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E_1929_Zeitung_Nr.004

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Massige, vorteilhalte Preise mit Patent-Klangkörper, der grosse Fortschritt im Klavierton, liefert zu vorteilharten Preisen und auf benunmA Tailrahlunn zu Hause gelassen. Sollte ich nun nach einer der Ortschaften Ch. oder I. fahren, die ameinverstanden und das Männlein stieg ein. Wegweiser angeschrieben und mir beide unbekannt waren? Doch siehe da, da kommt für einen Fussgänger eine ganz nette Extra- Bis zur nächsten Anhöhe war es immerhin ein Männlein des Weges aus der Strasse tour, ganz besonders nach getaner Tagesarbeit. nach I. Bitte, welche Strasse muss ich wählen, um nach G. zu kommen?» — « Nur die Oben auf der Höhe angelangt, konnte man nach I. führende Strasse! Doch ist von dieser bald rechts, bald links abzuweichen, um sehen, und mein Begleiter hatte eben begon- den Verlauf der Strasse durchs Tal über- G. zu erreichen. Wird schwierig sein, für nen, mir seine Erläuterungen an Hand dieser Sie, als Fremden, sich durch das Land zurecht zu finden. Der verstorbene Fürst Hess seine Erklärungen mit den Worten Landkarte in Naturgrösse zu geben, als er unter- Es war im verflossenen Sommer, irgendwo in einem ehemaligen Duodezstaat Mitteldeutschlands, auf einer längeren Autofahrt. Manchen Kilometer hatte ich an diesem herrlichen Sommertag schon hinter mich gebracht, und die Sonne stand bereits tief im Westen, mit ihren schrägen Strahlen' die Gipfelreihen der Hügelketten, über die mich mein Weg weiter führen sollte, vergoldend, als ich an eine Wegteilung kam. Auf meiner bisher mich führenden Strassenkarte war ich am Rande angekommen, und die Anschlusskarte hatte ich, was ich erst jetzt feststellte, Gegen kalte Füsse im Auto KATZENPELZ-SCHUHEN Ijeder Xlandscnulie XiederiULÜtzeu X-iederjaclcexx Gegr. 1834 das Sportgeechäft am Believueplttz Hott. 18.36 rossten onschone fO DEC h Ö £NZ\&^ rjoig die Inserate in d PIANOBAU BACHMANN, ZÜRICH 8 5 Kreuzstrasse 39 DAS AUTO HAT'S IHM ANGETAN VON R. DE TEMPLE. INTERLAKEN. brach: « Aber fein muss es sein, jetzt da den Berg hinunter zu sausen! Ist es nicht besser, ich begleite Sie bis hinter den Wald. » Ich wallte dem Alten die Freude des « Hinuntersausens » nicht verderben, fuhr daher weiter. Am Walde erklärte mir mein Begleiter, er hätte nun die Freude des Hinunterfahrens gekostet, und er dürfe deshalb nicht undankbar sein, um so mehr, als hinter der nächsten Anhöhe noch weitere Abzweigungen lägen, die er mir erklären müsse. Auf meinen Hinweis, er habe dann mindestens eineinhalb Stunden zurückzulaufen, erwiderte er, das sei ihm das « Heruntersausen » wohl wert. Wieder ging's bergauf. Der Alte schwieg, und je näher wir der Höhe kamen, desto trauriger blickten seine kleinen Luchsaugen. Erst Wenn Präsidenten fischen... Man muss darauf gefasst sein, dass die amerikanische Presse in den nächsten viereinhalb Jahren täglich ihren Bericht über Hoover haben wird. Jetzt beginnt bereits diese Art von Mitteilungen. Von der «Maryland», dem Kriegsschiff, das den neuen Präskienten der Vereinigten Staaten nach Südamerika bringt, erfährt man, dass Hoover sich mit Fischen und Angeln zu zerstreuen glaubte ich, er denke an den Heimweg, doch als ich ihn, oben angekommen, zur Frage stellte, sagte er kläglich: « Nein, ich befürchte nur, sie werden mich ein zweites Mal nicht mit hinuntersausen lassen.» Ohne Anhalten fuhr ich den Berg hinab und das Männlein