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Campus Highlights Frühjahr 2018

Unsere Buch-Highlights im Frühjahrsprogramm 2018: mit Autoren-Interviews, Leseproben und weiteren Beiträgen.

campus HIGHLIGHTS

campus HIGHLIGHTS Frühjahr 2018 Sie sprechen in Ihrem Buch über eine Pseudo-Elite, die im »Bloß nicht überarbeiten«-Modus feststeckt. Wen meinen Sie damit? All jene, die weniger leisten als sie könnten. Wer zwei Stunden täglich im Büro online shoppen geht oder sich auf Facebook herumtreibt, könnte ohne jegliche persönliche Überforderung in diesen zwei Stunden etwas Produktives tun. Was diese Leistungsvermeider zur Pseudo-Elite macht, ist die Art, wie sie sich über jene erheben, die ihre liegengebliebenen Aufgaben dann übernehmen müssen. Sie sind nicht dankbar dafür, dass andere ihren Dreck wegräumen, sondern kritisieren Leistungsträger auch noch dafür, trivialisieren deren Leistung und legen ihnen Steine in den Weg. » Wirtschaftlich und gesellschaftlich stehen wir derzeit vor großen Herausforderungen. Dennoch gibt es ihrer Ansicht nach immer mehr Leistungsvermeider, die es sich auf Kosten der Verantwortungsbewussten gemütlich machen. Wohin führt uns das? Im schlimmsten Fall zu einem Scheitern an diesen brennenden Herausforderungen: Die Klimakapriolen mehren sich, Küstenländer und Inselstaaten versinken im Meer, Deutschland wird bei der WENN AUCH DIE LEISTUNGSTRÄGER NOCH RESIGNIEREN UND DIE FLINTE INS KORN WERFEN, STEHEN UNS DÜSTERE ZEITEN BEVOR.« Digitalisierung abgehängt – um nur einige der Folgen zu nennen. Außerdem kann die Leistungsvermeidung sich zur Epidemie auswachsen: Je leistungsfeindlicher unsere Kultur wird, desto weniger haben irgendwann auch die Leistungsträger Lust, sozusagen gegen den Strom der herrschenden Unkultur auch weiterhin Leistung zu zeigen. Wenn auch sie noch resignieren und die Flinte ins Korn werfen, stehen uns düstere Zeiten bevor. Hat unsere Gesellschaft aus Ihrer Sicht ein grundsätzliches Problem mit Leistung? Das hat sie. Nämlich in jenen Teilen, in denen es nicht um Leistung geht, sondern um »Lass gut sein, das tut’s doch auch so!«, »Nimm’s bloß nicht so genau!«, »Das reicht locker!«, »Das merkt der Kunde sowieso nicht!« oder »Das können wir auch noch später irgendwann mal machen!«. Wir alle kennen diese Abseiler-Sprüche, weil wir sie täglich hören. Wo immer wir sie hören, bewegen wir uns am Rande eines Milieus, einer Subkultur, der es nicht um Leistung, sondern ums Durchwursteln geht. Ich weiß nicht, wie Sie sich dabei fühlen, aber mich bringt es auf die Palme, wenn ich mich in eine Aufgabe voll reinknie und links und

echts neben mir machen sich andere einen faulen Tag – auf meine Kosten und auf Kosten dessen, was am Ende dabei herauskommen soll. Sie entwickeln in Ihrem Buch mehrere Zukunftsszenarien. Welches wäre Ihnen das liebste? Das Szenario der friedlichen Koexistenz: Nicht die Leistungsträger haben die Pseudo-Elite besiegt oder umgekehrt. Vielmehr leben beide friedlich miteinander. Weil alle offen miteinander kommunizieren und niemand seine Leistung oder Schonung verstecken muss. Der »Abseiler« kann frank und frei sagen: »Kolleginnen, Kollegen – in der nächsten Zeit bereite ich mich auf den Frankfurt-Marathon vor und kann mich deshalb nicht in anspruchsvolle Aufgaben stürzen.« Und alle akzeptieren das! Weil Leistungsgerechtigkeit herrscht: Der Leistungsträger, der für den Marathonläufer dessen Arbeiten übernimmt, kassiert dafür auch die gebührende Anerkennung und den Bonusanteil des Marathonläufers. Der Läufer akzeptiert das ebenso und mosert nicht: »Warum kriegt der einen Bonus und ich nicht?« Wie stehen Sie persönlich zum Begriff Work-Life-Balance? Ein etwas unglücklicher Begriff, der inzwischen aus der Mode geraten ist, » WORK-LIFE- BALANCE: HEUTE SPRICHT MAN EHER VON WORK-LIFE-INTEGRATION. ES IST KEIN GEGENEIN- ANDER MEHR, SONDERN EIN MITEINANDER.« weil er am Ende falsch interpretiert wurde: Work versus Life, also entweder leben wir, oder wir arbeiten. Diese postulierte Dichotomie forderte praktisch zur maximalen Arbeitsvermeidung auf, ohne den versprochenen Nutzen zu bringen: Der Kampf gegen die Arbeit verbrauchte am Ende mehr Kraft und Nerven als die Arbeit einfach zu erledigen. Deshalb spricht man heute eher von Work-Life- Integration. Es ist kein Gegeneinander mehr, sondern ein Miteinander. Es geht darum, wie man Arbeit und Privates am besten in ein erfüllendes Leben integriert. Die Kurzformel lautet: Life = Work + X. Wobei X alles sein kann, was dem Einzelnen Sinn stiftet. Diese Formel verleiht ein Höchstmaß an Autonomie: Ich bin selber für die Gestaltung von Formel und Ergebnis verantwortlich. Ich kann die Integration und damit meine Lebenszufriedenheit selbst gestalten. EVI HARTMANN BEI CAMPUS: 2016 · 224 Seiten ISBN 978-3-593-50543-5

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