

Damit wird auch für die Frage,

ob kompakte Lebensmittel

wie straff gerollte Dosenfische

oder besonders eng gepackte

Walnüsse für den Menschen

von Vorteil sind, mit einer positiv

ausfallenden Antwort ge -

rechnet.

In der wissenschaftlichen

Community hat die Gewissheit

über diesen schon lange vermuteten

Vorteil von Kompaktheit

einen wahren Kompakt-Boom

ausgelöst. Kompakte Studien

zu kompakten Themen mit

kompakten Ergebnissen erfreuen

sich unter Forschern neuer

Beliebtheit.

Für den kompaktfreudigen

Laien gilt, was der Volksmund

schon seit Generationen predigt:

In der Kürze liegt die

Würze. Damit wird auch für die

Frage, ob kompakte Lebens -

mittel wie straff gerollte Dosen -

fische oder besonders eng

gepackte Walnüsse für den

Menschen von Vorteil sind, mit

einer positiv ausfallenden Antwort

gerechnet.

Kompaktheit wurde jetzt

erstmals offiziell als nützlich

nachgewiesen.

Die Zeitung für Leserinnen

und Leser im Abo

Waidegg – Das Handformat

macht mit der Aktion „Jetzt 3 Wochen

gratis testen“ derzeit von

sich reden. Max Manus, Öster-

reichs führender Hersteller von

Handtellern in Originalgröße,

bezichtigt den Standard, seine

Kompakt-Ausgabe im Handformat

in Anlehnung an seine linke

Hand gestaltet zu haben. Eine

Klage wird in zweiter Instanz in

Erwägung gezogen, in erster In -

stanz ist sie bereits abhandengekommen.

Derzeit geht man in belesenen

Kreisen davon aus, dass

der Standard verbessert Ihre Lebensqualität

das Handformat an sich wohl

schon fast so alt ist wie die Hand

selbst – oder doch so alt wie

das beliebte Gesellschaftsspiel

„Schere, Stein, Papier“, in dem

jedes Handformat ein anderes

schlägt. „Wenn eine Zeitung

schon im Handformat erscheint,

warum dann bitte ohne Finger?“,

soll eine anonyme deutsche Politikerin

zu dem Thema gesagt

haben, viel eher jedoch stammt

die Aussage von dem Rapper

HaHaND$, dem Drechsler handfester

Sprüche. Ein neuerliches

Seriös,

unabhängig,

unbeugsam

Österreich – Immer mehr Menschen

suchen Kontakt zu einem

flexiblen Partner, der dabei auch

ruhig unbeugsam ausfallen darf.

Besonderer Wert wird dabei häufig

auf Inhalt bei gleichzeitiger

Vollständigkeit gelegt. Charakterlich

gefestigte Personen mit

starker eigener Meinung und

Offenheit erwarten von ihrem

Gegenüber Seriosität, Unabhängigkeit

und sogar Unbeugsamkeit

im Inhalt, wenn auch Flexibilität

im Format durchaus als

Plus gesehen wird.

Dass bei der Wahl des Diskurspartners

ein Geben und Nehmen

auf Augenhöhe Grundvoraussetzung

ist, überrascht nicht weiter.

Offenheit, Neugierde und Dialogfähigkeit

gelten hier als positive

Eigenschaften.

Man wählt eben besonders

umsichtig, wen man täglich beim

Frühstück vor sich hat.

Gutachten der Argru HAND

(Heutige Angehende Neue Denker)

will nun einen Zusammenhang

zwischen dem Lesen des

Handformats in kritischen Kreisen

und der Handlichkeit unbeugsamen

Journalismus im Allgemeinen

herstellen, was wohl

insofern als gegeben zu erachten

ist, als die Neuen Denker überdurchschnittlich

häufig auch

Abonnenten einer gewissen Qualitätszeitung

– Name der Redaktion

bekannt – sind. Nimm das,

Max Manus!

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Inhalt. Jetzt 3 Wochen gratis lesen.

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58 / LIFESTYLE /

Die Zeitung für Leserinnen


WAS FRAU BEWEGT

Abenteuer:

Trau dich!

Raus aus der Komfortzone und auf ins Unbekannte! Oder vor den

Altar? 1 Tag, 1 Auto, 1 Thema – und 4 Frauen, die losfahren, den Kopf

frei kriegen, ordentlich PS genießen und sich austauschen; darüber:

Was Frau bewegt. Diesmal: Abenteuer im Leben.

Von Delna Antia und Julie Brass (Fotos)

/ LIFESTYLE / 59


Irinas Lebensmotto: Raus aus der Komfortzone. Die

frisch Verlobte mag unbekanntes Terrain. #offroad

Früh zu heiraten sei die letzte Auflehnung des Punks.

Laila weiß nicht mehr, wo sie das gehört hat. Aber

es gefällt ihr. Die Hamburgerin war selbst 24, als

sie sich gegen das Establishment auflehnte, ihr Ehemann

23. Leute seien zu ihrer Mutter gekommen und hätten ihr

völliges Unverständnis ausgedrückt. Immerhin wäre sie ja

weder schwanger, noch hätte ihr Verlobter Geld.

Aber Laila wollte heiraten. Erstens aus Liebe und zweitens:

Die Frau ist eine Abenteurerin. „Etwas machen, ohne

zu wissen, wie es wird und ob es gut geht, das bedeuten

Abenteuer für mich. So wie heiraten“, beschreibt die heute

29-Jährige.

Laila hat immer schon alles Mögliche ausprobiert.

Vor allem die Dinge, von denen andere sagen, dass sie

nicht gehen. „Ich bin per Anhalter dieses Jahr nach Paris

getrampt.“ Das mag für manche verrückt und unvernünftig

klingen, Laila wollte aber schlicht wissen, wie es ist, per

LKW zum Eiffelturm zu kommen. Sie verlässt eben gern die

konventionellen Straßen des Lebens – bzw. „das Diktat der

Gesellschaft“.

Gut, dass wir für den heutigen Ausflug DEN Off-Road-

Weggefährten schlechthin dabei haben. Kein Geringerer als

die Mercedes G-Klasse rollt unter unseren Popos. Riesig,

schwarz, eckig. Normale Straßen sind genauso wenig sein

Ding, wie Lailas. Sein Terrain liegt abseits des Asphalts. Ob

100% Steigungen, 54 % Schräglage oder 60cm Wasser –

alles kein Problem. Abenteuer ist sein Alltag.

