sPositive_02_2018_Web

onexmagazin

AUSGABE 2 FEBRUAR 2018

Realistische

Idealistin

Regula Farner

Die Gemeindepräsidentin

von Auswil zeigt im Interview

viele Facetten ihrer

Person.

VERKEHR

Die Strassen der

Zukunft: Weniger

Stau und Abgase

OLYMPISCHE SPIELE

Wie es ist, als Chronist

aus Südkorea zu

berichten.

GESCHICHTE

Vor 200 Jahren:

Spektakulärer Mord

in Langenthal


ZU VERMIETEN

Obersteckholz, Melchnaustrasse 21,

3.5-Zimmerwohnung im 1. OG, 92 m 2

• alle Schlafzimmer mit Parkettboden

• Küche, Bad und Wohnzimmer mit Plattenboden

• grosszügiges Entreé

• Badezimmer mit Badewanne

• eigene Waschmaschine/Tumbler

• kein Balkon

• Parkplätze vorhanden

• oberhalb Restaurant Kreuz

Mietzins: CHF 1060.00 plus Akonto 230.00

*Infos und Besichtigung

Madiswil, Grossmattstrasse,

Hobby- und Mehrzweckboxen

• z.B. als Reparatur- und Tuningwerkstatt,

Lagerraum oder Wohnmobilstellplatz, etc.

• Anzahl Boxen: Total 12

• Massangaben Boxen:

Länge: 8.5 m, Breite: 6 m

• System: Streifenfundament/Bodenplatte

• Stützen: Stahl

• Wände: Stahl/Profilblech

Roggwil, Hofmattenweg 1,

2.5-Zimmerwohnung im 1. OG

• Wohnzimmer und Küche mit Plattenboden

• Schlafzimmer mit Laminat

• Badewanne

• Einbauschränke

• grosser Balkon

• Wohnung ist neu gestrichen

• Estrichabteil

• eine abschliessbare Garage kann

für CHF 100.00/mtl. dazu gemietet werden

1 • Decken: Stahl/Profilblech

⁄1 Inserat • Verfügbar randabfallend

ab sofort

Mietzins: CHF 700.00 plus Akonto 50.00

*Infos und Besichtigung

(210 × 297 mm)

Mietzins: CHF 950.00 plus Akonto 110.00

*Infos und Besichtigung

Muhen AG, Blumenweg 13, 4.5 Zimmer-

Attikawohnung im 2.OG, 130 m 2

• Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche,

Badezimmer mit Plattenboden

• Badezimmer mit grosse Dusche/WC und

Badewanne

• hochwertige Küche

• Gäste WC

• eigene Waschmaschine + Tumbler

• Bodenheizung

• grosszügiges Kellerabteil

• Eigentumsstandard

• zwei Einstellhallenplätze können à je CHF

120.00 dazu gemietet werden

Mietzins: CHF 2300.00 plus Akonto 200.00

*Infos und Besichtigung

Rohrbach, offene Lagerhalle

Ab 500 m 2 offene, überdachte Lagerhalle.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

*Infos und Besichtigung: MB Immobilien AG,

Langenthal, Telefon 062 919 01 08

Wynau, Weiherweg 6,

4.5-Zimmer wohnung im 3. OG, 200 m 2

• Dach-Maisonette-Wohnung

• grosses Wohnzimmer

• Galerie

• Schwedenofen

• Bad/WC

• Bad/Dusche/WC

• Dusche/WC mit Waschmaschine/Tumbler

• geschlossener Kellerraum mit Lavabo

plus ein zusätzliches Kellerabteil

• Einstellhallenplatz kann à CHF 120.00 dazu

gemietet werden

Mietzins: CHF 1600.00 plus Akonto 250.00

*Infos und Besichtigung

Huttwil, Überbauung Mühleweg (Erstvermietung),

4 x 4.5-Zimmerwohnungen

und 1 x 5.5 Zimmerwohnung

• Die ganze Wohnung mit Platten und

Fussbodenheizung

• Bad/WC

• Dusche/WC

• Balkon

• eigene Waschmaschine/Tumbler

• Einbauschrank Garderobe

• grosses Kellerabteil

• Einstellhallenplatz kann à CHF 100.00 dazu

gemietet werden

Mietzins: Ab CHF 1650.00 plus Akonto 220.00

*Infos und Besichtigung

Rohrbach, Werkstatt

Rund 250 m 2 Werkstattfläche mit grosser

Raumhöhe.

Infos und Besichtigung: 079 431 56 42

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 062 919 01 08 I Fax 062 919 01 09


EDITORIAL / INHALT

Liebe Leserin,

lieber Leser

12

Diese Zeilen schreibe ich aus einem Zimmer

des Spitals Region Oberaargau (SRO)

in Langenthal. Als ich am Montag Abend

die Notaufnahme aufsuchte, rechnete ich

nicht damit, mich wenig später auf der Intensivstation

zu finden. Dieses Erlebnis

macht mir klar, wie schnell sich alles ändern,

wie kurzfristig sich alles auf den

Kopf stellen kann. Unser Leben, im einen

Moment noch völlig in Ordnung, kann innerhalb

von Minuten oder gar Sekunden

auf den Kopf gestellt werden. Vergessen

Sie das nie und geniessen Sie deshalb Ihr

Leben. Mir geht es längst wieder besser.

Die Ärzte, Ärztinnen, Schwestern und Pfleger

kriegten dank Fachkompetenz und moderner

Arzneimittelforschung meine Beschwerden

in den Griff. Inzwischen konnte

ich die Intensivstation verlassen und in wenigen

Tagen wird mein Leben wieder normal

sein. Letztendlich ist dieser Aufenthalt

nur eine kurze Episode in einem sonst mit

wenig Problemen beladenen Leben eines

Durchschnittsschweizers.

Ganz andere Schicksalsschläge hatte

Regula Farner gemeinsam mit ihrem Lebenspartner

zu verkraften. Sie erzählt uns

im grossen Interview von ihrem Umgang

damit und auch, wie sie als Künstlerin zur

Gemeindepräsidentin in Auswil wurde.

Aus Auswil stammt auch Klaus Zaugg.

Er berichtet in dieser Ausgabe jedoch von

Pyeongchang, wo die Olympischen Spiele

gerade zu Ende gegangen sind.

4

4 REGULA FARNER

Die unorthodoxe Gemeindepräsidentin

von Auswil

erzählt im Interview von

ihrem Amt, ihren Überzeugungen

und wie ein Unwetter

ihr Leben veränderte.

18 MORD IN LANGENTHAL

Vor 200 Jahren erschütterte

ein Mord Langenthal

und die ganze Schweiz.

Ein Drama um Männerliebe,

Abgründe und die «gute

Gesellschaft».

16

Viel Spass beim Lesen

Ihr Bruno Wüthrich

IMPRESSUM

Herausgeber: s’Positive AG,

St. Urbanstrasse 31, 4914 Roggwil

Tel. 062 929 24 25

info@spositive.ch

Redaktion: Bruno Wüthrich,

Klaus Zaugg

Geschäftsleitung:

Sebastian Wüthrich

Layout: tnt-graphics AG, 8305 Dietlikon

www.tnt-graphics.ch

Auflage: 69 000 Exemplare

Erscheinung: monatlich

Druck: Swissprinters AG,

4800 Zofingen

Versand: Die Post

12 VERKEHR DER ZUKUNFT

Die Strassen der Zukunft

regulieren den Verkehr –

und sorgen bei den Autos

auch gleich noch für den

nötigen Strom.

16 WUSSTEN SIE SCHON

Über Schlangen in den

Ein kaufszentren, riesige

Ameisenbauten – und warum

Wut-Yoga der neuste

Trend in Kanada ist.

26 OLYMPIA

s’Positive-Redaktor Klaus

Zaugg berichtet aus Südkorea

von den olympischen

Spielen. Reportage aus

einer anderern Welt.

34 DIE SEITE DER LESER

Leserbriefe und Veranstaltungshinweise.

26

18

s’Positive 2 / 2018 3


REGULA FARNER

Realitätsnahe

Idealistin

Sie musiziert, singt und spielt mehrere Instrumente.

Sie führt einen Laden für Bachblütentherapien. Und ist

Gemeindepräsidentin von Auswil. s’Positive spricht

mit Regula Farner über ihr Leben, ihre Motivation und

ihren Umgang mit Rückschlägen.

TEXT: KLAUS ZAUGG UND BRUNO WÜTHRICH

FOTOS: PIUS KOLLER

Es regnete in Strömen. Wir hatten

mit Regula Farner abgemacht zum

Interview, fanden jedoch ihr Atelier

nicht gleich. Doch wir wurden erlöst.

Aus einer Türe im Parterre

winkte uns jemand heran und hinein. Wir

trafen eine herzliche und aufgestellte Frau

mit Sinn für feinen Humor und bekamen

einen Kräutertee serviert, aus Kräutern notabene,

die alle selbst gesammelt waren. Wir

haben kaum je einen besseren Tee getrunken.

s’Positive: Wie wird man als Künstlerin,

Familienfrau und Musiklehrerin Gemeindepräsidentin

in Auswil?

Regula Farner: Ich arbeitete drei Jahre in der

Gruppe «Zukunft Auswil» mit. Als es 2016

darum ging, das Gemeindepräsidium neu zu

besetzen, hat man mich dafür angefragt. Mir

war klar, dass Auswil nur solange selbstständig

bleiben kann, als dass wir Leute für all

die Ämter finden. Deshalb habe ich zugesagt.

Sie waren vorher nie aktiv in der Politik?

Nicht in diesem Sinn. Allerdings denke ich,

dass alles eine Wirkung hat – was wir denken,

sagen und tun. Politik ist für mich auch, wie

wir mit uns selber, miteinander und mit dem

Planeten umgehen, unser Verhalten punkto

Konsum, Mobilität, Kommunikation usw.

Und wie ist es, Gemeindepräsidentin zu

sein?

Gut und interessant. Ich muss unter anderem

viele Akten studieren. Aber ich mache das

eigentlich ganz gerne für die Gemeinde und

fühle mich von den Einwohnerinnen und

Einwohnern ernst genommen.

Sie sind also eine Idealistin?

Eine realitätsnahe Idealistin vielleicht, mit

Familie, Kindern und Enkelkindern. Ich stehe

mit beiden Beinen in der Wirklichkeit.

Sie gehören keiner politischen Partei an?

Nein, ich bin parteilos – und ich versuche

unparteiisch zu sein.

Eine realitätsnahe Idealistin, die ohne

Parteiideologie eine Gemeinde führt –

eigentlich die perfekte Politikerin.

Wenn Sie das sagen. Für mich zählen die Menschen

und dass Sachpolitik gemacht wird.

«Auswil kann

nur selbstständig

bleiben, wenn wir

die Leute für all die

Ämter finden. Also

habe ich zugesagt.»

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Sehr schöne. Wir besuchen zum Beispiel jedes

Jahr alle Senioren von Auswil, die 80 oder

älter geworden sind. Dann nehme ich meine

Gitarre mit, singe und spiele für und mit den

Jubilarinnen und Jubilaren. Die Leute freuen

sich, wenn sie von einer singenden Gemeindepräsidentin

beglückwünscht werden.

Musizieren Sie auch an der Gemeindeversammlung?

Bei meiner ersten Gemeindeversammlung

spielte ich Querflöte zur Begrüssung. Das

war wohl etwas ungewohnt.

Was hatten Sie gespielt?

Ein paar improvisierte Takte zum Einstieg.

Ich denke, eine Begrüssung kann fröhlich,

kreativ und emotional sein. Eine Jahresrechnung

eher nicht.

Sie haben eine vielfältige Ausbildung. Angefangen

bei der Bäuerinnenschule, dem

Pflegeberuf bis zur Musiklehrerin und

Bachblüten-Therapeutin. Was interessiert

Sie als nächstes?

Wir lernen während des ganzen Lebens. Ich

bin ein interessierter Mensch und wenn

mich etwas anspricht, dann will ich mehr

darüber wissen.

Ihr Atelier an der Fiechtenstrasse in Huttwil

heisst Blütenklang. Wie kommt das?

Ich gebe hier Musikstunden, leite einen Singkreis

und biete Bachblütentherapien an.

4 s’Positive 2 / 2018


Fühlt sich als Gemeindepräsidentin

ernst genommen:

Regula Farner.

s’Positive 2 / 2018 5


REGULA FARNER

Regula Farner

Nach dem Besuch der Diplommittelschule

in Winterthur besuchte Regula

Farner die Bäuerinnenschule auf

Schloss Uster. Es folgte die Krankenpflegeschule

in Zollikerberg und Lausanne.

In der Jungendzeit genoss Regula

über mehrere Jahre Musikunterricht

auf Gitarre, Alt- und Sopranblockflöte.

Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner

Menel Rachdi (ein freischaffender

Kunstmaler und Kulturschaffender in

verschiedenen Sparten) und den gemeinsamen

vier Töchtern, geboren in

den Jahren 1983 bis 1994, lebt sie seit

seit über 20 Jahren im Oberaargau.

Sie ist u. a. Mitbegründerin des Kulturraumes

«Improvisorium» in Huttwil

und unterstützte Menel beim Kulturprojekt

«In 80 Ragen um den Napf».

Zudem war sie von 2000 bis 2011

Gartenverantwortliche des Labyrinthplatz

Zürich im Zeughaushof. 2006

kam Ihre CD «Eisvogel flieg» heraus.

Auf ihrer Website www.eisvogel.ch

steht(leicht gekürzt): «In meiner Kindheit

habe ich viel Liebe erhalten von

meinen Eltern und im Zusammenleben

mit meinen Geschwistern viel gelernt.

