Aufrufe
vor 4 Monaten

E_1933_Zeitung_Nr.052

E_1933_Zeitung_Nr.052

Umgestaltung des

Umgestaltung des Bürkliplatzes zusammen mit dem Umbau der Quaibrücke vorgenommen worden wäre, wodurch neben beträchtlicher Kostenersparnis auch eine zweimalige Umleitung des Strassenverkehrs hätte vermieden werden können. Wie wir bereits erwähnten, illustrieren die in Aussicht genommenen Umbauarbeiten am Bürkliplatz recht deutlich die nicht gerade sorgfältige Verwendurfg von Steuergeldern.. Uns nimmt es nicht wunder, dass nach derartigen Schildbürgerstreichen folgendes Histörchen herumgeboten wird: Im schweizerischen Landesmuseum sei ein Pflasterstein zu sehen, der während zwei vollen Jahren in der Limmatstadt an ein und derselben Stelle gelegen haben soll! Nachschrift der Redaktion: Wenn sich obige Ausführungen wegen genauer lokaler Kenntnisse ausschliesslich mit den stadtzürcherischen Verhältnissen beschäftigen, so muss leider festgestellt werden, dass dieses Aneinandervorbei-Arbeiten verschiedener Verwältungsinstanzen nicht etwa für Zürich allein typisch wäre, sondern auch andernorts die städtischen Finanzen belastet und den Ortsverkehr erschwert. In Zürich sind die vielen Strassenarbeiten vielfach auf Erneuerungen von Teilstrecken und hauptsächlich von> Kurven des ausgedehnten Strassenbahnnetzes zurückzuführen. Soviel wir wissen, ist schon in Fachkreisen die Frage aufgeworfen, worden, ob der starre Schieneneinbau, wie er in dieser Stadt praktiziert wird, tatsächlich das Richtige sei und nicht zur raschen Abnützung des Schienenmaterials erheblich beitrage. Wenn sich Ausbesserungen am Schienennetz im Interesse der Sicherheit des Tramverkehrs natürlich nicht lange hinauszögern lassen, so wäre bestimmt eine nützliche «Gleichschaltung» der Umbauarbeiten der verschiedenen Verwaltungsabteilungen möglich, wenn diese rechtzeitig von den vom Tramwesen geplanten Bauobjekten verständigt würden. Ganz abgesehen davon, dass diese ewigen Strassenumbauten den Verkehr je empfindlicher stören, je dichter dieser wird, so liegen diese ständigen Reparaturen auch nicht im Interesse der Strasse selbst. Es ist wohl durchaus zutreffend, wenn uns ein Fachmann versichert, dass jeder Aufbruch wie eine Wunde wirke und die Lebensdauer des Belages recht ungünstig beeinflusse. Es gibt radikale Mittel, um die nachteiligen Störungen des Innerortsverkehres endgültig zu vermeiden und das ist der Bau von begehbaren Kanälen, wie sie* in ausländischen Orossstädten, so in Paris, in grosseni Aüsmäss zur Verwendung kommen. In diese Kanäle werden sämtliche Leitungen verlegt und Reparaturen können vorgenommen werden, ohne dass oberirdisch auch nur davon etwas bemerkt wird. Wenn wir richtig orientiert sind, so hat das zürcherische Tiefbauamt in dieser Richtung die Initiative ergriffen und wurden in den letzten Jahren bereits mehrere Kilometer Länge solcher Kanäle gelegt. Hoffentlich geht die Entwicklung im Tiefbauwesen auf diesem Wege weiter. Wo die Finanzen für solche Kunstbauten nicht ausreichen, da sollte wenigstens angestrebt werden, die Leitungen gemeinsam in das Trottoir zu verlegen, wodurch einerseits die Fahrbahn unbehelligt bliebe, anderseits sich der Fussgängerverkehr auf dem zweiten Trottoir abspielen könnte. Hillinghaus war von oben her gerade zur Zeit gekommen. «Ich will nicht, dass meinetwegen Blut vergossen wird,» rief er, die Pistole drohend mit der Mündung auf Steinitz gerichtet. «Hände hoch,» rief noch einmal, lauter als vorher, der Kriminalbeamte — «oder» — Steinitz und