RAUS AUS DER KOMFORTZONE

Mein erster Tag als fahrende Redakteurin mit ihm ist auch

eins. Der Geländewagen und Nachkömmling des österreichischen

Militärwagens Puch G mag für Schluchten, Berge

und Wüsten gebaut sein, für die Tiefgarage im Museumsquartier

ist er es definitiv nicht. Abenteuer Ungeheuer,

schwitze ich.

Wo geht’s hier über Berg, Fluss und Tal? Der „G“ kann

nämlich alles, außer Tiefgarage. #hardcoreallrad

„Ich bin seit drei Tagen verlobt!“ Irina hüpft auf die Rückbank

und schnallt sich an. Unser Ausflug zur Hohen Wand

geht los. Dann macht es „Tschack“ und wir zucken zusammen.

Puh, das war nur die automatische Türverriegelung.

Der „G“ ist lustig, erst bekamen wir die Türen kaum auf, Fingernägel

und Druckknöpfe...Jetzt ist nach außen alles dicht.

Ein Zeichen? Immerhin reden wir über‘s Heiraten.

Irina ist 25. Die Russin staunt über sich selbst – was

alles so möglich ist im Leben für sie. „Du kannst dein Leben

wie ein großes Abenteuer gestalten. Wenn du es wagst,

deine Komfortzone zu verlassen – und wenn du eher ja

sagst, als nein.“ Die Grenzen dieser Zone setze jeder sich

selbst. Irina hat Ja gesagt.

Sie hat ihren Moderationsjob beim Fernsehen in Moskau

aufgegeben. Sie ist nach Wien gezogen, hat eine neue

Sprache gelernt, neue Freunde gemacht und musste einen

neuen Job finden. „Und jetzt werde ich in Österreich heiraten!“

Aha, Abenteuer Ehe lautet also das Ausflugsmotto.

NICHT WISSEN, WAS KOMMT

„Fahren bedeutet für mich Freiheit. Und Reisen bedeuten

Abenteuer.“ Wenn Irina aufbricht in andere Länder, dann

bucht sie sich vorher keine Unterkunft. Sie liebt das Aben-

60 / LIFESTYLE /


Der G-Fährte

Unser Testwagen: Der Mercedes G

350 BlueTEC SPECIA

Kult-Geländewagen, dessen

Grundform sich seit den 70ern

nicht verändert hat, der aber mit

ständig weiterentwickelter Technik

und hochkarätiger Ausstattung alle

Ansprüche von Offroad-Fans erfüllt

Allradantrieb permanent,

Geländeuntersetzung und drei

während der Fahrt schaltbaren

Differenzielsperren

Leistung von 155kW/211PS,

Drehmoment 540Nm

Blond, Braut, abenteuerhungrig: Laila und Irina überwinden gerne Zäune – innere

und äußere. Der „G“ glänzt schwarz daneben und nickt: Was ist schon ein Zaun?

#allesistmöglich

Dieses Auto wurde im Rahmen

einer Kooperation mit Mercedes zur

Verfügung gestellt.

teuer: nicht wissen, was am nächsten Tag sein wird. Sollte

man besser allein reisen? „Naja, ohne Ehemann macht

es ein bisschen mehr Spaß.“ Nichts gegen romantische

Zweisamkeit, aber ganz auf sich gestellt erlebt man andere

Abenteuer. Und damit sind nicht unmoralische gemeint.

„Abenteuerliche Menschen glauben mehr an sich“,

meint Laila. „Sie lernen sich selbst besser kennen.“ Das

stärkt das Selbstvertrauen.

Der „G“ stärkt jedenfalls unser Autovertrauen. Abgesehen

von Stadthindernissen scheint mit ihm geradezu alles

außerhalb der Komfortzone möglich – und das mit komfortabler

Lederausstattung. Ein echter Outdoor-Kerl mit Ecken

und Kanten, the real thing, kein weichgespülter SUV für

Abenteuer im 1. Bezirk.

OUTDOOR, OFFROAD, OUTLAW

Denn der Kastenwagen ist schicker Kult. Quasi „Military-

Vintage“ – seit 1979 hat sich seine Grundform nicht verändert.

Er ist „Made in Austria“ und Scheichs lieben ihn. „Das

ist mein Traumauto!!!“ Die Reaktion von 99,9 Prozent aller

Männer, auch hierzulande. Nun, er kommt vielleicht nicht

mit Girly-Gadgets wie Handy-Ablagefläche und Cappuccinohalter

daher. Aber die erhabene Höhe, das sexy Einsteigen

per Trittbrett und den militanten Outlaw-Look finden auch

wir verdammt lässig. Außerdem könne man damit super die

Bauern beeindrucken, kichert es von der Rückbank.

Auf der Rückfahrt vom Land möchte Julie, die Fotografin,

ein Pferd haben. Das ganze Gerede von Gelände und

Freiheit ist Schuld. Willst nicht den „G“? Nun, der könne ja

den Pferde-Anhänger ziehen, zwinkert sie. Mit seinen gut

2,5 Tonnen Gewicht und 600 Nm Drehmoment geht sich

auch ein ganzes Gestüt aus.

Auf dem Rückweg träumen wir zum Fenster hinaus.

Pferd, Ehemann, Auto – Hauptsache dein G-Fährte mag

Abenteuer. ;) ●

Ähm, Mädels, Tür zumachen nicht vergessen! Obwohl

zu Fuß nach Wien heimgehen, ist auch ein Abenteuer.

#nichtwissenwaskommt

Nichts für Eindringlinge, sondern für Rausdränger:

Wind um die Nase tut der Seele gut. #traudich

/ LIFESTYLE / 61


ANKER stEht

Auf süssE

schNittEN

Erhältlich in ausgewählten ANKER-Filialen.

ankerbrot.at

facebook.com/ankerbrot.AG


KULTURA

Früher war alles cooler.

