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onexmagazin

AUSGABE 12 DEZEMBER 2017

Seelenheiler

Dr. Kurt Bachmann

Der Psychiater spricht im

Interview über seine Arbeit und

die Seele der Oberaargauer.

DUNKELHEIT

Warum das Fehlen

von Licht mehr ist als

ein schwarzes Nichts.

SIZILIEN

Reportage von der

Insel mit Europas

grösstem Vulkan.

RÜCKSCHLAG

Dominique Aegerters

Karriere stand erneut

auf der Kippe.


ZU VERMIETEN

Obersteckholz, Melchnaustrasse 21,

3.5-Zimmerwohnung im 1. OG, 92 m 2

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• Einstellhallenplatz kann à CHF 100.00 dazu

gemietet werden

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Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

20

Das Branchen-Magazin «Schweizer Journalist»

ermittelt jedes Jahr in einem Publikums-Voting

die besten Journalisten des

Landes. s’Positive schätzt sich glücklich

und ist stolz darauf, einen der Ausgezeichneten

bei sich zu wissen. Klaus Zaugg ist

der Sportjournalist des Jahres 2017. Er

gewinnt den Preis nach 2013 bereits zum

zweiten Mal. Dies mit 60 Jahren, wo andere

ihren Zenit längst hinter sich haben.

Dass Klaus Zaugg nicht nur Sport kann,

zeigt er uns in jeder Ausgabe unseres Magazins.

Er brilliert auch als Reisejournalist

und als Historiker. Zudem ist er beim

beliebten grossen s’Positive-Interview oft

die treibende Kraft und kitzelt mit viel

Gefühl, Allgemeinbildung und Erfahrung

die erstaunlichsten Antworten aus den

Befragten heraus. Wir gratulieren Klaus

Zaugg herzlich zum verdienten Titel!

Haben Sie es schon bemerkt? Sie halten

soeben die erste Hochglanz-Ausgabe

von s’Positive in der Hand. Damit erhalten

Sie eine noch bessere Bildqualität. Auf

Hochglanz sind auch Details deutlich

erkennbar, die man beim Zeitungsdruck

nicht erkennen kann. Zudem ist auch der

Text deutlich besser lesbar. Damit macht

s’Positive einen weiteren Schritt in die

richtige Richtung. Nach dem Motto «gratis

heisst nicht billig» sind wir ständig bestrebt,

uns zu verbessern. Motiviert werden

wir durch Sie, liebe Leserin, lieber

Leser, indem Sie uns immer grössere

Beachtung schenken.

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim

Lesen und Betrachten dieser Ausgabe.

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: one X Services

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Layout: tnt-graphics AG,

8305 Dietlikon,

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Druck: Swissprinters AG

Versand: Die Post

Inserate-Annahme und Redaktion:

inserate@spositive.ch

12

4 INTERVIEW

Wie arbeitet ein Psychiater?

Wer sollte ihn wann

konsultieren? Der Oberaargauer

Psychiater Dr. Kurt

Bachmann gibt Einblick in

seine Tätigkeiten.

12 DUNKELHEIT

Genauso wie das Licht

brauchen die Menschen die

Dunkelheit. Wissenswertes

über die Nacht, den Schlaf

und die Bedeutung von

Dunkelheit.

18 WUSSTEN SIE SCHON?

Was hinter dem Begriff

«Hardcore» steckt und

warum Katzen Kartonschachteln

lieben.

20 REPORTAGE AUS SIZILIEN

Die Mittelmeerinsel hat mit

Europas grösstem Vulkan,

seinen fruchtbaren Kulturlandschaften

und den

malerischen Dörfern den

Reisenden viel zu bieten.

26 DOMINIQUE AEGERTER

Auch nach den jüngsten

Rückschlägen hat der

Profi-Töffrennfahrer seine

Zuversicht nicht verloren.

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe,

Veranstaltungen.

4

26

18

s’Positive 12 / 2017 3


KURT BACHMANN

«Jeder hat

seine blinden

Flecken»

Weil sich viele Menschen für ihre seelischen

Erkrankungen schämen, suchen sie den Psychiater

oft zu spät auf. Dr. Kurt Bachmann gewährt

uns Einblick in die Seelenheilkunde – einen spannenden

Fachbereich der Medizin.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: MARCEL BIERI

Soeben komme ich vom Psychiater».

Wir machten den Test und sagten

diesen Satz nach unserem Interview

mit Dr. Kurt Bachmann. Die Blicke

der Angesprochenen sprachen Bände.

Wer zum Psychiater muss, kann nicht

alle Tassen im Schrank haben. Dabei brauchen

auch erfolgreiche, gescheite und gut

situierte Menschen den Seelenarzt.

s’Positive: Brauchen wir im beschaulichen

Oberaargau eigentlich Psychiater?

Dr. Kurt Bachmann: Nun, es gibt etwa 3000

Neueinritte pro Jahr in der Psychiatrie SRO

und etwa weitere 2000 Patienten, die eine

der psychiatrischen Praxen aufsuchen.

Was etwa der Einwohnerzahl von Huttwil

entspricht!

Es sind etwa 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung.

Sagen uns diese Zahlen etwas über die

Menschen im Oberaargau?

Nein, eigentlich nicht. Bei uns sind psychische

Erkrankungen nicht häufiger als in anderen

Gegenden.

Der Psychiater ist in unserem Alltag ein

weitgehend unbekanntes Wesen.

Da haben Sie wahrscheinlich nicht unrecht.

Es erzählt halt niemand gerne, er gehe zum

Psychiater. Dabei ist die Psychiatrie nach der

Inneren Medizin und der Chirurgie die drittgrösste

medizinische Disziplin.

Es gibt offensichtlich eine Hemmschwelle

im alltäglichen Umgang mit der Psychiatrie.

Ja, wir sehen das auch daran, dass die grossen

psychiatrischen Kliniken abseits liegen.

Das beste Beispiel liefert uns der Kanton

Luzern. Die Luzerner verlegten ihre kantonale

Klinik sozusagen in die hinterste Ecke,

nach St. Urban. Das führt zu einer gewissen

Isolation. Da wird ein Patientenbesuch für

die Entlebucher umständlich. Dabei gehört

die Psychiatrie unter die Leute, respektive in

die Gemeinde.

Sollten wir früher zum Psychiater gehen?

Meine Frage ist jeweils: Ist es das erste Mal,

dass Sie zu einem Psychiater gehen? Dann

stellt sich oft heraus, dass die meisten einsehen,

dass sie früher hätten kommen sollen.

Aber der Besuch beim Psychiater ist halt

schambehaftet. Wenn man sich rechtzeitig

in eine Therapie begibt, dann braucht es in

vielen Fällen nicht mehr als sechs, sieben

Sitzungen. Die Hälfte meiner Patienten

braucht mich höchstens ein halbes Jahr lang.

Können Sie mit Worten so gut heilen wie

mit Medikamenten?

Eigentlich ist es meine Aufgabe, empathisch

zuzuhören, damit die Leute ihre Geschichte

erzählen können. Peter Bichsel (der Schriftsteller

– Anmerkung der Red.) hat einmal

Kurt Bachmann

setzt sich für

eine offene

Psychiatrie ein.

4 s’Positive 12 / 2017


s’Positive 12 / 2017 5


KURT BACHMANN

gesagt: «Wenn ich es erzählen kann, dann

kann ich es ertragen.»

Wie vielen Patienten können Sie alleine

durch Zuhören und mit Worten helfen?

Etwa der Hälfte der Menschen können wir

in therapeutischen Gesprächen helfen.

Was ist eigentlich der häufigste Grund,

Ihre Praxis aufzusuchen?

Häufig sind es Menschen, die akute Lebenskrisen

erleiden, und es kommen immer

mehr Angstpatienten.

Was macht den Menschen im Oberaargau

Angst?

Im weitesten Sinne das Leben. Es ist die

Angst, die Partnerin oder den Partner zu

verlieren. Andere befürchten den Verlust des

Arbeitsplatzes. Es gibt die Angst vor Mäusen,

vor dem Liftfahren oder ganz einfach die

Angst, sich unter Menschen zu begeben.

Manchmal kommen Leute, mit körperlichen

Leiden, die organisch eigentlich gesund sind.

Können Sie uns das näher erklären?

Es gab einen Fall einer jungen Frau, die ihren

Arm auf einmal nicht mehr bewegen konnte.

Er hing einfach schlaff herunter. Sie musste

wohl um die 20 Operationen über sich ergehen

lassen, aber nichts hat geholfen. Schliesslich

wurde die Ursache in einer Psychotherapie

gefunden. Ihr Arm wurde lahm, weil sie

sich einfach nicht mehr dazu überwinden

konnte, ihrem Chef die Hand zu geben.

Warum denn das?

Sie hasste ihn, sie hätte ihn am liebsten umgebracht.

Sie kam leider erst, als sie ein IV-

Fall geworden war. Als wir ihr Trauma aufgearbeitet

hatten, konnte sie ihren Arm

wieder gebrauchen. Dieser war jedoch von

den vielen Operationen stark in Mitleidenschaft

gezogen und auch die Muskulatur

musste neu aufgebaut werden.

Wie können Sie herausfinden, was einen

Patienten beschäftigt?

Ich ermuntere meinen Gesprächspartner,

etwas zu erzählen, was er nicht erzählen

will, wofür er sich schämt. Oft wagt dies jemand

nicht, aus Angst, jemanden zu beschuldigen.

Beispielsweise im Falle eines

Missbrauches durch die Eltern, der zuweilen

viele Jahre zurückliegen kann. Es gibt leider

sehr viele Fälle von Kindesmissbrauch. Das

Erzählen ist die eine Seite. Um die Lebensenergie

wieder freizusetzen, die durch eine

Verdrängung blockiert worden ist, müssen

die Gefühle auch ausgelebt werden. Manchmal

genügt es, wenn jemand einfach beginnen

kann, zu weinen und zu trauern.

Haben wir Sie richtig verstanden: Wir haben

im beschaulichen Oberaargau viele

Fälle von missbrauchten Kindern?

Ja, aber es sind nicht mehr als anderorts.

Auch der Oberaargau ist nicht die heile Welt,

die wir gerne sehen möchten. Wenn ich einmal

ein Buch schreiben sollte, dann würde

ich das Thema Familie wählen. So vieles, was

ich in meiner Praxis erlebe, geht auf die Kindheitserlebnisse

in der Familie zurück. Es gibt

unglaublich viel Bedrückendes. Auch im

Oberaargau gibt es Eltern, die ihre Kinder

völlig vernachlässigen.

Wie viele von 100 Familien sind intakt?

Was heisst intakt? Gerade darin liegt ein Problem.

Um nach aussen den Schein eines

glücklichen Familienlebens zu wahren, werden

die Probleme unter den Tisch gekehrt bis

sie nicht mehr gelöst werden können und in

6 s’Positive 12 / 2017


Dr. Kurt

Bachmann

Dr. Kurt Bachmann (68) leitete

bis 2015 die Psychiatrischen

Dienste der Spital Region

Oberaargau (SRO), die er während

25 Jahren quasi aus dem

nichts aufgebaut hatte. Inzwischen

sind ca. 120 Personen in

diesem Bereich für die SRO tätig.