Dvorak, der kurz vorher schnell mit der Hand über seinen Mund gestrichen hatte und jetzt schluckte, folgten dem Befehl. «Sie auch,» schnauzte der Beamte die Frau an. «Na hören Sie mal, Herr Kriminal,, so'n Benehmen is mir denn doch mein Lebtag noch nich vorgekommen,» keifte Mutter Dvorak. «Sind wir Verbrecher? Sogar eine alte ehrliche Frau soll-die Hände hochheben! Det is ja direkt zum Lachen!» «Wird's bald?» rief der Beamte — er hielt die Pistole schussbereit. «Nu ja doch,» stammelte die Alte, blass und kleinlaut, während sie ihre krummen Arme halb in die Höhe streckte. Der Führer hiess seine Leute die Taschen der drei durchsuchen, während er die Haustür schloss. Dvorak, der unbemerkt etwas heruntergeschluckt hatte, warf einen, tückischen, Blick Was das Einvernehmen und die Zusammenarbeit der verschiedenen städtischen Abteilungen anbetrifft, so dürfte gewiss einmal die Möglichkeit studiert werden, ob nicht eine Zentralstelle zu schaffen wäre, der alle Strassenbauten und deren Vorbereitungen sowie die verschiedenen beteiligten Dienststellen unterstellt werden könnten, um diese selbstherrlichen und übereinandergreifenden Massnahmen der einzelnen Instanzen zu vermeiden. Diese Zentralstelle müsste natürlich und könnte auch für das Bauprogramm, wie es alsdann in gemeinsam verbindlicher Form für die Dienststellen massgebend wäre, die volle Verantwortung übernehmen und es könnten bei Fehldispositionen weder Ausflüchte noch innerhalb der Verwaltung andere Sündenböcke gesucht werden. Wir glauben, dass dieser Vorschlag im Interesse der rationellen Arbeit bei der Verwaltung und der besseren Verkehrsentwicklung wohl verdienen würde, näher geprüft zu werden, selbst auf die } Gefahr hin, dass einzelne Dienstchefs in ihren Kompetenzen etwas geschmälert werden müssten! Strassennetz der Gesellschaftswagen. Das Netz, der den Gesellschaftswagen bis zu 2 m 40 Breite geöffneten Strassen. Wie in einer vorangehenden Nummer bereits mitgeteilt werden konnte, erging am 9. Juni ein Bundesratsbeschluss über die Oeffnung bestimmter Strassen für Gesellschaftswagen bis zu 2,4 Meter Breite. Die nachfolgende Liste, welche 108 Strassen umfasst, ist ein Bestandteil dieses Bundesratsbeschlusses, der auf heute, den 20. Juni in Kraft tritt. In einem Rundschreiben des Eidg. Justizund Polizeidepartementes sind die Kantonsregierungen hierüber orientiert worden, mit dem Ersuchen, den kantonalen Polizeiorganen die nötigen Weisungen erteilen zu wollen, damit die Gesellschaftswagen bis zur vorgesehenen Maximalbreite von heute ab auf dem nebenstehend bezeichneten Strassennetz verkehren können. Zum besseren Verständnis und Uebersichtlichkeit dieser Liste lassen wir untenstehend eine Karte der Schweiz folgen, in welcher nur diejenigen Strassen eingetragen sind, die für diesen beschränkten Gesellschaftswagenverkehr in Frage kommen. Es wurde schon bei Ankündigung dieser Strassenübersicht darauf hingewiesen, dass dieses Netz von Fahrwegen in der Nord- und Ost- Schweiz verhältnismässig dicht ist. Dagegen ist es mit den Verbindungen im gesamten auf den Beamten und auf Hillinghaus. «Ach so!» rief er heiser vor Wut. «Uns gilt der , Ueberfäll!» Dann mit zischendem Hass zu dem Maler: «Gemeiner Spitzel! Pfui Deibel!» Der Maler lächelte. «Sie irren, Herr Dvorak. Es ist mein Beruf.» Er zog eine Karte aus der Tasche und hielt sie ihm hin. «Doktor Benno Sievers, Privatdetektiv. Wenn Sie mal Bedarf haben! Sie sehen, ich arbeite schnell und zuverlässig!» «Schuft!» murmelte der Alte grimmig. «Ja, ja, jetzt