sPositive_01_2018_web

onexmagazin

AUSGABE 1 JANUAR 2018

Johann Schneider-Ammann

Unser Bundesrat

Der Oberaargauer über die Arbeit als Bundesrat,

seinen Werdegang und seinen Wohnort Langenthal.

SCHLAUER ESEL

Was den eigentlichen

König der Tiere so

besonders macht.

ATOM-EUPHORIE

Als im Oberaargau

Atombomben getestet

werden sollten.

SIMON SCHENK

Seine beeindruckende

Karriere im Schweizer

Eishockey.


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EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

4

Journalisten von Lokalzeitungen oder -zeitschriften

haben nur selten Gelegenheit, einen

Bundesrat zu interviewen. Am ehesten

geht dies an einer Pressekonferenz, an der

man eventuell anschliessend im Stehen ein

paar Worte mit dem Magistraten oder der

Magistratin wechseln kann. Doch eine Audienz

im Sitzungszimmer eines amtierenden

Bundesrats ist schon ein Highlight der gediegenen

Sorte. Den beiden Schreiberlingen

und dem Fotografen von «s’Positive» war

genau dies vergönnt. Wir bombardierten

unseren Oberaargauer Bundesrat Johann

Schneider-Ammann eine gute Stunde lang

mit Fragen, und wir erhielten umfassende

Antworten. Dabei stand nicht das Tagesgeschehen

im Vordergrund, sondern Themen,

die man von einem Bundesrat gerne mal

wissen möchte. Wir trafen dabei auf einen

freundlichen, aufgeräumten und uns zugewandten

Mann mit feinem Humor, dem man

im direkten Gespräch stundenlang zuhören

könnte. Wir sind sehr beeindruckt, aber auch

ein Bisschen stolz, dass unser Lokalmagazin

es wert ist, dass uns ein Bundesrat eine Audienz

gewährt.

Überhaupt ist auch diese Ausgabe wieder

gespickt mit Persönlichkeiten. Immerhin

haben wir es mit einem ehemaligen

Eishockey-Nationaltrainer und Nationalrat,

mit einem Atombombenbauer sowie mit

dem heimlichen König der Tiere zu tun.

18

4 BUNDESRATS-INTERVIEW

Der Oberaargauer Bundesrat

Johann Schneider-

Ammann empfing die Redaktoren

von «s’Positive»

zum exklusiven Interview.

20 ATOMBOMBE

Wie es im Oberaargauer

Mutzgraben in den 1950er-

Jahren beinahe zu einem

Atombombentest gekommen

ist.

20

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

14 DUMMER ESEL?

Von wegen dumm: Warum

der zähe Esel zum wichtigsten

Tier in der Kultur

des christlichen Abendlandes

wurde.

26 SIMON SCHENK

Er war eine prägende Figur

des Schweizer Eishockeys.

Der ehemalige Nationaltrainer

ist aber noch immer

ehrgeizig.

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

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Redaktion: Bruno Wüthrich,

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Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

18 WUSSTEN SIE SCHON

Was es braucht, um ein

persönliches Ziel zu erreichen

oder etwas Neues

zu erlernen. Und: Was sind

eigentlich Menschenrechte?

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe,

Veranstaltungen.

14

26

s’Positive 1 / 2018 3


JOHANN SCHNEIDER-AMMANN

Bundesrat

OHNE MEDIALE

ALLÜREN

Er kommt in den Medien nicht immer gut weg. Doch wer

genau hinschaut, sieht, dass Johann Schneider-Ammann

in der Landesregierung mehr bewirkt als so mancher

bundesrätlicher Medienstar. s’Positive spricht mit ihm

über den Oberaargau, über den Unterschied der Führung

einer Firma und einer Verwaltung und wie es dazu kam,

dass er Bundesrat geworden ist.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: MARCEL BIERI

Der Oberaargau stellt aktuell keinen einzigen

Nationalrat. Doch von 1999 bis 2010 vertrat uns

ein gewisser Johann Schneider-Ammann in der

grossen Kammer. Er wurde am 22. September

2010 in die Landesregierung gewählt. Seither

stellt die Region Oberaargau einen Bundesrat. Wir treffen

den Magistraten in dessen Sitzungszimmer im Bundeshaus

und sind erstaunt, wie wenig von den gängigen Klischees

über seine Person tatsächlich zutreffen.

Wie definieren Sie den Begriff «Oberaargau», wenn Sie

als Regierungsmitglied nach Ihrer Heimat gefragt werden?

Das werde ich gar nie gefragt.

Weil man den Oberaargau gar nicht kennt?

Meine Antwort wäre: Es ist die östlichste Ecke des Kantons

Bern nach dem Tunnel bei Burgdorf.

Was hat es mit diesem Tunnel auf sich?

Als ich in den frühen 1980er-Jahren in den Oberaargau

kam, lernte ich nach und nach einige Grossräte kennen.

4 s’Positive 1 / 2018


s’Positive 1 / 2018 5


JOHANN SCHNEIDER-AMMANN

Von ihnen hörte ich immer die Klage, der

Kanton Bern höre hinter dem Tunnel von

Burgdorf auf, und alles, was weiter östlich

sei, werde vergessen. Irgendwann sagte ich

dann diesen Grossräten, dass ich dieses Gejammere

satt hätte. Ich engagierte mich.

Heute bin ich der Meinung, dass sich in den

letzten 30 Jahren einiges geändert hat.

War dies damals der Zeitpunkt, als Sie in

die Politik einstiegen?

Nein. Ich kam damals aus Paris zurück und

stieg in die Firma ein (Ammann AG in Langenthal

/ Red.) und führte diese bald darauf.

Bevor Sie Bundesrat wurden, waren Sie ein

grosser Wirtschaftskapitän im Oberaargau.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftskraft

dieser Region heute?

Der Oberaargau ist gut unterwegs. Die aktuellen

Zahlen sind mir heute zwar nicht

mehr so geläufig, aber als WVO-Präsident

liess ich dies seinerzeit einmal genau untersuchen.

Die Wirtschaft ist mit kleineren,

mittleren und grossen Unternehmen in allen

Bereichen der Technologie – z. B. Medtech,

Maschinenbau, Textil – gut strukturiert. So

haben wir einen guten Risikoausgleich. Bei

negativen Zyklen sind nie alle gleichzeitig

betroffen. Den einen geht es gut, den anderen

weniger.

Der Oberaargau trägt überdurchschnittlich

viel zum Export bei. Wir sind eine 17-Prozent-Region.

Das heisst, dass 17 Prozent des

Added Value (Wertschöpfung / die Red.) in

den Export gehen. Im ganzen Kanton Bern

sind es durchschnittlich lediglich 12 Prozent.

Wir tragen also viel zur Internationalität der

bernischen Wirtschaft bei. Die Wirtschaft im

Oberaargau muss sich mit dem internationalen

Kostenniveau messen und bewährt

sich. Wir sind mit der Spitze unterwegs.

Wie sehen Sie die Zukunftsperspektiven?

Wir haben im Oberaargau eine gute Basis

mit den Mittelschulen. Die Region ist verkehrstechnisch

günstig gelegen, was allerdings

das Risiko birgt, dass der Oberaargau

zur Schlafregion verkommt. Es ist ja einfach,

beispielsweise in Langenthal zu leben und

in Luzern, Basel, Zürich oder Bern zu arbeiten.

Doch wenn eine neue Firma mit neuen

Ideen kommt, ist es möglich, die Fachkräfte

in der Region zu rekrutieren. Zudem ist der

Arbeitsmarkt in der Region aufnahmefähig.

Ist irgendwo ein Abbau nötig, finden die betroffenen

Arbeitnehmer verhältnismässig

leicht wieder eine Stelle.

Wir erinnern uns daran, dass Sie für die

Einigkeit der Region eingetreten sind und

die Handels- und Industrievereine Langenthal

und Huttwil zusammengeführt haben.

Ich war der erste Präsident des Wirtschaftsverbandes

Oberaargau und führte damals

die beiden regionalen Wirtschaftsverbände

«Handels- und Industrieverein» und «Arbeitgeberverband»

zusammen. Gleichzeitig nahmen

wir die Huttwiler dazu, um die Region

ganzheitlich abzudecken.

Damit sind wir wieder dort, wo Sie eingangs

sagten: nicht jammern, sondern

handeln.

Die Huttwiler wurden damals nicht dazugenommen,

um ihnen eine neue Heimat zu

geben. Sondern, weil wir der Meinung waren,

dass Huttwil zu dieser Region gehört,

die über die Grenze zum Kanton Luzern hinaus

bis nach Willisau geht. Wenn es eine

Möglichkeit gibt, unsere Kräfte zu bündeln,

uns besser kennen zu lernen und uns gegenseitig

zu unterstützen, dann sollten wir das

tun. Aber die Huttwiler sind dabei nie ganz

glücklich geworden.

Warum nicht? Wie kommen Sie darauf?

Kürzlich habe ich wieder zur Kenntnis genommen,

dass die Huttwiler ihren eigenen

kleinen Wirtschaftsgipfel weiterhin ohne uns

organisieren.

Als Zeichen des Trotzes und um die Unabhängigkeit

von den mächtigen Langenthalern

zu demonstrieren?

Ich weiss nicht, ob es ein Zeichen des Trotzes

ist. Aber es ist gut so. Es kann nicht so falsch

sein, wenn sich die Huttwiler eine gewisse

Eigenständigkeit bewahren.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Oberaargau?

Eher in Richtung einer stärkeren

Regionalisierung oder in einer Auflösung

der regionalen Strukturen?

Die Redaktoren Klaus Zaugg und Bruno Wüthrich (r.) interviewen den Bundesrat.

6 s’Positive 1 / 2018


Es gibt keinen Grund, warum der Oberaargau

an Kraft verlieren sollte. Aber wir müssen uns

bewusst sein, dass man sich nicht auf den

Lorbeeren ausruhen darf. Ich würde mich

freuen, wenn wir die Aufbruchsstimmung

bewahren könnten, die seit den 1980er-Jahren

zu spüren ist, wenn wir uns weiterhin

selber helfen, wenn wir weiterhin im gleichen

Ausmass zum Exportvolumen der bernischen

Wirtschaft beitragen und Arbeitslosigkeit

vermeiden können. Dann haben wir unsere

Hausaufgaben gemacht.

In welcher Position haben Sie eigentlich

mehr Gestaltungskraft? Als Wirtschaftskapitän

oder als Bundesrat?