Foto von Marko Mestrović


KulturaNews

Verstaubte Museen sind Schnee von gestern.

von Jelena Pantić

Ueber:Angebot - Gibt es

zu viel Kunst oder zu

viele Ideen? 4.September

bis 18.Oktober

Ueber:Ich – Wer ich

ist, wer fremd ist, und

die Kunst? 16. Oktober

bis 15. November

Ueber:Macht – Gender?

Prekär? Macht nichts?

27.November bis 7.

Februar

Im Künstlerhaus brennt’s!

Das Künstlerhaus hat mit seiner neuen Ausstellungsreihe „Brennende

Fragen“ ein komplexes und vielfältiges Programm auf die Beine

gestellt. Kuratorin der Ausstellung Maria C. Holter im Gespräch.

biber: Wie spiegelt sich das Künstlerhaus in

dieser Ausstellungsreihe wieder?

MARIA C. holter: Das Künstlerhaus wurde 1861 als

Verein aus Künstlerinnen und Künstlern gegründet, die sich

zusammengeschlossen haben, um gemeinsam etwas zu erreichen,

das sie allein nicht so gut schaffen würden. Diese Mitglieder

wurden aufgerufen zum Thema „Brennende Fragen“ ihre Werke

einzureichen und das Ergebnis sind eben jene Fragen, die

unsere KünstlerInnen am meisten bewegen. Wir haben daraufhin

die drei Überthemen definiert.

Womit beschäftigen sich die drei Schwerpunkte

Über:Angebot, Über:Ich und Über:Macht?

Alle drei kann man auf jeweils zwei Arten lesen,

beispielsweise über das Angebot oder eben Überangebot.

Über:Angebot beschäftigt sich mit tollen Ideen, die aus

verschiedensten Gründen nicht realisiert wurden, Über:Ich

mit der Identität und Über:Macht mit dem Zusammenspiel von

Arbeitsbedingungen in der Kunst, Feminismus und Politik.

„Brennende Fragen“ in Zahlen.

3 Großausstellungen, die 15 Projekte von 125 KünstlerInnen

umfassen, auf 2000m² Ausstellungsfläche, 22 Wochen lang.

Das spannende Programm zu „Brennende Fragen“ ist von

4. September bis 7. Februar im Künstlerhaus,

Karlsplatz 5, 1010 Wien zu besichtigen.

CEE you soon!

Sobald ich von osteuropäischer Kunst höre, bin ich

sofort mit dabei. Insbesondere, wenn es um Film geht.

Das Wiener Let’s CEE Festival verbindet genau das

und kann sich echt sehen lassen. Unter dem Motto

„Liebe ohne Grenzen“ hat das Festival dieses Jahr

118 Filme, 130 Gäste, neue Locations und ein Ziel von

18.000 Besuchern. Zur Eröffnung gibt es den kroatischslowenisch-serbischen

oscarverdächtigen Film „The

High Sun/Zvizdan“, der absolut fantastisch ist und den

ethnischen Hass zwischen Serben und Kroaten durch

drei Liebesgeschichten thematisiert. Dazu noch zwei

grandiose serbische Filme, „No Man’s Child“ über ein

bosnisches Kriegskind und die Doku über Flüchtlinge

„LogBook Serbistan“. Weitere Highlights sind der

türkische Film „Love will change the Earth“ über die

Gezi Park Proteste, der in der Türkei aufs Schärftse

zensiert wurde sowie der rumänische Wild-Eastern-

Film „Aferim!“ und der polnische Transfilm „Call me

Marianna“. Und ganz viele mehr! Jetzt Tickets sichern

auf www.oeticket.at und der Berichterstattung auf

www.dasbiber.at folgen. In dem Sinne:

Let’s CEE you soon!

Fotos : Peter F. Kupfer, Eva Wahl, Arno Ebner

64 / Mit Scharf /


mIT Feschen Grüssen

Oh yeah, darauf freuen wir uns - es werde fesch! Von

13.-15. November findet der FESCH’Markt statt, doch

schon viel früher verfallen wir dem Tauschrausch der

FESCH’Kleidertauschbörse. Am 24. & 25. Oktober kannst

du bei den Containern von Boxircus am Donaukanal

beim Badeschiff deine alte Kleidung gegen neue Schätze

eintauschen. Wie das geht? Für den Beitrag von fünf

Euro wird deine mitgebrachte Kleidung abgewogen und

gegen Kilobons getauscht, diese tauscht du dann gegen

maximal 5kg Zeugs ein, das du mit nach Hause nehmen

willst. Außer Bücher und Stoffsackerl, die kannst du 1:1

eintauschen. Du kannst deine Sache aber auch direkt

in die Box für Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock geben.

Alle übrig gebliebenen Kleidungsstücke gehen ebenso

an die Hilfsorganisation. Tauscht drauf los!

Theaterfestival in Ottakring

Es ist so weit: Das 10. Mimamusch-Kurztheater-

Festival ist unter dem Motto „Die Geister, die wir

riefen“ am Laufen! Von 2. - 31. Oktober, freitags und

samstags von 20 Uhr abends bis 4 Uhr in der Früh

kommt ihr in den Genuss von klassischem Theater,

Multi-Media-Performances, Kurzoperetten, Tanz,

Kabarett und Musik. Sehr interessant: Die gebürtige

Russin Svetlana Schwin, in Deutschland aufgewachsen,

ist seit fast zehn Jahren Wahlwienerin und hat

ein Stück namens „Käfersucht“ über die psychologischen

Folgen des Kosovokrieges geschaffen.

Musikalisch untermalt wird das diesjährige Festival

unter anderem vom Fatima Spar Quintett und

Elektro Guzzi. Coolste Kunst in der unvergleichbaren

Atmosphäre des Mimamusch Theaters, Ragnarhof,

Grundsteingasse 12, 1160 Wien

MAN WÄHLT

NUR MIT DEM

HERZEN GUT.

FÜR ZUSAMMENHALT UND MENSCHLICHKEIT.