haben wir den alten Fuchs endlich im Eisen,» sagte Sievers lächelnd, «und ein hoffnungsvolles junges Füchselein und die alte diebische Fähe dazu.» Der Kriminalbeamte warf ihm einen Blick zu seinen Siegesgesang zu dämpfen. Er schien in der Tat verfrüht, denn nichts Verdächtiges wurde in den Taschen der drei gefunden. Der Kriminalwachtmeister Hess ihnen Handschellen anlegen und nahm jetzt eine Haussuchung vor. Er ging, begleitet von Sievers und einem Unterbeamten, zuerst in die Wohnstube, wo er sogleich die Bibel vornahm. Er fand das kleine schachtelartige Versteck, wie Sievers angegeben, nur nichts darin. Ueberhaupt erwies sich die ganze Haus- AUTOMOBIL-REVUE 1933 - N° 52 Alpengebiet und der Südschweiz recht mager bestellt. Von den zahlreichen Alpenpässen, welche eine besondere Attraktion für ausländische Reisegesellschaften darstellten, sind unter dem neuen Regime nunmehr der Simplon sowie der Brünig zugänglich. Der Simplon stellt die einzige Verbindung vom Südzipfel unseres Landes mit der Zentralund Ostschweiz her, wobei der Umweg über Sion-Aigle und das Greyerzerland gemacht werden muss. Geradezu als schlechter Witz mutet der Strassenstummel an, der von Chiasso, den Gotthardpass hinauf, bis zur Urnergrenze führt. Es wird wohl keiner Reisegesellschaft einfallen, diese Route einzuschlagen, nur um auf halbem Weg wieder umkehren zu müssen. Auch der Kanton Graubünden hebt sich wie ein unerforschtes Gebiet am Süd- oder Nordpol als weisser Fleck von der Karte ab. Es ist einfach unverständlich, wie angesichts der Krise im Hotelgewerbe und den gewaltigen Anstrengungen, die auf anderen Gebieten zur Hebung des Fremdenverkehrs gemacht werden, ausgerechnet die Kantone, welche sich am schwersten und lautesten über die Krise beklagen, den ausländischen Autoreiseverkehr derart abdrosseln. Oder glauben sie etwa, dass alle jene Gesellschaftswagenbesitzer die Fahrzeuge von über 2,20 m im Verkehr haben, sich ein neues Fahrzeug anschaffen, nur um die Schweiz nach Belieben bereisen zu können. Sie werden eben, wie dies aus einer kürzlich veröffentlichten Zuschrift eines grossen Elsässer Reiseunternehmers hervorging, die Schweiz möglichst meiden und dafür die Reiselustigen für Ausflüge nach dem Schwarzwald, dem Tirol, den Dolomiten usw. anregen. Wenn sich dann der Reiseverkehr an diese neuen Routen gewöhnt hat, dann dämmert bei uns vielleicht die Erkenntnis für die im Jahre 1933 begangene Kurzsichtigkeit! Strassenliste. 1. Genf - Vesenaz - Anieres (douane) • Landesgrenze - (Evian). 2. Genf - Ghene - Landesgrenze - (Annemasse). 3. Genf - Croix-de-Rozon - Landesgrenze. 4. Genf - Perly - Landesgrenze - (St-Julien). 5. Genf - Ghancy - Landesgrenze. 6. Genf - Meyrin » Landesgrenze - (St-Genis), suchung, die freilich jetzt nur eine provisorische war, zum Aerger der Suchenden als zwecklos. Nichts Belastendes wurde gefunden als jenes zwar verdächtige, aber leere Versteck. Aber auch da hatte Dvorak eine Ausrede. Das sei ja eben die Gemeinheit, über die er sich so geärgert, erklärte er. Er habe die Bibel vor Jahren einmal in Berlin einem «fliegenden Buchhändler» in der Prinzenstrasse abgekauft, um sie seiner Frau, die bekanntlich sehr fromm sei, zu Weihnachten zu schenken. Nachher finden sie beinah ein Drittel des Buches unbrauchbar gemacht durch die eingebaute Schachtel. Er sei am anderen Tage gleich nach Berlin gefahren und habe den Händler gesucht, aber der sei schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Während Dvorak, von seiner Frau durch zustimmende Bemerkungen unterstützt, dies Märchen erzählte, schloss der Wachtmeister die Schränke und Türen zu. Er bat den Doktor, die Nacht noch mit einem seiner 7. Genf - Grand-Saconnex - Landesgrenze - (Ferner-Voltaire). 