war wieder vergnügt. Wieder im Tal, hielt ich an, um meinen anhänglichen Fahrgast absteigen zu lassen. Doch er rührte sich nicht. « Erst oben, wenn ich den Weg erklärt habe. » Die dritte Anhöhe war erreicht, und wieder war mein Begleiter still und traurig geworden. Aber diesmal bat er inständigst: «Nur noch einmal.» Drei Stunden Weg, dachte ich, er wird die halbe Nacht zurücklaufen müssen — und sause los. Zur Tale angekommen, hielt ich an und überreichte dem Männlein ein Trinkgeld. Der Alte stieg wortlos aus, beguckte sich meinen Wagen von vorne und hinten, als wolle er ihn liebkosen. Nahm eine stramme Haltung an, warf noch einen wehmütigen Blick auf das Ding mit vier Rädern und rief: «Wenn ich erst den Haupttreffer habe, dann weiss ich, was ich tu. Adjüs! » Der Alte warf den Hut in die Luft und rannte fast mehr als er lief, ohne sich nochmals umzudrehen, heimwärts, seinem fernen Dorfe zu. pflegt. Dabei soll er ebensoviel Qlück wie beim Angeln nach den Stimmen für die Präsidentenwahl haben. Hoover fing, so wird Als ich vor die Garage fahre, bemerke ich ztt meinem Erstaunen eine Uhr am Armaturenbrett: ich weiss genau, dass mein Wagert gemeldet, einen Delphin i m Gewicht von fünfzehn Pfund und eine Makrele im Gewicht von fünf Pfund. Auch ein schwererer keine Uhr hat! Jetzt geht mir ein Licht auf. Ist es möglich, habe ich einen andern Wagen Delphin hatte schon angebissen, wusste aber genommen? Ich fahre sofort zurück. Wirklich, mein Wagen steht da, auch der Mantel noch im letzten Augenblick zu entkommen. Engländer und Amerikaner hören sehr gern meines Freundes ist noch darin; es hat also das Jägerlatein ihrer Herrscher. Keine schönere Geschichte kann man dem Durchschnitts- zufällig ein anderer seinen Wagen neben den meinen gestellt, der genau so aussieht und engländer und Durchschnütsatnerikaner bieten, a-ls wenn man ihm von riesig grossen Fo- ich — habe den falschen genommen! Man stelle sich die Folgen vor, wenn der Inhaber rellen erzählt, die nach stundenlangem Kampf des Wagens zur Polizei gekommen wäre, mit der Angel oder dem Netz gefangen wurden. während ich dort die Anzeige wegen des Mantels gemacht habe; ich wäre als Dieb des Wagens' hingestellt worden. Und so etwas Bettler und Wucherer in einer Person. passiert ausgerechnet mir!» Ja, die vielen gleichen Wagen...! Zu den bekannten Persönlichkeiten des Montmartre gehört ein alter Bettler, der dort die Cafes und Restaurants heimsucht. Sein Geschäftstrick ist, lässig zu wirken. In zer- Ein Museum für Karl May. Man weiss heute, dass die Behauptung, •lumpten Kleidimgsstücken geht er von Tisch Karl May sei nie über die Grenzen Deutsch- hinausgekommen, nicht zutreffend ist. zu Tisch, oftmals stehenbleibend, um mitlands heiserer Stimme irgend einen Sang zu krächzen. Sein Anblick und sein Gesang wirken «Wilden Westen» von Amerika gewesen und Schon in ganz jungen Jahren ist er öfter im derart, dass die mit seinen Vorträgen Beehrten schleunigst in die Tasche greifen, um ihn dianerterritorien aufgehalten und noch 190S hat er sich längere Zeit in den In- neue von ihrem Tische fortzubekommen. Das ist der Bettler. Das Künstlervölkchen von Montmartre aber kennt ihn von einer anderen Seite. Wenn sie Gold brauchten, dann riefen sie ihn nach dem Verlassen des Cafes in eine Ecke, und es folgt eine im Flüsterton geführte Unterhaltung. Der «Bettler* zieht aus der Tasche seines zerlumpten Kittels eine wohlgefüllte Brieftasche. Er entnimmt ihr die erbetene Summe, manchmal 