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E_1931_Zeitung_Nr.086

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10 AUTOMOBIL-REVUE

10 AUTOMOBIL-REVUE 1931 86 ben, sind also gering, wenn man auch nur in Betracht zieht, dass die Deckschicht eine Abnützung der eigentlichen Asphaltstrasse verhindert. Im Vergleich zu den Kosten, die der Ersatz des gleitgefährlichen Stampfasphaltes durch einen andern gleifsichern Belag mit sich brächte, sind sie natürlich verschwindend niedrig. Aeusserlich ist die «aufgerauhte s Strasse von einem Stampfasphaltbelag an dem mattem Glanz zu unterscheiden. - In Zürich waren bis Ende des letzten Jahres nach diesem Verfahren rund 13,000 Quadratmeter aufgerauht, unterdessen sind es aber noch ganz bedeutend mehr geworden. Es ist zu hoffen, dass dem Beispiel Zürichs und'Berns möglichst bald auch die andern Schweizerstädte folgen. Das Unfallrisiko in den Städten würde dadurch mit aller Sicherheit weitgehend vermindert. m. Die Nebellampe in der Stellung, -wie sie am Wajren befestigt wird. Es ist deshalb verständlich, dass die Technik schon alle möglichen Anstrengungen geiri'acht hat, diese Schwierigkeit zu bekämpfen. Eine der besten Lösungen des Problems hat nun die Firma Bosch mit ihrer «Nebellampe » .gefunden. Es handelt sich hier um einen Spezialscheinwerfer mit ungewöhnlich geformtem Reflektor, der eine ganz neuartige Lichtverteilung bewirkt. E T m Ski E H w% fl M^1 "doppelwandige, heizbare u. abmontierbare Standard-Modellet lieferbar sofort ab Fabrik: Nr. 1 3,6x2,4 m,. 2,5 m hoch Fr. 900.— Nr. 2 4,8x2,4m, 2,5 m hoch Fr. 1100.— Nr. 3 4,8x3 m, 2,5 m hoch Fr. 1200.— Nr. 4 6x3 m, 2,5 m. hoch Fr. 1400.— Weitere Auskunft durch: ETERNIT A. G. NIEDERURNEN 10 Die neue Nebellampe dringt mit ihren kräftigen weissen Strahlen, ohne zu blenden, unter dem Nebel durch. Im Verein mit ihrer starken seitlichen Streuung des Lichts, die das sonst übliche Mass weit überschreitet* erhellt sie die Fährbahn besonders an der rechten Strassenkante so, dass gefahrlos und mit nur wenig verminderter Geschwindigkeit auch im dicken Nebel gefahren werden kann. Der Nebel-Scheinwerfer wird mit schwarzlackiertem oder verchromtem Gehäuse, mit glasklarer wie auch mit seidenmattierter Glühlampe für 6 oder 12 Volt geliefert. B EWÄH REN SEIT 2 0 SICH JAHREN Pelikanstr.9. ZÜRICH, Tel. 32.962- ST. GALLEN, Tel. 52.91 6/7-Plätzer, in sehr gutem Zustande (revidiert, neu bereift), z. Spottpreis von 1818 zur Verfügung, und auf dieser, die be-geschütztzeichnet und wird die Putzgrube ausserdem als « Durchschnittszeichnugg von ei- noch weiss getüncht oder geplättelt, so wer- ner hohlen Göpelwelle mit feste stehender den die Arbeitsbedingungen ganz überraschend Spindel, zum Gebrauch bey der Königlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, entworfen von C. F. Brendel im Monat May 1818 », ist deutlich am Fusse der Göpel ein Kugellager zu erkennen! gebessert. Entsprechend wird immer auch der Unterhalt des Wagens auf der Unterseite eine Verbesserung erfahren, at. Die schlechte Federung alter Wagen wird Christian Friedrich Brendel war 1814 Leiter des Bergmaschinenwesens zu Freiburg und seit 1817 Maschinendirektor für das gesamte sächsische Maschinenwesen. Er hatte zwei Jahre lang in England den Maschinenbau studiert und zeigte besonderes Verständnis für den Bau der damals neu eingeführten Dampfmaschinen. TALBOT 8 PS, Allw., 4pl, 4-Radbr., neu revid., für 1931 gelöst, sehr gut. Wagen, w. Platz- Coup!, 2plätzig, m. Not- fabrikneu u voller mang. aus erster Hand zusitz, verkaufen. Preis 1500 Fr. Garantie, z. Occasionspreis Auskunft: R. Strobel, Birrwll. Telephon 14. 