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METHODIK & DIDAKTIK So

METHODIK & DIDAKTIK So einfach kann es sein: Auszubildende für den Arbeitsund Gesundheitsschutz motivieren und engagieren Sie sind jung und ohne große Vorerfahrungen: Auszubildende bedeuten für den Arbeits- und Gesundheitsschutz eine große Herausforderung und Aufgabe. Sie stellen allerdings auch eine enorme Chance dar, wenn es gelingt, sie zu einer nachhaltigen Identifikation mit den Unterweisungsthemen und Maßnahmen rund um einen gesunden Betrieb zu führen. Was sagt das Jugendarbeitsschutzgesetz? Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) gibt klare Vorgaben für die Schulung von Mitarbeitern und Auszubildenden, die noch keine 18 Jahre alt sind. In § 29 JArbSchG heißt es sinngemäß: ■ Arbeitgeber müssen minderjährige Azubis über Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie deren Abwendung ● zu Beginn der Ausbildung, ● bei wesentlicher Änderung der Arbeitsbedingungen, ● vor der erstmaligen Beschäftigung an Maschinen oder gefährlichen Arbeitsstellen und ● vor dem möglichen Kontakt mit gesundheitsgefährdenden Stoffen unterrichten. ■ Die Unterweisungen sind mindestens halbjährlich durchzuführen. ■ Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind an Planungs-, Durchführungs- und Überwachungsmaßnahmen zu beteiligen. TIPP Beschränken Sie diese Pflichten nicht nur auf minderjährige Auszubildende. Beziehen Sie alle Auszubildenden ein! aufregend als auch einschüchternd auf Sie wirkt. Neue Eindrücke, unzählige unbekannte Informationen und ein komplett ungewohnter Umgang miteinander. Ihr Kopf wäre voll, denn Sie müssten zahlreiche neue Informationen verarbeiten und lernen, sie anzuwenden. Und vergessen Sie nicht: Jede Neuigkeit scheint auf den ersten Blick die wichtigste zu sein. Aus diesem Grund sollten Sie die Auszubildenden besser in kleinen und häufig wiederkehrenden Unterweisungen nachhaltig mit den Themen vertraut machen. Das Wichtigste zuerst Im ersten Teil, der allgemeinen Sicherheitsunterweisung, sollten Sie die Azubis generell über Gefahren im Betrieb sowie über das Verhalten bei Arbeitsunfällen informieren. Der zweite Teil, die arbeitsplatzbezogene Sicherheitsunterweisung, bezieht sich auf Tätigkeiten am Arbeitsplatz des Auszubildenden. Sie ist daher gegebenenfalls mit jedem Ausbildungsabschnitt zu erneuern. Außerdem können auch innerhalb eines Ausbildungsabschnitts zusätzliche Schulungen notwendig werden. Insbesondere dann, wenn gefährliche Arbeiten erstmals ausgeführt werden sollen. Die Auszubildenden fordern und fördern Unterweisungen sind in der Regel nach wie vor nicht besonders beliebt. Die häufig recht trockenen Vorträge und Erklärungen sind nicht gerade geeignet, das Image der Unterweisung zu fördern. Insbesondere bei Azubis besteht die große Gefahr, dass sie die Inhalte nicht ernst nehmen. Warum auch? Die schlechten Erfahrungen, die manche älteren Mitarbeiter bei einer Unterweisung genauer hinhören lässt, haben die Azubis bisher (zum Glück) noch nicht gemacht. Wie gelingt es Ihnen trotzdem, die jungen und motivierten Mitarbeiter für Arbeitsschutzthemen zu begeistern und sie so nachhaltig in das richtige Denken und Handeln einzubinden? © goodluz – Fotolia.com Der Azubiwettbewerb innerhalb des Betriebs Seien Sie kreativ! Überlegen Sie, wie Sie die Unterweisungsthemen lebendig und praxisnah gestalten. Was spornt junge Beschäftigte an? n Nicht zu unterschätzen: Azubis müssen sich in die Rolle des Mitarbeiters erst einfügen..... Schritt für Schritt an neue Aufgaben heranführen Stellen Sie sich vor, Sie kennen bisher nur einen Alltag, der aus Klassenraum und Pausenhof besteht. Und nun kommen Sie in einen Betrieb und werden mit einer Wirklichkeit konfrontiert, die sowohl Wecken Sie das Interesse für den Arbeitsschutz durch den Wettbewerb. Gestalten Sie einen Azubi-Wettbewerb nach dem Motto „Wer entdeckt die Gefahrenquelle?“ So schulen Sie gleichzeitig die Wachsamkeit und das Gefahrenbewusstsein ‒ und das auf eine spielerische Art und Weise. Wie genau das aussehen kann, hängt natürlich von den Gegebenheiten in Ihrem Betrieb ab. Die Betriebsgröße und Anzahl 6