100 Franken, oft aber auch mehr, sowie ein kleines Formular, das nur ausgefüllt zu werden braucht und auf dem sich der Darlehensnehmer verpflichtet, das Doppelte der geliehenen Summe nach einem Monat zurückzuzahlen. Der Zinsfuss ist enorm hoch, aber der Bettler muss auch oft hart arbeiten, bis er wieder zu seinem Gelde kommt. Wenn ein säumiger Schuldner mit der Rückzahlung im Rückstand bleibt, dann heftet er sich an seine Sohlen. Des Morgens kann der Künst- keine Wegweiser anbringen und die neue Regierung hat kein Geld.» Ich nahm mein No- Schwelle seines Hauses sitzend vorzufinden. ler sicher sein, seinen Gläubiger auf der tizbuch zur Hand, um mir genauere Angaben Er folgt ihm den ganzen Tag über wie ein über das « Rechts » oder « Links abzweigen •» Schatten, bis es endlich dem zur Verzweif- gebrachten Schuldner gelingt, bei Freun- aufzuschreiben. Der Alte machte mir An-lungaben, aber bald sah ich die Zwecklosigkeit den und Bekannten die geliehene Summe meines Vorhabens ein, denn wenn ich bei der nebst Zinsen aufzutreiben und sich so von sei- hartnäckigen Begleiter zu befreien, dritten Abzweigung rechts war, war dasnem oe. eifrige Männlein längst einige Abzweigungen voraus. Der Alte merkte es.' « Wissen Sie was, ich fahre gleich mit Ihnen bis auf die nächste Anhöhe, von der aus man den Weg übersehen kann. Dort kann ich Ihnen zeigen, wie Sie zu fahren haben.» Ich war damit AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N n 4 6 mobil-Hevu BflHNHOFSTR. 52 Sie rvvrldich ^* • BUNTE CHRONIK AUS ALLER WELT Ein interessanter Fall. Ein Freund von mir erzählte kürzlich folgenden Vorfall: «Ich bin Besitzer eines Buick-Wagens. Eines Abends fahre ich mit einem Freund nach Zürich und wir machen vor dem Restaurant «Du Pont» halt. Nachdem wir den Wagen ordnungsgemäss auf dem dortigen Platz parkiert haben, wirft mein Freund seinen Mantel in das Innere des Wagen und wir begeben uns ins Cafe, wo wir alsbald mit einem «Zuger» beschäftigt sind. Nach zirka zwei Stunden verlassen wir mit einem dritten das Haus, besteigen den Wagen, wobei unser Freund das Innere des Wagens besteigt. Wir fahren Richtung Bellevue, und da es inzwischen etwas kälter geworden ist, wird unser Freund im Innern des Wagens gebeten, den Mantel zu reichen. Da er aber keinen finden kann, müssen wir ohne weiteres annehmen, dass dieser in der Zwischenzeit abhanden gekommen ist. Ich mache beim Rathaus eine kühne Wendung und fahre rasch nach der Hauptpolizeiwache, um dort den Diebstahl des Mantels anzuzeigen. Nachdem die üblichen Formalitäten erledigt sind, verlassen wir nach fast einer Viertelstunde den Posten und fahren etwas erleichtert weiter. wertvolle Sammelstücke von der Reise heimgebracht. Die Villa des Schriftstellers war mit vielen Seltenheiten aus aller Herren Ländern angefüllt. Als May 1912 starb, vermachte er sein Vermögen einer mildtätigen Stiftung und bestimmte gleichzeitig, dass später auch seine grosse Bücherei und die Sammlungen der Oeffentlichkeit zugänglich sein sollten. Dieser Wunsch ist jetzt auf ganz eigenartige Weise erfüllt worden. Patty Frank, ein Wiener von Geburt, war ein begeisterter Leser Mayscher Schriften. Tatendrang und Abenteuerlust führten ihn dreissig Jahre durch die ganze Welt. Eine Zeitlang -war er bei der Buffalo Bill-Truppe und hat sich jahrelang bei den Indianern Nordamerikas aufgehalten. Der ruhelose Mann studierte die Sitten und Gebräuche, die Geschichte des roten Volkes und brachte mit grossen