8. Genf - Holle - Morges - Lausanne. 9. Lausane - Mex - Cossoney - La Sarraz - Vallorbe - Landesgrenze. 10. Lausanne - Yverdon - Neuenburg. 11. Lausanne - Moudon - Payerne - Murten - Bern. 12. Lausanne - Aigle - St-Maurice - Sitten -Brig- Gondo - Landesgrenze. 13. St-Maurice - St-Gingolph. 14. Vevey - Ghätel-St-Denis - Bulle - Posieux • Freiburg - Flamatt - Bern. 15. Neuenbuxg - La Chaux-de-Fonda - Le Locle - Col-des-Roches - Landesgrenze. 17. Col-des-Roohes - Les Brenets. 18. Neuenburg - Biel - Solothurn. 19. Bern - Lyss - Biel - Sonceboz «• Münster - Delsberg - Rein-ach - Basel. 20. Schönbühl - Bätterkinden - Solothurn - Oensingen - Balsthal - Liestal - Muttenz . Basel. 21. Zollikofen - Kirohberg - Murgenthai - Lenzburg - Baden. 22. Bern - Langnau - Wohlhusen - Luzern. 23. Bern - Münsingen - Tihun - Spiez - Interlaken - Brünig - Luzern. 24. Brienz - Meiringen. 25. Achereggbrücke - Stanastad - Stens. 26. La Ghaux-de-Fonds - Sonceboz. 27. Delsberg - Pruntrut - Boncourt *» Landesgrenze - (Delle). 28. Pruntrut - Damvant - Landesgrenze. 29. Oensingen - Ölten - Aarau - Wildegg. 30. Biberist - Nieder-Gerlafingen. 31. Solothurn - Derendingen - Attisholz. 32. Ölten - Niedergösgen - Schönenwerd. 33. Obergösgen-Lostorf. 34. Reinach - Dornachbrugg - Dornach - Genipen. 35. Dornaeh - Goetheanum. 36. Basel - Oberwil - Ettingen - Bättwü. 37. Oherwfl - Benken - Bättwil - Metzerlen. 38. Basel - Ausfallstrassen: a) nach Frankreich: Hüningerstrasse^ Edaäsaerstrasse, Burglelderstrasse, Hegenheimerstrasse", b) nach Deutschland: Grenzacherstrasse, Lörracher- und Baselstrawe, Freiburgers trasse, Hiltalingerstrasse. 39. Basel-SohweäzerhaMe ejnsohRessBoh Abzweigung nach Kunimatt (Pratteln) - Stein - Frick - Brugg - Baden - Neuendorf - Industriestrasse - Zürich. 40. Stein - Laufenbung. 41. Liestal - LättfeMingen - Otten - Dagmereell«n w 1 Sursee - Nottwil - Emmenbriicke - Luzern, 42. Wolhusen - "Willisau - Dagmerselien. 43. Willisau - Sursee - Münster - Emmenbrücke. (Schluss Seite 7.) "• i Beamten im Hause zu bleiben. Bei Tage werde man im Hause, Hof und Garten gründliche Nachsuche halten. Er selber brachte mit den beiden anderen Beamten die drei Gefesselten zu einem geschlossenen Dienstauto, das inzwischen jenseits des Grabens an der Brücke vorgefahren # war, und lieferte sie in das Gefängnis der' Kreisstadt zur Untersuchungshaft ab. 23 Gegen halb acht Uhr — ungefähr um dieselbe Stunde, als die beiden Fremden im Kolmanzer Gasthaus zusammen zu Abend, assen — erwartete Georg in dem verabredeten Weinhause am Kurfürstendamm Christine. Er sah frischer und zuversichtlicher aus als in den letzten Tagen, er zweifelte nicht, dass der gefährliche Zeuge seines brüderlichen Begräbnisses, der alte Dvorak, jetzt endlich hinter Schloss und Riegel sass. Auch freute sich Georg auf den Abend mit Christine. Sie war pünktlich und überraschte Georg durch ihre Erscheinung. Einfach, aber gut. angezogen, verleugnete sie in ihrem Benehmen nicht die halbe Grossstädterin, die sie schon geworden war. Georg Hess ein paar rote Rosen auf den Tisch stellen, suchte ein kleines Abendessen aus und war sehr heiter. Eine neckende Anspielung auf die schöne Mähne des Herrn Ingenieur Wermstedt erwiderte Christine mit einem entschiedenen Kopfschütteln. (Fortsetzung im «Autler-Feierabend».)

