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E_1929_Zeitung_Nr.032

E_1929_Zeitung_Nr.032

Gerichtsakten zeigen,

Gerichtsakten zeigen, wie die fehlbaren Fahrer gerne geneigt sind, ihre mangelnde zivile Fahrpraxis als Unfallursache anzugeben. Bei einzelnen Fällen dürfte es tatsächlich zutreffen. Das zwingt mehr denn je, die unfähigen Elemente von Anfang an zurückzuweisen, trotz den daraus für den Rekruten entstehenden Unannehmlichkeiten und den Scherereien für den Bund, wie Ausbildungsverzögerung und Mehrkosten, die aus Verpflegung, Unterkunft und Reisespesen entstehen. Zweck dieser Zeilen ist, auf all diese Umstände aufmerksam zu machen und aufklärend zu wirken, damit junge Leute mit wenig Fahrausbildung oder nicht gesicherter späterer Fahrpraxis von einer Anmeldung zum Motorwagendienst absehen, sich damit grosse Enttäuschungen und Unannehmlichkeiten ersparen und die Entlassungen abnehmen. Noch einige aufklärende Worte über die Rekrutierung und die mehrmals schon erwähnte militärische Prüfung. Zur Armee werden Motorfahrer und Motorradfahrer rekrutiert. Der Begriff Motorfahrer umfasst die Personen-, Lastwagen- und Spezialfahrzeugführer (Tanks, Traktoren etc.). Die Motorfahrer unterstehen dem «Motorwagendienst», der der Generalstabsabteilung unterstellt ist Zu ihm melden können sich also alle jungen Leute, die den kantonalen Fahrausweis für obige Fahrzeugtypen besitzen. Sie werden in den Schulen des M. W. D. ausgebildet, die jährlich in Thun stattfinden. Die Motorradfahrer hingegen gehören zu den Radfahrern, sind also eine Waffengattung der Infanterie, werden anfänglich in den Radfahrerschulen in Winterthur ausgebildet, und treten erst in der zweiten Hälfte zum Motorwagendienst über, um hier eine fachtechnische Ausbildung am Motorrad zu machen. Sie bleiben aber Infanteristen. Zu den Motorradfahrern können sich alle diejenigen Stellungspflichtigen Leute melden, die den kantonalen Fahrausweis für Motorräder besitzen. Leute mit dem Fahrausweis für Motorräder sollen sich aber nicht zum Motorwagendienst melden, wie das jetzt oft vorkommt Die Gründe sind aus obigen Ausführungen ersichtlich. Aeusserlich kenntlich ist der Motorfahrer durch die weinroten Aufschläge mit Steuersäule, der Motorradfahrer durch die grünschwarzen Aufschläge des Radfahrers, dazu ein schwarzes Blitzrad am Oberarm. Besonders gute und zuverlässige Personenwagenfahrer erhalten zudem den «Fahrstern», eine Auszeichnung, wie sie dem guten Meldereiter bei der Kavallerie abgegeben wird. Ueber die militärische Prüfung ist zu sagen: Sie dauert in der Regel 2—3 Tage, setzt am zweiten Diensttage ein und erstreckt sich auf: a) Kontrolle der kantonalen Fahrbewilligung. Sie muss vorhanden sein, denn durch sie werden unfähige Elemente von Anfang an eliminiert die Auslese vereinfacht und beschleunigt b) Praktische Fahrprüfung auf Last- resp. Personenwagen. c) Schriftliche oder mündliche theoretische Prüfung über die technischen Kenntnisse. d) Ueberprüfung der Angaben über die bisherige und zukünftige zivile Tätigkeit, über die jeder Rekrut wahrheitsgetreu auf besonderem Formular schriftlich Auskunft zu geben hat. «Ich muss aber vorher zum Friseur,» unterbrach Ljubitza die eingetretene Stille, «und komme in zwei Stunden nach!» Still, jeder seinen Gedanken nachgehend, sassen die beiden Männer im Wagen des Amerikaners. Der Buick sauste der Küste entlang nach Monte. Da sagte Mr. Croze: «Sie haben verloren?» «Ja, viel, auch meinen Wagen!» Wieder verrannen Minuten. Schon passierte der Wagen den Boulevard de la Condamine, surrte die steile Avenue de Monte Carlo zum Kasino hinauf. Sie waren am Ziel. Sie betraten das Kasino. «Ich müsste 200 000 Franken haben,» wandte sich Brück an Croze, « dann könnte ich gewinnen, meine ganzen Verluste einholen!» Der Amerikaner blieb stehen, blickte ihn etwas ironisch an: «Di© können Sie sofort haben, sogar 300000!» «Sie machen wohl einen