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E_1929_Zeitung_Nr.014

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Fachschule für Handel

Fachschule für Handel und Sprachen Höhere Handelsausbildung mit DiplomabechJuss. Deutschkurs für Fremdsprachige. Privatsekretärinnen-, Stenotypisten. u. Hotelfachkurse. Alle Fremdsprachen. „ . HH-. bis zu den vollkommenen, neuen, selbstgebauten und alten in grösster Auswahl und zu vortei lhatten Preisen u. Bedingungen. das Beste tn: Saiten, Bogen, Kein neues Präparat, 4Ojähr. Erfahrung. Verbürgt Wirkung und Zuverlässigkeit Gcneraldcnot: töafwh^fstrasse 16 7 II Dir H Kaufverträge, Diktate, Zeugnis- Kopien eto. fertigt diskret, saaber, prompt und billig an Gestalten und ihren bauschigen Pelzen. Damit das Gewimmel noch bunter wurde, erhielten wir da gerade verschiedene Gegenbesuche. Unter anderen erschien General Liu, der von Reitern begleitet in seinem kleinen eleganten Karren in unseren Hof einfuhr. Unser Kasino war in ein Operationszimmer verwandelt worden, da Chengs Töchterchen von einem Hund übel gebissen worden war und nun von Doktor Hummel behandelt werden sollte. Der General wurde infolgedessen in meinem mehr als einfachen Arbeitszimmer empfangen und die Teetassen wurden auf dem Schreibtisch aufgetischt. Er verehrte mir ein schönes Pantherfell als Gegengabe für ein Geschenk, das er selbst am Tage vorher erhalten und Norin ihm überreicht hatte, ein grösseres Fernrohr auf Stativ. Er war ganz entzückt über das kostbare Geschenk und sagte uns eine ganze Reihe ausgesuchter chinesischer Artigkeiten. In Nanyang Gastmahl stattfand. Jollbars Khan, der «Tigerfürst», ist ein sehr einflussreicher Mann. Er ist die rechte Hand ds mohammedanischen Königs und steht sich auch mit den und Larson den Ehrenplatz inne. hatte der Bürgermeister das Präsidium bei Schanghai hätte er mehrere Jahre gewohnt und wäre mit vielen Europäern chinesischen Behörden besonders gut. Uns Haifischflossen, Bambustriebe und See- in Berührung gekommen, aber nie mit war er von grossem Nutzen; er half uns unsere Geschäfte erledigen, nahm sich unserer so netten Menschen wie uns! Professor Siu und die übrigen Chinesen konnte er nicht Kamele an und besorgte ihnen Weide und genug, dazu beglückwünschen, dass ihnen die Wartung, verschaffte uns Proviant und Karren für die Fahrt nach Urumtschi und war Gelegenheit vergönnt war, mit uns zu reisen, den ganzen langen Weg von Peking bis mit einem Wort unser Mädchen für alles. hieher und weiter. Er schwang sich sogar zu Sein Haus war aus Holz in türkischem Stil dem kühnen Vergleich auf, die Provinz Sinkiang eine Geldkassette zu nennen, die in einer Familie verwahrt wird — niemand kann sie öffnen, bis der kommt, der den Schlüssel in Verwahrung hat. Und jetzt waren wir gekommen und hatten den Schlüssel zu allen Schätzen Sinkiangs. Unsere Arbeit, versicherte er uns, werde nicht nur der Provinz, sondern ganz China zum Nutzen gereichen. Der mohammedanische König hatte uns gleichzeitig eingeladen, einer Jagd mit Falken beizuwohnen. Einige Freunde des edlen Weidwerkes ritten daher mit den Jägern aus. Sie AUTOMOBTL-REVUB 1929— N° 14 sorgfältig ausgeschnittener Silhouetten aus kannst mich rauben, ich werde mich nicht Eine Spur ganz leisen silbernen