Doch die Psychiatrie ist für

Bachmann nicht nur ein Beruf,

sondern auch ein Hobby, von

dem er nicht einfach so loslässt.

Nach seiner teilweisen Pensionierung

führt er nun im ehemaligen

Ruckstuhl-Gebäude an der

St.-Urban-Strasse in Langenthal

seine eigene kleine Praxis in einem

50-%-Pensum.

Kurt Bachmann hat sich in seiner

Laufbahn stets für eine offene

Psychiatrie eingesetzt. Er

betreibt in diesem Bereich weiterhin

seine Forschungen.

Gewalt umschlagen. Dabei liessen sich die

meisten Probleme ausdiskutieren.

Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern

spielt also eine ganz zentrale Rolle.

Ja, das ist so. Es gibt Leute, die bis ins hohe

Erwachsenenalter hinein die unmöglichsten

Dinge anstellen, nur um endlich einmal eine

Bestätigung vom Vater zu bekommen. Oft ist

bei einer Sitzung eine meiner Fragen: «Bei

wem sassen Sie als Kind auf dem Schoss?»

Es gibt Menschen, die können ihre Eltern

nicht beschreiben, weil sie die Erinnerung

an sie so sehr verdrängt haben. Unsere Psyche

funktioniert nach einem ganz bestimmten

Programm. Wenn die Eltern einem Kind

nicht zeigen können, dass sie es lieben, dass

es richtig ist, so wie es ist, bekommt das Kind

das Gefühl, es mache etwas falsch und der

Fehler könne nur bei ihm liegen. Das kann

verheerende Auswirkungen haben. In einem

Fall hat eine Frau im Pflegeheim Schmuck

von Insassen gestohlen und ihrem Vater gegeben,

der in einer finanziellen Notlage war.

Hinterher stellte sich heraus, dass die früher

fehlende Anerkennung der Grund war. Es

kann auch sein, dass der Chef zu einer Art

Ersatzvater wird und deshalb alles Mögliche

und Unmögliche auf ihn übertragen wird.

Das heisst, dass mich das, was ich als Kind

erlebe, mein ganzes Leben lang prägt?

Ja, so ist es. Das gilt auch für mich. Ich bin

als Einzelkind aufgewachsen und habe in

meinem frühen Berufsleben alles getan, um

eine Ersatzfamilie zu bekommen, und ich

habe oft noch eine Extrarunde durch die

Klinik gemacht um zu sehen, ob alles in Ordnung

ist und ob es allen gut geht. Ich wollte

von meinen Mitarbeitenden geliebt oder

mindestens geschätzt werden.

Wie selbstbestimmt bin ich dann noch?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt nicht

vom Bildungsgrad ab. Ich habe beispielsweise

bei einem Bergbauern eine unglaubliche

Lebensklugheit und Abgeklärtheit gefunden,

die ich bei Akademikern selten erlebt habe.

Es ist heute bei der Reizüberflutung ja

auch schwieriger als früher, zu sich selbst

zu finden.

Ich empfehle meinen Patienten

oft, jeden Tag eine halbe

Stunde ohne Handy spazieren

zu gehen. Das hilft, um

zu sich selber zu finden. Langeweile

ist etwas Gutes. Ich

werde dann nicht von mir

selbst abgelenkt und kann

mich selber besser erkennen.

Auf einmal merke ich vielleicht,

dass es ja gar nicht

nötig ist, jeden Tag zwölf

Stunden zu arbeiten.

Dann kann ich mit psychischen Störungen

sehr weit kommen, wenn sie bei mir Arbeitswut

und Ehrgeiz bewirken?

Ja, durchaus.

Kann ich als Zyniker sagen, dass ein normaler,

ausgeglichener, psychisch gesunder

Mensch im Leben weniger weit kommt

Kurt Bachmann

(l.) mit Klaus

Zaugg (m.) und

Bruno Wüthrich

im Gespräch.

als einer, der von Neurosen die Karriereleiter

hochgetrieben wird?

Ja, das kann sein. In einem solchen Fall frage

ich: «Macht dich die Karriere glücklich?» Ich

habe Patienten, die extrem erfolgreich sind

und sich nur über den beruflichen Erfolg definieren.

Wenn dieser Erfolg aus irgend einem

Grund ausbleibt, werden sie auf ihr Menschsein

zurückgeworfen und fallen ins Leere.

Kommen wir zum Stichwort «glücklich».

Die Amerikaner haben ja in ihrer Verfassung

sogar das Recht auf Glücklichsein

festgeschrieben. Was ist Glück?

Zu 90 Prozent ist es eine Sache der Einstellung

zum Leben. Sehe ich das Glas halb leer

oder halb voll? Diese Einstellung kann ich

bis zu einem gewissen Grad lernen.

Je kleiner also die Differenz zwischen den

Erwartungen an das Leben und der Situation,

in der ich bin, desto besser?

So können wir es sagen. Aber die Umstände

können wir oft nicht ändern. Die Ungerechtigkeit

des Lebens beginnt mit der Geburt.

Ich empfehle meinen Patienten

oft, jeden Tag eine halbe Stunde

ohne Handy spazieren zu gehen.

Das hilft, um zu sich selber zu finden.

Langeweile ist etwas Gutes.

Wenn ich in Langenthal zur Welt komme und

in einer gesunden Familie aufwachse, dann

habe ich ungleich bessere Voraussetzungen

als der grössere Teil der Menschheit.

Der Oberaargau ist eine der reichsten Regionen

der Welt, eigentlich müssten Sie

arbeitslos sein. Macht Wohlstand nicht

glücklich?

s’Positive 12 / 2017 7


KURT BACHMANN

Wahrscheinlich nicht. Wir haben jedenfalls

in der Schweiz eine der höchsten Dichten an

Psychiatern.

Je grösser die Differenz in meinen Leben

zwischen meinen Erwartungen und der

Wirklichkeit, desto näher bin ich ihrer

Praxis.

Ja, das ist eine gute Definition. Es kann sein,

dass Sie noch so erfolgreich sind, aber die

Erwartungen doch nie erfüllen können. Werten

und Vergleichen tut uns nicht gut. Ich war

in den 1990er-Jahren oft mit einem befreundeten

Psychiater unterwegs. Er war eine ganz

grosse, international hochgeachtete Kapazität

und der Autor von mehreren Fachbüchern.

Aber nach jedem Erfolg jagte er den

nächsten und fiel doch wieder in ein Loch.

Er konnte einfach die Erwartungen, die aus

einem schweren Vaterkomplex kamen, nie

erfüllen. Als er einmal im «Spiegel» wegen

irgendeines fachlichen Problems kritisiert

worden war, weinte er wie ein Kind.

Und obwohl er ein so erfolgreicher Psychiater

war, konnte er sich nicht selbst therapieren?

Es hat halt jeder seine blinden Flecken.

Aber die von Ihnen geschilderten Probleme

sind eher die Schwierigkeiten der Reichen

und der Erfolgreichen. Die Armen

haben andere Probleme.

Da kann man sich täuschen. Es ist einfach

so, dass sich die wirklich Reichen viel einfacher

Ersatzbefriedigung im materiellen Bereich

leisten können. Aber sie entkommen

ihren Problemen nicht und entwickeln oft

psychosomatische Leiden.

Leiden Sie manchmal an einer

«Deformation professionelle»?

Können Sie sich normal mit

Menschen unterhalten oder

sind Sie sofort an der Analyse

seiner Seele?

Das ist kein Problem. Manchmal,

nach einem Anlass, sagt meine

Frau, diesem oder jenem unserer

Bekannten gehe es wohl nicht gut

– und ich habe es nicht wahrgenommen.

Ich blende das im Privaten

oft sogar etwas aus.

Ist Ihre Arbeit nicht seelisch belastend?

Nein. Meine Arbeit besteht ja vor allem aus

persönlichen Gesprächen. Dabei geht es um

berührende Schicksale und Geschichten, die

vom Leben geschrieben werden. Natürlich

macht es mich oft auch betroffen und es löst

etwas in mir aus. Aber es ist ebenso belebend

und spannend, wie belastend.

Es ist also nicht so, dass Sie möglichst unbeteiligt

bleiben und etwas nicht an sich

heranlassen?

Nein. Nur in einer glaubwürdigen Beziehung

zum Patienten ist ein Heilungserfolg möglich.

Deshalb habe ich grosse Vorbehalte

gegen jene, die als kühle Analytiker versuchen,

ja nichts an sich heranzulassen. Ich

muss Anteil nehmen am Schicksal meines

«Wir können unser Gehirn

trainieren wie einen Muskel.

Wir können einzelne Bereiche

stärken, andere schwächen.

So verändert sich das Gehirn

im Laufe einer Therapie.»

Nach seiner

Pensionierung

gründete Kurt

Bachmann eine

eigene Praxis.

Patienten und auch mitfühlen. Ich muss aber

einen Weg finden, dass ich seine Lasten nicht

alle mittragen muss. Das Vertrauen, das einem

ein Patient entgegenbringt, ist ein Geschenk.

Was hat Sie in letzter Zeit am stärksten

berührt?

Ich lernte einen Mann kennen, der seine

Frau nach vielen gemeinsamen Jahren verloren

hat und unsäglich traurig war. Diese

Trauer lässt mich nicht kalt. Häufig bewegt

mich meine Hilflosigkeit. Es wäre wichtig,

uns unserer Ohnmacht und Hilflosigkeit bewusst

zu sein und sie auch in der Psychiatrie

mehr zuzulassen.

Wir sind uns also unserer Hilflosigkeit

oft zu wenig bewusst?

Ja. Deshalb ist die Geschichte der Psychiatrie

auch eine Geschichte der

Gewalt.

Eine Geschichte der Gewalt?

Ja. Noch heute werden zu viele Leute

eingesperrt. Und früher glaubte man, es

handle sich um organische Gehirnerkrankungen

und hat gewaltsame Eingriffe am

Gehirn vorgenommen. Dabei sind Hunderte

von Menschen ums Leben gekommen, später

hat man eine Heilung durch Schockeinwirkung

zu erzwingen versucht. Durch Elektrobehandlung

oder Insulin- und Cardiazol-

Schocks.

Man hat auch heute für alles zu wenig

Zeit.

Es ist auch eine Frage der Einstellung. Wenn

ich in der Klinik während der Nacht gerufen

wurde und meinte, keine Zeit zu haben,

dann konnte ich einem Patienten nicht helfen.

Wenn ich aber ruhig ging und mir nicht

vornahm, spätestens in einer Stunde fertig

zu sein, dann liess sich oft ein Problem lösen.

Uns interessiert noch etwas: Der Schlaf …

… ist ein häufiger Grund, meine Praxis aufzusuchen.

Erzählen Sie!