In stundenlangen Streifzügen zusammen

mit Freunden durchs Wildbachtobel

konnte ich eine grosse Verbundenheit

entwickeln mit der Natur. Die

Klänge und Töne von Wald, Wiesen

und Feldern haben mich zum Singen

und Klingen inspiriert.»

Zu den Bachblüten kam ich so: Ich suchte

nach immer neuen Teemischungen und

Kräutertinktur-Rezepten. Dann sah ich eine

Ausschreibung für einen Kurs in Bachblütentherapie.

Dieser Kurs hat mich überzeugt.

Was ist ihr nächstes Projekt?

Im Moment bin ich durch die Politik ausgelastet.

Nimmt dieses Amt viel Zeit in Anspruch?

Zwei oder drei Termine pro Woche. In der

Regel muss ich einmal pro Woche in der Gemeindekanzlei

einige Dokumente lesen und

unterschreiben. Alles in allem ergibt das

etwa einen Tag pro Woche.

Auswil ist eine kleine Gemeinde mit 460

Einwohnerinnen und Einwohnern. Gibt

es eine Chance, die Selbständigkeit zu

wahren?

Ich denke schon. Wir müssen darauf achten,

die Finanzen in Ordnung zu halten und alle

Ämter zu besetzen. Inzwischen zeigt sich,

dass sich die ganze «Fusionitis» finanziell

nicht auszahlt. Weil durch Fusion eine grössere

Zentrumsgemeinde entsteht, die dann

die Verwaltung, die Schulen und die Infrastruktur

ausbauen muss. Wird eine Gemeinde

grösser, müssen die Aufgaben professionalisiert

werden. Dies kann in kleinen Gemeinden

im Milizsystem gemacht werden.

Ursprünglich waren die Finanzen der Grund

für die Fusion von Gemeinden.

Sie führten zehn Jahre lang das Projekt

«Labyrinthplatz» in Zürich. Können Sie

uns etwas darüber erzählen?

Es handelte sich um einen Wettbewerb zur

Siebenhundertjahre-Feier der Schweiz im

Jahre 1991. Eine Frauengruppe um die

Künstlerin Agnes Barmettler, die Matriarchatsforscherin

Rosmarie Schmid und die

Philosophin Ursula Knecht reichte das Projekt

ein. Aus der Überlegung, dass es in den

Städten alle möglichen Anlagen und Institutionen

gibt, aber keinen Ort, der von Frauen

gestaltet wird. So ist es zum Labyrinthplatz

im Kasernenhof der Stadt Zürich gekommen.

Sie haben dort einen Garten angelegt

und einen Begegnungsort geschaffen.

Zehn Jahre lang war ich die hauptverantwortliche

Gärtnerin. Der Ort ist nicht ausschliesslich

Frauen vorbehalten: Die Grundregel

ist, dass jede Person respektiert wird

– in ihrer Eigenart, mit ihren Ideen und

Ausdrucksformen.

Woher kommt die Bezeichnung Labyrinth?

Haben Sie einen Irrgarten angelegt?

Nein, nein. Das Wort Labyrinth ist griechisch.

Es hatte vor 5000 Jahren die Bedeutung eines

Versammlungsortes. Der Weg führt ins

Zentrum und wieder hinaus.

Wie kamen Sie zu dieser Tätigkeit?

Anfang der neunziger Jahre spielte ich Musik

zu den Veranstaltungen im Labyrinth. 1999

kam die Anfrage aus Zürich, ob ich die Gar­

6 s’Positive 2 / 2018


«Ich besuchte

die Bäuerinnenschule

auf Schloss

Uster. Da lernte ich

Kochen, Gärtnern

und Metzgen»

tenverantwortung übernehmen würde. Nach

eingehender Beratung mit der Familie sagte

ich zu. Das war zu einer Zeit, als die Zugfahrt

nach Zürich noch eine halbe Stunde länger

dauerte. Ich nutzte diese Zeit zum Schreiben.

Arbeitsvorbereitung für’s Labyrinth und auf

dem Nachhauseweg schrieb ich ein Tagesprotokoll.

Dadurch habe ich von jedem Tag,

an dem ich dort war, ein Dokument.

Hatten Sie nie den Wunsch, nach Zürich

zu zügeln?

Nein, uns gefällt es hier.

Sie stammen aus dem Zürcher Oberland.

Wie sind Sie erst nach Huttwil und nun

nach Auswil gekommen?

Wir wohnten im Tösstal und waren auf der

Suche nach einer Liegenschaft mit genug

Platz zum Wohnen und für das Atelier. Immer

wenn wir ein Haus gefunden zu haben

schienen, wurde dieses aufgekauft. So suchten

wir schliesslich in der ganzen Schweiz

nach einem Ort mit hoher Lebensqualität.

So sind wir 1985 nach Huttwil und schliesslich

2010 nach Auswil gekommen.

Das tönt wie ein Werbespot für den

Oberaargau und das Napfgebiet.

Ja, die Lebensqualität ist hier hoch. Aber

nicht alle möchten wohl so einfach wohnen,

wie wir dies tun.

Hat diese Region Ihren Mann als Künstler

mehr inspiriert als das Züribiet?

Landschaftlich und auch geologisch gibt es

hier viele Ähnlichkeiten mit dem Tösstal:

Sandstein und Nagelfluh, entlegene Chrächen

und Gräben. Dies sind auch prägende

Elemente für die Menschen.

Wie sind die Menschen im Tösstal und im

Oberaargau?

Ihre Lebensweise ist nach wie vor traditionell

geprägt und folgt zum Teil ungeschriebenen

Regeln. Handkehrum gibt es eine grosse Offenheit

und Toleranz gegenüber Neuem.

Sie haben ihre vier Töchter zu Hause zur

Welt gebracht. War das bei aller Offenheit

und Toleranz für die Oberaargauer nicht

etwas ungewöhnlich?

Ja, zu jener Zeit schon. Es war jedenfalls ein

Problem, einen Arzt dafür zu finden. Man

hat mir damals von einer Hausgeburt abgeraten,

jedoch wurde es dank der Zusage einer

erfahrenen Hebamme möglich. Heute

wird der Wert von Hausgeburten wieder

erkannt.

Wie viel Mut brauchte es, es doch zu tun?

Ich war überzeugt davon, dass es gut ist, in

der vertrauten Umgebung zu gebären und

das Kindlein willkommen zu heissen. Und

mein Mann unterstützte mich darin.

Wollten Sie einst tatsächlich Bäuerin werden?

Ja. Ich habe als Kind oft auf dem Bauernhof

geholfen. Nach der Diplommittelschule in

Winterthur hatte ich genug von der Theorie.

Ich besuchte die Bäuerinnenschule auf

Schloss Uster. Da habe ich Kochen, Gärtnern,

Metzgen und vieles mehr gelernt. Alles hat

mir gut gefallen. Ich wollte etwas tun, was

Hand und Fuss hat und mit der Natur verbunden

ist.

Metzgen Sie immer noch?

Nein, nein. Nur einmal, als wir noch in der

Lochmühle wohnten. Da hatten wir in Zeiten

der Vogelgrippe zu viele Hähne und ich musste,

wegen dem Platz im Stall, einige schlachten.

Aber sonst metzge ich nicht mehr. Ich

führe einen biologisch-vegetarischen Mittagstisch

hier im Atelier Blütenklang.

Erzählen Sie uns davon.

Das Projekt entwickelte sich im Herbst 2007

nach der Flut in der Lochmühle. Nach dem

Hochwasser mietete ich dieses Lokal, in dem

wir jetzt hier sitzen, und kochte für unsere

Familie. An diesem Ort wurden wir nicht

ständig wieder mit den Folgen der Überschwemmung

konfrontiert. Als unsere Kinder

dann in Langenthal das Gymnasium

besuchten und nicht mehr so oft hier waren,

lud ich Freunde ein, mit uns zu essen. An

gewissen Tagen kamen bis zu 20 Personen.

Alles hat sich aus unserem Familientisch

s’Positive 2 / 2018 7


REGULA FARNER

heraus entwickelt. Es gefällt mir, Entwicklungen

Raum zu lassen und zu erleben, wie

etwas Neues daraus wachsen kann.

Wer sind Ihre Gäste am Mittagstisch?

Randständige oder Generaldirektoren?

Weder noch. Aber ich hatte während des

Projekts «Labyrinthplatz» in Zürich oft mit

randständigen Menschen zu tun. Das gefiel

mir. Ihre Direktheit und Ehrlichkeit war eine

Herausforderung. Im Umgang mit ihnen

musste ich persönlich überzeugen können

und nicht einfach auf Gesetze verweisen.

Sind Sie Vegetarierin?

Früher ja, heute nicht mehr. Ich esse ab und

zu Fleisch. Wahrscheinlich so wie es früher

war, als man sich in der Woche höchstens

einmal Fleisch leisten konnte. Kreatives Kochen

macht mir viel Spass. Mich interessiert,

was ich Feines ohne Fleisch zubereiten

kann. Ich sammle gerne Wildgemüse. Zum

Beispiel Brennnesseln, Knoblauchrauke,

Brunnenkresse, Bärlauch, Schlüsselblumen,

zarte Linden-, Hasel-, und Buchenblätter

für Salat. Oder Taglilienblüten

zum fritieren und vieles mehr...

Und Pilze?

Ja, aber man muss wissen, wo sie zu finden

sind, und natürlich auch, welche man

essen darf. Ich habe viel vom ehemaligen

Pilzkontrolleur Stuker in Huttwil gelernt.

Wie haben Sie eigentlich Ihren Mann

Menel kennen gelernt?

Vor vierzig Jahren, in der Schule.

War er sozusagen Ihr Schulschatz?

Nicht ganz; wir besuchten gemeinsam die

Mittelschule in Winterthur.

Sie kannten ihn also, bevor er ein Künstler

war?

Er war schon immer Künstler. Er kann gar

nicht anders und hat eine unerschöpfliche

Schaffenskraft. Er malt oder skizziert ständig

oder arbeitet an Gemeinschaftsprojekten.

Letzten Sommer hat er eine ganze Reihe von

Leuten portraitiert, die ihm vor und während

seiner grossen Ausstellung in Trubschachen

beigestanden sind. Er nimmt andere Menschen

ebenso ernst wie seine eigenen Projekte.

Das ist Lebenskunst. Es gehört auch

zu dieser Lebenskunst, dass wir viel Alltägliches

miteinander machen. Wir holen beispielsweise

gemeinsam mit Freunden das

Vielseitig begabt

und begeistert:

Auswils Gemeindepräsidentin

Regula

Farner.

Holz aus dem Wald, spalten es im Team und

geniessen schliesslich auch das Zusammensein

ums Feuer. So erleben wir gemeinsam

den Kreislauf der Dinge.

Wäre Ihr Leben anders verlaufen, wenn

Sie Ihren Mann nie kennen gelernt hätten?

Ja klar.

Wie?

Das weiss ich nicht, eben anders. Manchmal

sagen Menschen: Hätte ich doch dies oder

das anders gemacht. Aber sie können nicht

zurück, um einen anderen Weg zu gehen.

Für mich ist viel wichtiger, was ich in der

jetzigen Situation machen kann und wie ich

meine Zeit im Heute und in Zukunft gestalten

kann.

Sie lernen spielend leicht unterschiedliche

Instrumente. Wie schaffen Sie das?

«Wenn Dich etwas nervt, nimm diese

Energie auf und setze sie kreativ um.

Alles ist Energie; es kommt darauf an,

wie man damit umgeht.»

Aus der Freude, Liebe und Begeisterung heraus.

Und wie könnte ich bei Ihnen ein Instrument

spielen lernen?

Zuerst müssten Sie wissen, welches Instrument

Sie begeistert. Wenn man etwas von

Herzen lernen will, erlernt man es leichter.

Und dann?

Einfach anfangen und nie denken, es gehe

nicht. Es ist ein Unterschied, ob jemand

Lieder begleiten, klassische Stücke oder den

Blues spielen will, oder ob er sich einfach für

die Technik des Instruments interessiert.

Haben Sie auf diese Weise beispielsweise

gelernt, Saxophon zu spielen?

Das war ein anderer Zugang. Wir lebten noch

im Turbinenhaus in der Lochmühle. Die Turbine

im Keller lief geräuschvoll und störte

mich zuweilen. Irgendwann stellte ich mich

neben die Turbine und sagte: Ich kann auch

laut sein! So laut ich konnte, spielte ich das

Saxophon. So habe ich es gelernt.

Ein etwas ungewöhnlicher Umgang mit

Dingen, die nerven...

Wenn Dich etwas nervt, nimm diese Energie

auf und setze sie kreativ um. Alles ist Energie;

es kommt darauf an, wie man damit umgeht.

Wie viele Instrumente spielen Sie?

Lassen sie mich aufzählen: Gitarre, verschiedene

Blockflöten, Querflöte, Indianerflöte,

8 s’Positive 2 / 2018


ZU VERMIETEN

(ganz oder teilweise)

• Produktionsräume/Büroräume/

Lagerräume

• Totale Nutzfläche 5000 m 2

• 2 Anpass-Rampen

• 43 Parkplätze

• Autobahnanschluss A1 Niederbipp

• Nahe Bahnhof Bannwil

Niederbipp

A1

Kanton Bern

5 Minuten

mit dem Auto

von der A1

entfernt.

Bannwil

Kanton Solothurn

Aare

MB Immobilien AG

Bahnhofstrasse 1 I 4914 Roggwil

www.mb-immo.ch

Tel. 079 431 56 42


REGULA FARNER

«Ich war mit den

Kindern zu Hause,

als das Hochwasser

kam. Wir mussten

durch den Garten

fliehen.»

Saxophon, Geige, ein wenig Klavier, Rasseln,

Trommeln und singen. Ich versuche eigentlich

mit allem zu spielen, was gerade zur

Verfügung steht.

Zu Ihren Auftritten nehmen Sie alle

Instru mente mit?