schlechten Schere!» antwortete Brück. « Sie irren, ich spreche im Ernst — —; nur eine kleine Bedingung knüpfe ich daran: Sie geben mir Ihre schriftliche Einwilligung, dass Sie Ihre Frau freigeben ...» « Sie haben wohl schon mit meiner Frau hinter meinem Rücken alles besprochen. Was wollen Sie von meiner Frau?» « Etwas rein Geschäftliches, vielleicht ihr Glück!» Brück Oberlegte. «Ich glaube, » setzte Mr. Croze fort, « dass Ihre Frau prädestiniert ist, in Amerika ein grosser Star zu werden.» «Ah!» und Brück lächelte ironisch. Bei den einzelnen Prüfungen dürfte interessieren: a) Der Rekrut kann 2—3 mal zur Fahrprüfung kommandiert werden, namentlich wenn er sich anfänglich ungeschickt oder aufgeregt benimmt oder das Fahrzeug ihm nicht genügend vertraut ist. b) Die Automobilmechaniker haben oft geringe Fahrkenntnisse. Sie werden deshalb im Fahren milder beurteilt, bestehen dafür aber mehrere Spezialprüfungen im Reparaturen wesen von mehrtägiger Dauer. Wer bestanden, kommt versuchsweise in die Werkstätte und kann auf Schulschluss zum Kolonnenmechaniker (Autoreparateur) ernannt werden. Er erhält ein besonderes Abzeichen (Zahnrad am Oberarm) und macht von nun ab seine Wiederholungskurse als Reparateur. c) Die technische Prüfung umfasst die allgemeinen Fahr-, Verkehrs- und Parkdienstregeln (Unterhalt), und die technischen Grundbegriffe. Ihr Resultat bildet die Basis für weitere militärische Ausbildung. Sie zeigt, wo der Unterricht in Technik, Fahrausbildung und Fahrzeugunterhalt einzusetzen hat. Es wäre aber nun falsch, auf Grund obiger Darlegungen zu glauben, dass beim Motorwagendienst nur Berufschauffeure und Automobilmechaniker angenommen würden. Im Gegenteil, es sollten alle Berufsarten, die mit dem Automobil in Berührung kommen, vertreten sein. So geben Metzger, Käser und Köche die Küchenleute, deren auch der Motorwagendienst benötigt. Neben ihrem Küchendienst steht ihnen immer Zeit zur Fahrausbildung zur Verfügung. Aus den Kaufleuten rekrutieren sich die Fouriere und Quartiermeister. Auch deren bedarf der Motorwagendienst. Kaufleute stellen aber auch den Offiziersersatz, sofern sie genügende Fahrpraxis und technische Kenntnisse haben, und ihre Eltern oder sie selber ein Motorfahrzeug besitzen. Garagisten, Transportunternehmer, Techniker, Ingenieure, Fabrikanten bilden das Gros der Unteroffiziere und Offiziere. Je vielgestaltiger die Berufsarten in einer Waffe und namentlich in ihrem Kader vertreten, um so eher ist Gewähr geboten, dass ihr Geist grosszügig, jung, frisch und elastisch bleibt, um so eher wird der Einseitigkeit und schablonenmässigen Arbeit gesteuert, um so fester und nachhaltiger die Kameradschaft, um so natürlicher, unaufdringlicher ihr Korpsgeist und Selbstbewusstsein, um so anregender der gegenseitige Verkehr. ' Mögen diese Zeilen neben ihrem eigentlichen Zweck dazu beitragen, dem Motorwagendienst ein Kader aus allen Berufsarten zu schaffen- Die Waffe ist noch jung, in voller Entwicklung. Ueberall schreitet die Mechanisierung der Armeen voran, die Erfahrungen des Weltkrieges mit Riesenschritten überholend, den Pferdezug mehr und mehr ablösend. Auch in unserer Armee beginnen die Widerstände zu brechen, das Verständnis für die Mechanisierung zu wachsen. Je mehr Bewerber, um so sorgfältiger kann die Auswahl bei der Rekrutierung und der Erneuerung des Kaders getroffen werden. Und das ist gut so, denn der M. W. D. steht vor einer grossen Zukunft -r- « Lächeln Sie nicht; ich irre mich selten ! Also kurz: ich möchte Ihre Frau engagieren, ich biete ihr eine fürstliche Gage, doch darf sie nicht verheiratet sein, sondern muss vollkommen frei sein, um sich ganz ihrem neuen Wirkungsfelde zu widmen. Hier ist ein Papier, ich habe das Nötige bereits aufgesetzt. Sie brauchen nur zu unterschreiben und Sie erhalten auf der Stelle 300 000 Franken. Nach Ablauf des Kontraktes, nach zwei Jahren, können Sie sie, vorausgesetzt, dass