8 s’Positive 12 / 2017


ZU VERMIETEN

(ganz oder teilweise)

• Produktionsräume/Büroräume/

Lagerräume

• Totale Nutzfläche 5000 m 2

• 2 Anpass-Rampen

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• Nahe Bahnhof Bannwil

Niederbipp

A1

Kanton Bern

5 Minuten

mit dem Auto

von der A1

entfernt.

Bannwil

Kanton Solothurn

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Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 079 431 56 42


KURT BACHMANN

Schlaflosigkeit

sei ein häufiger

Grund für Praxisbesuche,

sagt Kurt

Bachmann.

Die weit verbreiteten Schlafmittel verändern

die Schlafarchitektur und löschen einzelne

Schlafphasen. Dadurch nimmt der Erholungswert

des Schlafes ab und darüber hinaus

werden wir auch noch von diesen Schlafmitteln

abhängig. Heute ist nicht mehr der

Alkohol das grösste Problem im Strassenverkehr.

Mindestens zehn Prozent fahren unter

dem Einfluss von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln

mit entsprechenden Konzentrationsund

Reaktionsschwächen.

Wie können wir Schlaf finden?

Man schämt sich für eine psychische

Krankheit, weil sie immer

noch als persönliches Versagen

erlebt wird. Aber es gibt eine

erfreuliche Entwicklung und eine

vermehrte Sensibilisierung.

Die klassischen Mittel helfen. Nicht vor der

Nachtruhe den Puls hochjagen, vor dem Einschlafen

einen Spaziergang machen und

Rituale einführen. Oft wacht jemand in der

Nacht auf mit dem Gedanken, was am Morgen

dringend zu erledigen sei. Wenn einem

der Gedanke nicht mehr loslässt und am

Weiterschlafen hindert, hilft oft aufstehen

und aufschreiben. Wichtig ist, dass man es

dann auch tut. Andernfalls hilft die Methode

oft nicht. Ich kann mir wichtige Dinge, die

ich anderntags erledigen will, vor dem Schlafengehen

aufschreiben. Dann wird es mir

den Schlaf nicht rauben.

Wir haben davon gesprochen, dass auch

Heilung mit Worten möglich ist. Das ist

faszinierend. Können Worte so viel bewirken

wie Medikamente?

Unser Gehirn bildet noch mit 75 Jahren

neue Zellen. Das bedeutet, dass wir unser

Gehirn trainieren können wie einen Muskel.

Wir können einzelne Bereiche durch intensiveres

Training stärken und andere durch

weniger Training schwächen und so neue

Gedankengänge und Reaktionsmuster

einführen. Das

Gehirn verändert sich im

Laufe einer Therapie.

Wir haben eingangs darüber

gesprochen, dass niemand

gerne zugibt, beim Psychiater

gewesen zu sein. Es gibt

aber offenbar so viele psychische

Erkrankungen, dass

diese Hemmschwelle eigentlich

nicht mehr so hoch

sein sollte.

Man schämt sich extrem für eine psychische

Krankheit. Weil sie immer noch als persönliches

Versagen erlebt wird. Aber es gibt eine

erfreuliche Entwicklung und eine vermehrte

Sensibilisierung für psychische Erkrankungen.

Waren Sie auch schon beim Psychiater?

Ja. Ich ging auch schon in die Therapie. Ich

war etwas mehr als 50 Jahre alt und lief auf

ein Burnout zu. Ich merkte es vorerst nicht.

Es war meine Frau, die sagte, etwas stimme

nicht mit mir. Ich suchte dann einen Psychiater

in Basel auf.

Weil man Sie hier kennt und Sie nicht

wollten, dass alle Welt weiss, dass Sie zum

Psychiater müssen?

Es ist zwar tatsächlich so, dass es Patienten

gibt, die deshalb weit von ihrem Lebensmittelpunkt

zum Psychiater gehen. Ich habe

Patienten aus St. Gallen. Aber bei mir war es

etwas anderes: Ich kenne ja meine Berufskollegen

in Langenthal. Wenn ich zu ihnen

in die Therapie gegangen wäre, wären daraus

doch nur Fachgespräche geworden, die

mir nicht geholfen hätten.

Wir würden eigentlich gerne Dominique

Aegerter bei Ihnen vorbeischicken.

Das würde mich interessieren. Ich habe von

seinem «Lüthi-Komplex» gelesen.

Aber wir hüten uns davor, ihn in Ihre Praxis

zu schicken.

So? Warum?

Wir haben in unserem Gespräch herausgespürt,

dass Sie den Menschen helfen,

gelassener und ruhiger zu werden. Sozusagen

zur Normalität zurückzufinden.

Das ist durchaus richtig.

Das würde aber bedeuten, dass Sie Dominique

Aegerter zu einem ganz gewöhnlichen

jungen Mann machen würden.

Aber welcher gewöhnliche junge

Mann übt mit Begeisterung einen Beruf

aus, bei dem er in jedem Training und

Wettkampf das Leben und die Gesundheit

riskiert?

Sie wollen damit sagen, erfolgreiche Sportler

seien Exzentriker?

Ja.

Nun, ich denke, bei vielen Politikern gibt es

ähnliche Persönlichkeitsmerkmale.

10 s’Positive 12 / 2017


WISSEN

WAS DIE

NACHT

MIT UNS MACHT

Die Menschen brauchen das Licht des Tages ebenso wie

die Dunkelheit der Nacht. Ernst Peter Fischer befasst sich in

seinem Buch «Durch die Nacht: Eine Naturgeschichte

der Dunkelheit» auch damit, wie wir schlafen und was

sonst noch in der Nacht geschieht.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Und Gott sprach: Es werde Licht!

Und es ward Licht. Und Gott

sah, dass das Licht gut war. Da

schied Gott das Licht von der

Finsternis und nannte das Licht

Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus

Abend und Morgen der erste Tag.»

Mit den Strahlen der Sonne begann sich

das Leben auf der Erde zu regen. So etwas

passiert auch heute noch. Wenn es morgens

dämmert, werden die Menschen aktiv. Haben

sie gut geschlafen, vergessen sie die Nacht.

Sie scheint ihnen nur eine Unterbrechung des

Tages zu sein, an dem sich alles Wichtige

abspielt. Doch so schön die Tage sein können

– auch die Nacht gehört zu unserem Leben.

Es gibt sogar zwei Arten von Dunkelheit. Da

ist zum einen die wiederkehrende Nacht, die

als Schatten der Erde zustande kommt. Und

da ist auch das Schwarz am Himmel, das sich

nach dem Verschwinden unseres leuchtenden

Zentralgestirns zeigt.

Während wir durch die Sonne tagsüber den

blauen Himmel sehen, umschliesst uns ohne

sie ein tiefes Schwarz, das nicht mit dem

Schatten der Erde verwechselt werden darf.

Weshalb der Nachthimmel dunkel ist, konnten

Physiker und Astronomen erst im Verlaufe

des 20. Jahrhunderts erklären. Sie tun

dies mit einem Modell, das sich am Anfang

den Urknall vorstellt. Die Urknall-Theorie

besagt, dass das Universum zu Beginn noch

winzig klein und undurchsichtig war. Erst

Foto: Shutterstock.com/Denis Belitsky

12 s’Positive 12 / 2017


In den Sternen -

himmel zu blicken

weckt das Bedürfnis,

die Erde in ihrer

Schönheit zu

bewahren.

mit seiner Ausdehnung kühlte sich der Kosmos

ab und wurde transparent.

Wer ins All schaut, blickt in die Vergangenheit.

Das Schwarz hinter den Sternen

zeigt den Kosmos zu einem Zeitpunkt, als er

noch undurchsichtig war. Der Astrophysiker

Rudolf Krippenhahn formuliert es so: «Dass

es nachts dunkel wird, zeigt uns, dass es die

Sterne (und damit auch unsere Sonne) nicht

seit jeher gibt und dass sich das Weltall ausdehnt.»

DIE INNERE UHR

Das Licht, das den Menschen am Tag die Welt

zeigt, macht nur einen winzigen Teil ihrer

Existenz aus. Ihr Leben ist ein kurzes Aufblitzen

zwischen zwei ewigen Dunkelheiten.

Menschen kommen aus der Nacht und kehren

in sie zurück. Unternehmen sie deshalb

alles, um sie verschwinden zu lassen?

Der Wechsel von Licht und Dunkelheit

stellt die inneren Uhren der Menschen. Die

Evolution hat unsere Augen mit einem besonderen

Pigment ausgestattet: dem Melanopsin.

Es sitzt in der Netzhaut und erlaubt

es dem Auge, die Helligkeit der Umgebung

zu registrieren. Es meldet also dem Gehirn,

ob es Tag oder Nacht ist. Der Name des Pigments

leitet sich vom griechischen Wort für

schwarz ab und bezeichnet damit so etwas

wie einen Schwarzseher.

Um mit dem ins Auge einfallenden Licht

tatsächlich das Sehen zu ermöglichen und

nicht nur das Helle und dunkle zu unters’Positive

12 / 2017 13


WISSEN

scheiden, setzt die Natur lichtempfindliche

Moleküle namens Rhodopsin ein. Sie befinden

sich in den Stäbchen und Zapfen, die

als fotosensitive Zellen auf der Netzhaut

das Erkennen von Formen und Farben ermöglichen.

Das «Schwarzseher»-Pigment hingegen

sorgt dafür, dass unsere Augen höchst empfindlich

auf die Farbe Blau reagieren. Diese

leuchtet besonders intensiv auf den Computerbildschirmen.

Wer spätabends seine E-

Mails checkt oder im Internet surft, sorgt

dafür, dass seine Augen dem Gehirn melden,

es sei helllichter Tag – also noch längst

keine Schlafenszeit. Dies bringt langfristig

das Schlafverhalten durcheinander

und damit den Biorhythmus.

Interessanterweise schafft es

der menschliche Körper, den Biorhythmus

mithilfe des Hormons

Melatonin zu verschieben. In der

Pupertät verlegt er die Einschlafzeit

auf diese Weise tiefer in die Nacht. Das

hat den Vorteil, dass Teenager nach dem

Ausflug ins Netz wach genug sind, um noch

auszugehen. Es hat aber den Nachteil, dass

sie morgens völlig verschlafen im Unterricht

sitzen – zu einer Zeit, in der ihr Gehirn biologisch

gesehen noch schlafen sollte.

Ist die Schule mittags zu Ende, setzt der

Körper das Hormon Chrelin frei, das für Appetit

sorgt. Es ist nämlich nicht der leere

Magen, der Signale sendet, sondern das Gehirn.

Es erkennt anhand des Sonnenstandes,

dass Mittag und damit Essenszeit ist. Nach

dem Lunch sinkt der Adrenalinspiegel – und

mit ihm die Aufmerksamkeit. Selbst das

hellste Sonnenlicht vermag den seinem Tiefpunkt

zustrebenden Biorhythmus nicht aufzuhalten.