11. OKTOBER DEIN WIEN KANN MEHR.


Die Menschen atmeten Nebel und

tranken Regen. Es prasselte so heftig

und ausdauernd herab, als würden

die Tropfen vom Boden abprallen und

in den Himmel zurückkehren, um von

dort wieder herabzufallen. Die Stadt

war wie in Blindheit gefangen. Dann

durchschnitt plötzlich ein Lichtstrahl

die Nebelmasse und gab den Blick

auf die Häuserwände weit entfernter

Gassen frei. Durch diese Bahn aus

Licht und Sonne ruckelte Blankis

Zug in ihre Heimatstadt. Sarajevo. “

GORDANA KUIĆ:

Der Duft des Regens auf dem Balkan

„Mama,

wie war das

damals im

Krieg?“

Die serbische Bestseller-Autorin

Gordana

Kuić rührt seit 1986

Generationen zu Tränen.

Nun wurde ihr renommierter

Erstlingsroman

„Der Duft des Regens auf

dem Balkan“ ins Deutsche

übersetzt. Im Interview

erzählt sie von vergangenen

Zeiten, dem Vermächtnis

ihrer Familie und

dem besonderen Duft von

Regen auf dem Balkan.

von Jelena Pantić

BIBER: Was erzählt „Der

Duft des Regens auf dem

Balkan“?

GORDANA KUIĆ: Der Roman

erzählt die Geschichte

meiner Mutter und ihrer vier

Schwestern, meiner Tanten.

Fünf Frauen einer sephardisch-jüdischen

Familie aus

Sarajewo, auf dem Weg zur

Verwirklichung ihrer Träume.

Das Schicksal meint es

jedoch nicht gut mit ihnen,

denn die Familiengeschich-

te spielt im Zeitraum vom

Ausbruch des Ersten bis hin

zum Zweiten Weltkrieg.

Ihr größter Traum, dass

Ihre Romane in alle Sprachen

übersetzt und gelesen

werden, hat sich mit der

deutschen Übersetzung zum

Teil erfüllt.

Absolut. „Der Duft des

Regens auf dem Balkan“ ist

in neun Sprachen übersetzt

worden und darauf bin ich

sehr stolz. Der größte Erfolg

eines Buches ist jedoch,

wenn es gelesen wird. Und

wenn mein Buch, wenn ich

nicht länger auf dieser Seite

der Welt weile, dennoch

gelesen wird, dann habe ich

wohl etwas richtig Gutes

geschrieben.

Wird Ihr Roman einen anderen

Eindruck auf deutschsprachige

LeserInnen

machen?

Ich war schon vom Erfolg

in Jugoslawien sehr überrascht.

In meinem Buch

spielt sich der Holocaust

mehr im Hintergrund ab,

dennoch sind so gut wie

alle Charaktere Juden. Ich

hatte in meinem Umfeld

aber kaum welche, somit

überraschte mich das große

Interesse. Im Vordergrund

stehen aber fünf mutige

Frauen, die zwischen zwei

großen Kriegen in einer

zurückgebliebenen Gesellschaft

lebten. Jede einzelne

hatte die Courage ihre Träume

trotz gesellschaftlicher

Kritik zu verfolgen. Es muss

die Geschichte sein, die

die Menschen fesselt und

das wird bei den österreichischen

LeserInnen nicht

anders sein. Vermutlich ist

das Interesse an jüdischer

Kultur und Geschichte

hierzulande sogar größer.

Zudem verbindet Österreich

und Sarajewo eine ganz

besondere Beziehung.

Wie kam es zu diesem

Roman?

Ich sehe mich auch heute

Rainer Gregor Eckharter

66 / KULTURA /


noch „als Gast in der Literatur“,

wie Ivo Andrić sagte.

Mir lag es nur am Herzen,

das Leben meiner Tanten

und meiner Mutter schriftlich

festzuhalten, damit es

nicht mit ihrem Ableben

in Vergessenheit gerät.

Also bat ich meine Mutter

jedes Wochenende mir von

damals zu erzählen. „Mama,

wie war das eigentlich, als

ihr euch für den Empfang

Franz Ferdinands hergerichtet

habt?“ Plötzlich hatte ich

800 getippte Seiten. Da kam

die Idee zum Roman. Insgesamt

habe ich „Der Duft des

Regens auf dem Balkan“

acht Mal weggeworfen,

überarbeitet und nochmal

abgetippt – das waren also

6400 Seiten.

Was bedeutet für Sie Familie?

In meinem Fall: Sicherheit.

Familie kann einen entweder

ermutigen oder verkrüppeln.

Ich hatte riesiges Glück mit

meiner, denn ob aller äußeren

Grausamkeiten, hielt

meine Familie ein starkes

Band aus Liebe und Verständnis

zusammen. Mein

Vater reiste als Geschäftsmann

sehr viel nach Österreich

und Deutschland und

hatte bemerkt, dass sich

etwas anbahnt. Meine Eltern

lebten 15 Jahre lang in „wilder

Ehe“ - damals ein Skandal.

Doch kurz vor Ausbruch

des Krieges, als sich viele

von ihren jüdischen Partnern

scheiden ließen, heiratete

mein Vater, der Serbe war,

genau dann meine Mutter.

Das war ein enormer Liebesbeweis.

Danach haben

sie alles dafür getan, damit

ich in der Nachkriegszeit

eine unbeschwerte Kindheit

hatte. In so einer Familie bin

ich aufgewachsen.

Ein Teil des Romans spielt

sich in Sarajewo ab. Wie

konnten Sie eine Stadt und

eine Zeit beschreiben, in der

Sie nicht gelebt haben?

Das wurde ich oft gefragt

und ich kann es bis heute

nicht wirklich erklären.

Es entsteht einfach eine

gewisse Logik, ein Gefühl.

Ich muss zugeben, dass es

mir um Welten schwerer

fiel, meine Heimatstadt Belgrad

zu beschreiben. Wahrscheinlich

fällt es einem

schwerer Dinge, die einem

nahe sind, zu beschreiben,

am schwersten sich selbst.

Wieso „Der Duft des Regens

auf dem Balkan“?

Balkan, weil ich wollte,

dass die Geschichte sich

nicht nur auf Jugoslawien

beschränkt, da die sephardischen

Juden (Anm. d.

Red.: Juden die in Spanien

oder am Balkan angesiedelt

Mit Scharf

waren) am ganzen Balkan

lebten. Und meine Tante

Riki spricht diesen Satz in

Paris aus: „Trotzdem ist der

Duft des Regens auf dem

Balkan etwas ganz Besonderes.“

Sie hat wohl Recht

damit. Als ich diesen Titel

hatte, habe ich nie wieder

über einen anderen nachgedacht.