Opfern eine Sammlung alter, indianischer Gerätschaften und Trophäen zusammen, wie sie in Europa wohl kaum ihresgleichen hat. Als Frank gelegentlich einer Europareise das Heim des inzwischen verstorbenen Schriftstellers aufsuchte und mit Kennerblicken die vielen Sehenswürdigkeiten betrachtete, die Karl May von seinen Fahrten heimgebracht hatte, erklärte er, dass er vielleicht sein© Sammlung der Karl-May-Stiftung vermachen würde aus Dankbarkeit für die vielen Anregungen, die er durch May erhalten habe. Die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Kriege zwangen Frank, seine kostbare Sammlung einem Museum zu verkaufen. Eine Aussprache mit der Witwe Karl Mays und dem Verlagsdirektor Dr. E. A. Schmidt aber führte zu einem viel erfreulicheren Ergebnis für alle Teile. Frau May baute dem alten Globetrotter ein amerikanisches B'ockhaus in dem Park der Villa in Radebeul und sorgt nun für einen ruhigen Lebensabend des Weltläufers. Dafür geht die wertvolle Sammlung in den Besitz der Karl-May-Stiftung über. Im Anschiuss an das Blockhaus wurde nun ein neuer Raum geschaffen und unter

No 4 - AUTOMOBIL-RFVUC 17 lachwissenschaftlicher Leitung des Völkerkundlers und Spezialisten in der Erforschung •von Indianerkultur und Sprachen Hermann Dengler die Sammelstücke Karl Mays und Patty Franks zusammengestellt. Die Pädagogik der Wilden. Dass körperliche Züchtigung kein geeignetes Erziehungsmittel ist, weiss die moderne Pädagogik. Interessant ist, dass bei verschiedenen, sonst auf niedriger Kulturstufe stehenden Völkern diese Auffassung längst Platz gegriffen hat. Frithjof Nansen, der* bekannte Polarforscher, erzählt von den Eskimos, dass sie mit einer Liebe an ihren Kindern hängen, die ihm sanz aussergewöhnlich erscheint. Sie halten jede Züchtigung für unmenschlich. Nicht ein einziges Mal hörte Nansen einen Eskimo seinem Kind ein hartes Wort sagen. Der Mitteleuropäer erwartet, dass die Kinder bei einer solchen Erziehung unmanierlich und unartig werden. Nansen berichtet aber das Gegenteil: «Obwohl fch in vielen Eskimohäusern •der Westküste verkehrt habe, ist mir nur ein einziges Mal ein ungezogenes Eskimokind •begegnet — und das war in einer mehr europäischen als grönländischen Familie. Wenn die Kinder grösser und verständiger waren, genügte stets eine freundliche Aufforderung seitens des Vaters oder seitens der Mutter. IM AUTO UEBER DEN LOVCENPÄSS NACH CETINiE VON HEDE LINSMAYER. damit sie unterliessen, wozu sie keine Erlaubnis hatten. Nie habe ich Eskimokinder, sei es im Hause oder im Freien, sich erzürnen, schimpfen oder gar schlagen sehen. Ich habe ihnen oft beim Spielen zugeschaut, auch oft genug mit ihnen Fussball (ein eigenes, von ihnen selbst erfundenes, dem englischen foot-ball sehr ähnliches Spiel) gespielt, und dabei haben, wie bekannt, Knaben oft Qrund zum Zanken; aber nie sah ich einen heftig werden; ja, ich sah nicht einmal ein unfreundliches Gesicht. Wie könnte das in Europa vorkommen!» Aehnliches berichtet Erland Nordenskiöld über seine Forschungen unter den Indianern am Pilcomayo (Südamerika): «Die kleinen Kinder sind die Freunde aller, besonders die Alten haben sie lieb. Sie werden niemals gezüchtigt, hören niemals harte Worte. Werden sie älter und verständiger, so sind sie infolge dieser Erziehung freundlich und aufmerksam. Schlägereien und harte Worte kommen unter den Kindern fast niemals vor. Ein einziges Mal habe ich einen Indianerknaben einen anderen sch'agen sehen. Das war in einem