Ihre Frau noch will, wieder heiraten. Ein glänzendes Geschäft!» Brück war perplex. Auf so einen Amerikanismus war er gar nicht gefasst. Er stand noch zögernd da, hörte das Klimpern von Jeutons, hörte die Aufforderungsrufe der Croupiers zum Spiele, und die Atmosphäre der Spielhölle fasste ihn. Es tanzte für Momente um ihn alles, der Saal, die Menschen, und sein Blick fiel auf die rotierende Roulettekugel. Mit abwesendem Augenausdruck flüsterte er: « Einverstanden !» Er unterschrieb und hielt dreihundert Tausend-Franken-Scheine in Händen. Der Amerikaner hatte sie bereits mitgebracht. Das Geld brannte ihm in den Händen. Er setzte sich zu einem Tische, übernahm die Bank und gewann. Minuten, Stunden war er die Sensation dieser ekstatischen Menschen. Ljubitza kam. Sie sah sofort den Mittelpunkt des Spieles, sie sah ihren Mann. Banknotenhaufen lagerten vor ihm. Ein Glücksgefühl fasste sie. Er hatte die Bank gesprengt. (Aus «Weltspiegel».) AUTOMOBIL-REVUE 1929 - N° 32 Konzessionen für Autofahrten. Der Bundesrat fasste Beschluss über die Erteilung von Konzessionen für regelmässige Autofahrten (Konzession B). Darnach können für die Beförderung von Reisenden mit re-* gelmässigen Fahrten Konzessionen erteilt werden, und zwar eine Konzession für regelmässige Fahrten, durch die die Reisenden wieder an den Ausgangspunkt zurückgeführt werden, sogenannte Rundfahrten, und eine Konzession für regelmässige Fahrten, durch die die Reisenden "nicht zum Ausgangspunkt zurückgeführt werden, sogenannte Reisefahrten. Konzessionspflichtig sind Fahrten, deren Ausführung während mehr als 14 Tagen und wenigstens einmal wöchentlich nach dem gleichen Reiseziel beabsichtigt ist. Regelmässigkeit besteht auch dann, wenn die Fahrten nicht an den gleichen Wochentagen verwirklicht werden. Das Postdepartement behält sich vor, nach den gleichen Ausflugszielen auch Fahrten durch die Postverwaltung ausführen zu lassen und weitere Konzessionen zu erstreben. Die Konzession wird auf Antrag der Oberpostdirektion vom eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement erteilt. Die Wagen und Fahrer unterstehen den für den allgemeinen Automobilverkehr erlassenen Bestimmungen. Automobile, die für mehr als acht Sitze Raum bieten, dürfen nur von Fahrern geführt werden, die das 22. Altersjahr zurückgelegt haben; den 'Fahrern ist der Alkoholgenuss von Anfang bis Ende der Fahrt verboten. Die Fahrer sollen von Ende einer Tagesfahrt bis zum Beginn der nächsten eine zusammenhängende Ruhezeit von wenigstens neun Stunden gemessen können. Der Fahrer muss spätestens nach zehn Stunden Dienst am Lenkrad abgelöst werden. Seine Leistung am Lenkrad, einschliesslich Leerfahrten, darf innerhalb 24 Stunden bei Wagen, die für mehr als acht Sitze Raum bieten, 250 km und bei kleineren Fahrzeugen 350 km nicht übersteigen. Zum Verkehr auf Bergstrassen werden Wagen, die für mehr als acht Sitze Raum bieten, nur unter besonderen Bedingungen zugelassen. Die jährliche Konzessionsgebühr für Rundfahrten beträgt für wöchentlich eine Fahrt und einen Reiseweg bis 125 km Fr. 25.—, für Reisewege von über 125 bis 250 km Fr. 50.— und für je weitere 250 km Fr. 25.— mehr. Für Reisefahrten beträgt sie bis 125 Kilometer Fr. 50.—, bis 250 km Fr. 100.—. Entgegen früherer Praxis hat der Bundesrat dieses Mal die Vorschriften in die Form eines Bundesratsbeschlusses gekleidet, wäh- Der Klausen 1929 gesichert! Durch Datumverlegung der Alpenfahrt Offiziell wird uns mitgeteilt: «Da für das im Internationalen Sportkalender auf den 17. und 18. August 1929 angesetzte Internationale Klausenrennen eine Datumkollision mit der für den 11. bis 17. August 1929 vorgesehenen Internationalen Alpenfahrt bestand, war die Abhaltung des Klausenrennens durch die drei organisierenden Sektionen Glarus, Uri und Zürich des A. C. S. bisher in Frage gestellt Die genannten drei Sektionen hatten ausbedungen, dass ein Zwischenraum von