Gordana Kuić: Der Duft des

Regens auf dem Balkan. 2015,

440 Seiten, Hollitzer Verlag.

ISBN 978-3-99012-169-6

4

Zeichnen,

c‘est fantastique

nour und denis waren im sommer fleissig

und haben mit der summer-card der Vhs

wien interessante Kurse besucht. was sie

dabei gelernt haben, lest ihr hier.

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Foto: Redaktion

Der Modezeichnen-Kurs mit Modell an der Kunst VHS hatte es Nour besonders

angetan. Sie zeichnet schon länger, hatte aber bisher noch

keine Erfahrung mit dieser speziellen Art der Darstellung. „Mode-Illustrationen

waren für mich noch ein unbekanntes Terrain – ich wollte eine

neue Technik ausprobieren und erlernen“, sagt Nour. Angenehm fand sie,

dass die Gruppe klein und bunt durchmischt war – vom Anfänger, der sich auf

die Aufnahmsprüfung für die Uni vorbereitet, bis zum Profi, der etwas Neues

dazulernen will.

Denis hat einen A1-Kurs in Französisch besucht. Sein Ziel war es, die eingerosteten

Schulkenntnisse aufzupolieren. Aus den Tiefen seines Gedächtnisses

konnte er – mit Hilfe der motivierten Kursleiterin – viele vergessene

Vokabeln heben. Er war überrascht, wieviel an Grammatik dort noch schlummerte.

„Ich plane jetzt einen Folgekurs zu machen, damit ich meine Kenntnisse

noch weiter vertiefen kann.“


MEINUNG

DAS BEZIEHUNGSBÄUCHLEIN

Mariana Lukić studiert Publizistik an der Uni Wien und bloggt auf www.dasbiber.at

Liebe geht bekanntlich durch den Magen – Problematisch

wird es nur, wenn Pommes und Co. die

Schmetterlinge in unserem Bauch ersetzen, die

uns in der aufregenden Anfangsphase als fiktive

Nahrung scheinbar satt hielten.

Je länger eine Liebesbeziehung andauert,

desto wahrscheinlicher ist es, dass der anfängliche

Überschuss an Glückshormonen durch

Heißhungerattacken ersetzt wird und man dadurch

Opfer des berühmten Beziehungsbäuchleins wird.

Im schlimmsten Fall bewegt man sich früher oder

später nur noch rollend von A nach B. Solange die

Gewichtszunahme aber in Maßen vonstattengeht,

spricht grundsätzlich absolut nichts dagegen, da

es auch verdeutlicht, dass man glücklich ist und

sich in der Beziehung wohl fühlt. Aber spätestens

wenn selbst die Großeltern nichts mehr an

deiner – in ihren Augen – einst mageren Figur zu

bemängeln haben und dir auch deine Freunde ihre

Lieblings-Jeans nicht mehr borgen wollen, weil sie

befürchten, sie könnte platzen, fangen die nervigen

Extrakilos an am Selbstwertgefühl zu nagen.

Die Zeit, die man früher in sportliche Aktivitäten

investierte, wird jetzt fast ausschließlich mit dem

Partner oder essend vor der Glotze verbracht.

DER MONTAGS-TEUFELSKREIS

Das Resultat: wir werden träge und faul. Bemerkbar

macht sich das oft dadurch, dass neben den

nicht mehr richtig sitzenden Klamotten, Müdigkeit

und schlechte Laune zu unseren täglichen Begleitern

werden. Und dies – meine Lieben – ist die

Geburtsstunde der Abnehm-Vorsätze!

Das Schwerste ist der Anfang. Nein, Blödsinn!

Eigentlich ist es der reinste Horror sich überhaupt

zum Anfangen zu motivieren. Wie oft hörte ich

meinen Freund und mich sagen „Wir fangen ab

Montag an“ während wir ein Pizza-Stück nach dem

anderen verdrückten, als gäbe es kein morgen.

Meistens ertappte ich mich dann am Sonntagabend

dabei, wie ich noch den halben Kühlschrank

leer futterte, nur um noch die letzten Stunden

meines jämmerlichen Daseins im Schlemmer-

Himmel auszukosten. Maximal drei Tage später

saßen wir dann aber doch wieder gefrustet und

Donuts mampfend auf der Couch und überlegten

uns welche Ausrede wir unserem Gewissen heute

auftischen wollen, nur um nicht joggen gehen zu

müssen.

WOHLFÜHLKILOS

Irgendwann erreicht man aber einen Punkt, an

dem es einem endgültig reicht. Immerhin möchte

man ja für seinen Partner genauso attraktiv sein,

wie am Anfang. Bei mir machte es klick, als ich

erkannte, dass mir fast nur noch Leggins und Jogginghosen

passten. Ich konnte mich zwar schon

noch in meine normale Jeans zwängen, aber ich

vermute, dass es nicht Sinn und Zweck einer Hose

ist, beim Ausziehen schmerzhafte rote Druckstellen

am Bauch zu hinterlassen und von einer Welle

aus überschüssigem Bauchvolumen überrollt zu

werden.

Ab jetzt heißt es also gemeinsam joggen statt

gemeinsam futtern, wir gehen halt zusammen

durch dick und dünn. ●

bereitgestellt

68 / MIT SCHARF /


MEINUNG

KAABA IST KEIN GETRÄNK

Von Sümeyye Özmen, Biber-Stipendiatin

IIrgendwie paradox: Im Geist von Mekka

steckt die Gleichheit und die Gleichgültigkeit

von sozialem Status und Reichtum.

Niemand ist einem anderen überlegen.

Zwei weiße Tücher, um den Körper herum,

mehr bedarf es nicht. Doch die Gebäude

und die luxuriösen Hotels stehen genau

diesem Geist entgegen. Sobald Pilger sich

in ihre Hotels begeben, welche direkt an

der Kaaba, dem quadratischen Gebäude

im Innenhof der heiligen Moschee, positioniert

sind, schleicht sich das Materielle

und das Weltliche in die Gemüter.

Der Bescheidenheit, eines der Grundprinzipien

des Islams, stehen übertrieben

prunkvolle Gebäude entgegen und vernichten

dessen eigentlichen Geist.