51802 Chur. TeL 700. v Fr. 3850. Garage Städeli, 51804 0/ /O MAX SIEGFRIED ZÜRICH 6 Dorfstrasse 43, Tel. 27.436 Spezial-Typenfiir alle ital. Wagen und Citroen. ERSATZTEILE liefert prompt ab Lager H Lanz. Deiaee-Vertretung. Rohrbach Telephon 93.38 Zu kaufen gesucht nicht unter Modell 1930, in nur bestem Zustande. An Zahlung müssen Drehbank, Bohrmaschine, Fräsmaschine und Werkzeuge genommen werden. Offerten erbeten unter Chiffre 51813 an die Automobil-Revue. Bern. Mod. 621, 6 Zyl., fabrikneu, 2 Tonnen, geschlossene Führerkabine, wird mit voller Fabrik-Garantie IJ*P- bedeutend unter Preis verkauft, ev. wird gebr. Luxuswagen an Zahlung genommen. Anfragen unter Chiffre 51849 an die Automobil-Revue. Bern. UNTER dem Nebel durch, an den Seiten der Fahrbahn entlang dringen die kräftigen Strahlen der BOSCH-Nebellampe und blenden Entgegenkommende und den Fahrer nicht. Die BOSCH-Nebellampe ermöglicht daher auch bei ganz dichtem Nebel noch auskömmliche Geschwindigkeiten, wo Scheinwerfer mit farbigen Vorsatzgläsern und ähnlichen Vorrichtungen bereits versagen. Wollen Sie auf Ihren Auto-Fahrten von den Zufälligkeiten des Wetters unabhängig sein, dann verwenden auch Sie die neue, leistungsfähige manchmal dadurch verursacht, dass sich im Federpaket die Enden der kürzern Federblätter in der Fläche der längern Blätter eine Vertiefung eingearbeitet haben. Bei grössern Durchbiegungen können sich dann die einzelnen Federblätter nicht mehr frei aufeinander verschieben. Nach einer gewissen Technische Notizen Verschiebung stösst das kürzere Federblatt •m • ^/ • mtm/ • an der uer Kante ivanie der aer Vertiefung veriieiung an und unu schiebt suiiei'i Wer hat das Kugellager •»«•«•«€l»^ WfcM«^ sich erst sich erst über die Kante hinüber, wenn die erfunden? JMBBBBBMBMMMBBBraMBBBMHM auf auf die e Feder einwirkende Kraft viel grösser Die Anwendung der Kugellager in der Das Verlöten von Drahtverbindungen, wie wird. Technik hat erst in den letzten Jahrzehnten es bei Arbeiten an der elektrischen Ausrü- Die Wirkung der Feder kann aber leicht Wenn dicker Nebel auf den Strassen Hegt, eingesetzt sich dann aber stetig derart er- stun £ des Automobils oder beim Funkbasteln wieder gleichmässig und geschmeidig ge- helfen keine noch so starken Scheinwerfer. weitert, d'ass wir uns gewisse Gebiete der häufig vorkommt, wird sehr erleichtert, wenn macht werden, indem man die Enden der Im Gegenteil, je stärker deren Licht, desto Technik, z. B. den Fahrrad- und Automobil- __. • V^ Federblätter an an der der Kante, mit welcher sie sie auf grösser das Uebel. Jeder geradeaus gerichtete Lichtstrahl wird von der Nebelwand zuwas abrund6t bau, gar nicht mehr ohne dieses Hilfsmittel —~^^^^#\ dem benachbarten "f Federblatt Sgleiten, ' et- " WES denken können. Bis vor etwa 20 Jahren galt -S—ÄT] fj^ abrundet. -s. - s> rückgeworfen, blendet den Fahrer und schadet mehr als er nützt. Dabei wird die Blend- wichtigen Erfindung, denn es war bekannt, Eine Nut ^ Lotionen erleichtert das Verlöten von •••"«'»^•-«•««'»««»••"»Ä»-«W» Frankreich als das Ursprungsland dieser W-^Tl ^SSSi^- „ , PU T e d i n . S^w^ajhi»«»»»! wirkung durch die Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge noch vergrös- Verein mit dem Abbe Tihay und Professor . T , „ .. , , . L , , Zuschrift weitergeleitet. Red. dass im Jahre 1857 CourtOiS aus Nancy, im Drahtverbindungen. Antwort 8074. Traktor für Holzkohlenbetrieb. sert, so dass an ein Weiterfahren oft überhaupt nicht mehr zu denken ist. tiattp snf „ KWo'i!a(r.or K\r PiWlrAti lUfihi- Skizze eine Kerbe einfeilt. Bei erhitztem Löt- Ausführungen in Nr. 84 schreibt ein Leser der man im Defrance aus St. Die Patente nachgesucht Lotk olben gemass der beistehenden Antwort 8091. Flattern der Lenkung. Zu den Au- koIben wird dann diese Kerbe mit Lot gefÜlIt steine und SeefV^WnenT Auf der to ? o ( 'f Re ,T e T K^nfurt LKärnten: «Ich kann Steine una sonstige Mascnmen». AUI aer „„ist^J» C+ O 11o mitteilen, dass die Lenkung einiger amerikanischer landwirtschaftlichen Ausstellung 1861 in dem und der Draht mit der zu verlotenden btelle WageQ f lattert> wenn ein Reifen dor Vorderräder damals noch französischen Metz War eine ln Sie hineingelegt. at. vulkanisiert oder mit einer Einlage versehen ist. Es Windmühle zum Wasserpumpen ausgestellt, Licht ,„ die Putzgrube ! Putzgruben wer- Ä^ÄSn ZT Z ut VeSS deren stehende Wellen mit Kugellagern ver- d en oft nur deshalb so ungern und selten den zu bringen. Bei den Hinterrädern können vul- Sehen waren. Auch die ersten Fahrräder mit benützt weil das Arbeiten in ihnen durch den kassierte Reifen und Einlagen verwendet werden. Friedrich Krupp wendete sie seit 1871 im Wj rc j. Anstatt dass der Arbeiter in der dun- ganz abhelfen. Dr.L. Kran- und Maschinenbau an, seit 1885 auch kein, schmutzigen Grube herumtappt und Anmerkung der Red. Bei einer Lenkung, die nicht beim Bau von Lafetten. bestenfalls vielleicht eine unbequeme, blen- von vornherein zum Flattern neigt, soll- Durch einen Vortrag des Geheimrats Reu- dende, mit ihrem Kabel überall hängen- S/^^SS^*^^.^^,^ leaux, am 1. November 1889 in « Glasers An- bleibende Ableuchtlampe zur Verfügung hat, schon durch die Gewichtsvormohrung der Einlagen nalen > wiedergegeben, wurde der Ueberlie- zieht er den Wagen lieber ins Freie und er- ausgelöst werden. Es ist also nicht einmal nötig, IT C3ARAGEN , I i 1 T i l l I I F Y\ T t I i I i I 1 II TT Tourenwagen Fr. 2500.— Offerten unter Chiffre 51807 an die Automobil-Revue, Bern. ••••••••••»•••••••••••a LUFTKOMPRESSOREN FARBSPRITZANLAGEN LEO GENERALVE CARL HAMMEL, BASEL 6TEINE NTORS TR AS SE 27 Telephon 21.581 ÜLMINJ VE RGA SE R sind doch die besten RTR ETU N G Zu verkaufen Rosengart 2O Benzinersparnis Moreparaturwerkstättß BELÜGEgeschlossenes 4-PI.-Auto ferung, als seien die Franzosen die ersten ledigt die Arbeit unter ihm liegend. Jede ge- Einlagen schief montiert sind. Erfinder des Kugellagers, ein Ende bereitet; legentliche Inspektion einer Automobil-Unter- ^VbilTnce^er R«£ df-ie"ÄffJS er wies einwandfrei nach, dass bereits in seite zeigt aber, dass noch viel häufiger so- kassierte Stellen der Decken, durch schlecht mondeh vierziger Jahren des vorigen Jahrhun- gar sehr wichtige Arbeiten überhaupt ganz Uerte Einlagen oder sonstwie zustandekomme. derts die Krane auf der Sayner Hütte mit unterbleiben. ". Antwort 8091. Flattern der Lenkung. Ich Kugellagern ausgestattet wurden. Aber auch In vielen Fällen ist einzig die unzureichende j? atte * n . meinem Wagen vor einigen Monaten mit j . , . , £ j i . i i - . i t , . T - » I , J I I J dem gleichen Uobel zu kämpfen. Ich habe aucn diese waren noch nicht die ersten. Beleuchtung der Putzgrube daran schuld. alle mögIichen Sachen probiert, jedoch ohne Er. Bei seinen Forschungen auf dem Gebiete Bringt man an beiden Seitenwänden der Putz- folg. Nach Einpassen neuer Achsschenkel-Bolzen der Geschichte der Technik ist Conrad grübe, etwa 30 cm unter deren oberem Rand, hat