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AUS DER PRAXIS LERNEN

AUS DER PRAXIS LERNEN Fortsetzung von Seite 1 Nicht jeder darf die Gefährdungsbeurteilung erstellen milchsau weder in Ihrem Unternehmen noch im Kreise der Fasis und Betriebsärzte gibt. Teamarbeit ist gefragt An vielen Stellen im Gesetz und den Verordnungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz steht, dass der Arbeitgeber sich fachkundig beraten lassen muss, wenn er selbst nicht fachkundig genug ist, die Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung und Betriebssicherheitsverordnung verlangen vom Unternehmer, die Gefährdungsbeurteilung fachkundig durchzuführen. Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte können fachkundig sein, sind es aber auch Es geht also meist nicht mehr ohne Teamarbeit. Sicherlich kann die Fasi eine Gefährdungsbeurteilung für Sie vorbereiten. Aber dann sind möglicherweise die unterschiedlichen Fachleute gefragt. Diese müssen ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen, damit die Gefährdungsbeurteilung rund wird. Außerdem nicht „durch Handauflegen“. Arbeitgeber oder Unternehmer Wer ist denn eigentlich wann gemeint? In allen staatlichen Regelungen ist es sinnvoll, die Mitarbeiter vor Ort zu fragen, wie sie die Arbeiten Hinweise dazu, wer fachkundig sein kann, geben die Technischen Regeln. So ist z. B. in den Technischen Regeln für den Umgang mit Biostoffen (TRBA) geregelt, dass bestimmte medizinische Berufsausbildungen nahelegen, fachkundig zu sein. In den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) heißt es demgemäß ganz klar „… Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit können fachkundig sein …“ In beiden Fällen kann es also sein, dass die Arbeitsschützer fachkundig ist immer vom Arbeitgeber die Rede. In allen Unfall- verhütungsvorschriften wird vom Unternehmer gesprochen. Aber eigentlich richten sich beide an dieselbe Person: den verantwortlichen Chef des Unternehmens. Das kann der Geschäftsführer oder Vorstand sein, der im Handelsregister eingetragen ist. Aber auch der Vorstand eines Vereins nach § 26 Bürgerliches Gesetzbuch kommt infrage oder der Einzelunternehmer, Praxisinhaber usw. Letztlich richtet man sich immer an die Person/en, welche die wirtschaftlichen Entscheidungen treffen und verantworten. tatsächlich ausführen. Denn dabei kann dann plötzlich herauskommen, dass Medienwechsel oder gelegentliche Werkzeugwechsel mit ungeeigneten Hilfsmitteln durchgeführt werden. Oder unerwartet kommt die Frage auf, wie denn der Kollege einmal im Jahr zur Reinigung auf die Maschine kommen soll. Fazit: Eine „gute“ Gefährdungsbeurteilung müssen Sie im Team im Hinblick auf Verfahren und Durchführung der Beurteilung sind, nicht aber hinsichtlich der chemischen oder biologischen Prozesse. erstellen, denn es sind unterschiedliche Kompetenzen gefordert. Führungskräfte und Mitarbeiter sowie Fachabteilungen können am besten über ihre Arbeitsmittel, verwendete Hilfsstoffe und Arbeitssituationen informieren. Noch deutlicher wird es bei technischen Arbeitsmitteln. Wenn es um eine Maschine geht, dann ist möglicherweise Fachwissen gefragt für ● das methodische Vorgehen bei der Gefährdungsbeurteilung Daher ist es der falsche Weg, Gefährdungsbeurteilungen im Alleingang im Hinterzimmer zu erstellen. Diese wird in der Regel dann auch nicht rechtskonform sein. Wichtig ist, dass die richtigen Methoden angewendet werden. ● elektrotechnische Anlagen ● mechanische und maschinentechnische Sicherheit ● pneumatische Anlagenteile ● hydraulische Anlagenteile Spätestens jetzt dürfte deutlich werden, dass es diese eierlegende Woll- HINWEIS Eine Checkliste allein ist nicht ausreichend. Hinsichtlich der Methoden unterstützen Sie als Fasi Ihr Team, ggf. gemeinsam mit dem Betriebsarzt. HK So sorgen Sie für gute Sicht bei Staplerfahrern Immer wieder kommt es zu Unfällen, weil ein Gabelstaplerfahrer Personen in seiner Umgebung nicht rechtzeitig bemerkt. Denn auch Stapler haben – je nach Art der Beladung – einen toten Winkel. Diese Vorschriften müssen Sie beachten Beim Schutz gegen arbeitsbedingte Gefährdungen haben technische Maßnahmen nach dem Arbeitsschutzgesetz grundsätzlich Vorrang (§ 4). Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt für mobile selbstfahrende Arbeitsmittel unmissverständlich, dass geeignete Hilfsvorrichtungen zur Verbesserung der Sicht anzubringen sind, wenn die direkte Sicht des Fahrers nicht ausreicht (Anhang 1, Ziff. 1.5 e). Achten Sie schon beim Kauf auf gute Sicht Bereits beim Kauf eines Staplers sollten Sie daher darauf achten, dass die Fahrersicht durch seine Konstruktion möglichst wenig eingeschränkt wird. Oft sind es Teile des Hubgerüsts, die die freie Sicht blockieren. Besonders ungünstig können die Sichtverhältnisse bei Triplexhubgerüsten sein. Auch Rahmen und Säulen von Fahrerkabinen und -schutzdächern oder eventuell vorhandene Anbaugeräte verdecken häufig große Teile des Sichtfeldes zur Fahrbahn hin. Trotz technisch ähnlicher Merkmale und gleicher Leistung lohnt sich ein genauer Vergleich vor dem Kauf. Unterschiedliche Konstruktionen nehmen Einfluss auf die Sicherheit beim Fahren und Rangieren. FK 2