„DAS KANN MAN ZU HAUSE MACHEN,

ABER DOCH NICHT HIER!“

Ganz ähnlich sieht es bei den Restaurants

und Cafés aus. „Wohin man auch hinschaut,

überall stehen McDonald‘s oder

Starbucks. Es gibt tatsächlich Menschen,

die einkaufen gehen oder sich in den Starbucks

reinsetzen und die Kaaba von dort

aus betrachten“, erzählt mir eine Freundin,

die vor Ort war. Mekka ist doch kein Ort,

an dem man einkauft oder Kaffee trinken

geht. Das kann man zu Hause machen,

aber nicht hier. Das ist eine einmalige

Gelegenheit, die man nutzen sollte.

Auch Coca Cola, Fanta und Pepsi sind

in den Regalen der Supermärkte in Mekka

zu finden. Das Absurde ist, dass unter

Muslimen immer wieder zum Boykott von

genau diesen Marken aufgerufen wird,

weil sie „Produkte des Westens“ sind,

einen schlechten Einfluss haben und überhaupt

nicht zum Islam passen, aber man

dann wiederum genau diese im Herzen

des Islams findet.

Nach islamischer Rechtslehre dürfen

Nichtmuslime Mekka nicht betreten.

Das heißt, die Produkte des „Westens“

haben Mekka erobert, noch bevor der

„Mensch des Westens“ selbst in Mekka

Fuß fassen konnte. ●

oezmen@dasbiber.at

Marko Mestrović

/ MIT SCHARF / 69


KOREA

GOES

CROATIA

„Koreans only“ liest so

mancher Tourist, der durch

Zagreb schlendert. Die Fans

der Reality-Serie „Noonas

over flowers“ haben das

jüngste EU-Land zu ihrem

Urlaubsziel auserkoren. Ein

genialer Marketingstreich.

Aus Zagreb Elisabeth Schepe

Schneller, intensiver

und oft etwas absurd

- Hypes in Südkorea

funktionieren

anders als in Europa.

Angeheizt werden

sie von einflussreichen Massenmedien

und der Leidenschaft für Popkultur,

die viele Koreaner teilen. Das

jüngste Phänomen im Fernost-Staat:

Touristenmassen, die 8000 km nach

Europa reisen und dabei nicht etwa

Postkarten-Städte wie Paris, London

oder Rom, sondern das kleine Kroatien

ansteuern. Der Auslöser war tatsächlich

eine koreanische Reality Show.

70 / OUT OF AUT /


Sommer in Kroatien - Der Stoff, aus dem „Noonas over Flowers“ ist.

‚Noonas over flowers’ (oder: ‚Sisters

over flowers’) zeigt – grob vereinfacht

– fünf populäre koreanische

Schauspielerinnen mittleren Alters, die

gemeinsam mit einem jungen Sänger

durch Kroatien trampen. Ausgestrahlt

wurde die ‚Noonas over flowers’-

Staffel im Herbst 2013 als Fortsetzung

bzw. Spin-off von ‚Grandpas over

flowers’ (in dem ältere männliche

Schauspieler beim Reisen gefilmt

wurden).

Besonders ‚Noonas over flowers’

entwickelte eine Selbstdynamik, die

sie zu einem großen kommerziellen

Erfolg für das koreanische Fernsehen

„KOREANS ONLY“

Will man koreanischen Tourismus in

seiner Gänze verstehen, kommt man

nicht um den wohl ‚koreanischsten’

Ort des Landes herum: Zagrebs ‚Love

Croatia’ Hostel, gegründet im Mai

2014 von Seoung-Hoon Kim und Filip

Oblak, ist ein ‚Koreans only’ Gästehaus.

Direkt im Herzen der Stadt gelegen,

führen koreanische Schriftzeichen

durch das Stiegenhaus des Altbaus in

der Mesnička 5. Tritt man durch die

Tür des Hostels, heißen einen sofort

riesige Säcke Haruka Reis und andere

überdimensionierte Boxen und Pakete,

voll mit koreanischen Lebensmitteln,

willkommen. Die Hostel-Managerin,

Joon-young Kim, führt uns ins Wohnzimmer,

das – so wie der Rest des

Hostels – an eine IKEA Schau-

Koje erinnert. Während wir

Allein

uns unterhalten, schauen

im Juni

Audrey Hepburn und

dieses Jahres

Marilyn Monroe von

und nicht zuletzt den

verzeichnete

der Wand herunter. Die

kroatischen Tourismus

machte. Der kleine Ankünfte seher ist von verschie-

Kroatien 42.948 Couch vor dem Fern-

südosteuropäische Staat aus Korea. densten bunten Stofftieren

hinterlässt nicht mehr

belagert. Hier wird jeden

bloß ein großes Fragezeichen

Morgen ein original koreanisches

in Südkorea. Kroatien ist seither ein Frühstück angeboten. „Viele unserer

Land, das für seine unberührte Natur Gäste sind die kroatische Küche nicht

und die alten Städte bekannt und gewöhnt“, erklärt Joon-young. Aber

gleichzeitig erheblich leistbarer als es ist nicht nur das heimatliche Essen,

Kopenhagen, London & Co ist. Laut das das „Koreans only“ Konzept zum

dem Kroatischen Büro für Statistik sind Erfolg macht: „Koreaner bleiben gerne

2014 insgesamt 264.110 Koreaner in uner sich. Außerdem sprechen viele

Kroatien angekommen – was sie zur kein sehr gutes Englisch.“ sagt die junge

Managerin. Die 26-Jährige ist auf

größten asiatischen Touristengruppe

macht und - vielleicht noch beeindru-

dieselbe Art und Weise wie 90 Prozent

ckender - eine Steigerung von 356

Prozent im Vergleich mit dem vorangegangenen

Jahr 2013 bedeutet.

Touristen aus zentraleuropäischen

Ländern stellen nach wie vor die größten

Gruppen, die nach Kroatien reisen,

dar. Nichtsdestotrotz steht die aktuell

rasant wachsende Masse an SüdkoreanerInnen

in keinem Vergleich zu

traditionellem Saison-Tourismus. Allein

im Juni dieses Jahres verzeichnete

Kroatien 42 948 Ankünfte aus Korea.