Ashluslaydorf. Dass dies etwas Ungewöhnliches war, wurde mir aus der Aufregung, die darüber im Dorfe entstand, klar. Ein paar Stunden lang ergingen sich die Eltern und Verwandten der Kinder in Schmähungen. Aermstc dauerte mich, und als ich im Gedränge unversehens vor seinem Bette stand, entschuldigte ich mich höflichst wegen der unfreiwilligen nächtlichen Störung. Er schien weder Deutsch noch Italienisch zu verstehen, aber in seinen braunen Augen tanzten schelmische Funken. Er schüttelte ein ganz klein wenig die verwirrten schwär *en Locken und lächelte mir galant zu. Ich glaube, er hat uns verziehen. Soweit man es bei spärlichem Kerzenlicht überblicken konnte, war alles recht primitiv, doch die gute Frau, die während des Bettenüberziehens wohl einige sorgenvolle Blicke und Worte von uns aufgeschnappt hatte, beteuerte hastig : «Nix Wanzen o no, nix, nix!» Dies war bezeichnenderweise ihr ganzer deutscher Wortschatz! Um gerecht zu sein: sie hat nicht gelogen, und als sie unsere strahlenden Gesichter am nächsten Morgen sah, küsste sie uns bewegt die Hände — wahrhaftig!-— dankte tausendmal für das ihr gespendete Lob und wünschte uns alles Glück auf unseren ferneren Lebensweg. Die gute Alte! Punkt 8 Uhr fanden wir uns zum Start an der verabredeten Stelle bei dem Chauffeur ein. Die Fahrt in die « Schwarzen Berge » Montenegros konnte beginnen. Der Fahrpreis von 800 Dinars, annähernd 60 Mark, verur- In Ragusa flammten die ersten Lichter auf, sachte uns freilich einen nicht gelinden als wir abends um 7 Uhr den Dampfer nach Schrecken. Das überstieg bei weitem unsere. Cattaro bestiegen. Traumhaft glitten wir die Kalkulationen. Aber der Bursche bestand Adria hinunter, deren helles Blau nun tiefschwarz schimmerte. Wir lagen an Deck und andernfalls lieber auf das Geschäft verzichten hartnäckig auf diesem Betrag und erklärte, bohrten unsere Augen in das Dunkel der zu wollen. (Er hat recht gehabt, wie wir Nacht. Rechts und links in der engen Bucht später zugeben mussten.) von Kotor oder Cattaro, in die wir nach Wir blickten etwas unschlüssig hinauf zum einer mehrstündigen Fahrt einbogen, stiegen Lovcen, der mit seinen 1759 Metern wie ein gigantische Berge empor, deren gespenstische stolzer König in die Höhe ragt, die Lenden Schatten sich im Wasser widerspiegelten. Hell und unbegreiflich nah wie nie in unserer deutschen Heimat funkelten die Sterne... Um 10 Uhr landeten wir in, Cattaro, dem letzten Ort der « Loka Kotorska », einem kleinen, isolierten Städtchen an den steilen Hängen des Lovcenberges, das zu Zeiten des österreichischen Kaisertums als Hafen und und während des Krieges eine wichtige militärische" e Rolle J st)ielte."~' '"" ' " " ' Zunächst galt es, ein passables Nachtquartier und einen zuverlässigen Führer ausfindig zu machen, mit dem wir die weltberühmte Autoiahrt über den Lovcen unternehmen konnten. Denn diese sollte im wahrsten Sinne des Wortes den « Höhepunkt» unserer Dalmatienreise bilden. Unter den sich anbietenden Bewerbern suchten wir auf gut Glück den Vertrauenerweckendsten aus, nicht zuletzt deshalb, weil wir uns mit einigen Brokken Deutsch seinerseits und ein bisschen Italienisch unsererseits so einigermassen verständigen konnten. Er brachte uns durch die engen, stockdunkeln Strassen in das « beste » Hotel Cattaros, wo unsere %Ankunft ungeheure Auiregung hervorrief, eineAufregung, die bewies* dass wir uns von dem .Fremdenverkehr da unten doch eine recht übertriebene Vorstellung gemacht