mindestens einer Woche zwischen den Daten der Alpenfahrt und des Klausenrennens liegen müsse. _____ m Die vom A. C. S. in dieser Sache unternommenen Schritte hatten nun den Erfolg, dass eine Verlegung des Datums der Internationalen Alpenfahrt vorgenommen werden konnte, und zwar ist dieselbe nun von der A. I. A. C. R. auf die Tage vom 24. bis 28. August 1929 angesetzt worden. Demzufolge findet das Internationale Klausenrennen definitiv am 17. und 18. August 1929 statt, offen für Motorräder und Automobile. Da die Bewilligungen der Kantone Glarus und Uri für die Abhaltung des Rennens bereits zugesagt worden sind, steht der Durchführung nun nichts mehr im Wege. Die organisierenden Sektionen des A. C. S. werden im Verein mit dem Schweizerischen Motorradfahrerverband alles tun, um auch dem Klausenrennen 1929 wiederum zu bestem Erfolg zu verhelfen. Es sollen unverzüglich die nötigen Schritte unternommen werden, um dem Rennen eine gute internationale Beschickung durch Fahrer von Ruf und Klasse zu sichern. Man wird die gute Kund© mit besonderer Freude entgegennehmen und dem A. C. S. für die Wiederdürchführung unseres grössten schweizerischen und schlechthin auch grössten europäischen Bergrennens wirklich zu Dank verpflichtet sein dürfen. Die Organisation an der Arbelt Der Entscheid ist etwas • spät gefallen, doch wird dies für die Organisation des Klausenrennens 1929 ohne Schaden sein, da sich für dessen Durchführung erfreulicherweise wiederum die bewährten Mitarbeiter rend früher die Ausführungsbestimmungen dem Postdepartemente überlassen waren. Neu am Beschlüsse ist ferner die Bestimmung, dass die Konzessionsverordnung nicht mehr die Rundfahrten allein umschüesst sondern überdies noch Reisefahrten vorsieht, bei denen die Reisenden an einem Ort aufgenommen und an einem andern abgesetzt werden können, ohne dass die Fahrten regelmässig im Sinne der Konzession A ausgeführt werden müssen. Auffallend, sehr auffallend sogar ist dagegen die Bestimmung, dass die Postverwaltung Mindestfahrpreise und Höchstprovisionen für die Werbung von Reisenden festsetzen kann. Auch die Bestimmung, dass zum Verkehr auf Bergstrassen Wagen mit mehr als acht Sitzplätzen nur unter besondern Bedingungen zugelassen werden, weist deutlich darauf hin, dass die eidgenössische Post, wenn auch sehr vorsichtig nach aussen, so doch mit allen Mitteln darnach trachtet, den Automobilgesellschaftsverkehr unter ihre Monopolstellung zu nehmen. Wir halten es an der Zeit, einmal hierauf öffentlich hinzuweisen. Die Eisenbahnen führen den Kampf gegen das Automobil mit offenem Visier, die eidgenössische Post dagegen kämpft verschleiert; es sind ihr Vorzugsrechte eingeräumt worden, die nicht nur auf Kosten der Kantone, sondern auch auf Kosten des Freierwerbs gehen. Ob das Postdepartement beispielsweise nur die Absicht hat, Mindestfahrpreise und Höchstprovisionen da vorzuschreiben, wo dieses einer dringenden Notwendigkeit entspricht und wo dies von den Unternehmern selbst verlangt wird, hat die Zukunft zu beweisen. Jedenfalls ist Grund vorhanden, dass die Besitzer von Gesellschaftswagen der Entwicklung mit offenen Augen zusehen und sich rühren, bevor es zu spät ist. Es ist nicht so unverständlich, wenn in Kreisen der Gesellschafts-' wagenbesitzer sich eine gewisse Unruhe bemerkbar macht und ein Gefühl zur Bestimmtheit wird, als wolle man dem freien Automobilgewerbe mit zuvorkommendstem Gesichte die Schlinge immer fester um den Hals ziehen. Angesichts dieser Lage dürfte es gut sein, wenn die Besitzer von Gesellschaftswagen und Autocars geschlossen ihren bereits bestehenden Organisationen beitreten, um solidarisch ihre Interessen an massgebender Stell© zu verfechten. Wir dürfen übrigens auch annehmen, dass die A.S.P.A., deren Mitglieder sich ja alle aus dem freien Gewerbe rekrutieren, nicht samt und sonders mit dem Vorgehen und den Argumentationen der Postdirektion einigKeht. Sorgen