In der Nebensaison zählen sie bei

den Nächtigungen neben Deutschen,

Italienern oder Österreichern schon zu

den größten Gruppen.

/ OUT OF AUT / 71


Mit koreanischen Lebensmittel im Gepäck.

Mit dem Selfie-Stick in Dubrovnik - Immer mehr koreanische

Touristen entdecken Kroatien.

ihrer Gäste mit Kroatien in Berührung

gekommen: Indem sie ‚Noonas over

flowers’ in Korea im Fernsehen verfolgt

hat. Joon-young sieht den großen

Erfolg der Staffel darin, dass Kroatien

bis dahin eine Art geheimer Ort war.

Und sie fügt hinzu: „Der Produzent der

Show ist ziemlich berühmt in Korea.

Außerdem: In meinem Land wollen

die Leute alles über Promis wissen.

Reality Shows machen das möglich. In

‚Noonas over flowers’ kann man das

echte Leben von Schauspielerinnen

und Schauspielern mitverfolgen.“

Populäre TV-Produktionen mögen in

Korea einen besonders starken Einfluss

haben, dennoch ist der aktuelle

Kroatien-Hype nur ein Beispiel für das

größere Phänomen des ‚film-induced

tourism’, zu dem etwa auch die Game

of Thrones-Fans gehören, die nach

Dubrovnik pilgern, um das Setting der

Fantasy-Hauptstadt ‚King’s Landing’ zu

sehen.

EFFIZIENT REISEN

Über die Geschichte Ex-Jugoslawiens

wissen laut Hostel-Managerin Joonyoung

die meisten ihrer Gäste wenig

bis gar nicht Bescheid. Die Hostelbetreiber

versuchen immer wieder zu

vermitteln, was während des Kriegs

geschehen ist und welche Problematiken

noch existieren. Das Interesse

der Gäste aus dem Fernen Osten gilt

jedoch viel mehr der schönen Landschaft.

Nachbarländer wie Bosnien

oder Serbien haben es bisher noch

Dieses Stofftier verkündet eine traurige Nachricht.

Viele

Koreaner

haben es

ständig eilig

und versuchen in

jeder Hinsicht

effizient zu

sein.

nicht auf die klassische

koreanische Reiseroute

geschafft. „Sie besuchen

meist nur die ‚effektivsten’

Orte wie Zagreb, den Plitvice

Nationalpark, Dubrovnik, Split und

vielleicht Bled in Slowenien. Viele

Koreaner haben es ständig eilig und

versuchen in jeder Hinsicht effizient zu

sein.

Für Zagreb planen die meisten von

ihnen nur einen Tag ein“, sagt Joonyoung,

während sie Tür für Tür in dem

geräumigen Hostel öffnet und saubere,

einfach aber modern gehaltene

Doppelzimmer und Schlafsäle präsentiert.

JPKB, die Firma

hinter ‚The Love’ Hostel

betreibt heute bereits

zwei weitere Unterkünfte in

Split und Dubrovnik. In letzterem

hat das umtriebige Unternehmen

auch ein Restaurant namens ‚Gangnam

Style’ eröffnet.

Nur ein paar Straßenbahnstationen

vom ‚Love Croatia’ Hostel, in der

Draškovićeva Straße, findet man den

‹zweit-koreanischsten› Ort Zagrebs,

Kim Inhwans Lebensmittelgeschäft

‚Raon‘. Der winzige Ein-Raum-Shop

bietet ein großes Sortiment an koreanischen

Süßigkeiten, Knabbereien und

John Kardum,

72 / OUT OF AUT /


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/ MIT SCHARF / 73


Jetzt

liegt es an

Kroatien den

Hype so lange

und intensiv wie

möglich am

Leben zu

halten.

Kaum in Kroatien, schon

auf der Yacht. So will es uns

dieses Plakat vermitteln

Wenig Zeit, viel zu sehen: Das klassische Touri-Dilemma

für Koreaner.

Fertiggerichten. Gordana Vukojević

arbeitet seit der Eröffnung im September

2014 hier. Jeden Tag kaufen Touristen

aus Korea bei ihr die geliebten

Ramen oder das Krautgericht Kim Chi

(ein Krautgericht). Aber auch Kroaten,

Zagrebs kleine aber feine koreanische

Community und eine Handvoll koreanische

Austauschstudenten, die

Alternativen zum öligen Mensaessen

suchen, schauen regelmäßig vorbei.

RAMEN STATT MENSA

Selbstverständlich weiß auch die

kroatische Tourismusbranche, was sie

vom Hype hat. Lee-Mi-kyung, Vizevorsitzende

von CJ, jenem Unternehmen

das ‚Noonas over flowers‘ auf ihrem

koreanischen TV-Sender TVn ausgestrahlt

hatte, wurde vergangenes Jahr

mit dem Kroatischen Stern geehrt

– überbracht vom kroatischen Parlamentssprecher

Boris Leko. Schließlich

ist die Reality Show nicht mehr und

nicht weniger als ein Marketing-Geniestreich,

der dem Land noch nicht einmal

Geld oder Aufwand gekostet hat.

Jetzt liegt es an Kroatien den Hype

so lange und intensiv wie möglich am

Leben zu halten. Der Fernost-Markt ist

ohnehin längst kein blinder Fleck mehr

für kroatische Wirtschaftstreibende.

Letztes Jahr besuchte Tourismusminister

Darko Lorencin China, Japan und

Südkorea, um sein Land zu promoten.

Kroatiens Schokoladenkönig Kraš und

Zagrebs Ožujsko Brauerei sind kurz

davor nach Korea zu exportieren. Im

Mai dieses Jahres haben die beiden

Länder einen Vertrag unterschrieben,

der es ab sofort Airlines erlaubt mehrmals

wöchentlich Direktflüge zwischen

Seoul und Zagreb anzubieten.

Übrigens: Nachdem die ‚Korean

Wave’ ganz Ostasien mit koreanischer

Popkultur flutet, wird ‚Noonas over

flowers’ auch bald ein Equivalent

im chinesischen Fernsehen haben.