das Flattern allerdings bedeutend nachgelassen, Matschoss eine interessante Entdeckung ge- je eine starke elektrische Lampe an, am be- ab . e . r vollständig aus der Welt geschaffen war daslungen. Professor Roch (Freiberg). stellte sten etwas versenkt, durch Reflektoren in der j££ Tb^nZttha» Ä l S ihm eine Originalzeichnung aus dem Jahre Wirkung verstärkt und durch ein Drahtgitter Freundes die Luft an den vorderen Pneus etwas das * die LIEFERUNGSWAGEN WELLBLECH- lind STÄHLGARAGEN Preisliste kostenlos. Wellblech-Bauten E.VOGEL, G.m.b.H. Stahl-Tore und Fenster Dahlbruch (Wes Postfach 13. Nebellampe von BOSCH ROBERT BOSCH A.-G., GENF-ZÜRICH

Bern, Dienstag, 20, Oktober 1931 III. Blatt der „Automobil-Revue" No. 86 Abschied im Herbst Von Hermann Hesse. Drunten pfeift ein Zug durchs grüne Land — Morgen, morgen fahr' auch ich davon! Letzte Blumen pflückt verirrt die Hand, Und sie welken, ch' ich fort bin, schon. Abschied nehmen ist ein bittres Kraut, Wäclist an jedem Fleck, den ich geliebt; Keine Stätte, die ich mir gebaut, Heimat wird und Heimatfrieden gibt. In mir selber muss die Heimat sein, Jede andre welkt so schnell hinab, Jede Hess mich gar so bald allein, Der ich alle meine Liebe gab. Tief im Wesen trag' ich einen Keim, Der wird stille grösser Tag für Tag; Wenn er reif ist, bin ich ganz daheim, Und es ruht der ew'ge Pendelschlag. Das Abenteuer der Karoline Testa Von Eduard Bass. Das Abenteuer, das Frau Karoline Testa fcurz vor ihrer Hochzeit erlebte, beweist, dass nicht nur im Lebenslauf aussergewöhnlicher Menschen und Romanhelden besondere Begebenheiten eingewebt sein können. Karoline besass einen Modesalon in der Vorstadt. Sie hatte keine nahen Verwandton und lebte, nach einer grossen Liebe enttäuscht, allein. Da sie nicht tragisch veranlagt war, hatte sie sich mit ihrem Schicksal ausgesöhnt und sah ruhig zu, wie Tage, Monate und Jahre ihres Lebens mit kleinen Leiden und Freuden dahineilten. Gesell- D I L L T O schaftlichen Verkehr pflegte sie nicht. Sie kam nur mit ihren Kunden zusammen und die brachten ihr die Neuigkeiten der Stadt. Neben dem Salon, wo Karoline ihre Kunden empfing, hatte sie ein Zimmerchen für sich. Hier ass sie und las abends Romane, hier schlief sie, und dieses Zimmer war vom Kunden-Salon nur durch einen Vorhang getrennt, damit der Ofen beide Räume heize. Sie fand es zwar rückständig, dass sie keine Zentralheizung hatte, aber dafür gemütlich. Der Ofen aber war Ursache ihrer grössten Leiden. Er hatte einen schlechten Zug, der Schornstein war immer wieder verstopft, und der Schornsteinfeger musste oft zweimal in der Woche kommen und den Russ in der Wohnung herausnehmen — wie das in alten Häusern oft der Fall ist. Lange Zeit überlegte Karoline, ob sie sich ein Grammophon kaufen solle, denn sie sehnte sich abends nach ein wenig Musik. Schliesslieh aber entschied sie sich für Radio, weil ihr das ein Mechaniker, der im selben Hause wohnte, für wenig Geld herstellte. Dieser neue Besitz bereitete ihr aber auch nicht lange Freude: nach acht Tagen war der Apparat plötzlich verstummt. Fräulein Karoline schickte um den Mechaniker und erfuhr, dass dieser tags zuvor umgezogen sei. Niemand im Hause wusste seine neue Adresse. An sich wäre das ja nicht so schlimm gewesen, ein Mechaniker ist zu ersetzen. Aber Karoline hatte ihr Radio nicht angemeldet und fürchtete, von einem fremden Handwerker als Schwarzhörerin entlarvt zu werden. So sass sie bekümmert vor dem schwarzen Kästchen und schob die Messingstifte hin und her Das Radio aber blieb stumm. Zur Zeit dieser Radiotrauer fuhr Karo- Jine eines Abends mit der Strassenbahn ins Theater Im überfüllten Wagen hin und her geworfen, fasste sie nach einer Lederschlinge, an der sich schon ein Herr festhielt. Es war ein grosser, schlanker, gut angezogener Mann, in dessen sympathischem Gesicht ihr besonders schöne Augen auffielen. Sie waren gross und verträumt. Verstohlen sah Fräulein Karoline ihren «Ist. Ihr Radio noch immer stumm, Fräulein?» Nachbar an. Sein Blick war auf sie gerichtet. Als sich ihre Blicke zum dritten Male begegneten, neigte sich der Fremde zu ihr und sagte mit leiser Stimme: «Ist Ihr Radio noch immer stumm, Fräulein?» Verwundert und erschrocken öffnete sie den Mund. Gerade hatte sie an das Radio gedacht, aber sie hatte zu niemanden davon gesprochen. Wie war es möglich, dass dieser Unbekannte darum wusste? er hinzu- Da fügte «Sie suchen den Fehler in der Antenne, aber er liegt in der Erdleitung. Sie haben die Erdleitung an die Wasserleitung angeschlossen und dort ist der Draht von Rost zerfressen.» «Ich ... ich ... wer sind Sie, dass Sie das wissen?» Der Fremde sah sie traurig an, neigte sich noch näher zu ihr und sagte so leise, dass es niemand sonst hören konnte: «Ich bin ein Mensch, der das Verborgene sieht. Ich dringe überall ein, ohne gesehen zu werden Glauben Sie nicht, dass dies ein glückliches Los ist.» Grauen erfasste sie. Sie schloss die Augen und hörte ihn sagen: «Ich werde Sie nach dem Theater erwarten.» Als sie die Augen wieder öffnete, war der geheimnisvolle Mann verschwunden. Sie sass im Theater, ohne zu wissen, was auf der Bühne vorging. Angestrengt grübelte sie darüber nach, woher der Fremde seine Kenntnisse haben könne. Immer wieder sagte sie sich, dass es keine Wunder gebe, aber sie fand doch keine Erklärung für das Wunderbare. Ihr graute, und nach Schluss der Vorstellung hatte sie nur den einen Wunsch: nach Hause, so schnell als möglich. Aber da stand der Fremde. Er grüsste mit einer stummen Verbeugung und schloss sich ihr wortlos an. Vor Angst konnte sie keine Silbe hervorbringen. Stumm gingen sie eine Weile nebeneinander her. Endlich fasste sie sich und stiess fast schreiend hervor: AVer sind Sie?» Er sah sie ein wenig ängstlich an: «Bitte, fragen Sie nicht danach. Wenn Sie es wiissten, wäre zwischen uns alles zu Ende. — Blüht der Kaktus auf Ihrem Fenster noch? Wie geht es Hansi, dem Kanarienvogel?» «Woher wissen Sie von Hansi und woher von meinen Blumen? Wer hat Ihnen von mir erzählt?» «Tob habe mit niemanden über Sie gesprochen. I Ich würde es nicht über mich bringen, von "dem zu sprechen ... was ich liebe.» «Herr ...» «Fräulein Karoline» — er wusste also auch ihren Namen —, «Fräulein Karoline, lassen Sie mich Ihnen sagen, wie sehr ich von Thnen bezaubert bin. Es ist mein Schicksal, unerkannt fremde Geheimnisse zu erfahren. Sie lieben Blumen, Musik und Bücher. Unlängst haben Sie Dickens gelesen. Jetzt liegt ein Band von Kipling in Ihrer Stube. Alles, was Sie tun, Ihr ganzes Leben, spricht von Ihrer edlen Seele, von Threm guten Geschmack. Die Pyjamas, die in der mittleren Lade Ihres Wäscheschrankes liegen, sind einfach entzückend. Besonders das goldbraune ...» «Ums Himmelswillen», stöhnte Karoline. «Tch glaube, Tbre Einsamkeit. Ihr ganzes Bemühungen er stets ein paar freundliche, hört, ihm fehlt noch das Massenempfinden. aufmunternde Worte voraussendet. Aber Es ist eine unrichtige Vorstellung, sich als nichtsdestoweniger! Der Ansager steht in Sprecher immer nur den Hörer als Masse der Feuerlinie. Unsichtbar und doch immer Die Stimme aus dem vorzustellen. Der Höror ist mehr oder weniger doch immer die Einzelperson, die al- hörbar, ist er eine Art Brennglas, in dem Aether sich das Wohlgefallen oder die Kritik einer lein oder höchstens im Familienkreise am halben Million Menschen täglich konzentriert. Beweglich, immer sprungbereit, auf das sich der Ansager allmählich umzustel- Radio lauscht. Das Massenempfinden, auf Interview mit einem Radio-Ansager. alles gefasst. ein Künstler des Augenblicks len hat, ist etwas wesentlich anderes. Das «Hallo! Hier Studio X. Y Wir senden muss der Ansager sein. Ohne die eigentlichen Aufgaben des Regisseurs, hat er doch senfluidum, auf das der Spi'echer reagieren richtige Massenempfinden bringt das Mas- jetzt die Stunde der Hausfrau. Fräulein Lydia Weihrauch .. .» Dieses «Hallo!» leitet alle Fäden einer Zufallsregie in den muss. wenn er Erfolg haben will, wenn er immer die gleiche, sich täglich wiederholende Form der Programmankündigung Händen. populär werden soll. ein. Die Stimme aber, die das «Hallo!» ins Der Ansager F., den die «Münch. T. Z.» Dreierlei Kritiken. Mikrophon ruft, ist nicht immer dieselbe interviewte, ist nicht, wie die meisten Ansager, vom Schauspiel hergekommen, son- Ueberhaupt: die Popularität. Sicher ist Stimme. Was aus dem Lautsprecher oder sie. was den Sprecher betrifft, eine urpersönliche Angelegenheit. Während der Kopfhörer zum Hörer spricht, ist einmal dern von der Philosophie. das sonore Organ des Herrn M., das andere Mal das helle, metallene des Herrn Vor leeren Marmorblöcken. Schauspieler auf der Bühne durch seine persönliche Erscheinung, durch seine Geste, X. oder die markante Sprache des Herrn «Wie sehen Sie Ihr Publikum, Herr Ansager, und wie ist der Kontakt mit ihm?» sich zu entfalten, zu wirken, zu fesseln, ist durch das Ensemblespiel Gelegenheit hat, 0. Der Hörer weiss, hier spricht der Ansager X. zu ihm, der Ansager 0 und später «Das Publikum», sagt Herr F., «bedeutet der Ansasrer einzig und allein auf die Sprache, auf den Klang seiner Stimme, auf den der M. Es sprechen die Ansager des Radios zu ihm, die Conferenciers im Aether. eigentlich alles, Für den Ansager, am An- Wohllaut seines Organs angewiesen. Für für den Sprecher mit langjähriger Praxis «Aktendeckel des Programms» nennen sie fang seiner Laufbahn, jedoch wenig oder den Ansager ist die tadellose, sprachliche sich selbst. nichts. Unter der fernen, anonymen Masse Eignung für das Mikrophon erste Bedingung. Schauspielerische Routine allein kann er sich nichts vorstellen. Er steht Der grosse Anonymus. Sozusagen vor einem leeren, toten Marmorblock, in den er hineinzusprechen verzige Verbindung zum Menschen am Mikro- vermag hier nichts. Der Hörer, dessen ein- Der Ansager ist der grosse und einzige ^nonymus im Rundfunk. Während alle sucht. In den ersten Wochen trifft er den phon eben die Sprache des Ansagers ist, "Mitwirkenden mit Name und Art verzeichnet sind, sein Name ziert kein Programm- sprachlich, wie er zu reagieren hat, aber vermissen muss. Daher ist für jede neue Ton nicht. Wohl weiss er theoretisch und sucht in dessen Stimme alles, was er sonst heft. Der täglich zu einer halben Million die Oeffentlichkeit ist für ihn die undefinierbare, geheimnisvolle Masse, mit der er nötig. Der Ansager muss suggestiv wirken Sendung neue sprachliche Vorbereitung Menschen spricht, bleibt selber im Dunkeln des Senderaums. Er ist der redende Schatten vor und neben dem Mikrophon, zu dem er sich zunächst meist falsch ein. Wohl nichts