W 52 - 1933 iOTCMÖBK-REm, __„ Sportnachrichten * * vm J-VW ^ — i - . . r . *•' ' ^'—r-r — T - i r ~. •. . . _ i T ~ _ „I" •__. "1 " VIII. Internationales Kesselberg-Rennen r. Brauchitsch fährt auf Mercedes-Benz die beste Zeit des Tages. — Siena auf Alfa Romeo, der Schnellste der Rennwagen. — Von den Schweizern waren U. Maag auf Bugatti und H. Gübelin auf Chrysler -Plymouth besonders erfolgreich. Urfeld, den 18. Juni. Der Fährmann am Bodensee mag sich am Freitag gewundert haben, dass fast mit jeder Fahrt Schweizerautos überzusetzen waren, die teilweise als sorgsam verpackte Fracht Rennwagen bargen und die kaum erwarten konnten, bis sie am anderen Ufer angelangt, die Reise fortsetzen konnten. Sie alle strebten einem gemeinsamen Ziel, dem Kesselberg, zu, um dort unsere Farben am Sonntag am bedeutendsten Bergrennen Deutschlands zu vertreten. Kochel und Urfeld, die beiden an malerischen Seen prächtig gelegenen Ortschaften am Fuss und am Auslauf der seit Jahren bekannten Rennstrecke, hatten sich schon in ausgesprochene Heerlager der Rennfahrer mit ihrem Tross treuer und sachverständiger Mechaniker und ihrem Park an Maschinen, Zubehör und Werkzeug verwandelt. Ueberall ein ununterbrochenes Kommen und Gehen. Hier wurden Tankstellen eingerichtet, dort Pneulager bereitgestellt, Polizeitruppen und nationalsozialistische Formationen erhielten ihre letzten Instruktionen, buntes Fahnentuch und Reklamebänder wurden an allen möglichen und unmöglichen Stellen aufgemacht, Offizielle bezogen ihre Hauptquartiere und Kommandoposten, Mechaniker inspizierten die zu beziehenden Garagen, Fahrer machten sich bereit, um den ersten Kontakt mit der Strecke zu nehmen, während vom Berge vielfach der Widerhall der aufheulenden Maschinen und sirenenden Kompressoren ertönte, welche nun für kurze Tage die Gegend beherrschten. Samstag war der einzige offizielle Trainingstag, aber ein jeder wusste, dass diese zwei bis drei Probegaloppe nicht ausreichen konnten, um mit der Strecke so vertraut zu werden, dass man getrost die Entscheidung abwarten konnte. So spielte sich schon am Freitag bis spät in den Abend hinein ein inoffizielles und um so eifriger betriebenes Training ab, das von Behörden und Offiziellen mit viel Verständnis und Sportsinn einfach hingenommen wurde.. .Im .Gegenteil machte man bereits die Streckenmanrischäft mobil, um diesen nicht ungefährlichen Verkehr von rasch und scharf aneinander vorbeiziehenden Maschinen möglicht zu regeln und sicherzustellen. Die Schweizer hatten durchwegs in Urfeld Q'uartier bezogen und waren schon am Tage der Ankunft eifrig mit allen notwendigen Vorbereitungen und dem ersten Studium der Strasse beschäftigt. "'Sie sind hier gern gesehene Gäste und einige ijnter ihnen zählen schon zu den Habitues und aiten Bekannten. So nimmt Stuber zum vierten Male am Rennen teil und Gübelin wie auch Schneider sind schon letztes Jahr gestartet In der Liste der Klassenrekorde figurieren die Namen von Täuber, Schneider und Stuber, dessen Bestzeit seit dem Jahre 1930 unverändert besteht! Aber nicht nur die interessante Strecke und die bayrische Gemütlichkeit und Gastfreundschaft bilden für die schweizerischen Sportleute einen Anziehungspunkt. Das ausserordentliche Entgegenkommen, das die Veranstalter unseren Landsleuten beweisen, ermuntert sie immer mehr, am Kesselberg mit von der Partie zu sein. Es wird alles getan, um ihnen den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen, um die Formalitäten wie Wagenabnahme etc. zu vereinfachen. Recht ansehnliche Barpreise für Bestzeiten, neue Rekorde und Bestleistungen in Kategorien und Wertungsgruppen