wir auf alle Fälle rechtzeitig dafür, dass die schon bereits zu starke Monopolstellung der Post nicht noch exklusiver ausgebaut wird. ~t. der früheren Klausenrennen zur Verfügung gestellt haben. Es darf denn auch verraten werden, dass sich das Rennsekretariat bereits mit Anfang dieses Monats im Sekretariat der Sektion Zürich des A. C. S. etabliert und seine Arbeit aufgenommen hat. Das Rennreglement dürfte in Bälde zum Versand gelangen und Hand in Hand damit wird die Propaganda im In- und Ausland einsetzen. Trotz der sich in allen europäischen Staaten geltend machenden Rennmüdigkeit hoffen die Organisatoren, d«m Klausenrennen 1929 eine bemerkenswerte internationale Beschickung sichern zu können, so dass es an seinem guten Ruf als bedeutendstes Bergrennen des Kontinents in keiner Weise Schaden erleiden wird. Die drei Sektionen des A. C. S. haben den Organisationsausschuss wie folgt bereits bestellt: Präsident Fritz Frey, Zürich; Vizepräsident W. Badertscher, Zürich; Mitglieder Jenny-Luchsinger, Glarus und Dr. Haas, Altdorf; Rennsekretär Dr. H. Schmidlin, Zürich* Das erweiterte Organisationkomitee wird zudem noch die bewährten früheren Mitarbeiter wie die Herren Ammann, Zürich, Brüderlin, Zürich, M. Gassmann, Zürich, Zwicky- Freuler, Glarus, Freuler, Glarus, Heer, Glarus, Dr. Denzler, Zürich, Math. Jenny, Glarus, Naef, Altdorf, Straessle, Zürich etc., sowie die Vertreter der U. M. S. umfassen, s. Industrie und Sport in Deutschland. Der Reichsverband der Automobilindustrie hat an den Automobilclub von Deutschland ein Schreiben gerichtet, in dem er darauf hinweist, dass den Personenwagenfabriken seitens des Reichsverbandes der Automobilindustrie die Beteiligung an sportlichen Veranstaltungen, insbesondere an dem Grossen Preis der Nationen des A. v. D., der Internationalen Alpenfahrt des A. v. D. und der Gebrauchswertprüfung des A. D. A. C. freigestellt worden ist. Was die Schönheitskonkurrenzen anbelangt, so dürfen nach einem international festgelegten Beschluss des Bureau Permanent nur solche beschickt werden, die vom nationalen Konstrukteurverband freigegeben sind. Es sind dies für 1929 die grossen mit: den internationalen Automobil-Turnieren ia Wiesbaden und Baden-Baden verbundenen Schönheitskonkurrenzen,

N° 52 — 1929 Man weiss, dass die « Offiziellen » Gegner der Strassenverkehrs-Initiative sind. Das Volk selbst ist bis heute noch so wenig über die eigentlichen Ziele der Initiative aufgeklärt, dass es nicht schwer fällt, einen Beschluss gegen sie zustandezubringen. Der Zentralvorstand der freisinnigen Partei des Kantons Bern hat nach Anhörung eines Referates von Nationalrat Spychiger eine Resolution angenommen, in der ebenfalls gegen die Initiative Stellung genommen wird. Der Zentralvorstand empfiehlt Ablehnung, «da sie : 1. zu sehr in die kantonale Hoheit eingreift; 2. ohne Not dem Bund den eigenen Bau von Strassen überträgt; 3. dem Bund zu viel finanzielle Mittel entzieht; 4. die Verteilung des Bundesbetrages zu sehr kompliziert.» Zudem betont die Resolution, dass der Verfassungsartikel 37 bis genüge, um ein neues, den gegenwärtigen Bedürfnissen entsprechendes Gesetz zu erstellen. Die Resolution des Zentralvorstandes der freisinnigen Partei zeigt deutlich, wie der Text der Verkehrsgesetz-Initiative falsch interpretiert wird und man Absichten in sie hineinlegt, die gar nicht vorhanden sind. Zu Punkt 1 der Resolution : Die Verkehrsinitiative greift nicht in die kantonalen Hoheiten hinein," im Gegenteil, dadurch, dass sie den ganzen Benzinzollertrag den Kantonen zu übermitteln bezweckt, stärkt sie deren Finanzen, unterstützt sie deren wirtschaftliche Bestrebungen und trägt demnach dazu bei, die kantonalen «Hoheiten» in ihrer Macht zu stärken. Zu Punkt 2 : Es liegt keinesfalls in der Absicht der Initianten, den Bund im Zusammenhang mit der Verkehrsgesetzgebung zur Aufstellung eines umfangreichen administrativen Apparates zu veranlassen. Niemand will die Strassenhoheit der Kantone im Prinzip antasten. Es läge dies ja gar nicht im Interesse der Strassenbenützer, da die Kantone im allgemeinen die örtlichen Verhältnisse im Strassenbau bedeutend besser zu würdigen wissen als dies eine Zentralstelle in Bern tun könnte. Dies Ziel der Initiative liegt nicht darin, den heute schon so umfangreichen zentralen Verwaltungsapparat der Eidgenossenschaft zu vergrössern und neue •Beamtenstellen zu schaffen, sondern die Kantone in ihrem Bestreben, das Strassennetz nach den Grundsätzen der modernen Technik und entsprechend der gesteigerten Anforderungen des neuzeitlichen Verkehrs auszubauen, nach Kräften zu fördern. Grundsätzlich also sollen auch in der Zukunft die Kantone die Strassen weiterhin bauen, der Bund soll einzig in vermehrtem Masse die kantonale Strassenbautätigkeit unterstützen. In diesem Sinne enthält die Initiative auch eine Bestimmung, die dem Bund das Recht gibt, Bau und Unterhalt von Durchgangsstrasseii zu übernehmen oder sich daran zu beteiligen. Darin beruht die « gefürchtete» Einmischung des Bundes in die kantonalen Hoheitsrechte ! Zu Punkt 3 : Darüber ist in unserem heutigen Leitartikel ausführlich zu lesen. Natürlich würden dem Bunde durch die Annahme der Initiative finanzielle Mitte] entzogen. Diese können aber leicht durch eine gründliche Instandstellung unseres schweizerischen Strasscnnetzes und dadurch bedingte erhöhte Zolleinnahmen etc. ersetzt werden. Zu Punkt 4: Die Verteilung des Benzinzollviertels an die Kantone ist heute bereits derart kompliziert, dass auch durch eine erhöhte Beitragsleistung eine grössere Komplikation nicht mehr eintreten kann. Wohl aber wäre dann Gelegenheit vorhanden, verschiedene sich schwer fühlbar machende Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen. Ob der gegenwärtige Verfassungsartikel 37 bis zu einem alle Strassenbenützer umfassenden Gesetz genügt, darüber gingen die Meinungen im Nationalrate sehr stark auseinander. Sicher ist, dass der Artikel in seiner Auslegung sehr dehnbar ist, dass er sogar Zweideutigkeiten zulässt, die gerade die Verkehrsinitiative durch Schaffung einer klaren Situation aus der Welt schaffen möchte. Aus diesen Gründen ist der Entscheid des Zentralvorstandes der freisinnigen Partei sehr zu bedauern. Gerade der Kanton Bern mit seiner ausgesprochenen Finanzmisere hätte allen Grund, mit einem wuchtigen Mehr diese Initiative anzunehmen.. Schwer lastet der Steuerdruck auf der 'gesamten Bevölkerung, dessentwegen eine eigentliche und gefährliche Kapitalabwanderung aus dem Kanton Bern eingesetzt hat. Das finanzielle Gleichgewicht ist nur schwer herzustellen. Die Schuldenlast des Kantons drückt. Aber trotz allem müssen für Strassenverbesserungen und Strassenbau jährlich rund 6,5 Millionen Franken bezahlt werden. Dem gegenüber darf der Kanton Bern aus den erhöhten Benzinzollbeiträgen jährlich nur mit 600 000 Fr. rechnen. 6 Millionen Franken sind demnach Jahr für Jahr aus dem Staatsfiskus herauszupressen. Es ist deshalb nicht zu verwundern, dass der bernische Baudirektor, Herr Regierungsrat Bösiger, selbst das Verlangen gestellt hat, dass der ganze Benzinzollertrag den Kantonen zufliesse. Nach seiner Ansicht gehört der letzte Rappen des Benzinzolles auf die Strasse. Wir unterstreichen diese Forderung nicht nur im Interesse der Automobilisten, sondern in erster Linie im Interesse des ganzen bernischen Volkes. Wir gehen mit Herrn Nationalrat Spychiger einig, dass über dem Interesse des Automobilisten dasjenige der Gesamtheit steht. Gerade aber die Interessen des Kantons Bern und damit die Interessen der bernischen Bevölkerung machen es jedem Berner Bürger zur Pflicht, dem Kanton alle diejenigen Finanzen zukommen zu lassen, für die eine Erfassung möglich wäre. Jeder Berner, dem die volkswirtschaftliche Blüte seines Kantons am Herzen Hegt, wird deshalb trotz Beschlusses des