Wenn ich als Unternehmer in Schanghai eine

Firma aufbauen will, dann muss ich fünf Verwaltungsräte

überzeugen. Wenn ich als Wirtschaftsminister

etwas will, dann muss ich ein

Geschäft zuerst durch den Bundesrat, dann

durch die Kommissionen und schliesslich

durch beide Räte bringen. Und manchmal hat

ja auch die Bevölkerung etwas dazu zu sagen,

wenn es eine Abstimmung gibt. So gesehen

ist der Weg für einen Unternehmer einfacher

und effizienter. Als Unternehmer arbeite ich

mit meinem Geld. Und wenn ich eine Dummheit

mache, ist mein Geld weg. Ich kann mit

einer Fehleinschätzung Pech haben und dann

ist es wichtig, dass ich mich nicht entmutigen

lasse und die nächste Chance nutze. Das ist

die Faszination des Unternehmers. In die

Politik wechselte ich, um zu verhindern, dass

Wirtschaft und Politik auseinanderdriften.

Als Politiker geht es mir darum, den Unternehmern

Freiraum zu schaffen und sie nicht

mit allzu vielen administrativen Massnahmen

zu belasten.

Verlieren Sie als Politiker manchmal die

Geduld?

Diesen Vorwurf habe ich noch nie gehört.

Doch ich würde lügen, würde ich Ihnen sagen,

dass ich nicht ab und zu das Gefühl

habe: So, jetzt reicht es aber!

Sie führten ein international ausgerichtetes

Unternehmen. Jetzt führen Sie eine

Administration. Was ist schwieriger?

Der Stil ist anders.

Johann Schneider

Ammann

1981 trat der studierte Elektrotechniker

Johann Schneider-Ammann ins

Maschinenbauunternehmen der Familie

seiner Ehefrau Katharina ein, wirkte

dort zunächst als Prokurist, bevor

er 1990 das Präsidium der Ammann

Group übernahm. Es folgten weitere

Verwaltungsrat-Mandate, unter anderen

der Mikron Technology Group, bei

welcher er 2003 ebenfalls das Präsidium

übernahm, der Swatch Group SA

und der Glas Trösch AG in Langenthal.

Seit 1999 präsidierte Schneider-

Ammann auch den Verband der

schweizerischen Maschinen-, Elektround

Metallindustrie Swissmem; zudem

war er Vizepräsident des Wirtschaftsdachverbands

Economiesuisse. Er engagierte

sich auch in der Vereinigung

Schweizer Unternehmer in Deutschland

(VSUD) und in der Volkswirtschaftlichen

Gesellschaft des Kantons Bern.

1999 wurde Johann Schneider-

Ammann in den Nationalrat gewählt

und bei den Wahlen 2003 und 2007 bestätigt.

Er gehörte dort der parlamentarischen

Kommission für Wirtschaft und

Abgaben (WAK) an. Am 22. September

2010 stand die Ersatzwahl für Hans-

Rudolf Merz im Bundesrat an. Schneider-Ammann

wurde mit 144 Stimmen

im fünften Wahlgang in den Bundesrat

gewählt, wo ihm das Eidgenössische

Volkswirtschaftsdepartement (EVD)

zugeteilt wurde, das zuvor von Bundesrätin

Doris Leuthard geführt worden

war. 2016 war er Bundespräsident.

Schneider-Ammann ist verheiratet, hat

zwei Kinder und wohnt in Langenthal.

Er war Oberst im Generalstab der

Schweizer Armee. Langenthal verlieh

ihm 2010 das Ehrenbürgerrecht.

s’Positive 1 / 2018 7


JOHANN SCHNEIDER-AMMANN

Können Sie das erklären?

Als Unternehmer bin ich ständig den Marktkräften

und dem Hier und Jetzt ausgesetzt.

Wenn ich falsche Entscheidungen treffe,

existiert die Firma bald nicht mehr. Eine Firma

führen Sie ziel- und ergebnisorientierter

und zeitlich auf einen viel kürzeren Horizont

fokussiert als eine Verwaltung. In einer Verwaltung

ist allen bewusst, dass es den Laden

in hundert Jahren auch noch geben wird.

Langfristige Strategien haben deshalb eine

viel grössere Bedeutung. Deshalb eignen sich

die Methoden der Führung, die in einer Firma

angewendet werden, nicht für die Verwaltung.

Die Leute in einer Verwaltung hätten

keine Freude, wenn ich mit einem so

engen Zeithorizont so ergebnisorientierte

Vorgaben machen würde.

Wie beurteilen Sie die Qualität unserer

Bundesverwaltung?

Zu Beginn meiner Amtstätigkeit war ich skeptisch.

Und es ist auch heute so, dass ich der

Verwaltung nicht völlig unkritisch gegenüberstehe.

Aber alles in allem muss ich sagen:

Die Verwaltung in unserem Land ist höchst

qualifiziert, leistungsfähig und leistungswillig.

Die Mehrzahl der Bundesangestellten ist

sehr engagiert. Die Führungskräfte unterscheiden

sich nicht von jenen der Privatwirtschaft.

Unsere Verwaltung wäre allerdings

noch effizienter, wenn ihr die Politiker nicht

immer noch mehr Arbeit aufbürden würden.

Wussten Sie eigentlich, worauf Sie sich bei

der Wahl zum Bundesrat einliessen?

Zumindest dachte ich, dass ich es wüsste.

Und es kam ganz anders?

Nach elf Jahren im Nationalrat glaubte ich

zu wissen, was mich erwartet. Und doch habe

ich zu wenig gewusst, wie der Bundesrat

und die Verwaltung funktionieren. Beides

musste ich zuerst lernen.

Wie müssen wir uns eine Bundesratssitzung

vorstellen? Sitzen Sie da am Tisch

und dann kommt ein Vorstoss, bei dem

Sie Ihre Bundesratskollegen von Ihrem

Standpunkt überzeugen müssen?

Die sieben Bundesräte, der Kanzler und die

beiden Vizekanzler sitzen an ihren Pulten.

Jeder kann jedem in die Augen schauen. Es

kann auch sein, dass ein Bundesrat oder eine

Bundesrätin mal beleidigt ist und entsprechend

einen Gesichtsausdruck macht. Oder

dass eine Absprache getroffen wird.

Beleidigt dreinschauen? Gibt es das im

Bundesrat?

Es gibt alles.

Wenn wir es sportlich betrachten: Gewinnen

Sie die Mehrzahl Ihrer Matches im

Bundesrat?

Ich habe sicher deutlich öfter gewonnen als

verloren. Und das freut mich. Aber es sind

natürlich, um in Ihrer Sprache zu bleiben,

nicht alle Matches gleich wichtig. Wenn es

«Nach elf Jahren im Nationalrat glaubte

ich zu wissen, was mich erwartet. Und

doch habe ich zu wenig gewusst, wie der

Bundesrat funktioniert.»

Die Stadt Langenthal benannte einen Platz nach Johann Schneider-Ammann.

Der Bundesrat im Gespräch mit Stefan Tschannen vom SC Langenthal.

um ein sehr wichtiges Geschäft geht, braucht

es meistens eine zweite, manchmal sogar

eine dritte Lesung.

Haben Sie ein praktisches Beispiel?

Wenn wir im Zeitalter der Digitalisierung

konkurrenzfähig bleiben wollen, dann müssen

wir in den Bereich Forschung und Bildung

investieren. Ich habe dafür im letzten

Sommer kurzfristig Mittel beantragt. Im

Bundesrat war man der Meinung, das Konzept

sei gut, die Notwendigkeit der Investition

wurde nicht bestritten und man war

sich einig, dass Handlungsbedarf besteht.

Aber über das Geld wollte man damals nicht

reden. Da gebe ich nicht auf. Diese Investition

müssen wir jetzt machen. Die Digitalisierung

verändert alles. Und dafür müssen

wir bereit sein. Arbeitslosigkeit wird uns

teurer zu stehen kommen als diese Investitionen.

8 s’Positive 1 / 2018


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JOHANN SCHNEIDER-AMMANN

Um ihn werden sich einst

keine Mythen ranken wie

um Rudolf Minger und General

Guisan. Er ist weniger

charismatisch als

Adolf Ogi, nicht so populär

wie Willi Ritschard, nicht

so machtbesessen wie

Kurt Furgler und mit

grosser Wahrscheinlichkeit

wird man für ihn

nicht einen Marsch komponieren

wie für Rudolf

Gnägi. Johann Schneider-

Ammann gemahnt nicht

an einen Politiker und

schon gar nicht an den typischen

Politiker, den die

«Mediokratien» des 21.

Jahrhunderts hervorbringen.

Sein Wesen und Wirken

ist nicht auf mediale

Wirkung, auf Aussenwahrnehmung

ausgerichtet, wie

bei den typischen modernen

Politikern. Sein geht

bei ihm vor Schein. Sein

«Medien-Ego» ist klein.

Johann Schneider-Ammann

personifiziert den

Unternehmer, der im direkten

Gespräch durch Argumente

überzeugt, den

lösungsorientierten Pragmatiker.

Er verrät feinen

Sinn für Ironie und britischen

Humor, und gerne

wird seine Durchsetzungskraft

unterschätzt. Sein

Charisma wirkt im kleinen

Kreis, nicht draussen auf

der Galerie. Er braucht

keinen medialen Lärm

nach dem Motto: «Ich

Bundesrat Johann

Schneider-Ammann

kennt den Oberaargau

sehr gut.

ZUSATZINFOS

Kein Bundesrat wie jeder andere

werde in den Medien gut

dargestellt, also bin ich.»

Wer es gern salopp formuliert

mag: In ihm steckt

mehr Inspektor Columbo

als Georg Clooney. So gesehen

ist Johann Schneider-Ammann

ein untypischer,

ein altmodischer

und deshalb ein – guter,

ein aussergewöhnlicher

Politiker. Im Urteil der Geschichte

wird er einst sehr

viel besser dastehen, als

im Urteil der medialen

Zeitgenossen. Im Rückblick

wird er als einer der

grossen Bundesräte gewürdigt

werden – und natürlich

auch als einer der

grössten Oberaargauer aller

Zeiten.

Zur Technologie gehört auch das Handy.

Wie müssen wir uns das vorstellen: Klingelt

ab und zu während einer Bundesratssitzung

das Handy?

Nein, das tut es nicht. Denn das Handy ist

nicht nur ein Schreibgerät, es dient nicht nur

dazu, Mails und Informationen abzurufen.

Es ist auch ein Impulsgeber, der Standort ist

jederzeit erkennbar und es ist sogar möglich,

dass über das Handy jemand mithören kann,

was im Raum gesprochen wird. Deshalb werden

unsere Handys vor jeder Sitzung in einen

Tresor eingeschlossen. Nach der Sitzung

erhalten wir sie wieder zurück. Zu keinem

Zeitpunkt ist im Bundesratszimmer ein Handy

erlaubt.

Wie müssen wir uns eine Bundesratssitzung

vorstellen? Geht es da laut zu und

her und wird auch mal mit der Faust aufs

Pult gehauen?

Nein. Es läuft sehr formell. Im normalen Leben

sind wir alle per Du. Aber während den

Sitzungen siezen wir uns.