machen auch den Erfolg interessant. Statt Nenngelder zu verlangen, werden Startprämien ausgerichtet, um hauptsächlich auch den ausländischen Fahrern die Teilnahme unter geringsten eigenen Kosten zu ermöglichen. Der Erfolg blieb nicht aus: Von über 200 Anmeldungen allein siebzig Nennungen für das Automobilrennen, die sich auf zehn Staaten verteilen und von denen elf aus der Schweiz stammen, nämlich diejenigen von Stuber, Maag, Markiewicz, H. Kessler, Zwimpfer, Gübelin, Ruesch, Godeffroy, Schölten, Schneider und Grosch. Unsere Gruppe ist demnach mit derjenigen der Italiener die stärkste der ausländischen Vertretungen. Das rege Interesse unserer Fahrer für dieses Rennen dürfte doch für einzelne Organisatoren inländischer Veranstaltungen ein Fingerzeig sein, dass auch bei uns die Voraussetzungen für eine gutbesetzte Startliste geändert haben. Die Tatsache mag an und für sich bedauerlich sein und die finanzielle Frage in der Organisation von Rennen in den Vordergrund stellen. Es wird aber kaum etwas anderes übrig bleiben, als gleich wie das benachbarte Ausland sich möglichst gut mit den neuen Verhältnissen abzufinden. Das Training war auf 3 Uhr morgens angesagt und so gab es eine reichlich frühe Tagwache, die aber keiner versäumen wollte. Am Vorabend hielten die Schweizer noch kurzen Kriegsrat und wurde ad hoc eine Chronometreur-Kommission bestellt, welche « Freund und Feind» während des Trainings sorgfältig unter die Lupe resp. unter den Sekundenzeiger zu nehmen hatte. Da der Berichterstatter mit von der Partie war und wir uns nach einigen parlamentarischen Unterhandlungen mit der gestrengen Streckenbewachung einen sehr geschickten Beobachtungsposten sicherten, von dem aus die Hälfte der Strecke unter Kontrolle genommen werden konnte, so war es möglich, sich ein ziemlich gutes Bild von den Kräfteverhältnissen und den verschiedenen Erfolgsaussichten zu machen. Mit Ausnahme von Borzacchini, der gar nicht eintraf, waren diejenigen Fahrer zum Probegalopp bereit, die am Rennen selbst eine Rolle zu spielen versprachen. Die « Rot- Weissen» waren vollzählig erschienen und hinterliessen am Samstag einen sehr guten Eindruck. Grosses Interesse brachte man den Läufen von Stuber entgegen, dessen bisherige Erfolge am Kesselberg ihn mit in vorderste Linie stellten. Aber auch die bemerkenswerten Zeiten von Maag, Kessler und den beiden Chryslerfahrern Zwimpfer und Gübelin Hessen hoffen, dass noch der eine oder andere Klassensieg unseren Farben anfallen werde. Stuber zeigte bereits, dass er ein alter Bekannter am Kesselberg ist, denn seine Trainingsresultate standen mit wenigen andern zuoberst auf unserer Liste. Die beiden Italiener Siena und Tadini, dann Pietsch und Burggaller waren ebenso schnell. Auch v. Brauchitsch, Steinweg und der Engländer Straight erwiesen sich als gewiegte Fahrer, so dass es am Sonntag nicht an schärfster Konkurrenz fehlen wird. Da in allen Wertungsgruppen und in beiden Kategorien das Kräfteverhältnis ziemlich gleichmassig verteilt ist,- so .wird es keiner der schweizerischen Sportsleute leicht haben und jeder Erfolg muss schwer verdient werden. Ruesch konnte nur mit dem Sportwagen trainieren, da seine Rennmaschine trotz allen gemachten Anstrengungen nicht rechtzeitig von Lemberg her hier eintraf. Am Abend spät kam dann endlich der langersehnte Alfa und so wird er mehr auf gut Glück am Sonntag antreten müssen. Schneider konnte wegen Zündstörungen nur wenig trainieren und auch Markiewicz, Schölten, sowie Godefroy, kehrten immer wieder zur Mechanikerboxe zurück. Schon am Training selbst zeigte sich wieder einmal, wie der bayerische