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Magazin

Jörg`s Bärenhund- und Storywelt- Bücher, Kurzgeschichten und der Germanische Bärenhund

Das zwanzigste

Das zwanzigste Jahrhundert. Zwei Weltkriege erschüttern Europa. Hilde Niggetiet, 1910 geboren, erzählt in ihrer Biografie von dem Versuch, in den Wirren der Kriege ein normales Familienleben zu führen. Bombenangriffen, Kinderlandverschickung und persönlicher Schicksalsschläge zum Trotz lässt sie sich nie entmutigen. Als sie aber gegen den Willen ihrer Familie mit ihrem Geliebten Erwin durchbrennt, scheint für sie die Chance auf ein glückliches Familienleben endgültig gescheitert. Herz schlägt Krieg bei Amazon: https://www.amazon.de/Herz-schl%C3%A4gt-Krieg-J%C3%B6rg- Kr%C3%A4mer/dp/3957202264

Textprobe Die Katastrophe Das Leben ging weiter, als wäre nichts geschehen. In diesem Jahr war das Weihnachtfest wieder besonders schön. Erich sagte: „Sieh nur, Heini, wie die Augen von dem Kleinen strahlen. Mir wird direkt warm ums Herz.“ „Ja“, sagte Heini, „ihr verwöhnt ihn ja auch ganz schön.“ Vater war ein bisschen traurig. Seine Stimme klang heute ganz anders. Später haben wir oft gesagt, ob er etwas geahnt hat. Er war doch sonst immer der Verrückteste. Silvester waren wir alle platt. Vater ging schon um neun Uhr ins Bett. Als wir um zwölf mit ihm anstoßen wollten, sagte er: „Bitte, Kinder, lasst mich schlafen. Seid nicht böse.“ Ich küsste ihn: „Päpsken, nur einen ganz kleinen Schluck.“ Da trank er mir zuliebe. Mutter meinte: „Er wird doch nicht krank werden. Er trinkt doch sonst so gerne einen.“ Alle im Haus prosteten sich zu. „Frau Hake, wo ist denn Ihr Mann? Er ist doch nicht krank?“ „Nein, er fühlt sich nicht gut.“ Neujahr war Vater wieder als Erster auf. Zuerst fütterte er seine Tauben. Er hatte eine Fußbank auf dem Taubenschlag, da saß er eine geschlagene Stunde und beobachtete seine Lieblinge. Dann schälte er die Kartoffeln, holte Kohl rauf und stocherte den Herd, bis die Platte rot war. Es sollte doch schön warm sein. Mutter und wir schliefen sonntags gerne ein bisschen länger. „Na, ihr Schlafmützen, jetzt wird es aber Zeit, sonst können wir gleich zu Mittag essen.“ Da wurden wir flink. Ich fragte noch: „Du treulose Tomate hast uns schön sitzenlassen gestern Abend. Du weißt doch, ohne dich gibt’s keine Stimmung.“ „Ach, Kind, ich war nicht in Form. Macht euch nichts daraus. Heute werde ich euch dafür verwöhnen. Oh Gott, nächste Woche wirst du schon zwanzig, Hilde. Das wird aber gefeiert. Dann bin ich wieder obenauf. Wo sind die Jahre nur geblieben?“ Wir Jungen gingen am Abend tanzen. Da waren die beiden froh, dass sie mal alleine waren. Erich und Rudi kamen zeitig ins Bett. Mutter war immer froh, wenn die Feiertage wieder um waren und alles seinen Lauf ging. Jetzt waren wir schon sechs Personen,

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