Ist das tatsächlich so?

Ja, das ist so. Erst nach der Sitzung gehen

wir wieder zum vertrauten Du über.

Als Bundesrat sitzen Sie jetzt sozusagen

auf der anderen Seite als zuvor als Nationalrat.

Inwieweit verändert sich die Sichtweise,

wenn man von der Legislative in

die Exekutive wechselt?

Natürlich sitzt man nicht mehr an der gleichen

Seite des Tisches. Als Unternehmer, als

Mitglied von Swissmem und als Nationalrat

sass ich jeweils auf den Stühlen, auf denen

Sie jetzt sitzen. Auf dem Stuhl, auf dem ich

jetzt sitze, sass damals Frau Leuthard. Als

Departementschefin musste sie sich jeweils

anhören, was sie alles machen müsste und

nicht macht. Seit ich dann selbst in den Bundesrat

wechselte und das WBF übernahm,

höre ich mir jeweils an, wie mir meine alten

Kollegen die Leviten lesen und mir vorhalten,

was ich alles nicht tue. Ich bin also in

einer völlig anderen Rolle als vorher. Oder

mit anderen Worten: Es war ein grosser

Wechsel vom Parlamentarier zum Bundesrat,

an den ich mich gewöhnen musste.

Wo liegt denn dieser Unterschied?

Als Bundesrat führen wir strategisch und

tragen damit Verantwortung. Als Parlamentarier

ist man das Bindeglied zwischen der

Regierung und dem Bürger. Als Nationalrat

war ich einer von 200. Man setzt sich für

seine Interessen resp. für jene der Wählerinnen

und Wähler und der Partei ein. Als Bundesrat

trägt man mit sechs anderen Regierungsmitgliedern

die Verantwortung.

Können Sie als Bundesrat noch Parteipolitik

machen?

Nein, als Bundesrat mache ich keine Parteipolitik.

Aber klar ist, dass ich ein FDP-Politiker

bin und bleibe. Ich war in diesem Monat

10 s’Positive 1 / 2018


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JOHANN SCHNEIDER-AMMANN

«Mich interessiert primär die Sache. Das

hat sich nicht verändert, seit ich Bundesrat

bin. Ich bin immer noch befreundet

mit jenen, mit denen ich es bereits im Parlament

war.»

an zwei Veranstaltungen meiner Partei. Der

Bezug zur eigenen Partei bleibt stets wesentlich

intensiver als zu den anderen Parteien.

Wie hat sich die Sicht Ihrer politischen

Mitstreiter verändert, als Sie vom Nationalrat

in den Bundesrat wechselten? Sind

Sie für sie derselbe geblieben?

Das müssen Sie nicht mich fragen. Das kann

ich nicht beantworten.

Aber wie haben Sie es empfunden?

Mich interessiert primär die Sache. Das hat

sich nicht verändert, seit ich Bundesrat bin.

Ich bin auch immer noch befreundet mit jenen,

mit denen ich es bereits im Parlament

war. Man ist Mensch und bleibt Mensch.

Aber es gibt Menschen, denen steht man

näher als anderen.

Also beraten Sie sich immer noch mit den

alten Kameraden?

Ja, es sind Kollegen geblieben. In meiner

Zeit als Nationalrat bin ich des Öfteren mit

Christoph Blocher, Hansruedi Wandfluh,

Peter Spuhler und Gerold Bührer einen Kaffee

oder ein Bier trinken gegangen. Wir

haben gemeinsam für gute Rahmenbedingungen

gekämpft. Ich habe uns immer als

verantwortungsbewusste Unternehmer gesehen.

Aber jetzt sitzen Sie auf der anderen Seite

des Tisches.

Damit habe ich kein Problem. Meine Rolle

hat sich zwar verändert, aber die Werte sind

dieselben geblieben. Und die Kollegen auch.

Wir leben heute in einer medialisierten

Welt. Wir haben den Eindruck, dass es

Ihnen gelungen ist, sich den Medien recht

erfolgreich zu entziehen. Oder um es anders

auszudrücken: Sie machen nicht den

Clown, nur um bei den Medien gut dazustehen.

Das stimmt. Doch ich musste einen hohen

Preis dafür bezahlen. Bereits zu Beginn meiner

Amtszeit als Bundesrat signalisierte ich

den Journalisten, dass es bei mir keine Indiskretionen

gibt. Und das ist auch so geblieben

– zum Bedauern einiger Medienschaffenden.

Es gab und gibt Journalisten, die das nicht

goutiert haben. Aber damit kann ich leben.

Müssen wir aus diesen Ausführungen den

Schluss ziehen, dass es nicht alle Ihre Kolleginnen

und Kollegen im Bundesrat so

halten?

Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur von

mir gesprochen.

War es eigentlich Ihr Karriereziel, einmal

Bundesrat zu werden?

Nein. 1995 hatte ich erstmals für den Nationalrat

kandidiert und war froh, dass ich ganz

knapp nicht gewählt wurde. Es wäre schwierig

geworden, Beruf und Politik unter einen

Hut zu bringen. 1999 ging ich das Risiko einer

Kandidatur noch einmal ein und wurde in den

Nationalrat gewählt. Als es um die Nachfolge

von Bundesrat Hans-Rudolf Merz ging, erhielt

ich ein paar Anrufe von Fulvio Pelli (damaliger

Parteipräsident der FDP / die Red.) Er überzeugte

mich von einer Kandidatur. Er war der

Meinung, dass ich in diesem Amt etwas zum

Wohle unserer Wirtschaft beitragen und auch

unsere Partei weiterbringen könne. Letztlich

haben mich aber vor allem meine Kinder dazu

motiviert, diese Herausforderung anzunehmen.

Sie willigten ein, meine beruflichen

Verpflichtungen zu übernehmen. Und das ist

nicht selbstverständlich.

Schlafen Sie eigentlich als Bundesrat besser

als vorher als Unternehmer?

Ich hatte noch nie einen guten Schlaf. Wenn

es ein Problem gibt, finde ich keinen Schlaf,

bis ich die Lösung gefunden habe. Das war

als Unternehmer so und ist auch als Bundesrat

nicht anders. Aber im eigenen Bett schlafe

ich besser, deshalb übernachte ich, wenn

immer möglich, daheim in Langenthal.

Wenn immer

möglich, übernachtet

Johann Schneider-

Ammann daheim in

Langenthal.

12 s’Positive 1 / 2018


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WISSEN

Der Esel,

der wahre König der Tiere

Wer seinen Mitmenschen beleidigen will, nennt ihn

einen Esel. Das ist ganz und gar unsinnig. Ein Plädoyer

gegen Vorurteile und für den Esel, das wichtigste Tier

in der Kultur des christlichen Abendlandes.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Eigensinn und störrisches Wesen – beides

Charakterzüge des Esels – haben

in den letzten 50 Jahren zwar eine

gehörige Aufwertung erfahren. Spätestens

seit 1968 ist der eigensinnige, störrische

Querdenker salonfähig geworden. Aber

das Image des Esels hat sich trotzdem nicht

gebessert. Er gilt nach wie vor als dumm. Ein

Esel bleibt ein Esel.

Jahrhundertelang waren die Narrenkappen

mit Eselsohren ausstaffiert. Langohrigkeit

gilt als Makel. Das gute Gehör der Langohrigen

wird als Zeichen der Feigheit und

Furchtsamkeit gesehen. Mutige Angreifer,

stellt man sich anders vor – nicht mit langen

Ohren. Und des Esels Neigung zum Stehenbleiben,

kombiniert mit fehlender Angriffslust

wird ebenfalls negativ ausgelegt. Dabei

muss noch lange nicht einem Angreifer zum

Opfer fallen, wer stur stehen bleibt und nicht

durchbrennt wie ein Pferd. Frühe zoologische

Schriften berichten immer wieder von

Eseln, die Wölfe und Bären mit Huftritten

und Bissen in die Flucht geschlagen haben.

Aber auch das hilft nichts. Esel bleibt Esel.

Das ist umso erstaunlicher, weil wir mit

gutem Recht behaupten dürfen, der Esel sei

das wichtigste Tier der abendländisch-christlichen

Kultur. Viel wichtiger als Löwe oder

Pferd, Adler oder Taube. Der Esel spielt nämlich

in der Bibel im Alten und Neuen Testament

eine zentrale, eine faszinierende Rolle.

Ein König auf einem Esel ist vor 2000

Jahren für die Menschen so wenig denkbar

ZUSATZINFO

Sprache der Ohren

Esel haben nach der Geburt abgeknickte

Ohren, deshalb nennt man geknickte

Buchseiten auch Eselsohren. Seine Ohren

zeigen seine Stimmung an. Hängende

Ohren bedeuten Entspannung. Aufrechte

Ohren signalisieren Wachsamkeit

und Neugierde. Zur Seite gelegte

Ohren zeigen Angst und Gefahr. Angelegte

Ohren bedeuten Kampfbereitschaft,

Drohung und Unzufriedenheit.

wie heute ein Bonze auf dem Velo statt im

Benz. Könige sind in diesen Zeiten mächtige

Krieger hoch zu Ross. Jesus aber zieht auf

einem Esel in Jerusalem ein. Nicht auf einem

Pferd. Es ist am Palmsonntag der spektakulärste,

vielleicht sogar der folgenschwerste

Ritt der letzten zwei Jahrtausende. Was an

der Verbindung von Reiter und Reittier liegt.

Ein Friedensfürst, der auf einem friedlichen

Tier reitet. Der gerechte, hilfreiche und demütige

König – so beschreibt ihn der Prophet

Zacharias im Alten Testament – braucht eben

kein schnaubendes Streitross wie die anderen,

die kriegstreibenden Herrscher und

Feldherren seiner Zeit. Jesus wählt einen

Esel und damit deutlich sichtbar ein Nicht-

Streitross. Er ist kein Eroberer, zumindest

keiner, der auf übliches Kriegsgerät zurückgreifen

muss. Es ist der grösstmögliche Gegensatz

zum grössten Feldherren, zu Alexander

dem Grossen auf dem Streitross.

Die Bibel und die christliche Tradition

sind ohne Krafttiere wie Löwe, Bär, Adler,

Stier oder Pferd denkbar – aber nicht ohne

Esel. Die weihnächtliche Krippe ist nur mit

dem Esel vollständig. Bei Lukas und Matthäus

lesen wir:

«Am dritten Tag nach der Geburt des

Herrn verliess Maria die Höhle und ging in

einen Stall. Sie legte den Knaben in eine

Krippe und ein Ochse und ein Esel beteten

ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den

Propheten Jesaja gesagt ist: Es kennt der

Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe

seines Herrn.»

Es ist dies eine Anspielung auf eine Textstelle

aus dem Buch Jesaja, die moniert, dass

das Volk Israel seinen Gott vergessen habe.