Lachens Sie machte eine Kopfbewegung, die zu schwarzem Karton machten, und der warme wehren, denn ich habe kein Stilett —ich stelle folgte ihm auf das Geräusch eines Quells un- sagen schien: «Kann sein» (wie feinfühlig;, diskrete weiche Lärm, in dem noch die Töne nur zwei Bedingungen : dass dein Ross samt- ter der fatalen Palme... und ihre Augen wurden noch zärtlicher, der eben verstummten Musik zu zittern schienen — alles das täuschte die Vision eines weisse Krawatte bindest!» Stuhl. Von beiden Seiten drangen Unterhai- sind?» fragte er. schwarz sei und dass du an seinen Hals eine Er stürzte sich auf den ersten besten freien «Gut, aber sagen bie mir, bitte, wer sie Balletts vor. Er stand fast betäubt da und «Und wie ist der Name, Herrin», sagte er tungen an sein Ohr. Ein Paar amüsierte sich «Später», gab sie flüsternd zurück, sah nicht, wohin er sich begeben oder an verlegen und verbeugte sich. mit dem Detektivspiel. Er führte sie zum Tango. Angenehmes Sauwelchem Ende er seinen Spaziergang beginnen sollte. Da fiel ihm plötzlich eine einsame, «Und dein Vorname?» Er gewahrte sie. «Sollte sie mich beobach- den Augen - angenehme Buntscheckigkeit «Die Schöne...» Eine Frau verfolgte ihn mit ihrem Blick, sen in den Ohren — angenehme Buntheit in unter einer Palme sitzende, elegant angekleidete Dame in einem phantastischen Kostüm _____ aller dieser Dinge — Zerschaukeln — immer «Helena...» ten?» dachte er- «Was zum Teufel ist denn der Parfüme - allmähliches Sichmischen auf. Nachdem er einigen lachenden Paaren y^^«^"'yry^''^"^'? |J !"

WO IS — 1Q2ft AUTOMOBIL-REVUE 15 «Ja und jetzt die Haken?» «Drei Stück gross, .... fünfundzwanzig, und drei Stück kleinere, zwanzig, macht dann fünfundvierzig, bitte.» Die Hand des Mannes zog aus der Tasche mühsam ein rotes Taschentuch, dessen eine Ecke verknotet war. Es ging langsam. «Haben Sie sich entschliessen können ?» wandte sich der Verkäufer an den eleganten Herrn. «Ja, ich nehme die Pfeife zu fünfundzwanzig.» «Schön.» Unterdessen hatte der Fischer sein Geld auf den Ladentisch gelegt. Fünfundfünfzig es waren vier Zehner, zwei Fünfer, ein Zweier und drei Einer. Ich sehe die Stücke deutlich vor mir. Und der eine der Zehner war ganz berusst. Während seine Hände das Geld ablegten, glitten seine Augen an der Wand hoch, bis dort, wo die Hanfschnüre hingen: blau, grün, gelb und grau ...., die Schnüre, eins sechzig das Bund ... Und seine Augen waren ergeben. . ja, sie blickten zwar matt, doch ergeben. Der Fischer steckte sein rotes Tuch wieder ein. Es ging mühsam. Und wieder glitten seine Augen auf die Schnur. Und es war mir, als seien es so arme Augen ... So vieles und so wenig zugleich mussten sie sehen, das sie brauchten und nicht ihr eigen nennen konnten. Der Fischer ging zur Tür. «Auf Wiedersehen,» bat der höfliche Verkäufer. Der Fischer war am Ausgang. Drei Stufen musste man steigen, um auf die Strasse zu kommen. Langsam öffnete sich die Tür. Der Fischer Münchener Karneval 1929. Die Fresse-Wagen im Festzuge. langsam, fast ergeben: «Ich sollte etwas Hanfschnur haben. Und drei Angelhaken.» «Schnur , wir haben feinsten englischen Hanf für Fischer. Blau, grün, gelb, grau ...» «Ja.» Und er befühlte die Schnur. «Nur ist sie wohl etwas zu fein für