Gleichzeitig sinkt aber auch die

Schmerzempfindlichkeit. Damit ist der

Nachmittag ein guter Zeitpunkt für den

Zahnarzttermin.

Doch auch für andere Tätigkeiten ist der

Nachmittag ideal. Zum Beispiel für den Besuch

im Fitnessstudio. Denn nun sind die

Muskeln bereit, Masse aufzubauen. Die ruhig

fliessenden Stunden dieser Tageszeit

eignen sich zudem bestens, um Kinder zu

zeugen. Die Samenqualität des Mannes ist

zu diesem Zeitpunkt am höchsten. Ausserdem

sinkt das Risiko von Erkrankungen an

den Herzgefässen. Stress und depressive

Gefühle nehmen ab.

Haben die

Menschen gut

geschlafen,

vergessen sie die

Nacht.

UNGESUNDE LICHTKNAPPHEIT

Wen der Biorhythmus zu dieser Tageszeit

nicht ins Bett, sondern in den Park, ins Freibad

oder in die Berge treibt, hat einen weiteren

Vorteil. Je mehr Licht das Sonnensegel

einfängt, das Menschen als Haut mit sich

tragen, desto mehr Endorphine werden im

Körper freigesetzt. Sie sind auch als Glückshormone

bekannt. Daneben sorgt das Licht

dafür, dass Vitamin D gebildet wird. Wird

dieser Stoff im Winter knapp, nehmen Erkältungskrankheiten

und Grippeinfektionen zu.

Es gilt daher, im Sommer einen ausreichenden

Vorrat zu produzieren.

Im Winter leiden einige Menschen an der

Verdunkelung ihrer Seele. Je kürzer die Tage,

desto stärker nimmt das Hochgefühl des

Sommers ab und eine Winterdepression setzt

ein. In vielen Fällen ist diese auf das fehlende

Licht zurückzuführen. Die Produktion des

Schlafhormons Melatonin

gerät durcheinander.

Betroffene verweilen

sozusagen länger im

Schlafbetrieb. Als die

Evolution diesen Energiesparmodus

einrichtete,

muss er von Vorteil

gewesen sein. Heute, wo

sich viele Menschen in

künstlich erleuchteten

Welten aufhalten, erweist

er sich als störend. Er drückt aufs Gemüt,

und man muss bis zum Frühling warten,

um wieder in Stimmung zu kommen.

Das Melatonin ist eine genauere Betrachtung

wert. Kommt die Nacht näher, wird es

in einem Teil des menschlichen Zwischenhirns

– der Zirbeldrüse – ausgeschüttet. Damit steigt

die Müdigkeit, und die Körpertemperatur

sinkt. Das Hormon sorgt dafür, dass sich die

Blutgefässe erweitern und die Temperatur im

Inneren des Körpers absinkt. Nur kalte Füsse

können einem noch am Einschlafen hindern.

LICHTAKTIVE HORMONE

Warum aber muss der Mensch schlafen?

Warum zieht er sich vor der hereinbrechenden

Dunkelheit zurück? Die Meisten würden

sagen: «Ich schlafe, weil ich müde bin.» Die

grosse Antwort der Wissenschaft auf diese

Frage steht noch aus. Doch es gibt eine Menge

kleiner Hinweise darauf, was in den Stunden

der Nacht passiert.

Ist das Gehirn auf dem Weg in den Tiefschlaf,

setzt es das Wachstumshormon Somatotropin

frei. Dann werden im ruhenden

Das Gehirn ist in der Nacht mit

Aufräumarbeiten beschäftigt:

Das Gedächtnis festigt sich. Im Kopf

finden sich alte Eindrücke in neuer

Zusammensetzung wieder.

Körper Arbeiten verrichtet, die das Leben am

Tag erleichtern. Das Hormon fördert die Heilung

von Wunden. Das Immunsystem wird

gestärkt. Im Knochenmark läuft die Produktion

von Blutkörperchen auf Hochtouren.

Das Gehirn ist in der Nacht mit Aufräumarbeiten

beschäftigt: Das Gedächtnis festigt

sich. Im Kopf finden sich alte Eindrücke in

neuer Zusammensetzung wieder. Dies gibt

dem Gehirn die Chance, kreativ zu sein. Gelegentlich

wird seinem schlafenden Besitzer

ein Geistesblitz zuteil. Der Schlaf macht

Foto: Shutterstock.com/Boophuket

14 s’Positive 12 / 2017


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WISSEN

Das künstliche

Licht in den

Städten bringt

die innere Uhr der

Menschen

durchei nander.

historische Forschungen belegen, schliefen

sie vor der Zeit der elektrischen Beleuchtung

nicht einfach, sondern zweifach. Die erste

Runde, die im Englischen «dead sleep» genannt

wird, setzte mit der natürlichen

Dunkelheit ein. Nach einigen Stunden

setzte dann eine Wachphase ein, in

der man Zeit für den Beischlaf oder

Die erste Schlafrunde

setzte mit der Dunkelheit

ein. Nach einigen

Stunden kam eine Wachphase,

in der man Zeit

für den Beischlaf oder

ein Gebet hatte.

In der Nacht hielt die Dunkelheit die

Menschen davon ab, in den Wald zu gehen.

auch Mut, sich dem Leben zuzuwenden und

Freude an der Schönheit der Natur zu empfinden.

Oft will dies am Abend zuvor mit

zunehmender Müdigkeit nicht mehr so recht

gelingen.

Wir brauchen die Nacht. Doch warum ist

sie uns oft nicht geheuer? Ein Problem besteht

darin, dass sich der Mensch in der

Nacht schlechter auf seine Augen verlassen

kann. Zuerst verschwinden in der Dunkelheit

mit einem Schlag die Farben, weil in der

Dämmerung jene Sorte von Sehzellen abgeschaltet

wird, die man Zapfen nennt. Jetzt

übernehmen die Stäbchen, die nur Schwarz

und Weiss kennen. Wird es gänzlich dunkel,

erkennen wir nichts mehr. Dies kann Angst

auslösen. Doch einst bewahrte diese Dunkelangst

die Menschen davor, in den finsteren

Wald mit all seinen Gefahren zu laufen.

SCHLAF SCHAFFT ORDNUNG

Doch es gibt auch die andere Seite der Finsternis:

Wenn man andere nicht sieht, ist man

selbst ebenfalls nicht zu sehen. Früher war

die Nacht die beste Zeit, um sich mit dem oder

der Liebsten zu unterhalten und zu vergnügen.

Das Verlangen überwand die Angst. Die

fruchtbare Liebe gedieh in der Nacht deutlich

besser als das furchtbare Verbrechen. Bei der

Liebe konnte das Licht nur stören. Tatsächlich

hatten die Menschen in der Nacht gleichermassen

Zeit für Ruhe und wildes Treiben. Wie

ein inbrünstiges Gebet hatte. Danach

legte man sich erneut aufs Ohr, um

nach dem Morgenschlaf den neuen

Tag zu begrüssen.

Heute beklagen sich viele Menschen

über Ein- oder Durchschlafstörungen. Der

Gesellschaft ist die Idee fremd, dass man in

zwei Etappen schlafen könnte. Dabei zeigen

Experimente aus den 1990er-Jahren, dass

Menschen, die sich an den natürlichen Helligkeiten

des Tages orientieren und ohne

Kunstlicht auskommen, zum zweiphasigen

Muster des Schlafens zurückfinden können.

Sie liegen erst eine Zeit lang im Bett und

schlafen etwa vier Stunden, werden dann für

zwei bis drei Stunden wieder wach, bevor sie

erneut für etwa vier Stunden schlummern.

Nach dem zweiten Aufwachen fühlen sie sich

wie neu geboren. Die Trennung zwischen

erstem und zweitem Schlaf kannten die Menschen

bereits vor der Ausbreitung des Christentums,

wie zum Beispiel «Odysseus» des

griechischen Dichters Homer belegt. Der

Schriftsteller Mark Twain glaubte, wie der

Mond habe auch der Mensch eine helle und

eine verborgene Seite. Wo eine helle Seite

existiert, muss es auch eine dunkle geben.

Deshalb brauchen Menschen das Licht des

Tages ebenso wie die Dunkelheit der Nacht.

Der Sternenhimmel verleiht ihnen Demut.

Der Schlaf erlaubt ihrem Gehirn, Ordnung

zu schaffen. Die umhüllende Dunkelheit lässt

sie die Wonnen der Liebe geniessen. Das Leben

lohnt sich erst durch die Nacht. Man

sollte sich ruhig auf sie einlassen.

Quellen: PM-Magazin, Buch «Durch die

Nacht: Eine Naturgeschichte der Dunkelheit»

von Ernst Peter Fischer

Fotos: Shutterstock.com/Alexey Fedorenko/Fantom666

16 s’Positive 12 / 2017


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WUSSTEN SIE SCHON

«HARDCORE»

Was steckt dahinter?

1

Die Bedeutung für das Wort «Hardcore» hat

sich im Laufe der Zeit gewandelt. Aus dem

technischen Begriff aus dem Strassen-, Brücken-

und Häuserbau wurde ein trendiger

Ausdruck für alles, was extrem und intensiv

gelebt und ausgeübt wird. Zum Beispiel in

der Musik, im Sport oder beim Sex. Am Ursprung

stehen die zwei englischen Wörter

«hard» und «core», was wörtlich übersetzt

harter Kern bedeutet. Erstmals schriftlich in

Erscheinung trifft das Wort 1959 als Bezeichnug

für solide Fundamente aus Kies, Splitt,

Bruchstücken von Ziegeln und anderen Bauabfällen.

Ein paar Jahrzehnte später taucht

der Begriff auch im Zusammenhang mit

«unnachgiebig» und «hart» auf. In ihrem

1964 erschienenen Werk zu Fragen der Zensur

(«Censorship: The search for the obscene»)

prägten die amerikanischen Juristen

Morris Ernst und Alan Schwartz den Begriff

«hardcore pornography» für sexuelle Darstellungen

und Beschreibungen, die in ihren

Augen den Tatbestand der Obszönität erfüllten

und der Zensur zum Opfer fallen sollten.

Die sexuelle Bedeutung des Begriffs

«hardcore» ist bis heute geblieben. Neu ist

die Verwendung des Wortes im Sinne von

«passioniert», «engagiert» bis hin zu «besessen»,

aber auch für besonders «hart» oder

sogar «gewalttätig». Ein paar Beispiele: Als

«hardcore» werden Politiker bezeichnet, die

für einen besonders harten Kurs stehen, und

von «Hardcore»-Wissenschaftlern spricht

man bei Forschern, die bis ins Mark von ihrem

wissenschaftlichen Weltbild durchdrungen

sind.

KUSCHELIGER RÜCKZUGSORT

Warum Katzen Karton lieben

Katzen lieben Kartonschachteln. Sie zwängen

sich oft in viel zu kleine Boxen. Manchmal

wählen sie auch Schubladen, Einkaufstüten

und sogar Teekannen. Eine sichere

Erklärung für diese Vorliebe gibt es nicht.