A. C. seine Rennen zu organisieren versteht. Ueberall begegnete man grösstem Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft. Die Organisation klappte im allgemeinen bereits in den Vortagen, wie man es sich von deutscher Gründlichkeit gewöhnt ist. Die Streckenbewachung war geradezu überorganisiert, so viel Mannschaft stand zur Verfügung, von der jeder einzelne seine Aufgabe äusserst ernst und wichtig nahm. Bei der Wagenabnahme waren Dolmetscher da, um den fremdsprachigen Gästen den Verkehr mit den Offizielen zu erleichtern. Auch für private Zwecke standen diese sprachgewandten Leute zur Verfügung. Das Pressebureau war zuverlässig betreut und auch der Lautsprecherdienst bestand seine Probe mit sehr gut. Man hatte sogar daran gedacht, aus der Schweiz die Grammophonplatte mit der schweizerischen Nationalhymne kommen zu lassen, damit der Tusch nicht fehle, wenn unsere Farben am Siegesmast hochgehen sollten. (Es geht zwar die Mähr, dass in Zürich keine solche Platte aufzutreiben war und man sich mit der englischen Version behelfen musste, die ja in der Melodie genau gleich ist!) So war man auf jedes Detail bedacht und mit bester Zuversicht konnte man dem Grosstag entgegensehen. Das Wetter machte ordentlich Sorge. Am Freitagabend ein ausgiebiges Gewitter, am Samstag abwechselnd Sonne und kalter Regen, so dass man nicht in Versuchung kam, sich nach einem Badekostüm für einen Besuch des Strandbades umzusehen. Nachdem es die ganze Nacht richtig Bindfaden geregnet hatte, waren die Aussichten für eine einwandfreie Piste recht bescheiden. Unerwartet hellte es aber auf und abgesehen von einem kurzen Regenschauer, der allerdings einige Fahrer beträchtlich benachtei- Welches ist wirklich der beste Reifen? Gibt es bessere Beweise für die überragende Qualität des Das Rennen. In Vereinigung mit zehn technischen Hochschulen wurde unter Heranziehung der vier fuhrenden Reifenmarken eine über ganz Amerika erstreckte Untersuchung vollendet zum Zwecke der Feststellung Welches ist wirklich der beste Reifen? Die Untersuchung erstreckte sich auf folgende Fest- Stellungen: 1. Laufflächen-Abnützung, 2. Kilometerleistung, 3. Qualität. Resultat: Wenn man den Wert des Reifens, der die geringste Leistung erzielte mit 100 einsetzt, • sind die Vergleichswerte bei den vier führenden amerikanischen Pneu - Marken folgende: Reifen A . a s i » . . 100 Reifen B . 100 Reifen f% 108 ROYA L REIFEN 115 Pittsburgh Testing Laboratory ligte, konnte das Rennen bei trockener Strasse und sogar etwas Sonnenschein durch-' geführt werden. Renntechnisch ist die Strasse nicht etwa erstklassig. Sie weist zwar einen durchgehenden und guten Belag auf, allein die Anlage vieler Kurven lässt sehr zu wünschen übrig, indem gerade die gefährlichsten meistens stark nach aussen abfallen. Die zahlreichen Stürze beim vorangehenden Motorradrennen zeigten, dass die Piste keineswegs harmlos ist, wenn auch Länge und Steigungsverhältnisse rein zahlenmässig keine besonderen Schwierigkeiten vermuten lassen. Gerade die ersten schweizerischen Konkurrenten, Schneider, Schölten und Godefroy, kamen in den Regenguss hinein, wodurch ihre Resultate natürlich erheblich beeinträchtigt wurden. So vermochte Schneider keineswegs an seinen letztjährigen Klassenrekord heranzukommen und musste mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen. Ebenso ging es Schölten, der ausgerechnet eine Sekunde hinter dem Erstplazierten einging, eine Zeitdifferenz, die bei günstigerem Wetter und vielleicht etwas gründlicherer Kenntnis der Strecke spielend zu seinen Gunsten hätte ausfallen können. Auch will die Führung einer Bugatti- Maschine, wie sie Schölten nun neuerdings fährt, in langer Praxis ergründet sein. Während Godefiroy in der stark vertretenen Klasse der 2—3 l noch ehrenvoll unter den Preisträgern rangieren konnte, wurde für Ruesch eine Zeit von 5.12,1 gemeldet. Nachdem er im Training durchwegs unter 5 Minuten geblieben war, und von uns Zeiten um 4.20 herum chronometriert wurden (wobei wir uns keineswegs vermessen, den offiziellen Chronometreuren ins Handwerk pfuschen zu wollen), so brachte die obige Zeitmeldung viel Kopfschütteln in unserem Lager. Man ist versucht, an einen Rechnungsfehler zu denken, denn eine um eine Minute kürzere Zeit hätte in Anbetracht der Maschine und des Fahrers weit eher den Erwartungen und den Verhältnissen entsprochen. Überhaupt haben die Resultate bei unsern Landsleuten nicht nur Enttäuschung, sondern auch etwelche Zweifel in die Zeitberechnung aufkommen lassen. Dies mag vor allem darauf izurückgeführt werden, dass die Angaben, welche Funktionäre des Renn- oder Pressebureaus noch während des Rennens mündlich machten, in verschiedenen Fällen keineswegs mit den nachträglich angeschlagenen und als offiziell bezeichneten Resultaten übereinstimmten. Nun darf ja freilich nicht vergessen werden, dass die in der Hitze des Gefechtes gemachten mündlichen. Mitteilungen weder verbindlich sind, noch immer absolut zuverlässig zu sein brauchen, indem gewöhnlich keiner der Hilfsfunktionäre den Ueberblick über das Ganze hat. Aber wie es eben ist: wenn durch solche scheinbare Widersprüche gewisse Zweifel 1 einmal Wurzel schlagen, dann lassen sie sich nicht so rasch wieder beseitigen. Auf alle Fälle haben eine Anzahl Fahrer eine noch-, Rialige Kontrolle und Nachrechnung der Zei-' ten verlangt. Eine wirkliche Ueberraschung brachten die beiden Chryslerwagen, vorab der von Gübelin gesteuerte Plymouth. Die Aussichten für die beiden Fahrer waren im Grunde genommen recht bescheidene, denn es schien doch als überschätzte man die Leistungsfähigkeit der Maschine, wenn ausgesprochene Tourenfahrzeuge den Kampf mit ebenso typischen Sportmodellen aufnehmen wollten. Von der erstaunlichen Strassenhaltung und den restlos zuverlässig und unmittelbar wirkenden Bremsen haben wir uns anlässlich von Trainingsfahrten selbst überzeugen können und nachdem auch der Anzug nichts zu wünschen übrig Hess, so konnte man doch mit mehr Berechtigung als ursprünglich angenommen, die Chancen gegeneinander abwägen. Gübelin leistete sich dann das allgemein für unmöglich gehaltene Husarenstück, den bestehenden Klassenrekord zu verbessern. Freilich gegen den reinrassigen Austro- Daimler-Sportwagen konnte er nicht aufkommen, denn schliesslich sind auch einem Plymouth technische Grenzen gezogen. Zwimpfer plazierte sich nur mit rund drei Sekunden Differenz, was angesichts des bedeutend schwereren Wagens und im Vergleich zu Resultaten von Kompressormaschinen, deren Zeiten vereinzelt in engster Nachbarschaft hiezu figurierten, als eine vorzügliche Referenz für Wagen und Fahrer bezeichnet werden muss. Auf alle Fälle haben die Zürcher mit ihren «malefiz sauba'rn Kist'n» berechtigtes Interesse erweckt. Ihre Leistungen sind um so höher zu veranschlagen, als sie nicht nur unter dem Eindruck eines schweren Unfalles erzielt wurden, sondern da sie eben deswegen ihr Rennen zweimal starten mussten. Zwimpfer und Gübelin befanden sich nämlich gerade auf der Strecke, als die Meldung von den Posten zwischen Kilometer 2,5 und. 3 eintraf, dass der von Grosch in Lausanne pilotierte Alfa Romeo verunglückt sei. Daraufhin wurden die drei im Rennen liegenden Konkurrenten angehalten und mussten nach. y