Sie lautet:

«Der Ochse kennt seinen Besitzer und

der Esel die Krippe eines Herrn, Israel aber

hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine

Einsicht»

Fotos: shutterstock.com/Rachele Totaro IT/Budimir Jevtic

14 s’Positive 1 / 2018


Esel haben eine

besondere Stellung

in der christlichen

Kultur.

Die frühen Kirchenväter haben diese Worte

aus dem Buch Jesaja verbunden mit der Frage,

ob Jesus von den Menschen erkannt wird

oder nicht. Die scheinbar dummen Tiere

Ochse und Esel haben Jesus erkannt und

sind klüger als die Menschen, die trotz ihrer

Vernunft dafür blind sind. Erst ab dem 5.

Jahrhundert – nach dem Konzil von Ephesos

– erscheint in den Darstellungen Maria an

der Krippe. Ochse und Esel treten in den

Hintergrund. Maria und das Kind werden

zum Mittelpunkt des Weihnachtsbildes.

Die Flucht von Maria und Josef nach

Ägypten, die auch zur Weihnachtsgeschichte

gehört, liess sich nur mit einem Esel bewerkstelligen.

Und in den zehn Geboten wird

der Esel ausdrücklich als Eigentum erwähnt,

das es nicht vom Nächsten zu begehren gilt.

In der Version im 2. Buch Mose heisst es:

«Du sollst nicht nach dem Haus deines

Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der

Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem

Sklaven oder seiner Sklavin, seinem

Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas,

das deinem Nächsten gehört.»

ESELSMESSEN IM MITTELALTER

Bis ins hohe Mittelalter wurden Eselsmessen

gefeiert, bei denen der Priester auf einem

Esel in die Kirche einzog und im Wechsel mit

der Gemeinde «I-Ah» rief. Es wurde eine

Hymne auf Esel gesungen. «Orientis partibus/adventavit

asinus/pulcher et fortissimus».

Der Esel also als «schön und äusserst

stark» («pulcher et fortissimus») verehrt.

Die Rolle des Esels im Alten Testament ist

erstaunlich. Dort hat der Esel mehrere Auftritte,

oft in Verbindung mit Angaben zu

grossem Wohlstand: «Er besass siebentausend

Stück Kleinvieh, dreitausend Kamele,

fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert

Esel, dazu zahlreiches Gesinde», lesen wir

über den frommen Hiob. Der Esel war ein

wertvolles Tier, ein Zeichen des Reichtums.

Die bekannteste Eselstelle des Alten

Testamentes ist die Geschichte des Sehers

Bileam und seiner sprechenden Eselin im

4. Buch Mose, das uns über den Weg des

Volkes Isreal von Ägypten durch die Wüste

ins gelobte Land berichtet. Bileam wird von

Balak, dem König der Moabiter, aufgefordert,

das heranziehende Volk der Isrealiten

zu verfluchen. Nach anfänglichem Zögern

macht sich Bileam auf den Weg. Aber Gott,

zornig geworden, schickt ihm einen feindlichen

Engel mit Schwert entgegen – den allerdings

nur der Esel sehen kann. Zweimal

s’Positive 1/ 2018 15


WISSEN

weicht das kluge Tier dem Engel

aus, zweimal schlägt Bileam seinen

Esel. Beim dritten Mal «öffnet der

Herr dem Esel den Mund und der

Esel sagt zu Bileam: Was habe ich

dir getan, dass du mich jetzt schon

zum dritten Mal schlägst?». Und

«bin ich nicht dein Esel, auf dem

du seit eh und je bis heute geritten

bist? War es etwa je meine Gewohnheit,

mich gegen dich zu benehmen?»

Jetzt erst werden auch Bileam die

Augen geöffnet. Er erkennt den Engel des

Herrn, bereut seine Sünden, zu denen die

ungerechte Behandlung seines Esels gehört,

errichtet sieben Altäre, vertraut auf Gott,

und der Fluch wendet sich zum Segen für

das Volk Israel.

FREIZEIT FÜR DEN ESEL

Die Zeit des alten Testaments war eine gute

Zeit für die Esel. Sie hatten in der jüdischen

Welt zwei Privilegien. Erstens: Als Einhufer

galten sie als unrein. Deshalb durften sie

weder gegessen noch geopfert werden und

das war gegenüber dem Schaf (Lamm, Widder),

einem anderen wichtigen Tier der Bibel,

ein lebensverlängernder Vorteil. Zweitens

gewährte die Sabbat-Gesetzgebung

nicht nur den Menschen, sondern auch den

Eseln eine Zeit des Ausruhens: Die Esel hatten

am Sabbat auch frei.

Dieser König wählt ein Lasttier, das

nicht nur für seine Tragestärke

berühmt ist, sondern zu dessen

Wesenszügen auch Demut, Duldsamkeit

und Zähigkeit zählen.

Die vielleicht schönste Esels-Passage lesen

wir im Alten Testament beim Propheten Zacharias.

«Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter

Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu

dir. Er ist gerecht und hilft, er ist demütig

und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen,

dem Jungen einer Eselin. Ich vernichte die

Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus

Jerusalem».

Dass der kommende König ein demütiger

Eselreiter sein wird, ist die Verheissung des

Alten Testamentes. Die Evangelien des neuen

Testamentes beziehen sich auf diesen

alttestamentarischen Propheten, wenn sie

den Friedensfürsten auf einem Esel reiten

lassen. Allen Evangelien gemeinsam ist, dass

der Einzug in Jerusalem nicht nur die Weissagung

des Alten Testamentes erfüllt, sondern

einen neuen Herrschaftstypus beschreibt:

Einen König, der eine Umkehrung

aller Werte vollzieht, indem er

Schwäche zur Stärke macht.

TRÄGER DER DEMUTSIDEE

Der biblische Esel wird im wörtlichen

Sinn zum Träger einer

Demuts idee. Auch Mitleid, Nächstenliebe,

Milde, Sanftmut, Friedfertigkeit

zählen seit der Bergpredigt

zu den revolutionären Verhaltenslehren

des neuen Königs und dieses

«schwache», nichtkriegerische Verhalten

steht in symbolischem Zusammenhang mit

einem Tier, das für seine enorme Belastbarkeit

bekannt ist. Dieser König wählt ein Lasttier,

das nicht nur für seine Tragestärke berühmt

ist, sondern zu dessen Wesenszügen

auch Demut, Duldsamkeit und Zähigkeit

zählen.

Die Auszeichnung, die Ehre, den neuen

Friedensfürsten nach Jerusalem hineingetragen

zu haben, der die Welt für immer verändert

hat, macht den Esel zum wahren König

der Tiere, zum vielleicht wichtigsten Tier der

Weltgeschichte.

Literatur:

• Esel – ein Portrait von Jutta Person

• Krafttiere von Jeanne Ruland

• Haustiere von Josef H. Reichholf

• Die Bibel

ZUSATZINFOS

Esel können bis zu 50 Jahre alt werden

Esel zählen zu den ältesten

Haustieren des Menschen. Sie

leben in Europa, Afrika, Amerika,

im Nahen Osten und im

asiatischen Raum. Mit ihrem

Schrei rufen sie ihre Artgenossen,

mit denen sie, wenn in

Freiheit, in kleinen losen Verbänden

zusammenleben.

Manchmal wandern sie aber

auch alleine umher. Esel sind

tag- und nachtaktiv, schlafen

nur drei Stunden. Sie haben

steil aufgestellte lange Ohren,

mit denen sie Gefahren früh

wahrnehmen. Dann fliehen sie

nicht kopflos, sondern überprüfen

die Lage, schlagen ihre

ureigenen Wege ein oder bleiben

stehen. Während Pferde

die Flucht ergreifen, verteidigen

sich Esel mutig mit Vorderhufen

und Bissen.

Esel können sehr schnell, bis

zu 70 km/h, laufen. Sie sind,

wenn in Freiheit, nicht leicht

zu erjagen, oder wenn entlaufen,

schwer wieder einzufangen.

Mit ihren schmalen Hufen

sind sie zudem selbst in unwegsamem

Gelände sehr trittsicher:

Die Hufe des Esels sind

steinigem, unebenem Untergrund

angepasst.

Esel haben einen ausgezeichneten

Geruchsinn. Nahrung und

Wasser vermögen sie leicht

aufzuspüren, Auf langen Wanderungen

durch Trockengebiete

mit kärglicher Nahrung können

sie bis zu drei Tage ohne

Wasser auskommen. Sie ernähren

sich von Heu, Stroh und

Haferstroh, Holz und Blättern.

Esel sind gerade im Gebirge trittsicherer als Pferde.

Esel sind universell eingesetzte

Arbeitstiere. Sie treiben Brunnen

und Mühlen an, um die sie

stundenlang herumtrotten,

werden zum Pflügen eingesetzt

sowie als Reit- und Lasttier vor

allem in unzugänglichen Gebieten.

Esel sind einerseits sehr

sensibel und vorsichtig, andererseits

haben sie ihren ganz

eigenen, sturen Kopf, den sie

immer wieder durchzusetzen

versuchen. Auf liebevollen Umgang

reagieren Esel mit besseren

Leistungen, Willigkeit und

treuer Freundschaft.

Esel können bis zu 50 Jahre

alt werden, sind also viel langlebiger

als Pferde, die eine

durchschnittliche Lebenserwartung

von 18 bis 20 Jahren

haben. Die Trächtigkeit dauert

bis zu 370 Tagen, 30 Tage länger

als bei einem Pferd. Eselsmilch

gilt als «Vater der Medizin»

und kann bei unterschiedlichen

Leiden angewendet

werden.

Foto: shutterstock.com/JoePhotos

16 s’Positive 1 / 2018


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wollen. Psychologen unterscheiden in diesem Zusammenhang zwischen

intrinsischer (innerer) und extrinsischer (äusserer) Motivation.

Sozialwissenschaftler der Universität Yale hatten für eine Studie

mehr als 10 000 Kadetten der West-Point-Akademie befragt, weshalb

sie sich dazu entschlossen hatten, die extrem harte und anspruchsvolle

Ausbildung an der US-Militärakademie zu absolvieren. Danach

beobachteten sie über 14 Jahre, wie weit es die Offiziersanwärter

brachten. Das Ergebnis war eindeutig: Je mehr Herzblut für die Sache

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18 s’Positive 1 / 2018


Johann Schneider-Ammann

AUSGABE 1 JANUAR 2018

Unser Bundesrat

Der Oberaargauer über die Arbeit als Bundesrat,

seinen Werdegang und seinen Wohnort Langenthal.

SCHLAUER ESEL

ATOM-EUPHORIE SIMON SCHENK

Was den eigentlichen

Als im Oberaargau Seine beeindruckende

König der Tiere so

Atombomben getestet Karriere im Schweizer

besonders macht.

werden sollten. Eishockey.