Führt die Route wieder durch Kroatien

und funktioniert der K-Effekt auch in

anderen fernöstlichen Ländern, ist der

nächste Kroatien-Hype also vielleicht

nur eine Frage von gutem Marketing

und Timing. ●

John Kardum,

74 / OUT OF AUT /


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/ MIT SCHARF / 75


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Startseite Profil Konto

Viktor “The Machine” Orban

Pinnwand

Info Fotos Videos Gefällt mir

Informationen

Stefan Raab Viktor „The Machine“ Orban

Hey Orbi! Ich hab da ein Song für dich:

Staaaaaaaacheldrahtzaaaaaun in the Morning

30. September 2015 um 21:36 Uhr

Amnesty International, Max Mutzke, Haftbefehl, Chelo

und 238 anderen gefällt das.

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Beziehung: Ich liebe mich,

mein Land und meine

Mutter

Motto: Wer im Glashaus

sitzt muss Vorhänge

kaufen.

Beziehung: Jo

Hobbys: Lego, Fußball

und Orban-Street-Wear

Designer

Freunde

8 Alle anzeigen

HC

Strache

Kim

Yong Un

Erdogan

Donkey

Kong

Putin

Xatar

Fotos

2 von 14 Alben Alle anzeigen

bff forever

vor 25 Tagen

aktualisiert

Unauffällig

den Mittelfinger

zeigen

*gg*

vor 10 Tagen

aktualisiert

Money Boy: Das ist 1ne gute Song für m1 neues Albung. Brrrrr

30. September 2015 um 22:00 Uhr

125 gefällt das

Viktor „The Machine“ Orban

„Ich habe soeben KunG Fu Kamerafrau Lazlo für hervorragende

Arbeit sowie besondern Einsatz und Mut mit

dem goldenen Orbanei ausgezeichnet.

29. September 2015 um 21:10 Uhr

Kamerafrau Lazlo, Jeanee, Gudenus und Fanclub Lech Poznan

gefällt das.

ÖVP

John Otti Band: Herr Orban! Brauchen Sie eine musikalische

Begleitung bei ihren Auftritten? Wir sind spezialisiert auf

Kandidaten wie Sie?

29. September 2015 um 21:15 Uhr

10 gefällt das

HC Strache: Nix da! Ihr seid meine Hofnarren. Mir! Mir!

Miiiiiiiiiir!

29. September 2015 um 21:19 Uhr

3 gefällt das

Viktor „The Machine“ Orban

28. Septembet 2015 um 18:45 Uhr

Team Strache, Arabische Emirate, und Thomas

Gottschalk anderen gefällt das.

Viktor Orban: Was wollts gegen mich

machen? Ich setze europäisches Recht durch

01. Juli 2015 um 08:35 Uhr

105 gefällt das

Angela Merkel: Sehr Gut!

01. Juli 2015 um 08:46 Uhr

244 gefällt das

Angela Merkel: Oh das ist ja öffentlich.

Wie kann ich das wieder löschen? #help #fb

01. Juli 2015 um 08:49 Uhr

89 gefällt das

Erdogan: Einfach auf X Klicken. Wir löschen

immer alles. LG aus Türkiye.

01. Juli 2015 um 08:49 Uhr

89 gefällt das

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Die Leiden des jungen Todors“

Von Todor Ovtcharov

Angst

Bruder, ich sterbe vor Angst. Ich

sterbe vor Angst, wenn ich mir diese

Flüchtlinge im Fernsehen anschaue,

die unser Territorium stürmen. Das

ist eine Invasion, Bruder! Aber ich weiß, wie ich

mich schützen kann. Ich bin ein echter Krieger,

Bruder. Wenn mich wer angreift, dann werde ich

ihm das Genick brechen, Alter! Die depperten

Dschihadisten können mich mal!“ Mario ist sichtlich

angespannt. Die Adern auf seinem breiten

Nacken pulsieren. Mario ist ganz außer sich. Ich

bezweifle, dass er im Stande ist zur Arbeit zu

gehen, um seine Pizzen zu liefern. Er glättet seine

moderne „Kim Jong Un“-Frisur nach hinten.

Auf den Wänden seiner Ein-Zimmer-Wohnung

im 12. Bezirk hängen Poster von verschiedenen

Actionhelden der 90er Jahre. Jean-Claude Van

Damme, Chuck Norris, Arnold Schwarzenegger.

Ich kenne Mario vom Basketballspielplatz. Wie

spielen ab und zu miteinander.

Einen Tag danach bin ich bei Vlado. Vlado

hat die gleiche moderne Frisur wie Mario. Wer

hätte gedacht, dass der dicke nordkoreanische

Diktator zu so einem globalen Modetrendsetter

werden könnte? Vlado studiert BWL an der

WU. Seine Eltern wollen, dass er eines Tages

ihr Businessimperium in Bulgarien erbt. Ich höre

ihn zum ersten Mal über Politik sprechen. „Diese

Zigeuner aus Syrien, die hierher kommen, wenn

man mich fragt sollte man sie alle erschießen!

Gib mir nur ein AK47 und ich werde sie alle

erschießen! Sie sollten da alle im Acker liegen

bleiben und verrotten! Danach hat niemand

mehr Angst vor diesen dreckigen Zigeunern!“

MARIO UND VLADO

Auf Facebook gibt es die Option, alle deine Hass

verbreitenden „Freunde“ zu blocken. Was macht

man aber im echten Leben? Ich dachte, ich habe

mich immer gut mit Mario und Vlado verstanden.

Mit dem einen spiele ich Basketball, vom

anderen borge ich mir manchmal Geld. Jetzt

aber weiß ich nicht, was ich sagen soll. Mit den

beiden ist momentan nicht zu scherzen. Sowohl

der muskulöse Mario, als auch der dürre Vlado

sind von der Angst erfasst. Sie haben beide keine

religiösen Gefühle, sie sind beide Atheisten,

aber sie haben Angst vorm Islam. Und diese

Angst transformiert sich in Aggression.

Wenn ich sie so betrachte, erstarrt auch

mein Lächeln. Ich habe auch Angst. Vor meinen

Freunden. Ich frage mich, was wohl passieren

könnte, wenn das, was sie sagen nicht nur

leere Worte sind, sondern Sachen, die zu Taten

werden könnten. Ist die Kluft der Verständigung

zwischen den Menschen tatsächlich so groß?

Und wie können wir uns vor der Angst wohl

befreien? ●

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