Wir müssen uns deshalb mit Theorien begnügen.

Die Tierärztin Claudia Vinke an der

Uni Utrecht stellte durch Messungen fest,

dass bei unter Stress stehenden Katzen der

Erregungslevel deutlich sinkt, wenn sie in

einen herumstehenden Karton huschen können.

Sich in einer Box zu verstecken hat offensichtlich

eine entspannende Wirkung.

Der US-Verhaltensforscher Stephen Zawistowski

erklärt dies damit, das Katzen bis

zu 20 Stunden pro Tag schlafen. Das wäre

in freier Wildbahn gefährlich. Die Suche

nach einem sicheren Schlafplatz steckt den

Miezen also in den Genen. Ausserdem reagieren

sie auf Gefahr typischerweise damit,

dass sie davonflitzen und versuchen, sich

möglichst unsichtbar zu machen. Ganz im

Gegensatz übrigens zum Hund. Dieser legt

sich mit potenziellen Aggressoren durchaus

offensiv an. Beispielsweise, indem er versucht,

sie zu verbellen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb

Katzen Geborgenheit in Kartons suchen:

Sie lieben die Wärme. Katzen lieben höhere

Temperaturen als Menschen. Kleine Behältnisse

wie Kartons sind ideale Isolatoren, in

denen es schnell kuschelig warm wird.

2

Fotos: shutterstock.com/Evgeniya Porechenskaya/Konstantin Maslov/Wstockstudio

18 s’Positive 12 / 2017


WUSSTEN

SIE SCHON?

3

STIMMT DAS?

Gebügelte

Wäsche hält

länger sauber

Wer bügelt schon gerne. Doch wer darauf

verzichtet, muss öfter waschen, denn ungebügelte

Wäsche sammelt schneller Schmutz

ein. Schuld daran sind die Wäschefasern, die

ungebügelt kreuz und quer aus dem Stoff in

die Luft ragen. Auf ihnen setzen sich Schmutzpartikel

leicht ab. Ist die Wäsche jedoch mithilfe

des heissen Bügeleisens geglättet worden,

fällt es dem Schmutz viel schwerer, sich

zwischen den Fasern festzusetzen.

Zu Grossmutters Zeiten wurde noch jedes

Wäschestück bis hin zu den Socken gebügelt

und wanderte dann präzise angeordnet im

Schrank. Dies kostete natürlich seine Zeit.

Kein Wunder also, dass Textilien immer beliebter

wurden, die nicht gebügelt werden

mussten. Sie kommen bereits ziemlich glatt

aus dem Trockner. Puristen ist dies aber nicht

glatt genug. Sie sind Bügelfans geblieben.

Vielleicht sparen sie sich den Aufwand durch

weniger Waschen wieder ein.

s’Positive 12 / 2017 19


REISEN

Im Land des

harten Honigs und

des Feuerbergs

Die Nacht ist mondlos. Die Dunkelheit

undurchdringlich. Warum

bellen kurz nach Mitternacht

so viele Hunde? Geisterstunde?

Nein. Es muss dieses

unheimliche Donnergrollen gewesen sein,

dass sie aus ihrem leichten Schlaf gerissen

hat. Es tönte wie ein in der Ferne vorbeirollender

Güterzug. Oder eher Geschützdonner?

Es ist nicht nur der Wind, der mich

frösteln lässt. Beginnt nicht mancher Horrorfilm

mit so einer Szene in einer scheinbar

idyllischen Welt?

Am nächsten Morgen klärt uns Sebastiano

auf. Er trägt Rastazöpfe und wird auf Schritt

und Tritt von Biscotto begleitet, seinem kleinen

Hund. Die beiden wohnen nebenan im

Hauptgebäude und schauen im alten Landhaus

zum Rechten, das wir für eine Woche

gemietet haben. Der Blick geht in die eine

Richtung hinaus aufs Meer und in die andere

hinauf zum Ätna. Nun zeigt Sebstiano

hinauf zum unheimlichen Berg, weist auf

eine weisse Rauchfahne an der Flanke hin

und sagt: «Dort ist letzte Nacht ein neuer

Krater entstanden.» Das war es also, was die

Hunde unruhig machte und mich frösteln

liess. Ich habe schon viel gelesen über den

höchsten Vulkan Europas. Ich kenne die

vielen Mythen dieses Feuerbergs. Die Geschichte

seiner Ausbrüche, die schon mehrmals

die Stadt Catania vollständig zerstört

haben. Die Literatur über den Ätna füllt

ganze Bücherregale. Aber erst jetzt wird mir

bewusst, was die Faszination eines Vulkans

ausmacht.

Die Eigernordwand ist gewaltig. Der Niesen

wie auf dem Reissbrett entworfen. Das

Matterhorn unverwechselbar. Der Mount

Foto: Wanda Frischknecht

20 s’Positive 12 / 2017


Mailand

Das Klima ist wunderbar mild,

das Meer ist strahlend blau

und doch liegt über allem eine

leise Melancholie. Sizilien ist

ein vergessener, faszinierender

Mittelpunkt der Erde – und

liegt vor unserer Haustür.

TEXT: KLAUS ZAUGG

SIZILIEN

ITALIEN

Rom

Neapel

Ätna

Palermo

Catania

Der Ätna auf

Sizilien ist immer

noch aktiv.

Everest majestätisch und der Aufstieg zum

Napf putzt einem die Lungen. Aber keiner

dieser Berge hat etwas Unheimliches. Wenn

ich den Berg in Ruhe lasse, wenn ich nicht

zu ihm hingehe und nicht versuche, auf seinen

Gipfel zu steigen, dann passiert mir

nichts. Es sind einfach steinerne Berge. Seit

Anbeginn der Zeiten unverrückbar an ihrem

Platz. Scheinbar für die Ewigkeit. Es heisst

ja, es komme jedes Jahr eine Dohle und wetze

dreimal den Schnabel am Matterhorn. Erst

wenn der Berg auf diese Weise bis auf den

Grund abgetragen ist, sei die Ewigkeit um.

Der Ätna wirkt hingegen bedrohlich. Ein gewaltiger

Berg. Nicht schroff. Einfach gewaltig.

Dieser Berg lebt und wenn du nicht zu

ihm gehst, dann kommt er vielleicht zu dir.

Wie ein prähistorisches Wesen, das nicht

nach Europa gehört. Es gibt zwei Wege, sich

dem Ätna zu nähern. Der erste ist ein wenig

mühsam. Erst mit dem Auto die zahllosen

Kehren hinauf zur Talstation der Gondelbahn

und von dort weiter auf gut 2000 Meter

Höhe. Unten am Meer ist es 20 Grad.

Mildes, freundliches Wetter. Hier oben ist es

garstig. Sturmwind braust über die Bergflanken.

Die Temperatur ist gefühlt unter dem

Gefrierpunkt. Für drei Euro werden Skijacken

an die leichtsinnigen Touristen vermietet.

Wir stehen verloren in einer trostlosen,

hochalpinen Landschaft. Es wäre möglich,

von hier aus mit dem geländegängigen

Bus weiter ein Stück hochzufahren und sich

schliesslich von einem Führer auf den Gipfel

begleiten zu lassen. Theoretisch. Praktisch

ist uns das alles zu anstrengend. Schneefelder

auf schwarzen Aschenfeldern. Trostlos.

Aber wir wissen halt jetzt schon, dass es

einen viel besseren Weg dort hinauf zum

s’Positive 12 / 2017 21


REISEN

Die Lava bringt Zerstörung – aber

auch fruchtbare Böden.

Sitz der Feuergötter gibt. Sebastiano hat in

seinem Freundeskreis einen Helikopterpiloten

und der fliegt Touristen zum Gipfel hinauf.

Und genau das tun wir zwei Tage später.

Gute Beziehungen schaden nur jenen, die

keine haben. Treffpunkt ist der Parkplatz

eines Golfhotels. Wie von Götterhand gehoben

steigen wir mit dem knatternden Flugapparat

auf. Schnell lassen wir die grünen,

blühenden Landschaften hinter uns. Es geht

nun über Schneefelder. Erst jetzt sehen wir

die vielen kleinen Krater wie Narben an den

Flanken des gewaltigen Massivs. Und

schliesslich schweben wir ganz oben. Es ist,

als seien wir über dem Gipfel aller Gipfel und

Welten. Der Blick geht weit aufs Meer bis zur

Küste Italiens und tief ins Innere der Insel.

Und hinunter in die Krater. Das schneebedeckte

Gipfelfeld mahnt eher an einen abgebrochenen

Zahn als einen Berggipfel. Weisse

Rauchschwaden steigen aus einem der Krater

auf und werden vom Wind verweht. Es

ist, als ob ein Raubtier im Tiefschlaf gleichmässig

atmen würde.

Eine Stunde später sitzen wir wieder auf

Meereshöhe in der wunderbar milden Sonne

und blicken hinauf zum Berg. Seine Flanken

sind bis weit hinauf eine von Steinmauern

ZUSATZINFOS

Der Ätna – Europas grösster Vulkan

Der Ätna ist Europas grösster

und höchster aktiver Vulkan.

Er hat einen Durchmesser von

40 Kilometern, erstreckt sich

über eine Fläche von rund

1400 Quadratkilometern und

ist rund 3352 Meter hoch.

Entstanden ist der Feuerberg

vor rund 700 000 Jahren über

der tektonischen Bruchlinie,

die an der sizilianischen Ostküste

entlang verläuft.

Aus seinen vier aktiven

Hauptkratern, den zahlreichen

Spalten an den Flanken und

insgesamt 400 grösseren und

kleineren Nebenkratern flossen

in den letzten 500 Jahren

mehr als eine Milliarde Kubikmeter

Lava. Die Lava selbst

bezieht der gigantische Vulkan

aus 70 bis 120 Kilometern

Tiefe.

Der erste dokumentierte Ausbruch

datiert aus dem Jahre

1500 v. Chr. In der griechischen

Mythologie befand sich

im Ätna die Werkstatt des

Schmiedegottes Hephaistos.

150 gewaltige Ausbrüche sind

seit dem Altertum verzeichnet,

die für die umliegenden Städte

und Siedlungen oft genug Tod

und Zerstörung brachten.

Der letzte verheerende Ausbruch

zerstörte 1669 die Stadt

Catania komplett. In der jüngeren

Vergangenheit gab es

1989, 1992 sowie 2002 und

2003 grössere Ausbrüche.

Aber ohne katastrophale Folgen.

Es blieb bei ein paar zerstörten

Hotels, Ferienhäusern,

Restaurants, verschütteten

Strassen und die Seilbahnstation

musste wieder neu gebaut

werden.

Seit 700 000

Jahren aktiv

und gefährlich:

der Ätna.

Pausenlos aktiv

Aber zwischen den grossen

Ausbrüchen spuckt der Ätna

regelmässig Feuer und Rauch

wie ein Ungeheuer, das eine

gigantische Zigarre pafft.