2

MIT JOURNALISTISCHEM WERT

Was ist eine Postille?

In der heutigen Umgangssprache bezeichnet

das Wort «Postille» eine nur wenige Seiten

umfassende Zeitung oder Zeitschrift. Der

Begriff wird meist abschätzig für Presseerzeugnisse

von geringem journalistischem

Wert gebraucht. Aber wie so oft ist das nur

die halbe Wahrheit. Mit «Postille» oder

«Hauspostille» wurde ursprünglich bereits

im 17. Jahrhundert eine Sammlung von Predigten

oder ein Predigtbuch zur häuslichen

Erbauung bezeichnet. Eine Postille war auch

als Hilfe für die Pfarrer zur Vorbereitung eigener

Predigten gedacht. Im Wortsinne waren

Postillen also Erklärungen der Texte der

Bibel gemäss dem lateinischen post illa verba

(Deutsch: «nach jenen Worten»). Erst im

Laufe des 20. Jahrhunderts hat der Begriff

schliesslich – ironisiert – Eingang in die Umgangssprache

gefunden. «s’Positive» sieht

sich nun nicht gerade als Predigtbuch, und

wir bilden uns natürlich auch nicht ein, den

Pfarrern die Vorlage für ihre Predigten zu

liefern. Aber wir sehen uns schon eher näher

der bis ins 17. Jahrhundert zurückgehenden

ursprünglichen, statt der modernen, etwas

abschätzigen Bedeutung des Wortes.

JEDER MENSCH HAT SIE

Was sind Menschenrechte?

Fotos: shutterstock.com/Bright097/cgstock

Das Menschenrecht gehört zu jenen Rechten,

die jedem Menschen überall auf der Welt

zustehen, einfach weil er Mensch ist. Anspruch

auf sie hat jeder, ohne Unterschied

nach Ethnie, Religion, Hautfarbe, Geschlecht,

Sprache, nationaler oder sozialer

Herkunft, politischer oder sonstiger Überzeugung,

Vermögen, Geburt oder sonstigem

Stand. Am 10. Dezember 1948 verabschiedete

die Generalversammlung der Vereinten

Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte,

bezeichnete sie als das von allen

Völkern und Nationen zu erreichende

Ideal und legte in 30 Artikeln erstmals für

die ganze Welt fest, was unter Menschenrechten

zu verstehen ist. In Artikel 1 heisst

es: «Alle Menschen sind frei und gleich an

Würde und Rechten geboren ... und sollen

3

einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.»

Inzwischen wurde der Katalog ausdrücklich

erweitert auf Behinderte, Minderheiten

und Wanderarbeiter. Doch die Umsetzung

bleibt ein Problem. In Dutzenden

Ländern werden sie missachtet. Der UNO

stehen keine Sanktionsmittel zur Verfügung,

sondern lediglich Empfehlungen.

Die Wurzeln der Menschenrechte gehen

bis in die Antike zurück. Kyros der Grosse,

der erste König von Altpersien, eroberte 539

v. Chr. die Stadt Babylon, befreite die Sklaven,

stellte Rassengleichheit her und gewährte

das Recht auf Wahl der eigenen Religion.

Erstmals gesetzlich verankert wurden

Menschenrechte im 17. Jahrhundert in England.

Die Protestanten entdeckten die Freiheitsrechte

des Individuums und vertraten

die These, dass alle Menschen vor Gott gleich

seien. Die «Petition of Right» (1628), die

«Habeas-Corpus-Akte» (1679) und die «Bill

of Rights» (1689) sollten den Einzelnen vor

Willkür schützen.

s’Positive 1 / 2018 19


Ernst Glanzmann

von Oschwand

glaubte, waffenfähiges

Uran

gefunden zu haben.

Foto: Xxxxxxxxxx

20 s’Positive 1 / 2018


GESCHICHTE

Von der Hühner-Rupfmaschine zur

ATOMBOMBE

Eine Atomexplosion im Mutzgraben? In den späten

1950er-Jahren ist in Bundesbern ganz offiziell das Gesuch

für eine Atomexplosion im Oberaargau eingereicht und

bewilligt worden. Kein Scherz. Ein Tatsachenbericht.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Foto: ZVG

Um diese seltsame Geschichte zu verstehen, müssen

wir kurz am Rad der Zeit drehen. Um die

Mitte der 1950er-Jahre ist die atomare Aufrüstung

in den USA und in der Sowjetunion in

vollem Gange. Zehn Jahre sind seit Hiroshima vergangen.

In der Südsee und in Sibirien explodieren immer grössere

Atombomben. Der Bundesrat und der Generalstab

unserer Armee denken ernsthaft über eine schweizerische

Atombewaffnung nach. Das Stimmvolk lehnt nacheinander

1962 und 1963 zwei Volksinitiativen deutlich ab, die

ein Verbot von Atomwaffen verlangen. Als Atomwaffenträger

ist der französische Kampfjet «Mirage» vorgesehen

– mit ein Grund, warum die Beschaffung der Mirage viel

zu teuer wird und in der «Mirage-Affäre» endet. Sie kostet

Bundesrat Paul Chaudet das Amt. Die Schweiz wird

alle Pläne für und Gedanken an eine atomare Bewaffnung

erst 1988 definitiv und für alle Zeiten beenden.

Für eine Atombewaffnung braucht es eigene Uranvorkommen.

Eifrig wird in der Schweiz gesucht. Es

kommt zur Gründung einer Uran AG. Nachdem der Bundesrat

bereits früher den Posten eines Delegierten für

Atomenergie geschaffen hatte, beschliesst er 1958 die

Gründung einer Sektion für Strahlenschutz beim eidgenössischen

Gesundheitsamt (dem heutigen Bundesamt

für Gesundheitswesen).

ATOMBOMBENPROJEKT IM OBERAARGAU

Das ist also die Zeit, in der auch im Oberaargau an einer

Atombombe gearbeitet bzw. gebastelt wird. Der Biologie-

Lehrer Gerhart Wagner am Gymnasium Bern-Kirchenfeld

beschäftigt sich intensiv mit den biologischen Problemen

des Atomzeitalters. Auf den 1. Oktober 1958 wird er zum

ersten Chef der aufzubauenden Sektion für Strahlenschutz

ernannt. Er erzählt die erstaunliche Geschichte

der Oberaargauer Atombombe in seinen Aufzeichnungen

für das «Jahrbuch des Oberaargaus», die hier leicht gekürzt

wiedergegeben werden.

«Ich war erst wenige Wochen in meinem neuen Amt,

als ich eines Tages Besuch von einem mir unbekannten

Mann erhielt: Ernst Glanzmann von Oschwand. Er möchte

mich fragen, sagte er mit hintergründiger Miene, ob

er auf einem eigenen Grundstück eine Atombomben-

Versuchsexplosion durchführen dürfe.

Höchst erstaunt fragte ich ihn nach den näheren Umständen

dieses Unterfangens. Da erzählte er mir, dass er

mittels eines Geigerzählers in seinem Grund und Boden

Radioaktivität entdeckt hätte, es müsse Uran sein. Er sei

daran, das Uran anzureichern und hätte bald genug, um

eine Versuchsexplosion zu starten. Als Testplatz sehe er

sein eigenes Land im Mutzgraben vor, dem einsamen

Tälchen südlich von Riedtwil. Ob er das dürfe?

Er wollte von mir wissen, wie es rechtlich mit seinem

Plan der Zündung einer Versuchs-Atomexplosion stehe.

Einen Konflikt mit den Behörden möchte er nicht heraufbeschwören,

darum komme er rechtzeitig fragen.

Ich setzte nun auch eine ernste Miene auf und legte

ihm dar, dass ich zwar nicht recht an das Gelingen seines

Vorhabens glaube, dass es aber bisher kein Gesetz gebe,

das ihm dies grundsätzlich verbiete. Das Atomgesetz war

damals erst im Entwurf vorhanden. Er könne also durchaus

eine Atomexplosion im Mutzgraben ins Auge fassen

«Er arbeite daran, das Uran an zu -

reichern und hätte bald genug, um

eine Versuchsexplosion zu starten.»

– er solle mich dann immerhin vorher informieren. Mit

andern Worten: Ich erteilte ihm, wenn auch nur mündlich

und ohne jede gesetzliche Befugnis, in eigener Kompetenz

die Erlaubnis, seine Atombombe zu zünden.

In der Sache war ich sicher genug, um mir als frisch

gebackener Bundesbeamter diesen Scherz leisten zu

können. Zu gut wusste ich, welch ungeheuerlichen Aufwand

es braucht, um aus noch so viel Uran eine Atombombe

zu bauen – es war ausgeschlossen, dass Glanzmanns

Vorhaben nur im Entferntesten realistisch war.

s’Positive 1/ 2018 21


GESCHICHTE

«Früh schon hat sich Ernst Glanzmann

als Rutengänger versucht und brachte

es zu grosser Meisterschaft.»

Was es aber mit diesem Sonderling auf sich hatte, davon

wollte ich doch gerne mehr wissen. Ich besuchte ihn auf

seinem Hof in Oschwand, nicht als Beamter, sondern als

Privatmann ausserhalb meiner Arbeitszeit. Ich sah den

selbst hergestellten Geigerzähler, der auf die natürliche

Umweltradioaktivität reagierte, und der in einem nahen

Stollen im Sandsteinfels auch wirklich eine etwas erhöhte

Strahlung anzeigte. Das war leicht verständlich, weil

der Sandstein, in dem sich natürlicherweise Spuren von

Uran und Thorium befinden, im Stolleninnern von allen

Seiten auf das Messinstrument einwirkte. Ich vernahm

jetzt auch, wie er das vermeintliche Uran anreichern

wollte: Nicht direkt aus dem Sandstein, sondern durch

Verbrennung von Tannennadeln. Die Tannen, dachte er,

seien ja auf dem uranhaltigen Grund gewachsen, und in

der Asche ihrer Nadeln, so hatte er festgestellt, war die

Radioaktivität erhöht. Das stimmt zwar, hat aber mit

Uran nichts zu tun, sondern mit dem radioaktiven Isotop

Kalium 40, das beim Verbrennen von Holz oder von Nadeln

mit dem Gesamtkalium in der Asche bleibt. Das

Thema war damit für mich abgehakt.»

Es hat im Mutzgraben also nie eine Atomexplosion

gegeben. Aber wer war der Mann, der eine Atombombe

bauen wollte? Ernst Glanzmann (1901—1975) war in

jeder Hinsicht ein Original. Er wohnte im Weiler Loch

bei Oschwand, war Bauer und Naturforscher, Mechaniker

und Konstrukteur. Landwirt von Haus aus, Naturforscher

aus Leidenschaft. Er hatte kluge Einfälle, erstaunliches

handwerkliches Geschick, und in stilleren Stunden

betätigte er sich noch als Kunstmaler. In seinem Wesen

war er verschlossen und offen, bedächtig und leutselig

zugleich. Er war wagemutig und unbekümmert und zu

aller Zeit von erstaunlicher Unternehmungslust.