Ja, am liebsten nehme ich alle mit. Wenn ich

etwa in einer Galerie spiele, weiss ich nicht

im Voraus, wie die Kunstwerke sind und wie

die Stimmung ist. Ich versuche dann, mit

dem passenden Instrument das, was im

Raum ist, als Klang auszudrücken.

Sie produzierten vor einigen Jahren den

Tonträger «Eisvogel flieg».

Es ist eine CD mit selbst geschriebenen und

vertonten Liedern. Ich genoss eine klassische

Gitarren-Ausbildung und spielte mit vielen

guten Leuten. Später sang ich mit unseren

Kindern eigene Lieder. Als ich 40 Jahre alt

wurde, hatte ich das Bedürfnis, diese Lieder,

die so über alle die Jahre entstanden sind,

aufzunehmen. Ein Kollege hatte gerade ein

Studio eingerichtet und so nahm ich mit ihm

zusammen während anderthalb Jahren verschiedene

Lieder auf. Besonders berührend

war für mich dabei, dass Menel und viele

Freunde mitspielten und so meine Lieder

ganz neu interpretierten.

Weshalb der Name «Eisvogel flieg»?

Weil damals in der Lochmühle oft ein Eisvogel

vor unserem Fenster sass. Als ich einmal

mit der CD-Produktionsfirma telefonierte,

schaute er zum Fenster herein. Das war

der Impuls für diesen Namen. Es ist vielleicht

ein Zufall, dass Pro Natura 2006 den Eisvogel

als Tier des Jahres deklarierte.

Was dem Verkauf geholfen hat?

Das weiss ich nicht. Die Hälfte der produzierten

CDs haben wir verkauft oder verschenkt.

Die andere Hälfte hat das Hochwasser

mitgenommen.

Dieses Hochwasser 2007 hatte auf Ihr Leben

eine einschneidende Wirkung.

Unsere Familie hatte Glück im Unglück: Viele

Menschen aus Huttwil und der ganzen

Schweiz haben uns geholfen. Ich sagte jeweils:

Es sind Engel mit Gummistiefeln,

Handschuhen und Schaufeln gekommen.

Diese Solidarität hat uns getragen, sie bleibt

uns in leuchtender Erinnerung. Für diese

Hilfe danken wir allen von Herzen!

Wie erlebten Sie dieses Hochwasser?

Ich war mit unseren Kindern alleine zu

Hause, als das Hochwasser kam. Wir

mussten durch den Garten und über

den Zaun fliehen. Als wir oben am

Hang standen und hinunterschauten,

dachte ich: Solche Fluten gibt es sonst

in Bangladesch oder anderswo. Nun passiert

es bei uns und wir müssen es nehmen,

wie es ist. Zwar hatten wir versucht, noch

zu retten, was zu retten war. Möglichst viele

von Menels Werken hatten wir in die oberen

Stockwerke getragen. Aber die Flut liess

uns zu wenig Zeit. Bei den Aufräumarbeiten

sassen wir mit den Leuten, die uns halfen,

jeden Abend zusammen und alle konnten

erzählen, was sie an diesem Tag erlebt hatten.

So konnte die Schockverarbeitung gleich

beginnen. Die Traurigkeit blieb zwar bestehen,

aber sie war besser zu ertragen. Die

Arbeit von Jahren ging verloren. Viele Künstlerfreunde

halfen uns, Gemälde zu retten.

Drei Jahre später verlor Menel durch einen

Brand die andere Hälfte seines Werks. Es

Regula Farner vor

dem Bild eines

Eisvogels, das

ihr Mann Menel

gemalt hat.

blieben nur noch die Bilder, die sich gerade

an Ausstellungen befanden.

Wie kamen Sie über diese Verluste hinweg?

Wir waren geschockt und traurig, aber auch

gefordert. Menel verlor fast alle Bilder, die

während Jahrzehnten entstanden waren. Es

war auch so etwas wie der Verlust seines

gemalten Lebens-Tagebuches. Noch heute

gibt es Situationen, da wird uns wieder bewusst:

Dieses oder jenes Bild gibt es nicht

mehr. Aber Menel malt neue Gemälde. Ich

kenne niemanden, der eine so grosse Schaffenskraft

hat wie er.

Aber jetzt ist es gut oben auf dem Rohrbachberg.

Ja, hier haben wir eine wunderbare Lebensqualität.

Wir leben und arbeiten hier und es

passt.

Sie brauchen im Luftschloss keine Luxusgüter

zur Ablenkung.

Nein.

Auch keinen Fernseher?

Wenn wir Fernsicht brauchen, gehen wir

nach draussen und schauen über’s Tal in die

Berge. Das ist Luftschloss-Fernsehen : Wind,

Weite und Visionen.

10 s’Positive 2 / 2018


Ob Eiswürfel oder

Badelatschen –

Ihre Werbung

in s’Positive

mit 100 %

WIRkung

s’Positive AG | St. Urbanstrasse 31 | 4914 Roggwil | Telefon: 062 929 24 25 | E-Mail: inserate@spositive.ch | www.spositive.ch


WISSEN

Auf diesen

Strassen

fahren wir morgen

2016 wurden auf den Schweizer Nationalstrassen

24 066 Staustunden registriert – das ist eine

Verdoppelung im Vergleich zu 2009. Doch Rettung

naht: Die Strassen werden intelligent.

TEXT: BRUNO WÜTHRICH

Stellen Sie sich vor, es regnet in Strömen

oder es schneit, was runter

mag, und Sie sind mit Ihrem Wagen

unterwegs. Was wäre, wenn es technische

Systeme gäbe, die auf das

Wetter reagieren und sich ihm sofort anpassen

würden? Gefriert das Wasser, könnte

zum Beispiel zuvor gespeicherte Wärme die

Strassenoberfläche enteisen. Sensoren würden

dies regeln. Den Strom hätte die Strasse

zuvor selbst erzeugt. Dank der Solarzellen

im Strassenbelag. Ein Traum? Science-Fiction?

Nein, keineswegs! Ein Teil dieser Träume

ist heute bereits realisiert, wenn auch

noch nicht vor unserer Haustür. Und in Zukunft

wird noch viel mehr möglich sein.

Experten von mehr als 30 europäischen

Strassenforschungs-Instituten haben in einer

Studie skizziert, wie die Verkehrswege der

Zukunft aussehen sollen. Das Ergebnis ist die

«Forever Open Road», eine Strasse, die sich

extremen Witterungsbedingungen anpassen

kann, die mit sauberer Energie arbeitet und

Technologie nutzt, um mit Fahrern und

Stras senbetreibern zu kommunizieren.

Künftig sollen Strassen völlig anders entworfen

und betrieben werden.

Foto: shutterstock.com/JaySi

12 s’Positive 2 / 2018


Digitale

Stauprävention:

Fliessen viele

Informationen,

fliesst auch der

Verkehr besser.

Aus der Theorie soll nun Wirklichkeit werden.

In verschiedenen europäischen Laboren

entstehen derzeit modulare Einheiten, die

nach dem Prinzip des Baukastensystems in

den Asphalt eingesetzt werden sollen. Die

ersten Anwendungen sollen ungefähr im

Jahr 2025 zu erwarten sein.

Bereits heute im Einsatz sind Sensoren,

die den Betreibern übermitteln, wie es den

Fahrbahnen geht. Sie sind in die unterschiedlichen

Strassenschichten eingebettet, wo sie

Temperatur, Belastung, Feuchtigkeit und

Wasserstand messen, und dabei reparaturbedürftige

Stellen erkennen. Ein Erfassungssystem

am Fahrbahnrand leitet die Informationen

digital an die Wartungsstellen weiter.

Eine so ausgerüstete Strasse kann also jederzeit

Daten liefern.

Heutiger Standard ist jedoch, dass Messfahrzeuge

ungefähr alle zwei Jahre registrieren,

wie es den Strassen geht. Doch diese Daten

genügen nicht, um sichere Prognosen zu

stellen. Die Strassenoberfläche wird zwar

mithilfe von Lasern und hochauflösenden

Kameras gescannt, aber eben nur von oben.

Mit der neuen, in die Fahrbahnschichten

eingebauten Technologie lässt sich auch

s’Positive 2 / 2018 13


WISSEN

Die erste Solarstrasse der Welt ist 1 Kilometer

lang und befindet sich in der Normandie (F).

unter die Oberfläche schauen. Wenn es in

Zukunft beim Fahren holpert, kennen Baufirmen

schon längst den Grund dafür. So

können sie den Riss im Asphalt beheben,

bevor ein grossflächiger Schaden entsteht.

So lässt es sich enorm Kosten sparen.

HOLLAND MACHTS VOR

Strassen können mehr sein als ein Untergrund.

Dies haben Entwickler aus den Niederlanden

gezeigt. Seit etwas mehr als zwei

Jahren gibt es dort einen Radweg, der Strom

produziert. Seine Oberfläche funktioniert

wie ein grosses Solarpanel, das aus einzelnen

Modulen besteht. Eine transparente

Schutzschicht deckt die zerbrechlichen Solarzellen

ab. Die so gewonnene elektrische

Energie landet direkt in den Steckdosen der

Anwohner, denn die Einheiten sind an das

öffentliche Stromnetz angeschlossen. Im

ersten Betriebsjahr lieferte die «SolaRoad»

auf einer 70 Meter langen Strecke 9800 kWh

Energie. Dies reicht aus, um drei niederländische

Haushalte zu versorgen.

ZUSATZINFOS

33 Stunden im Stau pro Jahr

Schweizer Autofahrer haben

2015 gemäss einer

Studie im Schnitt mehr

als dreissig Stunden in

Staus verschwendet.

Damit belegte die

Schweiz europaweit den

5. Platz. An der Spitze der

unrühmlichen Statistik

steht Belgien mit durchschnittlich

44 Staustunden.

Dahinter klassierten

sich auf der Rangliste des

Verkehrsdatenanbieters

Inrix die Niederlande (39),

Deutschland (38) und

Luxemburg (33).

«Stauhauptstadt» London

Anders als in den meisten

der 13 analysierten europäischen

Ländern nahmen

die Stauzeiten hierzulande

zu. Die Schweiz rückte damit

auf der «Trafic Scorecard»

um einen Rang in

die Top 5 des Jahres 2015

vor. Dort liegt sie gleichauf

mit Grossbritannien.

«Stauhauptstadt» Europas

ist London. Autofahrer

mussten sich dort 2015

während 101 Stunden gedulden.

Mit 73 Staustunden

folgt Stuttgart, die

Um die Abgase zu

reduzieren, hat «Eurovia»

einen Strassenbelag

entwickelt,

der Stickstoffoxide

neutralisiert.

Nach demselben Prinzip funktioniert die erste

Solarstrasse der Welt. Die als Teststrecke

konzipierte Strasse befindet sich bei Tourouvre

au Perche in der französischen Normandie.

Auf einem 1000 Meter langen Abschnitt

bedeckt der Strassenbelag «Wattway» etwa

2800 Quadratmeter Fläche. Dies reicht aus,

um einen Ort mit ca. 5000 Einwohnern zu

beleuchten. Noch einen Schritt weiter wollen

die Macher der «Forever Open Road» gehen.

Heimat von Porsche und

Daimler.

In der Schweiz schaffte es

von den vier untersuchten

Ballungsräumen (Basel,

Genf, Lugano, Zürich) keiner

in die Top 15 der verkehrsreichsten

Metropolregionen.

Inrix verglich nach eigenen

Angaben die Verkehrsgeschwindigkeiten

in

96 Städten Europas auf

insgesamt einer Million

Strassenkilometern, und

zwar innerorts und auf

Autobahnen.

Der von dieser Strasse generierte Strom soll

Elektrofahrzeuge während der Fahrt aufladen,

so die Vision. Ermöglichen soll dies ein

Strassenbelag, der die Energie auf das Fahrzeug

überträgt. Wie dies in Zukunft funktionieren

könnte, demonstriert der Bahnhersteller

Bombardier. Er hat Ladestationen entwickelt,

an denen elektrische Fahrzeuge ihre

Batterien induktiv aufladen können. Induktiv

bedeutet kontaktlos. Kabel werden keine benötigt.

Ein unterirdisch verlegter Sender erzeugt

Schwingungen. Diese lassen ein elektromagnetisches

Feld entstehen, auf das eine

Aufnahmespule an der Unterseite des Fahrzeuges

reagiert. Über die Verbindung gelangt

der Strom in den Akku. Diese Technik wird

zum Beispiel in Mannheim (DE) bereits genutzt.

Zwei Fahrzeuge der Linie 63 transportieren

dort seit Mai 2015 Passagiere abgasfrei

und ausschliesslich mit Induktionsstrom.

FAHRBAHNEN REINIGEN DIE LUFT

Stickstoffoxide tragen zur Bildung von Feinstaub

bei und belasten damit die Atemwege.

Um bis zum endgültigen Umstieg aller Verkehrsmittel

auf Elektroantrieb einen Teil der

Abgase zu reduzieren, hat «Eurovia» einen

Strassenbelag entwickelt, der Stickstoffoxide

neutralisiert. Der innovative Belag enthält

den Katalysator Titandioxid. Treffen Sonnenstrahlen

auf die Strassenoberfläche, aktiviert

das Titandioxid den Sauerstoff in der

Umgebungsluft. Damit reagieren wiederum

die die Stickstoffoxide, so dass ungiftiges

Nitrat entsteht.

In Kiel (DE) findet die Deckschicht bereits

Anwendung. Der Hersteller garantiert, in

einer Stunde mindestens vier Milligramm

Stickstoffoxide pro Quadratmeter umzuwandeln.

Die Welt wird damit zwar nicht gerettet,

doch in Kiel fiel die Belastung an den betroffenen

Strassen unter den kritischen Wert.