Wahrscheinlich explodiert er

nicht in einem alles verheerenden

Ausbruch, weil er ständig

ein wenig Druck ablässt. Aber

die Vulkanologie ist eine der

schwierigsten Wissenschaften

überhaupt. Nach wie vor ist es

praktisch unmöglich, verlässlich

Zeitpunkt und Dimension

von Ausbrüchen vorherzusagen.

Der Ätna ist nicht nur für

seine unmittelbare Umgebung

ein Risikofaktor. Er bläst jährlich

rund 25 Millionen Tonnen

Kohlendioxid in die Atmosphäre

und ist damit einer der

grössten Luftverschmutzer der

Erde.

Fotos: shutterstock.com/Creative Travel Projects/Wead

22 s’Positive 12 / 2017


«Weisse Rauchschwaden

steigen aus einem

der Krater auf. Es ist, als

ob ein Raubtier im

Tiefschlaf gleichmässig

atmen würde.»

durchzogene Kulturlandschaft von märchenhafter

Fruchtbarkeit. Die hervorbrechende

Lava bringt Tod und Zerstörung. Aber die

vulkanische Erde ist von üppiger Fruchtbarkeit.

Jetzt noch, im Dezember, ist alles grün.

Hier wächst alles. Reichlich. Und scheinbar

wie von allein. Palmen, Olivenbäume, Avocados,

Blumen, Orangenbäume, Haselnüsse.

Unser Landhaus liegt inmitten einer Orangenplantage.

Die Früchte fallen von den Bäumen

und liegen auf dem Boden verstreut herum

wie bei uns die Äpfel, die niemand mehr

pflückt. Um jeden Morgen frischen Orangensaft

zu haben, braucht es drei Arbeitsgänge.

Hinausgehen. Sich bücken. DaDen Saft pressen.

Es ist diese Fruchtbarkeit, die die Menschen

seit Jahrtausenden zum Ätna zieht. Im

Vertrauen auf die Götter – später auf Gott –

der Berg möge nicht zürnen und mit einem

Ausbruch erst die nächste Generation treffen.

Oder nur das Nachbardorf.

Sizilien ist eine vergessene Traumwelt.

Nur zwei Flugstunden von hier. Hier treffen

Afrika und Europa, uralte Geschichte und

Gegenwart, die lateinische Leichtigkeit des

Seins und die nordische Geschäftigkeit, Improvisation

und Organisation, Gesetz und

Gesetzlosigkeit wie kaum an einem anderen

Ort der Welt aufeinander.

Sebastiano erzählt, dass es für ihn vor 30

Jahren nur eines gegeben habe: so schnell

wie möglich weg von hier. Er habe die Welt

gesehen. Indien. Amerika. Europa. Australien.

Und schliesslich muss er in Rom ein grosses

Tier geworden sein. Was genau er war

und was er tat, finden wir nicht heraus. Er

liefert eine gute Begründung, warum er wieder

hierhergekommen ist. Ins Land seiner

Väter. Grossväter. Urgrossväter. Früher habe

es geheissen, Sizilien sei schlimm. Ganz

schlimm. Die Politiker korrupt. Die Staatsbürokratie

kafkaesk und ineffizient. «Nun ist

es in ganz Italien so. Dieser Staat ist verrottet.

Aber wir haben uns hier schon längst mit

solchen Verhältnissen arrangiert und gelernt,

damit zu leben.»

SIZILIANISCHES LAMENTO

Temperamentvoll und gestenreich erzählt er

mit der Lamentier- und Klagelust der Lateiner,

was einem hier so alles widerfahre.

Er habe dieses Landhaus für ein europäisches

Agrar-Tourismus-Programm anmelden

wollen. Dann gebe es aus Brüssel viel Fördergeld.

Das sei eigentlich eine überaus lohnende

Sache. Das Problem sei nur, dass man

die Eingabe nicht direkt in Brüssel, sondern

nur hier, bei den lokalen Behörden, machen

könne. «Und weisst Du was? Ich hätte mehr

Bestechungsgelder bezahlen müssen, damit

die mich anmelden kann, als ich in zehn

Jahren mit der Vermietung dieses Hauses

hätte einnehmen können. Also lasse sich es

sein.» Er muss in Rom viel verdient haben.

«Aber der Staat hat mein Geld gestohlen. 70

Prozent meines Einkommens habe ich durch

Steuern verloren. Und was bekomme ich

vom Staat? Nichts. Es sind Räuber.

Ach, wenn ich als Fremder doch dahinterkäme,

wie es wirklich ist. Ich habe schon

so viele Geschichten über die Korruption,

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REISEN

die Mafia, das organisierte Verbrechen, die

Rückständigkeit, die Arbeitslosigkeit, die

Hoffnungslosigkeit, die Gewalt, die Gesetzlosigkeit

gehört und gelesen. Aber wie ist es

wirklich? Das Wetter so mild, das Essen so

wunderbar, der Wein so köstlich, die Menschen

so freundlich. Uns ist eine Traurigkeit,

eine seltsame Gespanntheit, stets präsent.

Ist es wie beim Ätna? Schlummert das Böse,

«Niemand hatte die Kraft und

den Willen, jeden Winkel dieses

Landes, alle die alten, an den

Berghängen erbauten Dörfer zu

erobern und zu beherrschen.»

die Bedrohung, unter der blühenden Oberfläche?

Für den Fremden nicht sichtbar und

wenn es dann auf einmal aufbricht ist es zu

spät so wie wenn der Ätna ausbricht? Ist der

unheimliche Berg gleichsam symbolisch für

das Leben, die Geschichte auf dieser Insel?

Vielleicht liefert uns die Landschaft eine

Antwort. Der Ätna ist nur der Berg der Berge.

Die Insel ist von vielen Hügelzügen

durchzogen, die manchmal wirken wie ein

felsiges Emmental. Viele Dörfer sind wie

Adlernester in den Berghang gebaut. Sizilien

als Bergland. Unmöglich für jede Form von

Obrigkeit, es dauerhaft zu beherrschen.

Vielleicht war Sizilien, die grösste Insel des

Mittelmeeres gar nie das wahre Ziel von

Eroberern. Eher Zwischenhalt, Sprungbrett

auf dem Weg zu wichtigeren Destinationen.

Hinüber nach Afrika oder Italien.

Ihre einzigartige strategische Lage lockte

Phönizier, Griechen, Römer, Karthager,

Mauren, Normannen, spanische Könige,

französische Fürsten, Kreuzritter. Sie kamen

meistens als unerbittliche Eroberer, Unterdrücker

und Eintreiber, die Steuern und

Schutzgelder erhoben, die anderswo wieder

ausgegeben wurden. Die

Kämpfe um die Insel spielten

für einige der mächtigsten

Dynastien der Welt eine

Schlüsselrolle. 14 Jahre lang

haben hier sogar die Österreicher

regiert. Und jeder, der

hier war, hat über die Jahrtausende

Spuren hinterlassen

und wir stehen ratlos vor

griechischen, römischen, byzantinischen,

arabischen,

und schliesslich barocken Monumenten, die

wie in die Jahre gekommene, stumme Gespenster

wirken.

Aber niemand hatte die Kraft und den

Willen, jeden Winkel dieses Landes, alle die

alten, an den Berghängen erbauten Dörfer

zu erobern und zu beherrschen. Wer vermag

das heute? Auch niemand. Es ist ein Land

wie eine russische Matroska. Je weiter wir

vordringen, desto kleiner und kleiner wird

es und es endet in einem winzigen Dorf, in

dem eine Familie regiert. Geschichten und

Geschichte gehen auf Jahrhunderte zurück.

Nichts geht vergessen. Nichts wird vergeben.

Rom ist weit. Brüssel noch viel weiter. Was

zählt ist das Gesetz der Familie. Des Familienclans.

Des Dorfes. Für Recht und Ordnung

sorgen nicht staatliche Vertreter, Behörden,

Amtsstellen. Sondern diejenigen, die seit jeher

die Unabhängigkeit bewahrt haben. Im

Clan wird über die Einhaltung der Sitten und

Gebräuche gewacht. In der Not kommt aus

Rom und Brüssel keine Hilfe. Wie schon die

Väter und Vorväter ist man am Ende des Tages

auf die Hilfe der Familie, des Dorfes,

bestenfalls des Nachbardorfes angewiesen.

DIE FRÖHLICHKEIT FEHLT

Wir sitzen jetzt vor einer Kaffeebar in Castelmola.

Ein Dorf wie ein romantisches Räubernest

mit vielleicht tausend Einwohnern

auf dem Gipfel des Monte Tauro. Wieder ist

es, als stehe die Zeit still in einer Welt, die

so nah und doch so fern ist. Die nach ganz

eigenen Gesetzen, Sitten und Gebräuchen

lebt. Die eine Geschichte hat, die wie nur

wenige Orte durch grausame Eroberer, Erdbeben,

Pestepidemien und Vulkanausbrüche

geprägt ist. Eine schwarze Katze huscht vorbei.

Gatto Nero. Es ist, als verkörpere sie die

leise Traurigkeit, die über diesem Land liegt.

Jetzt erst fällt mir auf, dass hier die ungezügelte

Fröhlichkeit der Menschen fehlt, die

für das italienische Festland so typisch ist.

Zum Kaffee gibt es goldbraune Biscuits. Fast

so hart wie Willisauer Ringli. Der alte Mann

vom Nebentisch beugt sich zu uns herüber

und raunt: «Aus Honig. Die machen wir aus

unserem Honig.»

Das ist es. Es ist hier ein Land, in dem

Milch und Honig fliessen. Aber selbst den

Honig kann ich nicht einfach so geniessen.

Er ist steinhart. Wunderbares Sizilien, das

geheimnisvolle Land des harten Honigs und

des Feuerberges.

Fotos: shutterstock.com/Michele Ponzio/PlusONE

Blick auf das antike

Theater von Taormina

auf Sizilien.

Castelmola klebt wie viele

andere sizilianischen Dörfer

buchstäblich am Berghang.

24 s’Positive 12 / 2017


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DOMINQUE AEGERTER

Die Zuversicht

nicht verloren

Heiliger Töff-Bimbam für Dominique Aegerter.

Die Adventszeit beschert ihm die aufregend s-

ten Tage seines Lebens. Kein Team. Keine

Millionen aus Russland. Kein Töff. Kein Vertrag

für nächste Saison. Geht gar seine Karriere zu

Ende? Nein, es kommt gut.

TEXT: KLAUS ZAUGG

FOTOS: MARCEL BIERI

Am 19. Dezember, einem Mittwoch

im Jahre des Herrn 2017,

ist die Welt von Dominique Aegerter

noch in Ordnung. Er absolviert

in Magglingen den Militärdienst

in einer Sporteinheit. Er hat gerade

sein Mittagsmahl beendet und freut sich

auf Abwechslung. Am nächsten Tag, am 20.

Dezember, wird er mit seinem Manager Dr.