mich. . » «Gröber? Hier, bitte.» «Ich sollte nur wenig haben.» «Wir verkaufen nur bundweise.» «Ach, nur bund—weise...» (wie Jetzt streckte er sich lang und kam langsam auf den Lehnstuhl zu und Iegt$ den schönen Kopf auf das Knie seiner Herrin, die ihn wortlos streichelte . . . Der Mann legte den Arm fester um die Geliebte. «Uns geht es gut heute,» sagte er langsam. Und «Ja» flüsterte fast unhörbar die antwortende Stimme in Zärtlichkeit. Er erzählte: «Heut morgen ging ich in ein Geschäft. An der Schreinerstrasse. Ich hatte dir ja davon gesprochen. Es waren viele Leute da, die vor mir bedient werden mussten. Ich wartete. Zuletzt blieben noch ein eleganter Herr und ein Fischer. Der elegante Herr in blauem Kleid wünschte, eine Pfeife zu kaufen. Eine englische Pfeife. Er wählte lange und sorgfältig. Zuletzt zauderte er noch zwischen zwei Pfeifen: einer gebogenen mit grossem Kopf und einer geraden, englischen mit eckigem Rohr. Er fragte nach dem. Preis. Der Verkäufer sah auf seine Liste: «die grosse hier ist fünfundzwanzig, und die mit geradem Mundstück zweiundzwanzig.» «Danke.» Und er wog die beiden Pfeifen prüfend in seiner Hand. Er wählte sorgfältig: denn die eine Pfeife war fünfundzwanzig und die andere zweiundzwanzig Ja, zweiundzwanzig. Der Verkäufer wandte sich an den «Nächsten». Es war der alte Fischer. Er hielt sich unter der Qual eines verkrümmten Rückgrates ganz gebückt. — Auf dem struppigen Haar lag ein verbogener Wollhut. Seine Kleider hingen bedeutungslos an dem gebrechlichen Leib. Sie mochten oft, durchnässt, an seinem Körper von rauhem Wind nur getrocknet worden sein. «Sie wünschen?» Der Fischer antwortet nicht sogleich. Dann, Die Sonne berührte den Horizont, und der alte König ging hinaus, um sein Abendgebet zu verrichten. Als er zurückkam, kam er sogleich mit neuen spassigen Fragen heraus. Er hatte bemerkt, dass Larson den chinesischen Wein unberührt Hess. «Warum trinkt er nicht?» fragte er. «Ist er Priester oder Schriftgelehrter?» «Priester», antwortete ich. Das war allerdings nicht ganz wahr, aber Larson war ja zum mindesten in seiner Jugend Missionär gewesen. «Ja, unsere Priester trinken auch nicht, aber sie essen dafür um so mehr und haben gewaltige Bäuche.» Am Schluss des Gastmahls machte Lieberenz eine Blitzlichtaufnahme. Dazu eilte der König wieder hinaus; denn ein rechtgläubiger Moslem darf sein Angesicht nicht im Bilde zeigen. Das Fest war wirklich gelungen, eigenartig, farbenreich. Ein Widerschein längstverklungener Zeiten schwebte über der Veranstaltung. Wir verabschieden uns,, kamen wieder an der orientalisch geräuschvollen Musikkapelle vorüber und fuhren zu unserem Hof zurück- Ueber uns strahlte eine türkische Mondsichel in dunkelblauem Felde und die lackierten Holzsäulen der Kaufläden leuchteten blutrot durch den Strassenstaub. Wir fühlten uns geradezu siegesfroh. Als Verbrecher oder wenigstens als verdächtige -Gesellen, denen man wer weiss welche böse Absichten zutrauen konnte, hatten wir vor kurzem erst die Grenze überschritten, waren angehalten und entwaffnet und wie Gefangene des Wegs dahingeführt worden. Und jetzt ehren uns Fürsten und Generale durch prächtige Feste; Posaunen, Trompeten und Pauken erdröhnen zu unserer Huldigung. Man feiert uns auf alle erdenklichen