In Ballungszentren ist der Strassenverkehr

eine der Hauptursachen für Stickstoffoxide.

In die Höhe schnellen die Werte vor allem

Fotos: Wikipedia/Bombardier

14 s’Positive 2 / 2018


dann, wenn der Verkehr stockt. Staus schaden

aber nicht nur der Umwelt, sie sind auch

teuer. 1,6 Milliarden Franken kosten sie die

schweizerische Volkswirtschaft pro Jahr. Die

Kosten entstehen vor allem durch Zeitverlust,

aber auch durch zusätzlich verbrauchten

Treibstoff sowie durch die entstehenden Umweltschäden

und Unfallfolgen, wie die Bundesämter

für Raumentwicklung (ARE) und

für Strassen (ASTRA) berechneten.

E-Busse der LInie

63 in Mannheim

beziehen den

Strom direkt von

der Strasse.

PERSONALISIERTE INFORMATION

Kosten reduzieren und Zeit sparen soll die

«Forever Open Road», indem sie mit Auto

und Fahrer kommuniziert. Dabei soll die

Strasse Daten von Fahrzeugen und Smartphones

sammeln und daraus wiederum Verkehrsinformationen

liefern, um die Fahrzeuge

automatisch zu navigieren. Jedes Auto

funktioniert dabei wie ein Messfahrzeug, das

den Zustand der Strasse in Echtzeit an ein

Kommandosystem übermittelt, das die Informationen

von Auto, Strasse und Fahrer bündelt.

Die Fahrer, die – um ihre Route personalisieren

zu lassen – das Ziel ihrer Reise

sowie spezielle Wünsche bereits zuvor eingegeben

haben, erhalten alle wichtigen Hinweise

auf ihr Smartphone.

Mit all diesen Informationen kann das

System zum Beispiel Staus vorbeugen und

Unfälle vermeiden. Registriert es ein erhöhtes

Verkehrsaufkommen, leitet es die Fahrer

um und passt die Geschwindigkeit an. Der

Vorteil gegenüber herkömmlichen Navigationssystemen:

Die smarten Strassen wissen

nicht nur, wo sich ein Auto befindet, sondern

auch, wohin und wie schnell die anderen

Fahrzeuge unterwegs sind. Melden die Sensoren

eines Fahrzeuges einen Strassenschaden,

erfahren es auch die anderen sofort.

Die europäischen Strassenforschungs-

Institute arbeiten in ihren Laboren mit Hochdruck

daran, all diese Ideen möglichst bald

Wirklichkeit werden zu lassen. Die Strasse

der Zukunft soll ein hochmodernes Kommunikationssystem

werden, das mit sauberer,

selbst erzeugter Energie läuft. Dabei ist es

nur ein Teil der Vision, den Menschen möglichst

schnell an sein Ziel zu bringen.

Zeit für einen starken Rücken! Wir biegen Sie wieder gerade.

Rückentherapiecenter / Rückentraining / Physiotherapie / Koordination / Beweglichkeit / Massage

9 Jahre max Fitnesscenter

99 Tage Fitness, Wellness und

Gesundheit für 3 x 99.-

Ihre Vorteile:

- 2 begleitete Einführungstrainings

- Gesundheitscheck, Rückencheck

- 3 Monate Fitness- und Gesundheitstraining

- Besuch der Kurse Ihrer Wahl

- 3 Monate Saunalandschaft

- Abschlusscheck und -analyse

Einziges ***** Sterne-Fitnesscenter der Region

Wohlbefinden Gesundheit Fitness Mobil Dampfbad Aktivität

Lebensqualität Schmerzfrei Vitalität Junggeblieben Atmosphäre Spinning

Entspannung Familiär Kraft Massage Sauberkeit so angenehm

anders Betreuung Beweglichkeit Fit im Alter Rückentraining

Vertrauen Qualität Ausdauer Lebensfreude Physiotherapie

Ehrlichkeit Gewichtskontrolle Fun Koordination Sauna Freundlichkeit

Yoga Krankenkassenanerkannt Fitnesscenter des Jahres

100% WIR

Gemeinsamkeit Vorbeugen Aussenbereich Spass Lebenslust Wellness

Motivation Persönlich Ganzheitlich Gemütlichkeit Zuverlässigkeit

Erfolg Sicherheit gesundheitsorientiertes

Fitnesstraining Selbstwert Erholung

Ihr Fitness-, Gesundheits- und Wellnesscenter

MTT

in Langenthal

Individualität Rehibilitation Pilates Freunde

Infos unter www.maxfit.ch

s’Positive 2 / 2018 15


WUSSTEN SIE SCHON

DAS GROSSE RÄTSEL IM SUPERMARKT:

Welches ist die schnellste Schlange?

1

Geht es Ihnen auch zuweilen so: Im Supermarkt

stehen wir bestimmt immer in der

langsamsten Kassenschlange. Doch s’Positive

schafft jetzt Abhilfe. Zumindest teilweise.

Denn in New York, wo alles immer sehr

schnell gehen muss, hat die «New York

Times» Marktforscher und Statistiker nach

Möglichkeiten gefragt, wie wir schneller

durchs Ziel laufen können. Hier die Erkenntnisse:

Stellen Sie sich lieber hinter zwei volle

Wagen als hinter mehrere Kunden mit nur

wenigen Artikeln. Die meiste Zeit frisst nämlich

das Hallosagen, Bezahlen, sich verabschieden.

Das Scannen dauert dagegen viel

weniger lang. Von neun Arbeitsstunden eines

Kassierers entfallen auf das Scannen nur

etwa dreieinhalb Stunden. Peilen Sie die

Lage. Ältere Kunden zahlen gern bar und

kramen lange nach dem Kleingeld. Paare

können zu zweit schneller einpacken. Stellen

Sie sich bei Kassiererinnen an die Kasse.

Denn sie sind schneller als ihre männlichen

Kollegen.

RÄTSELHAFTER HAUFEN:

Was steckt in einem Ameisenhaufen?

Gehören Sie auch zu jenen Menschen, die

an einem Ameisenhaufen nichts Organisatorisches

erkennen können? Keine Bange:

Sie gehören einer grossen Mehrheit an. Doch

Zeichentrickfilme, die Ameisenhaufen als

Anlagen mit grossen, durch Tunnel verbundenen

Sälen darstellen, kommen der Wirklichkeit

sehr nahe. Ein Bau besteht tatsächlich

aus vielen Räumen und Kammern. Alle

haben verschiedene Aufgaben. Einer ist für

die Königin reserviert, einer dient als Speisekammer,

einer als Brutkammer, wo die

Eier aufbewahrt werden. Oft gibt es auch

«Gärten», in denen Pilze gezüchtet werden.

Die Eingänge zu den Korridoren werden von

«Soldaten» bewacht. Sie werden bei Kälte

geschlossen und im Sommer geöffnet, um

die Lüftung des Baus zu sichern. Die unterirdischen

Anlagen können enorme Dimensionen

aufweisen. Sie reichen oft mehr als fünf

Meter in die Tiefe. Als Forscher einmal Rauch

in eine der Gänge leiteten, sahen sie ihn in

70 Metern Entfernung wieder aufsteigen.

Solche gewaltigen Kolonien haben mehrere

Königinnen, die pro Tag bis zu 1000 Eier

legen.

2

Fotos: shutterstock.com/fizkes, Andrey Burkov, I. Rottlaender

16 s’Positive 2 / 2018


WUSSTEN

SIE SCHON?

3

FUNKTIONIERT DAS?

Aggressionsabbau mit Wut-Yoga

Haben Sie Yoga schon mal mit Bier und Heavy Metal in Verbindung

gebracht? Wohl eher nicht. Normalerweise sind Sie mit Wasser und

harmonisierenden Klängen näher dran. Doch Wut-Yoga stellt so ziemlich

alles auf den Kopf, was die übliche Yoga-Welt bisher auszeichnete.

Immerhin bleiben die Übungen (Asanas) gleich. Aber statt Ruhe

herrscht eine aggressive Stimmung. Es wird gepöbelt, Dampf abgelassen

und auch mal der Stinkefinger gezeigt. Die Idee stammt von der

Kanadierin Lindsay Istace, und sie nannte es Rage-Yoga. «Es ist wie

normales Yoga und es gibt keine neuen Übungen. Wir wollen einfach

nur den Emotionen freien Lauf lassen und Menschen ermutigen, sich

ihre Spannungen vom Leib zu fluchen, während sich Yoga machen.

Lindsay Istace, ausgebildete Akrobatin in Calagary erlebte die herkömmlichen

Yogastunden als zu ernst, einschüchternd und emotionslos

und setzte kurzerhand ihr eigenes Konzept dagegen. Passend zu

ihrem unorthodoxen Vorgehen finden ihre Kurse derzeit im Hinterzimmer

einer Kneipe statt. Im Anschluss an das Training können die

Yogaschüler im «Dickens Pub» bei Bier und Burgern gemeinsam den

Kurs ausklingen lassen. Das Konzept zieht. Die Kurse sind kompeltt

ausgebucht. Yoga-Anfänger, Yoga-Lehrer, Studenten, Hausfrauen,

Businessmänner und -frauen: Die Klientel ist bunt und über 18 Jahre

alt (erst ab diesem Alter dürfen in Kanada Kneipen betreten werden).

Istaces Yoga-Kurse gibt es inzwischen auch im Netz.

s’Positive 2 / 2018 17


HISTORY

Mord und

«Männerliebe»

in Langenthal

Der Oberaargau war nie eine heile Welt. In Langenthal

kommt es im September 1817 zu einem der

spektakulärsten Mordfälle des 19. Jahrhunderts.

Es geht um Masslosigkeit, Prominenz, Betrug

und Homosexualität. Am Ende steht ein Todesurteil.

Fotos: Marcel Bieri, anagoria

18 s’Positive 2 / 2018


Die Leiche des Mörders Franz Desgouttes wurde aufs

Rad geflochten.

Jahre 2001 hat der Historiker Pirmin Meier die ganze

Geschichte im historischen Report «Mord, Philosophie

und die Liebe der Männer» auf 347 Seiten noch einmal

dokumentiert.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Im Bären in

Langenthal fand

die Bluttat 1817

statt.

Die Entwicklung hin zu einer humaneren

Gesellschaft können wir am ehesten an den

Sitten und Bräuchen der Justiz erkennen.

Das grausige, heute gänzlich unvorstellbare

Geschehen fand vor 200 Jahren vor unserer

Haustüre statt.

Die öffentliche Hinrichtung des Langenthaler Anwaltes

Johann Franz Nikolaus (genannt Franz) Desgouttes

wird am Dienstag, 30. September 1817, «auf dem Markt

zu Aarwangen» vollzogen. Zuerst wird er erdrosselt, danach

gerädert. Sein Körper bleibt bis am Abend auf dem

Rad ausgestellt, und wird – so lautete das Urteil des Berner

Oberappellationsgerichts – «dann aber abgenommen

und nach dem Schindanger geschleift».

Dieser Kriminalfall ist ausserordentlich gut dokumentiert.

Franz Desgouttes führte nicht nur Tagebuch. Vor

seiner Hinrichtung schrieb er auch seine Memoiren im

Gefängnis noch zu Ende. Der Fall wird zudem in zwei

Büchern aufgearbeitet. Heinrich Hössli (1784–1864)

verfasst 1836 das Werk «Eros oder die Männerliebe der

Griechen». Das Buch wird umgehend verboten und jahrelang

unterdrückt. Es ist eine der weltweit ersten Abhandlungen

über die Homosexualität (Männerliebe). Im

Einerseits der brillante Doktor

der Rechte, andererseits der

dem Alkohol und Drogen verfallene

Verbrecher.

DAS DOPPELLEBEN DES ADVOKATEN

Der Advokat Franz Desgouttes (1765 – 1817) führte ein

Doppelleben in der Art von Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Einerseits der ehrbare, brillante Doktor der Rechte aus

bestem Hause, der 1816 fast Staatsanwalt geworden wäre.

Andererseits der dem Alkohol und sexuell aufpeitschenden

Drogen verfallene, mehr und mehr keine Grenzen

kennende Verbrecher. Bevor er – als einer der letzten

Geräderten Europas – für den Mord an seinem Schreibstuben-Gehilfen

öffentlich hingerichtet wird, hält er vom

Blutgerüst herab noch eine flammende Rede an die gaffende

Menge.

Der Fall ist gut dokumentiert. Tatort ist der «Bären»

zu Langenthal. Dem Wirtshaus, in dem heute traditionell

die Langenthaler Fasnacht eröffnet wird. Die Tat wird in

den frühen Morgenstunden des 29. Juli 1817 begangen.

An einem Langenthaler Marktdienstag. «In ebenso rasenden

als sich widersprechenden Empfindungen ergriff

ich ein Messer […] und mit einer cannibalischen Wildheit

begab ich mich zu dem Unglücklichen, welcher sanft

schlief; ich betastete vorsichtig die Stelle seines Herzens,

und stiess den Mordstahl in seine Brust.» Die Worte eines

Mörders. Festgehalten in den Memoiren, kurz vor seiner

öffentlichen Hinrichtung in Aarwangen verfasst.

s’Positive 2 / 2018 19


HISTORY

Es ist eine Tat, deren wahre Hintergründe lange verschwiegen

werden. Vielleicht, weil in den ganzen Mordfall

auch Prominenz – zwei spätere Regierungsräte – verwickelt

ist: Hans-Ulrich Leibundgut vom Schoren, Lehrling

bei Franz Desgouttes Anwaltskanzlei, und Karl Schnell,

aus Burgdorf, ein Freund und Studienkollege des Mörders.

Der reiche Lebemann Franz

Desgouttes in Langenthal kann

für eine Flasche Wein von jungen

Männern alles bekommen.

Beide haben zwar nichts mit dem Mord zu tun, stehen

aber in einer ganz besonderen Beziehung zum Hingerichteten.