hatten. Die Frau Wirtin, schon halb im Neglige", raste, nach echt südländischei Art heftig gestikulierend und mit einem Sehwall von unverständlichen Worten, wie ein Wiesel auf dem Korridor hin und her. Ehe wir richtig begriffen hatten, was los war, wurde ein junger Mann aus dem Schlafe getrommelt und mit verblüffender Selbstverständlichkeit das eine freie Bett in seinem Zimmer geräuschvoll abgeschlagen. Der von einer wunderbaren Serpentinenstrasse durchschnitten. Die Sonne stand schon am Horizont. « Auf nach Cetinje ! » entschied ich, und ohne noch eine Sekunde zu zögern, stiegen wir in das Auto. Wie soll man diese herrliche Fahrt beschreiben? Eine Kurve um die andere nimmt das Auto; immer grossartiger wird: die Szenerie, die .sieh; unseren- Augen- öffnet. Die " '• ganze blaue, wunderschöne, malerische Bucht von Cattaro liegt unter uns, und um uns herum türmen sich kahle Berge. Leichter Dunst steigt aus den Talkesseln auf und hindert uns, das einzigartige Gemälde getreu auf die Kamera zu bannen. Der Wagen schraubt sich langsam höher, mit einer Art verbissener Zähigkeit; manchmal sind wir so dicht am Rand des Abgrundes, dass ich die Augen schliesse, um nicht zu zittern. Aber der Führer reisst den Wagen herum und nimmt die nächste Kurve mit nachtwandlerischer Sicherheit. Wir halten ab und zu, um die prächtigen Ausblicke in Ruhe zu geniessen, unser Führer raucht inzwischen in aller Gemütsruhe eine Zigarette. Weiter geht's auf diesem Meisterwerk der Strassenbaukunst, wir nähern uns dem Gipfel; ein steinernes Meer umgibt uns. Es begegnen uns jugoslawische Offiziere nebst einigen Soldaten, die mit Messungen beschäftigt sind. Hie und da tauchen einige fragwürdige Gestalten auf. Es müssen Montenegriner sein; sie haben etwas im Blick, was uns nicht recht gefallen will. Wir erinnern uns, dass vor nicht allzu ferner Zeit der Pass über den Lovcen noch Räubergebiet war und die Fahrt nach Cetinje in jedem Falle ein gewagtes Abenteuer blieb. Nicht selten kamen Reisende vollständig nackt an ihrem Bestimmungsort an, denn bei den Montenegrinern gilt die Räuberei keineswegs als schändliches Handwerk, im Gegenteil. Bei der heutigen, ziemlich scharfen Bewachung der Serpentinenstrasse ist die Gefahr eines Ueberfalls kaum mehr vorhanden; immerhin, man kann Pech haben. Und welch ein romantisches, ideales Räubergebiet ist hier! Jeder Felsvorsprung birgt ein schützendes Versteck. Unmöglich ist hier eine Kontrolle. Wahrlich, so reflektieren wir, wenn wir nicht gebildete Zentraleuropäer wären, so wollten wir montenegrinische Räuber sein. Allmählich sind die 132 Serpentinen bezwungen, wir haben das Plateau des Lovcen erreicht. Das Auto frisst Kilometer um Kilometer, rattert vorwärts über Stock und Stein, hinein ins Herz Montenegros. Der Weg senkt sich jetzt hinab nach Njegus, dem Geburtsort des früheren Königs Nikita. Der Führer zeigt uns das «erlauchte » Bauernhaus, das sich kaum von den ärmlichen Behausungen dei anderen unterscheidet. Die nächsten Ansiedlungen, die wir durchqueren, tragen fast dasselbe Gesicht. Man sieht, die Menschen hier haben es bitter schwer; jedes winzige Stückchen Acker ist dem öden Karstboden abgetrotzt. Sie leben in ihren kahlen Bergen versteckt, einsam und bedürfnislos, und nur ein Gedanke beseelt sie: Ein leichfer.feiner Qualirsrs- Stumpen von köstlichem Aroma! praunePackun, 10SJkf>-.80 IllliiiiiiniiwiWillilllliiillliiiiüJiU'iihmiiwiiiili SLOAN'S LINIMENT lindert Ihre Schmerzen. DieheilbnngendeFlussigkeit wird nur leicht aufgetragen, und schon sind alle Schmerzen gebannt. Schädliche Nebenwirkungen sind ausgeschlossen. * Vorzüglich bei RHEUMATIS- MUS. 