LIEBER TECHNIKER ALS LANDWIRT

Seine Neigung zu wissenschaftlichem Forschen war auffallend.

Im hintersten der drei Höfe des Weilers Loch, im

Haus mit der schönen Südfassade, welche die Jahrzahl

1834 trägt, wo eine breite Laube zum Verweilen einlädt

und ein breitausladendes Dach dem Hof Schutz und Hablichkeit

verleiht, da ist Ernst Glanzmann mit acht Geschwistern

aufgewachsen. Ihm wurde später das Gut

zugesprochen. Gerne wäre Ernst Glanzmann Mechaniker

oder Techniker geworden. Doch sein Vater liess es nicht

zu, dass der aufgeweckte Bube den Hof verliess und vom

Bauernstand ausscherte. Nach Schulabschluss trat Ernst

Glanzmann in die landwirtschaftliche Schule Langenthal

über. In den zwanziger Jahren weilte er zu weiterer Ausbildung

in Oberschlesien, war hier Gutsverwalter und

hatte zudem Gelegenheit, in die Glas- und Grubenindustrie

Einblick zu nehmen. Heimgekehrt, besuchte er erdkundliche

Vorlesungen an der Universität Bern.

Früh schon hat sich Ernst Glanzmann als Rutengänger

versucht, anfänglich mit einer Haselrute und später mit

einer Metallspirale und brachte es zu grosser Meister-

Foto: Christian Bärtschi / blog.emmental.ch

HINTERGRUND

Der Einzige

Der Mutzgraben ist der einzige Wassserfall im

Oberaargau. Er liegt zwischen Oschwand, Rüedisbach

und Riedtwil. Es ist im Unterlauf ein verträumtes,

waldgesäumtes Wiesentälchen, eingeschnitten

in die Molasse-Plateaus. Der Oberlauf ist

in einem steilen Waldgraben, ohne Weg und kaum

begehbar. Der eigentliche «Mutz», wie man ihn

nennt, d. h. vom Wasserfall, der «Schiessi» an abwärts,

ist ein wunderbares Wandergebiet. Wasserfall,

natürlicher Bachlauf, Bachhöhle, Grabenmühle

und alles von wohltuender Unberührtheit. Kein anderes

Kleintal im Oberaargau kann einen derartigen

Reichtum an Naturerscheinungen bieten. Überall

zeigt sich die Wechsellagerung von harten

(Sandstein) und weichen Schichten (Lehm) in Form

von selektiver, auswählender Erosion.

Die Attraktion des Mutzgrabens, der Wasserfall in

der sogenannten «Schiessi», gilt mit seinen über

14 Meter Fallhöhe als einziger Wasserfall des

Oberaargaus. Über eine Sandsteinwand fällt vor allem

im Frühjahr eine beachtliche Wassermenge in

einen Kessel, der über einen Treppenweg umgangen

wird. Es wäre wahrlich ein Jammer gewesen,

wäre hier eine Atombombe gezündet worden.

22 s’Positive 1 / 2018


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GESCHICHTE

schaft. Er hat nicht nur den alten Brunnenschacht hangwärts

seines Hofes gefunden, von dem seit Generationen

niemand mehr Kenntnis hatte, sondern vielen Höfen der

Region zu Wasser verholfen. Man rief ihn mit seiner

Wünschelrute nun überall hin, ins Solothurnische hinab,

hinauf ins Oberland und bis hinaus in den Thurgau, und

immer hatte er Erfolg.

ERFOLGREICHER MASCHINENBAUER

In den dreissiger Jahren ging er an die Konstruktion einer

Kartoffel-Sortiermaschine, um Speisekartoffeln von

den Säuern leichter und ohne grossen Zeitaufwand auszuscheiden.

Er hat diese Apparatur oben auf der Reiti

installiert und sie mit Motorkraft angetrieben. Sie soll

zur vollen Zufriedenheit funktioniert haben.

Bald kam ein neues Unterfangen. Er plante und pröbelte,

machte Versuche und brachte schliesslich eine

Hühner-Rupfmaschine heraus. Ebenso geschickt als Mechaniker

wie als Bauer, ging Ernst Glanzmann an den Bau

des ersten Motormähers. Der Motormäher funktionierte

gut, und Glanzmann mähte damit, lange bevor die Industrie

solche Mäher auf den Markt brachte.

In der Zeit des zweiten Weltkrieges machte er sich an

den Bau von Auto-Traktoren. Dafür änderte er ausgediente

Autos ab. Diese Glanzmannschen Gefährte waren die

ersten Traktoren der ganzen Gegend. Angespornt durch

diese Konstruktionserfolge, machte sich der Loch-Ingenieur

an den Bau eines eigenen Automobils. Und auch diese

Idee wurde in die Realität umgesetzt. Abermals aus

alten Bestandteilen entstand das Automobil Glanzmann,

Marke «Eglo». Es war ein kleines Wunderwerk, was da

aus seinen Händen hervorging. Ein luftgekühlter Motor,

Ernst Glanzmanns

Wohnhaus an

der Lochstrasse

(«im Loch»)

in Oschwand.

ein offener Wagen mit einer Karosserie aus Pavatexplatten

mit jeepähnlichem Aussehen und versehen mit auffallend

grossen Rädern. Der Wagen hatte 16 Gänge und zu deren

Bedienung drei Schalthebel. Köstlich setzt sich der Name

«Eglo» zusammen: Ernst Glanzmann Loch Oschwand. Der

Wagen wurde sogar vom Strassenverkehrsamt abgenommen

und als verkehrstüchtig anerkannt. Glanzmann hat

mit diesem Gefährt in der Stadt Bern seine Fahrprüfung

abgelegt. Der «Eglo» erreichte immerhin an die 50 km/h

als obere Grenze der Geschwindigkeit und legte seine

65 000 km zurück, bis er wegen ausgefahrenen Lagern

aufgegeben werden musste.

In der Hofstatt hinter der Sägerei Egger in Lotzwil

suche Ernst Glanzmann auch nach Öl. Er richtete eine

selbstentwickelte Bohrmaschine ein und gelangte innert

«Diese Glanzmannschen Eigenbau-

Gefährte aus alten Autos waren

die ersten Traktoren der Gegend.»

Jahresfrist auf 60 Meter Tiefe. Mitunter wurden geringe

Mengen von ölhaltigem Lehm, Schiefer und Sandstein

festgestellt. Nachtbuben, so wird erzählt, hätten einmal

zum Jux Altöl in den Bohrschacht gegossen, worauf neue

Hebungen natürlich fälschlicherweise Öl anzeigten. Später

kam für dieses Ölunternehmen technisches Missgeschick

hinzu. Der Bohrer brach, das Drahtseil riss, und

so stellte man die Bohrungen ein.

FASZINATION FÜRS GESTEIN

Die Gesteins- und Mineralforschung hatte ihn schon immer

fasziniert und so kam es zum Projekt Atombombe.

Mit seinem Schwiegersohn Erwin Plüss, Chefelektriker,

konstruierte Ernst Glanzmann einen Geigerzähler. Er war

überzeugt, dass im Napfgebiet spaltbare Mineralien zu

finden seien. Verschiedentlich schlug sein Instrument

aus. Geradezu aufsehenerregende Impulszahlen von

mehreren hundert Ausschlägen pro 5 Minuten erbrachten

Untersuchungen in der Höhle, die er hinter seinem

Hause entdeckt hatte. Ein Gang, fast mannshoch und

mehr als hüftbreit, der nahezu 70 Meter tief in den Sandstein

des Brantewyrains hineinführt. Ein Vorfahre musste

hier nach Wasser gesucht haben. Hier also wies Ernst

Glanzmann Uranvorkommen nach, die aufgrund von

eingeschicktem Gestein durch Geologen der ETH bestätigt

wurden. Und deshalb hielt er es für möglich, mit

diesem Uran eine Atombombe zu bauen. Tja, wie wäre

wohl die neuere Geschichte des Oberaargaus verlaufen,

wenn Ernst Glanzmann tatsächlich Uran gefunden hätte

und dazu in der Lage gewesen wäre, es bis zum Bombenbau

anzureichern? Wir wollen nicht grübeln.

Literatur

• Jahrbuch des Oberaargaus - verschiedene Ausgaben

• Die Schweiz im Kalten Krieg 1945 bis 1990 von Thomas

Buomberger

• Die Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert von

Jakob Tanner

Foto: Bruno Wüthrich

24 s’Positive 1 / 2018


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SIMON SCHENK

Der

Ehrgeiz

bleibt!

Er hat im Eishockey viel erreicht –

national wie international.

Simon Schenk spricht mit s’Positive

über seine beeindruckende Karriere

und darüber, was er mit dem

Hockey Country im Schilde führt.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Er war einer der Leader in der Meistermannschaft

des SC Langnau

von 1976, er war sieben Jahre Trainer

der Schweizer Nationalmannschaft,

rettete als Geschäftsführer,

Sportchef, Trainer und Mädchen für alles zu

Beginn der 1990er-Jahre den SC Langnau

vor dem Kollaps, führte danach als Manager

den ZSC nach Jahrzehnten der Abstinenz zu

Erfolg und Titeln und baute mit den GCK

Lions die bis heute erfolgreichste Nachwuchsorganisation

auf. Jetzt ist er wieder

zurück und hilft im Emmental beim Aufbau

von Hockey Country, das dem einheimischen

Eishockey-Nachwuchs zu neuen Perspektiven

verhelfen soll.

s’Positive: Die Liste der Funktionen im

Schweizer Eishockey, die Sie in Ihrem Leben

noch nicht ausgeübt haben, dürfte

wesentlich kürzer sein als die Auflistung

dessen, was Sie bereits gemacht haben.

Ich denke, ausser Materialwart waren Sie

bereits fast alles.

Simon Schenk: Auch dem Materialwart habe

ich schon geholfen. Aber es gibt schon noch

Ämter, die ich nie ausgeübt habe, z. B. Verbandspräsident.

Das wäre aber bestimmt eine Herausforderung

für Sie. Haben Sie kein Interesse?

Nein. Es gab zwar Leute, die auf die Idee

kamen, aber das wäre eine Schuhnummer

zu gross für mich. Zudem habe ich kürzlich

eine Aufgabe bei den SCL Young Tigers und

als Experte bei MySports angenommen.

Diesen beiden Aufgaben will ich mich jetzt

widmen.

An welche Highligts Ihrer weitläufigen Hockeykarriere

erinnern Sie sich am besten?

Ich erlebte in jeder meiner Funktionen Hochs

und Tiefs. Als Spieler war der unbestrittene

Höhepunkt der Meistertitel von 1976 mit

dem SC Langnau. Als Spielertrainer in der

1. Liga waren es die Aufstiegsspiele mit dem

EHC Thun. Als Nationaltrainer erlebte ich

Höhepunkte zuhauf, unter anderem die

Olympischen Spiele in Calgary 1988. Aber

auch der Aufbau einer Spitzenmannschaft

mit den ZSC Lions mit den Meistertiteln

Foto: Marcel Bieri

26 s’Positive 1 / 2018


ZUR PERSON

Simon Schenk

Simon Schenk (71)

spielte von 1964 bis

1980 für den SC Langnau

(heute SCL Tigers)

und gewann mit dieser

Mannschaft 1976 den

bisher einzigen Titel in

der NLA. Zu Beginn

der 1990er-Jahre war

der gelernte Primarlehrer

zudem Geschäftsführer,

Sportchef

und Trainer des

finanziell angeschlagenen

Klubs und führte

diesen von der 1. Liga zurück in die

NLB und zu stabilen finanziellen Verhältnissen.

Ab 1. Januar 1998 wechselte

Schenk zuerst als Sportchef, später

als Geschäftsführer zu den ZSC Lions

und wurde mit diesen nach 39 titellosen

Jahren zwei Mal Schweizermeister.

Ab 2006 baute er mit den GCK Lions

die heute erfolgreichste Nachwuchsbewegung

der Schweiz auf. Der gebürtige

Langnauer coachte von 1985 bis 1990

und 1995 bis 1997 die Schweizer Eishockeynationalmannschaft.

Zudem sass er von 1994 bis 2011 als

Vertreter des Kantons Bern im Nationalrat.

Dort war er Mitglied der Kommission

für Wissenschaft, Bildung und

Kultur (WBK) und der Kommission für

Verkehr und Fernmeldewesen (KVF).

2000 und 2001 sind natürlich wunderschöne

Erinnerungen.

Danach haben Sie mit den GCK Lions auch

noch die erfolgreichste Nachwuchsorganisation

der Schweiz aufgebaut.

Hier standen nicht die sportlichen Erfolge

im Vordergrund, dafür waren wir ein Vorzeigeklub

in Sachen Spielerausbildung mit

Spielern, die es sogar bis in die NHL brachten.

Unser Ziel war es, jährlich zwei bis drei

fertige NLA-Spieler hervorzubringen. In erster

Linie für die ZSC Lions, aber durchaus

auch für andere NLA-Teams. Dieses Ziel

haben wir mehr als nur erreicht.

Sie haben noch etwas vergessen.

So?

Sie haben 1991 auch noch viel dazu beigetragen,

dass der SC Langnau nach dem

Abstieg in die 1. Liga überhaupt noch existiert

hat. Hätten Sie dies nicht getan, wären

die Tigers heute wohl nicht das, was

sie sind.

Ja, das war damals eine verrückte Zeit. Der

Karren steckte so tief im Dreck, dass man

darüber diskutierte, in Langnau nur noch

Nachwuchs-Eishockey zu betreiben. Wir entschieden

uns schliesslich, eine 1.-Liga-Mannschaft

zu bilden, die vorwiegend aus Junioren

bestand. Ich war damals «Mädchen für

alles»: Geschäftsführer, Trainer der 1.-Liga-

Mannschaft und der Elite-Junioren, Sportchef

etc. Die beiden Meisterschaften spielten

wir fast mit der gleichen Mannschaft. Wir

budgetierten damals in der 1. Liga mit 1500

Zuschauern pro Spiel. Viele dachten, wir seien

nicht ganz bei Trost. Doch schlussend lich

kamen im Schnitt 4300 Zuschauer. Der Karren,

der zuvor so tief im Dreck steckte, begann

nun zu laufen. Dies war wirklich auch

für mich eine sehr schöne Zeit, an die ich

mich sehr gerne zurückerinnere. Was wir

damals im Team mit Fred Wenger als Präsident,

Fritz Lehmann als Finanzchef, Roman

Schumacher als – heute würde man sagen

Eventmanager – und den vielen «guten Feen»

im Büro und überall im Hintergrund erreicht

haben, ist einmalig. Ich erinnere mich noch

an unser «Sicherheitskonzept» bei den mit

s’Positive 1 / 2018 27


SIMON SCHENK

Simon Schenk

(links) 1979

für den SCL

gegen Biel.

7000 Zuschauern vollgestopften Heimspielen

gegen WIKI und Langenthal, das jeweils aus

der Durchsage bestand: «Auch heute danken

wir dem Schwingklub Langnau, dass er wieder

für Ordnung und Sicherheit sorgt.» Wir

hatten nie Zwischenfälle.

Was war das Erfolgsgeheimnis bei den

GCK Lions?

Es war das Ziel, die Talente bei den Klubs in

und um Zürich breit zu erfassen und sie so

zu fördern, dass es die Besten in die NLA

oder sogar noch weiter bringen. Aber als ich

bei meinem Stellenantritt bei den neu entstandenen

ZSC Lions am 1. Januar 1998 von

dieser Pyramide sprach, sagte man mir, das

sei in Zürich unmöglich. Doch die Idee blieb

in mir haften und wir begannen sofort, unter

den Technikern auf Stufe Trainer und Sportchefs,

eng zusammenzuarbeiten. Die politische

Umsetzung folgte erst viel später. Natürlich

waren die Meistertitel zu Beginn des

neuen Jahrtausends in der NLA und vielen

Nachwuchsmannschaften sehr hilfreich.

Kann das System auf das Emmental und

die SCL Tigers adaptiert werden?

Nicht in allen Bereichen eins zu eins. Aber

mit den Klubs Brandis Juniors, Burgdorf/

Koppigen, Huskys/Oberlangenegg und den

Young Tigers wollen wir auch eine Pyramide

entstehen lassen. Dabei wird auch hier auf

Stufe Technik bereits vieles sehr gut gemeinsam

getan. Die Pyramide soll von unten nach

oben wachsen. Es gilt nun, hier noch etwas

mehr Struktur reinzubringen. Dabei kann ich

natürlich von den Erkenntnissen aus Zürich

profitieren.

Sie sagen, die Pyramide müsse von unten

nach oben wachsen. Heisst das, dass in

Langnau, bei den Brandis Juniors, in Burgdorf

und bei den Huskys in Oberlangenegg

Talente gefördert werden, die sich innerhalb

der Pyramide in den für sie idealen

Mannschaften entwickeln und die Besten

in der 1. Mannschaft der SCL Tigers landen?

Grundsätzlich ja, aber es geht nicht nur um

die Talententwicklung für die NLA. Jeder

Spieler soll innerhalb der Pyramide dort eingesetzt

werden, wo es für ihn am meisten

Sinn macht und wo er sich mit Spielern entwickeln

kann, die etwa auf demselben Leistungsniveau

sind. Langfristig sollten aus dem

Hockey Country jedes Jahr Spieler für die

Schenks Königstransfer:

1998 holte er

Ari Sulander.

28 s’Positive 1 / 2018


Simon Schenk blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück – und ist noch immer hungrig.

NLA, die Swiss League oder auch für die

MySports League herauswachsen.

War es in Zürich auch so, dass die Pyramide

nur von unten gewachsen ist, oder

haben die Meistertitel geholfen, dass sie

auch von oben wachsen konnte?

Es war beides. Wir begannen mit der Arbeit

beim Nachwuchs. Doch ich hatte damals den

primären Auftrag, in der NLA eine Spitzenmannschaft

zusammenzustellen, was dank

Zuzügen von Spielern wie Ari Sulander, Peter

Jaks, Dan Hodgson, Mathias Seger, Mark

Streit etc. auch gelang. Bereits zwei Jahre

später wurden wir Meister. Doch damals

waren noch nicht die klubeigenen Spieler

federführend. Aber die beiden Titel halfen

natürlich sehr und die NLA-Mannschaft war

Aushängeschild und Wegbereiter. Ein Meisterteam

kann man besser vermarkten und

man erhält mehr Zuspruch in jeder Beziehung.

So kamen auf jeden Fall auch Impulse

von oben. Ganz wichtig war aber auch das

NLB-Team.

Inwiefern?

Zu Beginn meiner Tätigkeit in Zürich hatte

ich sehr viel mit der NLA-Mannschaft zu tun.

Das Team in der NLB lief für mich so nebenbei.

Doch ab 2006 hatte ich wesentlich mehr

Zeit für die NLB, in der damals ausschliesslich

altgediente NLA-Spieler und ein kanadischer

Trainer engagiert waren, die vor jeweils

kaum mehr als 100 Zuschauern nach dem

System «hopp de Bäse, gib ihm» spielten. Ich

sagte mir damals, dass es sich nicht lohnt, für

so wenige Zuschauer einen derartigen Aufwand

zu betreiben. Dies war der Startschuss

für eine NLB-Mannschaft aus jungen Spielern,

die in der NLB weiterentwickelt wurden.

Nach und nach wurde das

System optimiert, bis wir

die GCK Lions als erstes

Farm- und Partnerteam

der ZSC Lions installiert

hatten. Das Ziel war nicht

mehr in erster Linie das

Erreichen der Playoffs,

sondern die gezielte Förderung

der Talente. Für

mich war es natürlich eine

schöne Genugtuung, als die ZSC Lions mit

14 bei den GCK Lions ausgebildeten Spielern

2014 Schweizer Meister wurden.

Dies hat sich sicher finanziell ausgezahlt.

Haben die GCK Lions rentiert?

Als Ganzes war es natürlich rentabel, denn

für diese 14 Spieler mussten von den ZSC

Lions keine Ausbildungsentschädigungen

bezahlt werden. Aber die NLB alleine war

natürlich nicht rentabel, da wir bekanntlich

nur ganz wenig Zuschauer hatten. Wir hat-

ten das Glück, dass unser Präsident Walter

Frey das Projekt finanziell absicherte. Trotz

einem stattlichen Rückfluss an Ausbildungsentschädigungen

und Beiträgen vom Verband

war das jedes Jahr ein schöner Betrag,

den er übernehmen musste. Wir gingen sehr

sparsam mit dem Geld um und waren jeweils

mit einem Budget um die 2 Millionen gegen

Mannschaften mit Budgets von zum Teil gegen

7 Millionen konkurrenzfähig. Wir waren

nie Kanonenfutter.

Sie sagen, dass das Erreichen der Playoffs

eine untergeordnete Rolle spielte. Wer Sie

aber an Spielen der GCK Lions beobachtete,

musste unweigerlich zum Schluss

«Wir waren mit einem Budget

um die 2 Millionen auch gegen

Mannschaften mit weit grösseren

Mitteln nie Kanonenfutter.»

kommen, dass Sie sich bei entsprechendem

Spielverlauf durchaus aufregen

konnten.