Für die Zeitgenossen ist es ein Raubmord.

EIN EIFERSUCHTSDRAMA UNTER MÄNNERN

Sicher aber werden die dem Gericht bekannten Hintergründe

geheim gehalten, weil der Täter homosexuell ist.

Es ist kein Raubmord. Es ist ein Eifersuchtsdrama unter

Männern. Vor 200 Jahren ein schwerer gesellschaftlicher

Makel. Kommt dazu: Der 32-jährige Advokat, der mitten

in Langenthal mordet, ist nicht irgendwer. Franz Desgouttes

stammt aus den höchsten Kreisen. Er ist Doktor

Juris und ein Bernburger. Hoch begabt, gebildet, belesen

und charismatisch. In Langenthal führt er ein Anwaltsbüro.

Franz Desgouttes hat das Büro von seinem 1816

verstorbenen Vater übernommen, der als Gerichtsschreiber

zu den vermögendsten Bürgern im Dorf gehörte.

Es sind dunkle Zeiten. Im Winter 1816/17, dem Winter

vor dem grausamen Mord, herrscht in der Schweiz eine

grosse Hungersnot. Die Bauern müssen einen bedeutenden

Teil ihres Viehs ins Schlachthaus treiben. Die Qualität

des Fleisches ist schlecht, der Preis tief. Die Not ist

in einzelnen Kantonen so gross, dass sich die Ärmsten

von gesottenem Gras ernähren. Verzweifelte Menschen

aus dem Haslital erhalten die Erlaubnis, in Langenthal

zu musizieren. Was im Klartext heisst: Sie dürfen betteln.

PROFITEUR DER WIRTSCHAFTLICHEN NOT

Angesichts einer solchen Not ist es nicht verwunderlich,

dass der reiche Lebemann Franz Desgouttes in Langenthal

für eine Flasche Wein von jungen Männern alles

bekommen kann. Und in seinem Keller lagern viele Flaschen

Ryffwein des Spitzenjahrgangs 1811. Er schenkt

Wein aus und pflegt, wie er später eingestehen wird, mit

verschiedenen jungen Männern «unzüchtigen» Umgang.

Er tarnt sich oft mit falschen Namen wie Johannes

Madliger, Jakob Kummer oder Jakob Herzig. Ab und zu,

und wenn er genügend berauscht ist, nimmt er auch mit

Frauen vorlieb. So sagt er nach der Tat vor dem Untersuchungsrichter

aus, dass ihm in Langenthal ein Mädchen

bekannt war, das er «beschlafen» konnte. Aber am

liebsten treibt er es mit einem Mann, der einen Knaben

spielt. Die verbotene Knabenliebe hat er wohl im Pfarrhaus

Lützelflüh während eines Aufenthalt beim Vorgänger

von Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf) entdeckt. Dort

liest er nach eigenen Angaben nicht nur religiöse Schriften,

sondern auch Romane und ergötzt sich bei der Beschreibung

einschlägiger Sünden. Hier kommt er auch

mit dem gleichen Geschlecht in Kontakt. «In Lützelflüh

anno 1801 habe ich einen kleinen Knaben zu verschiedenen

Mahlen missbraucht; derselbe ist aber längst, und

nicht von daher, verstorben.»

ZUSATZINFOS

Die letzte Hinrichtung in unserem Land

Am 4. Oktober 1851 wird Johann

Hünig in Aarwangen wegen

Meuchelmordes hingerichtet.

Es ist das letzte Todesurteil

im Oberaargau. Zehn Jahre

später kommt es am 9. Dezember

1861 in Bern zur letzten

Hinrichtung im Kanton. Der

Mörder Johann Kläntschi wird

enthauptet. Aber es ist noch

lange nicht das Ende der Todesstrafe

in der Schweiz.

1874 wird mit der revidierten

Bundesverfassung die Todesstrafe

für das ganze Gebiet der

Eidgenossenschaft zwar verboten.

Aber bereits 1879 wird

den Kantonen bewilligt, auf ihrem

Gebiet die Todesstrafe

wiedereinzuführen. Mit der

Einschränkung, sie nicht gegen

Jugendliche und schwangere

Frauen anzuwenden. Luzern,

Uri, Schwyz, Freiburg, Schaffhausen,

Appenzell i.R, St. Gallen

und Wallis nahmen die Todesstrafe

wieder ins Gesetz

auf. Bis zum endgültigen Verbot

im Jahre 1940 kommt es

während 60 Jahren noch zu

neun Hinrichtungen. Die allerletzte

wird am 18. Oktober

1940 in Sarnen vollzogen. Der

geständige Mörder Hans

Vollenweider wird mit der

Guillotine enthauptet. Sein

Pech: am 3. Juli 1938 hatten

die Schweizer Stimmbürger

mit 54 Prozent Mehrheit für

die Abschaffung der Todesstrafe

in Friedenszeiten votiert.

Aber das Gesetz trat erst am 1.

Januar 1942 in Kraft. Über das

Drama um die letzte Hinrichtung

in der Schweiz hat Carlo

von Ah ein Buch verfasst («Der

letzte Schnitt»). Seit 1992 ist

in der Schweiz die Todesstrafe

auch in Kriegszeiten abgeschafft.

Der Mörder

Hans Vollenweider

wurde

1940 in Sarnen

hingerichtet.

20 s’Positive 2 / 2018


Bahnhofstrasse 34

4950 Huttwil

Telefon 062 959 80 50

info@schaerhuttwil.ch

www.schaerhuttwil.ch

Jetzt ist Zeit für...

Hecken- und Gehölzschnitt

Gartenumänderungen

Allgemeine Gartenpflege

Bäume und Sträucher schneiden

bolliger-garten@bluewin.ch

Bolliger Gärten

079 604 35 40

100% WIR

www.gaertnerei-ambach.ch

Pneus sind unser Business

PWs / Offroader / Lieferwagen / Lastwagen / Motorräder.

Wir sorgen dafür, dass Sie sicher und sauber durchs ganze Jahr fahren.

• Radeinlagerung à CHF 10.–

• Montage + Auswuchten à CHF 25.–

• Altpneuentsorgung à CHF 5.–

Verlangen Sie

unverbindlich eine Offerte:

pneu@boesiger-langenthal.ch

Tel. 062 919 01 01

Fax 062 919 01 00

100% WIR


HISTORY

Die Ausbildung führt ihn nicht nur nach Lützelflüh, sondern

auch nach Thun, Zofingen, Aarau und Lausanne.

Mehr als einmal wird er bei Diebstählen erwischt. Trotzdem

finanziert ihm der Vater schliesslich ein Studium

der Juristerei an der berühmten Universität Tübingen,

wo der spätere Mörder 1806 seine Dissertation schreibt.

Hier leistet er sich einen teuren Lebenswandel. Eine unglückliche

Liebschaft – er betet ausnahmsweise eine

junge Frau an – und Betrügereien zwingen ihn jedoch,

Tübingen fluchtartig zu verlassen. Er wohnt vorerst bei

seinem reichen Onkel Isaak in Bern. Erst 1809 kehrt er

zu seinen Eltern nach Langenthal zurück und arbeitet

nun in der Anwaltskanzlei seines Vaters.

DAS UNERBITTLICH EHRLICHE TAGEBUCH

Die Art und Weise, wie der Advokat ab 1809 denkt und

arbeitet, beschreibt er in seiner vor der Hinrichtung verfassten

Lebensgeschichte mit unerbittlicher Ehrlichkeit

so: «Die Jugend verführen, falsche Unterschriften machen,

die ungerechtesten und anstössigsten Prozesse

suchen, skrupellos gemeine Geschäfte betreiben, die jeder

anständige Anwalt ablehnen würde, das war mir Spielerei.»

Und das im beschaulichen Langenthal.

Dr. jur. Franz Desgouttes gilt zwar als brillanter Anwalt,

taugt aber mit seinem verschwenderischen, ungezügelten

Lebenswandel nicht zum Geschäftsmann. Um

den drohenden Konkurs abzuwenden, muss er im Sommer

1817 das Haus seines Vaters verkaufen.

Neben der «Lebens- und Bekehrungsgeschichte des

Doktors der Rechte F. D.» – so nennt er seine im Angesicht

des Todes im Gefängnis verfasste Autobiographie – bleibt

Langenthal:

vor 200 Jahren

Schauplatz eines

schaurigen

Mordes.

auch das Tagebuch des «am 30. September 1817 zu Aarwangen

im Kanton Bern hingerichteten Diebes und Mörders»

erhalten. Darin hat Franz Desgouttes fast bis zum

Schluss aufgeschrieben, was er tat, was ihn bewegte, was

er fühlte. So vertraut er im Frühling 1817 seinem Tagebuch

an, man dränge ihn von allen Seiten, endlich zu

heiraten: «Damit meine Umgebungen fröhlich sein und

Immer unerträglicher wird ihm

der Gedanke, seine Schreibstuben-

Hilfe könnte ihn verlassen. Es

endet im Mord aus Eifersucht.

lustig und bequem leben können, soll ich elend sein.»

Nein, sein Herz schlägt wirklich nicht für Frauen. Der

Langenthaler Rechtsgelehrte lebt nur noch für seinen

Angestellten, den 22jährigen Daniel Hemmeler. Eine

Liebe, die aber unerwidert bleibt. Denn der aus ärmlichen

Verhältnissen stammende Mitarbeiter geht lieber

zu Viktoria Dennler, der Tochter des legendären Landarztes

Andreas Dennler.

Immer unerträglicher wird Franz Desgouttes der

Gedanke, seine Schreibstuben-Hilfe könnte ihn verlassen.

Am Mittwoch, 16. Juli 1817 zügelt die verschuldete

Kanzlei Desgouttes in den – 1929 abgerissenen –

«Bären»-Stock. In der Nacht nach der «Husröiki» (der

Einweihungsparty) von Freitag, 18. Juli auf Samstag,

19. Juli 1817, vergeht sich Franz Desgouttes ein weiteres

Mal an «seinem» Daniel Hemmeler, den er mit Alkohol

und Opiaten betäubt hat. Doch das reicht ihm nicht.

Laut seinem Geständnis missbraucht er in der gleichen

Nacht auch noch seinen total alkoholisierten und sich

im Tiefschlaf befindenden Lehrbuben Hans-Ulrich Leibundgut

aus Schoren, den späteren Berner Regierungsrat.

«Er lag zufälligerweise in meinem Bett […] Leib

und Gut schlief hart, und ich glaube nicht, dass er wach

geworden darob.»

DIE HALBHERZIGE FLUCHT

Zehn Tage später, am Dienstag, 29. Juli 1817, tötet Franz

Desgouttes schliesslich Daniel Hemmeler im «Bären»

mit drei Messerstichen seines Militärsackmessers. «In

ebenso rasenden als sich widersprechenden Empfindungen

ergriff ich ein Messer […] und mit einer cannibalischen

Wildheit begab ich mich zu dem Unglücklichen,

welcher sanft schlief; ich betastete vorsichtig die Stelle

seines Herzens, und stiess den Mordstahl in seine Brust.

Der Unglückliche stiess ein Geschrei aus; ich bedeckte

ihm den Mund mit einem Schnupftuch; er warf einen

schmerzlichen Blick auf mich, dessen Andenken nicht

von mir weicht, und verschied. Ich war mit Blut befleckt;

dieser Anblick brachte mich so ausser mich vor Wuth,

dass ich mein Messer hinwarf, und indem ich meine

bluttriefenden Hände wusch, zu dem Leichnam trat, den

ich beschimpfte und mit einer beispiellosen Rohheit

misshandelte. Nach und nach kam ich zu mir, und

Schmerz ergriff mich. Ich drückte ihm die Augen zu,

Foto: Marcel Bieri

22 s’Positive 2 / 2018


Umfrage

zum neuen Papier

Liebe Leserin, lieber Leser

Sie halten die dritte Ausgabe

von s‘Positive in der Hand,

welche auf neuem Papier

erscheint.

Wie gefällt es Ihnen?

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit

per Mail:

info@spositive.ch

per Telefon: 062 929 24 25

Wir suchen per sofort oder nach Vereinbarung

Betriebsmechaniker/Mitarbeiter Bowling 100%

Aufgabenbereich:

Reparatur und Bedienung Bowlingbahnen

Abrechnung Bowlingspiele

Gästeempfang und -betreuung

Mithilfe bei Getränke- und Snackservice

Anforderung:

Sie sind eine technisch versierte Person mit Freude am

Gästekontakt.

Arbeitstage von Mittwoch bis Sonntag, Arbeitszeiten

Nachmittag bis Betriebsschluss (regelmässige Nachtarbeit).

per Post:

s‘Positive AG

St. Urbanstr. 31

4914 Roggwil

Wir freuen uns auf Ihre schriftliche Bewerbung,

vorzugsweise per Mail:

Bowlingcenter AG Langenthal

Lotzwilstrasse 66

4900 Langenthal

062 919 01 16

events@gastro-elemaent.ch

www.bowling-langenthal.ch

HANGCHA Arbeitsbühnen

7.8 bis 14.0 m Arbeitshöhe, Tragfähigkeit 230 – 450 kg

Arbeitshöhe

Preis

7.8 m CHF 15'500

8.1 m CHF 16'500

10.0 m CHF 18'500

12.0 m CHF 19‘200

14.0 m CHF 20‘800

exkl. MwSt.

30%

WIR

BÄRTSCHIGER AG

ROGGENSTR. 3, 4665 OFTRINGEN

062 794 36 66

OFFIZIELLER

HANGCHA

IMPORTEUR

2

s’Positive

finden Sie

jetzt auch

online:

www.spositive.ch


HISTORY

nahm seine schon erkaltete Hand, und sprach zu ihm

einige Worte, deren ich mich nicht mehr entsinne.»