METHODIK & DIDAKTIK der Auszubildenden sind dabei ein großer Faktor. Der Wettbewerbsgedanke kann genau dann zum Tragen kommen, wenn mindestens 2 Gruppen zu je mindestens 4 Personen gegeneinander antreten. Stellen Sie den Azubis Aufgaben zur Wahrnehmung von Gefahren ‒ und belassen Sie es nicht dabei. Stellen Sie den Auszubildenden die Aufgabe, die erkannte Gefahrenquelle nicht nur zu benennen, sondern auch die möglichen Folgen. Lassen Sie die Azubis überlegen, wie die Maßnahmen aussehen könnten, und fordern Sie eine Präsentation der Ergebnisse. Es ist wichtig, dass Sie klare Bewertungskriterien festlegen und danach vorgehen. Die Azubiunterweisung durch die Azubis Ergänzend zu den Erstunterweisungen und regelmäßigen Unterweisungen können Sie die Auszubildenden in die Unterweisung der Belegschaft einbeziehen. Stellen Sie den Azubi-Gruppen verschiedene Aufgaben, und geben Sie klar vor, in welchem Zeitrahmen und mithilfe welcher Medien die jungen Beschäftigten ihre Kollegen über Gefahren und Maßnahmen informieren sollen. Vor der Präsentation sollten Sie das Skript kontrollieren und absegnen. Der schöne Effekt dieses Prozesses: Die Auszubildenden müssen sich über die normalen Unterweisungen hinaus mit den Themen beschäftigen. Sie präsentieren sich vor ihren Kollegen und können dabei auf anderer Ebene eine Bestätigung der Kollegen erfahren. Und die Azubis als vermittelnde Personen sind einmal andere als die üblichen, das bringt die älteren Mitarbeiter vielleicht zu einer neuen Sicht der Dinge und hat daher eine nachhaltigere Wirkung auf sie. Azubis Verantwortung übertragen Lassen Sie die Auszubildenden aus dem zweiten Lehrjahr eine besonders wichtige Aufgabe vorbereiten. Überlassen Sie ihnen beispielsweise einen Teil der Erstunterweisung. Begleiten Sie die Vorbereitung, und geben Sie klare Aufgaben vor. Die Azubis werden ihren jungen Neulingen die Themen adressatengerecht vermitteln und genau den richtigen Ton treffen. Die neuen jungen Beschäftigten erhalten eine ansprechende und nachhaltig wirkende Unterweisung und die Azubis des zweiten Lehrjahres bekommen die Möglichkeit, die Themen sich selbst erneut und intensiv zu erarbeiten. Durch die Vermittlung und Präsentation erhalten sie außerdem die Chance, ihre Person und ihre Entwicklung innerhalb des ersten Lehrjahres darzustellen – Ihnen und sich selbst gegenüber. Wettbewerbe der Unfallversicherungsträger Über Ihre Unfallkassen können Sie in Erfahrung bringen, welche Wettbewerbe für Auszubildende angeboten werden. In den vergangenen Jahren richtete beispielsweise die BG Rohrstoffe und chemische Industrie (BG RCI) mit 70 Mitgliedsunternehmen und 2.000 Auszubildenden einen Sicherheitswettbewerb aus. Die Unternehmen hatten 2 Wettbewerbe zur Auswahl. Für solche, die große Gruppen von bis zu 15 Auszubildenden ins Rennen schicken konnten, gab es den Teamwettbewerb. Für Betriebe mit weniger Auszubildenden startete im März 2014 ein einmonatiger Internetwettbewerb. Im Rahmen eines großen Events standen die Azubis im Mittelpunkt und damit auch der Arbeitsschutz im Betrieb. Die Unternehmen, Kollegen und Führungskräfte fieberten mit den jungen Beschäftigten mit, unterstützten sie und freuten sich über Erfolge. Im Bewusstsein der Azubis hatte das Thema Sicherheit einen neuen, wichtigen Stellenwert erlangt, was auch bei den anderen Beschäftigten der Betriebe der Fall war. Und ganz nebenbei präsentierten sich auch die Unternehmen selbst als moderne und interessante Arbeitgeber. © industrieblick – Fotolia.com n Warum nicht die Azubis als Teamarbeit eine Unterweisung vorbereiten lassen? Damit wächst ihr Verantwortungsbewusstsein..................................................................................... Fazit: Mit kreativen Methoden die Akzeptanz für den Arbeitsschutz stärken Der Auszubildende ist eine große Chance und im besten Sinne eine Herausforderung für den Betrieb. Sie haben die Möglichkeit, sein Verhalten und Denken in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz von Anfang an einprägsam und intensiv zu gestalten. Wechseln Sie einmal innerlich Ihren Standort: Überlegen Sie, wie Ihnen in jungen Jahren ein Vortrag oder eine Belehrung gefallen hätte, und ziehen Sie daraus kreative Konsequenzen. AV IMPRESSUM • Erscheint monatlich bei mediaforwork, einem Unternehmensbereich der VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Theodor-Heuss-Str. 2–4, 53177 Bonn, Telefon: 02 28 / 9 55 499, Fax: 02 28 / 36 96 486, Internet: www.mediaforwork.de, E-Mail: kundendienst@mediaforwork.de • ISSN 2193-2913 • Vorstand: Helmut Graf, Guido Ems, Frederik Palm • Erscheinungsweise: 26 x pro Jahr • Heraugeber: Martin Grashoff, Bonn • Chefredakteur: Holger Kück, Herne (HK) • Redaktion: Alice Vogler (AV), Friedhelm Kring, Allensbach (FK) • Bereichsleitung: Peter Strohbach, Bonn • Produktmanagement: Sonja Heynen-Pianka, Bonn • Layout: André Provedel, Aachen • Satz: Design by Salanowski, Hennef • Druck: Paul Schürrle GmbH & Co. KG, Stuttgart • Alle Angaben in „UNTERWEISUNG professionell“ wurden mit äußerster Sorgfalt ermittelt und überprüft. Sie basieren jedoch auf der Richtigkeit uns erteilter Auskünfte und unterliegen Veränderungen. 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Der Arbeitsunfall und seine Folgen
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