Ja, das konnte ich. Ich war auch da mit Herzblut

dabei. Wenn ich beobachtete, dass etwas

nicht lief, wie wir uns dies vorgestellt

hatten oder wenn ich unsere Mannschaft

vom Schiedsrichter ungerecht behandelt

sah, hat dies schon hie und da ein Donnerwetter

abgesetzt. Ich denke, so einmal im

Jahr konnte dies schon geschehen. Auch

s’Positive 1 / 2018 29


SIMON SCHENK

wenn bei den jungen Spielern die Ausbildung

oberste Priorität hat, gehört ein gesunder

Siegeswille zum Rüstzeug eines jeden

Eishockeyspielers.

Sie galten bereits in Ihrer Aktivzeit als

Provokateur.

Das stimmt. Und es wurde mir verschiedentlich

gesagt, mein Verhalten passe nicht so

recht zu meinem Beruf als Lehrer. Doch damit

konnte ich leben. Ich war halt damals

schon angefressen vom Hockey. Zudem hat

jeder seine Schwächen. Wahrscheinlich habe

ich es gerade wegen meiner Verbissenheit so

weit gebracht.

Wie ehrgeizig sind Sie heute noch?

Der Ehrgeiz ist etwas, das bleibt. Natürlich

wird man mit zunehmendem Alter etwas

ruhiger. Doch für mich gilt immer noch das

Motto, nachdem ich immer gelebt habe:

«Mach mit dem, was du hast, dort wo du bist,

das was du kannst!» Ich versuche immer

noch, bei dem was ich tue, das Beste herauszuholen.

Die GCK Lions sind Ausbildungsklub und

Farmteam der ZSC Lions. Könnte ein

Farmteam auch für die SCL Tigers zum

Thema werden?

Wir haben derzeit eine Elite-Mannschaft, die

in der Meisterschaft vorne mitspielt. Da sind

mehrere hoffnungsvolle Spieler dabei, für

«Ich galt immer als Provokateur. Und es wurde

mir verschiedentlich gesagt, mein Verhalten

passe nicht so recht zu meinem Beruf als Lehrer.

Doch damit konnte ich gut leben.»

die es gut wäre, wenn wir ein NLB-Team

hätten. Der Schritt von den Junioren direkt

in die NLA ist für die meisten jungen Spieler

zu gross. Wir haben mit dem SC Langenthal

einen Partner, wo wir solche Spieler platzieren

können, damit sie zu Spielpraxis kommen.

Nun ist aber der SC Langenthal eine Organisation

mit Ambitionen. Dies bedeutet,

dass die Langenthaler als Partner der SCL

Tigers nicht gleich funktionieren werden

wie damals die GCK Lions für die ZSC Lions.

Es wird immer der Trainer sein, der

entscheidet, was mit den Spielern passiert.

Die Möglichkeit der Einflussnahme

und der gezielten Förderung war für Sie

in Zürich ganz anders als sie bei einer Zusammenarbeit

Langnau – Langenthal sein

kann.

Da haben Sie Recht. Ideal für uns wäre natürlich

ein B-Team, auf das wir Einfluss nehmen

und in dem dafür sorgen könnten, dass

unsere Nachwuchskräfte nicht auf der Bank

versauern. Optimal wäre es, aus dem EHC

Burgdorf oder dem EHC Brandis dereinst ein

Swiss League Team zu machen, das nicht auf

Resultate aus ist, wo wir aber unsere jungen

Fohlen auf die Weide geben könnten. Das

muss im Moment noch unter Träume abgehakt

werden. Aber langfristig wäre es natürlich

schön, wenn wir innerhalb unserer Pyramide

auch eine Mannschaft in der Swiss

League stellen könnten, wo nicht der sportliche

Erfolg, sondern die Weiterbildung junger

Talente im Vordergrund steht.

Langnau hat kürzlich einen neuen Gemeindepräsidenten

gewählt. Zur Wahl standen

vier Kandidaten, von denen jeder dem

Simon Schenk

(rechts) 1977

im Match gegen

den SCB.

30 s’Positive 1 / 2018


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SIMON SCHENK

Schenk war als

Nati-Trainer

eine Billiglösung –

hatte aber sehr

viel Erfolg.

«Ein zweites Eisfeld in Langnau

bietet viele Vorteile. So müsste der

Nachwuchs zum Beispiel nicht noch

spät abends ins Training gehen.»

Projekt eines zweiten Eisfeldes in Langnau

kritisch gegenübersteht. Was sagen Sie

dem neuen Gemeindepräsidenten?

Ich kenne Walter Sutter sehr gut. Er ist ein

Schattseitler wie ich. Aber so, wie ich mein

letztes Gespräch mit ihm deute, hat er nach

all dem, was in der Zwischenzeit passiert ist,

seine Meinung geändert. Das zweite Eisfeld

wäre insbesondere für die Nachwuchsspieler

der Young Tigers sehr wichtig. Nicht für die

erste Mannschaft, sondern vor allem für die

Jungen. Die sollten wir nicht spät abends

noch aufs Eisfeld schicken müssen, um zu

trainieren, wenn sie am andern Morgen zur

Schule oder zur Arbeit müssen. Nachwuchskräfte

müssen ihre Ausbildung, ihr Privatleben

und das Eishockey unter einen Hut bringen

können, ohne Raubbau an ihrem Körper

zu betreiben. Sie brauchen einen geregelten,

auf sie angepassten Trainingsbetrieb.

Hätte ein zweites Eisfeld auch noch andere

Vorteile?

Ja, es könnten vermehrt Trainings angesetzt

werden, in denen man an der Einzeltechnik

der Spieler arbeiten könnte. Diese Skills-

Trainings sind im normalen Mannschaftstraining

ganz einfach nicht möglich. Zudem

wäre ein Eisfeld mit NHL-Massen etwas

Neues in der Schweiz und ich bin sicher, dass

sich die Nationalmannschaften sehr gerne in

Langnau auf Turniere oder Spiele in Nordamerika

vorbereiten würden.

Sie spielten bereits in den 1960er-Jahren

Eishockey und sind heute, mehr als 60

Jahre später, immer noch dabei. Das ist

eine sehr lange Zeit: Wie hat sich das Eishockey

verändert?

Als ich in den frühen 60er-Jahren damit

begann, war Eishockey noch eine Wintersportart,

die von November bis Februar

gespielt wurde. Dazwischen

spielte man

Fussball oder betrieb

Leichtathletik. Inzwischen

ist Eishockey eine

Ganzjahres-Sportart.

Ich erlebte auch

den Übergang vom

Amateur- zum Profisport

mit. Als ich als

Spieler in der Nati war,

pendelten wir zwischen der B- und C-Gruppe

hin und her (die einzelnen Gruppen

umfassten damals noch 8 Nationen, heute

sind es 16, die Red.). Wenn wir damals gegen

ausländische Mannschaften antraten,

war dies für uns wie das Jagen von Schatten.

Auch zu Beginn meiner Zeit als Nationaltrainer

hatten wir noch einen grossen

Rückstand auf die Spitzennationen. Verbandspräsident

René Fasel brachte es fertig,

dass wir ab 1986 jedes Jahr zwei Spiele

gegen die UdSSR austragen konnten. Am

Anfang waren wir total überfordert, aber

durch den regelmässigen Kontakt kamen

wir der Weltspitze immer näher. Nach dem

Aufstieg mit der Nati 1986 in Eindhoven zu

den 8 Weltbesten sagte ich in einem Interview,

dass die Schweiz etwa 100 Spiele gegen

Spitzennationen braucht, um den Rückstand

auf die Weltspitze aufzuholen. Inzwischen

sind diese 100 Spiele längst erreicht

und dank des grossen Aufwands, der in den

Klubs betrieben wird, sind wir der Weltspitze

wesentlich näher als damals.

Wie wurden Sie eigentlich Nationaltrainer?

Der Verband hatte mit meinem Vorgänger

ziemlich viel Geld verbraten und suchte deshalb

nach einer Billiglösung. Dabei stiess

man auf einen 1. Liga-Trainer aus dem Emmental.

Ich wurde gewissermassen als Verlegenheitslösung

Nationaltrainer. Wider

Erwarten stiegen wir im darauf folgenden

Frühjahr gleich in die A-Gruppe auf und die

Schweiz war erstmals seit 15 Jahren wieder

unter den besten Acht der Welt. Dieser Aufstieg

von 1986 in Eindhoven war dann die

Basis für meine weitere Trainerkarriere und

die Verlegenheitslösung hatte 7 Jahre Bestand…

Mein Bekanntheitsgrad war dann so

gross, dass ich sogar den Einzug in den Nationalrat

schaffte, wo ich 17 interessante und

lehrreiche Jahre erleben durfte.

32 s’Positive 1 / 2018


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Ich habe immer bedauert, dass ich

s’Positive nicht automatisch erhalte, weil

ich knapp ausserhalb des Verteilgebietes

wohne. Zufällig bekam ich aber die letzte

Ausgabe in die Finger und sah, dass man

das Magazin jetzt auch abonnieren kann.

Endlich, sage ich dazu, und freue mich.

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Künstlergespräch: Mittwoch, 11. 03. 2018,

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34 s’Positive 1 / 2018


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Samstag, 24. Februar 2018, 09.00 bis 16.00 Uhr, Obersteckholz

Erstvermietung von 2.5-, 3.5- und 4.5-Zimmerwohnungen

In der ländlichen Gemeinde Obersteckholz

vermieten wir neu erstellte 2.5-,

3.5- und 4.5-Zimmerwohnungen.

BESCHREIBUNGEN:

• alle Schlafzimmer mit Parkettboden

• Küche, Badezimmer und Wohnzimmer

mit Plattenboden

• Waschmaschine und Tumbler in der

Wohnung

• Mahlzeiten-Service möglich

• Badezimmer in den 2.5 und 3.5-ZWG

mit Dusche, Lavabo, WC und

Waschturm

• Zwei Badezimmer in den 4.5-ZWG mit

Dusche, Badewanne, Lavabo, WC und

Waschturm

• Gartensitzplatz mit Rasenanteil in den

Erdgeschosswohnungen/Balkon in den

Wohnungen im 1. und 2. Obergeschoss

• Einstellhallenplätze können dazu

gemietet werden à CHF 100.00

MIETZINSEN:

• 7 x 2.5 Zimmerwohnung Netto

CHF 1220.00 Plus Akonto CHF 190.00

• 4 x 3.5 Zimmerwohnung Netto

CHF 1370.00 Plus Akonto CHF 190.00

• 4 x 4.5 Zimmerwohnung Netto

CHF 1650.00 Plus Akonto CHF 210.00

Wir freuen uns, Sie am Samstag,

24. Februar 2018 in Obersteckholz

begrüssen zu dürfen.

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09

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