anzufangen weiss. Und* darum stellt können, und die Suggestivkraft liegt in dem Timbre semer Stimme. Bei ihr liegt auch er die offiziellen Sprecher geleitet, deren denkt er an die Masse, aber die ihm zu- die Entscheidung, ob er gefällt oder nicht. Leben, hängt irgendwie mit einem Packchen vergilbter Briefe zusammen ...» Fräulein Karoline musste sich an die Mauer lehnen. Ihre Beine schlotterten. Er sah das, wurde verlegen und schwieg. Nach einer Weile sprach sie kaum hörbar: «Allmächtiger ... Sie sind ein Zauberer, der Teufel oder...» Er biss sich in die Lippen und senkte die Augen. «Verzeihen Sie, Fräulein Karoline, ich kann Ihnen erst sagen, wer ich bin, wenn Sie mich liebgewonnen haben. Ich habe andere Ziele erstrebt, aber das Schicksal meiner Familie hat mich aus meiner Bahn gerissen. Tch wollte Philosophie studieren, und jetzt muss ich Philosoph sein, um mich mit meinem Schicksal auszusöhnen. So oft ich mit Ihnen sprach...» «Wir... wir hätten miteinander gesprochen ...?» «0 ja. sogar sehr oft...» Sie waren nur wenige Häuser von Karolinens Wohnung entfernt. «Sagen Sie, Fräulein Karoline, glauben Sie, dass Sie mit der Zeit für einen Mann, der so viel Liebe für Sie hat wie ich, Sympathie empfinden könnten?» «Teh .. . ich ... weiss nicht... ich weiss ja gar nicht, wer Sie sind ...» Ihre Stimme hatte warm geklungen, das machte ihm Mut; er ergriff ihre Hand: «Gut, ich will mein Geheimnis verraten. Aber, bitte, nicht lachen, Fräulein Karoline, ich heisse Nicola Testi, ich bin ... ich ... Schorn- bin ... Nicola Testi... Ihr steinfeger.» Was ist da noch weiter zu berichten? Eigentlich hatte ja Karoline niemals.daran gedacht, einen Schornsteinfeger zu beiraten. Es lag wirklich abseits ihrer Absichten. Tiefen, gesunden Schlaf. . ? Haben Sie Schlafstörungen, wenn Sie Kaffee trinken, so probieren Sie es mit dem vom Coffein befreiten Kaffee Hag, der Sie bestimmt ruhig und tief schlafen lässt. Echter Kaffee erster Qualität ist Kaffee Hag, er schont Ihr Herz und Ihre Nerven. Jede Bohne Qualität Jeder Tropfen ein Genuts Herz u. Nerven schonend Das ist KAFFEE HAG Drei Sorten Kritiker. Allmählich bat die «Mitarbeit» des Hörers von draussen ein wenig nachgelassen. In den ersten Jahren aber kamen Hunderte von Zuschriften kritischen Inhalts. Man konnte drei grosse Gruppen von Kritikern unterscheiden. Die einen, die sachliche Kritik übten, die andern, die bloss schimpften, und die dritten, die nur lobten. Die beiden letztpn Gruppen waren ziemlich wertlos, wohingegen die erste Gruppe immer Beachtung gefunden hat. Wie ja überhaupt aus jeder Kritik, schliesslieh auch aus der negativen, etwas zu nehmen versucht wird. Im übrigen aber ist es eine alte Tatsache, dass das Gefallen immer auf bestimmte Gegenden begrenzt ist. Das Mädchen mit der Kuh. Da sind zunächst einmal die in unserer Gegend lebenden Ausländer Wenn von Zeit zu Zeit einmal in einer fremden Sprache im Radio gesprochen wird, rufen sie sofort an und bitten, dass ihre Sprachen auch richtig ausgesprochen werden. Da sind die Kritiker, die den armen Ansager auf den anderen Ansagerkollegen hinweisen, der nach ihrer Meinung die bessere Sprechtechnik hat und bei dem er in die Schale gehen soll. Da ist die Dame, die vier Jahre hindurch dem Ansager heisse Liebesbriefe schreibt, obwohl sie ihn nie gesehen nnd nur am Klang seiner Stimme sich berauscht, und die dann auf einmal, dos ewigen Wartens müde, umschwenkt, und den Armen in Briefen gröblich anfährt. Da ist eine 90jährige Mutter aus dem Alters- (Schluss Seite 16)