ientralvorstandes der freisinnigen Partei der Initiative seine Zustimmung geben müssen. Ein entwicklungsgeschichtlicher Nachruf. In der Nacht vom 3. auf den 4. April ist in Ladenburg Carl Benz gestorben. Er erreichte ein Alter von 85 Jahren. Der Tod Carl Benz's hat die Augen der ganzen Welt einmal mehr auf den Mann gerichtet, der am Werden des Automobils eminente Verdienste besitzt. Carl Benz ist nicht, wie die Tagespresse in ihrem Nachrufe sich auszudrücken pflegte, «der Erfinder» des Automobils. Das grosse Werk des Verschiedenen ist es, neben "Göttlich Daimler und dessen Mitarbeiter Wilhelm Maybach, der Schöpfer des heutigen durch Verbrennungsmotor angetriebenen Motorfahrzeuges zu sein. Aber selbst Automobile im heutigen Sinne, also durch Explosionsmotoren angetriebene Fahrzeuge, hat es vor Benz und Daimler gegeben. Der erste Explosionsmotor mit elektrischer Zündung und somit das erste Automobil wurde, was die wenigsten wissen, von einem Schweizer erstellt, und zwar von Rivaz. Weder er noch seine zahlreichen Nachfolger kamen zu brauchbaren Resultaten. Erst der Franzose Lenoir, der 1860 einen Zweitakt-Benzinmotor erfand, konnte damit ein einigermassen fahrbares Automobil bauen, mit dem er 1863 eine Fahrt von 18 km Länge machte. Aber sein Motor leistete nur W2 PS, machte 100 Touren, war sehr schwer und verbrauchte grosse Mengen Benzin und AUTOMOBIL-REVUE Der Kanton Bern und die Strassen verkehrsinitiative Carl Benz f. Wasser. Ein Motor von 6 PS wurde auch in ein Boot eingebaut, womit das erste Motorboot entstand. Zur selben Zeit beschäftigte sich in Wien der aus Malchin in Mecklenburg stammende Siegfried Markus mit dem Bau von Verbrennungsmotoren und brachte 1875 ein Automobil mit Gasmotor heraus. / Aber wie seinen Vorgängern war Markus, dessen Wagen übrigens viele geniale Konstruktionseinzelheiten aufwies, die später nacherfunden wurden und noch im modernen Kraftfahrzeug vorhanden sind, kein praktischer Erfolg beschieden. Sein Name und seine Erfindungen verfielen der Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren haben die Wiener den in ihren Mauern Gestorbenen mit einem Denkmal geehrt und sich dadurch berechtigt gefühlt, die Erfindung des Autos für einen der ihren zu beanspruchen. Wie bei allen grossen Erfindungen, wollen viele die Erfinder sein und sind es auch tatsächlich. Ein Fortschritt im Automobilbau war erst möglich, nachdem der Konstrukteur Otto 1876 mit seinem wirtschaftlicheren Viertaktmotor herausgekommen war, und wozu Lenior, Markus und Otto die Grundlage geschaffen hatten, das vollendeten Gottlieb Daimler und Carl Benz. Beide gingen aus dem Gasmotorenbau hervor und beide verfolgten unabhängig voneinander und auf eigenen Wegen ihr Ziel: den leichten, schnelllaufenden Verbrennungsmotor. Carl Benz, als Sohn eines Lokomotivführers am 25. November 1844 in Karlsruhe geboren, hatte am dortigen Polytechnikum Maschinenbau studiert. Mit 27 Jahren richtete er in Mannheim eine eigene Werkstatt mit acht Arbeitern ein, in der er stationäre Gasmotoren baute. Ins Jahr 1878 fällt die Konstruktion des ersten Benz-Zweitaktmotors. 1885 wurde ihm gestattet, die erste Fahrt in den Strassen Mannheims auszuführen. Das Fahrzeug legte in der Ebene 10—15 Kilometer in der Stunde zurück. Sein Motor, mit allem Zubehör nur 75 kg wiegend, produzierte % PS. Ansaugen und Komprimieren der Luft erfolgte nicht, wie bei den Gaszweitaktmotoren, durch Luftpumpe, sondern durch den Kolben selbst. Die Steuerung für den Gaszutritt wurde nicht durch Schieber, sondern durch Ventile geregelt. Die Zündung vollzog sich durch Funkeninduktor, der im Explosionsraum einen Funken zwischen zwei Platinspitzen überspringen Hess. Der Motor hatte ein grosses, wagrecht liegendes Schwungrad, einen gut arbeitenden Oberflächenvergaser und Wasserkühlung durch Kühlschlange mit selbsttätigem Wasserumlauf. Es war ein Differential vorhanden, auf dessen Welle die