AUS DER PRAXIS LERNEN Die Leitmerkmalmethode – Ihre Hilfe für die sichere Gefährdungsbeurteilung Oft kommt in Betrieben diese Frage auf: Müssen Hubwagen, Hubwagen mit Hubtisch und andere geeignete Transporthilfen und Hebehilfsmittel unbedingt zum Einsatz kommen oder nicht? Diese Frage ist aber nicht pauschal zu beantworten. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) fordern die Beurteilung der Arbeitsbedingungen, wenn Gefährdungen bei der manuellen Handhabung von Lasten nicht sicher auszuschließen sind. Sie müssen also erst einmal eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Doch wie beurteilen Sie rechtskonform das Heben und Tragen, Schieben und Ziehen von Lasten sowie manuelle Arbeitsprozesse? Leitmerkmalmethoden richtig anwenden Für diese Gefährdungsbeurteilung stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gemeinsam mit dem Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) Musterbeurteilungen zur Verfügung, die sogenannten Leitmerkmalmethoden. Mithilfe standardisierter Verfahren können Sie diese Abläufe selbst beurteilen und ggf. notwendige Schutzmaßnahmen ableiten. Damit erfüllen Sie nach dem heutigen Stand die Anforderungen des ArbSchG und der LasthandhabV. Die BAuA stellt dazu auf ihrer Internetseite sowohl die notwendigen Formulare als auch die gut erklärten Anleitungen bereit. Sie finden alle diese Informationen und Unterlagen hier: goo.gl/4m3f5 Fazit: So können Sie einfach, schnell und rechtskonform die Notwendigkeit oder auch den Verzicht auf Handhubwagen und auf andere Hilfsmittel begründen und dokumentieren. Allerdings sollten Sie diese Methoden nicht dazu verwenden, eine Begründung für nicht rückengerechtes Arbeiten zu finden. Denn auch, wenn möglicherweise auf Hilfsmittel ganz oder teilweise verzichtet werden kann, bedeutet das nicht, dass Sie der Pflicht entbunden sind, den Mitarbeitern rückenschonendes Arbeiten zu ermöglichen. FK Neues Angebot der BGW: Online-Gefährdungsbeurteilung für die Altenpflege Nach Kindertagesstätten und Friseursalons können jetzt auch Arbeitsschützer in der Altenpflege die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung für ihre Beschäftigten online erstellen. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege stellt diese Option bereit. Bei der Gefährdungsbeurteilung in der Altenpflege ist zwischen stationärer und häuslicher Pflege zu unterscheiden. Daher liegt die neue Online-Handlungshilfe in 2 Varianten vor. Dabei sind häufige und typische Tätigkeiten und Arbeitsbereiche bereits vorgegeben. Diese müssen Sie dann durch die eigenen betriebsspezifischen Aspekte ergänzen. Die Online-Handlungshilfe führt Sie systematisch durch die einzelnen Schritte der Gefährdungsbeurteilung: ● Arbeitsbereiche und Tätigkeiten erfassen ● Gefährdungen systematisch ermitteln ● Risiken beurteilen ● Schutzmaßnahmen auswählen ● die Besonderheiten ambulanter Pflege und häuslicher Pflege berücksichtigen ● betriebsspezifische Aspekte hinzufügen TIPP Der Handlungsleitfaden ist unter https://goo.gl/jLdnyY erreichbar. Für eine Einteilung der Gefährdungen verwendet das System die Ampelfarben Rot, Gelb und Grün. Damit ist auf einen Blick ersichtlich, wo der Handlungsdruck am größten ist und welche Maßnahmen unverzüglich umzusetzen sind. Denn durchführen bzw. umsetzen muss man die Schritte und Maßnahmen natürlich offline, mit einer rein virtuellen Gefährdungsbeurteilung kommen Sie Ihren Pflichten nicht nach. FK n Warum das Rad neu erfinden? Arbeiten Sie mit praktischen Hilfen für die Gefährdungsbeurteilung in der Altenpflege. ................................................................................................... © Kzenon - fotolia.com 3

Der Arbeitsunfall und seine Folgen
Unterweisung professionell_Nr. 1_17