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Vor dem Theater (es gibt wirklich eines!) windet sich eine riesige Schlange von verbeulten Blechkübc'n und Eime/n, die dort mit kostbarem Wasser gefüllt und später von ihren Besitzern wieder abgeholt werden. Ein originelles Bild, wenn man nicht die Trostlosigkeit dahinter witterte. Wir kaufen Trauben und Zwetschgen auf dem bunten Marktplatz und begegnen hier einem ungarischen Weltreisenden. Er zeigt uns sein Buch mit Hunderten von Inschriften. Dies, seine Frau und ein Esel sind sein ganzes Hab und Gut. Er ist auf dem Wege von Skutari nach Cetinje von einer wohlorganisierten achtzigköpfigen Komitatschibande bis aufs Hemd ausgeplündert worden. Wir kaufen ihm einige Postkarten ab, deren cyrillischer Text uns freilich unentzifferbar ist, und füllen ihm Mai GEWASCHENE, SAUBERE PUTZLAPPEN Karton ä '', ks 5f ka 1OO kn -n\ Sack taro.g Kg rr. •!..— i.iö 1-Ä> weiss kg Fr. 3.— 2.— 1.90 oscar im Wir Uranien zu Liquidatioiispreissn neue und gebrauchte ZUPJ Präz ons offeriert Argovia A.-G., Hingen (Aarg.) ab Basel & Co. Baseiflrei&oüz Inseriert im „Autler- Feierabend* Kopfweh, Migräne und Nervenschmerzen zu bekämpfen. Ein einziger Versuch wird Sie überzeugen. Schachtet Er.. 2.50. — In allen Apotheken oder direkt durch die Apotheke Richter & Co., Kreuzungen 5. Vilimergen, Gasthof z. Rössli rtauii .Heiueiia-iniascninen- Einzige Schweizermarke Bauschlosserei Fritz soltermann Bern-IYlarzlh Heirat wünschen viele vermfiimrha Damen, reiche AuBlnndennnen. viele Einheirahia- *en Herren a ohne Ver« 'nngen. Auskunft sofort, Stabrey. Berlin 113. Stolmsebeetrasse 43. Taschen und Hände mit Obst für die mutige Kameradin, die vor der Stadt in einem Zelt sitzt. Da die Zeit allmählich vorgeschritten ist, mahnt der Führer zur Rückfahrt. Noch einmal geniessen wir das ganze Panorama und vertiefen unsere Eindrücke. Aber das starke Erlebnis des Tages, die warmen, auf dem heissen Gestein flimmernden Sonnenstrahlen, die aufregende Fahrt den Lovcen hinunter haben uns plötzlich müde gemacht. Vor Abspannung fallen uns mehrmals die Augen zu, wir wecken uns gegenseitig lächelnd mit unsanften Ripperistössen, um nicht am Ende gar den letzten Teil dieser herrlichen, unvergesslichen Autofahrt zu verschlafen, denn allzu schnell erschöpft sich die Aufnahmefähigkeit des Geistes einer so grandiosen Natur gegenüber. Nach achtstündiger Fahrt wieder am Festungstor angelangt, sprachen wir dem Führer unsere Anerkennung aus, verabschiedeten uns und sassen dann schweigend und gedankenverloren an der Adria, bis das Schiff, das uns entführen sollte, in Sicht war. Noch vom Dampfer aus griissten und winkten wir hinüber zum Lovcen. Er stand da, vom Sonnenlicht umflossen, und es war, als lächelte er spöttisch über uns armselige Zwerglein, die wir so stolz waren, ihn besiegt zu hab-n, ahnungslos, dass wir vielleicht dem Tode näher waren als dem Leben. Ein bekannter französischer Schauspieler, der den Ruf hatte, seine Rollen nie recht zu kennen und sich mit Vorliebe in der Nähe des Souffleurkastens zu bewegen, hatte sich verlobt. Grosse Sensation in der Theaterwelt, denn der Mann galt als ehescheu. Morgen sollte er auf der Mairie seines Arrondissettients das bedeutsame Jawort sprechen. «Hoffentlich 'ist ein Souffleur zugegen», meinte Tristan Bernard.