Der Mörder flieht Richtung Aarwangen. Er verhält

sich völlig unerklärlich. Es scheint, als suche er seine

Verhaftung. Statt so bald als möglich die Kantonsgrenze

zu überqueren, macht er beim Hardhof Halt. Der erste

Mensch, der ihm auf der Flucht begegnet, ist ein etwa

achtjähriges Mädchen. Er spricht es an, schenkt ihm ein

Stück Zucker, geht mit ihm zum Bauernhaus und lässt

sich von der Bäuerin Bier geben. Er bezahlt fürstlich,

verlässt den Hof aber bei der Ankunft des Bauern fluchtartig.

Weiter geht die Flucht nach Mumenthal. Der Alkohol

wirkt, seine Füsse werden langsam schwer. Noch

am gleichen Tag wird der Mörder im Schatten eines

Kirschbaumes liegend aufgegriffen und in die Mörderzelle

des Schlosses Aarwangen geführt. Endlich kann er

beichten. Er erzählt den Verhörrichtern von der Not,

erzählt von seinen seelischen Abgründen.

REUMÜTIGE REDE VOR DER HINRICHTUNG

Am 17. September 1817 wird im Schloss Aarwangen das

Todesurteil gefällt. Doch Franz Desgouttes will bis zu

seiner Hinrichtung seine Memoiren fertig geschrieben

haben. Er zieht deshalb das Urteil weiter und gewinnt

so zehn Tage Lebenszeit. Am 27. September 1817 beschliesst

das Oberappellationsgericht: «Dass der obgenannte

Verbrecher F.D. […], nachdem ihm die zum Heil

seiner Seele dienliche Unterweisung ertheilt worden, auf

dem Markte zu Aarwangen hingerichtet, und zwar zuförderst

bis zum erfolgten Tode erdrosselt, hiernächst

aber gerädert werden, sein Körper bis zum Abend auf

dem Rade ausgestellt bleiben, dann aber abgenommen

und nach dem Schindanger geschleift werden soll.»

Die Hinrichtung findet am 30. September 1817 statt.

Für Franz Desgouttes ist nicht das Galgenfeld vorgesehen,

sondern der Marktplatz bei der Riedgasse, wo die

Postkutschen anhalten, in der Nähe des Tierlihuses.

Doch bevor er getötet wird, hält er eine feurige, reumütige

Rede. Darin dankt er ausdrücklich für das harte

Urteil und warnt die vielen Schaulustigen unter anderem

vor den Gefahren des Romanlesens. Franz Desgouttes

ist der zweitletzte Schweizer, der gerädert wird. Als

letzter Eidgenosse wird der Schneidergeselle Niklaus

Glauser am 20. Juli 1822, wie Desgouttes wegen Meuchelmords,

im bernischen Fraubrunnen erwürgt, gerädert

und verscharrt.

Literatur

• «Mord, Philosophie und die Liebe der Männer» von

Pirmin Meier.

• «Langenthal». Berner Heimatbücher, von J.R. Meier.

• «Berns moderne Zeit – das 19. und 20. Jahrhundert

neu entdeckt» von Peter Martig.

• Mehrere Ausgaben der Reihe «Jahrbuch für das

Oberaargau».

MASSENHINRICHTUNG

Die unheimliche Faszination fürs Böse

Ein blutiges Drama hat im

Kanton Bern letztlich zu Abschaffung

der Todesstrafe geführt.

Auch viele Oberaargauer

dürften vor Ort gewesen sein.

Am 8. Juli 1861 kommt es in

Langnau im Emmental zu einer

Vierer-Hinrichtung. Die verurteilten

Deliquenten, die an diesem

8. Juli auf das Schafott

geführt werden, sind der

Schuhmacher Jakob Wyssler,

seine Frau Verena Wyssler, der

Bauer Jakob Stucki und dessen

Knecht Samuel Krähenbühl.

Getrieben von materieller Not

und erbittertem Streit hatten

die vier am 15. Februar 1860

den Bauern Andreas Schlatter

auf seinem Hof in Signau erschlagen

und ausgeraubt.

Am 14. Juni 1861 wird das

Todesurteil gefällt und der

Grosse Rat lehnt ein Gnadengesuch

ab. Am Morgen des 8.

Juli um 04.00 Uhr werden die

Verurteilten in Langnau zur

Richtstätte im Ramserengraben

geführt. Getreu den gesetzlichen

Vorgaben in Form einer

Prozession. An der Spitze des

Zugs reitet der aus Rheinfelden

herbeigeholte Scharfrichter.

Hinter ihm rumpelt eine

Kutsche mit Regierungsstatthalter,

Amtsschreiber und Weibel.

Dahinter folgen zu Fuss

die vier Verurteilten, begleitet

von je zwei Geistlichen. Den

Schluss der Prozession bilden

52 Mann der Infanterie, 6 Dragoner

und 23 Gendarmen.

Nacheinander steigen die Verurteilten

aufs Schafott, wo sie

vom Scharfrichter enthauptet

werden. Die Leichen der Hingerichteten

werden in einem

Korbwagen in das anatomische

Institut nach Bern gebracht.

Die Zahl der Schaulustigen

wird auf sage und schreibe

12 000 geschätzt – eine so

grosse Menschenmenge hat es

in Langnau für ein Ereignis

vorher nicht und nachher nie

mehr gegeben. Aber diese unheimliche

Faszination fürs Böse

verstört die Menschen. Das

grausige Schauspiel führt zu

heftiger Kritik in den Zeitungen

und zu einem Meinungsumschwung.

Noch im gleichen

Jahr wird im Kanton Bern die

Todesstrafe abgeschafft.

Die Wirbelsäulen der vier Hingerichteten sind heute am Institut

für Medizingeschichte der Universität Bern aufbewahrt. Kleine

Schwerter zeigen, wo der Scharfrichter zuschlug.

Foto: Adrian Moser

24 s’Positive 2 / 2018


Die «Landbeiz» mit Charme und regionalem Charakter

Ein Besuch lohnt sich ...

• Saisonal wechselnde Speisekarte

mit vielen regionalen Produkten – feine

Mittagsmenüs

• Gemütliche Gaststube, 2 Säali für

kleine Bankette

• Faires Preis/Leistungsverhältnis

• Wunderschöner Garten mit Blick

auf den Jura

• Grosser Parkplatz

Jedermann/frau ist bei uns herzlich Willkommen – wir werden alles daran setzen,

dass Sie sich bei uns wohlfühlen und freuen uns schon jetzt auf Ihren Besuch!

Susanne und Roland Moeri und Team

Restaurant Kreuz – Melchnaustrasse 21

4924 Obersteckholz – 062 915 68 26

info@kreuz-steckholz.ch / www.kreuz-steckholz.ch

Sonntag ab 16.30 Uhr, Montag und Dienstag geschlossen

HOLE 19

100% WIR

INDOOR GOLF

Bei uns scheint immer die

SONNE!

Spielen Sie auf einem von 80 Golfplätzen,

die zu den schönsten der Welt zählen.

Hole 19

Lotzwilstrasse 66

1900 Langenthal

Tel: 062 919 01 16

www.hole19.ch


OLYMPISCHE SPIELE

SPORT AUF

EINEM

ANDEREN

PLANETEN

Olympische Spiele unterscheiden sich

fundamental von anderen Sportveranstaltungen.

Weil sie auf einem anderen

Planeten stattfinden. Von einem, der zum

13. Mal auszog, um über die olympischen

Spiele zu berichten.

TEXT: KLAUS ZAUGG

Wer zu olympischen Spielen

reist, kommt auf einem anderen

Planeten an. Es ist

eine Reise in eine Parallelwelt,

und für die Spiele im

Februar 2018 beginnt sie anderthalb Jahre

vorher, im Hochsommer 2016.

Wer als Chronist zu den Spielen zugelassen

werden möchte, muss sich akkreditieren.

Weil die Organisatoren die Verpflichtung

eingehen, alle akkreditierten Personen

visafrei einreisen zu lassen – Sportler, Funktionäre,

Medienschaffende –, braucht es

eine lange Vorlaufzeit. Das Akkreditierungsgesuch

läuft höchstwahrscheinlich durch

alle möglichen Polizeicomputer, Behördenstellen

und Geheimdienste – damit sichergestellt

ist, dass nur reinkommt, wer frei von

Sünde ist.

Jedes Land hat eine bestimmte Anzahl

Medienplätze zu vergeben. Die Schweiz ist

dreisprachig und bekommt ein Kontingent

von etwas mehr als 100 Plätzen. Swiss Olympic,

der nationale Sportverband, vergibt die

Plätze an das schreibende und sendende

Personal.

Hat der Chronist also dieses Auswahlverfahren

erfolgreich überstanden, macht er

sich auf den Weg in diese andere Welt. Die

olympischen Organisatoren bauen für eine

kurze Zeit eine nahezu perfekt funktionierende

Parallelwelt auf. Planet Olympia. Wer

sich nicht bewusst dieser Welt entzieht,

merkt es kaum mehr.

Es ist ein Leben in einem geschlossenen

System. Abgeschottet von der Wirklichkeit

des Alltags und mit der totalen Überwachung

im Sinne des alten George Orwell

(«1984»). Das ist der Unterschied zu einem

«gewöhnlichen» Sportanlass: einer Eishockey-WM,

einem Töff-GP, einem Tennisturnier

oder einem grossen Fussballspiel. Solche

Anlässe sind in das Alltagsleben einer

Stadt integriert. Der Chronist lebt und isst

und schläft in der Stadt. So ist es auch bei

Foto: zVg

26 s’Positive 2/ 2018


Akkreditiert für

die Olympischen

Spiele: Klaus Zaugg

in Pyeongchang.

einer Fussball-WM in den verschiedenen

Austragungsorten. Nur die olympischen

Spiele bauen dieses umfassende, in sich geschlossene

System mit eigenem Transportund

Kommunikationssystem und eigenen

Unterkünften (olympische Dörfer) auf.

Wer es zynisch mag: Als Chronist bei den

Spielen in Südkorea ist das Leben nicht viel

anders als für einen Touristen in Nordkorea.

Nur dass die Isolation des olympischen Besuchers

im Süden freiwillig ist. Er kann,

wenn er denn will, das geschlossene System

zwischenzeitlich verlassen. Im Norden hingegen

ist die Isolation staatlich verordnet

und es gibt keinen Ausgang.

In der Mixed-Zone: Nationalmannschafts-Captain Raphael Diaz gibt Auskunft.

s’Positive 2 / 2018 27


OLYMPISCHE SPIELE

Wer zu den Spielen reist, wird gleich nach

der Ankunft am Flughafen empfangen, registriert

und mit einer olympischen Identität

versehen. Ohne diesen olympischen Pass mit

Bild und Chip, den er fortan um den Hals

trägt, kann er den Planeten Olympia nicht

betreten und dort weder mit dem Bus fahren

noch zum Frühstücksbuffet gehen, nicht in

seine Unterkunft im Mediendorf gelangen

und schon gar nicht die Arbeitsräume und

Tribünen in den Stadien betreten.

Vom internationalen Flughafen in Seoul

fährt er mit der Eisenbahn im reservierten

Waggon (nicht plombiert wie einst bei Lenins

Reise vom Zürcher Hauptbahnhof nach

St. Petersburg, aber reserviert) direkt in die

olympische Welt und wird bei der olympischen

Unterkunft empfangen, eingewiesen

und noch einmal registriert.

ABGEKOPPELT VON DER REALITÄT

Von nun an hat er alles, was er zum Leben

braucht, und es steht ihm ein olympisches

Bus-Transportsystem zur Verfügung. Die

Zwei olympische

Oberaargauer unter

sich: Klaus Zaugg

und Rolf Bichsel

(rechts) von der

Agentur SDA.

Weil so viel los ist – die Spiele sind wie eine Anhäufung

unzähliger Weltmeisterschaften –, stellt sich

bald einmal eine euphorische Atemlosigkeit ein,

befeuert durch permanenten Schlafmangel.

Bus se fahren von der Unterkunft direkt zu

den verschiedenen Wettkampfstätten. Man

ist nun für etwas mehr als zwei Wochen unter

sich mit Medienschaffenden, olympischen

Helden und Versagern, mit Funktionären.

Es ist wie ein Chronisten-Klassentreffen

mit einem olympischen Wiedersehen

alle zwei Jahre bei den Spielen im Sommer

und im Winter.

Nach ein paar Tagen entwickelt sich bei

diesem gigantischen Sportspektakel eine seltsame

neue Wirklichkeit, abgekoppelt von der

Wirklichkeit der Welten. Die Storys werden

sehr oft von zu Hause angeregt. Wie es hier

vor Ort aussieht, wie die Spiele verlaufen –

das sehen die Medien-Bürogeneräle daheim

am TV-Schirm und in den sozialen Kanälen

und wollen es auch so dargestellt wissen. Und

so wird von hier aus vielfach eine künstliche,

ferngesteuerte Wirklichkeit wiedergegeben.

Weil so viel los ist – die Spiele sind wie

eine Anhäufung unzähliger Weltmeisterschaften

– stellt sich bald einmal eine euphorische

Atemlosigkeit ein, befeuert durch

permanenten Schlafmangel. Von Arena zu

Arena, dort in der Mixed-Zone, dem Kontakthof

der olympischen Medienwelt.

Schnell, schnell ein paar Worte eines olympischen

Helden oder einer olympischen Heldin

einfangen (macht nichts, wenn es der

bare Unsinn ist, Hauptsache ein Zitat) und,

allez hopp, zum nächsten Spektakel. Zwischendrin

muss die Story geschrieben werden.

Es ist wie das Leben in einer Zentrifuge,

die alles beschleunigt. Atemlos. Schlaflos.

Gedankenlos?