Arten, man ergeben die Stimme dieses alten Fischers klang. Sie war versöhnt mit allem Leid). Dann: «Was muss ich zahlen für das Bund?» «Einen Moment. Das Bund ... ist... eins sechzig.» «Eins sechzig . So. Ja. (Der elegante Pfeifenwähler sieht auf). «Ich habe halt das Geld nicht beieinander > «Also noch Angelhaken ? Welche Qrösse, bitte?» «Oh mittel —» «So .... oder so ...?» «Ja so, etwas stärker — — so, — ja.» «Auch kleinere?» «So, ja: wie ist der Preis?» «Das Stück zehn, drei Stück fünfundzwanzig.» «So, ja; also gebt mir noch drei Stück — — von kleineren.» Und immer klang die Stimme ergeben, ruhig. «So. Das wäre alles?» «Ja. — — — — Also.» Jetzt war in der Stimme ein leiser Unterton .... Magst du zuhören, mein Lieb?» Sie drückte sich fester an ihn: «Ja.» «Jetzt kam in die Stimme ein leiser Unterton von Trauer . . . Und der Fischer fragte wieder: «Was muss ich zahlen für die Schnur?» «Eins sechzig ist das Bund.» antwortete der höfliche Verkäufer. schickt uns Esswaren, Reis, Schaf e und Melonen, man scheint uns so. lange wie möglich hier behalten zu wollen. Aber es wird wohl auch wenige Städte auf der Erde geben, wo das Leben in so einförmigen Bahnen verläuft wie in Hami, und unsere Ankunft bedeutete eine höchst ungewohnte Abwechslung. Wir Hessen uns natürlich nicht lumpen und gaben schon am folgenden Tag unser Festessen. Es glich dem ersten in jeder Hinsicht mit dem Unterschied, dass die gestrigen Wirte heute Gäste und die gestrigen Gäste heute Wirte waren, und dass der Mongolanfürst, der achtunddreissigjährige Kharaszharuin Gigen, «die Menschwerdung in Kharaschar», jetzt auch zugegen war. Eigentlich ist sein Brudersohn Fürst der Kharaschar- Torgoten, aber Gigen vertritt den wirklichen Fürsten während dessen Minderjährigkeit. An einem Tisch machte v. Marschall den Wirt. Er erregte die grenzenlose Bewunderung und den lauten Jubel der Chinesen durch seine Fähigkeit, den «Ganzen» oder wie die Chinesen sagen «gam bei» (den Becher leer!) zu trinken. Es wurde nämlich ein Trinkspiel gespielt, das darin besteht, dass zwei Gegenspieler eine bestimmte Anzahl Finger der einen Hand einander entgegenstrecken und beide gleichzeitig eine Zahl zwischen Null und Zehn rufen. Wenn nun der eine drei Finger vorstreckt und der andere fünf und der eine der Kontrahenten «acht» ruft, so muss der Gegner, der vielleicht «sechs» gerufen hat, seine volle Tasse leeren- Bisweilen war der Strafsatz drei Tassen, ja an Marschalls Tisch einmal sogar neun «Ganze». Marschall verlor, «stieg in die Kanne» und trank seine neuen «gam bei», ohne eine Miene zu verziehen. Die Chinesen jauchzten. Bestempfohlene Institute aus der Französischen Institut Lemania, Lausanne Moderne Sprach- und Handelsfachschule mit abschliessendem Diplom. Gründliche Erlernung des Französischen sowie rationelle Vorbereitung auf den kaufmänn. Beruf. Französische Ferienkurse in den Bergen; Sport. Internat u. Externat für Schüler von 15 Jahren an. Alpines Landerziehungsheim (Wallißcr Alpen) Champery (1070 m ü. M.) für Knaben von 8—15 Jahren. Idealer Aufenthalt und sorgfältige Erziehung; reichliche Nahrung; Hand- und Gartenarbeit; Sport. Primär-, Sekundär- und Handelsabteilung. Man verlange Prospekte. 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