Kraftübertragung durch einen Riemen mit Fest- und Leerscheibe erfolgte. Dieser erste Benz - Wagen wies also schon Konstruktionseinzelheiten auf, die später allgemein im Automobilbau Eingang fanden. V. Berns Flugplatz Bundes-Flugplatz? Man beginnt in Bern nicht nur die Ueberzeugung zu gewinnen, dass die Stadt einen Flugplatz brauche, sondern dass der Stadt- Flugplatz tatsächlich gleichzeitig zum Bundes-Flugplatz ausgebaut werden könnte. Das ist entschieden ein Fortschritt. Der Bund beabsichtigt, wie verlautet, eine angemessene Summe zu entrichten, wenn der Platz auch Militärfliegern zur Verfügung steht. Ueberdies habe sich gezeigt, dass der Sitz der Landesregierung auf die Dauer nicht ohne Luftverbindung bleiben darf.» Man sieht, man hat sich selbst an höchster Stelle zu einer Erkenntnis durchgerungen, die der Presse seit Jahren Binsenwahrheit ist. Nun soll zuerst ein Flugplatzdirektor gesucht werden. Männiglich ist voll lenzlicher Hoffnung... xi. Der A. C. S. Waadt verlangt Sicherheitsmaßnahmen. Mit Rücksicht auf die in letzter Zeit im Kt. Waadt vorgekommenen Automobilunfälle, an denen fahrlässige, gewissenlose und betrunkene Wagenlenker die Schuld tragen, hat die waadtländische Sektion des Schweiz. Automobilclubs an den Regierungsrat ein Schreiben gerichtet, in welchem gefordert wird: 1. dass jeder Motorfahrzeuglenker, der betrunken angetroffen wird, nicht nur bestraft, sondern dass ihm auch dauernd die Fahrbewilligung entzogen werde; 2. dass eine bestimmte Zahl von Motorfahrzeugbesitzern, die seit fünf Jahren den Fahrausweis besitzen und als vorsichtige vernünftige Fahrer bekannt sind, vereidigt und ermächtigt werden, unterwegs einzuschreiten und gegebenenfalls den Behörden die Strassenbenützer anzuzeigen, die gegen die Verkehrsordnung verstossen. Die Sektion vertritt die Auffassung, dass die Unfälle nicht allein auf Geschwindigkeitsexzesse zurückzuführen sind, sondern auf eine ganze Reihe anderer schwerwiegender Umstände. Sie ersucht den Regierungsrat, die Frage mit ihr zu besprechen. Erleichterungen für schweizer. Automobilisten im deutschschweizerischen Grenzverkehr. Das Reichsfinanzministerium hat durch eine Verfügung vom 21. März 1929 die bestehende Steuerfreiheit von fünf Tagen im direkten deutsch - schweizerischen Grenzverkehr auf 14 Tage arsgedehnt. Die in Frage kommenden Bestimmungen der Vereinbarung lauten nunmehr: «Kraftfahrzeuge, die von den schweizerischen Behörden verkehrspolizeilich zugelassen sind, werden bei einem Eingang über die deutsch-schweizerische Grenze beliebig oft für 14 unmittelbar aufeinanderfolgende Aufenthaltstage im deutschen Reichsgebiet von der deutschen Kraftfahrzeugsteuer freigestellt. Bei der Berechnung der Aufenthaltstage wird der Tag des Eingangs und der Tag des Ausgangs als je ein Aufenthaltstag gerechnet. Bleibt das Kraftfahrzeug länger als 14 Tage im deutschen Reichsgebiet, so ist für die ganze Dauer des jeweiligen Autenthaltes eine Steuerkarte zu lösen. Die Befreiung gilt nicht für Kraftfahrzeuge von Unternehmungen, welch© regelmässig Personenrund- oder Personenlinienfahrten betreiben.» Die Verfügung, welche für den schweizerischen Automobilisten eine wesentliche Erleichterung darstellt und als Kompensation für die Aufhebung der kantonalen Durchgangstaxen verordnet wurde, ist mit dem 28. März 1929 in Kraft getreten. Grosser Preis von Algerien. Das internationale Automobilrennen um den Grossen Preis von Algerien wurde am Samstag in Algier über 286 km ausgefahren. 1. Joly (Bugatti) in 2:55:37 (Stundenmittel 97,800 km); 2. Bonville (Lorraine-Dietrich) 2:57:21; 3. Vincenti (Bugatti) 2:59:09; 4. Klar (Chenard- Walcker) 3:17:46; 5. Gallay (Bugatti) 3:19:58. Grosser Preis von Irland. Für den Grossen Preis von Irland sind bis heute 32 Nennungen eingegangen, die sich auf sechs Kategorien verteilen. Unsere Clubchronik musste aus Raummangel ausnahmsweise auf die nächste Nummer verschoben werden.