Von Nordkorea habe ich im gleichen Zeitraum

mehr mitbekommen als jetzt in der

«olympischen Blase» von Südkorea. Ein Erlebnis

hat mich allerdings bereits in der ersten

Woche stärker beeindruckt als alle sportlichen

Wettkämpfe.

Nord- und Südkorea treten mit einem

gemeinsamen Frauen-Eishockeyteam an.

Mich haben die Hintergründe interessiert.

Gute Beziehungen schaden nur jenen, die

keine haben. Dr. René Fasel vermittelt mir

ein Gespräch im streng abgeschirmten Hotel

der IOC-Fürsten. Er gehört zum innersten

Machtzirkel des Weltsports. Seit 1994 präsidiert

er den internationalen Eishockey-Verband

(IIHF) und sitzt im IOC. Er ist mit

Wladimir Putin per Du und er hat den Nordkorea-Deal

eingefädelt.

WERTVOLLER KONTAKT

René Fasels Karriere begann in den 1980er-

Jahren als Schiedsrichter. Gerne erzählt er

eine Episode aus seiner Anfangszeit. Er hatte

eine Partie der Langnauer zu leiten, die

damals noch als SC Langnau auftraten (heute

SCL Tigers). «Als ich nach dem Spiel vom

Eis kam, sagte mir auf dem Weg zur Garderobe

ein Funktionär: Fasu, du bisch ä Gigu.

Das habe ich nie vergessen. Ich wusste damals

gar nicht, was ein Gigu ist.» Nun, der

«Gigu» hat seither ganz ordentlich Karri­

28 s’Positive 2 / 2018


ANGEBOTE

OCCASIONEN

In unserem Angebot finden Sie laufend interessante und gepflegte

Occasionen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

TOP!

TOP!

BMW 335i xDrive Touring

Steptronic (Kombi)

• Automat sequentiell, Benzin,

306 PS, schwarz mét.

• Inverkehrsetzung: 01.2014

• Kilometer: 4500 km

• Preis: CHF 46 490.– (NP: 100440.–)

BMW M550d Touring xDrive

Steptronic (Kombi)

• Automat sequentiell, Diesel,

381 PS, weiss

• Inverkehrsetzung: 06.2015

• Kilometer: 4200 km

• Preis: CHF 62 900.– (NP: 119450.–)

MERCEDES-BENZ C 63 S

AMG Speedshift (Kombi)

• Automatisiertes Schaltgetriebe,

Benzin, 510 PS, schwarz mét.

• Inverkehrsetzung: 08.2016

• Kilometer: 45 000 km

• Preis: CHF 83 900.– (NP: 130000.–)

TOP!

PORSCHE Panamera Turbo

4.8 PDK (Limousine)

• Automatisiertes Schaltgetriebe,

Benzin, 500 PS, blau mét.

• Inverkehrsetzung: 12.2009

• Kilometer: 41 000 km

• Preis: CHF 58 900.– (NP: 259030.–)

SKODA Octavia Combi 2.0 TDI

Ambition 4x4 DSG (Kombi)

• Automat, Diesel, 184 PS,

weiss mét.

• Inverkehrsetzung: 02.2015

• Kilometer: 101 000 km

• Preis: CHF 17 890.– (NP: 38060.–)

BMW 318d Steptronic

(Limousine)

• Automat sequentiell, Diesel,

143 PS, grau mét.

• Inverkehrsetzung: 03.2015

• Kilometer: 50 000 km

• Preis: CHF 24 500.– (NP: 57300.–)

Pneu Bösiger AG | Lotzwilstrasse 66 | 4900 Langenthal | Tel. 062 919 01 03

Fax 062 919 01 00 | b.leandro@boesiger-langenthal.ch | www.pneuboesiger.ch

Öffnugnszeiten: Mo.–Fr. 7.30–12.00, 13.15–17.30; Sa. 7.30–12.00


OLYMPISCHE SPIELE

ere gemacht. Wir verabreden uns also zum

Essen im IOC-Hotel. Das ist noch einmal eine

ganz eigene Welt auf dem Planeten Olympia.

Es braucht eine Spezialbewilligung, um hereinzukommen.

Bald ist mir klar, warum. Zu

viele wichtige Leute. Sicherheitsrisiko. Am

Nebentisch speist Ex-Kanzler Gerhard Schröder

mit seiner koreanischen Freundin. Ich

hatte ihn lange Zeit gar nicht bemerkt, und

zum Glück habe ich keine meiner dummen

Lieblingssprüche über unsere kriegerischen

teutonischen Nachbarn gemacht. Item, das

Interview mit dem nordkoreanischen Sportgeneral,

einem Vertrauten Kims, ist auf bestem

Wege.

In der Ruhe der

Unterkunft im

Mediendorf lässt es

sich besser dichten.

DER ANRUF VON KIM

Aber dann überstürzen sich die Ereignisse.

US-Vizepräsident Mike Pence hat soeben in

Japan offiziell verkündet, man werde nun

die Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea

verschärfen. Das ganze olympische Theater

(gemeint ist die weltweite Aufmerksamkeit

für das gemeinsame Koreanische Frauen-

Hockeyteam) interessiere ihn nicht.

Nun wird es hektisch. Unser nordkoreanischer

Gesprächspartner, eben noch freundlich

und gut gelaunt, bekommt einen Telefonanruf

und ist nicht mehr ansprechbar. Er

entschuldigt sich mit zitternder Stimme und

eilt davon, quer durchs Restaurant, dem Ausgang

und wohl seinem Zimmer zu. Mit an

Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit

war Kim persönlich am Hosentelefon – und

ich verpasse die einmalige Gelegenheit, so

an die direkte Nummer des grossen Vorsit­

zenden heranzukommen. Wird die nordkoreanische

Delegation nach dieser Verbalattacke

des US-Vize abreisen? Wird nichts mit

dem gemeinsamen Frauen-Hockeyteam?

Drei Stunden lang ist alles in der Schwebe.

Dann das grosse Aufatmen: Die Nordkoreanerinnen

und Nordkoreaner bleiben.

Aber an ein Interview ist nicht mehr zu denken.

Macht nichts. Es war ja trotzdem interessant,

und das Essen – nun halt mit René

Fasel – hat vorzüglich geschmeckt. Und

bezahlen musste ich auch nicht. Diese Episode

mag zeigen, wie manchmal auch tagelange

Bemühungen um eine gute Story vergeblich

sein können. Und wie läuft es mit

den olympischen Heldinnen und Helden?

Kann der Chronist mit ihnen Kaffee trinken

und plaudern, wann immer er möchte?

Nein, natürlich nicht. Er ist eingebunden in

die grosse olympische Medienmaschine.

Eine seriöse Vorbereitung auf die Wettkämpfe

wäre nicht möglich, wenn ständig irgendein

medialer «Schtürmicheib» (die weibliche

Form kenne ich leider nicht und kann der

politischen Korrektheit daher nicht Genüge

tun) vorbeikäme.

Deshalb gibt es ein oder zwei Tage vor

dem Wettkampf eine ganz offizielle Me­

ZUSATZINFOS

Von Calgary 1988 bis Pyeongchang 2018

Von der Steinzeit in die Gegenwart

in 30 Jahren. 1988 war

ich bei den olympischen Spielen

in Calgary zum ersten Mal

als Chronist dabei.* Für die inzwischen

nicht mehr existierende

Fachzeitung «Sport».

Ach, es waren die goldenen

Jahre des schreibenden Personals.

Die Zeitungen waren

Gelddruckmaschinen. Die Kassen

voll. Selbstverständlich

flogen wir in der Businessklasse

nach Kanada. Die Spesenpauschale

für die kleinen Ausgaben

nebenbei betrug 200

Schtutz. Heute, 30 Jahre später,

quetschen sie alle in die

engen Sitze der Economy-Klasse.

Übrigens auch das Personal

des staatstragenden Fernsehens.

Wohlweislich, kurz vor

der No-Billag-Abstimmung.

1988 gab es weder Hosentelefone

noch Internet. In den Medienzentren

sorgte das Klappern

von Schreibmaschinen

für den Klangteppich. Es gibt

zwar erste Laptops mit einer

Speicherkapazität von 20 000

Zeichen und der Möglichkeit,

per Telefon die Texte zu übermitteln.

Aber es sind rare technische

Wunderwerke, und niemand

glaubt so recht daran,

dass diese sich dereinst durchsetzen

könnten. Das geschriebene

und gedruckte Wort ist

«Gospel», die Wahrheit. Die

Chronisten (und wenigen Chronistinnen)

stehen in hohem

Ansehen. Sie machen die Meinung.

In diesen Zeiten sprach

man noch ehrfürchtig von der

«Power of the Pen», von der

Kraft und Macht der Feder.

Diese herrlichen Zeiten dauerten

bis und mit den Spielen

von 2006 in Turin. Dann setzt

sich das Internet durch. 2004

wird Facebook gegründet und

hat heute mehr als zwei Milliarden

Mitglieder. Spätestens

ab den Spielen von 2014 erkennen

die Stars und sonstigen

Mächtigen im Sport, dass sie

die Medien nicht mehr brauchen

und stattdessen auf den

Kanälen der sozialen Netze mit

dem Publikum kommunizieren

können.

Die Macht der Feder gibt es

nicht mehr. Nun zählt wieder

mehr die Kunst der Feder. Die

Kunst, eine Geschichte zu erzählen.

«Storytelling». Seit Anbeginn

der Zeiten ist es ein

Grundbedürfnis des Menschen,

eine Geschichte zu hören oder

zu lesen. Und es braucht jemanden,

der diese Geschichte

erzählt. Und das ist die edle

Aufgabe des Chronisten im 21.

Jahrhundert. Aber er hat nicht

die Freiheit der Poeten und

Dichter. Er sollte seine Geschichten

nicht erfinden. Sondern

einfach erzählen, was

war. Das Leben schreibt ja immer

noch die besten Storys.

Erst recht auf dem Planeten

Olympia.

* Der Chronist hat vor Pyeongchang

2018 bereits über die

olympischen Spiele in Calgary

(1988), Albertville (1992), Atlanta

(1996), Nagano (1998),

Salt Lake City (2002), Athen

(2004), Turin (2006), Peking

(2008), Vancouver (2010),

London (2012), Sotschi (2014)

und Rio (2016) berichtet.

30 s’Positive 2/ 2018


100% WIR

www.bowling-langenthal.ch

Montag & Dienstag Ruhetag | Mittwoch & Donnerstag 14:00 – 23:00 Uhr

Freitag & Samstag 14:00 – 24:00 Uhr | Sonntag 12 :00 – 22:00 Uhr

Lotzwilstrasse 66 | 4900 Langenthal | Tel. 062 919 01 16


OLYMPISCHE SPIELE

Vor Ort haben so ziemlich alle

den gleichen Wissensstand, die

gleichen Aussagen. Medialer

Einheitsbrei halt. Deshalb

verlegt der moderne Chronist

mehr auf «Storytelling».

Die Organisation

ist nahezu perfekt.

Die Busse fahren von

der Unterkunft direkt

zu den Wettkampfstätten.

dienkonferenz. Die Athletinnen und Athleten

stehen für eine gute Stunde Red und

Antwort. Nach dem Wettkampf kommen die

olympischen Helden in die Mixed Zone und

stehen wiederum Red und Antwort. Wenn

alles vorüber ist, nach den offiziellen Feierlichkeiten,

wird noch einmal ein Treffen mit

dem Nachrichtenzug organisiert. Ausserhalb

dieser «festen Besuchszeiten» gibt es nur in

Ausnahmefällen Interview-Termine.

So haben so ziemlich alle vor Ort den

gleichen Wissensstand, die gleichen Aussagen.

Medialer Einheitsbrei halt. Deshalb

verlegt der moderne Chronist, um sich aus

dem «Mainstream» zu lösen, mehr auf «Storytelling».

Der Ausdruck ist das Modewort

für «Geschichten erzählen.» Also möglichst

wortgewaltig beschreiben, was er sieht und

hört. Und auf Analysen. Also auf eine

Einordnung von dem, was passiert, was

geleistet worden ist. Das ist aber nur für

jene möglich, die eine gewisse Erfahrung

haben. Und dafür ist Vorarbeit nötig: sich

vor den Spielen mit den kommenden olympischen

Helden unterhalten. Wenn noch

Zeit dafür ist.

Der Chronist ist sozusagen der Minnesänger

des 21. Jahrhunderts. Er erzählt dem Volke

in möglichst kurzweiliger Form von den Vorgängen

an den königlichen Höfen des

Sports. Dabei ist er bemüht, sich nicht den

Zorn der Herrschenden zuzuziehen und

doch so zu tun, als sei er absolut unbestechlich

und nur der Wahrheit verpflichtet. Zum

Glück gibt es einen ganz wesentlichen Unterschied

zu den Minnesängern im Mittelalter.

Damals wurden die Geschichten als

Gesänge vorgetragen. Ich muss nicht singen.

Gottseilobunddank.

ZUSATZINFOS

Die besten Winterspiele aller Zeiten?

Es ist üblich, dass die olympischen

Spiele jeweils als «die

besten aller Zeiten» bezeichnet

werden. Das wird mit

ziemlicher Sicherheit auch

2018 der Fall sein. Das Prädikat

«die besten aller Zeiten»

ist oft ein Zeichen der Dankbarkeit

und Anerkennung gegenüber

dem Gastgeberland.

Im Fall von Pyeongchang wird

es ein verdientes Lob sein. Die

Organisation ist nahezu perfekt.

Die Busse fahren fast so

pünktlich wie die eidgenössischen

Eisenbahnen, die Arbeitsräume

sind grosszügig

ausgestattet, die Kommunikationssysteme

funktionieren und

die Unterkünfte im Mediendorf

– in der Vergangenheit oft

spartanisch – sind grosszügig

und hell.