Robert Siegrist nach Wien fliegen und dort

beim ehrenwerten britischen Gentleman David

Pickworth den Vertrag für nächste Saison

unterschreiben. Endlich ist die Zeit der Ungewissheit

vorbei. Der Flug ist gebucht, die

Hotelzimmer sind reserviert. Der Champagner

kaltgestellt.

Drehen wir das Rad der Zeit kurz ein paar

Wochen zurück. Damit wir Dominique Aegerters

Situation, seine Erleichterung über

die bevorstehende Vertragsunterzeichnung

etwas besser verstehen. Der Herbst 2017 war

aufregend, ja aufwühlend und hatte Dominique

Aegerter Triumph und Niederlage und

schliesslich eine menschliche Tragödie beschert.

Noch ist uns allen sein grandioser Sieg im

Regen von Misano in frischer Erinnerung. Er

besiegt am 10. September in einem der besten

Moto2-Rennen mit einer der grössten

fahrerischen Leistungen der letzten Jahre

Tom Lüthi und gewinnt seinen zweiten GP.

Aber kurz darauf wird ihm dieser Sieg wieder

aberkannt. Er muss den Pokal an Tom

Lüthi weiterreichen. Weil bei der technischen

Kontrolle nach dem Abschlusstraining

(!) ein angeblich nicht reglementskonformes

Motorenöl gefunden worden ist. Auf einmal

steht der Held als «Ölgötz» da. Kaum hat er

sich von dieser weitherum im Fahrerlager als

skandalös empfundenen Demütigung erholt,

folgt eine Tragödie.

KEINE ZEIT ZUM INNEHALTEN

Beim GP von Malaysia stirbt sein Teamchef

Stefan Kiefer in der Nacht auf den 28. Oktober

völlig überraschend an einem Herzversagen.

Im Hotelzimmer. Eine Welt bricht

zusammen. Dominique Aegerter verzichtet

auf das Rennen. Da ist einmal die menschliche

Tragik. Aber der internationale Motorradrennsport

ist auch eine atemlose,

manchmal auch grausame Welt ohne Gnade.

Sie lässt niemandem Zeit zum Innehalten.

Zum Nachdenken. Zum Trauern. In

keinem anderen Sport wird so unerbittlich

nach dem Motto «The show must go on»

gelebt. Ein Zyniker hat es einmal so gesagt:

«Blumen gibt es nur für die Sieger und die

Toten.» Noch ist der Schock nicht überwunden,

da muss schon die Frage gestellt werden:

Wie weiter?

Stefan Kiefer war sozusagen Dominique

Aegerters Arbeitgeber. Der Besitzer des

Teams, in dem der Rohrbacher die Moto2-

Foto: Marcel Bieri

26 s’Positive 12 / 2017


«Es geht nicht nur

darum, in einer

Alarmübung die

Saison 2018 zu

retten. Parallel dazu

beginnt schon die

Planung für 2019.»

s’Positive 12 / 2017 27


DOMINQUE AEGERTER

WM 2017 bestreitet. Ein Rennteam müssen

wir uns wie eine Firma vorstellen. Es stellt

dem Fahrer die Maschinen und das gesamte

Personal zur Verfügung und organisiert alle

Tests und Rennen.

Rennsport ist eine teure Angelegenheit.

So ein Rennteam muss Saison für Saison

rund 1,5 Millionen Franken auftreiben, um

David Pickworth tauchte schon vor

zehn Jahren im Fahrerlager auf.

Er hatte von grossen Plänen fabuliert,

aber nie einen in die Wirklichkeit

umgesetzt.

den Betrieb sicherzustellen. Stefan Kiefer

war der Mann, der dieses Geld organisiert

hat. Sein Bruder Jochen ist mehr Techniker

als Geschäftsmann und hat als Cheftechniker

die Oberaufsicht über die Hege und Pflege

der technischen Wunderwerke.

Stefan Kiefer hatte für die nächste Saison

einen neuen Geldgeber gefunden. Der in

Wien lebende Geschäftsmann David Pickworth

sollte das Team (die Firma) kaufen

und finanzieren. Stefan und Jochen Kiefer

wollten bleiben – nunmehr als Angestellte

und nicht mehr als Besitzer. Alles war mündlich

abgemacht. Nur die Verträge mussten

noch unterschrieben werden.

GROSSE VERSPRECHEN

Bald einmal kamen Zweifel auf. David Pickworth

war schon vor mehr als zehn Jahren

hin und wieder im Fahrerlager aufgetaucht.

Hatte von grossen Plänen fabuliert. Aber nie

einen dieser Pläne in die Wirklichkeit umgesetzt.

Im internationalen Rennsport flattern

viele solche Paradiesvögel herum. Niemand

weiss genau, woher sie kommen, wovon sie

leben, wohin ihre Reise geht. Desperados.

Abenteurer. Kapitalistische Nomaden. Hochstapler?

Betrüger?

Aber wer Geld braucht, fragt nicht lange.

Schätzungen, dass gut ein Drittel des Umsatzes

im internationalen Motorradgeschäft mit

Schwarzgeld, vorzugsweise aus Italien und

Spanien, finanziert wird, sind bösartig. Aber

möglicherweise nicht ganz

so falsch. Wer Geld

braucht, vertraut gerne kapitalistischen

Wunderärzten.

Mögen sie auch noch

so seltsame Kerle sein.

Es geht also mit dem

Team Kiefer 2018 nur weiter,

wenn ein Investor gefunden

wird – und David

Pickworth ist der einzige

Mann, der bereit ist, zu investieren. Er verspricht

das Blaue vom Himmel herunter. Er

vertrete russische Oligarchen, die bereit seien,

Millionen zu investieren. Im Januar werde

er seine Geldgeber präsentieren. Mit der

Moto2-WM gebe er sich nicht zufrieden. Es

sei durchaus möglich, dass man bald einmal

sogar ein Team in der «Königsklasse» MotoGP

einsetzen werde. Dort sind dann pro

Saison mehr als 10 Millionen notwendig. Der

Himmel hängt voller Geigen. Nur haben die

Geiger noch nicht gegeigt.

Anfang Dezember scheint alles gut zu

kommen. David Pickworth bestellt ganz offiziell

beim österreichischen Motorradfabrikanten

KTM die Maschinen für die Saison

2018. Dominique Aegerter bekommt damit

das bestmögliche Material. Als neuer Teamkollege

ist Sandro Cortese vorgesehen. Der

freundliche deutsche Bruchpilot war einst

Moto3-Weltmeister, ist in der Moto2-WM

hoffnungslos überfordert und hatte für 2018

kein Team gefunden. Aber er kennt David

Pickworth, und so kommt er doch noch zu

einem Startplatz für 2018. Nun drehen wir

wieder an der Uhr und kehren in die Gegenwart

zurück. Dominique Aegerter sitzt also

an diesem 19. Dezember im sonnigen Magglingen

am Mittagstisch und freut sich, dass

am nächsten Tag im schönen Wien endlich

alle Verträge unterschrieben werden können

und die neue Saison unter Dach und Fach

ist. Er spielt ein wenig auf seinem Smartphone

herum. Wie es so seine Gewohnheit

ist. Bling! Ein Mail kommt rein. Neugierig

öffnet er die Buchstabenbüchse. Und er liest.

David Pickworth teilt Dominique Aegerter

mit, dass die Sitzung in Wien nicht stattfindet

(im Kasten rechts können Sie das Mail

vom vermeintlichen Wohltäter lesen).

DER PLAN B

Das bedeutet: Alle Pläne für 2018 lösen sich

in Luft auf. David Pickworth muss den Termin

absagen, weil er nicht dazu in der Lage ist,

die von KTM für die Motorräder geforderte

Dominique

Aegerter fährt

zuversichtlich

Richtung Zukunft.

Dominique Aegerter (l.) mit Cheftechniker Jochen Kiefer.

28 s’Positive 12 / 2017


Anzahlung von 300 000 Euro zu leisten. In

diesem Geschäft ist es üblich, dass die Hersteller

kurz nach der Bestellung die Anzahlung

fordern. Erst Geld, dann Ware. Das muss

so sein. Man kennt seine Pappenheimer.

Es ist der Moment der Wahrheit. Bis dahin

hatte David Pickworth nur versprochen, geplaudert,

fabuliert. Nie aber das Portemonnaie

geöffnet. Jetzt, als er zum allerersten

Mal eine Rechnung bezahlen sollte, wirft er

das Handtuch. Das Ende aller Illusionen. Ist

es auch das Ende für Dominique Aegerters

Rennteam, für seine Karriere? Kann er 2018

die Moto2-WM fahren? Auf den ersten Blick

scheint es so. Aber Dominique Aegerter hat

Glück. Er ist gut beraten. Er ist nicht allein.

Sein Manager Dr. Robert Siegrist ist zwar

verärgert und zornig. Aber letztlich nicht

überrascht. Er hatte dem ehrenwerten David

Pickworth nie über den Weg getraut und an

einem Plan B gearbeitet. Um die Karriere

ZUSATZINFOS

David Pickworhts Worte

Weil die von KTM geforderte

Bankgarantie nicht

überwiesen wurde, hat

das österreichische Motorradwerk

den Vertrag mit

David Pickworth annulliert.

Das Mail des vermeintlichen

Wohltäters

David Pickworth an Dominique

Aegerter:

Dear All

I have received an e-mail

from Jens Haimbach at

KTM announcing that they

are withdrawing from the

contract I signed with

them on 6th December

2017, because I have not

organised the payment of

€300,000 (cash or bank

guarantee) by the end of

week 50, as agreed.

I find their action to be

heavy-handed and un-necessary,

but they obviously

have a Plan B (of which

some of you will already

be aware) and are not

prepared to cut us any

slack, even though they

are fully aware that it has

been an uphill struggle to

bring everything together

so quickly in the last few

weeks of the year.

At this point I don’t know

what to say to you all,

other than that I am bitterly

disappointed. I am

working to try to recover

the situation but at this

moment I feel it is pointless

meeting in Vienna tomorrow

and am therefore

announcing that the meeting

is cancelled.

I will contact you over the

coming days to give you

more information.

Once again, I apologise for

this situation.

Best regards

David Pickworth

s’Positive 12 / 2017 29


DOMINQUE AEGERTER

von Dominique Aegerter im Notfall retten

zu können. Nun ist dieser Notfall eingetreten.

Plan B kommt nun zum Zug. Aber nichts

ist so teuer wie die Renovation von Luftschlössern.

Die ganze Geschichte mit David

Pickworth und seinen russischen Millionen

ist ein Luftschloss.

RETTUNGSÜBUNG IM OBERAARGAU

Und so kommt es, dass nun Dr. Robert Siegrist

über die Festtage zum dritten Mal in

seinem Leben im Oberaargau eine Alarmübung

kommandiert. Als Kadi der Gren Kp

27 hatte er 1986 in Eriswil und 1987 in Huttwil

seine Jungs im WK geschlaucht. Aber

diesmal wird nicht geübt, was zu tun ist,

wenn die Russen unser schönes Helvetien

angreifen. Nun hat der tüchtige Rechtsanwalt

aus Zürich im beschaulichen Rohrbach

eine ganz andere Übung zu leiten: Was ist

zu tun, wenn die Russen mit ihren Millionen

nicht kommen?

Wie sieht nun dieser Plan B, ja die Zukunft

von Dominique Aegerter aus? Zuerst einmal

geht es darum, bei KTM sicherzustellen, dass

die Maschinen doch geliefert werden. Robert

Siegrist pflegt seit Jahren allerbeste Beziehungen

zu den Österreichern. KTM wird liefern.

Und sollte es entgegen allen Erwartungen

doch nicht möglich sein, dann gibt es auch da

einen Plan B: Eskil Suter ist bereit, 2018 erneut

das Material zu liefern. Dominique Aegerter

hatte ja auf den Höllenmaschinen des

Schweizer Konstrukteurs 2014 den GP auf

dem Sachsenring gewonnen, war dann 2015

und 2016 auf Kalex umgestiegen und 2017 zu

Suter zurückgekehrt. Die perfekte Lösung

wäre das zwar nicht. Eskil Suters Bikes sind

schwierig abzustimmen und er hat in den

letzten zwei Jahren die technische Weiterentwicklung

arg vernachlässigt. Dominique Aegerter

müsste in diesem Falle die Saison 2018

auf «Alteisen» fahren. Aber eben: Das ist nur

der Plan B. Es wird mit KTM klappen.

LOKALE UNTERSTÜTZUNG

Das zweite Problem ist das Geld. Geld ist

nicht alles in diesem Geschäft. Aber ohne

Geld ist alles nichts. Nun wird mit Plan B

auch das finanzielle Notprogramm aktiviert.

Robert Siegrist rechnet vor. «Wir müssen

600 000 Franken für die Finanzierung der

Saison 2018 beisteuern. Das schaffen wir.»

Jetzt gilt: Lieber Freunde aus der Schweiz

als Millionen aus Russland. Was sich in diesen

Tagen auszahlt, ist die gute Vernetzung von

Dominique Aegerter. Das Geld kommt von

mittelständischen Unternehmen und Gönnern,

die den «Rohrbach-Rossi» seit Jahren

unterstützten. Ehrlich verdientes, versteuertes

Geld. Von den Leuten, zu denen Dominique

Aegerter über all die Jahre beste Beziehungen

pflegt. Er mag manchmal ein wil-

Aegerter wird

trotz allem

auf den bestellten

KTM-Maschinen

fahren.

ZUSATZINFOS

2018 endlich nicht mehr gegen Lüthi

Dominique Aegerter fährt

seit 2010 in der Moto2-

WM nicht nur gegen die

Besten der Welt – er fährt

auch gegen seinen Komplex.

Der vier Jahre ältere

Tom Lüthi, 125er-Weltmeister

von 2005 und

16-facher GP-Sieger ist

nach Luigi Taveri der

grösste Schweizer Töffrennfahrer

aller Zeiten.

Und er war Dominique

Aegerters Idol. Es ist Dominique

Aegerter immer

schwer gefallen, gegen

Tom Lüthi zu fahren. Mit

ziemlicher Sicherheit hat

er den «Lüthi-Komplex»

erst mit dem Triumph in

Misano abgelegt – da ist

es ihm zum ersten Mal gelungen,

seinen Erzrivalen

im Kampf um den Sieg zu

bezwingen. Nun, da er den

Komplex also los wäre,

spielt es keine Rolle mehr:

2018 wird für Dominique

Aegerter die erste Moto2-

WM ohne Tom Lüthi sein.

Der Emmentaler hat seinen

Bubentraum verwirklicht

und wird 2018 in einem

belgischen Team auf

Honda die «Königsklasse»

MotoGP fahren. Werden

sich die Wege von Dominique

Aegerter und Tom

Lüthi also auf der Rennstrecke

nie mehr kreuzen?

Da sollten wir mit einer

Prognose vorsichtig sein

und nicht ausschliessen,

dass «Domi» 2019 auch

in die «Königsklasse» aufsteigen

oder Tom Lüthi in

die Moto2-WM zurückkehren

könnte.

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DOMINQUE AEGERTER

dem Sparbuch haben, wenn er in vielleicht

zehn Jahren seine Karriere beendet. Valentino

Rossi, der charismatischste und beste

Rennfahrer aller Zeiten, verdient mit Werbegeldern

rund 30 Millionen Franken im Jahr.

Dominique Aegerter gehört zu den besten 20

Rennfahrern der Welt und muss sich mit einer

halben Million begnügen. Es ist halt im Rennsport

ein wenig wie im richtigen Leben. Alles

für die Grossen, wenig für die Kleinen.

der Rock’n’Roller sein. Aber eines hat er nie

vergessen: woher er kommt und wem er

seine Karriere verdankt. Er ist ein freundlicher,

charmanter, charismatischer junger

Mann, der aus innerer Überzeugung schon

immer «Danke» gesagt hat.

Trotz der Rückschläge ist

Dominique Aegerter das

Lachen nicht vergangen.

FAHREN ZUM NULLTARIF?

Dominique Aegerter wird 2018 im «abgespeckten»

letztjährigen Team fahren. Jochen

Kiefer bleibt sein Teamchef. Es wird kein

zweiter Fahrer verpflichtet. Damit sind die

Voraussetzungen für den sportlichen Erfolg

gegeben. «Domi» hat weiterhin ein Team, in

dem er sich wohl fühlt. So sehr er auf der

Rennstrecke und sonst ein ganzer Kerl sein

mag – immer wieder wird seine Sensibilität

unterschätzt. Er reagiert empfindlich auf

atmosphärische Störungen im Umfeld. Noch

ist uns in bester Erinnerung, wie er 2015 und

2016 mit der Präsenz von Tom Lüthi im eigenen

Team nicht klargekommen ist («Lüthi-

Komplex») und wie es letztlich auch deshalb

im Herbst 2016 zum Eklat, zum Rauswurf

und zum Wechsel ins Team von Stefan und

Jochen Kiefer gekommen ist.

Ende gut, alles gut? Ja und nein. Ja, aus

rennsportlicher Sicht. Nein, weil Dominique

Aegerter 2018 mehr oder weniger zum «Nulltarif»

fahren muss. Statt rund eine halbe

Million (je nach Resultaten) wird er praktisch

nichts verdienen. Robert Siegrist sagt:

«Nun muss er in die eigene Karriere investieren.

Es geht nicht anders.» Um diese neue

Ausgangslage zu verstehen, müssen wir kurz

aufzeigen, wie eine Rennfahrerkarriere finanziert

wird. Das Team stellt dem Fahrer

Maschinen und Personal zur Verfügung und

kommt für die Reisespesen auf. Nur die Superstars

der MotoGP-Klasse kassieren von

ihren Teams auch noch ein grosses Salär.

Valentino Rossi, der Grösste aller Zeiten,

wird jährlich mit rund 12 Millionen Franken

alimentiert. Ein Moto2-Pilot wie Dominique

Aegerter generiert sein Geld in erster Linie

mit dem Verkauf der Werbeflächen auf dem

Wenn er gute Resultat

herausfährt, wenn er

mehr oder weniger auf

dem Niveau von 2017

fährt, dann werden ihm

im Herbst 2018 mehrere

Türen offen stehen.

Kombi, auf dem Helm und auf der Verschalung,

die nicht von den Sponsoren des Teams

beansprucht werden. In den letzten vier Jahren

hat Aegerter so pro Saison rund eine

halbe Million brutto verdient.

Eigentlich ist das viel zu wenig. Denn er

übt einen Beruf aus, bei dem er bei jedem

Einsatz, bei jedem Training, bei jedem Rennen

Leben und Gesundheit riskiert. Und er ist

Profi. Er muss auf eine berufliche Karriere und

Ausbildung verzichten und sollte etwas auf

HOFFNUNG AUF 2019

Um die Finanzierung des Teams zu sichern,

wird Dominique Aegerter 2018 einen beträchtlichen

Teil seiner persönlichen Einnahmen

ins Team einbringen müssen. Es ist eine

Investition in seine Karriere. Wenn er gute

Resultate herausfährt, wenn er mehr oder

weniger auf dem Niveau von 2017 fährt,

dann werden ihm im Herbst 2018 mehrere

Türen offenstehen. Alle grossen Teams haben

ihre Verträge für die Saison 2018 ja

längst gemacht, in der Regel ist die neue

Saison jeweils im August aufgegleist. Deshalb

war es ja für Dominique Aegerter nicht

mehr möglich, ein neues Team zu finden, als

im Oktober die Töffwelt um ihn herum zusammengebrochen

ist.

In diesen Tagen geht es also nicht nur

darum, in einer Alarmübung die Saison 2018

zu retten. Parallel dazu beginnt im Grunde

schon die Planung für das Jahr 2019. Schon

bald gilt es, mit den Managern der grossen

Moto2-Teams die ersten Gespräche zu führen.

Dominique Aegerter ist einer der ganz

wenigen Siegfahrer in diesem Geschäft.

Es ist ein bisschen viel auf einmal. Weihnachten

feiern, in einer Alarmübung beinahe

rund um die Uhr an der Rettung der Saison

2018 arbeiten und dabei auch schon die

Saison 2019 im Hinterkopf haben. Und bei

aller Hektik die persönliche Vorbereitung,

das Fitnesstraining, nicht zu vernachlässigen.

Dominique Aegerter wird es schaffen.

Dank dem Rückhalt seiner Familie, der Hilfe

seines Managers Dr. Robert Siegrist und den

vielen Menschen, die an ihn und seine sportliche

Mission glauben. Er hat die Zuversicht

nicht verloren. Ein schönes Beispiel für seine

gesunde Einstellung: In den letzten Tagen,

als es gar hektisch zu und her ging, als ein

Anruf dem nächsten folgte, sagte er ganz

ruhig: «So, jetzt lege ich mein Telefon zur

Seite und gehe zum Training.»

Es mag angesichts der Dramatik der letzten

Wochen verrückt tönen. Aber es ist, wie

es ist: Dominique Aegerter hat seine besten

sieben Jahre als Rennfahrer noch vor sich.

Und das sind keine schlechten Aussichten für

einen Fahrer, der schon zwei Grand Prix gewonnen

und die letzte Saison trotz aller

Rückschläge auf dem 12. WM-Schlussrang

beendet hat.

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IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Lieber Klaus Zaugg

Im Zusammenhang mit Herrn Aegerter

erwähnten Sie (im Internet irgendwo gelesen),

die Firma Motorex sei seit eh in

Langenthal. Die Firma gründete der Vater

des verstorbenen Edy Bucher mit einem

Kollegen zusammen, und den ersten Sitz

hatte die Firma in Bützberg.

Heinrich Gottfried Megert, Langenthal

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nicht alle Ihre E-Mails und Briefe publizieren

können, und deshalb eine Auswahl treffen

müssen. Werden Sie bitte nicht zu lang.

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kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen Inhalt werden

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