Perfekte Planung – fast

Die Koreaner haben eine kluge

Philosophie. Sie sagen, es sei

wichtig, alles perfekt zu planen.

Aber nur zu etwa 80 Prozent.

Damit noch etwas Freiraum

für Improvisation bleibt.

Und hilfreich ist auch das koreanische

Prinzip «Sofort, sofort».

Es ist unschicklich, jemanden

warten zu lassen. Auf

perfekten Service wird grossen

Wert gelegt und dazu gehört,

dass der Kunde nicht warten

muss. Es gilt als Beleidigung,

jemandem Trinkgeld zu geben.

Der perfekte Service gilt als

Selbstverständlichkeit.

Das Organisationstalent, verbunden

mit der freundlichen

Hilfsbereitschaft der Koreaner

trägt viel zum guten Gelingen

und zur guten Stimmung bei.

Sotschi war vor vier Jahren

auch eine nahezu perfekte Veranstaltung.

Aber es fehlte die

Heiterkeit, die Freundlichkeit,

die Gelassenheit der Koreaner.

Die wahren Winterspiele

Und endlich sind es wieder

einmal echte Winterspiele. So

kalt war seit 38 Jahren nicht

mehr. Pyeongchang beschert

uns die Rückkehr der wahren

Winterspiele. Es wäre möglich,

das Eishockeyturnier endlich

wieder einmal auf Natureis

auszutragen. Wie 1948 in

St. Moritz.

Es ist eine Umkehr der olympischen

Entwicklung. Nichts

zeigt uns den Lauf der olympischen

Zeiten vom kameradschaftlichen

Klassentreffen in

Winterwunderlandschaften

zum globalen Milliarden-Spektakel

nämlich so eindrücklich

wie der Temperaturanstieg.

Nicht die globale Erwärmung

hat in diesem Jahrhundert die

Winterspiele wärmer gemacht.

Es ist das Business-Volumen

dieser grossen Eis- und

Schneeshow. Romantische

Wintersport-Stationen mit weniger

als 10 000 Einwohner als

Chamonix, Cortina oder St. Moritz

– alle drei Orte haben in

der guten alten Zeit zwischen

1924 und 1956 die Spiele organisiert

– vermögen die vielen

Athletinnen und Athleten,

Medienschaffenden, Funktionäre,

Gäste, Helferinnen und

Helfer, Zuschauerinnen und

Zuschauer gar nicht mehr zu

beherbergen. Es braucht heute

die Nähe zu den urbanen Zentren

im Flachland. 2022 werden

die Winterspiele gar in Peking

stattfinden.

Pyeongchang zählt zwar «nur»

knapp 50 000 Einwohner und

liegt in den Bergen. Aber wichtiger

für die Logistik ist die

250 000-Seelen-Stadt Changneung

unten an der Küste. Hier

finden die Eröffnungsfeier und

die Eissportarten statt, hier

stehen die olympischen Dörfer.

Zuletzt habe ich 2002 in Salt

Lake City so gefroren wie in

diesen Tagen in Changneung.

Im trockenen, kalten, windigen

nordamerikanischen Kontinentalklima.

Olympische Warmzeit

Das 21. Jahrhundert hat uns

mit Turin (2006), Vancouver

(2010) und Sotschi (2014) an

der russischen Riviera gar eine

olympische Warmzeit beschert.

In Sotschi waren vor

vier Jahren vom Strand hinter

dem Mediendorf aus springende

Delfine zu sehen.

Erstmals seit Salt Lake City

(2002) braucht es nun wieder

Wintermantel, Strickmütze,

Halstuch und Handschuhe zum

Schutz gegen Kälte – und nicht

bloss als modische Accessoires.

Selbst in Gangneung an

der Küste des japanischen

Meeres ist es bitter kalt.

Kehren wir zur eingangs gestellten

Frage zurück: die besten

Winterspiele aller Zeiten?

Ja. Vor allem auch, weil es

Spiele mit Winter sind.

32 s’Positive 2/ 2018


Immobilienangebote zum Träumen!

BESTEHENDE OBJEKTE IN DER REGION

Buchs 7½ Zi.- Einfamilienhaus CHF 1‘799‘000.- mtl.Zins CHF 1‘499.-

Kölliken 6½ Zi.- Einfamilienhaus CHF 1‘195‘000.- mtl.Zins CHF 996.-

Oberentfelden 5½ Zi.- Attikawohnung CHF 899‘000.- mtl.Zins CHF 738.-

Kölliken 5½ Zi.- Einfamilienhaus CHF 760‘000.- mtl.Zins CHF 633.-

Suhr 4½ Zi.- Eigentumswohnung CHF 629‘000.- mtl.Zins CHF 524.-

Niedergösgen 3½ Zi.- Attikawohnung CHF 575‘000.- mtl.Zins CHF 479.-

Niedergösgen 3½ Zi.- Parterrewohnung CHF 454‘000.- mtl.Zins CHF 379.-

Oftringen 3½ Zi.- Eigentumswohnung CHF 349‘000.- mtl.Zins CHF 291.-

NEUBAUTEN DER REGION

Rothrist 5½ Zi.- Einfamilienhaus CHF 934‘000.- mtl.Zins CHF 778.-

EIGENTUMSWOHNUNGEN

Gretzenbach 3½ Zi.- Parterrewohnung CHF 434‘000.- mtl.Zins CHF 362.-

Niedergösgen 3½ Zi.- Parterrewohnung CHF 575‘000.- mtl.Zins CHF 479.-

WIR FREUEN UNS AUF IHREN ANRUF!

Industriestrasse 12a

5036 Oberentfelden

Tel. 062 737 44 44

Wir freuen uns auf Sie.

PURA Huttwil, Brunnenplatz 6, 4950 Huttwil

T 062 962 06 07, info@pura-huttwil.ch

pura-huttwil.ch

Mo – Do 9 – 12 | 13.30 – 18.30

Fr 9 – 12 | 13.30 – 21

Sa 9 – 16

Ab CHF 100.– nehmen wir 100% WIR.

unkonventionell.ch


IN EIGENER SACHE

Leserbriefe & Veranstaltungen

Gratulation

Ich gratuliere den Herren Zaugg und

Wüthrich zum gelungenen Interview

mit Herrn Bundesrat Johann Schneider-

Ammann. Es wurden gute Fragen gestellt.

Mal ein etwas anderes Interview. Auch

sonst finde ich s’Positive eine gute Sache.

Weiter so!

M. Leuenberger, Langenthal

PROGRAMMHINWEIS

RTS1 (Westschweizer Fernsehen)

Freitag, 16. März, 20.00 – PaJu

(Passe moi les jumelle – gib mir das

Fernglas). Mit einer Doku über das

«Luftschloss» von Regula Farner (siehe

grosses Interview in dieser Ausgabe)

und Menel Rachdi.

SCHLAUER ESEL

Was den eigentlichen

König der Tiere so

besonders macht.

Johann Schneider-Ammann

Unser Bundesrat

Der Oberaargauer über die Arbeit als Bundesrat,

seinen Werdegang und seinen Wohnort Langenthal.

ATOM-EUPHORIE

Als im Oberaargau

Atombomben getestet

werden sollten.

AUSGABE 1 JANUAR 2018

SIMON SCHENK

Seine beeindruckende

Karriere im Schweizer

Eishockey.

Ihre Meinung

ist gefragt!

Liebe Leserin, lieber Leser

Sie halten die dritte Ausgabe von

s’Positive in der Hand, welche in

Hochglanz erscheint, zuvor gaben wir

das Magazin im Zeitungsdruck heraus.

Uns interessiert Ihre Meinung

dazu. Wie beurteilen Sie den Unterschied?

Wie ist die Lesbarkeit?

Bitte schreiben Sie uns per Mail an:

info@spositive.ch, per Post an

s’Positive AG, St, Urbanstrasse 31,

4914 Roggwil, oder rufen Sie uns an

unter der Nummer 062 929 24 25.

Ihre Meinung

interessiert uns

Sind Sie mit etwas nicht einverstanden?

Haben Sie Fragen, die auch andere Leser

interessieren könnten? Oder haben Sie eine

Ergänzung zu einem Artikel? Dann schreiben

Sie uns. Ab der kommenden Ausgabe

reservieren wir Platz für Sie.

Oder möchten Sie über ein Thema, das wir

noch nicht gebracht haben, mehr erfahren?

Wir können Ihnen zwar keinen Artikel darüber

garantieren. Aber prüfen werden wir

Ihren Vorschlag ganz bestimmt.

Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt,

wenn wir die Möglichkeit zu Leserreaktionen

bieten. Möglich, dass keine

einzige kommt. Ebenfalls möglich, dass wir

nicht alle Ihre E-Mails und Briefe publizieren

können, und deshalb eine Auswahl treffen

müssen. Werden Sie bitte nicht zu lang.

Sonst müssten wir Ihren Beitrag eventuell

kürzen.

Beiträge mit beleidigenden, diffamierenden,

rassistischen und sexistischen Inhalt werden

nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

PROFITIEREN

SIE JETZT VOM

VERANSTALTUNGS-

KALENDER

Möchten Sie Ihre Veranstaltung

bei uns publizieren?

Dann teilen Sie uns dies

doch bitte mit.

SCHREIBEN

SIE UNS

E-Mail:

redaktor@spositive.ch

Postadresse:

Redaktion «s’Positive»

Feedback

St. Urbanstrasse 31

4914 Roggwil

Foto: ZVG

34 s’Positive 2 / 2018


STARKES

SORTIMENT

STARKE

BERATUNG

STARKER

SERVICE

ENERGIEEFFIZIENTE KOMFORTLÜFTUNG

UND HEIZUNGEN?

DER SCHWEIZER HAUSTECHNIKLEADER

HAT DIE LÖSUNGEN

Energieeffiziente, nachhaltige Haustechniklösungen sind im Trend. Tobler bietet als Fachpartner Ihres

Haustechnik-Installateurs hierzu nicht nur ein breites Programm an Produkten führender Marken. Unser

kompetentes Beratungsteam steht auch bei der Planung und Installation gern zur Seite. Und dank

unserer starken Serviceorganisation können wir Ihnen jederzeit einen reibungslosen Betrieb garantieren.

Tobler Haustechnik AG, Moosrainweg 15, 3053 Münchenbuchsee

T +41 31 868 56 00, F +41 31 868 56 10, tobler@toblergroup.ch, www.haustechnik.ch


«Ässe, Trinke u Spass ha»

Alles unter einem Dach!

«Ässe, Trinke u Spass ha»

Bowlingcenter Langenthal AG

Lotzwilstrasse 66

4900 Langenthal

062 919 01 16

events@gastro-elemaent.ch

let‘s meet ...

THE MEAT

PREMIUM BEEFHOUSE

Das erste Beefhouse in Langenthal mit einem 800 Grad Montague Steakhouse Grill

Geniessen Sie die vielleicht besten Steaks in der Region aus einem Grillofen, den wir direkt aus Kalifornien importiert

haben. Der Grill erzeugt innerhalb kürzester Zeit eine Hitze von über 800 Grad. Qualitativ bestes Rindfleisch von ausgesuchten

Produzenten erhält durch die enorme Hitze eine sehr schmackhafte, krosse und fast karamellisierte dunkle

Kruste. Dabei bleibt das Fleisch im Kern sehr saftig.

Das Erlebnis für jeden Fleischliebhaber

Reservationen nehmen wir gerne unter 062 919 01 16 oder unter events@gastro-elemaent.ch an

Öffnungszeiten THE MEAT Dienstag bis Samstag 11:30 bis 14:00 Uhr und 18:00 bis 23:00 Uhr

Sonntag und Montag geschlossen

HOLE 19

INDOOR GOLF

Tagesmenüs ab CHF Fr. 14.50

Kreative Küche speditiv serviert

Abendkarte

Kleine, aber feine Speiseauswahl

mit Pfiffff

Seminare und Bankette

Immer wieder gerne – wir beraten

Sie kompetent und voller Elan

Öffnungszeiten

Mo-Fr 08:00-14:00 / 17:00-23:00

Sa 09:00-23:00

So 09:00-21:30 09:00-17:00

www.elemaent.ch

Schieben Sie eine ruhige Kugel...

...auf einer topmodernen Anlage mit

12 Bahnen

...bei Ihrem Bowlingspass und verbinden

Sie diesen mit einem Apéro

an unserer Apérobar oder einem

Essen im Meat oder Elemänt

...an unseren vier Billardtischen,

zwei „Töggelichäschten“ und zwei

Dartautomaten

Ein Besuch lohnt sich –

Reservation von Vorteil.

Öffnungszeiten

Mo-Di geschlossen

Mi-Do 14:00-23:00

Fr-Sa 14:00-00:00

So 12:00-22:00

Bei uns stehen Sie nie im Regen!

3 professionelle Full-Swing

Golfsimultaoren

Golfsimulatoren

8-ung: Nur für Profis s oder solche, die

es werden wollen. Für Einsteiger, die

das Golf spielen erlernen möchten,

bieten wir Ihnen ein Golfpackage mit

einem Golflehrer an.

Öffnungszeiten

Mo-So 09:00-22:00

www.hole19.ch

Sei es eine Zigarre oder Zigarette,

Whisky oder ein Glas Rotwein -

kosten Sie in einem Ledersessel

alles was ihr Herz begehrt. In einem

klassischen und eleganten Fumoir,

geprägt von einer warmen Atmosphäre,

lässt sich eine Zigarre in

vollen Zügen geniessen. In unserem

Fumoir können Sie persönlich Ihre

Wahl treffen und geniessen...

Öffnungszeiten

Mo-Fr 08:00-14:00 / 17:00-23:00

Sa 09:00-23:00

So 09:00-21:30 09:00-17:00

www.elemaent.ch

www.bowling-langenthal.ch

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine